“Du liebst mich doch, oder nicht?”: Wie du mit beziehungsängstlichen Männern umgehst

“Du liebst mich doch, oder nicht?”: Wie du mit beziehungsängstlichen Männern umgehst

 

Ich habe mit Hochtouren an “Du liebst mich doch, oder nicht? Wie Frauen mit beziehungsängstlichen Partner wirklich umgehen sollten - ganz ohne Manipulieren und Leiden” geschrieben: ein Ratgeber über Beziehungsängste, wie sie sich anfühlen für die, die Angst haben, woher sie kommen, was man tun kann, wenn man mit einem beziehungsängstlichen Partner zusammen ist und vieles mehr.

Es ist mein erstes Buch, das sich ausschließlich an Frauen wendet. Darin gebe ich viele Erkenntnisse meiner Coachings mit Menschen, die unter ihrer Beziehungsangst leiden, weiter und räume endlich einmal mit all den Mythen und “Wenn du dich so und so verhältst, dann wird er dich für immer lieben!”-Ansagen vieler Beziehungs- und Love Coaches auf. Als Ex-Beziehungsängstliche (und hin und wieder immer noch) kann ich nur den Kopf über Autoren & Coaches schütteln, die meinen, man könne mit Manipulationstricks Menschen wie mir das Herz aufweichen. Sie erzählen Frauen, die mit jemandem mit Angst vor Liebe und Beziehungen zusammen sind, so viele irreführende und schädliche Sachen. Leichter kann man seinen Herzenspartner nicht loswerden - und seinen Selbstwert gleich mit. Das lag mir so schwer im Magen, dass ich sogar meine Arbeit an einem anderen Buch unterbrach.

 

E-Book in drei Formaten: pdf (zum Ausdrucken), mobi und epub. 
306 Seiten.
Janett Menzel (2017)

 

Wann hattest du das letzte Mal so richtig Angst vor etwas? Half es, als jemand sagte, du bräuchtest doch keine Angst zu haben? War deine Angst weg, als dich jemand trotzdem aufforderte, das Angstauslösende zu wagen? Wenn man Beziehungs-, Love und Dating Coaches Glauben schenkt, sollten Frauen versuchen, sich jahrelang zu verstellen, um ihren beziehungsängstlichen Herzenspartner die Angst vor Liebe und Partnerschaft zu nehmen. Dann würde seine Angst verschwinden! Wie schlecht das klappt, wissen Frauen selbst.

Begib dich auf eine Reise in seine Schuhe, lerne seine Gedanken kennen und verstehe, worum es beziehungsängstlichen Menschen wirklich geht: keine Angst zu haben und keine zu bekommen.

Nur jemand, der weiß, was Bindungsängste bedeuten und wie sie sich anfühlen, der Dutzende Male von Manipulationsstrategien verscheucht wurde, kann sagen, was Frau tun sollte und vor allem: was nicht.

Ein Buch für Betroffene von mir, die ihre Bindungsangst überwunden hat. Mit vielen Einsichten, Selbstwertübungen, Methoden zum Erkennen und Entdecken verborgener Wahrheiten, Erklärungen zu möglichen Angstverursachern, Checklisten, Handlungsimpulsen und vielem mehr.

Du kannst mein Buch hier exklusiv als E-Book im pdf, epub und mobi-Format. In einigen Tagen wird es auch bei Amazon erscheinen, dort aber etwas teurer sein.

Hast du Lust auf eine Leseprobe? Hier kannst du dir die ersten 20 Seiten meines Ratgebers bei bindungsängstlichen Männern herunterladen. Auch für selbst Betroffene ist das Buch lesenswert. Es vermittelt einen Eindruck, wie stark unsere Angst auf andere wirkt und wie tief ihr Leid werden kann. Leseprobe >>

 

 

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Probier’s mal mit Genügsamkeit: Einmal ein einfaches Leben, bitte!

Probier’s mal mit Genügsamkeit: Einmal ein einfaches Leben, bitte!

 

Neulich beschloss ich, dass ich nur noch ein einfacher Mensch sein will und sein werde. Gleich, was andere davon halten. Genügsamkeit klang aber lange Zeit in meinen Ohren, als würde ich mich gegen Großes und Mehr wehren. Aber es hängen Erwartungen und damit auch Enttäuschungen an dem Wort. Ich habe die “böse Bedeutung” deshalb einfach gestrichen. Seitdem genügt mir von Tag zu Tag mehr.

 

Wir sind alle nur Menschen. Müssen wir daran erinnert werden?

Genügsamkeit bedeutet, dass man sich und das, was man hat, genug ist. Immer nur Zielen hinterherzurennen und sie strikt zu verfolgen, kann zwar auch erfüllen, aber es bringt erheblichen Stress. Besonders, wenn wir uns dem Perfektionismus hingeben und dann an unseren Ansprüchen scheitern. Bei sich selbst zu “versagen”, kenne ich auch zu gut. Daher: Ich werde mir keine Gedanken mehr machen, ob jemandem das, was ich tue und bin, reicht oder nicht. (Im Netz und bei oberflächlichen Verbindungen ist das ja immer so eine Sache.) Ich werde mich nicht mehr fragen, wie ich besser in X werde und bedeutungsvoller in Y, nur damit andere meinen Wert erkennen und ihn mir zeigen. Ich kenne meinen Wert. Dieser Entschluss fühlt sich gut an. Der Rest tut mir weh. Er pflanzt Gedanken in meinen Kopf, die mich verletzen und mir eine vermeintliche Bedeutungslosigkeit einimpfen wollen, die völliger Blödsinn ist.

Ein Bekannter von mir meinte einst nach unserem dritten Glas Wein auf meiner Couch, dass wir doch am Ende des Tages alle nur Menschen sind, die irgendwie versuchen, zurechtzukommen. Ich verstehe jetzt, was er meinte.

Auch ich habe mein ganzes Leben lang versucht, besser und größer zu leben, existenziell abgesichert und von allen gemocht - damit ich ja nie auf die Idee kommen würde, dass ich oder jemand anderes nicht ausreichen würde, dass mein Leben nicht lebenswert sei oder ich nichts für mich erreicht hätte. Es war ein ständiges Gedrehe im Kreis darum, zu funktionieren und nach außen hin so zu tun, als hätte ich einen Wert, den andere nur erkennen müssten. Eine Bedeutung.

