Intuition: Wie intuitive Menschen sind (und was Empathie damit zu tun hat)

Intuition: Wie intuitive Menschen sind (und was Empathie damit zu tun hat)

 

Intuition galt früher als ein überlebenswichtiger Mechanismus, um zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können. Viele kennen Intuition durch das berühmte Bauchgefühl. Aus unerklärlichen Gründen wissen wir instinktiv und intuitiv, dass wir X machen oder lassen sollten - in Form von Geistesblitzen und Vorahnungen. Intuition ist damit die Fähigkeit, ohne über etwas eingehend nachzudenken oder Zusammenhänge durch äußere Anhaltspunkte zu erkennen, einfach „zu wissen“. Intuition lässt sich deshalb leicht mit Empathie verwechseln. Doch während Empathie die kognitive und emotionale Fähigkeit darstellt, wie ein menschlicher Schwamm die Energien (und damit auch Gefühle, Gedanken und Meinungen anderer Personen) aufzusaugen und selbst zu fühlen, ist Intuition die praktische, oftmals ausagierte Empathie. Sie bedeutet auch die Fähigkeit, instinktiv nicht nur andere Emotionen, sondern zusätzlich Situationen zu erfassen. Intuitiv-empathische Menschen stellen eine (wenn nicht die wichtigste) Kategorie der Empathen dar.

Da ich in den vergangenen Monaten/Jahren viel über Empathie und Hochsensibilität geschrieben habe, möchte ich im Folgenden gern die Eigenschaften intuitiv-empathischer Menschen darlegen, um die Themen zu ergänzen/abzugrenzen. Ich bin mir wie immer sicher, dass sich Dutzende darin wiederfinden werden - und so mehr zu ihrem Selbstverständnis beitragen können.

 

Intuition: Was es ist und was Empathie damit zu tun hat

intuition intuitive menschenIntuition ist nötig, um Empathie umsichtig empfinden zu können. Sie ist ein wichtiger Grundstein unseres Einfühlungsvermögens und unserer emotionalen Intelligenz. Einige sagen sogar, Intuition sei gleichzusetzen mit emotionaler Intelligenz. Andere sagen, Empathie sei die Grundlage jeder Intuition. (Es erscheint mir hier wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei.) Dennoch ist es in meinen Augen irreführend, zu sagen, dass jeder Empath automatisch ein stark intuitiver Mensch sei.

In letzter Zeit (vorwiegend im amerikanischen Raum) wird jedoch oft von den intuitiven Empathen oder Intuitiven gesprochen: Gemeint sind Menschen, die schnell und konkret fassbar fühlen, was andere fühlen - sei es offen sichtbare oder verborgene Gefühle. Es handelt sich nicht nur um Launen, Unwichtiges oder unausgeprochenes Gezanke. Menschen, die intuitiv-empathisch sind, können die Tiefe der anderen Psyche mit ihren Belastungen, Ausmaßen und Konsequenzen spüren, auch solche, die sie lieber nicht fühlen wollen oder die der andere absichtlich verdrängt (oder projiziert). Sie kennen vor allem den Unterschied zwischen fremden und eigenen Emotionen und können den Ursprung der anderen Emotionen instinktiv benennen. Empathen auf der anderen Seite fühlen diese und können sie leicht im Körper identifizieren.

Wir alle unterdrücken die einen oder anderen Gefühle. Menschen vergraben die Wucht der negativen Erlebnisse tief in sich, als Mechanismus der Angstbewältigung. Manche merken deshalb nicht einmal, dass es ihre Gefühle sind und dass sie sie verdrängen. Es sind aber just diese verdrängten Emotionen und Interpretationen vergangener Erlebnisse, die uns krank machen oder in die Isolation schicken. Sie manifestieren sich in unserem Körper. (Wir kennen das von Angst- und Panikstörungen, Depressionen usw.)

Intuitive aber sehen just diese, auch wenn der andere sich dieser Gefühle gar nicht bewusst ist. Bei intuitiven Empathen ist aber auch die Fähigkeit gemeint, Situationen, Märkte und Zusammenhänge - ähnlich wie Gefühle und Gedanken - intuitiv-instinktiv zu erfassen und zu wissen(, weil zu fühlen), was zu tun ist/gebraucht wird/hindert/befreit.

 

Offizielle Definitionen von Intuition

Intuition bezeichnet im Wesentlichen diese Eigenschaften:

  1. intuitive menschen können erlebnisse vorhersehenspontanes Handeln aus dem Bauch heraus, keine Erklärungen für sein Handeln haben/finden
  2. Geistesblitze und kreative Eingebungen
  3. schnelle Einsicht in Informationen sowie Zusammenhänge und das Erfassen aller Komponenten mit nachfolgender, beinahe selbstverständlicher „Erkenntnis“
  4. die Fähigkeit, die Gefühle und Bedürfnisse anderer in Sekundenschnelle zu „erspüren“
  5. Einfühlungsvermögen und tiefgreifender Verstand
  6. unbewusste Muster, wie wir die Dinge und Menschen wahrnehmen und interpretieren (und beides zusammenbringen)
  7. der Ursprung jeder Kreativität

 

Intuition und Wissenschaft

Der Myers-Briggs-Typenindikator unterscheidet hauptsächlich vier intuitive Typen, als Rahmen dient natürlich erneut die Differenzierung zwischen extrovertierten Intuitiven und introvertierten Intuitiven. Auch bei Intuitiven zeichnet sich ab, wer von Natur aus eher in sich, sensibler oder zurückgezogener lebt und wer den Austausch mit anderen braucht und sucht, aber dennoch eine stark ausgeprägte Intuition besitzt.

Carl Gustav Jung (Freuds Schüler) wiederum formulierte Persönlichkeitstypen, von denen einer der „intuitive Typus“ ist. Er unterschied zwischen der abstrakten und konkreten Intuition, wobei die erstere die berühmten Eingebungen darstellen und die letztere „das, was geschehen könnte“, auf ideeller Ebene. Er hielt Intuition im Übrigen für eine der vier Grundpfeiler, überhaupt mental zukünftige Ereignisse „berechnen“ zu können. Ich sage bewusst berechnen, da Intuition zwar erstaunlich nach Hellsehen riecht, aber man so gar nicht esoterisch, spirituell oder „psychic“ drauf sein muss, um „sie zu haben“. Für Jung aber bedeutete Intuition die Fähigkeit, ein gutes Gespür für sich und für andere zu haben, sowie äußere (materielle) Umstände und Bedürfnisse erspüren zu können.

 

Wie sind intuitive Empathen bzw. intuitiv starke Menschen?

was ist intuition und was hat empathie damit zu tunDoch intuitive Menschen teilen noch weitere, bislang eher unbekannte Eigenschaften, die leicht mit der reinen Empathie, Hochsensibilität bzw. Hochsensitivität verwechselt werden können:

