Was tun, wenn du dich nicht mehr fühlst? Ein Coaching-Tipp

Was tun, wenn du dich nicht mehr fühlst? Ein Coaching-Tipp

 

Ich habe in meinem Podcast bereits über die Macht eines fehlenden Sinns im Leben gesprochen. Dabei habe ich zu erklären versucht, dass wir alle auf der Suche nach unserem Sinn sind, den wir mit einem bestimmten Lebensgefühl in Verbindung bringen. Wenn man glaubt, sich verloren zu haben, an den Partner, die Kindererziehung, den Job (oder Chef), einer Leidenschaft, Drogen, Geld oder sonstiges, meint man in Wahrheit, dass man ein bestimmtes Gefühl nicht mehr spüren kann, ohne das wir uns verloren fühlen, abgeschnitten von uns selbst oder einem wichtigen Umfeld. Ohne dieses Gefühl verspüren wir dann zum Beispiel Enge, Trauer, Schuld, Scham oder Angst.

Wer auf der Suche nach sich selbst ist, darf sich nach diesem einen Gefühl umschauen - in seinem momentanen Leben: Wann war es zuletzt da? Was unternahmen wir, um es zu fühlen? Wann ging es abhanden? Wodurch distanzierte man sich von dem Gefühl? Welche Menschen und Situationen haben die Distanz unterstützt oder gar gefordert?

 

Was mir fehlte und welche Gefühle ich so dringend zurückhaben wollte

Mir fehlten Sinn und Interesse, Anerkennung und Wertschätzung und vor allem Zugehörigkeit und Teilhabe. Schnell wurde mir klar, dass ich mich am falschen Platz befand, nicht nur im Beruf, sondern auch in meiner damaligen Beziehung, selbst in Bezug zu einigen missratenen Freundschaften. Und das machte mir eine Heidenangst. Wann immer ich in Situationen kam, in denen ich das Gegenteil, also das Gefühl der Angstfreiheit und Freude, nicht spürte, bekam ich Panikattacken. Ging ich aber aus der Situation heraus, grenzte mich ab, wagte es, Nein zu sagen oder mich zu trennen, ging es mir schnell wieder gut.

was tun wenn man sich nicht mehr fühltIch hatte zu lernen, Grenzen zu haben und sie zu setzen. Ich hatte zu verstehen, dass ich ein Individuum bin, das selbst auf der Suche nach seinem Sinn ist. Ich durfte vor allem lernen, dass jeder stets versucht, in seinem Leben Sinn zu gewinnen. Und das niemand - NIEMAND - dich stören kann, wenn du es nicht zulässt. Angst aber entstand in mir immer dann, wenn ich anderen erlaubte, mich zu stören. Dann ergab auch nur wenig Sinn. Erledigte ich zum Beispiel Arbeit, die ich für sinnlos hielt, bekam ich Angst. Tat ich etwas, was mir widerstrebte, bekam ich Angst. Waren Gespräche einseitig oder gar destruktiv, bekam ich Angst. Ruderte ich in eine Richtung, die von anderen diktiert worden war, bekam ich Angst.

Es war damals an der Zeit, dass ich mich wieder erkenne - meine Werte und eben dieses eine Gefühl, das meinem Leben Sinn gab: Freiheit zu denken, fühlen und zu tun, was ich wollte. Nicht länger unter den Entscheidungen anderer leiden. Nicht länger die Liebe und Brave, Harmonische und Gefügige mimen. Das hieß Freiheit von Angst und Fremdbestimmung.

Ich musste also mein Kleinsein loswerden, musste mit meinem inneren Kind in ein Gespräch gehen, das schon lange überfällig gewesen war. Ich musste erkennen, wieso ich früher so gern das Opfer gemimt hatte, und dass es jetzt an der Zeit war, diese Haltung zu überdenken und schlussendlich zu korrigieren.

Keine leichte Nummer, aber Schritt für Schritt lernte ich alles das. Doch es dauerte, bis mir klar war, was ich für sinnvoll erachtete, welche Gefühle mich bedrängten, was sie auslösten und was ich eigentlich spüren wollte.

Falls es dir ähnlich geht, hier ist ein Coaching-Tipp:

 

Sinn-volle Gefühle: Selbst-Coaching-Tipp

Welches Gefühl verbindest du mit deiner jetzigen Situation, die dich schlecht fühlen lässt? Vervollständige diesen Satz:
Das Gefühl, dass ich am meisten ablehne, ist  ___________________________.

Dann bilde das Gegenteil dieses Gefühls. Vervollständige den Satz:
Stattdessen möchte ich das Gefühl __________________ spüren.

Gratuliere zum ersten Schritt! Der nächste ist, dass du überlegst, wie du dieses Gefühl wieder etablierst und das gegenteilige Gefühl minimierst. Ganz oft, das sehe ich immer wieder an meinen Klienten und Klientinnen, hat es mit Durchsetzungsvermögen und Authentizität zu tun, der Fähigkeit, zu sich selbst zu stehen, weil man sich kennt. Wenn du weißt, dass dir eine Situation oder ein Mensch, ein Umstand im Job oder in der Partnerschaft schlecht tut, dann solltest du dich weder zwingen noch Ausreden finden, wieso du es dennoch erlaubst. Wir sollten auch niemandem erlauben, für uns zu entscheiden. Denn nur wir wissen, wie wir uns fühlen und was wir brauchen, um uns zu fühlen. Egal, was dir andere sagen: Niemand entscheidet, wie du dich fühlst bzw. zu fühlen hast.

 

Der Sinn deiner Gefühle: Entdecke deine Gefühlswelten

sich wieder fühlenOft sind die ersehnten Gefühle Freude, Angstfreiheit, Vergnügen, Abwesenheit von Traurigkeit und Schmerz, Überraschung (Abwechslung), Schuld- und Schamfreiheit (Du bist richtig! Du machst es richtig!), Abwesenheit von Gegenwehr (alles, was dir gegen „deinen Strich“ geht, soll weg, du willst nicht mehr kämpfen, willst nicht mehr simulieren, willst endlich so sein, wie du bist) oder auch Interesse, Verliebtheit und Stolz, Erfüllung und Verwirklichung.

Hier sind einige Beispiele für Werte, die deine ersehnte Gefühle auslösen könnten und deshalb fundamental tragen:

  • Sicherheit (emotionale, finanzielle und/oder existenzielle)
  • Geborgenheit
  • Zugehörigkeit, Teilhabe, Mitbestimmung
  • Sinnhaftigkeit (z. B. Identitätsstiftung, Zweck, Berufung)
  • Anerkennung und Wertschätzung
  • Zuwendung und Liebe
  • persönliche Freiheit (u. a. Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Erfüllung)
  • Selbstentwicklung und -verwirklichung (Lernen, Spaß am Probieren)

Diese Bedürfnisse entstammen der Maslowschen Bedürfnispyramide und zeigen, dass wir alle diese Bedürfnisse haben - mal mehr, mal weniger, je nach aktueller Lebenslage. Sind diese Bedürfnisse unerfüllt oder haben wir gar Lebensumstände, die uns noch weiter von der Erfüllung entfernen, fehlt dir auch dieses eine Gefühl, was du so dringend möchtest, immer mehr.

