Angst vor dem Autofahren: Autofahrangst & wie man sie überwindet

Angst vor dem Autofahren: Autofahrangst & wie man sie überwindet

Immer mehr Menschen leiden an Angstzuständen oder haben Panikattacken. Die Auslöser hierfür sind ganz unterschiedlicher Natur. Eine oftmals übersehene Form der Angst ist die Autofahrangst. Der ADAC schätzt, dass in Deutschland allein eine Millionen Menschen an einer mehr oder minder schweren Form der Angst vor dem Autofahren leiden. Dabei spielen bestimmte Situationen eine Rolle, die als unsicher empfunden werden. Doch auch die diffuse Angst ohne erkennbaren Auslöser macht vielen Menschen das Autofahren zur Hölle.

Im Nachfolgenden bespreche ich sowohl situative Fahrangst, als auch die unspezifische Form der Autofahrangst, einschließlich Tipps gegen die Angst. Denn für Betroffene ist es wichtig zu erkennen, welche Mechanismen ihre Angst auslösen.

 

Situative Autofahrangst: Typische Situationen, die beim Autofahren Angst auslösen können

angst auf autobahnen führt oft zu autofahrangstFahrangst kann sich auf unterschiedliche Verkehrssituationen beziehen, weshalb auch oft der Begriff “Verkehrsangst” fällt.

Manche Menschen verspüren beispielsweise die Fahrangst nur, wenn sie sich in einem Auto auf einer großen, viel befahrenen Straße befinden. Dabei spielt es bei vielen Betroffenen keine Rolle, ob sie sich als Fahrer oder Beifahrer im Wagen befinden. Diese Menschen meiden, wenn möglich, die Fahrt auf einer Fernverkehrsstraße und nutzen stattdessen eine Landstraße. Das kann so weit gehen, dass sie die Landstraße bevorzugen, trotz der hier statistisch gesehen höheren Unfallzahlen.

Ein Grund ist, dass Menschen mit Autofahrangst in der Vergangenheit negative Fahrerfahrungen gemacht haben. Eine negative Fahrerfahrung kann beispielsweise ein Unfall sein. Hierbei muss die Situation nicht unbedingt lebensbedrohlich gewesen sein. Es reicht schon aus, wenn eine Person beim Einparken aus Versehen ein anderes Auto touchiert und somit einen kleinen Sach-Schaden verursacht. Andererseits kann eine Person auch eine reine Unfallangst entwickeln.

Die Medien haben einen großen Einfluss auf das Verhalten der Menschen. Sieht jemand mit Angst vor dem Autofahren im Fernsehen, dass in einem gewissen Zeitraum übermäßig viele schwere Unfälle auf einer Autobahn geschehen, kann diese Person auf den Gedanken kommen, dass Autobahnen deutlich unsicherer seien, als Landstraßen, weil in Bezug auf die Landstraßen deutlich weniger Informationen über schwerer Unfälle vorliegen.

Andere wiederum haben Angst vor Beifahrern und Zuschauern oder Dränglern. Viele Menschen bekommen Angst beim Autofahren, wenn hinter ihnen ein Drängler seine Lichthupe betätigt. Auch eine LKW-Angst zeigt sich hier häufig, sobald der Betroffene mit seinem Auto in die Nähe eines LKWs kommt.

 

Nicht situative, diffuse Angst vor dem Autofahren

Wieder andere haben eine allgemeine Angst vor dem Autofahren entwickelt, die sich nicht auf eine spezielle Situation bezieht.

Ursachen für Panikattacken und Panik überwindenEine ehemalige Klientin von mir war so ein “Fall”: Sie litt unter vermehrten Panikattacken in der Vergangenheit, aber trotz deutlicher Verbesserung in den typischen Situationen, die eine Panikstörung anzeigen, z. B. Supermärkte, lange Wege, enge Kontakte, fiel ihr das Autofahren bis zum Schluss sehr schwer. Eben weil es mit der Angst vor der Angst einherging.

Sollte diese Angst vorherrschen, kann es tatsächlich sein, dass die Fahrangst auf eine Panikstörung hinweist. Da Panikattacken meist durch schwerwiegende psychische Belastungen und teils auch durch Substanzen (mehr dazu hier: Panik & Panikstörung & Panikattacken) hervorgerufen wird, war ihre Fahrangst “nur” eine weitere Auswirkung der Panikstörung an sich.

Damit fällt es besonders Betroffenen, die folgende Situationen in ihrem Leben erleben, schwer, angstfrei Auto zu fahren:

  • zu wenig du, zu viel andere (Aufmerksamkeit auf dein Leben ist nur sporadisch bis gar nicht da, da andere Menschen bzw. Lebensbereiche zu viel Aufmerksamkeit - weg von deinen eigentlichen Werten, Wünschen und Bedürfnissen - einfordern!)
  • (versteckte) Unsicherheiten, die ungern preisgegeben werden, aus Angst vor Abwertung, Versagen und Spott
  • Leistungsängste sowie Arbeitsangst
  • überwiegendes “Funktionieren-Wollen” in allen Lebensbereichen
  • Angst, (durch das gewählte Leben) verletzt zu werden und/oder selbst andere zu verletzen (oft als Zeichen, dass man mit zu wenig Durchsetzungsvermögen und Abgrenzung durch das eigene Leben geht)
  • sich inmitten von Menschen, die ihren Weg kennen, unwohl fühlen, klein oder weniger wert (oft als Zeichen, dass man ein geringes Selbstvertrauen und ein angeschlagenes Selbstbild durch die Vergangenheit hat –> man glaubt nicht mehr an sich und seine Selbstwirksamkeit)
  • Angst, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen (weil man es sich nicht zutraut, aus Angst, zu versagen, andere zu verletzen oder zu enttäuschen –> man vergisst seine Lösungskompetenz oder war bei Problemen immer in Begleitung anderer, die im Notfall eingriffen –> es fehlt hier “nur” an Lernerfahrungen, dass man allein sein Leben steuern kann, und das ohne große Fehler bzw. Konsequenzen/Fehler)
  • die “Leere”, die man in sich fühlt, versucht man zu kompensieren: durch Zigaretten, Alkohol, exzessivem Spaß, übermäßigem Essen, Medikamenten usw. (löst wiederum Angst und Panikattacken aus)

Bei all diesen Situationen kommt es bei den Betroffenen oft zu Flucht-Reflexen, Angstzuständen bis hin zu Panikattacken, die sie krampfhaft zu unterdrücken versuchen. Diese würden aber auch auftreten, wenn derjenige nicht im Auto säße. Bei meiner ehemaligen Klientin war es sogar so, dass sie den Rest ihres Lebens gut aufgeräumt hatte, aber sich die noch verharrende Unsicherheit gegenüber ihrem Leben nur beim Autofahren zeigte.vielen haben panikattacken beim autofahren

Bei Panik darf man nicht vergessen, wie subtil und gleichzeitig gewaltig sich der Körper als Sprecher der Seele einschaltet! Hinter Panik verbirgt sich zu häufig etwas Seelisches. Aber dennoch möchte ich an dieser Stelle erneut auf die bekannte Ursache der Schilddrüsenfehlfunktion und Vergiftung des Körpers durch bestimmte Substanzen hinweisen. Und ja: Auch bloßes zu viel Rauchen, hin und wieder zu viel Alkohol, viel Koffein oder Medikamente können in der Kombination allein Panikattacken auslösen.