  1. Intuitive tasten Situationen vollständig ab. Bevor sie nicht jede Ecke gedanklich und emotional ergründet haben, alle Perspektiven berücksichtigt und in ihrer Gesamtheit verstanden haben, sind sie nicht zu EINER Meinung bereit. Eben weil sie diese Vorgehensweise haben, können sie zanken und meckern und diskutieren und hören erst auf, wenn sie a) den anderen davon überzeugt haben, dass es mehr als seine Meinung gibt oder b) ihre Prüfung der Situation/des Themas/der Person vollzogen haben und zu einem schlüssigen Ergebnis gekommen sind.
  2. Dementsprechend sind sie perfekte Zukunftsdenker. In ihrem Abtasten der Situationen (neuer Job versus alter, potenzielle Partner, Geldinvestitionen, Chancen zwischenmenschlicher Verbindungen, Risiken innerhalb Gesprächen usw.) prüfen sie und „lesen“ so wahrscheinliche oder mögliche Ausgänge ab. All das addieren sie zu Möglichkeiten und Schwächen, Stärken und Risiken, die wiederum ihre Entscheidungen oder Handlungsempfehlungen begründen.
  3. So planen sie auch ihre Zukunft. Sie betrachten alle Optionen und setzen sich entsprechend Ziele für die kommenden Jahre. Indem sie so vorgehen, sind sie aber auch Menschen, die höchst anpassungsfähig und flexibel sind. Sie sind eben bereits im Voraus auf alles/vieles vorbereitet. Sie haben die Umgebung/Situation/Person eingehend studiert. Sie sind große Träumer, Denker, Entwickler und leben oft in der Zukunft, um ihr eigenes großes Bild von der Welt/dem Leben zu erfüllen.
  4. Sie vertrauen dem, was sie spüren und denken, nicht etwa dem, was sie spüren und denken sollen. Dementsprechend sind sie antiautoritär und mögen fremde, diktierte Regeln und Verhaltensvorschriften oder soziale, wirtschaftliche, unternehmerische Werte weniger als die, die sie für „stimmig“ erachten. Wenn jemand sagt, XYZ müsse so und nicht anders umgesetzt werden oder „man“ würde das eben so machen, führt das bei Intuitiven nur zur Eröffnung von Diskussionen und Ablehnung. Sie wollen genau wissen, wieso derjenige das so sieht. Fehlen aber Argumente, spürt der Intuitive Machtmissbrauch oder egoistische, narzisstische  Tendenzen, hat man es als Anderer nicht gerade leicht. Sie vertrauen Autoritäten und Führungskräften nicht per se, nur weil diese eine entsprechende Position innehaben. Sie sehen sie nicht als unfehlbar, nur weil sie in der Führungsetage sitzen oder einen bestimmten Status erreicht haben.
  5. Damit ist auch klar, dass Intuitive sehr gute Analytiker sind, und beizeiten so ziemlich alles interpretieren und überanalysieren. Das liegt daran, dass sie sich - wenn sie eine Entscheidung treffen müssen - von ihrem Ego-Blickwinkel distanzieren und so alles betrachten, was es zu betrachten gilt. So garantieren sie größtmögliche Sicherheit für das (beste) Handeln.
  6. Das wiederum begründet, dass sie kleinste Veränderungen in Situationen/Personen wahrnehmen und gedanklich in die Vergangenheit und Zukunft „reisen“, um die Ursachen und Lösungen zu finden. Sie merken sich entsprechend viel und können oft ganze Sätze im Nachhinein zitieren oder sagen, wie eine Situation minütlich ablief.
  7. Andersartige Gedanken ziehen sie an. Sie mögen deshalb auch das Unkonventionelle, das Übernatürliche, Unerklärliche, Abnormale. Sie studieren gern „solche“ nicht-normalen Welten und können sich ganz hineinfallen lassen, denn das „Normale“ ist ihnen viel zu langweilig. Haben sie eine Sache verstanden und erspürt, beginnt bei vielen die Langeweile.
  8. Daher liegt es nahe, dass sie unzählige, scheinbar unvereinbare Interessen haben. Vor allem lieben sie es, diese scheinbar unvereinbaren Umständen miteinander zu verknüpfen. Ähnlich wie bei Hochbegabten, haben sie die Fähigkeiten, Muster aus verschiedenen Theorien und Disziplinen zu verbinden. Sie erkennen Querverbindungen und Zusammenhänge.
  9. intuition intuitive menschen spüren die gefühle und bedürfnisse andererSie erkennen, wie erneut auch bei den anderen Gruppen, unauthentische Menschen auf einen Blick. Sie sind Lügendetektoren. Sie erkennen, wer wahrhaftig ist und wer nur seine Interessen befriedigt sehen will. Sie verabscheuen Fremdbedürfnisse, wenn die Gruppeninteressen verletzt würden. Sie sind soziale Verfechter. Sie sind soziale Fürsorger. Sie gehen gegen jedwede einseitige und manipulative Verhaltensweise anderer mit intuitiver und eiskalter Weise vor. Bei solchen Menschen spüren sie nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Sie sind ja ohnehin von den Gefühlen und Gedanken des anderen „beeinflusst“; nicht nur von positiven. Bei negativen aber spielen sie sie gegen den anderen aus - zum Wohle aller.
  10. Sie hassen, wie Hochsensible, Hochbegabte und Empathen, oberflächliche Gespräche. Je qualitativ hochwertiger die Gespräche sind, desto eher sind sie in ihrem Element. Alles andere langweilt sie zutiefst. Fluchtreflexe bei prestige-status-ego-bezogenen Menschen sind sehr häufig.
  11. Sie haben damit einen hohen Gerechtigkeitssinn. Auch Selbstgerechtigkeit spielt bei ihnen eine wichtige Rolle. Deshalb findet man sie eher selten in traditionellen Strukturen. Sie sind kreativ, freiberuflich, selbstständig, Single oder leben in einer weniger konventionellen Beziehung oder mindestens in einer, die nicht den offiziellen Regeln folgt. Sie haben ihre eigenen Wege und versuchen sie - einmal erkannt, dass es ihnen damit besser geht - auch aufs Ganze auszuleben. Was X, die Familie, die Welt oder der Kunde will, spielt dann nur noch eine untergeordnete Rolle. Auch wenn sie einmal oberflächlich den Angepassten mimen, bedeutet es doch, dass sie hintenrum ihre Wege gehen oder aber planen, wie sie den offiziellen wieder verlassen.
  12. SINN ist ohnehin einer der wichtigsten Pfeiler ihres Leben. Ohne Sinn in allem, was sie tun und nicht tun, tun sie wenig. Dafür benutzen sie hauptsächlich ihre Erfahrung und Wahrnehmung als Straße.
  13. Sie hören eben auf ihre innere Stimme. Für Intuitive spricht sie die innere Wahrheit, die einzige Erkenntnis, die sie brauchen, um ihrer Philosophie folgen zu können.
  14. Viele Menschen nutzen Intuitive, um Zugang zu diesen Fähigkeiten zu haben. Auch das AUS-Nutzen ist leicht möglich, denn Intuitiven wird schnell Vertrauen geschenkt und umgekehrt sind sie schnell in jemandem „drin“. Sie sind gute Zuhörer und Helfer und haben oft Vorschläge und Interpretationen parat. Es dauert nie lang, bis sie Zugang zu anderen bekommen, außer dieser Jemand ist unauthentisch/manipulativ. Dann halten sie sich zurück.

 

Media-Tipps: Dokumentationen zu Intuition/Empathie

Interessierten empfehle ich die ARD-alpha Doku-Serie (bestehend aus 13 Folgen) mit dem Titel „Auf den Spuren der Intuition“:

Folge 1: Intuition entdecken
Folge 2: Was steht der Intuition im Weg?
Folge 3: Die Quellen der Intuition
Folge 4: Wie finden wir zur Intuition?
Folge 5: Empathie als Grundlage der Intuition
Folge 6: Intuition im Miteinander
Folge 7: Der inneren Stimme lauschen
Folge 8: Intuition in der Pädagogik
Folge 9: Intuition in der Arbeitswelt
Folge 10: Intuition als Grundlage der Kreativität
Folge 11: Intuition in den Grenzbereichen der Wahrnehmung
Folge 12: Mit Intuition zur ganzheitlichen Sicht
Folge 13: Mit Intuition die Zukunft gestalten

 

Quellen:

[1] Seite „Intuition“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. April 2017, 07:53 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Intuition&oldid=164982379 (Abgerufen: 7. August 2017)
[2] April Klazema: Intuitive Empath Traits: What you Need to Know. In: Udemy-Blog. 18. Juni 2014. URL: https://blog.udemy.com/intuitive-empath/ (Abgerufen: 7. August 2017)
[3] A conscious rethink: 4 signs you’re an intuitive empath (not just an empath). URL: https://www.aconsciousrethink.com/3854/4-signs-youre-intuitive-empath-not-just-empath/ (Abgerufen: 8. August 2017)

 

Wie du einen Mann in dich verliebt machst

Wie du einen Mann in dich verliebt machst

Es ist wohl das größte Geheimnis der Menschheit, wie Liebe funktioniert und entsteht. Besonders, wenn wir einen Menschen sehen, der uns interessiert, stellen wir uns die Frage, wie wir ihn in uns verliebt machen können.

Wie spreche ich ihn an?
Was soll ich sagen?
Was sage ich am besten nicht?
Wird er sich überhaupt für mich interessieren?
Bin ich attraktiv genug? 

Ist der erste Kontakt hergestellt, taucht auch gleich die nächste Frage auf: Wie erobere ich diesen Mann oder diese Frau? 

 

Wie du einen Mann in dich verliebt machst

buch wie man einen mann erobert und in sich verliebt machtIch lese gerade ein Buch, das sich genau mit diesem Thema auseinandersetzt. Dieses Buch ist an Frauen gerichtet, die Strategien, Tricks und Tipps wollen, wie sie ein Mann in sich verliebt machen. Solche Ratgeber finden sich ja zuhauf auf dem Buchmarkt. Es gibt sie für Männer, die Frauen nur aufreißen wollen, aber selten für eine Beziehung gewinnen wollen. Für die Frauen existieren überwiegend die Bücher, die sich nicht auf sexuelle Abenteuer beziehen, sondern auf das Gewinnen romantischer Beziehungen. Aus Respekt vor dem Autor erwähne ich den Titel dieses Buches nicht.

Mir geht es um die Message solcher Bücher, nicht um dieses eine. Es werden allgemein immer die typischen, vermeintlich interessanten Themen besprochen: Wie man eine hoch begehrte Frau wird, Erfolgsformeln, um seine eigene Anziehungskraft zu erhöhen, Übungen, um interessant zu bleiben, Körpersignale, wie aus ersten Gefühlen wahre Liebe entstehen kann, wie man mit einem einzelnen Blick, High Heels oder einem bestimmten Tonfall den Mann um den Verstand bringt und vieles mehr.