Wozu muss heute alles so bedeutend sein? Was wurde aus einem einfachen Leben, in dem wir nur morgens aufstanden, uns auf den Tag vorbereiteten und ihn verbrachten?

 

Über das Schöne an einem einfachen Leben

Unsere Ahnen waren weder unzufrieden, wenn nichts geschah noch waren sie unzufrieden, wenn etwas geschah. Sie freuten sich noch über die kleinen Dinge. Sie arbeiteten zwar hart und viel, aber sie stellten um einiges seltener ihren Lebenssinn infrage. Sie warfen nicht alles sofort hin, nur weil es einmal schwer wurde. Sie kannten ihre Aufgaben, kamen ihnen nach und verbrachten damit ihr Leben. Als Leben noch fern ab von Selbstverwirklichung und -optimierung einfach nur „lief“, schien nichts mehr oder weniger bedeutungsvoll zu sein. Ein einfaches Leben hatte dieselbe Bedeutung wie ein komplexes.

Doch heute will jeder bedeutend sein - auch, wenn er es nicht zugeben mag. Menschen werden täglich durch die Medien daran erinnert, dass sie „gefälligst“ etwas aus ihrem Leben machen sollten, etwas erreichen müssten, etwas Erinnerungswertes schaffen und sich einen Namen machen sollten - sonst…ja, sonst wäre man wohl normal, in den Augen anderer nicht genug, würde still belächelt, verspottet oder ausgeschlossen…ein einfacher Mensch, der ein einfaches, unbedeutendes Leben führt.

Wann wurde das eigentlich verwerflich?

 

Weshalb Selbstoptimierung und Selbstwert so gar nicht zusammenpassen

weshalb selbstoptimierung so schädlich istMir wurde die letzten Tage bewusst, wie wir alle unser Leben und beinahe jede Aktivität als Pflichtkür bedeutungsschwängern. Wenn der Job einem keine Aufstiegschancen bietet oder wir schon lange meinen, dass wir etwas Besseres verdient hätten, müssten wir kündigen. Was sollen auch zukünftige Arbeitgeber sonst von unserem einfachen Lebenslauf denken? Wir wären nicht gut genug, wenn wir Loyalität, Integrität, Fokussierung und Genügsamkeit zeigten. Nein, heute muss man den ganzen Tag nur an sich denken und daran, wie man noch besser werden kann…weil man erst dann den Wert zugesprochen bekäme, etwas oder jemand zu sein.

Wenn wir auf einfache und eingesessene Art und Weise lieben, es nicht mehr kribbelt und wir nicht mehr tägliche Blumensträuße oder Aufmerksamkeit bekommen, kriegen wir Angst, beginnen Affären oder grübeln darüber, ob wir noch geliebt werden. Andere wiederum trennen sich sogar. Nicht täglich zu spüren, dass wir geliebt werden, so, wie wir meinen, es verdient zu haben, schmälert schon beim Gedanken unseren Wert für den Partner und den Wert des Partners. Weil es „einfach“ nicht mehr reicht.

All diese fiesen und verzeih, dummen Interpretationsansätze fingen erst damit an, dass uns jemand einredete, wir müssten besser sein (gut reicht nicht) und anders (so ist es nicht gut) und gesehen, gehört und erfolgreich - tagtäglich müssten wir im Außen unseren Wert bestätigt bekommen und fühlen. Und wir glauben es auch noch!

 

Sind wir uns nur dann wertvoll, wenn wir von anderen als wertvoll gesehen werden?

Was aussieht wie Zugehörigkeit, hat in Wahrheit nichts mit Wert zu tun. Es ist die Angst davor, normal und einfach zu sein. Im Vergleich stünden wir vor anderen „einfach“ (und) dumm da. Und weil uns deren Meinung wichtiger ist, als unsere, schneiden auch wir vor uns selbst schlecht ab.

gute böse menschen wieso in jedem ein arschloch steckt schatten karmaObwohl uns der Buddhismus schon seit Jahrzehnten verrät, dass es eben das Nicht-Anhaften ist, das uns Zufriedenheit schenkt, sind wir täglich auf der Suche nach eben dieser Sache oder dieser Person, die uns Bedeutung verleiht. Es schafft einen Sinn, der sich damals noch zu Oma- und Opazeiten einfach nur „Leben“ nannte. Das war der Sinn. Heute aber definieren wir unseren Selbstwert darüber, was wir sind, nicht sind, dürfen, nicht dürfen, können und nicht können. Jeder Gegenstand in unserem Leben verrät unseren vermeintlichen Wert. Haben wir aber vermeintlich zu wenig, z. B. kein Haus, sondern nur eine 2-Zimmer- Wohnung, keinen Partner, keinen mörderischen beruflichen Erfolg, keine B-Promi-Bedeutung, zu wenige Likes unter dem Facebook-Post oder Kommentare im Blog, sind wir angeblich nicht von Bedeutung. Wie viele ich kenne (und ich bis eben auch), die gleich darüber nachdachten, alles hinzuschmeißen, traurig oder wütend wurden, nur weil die erhoffte Anerkennung ausblieb und ihnen Bedeutungslosigkeit vorgaukelte.

 

Große Erwartungen

Ich frage mich ernsthaft, ob das ein Leben ist, das lebenswert ist. Ich verzettele mich ebenso ständig in allem, was ich soll und muss, dass ich in letzter Zeit immer mehr an meine Grenzen geriet. Sie zeigten mir deutlich, dass ich begrenzt bin - in dem, was ich will und in dem, was ich nicht will. Bedeutung baut Erwartungen auf und Erwartungen sind Ansprüche, die eine Verantwortung und Pflicht mit sich bringen. Wie viele an diesen brechen, sehen wir an der Zahl der psychischen Störungen wie Panik, Angststörungen, Depressionen und mehr. Sollte die einzige Verantwortung und Pflicht in einem Leben nicht die sein, dass man seine Lebenszeit gesund und dankbar erlebt?

