Berlin, wo versteckst du Liebe? (1. Episode eines langen Sommers)

Berlin, wo versteckst du Liebe? (1. Episode eines langen Sommers)

„Wir brauchen Männer, Netti! Lass uns tanzen gehen!“ erklärte mir neulich eine meiner engsten Freundinnen in einer Sofabar am Ostkreuz.

Seit Lena wieder Single war, hatte ich mehrfach die Idee fallen lassen, dass wir ja jetzt endlich mal die alten Tage aufleben lassen könnten - mit Tanzen. Nur Tanzen. Als Berlin noch nicht so extrem mit gezwungenem Elektro und überzogener Garderobe bügelte, hatten wir einen Mordsspaß in Berlins Clubs. Damals war für Lena und mich die Welt aber noch in Ordnung, wenn wir einfach nur die ganze Nacht durchtanzen konnten, ohne uns Gedanken über die richtigen Schuhe machen zu müssen. Zeiten, in denen wir noch dachten, dass wir den einen Mann finden würden, mit dem wir bis in alle Ewigkeit zusammenblieben. Ohne „Ich muss mich finden!“ und „Es liegt nicht an dir!“-Gerede. Eine Zeit, in der ich mehr oder minder ungeniert nach 30 Minuten schweißtreibendem Tanzen meine Haare zu einem Dutt hochband - ohne mir Gedanken über Abstriche an meiner Attraktivität zu machen - und trotzdem noch Drinks ausgegeben bekam.

Also andere Zeiten als die heutigen.

In einer Stadt wie Berlin, die sich weder vor Singlebörsen, noch vor Singlepartys retten kann, ist das Suchen und Finden von wahrer Liebe mit einigen Herausforderungen verbunden. Ich selbst gehöre zur vorsicht-gebotenen Sorte: Ich bin nun schon mehrere Jahre freiwillig Single und arbeite brav meine Ex-Beziehung auf. Bislang hatte ich alle Männerversuche erfolgreich mit einem „Achtung! Hier liegen zu viele Messer rum!“ abweisen können. Der Gedanke, sich erneut ins Getümmel zu stürzen und dort was finden zu können – egal was – überforderte mich. Zwischen Männern, die nach Müttern statt Frauen suchen, solchen, die Vögeln mit Gefühl verwechseln, jenen, die zu leer sind für wolkenverhangene Tage und welchen, die im Clubnebel verheißungsvoll sind, aber plötzlich unerwartet viel zu tun haben, gucken Frauen wie Lena und ich schnell doof aus der Wäsche. Natürlich wissen wir, dass wir auch keine leichte Partie sind, aber dafür roh und direkt.

„Ich sag dir: Das ist genau das Problem!“

Mir war das Problem ziemlich schnuppe.

„Ich weiß nicht, ob ich das schon wieder kann. Können wir nicht einfach nur tanzen?“

Doch ich erinnere mich an eine Doku, in der eine Dauer-Single-Frau auf der Suche nach einem Partner begleitet wurde und schlussendlich bei einem Psychologen saß. Ganz im Sinne von Fords Zitat: „Wenn du Erfolg haben willst, musst du die Fehlerquote verdoppeln!“, führte er folgendes Gespräch mit ihr:

„Wie viele Männer lernen Sie im Jahr kennen?“

„Drei!“

„Also wenn sie pro Jahr drei Männer kennenlernen, könnten sie laut Statistik bis zu 10 Jahren brauchen, um einen geeigneten Partner zu finden.“

Denn im Schnitt wäre nur einer von Hundert passend. Er riet ihr, sich die anderen 99 anzutun und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass irgendjemand der hundert Männer zufällig das Einhorn in seinem Garten zu stehen hatte.

„Weißt“, erklärte mir Lena trocken, „du darfst dich nur nicht zu lange mit den Falschen aufhalten!“

Ich bin ohnehin schon hoffnungslos überfordert mit Männern und Liebe. Eine Stadt wie Berlin macht es da nicht einfacher. Ich hasse sie zum Beispiel wegen dem Datingkodex. Denn nur hier lernt man, an welchen Tagen man „busy“ und „available“ sein darf und an welchen man „needy“ erscheint. Es zählt, gesund und erwachsen zu wirken, unproblematisch, locker und ohne Erwartungen. Man hat Angst, anderen Angst zu machen, weil man Gefühle hat oder sie sich zwischen einem ehrlichen Lächeln und dem erstem Café Latte entwickeln könnten. Hier muss man einfach aufpassen, nicht zu echt zu sein, außer man verwechselt Authentizität mit pinkfarbigen Strumpfhosen und billigen Turnschuhen. Man darf nicht zu viel reden, nicht zu wenig lächeln, nicht zu emotional sein, aber muss dennoch sofort anspringen, wenn einer zwinkert – sonst ist der Moment verstrichen und die Chance sitzt schneller, als man Scheiße rufen kann, zwischen eloquenten Single-Marketingfachfrauen mit Mojito an der Bar.

Kaum einer hinterfragt diesen Kodex. Für Lena und mich problematisch: Wir sind eben die Sorte Frau, die auf H&M Basics, Dutts und Sonntage auf dem Sofa stehen, wenn die Sonne nicht scheint. Wir haben ein Leben und würden darin Platz machen, wenn wir einen Mann fänden, den wir lieben könnten, ohne es gänzlich über den Haufen zu werfen. Wir hassen 24 Stunden am Tag-WhatsApp-Gespräche, Geklammere und haltlose Charaktere.

Während Lena dringend kalkfreie Armaturen und heile Klamotten braucht, um sich wohl zu fühlen, hatte ich mein Leben in den vergangenen Jahren so eingerichtet, dass kein Mann je bei mir bleiben würde. Ich bin der „dreckigere“ Typ, wenn es um Wohnungen geht, und definitiv der problematischere in Bezug zu diesem Ding namens Vertrauen. In kalten Jahreszeiten liebe ich meine Wollpullover mehr als meine Katzen. Ich will nicht heiraten, weil mir die Statistik den Wind aus meinen romantischen Segeln genommen hat. Ich mag Tiere so sehr, dass ich oft kein Fleisch esse. Ich bin laktoseintolerant, was meine Küche ziemlich regional frisch und konservierungsstofffrei macht. Für mich beginnt Treue beim Küssen und hört erst auf, wenn man getrennt ist. Ich kann falsche Kompromisse nicht ausstehen, erst recht nicht, weil man keine Lust hat, sich mit seinen Wunden zu beschäftigen, statt sie auf andere Schultern zu legen. Als waschechter Schreiberling benötige ich eine Menge Zeit für mich und das in Stille, was für den einen Mann ein Ausschlusskriterium ist und für den anderen ein Segen. Kurzum: Ich suche jemanden, der sich sehr wahrscheinlich selten in die Berliner Clubnächte stürzt.

„Oder du suchst dir nur was für eine Nacht!“ schlug mir Lena vor ein paar Tagen vor.

Aber genauso so ein Typ war ich eben auch nicht – noch nie. Ich stehe auf die Gefühle vor dem ersten Café Latte und der Angst beim ersten Kuss und Sex. Mir gefällt der Gedanke, dass es so etwas wie wahre Liebe gibt. Ich bin mir nur unsicher, wo man sie in Berlin finden kann.

Und so ging der Beschluss, abends „mal“ in einem Club tanzen zu sagen und eventuell beim anderen Geschlecht nach so was wie Zukunft zu suchen, nicht ganz unproblematisch los.

Wir beschlossen, in der Kalkscheune bei 80er und 90er Jahre-Musik in den Mai zu tanzen. Wir tanzten uns eine Stunde vor dem Spiegel warm, um das passende Outfit zu finden, das uns weder underdressed, noch aufgetakelt wirken ließ. Ich band mir meine Haargummis für den Dutt ums Handgelenk und packte den Wollpulli für den Nachhauseweg in die Tasche.

Wir wussten, dass dieser Sommer aufregend werden würde – denn wir wollten nicht eher aufhören nach der Liebe in Berlin zu suchen, bis sie uns fand oder wir sie. Also legten wir das Enddatum der Suche fest: 30. September 2017. Klar, es würde nicht leicht werden, aber dafür witzig und beizeiten sicher kopfschüttelnd desillusionierend.

Irgendwo zwischen dem Schlimmsten und vielleicht Schönstem entschieden wir, Berlins Singleattitüden und Regulatoren abzusagen und uns treu zu bleiben – trotz Angst, den Geistern alter Beziehungen und metaphorischen Messerblöcken. Der Dutt würde bleiben und kommen, wann er will. Lena würde weiterhin so direkt sein wie sonst, auch wenn es dem einen oder anderen Muffensausen bereitete. Wir würden beide dem Datingkodex unsere Mittelfinger zeigen und weglaufen, wenn nötig. Und wir machten ein Codewort für die schweren Fälle aus: Bratwurst. Denn als meine Freundinnen und ich das letzte Mal auf einer Singleparty waren, versuchte ich schon kurzer Zeit, die Enttäuschung und Genervtheit des Abends zu kompensieren: eben mit Bratwurst, ein ungesunder, aber damals höchst befriedigenderer Kompromiss. Seither sind Clubs, in denen es im Außenbereich Gegrilltes mit Senf und Ketchup gibt, für mich ein sehr sicherer Hafen.

Ob wir diese Sicherheit brauchen werden?

Schau die Tage wieder vorbei! Dann erfährst du es oder trag dich in meinen Newsletter ein:

 

Geliebte & Betrogene: Was Dreiecksbeziehungen und heimliche Affären anrichten

Geliebte & Betrogene: Was Dreiecksbeziehungen und heimliche Affären anrichten

Ich hatte jahrelang eine heimliche Affäre. Es begann mit einem harmlosen Seitensprung, entwickelte sich zu einer heimlichen Affäre und endete in einer Dreiecksbeziehung, in der ich der verheimlichte Teil war. Damals dachte ich noch, dass alles gut würde. Ich glaubte, dass er sich für mich entscheiden würde. Heute bereue ich, mich jemals darauf eingelassen zu haben. Bewusste, heimliche Affären sind wie ein verletzendes Spiel aus Macht und Ohnmacht, in dem keiner nachhaltig gewinnen kann.

Was in den Jahren geschah, zerrüttete mich emotional und hinterließ so tiefe Wunden, dass ich es kaum in Worte ausdrücken kann. Eine Geliebte zu sein, ohne es zu wissen, und gleichzeitig die Betrogene zu sein, lehrte mich:

Heimliche Affären, andauernde Seitensprünge und ungewollte Dreiecksbeziehungen haben für alle Seiten erhebliche emotionale Konsequenzen. Für Werte wie Vertrauen, Bedürfnisse wie Freiheit von Angst und: die Zukunft ihres Liebeslebens.

