Höre auf deinen Körper: So klappt eine ganzheitliche Körperwahrnehmung

Höre auf deinen Körper: So klappt eine ganzheitliche Körperwahrnehmung

 

Wir hören viel zu selten ganzheitlich auf unseren Körper aka System Körper – Geist – (Herz) – Seele – viele sogar erst dann, wenn sie psychisch und/oder körperlich krank sind. Mir halfen körpertherapeutische Interventionen und das Wissen um die anderen Ebenen zu allen Zeiten. Schließlich ist es mein Körper, der Stress jeder Art ertragen muss und der Angst hatte (um mich und wegen mir), als ich Agoraphobie und Panikattacken hatte. Für mich war es sinnig, mich zuerst auf der „äußersten“ Ebene zu unterstützen, bevor ich mich an die inneren Schichten machte. Was ich gelernt habe: Wenn wirklich so gar nichts zu helfen scheint, kann Körperarbeit ein gutes Fundament für die weitere Auseinandersetzung mit belastenden Gefühlen herstellen.

Sie hat bei einigen einen sehr guten Ruf; bei anderen wiederum dient sie nur unterstützend. Im schlimmsten Fall wird sie belächelt. Bilde dir deine eigene Meinung. Dieser Artikel möchte dich dabei unterstützen.

Wieso wir auf unseren Körper hören sollten: Über Körperbewusstsein und Körperintelligenz

In der westlichen Welt meinen die Menschen, ihr Körper wäre nur zum Funktionieren und zur Aufrechterhaltung des Lebens da. Er hätte keine weitere Funktion und Bedeutung, sondern wäre lediglich das Zuhause der einzelnen Organe und des Gehirns, maximal auch der Seele. Wieso also auf ihn hören, auf das, was er zu sagen hat, was er uns mitteilen möchte? könnte man fragen. Dass der Körper sehr wohl mehr Anteil an unserer Zufriedenheit oder Unzufriedenheit hat, als wir zu glauben wissen, wird uns spätestens dann klar, wenn wir krankwerden. Noch bewusster wird es uns, wenn die Krankheit dazu führt, dass wir unseren Körper nicht mehr unter Kontrolle haben. Wenn er nicht mehr funktioniert und unser gewohntes Leben eben nicht mehr so läuft wie bisher, bekommen wir einen gehörigen Schreck.

Wer Panikattacken kennt, weiß, was ich meine: das Gefühl, dass unser Körper nicht mehr uns gehört. Als hätte er ein Eigenleben entwickelt, ohne, dass wir es bemerkt hätten, macht er plötzlich sein eigenes Ding. Wir wurden nicht gefragt, wir konnten nicht ablehnen, nicht mit ihm darüber sprechen. Wie auch bei einer heftigen Grippe oder Nahrungsunverträglichkeiten, die für miese Stimmung und Verdauungsstörungen verantwortlich sind. Es ist einfach da: die hoffentlich kurzweilige Veränderung, die uns mitten ins Gesicht geworfen wird und gegen die wir nichts ausrichten können. Auch depressive Zustände, heftige Magen-Darm-Verstimmungen, hohes Fieber, schmerzvolle Muskelverspannungen lassen erahnen, wie sehr unser Körper wirklich auf unseren Lebensstil und unsere gewohnten Stressreaktionsmuster reagiert.

Botschaften: Wie der Körper, der Geist, das Herz und die Seele untereinander miteinander kommunizieren

Abb. 1 – Viele sprechen auch von Körper – Geist – Herz – Seele.

Die gesamte Bioenergetik und viele andere Lehren beschäftigen sich ausschließlich mit der Verbindung zwischen Geist, (Seele) und Körper. Auch spirituelle Lehren wie der Schamanismus wissen um die einzelnen Ebenen. In all diesen Lehren funktioniert der Körper als Erhalter und als erste, grundlegende Instanz.Dabei verläuft die Kommunikation zwischen den Ebenen, wie in Abb. 1 dargestellt ist.

Im Schamanismus sagt man: Was die Seele nicht tragen/lösen kann, reicht sie dem Geist weiter. Was der Geist nicht tragen/lösen kann, reicht sie dem Körper weiter. Und was geschieht, wenn der Körper eine zu große Last von den anderen beiden Ebenen gereicht bekommt? Genau, irgendwann kommt auch er an seinen maximalen Belastungspunkt, der je nach Person früher oder später erreicht wird.

In der Bioenergetik geht man von diesen Ebenen aus: (1) Ego (“Ich”), (2) Muskeln, (3) Gefühle, (4) der Kern, Liebe, das Herz. Die „Ich“-Ebene markiert unser Ego, das auch positive Wirkungen wie Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Selbstbeherrschung ermögliche, so der Bioenergetiker Alexander Lowen. Er geht davon aus, dass bestimmte Aspekte für einen gesunden und zufriedenen Menschen erfüllt sein müssen, um zum Beispiel ein liebevoller und herzlicher Mensch zu sein.

Abb. 2 Grafik nach Alexander Lowen (2015) – In der Bioenergetik geht man von diesen Ebenen aus.

Ein Mensch, der nur aus dem Herzen agiert, kann auch seinen Körper gesundhalten. Nur dann würde er positive Gefühle in der nächsten Ebene auslösen, ohne durch erlerntes Verhalten und Denken aus der Kindheit und wichtigen Beziehungen zu handeln. Das führe zu einer ausgeglichenen und lockeren Haltung durch entspannte Muskeln und wiederum zu einem harmonischen und zielgerichteten Handeln. Es gäbe auf muskulärer Ebene ebenso wenige Blockaden wie auf der vorherigen, emotionalen Ebene. Das wiederum mache es möglich, dass unsere „Ich“-Ebene ausgeglichen sei, ohne jede Abwehrhaltung.

Die (und viele andere) Konzepte zeigen uns: Unser Körper ist nicht abgespalten vom Geist und nicht abgespalten vom Herzen, der Seele, dem höheren Ich oder welche Begriffe du gern dafür verwendest. Ganz im Gegenteil. Es ist ein sich bedingendes Konstrukt.

Diese Grundlage wird gestützt durch aktuelle Erkenntnisse. Wir alle kennen die Sprüche: „Was sagt dein Bauch dazu? Was sagt dein Herz?“ Es sind schon lange keine Binsenweisheiten mehr, sondern handfeste, wissenschaftliche Erkenntnisse.

Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass die bisherigen Erkenntnisse der Medizin und Wissenschaft noch lange nicht am Ende angekommen sind. Wir dürfen realisieren, dass bis zur letzten Entdeckung nur eines zählt: Was uns unser Körper sagt, wenn wir ihn sprechen lassen und gewillt sind, ihm zuzuhören. Denn, wenn er ein eigenes Bewusstsein hat, hat er auch eigenständige Nachrichten und eine eigene Weisheit.

 

Gegen unsere Körperweisheit: Wie wir den Kontakt verlieren und wie wir ihn wieder aufnehmen können

Aber es ist so leicht, die Stimme in uns zu ignorieren, verdrängen oder absichtlich verstummen zu lassen. Wodurch verlieren wir den Kontakt zu unserem Körper mit all seinen Ebenen?

  • beruflicher Stress (Termindruck, Ängste um den Job, Wettbewerbsängste usw.)
  • emotionaler Stress (Beziehungen aller Art)
  • existentieller Stress (häuslicher Natur, Armut an Essen und Trinken, Finanzen, stark angeschlagene Gesundheit, die liebsten Menschen betreffend)
  • körperlicher Stress (Lärm, fehlende Luft und Licht, fehlende Fürsorgemöglichkeiten und Kontakte sowie menschliche Nähe und Sexualität)
  • allgemeine Hektik im Alltag
  • geistige, emotionale und körperliche Überforderung
  • geistige, emotionale und körperliche Unterforderung
  • Eigenerwartungen und Perfektionsansprüche (z. B. auch Versagensängste)
  • tiefergehende Ängste (Alleinsein – Einsamkeit, Beziehungsangst, Phobien, Panikattacken)
  • depressive Episoden
  • andere therapiewürdige Herausforderungen

Bei jeder Herausforderung haben wir mehrere Wege, die wir wählen können. Wir kennen es vorrangig, uns physisch, emotional und geistig heilen zu lassen oder selbst zu unterstützen. Wir sprechen mit lieben Menschen über unsere Probleme, gehen zum Physiotherapeuten oder ins Fitness- oder Yogastudio, denken darüber nach und schmieden einen Plan B. Doch einige Herausforderungen auf gesamtheitlicher Ebene bedingen sich untereinander und/oder gegenseitig, weshalb die verursachende Ebene gefunden und geheilt werden muss. In der Medizin/Psychotherapie nennt man es psychosomatisch (kommt vom Geist) bzw. somatoform (kommt nicht eindeutig oder definitiv nicht vom Körper). Woher dann?

