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Biologie der Angst

Der Unterschied zwischen Furcht, Angst und Panik

Furcht

Angst

Panik

Was versteht man unter Furcht?

Furcht dient der Schadensabwehr. Sabine Heinrichs, Autorin des Buches Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie, bezeichnet Furcht als ein Grundgefühl, das sich entweder in Angst oder Ärger ausdrückt. D.h., dass Angst „eine emotionale Tönung“ der Furcht ist, also ihre Tochter, die bis hin zu Panik reichen kann (siehe auch: Ich möchte, dass du bleibst). Bei der Furcht ist nicht etwa die Sorge, dass etwas Bedrohliches geschieht, sondern die Tatsache, dass die Bedrohung bereits handfest da ist. Wenn wir unser Kind fallen sehen und sofort reagieren, wenn wir im Auto auf die Bremse drücken. Es ist wie ein Reflex, der dem Überleben dient.Depressed

Im Gegensatz zur Angst wird bei der Furcht auch nicht mehr lange nachgedacht, sondern direkt ein Fluchtimpuls gesetzt. Wenn wir der Situation nicht entfliehen können, sucht unser Gehirn eben nach einer anderen Variante, wie es unser Wohlbefinden sichern kann, beispielsweise durch eine sofortige Abwehr. Heinrichs bezeichnet das deshalb als „Kampf-oder-Flucht-System“. Wir Menschen müssen also sofort in der Lage sein, für unser Überleben zu handeln, ohne lange nachzudenken und lange Informationen über die Bedrohung zu sammeln. Leider ist es so, dass unser Furchtsystem auch mal gern übertreibt, auch wenn es dann im Nachhinein lernen muss, dass seine Reaktion völlig unnötig war. Bei Panikattacken beispielsweise haben wir so einen Fall. Denn würde die Reaktion nicht einsetzen, hieße es in wirklich lebensbedrohlichen Umständen, dass wir dem Tod ausgesetzt wären. Wir sagen unseren Kindern ja auch lieber einmal zuviel, dass es nicht mit fremden Menschen mitgehen soll oder nicht die Hand auf die heiße Herdplatte legen soll. So ungefähr ist es auch mit unserem Gehirn. Lieber acht Mal Fehlalarm, aber in Sicherheit, als kein Alarm und Konsequenzen. Das alles übrigens bekommt unser bewusster Teil des Gehirns gar nicht mit.

Furcht ist also eine Reaktion auf einen bedrohlichen Moment, dem wir entfliehen sollen. Dabei muss diese Furchtreaktion, also der Panikanfall, keineswegs unbegründet sein, nur weil wir nicht ausmachen können, was hier gerade so gefährlich sein soll. Diese Mechanismen können völlig unbewusst wahrgenommen werden, ohne dass wir selbst registrieren, was gerade geschieht.

Definition Angst

Angst sind Gedanken, die die entsprechend negativen Gefühle gebären. Angst ist damit eine Tochter von Furcht. Sie löst Flucht aus oder bringt uns in ein Vermeidungsverhalten. Sie kann recht lang andauern, im Vergleich zur Panik, aber sie gehören alle zusammen. Sie sind allerdings nicht ein Gefühl, sondern haben unterschiedliche Eltern: Das Angstzentrum und das Furchtzentrum. Sie werden in unserem Nervensystem an unterschiedlich systematischer Stelle produziert.

Angst birgt zumeist das Gefühl bzw. die Vorahnung, dass etwas Bedrohliches bzw. Gefährliches passieren wird. Das wiederum löst in uns eine Art von Kontrollverlust aus; wir sehen uns als Opfer und können nicht aus der Situation gehen oder fliehen. Schon im Vorfeld martern wir uns mit Gedanken daran, wie hilflos und ohnmächtig wir dieser angsteinflößenden Situation gegenüberstehen oder in ihr gefangen sein werden. Wir werden besorgter und besorgter, alles nur, weil wir meinen in Gefahr sein zu werden. Wie Prof. Dr. Nina Heinrichs in ihrem Buch Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie schreibt, würden wir sogar während der Situation unser Umfeld nach Hinweisen auf diese vermeintliche Bedrohung akribisch absuchen, was uns Menschen energetisch völlig auslaugen kann, „immer auf der Hut zu sein“ (S. 13).