Aber schon beim Lesen und Querblättern bemerkte ich ein übles Gefühl in der Magengegend. Nach einigen Tagen Bedenkzeit weiß ich nun auch, warum.

 

Was Frau alles falsch macht, weshalb sich ein Mann nicht in sie verliebt

Diese Ratgeber erzählen uns, was wir anders machen müssen, um doch noch einen Mann für uns zu interessieren. Sie plaudern aus dem Nähkästchen und lüften das Geheimnis für alle Frauen, die sich in Sachen Liebe bislang schwer taten. Sie nennen sich Love Coaches und spielen Dr. Hitch(, aber sehen selten wie Will Smith aus). Folgen wir aber ihren Strategien, 6-Stufen-Programmen, geheimen Tipps und manipulativen Tricks, geschieht es ganz problemlos und superschnell, dass wir ans Ziel unserer Träume gelangen: Wir machen den Mann in uns verliebt.

Und ab da wird alles gut!

tipps tricks um einen mann in sich verliebt zu machenDafür bräuchten wir nur den richtigen Augen-Blick, die richtige Pose, einige Gesten, eine sinnliche Stimme oder wir sagen am besten gar nichts, was den Mann denken lassen könnte, dass wir eine eigene Persönlichkeit besitzen. Denn laut diesen Ratgebern dürfen wir keine Individualität besitzen. Laut diesen Büchern müssen wir eine angepasste Persönlichkeit entwerfen, schauspielern, eine schöne Maske aufsetzen, die so unwiderstehlich ist, dass uns einfach niemand widerstehen kann.

Das ist ein schöner Gedanke, dass wir Menschen und besonders Männer in der Liebe manipulieren könnten, wenn wir nur unser Verhalten änderten. Wenn wir nicht so wären, wie wir sind, dann können wir alles haben und alles sein. Dann werden wir glücklich und zufrieden. Dann bekommen wir, was wir uns immer so sehnlichst gewünscht haben.

Ein Trugschluss. Denn in Wahrheit sind diese Ratgeber nichts weiter als die Manipulation ihrer Leserinnen. Sie stärken weder unser Selbstwertgefühl, noch helfen sie uns, zu verstehen, wieso es brüchig werden konnte. Sie reden Frauen stattdessen ein, dass sie alles falsch machen würden, nur anders sein müssten, um in der Liebe Erfolg zu haben. Als wäre Liebe ein Produkt, eine Position, für die sich Frauen qualifizieren müssten. Alle, die bislang keine Liebe gefunden haben, hätten damit versagt. Sie tragen die Verantwortung für ihr Scheitern. Sie waren nicht genug und so, wie sie sind, sind sie nicht in Ordnung.

 

Was Frauen aus diesen Ratgebern lernen können

Wäre das Buch, das ich gerade lese, wirklich so schlecht, hätte ich den Titel und Autor preisgegeben. Doch natürlich hat auch dieses Buch seinen Wert. Der Wert ist etwas verborgen, aber dafür eine wichtige Lektion für alle Frauen, die nur Schwierigkeiten in der Anfangsphase mit Männern haben.

Wie man den Mann eventuell dazu bewegt, dass er dich anspricht. Vielleicht lassen sich die Bücher auch dafür zurate ziehen, wenn man herausfinden will, welchen Typ Mann man nicht anziehen möchte. Eventuell taugen sie auch, um ein wenig in das Unterbewusste zu tauchen und herauszufinden, was es dort zu entdecken gibt.

Lektion 0 aber bleibt: Du bist, was du ausstrahlst. Und was du ausstrahlst, kommt aus deinem Inneren.

In der Liebe (und im Beruf) braucht man Respekt für sich selbst und Wertschätzung gegenüber seiner Person und Persönlichkeit. Aber viele tun sich eben deshalb mit sich selbst schwer, weil sie negative Erfahrungen in der Vergangenheit gesammelt haben. Weil Beziehungen nicht so gut liefen, interpretierten sie ihren Wert neu. Das schürte Angst und bei manchen auch depressive Verstimmungen oder Panik. Sie maßen ihren Wert schließlich an den verflossenen Partnern oder an Menschen, die sie abwiesen. Aber seinen Wert bestimmt in Wahrheit ein jeder allein.

Doch befolgt man die Tipps der Ratgeber, strahlt man das aus: Ich bin das, was du möchtest, was ich bin. Ich drehe und wende und bücke mich, wenn du es willst. Hauptsache ist: Du willst mich.

 

Mein Geheimnis Nummer 1: Die Farbe deines Nagellacks ist nicht wichtiger, als die Farbe deiner Seele

Ich hatte auch einmal so einen Mann, der mich in High Heels, dem richtigen Nagellack und sexy Unterwäsche an der Tür wollte, als Vorzeigeobjekt und bessere Mutti in Krisensituationen und in allen anderen Situationen als gefügige, stille und nichtsmeinende Frau, die brav nickend in den Kreis seiner Freunde lächelte. (Ich muss wohl nicht erwähnen, wie oft wir uns gestritten haben, weil ich anderer Meinung war, als er.) Was ich aus den sechs Jahren mit dem Mann gelernt habe, steht aber nicht in diesen Ratgebern: Die gespielte, sexy Wärme in deiner Stimme ist nicht wichtiger, als die Wärme in deinem Herzen. Die Höhe deiner Absätze sagt auch nichts über die Augenhöhe in deiner Beziehung aus.

Ein Mann ist nur dann gut für dich, wenn du ihn magst, wie er ist. Und wenn er dich nur mag, wenn du anders bist, als in Wirklichkeit, dann magst du dich selbst nicht. Gib dein Geld in diesem Fall lieber für ein Selbstwert-Coaching oder einen tollen Ratgeber über Selbstvertrauensaufbau oder den freudvollen Umgang mit dem Alleinsein aus.

Aber investiere es nicht in Bücher, die dir noch mehr eintrichtern, dass irgendetwas mit dir nicht stimmen würde. Kauf dir lieber eine geile Jeans oder ein paar Birkenstocks, in denen du dich pudelwohl fühlst. Denn wahre Attraktivität kommt wirklich nur von innen. Je mehr man in sich selbst ruht, sich mag, wie man ist, und je mehr man die Meinungen anderer eben die Meinung anderer sein lässt, desto stärker wirkt man auf andere: anziehend.

 

Nie mehr du: Wie man einen Mann nicht erobert

wie man einen mann in sich verliebt machtIn den Ratgebern geht es aber um pure Manipulation der Männer, sportliche Strategien und gerissene, aber oberflächliche Taktiken, als wäre die Liebe ein Fussballspiel und der Gewinn eine vermeintlich authentische Beziehung.

Doch was geschieht, wenn wir diese Strategien und Taktiken durchgezogen, den Mann in uns verliebt gemacht haben und nach einer Weile Beziehung wieder so werden, wie wir sind? Das thematisieren dieser Ratgeber natürlich nicht. Feststeht, dass es dem Mann wohl sicher auffallen wird. Außer er ist ein Trottel.

Nennt mich verrückt, aber wenn ein Mann mich nicht so mag, wie ich bin, dann sollte ich ihn auch nicht mögen. Wenn ich einem Mann nicht genüge, dann genügt auch er mir nicht. Wenn ich mich immer verstellen muss, um dem Mann zu gefallen, dann belüge ich nicht nur den Mann, sondern auch mich. Was bringt es mir, dass ein Mann in mein falsches Ich verliebt ist, aber nicht in mich? Was bringt mir die Liebe eines Mannes, wenn ich meine Liebe für mich dafür aufgeben muss?

Ist Liebe und Beziehung zu einem Partner wirklich wichtiger, als man selbst?

Nein. Du bist am wichtigsten. Und so ist es richtig. Mit dir stimmt alles. So, wie du bist, bist du vollkommen richtig. Aber du wirst falsch, wenn du dich verstellst, in der Hoffnung, dass du dann nicht mehr allein wärst. Damit magst du vielleicht Männer für ein oder zwei Dates gewinnen, aber eine gesunde und funktionierende, anhaltende Beziehung gewinnst du so nicht.

 

Das Geheimnis Nummer 2: Homogamie

Ob sich ein Mann in dich verliebt, hat im Wesentlichen etwas mit dem Mann zu tun. Ob du dich in einen Mann verliebst, hat im Wesentlichen etwas mit dir zu tun. Ob ihr beide zusammenkommt und zusammenbleibt, hat im Wesentlichen mit der sogenannten Homogamie zu tun: die Ähnlichkeit zweier Partner in puncto Bildung, soziale Stellung, (emotionale) Intelligenz, moralische Werte, Zukunftsträume, Charakter, Interessen, Aussehen, Einstellungen zum Leben und der Liebe. Einige Experten nennen hier sogar das Lungenvolumen und die Länge der Ohrläppchen.