Mir wäre es so viel lieber, wenn wir alle ganz entspannt dieselbe Bedeutung hätten und unsere Tage ebenso zufrieden in Gleichheit verbrächten, ohne uns Gedanken über unsere Bedeutungslosigkeit oder Bedeutung zu machen - ohne jede Handlung oder Nicht-Handlung, jedes Wort oder Schweigen und jede körperliche Regung gleich als Unwert zu interpretieren.

Was meinst du: Ist es heute noch möglich, zurück zu einem einfachen Leben zu kehren?

Mir liegt dieses Thema gerade sehr am Herzen und ich würde mich freuen, wenn du mich an deinen Gedanken dazu teilhaben lässt.

Liebe Grüße,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Das Gefängnis unseres Lebens: Wie uns Gefühle zu Insassen machen

Das Gefängnis unseres Lebens: Wie uns Gefühle zu Insassen machen

 

Jeder von uns hat sein eigenes, selbstgemachtes Gefängnis, zum Beispiel in einem Land namens Angst. Manchmal ist es unser Zuhause, in dem wir zu oft hocken, weil wir nicht wissen, wohin wir gehen sollen, draußen keinen Sinn haben oder uns der Familie verpflichtet fühlen. Oder es ist der Job, von dem wir uns vermeintlich nicht losreißen können, in dem wir gebraucht, und nur wir, gebraucht werden, weil ohnehin niemand sonst uns ersetzen könnte. Bei anderen ist es die ausgediente Beziehung, die schon lange nur noch lieblos ist und nicht mehr erfüllt, von der man sich aber nicht trennen kann, weil man zu viele Jahre, Energie, Geld oder Gene investiert hat. Oder es ist eine alte Liebe, die wir nicht loslassen wollen, weil sie so viel schöner war als die Realität, in der wir nicht nach jemand Vergleichbarem suchen möchten. Für viele von uns ist es Geld, weil man nur mit viel Geld angeblich alles erreichen könnte, wir uns in unserer Haut wohler, weil vermeintlich überlegen und gewollter fühlen. Eine trügerische Sicherheit erwarten wir in unseren Gefängnissen.

 

Aus Angst: Ein unfreies Leben in einem vermeintlich sicheren Gefängnis

Ausbruch aus dem Gefängnis angstTag für Tag hocken wir in unseren Zellen und sind froh, überhaupt etwas unser Eigen zu nennen, ein Platz, den wir selbst gebaut haben, den wir für uns beanspruchen können. Wie wirkliche Inhaftierte gewöhnen wir uns mit der Zeit an dieses unfreie Leben immer mehr. Was uns spüren lässt, nichts sei so schlimm, wie es aussieht, sind die Freigänge, Hafturlaube oder Fluchtpläne, die nie umgesetzt werden. Einige Gefängnisse sind Hochsicherheitsgefängnisse, Gebäude, aus denen man vermeintlich nie wieder fliehen könnte. Andere gleichen einem offenen Strafvollzug, in dem man langsam lernt, zu sich und einem selbstverantwortlichen Leben zurückzukommen.

Angst, Neid, Zorn, Perfektionismus, Trauer, Schuld und Scham sind solche Gefängnisse. Sie halten uns gefangen. Im Gegensatz zu wahrhaftigen Straftätern haben wir freiwillig Einsitzenden aber nichts Schlimmes getan. Wir müssen weder leiden noch unsere Schuld absitzen. Es gibt nur dann Strafen, wenn wir sie uns selbst auferlegen. Unsere vermeintlichen Untaten interpretierten wir allein als „boshaft“ oder wir ließen andere über uns richten. Ein unnötiges Urteil über uns selbst. Es ist Verrat an uns und unserem Wert.

Unsere gedanklichen Gefängnisse sind nicht so konstruiert, wie wir wirklich sind. Sie gleichen dem, was wir gelernt haben. Deshalb erscheinen uns ihre Mauern unüberwindbar, weil sie mit dreifachem Stacheldraht anderer versehen sind. Schwer bewaffnete Wärter sitzen in hohen Türmen und lassen ihre grellen Scheinwerfer minütlich in alle Himmelsrichtungen wandern, um jeden noch so gut geplanten Ausbruch schon im Keim zu ersticken. Und selbst, wenn es die Wachmänner nicht gäbe, so warten noch immer die blutrünstigen Hunde vor den Toren, hinter den Mauern - überall dort, wo man sie nicht erwartet, wenn man denkt: „Ich hab’s geschafft!“.

 

Kann ein Ausbruch aus unserem gedanklichen Gefängnis gelingen?

Liebe zur Natur Liebe zum Meer Doch wie die Geschichte der Welt uns zeigt, schafften es so manche Häftlinge aus den „sichersten“ Gefängnissen der Welt. Sie beobachteten die Vorgänge, Zeiten, Reaktionen, Insassen, Wärter, Konstruktionen der Zellen und des Gebäudes an sich, wogen ihre Möglichkeiten ab, entschieden sich für einen Fluchtweg und planten minutiös ihre Schritte. Andere wiederum warteten geduldig, zeigten sich reuig und wurden schlussendlich begnadigt. Wiederum andere hielten bis zum Tag ihrer Entlassung durch.

Was wir nicht erkennen, ist, dass wir nicht nur unser Gefängnis selbst erbaut haben. Wir sind auch der Chef aller Wärter, Wachmänner und Ingenieure, bezahlen die Putzkräfte, die die Flure reinigen und füttern die Hunde vor den Toren unserer Freiheit.