Schau deshalb in deinem Leben, was davon du nicht in dem Maße hast, wie du es dir zu fühlen wünschst. Überlege dir, wie du das Gefühl wieder etablieren kannst, wie du die gegenteiligen Gefühle verringern oder gar auf ein Minimum bringen kannst: Was kannst du selbst dafür tun? Wo musst du andere bitten, dich zu unterstützen? Bei wem musst du lernen, dich durchzusetzen? Wem hast du zu selten oder nicht nachhaltig genug deine Grenzen gelehrt? Welche Gefühle hielten dich davon ab? Wovon kannst du dich trennen? Wo musst du einen anderen Weg finden?

Nimm dir nur deine Gefühle, nicht deine Angst, wenn du nach Lösungen suchst. Lass dich von ihnen leiten. Mit ihnen wirst du immer einen Weg finden, näher an das, was für dich Sinn macht, zu kommen. Gib dich aber nicht mit dem ab, was du hast, nur aus Angst. Erlaube dir wieder, dass du dich fühlen und spüren kannst. Jeder hat Liebe, Freude, Erfüllung und Sinn verdient. Natürlich auch du!

Alles Liebe,
Janett

 

 

8 goldene Regeln, wie du dich nie wieder verlierst & stets zu dir zurückfindest

8 goldene Regeln, wie du dich nie wieder verlierst & stets zu dir zurückfindest

 

Ob im Stress des Alltags oder Berufs, in der Partnerschaft oder Familie: Wir alle opfern uns auf, bedauerlicherweise oft bis über unsere psychischen und physischen Grenzen hinaus. Wir verlieren uns Stück für Stück an die Ansprüche der Außenwelt, bleiben tapfer und versuchen, durchzuhalten. Wer schon mit Angst, Panikattacken, Depressionen (auch Bore-out, Burnout) oder „nur“ mit psychosomatischen Beschwerden konfrontiert ist, braucht etwas mehr denn je: sich selbst.

Ich werde oft gefragt, wie man sich nicht an andere oder in misslichen Umständen verliert und trotz aller Widrigkeiten bei sich bleibt. Deshalb habe ich einen Blogpost darüber geschrieben, wie ich damals aus meiner Angst zurück zu mir fand - und auch heute noch bei Missmut, Angst, Stress und Erwartungsdruck stets zu mir finde. Vielleicht sind unter meinen auch welche, die für dich passen:

 

Zurück zu dir: Die goldenen Regeln der Selbstachtung und Selbstliebe

dich wieder spüren können sich verloren habenIch weiß, nicht jeder kann seine Situation ad hoc ändern, aber wenn du weiterhin so tust, als sei alles in perfekter Ordnung, wird dich dein Körper beständig daran erinnern, dass es eben nicht so ist.

Dennoch kann man in der Zwischenzeit einige Signale ernst nehmen und so für sich sorgen. Schritt für Schritt, wenn man sich wieder einem sinnvollen Leben annähern möchte, werden sich auch die nötigen Veränderungen einstellen, wenn man die eigenen goldenen Regeln befolgt. Vorweg: Durchsetzungsvermögen und Persistenz spielen eine enorme Rolle. Zum Glück lassen sich beide gut trainieren.

 

1. Trainiere deine Intuition und vertraue ihr.

Jeder ist intuitiv. Dieses Bauchgespür und das Wissen, welche Entscheidung man treffen oder nicht treffen sollte, wenn man etwas „einfach so“ weiß, kann dich vor groben Abschweifungen von deinem Weg bewahren. Deine innere Stimme wird dir helfen, wann immer sie kann. Darauf ist sie programmiert: Sie soll dich schützen.

Bewahre dir vor allem dieses Gefühl. Traue dich, Nein zu sagen. Rede dich meinetwegen aus einer Situation heraus, wenn du nochmals in dich spüren möchtest, bevor du etwas tust. Das ist nicht immer leicht, besonders, wenn wir von „lauten“ oder sehr fordernden Menschen umgeben sind. Ich habe früher deshalb gern Sätze gesagt, wie zum Beispiel:

  • Hm, gut. Ich werde darüber nachdenken.
  • Das fühlt sich für mich noch nicht stimmig an.
  • Ich bin mir momentan unsicher, ob das mein Weg ist. Ich denke darüber nach.
  • Mein Intuition sagt mir, dass das nicht gut für ______ (mich, das Unternehmen, die Familie) wäre. Ich denke darüber nach.
  • Ich würde gern Nein sagen, aber gib mir noch etwas Zeit.

Ob du tatsächlich darüber nachdenkst oder nicht, spielt keine Rolle. Es geht nur darum, dir Zeit zu verschaffen, um deine Stimme flüstern zu hören. Je öfter du sie trainierst, desto präsenter, lauter und klarer wird sie mit dir sprechen.

Hast du dich mit deiner inneren Stimme „abgestimmt“, kannst du ruhigen Herzens solche Sätze sagen:

  • Es tut mir leid. Ich weiß, wie viel dir das bedeutet. Aber ich sehe mich dort (……) nicht.
  • Ich habe lange und gründlich darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass…

Wenn wir Menschen das Gefühl geben, dass wir sie ernst nehmen und respektieren, dann nehmen sie uns ein Nein auch weniger übel. Selbst bei kommenden Diskussionen oder Streits kannst du auf dein Gefühl beharren. Immerhin hast du tatsächlich in dich hineingehört, aber bist anderer Meinung. Es ist wichtig, zu leben, dass jeder seine eigene Meinung haben und sagen darf.

 

2. Vertraue deiner Körperweisheit.

dem körper vertrauen körperintelligenz körperweisheitAuch Körperintelligenz genannt, meint sie das Vertrauen in deinen Körper. Er zeigt dir durch Symptome und Stimmungen, wie es ihm geht, wie deine Psyche ihn belastet und/oder befreit. Fühlst du dich leicht und voller Energie, hast du keine Gedanken an andere, Missstände, Vergangenes und Zukünftiges verschwendet. Du warst im Hier und Jetzt. Hast du dich aber in Grübeleien, Wutgespräche mit jemandem oder im Kopf befasst, wird dir dein Körper das spiegeln. So auch, wenn du deinen Lebensstil in Ernährung oder Bewegung (Energiefluss) gegen das, was dein Körper will, richtest. Du übersäuerst ihn mit Toxinen statt ihn zu reinigen. So kann keine Leichtigkeit entstehen, dafür aber Schwere, die sich wiederum in Krankheiten manifestieren.

Eine weitere Sache in puncto Körperintelligenz ist Vertrauen gegenüber seinen Signalen. Wenn dir dein Körper sagt, dass er keine Zeit mit so viel Arbeit oder langweiligen Tätigkeiten verbringen möchte, er Magenschmerzen oder Erkältungssymptome als Signal nimmt, um dich lahm zu legen, dann mit Grund: zum Beispiel, um dich zu Ruhe zu zwingen oder aber um dir zu helfen, etwas nicht tun zu müssen, um dich einer negativen Situation nicht auszusetzen.

Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob du die Situation negativ einschätzt. Meistens hat dein Körper eine andere Meinung als du. Eben deshalb ist es so wichtig, deine Intuition und dein Vertrauen in dich zu entwickeln, um zu verstehen, was dir guttut und was eben nicht. Lass deinen Körper für dich sprechen.

Gleiches gilt auch und besonders für Menschen, die nicht Teil unseres Lebens sein sollten (oder es bereits spiegelmäßig nicht (mehr) sind). Vertraue auch da deinem Körper, wenn er dir zeigt, dass er keine Lust auf die Schwiegermutter am Wochenende oder auf den netten, aber energiesaugenden Kollegen hat.