 

Was einem Mann/Frau durch eine Affäre antut – Die Hintergründe

Zwischen Mensch und Partner

Ich habe mich häufig gefragt, was in einem Menschen vor sich gehen muss, dass er mit voller Absicht seinen Partner oder seine Partnerin über lange Zeit betrügt. Die gleiche Frage stellt sich mir aber auch, wenn ein Mensch, der einen Partner oder eine Partnerin hat, sich bewusst, mit bestem Gewissen und vor allem bestem Wissen eine heimliche Affäre zulegt. Ich meine nicht nur einen einmaligen Seitensprung, sondern ein sehr langes Verhältnis, was dann zu einer heimlichen Liebesbeziehung wird. Fehlen diesen Menschen Skrupel? Ist es ihnen vollkommen egal, was die Menschen, die sie gerade verletzen, fühlen? Und falls diese Menschen in ihren Beziehungen leiden, warum bleiben sie dann in der Beziehung? Hat das nicht alles etwas mit der Angst, sich zu trennen, zu tun? Oder können Sie sich nur nicht entscheiden? Geht es ihnen darum, sich selbst nicht zu verlieren?

 

Meine heutige Antwort lautet:

Menschen, die heimlich fremdgehen, haben Probleme, authentisch und ehrlich gegenüber sich selbst zu sein, ihre Bedürfnisse ihrem Partner gegenüber auszudrücken, und dazu zu stehen, wer sie sind und was sie wollen. Sie beschuldigen ihren Partner (meist genauso heimlich) dafür, dass er ihre Ansprüche nicht erfüllen kann/will. Oder sie glauben, das Recht zu haben, alles was sie nicht bekommen, von anderen einfordern zu dürfen, andere leiden zu lassen, weil sie selbst leiden. In manchen Fällen grenzt das an emotionale Gewalt.

Natürlich gibt es auch die Menschen mit romantischen und ehrlichen Absichten, bei denen ein Seitensprung nicht „einfach so geschah“. Es gibt Menschen, die einen Seitensprung ehrlich behandeln, eine Affäre oder Beziehung beenden, sich reflektieren, (sich und anderen) reinen Wein einschenken und zu ihren Handlungen stehen. Aber diese meine ich in diesem Artikel nicht.

 

Was dir eine heimliche Affäre und Dreiecksbeziehung langfristig antut

zerstörtes vertrauen nach affäre und betrugSolltest du erfahren, dass du nur eine heimliche Affäre bist, oder aber, dass der Mensch, in den du dich verliebt hast, eine feste Beziehung mit jemand anderen hat, bist du gezwungen, eine Entscheidung zu treffen. Dieser Entscheidung musst du für dich treffen. Bei dieser Entscheidung ist es absolut unerheblich, ja beinahe unwichtig, was der Mensch, in den du dich geliebt hast, dich glauben lassen will. Genauso trifft das auch auf die betrogenen Partner zu: Auch sie müssen sich entscheiden.

Menschen, die neben ihrer offiziellen Beziehung noch eine heimliche Beziehung oder eine heimliche Affäre haben, wollen keine Ehrlichkeit. Sie fürchten sie. Sie fürchten Trennung. Sie wollen eine zweite Option in ihrem Leben, die es ihnen ermöglicht, all das, was ihnen ihre offizielle Partnerschaft nicht gibt, woanders herzubekommen. Es ist ihre heimliche Wunderwaffe. Und damit bist du in ein Spiel geraten, in dem du selbst die Spielregeln nicht mitbestimmst. Das einzige, was du bestimmst und unter Kontrolle hast, ist, ob du an diesem Spiel teilnimmst oder nicht.

Natürlich ist eine Familie mit Kindern, die unter der Trennung wegen einer Affäre oder heimlichen Beziehung leiden würden, ein verständlicher Grund, bei einem Partner zu bleiben, der einen wissentlich betrogen hat. Doch die Auswirkungen, die die Affäre auf den betrogenen Partner hat, bleiben bestehen. Fehlendes Vertrauen für eine lange Zeit, ist nur ein kleiner Teil des bevorstehenden Chaos.

Ich möchte dir im Folgenden zeigen, welche radikalen Konsequenzen es hat, eine heimliche Affäre zu sein oder sich wissentlich betrügen zu lassen: für dein Leben, für deine Zukunft und für deine emotionale Sicherheit.

 

Angst, dich zu zeigen, weil du versteckt wirst

Als heimliche Affäre und heimliche Beziehung wird man versteckt. Niemand soll wissen, dass es noch jemanden gibt. Die Gefahr, dass sich der wirkliche Partner von einem trennt, ist zu groß. Ich bezweifle heute, dass nur das Erkanntwerden bzw. das Auffliegen das Problem ist. Ich glaube vielmehr, dass der eigentliche Grund, weshalb Affären, Seitensprünge und Dreiecksbeziehungen verheimlicht werden, die Angst vor ehrlichen Konflikten, Scham und Schuld ist. Meine ehemalige Affäre sagte einmal: „Ich will nicht mehr schuld sein.“

konsequenzen einer heimlichen affäreEine heimliche Affäre oder eine heimliche Beziehung über längere Zeit zu führen, hinter dem Rücken des eigentlichen Partners, bedarf sehr viel Kraft, sehr viel Empathie, sehr hoher Intelligenz und vor allem einer sehr großen Manipulationskraft. Wer eine heimliche Affäre oder Beziehung führt und bereits weiß, dass daraus niemals eine offizielle Beziehung werden wird, der manipuliert bereits. Derjenige muss bewusst heucheln und verheimlichen, was er in Wahrheit fühlt und welche Ziele er in Wirklichkeit verfolgt. Er lässt sowohl seinen eigenen Partner als auch die Partei, die dafür genutzt wird, im Unklaren darüber, was vor sich geht und was geschehen soll. Diese Vorgehensweise schließt Gemeinsamkeiten und das Recht auf Mitbestimmung vollkommen aus. Das hat erhebliche Konsequenzen für den betrogenen Partner und für die heimliche Liebe bzw. Affäre:

Als Geliebte/r: Weil du versteckt wirst, wirst du beginnen, dich zu fragen, weshalb du versteckt wirst. Vielleicht wirst du anfangen, zu glauben, dass du nicht gut genug seiest. Genau dasselbe wird sich auch der betrogene Partner fragen.

  • Wieso werde ich betrogen?
  • Was mache ich falsch?
  • Was soll ich anders machen?

Betrogene Partner und der oder die Geliebte haben in diesem Aspekt ein- und dieselben Fragen. Wer über längere Zeit glaubt, betrogen oder verheimlicht zu werden, wird Angst entwickeln.

  • Sind andere Frauen bzw. Männer besser als ich?
  • Bin ich nicht liebenswert?
  • Bin ich nur dann liebenswürdig, wenn ich mich an die Ansprüche anderer Menschen anpasse?
  • Muss ich meine Gefühle und wahren Bedürfnisse für mich behalten?
  • Gibt es für mich Liebe?

Es wird eine Angst sein, dich zu zeigen, deine Gefühle zu zeigen, deine Bedürfnisse offen anzusprechen, dich offen und ehrlich freuen zu dürfen, und all das ohne Angst. Fortan wird jeder Moment, der sich gut, sicher und zufrieden anfühlt, mit der Angst begleitet sein, dich so zu zeigen, wie du in Wirklichkeit bist. Jedes Mal wirst du dich fragen, ob du Vertrauen schenken darfst und ob du dich trauen darfst, so zu sein, wie du bist.

 

Vielleicht wirst du anfangen weniger Gefühle und Bedürfnisse auszusprechen oder zu zeigen. Vielleicht wirst du denken, dass du etwas anders oder besser machen musst. Vielleicht wirst du auch glauben, dass du in bestimmten Situationen zu viel verlangt hast. In jedem Fall wirst du dich verändern - und zwar aus Angst, (emotional) verlassen zu werden oder zu verlieren. In langjährigen Beziehungen oder potenziell neuen gibt es einiges zu verlieren: sei es die Illusion, die Liebesgefühle, das Vertrauen, die Familie, der Zusammenhalt, Harmonie, aber auch Glaube an sich selbst, Respekt u. v. m. Für Geliebte steht mit dem Verlust auch ein erzwungener Neubeginn vor der Tür. Wieder von vorn anfangen, während sich Betrogene meist fragen: Wie soll ich weitermachen?

 

Angst vor Einsamkeit und Angst, allein zu sein

angst vor einsamkeit und alleinsein nachdem der partner einen betrogen hatAls betrogener Partner und als heimliche Affäre bzw. Beziehung wird jede Zeit allein mit der Angst einhergehen, dass dein Partner dich gerade betrügt oder emotional hintergeht. Auch wenn die Person im Supermarkt steht, in einem Geschäftstermin ist oder Zuhause die Fenster putzt: Zeiten, in denen du die Person nicht kontrollieren kann, in denen du nicht sicherstellen kannst, dass diese Person gerade treu und dir liebevoll ergeben ist, werden mit Angst begleitet sein. Daraus kann bei leicht die Angst vor dem Alleinsein und die Angst vor Einsamkeit, vor Trennung und Verlust, werden. Das Vertrauen ist gebrochen und es ist schwer, in Zeiten des Alleinseins trotzdem Halt und Liebe zu spüren.

Das wird dazu führen, dass sich tiefe Selbstzweifel und Misstrauen in dir bilden. Der Gedanke, dass etwas mit dir nicht stimmt, du nicht liebenswürdig seiest, andere Frauen und Männer besser und wertvoller seien als du, würde ich verunsichern. Bei vielen Menschen ist der Glaubenssatz, dass sie nicht genug sind, schon seit ihrer Kindheit vorhanden. Wird man dann auch noch betrogen, vertieft sich der Glaubenssatz noch mehr. Wir alle wissen, wie lange es dauert, erneut Halt und Selbstvertrauen nach Schicksalsschlägen aufzubauen, aus ganz eigener Kraft heraus, wieder an sich zu glauben.

Unwissentlich zu einer Geliebten oder heimlichen Affäre zu werden bzw. von seinem Partner betrogen zu werden, kann leicht alte Wunden wieder aufreißen oder noch tiefere Wunden zufügen. Man kann so sehr leicht dem Irrglauben verfallen, dass man für etwas Richtiges und Festes nicht taugt.