 

Körperliche Symptome der Fahrangst

Die körperlichen Symptome einer Fahrangst, die meist mit Angstzuständen und Panikattacken einhergeht, sind dabei vielfältig und dennoch typisch. Meist verspüren die Betroffenen eine Steigerung der Herzfrequenz und eine Beschleunigung der Atmung. Die allein löst bei den meisten schon die Angst vor der Angst aus, die wie eine selbsterfüllende Prophezeiung den “Rest erledigt”. Es folgt ein Enge-Gefühl in der Brust und dem Hals (der berühmte Kloß im Hals, Schluckprobleme, Erstickungsangst). Man verspürt den Drang, schneller und mehr Luft einzuatmen. Jedoch sind die Bronchien und die Luftröhre so verkrampft, dass nur sehr wenig Luft inhaliert werden kann.

Bei einer Fahr-Phobie werden im Körper bestimmte Neurotransmitter ausgeschüttet, die unter anderem eine Verengung der Blut-Gefäße bewirken. Der Betroffene bekommt daher oft kalte Füße und Hände. Die Angst sorgt dennoch für vermehrtes Schwitzen. Oftmals wird die Fahr-Phobie durch starkes Zittern am ganzen Körper begleitet.

 

Psychische Symptome der Angst vor dem Autofahren

Neben den körperlichen Symptomen erfährt eine Person, die unter der Fahrangst leidet, auch psychische Symptome. Mit zunehmender Schwere eines solchen „Anfalls“, entsteht in der betroffenen Person der Drang, sich der vermeidlich bedrohlichen Situation zu entziehen. Wir kennen das Vermeidungsverhalten von der besagten Panikstörung. Weitere Symptome sind, dass Gedanken zunehmend nicht mehr klar gefasst werden können. Die Gedanken kreisen sich nur noch um die Gefahr auslösende Situation beziehungsweise das Objekt “Auto”, “Autobahn” usw.

 

Prüfungsangst und soziale Angst als Auslöser der Autofahrangst

Die Verkehrsangst wiederum gleicht anderen Ängsten wie zum Beispiel der Prüfungsangst oder der sozialen Angst. Bei der Prüfungsangst hat eine Person Angst davor, eine Prüfung zu absolvieren. Oder die Angst ergibt sich daraus, dass der Mensch befürchtet, die Prüfung nicht zu bestehen und versagt zu haben, jemanden zu enttäuschen oder nicht zu genügen. Wie bei der Angst, Auto zu fahren, kann die Prüfungsangst bereits mehrere Tage bis Wochen vor der eigentlichen Situation auftreten. In diesen Fällen spricht man schon von einer krankhaften Angst. Leichte Angstzustände in Prüfungen werden nämlich als positiv und gesund angesehen, da die folgende Leistung durch die Angst verbessert wird und angespornt.

Eine soziale Angst kann allerdings auch als versteckter Auslöser einer Autofahrangst gesehen werden. Bei einer sozialen Phobie hat der erfahrende Mensch Angst vor der sozialen Bewertung durch andere Menschen. Fährt er Auto, besteht aus seiner Sicht die Gefahr, dass sein öffentlich wirksames Verhalten durch die anderen Verkehrsteilnehmer bewertet wird. Daraus kann sich in der Zukunft eine Fahrvermeidung entwickeln, da es in der Natur des Menschen liegt, eine Angst auslösende Situation zu meiden. So lässt sich auch erklären, warum manche Menschen Angst vor Beifahrern und Zuschauern oder Dränglern haben. Sie möchten von ihnen nicht negativ bewertet werden.

 

Ohne Angst am Steuer: Tipps gegen Autofahrangst und Verkehrsangst

endlich wieder angstfrei auto fahren und fahrangst überwindenUm eine Fahrvermeidung loszuwerden, sollten Betroffene unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Denn das wohl Sinnvollste bei Angst (aus meiner Erfahrung) ist, sich mit seiner Angst und den Auslösern zu beschäftigen. Manchmal braucht man jemanden, der einen hinterfragt, andere Sichtweisen und Erklärungen aufzeigt oder Lösungen hat, die wir nicht sehen.

Es hat sich auch als äußerst hilfreich erwiesen, Selbsthilfe-Literatur zu Rate zu ziehen. Ein Buch, das ich besonders empfehlen kann, ist Holger Walthers Buch Ohne Angst am Steuer - Die Führerscheinprüfung meistern und selbständig Auto fahren. Es bietet Fahr-Anfängern und Fortgeschrittenen hilfreiche Tipps und Tricks, mit Angst auslösenden Situationen umzugehen und die Angst vor dem Autofahren kontinuierlich zu reduzieren. Wer immer sehr sicher Auto gefahren ist, also schon seine Fahrprüfung hinter sich hat, kann dieses Buch dennoch lesen.

Denn: Es geht bei Fahrangst eben darum, wieder Sicherheit und Entspannung auf der Straße zu erlangen. “Was kann man in welchen Gefahren- oder Angstsituationen tun?” ist daher ein großer Fokus des Autors.

Sein gesamter zweiter und dritter Teil (von drei) widmet sich Ängsten und einzelnen Momenten im Auto und Verkehr. Er beschreibt einige wirksame und vor allem neue Methoden und Strategien, seine Angst vor dem Autofahren zu überwinden. Deshalb empfehle ich jedem dieses Buch und nicht ein anderes.

Sollten aber Bücher oder Therapien für dich nicht funktionieren, kannst du dich ebenfalls an spezialisierte Fahrlehrer und Fahrschulen wenden. Häufig haben sie keinen sehr einladenden Namen und nennen sich z. B. Angsthasen-Fahrschule. Aber sie sind damit vertraut, Betroffenen ihre Unsicherheit beim Fahren zu nehmen.

Ich empfehle außerdem Atemtechniken, Entspannungstechniken vor dem Autofahren, das Vermeiden aller panikauslösenden Substanzen (siehe oben), lautes Singen eines beruhigenden Liedes und/oder Schreien beim Fahren, falls Angst auftritt (insofern in der Situation möglich), um das Adrenalin loszuwerden, progressive Muskelrelaxation (siehe YouTube für Anleitungsvideos) und die aktive Auseinandersetzung mit Lösungsmöglichkeiten, die das oben genannte Buch bietet.

Dein Ziel ist es, dass du die Angst, Auto zu fahren, in Sicherheit umwandelst. Dabei wünsche ich dir viel Erfolg und hoffe, dass dir dieser Artikel weiterhelfen konnte.