Jede Entscheidung und Frage sowie jeder Aspekt unseres Lebens müsste wenigstens fünffach begutachtet werden:

  • Vom Körper als Ganzes
  • Vom Bauch als Einzelnes
  • Vom Gehirn als Einzelnes
  • Vom Herzen als Einzelnes
  • Von der Seele als Ganzes

Ich habe das lange ausprobiert und festgestellt, dass es gar nicht so leicht ist, sich immer auf diese Ebenen zu konzentrieren, die in der Kommunikation mit mir so leicht hörbar sein müssen, dass ich sie sofort wahrnehme. Hinzu kommt, dass ihre Signalstärke ausgeprägt sein muss, um sie überhaupt „anzapfen“ zu können. Bei vielen – auch bei mir – waren einige Kanäle einfach „verstopft“ oder „geschlossen“. Ich stellte auch fest, dass es eine riesige Portion Vertrauen braucht, um ihnen zu glauben, dass sie uns nicht belügen. Wer nicht auf seine Bauch-Intuition vertraut (Bauch-Hirn), der wird sich stärker kognitiv (Gehirn) fokussieren und dort seine Entscheidungen fällen. Auch sich mit seinem Herzen zu verbinden und seiner Intelligenz (Herz-Hirn) zu vertrauen, ist für viele nur in Sachen Liebe selbstverständlich. In allen anderen Fällen erscheint diese Entscheidungsgrundlage irrational und naiv. Viele nutzen eher ihr Gehirn im Kopf, um sich im Leben sicher zu orientieren und sicher zu bleiben.

die ursache der krankheit liegt oft auf einer anderen ebene

Ich selbst schaffte es soweit, dass ich aufgrund meiner vielen Nahrungsunverträglichkeiten meinen Bauch über die Wahl einer Mahlzeit entscheiden lassen konnte, wenn ich zum Beispiel mit Freunden in einem Restaurant oder beim Einkaufen im Supermarkt war. In Zeiten von Angst mein Herz entscheiden zu lassen, war mir fast unmöglich. Meinen Bauch in solchen Zeiten sprechen und entscheiden zu lassen, gelang mir ebenfalls nur sehr selten. Doch mein Kopf hatte mir durch einige Panikstörungen schon genug „Ungnade“ erwiesen, weshalb ich mich stärker auf die anderen Ebenen konzentrieren wollte. Ich empfand es als leichter, zukünftig die wichtigen Ebenen sprechen zu lassen, statt alles an meinem Körper auszulassen. Mein Körper konnte auch in Zeiten von Stress kaum mehr Belastungen ab. Jedes noch so kleine Vorkommnis schien ihn oder Ebenen darüber lahm zu legen. Oder aber ich bemerkte, dass ich urplötzlich auf einer anderen Ebene blockiert war. Als würden die Ebenen untereinander verschlüsselte Botschaften hin und her funken, ohne dass ich die Kodierung und den Schlüssel kannte, um sie zu übersetzen.

Mein Bauch war durch die vergangenen Jahre wohl am besten trainiert; ich hatte die meisten meiner beruflichen Entscheidungen mit meinem Bauch gefällt, ohne je rationale Argumente zu haben. Sie stellten sich allesamt als positiv heraus. Mein Gehirn war übermäßig stark trainiert. Da bedurfte es keiner weiteren Übung. Aber mein Herz und mein Körper als Ganzes hatte stark gelitten, von meiner Seele war kaum etwas zu spüren gewesen – erst als ich wieder mit dem Schreiben begann, weil ich „musste“. Es war der mir einzige leicht verfügbare Kanal, um meine Emotionen „herauszulassen“, da mir auch meine Wut Angst und Panikattacken beschert hatte. Wie sich später zeigte, war Schreiben ein Wunsch meiner Seele – meines Gesamtsystems sozusagen.

Ich erstellte leichte Übungen für die Ebenen, um sie langsam auf ihre „Arbeit“ und „Aufgabe“ vorzubereiten – mit dem Ziel, jede zu erleichtern und sprechen zu lassen.

Ich lade dich im Folgenden ein, mit den einzelnen Ebenen in Kommunikation zu treten. Zur größten und höchsten Ebene, der Seele, komme ich später.

Vorweg: Notiere dir bei jeder Übung deine Eindrücke. Am Ende dieser ersten Übungen wirst du für dich erkannt haben, wie die einzelnen Ebenen wie und wo im Körper mit dir sprechen. Deshalb ist es sinnvoll, dass du dir zu ihnen ausführliche Notizen machst, um jederzeit nachschlagen zu können.

  • Wie schwer war es, den Zugang herzustellen?
  • Woran hast du erkannt, dass der Zugang offen war, dein Weichen gestellt? Wie äußerte sich die Ebene?
  • Woran kannst du ihre Sprache in Zukunft erkennen?
  • Welche Gefühle dominierten?
  • Wo im Körper machten sich die Gefühle am stärksten bemerkbar?
  • Welche Aspekte stachen dir besonders ins Auge?
  • Hat eine Ebene besonders stark gesprochen und eine andere weniger?

 

Der Körper als Ganzes

Den Körper als Ganzes wahrzunehmen, funktioniert am besten, wenn man sich zuerst den einzelnen Körperteilen widmet, um dann die Konzentration auf den gesamten Körper zu lenken. Dafür eignen sich alle Entspannungstechniken sowie Atemtechniken und Körperreisen. Es fühlt sich dann so an, als wäre der gesamte Körper schwer und „voll“ mit Entspannung, leichter Müdigkeit oder mit einem Zustand tiefer Erdung.

Ich selbst nutze autogenes Training und affirmationslose, beatmende Körperreisen sowie Yoga Nidra (kein Yoga, sondern eine yogische Entspannungstechnik). Zusätzlich verwende ich chakrabasierte Stimmmeditationen (auch „Vokale tönen“ genannt), die sowohl Schwingungen in einzelnen Körperregionen bewirken, als auch Atemtechniken vereinen. Am einfachsten ist es, wenn du alles einmal ausprobierst und schaust, was bei dir am besten wirkt bzw. worauf du dich am ehesten einlassen kannst.

Hast du Lust, weiterzulesen und einzelne Übungen für den Körper, aber auch für Geist, dein Herz und deine Seele zu erfahren und auszuprobieren?

 

Angst vor Lautstärke: Was wir von lauten Menschen lernen können

Angst vor Lautstärke: Was wir von lauten Menschen lernen können

 

Die Angst vor lauten Geräuschen bzw. erheblicher Lautstärke ist angeboren. Als Introvertierte, Hochsensible, Intuitive und Empathin weiß ich, wie schwierig deshalb laute, sich in den Mittelpunkt drängende Menschen sein können. Sie zehren an den Nerven. Vor allem aber machen sie uns wütend. Sie werden eine Last, die wir in Zeiten, in denen wir uns nach Ruhe und Stille sehnen, kaum ertragen können. Während wir in Verbindung zu uns sein möchten, lenken sie uns ab und unseren Blick – erzwungen – auf sie. Wir wollen nichts von ihnen mitbekommen, wollen nicht hören, mit wem sie telefonieren, was sie heute erlebt haben. Nicht selten sind es völlig unwichtige, im Vergleich zu unserem Leben, vermeintlich sinnlose Gesprächsthemen, die sie uns in Bussen, Bahnen, Zügen, Flugzeugen und Öffis aufdrängen. Wir können nicht fliehen. Immerhin müssen auch wir an unser Ziel. Bei einigen lösen laute Geräusche und Menschen sogar Angst- und Panikattacken aus. Je sensibler die Seele durch Stress oder Konstitution ist, zum Beispiel durch Hochsensibilität oder Hochempathie, desto heikler kann es für die psychische Gesundheit werden.

 

Die Psyche & Lautstärke: Durch laute Geräusche und laute Menschen getroffen

lärm und wie er der psyche schaden kannÜberreizung durch Lautstärke, wie zum Beispiel Baulärm, hellhörige Wohnungen, (Großraum)Büros, Geräusche des Partners/der Familie oder fremde, laute Menschen: Mehrere Studien zeigen, dass Lautstärke in jeder Form die Psyche nachhaltig schädigen kann. Die Folgen können u. a. Konzentrationsmangel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Migräne, Lernschwierigkeiten, Schlafstörungen bis hin zu psychischen Erkrankungen wie Angstzustände und Panikattacken sein.

Sozialer, emotionaler oder psychischer Stress (egal, durch was hervorgerufen) bedeutet, dass der Körper Stresshormone ausschüttet, die er auch wieder abbauen muss, damit wir gesund bleiben. Bleibt die Lärmbelästigung aber anhaltend, wird es schwer, denn der Körper schüttet schneller aus, als er abbauen kann. Einmal mehr ist Resilienz ist gefragt, wenn wir dem Körper helfen wollen. Wir müssen Wege finden, um entstehenden Stress durch Lautstärke oder Lärm auch wieder verringern zu können. Hochsensible, empathische oder allgemein gestresste Menschen können besonders von einem neuen Umgang mit Stress durch Lautstärke oder laute Menschen profitieren.

Auch die charakterliche Konstitution – Introversion versus Extraversion – zeigt unsere Befangenheit und Bedürftigkeit. Doch während extravertierte Menschen es selten merken, dass sie introvertierte oder hochsensible Nerven belasten, werden Introvertierte erneut auf ihre Gefühle zurückgeworfen. Unsere in uns, durch sie ausgelösten, Folgegefühle belästigen uns. Selbst böse Blicke, um diesen Menschen zu signalisieren, dass wir uns in die Ecke gedrängt fühlen, bringen selten etwas. Die Wut, die sie in uns auslösen, verbleibt auch in uns. Insofern wir nicht offen sprechen und unserer Verletzung durch sie Luft machen, sind wir mitten in ihrem Leben, ihrer Agenda, ihren Bedürfnissen, ihrer Persönlichkeit. Ohne es zu wollen. Und wir geraten mehr und mehr in den Hintergrund: mit unseren Bedürfnissen, unseren Gefühlen und unserer Natur. So geht es nicht nur Introvertierten. Auch Menschen, die wenig Zeit für Selbstfürsorge hatten/haben, und solche, die stark gestresst oder eingebunden sind in zehrende Themen, erleben diese Belastung.

 

Wie man mit der Angst vor lauten Geräuschen und Menschen umgehen kann

rücksichtslose laute Menschen und solche, die sich in den mittelpunkt drängenNeben der Nutzung von allen Entspannungstechniken und Sport, Meditation oder Yoga, um seine Belastbarkeit zu stärken bzw. sich nach der Lautstärke-Belastung wieder zu fangen, bleibt nicht viel.

Ich denke seit langer Zeit darüber nach, wie man aufdringliche Lautstärke bzw. laute Menschen meistern kann. Jedes einzelne Mal gerate ich an den Punkt, an dem es nichts gibt, was ich im Außen tun könnte, außer es anzusprechen und sie darauf zu verweisen, Rücksicht auf die anderen Anwesenden und ihre Bedürfnisse zu nehmen. Das wäre ein Weg. Doch gehen den nur wenige. Auch ich nur selten. Es bringt Konfrontation und eventuelle Auseinandersetzungen mit sich. Das Herz schlägt Purzelbäume und die Knie zittern. Die Wut ist dennoch da, denn immerhin ermutigt sie uns zur Selbstbehauptung.