 

Misstrauen über Jahre hinweg

Diese Angst wird sich nicht nur in der jetzigen Beziehung bzw. Affäre zeigen, sondern auch in der Zukunft bei neuen Menschen, neuen potentiellen Partnern auftreten. Die Angst wird bleiben. Je mehr Vertrauen sich in einer neuen Beziehung gebildet hat, desto geringer wird die Angst sein. Bei einigen Menschen dauert das nur wenige Wochen, bei anderen Menschen dauert es Monate. Oder aber es führt dazu, dass sie sich lange Zeit nicht trauen, eine neue Beziehung einzugehen. Die Angst, wieder betrogen oder hintergangen zu werden, ist noch zu groß. Gerade diese Menschen müssen zwingend das Selbstvertrauen und den Mut finden, das Alte loszulassen und sich dem Neuen zu öffnen. Das erfordert Kraft, manchmal auch Unterstützung durch einen Therapeuten, oder zumindest die tiefe Hoffnung, dass das Leben etwas Besseres für einen bereithält. Doch auch das entwickelt sich im Tempo des Einzelnen, je nachdem, wie schmerzhaft die Erfahrung war.

 

Den Gedanken, du hättest kein Glück verdient, gezielt unterbrechen

Ganz egal, ob du betrogen wurdest oder unwissentlich zu einer heimlichen Affäre wurdest: Solltest du dich dabei ertappen, dass du einen der folgenden Gedanken hast, bitte ich dich, sofort einzuhalten und diese Gedanken als ersten Schritt wahrzunehmen, um sie dann bewusst zu widerlegen.

Diese Gedanken sind:

  • dass es Liebe nicht für dich gäbe
  • dass es Nähe nicht für dich gäbe
  • dass es keinen ehrlichen und liebevollen Partner für dich gäbe
  • dass du dazu bestimmt seiest, allein zu bleiben
  • dass etwas Gutes und Schönes nicht verdient hättest
  • dass du Betrug und Heuchelei verdient hättest.

Erinnere dich: Was geschah, sagt viel über den Menschen, der dich verletzt hat, aus, aber wenig bis gar nichts über dich.

Ich hatte all diese Gedanken über sehr lange Zeit. Ich brauchte genau so lange, diese Gedanken als falsche Gedanken und alte Ängste zu erkennen. Ich musste gezielt daran arbeiten, dass der Mensch, dem ich so sehr vertraut hatte, eben nur ein Mensch war, der mich betrogen hatte. Ich musste lernen, dass dieser eine Mensch nichts mit anderen Menschen zu tun hat. Ich musste auch lernen, dass es falsch war, Betrug zu dulden oder darüber hinweg zu sehen, so zu tun, als sei alles in Ordnung. Ich musste verstehen lernen, dass ich etwas Besseres verdient habe und nichts dafür konnte, dass ich betrogen wurde. Ich musste lernen, dass ich Angst hatte vor Trennung, Verlust und davor, nicht genug zu sein.

Als ich das verstand, war es kein Problem mehr, mich von einseitigen Beziehungen oder unpassenden Partnern fernzuhalten. Wer sich etwas wert ist, sollte solche Wunden niemals in Kauf nehmen.

Sei dir etwas wert.

Liebe Grüße,
Janett

 

Einsam in der Ehe und Beziehung? So findet ihr wieder zueinander

Einsam in der Ehe und Beziehung? So findet ihr wieder zueinander

60 Prozent aller Menschen, die über Alleinsein und Einsamkeit klagen, sind einsam in der Ehe und Beziehung. Obwohl sie einen festen Partner haben, fühlen sie sich allein gelassen und außen vor oder aber es gab seit langem keinen nahen Kontakt mehr zueinander: weder in Gesprächen, emotional, noch körperlich. Die Statistiken zeigen, dass besonders mangelnde Kommunikation zu einem entscheidenden Faktor für Trennungen und Scheidungen geworden sind.

Wie Schweigen Partner einsam in der Ehe und Beziehung macht

Laut Statistischem Bundesamt (Stand 2011) würde jede dritte Ehe scheitern. Auch ohne Trauschein berichten Menschen davon, wie einsam sie sich in Beziehungen fühlen. Und das läge an fehlenden Gesprächen, die mit mehr als Einkaufslisten und Kinderbetreuung oder Haushaltspflichten und Schwiegerelternbesuche zu tun haben.

einsam in der ehe und beziehung fühlen sich 60 prozent aller paare

Die Zahl der Minuten, die Paare am Tag miteinander sprechen würden, rangiert stark. Laut einer von Parship 2010 beauftragten Erhebung seien es 102 Minuten pro Tag, wobei nicht untersucht wurde, welche Themen besprochen wurden. 2014 zeigte eine Studie aus den Staaten, dass bereits 21 Minuten qualitativ hochwertiger Gesprächszeit pro Jahr reichen würden, um wieder glücklich zu werden und es auch zu bleiben. Was würde Positives geschehen, wenn man insgesamt, neben dem Alltagsrelevanten wie z. B. Arbeitsaufgaben im Haushalt, Familienangelegenheiten usw. 21 Minuten täglich von durchschnittlich 15 bis 16 Stunden Wachzeit als Paar füreinander erübrigen würde?

Verheiratet oder in einer Beziehung zu sein, schützt demnach nicht vor dem Alleinsein oder dem Gefühl Einsamkeit. Einsamkeit ist trügerisch, denn es ist nur das Gefühl, nicht aber der Umstand, der hier entscheidet. Alleinsein heißt wahrhaftig, dass keiner anwesend ist. Aber sich einsam zu fühlen, bedeutet, dass man sich trotz der Anwesenheit seines Partners einsam fühlt.

Doch täuschen uns unsere Gefühle, wenn wir einsam sind. Haben wir einen Partner, so werten wir diesen unbewusst ab, unterstellen ihm, dass er nicht mehr interessiert an uns sei oder allgemein für uns selbst weniger interessant geworden sei. Wir entfernen uns, weil sich derjenige von uns entfernt hat. Während es Menschen gibt, die bei gefühlter Distanz noch mehr Nähe suchen, eben aus derselben Angst, gibt es andere, die feinfühliger auf die emotionale Abwesenheit oder auch örtliche Trennungen reagieren. Man gelangt zwangsweise an einen Punkt, an dem man alle Signale negativ deutet, zum Beispiel als unerwiderte Liebe oder gar Ablehnung. Das machen Menschen nur, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen. Während sie bereits Angst haben, schützen sie sich vor weiterer Angst. Leider führt das oft dazu, dass man Positives übersieht, Anerkennung nicht mehr wahrnimmt, aber dafür als Grundstimmung feindselig oder „auf Krawall gebürstet“ ist. Je nachdem, wie die Paarsituation aussieht, gestalten sich die Gefühlswelten der sich einsam fühlenden Partner.

Je mehr Alltag einzieht, je mehr die qualitativen Gespräche schwinden, je mehr man sich kennengelernt und die Entdeckungsreisen beendet hat, desto weniger konzentriert man sich auf sich als Menschen. Während man am Anfang der Beziehung über Träume, Zukunftswünsche, einem wichtige Belange sprach, ebbt diese Ebene mehr und mehr ab. Die Themen wechseln dann über zu Erziehung, Haushalt, Lebensmanagement. Das bringt in vielen Fällen eine menschliche, emotionale Trennung mit sich. Die wird auch in anderen Sphären des Zusammenlebens spürbar: Während der eine unten Fernsehen sieht, sitzt der andere im oberen Geschoss des Hauses und liest. Der eine Partner geht bereits um 21 Uhr schlafen, der andere folgt erst zwei Stunden später. Es wird getrennt gekocht, vielleicht sogar getrennt gegessen, je nachdem, wie die Lebenswelten sich gestalten. Auch in Beziehungen, die nicht zusammenleben oder durch ein Ehegelübde miteinander verbunden, trifft diese Härte der Realität.

Am leichtesten lassen sich hier Beziehungen, die emotional gewalttätig sind, einordnen. Dort bleiben zwei Menschen zusammen, die schlecht füreinander sind bzw. ein Partner bleibt, obwohl er weiß, dass die Beziehung schädlich ist. Unter emotionaler Gewalt versteht man Handlungen, die emotionale Verletzungen hervorrufen. Begründet sind diese Handlungen meist darin, dass die Gefühle des Verletzenden selbst verletzt waren. So würde jemand, der betrogen wurde, ebenso betrügen, um wieder eine Augenhöhe herzustellen. Paare würden sich gegenseitig vor den Kindern bloßstellen und Solidarität für ein Elternteil einfordern, um das andere auszuschließen. Wiederum andere Paare steuern die Partnerschaft durch Lügen und Manipulationen so, dass es für sie passt, verbieten Gefühle oder sprechen sie dem Partner ab.

Ob Ehe oder Partnerschaft ohne Trauschein, mit Kindern oder ohne: Wir bleiben lieber beim Partner, trotz aller Hindernisse und Einsamkeit in der Verbindung, statt zu gehen. Wieso? Weil wir Angst haben, allein zu sein. Die meisten Beschuldigungen zwischen Partnern, die darauf fußen, dass der andere etwas an seinem Verhalten ändern muss, damit man wieder glücklich ist oder die Beziehung wieder funktioniert, basieren auf der Angst vor’m Alleinsein. Auf der einen Seite scheuen wir die Trennung, wollen an der Liebe und der Beziehung festhalten. Auf der anderen Seite stören die selbstverständlichen Mechanismen, lassen allzu oft Eifersucht und Verletzungen aufkommen.

Wie können Paare wieder zueinander finden?