 

3. Bleibe in deiner Energie.

Die Kür des Lebens, wie ich finde, aber eine, die sich lohnt, zu meistern. Energie folgt der Aufmerksamkeit, wie wir mittlerweile alle wissen. Gehst du mit deiner Energie ins Früher oder ins Morgen, dann meistens mit Angst oder Trauer. Wenig verwundern sollte es dann, dass du dir Sorgen machst und dich Angst beherrscht, die dich klein hält und dir Blödsinn einredet. Zum Beispiel, dass du nicht gut genug seiest.

Du brauchst dir keine Gedanken um früher zu machen. Einige Kapitel deines Lebens sind (ja, zum Glück!) abgeschlossen, auch wenn du manchen mit Reue gegenüberstehst. Wir denken und fühlen uns viel in vergangene Ereignisse und Menschen, die nicht mehr in unserem Leben sind, ein, genauso, wie wir uns vor Trennung/Ablehnung noch anwesender Menschen fürchten. Ja, leider gibt es Personen, die weit von sich und Liebe entfernt sind, die anderen lieber die Schuld und Verantwortung geben, als auf sich zu blicken. Oder die im Kleinsein gefangen sind und Mühe haben, dem zu entfliehen. Auch hier gilt: Achte auf dein Grundgefühl. Frage dich immer bei urplötzlichen Wellen von Empathie oder Pflichtgefühl, überraschender Trauer und gar Angst:

Sind das meine Gefühle?

vertraue deiner energie in der eigenen energie bleibenIch habe mich oft dabei ertappt (bis heute!), dass ich im Gefühl bei jemand anderem war. Egal, ob ich wütend, froh, ängstlich, gestresst, panisch oder traurig war: Ich konnte erst unterscheiden, wessen Gefühle es sind, die ich gerade in mir bunkere und anziehe, als ich mir die Beschaffenheit meiner Energie und Gefühle näher ansah. Du kennst deine Ecken und Baustellen. An ihnen hast du gelernt, welche Gefühle überwiegend als Ergebnis entstehen. Zum Beispiel ist Schuld ein häufiges, ähnlich wie Scham. Diese kommen aber überwiegend durch Menschen, die uns das Gefühl geben (weil aus Angst vermitteln), dass wir uns „falsch“ verhalten oder gar „falsch“ seien - weil wir anders denken oder leben (möchten). Das taucht oft bei Wachstumsschmerzen auf, ähnlich wie Zorn. Wir sind oft innerlich rasend vor Wut, wenn uns jemand am Wachstum hindert und uns klein halten möchte, einfach, weil es das Leben desjenigen vereinfacht. Dennoch: Es sind seine Gefühle. Auch die Angst, dich zu verlieren, oder die Wut, dass du etwas anders möchtest, die Trauer, dass es etwas für dich nicht funktioniert oder wegen des Gedankens, der Andere sei nicht gut genug für dich. Sie landen einfach bei dir.

Sich an seine Energie zu halten, fremde Energie/Gefühle von den eigenen unterscheiden und abgrenzen zu können, braucht etwas Übung. Aber je fokussierter wir sind und bleiben, desto eher erfahren wir, wie unsere Energie sich anfühlt. Je öfter wir in Freundschaften oder in anderen sicheren Verbindungen an unserer durchsetzungsstarken Kommunikation arbeiten, desto leichter wird es uns fallen, zu sagen: „Ich würde dir gern diesen Gefallen tun/für dich da sein… Ich kann dich verstehen, doch ich habe eine andere Meinung.“ „Ich kann nachvollziehen, was du sagst, aber ich sehe das anders.“ Solche Kommunikation ist gewaltfrei und macht deutlich, dass wir unserer Energie folgen wollen und werden.

Eine andere Strategie, um in seiner Energie zu bleiben, ist Zeit allein zu verbringen bzw. sich mit Leidenschaften, Hobbys und Interessen zu beschäftigen, die nur dir allein dienen und keine Außenwirkung anpeilen. Das kann Malen, Schreiben, Stricken, Basteln, Gassigehen, Joggen, Fernsehen, Telefonieren, Handwerken und so weiter sein. Hauptsache, es gehört dir allein. Hauptsache, niemand greift in deine Energie ein. Je empathischer und sensibler du bist, desto eher lohnt es sich, Abgrenzung täglich zu trainieren. Achtsamkeit ist dabei besonders wichtig. Doch statt auf andere und das, was sie gern sehen/haben wollen würden, zu achten, achtest du vordergründig auf dich und deine Bedürfnisse.

 

4. Akzeptiere, wer und wie du bist.

sich selbst nicht mögenDer Bauch zu dick, die Augenringe zu dunkel, die Beine nicht definiert genug und wären da nicht noch all die schlechten Seiten deines Charakters, wegen denen du glaubst, so wenig liebenswürdig zu sein… Genau solche Vorwürfe, in denen du dich absichtlich klein hältst, sind fatal, wenn du zu dir zurück willst. Du wirst mir sicher zustimmen, dass es nur Teile deines Selbst sind, an denen du die Reaktionen anderer erklärst. Zu dir gehört so viel mehr: viele schöne Seiten, die du übersiehst, weil du nur auf einen einzigen Teil blickst, dich wie ein Hund daran festbeißt.

  • Er/Sie wollte mich nicht, weil ich nicht gut genug aussehe!
  • Er/Sie hat sich von mir abgewandt, weil ich nicht erfolgreich genug bin!
  • Meine Familie würde mich weniger lieben, wenn ich ihr meine wahren Seiten zeigte.
  • Mein/e Partner/in würde sich für mich schämen, wenn ich nicht stets und ständig 100 Prozent Leistung erbrächte.
  • Wenn ich nur stärker, intelligenter, stressresistenter, anerkannter, wichtiger, reicher, geduldiger wäre, dann…
  • und und und.

Wir projizieren oft unsere unerfüllten Wünsche auf irgendeine Ecke und Kante unseres Körpers und Charakters. Doch in Wahrheit sind wir gut so, wie wir sind. Es wird immer Menschen geben, die das bejahen und eben auch solche, die uns oder Teile unseres Selbst ablehnen. Recht machen kann man es ohnehin nicht jedem.

Entscheidend ist also, dass wir uns selbst so mögen, wie wir sind. Das heißt nicht, dass wir alles an uns und unserem Leben geil finden müssen. Es heißt, dass unsere Gedanken über uns immer auch unsere ersehnten Ziele markieren. Höher, schneller und weiter als unsere Gedanken werden wir nie kommen. Also sorge dafür, dass du so gut und hoch wie möglich von dir denkst. So ziehst du auch nichts und niemanden an, der dir als Spiegel deiner angeblichen Fehler dienen kann. Projektionen werden also weniger.

Wenn du deine Macken und Makel liebst, liebst du auch andere Menschen, so wie sie sind. Mögen wir uns trotz unserer schlechten Angewohnheiten und äußerlichen „Mängel“, können wir die anderer ebenso leicht annehmen und lieben.

Das ist wahre Akzeptanz.

 

5. Sei eigensinnig.

Trau dich, anders zu sein.

 trau dich anders zu sein eigensinn sich abgrenzenSchau mal genau hin, wo du so lebst wie alle anderen oder wie es dir gesagt wird/wurde. Frage dich mal ganz ehrlich, ob du es morgen anders machen würdest, wenn du könntest. Und dann tue es.

Solltest du dich nicht trauen: Probiere dich in einem sicheren Rahmen aus, wenn du das brauchst, oder kündige einige Änderungen sanft an: „Ich würde gern ab nächste Woche XYZ anders machen. Nicht, dass du dich wunderst.