Doch gerade hochsensible, gestresste, empathische oder intuitive Menschen vermeiden oft ehrliche und offene Konfrontationen. Alles, was sie wollen, ist Ruhe und Harmonie. Sie trennen sich von ihrer Seele oder ihrem Herzen, wenn sie andere auf ihre Fehler oder ihr verletzendes Verhalten aufmerksam machen. Sie wollen weder „die oder der Böse“ sein noch sind sie interessiert daran, die Gefühle eines anderen zu verletzen. Insofern aber der Mut nicht aufgebracht wird, aus welchen Gründen auch immer, bleibt nur eins: herausfinden, was uns diese Situation sagen und zeigen möchte. Worauf könnten bzw. wollen uns extravertierte oder laute, in unseren Augen rücksichtslose, Menschen hinweisen?

Vorab-Vorschläge für den Umgang sind:

  1. es (laut) ansprechen und sie darauf hinweisen
  2. akzeptieren, dass sie anders sind als du und du anders als sie
  3. ihnen vergeben und erkennen, dass sie um der Aufmerksamkeit wegen in Kauf nehmen, die Gefühle anderer zu verletzen, sie zu belästigen und somit – zumindest bei einigen – auch Antisympathie schüren
  4. den Sinn ihres Verhaltens einmal anders wahrnehmen, nämlich, dass sie weder Ablehnung noch Kritik fürchten und im Interesse ihres Wohlbefindens und ihrer Persönlichkeit, ihres Lebens, tun, was sie möchten (und dich das nervt)

Als aufmerksamer Mensch, und wenn du ein wenig so bist, wie ich, wird dir vielleicht aufgefallen sein, dass dieses Verhalten in dir Wut auslöst. EIGENTLICH willst du sie zum Schweigen bringen. Doch dieser Wunsch hat eine Kehrseite: Du willst sie zum Schweigen bringen, weil es deine Weltsicht ist, dass man sich wie sie nicht verhält,

  • sonst bist du oder jemand verletzt,
  • sonst bist du oder jemand wütend,
  • sonst wird du oder jemand gestört, dessen Bedürfnisse wichtiger sind als die eines anderen,
  • sonst wird die Harmonie zwischen euch gestört,
  • sonst kann sich jemand nicht von seinem stressigen oder belastenden Tag erholen,
  • sonst erzwingst du oder jemand Interesse und Aufmerksamkeit,
  • sonst unterbrichst du oder jemand ein Bedürfnis und wird zu einem „Problem“

Kommt dir einer dieser Aspekte bekannt vor? Kennst du jemanden, der das in deinem Verhalten unterband? Wünschst du dir, dass das jemand Bestimmtes in der Vergangenheit bei dir unterbunden hätte?

 

Was wir von lauten Menschen lernen können

angst und wut wegen lauter menschen abstellenSchauen wir uns die Situation noch tiefer an: Jemand oder eine Gruppe im öffentlichen Raum verursacht in uns Betroffenheit, Unruhe und Ärger, sogar Angst und Panik. Hervorgerufen wird das durch ein bestimmtes Verhalten: Lautstärke, Gespräche, eine Handlung (ohne Kopfhörer Musik hören z. B., sehr viel Raum einnehmen, stark aufdringliches Parfüm oder forcierte Blicke, Desinteresse/Rücksichtslosigkeit, Annahme, andere würden ihre Art dulden oder begrüßen, Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen anderer). Diese Menschen ziehen automatisch durch ihr Verhalten unsere und andere Aufmerksamkeit auf sich und stellen sich – zumindest bei einigen Menschen – dadurch in den Mittelpunkt. Einige Menschen aber können laute, aufdringliche Menschen gut ignorieren/ausblenden. Sie bleiben dennoch im Kontakt zu sich selbst.

Die, die laute Menschen aber als nervig empfinden, nehmen sie nur deshalb wahr, weil die Wahrnehmung anderer als Verhaltensmerkmal Teil ihrer Persönlichkeit ist. Selbst bei völlig Fremden, die sie ignorieren könnten.

Doch für die, die es gewohnt sind, dass schlichtweg jeder ihre Aufmerksamkeit bekommt, löst es verständlicherweise Wut und tiefe Betroffenheit, geschädigte Nerven und eine Menge psychische Belastung aus, die Ich-Zeiten und Wiederverbindung mit sich immens stören. Denn laute Menschen scheinen zu sagen: „Ob dir das gefällt oder nicht, spielt in diesem Moment keine Rolle für mich. Wie du damit umgehst, spielt keine Rolle. Für mich ist es gleichgültig, was du jetzt darüber denkst. Es wird an meinem Verhalten nichts ändern. Männer sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Frauen sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Kinder sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Mein Augenmerk liegt auf mir und dem, was ich bin, will, fühle, welche Menschen es in meinem Leben gibt, was ich kann, was ich nicht kann, wie ich der Welt begegne. Ob es dir oder jemand anderem passt oder du es ablehnst, wie ich mich in der Welt bewege, wie ich ihr begegne, spielt keine Rolle für mich. Du wunderst dich darüber, dass ich so bin, wie ich bin und wie ich mich verhalte. Ich wundere mich darüber, dass du nicht so bist, wie ich und wie ich mich verhalte. Du magst anders sein als ich, gerade etwas Anderes brauchen, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Ich mache dennoch das, was ich für richtig erachte.“

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber nebst der Wut, die in mir in solchen Situationen stets hochstieg, geschah vor allem eins in mir: Ich empfand es deshalb als rücksichtslos, weil es für mich – so habe ich es gelernt – eine Anmaßung, eine Dreistigkeit, darstellte, so zu sein und so zu denken. Ich erntete (in meinen jungen Jahren) viel Ablehnung und Konflikte mit einem ähnlichen Verhalten. Es sorgte für Ausgrenzung in Schulzeiten und für Disharmonie Zuhause. Daraus schlussfolgerte ich: Laut zu sein und andere während ihrer Bedürfnisse wegen meiner eigenen zu unterbrechen oder zu stören, ist ab sofort tabu. Zudem lernte ich, dass es anderen so viel bessergeht, wenn ich still bleibe und sie machen lasse – was es auch sein mag. Ich lernte gleichermaßen, meine Bedürfnisse zurückzustellen oder ganz für mich zu behalten.

Neben Wut, lösten laute Menschen auch diese Reaktion in mir aus: Allein die Tatsache, dass sie offen und ungeniert ihre Bedürfnisse und Persönlichkeit, ihr Leben, zur Schau stellten, ohne sich über die Reaktion und Gefühle anderer Gedanken zu machen, sich der anderen bewusst zu werden, empfand ich als Last. Hinzu kam meine eigene Unfähigkeit, mit ihnen und ihrem Verhalten umzugehen. Denn das machte mich außerdem wütend. Grundsätzlich war ich selten erfreut, wenn mich jemand bedrängte, mir meine Zeit stahl, meinen Fokus unterbrach oder gegen meine Werte ging. Besonders dann, wenn derjenige nicht davon abließ, mich von seiner Weltsicht oder seinen Bedürfnissen überzeugen zu wollen, sie mir aufzwang, nur um zu bekommen, was er wollte, kein Nein akzeptierte, nur sich und seine Ziele im Kopf hatte.

Doch dieses Gedankengut bringt nur wenig und ändert nichts am eigenen Unwohl, wenn laute Menschen in unserem Umfeld sind.

Ich schaute mir meine inneren Anweisungen an. Vielleicht lösen diese Sätze auch etwas in dir aus? Mach den Test: Wurdest du zum Leisesein erzogen? (pdf)

 

Reflexionsfragen zur eigenen Betroffenheit durch Lautstärke bzw. laute Menschen

So stark, wie ein Bedürfnis nach Stille und Ruhe auch sein kann: Erstens muss man sich fragen, woher es kommt. Welche Lebensweise oder welche Situation im Leben stärkt das Bedürfnis? Wann tauchte dieses Bedürfnis zum ersten Mal auf (der früheste Zeitpunkt, an den man sich erinnern kann)? Ist es ein wiederkehrendes oder immer präsentes Bedürfnis bzw. ist man zum ersten Mal damit konfrontiert? Welche anderen Bedürfnisse, die das Bedürfnis nach Ruhe/Stille auslösen, sind nicht erfüllt? Zu den einzelnen Fragen:

 

Welche Lebensweise oder welche Situation im Leben stärkt das Bedürfnis nach Ruhe/Stille?

Ob es ein besonders nervenzehrender, lauter, überfüllter, fremdgesteuerter, einseitiger Job oder es eine solche Beziehung ist, ob du zu wenige soziale Kontakte hast, unter deinem Singledasein leidest oder eher der Mülleimer für anderer Leute Agenda, Leben und Sorgen bist: Etwas im Leben führt dich dazu, dass Ruhe und Stille von deinem System Körper-Geist-Herz-Seele als nützlich und nötig empfunden wird. Dieses Etwas zu eliminieren oder sich dort zu sich und seinen Bedürfnissen zu bekennen, kann das Ruhe/Stille-Bedürfnis abklingen lassen.

 

Wann tauchte dieses Bedürfnis zum ersten Mal auf (der früheste Zeitpunkt, an den man sich erinnern kann)? Ist es ein wiederkehrendes oder immer präsentes Bedürfnis bzw. ist man zum ersten Mal damit konfrontiert?

Wenn etwas bereits da war, man es von früher kennt, zum Beispiel aus der Kindheit in bestimmten Situationen oder aus dem Studium/der Ausbildung, als man stark gestresst war oder von harten Arbeitstagen, an denen man über seine körperlich-geistigen Grenzen gegangen war, schließt auf Folgendes: Es ist ein vom System etabliertes Reaktionsmuster auf Stress. Dieser kann emotionaler, psychischer oder körperlicher Natur sein.

Kennst du jedoch dieses Bedürfnis noch nicht und ist es jetzt erstmals aufgetaucht, so ist es wahrscheinlich, dass es ein Weg deines Systems ist, um auf etwas relativ Neues, Junges in deinem Leben zu reagieren, das an dir zehrt. Es kann eine Schwierigkeit deines Geistes sein, sich an das Neue anzupassen. Es kann aber auch aufzeigen, wie du mit Stress oder den Tiefen des Lebens umgehst (mit welcher Reaktion).