Und trotzdem glauben wir, wir wären gefangen und hätten kein Mitspracherecht. Dabei sitzen wir ganz freiwillig ein. Stell dir das vor: Du hast extra Menschen beauftragt, dich festzuhalten und vom Leben abzuhalten. Du bezahlst sie mit deiner Seele und deinen Gedanken, briefst sie monatlich, wie sie im Falle von X und Y reagieren sollen. Sie behandeln dich so, weil du es ihnen so als Anweisung aufgetragen hast. Wir arbeiten mit unseren Angestellten Angst, Zorn, Neid, Eifersucht, Perfektionismus, Gier, Trauer, Schuld und Scham schon so viele Jahre. Sie mögen ihren Job. Sie machen ihn saugut und vor allem fühlen sie sich unwohl mit der Aussicht auf Arbeitslosigkeit. Aber: Wir brauchen die Angestellten unseres Lebens nicht fragen, ob sie uns bitte begnadigen, befreien oder freiwillig fliehen lassen. Sie würden es ohnehin verneinen.

 

Verbinde dich mit deiner ureigenen, freien, selbstbestimmten Energie

Ausbruch aus Gefängnis namens Angst Eifersucht Gier Geld Macht Trauer Schuld SchamViele wissen nicht (und mir ging es genauso), wo sie anfangen sollen. Der Ausbruch scheint zu überwältigend. Wie viel man zurücklassen muss, wen man alles verletzen würde und wie sehr man selbst verletzt würde…all die Jahre, die vielleicht auch Gutes brachten, das Geld, was investiert wurde, die viele Mühe, die man sich gab, damit es funktioniert. Zweifel sind - wie bei wahrhaft Inhaftierten auch - normal. Natürlich lohnt es sich, alle Ecke gedanklich abzutasten. Der Trick besteht darin, sich klarzukommen, dass es Gefühle sind, die uns einsitzen lassen. Es ist kein Mensch, kein Kind, kein Familienangehöriger, kein Geld oder sonstiges. Es gibt für alles eine Lösung - und für vieles auch Ersatz. Ein Job kann durch einen anderen ersetzt werden, wie auch eine Wohnung oder ein Haus, einen Monat Öffentliche statt dem Auto usw. Wir brauchen keine Angst vor anfänglichen Zweifeln haben, weil schon ein Schritt uns genügen wird. Selbst wenn Angst diesen Schritt begleitet, so können wir jederzeit bewusst und konsequent Lösungen suchen. Die Lösung ist aber nie, alles zu belassen, wie es ist oder in einer Situation zu bleiben, aus der wir dringend herauswollen.

Die Lösung ist vielmehr: Frage niemanden um Erlaubnis. Fälle deine Entscheidung und teile sie mit. Sozusagen: Entlasse alle Angestellten (deine Gefühle). Löse alle Verträge auf (alte Versprechen oder Seelenverträge). Sichere die Daten (Merke dir, was du gelernt hast und vor allem, wann Gefühle wie Angst usw. zuschlagen). Gib den Abriss des Gebäudes in Auftrag (Gehe trotzdem in deine gewünschte Richtung.). Öffne deine Zelle, geh den Gang hinaus auf den Rasen, auf das Tor zu, öffne sie und streichele die Hunde (Mache eine Schritt nach dem nächsten.). Du weißt genau, wie. Immerhin hast du sie dressiert. Erinnere dich daran. Wähle deine Stärken für deine Entscheidung und ihre Umsetzung, statt Zweifel, Ängste usw.

 

Wie ich ausbrach

Ich handelte in Gegensätzen: Ich tat das Gegenteil von dem, was mich in mein Gefängnis der Angst geführt hatte (viel drinnen, schweigen, denken, “müssen”, wenig zurückerhalten). Wollte ich dringend geliebt werden, ließ ich das Gefühl des Nichtgeliebtwerdens zu. Ich setzte mich damit auseinander. Fühlte ich den Drang nach finanzieller Sicherheit, konfrontierte ich mich mit meiner Angst, unsicher und von einem Tag auf den nächsten zu leben - ohne zu wissen, was kommen würde. Ich hörte auf, Pläne zu schmieden. Als ich Haltlosigkeit spürte, suchte ich bewusst jene Energie, die die Spiri-Szene das Sein nennt: nichts wollen, weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft leben. Ich lernte das Sein im Hier und Jetzt. Wollte ich dringend meine Angst unterdrücken, ließ ich sie zu. Hatte ich Bange vor dem Außen, ging ich nach außen und teilte dort mein Inneres - wie auch Pema Chödrön es in ihrem Buch sagt: “Geh an die Orte, die du fürchtest“.

Und so ging ich einfach. Es ist unser Gefängnis. Wir entscheiden, dass wir dort einsitzen, was uns dort erwartet, wie lange wir dort verbleiben und ob wir uns selbst aus der Haft entlassen.

Alles Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

6 Lektionen des Lebens, die ich durch schlechte Zeiten & Schmerz lernte

6 Lektionen des Lebens, die ich durch schlechte Zeiten & Schmerz lernte

 

Menschen kommen nicht in unser Leben, um uns zufrieden zu machen. Sie bringen uns eine Weisheit.

lektionen des lebensEinige kommen, um uns beizubringen, wie man sich trennt. Oder sie kommen, um uns etwas über unseren Wert beizubringen (den, den wir haben und nicht den, den wir uns absprechen). Sie sind Freunde, Bekannte, Kollegen, Chefs, Lieben oder Förderer, die uns dabei unterstützen, verschüttete Schätze zu finden und zu bergen. Wiederum andere sind da, um uns in unserer Lebensaufgabe sicher ans Ziel zu bringen. Jeder Moment, ob wohltuend oder schmerzhaft, birgt eine Lektion. Man kann vor ihr weglaufen, die Schuld und die Verantwortung auf andere schieben, projizieren oder alles bagatellisieren.

Schlussendlich ist niemand auf der Welt, um wiedergutzumachen, was eine Person unserer Vergangenheit versaubeutelt oder unabsichtlich getan hat. Wir sind nicht für die Taten anderer verantwortlich, aber wir tragen die Pflicht, uns um unsere Gefühle und Interpretationen der Vergangenheit zu kümmern. Nicht, um weniger schuldig oder ängstlich zu sein, sondern um uns von ihnen zu befreien. Dankbarkeit für die Anwesenheit von Menschen und ihre Lehre kann ein Weg sein. Aber auch bedingungslose Selbstliebe trotz größter Verletzungen ist ein Pflichtprogramm. Es ist nicht das Ziel, andere für unsere Lebenssituationen in die Verantwortung zu ziehen. Erlaube dir deshalb den Gedanken, dass auch du Menschen Lehren brachtest und noch immer bringst.