Entscheidend ist häufig dein Tonfall. Wenn du solche Ankündigungen oder Besprechungen leise und mit Piepsstimme sagst, wirkst du wenig entschlossen. Übe ein überzeugendes Auftreten doch einfach mal mit einem guten Freund oder jemanden, dem du voll und ganz vertraust, bei dem du Fehler machen kannst, mit dem du lachen kannst. Solche Trockenübungen sind psychologisch gesehen Rollenspiele und wirken wohltuend auf die Psyche und Seele. Sie geben dir das Gefühl, dass du selbstsicher bist und weniger Opfer der Umstände, sie stärken deine Selbstwirksamkeit und lassen dich so natürlich wachsen.

 

6. Erinnere dich an alles, was du vergessen hast (oder vergessen solltest).

vergiss was du als kind gelernt hast falsche glaubensmusterFolgst du diesen Vorschlägen, werden dir schnell Aspekte am deinem Denken, Fühlen und Verhalten auffallen, die antrainiert und gelernt wurden. Es schien leichter, dich anzupassen, früher, als du dich noch anpassen solltest oder gar musstest, um sicher zu sein. Aber Anpassung ist nicht der leichteste Weg, erst recht nicht, wenn du wachsen möchtest, weil dich Angst, Panik oder Stress sichtlich lähmen.

Erstaunlicherweise durfte ich feststellen, dass meine Eigensinn sehr viel willkommener war, als ich anfangs dachte. Es machte mich stärker. Starke Menschen sind besonders im Beruf gern gesehen, aber auch in Partnerschaften und Freundschaften setzt Stärke und Eigensinn Grenzen, die viel Gutes bewirken können. Und auch dem Anderen Sicherheit und gleichzeitig neuen Freiraum bieten.

Frage dich, was dir abtrainiert und was antrainiert wurde. Was ist noch heute eine (schlummernde) Stärke deines Charakters? Trau dich, genau das wieder zu sein und zu leben. Du wirst nicht nur dich, sondern auch das Leben anderer damit bereichern. Und die, die sich erst einmal sträuben, werden sich mit der Zeit daran gewöhnen.

 

7. Erkenne dein altes Ich.

Hast du diese Regeln auf deine Weise und in deinem Tempo erfolgreich gelebt, wirst du schnell sehen, was du früher warst und heute glaubst, zu sein. Du wirst dich mehr spüren und eher ein Gefühl für deinen Weg entwickeln. Dann bekommt dich so leicht keiner mehr auf andere, fremde Wege. Deine bisherigen Barrieren werden davonfliegen wie ein vormals eingesperrter Vogel wirst du dich selbst befreien.

Je resistenter du wirst, desto weniger Widerspruch und Kritik wirst du übrigens erhalten. So entwickelt sich Willensstärke, weil man auf sich vertraut und andere dir ergo ebenso vertrauen. Natürlich ist eine sanfte Art der Umsetzung immer besser für dein Umfeld und dich. Doch ehrlich: Falls es nötig würde, dich wortgewaltig durchzusetzen, und auch wenn du spürst, dass eine Entladung dir guttäte: Leg los. Aber stehe für dich ein und sorge dafür, dass du mit dem Wunsch nach psychischer und physischer Entlastung und Beschwerdefreiheit gesehen wirst UND dich selbst siehst. Ändere Situationen, die sich ändern lassen. Hole dir Hilfe. Tue, was nötig ist.

 

8. Nimm dir Zeit für dich.

dein altes ich dein neues ichDir nach und in all diesen Schritten regelmäßig Zeit für dich zu nehmen, ist unabdingbar. Du brauchst Zeit allein oder mit deinen Lieben, um zur Ruhe zu kommen und damit wieder zu dir. Völlig gleich, wie du diese Zeit gestaltest: Genieße sie und erlebe den Moment, dass niemand in deine Handlungen und Gefühle eingreift.

Setze dir zum Beispiel anfangs eine halbe Stunde Zeit pro Tag, idealerweise immer zur selben Uhrzeit. Kündige es gern an, sodass die Menschen deines Umfelds sich nicht überrannt fühlen. Erkläre ihnen, wenn nötig, wozu du das brauchst und machst. Und dann: Sei für dich da. Erlaube dir diese Abgrenzung, ohne schlechtes Gewissen.

Lass vor allem auch den Anderen die Möglichkeit, zu lernen, dass du ein individueller Mensch bist, der über seine Grenzen gegangen ist - mit (vielleicht sogar schwerwiegenden) Folgen für dich und deinen Körper. Lass dir aber auf keinen Fall einreden, dass du diese Zeit nicht brauchen darfst oder andere ja auch so viel leisten oder oder oder… Jeder ist unterschiedlich und kann Ereignisse besser oder schlechter ab. Jeder darf deshalb auf seine Weise mit Erlebnissen umgehen.

 

So viel zu meinen Regeln von damals und heute. Ich hoffe, du kannst einige davon gebrauchen. Lass mich gern wissen, welche Regeln du für dich umsetzt oder welche hier nicht gelisteten Regeln anderen noch helfen könnten!

Ich wünsche dir wie immer viel Erfolg auf deinem Weg zurück zu dir!

Alles Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Podcast: Wie ein fehlender Sinn in deinem Leben Angst verursachen kann

Podcast: Wie ein fehlender Sinn in deinem Leben Angst verursachen kann

 

Wir alle haben mindestens einen Lebensbereich, der kaum mehr Sinn ergibt: Der einstige Zweck hat sich selbst verloren, wir möchten nicht mehr Zeit und Energie in einen Job, eine Partnerschaft oder Freundschaft investieren. Statt uns aufzurappeln und loszulegen, Veränderungen anzuschieben und unser Leben in die Hand zu nehmen, tun wir nichts - aus Angst vor den Konsequenzen.

Wie können wir vorgehen, wenn wir wieder sinnerfüllt leben möchten?
Und was kann geschehen, wenn wir unserem Leben den Sinn verweigern?

In diesem Podcast spreche ich auch über Menschen, die durch unsere Entscheidungen für mehr Sinn (was auch Trennung, Konflikte usw. mitbringen könnte) beeinflusst werden und sich dagegen stemmen, uns vermeintlich abhalten wollen vom Wachsen: Sie sind sogenannte Schwellenhüter.

Was bedeuten diese Menschen für unser Leben?
Wollen sie etwa nicht, dass wir mit Herz und Sinn leben?

Die Antwort darauf und viele Strategien aus der Coaching- und Schreibtherapie-Praxis, um Richtung Sinn zu leben, erfährst du in meinem ersten Podcast (mit Schnupfen-Stimme, verzeih!).

Viel Spaß beim Zuhören und ich würde mich unendlich freuen, wenn du mir einen Kommentar dalässt und schreibst, ob Reden hier nur Silber oder vielleicht doch hin und wieder Gold sein könnte. :0)

 

 

Alles Liebe,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

 

 

Das kleine Mädchen Muss: „Ich will nicht mehr allein sein!“ (Nummero 3)

Das kleine Mädchen Muss: „Ich will nicht mehr allein sein!“ (Nummero 3)

 

Das Kleine Mädchen Muss beruht auf eigenen Erlebnissen und Auseinandersetzungen mit meinem inneren Kind, dem man nicht immer alles erlauben und schon gar nicht alles glauben muss. So zickig, wie sie auch sein kann: Sie meint es nur gut mit der erwachsenen Janett, auch wenn sie oftmals vergisst, dass wir keine Kinder mehr sind. Die Regeln der „Großen“, die sie in Schönschrift stets auf einer Papierrolle bei sich trägt, gelten heute einfach nicht mehr. Aber erklär‘ das mal einer 12jährigen, die stets versucht, brav und gehorsam zu sein, um ihre Ziele zu erreichen! 