 

5 Strategien, um Beziehungen wieder gemeinsam, statt einsam, zu erleben

  1. Dr. Guy Winch publizierte 2013 einige wirksame Strategien in Psychology Today. Er rät beispielsweise allen Paaren, die Initiative zu ergreifen. Obwohl die Angst bestehen mag, dass der Partner einen abweist, meint er, dass er oder sie genauso einsam sein könnte wie man selbst. In meinen Augen kann nur ein offenes und ehrliches Gespräch beide Seiten klären, sodass es zu einer Veränderung kommen könnte. Den besten Zeitpunkt für ein Gespräch zu finden, erscheint mir dabei sehr wichtig. Wer seinen Partner auf dem „falschen Fuß“ erwischt, könnte einen abgewiesenen Eindruck bekommen. Man sollte es dennoch probieren, weil einer der beiden den Schweigezirkel durchbrechen muss. Stelle offene Fragen, die nicht anklagend sind, rät Winch. Zum Beispiel ließen sich Fragen anbringen, die die Meinung des Partner zu etwas erbitten. So würde eine respektvolle Augenhöhe entstehen können. Doch Vorsicht, falls eine erneute Annäherung nicht sofort in der gewünschten Form oder Euphorie willkommen geheißen wird: Was sich über so lange Zeit hinzog, kann auch seine Weile brauchen, um sich wieder zu entzerren. Hier ist mitunter etwas Durchhaltevermögen nötig. Und ein respektvoller Tonfall zu einem geeigneten Zeitpunkt, also nicht zwischen Tür und Angel oder in Zeiten, in denen „viel los ist“.
  1. Einen Perspektivwechsel einnehmen: So schwer es auch fallen mag, doch den anderen verstehen zu wollen, ist unerlässlich, wenn man aus der Einsamkeit in seiner Partnerschaft herauskommen und sie retten möchte. Die vielen Fragen, die wir uns im Geiste stellen („Wieso bist du schon wieder so? Was habe ich getan? Was ist los mit uns? Was geschieht hier? Liebst du mich noch? Was soll ich tun? Was erwartest du von mir? Wie können wir uns beide helfen?“) müssen keineswegs unbeantwortet bleiben. Erstaunlicherweise ist es leichter, die Seite des anderen zu verstehen, wenn man ihn/sie fragt und reden lässt, ohne jedes Wort als Angriff zu verstehen. Wer in der Schweigespirale steckt, wird jedoch viel auf sich beziehen, möglicherweise jedes Wort missverstehen und als Kritik oder Affront interpretieren. Vielleicht tauchen Schuldgefühle auf, die sofort wegen der Angst, einen Fehler gemacht zu haben, der zu diesem Punkt führte, verstanden werden. Übe dich darin, mit vollem Bewusstsein während des Gesprächs, alles neutral und als Information, nicht als Anklage, zu verstehen. Nimm nicht nur die Worte, sondern die Gefühle währenddessen wahr. Auch deine. Bring beides in einen imaginären Film, der dich aus der Perspektive deines Partners zeigt. Versuche mit aller Kraft, ihn/sie zu verstehen. Überprüfe gern alles, was gesagt wurde. Äußere dich aus deiner Sicht. Sprecht gewaltfrei, ohne Anklagen und falschem Tonfall, miteinander. Teilt eure Gefühle miteinander, wenn bestimmte Situationen oder ein Umfeld eure Partnerschaft belasten. Seid beide gemeinsam konfliktfähig und lösungsorientiert. Erarbeitet eine Lösung gemeinsam: Wie könnt ihr einen Weg finden, und ihn gehen, sodass jeder Partner zufrieden ist?
  1. Gemeinsame Erlebnisse bleiben am längsten in Erinnerung. Doch es ist besonders in Zeiten, in denen man sich nach voneinander entfernt hat, schwer, „mal eben so“ wieder Zeit miteinander zu verbringen, ganz authentisch und ohne Probleme, ohne Distanz zwischen einander. Winch rät dennoch dazu. Er hält es für möglich, erneut Kontakt herzustellen, indem man sich und den Partner an Zeiten erinnert, in denen man sich nahe war, eine wahre, emotionale Verbindung zueinander hatte. Seien es die Hochzeitsfotos und -videos, Urlaubsbilder, Grußkarten usw. Was einmal verband, kann wieder verbindend werden.
  1. Schmeiß am besten alle kommerziellen Ratgeber in den Müll. Sieh dich und deinen Partner als Individuum, nicht als Klischee. Es gibt Dutzende Ratgeber darüber, wie ein Mann ist, wie eine Frau ist, wie wer wann weshalb so und so kommuniziert, schweigt, flieht usw. Sie alle haben ein Ziel: Gewinn für sich und/oder den Verlag erzielen. Ich halte die meisten dieser Selbsthilfebücher und Expertenratschläge für Plattitüden und Stereotypen. Sicher wird es klassische Kommunikations- und Verhaltensschemata geben, die auf den einen oder anderen zutreffen mögen. Aber die Wahrheit hört heute nicht mehr dabei auf, dass Frauen immer reden wollen, während Männer nur schweigen oder Frauen stets zu Nähe oder Kontrolle tendieren, während Männer ihre selbstbestimmte und freiheitsorientierte Ader ausleben wollen. Ich kenne etliche Männer, die nicht in das Jäger-Verhalten passen und noch mehr Frauen, die sich schon lange nicht mehr sammeln lassen. Die Zeiten der gruppierbaren Geschlechterbetrachtungen sind schlichtweg vorbei. Menschen ändern sich, wenn sie sich ändern wollen, ein erstrebenswertes Ziel im Blick haben, was ihnen etwas Gewinnbringendes verschafft. 
  1. Sei die Veränderung, die du in deiner Partnerschaft sehen möchtest. Dass man sich eine Veränderung für sein Leben wünscht und damit auch für die Partnerschaft und die gemeinsame Liebe, zeigt man am besten, indem man sie selbst in die Wege leitet. Feststeht: Jemand muss den ersten Schritt machen und ihn ggf. auch vormachen. Wenn man sich mehr Zeit oder Respekt vom Partner wünscht, kann man dem Partner gegenüber mehr Aktivitäten vorschlagen oder ihn in seine eigenen einbinden. Man kann sie selbst anleiern und auch in Einladungen zum Ausdruck bringen, dass man sich wünscht, dass der Partner daran teilnimmt. Auch in puncto Verhalten lässt sich das umsetzen: Wenn du dir eine bestimmte Verhaltensweise vom Partner wünschst, zeige sie ihm auf. Bitte ihn, statt zu fordern, frage ihn, statt alles im Vorfeld zu wissen, rede respektvoll mit ihm, statt streng oder verletzt. Sollten diese Versuche nicht funktionieren, so lässt sich noch immer ein Gespräch darüber führen, wieso der Partner nicht darauf eingeht. Im Mindesten hat man für sich eine Veränderung erwirkt. Es kann nur positiv für einen selbst sein, wenn man sein Leben, trotz Beziehung, alleine in die Hand nimmt und zum Ziel führt. Beschäftige dich mit dir, dann möchte dein Partner ganz sicher daran teilhaben. Er wird im Mindesten merken, dass du dich für dich bewegst. Das ist immer attraktiv und zeigt, dass du für dich aktiv bist. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass er dein Verhalten mit seinem vergleichen wird. Die Resultate werden sich von selbst ergeben. Wer an das Gesetz der Anziehung glaubt, dem würde diese Vorgehensweise gut tun. Denn überwiegend nur zu fordern und entsprechend enttäuscht zu sein, wenn die Erwartungen unerfüllt bleiben, kann für beide Seiten der Partnerschaft sehr frustrierend werden.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem eBook „Raus aus der Einsamkeit“.  

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Einsamkeit. Die Angst, wieder allein zu sein. Der furchterregende Gedanke, was wäre, wenn es so bliebe. Die Panik, wenn die Idee aufkommt, dass es an einem selbst liegen könnte, und man sich wertlos oder ausgeschlossen fühlt. Du kennst sie, jeder kennt sie. Dennoch ist die Angst vor dem Alleinsein oder davor, einsam zu bleiben, keine reale. 

Deine Gedanken definieren dich nicht. Aber sie erzeugen deine Gefühle.

  • Doch woher kommen diese Gedanken und Gefühle?
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Diese und weitere Antworten auf deine Fragen findest du in meinem eBook. Ich stelle verschiedene Herangehensweisen und Wege aus der Einsamkeit vor, denn:

Alle Menschen sind verschieden und brauchen etwas für sie Passendes. 

Die Audiodateien kannst du dir herunterladen, auf deinen MP3-Player oder Handy laden oder vom PC aus anhören

  1. Grundstufe Autogenes Training Gesamt mit Rückführung – Übungssequenz für Beginner und zur Gewöhnung an die Formeln, Stärkung einer tieferen Wirkung. Dauer: 22:08 Minuten
  2. Oberstufe Autogenes Training - Thema: Mut trotz Schüchternheit mit Rückführung – Diese Sequenz setzt gezielte Suggestionen ein, die den Zuhörer/die Zuhörerin zu mehr Proaktivität und Zuversicht animiert. Dauer: 38:02 Minuten
  3. Oberstufe Autogenes Training - Thema: Selbstvertrauen mit Rückführung – Diese Sequenz setzt weitere gezielte Suggestionen ein, die das Vertrauen in sich und die Welt stärken. Dauer: 35:55 Minuten
  4. Löwenmeditation – Diese geführte Meditation ist eine Fantasiereise an einen Ort, an dem man Stille und Stärke erfährt. Mit Krafttieren, die einem bei regelmäßiger Durchführung im Alltag stärken und Sicherheit geben. Dauer: 16:03 Minuten

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Lieben Männer weniger als Frauen? Und welche Ängste haben sie?

Lieben Männer weniger als Frauen? Und welche Ängste haben sie?

Man sollte meinen, dass es mehr Frauen als Männer sind, die mich um Rat und Tipps in der Liebe bitten. Aber dem ist nicht so.

Es herrscht noch immer ein- und dasselbe Vorurteil mit der großen Frage: Lieben Männer genauso wie Frauen und leiden sie ebenso? Meine Erfahrungen zeigen, ja: egal, in welcher Schublade sie stecken, die Frauenzeitschriften für sie gebaut haben. Sie meinen zu wissen, welche Männer Machos, Paschas, Metro-Sexuelle und Softies sind. Die Cosmopolitan machte sogar die Kategorie des „Beta-Mannes“ auf: Das ist der Typ Mann, der eine emanzipierte Alpha-Frau ihre Stärke lässt. Doch dieses Schubladendenken scheint den Männern zunehmend Schwierigkeiten zu bereiten. Wollen Männer überhaupt noch die alten Klischees und Rollen erfüllen, um „wie ein Mann“ zu sein? Und wann ist ein Mann ein Mann?

Ein auf wahren Begebenheiten basierender Artikel über Männergefühle und Gedanken über Frauen, die sie der Welt gegenüber verheimlichen.

 

Leiden und lieben Männer weniger als Frauen?

Ich habe in den vergangenen Monaten mehr Zuschriften von Männern mit Liebeskummer bekommen als von Frauen. In den E-Mails der Männer ging es aber nie um Geld oder ein Luxusproblem und auch nicht um Selbstverwirklichung. Es drehte sich immer um ihre Beziehungen, eine unerwiderte Liebe und eine Frau. Und ihre Enttäuschung. Ihre Erfahrungen zeigen: Mitunter lieben Männer sogar stärker als Frauen und leiden mindestens genauso:

Markus litt erheblich unter seiner ehemaligen Beziehung. Er war frisch mit dem Studium fertig, fand jedoch – wie so viele Berufseinsteiger – nicht sofort eine Anstellung. Er blieb eine Weile arbeitssuchend, bewarb sich und versuchte alles, um Platz auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Währenddessen begann seine Partnerin sich unwohl zu fühlen. Sie fand, dass er „kein Mann“ wäre, wenn er Zuhause sitzen und arbeitslos sein würde. Ihre Unzufriedenheit und Erwartungshaltung in Bezug auf den beruflichen Status eines Mannes verleitete sie dazu, mit ihrem Chef fremdzugehen. Markus fand es heraus, doch sie zeigte nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Stattdessen zog sie aus.