War dieses Bedürfnis jedoch schon immer vorhanden, so ist es Charakter- bzw. Konstitutionsfrage. Dann kann es durchaus Hochempathie, Hochsensibilität bzw. -sensitivität oder -begabung sein. Besonders im letzten Fall spult sich ein Schema ab: Das normale Leben, das einfache und selbstbezogene, vereinte, menschliche Leben mit all seinen Facetten vom Saubermachen bis sozialem Kontakt wird als trennend und unwichtig empfunden. Doch hier greift die Psychologie herein und sagt: Wenn etwas zählt, dann dass man sein Leben (aus)lebt. Lebt man jedoch im Geiste, so wie Hochbegabte, dann gibt es Gedanken und Projekte, die wichtiger erscheinen als so mancher Lebensaspekt. Mit Leben ist alles gemeint: laute und stille Freude, laute und leise Bedürfnisse, Nachgeben, Durchsetzung und Konfrontationen, Harmonie und Disharmonie usw.

Diesen Ansatzpunkt kann man auch verwenden, wenn man sich zu keiner dieser Kategorien zählt. Wo (in welchem Lebensbereich) gibt es ein Ungleichgewicht im Selbstausdruck, im Äußern deiner Bedürfnisse, im Erfüllen deiner Bedürfnisse?

 

Welche anderen Bedürfnisse, die das Bedürfnis nach Ruhe/Stille auslösen, sind nicht erfüllt?

Partnerschaft, soziale Kontakte (Freunde, Feiern, Treffen, vertrauensvolle Gespräche bzw. Ansprechpartner), Selbstausdruck in Hobbies und Leidenschaften, passendes Umfeld (lokal in Bezug zum Wohnort als auch der Familien-, Bekannten-, Freundes- und Kollegenkreis): All diese Bereiche geben uns etwas. Sollten sie jedenfalls. Sonst ist es verständlich, wenn wir uns nicht wohlfühlen und lieber unsere Ruhe erfahren möchten. Doch was sie uns geben (sollten), hat selten etwas mit Ruhe zu tun: Es ist wahrscheinlicher, dass es der Ausdruck und das Fühlen von Respekt, Teilhabe bzw. Mitgestaltungsraum, Zugehörigkeit, Ansehen, Anerkennung, Wahrgenommenwerden/ Aufmerksamkeit oder Zeit ist, um nur einige zu nennen. Sind diese nicht erfüllt, tendieren viele dazu, sich zurückzuziehen, weil sich ihre Art der Offensive als unwirksam herausstellte. Schaut man sich dann Menschen an, mit denen man alternativ und ersatzweise ein „Problem“ hat, weil sie zu laut sind oder rücksichtslos erscheinen, fällt eins auf: Sie machen es dennoch. Sie ziehen sich nicht zurück. Im Gegenteil: Sie suchen weiter und bleiben weiterhin, was sie sind. Sie kümmern sich weder um andere und was sie denken. Noch schränken sie ihre Stimme ein. Es ist deren Art der Offensive, um sich ein Bedürfnis zu erfüllen. Auch ihr Bedürfnis wird sich unter den eben genannten als Ausdruck finden.

 

Jetzt könnte es etwas wehtun

das Einzige, was stört, sind die Anderen und was sie von mir denkenWir haben also mindestens zwei „Sorten“ Mensch mit verschiedenen Ausdrucksformen ihrer Bedürfnisse. Während die einen „so“ sind, sind die anderen anders. Wir haben zudem mindestens zwei „Sorten“ Mensch mit verschiedenen Herangehensweisen ans Leben, an unerfüllte Wünsche oder Ziele sowie Umgangsweisen mit anderen. Beides lässt sich weder als gut noch schlecht bezeichnen. Im Gegenteil: Beide könnten voneinander lernen.

Erinnern wir uns erneut, was ich eingangs schrieb:

„Ob dir das gefällt oder nicht, spielt in diesem Moment keine Rolle für mich. Wie du damit umgehst, spielt keine Rolle. Für mich ist es gleichgültig, was du jetzt darüber denkst. Es wird an meinem Verhalten nichts ändern. Männer sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Frauen sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Kinder sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Mein Augenmerk liegt auf mir und dem, was ich bin, will, fühle, welche Menschen es in meinem Leben gibt, was ich kann, was ich nicht kann, wie ich der Welt begegne. Ob es dir oder jemand anderem passt oder du es ablehnst, wie ich mich in der Welt bewege, wie ich ihr begegne, spielt keine Rolle für mich. Du wunderst dich darüber, dass ich so bin, wie ich bin und wie ich mich verhalte. Ich wundere mich darüber, dass du nicht so bist, wie ich und wie ich mich verhalte. Du magst anders sein als ich, gerade etwas Anderes brauchen, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Ich mache dennoch das, was ich für richtig erachte.“

Welche dieser Fragen treffen dich am meisten?

  • Warum nehmen sich andere wichtiger als (m)ich?
  • Wieso achten andere nicht auf mich und meine Bedürfnisse?
  • Wieso ist es ihnen gleichgültig, was ich fühle, denke und brauche?
  • Wieso darf ich mich nicht danebenbenehmen, während andere es doch auch dürfen?
  • Wieso bin nicht ich laut und aufdringlich, wenn mir danach ist?
  • Wieso trage ich das, was mir Spaß und Freude bereite, nicht nach außen?
  • Wieso nerve ich Menschen nicht auch einmal mit meinen Bedürfnissen und setze mich durch?

Wir können jeder Herausforderung auf unterschiedlichste Weise begegnen. Wir können uns reflektieren und unser Denken, unsere Interpretationen ändern. Vielleicht lernen wir so, das, was uns als Kind verboten war, als Erwachsener wieder zurück zu integrieren. Wut allein, ohne sie auch auszudrücken, bringt allerdings wenig. Sie würde sich nur gegen uns selbst richten und so den Stress erhöhen. Die resultierenden Stressshormone blieben in unserem Körper und könnten dort ihren Schaden anrichten. Wenn wir in einer lauten Umgebung sind, müssen wir also Wege finden, sei es auch durch Kündigung, Umzug oder Ausdruck der empfundenen Belästigung.

 

Die Liebe und Beziehungsangst der Hochsensiblen und Empathen

Die Liebe und Beziehungsangst der Hochsensiblen und Empathen

 

Jeder Empath wird heute als übermäßig sensibel beschrieben; nicht jeder Hochsensible ist zugleich Empath. Während Hochsensible sich mit Stichworten wie Überreizung und äußere Stimuli (Licht, Lautstärke, Menschenmassen, fremde sowie schädliche Energien in der Nahrung, der Luft und durch Substanzen) auseinandersetzen müssen, sind Empathen weitestgehend durch fremde Energien belastet. Sie fühlen, was du fühlst – im Guten und Schlechten. Empathen und hochsensible Menschen besitzen deshalb eine besondere Art der Beziehungsangst.

 

Was sie in Beziehungen lernen dürfen & was bei ihnen Bindungsangst auslöst

Beziehungen was bei hochsensible empathen Bindungsangst auslöstEmpathen und hochsensible Menschen kommen, so sagen es Experten wie die US-amerikanische Psychologin, Autorin und Empathin Judith Orloff, ohne Training nur schwer mit extremen Gefühlen und Bedürfnissen anderer Menschen zurecht. Empathie, weitläufig bekannt als Mitgefühl, wird in der wahren Empathieforschung jedoch als Mitleid betitelt. Das erforderliche Training von Empathen könne aus dem beschwerlichen Mitleid wieder „nur“ Mitgefühl werden lassen.

Da beide Gruppierungen durch Überstimulation ausgelöst werden, ist das einzig relevante Thema, das es zu lernen gilt, Selbstabgrenzung und Akzeptanz der eigenen Begrenztheit. Beide reagieren vor allem stark auf Nähe – die mit positiven und negativen körperlichen Empfindungen einhergeht, nicht nur aufgrund seelischer und mentaler Belange. Im Gegenteil: Sowohl Euphorie und Freude als auch Traurigkeit und körperliche Schmerzen werden übermäßig stark wahrgenommen. Während Hochsensible sich mit dem eigenen System auseinandersetzen müssen, um die für sie richtige Dosis an äußeren Stimuli kennenzulernen, müssen Empathen ihre Abgrenzung von fremden Gefühlen und Bedürfnissen erfahren lernen. Das bedeutet vor allem, dass sie ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse kennenlernen, akzeptieren und von anderen unterscheiden lernen müssen.

Besonders in Liebesdingen nehmen beide Gruppen eine entsprechend höhere Intensität der Liebesgefühle und natürlich auch des Liebesleids wahr. Sowohl in positiven Ereignissen wie dem Verlieben an sich, als auch in negativen wie bei Streitigkeiten oder unerwiderten Gefühlen, sind sie beide stark emotional angesprochen, identifizieren sich schneller und stärker mit ihrem Gegenüber und können sogar körperliche und mentale „Nebenwirkungen“ zeigen. Diese reichen von heftigen Schlafstörungen, Minderwertigkeitsgefühlen und Sorge um die Zukunft bis hin zu Magen-Darm-Störungen (schlechte Bauchgefühle), Muskelverspannungen (bei Angst), unregelmäßiger Herzfrequenz (Herzstolpern), Hautreizungen u. v. m.

 

Mehr gefühlte Liebe für Empathen und Hochsensible

Liebesgefühle des partners wie ihre eigenen fühlen hochsensibel empathenBeide Gruppen aber haben das Potenzial, sich auf die Empfindungen des Anderen einzustellen und als Empath sogar so zu fühlen, wie der Partner es wahrnimmt. Sie können Angst und Sorgen riechen, Liebesgefühle des Anderen wie ihre eigenen aufnehmen und selbst Zweifel des Partners mit den eigenen verwechseln. Nur Menschen, die in ihren Gaben geübt sind, sich ihrer Grenzen und Begrenztheit bewusst sind und entsprechend Selbstabgrenzungs- sowie Bewältigungsstrategien besitzen, können leicht zwischen dem, was der Partner ist/braucht/will und dem, was sie sind/brauchen/wollen, unterscheiden. Sie nehmen es in dem Moment wahr oder, wie viele, die noch etwas ungeübter sind, erst Tage später.