Alles Liebe,
Janett Menzel

 

Führungskräfteoptimierung: Die Kraft des Schreibdenkens

Führungskräfteoptimierung: Die Kraft des Schreibdenkens

Führungskräfteoptimierung steht hoch im Kurs. Wie viele Mängel deutscher Führungskräfte schwammen in letzter Zeit durch die Presse: übertriebene Leistungsforderungen, fehlende Mitarbeitermotivation, Kontrollmechanismen jenseits von Gut und Böse. Dabei kann ein etwas unkonventioneller Chef/Leiter/Manager eines Teams entscheidend für die Handlungskompetenz von Unternehmen sein. Eine Methode ist die des Schreibdenkens, eine Art Brainstorming in schriftlicher Form. Entwickelt wurde sie von Ulrike Scheuermann.

Wozu Führungskräfteoptimierung?

Wofür brauchen Unternehmen überhaupt Führungskräfteoptimierung?

Neueste Forschungsergebnisse des LMU Center for Leadership and People Management zeigen, wie wichtig exzellente Kommunikations- und Führungsstrategien für die Motivation der Mitarbeiter und somit den Erfolg eines Unternehmens und seiner Produkte sind. Laut Prof. Dieter Frey, Leiter des LMU Centers, stehen diese in direktem Zusammenhang mit der Zufriedenheit der Kunden und „ist abhängig von der täglichen Leistung der Mitarbeiter. Wenn die Mitarbeiter sich schlecht behandelt fühlen, werden sie auf Dauer keine gute Arbeit abliefern und sich weder mit der Aufgabe, noch dem Chef oder der Organisation identifizieren“, sagte er der Süddeutschen Zeitung in einem Interview.

Wie das Harvard Business Manager Magazin berichtete, würden Mitarbeiter ebenfalls erwarten, dass sie ihre Potenziale einbringen können und mit echten Herausforderungen konfrontiert werden. Das  Team komplexere Aufgaben lösen zu lassen, neue Projekte anzuvertrauen, für die sie ihre Kompetenzen erweitern müssen, und ungewohnte Probleme angehen zu lassen, wären einige Schritte für die Motivation gelangweilter Mitarbeiter.

Immerhin würde nur jeder vierte Deutsche „seiner Arbeit mit Enthusiasmus nach[gehen]. 55 Prozent besetzen täglich ihre Kostenstelle, leisten Dienst nach Vorschrift und fallen weder positiv noch negativ weiter auf“, so Focus Online. Es gebe jedoch diese 20 Prozent, die das Arbeitsklima durch ihre Demotivation derart vergiften, dass sie für das Unternehmen schädlich werden. Dies sei aber das Resultat einer schlechten Führung, so der Autor Steven Sonsino, der in seinem neuesten Buch „Seven failings of really useless leaders“ die No-Go’s für Vorgesetzte beschreibt. „Ganze 49 Prozent der Gesamtleistung (der Mitarbeiter) muss die Führungsetage […] herauskitzeln.“

Die Ergebnisse zeigen, wie essentiell Führungskräfteoptimierung ist - für alle Seiten. Mitunter wirken kleinere Techniken zur Entfaltung der Mitarbeiterpotenziale bereits Wunder. Zum Beispiel würde sich eine Auseinandersetzung mit den Themen Inspiration und Motivation lohnen.

Nur wie kommt man als Vorgesetzter an das verborgene Wissen der Mitarbeiter und an ihre verschüttete Kreativität? 

In dem man sie schreiben lässt.

Schreibdenken als Instrument

Vorgesetzte und Mitarbeiter können Schreiben nutzen, um Dampf abzulassen bzw. sich auf Schwieriges vorzubereiten oder sich damit auseinanderzusetzen. Auch Ideen für neue Produkte oder Weiterentwicklungen bestehender Produkte, Verknüpfungen, Kundenbindungsideen usw. ergeben sich meist „wie von allein“, wenn man Denken im Schreiben fließen lässt. Da eignet sich das sogenannte Schreibdenken, entwickelt von Ulrike Scheuermann. Ich bin ein großer Fan dieser Technik und wende sie gern an. Ich lege sie jedem ans Herz, der

  • sich zu den Introvertierten und Hochbegabten zählt,
  • hochsensibel ist,
  • schüchtern ist,
  • gern selbstständig und eigenständig (auch allein) arbeitet und denkt,
  • längere Zeit braucht, um sich Stärken, Schwächen, Potenziale und Risiken zu verdeutlichen,
  • Schwierigkeiten hat, sich in terminierten Meetings auf die Minute genau Gedanken zu machen und diese dort und dann zu vollenden,
  • Sachen gern mit sich selbst ausmacht oder ausmachen muss, weil das Umfeld es nicht anders hergibt.

Es lassen sich damit auch Konkurrenzdynamiken ausschalten; jeder Mitarbeiter erhält seinen Raum für seine Ideen und Gedanken. Es gibt viele Anwendungsmöglichkeiten, die Frau Scheuermann in ihrem Buch „Schreibdenken – Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln“ benennt. Besonders im Arbeitsumfeld erwies sich ihre Technik als herausragend.

Meine Erfahrungen mit Schreibdenken

Wenn ich Ideen entwickele, kommen mir sofort neue oder abgewandelte Ideen, die ich wiederum mit anderen Projekten verknüpfe. Wenn ich eine aufschreibe, entwickele ich gleich die anderen mit und weiter. Ich denke schreibend.

Aber auch im Bereich des Privaten löst das Schreibdenken viele Knoten auf: Es ist nicht nur eine Form des Entladens bestimmter Gefühle, sondern verknüpft ein Weiterbearbeiten dieser Gefühle mit Problemlösungsstrategien. Im normalen, alleinigen Denken werden wir meist abgelenkt. Aber im Schreiben bleiben wir bei uns.

Wenn man seinen Mitarbeitern oder sich selbst als Vorgesetzter erlaubt, sich Zeit für eine Aufgabe zu nehmen, in dem man sich mit Zettel und Stift vor einem Meeting hinsetzt, die tatsächlichen Ziele und eventuellen Probleme auf dem Weg dorthin schreibend verdeutlicht, erfährt man im Schreibdenken eine Art Katharsis. Welche Blockaden hinter vermeintlichen Schwierigkeiten stecken, was tatsächlich blockiert, wo man im aktuellen Projekt ansetzen sollte u. v. m.: Das enthüllt sich auf dem Papier.

Statt nur zu denken und die nützlichen Gedanken später nicht mehr von den nutzlosen unterscheiden zu können, werden alle Gedanken festgehalten und können sich sowohl entfalten als auch weiterentwickeln.