 

Liebe bedeutet nicht die Abwesenheit von Schmerz.

Erfolg ist nicht die Freiheit von Misserfolg, Anerkennung nicht die Abwesenheit von Kritik, Zuwendung nicht die Abwesenheit von Alleinsein oder Distanz, eine funktionierende Beziehung nicht immer das, was man “verdient”. Man bekommt zu jeder Zeit das, was man braucht. Vor allem Lernaufgaben. Die helfen uns, in unsere Mitte zu kommen und unsere Handlungen in Übereinstimmung mit unseren wahren Überzeugungen zu bringen. Doch was wir für unsere Mitte halten, muss nichts mit der Erfüllung unserer Träume oder einem ständigen Hoch zu tun haben.

 

Was wirklich zählt, weiß das Ego nicht.

Menschen mit Beziehungsangst, Angst vor Nähe und Selbstverlust verstehenEin fettes Auto zu fahren oder Millionen Follower auf Instagram macht den Umgang mit den großen und kleinen Gefühlen nicht weniger wett. Eine wunderschöne Eigentumswohnung mit Dachterrasse und Blick über die Skyline macht dich nicht weniger einsam. Was zählt, sind die Erfahrungen und das, was wir aus ihnen machen. Wenn uns etwas Schlimmes geschieht, wie eine Trennung, Insolvenz, Scheidungs- und Sorgerechtsstreitigkeiten, Jobverlust oder Krankheit, fällt auf, was wir wirklich brauchen.

Wir müssen nicht warten, bis uns etwas Schlimmes widerfährt, um dann die Schönheit der kleinen Dinge des Lebens zu lernen. Leider ist unser Ego ein Scharlatan und redet uns so manchen Blödsinn ein. Man sollte nicht darauf hören, sondern auf die Stimme, die am leisesten flüstert, die, die am stärksten von Angst in Schach gehalten wird: Wir sind nicht unsere Gedanken, nicht unsere Wohnung, unser Bankkonto, die Meinung oder Ziele anderer Personen. Wir sind wir: individuell, Mensch, Mann, Frau. Wir brauchen keinen Schmerz oder Stress, um uns daran zu erinnern, was wirklich zählt.

 

Jeder hat eine Aufgabe, vor der er nicht fliehen kann.

Es gibt so viele, die sich von ihrer Lebensaufgabe abhalten lassen oder ihr freiwillig aus dem Weg gehen. Sie beschäftigen sich lieber mit Nichtigkeiten (z. B. Jobs, die ihnen nichts bedeuten) oder mit fremden Angelegenheiten. Sie haben aufgehört, sich zu fragen, wie sie durch ihre Fähigkeiten dienen können. Sie wiederholen tagtäglich, was ihnen jemand Angsterfülltes gelehrt hat: “So musst du sein, damit..” und “Das musst du machen, um zu…” Was sie wirklich wollten und wollten, können und sind, liegt irgendwo versteckt oder vergraben. Aber man ist nicht, was die Mutter sagte, werden zu müssen. Man ist nicht, was der Vater von einem erwartet. Man ist nicht die Probleme anderer. Stattdessen darf man sich von allem befreien, was nicht Teil der eigenen Lebensaufgabe ist.

 

Das Leben rächt sich von ganz allein.

Als ich frisch aus der Schule mit dem Abi in der Tasche in ein Praktikum ging, sagte mir meine damalige Chefin diese Worte: “Janett, wenn du hier nichts lernen solltest, merke dir eins: Verschwende deine Zeit nicht mit Rache. Das Leben rächt sich von ganz allein.”

 

Angst, Stress, Schmerzen und Krankheiten sind keine friedliche Lösung.

Manchmal ziehen wir auch aus schlechten Situationen Vorteile, sogar aus Angst und Panikattacken: zum Beispiel, weil man dann nicht mehr zu diesem blöden Arbeitgeber gehen und so tun muss, als würde man seine Werte teilen. Oder weil wir dann nicht die Schwiegermutter ertragen brauchen, weil wir uns wegen Angst nicht trennen müssen, obwohl wir schon lange die Nase voll haben oder oder oder… Angst, Stress und Krankheiten sind da, um uns vor dem Schritt, der uns befreien würde, zu bewahren. Dieser Schritt würde uns aus der belastenden Situation herauszuhelfen. Psychische und körperliche Beschwerden ebenso. Aber wir entscheiden oft für Angst und ihre Wirkungen. Eine sehr radikale Lösung des Körpers, die es nicht einfacher, sondern schwerer macht.

Deshalb: Finde eine andere und friedliche Lösung. Oder finde jemanden, der sie kennen könnte. Sag nicht: “Das klappt nicht!” Das geht nicht!” “Das wird immer so bleiben!” Glaube nicht alles zu wissen, wenn die Wahrheit die ist, dass niemand auf dieser Welt alles weiß.

Trau dich, dazu zu stehen, dass du dir etwas anderes als diesen Job wünschst, einen anderen Partner, keine Kraft mehr für Opfer hast oder keine Lust mehr auf “Leistung” für Zuwendung und Anerkennung (müssen, müssen, müssen, sonst sei man nicht zu gebrauchen und dieser ganze Schmu, den wir freiwillig glauben). Du brauchst keine Angst oder Schmerzen, die dich und andere vor deinen Bedürfnissen schützen. Der Schutz bist DU. Deine Bedürfnisse sind ja da, weil du da bist und weil es dich gibt. Weil es dich gibt, zählen deinen Bedürfnisse. Du darfst dir nehmen, was du verdienst. Schauspielerei und sein, wer du bist, passen einfach nicht zusammen.

Ermögliche dir, die Lösung deines Problems zu sein. Oder finde jemanden, der sie kennt. Denn eine friedliche und gesunde Lösung existiert immer.