Wer also zusammengehört und wer nicht, entscheiden wir unbewusst, keineswegs aber lässt es sich steuern. Und wer weiß, was für Männer du anziehst, wenn du den vielen ausgeklügelten Tipps der Hitch-like-Date Doctors und Love Coaches befolgst? Ganz sicher keinen, der dich morgens im Pyjama mit zerzausten Haaren oder abends auf dem Sofa in Kuschelpulli und Wollsocken anlächelt und sich denkt: „Mein Gott, wie ich dich liebe.“

So jemanden findet man nicht, indem man ihn manipuliert. So jemand ist abgestoßen durch Spielchen, Schmollmünder und kleines Mädchen-Image oder Sexy Vamps. Wer dich wirklich lieben wird, liebt dich, weil er dich so, wie du bist, authentisch und wahr, gern sieht und mag. So jemand spürt, dass du besonders bist, eben, weil du anders oder so, wie du, bist.

Also sei anders, unbequem, wagemutig, offen, verschlossen, introvertiert, kreativ, still, laut, fordernd oder abwartend. Aber sei du selbst. Sei eine Person, die du selbst toll fändest. Mach es dir in deinem Körper und deinem Leben so bequem und attraktiv, wie es dir gefällt. Aber lass dir nie von einem Menschen einreden, dass du dich ändern müsstest, um für unpassende Männer kurzzeitig interessant zu sein.

Alles Liebe,
Janett Menzel

 

Wie Sport dem Körper und Geist hilft, zu heilen: Die wahren Gründe

Wie Sport dem Körper und Geist hilft, zu heilen: Die wahren Gründe

Ja, Sport ist gut für den Körper. Auch wenn wir gestresst, ängstlich und depressiv sind, heißt es: „Machen Sie Sport! Bewegen Sie sich!“  Einige Wissenschaftler meinen sogar, dass er Antidepressiva und Medikamente ersetzen würde. Denn Sport soll Glückshormone ausstoßen. Das weiß jeder. Als bekennender Sportmuffel reichte mir dieses alleinige Argument nie aus. Wenn du so bist wie ich und Sportstudios oder Laufen bei 30 Grad genauso wenig dufte findest, könnte dich dieser Artikel motivieren: Ich habe die physischen und psychischen Vorteile von Sport zusammengestellt. Mit den neuen Denkimpulsen fällt es jedenfalls mir gleich leichter, mich in die Sportklamotte zu werfen oder im Wohnzimmer eine Runde Yoga zu machen.

 

Physische Vorteile von Sport: Sport hält gesund

Wie Sport dem Körper und Geist hilft zu heilenKaffee zum Aufputschen, Rauchen, um Pausen zu haben, Alkohol zum Runterkommen, schlechte Ernährung, um die Leere und Sinnlosigkeit wegzumachen: Wir Menschen werden wegen unseres leistungsorientierten Lebensstils immer anfälliger für körperliche Beschwerden. Je belasteter wir sind, desto höher wird die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Magen-Darm-Beschwerden und vieles mehr. Unsere 9 to 5-Jobs im Büro verursachen mit, dass wir uns zu wenig bewegen und ungesund ernähren. Und sowieso sei Sitzen das neue Rauchen.

Entzündungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle: Wer Sport macht, verbrennt Energie. Besonders die falsche, überschüssige und durch die Nahrung aufgenommene Energie würde über kurz oder lang als Fettzelle enden. Die wiederum birgt Entzündungspotenziale. Wer sich bewegt, verhindert nicht nur zusätzliche Entzündungsherde, sondern greift die vorhandenen Fettzellen an. Auch Blutfette lagern sich bei mangelnder Bewegung in den Gefäßen ab, die zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen können. Sport hingegen setzt fettspaltende Enzyme frei, die die Ablagerung verhindern. Hinzukommt, dass sie durch Sport schneller zur Leber transportiert werden. Und weil Sport auch dafür sorgt, dass sich die Blutgefäße erweitern, normalisiert sich zudem der Blutdruck.

Unser wichtigstes Organ wird am ehesten durch Sport geschützt: das Herz. Denn der Herzmuskel wird durch die Anstrengung gestärkt. Herzrhythmusstörungen und sogar Herzrasen und Herzstolpern werden minimiert. Weil die Stressrezeptoren am Herzen durch Sport desensibilisiert werden, wird unser Herz stressresistenter.

Diabetes: Je mehr Nahrungsmittel wir zu uns nehmen, die der Körper in Zucker umwandelt, umso stärker ist unsere Bauchspeicheldrüse mit der Produktion von Insulin beschäftigt, um Glukose abzubauen. Das betrifft alles, was weiß ist, Brot und Unmengen an Zucker enthält, zum Beispiel Softdrinks, Süßigkeiten und sogar Alkohol. Je häufiger wir Zucker zu uns nehmen, umso weniger reagiert unser Körper auf Insulin. Dadurch entsteht Diabetes, die auch Zuckerkrankheit genannt wird. Und auch hier kann Sport helfen: Denn wenn wir uns körperlich bewegen, benötigen unsere Zellen nur wenig bis kein Insulin, um den Zucker abzubauen. Die beim Sport ausgeschütteten Botenstoffe senken den Blutzuckerspiegel und dadurch den Insulinbedarf.

Und dann noch Krebs: Forschungen haben gezeigt, dass Bewegung gegen die psychischen Belastungen der Krebserkrankung und die Krebstherapie wirkt. Erschöpfungszustände, die auf die Therapie zurückzuführen sind, können mit regelmäßigem Sport massiv vermindert oder gar überwunden werden. Die Sporthochschule in Köln vermutet ebenfalls, dass durch regelmäßige Sporteinheiten die Neubildung von Tumoren sowie das Risiko einer Krebserkrankung drastisch reduziert werden.

Sport hilft den Lungen: Weil wir beim Sport eine erhöhte Sauerstoffaufnahme haben, verbessert sich auch unser Atmungssystem. Dadurch erhöhen wir unsere Lungenkapazität und verringern unsere Atemfrequenz. Das macht vitaler und resistenter gegen Stress.

Sport gegen Angst Panikattacken Phobien DepressionenUnd wo wir gerade von Resistenz und Vitalität sprechen: Langes Sitzen verursacht Verdauungsstörungen. Sport aber regt die Verdauungstätigkeit an und ist somit gut für den Magen und Darm. Besonders Menschen, deren Angstzustände und depressiven Verstimmungen durch den Darm verursacht werden, können durch Sport Abhilfe schaffen.

Und sollte all dies nicht genug zu Sport motivieren, so könnte der letzte, physische Vorteil von Sport den Ausschlag geben: 20 bis 30 Minuten am Tag sorgen dafür, dass unsere Zellen weniger schnell altern. Damit steht fest, dass Sport der Jungbrunnen ist. Stress in den Zellen wird entgegengewirkt, fanden Forscher vom King’s College in London heraus. Und Wissenschaftler der Universität Wien konnten in einer internationalen Studie mit 1,3 Millionen Menschen zeigen, dass Sport das Leben verlängert. Eine dänische Studie machte sogar ganz konkrete Angaben: 60 Minuten bis 150 Minuten Laufen pro Woche verlängert das Leben um 5,6 Jahre - aber nur, wenn man in einem niedrigen bis mittlerem Tempo joggt.

 

Psychische Vorteile von Sport: Sport heilt die Seele und den Geist

Nicht jeder findet im Alltagsstress die Zeit oder Nerven, sich sportlich zu betätigen. Und nicht jeder, der sich wegen Burnout, Depressionen oder Angst und Panikattacken in Behandlung befindet, will Medikamente zu sich nehmen. Antidepressiva abzusetzen erfordert enorm viel Kraft. Daher vereinen sich die Sporttherapie und Psychotherapie immer mehr. In Kliniken stehen sie auf der Tagesordnung.

Doch selbst bei denen, die noch keine völlige Überforderung verspüren, kann Sport nachweislich Wunder bewirken. Denn Sport verringert die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol und Noradrenalin. Dass Stress krank macht, wissen wir alle: Die Lebenserwartung psychisch erkrankter Menschen ist daher im Schnitt um bis zu 20 Jahre kürzer, als die gesunder Menschen. Doch warum?

Klar ist, dass Sport Endorphine, also Glückshormone, ausschüttet. Die Medizinerin Bente Pedersen stellte fest, dass arbeitende Muskeln sogenannte Myokine, heilende Botenstoffe, ausschütten. Sie gelten heute als alleinige Ursache, weshalb Sport bei und gegen Krankheiten wirkt.