Mehr zum Thema Schreiben als Werkzeug gibt es hier >>Schreiben für die Psychohygiene, um Gutes & Schlechtes loszulassen

Glaubst du, nicht genug zu sein? Dann ist das dein unbewusster Lebensplan

Glaubst du, nicht genug zu sein? Dann ist das dein unbewusster Lebensplan

Manchmal erschreckt es mich, dass die Psychologie es so treffend weiß, uns Menschen in Kategorien einzusortieren. Auch die Transaktionsanalyse (kurz TA), entwickelt von Eric Berne, befasst sich mit menschlichen Mustern, nämlich: Wie das, was wir klugerweise als Kinder lernten, glaubten und taten, von uns als unbewusste Entscheidung ins Erwachsenenleben hineingetragen wird. Und dort allerhand Probleme macht. Gemeint sind Glaubenssätze, zum Beispiel nicht genug zu sein, nicht wichtig, intelligent oder fähig genug. Ein weit verbreiteter Glaubenssatz ist der: “So, wie ich bin, bin ich nicht okay.”

Viele Coaches und andere Experten denken, dass Glaubenssatzarbeit allein ausreichen würde, um angemessene Selbstachtung und Selbstvertrauen zu säen. Doch in Wahrheit müssten sie nicht an den Sätzen, sondern an dem verborgenen Plan dahinter arbeiten. Denn mit den Sätzen fing es nicht an und hört es nicht auf. Sie zu verändern, hält nur kurzzeitig und greift meist nie so tief, um den Gedanken, nicht genug zu sein, für immer ablegen zu können.

Die TA betrachtet deshalb ein unbewusstes Lebensskript des Menschen und markiert diesen Lebensplan mit den bekannten Skriptglaubenssätzen. Dahinter verbergen sich auch Skriptentscheidungen, innere Antreiber, denen wir folgen (Sei perfekt! Jetzt hab’ dich nicht so!) und natürlich unsere Bedürfnisse, die wir früher wie heute haben.

 

Menschen, die glauben, nicht genug zu sein, teilen ein Grundgefühl

“Das Grundgefühl, nicht genügend akzeptiert zu sein bzw. nur dann gemocht zu werden, wenn man anders wäre, das heißt, bestimmte Bedingungen erfüllt”, unterliegt diesem Lebensplan, schreibt Almut Schmale-Riedel im Buch der Woche: Der unbewusste Lebensplan.

nicht genug zu sein ist ein glaubenssatzDas Zitat zeigt: Weil wir dazugehören wollen, verlieren wir uns im Gedanken, durch angepasstes Verhalten gewollt und geliebt zu werden. Deshalb leiden Männer und Frauen lieber unter negativen Beziehungen, statt sich vom Partner zu trennen oder bleiben lieber in einem Job, in dem sie sich zermürben müssen, statt proaktiv einen besseren zu suchen.

Früher wollten wir das Andere, weil wir es wollen mussten, unsere Eltern nicht enttäuschen und ihren Anforderungen gerecht werden wollten. Das erzeugte natürlich Unmengen an Anpassungsdruck, nährte aber vor allem das Gefühl, dass unsere eigenen Wünsche und Interessen mit den Erwartungen anderer aneinandergeraten würden. Alle Kinder machen dann den Fehler, ihre Bezugspersonen wichtiger zu nehmen, als sich. Und das hält mitunter ein Leben lang an, wenn wir es als Erwachsene nicht selbst korrigieren.

Kinder wie Erwachsene müssen in ihrem (geringen) Selbstwert und ihrer (geringen) Selbstständigkeit gefördert werden, statt im “Das hast du gut gemacht, das hast du schlecht gemacht”-Schwarzweißdenken. Sie werten sich sonst im weiteren Leben ab, um eine Auseinandersetzung vermeiden zu können, wenn sie die Ansprüche von außen einmal nicht erfüllen können oder wollen.

Aber nicht nur besonders streng erzogene, sondern auch überbehütete Kinder, denen kaum Grenzen aufgezeigt wurden, lassen sich durch Kritik schnell einschüchtern. Ich weiß das sehr genau, weil ich so aufwuchs. In der Tat war meine Frustrationstoleranz lange sehr gering, weil mich meine Mutter sehr antiauthoritär erzogen hatte. Wen wundert es, dass ich bei kleinsten Signalen der Ablehnung sofort meinen Selbstwert neu definieren wollte oder meinte, mich verstellen zu müssen, um mit meiner Andersartigkeit nicht aufzufallen? Zu sich selbst bedingungslos zu stehen, will gelernt werden. Ein kleines Stück Arbeit, das sich ordentlich lohnt.

Die Angst, nicht genug zu sein, bringt besonders Probleme im Job (Leistung bis zur Erschöpfung, unkollegiales Verhalten aus eigener Angst) und in einer Beziehung (starke Eifersucht durch angsterfüllte Vergleiche, übermäßiges Geben und Klammern bis hin zu Angst vor Nähe und Liebe im Allgemeinen). Wenn wir unseren Wert nicht kennen und schätzen, stellen wir ihn entsprechend oft infrage. Das verleitet dazu, dass wir uns nicht gern zeigen, so wie wir sind, uns nicht zu freuen trauen, wenig bis gar nichts annehmen können, meinen, immer erst leisten zu müssen, als müssten wir uns Liebe und Anerkennung verdienen. Wir wollen uns vielleicht noch perfekter machen oder schauspielern uns durchs Leben, übernehmen uns und ignorieren unsere Grenzen, “in der Annahme, dann o. k. zu sein, weil wir dann nicht mehr angreifbar sind”, schreibt Schmale-Riedel.

Unsere verborgenen Skriptglaubenssätze und Skriptentscheidungen sind zum Beispiel:

  • Ich hätte kein Mädchen/Junge sein sollen.
  • Ich bin nicht normal.
  • Mit mir stimmt etwas nicht.
  • Ich darf nicht zuviel wollen.
  • Ich darf nur leisten, aber nichts und niemanden beanspruchen.
  • Ich bin allein.
  • Ich muss mir selbst Trost spenden.
  • Ich muss mich anstrengen, um geliebt/anerkannt zu werden.
  • Am besten ist es, wenn ich perfekt bin. Dann kann auch keiner meckern.
  • Ich darf keine Probleme machen.
  • Ich bin nicht gesund.
  • Ich bin hässlich.
  • Mit meinem Körper ist etwas nicht in Ordnung.
  • Es ist besser, wenn ich mich nicht zeige, so wie ich bin.
  • Besser ich verstecke mich.
  • Ich bin etwas Besonderes, aber keiner merkt es.

die-angst-nicht-gut-genug-zu-sein-stammt-aus-unserer-kindheitKinder, die mit dieser Skriptentscheidung aufwuchsen, hätten sich oft von ihren Eltern (und späteren Ersatzpersonen im Erwachsenenleben) gewünscht, dass sie in den Arm genommen werden, ihre vermeintlichen Schwächen zeigen dürfen und in ihrer Traurigkeit nicht allein bleiben müssen. Sie hätten sich Zuspruch und Aufmunterung gewünscht, Sätze wie “Du bist hübsch.” oder “Ich bin stolz auf dich.” Sie scheuen im späteren Leben Vergleiche, weil sie innerlich immer schlechter abschneiden, unbewusst aber ziehen sie die Vergleiche zu Personen. Sie wollen jedoch tief in ihrem Inneren als einzigartig wahrgenommen werden - so wie alle Menschen einzigartig sind und etwas Schönes in sich tragen. Doch ihre Glaubenssätze werden begleitet durch den inneren Kritiker, den Schmale-Riedel als Antreiber bezeichnet. Die Stimme sagt dementsprechend so etwas wie “Streng dich an!”, “Reiß dich zusammen!” oder “Sei perfekt!” und “Mach es recht!”