Alles Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Bin ich gut oder böse? Der Tag, an dem ich zu einem Arschloch wurde

Bin ich gut oder böse? Der Tag, an dem ich zu einem Arschloch wurde

 

Ich habe mein Leben lang versucht, Menschen zu verstehen: wie sie sind, wieso sie so sind, wie sie so wurden und wie ich am besten mit ihnen umgehen kann, wenn mir das Schwierigkeiten bereitet. Wie ich sie dazu bekomme, mich zu mögen, war eine Frage, die mich bis 2013, als ich plötzlich Agoraphobie und Panikattacken “bekam”, begleitet hatte. Spätestens da musste ich lernen, dass mein Gutsein bzw. So-sein-wie-andere-Menschen-mich-am-meisten-mögen-Würden nicht zwingend mit meinem “gut” übereinstimmte, sondern es mich sogar arg verletzte. Ich rutschte immer tiefer in die Bedürfnisse anderer, war immer mehr damit beschäftigt, anderen zu geben, was sie von mir erwarteten. Am Ende hatte ich Mühe, ihre Erwartungen von meinen zu trennen. Dann kam der Tag, an dem ich selbst Arsch wurde. In der Therapie hatte meine Psychologin nämlich großen Wert darauf gelegt, mir neu beizubringen, dass ich (ICH!) auch Bedürfnisse und Erwartungen hatte, die - Überraschung! - rein gar nichts mit denen anderer zu tun hatten.

Diese Lektion sitzt mir noch immer so tief in den Gliedern, dass meine heutige, größte Angst die vor - Überraschung Nummer 2 - Selbstverlust ist. Am anderen Ende meiner Angst sitzen Freiheit, Zeit, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, Potenzialentfaltung, Selbstabgrenzung und vor allem: die neue Fähigkeit, mich von allem und jedem zu trennen, im Guten für beide Seiten, bevor ich mich von mir trenne. Die Kunst ist und bleibt, die Waage zu halten. Ich lerne sie jeden Tag neu. Was das mit Angstattacken und Panik, Depression und Stress zu tun hat, so hoffe ich, soll dir meine eigene Geschichte erklären.

 

Wie ich wurde, wer ich war

brav und lieb sein wollen aus der kindheitIch habe mich immer als Mensch gesehen, der an sich “lieb” war, niemandem schaden wollte und gern fürsorglich und loyal war. Das fand ich netter als alle anderen Optionen. Als ich aber 2013 nur noch mit mir selbst beschäftigt sein konnte, um meine psychischen Herausforderungen zu bewältigen, wurde mir etwas klar: Auch ich habe böse Anteile. Und die sind weder sonderlich erträglich noch sonderlich verträglich mit dem Ziel meines inneren Kindes: Gemocht werden! Notfalls bis zum (Z)Erbrechen!

Ganz ehrlich: Ich bin gern lieb und nett. Es ist so einfach und gleichzeitig schön, wenn man gemocht wird. Es fühlt sich sicher an und so kuschelig warm. Als ich das loslassen musste, um wieder gesund zu werden, ging es mir alles andere als gut damit. Meine Angst wollte, dass ich mich durchsetze und bei einigen unbeliebt machte. Ich hasste diese verborgene Seite an mir. Sie machte mich fordernd und unliebenswert. Ich selbst empfand Wutausbrüche, Egoismus, Unsensibilität, fehlende Hilfsbereitschaft, Ablehnung, klare Grenzen und freien Willen als lästig. Aber nicht nur das: Ich wusste, wie verletzend diese Charaktereigenschaften sein konnten. Immerhin hatte ich sie selbst zugenüge abbekommen. Irgendwann, als ich klein war, muss ich mir geschworen haben: So werde ich nie! Dieses Versprechen brachte mich in Teufels Küche. Im wahrsten Sinne des Wortes: Denn je mehr man Engel spielt, desto mehr Schatten produziert man. Wir sind eben nicht nur Licht und Liebe. Wir tragen alle dunkle und böse Seiten in uns. Unseren Schatten werden wir niemals los. Punkt.

Aber Menschen mögen “gute” Menschen, je nachdem, wie sie “gut” definieren. Einige interpretieren die Bedeutung “gut” als liebenswert (weil man xyz ist), andere wiederum können einen als “gut” empfinden, weil man etwas Bestimmtes (Schlechtes) nicht tut oder ist. Das hatte ich in meiner Kindheit gelernt und bis in die Dreißiger einverleibt. Ich war das sprichwörtliche Konzept eines Menschen, der es jedem rechtmachen konnte, weil er es wollte. Wenn jemand weinte, war ich da und wischte seine Tränen weg. Wenn jemand Unterhaltung brauchte, unternahm ich etwas mit ihm. Wenn jemand Aufmerksamkeit wollte, war ich da und streichelte seine Eitelkeit. Von einigen bekam ich wertvolle Liebe in Form von Dank oder Teilsein zurück. Von anderen bekam ich gar nichts, besonders, wenn ich dieses Verhalten nicht nach ihrer Laune aufrechterhielt. Dafür erntete ich aber Missbilligung und Ausgrenzung. Und fühlte mich schuldig.

Aber ich billigte und ertrug. Ich erinnere mich sogar an Zeiten, in denen ich meinte, das müsste so sein: nicht wegen mir, sondern weil es die Umstände mit sich brachten, weil “harte Zeiten nun einmal harte Maßnahmen erforderten” (“Schon ok, dass ich zum Kollateralschaden wurde! Macht nichts!”) oder auch, weil “man sich im Sturm mit jedem Hafen zufriedengibt” (“Passt schon. Ich reiche eben nicht aus!”). Ich hatte eine Menge Rechtfertigungen für das verletzende Verhalten meiner Mitmenschen oder Ereignisse, die mich ins Wanken brachten. Und noch mehr Argumente hatte ich, wieso ich nach außen hin lieb bleiben musste.