 

Sport verringert Angst und Panikattacken

regelmäßiger Sport schützt den Körper und die Psyche vor KrankheitenMittlerweile steht auch fest, dass ein körpereigener Angsthemmer, nämlich das Peptid ANP, durch Sport ausgeschüttet wird. So zeigte eine niederländische Studie 2011, dass nur 60 Minuten Sport pro Woche die Gefahr von Depressionen, Angst- und Panikstörungen und Suchtkrankheiten verringert. Die Genesung erfolgte zudem sehr viel schneller, wenn die Betroffenen regelmäßig Sport trieben.

Auch auf die Selbstwirksamkeit und Gefühle wie Minderwertigkeit, Hilflosigkeit, Wehrlosigkeit und Traurigkeit hätte Sport eine gegenteilige Wirkung: Wer es schafft, sich aufzuraffen, fühle sich handlungsfähiger. Sich klein, wertlos und wie ein Opfer zu fühlen, würde verringert werden. Damit stärkt Sport sogar das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein und fördert die Resilienz.

Zudem hat Sport die Wirkung, dass man belastende Umstände, Kraftakte und Krisen aushält. Denn dann weiß unser Kopf, dass längere Anstrengungen gefahrlos vom Körper ertragen werden können. In Zeiten starker Belastungen und psychischer Beschwerden aber tendieren wir dazu, zu denken, wir können nichts mehr ertragen und nicht noch mehr leisten. Tatsächlich aber wird dem Geist durch regelmäßigem Sport beigebracht, dass er durchaus eine Menge „stemmen“ und „tragen“ kann, er mehr „Ausdauer“ und „Kraft“ hat, als gedacht.

 

Sport gegen Grübeln

Sport ist eine der besten Methoden, um Grübeln und Sorgen abzustellen: Wer sich körperlich auspowert, der weiß, dass währenddessen kaum Zeit und Platz ist, um intensiv und angsterfüllt über Probleme des Lebens nachzudenken. Man ist zu sehr mit seinem Körper beschäftigt: das Atmen, das Durchhalten, die Belastung der einzelnen Muskelgruppen. Stattdessen zwingt Sport das Gehirn dazu, Platz zu machen.

Wer beim Sport dennoch über seine Lebensherausforderungen nachdenkt, der sorgt dafür, dass das entstehende Stressniveau durch die Sorgen sofort wieder verringert wird: Man sportelt seinen Stress und seine Sorgen einfach weg. Daher gehe ich auch regelmäßig mit meinen Gedanken in der Natur spazieren. In Bewegung zu sein, während man grübelt, ist wohl das Beste, was man machen kann. Es führte dazu, dass US-amerikanische Wissenschaftler seit jeher raten, in der Not zum Staubsauger und Wischtuch zu greifen, wenn für anderen Sport keine Zeit bleibt.

 

Welche Sportarten helfen bei Stress, Angst, Phobien und Depressionen?

regelmäßige Bewegung verringert Stress und psychische KrankheitenDie körperliche Erregung, Anspannung und sämtliche physischen, also somatoformen, Beschwerden, verringern sich durch Sport. Kurze Strampel- und Boxeinheiten oder Joggen können bei Angst und Panik also Wunder bewirken, denn sie bauen die Anspannung ab. So vermindert man weiche Knie, dumpfe Gefühle in den Gliedmaßen, den Kloß im Hals, Ohnmachtsgefühle, Herzrasen, Atemschwierigkeiten, Empfindlichkeiten gegen helles Licht und laute Geräusche, Herz-Kreislauf-Beschwerden bei Hitze und vieles mehr.

Besonders wenig Sport machen Menschen mit Depressionen und Phobien, die mit Panikattacken einhergehen. Leider führt das dazu, dass bereits kleine Sporteinheiten oder Anstrengungen den Körper überfordern. Sich hier mehr abzuhärten, in dem man Schritt für Schritt (siehe letzter Abschnitt) wieder Fitness aufbaut, hilft also gegen die Symptome, Hypochondrie, Herzneurosen und die Angst vor der Angst.

Dabei sollen bei Phobien, Angstzuständen, Panikattacken und Depressionen besonders Ausdauersportarten helfen, wie zum Beispiel Joggen, Radfahren, Schwimmen, Walken. Eine norwegische Studie zeigte zudem, dass bei Depressionen besonders asiatischer Kampfsport hilft, wie zum Beispiel

  • Karate
  • Ki-Aikido
  • Jiu Jitsu
  • Judo
  • Kendo
  • Nam Hong Son
  • Sumo
  • Tai Chi
  • Wing Chun
  • Wing Tsun
  • Wushu u. v. m.

Entscheidend aber ist nur, dass man eine Sportart wählt, die einem Freude bereitet. Sport in regelmäßigen Abständen wirke dann wie Psychotherapie. Wer Sport mit Zwang und Unmut ausübe, der würde nicht von den positiven Auswirkungen profitieren.

 

Finde die Sportart, die dir gefällt

Wenn du eher für Kraftsport zu begeistern bist, mühe dich nicht beim Joggen ab. Wenn du lieber Teamsportarten magst, schaue dir Ballsportarten näher an. Auch Boxen und Squash gegen Aggressionen sowie Kampfsport für mehr Selbstvertrauen sind einen Blick wert. Wer mehr innere Ruhe fördern will, für den kann Yoga (besonders Yin Yoga), Tai Chi und Qi Gong lohnenswert sein.

Wer allgemein zu wenig Zeit hat oder sich mit Sport nicht seine Freizeit nehmen will, sollte einmal die kleine Kunst des hippen HIIT (High Intensity Interval Training) ausprobieren. Es gibt zahlreiche Apps (zum Beispiel 8Fit oder 7 Minutes bzw. 7Minuten), die in weniger als zehn Minuten auch noch Kalorien verbrennen. Kurz vor belastenden oder angsterfüllten Situationen das Wundermittel schlechthin!

Viel Spaß wünsche ich uns,
Eure Janett

 

Quellen:

[1] Sport für die Seele: http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psychotherapie-sport-hilft-bei-psychischen-erkrankungen-a-938242.html
[2] Wundermittel Bewegung: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/02/sport-bewegung-gesundheit-therapie/seite-3
[3] Auf welche Weise können Bewegung und Sport günstige psychische Effekte erzielen? http://www.dr-mueck.de/HM_Depression/Sport-bei-Depression-und-Angst-6-Wirkungsmechanismen.htm
[4] Ten Have M, de Graaf R, Monshouwer K.: Physical exercise in adults and mental health status findings from the Netherlands mental health survey and incidence study (NEMESIS). Nov 2011. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21999978
[5] Torunn Bodin, Egil W. MartinsenMood and Self-Efficacy during Acute Exercise in Clinical Depression. A Randomized, Controlled Study. Mai 2004. http://journals.humankinetics.com/doi/abs/10.1123/jsep.26.4.623
[6] EUCELL: https://www.eucell.de/sport/sportliche-betaetigung-wirkungen-auf-den-koerper.html
[7] Positive Sporteffekte von Kopf bis Fuß: http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/fitness/training/tid-26187/fitness-fuer-herz-und-hirn-die-sportart-ist-egal-hauptsache-bewegung-sporteffekte-von-kopf-bis-fuss_aid_768791.html
[8] Schnohr P et al. Longevity in Male and Female Joggers: The Copenhagen City Heart Study. American Journal of Epidemiology 2013; online 28. Februar 2013; doi: 10.1093/aje/kws301
[9] Mit 20 Minuten am Tag sechs Jahre Lebenszeit gewinnen: http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/fitness/training/tid-26187/fitness-fuer-herz-und-hirn-die-sportart-ist-egal-hauptsache-bewegung-_aid_768786.html

 

Richtig trauern: Wie man mit dem Tod eines Angehörigen umgeht

Richtig trauern: Wie man mit dem Tod eines Angehörigen umgeht

Wenn der Tod eines Angehörigen oder geliebten Menschen völlig unerwartet kommt, spürt man heftige Kontrollverluste. Mir begegneten im Laufe des Blogs jedoch Menschen, die sich erst mit Angstzuständen und Panikattacken auseinandersetzen mussten, als jemand Geliebtes verstorben war.

Wie gewaltig musste ihre Verlusterfahrung gewesen sein und wie waren sie mit ihrer Trauer umgegangen? fragte ich mich, als ich selbst nach dem plötzlichen Tod meines Familienmitglieds wieder Angstschübe spürte. Emotionale Auseinandersetzungen wegen Erbrechtsangelegenheiten, Anwalt und Bestattung hatte ich hinter mich gebracht. Doch wie sollte es weitergehen? Wie würden wir unsere Trauer bewältigen?

Ich erlebte die Trauer meiner Mutter wie der Geist aus dem Film „Die Frau in schwarz“. Meine fühlte sich an, als würde ein Elefant auf meinem Rücken stehen. Da ich gut im Verdrängen bin und mich mit Arbeit, Medien und Sport abzulenken weiß, war klar, dass das nicht lange gut gehen würde. Traurigkeit und Angst sind mächtige Energien, die irgendwohin hin müssen. Doch was bedeutet überhaupt Trauerarbeit? und Wie trauert man richtig?, fragte ich mich in einer stillen Minute.