Mit dem Auszug löste sich seine Blockade, als hätte sein Herz und Verstand absichtlich eine Anstellung verhindert, nur um ihr Bild eines „Mannes“ nicht erfüllen zu müssen. Trotzdem litt er nach der Trennung  unter großen Selbstwertproblemen. Bei jeder neuen Frau, die er kennen lernte, hatte er die tiefe Angst, wieder abgelehnt zu werden, nicht zu genügen, nicht „Mann genug“ zu sein. Das verhinderte vielversprechende Beziehungsanfänge bereits im Keim. Denn er hatte stets große Bedenken, wenn er meinte, er würde „zu viel“ geben und zu wenig zurückerhalten und gab daher vorsichtshalber erst einmal nichts. Nur Forderungen an die Frauen, wie er heute weiß, davon hatte er ausreichend. Er machte es seiner Verflossenen unbewusst nach, als würde er ihr still hinterherrufen: „Ich hatte auch Bedürfnisse!“

maenner-sind-oft-unzufriedener-in-beziehungen-als-frauenTief in ihm glaubte er auch, dass diese zu 100 Prozent erfüllt werden müssten, damit er sich wohlfühlen könnte. Während er jedoch vorher der fürsorgliche und liebevolle Partner war, wandelte er sich nach der Beziehung ins Gegenteil. Das war eine Erinnerung an ihn selbst: „Verbieg dich nie wieder für eine Frau.“ Alle Bedürfnisse einer jeden Frau an seiner Seite, insofern sie „sein Programm“ störten, waren ihm gleich. So sehr hatte er sich darauf konzentriert, aus Angst, erneut verletzt zu werden, nie wieder Kompromisse einzugehen. Er hatte in seiner Ex-Partnerin eine gute Meisterin in „Sachen Liebe“ gefunden: Um seine Angst vor Selbstverlust und Trennung abzuwehren, verhielt er sich nun so, wie sie damals. Er vergaß, dass zu einer zufriedenen Beziehung zwei Menschen gehören und war mitunter emotional nicht verfügbar.

Als sich (wieder) eine neue Bekanntschaft von ihm trennte, eben weil sie sich unbeachtet in ihren Bedürfnissen fühlte, weinte er stundenlang. Es war eine Mischung aus der damaligen Trauer, die er nicht richtig verarbeitet hatte und der wiederholten Enttäuschung. Aber er sah nicht, dass es Angst war, die ihm im Weg gestanden hatte.

 

Also lieben Männer wirklich

Erstens lieben Männer genauso wie Frauen. Sie leiden auch ebenso schwer. Das ist Tatsache, weil menschlich. Doch angeblich seien sie es, die immer kriegen, was sie haben wollen, wann immer sie es wünschen, während ihnen keine Ablehnung oder Kritik, Trennung oder Scheißtage etwas anhaben könnten. Sie bräuchten keinen Schutz, keine Fürsorge und nicht noch mehr Aufmerksamkeit. Sie hätten ja ohnehin alles, was Frauen fehle. „Die frühe Frauenforschung war von der Annahme geleitet, dass der Umstand, sozial benachteiligt und unterprivilegiert zu sein, Frauen…miteinander verbinde und eine Gemeinsamkeit der (Unterdrückungs-)Erfahrung zur Folge habe.“ (vgl. Willems 2008, S. 650)

was-maenner-wirklich-wollen-der-starke-mann-hat-ausgedientIch kenne sowohl Männer, als auch Frauen, die Menschen „verbrauchen“. Dann schmeißen sie sie in die Ecke, verlassen sie und geben ihnen zum Schluss noch die Schuld dafür, dass die Beziehung zerbrach oder keine Chance hatte, eine werden zu können. Mit Liebe hat das in den Augen vieler nichts zu tun. Liebe ist es auch nicht, was diese Menschen suchen.

(Auch sie wurden enttäuscht, weshalb das sicher nur ein Schutzmechanismus ist.)

Es ist auch lange vorbei, dass Männer diejenigen seien, die nur den Spaß und das Oberflächliche suchen würden. Mindestens Berlin, und ich mutmaße kühn, dass das auf alle Großstädte zutrifft, ist überfüllt mit Frauen, die sich nehmen, was sie wollen, und Männern, die sich zwischendrin verlieren oder um ein Leben, wie sie es wollen, kämpfen. Doch wie Willems in seinem Werk anmerkt, rührt das Selbstverständnis eines Mannes aus seinem sozialen Umfeld her, und das, was es von einem „Mann“ und einer „Frau“ erwarte. Wir werden also zu dem, was wir lernten, zu sein. Wenn ein Mann in einer traditionellen und konventionellen Familie aufwuchs, dann wird er diese Rahmenbedingungen wahrscheinlich im Erwachsenenleben fortsetzen. Wenn er mit ihnen einverstanden ist…

Diese „typischen“ Rahmenbedingungen werden sowohl in den Medien, im Job und in traditionsreichen Umfeldern ordentlich aufrechterhalten. Doch wie das Beispiel meines Freundes zeigt, leiden Männer mindestens genauso stark. Sie denken genauso viel nach und fragen sich ähnlich grüblerisch, ob und was sie falsch gemacht haben, welcher Schritt jetzt der Beste ist und ob sie sich überhaupt bewegen sollten.

unzufriedene-maenner-in-beziehungen-gefangenKlaus klagt seit Jahren: Er ist unzufrieden in seiner Beziehung, aber fühlt sich aufgrund dem gemeinsamen Kind, Hund, Haus und Hof hoffnungslos abhängig. Würde er seiner Partnerin sagen, dass er sich ein anderes Leben wünscht, ohne sie, hieße das in seinen Augen: Schuld. Er wäre schuld daran, dass sie in dem falschen Glauben lebte, alles sei in Ordnung. Er wäre schuld daran, dass ihre Wahrheit sich als Lüge entpuppen würde. Er wäre schuld daran, ihre Jahre und Mühe verschwendet zu haben, und nun ohne ihn dastehen und zurechtkommen müsse.

Statt jedoch eine Kommunikationsbasis zu suchen, Wünsche oder Forderungen auszusprechen, ging er regelmäßig fremd. Bei seiner jeweiligen Geliebten fand er ein Stück Privatsphäre und Ruhe, in Verbindung mit dem Gefühl, begehrt und gesehen zu werden, mit Selbstausdruck und ein paar Stunden der Gewissheit, dass das Leben mehr bot, als das, was er tagtäglich erfuhr. Ironischerweise machte es seiner Partnerin wenig aus, dass er so oft und regelmäßig untreu war. Ihr war nur wichtig, dass der Anschein eines glücklichen und zufriedenen Familienlebens mit intakter Partnerschaft aufrechterhalten blieb, und sie nicht zu viel von seiner Untreue mitbekam. Solange er mit ihr zusammenbleiben wollte, trug sie stillschweigend seine Geheimnisse. Obwohl er gelernt hatte, dass sie sich betrügen ließ und dennoch bei ihm bleiben wollte, hatte er große Schwierigkeiten mit ihrer geringen Selbstachtung. Er versteht bis heute nicht, wieso er bleiben soll. Aber er bleibt.

Viele der Männer, die ich kenne oder mir von ihren Leben berichten, scheinen nach wie vor Angst zu haben, zu ihren Gefühlen zu stehen und sie auszudrücken. Damit meine ich jene Gefühle, die nichts mit dem offiziellen und größtenteils schwächeverneinenden Klischee eines Mannes zu tun haben. Besonders, wenn es um unerfüllte Bedürfnisse in ihrer Partnerschaft geht, schweigen sie eher und schneller. Damit ist nicht nur Sex gemeint, sondern vor allem das Gefühl, gewollt zu sein, während sie Anerkennung ihrer Individualität erfahren. Doch sie verzweifeln oft an den Bedingungen der Gesellschaft und denen ihrer Partnerinnen, gar nicht so sehr am Alltag – ein Aspekt, den uns die Medien wahr machen wollen. Sie fragen sich, was und wie sie etwas tun sollen, um das Gefühl der emotionalen Stabilität und Sicherheit zu bekommen, das sie sich wünschen, während sie das offizielle Bild eines Mannes, des Ernährers, des Stärkeren, des besten Freundes, des guten Vaters usw. versuchen zu erfüllen. Sie sehnen sich nach der Rollenerfüllung nicht nur, um in die Gesellschaft zu passen. Sie sehnen sich auch danach, weil es noch viele Frauen gibt, die genau das wollen. Erfüllen sie die offizielle Rolle plötzlich nicht mehr, könnten alle Fäden zu reißen beginnen.

 

Auch einmal schwach sein und dürfen

„In dem Maße, in dem der Mann faktisch zum (Haupt-)Ernährer der Familie wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er ein darauf zugeschnittenes Selbstverständnis entwickelt.“ (vgl. Willems 2008, S. 642) Was aber, wenn sich dieses Verständnis für Männer gar nicht mehr tragen und verwirklichen lässt? Was geschieht mit den Männern, die die offiziellen Rollen einer Frau und eines Mannes abzulegen versuchen und gleichzeitig dabei scheitern? Oder:

Was geschieht mental in einem Mann, wenn er sich zwischen dem Offiziellen und dem Eigentlichen gefangen fühlt und keine Auswege mehr sieht, um sich selbst zu fühlen, während er die Ziele seines Umfelds verfolgen soll, um niemandem Angst zu machen?

lieben-maenner-weniger-als-frauen-2Tim, ein junger und erfolgreicher Angestellter einer gut bezahlten Branche verbrachte seine Tage mehr im Büro als in seiner 1-Zimmer-Wohnung. Er hatte über die letzten Jahre mehrere Bekanntschaften gemacht, aber sie gingen genauso schnell, wie sie kamen. Nur eine Frau hatte er sprichwörtlich zweimal im Leben gesehen. Sie verband derselbe Freund, trotz unterschiedlicher Freundeskreise und Wohnorte. An zwei Geburtstagen traf man sich, mochte sich und verbrachte eine schöne Nacht miteinander. Beim ersten Treffen war er derjenige gewesen, der nicht mehr gewollt hatte.

Nun - beim zweiten Treffen - plante er ihren Zusammenzug, ihre Heirat und baldige Familienplanung – jedoch ohne ihre Teilhabe. Sie blieb still, beobachtete ihn und wunderte sich von Stunde zu Stunde mehr. Während er sie weder gefragt hatte, wie es ihr ging noch wie ihr Leben aussah, stellte sie fest, dass er mehr irgendjemanden wollte als sie. Er jagte – panisch – seinem Traum eines konformen und erfolgreichen Lebens hinterher. Als es etwas zu bunt in ihren Augen wurde, machte sie ihm klar, wie sie die Angelegenheit einschätzte. Zu viel trennte sie: Kilometer, einnehmende Jobs und viele persönliche Werte und Ziele. Er hingegen war bereit gewesen, alles auf sich zu nehmen, nur um sie wenigstens einen Tag in der Woche zu sehen.