Angst geht somit auf das sogenannte „Halt-Schau-Hör“-System zurück. Der Name signalisiert bereits unser Verhalten bei Angst: Wir halten an/inne, schauen uns um und hören, ob und wo Gefahr lauert. Je mehr Sorgen wir uns machen, desto mehr Angst aktivieren wir, desto länger ist dieses System aktiviert, desto mehr Energie verlieren wir und desto anhaltender wird auch die Angst an sich. Getreu dem Motto: Wer sucht, der findet. Wer Negatives sucht, findet auch Negatives. Die Bewertung, was negativ, was gefährlich, was bedrohlich für uns ist, nehmen wir anhand dessen, was wir in unserem Leben bislang gelernt haben, vor. Wenn unser Gehirn eine Ähnlichkeit zu etwas vormals Negativem/Bedrohlichem sieht, versetzt es uns in Alarmbereitschaft und sorgt dafür, dass wir unser Verhalten stoppen und auf eventuell nötige Reaktionen vorbereitet sind.

Unser Angstzentrum registriert alle Bedrohungen und damit in Verbindung stehende Umstände peinlich genau. Tauchen solche also zu oft, zu geballt auf, dann bleibt es in Daueralarmbereitschaft, „für den Fall der Fälle“, wie Heinrichs es nennt. Sie vergleicht Angst mit einem Lautstärkeregler, je nach Grad der Bedrohung, während sie Furcht wie den Ein- und Ausschalter für Panik sieht.

Was ist Panik?

Panik ist eine sehr extreme Variante von Furcht. Sie kommt einfach so, urplötzlich und ist von einer hohen Intensität geprägt, wobei die Dauer variiert. Panik ist zumeist von einem oder mehreren körperlichen Symptom/en begleitet (siehe auch Agoraphobie):

  • Das Herz rast, klopft bis zum Hals oder stolpert (man merkt also, dass der Herzrhythmus nicht natürlich ist).
  • Man zittert, schwitzt ungewöhnlich stark.
  • Man fühlt sich schwindelig und extrem schwach.
  • Man hat Gefühle von Übelkeit oder gar Durchfall.
  • Man bekommt keine Luft, hat einen Kloß im Hals, oder ist kurzatmig.
  • Die Brust ist wie zugeschnürt, man fühlt eine Enge oder hat Schmerzen.
  • Die Finger/Zehen kribbeln oder sind taub. Die Knie sind weich.
  • Man hat starke Spannungsschmerzen im Kopf oder den Nacken/Schultern.
  • Um einen herum ist alles surreal, laut, grell.

All diese Symptome, ob nun einzeln oder geballt, signalisieren erst Portrait business woman screaming at street car trafficeinmal, dass etwas körperlich nicht funktioniert. Dem muss nicht so sein. Selbstverständlich soll das wiederum nicht heißen, dass Durchfall mit Spannungskopfschmerzen gleich eine Panikattacke ist. Wenn man keine Panik, im Sinne des Fluchtreflexes fühlt, dann ist es auch keine Panik. Sie rührt daher, dass das Gehirn denkt, es wäre eine gefährliche, gar lebensbedrohende Situation im Gange.

Angst und Panik haben beispielsweise eine unterschiedlich lange Dauer, gehören aber dennoch zusammen. Sie animieren uns Menschen, etwas zu vermeiden oder vor etwas zu flüchten.

Panik ist Furcht im Extrem insofern, dass der Knopf „Panik“ gedrückt wird, weil die Furcht die Bedrohung wahrgenommen hat und sie vermeiden muss, um unser Wohlbefinden/Überleben zu sichern.

Mehr zum Thema Panikstörung & Panikattacken, Ursachen und Wege aus der Panik findest du unter > Panikattacken

Quelle: Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie

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