 

Trauerarbeit: Wie trauern wir richtig?

wie trauert man richtig? wenn der tod eines geliebten menschen zu paanik angst und depressionen führtIch erinnerte mich, dass die eingangs erwähnten Trauerarbeit leistenden Personen von einem Phänomen berichtet hatten: Der Schock sei das eine; aber wenn man nicht mit den überwältigenden Gefühlen der Traurigkeit umzugehen weiß und stattdessen versucht, zu verdrängen, bündeln sie sich. Der Druck im Körper wird bald so stark, dass er irgendetwas benutzt, um die geballte Trauer ausleiten zu können, zum Beispiel Krankheiten.

Da ich auf keinen Fall wieder Panikattacken bekommen wollte, beschloss ich, das zu tun, was ich am besten kann: Informationen besorgen und einen Plan machen, wie ich den Tod meines Familienmitglieds gesund verarbeiten könnte.

Als Denkerin erleichterte es mich, zu erfahren, dass es eine wissenschaftlich basierte Trauerforschung gibt. So musste ich nicht allein herausfinden, wie ich am besten mit dem Verlust und Schmerz über den Tod meines vorletzten! Familienmitglieds umgehen sollte. Wenn ich schon meiner Mutter in ihrer Trauer nicht helfen könnte, dann wenigstens mir.

Ich entdeckte nicht nur, dass es mehrere Experten auf dem Gebiet Trauerarbeit und -forschung gibt, u. a. die Ikone Elisabeth Kübler-Ross und die mir liebste Psychoanalytikerin Verena Kast. Meine Recherchen rund um die Frage „Wie trauert man richtig?“ zeigten vor allem:

Die eigenen Vorstellungen und Gedanken über den Tod definieren im Wesentlichen, wie wir ihn erleben - angstvoll oder akzeptierend trotz Traurigkeit. Ich zum Beispiel glaube seit jeher an ein Leben nach dem Tod. Es fühlt sich besser für mich an, zu denken, dass die gestorbene Person nicht einfach so verschwindet, sondern nur der Körper nicht mehr ist. Auch meine Gewissheit, dass wir mehr als nur einmal leben, meint: inkarnieren, erlaubt mir, den Tod im jetzigen Leben als weniger schmerzvoll wahrzunehmen.

Ich glaube vor allem daran, und das ist wohl der kritischste Punkt in diesem Blogpost, dass jeder den Zeitpunkt seines natürlichen Todes selbst bestimmt. Von der Idee erfuhr ich das erste Mal, als ich mich mit dem Thema Seelenplan auseinandersetzte und dazu das bekannte Buch „Seelenverträge: Absprachen in Liebe“ von Leila Eleisa Ayach las. Mir gefällt der Gedanke, dass wir bereits im Vorfeld alles „beschlossen“ haben, was wir im jetzigen Leben erleben (wollten), um daran zu wachsen.

Das aber ist mein Glaube. Und jeder darf seine eigene Ansicht dazu haben: eine, die ihm guttut. Was verbindest du mit dem Tod?

 

Die bekanntesten Modelle und Phasen der Trauer

Durch meine Recherchen lernte ich auch, dass Trauer in Wellen auftritt und nicht in Phasen. Das jedenfalls sagt der renommierte klinische Psychologe Prof. George Bonanno. Er setzt sich seit Jahrzehnten mit dem Tod und Trauerarbeit auseinander und schrieb 2012 in seinem Buch „Die andere Seite der Trauer: Verlustschmerz und Trauma aus eigener Kraft überwinden“ über seine Erkenntnisse.

Dennoch will ich drei bekannte Modelle zum Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen vorstellen. Sie helfen, den Tod zu verstehen, zu akzeptieren und den Schmerz über den Verlust ertragen zu können. Vielleicht helfen sie auch dir.

 

Die fünf Phasen der Trauer nach Elisabeth Kübler-Ross

wie trauert man richtig?Die Schweiz-US-amerikanische Psychiaterin ist eine der wichtigsten Begründerinnen der Sterbeforschung. In ihrem Buch „Über den Tod und das Leben danach“ skizziert sie einen Modell aus fünf Phasen, dass das Verhalten sterbender Menschen und Erleben des eigenen Todes oder das eines Angehörigen näher beschreibt.

Die erste Phase nennt sie Verleugnung, (denial). Ein Mensch erfährt von seinem bevorstehenden Tod oder die Angehörigen erfahren vom Tod ihres geliebten Menschen. Sie verleugnen das Ereignis, wollen es nicht wahrhaben und isolieren den Schmerz darüber. In dieser Phase lehnt man Diagnosen und Befunde ab, glaubt an einen guten Ausgang oder ignoriert vollständig, was auf einen zukommt bzw. bereits geschehen ist. Diese Phase kann man gesund nur dann erleben, wenn man sich mit dem Tod auseinandersetzt.

Die zweite Phase nennt sie Zorn. Hier ist vor allem die Emotion Wut präsent. Auch kommt es sehr häufig dazu, dass man gesunde Menschen beneidet und unkontrollierte Aggressionen erlebt, weil das eigene Leben bald beendet wird oder aber das Leben eines Angehörigen bereits beendet ist. Träume, die man hatte, und Wünsche, die man noch umsetzen wollte, sowie alles, was man nicht mehr erleben darf, führen zu übermäßigen Wutausbrüchen und Angst.

Diese Phase kann man nur dann gesund ertragen, wenn man seinen Gefühlen viel Aufmerksamkeit widmet und jede Möglichkeit nutzt, sie zu verarbeiten. Auf keinen Fall sollte man diese Wut und Angst als Angehöriger persönlich nehmen.

Die dritte Phase nennt sie Verhandeln. Sie sei nur sehr kurz und von extrem kindlichen Verhaltensweisen dominiert. In dieser Phase sind die Menschen oft sehr zornig und versucht, durch einfache Tätigkeiten und Leistungen eine Belohnung, nämlich die Befreiung von Schmerzen, zu ergattern. Viele widmen sich in dieser Phase überweltlichen bzw. ehrenamtlichen Tätigkeiten, um genug Gutes zu tun, in der Hoffnung, dass es von einem Gott gewürdigt wird.

Die vierte Phase ist geprägt von Verzweiflung über den Verlust, sowohl reaktiv als auch vorbereitend. Die erste Form, die reaktive, zeigt häufig eine Fixierung auf bereits erlebte Verluste, zum Beispiel in Form von Geld für gesundheitliche Zuwendung oder auch dem Preis der Verantwortung für jahrelange Pflege usw. Die zweite Form, die vorbereitende, widmet sich der Zeit, die nun bevorsteht - ohne das Leben oder den Angehörigen. In dieser Phase befinde ich mich.

Diese Phase kann man gesund erleben, indem man sich an das erinnert, was einem im Leben bleibt und sich dabei von seinem Umfeld unterstützen lässt. Die Sterbeforscherin rät allerdings dazu, sich immer dann zu isolieren bzw. zurückzuziehen, wenn man trauern möchte. Um eine gesunde Trauerarbeit leisten zu können, sei es wichtig, alle dazugehörigen Ängste und die Verzweiflung bewusst zu durchleben.

Die fünfte und letzte Phase, die Akzeptanz, ist die schwierigste, da sie nahezu frei von allen Gefühlen ist. Die Schmerzen sind vorüber und die Trauerarbeit vorbei. Die Trauernden wollen sich nicht länger mit dem Verlust auseinandersetzen; Sterbende lehnen die Probleme anderer vollständig ab. Diese Phase kann man nur passiv tragen, in dem man an der Seite der Person bleibt und zuhört.

Dieses Phasenmodell baut sich zwar von 1-5 auf, aber die Phasen können sich auch verschieben, wiederholen oder unmerklich ineinander übergehen.

 

Die vier Phasen der Trauer nach Verena Kast

Phasen der TrauerDie wunderbare Psychoanalytikerin Verena Kast benennt in ihrem Buch „Trauern: Phasen und Chancen des psychischen Prozesses“ vier Phasen. Sie ließ in ihr Modell die Erkenntnisse von Elisabeth Kübler-Ross, John Bowlby, Collin Murray-Parks und anderen AnalytikerInnen einfließen.

Die erste Phase besteht aus der Verleugnung und dem Nicht-wahrhaben-Wollen. Der erste Schock lässt Menschen leugnen, dass eine geliebte Person gestorben ist. Er lässt sie glauben, dass es ein Irrtum sei. Andere wiederum erleben, dass sie keinerlei Emotionen verspüren, als würde die Information vollständig an ihnen abprallen. In dieser Zeit berichten jedoch viele Angehörige und Hinterbliebene von körperlichen Symptomen, die an Angstzustände und Panikattacken erinnern: Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Schweißausbrüche, Herzrasen und ein allgemeines Unwohlsein.