Dabei hatte er völlig übersehen, dass die vielen Jahre der Einsamkeit große Angst in ihm ausgelöst hatten. Er fühlte sich durch die Bekanntschaften, aus denen keine Beziehung entstanden war, abgelehnt. Gleichzeitig empfand er sich stereotypisiert - aufgrund seines Geldes. Doch wenn er merkte, eine wollte wegen dem Geld und dem Stand bleiben, zog er sich zurück. Seine Angst, nur ein gut aussehender und gut verdienender Lückenfüller zu sein, war genauso groß wie seine Angst vor dem Alleinsein.

 

Andere Werte, andere Männer?

Willems berichtet in dem oben genannten Buch auch davon, dass während das alte Rollenbild weiterhin vorherrsche, es sich gleichzeitig wandeln würde. Aufgaben innerhalb der Familie und Partnerschaft blieben als Selbstverständnis erhalten, während sich die berufliche Rollenverteilung zunehmend auflöse. Männer hätten eine Emanzipation erlitten. (vgl. S. 642)

Auch das Klischee, Männer würden sich nicht zurücknehmen können, sondern nur nehmen können, täuscht uns Frauen über ihre eigentliche Fürsorge und die Tatsache hinweg, wie sehr sich Männer bereits verändert haben – und weiterhin verändern. Einige passen sich bereitwillig allen neuen Bedingungen an, andere wiederum wehren sich, um ihre Bedürfnisse und Ziele zu schützen.

„Du bist nie da!“
„Wenn du mich lieben würdest, dann…“
„Nie kümmerst du dich um mich!“
„Ich muss alles allein machen!“

Das sind nur einige Sätze, die erneut uns Frauen als die Tragenden in Hinsicht Verantwortung, Pflicht und Liebe positionieren. Doch während wir uns mit den diesen Beschuldigungen einiges schönreden, existieren auch Männer, die diese anscheinend rare Fähigkeit sehr wohl besitzen.

das-klischee-eines-mannes-hat-ausgedientIch habe leider erlebt, dass viele von ihnen an Frauen geraten, die diese Eigenschaften ausnutzen – und die Männer so erhebliche Wunden erleiden. Andersherum gibt es viele Frauen, die mit diesen Sätzen völlig Recht haben. Wenige meiner Freunde haben es geschafft, eine ausgeglichene und emotional sichere Beziehung zu führen, in der beide Teile gleichmäßig geben und empfangen können – und dürfen.

Vor circa 5 Jahren war ich kurz bei einer Partnerbörse angemeldet und hatte Kontakt mit einem Mann. Wir schrieben zwei Wochen lang viele Nachrichten und lernten uns näher kennen, bevor ich ihn fragte, ob wir uns treffen wollten. Er war anfangs ängstlich, aber schlussfolgerte dann: „Stimmt, ich will ja keine Brieffreundschaft!“ Er hatte – wie so viele andere – eine Beziehung hinter sich, in der er viel gegeben hatte: von Geld über Unterstützung und emotionalem Halt während einer schwierigen Phase seiner Partnerin. Er hatte sich zurückgenommen, um ihr den Raum zu geben, den sie brauchte.

Wie sich herausstellte, brauchte sie ihren Partner, als ihre Phase beendet war, nicht mehr. Sie merkte vor allem, dass sie nun bereit war, mehr aus ihrem Leben zu machen. Doch in ihrem neuen Leben war kein Platz für ihn. Die Trennung traf ihn tief. Er hatte es als Selbstverständlichkeit empfunden, sich zurückzunehmen und einfach nur da zu sein, wenn sie ihn brauchte. Er hatte gehofft, dass sich nach dieser Phase alles wieder einpendeln und sie beide zuversichtlich in ihre Zukunft blicken konnten. Er hatte geglaubt, ihr Stärke und emotionalen Halt zu geben, sei alles, was sie benötigen würde, während sie ihre berufliche Krise durchhielt. Aber er wurde bitter enttäuscht. Zwischen uns beiden entwickelte sich leider nicht mehr, aber ich erinnere mich noch, wie er sagte: „Ich werde weiter an mich glauben. Irgendwann finde ich eine Frau, der ich genüge.“

 

Genügen und gewollt sein

Diese Geschichten sind natürlich Einzelfälle und normal und menschlich. Jeder Partner macht Fehler und hat einen Anteil am Gelingen oder Scheitern einer Beziehung. Diese Beispiele aber sollen zeigen, dass es gegenteilige Verhältnisse zu dem, was viele Frauen (wenn eine Verallgemeinerung überhaupt möglich ist!) denken und glauben, durchaus gibt.

Tatsächlich gibt es diese Männer, die nicht nur genauso leiden, sondern auch genauso intensiv lieben und teilen wollen. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als anzukommen und aufgehoben zu sein, bei einem Menschen, der sie so liebt, wie sie sind – auch, wenn sie einmal schwach sind oder nicht dem typischen Ideal der alten Männerrolle entsprechen.

wenn-maenner-in-ihrer-beziehung-unzufrieden-sind-gehen-sie-fremdEinem lieben Freund ging es lange Jahre schlecht. Er hatte etliche Bruchlandungen und Ablehnungen hinnehmen müssen, Affären und einzelne Nächte mit Frauen verbracht, die sich im Nachhinein als nicht weiter interessiert offenbarten. Als er seine heutige Ehefrau kennen lernte, war er selbstverständlich vorsichtig, aus Angst, wieder enttäuscht zu werden.

Doch die Tatsache, dass sie ähnliche Ziele und Bedürfnisse hatte wie er, ermöglichte es ihnen, eine liebevolle und emotional sichere Beziehung aufzubauen. Für diese musste er zwar einiges in seinem Leben opfern, umziehen und viele, ihm liebe und treue Freunde zurücklassen. Aber die Aussicht auf das, was er die ganzen Jahre gesucht hatte, trieb ihn an. Als ich ihn neulich wieder traf, erzählte er mir, wie sein Leben heute aussah. Dabei blieb ein Satz in meinem Gedächtnis hängen, der wunderbar beschreibt, was die anderen Beispiele oben suchten, aber so sehr vermissten: „Sie ist gut zu mir.“

 

Wann ist ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau? Über Mythen und Definitionen

„Mann und Frau sind keine…Kategorien, es gibt weder die Weiblichkeit noch die Männlichkeit.“ (vgl. Willems 2008, S. 650)

Wir müssen alle Fernsehmythen von Sex in the City bis hin zu Two and a half Man in die Tonne werfen, denn: Meine offizielle Erklärung (wohlgemerkt meine) besteht mittlerweile darin, dass Männer nicht nur weniger Schwäche zeigen, weil es ihnen „weniger erlaubt“ sei. Sie halten sich in allen „Schwäche offenbarenden“ Situationen eher zurück, so auch, wenn sie psychisch angeschlagen sind.

man-426985_1280Selbst bei Ärzten und unter Freunden sind psychische Belastungen und Krankheiten erst einmal nur „Stress“, resultierend aus den Herausforderungen, denen sich Männer gegenüberstehen sehen. Selbst die Psychologie gestand ein, dass sie die männliche Depression und Angst noch viel zu wenig erforscht hätten. Die Symptome zu erkennen und zu verstehen, scheint mit dem Abtrennen alter Rollenmuster einherzugehen, als spiele ihnen das ehemalig „Starke“ und „Unzerstörbare“ plötzlich einen Streich. Männern ist Liebe (in jeder Form) mindestens genauso wichtig und soll als stabil und sicher erfahren werden. Lust ist nur noch ein Teil der Partnerschaft, aber nicht mehr der Wichtigste. Auch scheint es ihnen immer wichtiger zu werden, wie sie sich sehen und wie ihre Beziehungen in Wahrheit sind. Sie möchten mehr Authentizität und echte Liebe, tauschen es teilweise bereitwillig gegen jedes Opfer ein. Sie lernen sich selbst neu kennen, lernen ihre wahren Bedürfnisse und Werte neu zu entdecken und auszudrücken. Sie sind auf der Suche nach einem Weg zwischen dem, was sie sich wünschen, und dem, was sich jemand anderes für sie ausgedacht hatte.

* Meine Erfahrungen zeigen nur einzelne Fälle und spiegeln keineswegs wider, dass alle Frauen oder alle Männer so oder so seien. Aber meine Gespräche mit ihnen zeigen auch, dass es besonders häufig die Männer und Frauen trifft, die die offiziellen Muster „beherrschen“, die plötzlich nicht mehr genügen und/oder verlassen werden, wenn sie einmal sprichwörtlich „aus der Rolle fallen“.

Quellen: Willem, Herbert (Hrsg.): Lehr(er)buch Soziologie: Für die pädagogischen und soziologischen Studiengänge. Band 2, Springer-Verlag. 2008.

 

Wenn Frauen zu sehr lieben – Liebe und Angst

Wenn Frauen zu sehr lieben – Liebe und Angst

Menschen, die zu sehr lieben, wissen, wie schmerzhaft es ist, über seine Grenzen hinaus zu gehen und sein Leben zu vernachlässigen, nur um einen Mann oder eine Frau für sich – als Partner oder Partnerin - zu gewinnen. Sie wollen ihre Liebenswürdigkeit beweisen, in dem sie bereit sind, alles zu tun, um eine Beziehung zu gewinnen oder zu erhalten. Oft wählen sie als Partner einen Menschen, der besonders hilfebedürftig ist. Denjenigen zu heilen, zum Lieben zu bewegen, zum Wachsen zu motivieren und so die Liebe, die sie sich selbst wünschen, zu erhalten, wird zur Sucht. Später müssen sie festzustellen, dass die Wahl keine sehr gute war. Am gefährlichsten jedoch ist: Irgendwo dazwischen verlieren sie sich im Leben des anderen und bleiben ohne alles zurück, wenn sie verlassen werden, die Liebe unerwidert bleibt oder die Partnerschaft zerbricht.

Die Existenz dieser emotionalen, aber gefährlichen Tiefe ist keine unbeschriebene Sache in der Literatur. Bereits 1985 veröffentlichte die Autorin Robin Norwood ein Buch mit dem Titel Wenn Frauen zu sehr lieben - Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden. Darin beschrieb sie, was es bedeutet, wenn man zu sehr liebt und wie man sich davon befreit.