Ihre Vorsicht bei Nähe rührt hauptsächlich von ihrer Angst, überwältigt zu werden, da Zeiten der Nähe zwar stark gewünscht und als angenehm empfunden werden, aber auch eine richtige Dosis benötigen und von Zeiten der Distanz wieder unterbrochen werden müssen. Wieso ist das so? Beide Gruppen nähren und laden sich in Zeiten der Distanz wieder auf. Sie fühlen sich schnell ausgelaugt, wenn sie lange oder intensive Zeiten mit anderen Menschen verbracht haben. Auch der Beruf kann sie energetisch aussaugen, was zu noch mehr Wunsch nach Ruhe und Alleinsein führt. Sie benötigen ihre Zeit mit sich in der Stille oder Natur, mit ihren Hobbys und Tieren ihren Freunden oder dem Beruf, um ihre eigenen Gedanken zu hören und ihre Gefühle wieder zu spüren. Viele von ihnen hört man deshalb sagen: Ich kann mich nicht mehr spüren. Ich habe das Gefühl, dass es keine Grenze mehr zwischen uns gibt. Ich habe das Gefühl, dass ich kein eigener Mensch mehr bin. Sie fürchten den Selbstverlust nicht etwa, weil sie die Liebe fürchten, sondern, weil sie ihre Empfindsamkeit und Emotionalität als Anker und Leuchtturm zugleich brauchen. Deshalb fällt es nicht wenigen schwer, wenn sie sich verlieben. Nicht nur spielen die Hormone verrückt und man ist die ganze Zeit in Gedanken bei dem neuen Partner. Auch fehlende Grenzen in der ersten Verliebtheitsphase und die häufige Zweisamkeit kann sie aus dem Gleichgewicht bringen.

 

Die Trennungsangst der Empathen und Hochsensiblen: Die Angst, sich zu trennen oder verlassen zu werden

trennungsangst selbstverlust bei empathen hochsensibleGleichfalls haben sie eine stark ausgeprägte Trennungsangst, die zweischneidig ist. Sie sind auf der einen Seite sowohl ängstlich gegenüber eigenen Trennungen. Sie wollen niemanden verletzen und sorgen sich stark darum, dass der Andere seine Bedürfnisse nicht erfüllt bekommt. Das verleitet viele dazu, zu glauben, dass sie sie nicht befriedigen könnten und nicht gut genug für den Partner zu sein. Weshalb sie eine Trennung im Kopf in Erwägung ziehen. Auch ihr bedrängtes Ich kann sie in Trennungsgedanken leiten. Werden diese aber untergraben, will die Person den Partner nicht verletzen, werden also die eigenen Selbstabgrenzungsmechanismen nicht genutzt, sondern der Drang unterbunden, führt es zu Aggressionen. Die müssen sich irgendwie entladen, sei es durch Wutausbrüche, plötzliche Trennungen oder kurzweilige, eiskalte Rückzüge, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen.

Auf der anderen Seite fürchten sie die Trennung des Anderen. Denn beide Gruppen haben übermäßig hohe Selbstzweifel und sind es seit Kindheitstagen gewohnt, für ihre Sensibilität und Einfühlungsvermögen getadelt oder belächelt zu werden. Sie gelten generell als schwächlich oder nicht belastbar. Viele brauchten eine Weile, um ihre Charaktereigenschaften zu akzeptieren und kennenzulernen.

Obwohl die beiden Themen Empathie und Hochsensibilität seit einigen Jahren in vielerlei Munde sind, gibt es noch immer genug Hochsensible und Empathen, die ihre Gabe und Herausforderungen nicht kennen. Besonders, wenn ein nicht-hochsensibler Partner auf einen Hochsensiblen trifft oder ein nicht-hochempathischer Partner auf einen Empathen, kann es zu außerordentlichen Anpassungsschwierigkeiten in der Verliebtheitsphase kommen, die nicht selten zu Trennungen führen.

 

Unterschiedliche Empfindungswelten

einsamkeit eines anderen spürenIch habe in meiner Praxis viele Gespräche mit Menschen geführt, die mit sich am Hadern waren, wie sie ihre Gaben „abstellen“ können, um sich stärker auf ihre Partner einlassen zu können. Sie wollten es und spürten, dass sie gut füreinander waren, aber hatten extreme Mühen, sich auf die andersartige, meist zu schnelle (Tempo) und zu heftige (Intensität) Lebenswelt (weniger-mehr) einzustellen. Sie wollten es und wünschten es sich, aber ihr Körper und/oder ihr Herz hielten stets dagegen. Man kann sich das wie zwei verschiedene Kulturen vorstellen: Der Hochsommer in Australien beginnt, wenn bei uns in Mitteleuropa der Sommer gerade beendet ist und ist um einiges intensiver als in unseren Kreisen. Dennoch sagen Australier und Europäer zu beidem „Sommer“. So ähnlich ist es auch bei Hochsensiblen/Empathen und Nicht-Hochsensiblen/Nicht-Empathen: Die Australier lieben ihre normalen 40 Grad Celsius und viele im Bundesstaat Victoria (Melbourne) ziehen extra nach New South Wales zurück (Sidney, Canberra), weil es dort im Winter wärmer ist. Die Sonne ist im Winter in Melbourne gegen 12-13 Uhr ungefähr so intensiv wie bei uns im Spätsommer. Wir saßen teilweise im T-Shirt beim Mittagessen. Umgekehrt mögen nur wenige Deutsche oder Mitteleuropäer die sehr starken Temperaturen im Hochsommer um Weihnachten herum in Sidney, wenn die australischen Gemüter gerade so richtig ins Wallen kommen. Unterschiedliche Empfindungen für ein- und dieselbe „Sache“.

Diese Unterschiede in der Wahrnehmung von Liebe und Beziehung gibt es nicht nur zwischen Empathen/Hochsensiblen und solchen, die es nicht sind. Es gibt sie immer und grundsätzlich zwischen allen Menschen, nur dass sie bei diesen Gruppen und ihren Partnern besonders stark ins Gewicht fallen und entsprechend stärkere Ängste auslösen können. PartnerInnen müssen hier schlichtweg mit ihrem Gegenüber reden und sich der Überstimulation bewusst sein. Das ist auch nichts, was sich abstellen ließe oder durch Vorwürfe ändern könnte – es ist keine Frage der freien Wahl oder der Willensstärke. Es ist ein eingebranntes Muster und in den meisten Fällen ein sehr hilfreiches und gutes.

 

Im Treibsand des Partners und seiner Gefühle

sich in den gefühlen des partners verlieren hochsensibel empathHinzukommt aber eine Ausprägung, die man interpretieren kann, wie man möchte: Beide Gruppen, je nach Grad der Empathie, können sich durch ihre Sensibilität in den Anderen hineinversetzen und sich so wie ein Kompass durch die Gefühlswelt hindurch navigieren – und verrennen. Sie merken oft erst im Nachhinein oder bei Distanz (gestern Abend zusammen, alles wunderschön – heute sieht man sich nicht und alles erscheint trübe und schwerfällig), dass etwas unstimmig ist oder die Bedürfnisse an eine Beziehung sich unterscheiden. Sie stellen häufig und sofort ihre Fähigkeiten und Tauglichkeit mit Blick auf den Anderen infrage.

Wenn man sie auf die Unterschiede in der Wahrnehmung anspricht, wissen sie oft nur durch lange Zeiten der Reflexion, zu benennen, was in ihnen vor sich geht. Viele können es aber dennoch nicht oder es fällt ihnen erheblich schwerer als Nicht-Empathen und Nicht-Hochsensiblen, ihre Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken. Bei zu viel Nähe ringt nur ein Flucht-Mechanismus mit einem Nicht-verletzen-Wollen-Mechanismus. Man kann sich das wie einen EKG-Monitor vorstellen, der die Herzfrequenz anzeigt. Sie benötigen einen konstanten und gleichbleibenden Herzschlag und „Ton“ in sich, um sich wohlzufühlen. Gerät der Ton aber in ungeahnte Höhen und zu schnellem Tempo, setzt Beunruhigung ein und der Drang, dies augenblicklich zu ändern. Viele haben deshalb ganz natürliche Abwehrmechanismen, zum Beispiel zappeln sie viel herum, wippen mit ihren Beinen oder renken stets ihren Nacken wieder ein. Sie laufen hin und her oder wirken abwesend, zittern oder greifen zu Kompensationen wie Getränke, Essen, Tabak und Alkohol, um den Takt wieder in den normalen Frequenzbereich zu bringen.

 

“Ich konnte nicht atmen und mich auch nicht beruhigen.”

Ausbruch aus Gefängnis namens Angst Eifersucht Gier Geld Macht Trauer Schuld SchamSie hassen es, aufzuspringen und Nein zu sagen, aber es bleibt ihnen (und anderen) nicht immer erspart. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Situation, in der ich mit einem Mann, den ich gerade erst kennengelernt hatte, morgens im Bett aufwachte. Er umarmte mich innig und wollte nur die Bettwärme und meine Abwesenheit fühlen. Er wollte mir zeigen, dass er sich wohlfühlte und sich freute, morgens mit mir aufzuwachen. Meine Reaktion aber war eine innere Explosion: Ich fühlte mich derart eingeengt und bedrängt. Ich spürte seine Bedürfnisse wie eine Walze über mich herüberrollen. Ich konnte hinter seiner Zufriedenheit über die Situation die Schmerzen über sein bisheriges Alleinsein wahrnehmen. Ich konnte nicht atmen und mich auch nicht beruhigen. Nicht etwa, weil ich seine Nähe fürchtete, sondern weil ich morgens grundsätzlich direkt aus dem Bett aufstehe, mir die Nase putze, ins Bad gehe, meinen Tieren ihr Frühstück gebe und dann meinen Kaffee trinke. Mein System erlaubt mir kein Kuscheln über länger als zehn Minuten. Interessanterweise hatte ich solche und ähnliche Erfahrungen nicht mit Hochsensiblen/Empathen.