Um diese Phase verlassen zu können, hilft es sich entweder mit dem Tod auseinanderzusetzen, den Toten noch einmal zu sehen oder aber handfeste Beweise in den Händen zu halten. Diese Phase würde nicht sehr lange andauern. Kast spricht von nur wenigen Tagen.

In der zweiten Phase brechen dann alle Gefühle los. Es treten Trauer, Angst, Wut und Aggression, tiefe Einsamkeit und Schmerz über den Verlust auf. Auch positive Gefühle wie Freude oder Erleichterung sind dabei. Besonders, wenn der Verstorbene eine lange Zeit gelitten hat, empfinden die Hinterbliebenen oft Erleichterung. Gleichzeitig berichtet Kast aber auch von Schuldgefühlen, die teilweise sehr belastend werden können. Wenn wir uns Vorwürfe machen, ein schlechtes Gewissen haben, zum Beispiel wegen vergangenen Fehlern oder all den Dingen, die wir nicht taten, kann das zu ernsthaften psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depression führen.

Doch Zorn und Wut kann sich auch gegen andere richten, zum Beispiel Mediziner, Beteiligte am Tod oder Menschen, die zu Lebzeiten dem Verstorbenen oder den Hinterbliebenen Unheil anrichteten. Doch Wut, Angst und Traurigkeit heraus zu lassen, hilft dabei, den Tod zu verarbeiten. Gleichzeitig schützt es davor, dass die trauernden Personen depressiv werden. Kast rät dazu, diese Gefühle zuzulassen und bewusst zu erleben, um nicht in der Trauer stecken zu bleiben.

Die dritte Phase nennt sie Suchen - Finden - Loslassen. Die Hinterbliebenen versuchen erneut, eine Verbindung herzustellen, indem sie Erinnerungsstücke ansehen oder Orte besuchen, die sie an den Toten erinnern. Man setzt sich mit Konflikten und ungelösten Problemen mit dem Verstorbenen auseinander. Man spricht im Kopf mit ihm, erlebt erneut Wellen aus Wut, Trauer und Angst.

Laut Kast stünde am Ende dieser Phase eine Versöhnung mit dem Verstorbenen. Diese würde helfen, den Tod zu akzeptieren und den geliebten Menschen gehen zu lassen. Doch es sei wichtig, dass diese Phase nicht allzu lange anhält, damit der Tod und ein Leben ohne den Verstorbenen akzeptiert wird.

Die vierte und letzte Phase nennt sie Akzeptanz und Neuanfang. Die Hinterbliebenen haben den Verlust begriffen, akzeptiert und weitestgehend verarbeitet. Sie können ihr eigenes Leben wieder gestalten und ziehen sich nicht länger zurück.

Idealerweise hat man in dieser Phase erkannt, dass der Tod zum Leben gehört.

 

Die vier Trauerphasen nach Yorrick Spiegel

Trauerarbeit die phasen nach Verena Kast und Elisabeth kübler-rossYorick Spiegel war ein Professor für Systematische Theologie und veröffentlichte 1973 sein Buch „Der Prozess des Trauerns“, in dem er vier Trauerphasen beschreibt.

Die erste Phase ist die Schockphase. Man erfährt von dem Tod  des geliebten Menschen und verfällt aus Selbstschutz der Verleugnung. Man nimmt alles so real war, er lebt sein Leben wie durch Milchglas und ist in sich eingemauert. Je nachdem, wie der Mensch verstarb, würde diese Phase in ihrer Stärke variieren. War es beispielsweise ein Unfalltod oder gar ein gewaltsamer Tod, erleben die Hinterbliebenen den Schock äußerst heftig. Auch Spiegel beschreibt, dass diese Phase von wenigen Stunden bis maximal zwei Tage anhalten würde.

Die zweite Phase nennt er die kontrollierte Phase, da man hier versuchen würde, nicht nur seine eigenen Gefühle, sondern auch die seines gesamten Umfelds zu kontrollieren. Gleichzeitig würde man von seinem Umfeld kontrolliert werden. Da man als trauernder Mensch nur wenige Entscheidungen fällen kann bzw. die sonst normale Verantwortung wie mein Elefant auf dem Rücken zu schwer wiegt, konzentrieren sich alle Handlungen auf die wichtigsten. Daher kann es zu Isolation und unterbrochener Kommunikation kommen. Alle Energie wird darauf verwendet, dass man „zurechtkommt“. Diese Phase würde zwischen drei und sieben Tagen dauern.

Die dritte Phase nennt er die Phase der Regression. Hat die Kontrolle abgenommen, zieht sich der Trauernde oftmals zurück und erkennt erneut, in welcher Lage er sich befindet. Er versteht den Verlust, trauert und verliert nicht selten seine Selbstkontrolle. Wellen von Trauergefühlen kommen und gehen wie Ebbe und Flut und alles scheint chaotisch und unberechenbar. Zwischen Wut, Zorn und Aggressionen, erlebt der Trauernde Hilflosigkeit und tiefen Schmerz. Diese Phase ist oft mit körperlichen Symptomen verbunden, wie zum Beispiel Appetitlosigkeit, Schlafprobleme und Kopfschmerzen. Diese Phase würde zwischen vier und zehn Wochen dauern.

Die letzte Phase beschreibt die der Anpassung, in dem sich die Hinterbliebenen vom Verstorbenen gelöst haben. Sie haben den Tod und Verlust sowie die Bedeutung für ihr weiteres Leben verstanden und akzeptiert. Das eigene Leben gewinnt wieder an Gewicht und kann aktiv erlebt und gestaltet werden. Diese Phase sei laut Spiegel schwierig, weil sich hier entscheidet, ob man vorwärtsgeht oder zurück - und in der Trauer stecken bleibt. Sie würde aber bei erfolgreichem Durchlaufen und Zulassen aller Gefühle gelingen können. Als Zeitraum benennt er sechs bis 12 Monate.

 

Buchempfehlungen

buch zu trauern und tod eines geliebten menschenWer so ist, wie ich, und das, was passiert ist, kognitiv begreifen muss, um einen Weg mit seinen Gefühlen zu finden, dem könnten einige Bücher helfen, die ich hilfreich fand/finde. Sie wurden alle von Menschen beschrieben, die wissen, wovon sie sprechen und teilweise jahrelang Trauerprozesse begleitet oder erlebt haben.

Ihre Worte sind einfühlsam und helfen Trauernden, den Tod ihres geliebten Menschen zu bewältigen.

Terhorst, Eva: Das erste Trauerjahr (ansehen auf Amazon)
Schlegel-Holzmann, Ute: Kein Abend mehr zu zweit: Familienstand: Witwe (ansehen auf Amazon)
Onnasch, Klaus und Ursula Gast: Trauern mit Leib und Seele: Orientierung bei schmerzlichen Verlusten (ansehen auf Amazon)
Kachler, Roland: Damit aus meiner Trauer Liebe wird: Neue Wege in der Trauerarbeit (ansehen auf Amazon)
Kachler, Roland: Meine Trauer wird dich finden: Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit (ansehen auf Amazon)
von Stülpnagel, Freya: Ohne dich: Hilfe an Tagen, an denen die Trauer besonders schmerzt (ansehen auf Amazon)
Paul, Chris: Warum hast du uns das angetan? Ein Begleitbuch für Trauernde, wenn sich jemand das Leben genommen hat (ansehen auf Amazon)

Ich wünsche jedem in seinen Stunden der Trauer sowie für die kommende Zeit alles erdenklich Gute, viel Kraft, liebevolle Unterstützung und Hoffnung für die besseren Zeiten!

Janett Menzel

 

Quellen:

[1] Die 5 Phasen der Trauer nach Elisabeth Kübler-Ross (pdf). SHG Regenbogen, abgerufen am 10.05.2017.
[2] Oliver Schmid: Trauerphasen. Trauerphasen.de, abgerufen am 10.05.2017.
[3] Trauerphasen. Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers, abgerufen am 10.05.2017.

 

Berlin, wo versteckst du Liebe? (1. Episode eines langen Sommers)

Berlin, wo versteckst du Liebe? (1. Episode eines langen Sommers)

„Wir brauchen Männer, Netti! Lass uns tanzen gehen!“ erklärte mir neulich eine meiner engsten Freundinnen in einer Sofabar am Ostkreuz.

