Viele berichten über Panikattacken und Angstzustände nach Alkohol, die mit heftigen Grübeleien und einem verwirrten Körpergefühl einhergehen. Dabei saßen früher Politiker schon mittags mit Zigarre und einen Glas Brandy zusammen. Auch in der heutigen Zeit ist Alkohol noch immer ein sozial legitimiertes und zweifelsfreies Mittel und das, obwohl Alkohol zu den schwersten Suchtmitteln gehört. Doch Alkohol wird gern in Zeiten von Sorgen, Krisen, Ängsten und Traurigkeit benutzt, um sich Mut anzutrinken, gelassen und ruhiger zu werden. Teils legitimiert wird das durch Studien, die besagen, ein Glas Wein würde Entspannung herbeiführen.

Wer mehr trinkt, erlebt am nächsten Tag einen immens geschwächten Körper und Geist, der durch Angstzustände reagiert, wobei einige Menschen heftiger reagieren als andere. Dies betrifft vor allem Menschen, die sensibler oder gar hochsensibel sind oder die Tendenz haben, eher rational als emotional zu agieren. Wer also ohnehin schon viel denkt, unter Stress, Ängsten und Depressionen leidet, gräbt sich mit jedem Glas Alkohol für die nächsten 24-48 Stunden sein eigenes Grab. Denn Alkohol spielt mit der Psyche wie die Katze mit der Maus, besonders wenn man Schwierigkeiten mit dem Thema Schuld und Scham hat.

In diesem Artikel findest du Antworten, wieso der Kater am nächsten Morgen Angst, Panik und Depressionen bereithält.

 

„Wer Sorgen hat, hat auch Likör.“

Irgendwann las ich einmal den Spruch: “Trinke nur, wenn es dir gut geht, damit es dir noch besser geht.” Doch leider trinken wir eher Alkohol, damit es uns gut geht. Der Spruch: „Wer Sorgen hat, hat auch Likör.“ ist heute stimmiger, als je zuvor. Wir suchen Verbindung, Kommunikation, Freiheit und Freude und nutzen Alkohol, um uns mit Menschen verbinden zu können oder nicht fühlen zu müssen, wie getrennt wir uns fühlen.

Hier fällt das Stichwort Solidarität. Wir solidarisieren uns ebenfalls gern und reihen uns ein, machen mit, trinken einen mit jemandem, um diese erwähnte Verbindung zu schaffen. Auch Gruppenzwang, sog. peer pressure, spielt eine Rolle. Alkohol ist eine Art sozialer Kleber, der oft und gern benutzt wird, um

  • sich die Welt schön und heil zu trinken (Abstand von Sorgen gewinnen)
  • Unsicherheiten und Ängste abzustellen und sich Mut anzutrinken
  • Schwieriges oder Belastendes ausblenden zu können (Konflikte vermeiden)
  • eigene negative Gefühle abzustellen (sich betäuben, etwas runterzuspülen)
  • Nähe zu schaffen (Hemmungen abbauen, Zusammengehörigkeit spürbar machen)

Wer Sorgen hat, auch auch Likör.Von geselligen Abenden mit Freunden und Kollegen bis hin zu Kummerzeiten mit der Flasche Alkohol allein in der Küche: Wir versuchen in 99 Prozent aller Fälle durch ein Gift eine Besserung in unseren Köpfen herzustellen. Wir versuchen, das, was schwierig und widrig ist, abzustellen, zu betäuben und herunterzuschlucken. Wir begreifen nicht, was verborgen in uns waltet und versucht, zu uns zu sprechen.

Dahinter zu schauen, einmal hinter die Angst (so schaltet sie sich nicht davor) zu sehen und zu erkennen, was uns Sorgen macht und wie wir mit ihnen umgehen, ermöglicht uns,

1.) die Situation nicht noch schlimmer zu machen (emotional, psychisch, körperlich)
2.) Konflikte, Sorgen und Ängste zu lösen statt sie zu meiden und zu verneinen. Wir glauben, sie eher im Griff zu haben, doch stattdessen rennen wir vor dem Konflikt davon.