Je mehr Menschen wie ich aber versuchen, gegen ihren inneren Kompass zu handeln, weil sie den Partner mögen und behalten, ihn gut behandeln möchten und respektieren, desto mehr gehen wir absichtlich über unsere Fähigkeiten hinaus und überschreiten unsere mentalen und körperlichen Grenzen selbst. Bei vielen schürt das leider Wut und Angst. Spätestens, wenn sie wieder allein sind, bemerken sie ihre Überreizung und die Konsequenzen, ihr Ausgelaugtsein, ihr fehlendes Gefühl für sich selbst, ihre Gedankenkreisel im Kopf, die Anstauung fremder Gefühle in ihrem Körper oder Gedanken in ihrem Kopf. Sie vermissen sich sozusagen und als würde die Stimme ihrer Intuition, Empathie und Hochsensibilität brüllen: „Ja, ganz toll. Das machen wir auch nie wieder!“ geraten sie sofort in Bedrängnis, sich zwischen sich selbst und ihrem Partner zu entscheiden.

Ein Blick in internationale Foren und Facebookgruppen mit Empathen und Hochsensiblen zeigt mir täglich mehr als deutlich, wie viele von ihnen sich freiwillig gegen Nähe entscheiden, nur um nicht in diese Entscheidungsnot zu geraten. Es fühlt sich für sie an, als müssten sie sich zwischen ihrem Leid und deinem Leid entscheiden. Eine Wahl, die ihnen nicht nur wehtut, sondern auch schwerfällt, weil ihr System nicht auf Schmerz-Zufügen ausgerichtet ist, sondern auf Minimierung des Schmerzes. Deshalb finden sich viele Empathen und Hochsensible in Berufen wieder, die ihnen Freiheiten schenken – frei von Hektik, frei von Menschen oder frei von unvernünftigen und nichtigen Unternehmensansprüchen, die niemandem dienen, außer dem Unternehmen. Ungerechtigkeit und Wettbewerbsgehasche, Ellenbogenhierarchien und Obrigkeitsgehorsam sind ihnen genauso zuwider wie Hochbegabten.

 

Offene Gespräche für mehr Verständnis

Als Partner eines Empathen oder Hochsensiblen (oder beidem) bleibt einem nur das offene Gespräch und klare Grenzen und Regeln, die beide miteinander ausmachen und befürworten. Je stärker die Grenzen sind, desto wohler fühlen sie sich. Umgekehrt haben die Partner die Erkenntnis, dass es nicht an ihnen liegt, sie nicht „nicht genug“ seien, sondern nur unterschiedlich in der Wahrnehmung und Empfindung. Das ist eine große Entlastung und vermag einen völlig anderen Blick auf die Zukunft der Beziehung mit deinem Herzenspartner.

Auch wenn du entdeckt haben solltest, dass du Empathin und/oder Hochsensible bist, kannst du für dich und ihn realisieren, dass es dir an Selbstabgrenzung und Selbstwahrnehmung fehlt. Sie in eine gesunde und ausgeglichene Waage zu bringen, ist das oberste Ziel – dann kann auch die Beziehung zu deinem Herzenspartner eine positive Wendung nehmen.

Dies war ein Ausschnitt aus meinem Buch “Du liebst mich, oder doch nicht?“, erschienen 2017 als Taschenbuch und E-Book. Erhältlich bei mir oder Amazon.

 

Das Gewissen der Empathen & der eine Mensch, den wir überwinden müssen

Das Gewissen der Empathen & der eine Mensch, den wir überwinden müssen

 

Wir Empathen haben alle einen Menschen, dem gegenüber wir ein schlechtes Gewissen haben: sei es ein Elternteil, ein vergangener Partner, ein Partner, der einer werden sollte, aber nicht wurde, ein Mensch, von dem wir uns wegen seiner Energie fernhielten, ein Freund, von dem wir uns trennten oder jemand anderes, der uns ein schlechtes Gewissen machte. Wir mögen es gar nicht, als schlechter, nicht hilfsbereiter und nicht liebender Mensch dazustehen. Wir lieben und wir leiden mit und springen besonders auf Menschen an, die leiden und geliebt werden wollen. Wir können es sehr schwer ertragen, Menschen zurück zu lassen, uns zu trennen oder uns abzugrenzen, zu verletzen oder Verletzungen, die wir selbst kennen, zuzufügen. Auch wenn es sein muss – unseretwegen.

 

Empathen und wieso sie sich selbst doppelt so stark verletzen, wenn sie jemandem wehtun

einsamkeit empathen spüren leid andererNoch Jahrzehnte später können Empathen darunter leiden, dass sie jemandem Liebe, Zuneigung, Anerkennung oder Hilfe verweigert haben – mögen die Gründe auch noch so legitim gewesen sein. Es tut uns weh. Wenn wir nicht geben, was jemand braucht, verletzen wir uns selbst. In der Realität aber spüren wir nur dessen Verletzung, dessen Einsamkeit, die fremde Angst. Und natürlich war diese schon da, bevor wir überhaupt in seinem Leben ankamen. Dennoch ziehen wir uns den Schuh an. Wir machen gern Angelegenheiten wieder gut, die jemand anderes versaut hat. Wir mögen es, Menschen lachen und glücklich zu sehen, sie zu befreien und für ihr Wohl zu sorgen. Es gibt uns Kontrolle über das Leid der Welt und bemächtigt uns, einen Teil zu leisten, auf den sonst jeder sch****.

Der Gedanke, im Leben eines anderen Menschen negative Spuren zu hinterlassen, ist unerträglich. Als würden Scham und Schuld wie eine Lawine auf uns zurollen, versuchen wir liebend gern, alles wieder gerade zu drehen. Verhält sich einer schlecht, machen wir es wieder gut. Ist jemand einem Monster begegnet, sind wir da und tätscheln die Schulter. Ist jemand einsam, sind wir da und verbringen Zeit und schenken Zuneigung. Je einsamer unser Gegenüber, desto schmerzlicher wird es für uns, wenn wir nicht handeln.

 

Wenn wir die Einsamkeit eines Anderen spüren, wird es unerträglich

Als Autorin des Buches “Über die Kunst, allein zu sein” weiß ich, wie schwer Einsamkeit wiegt und wie drastisch sie sich anfühlt. Ich kann im Detail erklären, wie ich mich in einsamen Zeiten fühle und verhalte. Und ich weiß aus dem FF, wie sich andere fühlen und wie schwer es für mich auszuhalten ist, wenn sie unter ihrem Getrenntsein leiden. Überhaupt denke ich im tiefen Inneren, dass es nichts Schlimmeres für einen Empathen gibt, als einen anderen Menschen einsam und leidend zu sehen. In meinen Augen ist Einsamkeit verletzender und krankheitsverursachender als jeder Virus und jedes Bakterium, schlimmer als der Tod. Weil es so viel schwerer fällt, Einsamkeit hinter sich zu lassen und es so viel weniger Möglichkeiten gibt, offiziell Hilfe zu bekommen. Niemand sitzt vor seinem Arzt und sagt: “Ich bin einsam.” Es ist erstaunlicherweise selbstverständlich, dass wir alle für unser Wohl und unseren sozialen Kontakte allein zu sorgen haben. Und obwohl Einsamkeit die schlimmste Seuche unter allen ist und meiner Meinung nach das größte Übel und die eine Ursache für alle Leiden, tun wir sie ab.

Empathen können das spüren – wenn jemand versucht, seine Schmerzen zu überspielen, wenn jemand Nahestehendes oder jemand im Herzen einsam ist – egal, wie viele Tausende von Kilometer derjenige von uns entfernt ist. Und auch, wenn wir jemanden aus tiefstem Herzen lieben, auch wenn wir nie mit demjenigen zusammen sein könnten, können wir seine Gefühle, seine Einsamkeit spüren und sie sehr leicht mit unseren eigenen verwechseln. Das führt bei einigen meiner Klienten und Klientinnen bis in die Sucht und Selbstverletzung. Weil sie es einfach nicht aushalten – die fremden Gefühle. Sie versuchen sie stattdessen zu verdrängen und oft gelingt das besser, wenn sie Mittel der Dissoziation wählen – also solche, die ihnen erlauben, sich abgegrenzt davon wahrzunehmen, die Realität eher wie einen Traum wahrzunehmen. Weil es ihnen einfach wehtut, wenn sie wissen, dass sie für jemanden hätten da sein können, es aber nicht waren – nichts tun können, weil sie es nicht wollen – aus Selbstschutz. An sich selbst zu denken, was ja nicht nur normal, sondern auch ein Teil der gesunden Psychohygiene ist, wird plötzlich zu einem Versagen und charakterlichen Fehler.

Ganz besonders, wenn sie denjenigen mochten, aber nur nicht mit seiner Gefühlswelt zurechtkamen, wirkt sich die Welt des Anderen dramatisch auf ihr Gewissen aus. Wir Empathen haben hohe moralische Werte. Wir haben eine Gutmensch-Attitüde, die viele zum K****** finden. Aber so ist es einfach. So what.

 

Der eine Mensch, den ich selbst nach zwei Jahrzehnten noch täglich spüre

einsamkeit eines anderen spürenIch kann die volle Geschichte leider nicht erzählen, weil ich nicht ausschließen kann, dass er meinen Blog liest und ich ihm nicht zu nahe treten möchte. Aber so viel sei gesagt: Ich kenne ihn von früher und habe 20 Jahre nicht an ihn gedacht. Ich habe mein Leben gelebt – bis zu diesem einen Tag, an dem ich wieder aus heiterem Himmel an ihn denken musste. Und ihn schließlich mit meiner Intuition auch fand. Es war genau so wie oben beschrieben – er war einsam, ich fühlte mich schuldig wegen früher und ich wäre am liebsten in die Bresche gesprungen, aber mein Selbsterhaltungstrieb hielt mich davon ab. So ließ ich ihn wieder zurück und obwohl ich in mir weiß, dass es richtig war, trauere ich dennoch, weil ich nicht da war, als er mich brauchte.

Ich denke bis heute an ihn und kann die Gefühle kaum steuern, die zu mir herüberschwappen. Ich wünschte, ich könnte sie abstellen, aber es fällt schon schwer, sie überhaupt von meinen abzugrenzen. Keine Ahnung, ob er an mich denkt oder mich unbewusst oder bewusst beschuldigt, aber seine Gefühle sind da. Bis ich gemerkt habe, dass die Gefühle von ihm kommen und nicht von mir, vergeht schon eine gewisse Zeit. In dieser Zeit bin ich sehr destruktiv und habe das tiefe Gefühl, mir etwas zu geben und so viel Genuss wie möglich zu erleben. Ich drehe so richtig hoch und komme an einen Punkt, an dem ich IHN und MICH abgrenzend bemerke. Dann – und erst dann – kann ich die Grenze spüren und vollziehe sie auch. Aber bis dahin…puh.