Frauen und Männern, denen es so geht, schlagen sich oft mit der Angst herum, entdeckt zu werden, und sich dann zu schämen, weil sie angeblich nicht genug sein würden. Es ist die Angst davor, minderwertig zu sein und nicht auszureichen. Es droht Verlust, man würde nicht mehr dazugehören. Meistens handelt es sich aber um eingebildete Mängel und Fehler, wie Schmale-Riedel berichtet.

Wie wir dem Gedanken, nicht gut genug zu sein, entfliehen können

Vereinfacht gesagt, müssen wir lernen, dass wir genügen und okay sind, so wie wir sind. Eventuelle Bewertungen durch uns selbst, aber auch Interpretationen durch andere zu erkennen, und dann die Auswirkungen auf uns zu sehen, hilft schon als Impuls zur Kampfansage.

gut-genug-fuer-dich-heisst-nicht-gut-genug-fuer-alleÜbungen, die das Selbstvertrauen stärken, wie das bewusste Erinnern an Situationen, in denen wir so, wie wir sind, Erfolg hatten, können zusätzlich helfen. Schmale-Riedel empfiehlt auch reale Einlenkungen: “Jeder Mensch ist o. k., das heißt wichtig und wertvoll, auch wenn er Schwächen oder Verhaltensweisen hat, die nicht gut sind.” Wobei die Unterscheidung zwischen Gut und Schlecht eigentlich weg müsste. Denn alles hat seinen Nutzen. Auch eine vermeintlich schlechte Eigenschaft kann in anderen Situationen gut sein oder in der jetzigen Situation einen sehr sinnvollen Zweck verfolgen.

Im Wesentlichen aber kann es helfen, wenn wir unterscheiden lernen: zwischen dem, was das Kind-Ich (unser inneres Kind) denkt, und unser heutiges Erwachsenen-Ich, das neutral ist, weiß. Dieses weiß zum Beispiel, dass niemand perfekt ist, dass wir alle einmal Fehler machen oder “uns daneben benehmen”. Es gibt neben diesen beiden Ich-Zuständen auch das lauernde Eltern-Ich, das mit Kritik bewaffnet ist. Es kann also helfen, sich mehr auf das Erwachsenen-Ich zu konzentrieren, wenn wir uns einmal wieder dabei ertappen, uns klein zu fühlen oder mit unserer eigentlichen Persönlichkeit aus Angst zu verstecken.

Aber auch Erlaubnisarbeit kann zu mehr innerer Ruhe, Selbstvertrauen, Selbstachtung und Seelenfrieden führen:

  • So, wie ich bin, bin ich in Ordnung.
  • Ich darf Fehler machen.
  • Ich bin stolz auf mich.
  • Ich darf mich mit allen Stärken und auch Schwächen zeigen.
  • Ich werde trotz meiner Schwächen geliebt.
  • Ich liebe mich trotz meiner Schwächen.
  • Keiner ist perfekt. Ich muss nicht perfekt sein.
  • So, wie ich bin, bin ich genug.
  • Ich darf wollen.
  • Ich habe genug geleistet.

Neben diesem Glaubenssatz gibt es noch zahlreiche andere, die sich damit verbinden können. Auch bei mir entdeckte ich noch welche, die mir bislang nicht bewusst waren. Schmale-Riedel zählt die folgenden auf und bespricht sie im Detail:

  1. Ich bin nicht so wichtig, meine Gefühle zählen nicht.
  2. Ich bin dumm.
  3. Ich darf keinen Erfolg haben.
  4. Ich darf mich nicht freuen. Es gibt keine Freude und Glück für mich.
  5. Liebe und Nähe dürfen nicht sein.
  6. Nähe ist eine Bedrohung.
  7. Ich darf nicht hier sein.
  8. Ich bin böse, aber das darf niemand merken.
  9. Ich bin schuld.
  10. Ich muss stark sein und mich kümmern.
  11. Ich soll nicht erwachsen werden.
  12. Keiner darf merken, wie es mir wirklich geht.
  13. Das Leben ist hart und schwer.
  14. Man kann sowieso nichts ändern.

Wer sich neu entdecken möchte, das Alte von damals noch einmal ansehen und endlich in die Tonne werfen möchte, dem empfehle ich das Buch Der unbewusste Lebensplan: Das Skript in der Transaktionsanalyse. Typische Muster und therapeutische Strategien. Es ist eine wahre Fundgrube an hinderlichen Glaubensmustern, die wir früher sammelten, weil sie hilfreich waren. Es zeigt aber auch, dass damals eben damals war und heute vieles anders ist. Wir dürfen deshalb endlich zu unserer Andersartigkeit stehen. Wir müssen nur erkennen, wo der Schuh tatsächlich drückt. Den “problematischen Kern” zu finden und in Angriff zu nehmen, ermöglicht dir dieses Buch.

Weil wir alle okay, genug und wertvoll sind, so, wie wir sind.

Liebe Grüße,
Janett Menzel

Kreativitätstechniken gegen Stress, Angst und Sorgen

Kreativitätstechniken gegen Stress, Angst und Sorgen

Julia Cameron wurde u. a. durch ihre Morgenseiten bekannt, die für tägliche Entlastung sorgen und gleichzeitig Platz im Kopf schaffen, um Kreativität zu fördern. Sie empfindet Kreativität, vor allem die Wiederentdeckung, als einen Weg aus Stress, Sorgen, Angst: Angst vor allem vor Bewertungen, die es in unserer Vergangenheit zu erforschen und so zu verarbeiten gilt. Dass sich ein jeder wieder neu finden und entdecken kann, in seine Talente eintauchen und sie ausleben kann, Kreativität als Weg aus der Angstungeniert und frei von Urteilen anderer, ist das Ziel ihres Buches.

Für mich gehört es seit langem zum Top-Repertoire, wenn es um Kreativitätstechniken geht. Sie ermöglichen uns Lösungskompetenz statt Ohnmacht und Blockaden, Fokus statt Starre und Flow statt innerer Unruhe. Es ist ein Buch, das jeder lesen sollte, der Altes ablegen will, um sich so auf den Weg zur Selbstverwirklichung und Selbsterkenntnis zu begeben. Dieses Buch ist ein Arbeitsbuch, das den Leser und die Leserin über 12 Wochen hinweg mit Übungen begleitet. Jede Übung davon geht in die Tiefe deines Selbst hinein und lässt dich dich neu erfahren. Eine wundersame Begegnung mit dem, was du einmal werden und sein wolltest und gleichsam Erinnerung daran, dass es niemals zu spät ist, seinen Träumen doch noch zu folgen.