„Wenn Frauen zu sehr lieben“: Noch heute ein Bestseller unter den Selbsthilfebüchern

wenn frauen zu sehr lieben rezensionIch habe dieses Buch seit Jahren in meinem Bücherregal. Aber erst vor einigen Tagen holte ich es wieder heraus: Ich habe noch immer meine ehemalige Beziehung nicht verarbeitet, in der auch ich zu sehr liebte oder zumindest zu viel gab und zu wenig erhielt. Anfangs dachte ich beim Lesen: „Muss ich mich etwas hineinfinden. Liest sich nicht wie ich.“ Bis ich mit dem Vorwort durch war und das erste Kapitel begann. Da wurde mir mulmig und ich musste mir eingestehen: Zu sehr zu lieben ist nicht pathologisch, sondern kann jedem geschehen, der sich mehr Aufmerksamkeit und Liebe gewünscht hätte - und noch heute ersehnt.

Wo alles begann: Es liegt bei allen in der Kindheit, wenn man der Autorin Glauben schenkt. Wer destruktive bzw. gestörte Familienbeziehungen hatte, der setzt diese - weil es ein Leid ist, das einem vertraut ist - in seiner Zukunft fort. Man möchte wieder gut machen, was damals schief gelaufen war. Man möchte im erwachsenen Dasein die Sache selbst in die Hand nehmen und sich endlich die Liebe, die man als Kind irgendwo vermisste, ergattern. Man möchte jene Männer oder Frauen, die besonders interessant sind - weil sie meist unerreichbar oder emotional nicht verfügbar sind, gewinnen. Man möchte den Kampf, wappnet sich erneut (so wie damals) und holt samt allem auch die alten Gefühle und Leidzustände wieder hervor.

Ein Kurzabriss der Themen

Auf 341 Seiten beschreibt Norwood die typischen Herausforderungen von Frauen, die zu sehr lieben: Beginnend mit dem Schmerz der unerwiderten Liebe, widmet sie sich dem Kampf der Frauen, beweisen zu wollen, wie liebenswert sie sind. Sie nutzen oft Sex, um Beziehungen zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, verwechseln eine innige und leidenschaftliche Sexualität allein mit Liebe, verzichten freiwillig auf Ehrlichkeit, Verständnis, Respekt oder emotionale Sicherheit. Auch wenn die letzten, fehlenden Beziehungswerte oft die Auslöser sind, die ihre innere Welt aus den Fugen geraten lässt, scheinen sie Liebe immer mit Drama und Leid zu brauchen.

Verlässliche Beziehungen scheinen zu öde. Es geht ihnen darum, gebraucht zu werden, die Angst, eben nicht gebraucht zu werden, nicht spüren zu müssen. Ein Kapitel widmet Norwood allein dem Typus Mann, der verstärkt solche Beziehungen bzw. suchende Frauen braucht (mehr siehe unten). Sie beschreibt die Schatten und die Co-Abhängigkeit in den schmerzhaften Beziehungen. Sie bringen immer Selbstaufgabe und große Opfer mit sich, die in einigen Fällen bis in den Tod gehen können.

Der Spiegel schrieb als Reaktion auf das Buch 1988, „Frauen, die in ihrer Kindheit gelernt hätten, „ich werde nur geliebt, wenn ich gebraucht werde“, seien die Verlierer in ihren Beziehungen. Sie kämen ihr Leben lang von diesem Muster nicht los, begleitet von entsprechend anstrengenden Männern.“ Da es für einige Menschen wirklich sehr schwer ist, das Bild, das sie in ihrer Kindheit von „Partnerschaft“, „Liebe“ und „Geborgenheit“ gewannen, zu ihren Gunsten zu verändern, beschreibt Norwood in den Folgekapiteln Wege zur Heilung und Strategien, wie diese gelingen kann.

 

Frauen, die zu sehr lieben, kennen diese 15 Merkmale genau

1. Ein kaltes, destruktives oder unsicheres Beziehungsmuster in der Kindheit

Wenn Kinder Angst habenSie kommen aus Familien, in denen Liebe, Wärme, Akzeptanz, Geborgenheit, Ehrlichkeit Mangelgüter waren. In den wenigsten Fällen erhielten sie, was sie brauchten, um ihre emotionalen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Egal, was sie auch taten. Vielleicht war es die mittelpunktbezogene und neidische Mutter, der abwesende oder kranke, süchtige Vater, die Geschwister, denen Vorrang gegeben wurde. Auch Elternteile, die zu sehr an dem Kind zerrten, es nicht atmen ließen und die Trennung fürchteten, fallen darunter. Aber auch extreme Glaubensmuster in Bezug zu Geld, Arbeit, Religion, Bildung, Politik, Hausarbeiten, Sport, Freizeit usw., die an die restlichen Familienmitglieder weitergegeben werden, eingehalten werden sollen, erweisen sich als schwierig. All das erfordert ein sehr frühes Erwachsensein, das das Kind nicht leisten und verarbeiten kann.

2. Weil sie sehr darunter litten, dass ihnen Liebe und Fürsorge verwehrt blieben, werden sie so liebevoll und fürsorglich, wie sie selbst behandelt werden wollen. 

Sie suchen sich eher Menschen und Partner, die anfällig sind, krank oder bedürftig, hilfesuchend oder von vorherigen Beziehungen lädiert. Frauen, die zu sehr lieben, finden sich deshalb oft in sozialen oder beratenden Berufen. Sie identifizieren sich mit den Leiden und versuchen, besonders dem sexuell interessantem Geschlecht zu helfen, damit es ihnen selbst besser geht. Laut Norwood müssen sie „verstehen, dass es unsere eigene Sehnsucht nach Liebe und Hilfe ist“. (S. 34)

3. Auf der Suche nach Liebe bei ähnlich emotional kalten oder falschen Menschen verlieren sie sich im Kampf, sich als liebenswert beweisen zu wollen. Norwood beschreibt, dass sie eventuell vergebens um die Liebe eines Familienmitglieds gekämpft haben, was die Ursache für ihr später es Handeln legte. Sie inszenieren dasselbe Unglück von damals, als sie besonders lieb, nett, fleißig, gehorsam, brav oder nützlich waren, um Liebe zu erhalten.

So lernten sie, dass ihre Gaben von damals nur dann angebracht seien, wenn man auch Liebe und Aufmerksamkeit erhält  - und umgekehrt. Bräuchte man nur „man selbst“ sein, um geliebt zu werden, wäre es unnütz und langweilig. Es ist wie ein Mechanismus, der falsch gelernt wurde, und automatisch abläuft. Gleichzeitig aber birgt er auch die Chance, ihn auszuhebeln.

Autogenes Training gegen Ängste4. Ihre große Trennungsangst bringt sie dazu, beinahe alles zu tun, um die Beziehung aufrechtzuerhalten. Trennungen können nicht nur Verlassenwerden bedeuten, sondern auch emotionale Trennung im Sinne einer lieblosen Atmosphäre. Das bedeutet innere Leere  und Schuldempfinden und tut allen Menschen schrecklich weh.

Doch in diesem Fall erinnert es an jene Menschen unserer Kindheit, die uns verließen oder aber den Eindruck erweckten, sie würden uns verlassen, wenn wir nicht etwas Bestimmtes tun oder lassen.

5. Sie sind bereit, ihre gesamte Zeit und Kraft, ja ihr ganzes Leben, diesem einen Menschen zu widmen, um ihn durch ihre Liebe zu ändern. Sie erbringen Leistungen, um aus dem Menschen einen komplett anderen zu machen - den, den sie haben wollen, der ihnen gibt, was sie sich so sehr wünschen. Sie verstehen dabei nicht, wie überzogen und selbstschädigend es ist, was sie dem Menschen als „Hilfe“ geben.

6. Sie sind so sehr an zu wenig Liebe und emotionale Sicherheit gewöhnt, dass es ihnen nichts ausmacht, zu warten und zu leiden, solange bis sie bekommen, was sie brauchen. Sie versuchen, dem Menschen zu gefallen, mit allen Mitteln. Vielleicht hat man noch nicht genug getan oder hätte etwas sein lassen sollen, vielleicht wird alles besser, wenn er erst einmal xyz verstanden hat. So werden alle kleinen Versprechen oder Signale als positives Signal gedeutet, dass die Mühe es wert war, nur um dann wieder enttäuscht zu werden. Man lebt ausschließlich in der Hoffnung.

7. Sie übernehmen beinahe die gesamte Verantwortung, Pflicht und Schuld auf sich, um sich zu beweisen. Als Kinder waren sie oft frühe Erwachsene, mussten anpacken oder handeln, wie es Erwachsene tun. So erhofften sie sich Aufmerksamkeit und erhielten ihre Welt, in der sie für ihre Leistungen Liebe erfahren könnten. Dabei waren sie für die Verantwortung noch viel zu jung. Sie konnten die Aufgaben und Pflichten nicht tragen und seelisch nicht verarbeiten. Doch sie kennen sich im weiterem Leben noch gut damit aus, um dieses „Pseudo-Erwachsensein“, wie Norwood es nennt, fortzusetzen, und so ihre Liebeswürdigkeit zu beweisen.

8. Ihr Selbstwert ist ungesund niedrig. Sie glauben, sie hätte Liebe und Glück nicht verdient. Sie vermuten, sie müssten sich erst beweisen, um in der Liebe auf einfache Weise zufrieden sein und Gutes erhalten zu dürfen. Sie haben nur wenig oder keine Selbstachtung und fühlen sich wegen ihrer Fehler schuldig. Sie wollen ihre Beziehungen und Partner kontrollieren, um die fehlende Sicherheit oder Enge in der Kindheit nicht erneut zu spüren.  Die Angst davor, wieder die Hochs und Tiefs der emotionalen (In-)Stabilität erfahren zu müssen und die Trennungsangst, die das mit sich bringt, veranlasst sie dazu, die Zügel straff zu halten. Am besten gelingt das mit einer Maske, die bei vielen wie Hilfsbereitschaft aussieht. Sie müssen gebraucht werden, und sind gut im Befriedigen von Bedürfnissen - nur so können sie ihr eigenes Brauchen ebenfalls aufrechterhalten, während sie die Steuermänner sind. Dreht sich das Blatt, werden die Partner plötzlich selbstständig, gesund und nähefähig, wenden sich viele Frauen wieder ab, weil sie diese Situation schwer einschätzen können. Es macht ihnen Angst, ohne Leistungen geliebt zu werden. Trennungen könnten geschehen.