So einen Menschen haben wir Empathen und auch Normal-Empathischen alle. Die neuen Menschen kommen nur in unser Leben, weil wir etwas Altes wiedergutmachen wollen. Für Empathen aber ist es besonders schlimm und weitragend – bis hin zur Aufopferung (die natürlich nur nach hinten losgehen kann!).

 

Die einzige Lösung, um sich davon zu befreien, ist…

…sich selbst zu vergeben und zu reflektieren, was man kann und was einem schadet. Es ist traurig, ja, zu wissen, dass das eigene Wohl zum Unwohl eines Anderen führt. Dennoch ist es wichtig, dass sich JEDER MENSCH selbst als einen betrachtet: Mensch zu sein heißt nun einmal, Fehler zu machen und nicht die ganze Zeit nur für andere zu wirken, sondern seine Seele zu füttern. Man muss für sich da sein und einstehen. Tut man das nicht, wird man zwangsläufig krank, weil man sich nicht mehr spürt.

verzeihen empathen vergeben dankbarkeitNur Empathen, die Selbstabgrenzung trainiert haben, können täglich für und wegen anderen Personen wirken. Nur die, die genau hinsehen und sich kennen, können unendlich geben, ohne zu leiden. Aber der Großteil leidet unter der erzwungenen und nötigen Aufmerksamkeit, die ihnen entzogen wird – besonders deshalb, weil Empathen so viel Aufmerksamkeit und Zuwendung sich selbst gegenüber benötigen. Um gesund zu bleiben und Frieden in sich zu spüren, müssen sie sich abgrenzen und für sich selbst wirken. Wird ihnen das verwehrt, weil die Aufmerksamkeit zu jemand anderen hingeht, dann geben sie Energie ab, die sie selbst für sich brauchen. Haben sie aber keine Energie mehr, dann fühlen sie das auch. Nicht nur ihre eigene Energielosigkeit wird dann problematisch, sondern auch die plötzliche Fülle des Anderen, der sich zumeist abwendet – weil er ja gefüttert wurde mit einer Energie, die nicht seine war. Darunter leiden Empathen noch mehr. Fehlende Dankbarkeit. Es scheint wie ein Teufelskreis.

Deshalb ist der Ausbruch – die Lösung – Vergebung sich selbst gegenüber, Dankbarkeit für die Zeichen, Lektion und nötige Wende und vor allem Vertrauen, dass es derjenige auch ohne einen schaffen wird.

Wie man die Gefühle des Anderen loswird, fragst du dich sicher.

Meiner Meinung nach ist der erste Schritt, anzuerkennen, dass derjenige in uns ist, eine Verbindung zu uns herstellt und wir eine zu ihm haben – auch mit Grund und Notwendigkeit, weil Wachstum, das nötig und sichtbar durch ihn wurde. Als zweiten Schritt verankere ich Vertrauen in das Gelingen von allem, was gelingen soll – auch in die Wirksamkeit desjenigen. Wenn er es schaffen will, glücklich werden möchte, wird er es werden – auch ohne uns. Das ist seine Verantwortung. Als Drittes sehe ich definitiv die Einsicht, dass wir keiner Fügung unterliegen. Wir sind in unserer Empathie austauschbar. Wem wir unsere Energie und Liebe schenken, entscheiden wir. Aber wenn wir jemanden füttern, dann sollten wir das nur aus Liebe tun, nicht aus Mitleid. Mitleid und Mitgefühl zu unterscheiden, so zeigte es kürzlich eine Studie der Berkeley Universität, ist entscheidend. Mitgefühl führt zu gutem Bewusstsein und Abgrenzungsvermögen, wohingegen Mitleid zu Gefühlen der Angst und Depression führe.

Auch wenn Selbstvergebung die größte Kunst ist, so glaube ich felsenfest, dass gerade Empathen die Kunst meistern können – wenn sie sich erlauben, für sich da zu sein und eben nicht alles zu müssen, nicht in die Isolation zu gehen, sondern sich mit geradem Rücken durchzusetzen und zu ihren Entscheidungen zu stehen – ganz ohne schlechtes Gewissen.

Ich freue mich, wenn du mich wissen lässt, was deine Geschichte ist und wie es dir mit deinem einen Menschen geht – und seinen Gefühlen, die zu dir herüberkommen.

Mit den besten Wünschen für dich,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Intuition: Wie intuitive Menschen sind (und was Empathie damit zu tun hat)

Intuition: Wie intuitive Menschen sind (und was Empathie damit zu tun hat)

 

Intuition galt früher als ein überlebenswichtiger Mechanismus, um zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können. Viele kennen Intuition durch das berühmte Bauchgefühl. Aus unerklärlichen Gründen wissen wir instinktiv und intuitiv, dass wir X machen oder lassen sollten – in Form von Geistesblitzen und Vorahnungen. Intuition ist damit die Fähigkeit, ohne über etwas eingehend nachzudenken oder Zusammenhänge durch äußere Anhaltspunkte zu erkennen, einfach “zu wissen”. Intuition lässt sich deshalb leicht mit Empathie verwechseln. Doch während Empathie die kognitive und emotionale Fähigkeit darstellt, wie ein menschlicher Schwamm die Energien (und damit auch Gefühle, Gedanken und Meinungen anderer Personen) aufzusaugen und selbst zu fühlen, ist Intuition die praktische, oftmals ausagierte Empathie. Sie bedeutet auch die Fähigkeit, instinktiv nicht nur andere Emotionen, sondern zusätzlich Situationen zu erfassen. Intuitiv-empathische Menschen stellen eine (wenn nicht die wichtigste) Kategorie der Empathen dar.

Da ich in den vergangenen Monaten/Jahren viel über Empathie und Hochsensibilität geschrieben habe, möchte ich im Folgenden gern die Eigenschaften intuitiv-empathischer Menschen darlegen, um die Themen zu ergänzen/abzugrenzen. Ich bin mir wie immer sicher, dass sich Dutzende darin wiederfinden werden – und so mehr zu ihrem Selbstverständnis beitragen können.

 

Intuition: Was es ist und was Empathie damit zu tun hat

intuition intuitive menschenIntuition ist nötig, um Empathie umsichtig empfinden zu können. Sie ist ein wichtiger Grundstein unseres Einfühlungsvermögens und unserer emotionalen Intelligenz. Einige sagen sogar, Intuition sei gleichzusetzen mit emotionaler Intelligenz. Andere sagen, Empathie sei die Grundlage jeder Intuition. (Es erscheint mir hier wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei.) Dennoch ist es in meinen Augen irreführend, zu sagen, dass jeder Empath automatisch ein stark intuitiver Mensch sei.

In letzter Zeit (vorwiegend im amerikanischen Raum) wird jedoch oft von den intuitiven Empathen oder Intuitiven gesprochen: Gemeint sind Menschen, die schnell und konkret fassbar fühlen, was andere fühlen – sei es offen sichtbare oder verborgene Gefühle. Es handelt sich nicht nur um Launen, Unwichtiges oder unausgeprochenes Gezanke. Menschen, die intuitiv-empathisch sind, können die Tiefe der anderen Psyche mit ihren Belastungen, Ausmaßen und Konsequenzen spüren, auch solche, die sie lieber nicht fühlen wollen oder die der andere absichtlich verdrängt (oder projiziert). Sie kennen vor allem den Unterschied zwischen fremden und eigenen Emotionen und können den Ursprung der anderen Emotionen instinktiv benennen. Empathen auf der anderen Seite fühlen diese und können sie leicht im Körper identifizieren.

Wir alle unterdrücken die einen oder anderen Gefühle. Menschen vergraben die Wucht der negativen Erlebnisse tief in sich, als Mechanismus der Angstbewältigung. Manche merken deshalb nicht einmal, dass es ihre Gefühle sind und dass sie sie verdrängen. Es sind aber just diese verdrängten Emotionen und Interpretationen vergangener Erlebnisse, die uns krank machen oder in die Isolation schicken. Sie manifestieren sich in unserem Körper. (Wir kennen das von Angst- und Panikstörungen, Depressionen usw.)

Intuitive aber sehen just diese, auch wenn der andere sich dieser Gefühle gar nicht bewusst ist. Bei intuitiven Empathen ist aber auch die Fähigkeit gemeint, Situationen, Märkte und Zusammenhänge – ähnlich wie Gefühle und Gedanken – intuitiv-instinktiv zu erfassen und zu wissen(, weil zu fühlen), was zu tun ist/gebraucht wird/hindert/befreit.

 

Offizielle Definitionen von Intuition

Was sind intuitive Menschen und was unterscheidet sie von anderen, nicht intuitiven Menschen

Intuition bezeichnet im Wesentlichen diese Eigenschaften:

  1. spontanes Handeln aus dem Bauch heraus, keine Erklärungen für sein Handeln haben/finden
  2. Geistesblitze und kreative Eingebungen
  3. schnelle Einsicht in Informationen sowie Zusammenhänge und das Erfassen aller Komponenten mit nachfolgender, beinahe selbstverständlicher “Erkenntnis”
  4. die Fähigkeit, die Gefühle und Bedürfnisse anderer in Sekundenschnelle zu “erspüren”
  5. Einfühlungsvermögen und tiefgreifender Verstand
  6. unbewusste Muster, wie wir die Dinge und Menschen wahrnehmen und interpretieren (und beides zusammenbringen)
  7. der Ursprung jeder Kreativität

 

Intuition und Wissenschaft

intuitive menschen können erlebnisse vorhersehenDer Myers-Briggs-Typenindikator unterscheidet hauptsächlich vier intuitive Typen, als Rahmen dient natürlich erneut die Differenzierung zwischen extrovertierten Intuitiven und introvertierten Intuitiven. Auch bei Intuitiven zeichnet sich ab, wer von Natur aus eher in sich, sensibler oder zurückgezogener lebt und wer den Austausch mit anderen braucht und sucht, aber dennoch eine stark ausgeprägte Intuition besitzt.