 

Woche 1 und ein  tägliches Ritual: Die Morgenseiten als eine der befreiendsten Kreativitätstechniken

schreiben-für-die-psychohygieneKreativitätstechniken sind nicht nur etwas für Künstler, sondern für jeden Menschen, der sich flexibler in seinem Leben den Aufgaben widmen will, die ihn begleiten. Sie sind wie ein Tool für das eigene Brainstorming, das kreative Ideen mit Tipps und Methoden wachrüttelt - für alle Lebensbereiche, von Alltag, Kindern, Job und Beziehung. Probleme gibt es überall und überall dort braucht es Lösungen. Doch statt Blockaden und Missmut, fehlende Konzentrations- und Durchhaltefähigkeit zu ertragen, können Kreativitätstechniken helfen, Prokrastination (Aufschieberitis) zu verhindern und den Ziel- und Lösungsorientierten in uns zu entblocken. Kreativitätstechniken sind also nicht nur für Künstler, Kreative, Studenten oder Referendare.

Ein guter Schritt und eine grandios Kreativitätstechnik stellen die Morgenseiten dar: Als Schreibtherapeutin, die die Hürden von Nicht-so-Schreiblustigen kennt, möchte ich gern anmerken: Morgenseiten sind eine automatische Schreibmethode. Man schreibt einfach, ohne nachzudenken, drauf los. Es gibt kein Gut, kein Schlecht, kein Überlegen, sondern nur das, was sich als Gedanke im Kopf auftut. Was uns sonst einfach nur hindern und blockieren würde, uns nachts wach hält oder abends nicht einschlafen lässt.

Cameron empfiehlt diese Methode als Erstes in ihrem Buch Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität. Sie dauert nur 15-30 Minuten, je nach Schreibtempo. Außerdem ist wichtig:

Material: Papier, Stift (Filz, Bleistift), Morgenseiten-Tagebuch
Tageszeit: morgens, noch im Bett oder direkt nach dem Aufstehen

Cameron rät, die Morgenseiten regelmäßig jeden Tag für einen Zeitraum von 12 Wochen zu schreiben. Aber wieso morgens? 

Morgens bereits alles, was man im Kopf hat, jede einzelne Kleinigkeit, an die man schon denkt, denken muss, man auf gar keinen Fall vergessen darf, Druck, Leistung, Ansprüche usw. bis hin zu Dingen, die man erledigen muss oder Sorgen, die morgens schon wieder da sind, aufzuschreiben, bedeutet: sie raus zu schreiben. Wir leeren unseren Kopf und schaffen Platz für Neues. Gleichzeitig erinnern wir uns an wichtige Dinge, die, einmal aufgeschrieben, auch noch einmal mehr verankert werden.

Man lässt seinen Gedanken ihren eigenen Raum. Dadurch nimmst du sie (und dich) ernst, bläst neuen Wind in dein Gehirn und fühlst dich freier, weil du deine Gedanken entlassen hast. Du bekommst zu besonders negativen Umständen nach geraumer Zeit den Drang, den Impuls, sie zu positivieren. Man nervt sich selbst ab einem gewissen Zeitraum. Das ist eine wunderbare Wendung, die du für dich nutzen kannst. Sie wird dich wieder in einen angenehmen Zustand bringen, in dem du deine Sorgen weniger ernst nimmst oder Menschen weniger auf ein Podest stellst. Dein Selbstwert wird von allein steigen.

Und so wird es gemacht:

Nimm dir drei A4 Blätter und schreibe alles auf, was dir direkt in den Kopf schießt. Schreibe solange, bis die drei Seiten voll sind. Von „Ich muss heute Wäsche waschen und dann noch Hemden bügeln! Das nervt mich jetzt schon. Ich wollte doch eigentlich…“ bis hin zu „In 10 Tagen habe ich meine Prüfung. Ich kann kaum noch schlafen, lerne nur noch bis mitten in die Nacht hinein. Nichts geht mehr in meinen Kopf, ich werde durchfallen. Ich werde sicher durchfallen! Meine Angst ist tierisch groß. Ich könnte schon wieder weinen. Meine Mutter wird so irre enttäuscht von mir sein. Dabei gebe ich mir so viel Mühe. Ich tue wirklich, was ich kann und zu allem Überfluss muss ich noch drei Rechungen zahlen, obwohl ich nur noch 31 Euro bis zum Ende des Monats habe.“ Alltägliche Dinge, schwierige Umstände, Ängste, Sorgen, aber auch Wut und Kraftausdrücke, die man so nie ausdrücken würde, finden auf deinen Morgenseiten ihren eigenen Platz. Sie sind für niemanden gedacht, nur für dich und funktionieren wie ein Tagebuch.

Wenn dir nichts mehr einfällt, schreibst du auch das auf: „Mir fällt nichts mehr ein. Mir fällt nichts mehr ein. Echt jetzt, mir fällt nichts mehr ein. Wie soll ich denn noch die verbleibenden 1 1/2 Seiten füllen? Soll ich jetzt wirklich nur noch schreiben, dass mir nichts mehr einfällt?“ Ja!

 

John Brandons “7 Minuten für deinen Morgen” – Julia Cameron in neuer Variation

Nun hat John Brandon diese Methode weiterentwickelt (Quelle), in dem er auf einen Mix aus Meditation, Wachsamkeit, Morgenseiten, Malen und Rekapitulieren setzt. Und so geht’s:

Material: Du brauchst eine Uhr und Papier und Stift.
Ort und Zeit: morgens in Stille
Dauer: 7 Minuten

1. Suche dir einen ruhigen Ort.
2. Atme für eine Weile tief ein und aus.
3. In Minute 3 bis 6 schreibst du alles auf, was dir in den Sinn kommt oder schon im Kopf herumspukt. Dazu male nach Herzenslust und visualisiere deine Ideen, Gedanken und Gefühle.
4. Lies alles nochmal durch und verstehe das Geschriebene in einem größeren Kontext. Was lässt sich aus dem Ganzen mit in deinen Tag nehmen/umsetzen/bearbeiten/besprechen etc.?

Das lässt sich ebenfalls vor der Arbeit/Schule/Uni machen, wobei du dann die Gedanken in die berufliche/schulische Richtung ausdrücken kannst und dich somit entlastet.