Neulich datete ich wieder einmal einen Mann. Paul sah gut aus, schien intelligent und nett und war ein paar Jahre älter als ich. Und wie viele Singles in Berlin hatte auch er es recht eilig im Finden der Liebe: Treffen nach fünf oberflächlichen Nachrichten, Knutschen am ersten Abend und diese eine bestimmte Biersorte, die ich seiner Meinung unbedingt! trinken musste - aber nicht trank, was ihm genauso wenig schmeckte wie mir Bier.

Schon bei diesem ersten Anflug von Übergriffigkeit wurde ich vorsichtig. Mein kleines Mädchen Muss aber hatte sich schon in der Vorbereitung auf das Fest unseres Lebens komplett in die Farbe der Liebe gekleidet und sich für Beziehung, Zusammenziehen, Hochzeit, Kinder bereitgemacht. Endlich ein erfülltes Leben!, wie sie fand. Dass ich ihr da einen Strich durch die Rechnung machen würde! In ihren Augen war es ein Verbrechen, einen solchen Mann abzuweisen. Sie verzehrte sich nach Liebe und Aufmerksamkeit, doch vergaß beizeiten gern, sich den jeweiligen Mann etwas genauer anzusehen, bevor wir uns auf ihn einließen.

An jenem Abend, es war gegen 22:30 Uhr, verstand sie die Welt nicht mehr. Und erwartete Antworten. Wir sollten eine der schwierigsten Diskussionen führen, die ich je mit meinem inneren Kind hatte austragen müssen. Wir standen im Wohnzimmer, sie bockig und ich genervt. „Ich kann nicht mit einem Mann zusammensein, der mir diktiert, was ich zu fühlen und zu wollen habe! Und das schon beim ersten Treffen! Also HALLO?“ erklärte ich ihr.

„Was ist das denn für ein Grund, bitte?“ totterte sie und erinnerte mich an all die dummen „Regeln“, die man als Kind so lernt und leider selten wieder vergisst. So auch sie. „Regel Nummero 68: Du musst immer lieb, brav und nett sein. Nur dann mögen dich Menschen. Regel Nummero 68a: Was nicht für dich passt, musst du halt passend machen.“ An ihrem ernsten Blick konnte ich ablesen, dass sie so schnell nicht aufgeben würde. Sie rückte ihre Besserwisser-Brille zurecht, während ihre Stirn in Zorn vor sich hinknitterte.

„Das ist ein sehr guter Grund! Ich suche nämlich einen Partner und keinen Vater.“

Wütend stapfte sie auf den Boden. „Ich will nicht mehr allein sein!“

„Liebe hat aber nichts mit Gehorsam zu tun. Sie ist kein Weg aus der Angst vor’m Alleinsein oder der Einsamkeit, Angst, nicht genug zu sein und Angst vor Trennung und Verlust… Soll ich weitermachen?“

Sie seufzte tief. „Weißt du, was ich glaube, was der Paul gedacht hat? Er wollte nur, dass du einen schönen Abend hast!“ schnödelte sie weiter. „Männer sind da doch ganz einfach gestrickt: Sie wollen die Frau erobern, sie beeindrucken, mit ihrem Wissen, ihrem Aussehen“, belehrte sie mich, während ihr langer, wohlgeflochtener Zopf im Takt ihrer Argumentation wippte. „Und auch mit ihrer sensiblen Seite, ihrem Erfolg und kulinarischen Erfahrungen!“ Sie legte bedächtig ihr Patschehändchen auf meine Schulter. Sie verfolgte ganz offensichtlich einen Plan, wie sie mich doch noch dazu bekam, dass ich Paul voller Freude anrief, obwohl wir nicht zusammenpassten.

„Bier für drei Euro fünfzig in ’ner Weddinger Kneipe? Das ist doch nicht kulinarisch!“ Und er hätte es noch nicht einmal bezahlt, dachte ich mir im Stillen. Ich vergaß, dass sie alle meine Gedanken hören konnte. Sie war eben Teil von mir - so wie so manches Bier zu manchem Mann gehörte.

„Das hätte er bestimmt, wenn du nicht auf deinen blöden Weißwein bestanden hättest!“ prustete sie.

(Immerhin schmeckte der vertraut.)

„Oder nimm diesen ersten! Ähm…wie hieß er denn noch gleich?“ Sie klappte ihre Regelrolle auf. Sie hatte darauf einen dieser gelben Memozettel geklebt und die wenigen Namen der Männer, die ich seit meinem Partnersuchstart im Juni kennengelernt hatte, notiert. Ich lugte verwundert über den Rand der Rolle.

„Meinst du den, der eigens nach ein paar Stunden beschloss, dass ich mit ihm schlafen würde?“

„Ja! Genau…“ Sie hielt kurz inne. „…aber er war SEHR freundlich!“ Ich nickte nur stumm und versuchte ihr mit einem lächelnden Blick zu sagen, dass ich diese Diskussion ganz sicher gewinnen würde, wenn ihre Argumente weiterhin so dünn blieben.

„Oder Nick!“ Ich hätte es ahnen müssen. „Er wollte, dass du zu ihm fährst, aber nein! Du musstest ja lieber mit deinen Freundinnen tanzen gehen!“ Natürlich holte sie die eine Keule heraus, die mich am ehesten treffen würde. Und natürlich heißt er nicht Nick. Einige Mädels aus der Schule nannten ihn nur so, weil er früher so aussah wie Nick Carter. Ich war ihm vor einigen Wochen auf einer Singlebörse „über den Weg gelaufen“ und musste mich unweigerlich daran erinnern, wie schwer ich von der 7. bis zur 11. Klasse in ihn verknallt gewesen war. Das letzte Jahr war er nicht einmal mehr auf der Schule gewesen, aber er wurde trotzdem schmerzlich vermisst. „DEN mochte ICH!“

„Genau. DU mochtest ihn. Das kleine 12jährige Mädchen, das noch nicht einmal einen BH trug, als sie von einem der begehrtesten Jungen der ganzen Schule gemocht wurde! In deinem Kopf stehst du noch immer im Bus zur Schule und klammerst dich an die Haltestange - aus Angst, umzukippen, weil er hinter dir steht!“

Sie schaute mich verblüfft an. „Ja, so war das. Worauf willst du hinaus?“

„Dass ich keine 12 mehr bin und er keine 14. Jeder hat sein Leben. Wir sind erwachsen.“ Als wir für einige Tage sporadischen Kontakt hatten, wurde schnell klar, dass es ihm stresstechnisch nicht so gut ging. Mir ging es selbst sehr verhalten zu der Zeit. „Du erinnerst dich an meine Schlafprobleme? Ich hatte einfach keine Kraft.“

„Aber du hättest doch trotzdem hinfahren können! Du bist doch nur nicht zu ihm, weil du Angst hattest, dich in ihn zu verlieben! Von wegen ‚keine Kraft‘!“

Wie kommt man da wieder heraus?, fragte ich mich. Ich musste mich an all die Männer erinnern, die ähnliche Diskussionen mit mir geführt hatten und partout nicht verstehen wollten, dass Liebe nicht immer in eine Beziehung führt und eine Beziehung eben mitunter auch keine Liebe macht. Egal, wie sehr man in jemanden verliebt war, für die Liebe muss man Platz im Leben schaffen. Aber nicht immer war das so einfach, besonders beim Thema Jugendliebe oder gar Fernbeziehungen.