10. Sie jagen einem Traum, einer Illusion von der perfekten Beziehung hinterher, und ignorieren die harte Realität, um sich von ihrem Traum nicht trennen zu müssen. Sie haben ein Bild des perfekten Mannes in der perfekten, liebevollen Beziehung, wenn frauen zu sehr lieben die heimliche angst nicht gebraucht zu werdendas sie ermutigt. Sind sie bereit, alles zu tun, um ihr Ideal in eine reale Welt umzuwandeln, so bringt ihnen das ihr lang ersehntes Glück. Doch beim genauen Hinsehen fällt eines auf: Sollten sie es wirklich schaffen, würden sie es nicht mehr wollen. Norwood beschreibt etliche Fälle, in denen aus Menschen, die zu sehr lieben, plötzlich Menschen, die gar nicht mehr lieben, wurden. Weil sie erreicht hatten, was sie wollten. Doch das hatte keinen Kampf, keine Probleme und kein Leid mehr inne. Ihnen wurde langweilig, sie distanzierten sich, wurden kühl und lieblos, aus Schutz vor der Nähe, die sie vorher so dringend wollten. Es ist die Angst vor echter und ehrlicher Nähe, die die Menschen, die zu sehr lieben, nicht erfüllen können. Sie trauen sich die Nähe nicht zu. Sie können sie nur aus der Distanz heraus als glücklich empfinden. Kommt der erfüllte Traum zu nah, sehen sie sich mit neuen Problemen konfrontiert.

11. Sie befinden sich in einer Abhängigkeit von Männern und dem Gedanken, dass Liebe Leid bedeutet. Sehnsucht, Verzehrung, pausenlose Gedanken an die kommenden, gemeinsamen Stunden, Grübeleien darüber, wie man den Menschen in eine Beziehung verführt, große Pläne, wie man den Menschen ändern kann, um alles wiedergutzumachen, was ihn wohl am Lieben hindert: Diese Merkmale fließen in die Abhängigkeit hinein und formen sie. Sie entspringen dem Leid beider Partner und widmen sich dem Leid von wenigstens einem der Beteiligten. Statt auf ihr Gefühl zu hören, zu erkennen, dass sie nicht zurückerhalten, was sie sich wünschen, investieren sie noch mehr Gefühl, Zeit und Energie in das Gelingen. Auf diese Weise gerät man schnell in eine Abhängigkeit: während der Partner von der Fürsorge abhängig ist. Damit sind sie auch abhängig von dem seelischen Schmerz, den Beziehungen mit sich bringen.

12. Sie könnten suchtanfällig sein, zum Beispiel für Drogen, Alkohol, Tabak, Zucker, Sex, Sport usw.

13. Sie vermeiden es, sich durch die Ablenkungen Gedanken über sich und ihr Leben zu machen. Sie suchen sich stattdessen Menschen, die mehr oder größere Probleme haben, die ihre maßlose Anteilnahme und Aufmerksamkeit bedürfen. Sie lassen sich lieber in die Labyrinthe anderer verstricken, als in ihrem eigenen Leben Ordnung zu schaffen. Sie kennen ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse, Werte und vor allem Ziele so gut wie gar nicht. Aber sie sind gut im Erkennen der anderen - mit dem, was sie brauchen. Sie scheuen also die Selbsterkenntnis, weil sie nicht lernen durften, sich in ihr Blickfeld zu stellen und zu erkennen, was sie sich wünschen und wer sie eigentlich sind. So muss man auch niemandem seine eigenen Gefühle zumuten, die eventuell zu Konflikten mit unseren Mitmenschen führ(t)en.

14. Norwood vermutet auch eine mögliche Anfälligkeit zu depressiven Verstimmungen, denen sie mit dem emotionalen Tumult einer schlechten Beziehung versuchen, aus dem Weg zu gehen. Je dramatischer oder aufregender ein Verhältnis ist, desto mehr ist los bzw. weniger Langeweile kommt auf. So können sich Frauen, die zu sehr lieben, von ihren Stimmungstiefs ablenken.

15. Liebe, nette, zuverlässige und einfühlsame Männer finden sie langweilig. „Diese verständnisvolle, einfühlsame Sorte Mann kann uns einfach nicht das Drama, den Schmerz und die Spannung bieten, die wir als angemessen und <<richtig>> empfinden: Denn was wir als schlecht empfinden sollten, empfinden wir…als gut, und was wir als gut empfinden sollten, empfinden wir…als fremdartig, verdächtig und unangenehm.“ (1991, S. 132) Die Jahre, in denen sie sich mit „zu wenig“ arrangieren mussten, haben sie daran gewöhnt, Leid zu befürworten. Damit können sie umgehen; darauf haben sie sich eingestellt. Echte Nähe jedoch, die von Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge geprägt ist, kennen sie nicht. Es ist wenig verwunderlich, dass bei Menschen, die zu sehr lieben, ein Spiegel der Vergangenheit angenehmer erscheint, als etwas Neues, an das sie sich erst gewöhnen müssten. Ohne Gewähr auf Erfolg und mit integrierter Angst vor Verlust und Trennung. Liebevolle und ehrliche Männer, mit denen eine Partnerschaft sicher und mühelos wäre, erachten sie beinahe als zu „leicht“ und damit „zu schön, um wahr zu sein“.

Frauen, die zu sehr lieben, ziehen Männer an, die sich zu sehr lieben lassen

Anstatt auszuflippen, lieber Selbstbehauptung übenDieses Kapitel von Norwood fand ich besonders spannend. Denn die Fragen „Welche Männer stehen hinter Frauen, die zu sehr lieben? Was macht sie aus, was macht sie anders?“ lassen interessante Einblicke zu. Um es mit Norwoods Worten zu sagen:

„“Brauchst du mich?“ fragt insgeheim die Frau, die zu sehr liebt. „Wirst du dich um mich kümmern und meine Probleme lösen?“ lautet die unausgesprochene Frage hinter den ausgesprochenen Worten des Mannes, der diese Frau vielleicht als Partnerin wählen wird.“ (1991, S. 168)

Mir fielen anhand der Beispiele Muster auf, die Norwood so genau nicht benennt. Nebst der Tatsache, dass es sich bei den Männern um hilfsbedürftige und meist co-abhängige Menschen handelte, waren sie oft verwitwet oder wurden gerade verlassen; andere waren kriminell, medikamenten-, drogen- oder alkoholabhängig. Wieder andere waren süchtig nach Sport, Essen oder anderen „Füllern“. Gleich, welches Problem im Mittelpunkt stand, sie haben Merkmale gemeinsam:

  • Sie sind unerreichbar, entweder lokal, familiär oder emotional und haben ein großes Abhängigkeitsbedürfnis.
  • Sie können wahre Nähe wenig aushalten. Die Beziehung nährt sich nur durch ihr „Problem“, das die Hilfsbereitschaft der Frau, die zu sehr liebt, erweckt. Sie übernimmt die Verantwortung für die Aufgabe, die er nicht gewillt ist, zu lösen.
  • Sie suchen eine vermeintlich starke und vor allem kluge Frau, die sich mit solchen Problemen gut auskennt oder bereit ist, diese wenigstens zu dulden, zu decken oder zu handhaben. Das stärkt ihren Selbstwert.
  • Sie suchen eine Frau, die ihnen verspricht, den Mangel, die Leere, in sich zu füllen. Sie wollen gebraucht und umsorgt werden. Sie haben in sich eine Verzweiflung aufgrund ihrer Lebenssituation, die schmerzhaft ist und Hilflosigkeit auslöst. Doch diese Gefühle können und wollen sie nicht spüren.
  • Es ist bestärkend und schmeichelhaft, dass sie in ihrer Situation von einer solchen Frau wahrgenommen und mit Aufmerksamkeit bedacht werden.
  • Sie wollen das Gefühl nach Anerkennung so oft wie möglich spüren (auch Begierde in Fällen von Affären). Ihre Lebenssituation spielt dabei keine Rolle.
  • Sie wissen (meistens), dass sie der Frau aufgrund ihrer belasteten Lebenssituation wenig bis nichts bieten können.
  • Sie suchen nach Schutz, Anteilnahme, Mitgefühl und Sicherheit; das hat eine enorme Anziehungskraft auf sie.
  • Sie lassen die Frauen um sich kämpfen. Das nährt ihr Gefühl nach Anerkennung, Sicherheit, Stärke (auch Größe) und Gebrauchtwerden.
  • Sie können so gut wie alles falsch machen. Das wissen sie - und tun es deshalb meist auch. Die Frau, die zu sehr liebt, wird es in den meisten Fällen hinnehmen und selbst Jahre warten.
  • Ihre wahrhaftige Liebesfähigkeit (im Sinne von echter Nähe im Alltag) ist genauso angeschlagen und gering, wie die der Frau.
  • Deshalb haben sie meist ein Schutzschild (eine Obsession, Job, Kinder, Geld, Sucht, etc.), das sie vor zu viel Nähe (zulassen müssen) schützt und als Grund dient, sich (aus Angst) zurückziehen zu können.

Fragwürdiger Titel: Geschieht das wirklich nur Frauen?

Psychologie Angst BlogAls ich das Buch las, wurde mir schnell klar: Das passiert nicht nur Frauen. Ich kenne Dutzende Männer, die zu sehr lieben, bzw. eine Kindheit hatten, die sie lieblos und mit fehlender Geborgenheit zurückließ. Auch sie sind heute auf der Suche nach einer Partnerschaft, in der sie ihre Liebe beweisen können, darum kämpfen können, während sie wenig vom Gewünschten zurückbekommen. Sie leiden genauso wie Norwood es bei Frauen beschreibt.

Denn Menschen, die zu sehr lieben, verbindet eines: Sie würden

  • sich für die Liebe eines Partners bis zur Selbstaufopferung auslaugen,
  • dabei zusehen, wie es sie körperlich und seelisch krank macht,
  • Leidenschaft und Sexualität mit Liebe gleichsetzen,
  • zulassen, dass diese Besessenheit von einem Menschen das eigene Leben mit den Gefühlen, Zielen und Verhalten bestimmt
  • und sich dennoch nicht trennen oder den Menschen im Herzen loslassen können.

Gleichzeitig würden sie viel tun, um diese Belastungen loszuwerden.

Solltest du auch dazugehören, kann ich dir das Buch von Robin Norwood nur empfehlen. Es bietet dir liebevolles, aber klares Verständnis und Wege aus der Lage heraus. Auch ich sehe nach dem Lesen des Buches einiges anders. Besonders aber ist mein Selbstmitgefühl für mich gestiegen: Wir sind alle nur Menschen, machen Fehler und leiden unter einer Situation. Aber wie das Leben mit Liebe in der Zukunft aussieht, entscheidet ein jeder für sich allein.

Zum Buch „Wenn Frauen zu sehr lieben“ >>

Viele Grüße,
Janett Menzel

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