Kennst du dieses Sprichwort noch? „Ich versuche, meine Probleme wegzutrinken, aber die Scheißer können schwimmen.“

 

Angstzustände nach Alkohol: Wie Alkohol Angst und Depressionen auslöst und verschlimmert

Wer eher bei Alkoholsorten wie Wein, Sekt, Bier (besonders Hefeweizen) zu Angst, Depressionen und Panikattacken tendiert, der kann im Gegenzug einmal hochprozentigen, KLAREN Schnaps probieren (ohne Zuckerzusätze wie in Cocktails oder in Verbindung mit Cola o. Ä.). Bei den ersteren Getränken wird Histamin ausgeschüttet, ein Hormon, was in einem starken Zusammenhang mit Panikattacken und Depressionen steht. Auch die Diskussion von Histaminunverträglichkeiten mit Angstzuständen fällt unter diesen Punkt.

Hinzu kommen die verschiedenen Rollen des Hormons Dopamin, das bei Alkohol übermäßig beeinträchtigt wird: Da es mitunter als Motivations-, Glücks- und Angsthormon agiert, ist es wenig verwunderlich, dass nach einer kurzen Zeit die Wirkung des Hormons bei Alkohol aus der Reihe fällt bzw. verstärkt wird. Bei Angst steckt das Hormon auch im Angstzentrum, der Amygdala. Sowieso schon dort, kommt durch Alkohol auch noch eine Verstärkung hinzu. Das arme Hormon weiß sozusagen gar nicht richtig, was es nun eigentlich tun soll. Je mehr Dopamin durch Alkohol im Körper vorhanden ist, umso vermehrter und stärker die Angst, Panikattacken und Depression.

Und es gibt weitere Aspekte, die Alkohol bei Angst, Panik und Depressionen nachteilig wirken lässt:

1.) Durch Alkohol werden die Nebennieren angeregt, das Stresshormon Kortisol auszuschütten. Kortisol macht uns wach, schärft unsere Sinne, lässt uns mehr wahrnehmen. Es ist das top Stresshormon neben Noradrenalin und wird körpereigens zwischen acht und neun Uhr am Tag produziert. Der empfundene Stress (durch die erhöhte Konzentration des Hormons) wird durch Alkohol verstärkt, die Angst dadurch ebenso. Auch wirken Medikamente ähnlich wie Alkohol. Hier ist es wichtig, dass man in Erfahrung bringt, ob das Medikament bei einem Kater über die Nieren oder die Leber abgebaut wird. Wird es über die Leber abgebaut, kann es bei gleichzeitigem Abbau zu giftigen und organschädigenden Konsequenzen kommen. Daher rät Aponet beispielsweise speziell von Paracetamol ab.

„Gerade Menschen, die empathischer und feinfühliger als andere wirken, sind häufig anfälliger für psychische Probleme und greifen häufiger zum Alkohol, um sich zu beruhigen.“

2.) Angst wird zudem durch Alkoholkonsum verstärkt, da das Entscheidungs- und Vernunftsareal im Gehirn durch Alkohol nachweislich beeinträchtigt wird. Motivation (gegen die Angst), Handlungsplanungen und -steuerungen (gegen die Angst), Impulskontrolle (Achtsamkeit, bewusste Entspannung, Glaube u. v. m.) als Fähigkeiten werden verringert. Haben wir in unserer Vergangenheit bereits Erfahrungswerte mit Schuld und Scham, die Alkohol lösen sollten oder gar mit Alkohol in Verbindung gebracht werden, existieren starke neuronale Bahnen. Erinnerungen und negative Gedankengänge werden noch verstärkt.

Die Gehirnstrukturen werden zudem durch den Alkohol geschädigt. Gleichzeitig wird der Kopf für Angstzustände nach Alkohol: Alkohol löst Angst und Panik aus.das Denken sensibilisiert, also überreizt, Grübeln verstärkt sich und statt dass die Angst sich lösen oder mindern würde, wird sie durch die Überreizung weiter angekurbelt. Das fand der Psychopharmakologe Wolfgang Sommer am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit heraus.