„Angst muss nicht immer falsch sein. Manchmal ist sie auch sehr nützlich.“ Ich prüfte kurz, ob das in Bezug zu Nick auch stimmte oder nur eine Ausrede war, die in meinem Kopf gut klang. „Wie dem auch sei…“ Ich schüttelte der Einfachheit halber den Rest der Zweifel ab, während mein kleines Mädchen Muss mich angestrengt musterte.

Ich fuhr fort: „Nick mal kurz beiseite! Was die anderen Männer angeht: Wer sich wie ein kleines Mädchen benimmt und auf Teufel heraus von irgendwem geliebt werden will und alles tut, was der potenzielle Partner will, der wird auch wie ein kleines Mädchen behandelt. In unserem Fall heißt das, Süße: Wir kriegen Männer ab, die uns sagen, was wir trinken, essen, denken, fühlen, wollen und tun sollen. Man sollte weder seine Gesundheit noch sein Wohlbefinden für eine Beziehung opfern, nur aus Angst vor’m Alleinsein.“

„Du bist echt die Einzige auf der Welt, die es schafft, eine Einladung oder ein Bier zu einem Thema der Unterdrückung zu machen. Und DU nennst MICH verrückt!“ Sie stapfte wieder auf die Dielen, die unter ihren kleinen Füßen bejahend quietschten.

Ich spitzte die Lippen, um etwas mehr Zeit zu gewinnen. „Touché“, grinste ich ihr schließlich breit ins Gesicht, und gab mich mit der Schwäche geschlagen, mitunter schneller das Handtuch zu werfen als andere.

Sie schnaubte enttäuscht und wurde urplötzlich traurig. „Andere haben wenigstens jemanden, auch wenn sie nicht verliebt sind oder es nicht optimal passt.“

„Und ich wünsche ihnen viel Glück dabei. Aber das ist nicht unser Weg.“ Ich musste kurz ein- und ausatmen. „Ich glaube eben nicht, dass eine Beziehung ein Ersatz für einen Lebensplan ist.“ Immerhin hatte ich zu genüge lernen dürfen, dass Partnerschaften einen weder vor den Unannehmlichkeiten des Lebens noch vor einen selbst retteten. Am Ende war man doch nur mit sich zu Gange, im Guten wie im Schlechten. Wer nicht mit seinen Gefühlen, besonders den fiesen und stechenden, umgehen konnte, der würde auch vor den Tiefs in einer Partnerschaft nicht gefeit sein. Davon war ich überzeugt. Das war mein 11. Gebot. Gäbe es das als Bildspruch, würde es in A0-Format über meinem Bett hängen. Wenn ich mir all die Paare ansah, die aus lauter Angst vor einem Neubeginn oder ihren Gefühle und dem, was NACH einer Trennung kommen könnte, lieber an ihrer kaputten Beziehung festhielten, wollte ich instinktiv immer zum Telefonhörer greifen und meiner Mutter gratulieren, dass sie mir so einen Unsinn nicht beigebracht hatte.

„Manches auf dieser Welt kann man einfach nicht erzwingen. Und Liebe gehört definitiv dazu. Schreib das doch bitte mit zu deinen Regeln…unter Nummer…ähmmm…“ Ich versuchte mich an die letzte Regel zu erinnern, aber meine Kleine hatte so endlos viele.

„Regel Nummero 100: Du musst immer wollen, was andere wollen!“ Sie starrte eine Weile auf diese Regel.

„Merkste selbst, oder?“ lächelte ich vorsichtig, um sie nicht weiter zu enttäuschen.

Sie seufzte, streckte mir ihre kleine, zarte Hand offen hin und signalisierte damit, dass ich ihr einen Stift reichen möge. Ich tat wie verlangt, aber musste unentwegt grinsen, so wie Nick es früher immer getan hatte, wenn er sich über jemanden amüsierte - im niedlichen Stil - mit erhobenem Kopf und einem verschmitzten Blinken in den Augen. Sie holte noch einmal Luft, bevor sie den Stift ansetzte und die Regel durchstrich. Dann schaute sie mich mit großen Fragezeichen im Gesicht an. Sie wollte eine neue Regel. Sofort.

„Wie wäre es mit ‚Ich darf darauf vertrauen, dass zur rechten Zeit der richtige Mensch in mein Leben tritt.‘?'“

„Echt jetzt?“ wütete sie. Ich nickte nur und verschränkte bestimmt die Arme vor der Brust. Sie musterte mich ein paar Sekunden lang und schrieb schließlich gehorsam meine Worte auf. Doch eine letzte Frage brannte ihr noch unter den Fingernägeln:

„Und wie geht’s nun weiter?“

Ich wusste, dass mein kleines Mädchen Muss einen Plan wollte, eine Garantie, und die am liebsten mit Unterschrift und Blutzeichen. Doch für Liebe gibt es nun einmal keine Garantie. Und wie mein Ex Sven immer so schön und richtig zu sagen pflegte: ‚Man kann sich eben nicht aussuchen, wen man kennenlernt.‘

„Was machen wir denn jetzt?“ wiederholte sie ihre Frage etwas drängender.

Ich dachte kurz nach und seufzte. „Weinchen?“ grinste ich sie schließlich an und tätschelte ihr auf dem Weg in die Küche beruhigend die Schulter.

©Janett Menzel

Fotos: New York Zoos and Aquarium

Hier geht’s zur ersten Episode des kleinen Mädchens Muss: >> Das kleine Mädchen Muss: Der innere Kritiker (Nr. 1)
Hier geht’s zur zweiten Episode des kleinen Mädchens Muss: >> Das kleine Mädchen Muss: „Du brauchst einen Mann!“ (Nr. 2)

 

Was die Angst, sich zu zeigen, bedeutet & was man gegen sie tun kann

Was die Angst, sich zu zeigen, bedeutet & was man gegen sie tun kann

 

Heute kontaktierte mich eine meiner Leserinnen, die schon seit sehr langer Zeit spürte, dass sie etwas in ihrem privaten und beruflichen Leben verändern muss. Gleichzeitig spürte sie heftige Blockaden, die mit körperlichen Symptomen der Angst, Trauer, Schuld, Scham und sogar Panik einhergingen, wenn sie sich und ihre Potenziale zeigen wollte.

Wie so viele, die gerne ihr wahres Ich in voller Größe leben wollen, fürchtete auch sie, zu versagen. Stattdessen passte sie sich weiter einem genormten Leben an und orientierte sich an dem, was „man darf“ und was sie glaubte, zu können. In ihr hallten unentwegt die Stimmen der Anderen:

  • Das ist falsch!
  • Lass von deinem Bauchgefühl ab!
  • Mach es so wie alle anderen!
  • Du darfst deinen eigenen Weg nicht gehen!
  • Du bist nichts Besonderes!
  • Du begehst einen Fehler!
  • Das wird doch nie was!
  • Das braucht die Welt nicht!
  • Es gibt schon zu viele. Du bist kein Stück anders!