 

Kreativitätstechniken der folgenden Wochen

Mit “Detektivarbeit” gegen Wut, Scham, Angst, Kritikempfindlichkeit: Sicher erinnert sich jeder an Situationen aus der Kindheit oder der Schule, in der wir uns darüber freuten, etwas zu können oder geschaffen zu haben. Dann kam jemand, der uns unsere Freude nahm, den Wert des Geschaffenen absprach und uns kritisierte. Das löste Wut, Scham und Angst aus und führt bei vielen Menschen dazu, dass sie kritikempfindlich werden und sich schuldig fühlen. Die Akzeptanz durch die äußere Welt blockierte von da an unsere innere Kraft, eigens etwas zu erschaffen und unseren Talenten nicht im Wege zu stehen.

“Viele blockierte Menschen sind eigentlich sehr kraftvolle und kreative Persönlichkeiten, denen man Schuldgefühle ob ihrer eigenen Stärken und Gaben eingeimpft hat. Ohne dafür Anerkennung zu finden, werden sie von ihren Familien und Freunden als Energiequelle benutzt. Andere nehmen sich die Freiheit, ihre kreativen Energien zu nutzen und zu verschwenden…Weil ihr Talent ihnen Schuldgefühle verursacht, stellen sie ihr Licht unter den Scheffel, um andere ja nicht zu verletzen. Stattdessen schaden sie sich selbst.” (vgl. S. 130f.)

Das lässt sich auch auf die Arbeitswelt und sein Team beziehen, nicht nur auf den engen Kreis der Familie und Freunde. Mit ihrer Übung “Detektivarbeit” möchte Cameron dagegenwirken und rät daher: Gehen wir in uns und erinnern uns an das, was WIR wollten, wollen, liebten und lieben. Von Satzvervollständigungen bis hin zu Situationen, in denen uns jemand ungerechtfertigt kritisierte. Diese Blockaden zu lösen, bringt uns automatisch in den Zustand, aus dem Ideen geboren werden. Sie bieten zudem wertvolle Selbsterkenntnis und ermöglichen Loslassen: fremder Urteile, Kritik, Fremdansprüche und was sonst noch nervt.

Begrabene Träume wiederentdecken: Sie fordert ihre Leser/-innen auf, sich an die “verschütteten Träume und Freuden” zu erinnern.

Und wie würdest du dich mit 80 Jahren beschreiben? Wie sieht deine ideale Umgebung aus? Wie warst du im Alter von acht Jahren und was hast du damals gern getan? Welches Outfit steht für einen sehr geringen Selbstwert und weshalb hast du es noch? Welche Situationen in unserem Leben, die uns verletzen, die wir aber gern ändern würden, sind noch immer da und weshalb halten wir an ihnen fest? Was haben wir davon?

Und meine liebste Übung: Das Tugendfallen-Quiz: Was ist der größte Mangel, die größte Freude, dein zeitintensivstes Engagement, deine größte Furcht? Wann fühle ich mich schuldig, was würde meine Umgebung denken und tun, wenn ich meinen Träumen folgen würde? Wann bin ich traurig?

Auch verbotene Freuden und verheimlichte Wunschlisten stehen mit auf der To-Do-Liste. Und das sind nur einige wenige der 1000 Übungen in diesem Buch! In nur 12 Wochen lernst du durch dieses Buch

  1. das Gefühl für Sicherheit wiederzugewinnen
  2. das Gefühl für Identität wiederzufinden
  3. das Gefühl für Macht wiederzugewinnen
  4. das Gefühl für Integrität wiederzugewinnen
  5. das Gefühl für die eigenen Möglichkeiten wiederzugewinnen
  6. das Gefühl von Reichtum wiederzugewinnen
  7. das Gefühl von Verbundenheit wiederzugewinnen
  8. das Gefühl von Stärke wiederzufinden
  9. das Mitgefühl wiederzugewinnen
  10. das Gefühl für Selbstschutz wiederzufinden
  11. das Gefühl von Autonomie wiederzugewinnen
  12. das Gefühl von Vertrauen wiederzufinden.

Wer sich selbst neu entdecken will, Ideenfindung ankurbeln will, ein Problem mit einer zündenden Idee lösen möchte oder sich einfach nur wieder neu kennenlernen und spüren will, der sollte sich Julia Camerons Buch mit den vielen Methoden unbedingt kaufen. Es kostet nur 10,99 Euro und hat einen unbezahlbaren Mehrwert: dich.

Kreative Grüße,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

Quelle und unbedingte Leseempfehlung: 
Julia Cameron: Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität

 

Verzeihen lernen mit dem hawaiianischen Vergebungsritual Ho’oponopono

Verzeihen lernen mit dem hawaiianischen Vergebungsritual Ho’oponopono

Heilt Zeit wirklich alle Wunden? Besonders emotionale Verletzungen lasten lange und schwer auf Menschen: Trennungen, Verluste und Enttäuschungen lassen uns mit dem Gefühl von Wut und Trauer zurück. Am Ende eines Lebens können alle Menschen Zettel voll mit Namen von Personen schreiben, denen man bis dato nicht verzeihen konnte.

Um seine Seele zu entlasten, jede Schuld, alle Fehler, Kränkung und Enttäuschung für ein unbelastetes Leben zu vergeben, üben die Hawaiier seit Jahrtausenden ein Vergebungsritual, dass Verzeihen lernen ermöglicht: das Ho’oponopono. 

Verzeihen lernen mit Ho’oponopono

Diese Woche las ich ein kleines und sehr positives Buch von Ulrich Emil Duprée: Ho’oponopono. Das hawaiianische Vergebungsritual. Es hat lediglich 100 Seiten und kostet noch nicht einmal sieben Euro.

Der Inhalt des Büchleins ist einer uralten Tradition der Hawaiier gewidmet, die zu einem ebenso alten System namens Huna gehört (Hu = Wissen, Na = Weisheit). Nach Huna offenbare sich Weisheit, “indem man tut, was man weiß”. (vgl. S. 9)

Das Vergebungsritual, das ich mit diesem Buch vorstellen möchte, lässt die übliche Ohnmachtserfahrung aus Hilflosigkeit und Enttäuschung zurück und ermöglicht dir so, durch Wissen in Form von Erkenntnis, Verzeihen lernen zu können. Es lädt dich ein, dich trotz einer leidvollen Erfahrung zu lieben, und ermöglicht, dass der verletzte Teil, verstopft mit bitteren Gefühlen und Urteilen, geheilt wird. Natürlich wird dadurch nichts ungeschehen und der Mensch, der dich gekränkt und verletzt haben mag, ändert sich ebenso nicht.

Doch beim Ritual geht es um deine Interpretation und der Entmachtung dieser:

“Ich reinige die unbewussten Daten meiner Wahrnehmung…” (Dr. phil. Ihaleakala Hew Len, hawaiianischer Meisterlehrer)

Was ist Ho’oponopono? Wie kann man damit Verzeihen?

Ho’oponopono (sprich: ho-o-pono-pono) bedeutet Ho’o („etwas tun“) und pono („etwas ausgleichen“,„etwas korrigieren“, „in Ordnung bringen“). ponopono als Verdoppelung weist auf die Intensivität und die Intensität des Rituals hin.