Carl Gustav Jung (Freuds Schüler) wiederum formulierte Persönlichkeitstypen, von denen einer der “intuitive Typus” ist. Er unterschied zwischen der abstrakten und konkreten Intuition, wobei die erstere die berühmten Eingebungen darstellen und die letztere “das, was geschehen könnte”, auf ideeller Ebene. Er hielt Intuition im Übrigen für eine der vier Grundpfeiler, überhaupt mental zukünftige Ereignisse “berechnen” zu können. Ich sage bewusst berechnen, da Intuition zwar erstaunlich nach Hellsehen riecht, aber man so gar nicht esoterisch, spirituell oder “psychic” drauf sein muss, um “sie zu haben”. Für Jung aber bedeutete Intuition die Fähigkeit, ein gutes Gespür für sich und für andere zu haben, sowie äußere (materielle) Umstände und Bedürfnisse erspüren zu können.

 

Wie sind intuitive Empathen bzw. intuitiv starke Menschen?

Doch intuitive Menschen teilen noch weitere, bislang eher unbekannte Eigenschaften, die leicht mit der reinen Empathie, Hochsensibilität bzw. Hochsensitivität verwechselt werden können:

  1. was ist intuition und was hat empathie damit zu tunIntuitive tasten Situationen vollständig ab. Bevor sie nicht jede Ecke gedanklich und emotional ergründet haben, alle Perspektiven berücksichtigt und in ihrer Gesamtheit verstanden haben, sind sie nicht zu EINER Meinung bereit. Eben weil sie diese Vorgehensweise haben, können sie zanken und meckern und diskutieren und hören erst auf, wenn sie a) den anderen davon überzeugt haben, dass es mehr als seine Meinung gibt oder b) ihre Prüfung der Situation/des Themas/der Person vollzogen haben und zu einem schlüssigen Ergebnis gekommen sind.
  2. Dementsprechend sind sie perfekte Zukunftsdenker. In ihrem Abtasten der Situationen (neuer Job versus alter, potenzielle Partner, Geldinvestitionen, Chancen zwischenmenschlicher Verbindungen, Risiken innerhalb Gesprächen usw.) prüfen sie und “lesen” so wahrscheinliche oder mögliche Ausgänge ab. All das addieren sie zu Möglichkeiten und Schwächen, Stärken und Risiken, die wiederum ihre Entscheidungen oder Handlungsempfehlungen begründen.
  3. So planen sie auch ihre Zukunft. Sie betrachten alle Optionen und setzen sich entsprechend Ziele für die kommenden Jahre. Indem sie so vorgehen, sind sie aber auch Menschen, die höchst anpassungsfähig und flexibel sind. Sie sind eben bereits im Voraus auf alles/vieles vorbereitet. Sie haben die Umgebung/Situation/Person eingehend studiert. Sie sind große Träumer, Denker, Entwickler und leben oft in der Zukunft, um ihr eigenes großes Bild von der Welt/dem Leben zu erfüllen.
  4. Sie vertrauen dem, was sie spüren und denken, nicht etwa dem, was sie spüren und denken sollen. Dementsprechend sind sie antiautoritär und mögen fremde, diktierte Regeln und Verhaltensvorschriften oder soziale, wirtschaftliche, unternehmerische Werte weniger als die, die sie für “stimmig” erachten. Wenn jemand sagt, XYZ müsse so und nicht anders umgesetzt werden oder “man” würde das eben so machen, führt das bei Intuitiven nur zur Eröffnung von Diskussionen und Ablehnung. Sie wollen genau wissen, wieso derjenige das so sieht. Fehlen aber Argumente, spürt der Intuitive Machtmissbrauch oder egoistische, narzisstische  Tendenzen, hat man es als Anderer nicht gerade leicht. Sie vertrauen Autoritäten und Führungskräften nicht per se, nur weil diese eine entsprechende Position innehaben. Sie sehen sie nicht als unfehlbar, nur weil sie in der Führungsetage sitzen oder einen bestimmten Status erreicht haben.
  5. Damit ist auch klar, dass Intuitive sehr gute Analytiker sind, und beizeiten so ziemlich alles interpretieren und überanalysieren. Das liegt daran, dass sie sich – wenn sie eine Entscheidung treffen müssen – von ihrem Ego-Blickwinkel distanzieren und so alles betrachten, was es zu betrachten gilt. So garantieren sie größtmögliche Sicherheit für das (beste) Handeln.
  6. Das wiederum begründet, dass sie kleinste Veränderungen in Situationen/Personen wahrnehmen und gedanklich in die Vergangenheit und Zukunft “reisen”, um die Ursachen und Lösungen zu finden. Sie merken sich entsprechend viel und können oft ganze Sätze im Nachhinein zitieren oder sagen, wie eine Situation minütlich ablief.
  7. Andersartige Gedanken ziehen sie an. Sie mögen deshalb auch das Unkonventionelle, das Übernatürliche, Unerklärliche, Abnormale. Sie studieren gern “solche” nicht-normalen Welten und können sich ganz hineinfallen lassen, denn das “Normale” ist ihnen viel zu langweilig. Haben sie eine Sache verstanden und erspürt, beginnt bei vielen die Langeweile.
  8. Daher liegt es nahe, dass sie unzählige, scheinbar unvereinbare Interessen haben. Vor allem lieben sie es, diese scheinbar unvereinbaren Umständen miteinander zu verknüpfen. Ähnlich wie bei Hochbegabten, haben sie die Fähigkeiten, Muster aus verschiedenen Theorien und Disziplinen zu verbinden. Sie erkennen Querverbindungen und Zusammenhänge.
  9. intuition intuitive menschen spüren die gefühle und bedürfnisse andererSie erkennen, wie erneut auch bei den anderen Gruppen, unauthentische Menschen auf einen Blick. Sie sind Lügendetektoren. Sie erkennen, wer wahrhaftig ist und wer nur seine Interessen befriedigt sehen will. Sie verabscheuen Fremdbedürfnisse, wenn die Gruppeninteressen verletzt würden. Sie sind soziale Verfechter. Sie sind soziale Fürsorger. Sie gehen gegen jedwede einseitige und manipulative Verhaltensweise anderer mit intuitiver und eiskalter Weise vor. Bei solchen Menschen spüren sie nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Sie sind ja ohnehin von den Gefühlen und Gedanken des anderen “beeinflusst”; nicht nur von positiven. Bei negativen aber spielen sie sie gegen den anderen aus – zum Wohle aller.
  10. Sie hassen, wie Hochsensible, Hochbegabte und Empathen, oberflächliche Gespräche. Je qualitativ hochwertiger die Gespräche sind, desto eher sind sie in ihrem Element. Alles andere langweilt sie zutiefst. Fluchtreflexe bei prestige-status-ego-bezogenen Menschen sind sehr häufig.
  11. Sie haben damit einen hohen Gerechtigkeitssinn. Auch Selbstgerechtigkeit spielt bei ihnen eine wichtige Rolle. Deshalb findet man sie eher selten in traditionellen Strukturen. Sie sind kreativ, freiberuflich, selbstständig, Single oder leben in einer weniger konventionellen Beziehung oder mindestens in einer, die nicht den offiziellen Regeln folgt. Sie haben ihre eigenen Wege und versuchen sie – einmal erkannt, dass es ihnen damit besser geht – auch aufs Ganze auszuleben. Was X, die Familie, die Welt oder der Kunde will, spielt dann nur noch eine untergeordnete Rolle. Auch wenn sie einmal oberflächlich den Angepassten mimen, bedeutet es doch, dass sie hintenrum ihre Wege gehen oder aber planen, wie sie den offiziellen wieder verlassen.
  12. SINN ist ohnehin einer der wichtigsten Pfeiler ihres Leben. Ohne Sinn in allem, was sie tun und nicht tun, tun sie wenig. Dafür benutzen sie hauptsächlich ihre Erfahrung und Wahrnehmung als Straße.
  13. Sie hören eben auf ihre innere Stimme. Für Intuitive spricht sie die innere Wahrheit, die einzige Erkenntnis, die sie brauchen, um ihrer Philosophie folgen zu können.
  14. Viele Menschen nutzen Intuitive, um Zugang zu diesen Fähigkeiten zu haben. Auch das AUS-Nutzen ist leicht möglich, denn Intuitiven wird schnell Vertrauen geschenkt und umgekehrt sind sie schnell in jemandem “drin”. Sie sind gute Zuhörer und Helfer und haben oft Vorschläge und Interpretationen parat. Es dauert nie lang, bis sie Zugang zu anderen bekommen, außer dieser Jemand ist unauthentisch/manipulativ. Dann halten sie sich zurück.

 

Media-Tipps: Dokumentationen zu Intuition/Empathie

Interessierten empfehle ich die ARD-alpha Doku-Serie (bestehend aus 13 Folgen) mit dem Titel “Auf den Spuren der Intuition”:

Folge 1: Intuition entdecken
Folge 2: Was steht der Intuition im Weg?
Folge 3: Die Quellen der Intuition
Folge 4: Wie finden wir zur Intuition?
Folge 5: Empathie als Grundlage der Intuition
Folge 6: Intuition im Miteinander
Folge 7: Der inneren Stimme lauschen
Folge 8: Intuition in der Pädagogik
Folge 9: Intuition in der Arbeitswelt
Folge 10: Intuition als Grundlage der Kreativität
Folge 11: Intuition in den Grenzbereichen der Wahrnehmung
Folge 12: Mit Intuition zur ganzheitlichen Sicht
Folge 13: Mit Intuition die Zukunft gestalten

 

Quellen:

[1] Seite „Intuition“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. April 2017, 07:53 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Intuition&oldid=164982379 (Abgerufen: 7. August 2017)
[2] April Klazema: Intuitive Empath Traits: What you Need to Know. In: Udemy-Blog. 18. Juni 2014. URL: https://blog.udemy.com/intuitive-empath/ (Abgerufen: 7. August 2017)
[3] A conscious rethink: 4 signs you’re an intuitive empath (not just an empath). URL: https://www.aconsciousrethink.com/3854/4-signs-youre-intuitive-empath-not-just-empath/ (Abgerufen: 8. August 2017)
[4] Emotionale Intelligenz (EQ). URL: https://www.bach-blueten-portal.de/bachblueten-blog/emotionale-intelligenz-eq/ (Abgerufen: 7. August 2017)