 

Über die Angst, sich zu zeigen, und wie sie entsteht

was tun gegen die Angst sich zu zeigenEs waren eben die Gedanken der Anderen, nicht ihre eigenen. Sie war es gewohnt, zu tun und zu lassen, was ihr andere als „richtig“ und „gut“ vermittelt hatten. Sie glaubte aus Gewohnheit, dass sie ihr wahres Ich in voller Größe nicht zeigen und ausleben dürfte. Sie hatte den Stimmen zu lange gehorcht und war nun sicher, dass sie sich schuldig machen würde, wenn sie sich erlaubte, anders, besonders und bedeutungsvoll zu sein und zu leben. Sie fürchtete die Reaktionen der Anderen: belächelt zu werden, zu bereuen, allein sein zu müssen. Das wollte sie nicht. Sie wollte Teil sein und brauchte - wie alle anderen auch - die Zuwendung und Unterstützung ihres sozialen Netzwerks. Doch es gab diese kleine Stimme in ihr, die ihr nicht länger erlaubte, sich klein zu machen und von anderen klein halten zu lassen. Diese Stimme wollte, dass sie sich traut und in ihrer wahren Größe zeigt - endlich umsetzt, was sie sich so sehnlichst wünschte: Sein und leben, wer sie wirklich ist.

In vielen bebt der Wunsch nach Größerem, der Drang, endlich ihre Leidenschaften und Begabungen im vollen Potenzial auszuleben. Sie wollen sichtbar werden oder an den großartigen Veränderungen in den Köpfen der Menschen teilhaben, sich sozial oder andersartig einbringen. Sie wollen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse an Menschen weitergeben, die noch auf der Suche sind. Sie wollen endlich zeigen, was sie können - und DASS sie etwas können. Doch gleichzeitig fürchten sie sich davor, was geschehen könnte, wenn sie es dann tun. Es ist eine Angst vor den Konsequenzen, die unentwegt gegen die Angst vor Selbstverlust kämpft. Hin und hergerissen zwischen der Intuition und dem sozialisierten „Verstand“ wissen sie keine Kompromisse.

 

Was die Angst, sich zu zeigen, mit der Angst vor Gefühlen zu tun hat

Wer schon einmal heftige Angst erlebt hat, kann sich an Momente im Leben erinnern, in dem man von außen ausgebremst wurde. Sei es, dass man in der Kindheit durch Eltern oder Geschwister lernte, sich zurücknehmen zu müssen. Oder man hat im weiteren Verlauf des Lebens festgestellt, dass es leichter ist, Zuwendung und Wertschätzung zu erhalten, indem man sich anpasst. Ganz oft vergaß man sich selbst dabei und vor allem seine eigenen Bedürfnisse. Damit verneinten sie gleichzeitig ihre Talente und Fähigkeiten. Stattdessen widmeten sie sich anderen Menschen und dem was diese brauchten und wollten. So lernten sie, sicherzustellen, dass sie in Kontakt und sicher bleiben und nicht übersehen werden würden. Dummerweise übersahen sie sich die ganze Zeit und brachten vielleicht sogar noch anderen Menschen bei, dass es o. k. wäre, dass sie übersehen wurden.

Was sich eigentlich dahinter verbirgt, ist eine Angst vor Gefühlen: den eigenen und denen der Anderen, die in Verlust gipfeln würden (bei einigen bis hin zu Todesangst oder der Angst, mit ihrem gewohnten Ich vernichtet zu werden). Denn, was würde es auslösen, wenn man plötzlich über sich hinauswächst und sich in einem anderen Licht präsentiert als jenes, das andere von uns gewohnt sind? Würden uns andere dann nicht belächeln oder uns als größenwahnsinnig beschreiben? Hier ein Sinnbild:

Stehen zwei Menschen voreinander.
Fragt der eine entsetzt den Mutigen: „Was fällt dir eigentlich ein? Was glaubst du, wer du bist?“
Antwortet der andere: „Was glaubst du eigentlich, wer du bist? Was fällt dir ein?“

 

Die Welt ist dein Spiegel

angst sich zu zeigen projizierenEigentlich wäre es doch ein Leichtes, zu sagen: Ich habe ein besonderes Talent. Ich liebe mein Leben. Ich möchte es dafür nutzen, meine Fähigkeiten ins Unermessliche ausleben zu können. 

Doch zu oft zeigt sich die Welt und ihre Bewohner als Spiegel unserer Ängste. Was wir glauben, zu sein oder nicht zu sein, zu können oder eben nicht zu können, wird uns dann immer wieder auf einem Silberteller präsentiert. Es kitzelt unsere Angst vor Ablehnung und Kritik in Form unseres inneren Kritikers heraus, zeigt uns unsere Makel, lähmt unseren Körper mit Angstsymptomen und sorgt für noch weniger Selbstachtung und Selbstwert. Gleichzeitig wirft es einen auf die Angst vor zu viel Aufmerksamkeit zurück. Denn viele sind es gewohnt und hassen es, dass sie begutachtet werden (es erinnert an eine leidvolle Prüfung) und eventuell kritisiert werden in ihren vermeintlich mangelhaften Leistungen. Eine andere Seite an dieser Angst ist, dass man als „zu gut“ eingestuft würde (Spiegel dafür, was man sich noch nicht zutraut) und Menschen plötzlich erhöhte Ansprüche an einen stellen würden. Perfektionstendenzen scheinen uns ab meiner Generation quasi in die Liege gelegt worden zu sein. Wenn dann auch noch die Welt auf uns schaut und stets prüft!, ob wir hier wirklich etwas können, und erwartet!, dass wir großen Leistungen erbringen, wird entweder aus dem Wollen schnell ein Müssen (im schlimmsten Fall auch Burnout) oder eine immerwährende Prüfungssituation.

Die Angst vor Leistung und Sich-Beweisen dämmt man nur mit einer gesunden Selbstabgrenzung und der Fähigkeit, auch einmal alle Neune gerade sein zu lassen (bei sich), Pausen einzulegen und einzufordern und Nein sagen zu können. Man muss wissen, wie man mit Neidern und eifersüchtigen, shitstorm-affinen Menschen umgeht, ohne sich zu verletzen, während man unentwegt seinen eigenen Weg weitergeht.

Es braucht die Fähigkeit, nicht perfekt sein zu wollen, das Wissen, dass man gut genug ist und nicht alles können oder wissen muss. Es bedarf das Vertrauen, dass man stetig wachsen und Fehler korrigieren kann, dass man es nicht jedem rechtmachen kann. Am wichtigsten jedoch erscheint mir die Fähigkeit, respektvoll mit fremden Gefühlen wie auch den eigenen umzugehen, statt sich vehement zu rechtfertigen, durch noch mehr Leistung oder totalem Verzicht überzeugen zu wollen. Mir half es immer, zu sagen:

„Es ist schön, dass du deine Gedanken dazu mit mir teilst. Das zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich Menschen die Welt doch sehen.“

 

Von den Einen belächelt und den Anderen abgelehnt

keine angst vor der eigenen größeNatürlich gibt es genauso viele Menschen, die eher bewerten und andere für ihre Talente und ihren Mut verurteilen. Es bringt nichts, an ihnen herumschrauben oder sie überzeugen zu wollen. Sie leben nach anderen Regeln, so wie wir nach unseren. Sie haben sich in den Rahmen der Gesellschaft fest eingereiht und geben oft alles, um nirgends anzuecken oder negativ aufzufallen. Viele von ihnen tragen noch ihre inneren Kinder höher als ihr erwachsenes Ich. Kinder möchten, dass die „Großen“ stolz auf sie sind, sie etwas richtig gemacht und „es“ geschafft haben, das zu sein, was die Großen ihnen beibringen wollten. „So ist es richtig. Das hast du gut gemacht!“

Es ist eben diese Angst vor dem Auffallen, die eine andere Angst, nämlich die, negativ aufzufallen, mit sich bringt. Und auch die Angst vor den eigenen destruktiven Gefühlen, die andere Menschen verletzen könnte, schwingt mit.