Im Endeffekt war das der größte Trugschluss, die dickste Illusion, der ich je hätte erliegen können.
Was mir meine Angststörung zeigte? Das hier:

 

Eigentlich bin ich ganz anders und es ist Zeit, dass ich das merke (und andere auch)!

engel oder teufel über gute und böse menschen und unserem schattenIch habe Harmonie schon immer geschätzt und mochte es, wenn alles ruhig und ohne große Herausforderungen vonstatten ging. Mir bedeutet Seelenruhe sehr viel; ständige Auseinandersetzungen und Kämpfe tun mir hingegen weh. Noch immer. Doch unsere dunklen Seiten zu verbergen, zu verneinen, zu projizieren oder zu verdrängen, macht uns leider anfällig - für Menschen, die uns ihre dunkle Seite vor die Füße kotzen, uns ihre Messer in den Rücken stechen und dann lächelnd von dannen ziehen. Du weißt, was ich meine. Nur habe ich früher nie verstanden, dass diese Menschen ihren “guten” Sinn haben: mir zum Beispiel zu zeigen, dass ich fordern und WOLLEN darf, dass ich mir Wünsche erfüllen darf, gleich, was andere dazu sagen, und dass ich meine Wege gehen SOLLTE - einfach nur meinetwegen. Sie zeigten mir, dass andere niemals wichtiger sind als ich und dass jeder okay ist, so, wie er ist (ob das anderen nun gefällt oder nicht). Und dann noch: Auch ICH darf mich ruhigen Gewissens mal so richtig daneben benehmen, Fehler machen und völlig unvernünftig sein.

Mein damaliger (und heutiger) Schlüsselsatz:
Wichtig ist nur, dass du dir selbst genügst.

Meine Stärke war das nicht. Nehmen wir meine letzten zwei Beziehungen: Sie bestanden fast nur daraus, dass ich da war, wenn und weil sie mich da haben wollten. Ich erfüllte alle Bedingungen, die meine Partner an eine Beziehung und eine Frau (oder gute Freundin, Schwester, Mutter) hatten. Ich schrie ihnen fast ins Gesicht: Such dir was aus, was dir gefällt! Als wäre ich ein Supermarkt. Ich stellte keine eigenen Bedingungen auf, außer, dass ich geliebt werden müsste. Dafür war ich das, was sie wollten, brauchten - oder nicht wollten und nicht brauchten. Ich war eine wandelnde Anpassungsfrau oder wie Julia Onken es in ihrem Klassiker “Vatermänner” formulierte: eine wahre Leistungstochter.

Auch im Job: Mein damaliger Arbeitgeber hat mir große Dienste geleistet, nicht nur an wertvollen Lektionen fürs Leben. Auch menschlich hat er mir viele tolle Personen in mein Leben gebracht, von denen ich charakterlich schwer profitieren konnte. Auch in puncto Wissen durfte ich in dem Unternehmen wachsen und viele neue Bereiche erkunden. Und hier kommt das berühmte Aber: ICH, so wie ich wirklich BIN, passte nicht dorthin. Ich leistete mich dumm und dämlich, doch am Ende des Tages fühlte ich mich trotzdem ungenügend. Nichts reichte, nicht einmal ich mir. Aber ich tat einiges, was es so aussehen ließ, als wäre ich der ideale Griff für meine damalige Arbeit und meine damalige Arbeit der ideale Griff für mein kleines Mädchen namens MUSS. Mein wahres Ich, nicht etwa das angepasste, kleine und erlernte Ich, musste ich verheimlichen. Das war der Preis.

Auch in Freundschaften musste ich die Erfahrung machen, dass ich verlassen wurde, wenn ich aufhörte, den Zweck zu erfüllen - welcher es auch war. Ich verlor einige Menschen an meine Angst- und Panikstörung. Heute sage ich gerade heraus: zum Glück! Ich hätte ihnen nicht länger geben können, was sie von der Welt, und ich als ihr Symbol, brauchten. Damals blieb ich still und litt, nahm es hin, wie es war, muckte nicht auf, stand nicht für mich ein. Und tat ich es doch, verlor ich sie ebenfalls.

 

Und jetzt das Schöne: Du darfst!

wut rauslassen und so sein wie man ist statt immer gut zu seinIch lernte in dieser Zeit, dass mich einige Menschen “gut”, ja, sogar besser fanden, wenn ich das “böse Mädchen”, das Teufelchen, die krakeelende Furie herausholte, die sich zur Wehr setzte und ihrer Wut über all ihre verletzten Grenzen Ausdruck verlieh. Das machte mich stutzig, wie du dir sicher vorstellen kannst. Bei mir war es mein damaliger Chef, der meiner nötigen Veränderung den Anstoß gab. Er machte meinen Tag, an dem ich zu einem Arschloch wurde und offen und befreit jedem Menschen meine Grenzen (notfalls auch) ins Gesicht brüllte, zu einem unvergesslichen Moment. Kein ausschließlich “guter”, aber dafür notwendiger. Ganz sicher hast auch du so einen Menschen in deinem Leben oder aber sie laufen dir regelmäßig über den Weg.

Hauptsache ist, dass du nicht vor ihren Worten davonläufst, sondern stehenbleibst und sie anhörst. Und ihnen glaubst.

Es macht dir vielleicht Angst oder sorgt für Panikattacken, Depressionen oder Stresshormone, wenn du nicht gemocht wirst, aneckst oder als unbequem, unliebenswert und anstrengend empfunden wirst. Es zeigt deine tiefe Empathie, Sensibilität und Flexibilität, dich allen Umständen, externen Bedingungen und Menschen anpassen zu können, sodass du dich geliebt, wertgeschätzt fühlst und vor allem willkommen und genug.

 

Alles hat seinen Preis: Das Problematische am Nettsein

Du kämpfst: um etwas, was du nur dann bekommst, wenn du etwas bist oder nicht bist - Bedingungen, die andere dir wie einen Einkaufszettel in die Hand drücken. Bringst du die Zutaten nicht aus deinem Supermarkt des Seins mit, kann das geplante Lieblingsessen der Anderen nicht gekocht werden. Es schmeckt ihnen auf jeden Fall sehr viel weniger. Und du hast vielleicht sogar Schuld und darfst dich wie ein kleines Kind schämen. Du weißt ja immerhin, dass sie Bedingungen haben. Du fürchtest, dass sie den Vertrag mit dir auflösen, wenn du gegen die Bedingungen, die du einst unterschrieben hast, verstößt.

gib deiner angst panik und depression was sie will sei wie du bistAber hier ist ein Geheimnis: So ein Szenario ist Kind-Eltern-Dynamik. Klar, du kannst motzen und poltern und brüllen: Verdammt nochmal! Habt mich endlich lieb und gern, genauso, wie ich bin! Oder aber du bist lieb und brav und tust alles, was sie von dir wollen, als wären sie deine Eltern und du das kleine, hilflose Ding, was in seiner Existenz völlig von ihnen abhängig wäre. Du: das Opfer. Sie: die Täter.