Für die amerikanische Ärztin Dr. Erika Haertig stellt Ho’oponopono “die effektivste Problem- und Konfliktlösungsmethode, die je in einer Kultur ersonnen wurde”  (vgl. S. 21) dar. Sie ermöglicht es Menschen, Verzeihen lernen und Vergebung üben zu können. Auch sich selbst. Wie kommt das?

Ho’oponopono ist ein Ritual zur Reinigung von Angst, Kummer, Sorgen, alten Glaubensmustern und mit Ho'oponopono verzeihen lernenhinderlicher Verhaltensmuster. Diese sperren Wachstum und Selbstfindung aus, weshalb es wichtig ist, dass sie korrigiert bzw. in Ordnung gebracht werden. Sonst blockieren sie nicht nur unseren Geist, sondern auch unseren Körper und lösen Stress, Angst, und anhaltende Sorgen aus, die sich in Magen-Darm-Problemen, Sorgenfalten, traurigem Blick in den Augen, Schwäche, Müdigkeit, mangelnder Konzentrations- und Durchhaltevermögen sowie Durchsetzungsvermögen auswirken. So erreichen wir weder Fülle, noch Glück, keine Zufriedenheit in Beziehung und Familie, Job und Alltag. So blockieren wir uns lediglich selbst.

Ho’oponopono aber geht davon aus, dass die Welt voll ist mit Gutem und auch dass die Welt uns nur Gutes will. Ho’oponopono fußt also auf Urvertrauen, was oft in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn wir enttäuscht werden oder jemand uns verletzt. Häufig sind es sogar wir selbst, die sich verletzen, weil wir uns etwas nicht (zu)trauen, uns vor der Konfrontation, Verlust und Trennung fürchten und daher auch vor dem möglichen Glück eines besseren Ausgangs. Wir interpretieren bereits im Vornherein Schlimmes in viele Situationen und haben Angst vor Angst, dass das Schlimme wahr werden könnte:

“Es ist das Festhalten an Ängsten und Sorgen, an Vorurteilen, an Zweifeln und dem negativen Massenbewusstsein, das uns daran hindert, unsere Vollkommenheit zu erleben.” (vgl. S. 14)

Ho’oponopono ist damit Mut, (Selbst-)Erkenntnis, Bedingungslosigkeit, (Selbst-)Liebe, Vergebung und Verzeihung in Verbindung mit Dankbarkeit. 

Es kann problemlos ohne Partner durchgeführt werden, auch wenn die ursprüngliche Form des Ho’oponopono auf mehreren Personen als Teilnehmer fußt. Sie wird im Buch zwar erwähnt, aber auf ihr liegt das Augenmerk des Autors nicht.

So funktioniert Verzeihen lernen mit Ho’oponopono

Einige Voraussetzungen müssen gegeben sein, um Ho’oponopono wirksam und nachhaltig zu machen: Zuerst muss man sich mit dem Urzustand, der Fülle, verbinden. Danach betrachtet man das Problem und akzeptiert es, bevor man die volle Verantwortung für das Dasein des Problems übernimmt. Anschließend erklärt man sich bereit, sich nach dem Ritual anders im weiteren Leben zu verhalten, bevor man vergibt (sich selbst und den anderen). Zum Schluss lässt man los und dankt.

Im Folgenden findet sich das vereinfachte Vergebungsritual, das vier Hauptsätzen folgt:

  1. Es tut mir leid.
  2. Bitte verzeihe mir.
  3. Ich liebe dich.
  4. Danke.

Diese Sätze erscheinen abstrus, wenn man selbst der Mensch ist, der verletzt wurde. Doch es geht um die Gedanken und Werturteile, um das, was wir meinen, verdient zu haben und das, was uns fälschlicherweise vorenthalten wurde. Wenn wir betrogen wurden, ist es nicht nur der Partner, dem wir sein Verhalten vergeben, sondern auch uns und dem, was wir (uns) vorwerfen. Es geht um die negativen und böswilligen, einseitigen und verletzenden, aber auch liebenden und akzeptierenden Anteile in uns, die eine Vergebung und damit Heilung alter Wunden ermöglichen. Es geht darum, uns, der Situation, einem Verhalten und einem Menschen zu verzeihen.

“Bevor die Sonne untergeht, vergib.”
Hawaiianisches Sprichwort

verzeihen lernen mit der hawaiianischen traditionGleich, ob es dein Vorgesetzter ist, der dich schlecht behandelt oder ob es deine Partnerschaft ist, die einseitig und unglücklich verläuft: Ho’oponopono öffnet, heilt und schließt die Lücke, die Barrieren und schwelende Konflikte zur Folge hatte. Wir waren anwesend, als die Situation stattfand, und so müssen wir auch uns verzeihen, mit der Wut, die wir auf uns haben, oder der Traurigkeit, die wir nicht fühlen wollten.

Nimm dir eine Person, die dich verletzt hat und sprich im Geiste (als stünde diese Person vor dir) diese obigen Sätze. Du wirst merken, dass es von Satz zu Satz schwieriger wird. Es erscheinen die Blockaden (in Form von Wut, Traurigkeit, Scham, Angst, Ekel), jene Gefühle, die uns auch sonst daran hindern, das Gute zu sehen bzw. das Schlechte in uns anzuerkennen. Doch mit einiger Wiederholung und Offenheit wird es machbar, dass es leichter und leichter wird. Zum Schluss haben viele das Gefühl, dass es in dem Schlechten tatsächlich etwas Gutes gab und wir alle irgendwann Fehler gemacht haben. Zum Schluss haben wir uns und den anderen verziehen.

Die Bedeutung der einzelnen Sätze (für das Vergeben und für dich) würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Dafür sei die Leseempfehlung ausgesprochen. Das Buch bespricht neben der Durchführung des Ho’oponopono die Ursache und Wirkung unserer Gedanken und Gefühle. Es bietet vertiefende Übungen und erläutert in weiteren Kapiteln, wie Ho’oponopono in Liebe und Beziehung, im Job und Beruf, in der Familie und dem Bereich der Gesundheit angewendet werden kann, um verzeihen zu können. Jedes dieser Kapitel enthält zudem einige sehr wirksame Übungen mit Ho’oponopono. Hier findest du eine sehr gute Leseprobe des Buches.

Zum Verzeihen lernen geht es hier entlang.

Weitere lesenswerte Bücher zum Thema Verzeihen lernen mit Ho’oponopono sind: 

Das Wunder der Vergebung: Ho’oponopono – das hawaiianische Ritual für inneren Frieden
Ho’oponopono und Familienstellen: Beziehungen verstehen, in Liebe vergeben, Heilung erfahren
Aloha - Gelebte Liebe und hawaiianische Huna-Philosophie
Ho’oponopono und Klopfen - Wunder durch Verbindung und Vergebung
Aloha Karten - Kraft schöpfen aus der Quelle des Hawaiianischen Schamanismus - 56 Karten mit Begleitbuch

 

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