Spätestens nach dem Alkoholkonsum (innerhalb der kommenden 24-72 Stunden) kommt es aufgrund des Alkoholabbaus zu einer körperlichen und damit geistigen Instabilität. Wer sich also wundert, wenn er am kommenden Tag nach langanhaltendem oder übermäßigem Alkoholkonsum mehr grübelt, unsicherer ist, verängstigter, diffuser und vernebelter, der kann gleich den Gedanken: Das ist der Alkohol!!! hinterherschieben. Auch gibt es viele, die mir berichteten, dass sie sich selbst als kaltherzig, distanziert und unsensibel nach Alkohol erleben. Diese Symptome sind bei häufigem oder intensivem Alkoholgenuss stärker ausgeprägt, als bei einem einmaligen, gemäßigten Trinken mit Freunden pro Woche. Der Umstand jedoch bleibt derselbe.

3.) Die USA listen in ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Angst sogar die sogenannte substanzinduzierte Angststörung, wie Dr. Hans Morschitzky schreibt. Die Symptome der Angst und Panik sowie Depressivität

  • treten nach Alkohol (beim Abbau des Alkohols oder beim Entzug) auf,
  • treten durch Alkohol auf (während des Konsums), heißt Angst entsteht durch Alkohol,
  • treten nach einem übermäßigen Alkoholkonsum bzw. einer Alkoholvergiftung auf.

Die dadurch folgenden Herz-Kreislauf- sowie Blutzucker-Schwierigkeiten wiederum lösen spielend einfach Panikattacken aus. Im Allgemeinen würde es bei Panikbetroffenen häufig einen unverhältnismäßig hohen Konsum von Alkohol, Zigaretten oder Kaffee in der Vergangenheit geben, allesamt ursächlich für die Panikentstehung, so Dr. Morschitzky. Umgekehrt führe Alkoholismus häufig zu Depressionen, wie netdoktor schreibt.

 

Besonders schädlich für sensible Menschen

Gerade kreative, hochsensible und introvertierte Menschen, die ohnehin anfälliger für Angst, Stress, Panik und Depressivität sind, weil mehr Einflüsse von außen von ihnen aufgenommen werden, fühlen sich von Alkohol angezogener. Sie glauben durch den Konsum, die aufgewühlten Angstzustände nach Alkoholund als negativen Gefühle dämpfen zu können, statt sich Strategien zur Bewältigung der Gefühle anzueignen. Alkohol tritt besonders bei sensiblen Menschen – bis hin zur möglichen Sucht – überschnittlich oft als zweitrangiges Problem auf. Wir vergessen lieber, dass die Besserung der Konflikte durch uns erfolgen müsste. Nüchtern. Nur die knallharte Konfrontation mit Problemen und Belastungen unseres Lebens kann etwas ändern. Wiederum nur mit einem klaren Geist, der uns vernünftiges Denken ermöglicht. Es ist unsere Bereitschaft und Fähigkeit, uns den Konflikten und unseren Gefühlen zu stellen, um im Leben mit mehr Selbstsicherheit und Selbstvertrauen voranzukommen.

 

Vom Problemtrinken zur Alkoholabhängigkeit in drei Schritten

Die Notwendigkeit, sich dem harten Alltag, seinen Gefühlen und dem Eingeständnis, mit einigen oder vielen Umständen Schwierigkeiten zu haben, zu stellen, zeigt sich in der Suchtentstehung. Oft spielt Sehnsucht, Freiheit und/oder der Mangel nach Geborgenheit oder Kontakt eine Rolle. Abhängig wird man in drei Stufen:

Stufe 1: Problemtrinken

Ein langer und schwieriger Tag, ein belastendes Thema oder ein Konflikt, den wir nicht aufzulösen wissen, ein harter Brocken, den wir nur schwer aus dem Weg geräumt bekommen oder Familienprobleme, Partnerschaftsprobleme oder berufliche Belastungen: All das in Verbindung mit einem beruhigenden, entspannenden und angstlösenden Glas Wein oder einem kalten Bierchen am Abend soll vermeintlich heruntergespült, verdrängt und beschönigt werden. Haben wir jedoch über längere Zeit diese oder ähnliche Belastungen, die wir uns nicht trauen, anzugehen oder unkontrollierbar erscheinen, so stellt sich die