Betrachten wir das einmal genauer: Wenige schauen gern Menschen dabei zu, wie sie sich selbst feiern. Es löst Fremdscham und Befangen aus. Einige freuen sich mit, aber wollen auch gleich auf den Zug aufspringen und mitmachen, aber nichts allein tun, um so weit zu kommen. Andere verurteilen Menschen, die sich zu ernst nehmen. Oder sie schütteln vehement den Kopf, wenn sich ein Mensch selbst verwirklichen möchte und dafür alle Brücken hinter sich abbricht. Die Reaktionen sind verschieden, aber zeigen alle die Angst davor, nichts und niemand zu sein. Wer „besser“ ist, der hält ihnen im schlimmsten Fall den Spiegel hin und sagt: „Siehst du, so gut bin ich. Du bist schlechter.“ oder noch schlimmer: „Du bist ein Nichts gegen mich.“ (Nur, dass sie das meistens gar nicht sagen, sondern sich die Wertenden das einreden, damit sie sich eben nicht weniger wert fühlen. Das Gefühl der Verachtung ist ein unheimlich spannendes, denn es kommt einer Präventionsmaßnahme gleich: Sie werten den Anderen im Vorfeld ab, um sich im Vergleich nicht selbst abwerten und keine Trauer, Wut, Angst, Scham oder Schuld fühlen zu müssen.)

Doch in Wahrheit trauen sich diese Menschen wenigstens etwas zu. Sie nehmen sich und ihr Leben ernst genug, um es so zu leben, wie sie es sich wünschen. Ungeachtet dessen, was andere über sie sagen, denken und urteilen, wagen sie es, ihre Lebensaufgabe zu suchen und sie auszuleben. Leider tun sich noch viel zu viele schwer damit. Sie wollen niemanden verletzen und von niemandem verletzt werden. Sie hegen Selbstwertzweifel und Sorgen um ihre Existenz, aber auch um ihre Beziehungen. Verlustängste plagen sie genauso wie die Angst vor Inbeschlagnahme, wenn sie blieben, wer sie mimen zu sein, gepaart mit dem Gedanken, man könne oder dürfe nicht besonders/anders/begabt/mutig sein.

 

Drei Wege, um die Angst, sich zu zeigen, zu mildern

Janett Menzel

 

Weg 1) Warte noch länger auf dich und deine Aufgabe: Wenn dieser Drang nämlich erst einmal so tief geworden ist, dass nichts ihn noch besänftigen könnte, spielt auch die Angst vor Kritik, zu versagen, Trauer, Schuld und Scham keine Rolle mehr. Meist aber hat deine Seele dann schon alle Register gezogen und dich auch körperlich lahm gelegt, um deiner Angst ihren Ausdruck zu verleihen, damit du dich endlich darum kümmerst.

Weg 2) Höre auf, zu warten, und darauf, dass andere für dich, deine Fähigkeiten und deinen Lebensweg bereit sind: Die Auseinandersetzung mit deinen negativen Gefühlen kann bereits helfen, ein gesundes Ich herzustellen oder aber es zu unterstützen. Besonders die Angst vor den eigenen destruktiven Gefühlen wie Wut auf die Anderen oder deren Verachtung darf begegnet werden. Wer jemanden bewusst zu eigenen Gunsten kleinhalten will, dessen Rahmen darf gern aufgebrochen werden. Auch wenn dein innerer Kritiker unentwegt meckert und mahnt: Du DARFST und wirst Fehler machen. Aus denen wirst du lernen. Wie bei Kindern hilft es, sie hinfallen und wieder aufstehen zu lassen, dabei zu entmutigen, weiter zu machen und nicht gleich aufzugeben. Erlaube dir das Spielerische an deinem Weg und deiner Aufgabe.

Weg 3) Erkenne, dass alle Menschen ein Recht auf ihre Meinung haben und du auswählst, welchen Vorschlag du annimmst - und welchen nicht. Da die Menschen am meisten unter dem leiden, was sie denken, was andere von ihnen denken könnten, hier noch zwei, drei Worte dazu, was wirklich in den meckernden und urteilenden Menschen vor sich geht. Ich habe das zu genüge beobachten dürfen und daher weiß ich um den eigentlichen Kern: Sie haben Angst. Es ist dieselbe Angst wie deine:

  • Im Vergleich mit dir schneiden sie schlechter ab, denn sie sehen, dass sich jemand etwas (mehr) zutraut als sie selbst.
  • Sie selbst haben ggf. gelernt, dass sie nicht besonders sein sollen, sondern sich in Anpassung und Genügsamkeit üben müssten.
  • die angst der anderenVielleicht haben sie noch stärker unter Abwertung oder Kritik gelitten, als sie sich ausprobierten, das Leben spielerisch erprobten, besonders in ihrer Kindheit. Oder sie leiden noch immer unter Fehlern, die schwerwiegende Konsequenzen nach sich trugen. Statt sich weiter oder neu zu vertrauen, misstrauen sie sich lieber aus Vorsicht.
  • Es gibt auch viele, die schlichtweg schwer damit umgehen können, wenn einer „größer“ erscheint (im Wissen, in der Erfahrung, in den Taten, im Umgang mit Gefühlen usw.). Sie wollen ihre eigene Unsicherheit nicht fühlen, wollen nicht spüren, wie klein sie sich halten oder haben halten lassen.
  • Andere wiederum wollen ihre Größe nicht mit dir teilen und verurteilen dich scheinbar dafür, dass du ihnen ihren Platz „wegnehmen“ willst. Wut ist für viele leichter als Angst zu zeigen. Sie wollen ihre Größe in der Reflexion ausleben und durch dich sehen. Du sollst der Spiegel ihrer Besonderheit und Talente sein, aber nicht sie zum Spiegel machen wollen. Sie wollen im Mittelpunkt stehen, statt zuzusehen: „Das hast du großartig gemacht! Du bist der/die Beste! Nur du!“ Sie fürchten, dass andere sie ausstechen, übertrumpfen und sie - in ihrer Interpretation - ein Versagen. (Aufmerksamkeit wünscht sich jeder, doch es besteht ein Unterschied, ob wir unseren „Kollegen“ etwas gönnen und anderen Menschen Gutes wünschen oder ob wir sie insgeheim ausbremsen wollen, nur um unsere Unsicherheit, Traurigkeit oder Angst nicht spüren zu müssen.)

Eigentlich haben sie nur Angst, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu verlieren, die sie so sehr brauchen wie die Luft zum Atmen - wie wie alle. Einige Menschen brauchen diese von anderen. Sie brauchen andere als Spiegel. Andere werden zum Spiegelbild selbst und machen trotzdem einfach ihr Ding. Das wird sich im ersten Moment sehr schlecht für Urteilende anfühlen, aber die Menschen, die du fürchtest, wenn du Angst hast, dich zu zeigen, brauchen auch dich, um ihre Angst hinter sich zu lassen. Sonst würde man ihnen unentwegt „erlauben“, diese nicht ansehen, sondern verdrängen und auf andere projizieren zu dürfen. Die Verantwortung für ihre Gefühle tragen dann nicht mehr sie, sondern andere (die ja wiederum auch ihre eigenen Gefühle haben, mit denen sie klarkommen müssen). Doch so, wie sie dir deine Angst zeigen (und ihre projizieren), darfst du ihnen ihre zeigen. Du darfst ihnen auch deine Angst zeigen.

Denn es gibt dich.

Entscheidend ist nur, was du selbst über dich glauben möchtest - und dir selbst erlauben möchtest.

 

F