Seit Lena wieder Single war, hatte ich mehrfach die Idee fallen lassen, dass wir ja jetzt endlich mal die alten Tage aufleben lassen könnten - mit Tanzen. Nur Tanzen. Als Berlin noch nicht so extrem mit gezwungenem Elektro und überzogener Garderobe bügelte, hatten wir einen Mordsspaß in Berlins Clubs. Damals war für Lena und mich die Welt aber noch in Ordnung, wenn wir einfach nur die ganze Nacht durchtanzen konnten, ohne uns Gedanken über die richtigen Schuhe machen zu müssen. Zeiten, in denen wir noch dachten, dass wir den einen Mann finden würden, mit dem wir bis in alle Ewigkeit zusammenblieben. Ohne „Ich muss mich finden!“ und „Es liegt nicht an dir!“-Gerede. Eine Zeit, in der ich mehr oder minder ungeniert nach 30 Minuten schweißtreibendem Tanzen meine Haare zu einem Dutt hochband - ohne mir Gedanken über Abstriche an meiner Attraktivität zu machen - und trotzdem noch Drinks ausgegeben bekam.

Also andere Zeiten als die heutigen.

In einer Stadt wie Berlin, die sich weder vor Singlebörsen, noch vor Singlepartys retten kann, ist das Suchen und Finden von wahrer Liebe mit einigen Herausforderungen verbunden. Ich selbst gehöre zur vorsicht-gebotenen Sorte: Ich bin nun schon mehrere Jahre freiwillig Single und arbeite brav meine Ex-Beziehung auf. Bislang hatte ich alle Männerversuche erfolgreich mit einem „Achtung! Hier liegen zu viele Messer rum!“ abweisen können. Der Gedanke, sich erneut ins Getümmel zu stürzen und dort was finden zu können – egal was – überforderte mich. Zwischen Männern, die nach Müttern statt Frauen suchen, solchen, die Vögeln mit Gefühl verwechseln, jenen, die zu leer sind für wolkenverhangene Tage und welchen, die im Clubnebel verheißungsvoll sind, aber plötzlich unerwartet viel zu tun haben, gucken Frauen wie Lena und ich schnell doof aus der Wäsche. Natürlich wissen wir, dass wir auch keine leichte Partie sind, aber dafür roh und direkt.

„Ich sag dir: Das ist genau das Problem!“

Mir war das Problem ziemlich schnuppe.

„Ich weiß nicht, ob ich das schon wieder kann. Können wir nicht einfach nur tanzen?“

Doch ich erinnere mich an eine Doku, in der eine Dauer-Single-Frau auf der Suche nach einem Partner begleitet wurde und schlussendlich bei einem Psychologen saß. Ganz im Sinne von Fords Zitat: „Wenn du Erfolg haben willst, musst du die Fehlerquote verdoppeln!“, führte er folgendes Gespräch mit ihr:

„Wie viele Männer lernen Sie im Jahr kennen?“

„Drei!“

„Also wenn sie pro Jahr drei Männer kennenlernen, könnten sie laut Statistik bis zu 10 Jahren brauchen, um einen geeigneten Partner zu finden.“

Denn im Schnitt wäre nur einer von Hundert passend. Er riet ihr, sich die anderen 99 anzutun und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass irgendjemand der hundert Männer zufällig das Einhorn in seinem Garten zu stehen hatte.

„Weißt“, erklärte mir Lena trocken, „du darfst dich nur nicht zu lange mit den Falschen aufhalten!“

Ich bin ohnehin schon hoffnungslos überfordert mit Männern und Liebe. Eine Stadt wie Berlin macht es da nicht einfacher. Ich hasse sie zum Beispiel wegen dem Datingkodex. Denn nur hier lernt man, an welchen Tagen man „busy“ und „available“ sein darf und an welchen man „needy“ erscheint. Es zählt, gesund und erwachsen zu wirken, unproblematisch, locker und ohne Erwartungen. Man hat Angst, anderen Angst zu machen, weil man Gefühle hat oder sie sich zwischen einem ehrlichen Lächeln und dem erstem Café Latte entwickeln könnten. Hier muss man einfach aufpassen, nicht zu echt zu sein, außer man verwechselt Authentizität mit pinkfarbigen Strumpfhosen und billigen Turnschuhen. Man darf nicht zu viel reden, nicht zu wenig lächeln, nicht zu emotional sein, aber muss dennoch sofort anspringen, wenn einer zwinkert – sonst ist der Moment verstrichen und die Chance sitzt schneller, als man Scheiße rufen kann, zwischen eloquenten Single-Marketingfachfrauen mit Mojito an der Bar.

Kaum einer hinterfragt diesen Kodex. Für Lena und mich problematisch: Wir sind eben die Sorte Frau, die auf H&M Basics, Dutts und Sonntage auf dem Sofa stehen, wenn die Sonne nicht scheint. Wir haben ein Leben und würden darin Platz machen, wenn wir einen Mann fänden, den wir lieben könnten, ohne es gänzlich über den Haufen zu werfen. Wir hassen 24 Stunden am Tag-WhatsApp-Gespräche, Geklammere und haltlose Charaktere.

Während Lena dringend kalkfreie Armaturen und heile Klamotten braucht, um sich wohl zu fühlen, hatte ich mein Leben in den vergangenen Jahren so eingerichtet, dass kein Mann je bei mir bleiben würde. Ich bin der „dreckigere“ Typ, wenn es um Wohnungen geht, und definitiv der problematischere in Bezug zu diesem Ding namens Vertrauen. In kalten Jahreszeiten liebe ich meine Wollpullover mehr als meine Katzen. Ich will nicht heiraten, weil mir die Statistik den Wind aus meinen romantischen Segeln genommen hat. Ich mag Tiere so sehr, dass ich oft kein Fleisch esse. Ich bin laktoseintolerant, was meine Küche ziemlich regional frisch und konservierungsstofffrei macht. Für mich beginnt Treue beim Küssen und hört erst auf, wenn man getrennt ist. Ich kann falsche Kompromisse nicht ausstehen, erst recht nicht, weil man keine Lust hat, sich mit seinen Wunden zu beschäftigen, statt sie auf andere Schultern zu legen. Als waschechter Schreiberling benötige ich eine Menge Zeit für mich und das in Stille, was für den einen Mann ein Ausschlusskriterium ist und für den anderen ein Segen. Kurzum: Ich suche jemanden, der sich sehr wahrscheinlich selten in die Berliner Clubnächte stürzt.

„Oder du suchst dir nur was für eine Nacht!“ schlug mir Lena vor ein paar Tagen vor.

Aber genauso so ein Typ war ich eben auch nicht – noch nie. Ich stehe auf die Gefühle vor dem ersten Café Latte und der Angst beim ersten Kuss und Sex. Mir gefällt der Gedanke, dass es so etwas wie wahre Liebe gibt. Ich bin mir nur unsicher, wo man sie in Berlin finden kann.

Und so ging der Beschluss, abends „mal“ in einem Club tanzen zu sagen und eventuell beim anderen Geschlecht nach so was wie Zukunft zu suchen, nicht ganz unproblematisch los.

Wir beschlossen, in der Kalkscheune bei 80er und 90er Jahre-Musik in den Mai zu tanzen. Wir tanzten uns eine Stunde vor dem Spiegel warm, um das passende Outfit zu finden, das uns weder underdressed, noch aufgetakelt wirken ließ. Ich band mir meine Haargummis für den Dutt ums Handgelenk und packte den Wollpulli für den Nachhauseweg in die Tasche.

Wir wussten, dass dieser Sommer aufregend werden würde – denn wir wollten nicht eher aufhören nach der Liebe in Berlin zu suchen, bis sie uns fand oder wir sie. Also legten wir das Enddatum der Suche fest: 30. September 2017. Klar, es würde nicht leicht werden, aber dafür witzig und beizeiten sicher kopfschüttelnd desillusionierend.

Irgendwo zwischen dem Schlimmsten und vielleicht Schönstem entschieden wir, Berlins Singleattitüden und Regulatoren abzusagen und uns treu zu bleiben – trotz Angst, den Geistern alter Beziehungen und metaphorischen Messerblöcken. Der Dutt würde bleiben und kommen, wann er will. Lena würde weiterhin so direkt sein wie sonst, auch wenn es dem einen oder anderen Muffensausen bereitete. Wir würden beide dem Datingkodex unsere Mittelfinger zeigen und weglaufen, wenn nötig. Und wir machten ein Codewort für die schweren Fälle aus: Bratwurst. Denn als meine Freundinnen und ich das letzte Mal auf einer Singleparty waren, versuchte ich schon kurzer Zeit, die Enttäuschung und Genervtheit des Abends zu kompensieren: eben mit Bratwurst, ein ungesunder, aber damals höchst befriedigenderer Kompromiss. Seither sind Clubs, in denen es im Außenbereich Gegrilltes mit Senf und Ketchup gibt, für mich ein sehr sicherer Hafen.

Ob wir diese Sicherheit brauchen werden?

Schau die Tage wieder vorbei! Dann erfährst du es oder trag dich in meinen Newsletter ein:

 

F