Oder du erinnerst dich daran, dass weder sie größer sind als du, noch irgendwer entscheidet, wer und was du bist, außer du selbst.

Bedingungen können sich ändern, verringern oder erweitern. Es gibt keinen Vertrag und kein Versprechen, das nicht heute noch gelöst werden kann. Du darfst jederzeit allen Bedingungen widersprechen. Du darfst Verträge auflösen. Du darfst anderen deine Bedingungen vorlegen, die sie unterschreiben müssen, damit du dich wohl und gesund fühlst. Du darfst alles das, was auch andere glauben, zu “dürfen”, sogar das, was dich zutiefst verletzt. Auch wenn das “Auge um Auge, Zahn um Zahn”-Prinzip so seine Tücken hat: Wenn du das brauchst, nimm es dir. Erlaube es dir. Offen. Ehrlich. Sodass es JEDER sehen kann. Du wirst erstaunt sein, wie wenig die Reaktionen der Menschen, deren Reaktionen du am meisten fürchtest, dem entsprechen werden, was dir deine Angst flüstert.

 

Noch ein letztes Wort: Du bist kein Supermarkt!

Der Eine mag Leber, der Andere hasst sie: So ist das Leben. So sind die Menschen. Wir brauchen Vielfalt und niemand kann es jedem rechtmachen. Wenn du dich verlierst, aus Angst, andere zu verlieren, dann bleibt dir dennoch ein Verlust sicher. Verlust gibt es, wie du siehst, auf beiden Wegen. Natürlich wünsche ich dir, dass du dich gegen den Verlust deines Selbst entscheidest und notfalls gegen andere Menschen, die dich anders wollen.

Aber es gibt noch etwas, was dir zeigen möchte, dass Selbstverlust eine der schmerzhaftesten Wunden ist, die du dir zufügen könntest: deine Angst, Panikattacken, Depressionen und/oder täglicher Anpassungs-Stress.

Was auch immer dich beherrscht, existiert nur, weil du dich beherrschen lässt.

Deine Angst möchte, dass du den Thron deines Lebens besteigst. Sie brüllt: Raus aus der Enge deines Lebens! Befreie dich von fremden Ketten! Deine Panik will, dass du dich abgrenzst - von allem, was dir fremde Grenzen setzt und deine überschreitet, dich kleinhält und im Schmerz über die Umstände festhält. Sie bettelt: Hör auf, everybody’s darling sein zu wollen. Grenze dich endlich an! Deine Depressionen mögen dir missverständlicherweise sagen, dass du nicht wert seiest, aber in Wahrheit rufen sie: Erkenne deinen Wert - mit all deinen guten und “bösen” Seiten, deinen hohen und niederen Gefühlen. Trauere und dann erhebe dich. Oder auch: Erhebe dich, weil du trauerst.

ein leben im albtraum ist kein gutes leben sei böseEine jede Krankheit hat ihre ureigene Form, so wie ein jeder Mensch seine Art und Weise hat. Angst beispielsweise kommt ja nicht umsonst vom lateinischen Wort angus für Enge. Panik als Begriff stammt von Pan, das Wesen der Mythologie aus halb Mensch, halb Ziege. Der Gott!!! Pan wurde so richtig wütend und aufbrausend, wenn er seine Mittagsruhe nicht bekam und es jemand wagte, ihn zu stören. Seine Wutausbrüche prägten das heutige Wort Panik, weil er alle Störenfriede seine unerfüllten Bedürfnisse und verletzten Grenzen spüren ließ. Depression stammt vom lateinischen Wort deprimere und bedeutet “niederdrücken”. Was wiegt so schwer, dass es dich niederdrückt? Wozu hältst du dich klein? Wie gehst du mit den niederen Gefühlen um? Und natürlich vieles, vieles mehr.

Krankheit zeigt dir also genau, dass du mit etwas/jemand Krankhaftem und Ungesundem, Giftigem und Störendem auf “gut Wetter machst”. Doch jeder Regen bringt dir einen Segen. Sei bereit für die Veränderung, nach der dein Körper, Geist und Herz (oder deine Seele) sich sehnen. Gib ihnen einfach, was sie wollen. Dreh ein wenig deine Stimme hoch, wenn du beim nächsten Mal verletzt wirst. Wirf Geschirr an die Wand, wenn dich jemand wütend macht. Leg einfach auf, wenn du dir das Gerede eines Menschen nicht mehr geben willst. Melde dich nicht mehr, wenn du keinen Kontakt mit jemandem haben möchtest. Sag einem Menschen, dass du dich ausgenutzt fühlst. Trau dich, etwas und jemanden abzulehnen, weil es nicht mit deinem Bauchgefühl übereinstimmt: Was auch immer es braucht, um dich wohl und gesund zu fühlen, tue es. Es mag leichter sein, sich selbst gegenüber böse zu sein oder seine Wut, Traurigkeit und Angst in sich zu behalten, statt die “lieben und guten” Grenzen zu sprengen. Aber auch das hat seinen Preis.

Und wenn du bereits unter starken Stresssymptomen oder gar Angstzuständen, Panikattacken und Depressionen leidest, dann laden sie dich ein, neu zu überlegen, ob dieser Preis nicht doch VIEL zu hoch ist - gemessen an dem, was du für ihn bekommst.

Sag mir:
Wie gehst du mit deinem Schatten um? Was hat dir deine Angst, Panik, dein Stress oder deine Trauer, Depression, Burnout oder Wut gezeigt? Bist du lieber Engel oder Teufel? 

Alles Liebe,

Janett Menzel Angst Blog

 

 

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