Stufe 2: Psychische Abhängigkeit

ein. Man kommt vom Regen in die Traufe, ohne es zu bemerken, indem man eher zu Alkohol greift, als sich mit seinen Herausforderungen auseinanderzusetzen, Lösungen zu finden, seine Gefühle zu zeigen und auszusprechen, sich jemandem anzuvertrauen, um Hilfe zu bitten usw. Der Mechanismus: Ich habe eine schwierige Situation. Ich löse die Problematik, indem ich … (einen Lösungsweg suche und finde, solange, bis es gelöst ist) gipfelt direkt in Alkoholkonsum. Man vermeidet das eigene Zutun, die Selbstverantwortung für sein Leben und nutzt den Alkohol, um zu verdrängen.

Stufe 3: Körperliche Abhängigkeit

ist dann nicht mehr weit. Der Körper reagiert sofort, wenn der Alkoholpegel sinkt mit derselben Angst und noch härteren Konfrontation mit der Realität UND schickt dann noch die Sucht nach Ethanol nach. Das Gehirn weiß: Aha, ich brauche Alkohol. und erzeugt Entzugserscheinungen wie zum Beispiel starkes Zittern, große innere Unruhe, übersteigerte Angst, starkes Schwitzen, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Übelkeit usw.

 

Zusammenfassung

Wer bereits vor dem Alkohol Angst, Stress, Panik oder Depressionen verspürt, sollte die Finger von Alkohol lassen, denn die Gefühle werden nur noch verstärkt. Nichts wird besser, sondern schlechter. Das bringt eine neue Betrachtung vieler täglicher Suchtmittel mit sich:

  1. maximal zwei Tassen Kaffee am Tag (mehr geht über den verträglichen Spiegel)
  2. maximal vier Tassen Schwarz-, Weiß- oder Grüntee
  3. maximal zwei Gläser Rotwein pro Woche
  4. so wenig Tabak wie möglich

Auf der mentalen Ebene zeigt sich, wie schwer unser Drang nach Freiheit und Verbindung sein kann, während gleichzeitig unsere Gefühle eine Blockade erleben, was wiederum Angst auslöst, verstärkt oder aufrechterhält.

Sucht kommt von Sieche. Holistische Betrachtungen verbinden Sucht häufig mit der Konnotation „er/sie sucht (nach etwas)“.

  • Was sucht man wirklich, wenn man zu Alkohol greift?
  • Ist es die Sehnsucht nach jemanden?
  • Ist es ein Gefühl, das man durch Alkohol ausblenden kann?
  • Stellt sich ein Gefühl ein, wenn man Alkohol getrunken hat (z. B. Erleichterung, Mut, Freiheit von Angst, Selbstsicherheit usw.)?

Finde, was du suchst. Finde, wonach du eigentlich gesucht hast, bevor du Alkohol, Kaffee oder Zigaretten fandest. Die interpretative Medizin verbindet Sucht in vielen Fällen mit der Suche nach Kommunikation, Freiheit und Verbindung (um es nochmals zu erwähnen).

Einziges Credo scheint zu bleiben: Wer Alkohol trotz Angst, Panik und Depression trinkt, muss sich zeitgleich bewusstmachen, wofür er sich gerade entscheidet (für Angst, Panik und Depressivität) und sich noch bewusster werden, was er mit Alkohol, wie auch mit Zigaretten und Kaffee verdrängt.

Mutmachende Grüße, Janett

Janett

Weitere, nicht im Text genannte Quellen:

Spektrum.de: So fatal wirkt Alkohol auf die Strukturen im Gehirn
Netdoktor.de Substanzinduzierte Angststörung Alkohol: Das unterschätzte Gift Depression und Alkoholismus

Erfahrungen Betroffener Angststörungen und Panikattacken

Weitere Strategien gegen Angstzustände findest du in meinem E-Book “Hör auf! Deine Angst. Eine Reise zu den Ursprüngen deiner Angst und Panikattacken” (für eine limitierte Zeit zum reduzierten Preis.).

 

 

 

Das könnte dich auch interessieren: