Mediation: Wann sie helfen kann und wann nicht

Mediation: Wann sie helfen kann und wann nicht

 

Seit einiger Zeit ist Mediation in aller Munde, wenn es darum, Konflikte im beruflichen Bereich beizulegen. Wenn es mit den Kollegen einfach nicht funktioniert oder sich zwei Parteien nicht einigen können, kann Mediation Wunder bewirken, so die Weinheimer Mediatorin und Familientherapeutin Terry Ann Larsen. Im Gespräch mit ihr befragte ich sie über die allgemeinen Chancen einer Mediation, wie man am Arbeitsplatz Mediation nutzen kann und wann sie definitiv scheitern würde.

 

Hallo Frau Larsen. Sie arbeiten als Mediatorin. Was genau kann man sich unter Mediation vorstellen?

Mediation ist eine Möglichkeit, Konflikte kreativ, individuell und eigenständig mit Hilfe einer neutralen, außenstehenden, unparteilichen Person (dem Mediator) zu lösen. Der Mediator vermittelt zwischen den Parteien bzw. er gibt dem Gespräch einen Rahmen, hält die Unterhaltung der Betroffenen im Fluss und deeskaliert die Situation, wenn es nötig ist. Die Vorschläge zu einvernehmlichen Lösungen werden von den Parteien in das Gespräch eingebracht.

 

Welche Chancen bringt Mediation?

Bei einer Mediation wird eine Win-Win-Lösung angestrebt, mit der sich die Parteien identifizieren können und sich keiner benachteiligt fühlt. Einvernehmen steht im Vordergrund, wodurch die Beziehung der Beteiligten erhalten und fortgeführt werden kann, da die Interessen beider Parteien berücksichtigt werden. Die Betroffenen können selbst handeln und eigene kreative Lösungen finden, z. B. können emotionale und wirtschaftliche Verhältnisse besser berücksichtigt werden. Die Mediation hat hohe Einigungs- und Erfolgschancen. Dies wiederum führt bei den Beteiligten zu weniger Stress und mehr Zeit, sich um wesentliche Angelegenheiten, wie z. B. innere Ausgeglichenheit, Gesundheit und Zukunftsperspektiven zu kümmern.

 

Es gibt doch sicher auch Situationen oder Umstände, in denen selbst die beste Mediation versagen würde. Welche Bedingungen müssen grundsätzlich erfüllt sein, damit eine Mediation wirken kann?

Beide Parteien sollten gesprächs- und kompromissbereit sein.

 

Sagen wir einmal, ich wäre ein geplagter Angestellter, der ganz dringend einen Konflikt mit einem Kollegen aus dem Weg räumen möchte, aber bislang im Alleingang nichts bewirken könnte. Wie kann ich als Arbeitnehmer Sie als Mediatorin gewinnen? Muss ich da zuerst mit meinem Vorgesetzten sprechen oder komme ich direkt zu Ihnen?

In diesem Fall müssen Sie zuerst mit ihrem Vorgesetzten sprechen, da dieser, wenn er der Chef des Betriebes ist, das Hausrecht hat und zustimmen muss, dass eine Mediatorin den Betrieb betreten darf. Lehnt ihr Vorgesetzter, der nicht Chef des Betriebs ist, die Mediation ab, können Sie einen Schritt weiter in der Hierarchieleiter gehen und den Chef auf die Mediation ansprechen. Lehnt der Chef die Mediation ab, können Sie auch privat zur Mediation gehen und sich Tipps geben lassen, wie Sie sich jetzt am besten im Betrieb verhalten sollen. Ist der Vorgesetzte nicht der Chef, muss er diesen aber zuerst fragen. Die Kostenfrage muss zudem geklärt werden.

Handelt es sich aber um einen großen Betrieb mit Personalvertretung, wenden Sie sich an den Personalrat. Vielleicht kann der Konflikt gelöst werden, indem der Personalrat die Position der Mediatorin einnimmt. Gibt es keinen Personalrat, können Sie möglicherweise den Konflikt mit ihrem Vorgesetzten und dem betreffenden Kollegen zusammen lösen. Gibt es keinen Personalrat, der Chef ist überarbeitet und will sich nicht selbst mit der Angelegenheit belasten, könnte er dem Vorschlag einer Mediation zustimmen. Jetzt muss der Chef nur noch Rücksprache mit dem betreffenden Kollegen halten und ihm den Vorschlag der Mediation unterbreiten. Stimmt der Kollege zu, steht der Mediation nichts mehr im Weg.

 

Und was geschieht, wenn der Kollege eine Mediation ablehnen würde?

Stimmt der Kollege dem Vorschlag nicht zu, wird aber per Dienstanweisung zur Mediation gezwungen, steht die Mediation unter schlechten Vorzeichen. Ihr Kollege sperrt sich gegen die Mediation, d. h. er ist zwar gezwungenermaßen körperlich anwesend, nimmt aber nicht am Gespräch teil. Hier kommt es auf das Geschick der Mediatorin an, ob sie Zugang zu Ihrem Kollegen finden kann und ihn zur Mitarbeit motivieren kann. Ich z. B. würde versuchen, ihm zu erklären, dass eine friedliche Beilegung des Konflikts nicht nur zu einem besseren Betriebsklima führt, sondern auch für ihn eine Entlastung ist, da er wieder entspannt arbeiten kann und sich besser auf seine Arbeit konzentrieren kann.

 

Wie lange dauert eine Mediation? Und läuft Sie nach bestimmten Schritten ab?

Die Mediation ist eine wissenschaftliche Methode und läuft in fünf Schritten ab.

  1. Auftragsklärung: Im ersten Schritt werden die formalen Voraussetzungen geregelt. Anschließend bekommen die Beteiligten den Ablauf der Mediation erklärt.
  2. Themensammlung: Im zweiten Schritt wird geklärt, welche Konfliktpunkte bestehen. Es wird also eine Bestandsaufnahme gemacht, um sich ein Bild von der Problematik machen zu können.
  3. Positionen und Interessen bzw. Sichtweisen und Hintergründe werden ausdiskutiert: Im dritten Schritt wird die Reihenfolge der zu bearbeitenden Themen festgelegt, die subjektiven Sichtweisen erörtert und die gemeinsamen Interessen besprochen.
  4. Sammeln von Lösungsvorschlägen und deren Auswertung: Im vierten Schritt werden zuerst die Lösungsvorschläge beider Parteien kommentarlos und wertfrei gesammelt. Anschließend werden zu den einzelnen Punkten der Lösungsvorschläge mit den Beteiligten einvernehmliche Lösungen erarbeitet.
  5. Abschlussvereinbarung: Im fünften Schritt werden die in den vorherigen Schritten erarbeiteten Vereinbarungen nochmals schriftlich festgelegt, um künftige Unstimmigkeiten zu vermeiden. Weiterhin wird vereinbart, falls es trotz der Abschlussvereinbarung wieder zu Problemen kommt, wie diese wieder einvernehmlich geregelt werden können.

Sind die Beteiligten kompromissbereit und für einvernehmliche Lösungen offen, verkürzt sich die Anzahl der Sitzungen. Für eine Mediationssitzung werden 90 bis 120 Minuten eingeplant. In den meisten Fällen kommt nach drei bis fünf Sitzungen eine Abschlussvereinbarung zustande.

 

Lässt sich Mediation auch außerhalb des beruflichen Bereichs anwenden?

Mediation kann in allen Lebensbereichen zur einvernehmlichen Konfliktlösung eingesetzt werden. Hier einige Beispiele:

  • bei Konflikten in der Familie
  • bei Ehe- und Paarproblemen
  • bei Problemen mit Nachbarn
  • bei Schwierigkeiten mit dem Vermieter
  • bei Konflikten in der Schule mit Lehrern, Eltern oder Klassenkameraden
  • bei Trennungs- und Scheidungssituationen
  • bei Umgangsregelung der Kinder
  • bei Erbangelegenheiten
  • bei konkurrierenden Firmen
  • in der Politik

Danke für Ihre Zeit, Frau Larsen!

 

An alle Therapeuten & kassenärztlich anerkannten Helfer: Patienten suchen Sie!

An alle Therapeuten & kassenärztlich anerkannten Helfer: Patienten suchen Sie!

Dies ist ein deutschlandweiter Aufruf an alle

freien Psychotherapeuten, Psychologen, Heilpraktiker und therapeutischen Berufe, die kassenärztlich tätig sein dürfen und kassenfinanziert werden sowie über freie Kapazitäten verfügen,

mich bzw. meine Leser und Leserinnen dabei zu unterstützen, SCHNELL psychologische Hilfe zu bekommen.

 

Patienten suchen & finden: Meine Herausforderung

Ich arbeite auf meinem Blog und in meiner sonstigen Tätigkeit als Autorin, Mentorin, Coach, Entspannungsseminarleiterin und  Schreibtherapeutin. Ich bin nicht kassenanerkannt und darf kein Heilversprechen geben oder in meiner Arbeit suggerieren. Das bringt (und brachte mich) allein in den letzten drei Wochen in die missliche Lage, mehrere (zu viele!) hilfebedürftige Leser und Leserinnen abweisen zu müssen, die mich um eine 1-zu-1-Arbeit gebeten hatten. Da ich sie gesetzlich nicht “therapieren” kann, hängen sie weiterhin in der Luft.

Ich kann nicht in Worte fassen, wie weh es mir tut, meine LeserInnen abweisen zu müssen, ohne ihnen einen Ausweichkontakt zu geben, dem sie vertrauen können.

Sie haben keine Zeit, um monatelang auf Unterstützung zu warten. Ich möchte Ihnen auch keine kostenintensiven Online-Therapie-Angebote nennen, weil ich finde, dass knapp 300 Euro im Monat bei Panikattacken, Angststörungen, Burnout/Depressionen oder anderen Belastungen unangemessen und in Bezug zum Krankengeld der Kassen zu hoch angesetzt sind.

Hier geht es nicht mehr nur um Selbstverwirklichung oder Potenzialentfaltung, Auflösen von Blockaden, wie man es in einem Coaching täte, das diesen Betrag rechtfertigt. Hier geht es um die Präsenz in seinem Leben, das nicht mehr oder nur schwer gelebt werden kann.

Stimmen Sie mit mir in diesen Punkten überein? Falls ja, lesen Sie bitte weiter.

 

Patienten suchen Sie: Bedingungen meiner LeserInnen

Da meine Leserschaft aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit Burnout, Agoraphobie und Panikattacken ganzheitlich informiert ist, ist es wichtig, dass Sie mir in den folgenden, weiteren Punkten ebenso zustimmen:

  • Panik und Angst ist keine Frauensache.
  • Burnout ist keine reine beruflich verursachte Sache.
  • Männer sind nicht einfach “nur gestresst”, wenn sie Panikattacken, Schlappheit, heftige Ängste, Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten oder sonstige Anzeichen von Belastungen zeigen.
  • Medikamente sind mitunter hilfreich, aber niemals die endgültige Lösung.
  • Besonders Ängste und Panik können auch anders als mittels kognitiver Verhaltenstherapie gelöst werden.
  • Patienten brauchen mitunter eine Anlaufzeit, um sich auf herausfordernde Therapiemöglichkeiten (z. B. Konfrontation) einzulassen. Der Mut eines Jeden hat seine Zeit und das wird nicht bewertet.
  • Ängste schaltet man nicht einfach durch “Aber Sie brauchen doch keine Angst zu haben!” aus. Ängste schützen (auch wenn das Schützenswerte fragwürdig sein kann). Ängste decken die eigentliche Ursache. Sie schauen gern dahinter.
  • Sie halten Patienten nicht “krank”, nur um Ihr monatliches Einkommen zu vergrößern/erzielen.
  • Sie arbeiten (auch) telefonisch und/oder via Skype bzw. Facetime.

Sie nehmen Patienten in ihrem ganzen Sein wahr und ernst. Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich in den Worten meiner LeserInnen so “hart” erscheine. Wie bei allen Berufsgruppen gibt es nun einmal welche für’s Töpfchen und solche für’s Kröpfchen.

 

Sie sind interessiert? Dann melden Sie sich bei mir

…und sagen Sie mir bitte auch, ob Sie eventuell folgende Leistungen anbieten (würden):

  • Welche Zusatzleistungen (Hypnose, Körpertherapie, Musik, Kunst, Reiki, Prana, Klang, Licht, Farben usw.) haben Sie integriert?
  • Stehen Sie auch für reine, einmalige Beratungsgespräche zu individuellen Herausforderungen zur Verfügung?
  • Können Sie Impulsgespräche geben, zum Beispiel Notfalltechniken oder Erste-Hilfe-bei-XYZ?
  • Bieten Sie E-Mail- oder WhatsApp-Betreuung an?
  • Bieten Sie auch außerhalb regulärer Öffnungszeiten Unterstützung an, z. B. an Wochenenden?

Meine unentgeltlichen Angebote finden Sie hier im Blog. Für Kooperationen mit Therapeuten und Helfern biete ich zusätzlich seit Dezember 2016 Profilseiten an, die mit einem Backlink zu Ihrer Internetpräsenz versehen sind. Ein Beispiel dieser Profile finden Sie hier: Jojo Weiß >> Hypnosetherapeut und Heilpraktiker (Psych)

Wenn Sie eine Profilseite haben, werden Sie zudem auf meiner Übersichtsseite mit den einzelnen Profilen meiner Helfer mit Herz angezeigt. (Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zur Übersichtsseite.)

Therapeuten Patienten finden Angst Panik Depression Burnout

Die Kosten für die Erstellung der Profilseite betragen 99 Euro zzgl. USt. Das ist ein Unkostenbeitrag für meine Arbeit, bis der Patient/Klient bei Ihnen klingelt. Einmalig. Es wird keine Provision für aufgenommene Klienten/Patienten erhoben. Es gibt keine jährlichen Folgegebühren. Die Zahlung erfolgt im Voraus. Die Lieferung aller nötigen Informationen darf zeitnah geschehen, damit auch meine Umsetzung zeitnah bleibt. Mir geht es um schnelle und effektive Lösungen für meine LeserInnnen.

Danke für Ihre Zeit und Aufmerksamkeit!

Janett Menzel

Sie haben Interesse an einer Zusammenarbeit? Dann melden Sie sich bei mir:

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Die wichtigsten Gründe für Burnout, Angst und Panikattacken

Die wichtigsten Gründe für Burnout, Angst und Panikattacken

 

Es wird oft von Stress gesprochen, wenn wir uns auf die Suche nach Auslösern für Angst, Burnout und Panikattacken machen. Doch woher dieser Stress rührt, meint die eine wahre Ursache, die zu innerer Hektik, Getriebensein und Enge führt, bleibt oft unbeachtet. Da ich mich ja selbst mit diesen Themen auseinandersetzen musste, möchte ich im Folgenden gern die wichtigsten Ursachen verdeutlichen.

Sie sind greifbar und erlauben dir, dich einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

 

Die wichtigsten Gründe/Auslöser für Burnout, Angst & Panikattacken

Zu viel drinnen – zu wenig draußen

zu viel drinnen sein nicht draußen sein panikattacken anschluss verlieren isolation angstWir sitzen ja alle viel zu viel und überhaupt sei Sitzen das neue Rauchen. Dennoch verbirgt sich hinter dem Sitzen vor allem eine Gefahr, die ich verheerender finde: Das mehr in den Räumen sein als im Kontakt mit der Natur, an der Frischluft, dem Leben da draußen, dem Teilhaben am Anderen, Kontakt zu Menschen. Dadurch sperren wir uns ein, es nährt Enge in der Brust, es nährt Einsamkeit und das Gefühl, getrennt zu sein, ausgeschlossen und unbeachtet, unwichtig und ohne nährende Kontakte. Es ist einer der wichtigsten Auslöser für Agoraphobie und Panikattacken (wie auch das gegenteilige Extrem, nämlich kein wirkliches, gefühltes “Zuhause” zu haben, keinen Halt in einem geschützten Raum zu haben oder zu spüren). Wir alle brauchen sichere Rückzugsorte, die bestenfalls lärmfrei, giftfrei und ohne emotionale Störquellen beschaffen sind. Wer in seinen Räumen (und auch als Symbol seines Inneren) keine Sicherheit spürt, “nur noch weg will”, der hat seine Grundlage für Panikattacken – bis hin zu Depressionen, in denen man –  metaphorisch gesprochen – am besten gar nichts mehr spürt, weil man sonst nur Leere oder tiefe Trauer fände, handeln müsste, ausbrechen müsste.

Im umgekehrten Fall ist das Außen, draußen sein, mit sich und der Welt, den Geräuschen, ein Ausgleich, der nötig wird, wenn man das Außen zu lange vernachlässigt hat. Agoraphobie, soziale Ängste, Panikattacken und Burnout zum Beispiel werden nicht besser, wenn man drinnen und mit sich allein bleibt. Im Gegenteil: Es ist das neue Lernen des Außen und des Umgangs damit, die Konfrontation und Gewöhnung, ein neues Vertrauen zu lernen, das die Symptome bessert.

 

Deine Aufmerksamkeit ist fehlgeleitet und führt daher zu einem Ungleichgewicht

Deine Energie richtet sich auf andere, zu sehr auf andere. Die Aufmerksamkeit, die du deinen Lieben, Mitmenschen, Kollegen und Freunden schenkst ist im Verhältnis zu der, die du dir schenkst, aus dem Gleichgewicht geraten. Auch ist es möglich, dass du zu sehr den Fokus auf das Leben der Anderen richtest, ihren Situationen und Herausforderungen, Bedürfnisse und Ängste. Du möchtest sie zufriedenstellen, sie beruhigen, da sein, es ihnen rechtmachen, für Harmonie sorgen oder was auch immer deine Motivation ist. Doch der Preis dafür ist – je verstärkter du das machst – irgendwann zu hoch. Damit geht der Blick auf dich und dein Leben, deine Gefühle und Bedürfnisse zwangsweise verloren. Je mehr du dich in deinem Leben von dir entfernst, desto mehr wird das Überlebenssystem in dir anspringen, auf AN stehen bleiben, rebellieren und dich durch Angst und Panikattacken warnen – im Notfall sogar in eine Starre bringen (Angststörung, Panikstörung, Depression, Burnout), damit du mit anderen kaum mehr Kontakt haben kannst (darfst) und dich nur noch dir widmen kannst.

 

Zu viel Input, zu wenig Output

zu viel input zu wenig output reize außen panikattacken angstGegenüber einem meiner Kollegen nannte ich das einmal “zu viel von zu wenig”-Syndrom. Damit meine ich diese Lebensweise: Tun wir zu viel von dem, was uns zu wenig zurückgibt, uns Energie nimmt, aber nicht schenkt, landen wir täglich in einem Mangelverhältnis und hantieren nur noch mit dem Wenigen, das uns übrigbleibt.

Stellen wir uns unser Leben und unsere Energie als ein mit Flüssigkeit gefülltes Glas vor: Je mehr wir an Flüssigkeit brauchen, ohne sie wieder aufzufüllen, desto schneller kommen wir in einen sehr niedrigen Bereich, in dem kaum mehr Ressourcen (also Flüssigkeit) zur Verfügung steht. Haben wir nichts gegen das Leerende gegenzuhalten, was das Glas wieder auffüllt, wird es kritisch für die Aufrechterhaltung unseres Lebens. Je mehr wir also etwas tun, was wir nicht wollen, was uns keinen Sinn stiftet, uns verletzt, aussaugt und ängstigt, desto mehr ziehen wir genau das in unser Leben. Gegenzuhalten bedeutet also etwas ins Leben zu holen (und zwar schnell), was uns wieder füllt. Keineswegs meint das, dass wir losrennen und uns einen anderen Menschen suchen, der uns wieder “heilmacht” mit seiner Energie, Aufmerksamkeit und Zuwendung. Das eine mit demselben zu vergelten, schädigt nur einen weiteren Menschen.

Gemeint sind Werte, die in Aktivitäten, mit den Lieben und Freunden oder neuen Menschen ausgelebt werden können: Das kann vom Kontaktherstellen zur männlichen und/oder weiblichen Seite, der bedingungslosen Liebe von Kindern oder Tieren, dem Kontakt zu seinem Körper durch Sport oder Bewegung bis hin zum Nähren des Geistes durch neue, spannende Themen (Literaturwelten, Weiterbildung, eigene Spiritualität usw.), der Verbindung zu seiner kreativen Seite oder andere, nährende Möglichkeiten reichen. Hauptsache, es erfüllt dich und erlaubt dir, dass du dich wieder fühlen kannst.

 

Unterbrochenwerden

Wer in seinem eigenen Leben zu einem Springer wird, also stets, wenn andere rufen, springen (muss/will/glaubt zu müssen), wird nicht nur in seinem Zeiterleben unterbrochen, wodurch er das Gefühl bekommt, er hätte für sich keine ausreichende Zeit zur Regenerierung oder um in seinem Tempo zu denken, arbeiten, fühlen. Er wird auch in seinen Bedürfnissen unterbrochen, die nötig sind, um im Kontakt mit sich selbst zu bleiben. Das kann zum Beispiel Auszeiten angehen (nur schnell in die Badewanne, bevor… oder ganz schnell einkaufen, bevor… oder nach der Arbeit ganz schnell die Kinder abholen, ohne den Arbeitstag hinter sich lassen zu können). Es kann aber auch die eigenen Leidenschaften betreffen, die in den Hintergrund gerückt werden (müssen/sollen), eben obwohl sie einen nähren und wertvolle Energie zur Regenerierung spenden.

Es müssen zwingend – wenn wir ohne Angst, Depressionen und Panik leben wollen, eigene werte- und sinnstiftende Zeiten in Ruhe ausgelebt werden können. Sollte das schwierig sein, muss man sich auf die Suche nach Unterstützung machen, gegebenenfalls Aktivitäten/Bitten verneinen, den Job wechseln, jemanden für die Kinder oder den Haushalt engagieren, sich aufteilen mit der Betreuung der Kinder oder andere Lösungsstrategien. Aber ein “Es geht nicht!” gibt es nicht. Das steht für deinen Körper nicht zur Debatte, wenn sich Angst und Panikattacken breitgemacht haben.

 

Unterdrückte oder offensichtliche Einsamkeit

wie du deine angst allein zu sein überwinden kannstVon der Flucht vor Leere durch Arbeit, Alkohol, Sport, Sex oder andere Kompensationen bis zur inneren Verneinung/Abwehr einer nötigen Veränderung (lieber eine angenehme, erwartete Rolle spielen, Flucht vor sich und seinen Herausforderungen aus Angst vor den Konsequenzen): Einsamkeit zeigt sich auf vielfältige Weise und ist in meinen Augen die Ursache für alle psychischen Belastungen. Häufig wird sie durch den Verlust von geliebten Menschen hervorgerufen (Tod, Umzug, Auszug der Kinder). Aber auch fehlende Werte in seinem täglichen Leben oder verlorengegangene Werte führen oft zu einem Gefühl des Überwältigtseins durch das leere Nichts. Keine Zuwendung, keine Teilhabe, keine Wertschätzung, nicht gebraucht werden, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit: Selbst in Partnerschaften oder im Beruf sind wir nicht vor Einsamkeit gefeit.

Was hilft, ist entweder das Aussöhnen mit den Umständen, durch Vergebung und Neuverbindung mit dem, was einst Halt und Sinn verlieh. Oder man stellt sich der Herausforderung und löst das “Problem”, in dem man sich (aus dem Umstand) löst. Lösen heißt auch, die Angst vor Einsamkeit oder vor Verletzungen loszulassen. Viele geraten in die Einsamkeit durch Isolation, weil sie meinten, diese würde sie vor Verletzungen schützen. Aber auch Passivität, also das Warten darauf, dass von allein etwas geschieht, ohne dass man etwas tun muss, man gefunden würde oder das Glück vor der Tür stünde, kann einsam machen. Sich nicht zu trauen, ist selten ein funktionierender Weg aus der Einsamkeit. Ob man seine Einsamkeit für sicher hält, erkennt man leicht daran, ob man bei Gelegenheiten, die einem gefallen würden/könnten, dann doch einen Rückzieher macht und vermeintliche Gründe sucht, wieso etwas “nicht geht”.

Wir waren alle einmal da. Auch ich. Als Autorin des Buches “Über die Kunst, allein zu sein” empfehle ich dir in diesem Fall mein Buch zu lesen.

Mit den besten Wünschen,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Das Gefängnis unseres Lebens: Wie uns Gefühle zu Insassen machen

Das Gefängnis unseres Lebens: Wie uns Gefühle zu Insassen machen

 

Jeder von uns hat sein eigenes, selbstgemachtes Gefängnis, zum Beispiel in einem Land namens Angst. Manchmal ist es unser Zuhause, in dem wir zu oft hocken, weil wir nicht wissen, wohin wir gehen sollen, draußen keinen Sinn haben oder uns der Familie verpflichtet fühlen. Oder es ist der Job, von dem wir uns vermeintlich nicht losreißen können, in dem wir gebraucht, und nur wir, gebraucht werden, weil ohnehin niemand sonst uns ersetzen könnte. Bei anderen ist es die ausgediente Beziehung, die schon lange nur noch lieblos ist und nicht mehr erfüllt, von der man sich aber nicht trennen kann, weil man zu viele Jahre, Energie, Geld oder Gene investiert hat. Oder es ist eine alte Liebe, die wir nicht loslassen wollen, weil sie so viel schöner war als die Realität, in der wir nicht nach jemand Vergleichbarem suchen möchten. Für viele von uns ist es Geld, weil man nur mit viel Geld angeblich alles erreichen könnte, wir uns in unserer Haut wohler, weil vermeintlich überlegen und gewollter fühlen. Eine trügerische Sicherheit erwarten wir in unseren Gefängnissen.

 

Aus Angst: Ein unfreies Leben in einem vermeintlich sicheren Gefängnis

Ausbruch aus dem Gefängnis angstTag für Tag hocken wir in unseren Zellen und sind froh, überhaupt etwas unser Eigen zu nennen, ein Platz, den wir selbst gebaut haben, den wir für uns beanspruchen können. Wie wirkliche Inhaftierte gewöhnen wir uns mit der Zeit an dieses unfreie Leben immer mehr. Was uns spüren lässt, nichts sei so schlimm, wie es aussieht, sind die Freigänge, Hafturlaube oder Fluchtpläne, die nie umgesetzt werden. Einige Gefängnisse sind Hochsicherheitsgefängnisse, Gebäude, aus denen man vermeintlich nie wieder fliehen könnte. Andere gleichen einem offenen Strafvollzug, in dem man langsam lernt, zu sich und einem selbstverantwortlichen Leben zurückzukommen.

Angst, Neid, Zorn, Perfektionismus, Trauer, Schuld und Scham sind solche Gefängnisse. Sie halten uns gefangen. Im Gegensatz zu wahrhaftigen Straftätern haben wir freiwillig Einsitzenden aber nichts Schlimmes getan. Wir müssen weder leiden noch unsere Schuld absitzen. Es gibt nur dann Strafen, wenn wir sie uns selbst auferlegen. Unsere vermeintlichen Untaten interpretierten wir allein als „boshaft“ oder wir ließen andere über uns richten. Ein unnötiges Urteil über uns selbst. Es ist Verrat an uns und unserem Wert.

Unsere gedanklichen Gefängnisse sind nicht so konstruiert, wie wir wirklich sind. Sie gleichen dem, was wir gelernt haben. Deshalb erscheinen uns ihre Mauern unüberwindbar, weil sie mit dreifachem Stacheldraht anderer versehen sind. Schwer bewaffnete Wärter sitzen in hohen Türmen und lassen ihre grellen Scheinwerfer minütlich in alle Himmelsrichtungen wandern, um jeden noch so gut geplanten Ausbruch schon im Keim zu ersticken. Und selbst, wenn es die Wachmänner nicht gäbe, so warten noch immer die blutrünstigen Hunde vor den Toren, hinter den Mauern – überall dort, wo man sie nicht erwartet, wenn man denkt: „Ich hab’s geschafft!“.

 

Kann ein Ausbruch aus unserem gedanklichen Gefängnis gelingen?

Liebe zur Natur Liebe zum Meer Doch wie die Geschichte der Welt uns zeigt, schafften es so manche Häftlinge aus den „sichersten“ Gefängnissen der Welt. Sie beobachteten die Vorgänge, Zeiten, Reaktionen, Insassen, Wärter, Konstruktionen der Zellen und des Gebäudes an sich, wogen ihre Möglichkeiten ab, entschieden sich für einen Fluchtweg und planten minutiös ihre Schritte. Andere wiederum warteten geduldig, zeigten sich reuig und wurden schlussendlich begnadigt. Wiederum andere hielten bis zum Tag ihrer Entlassung durch.

Was wir nicht erkennen, ist, dass wir nicht nur unser Gefängnis selbst erbaut haben. Wir sind auch der Chef aller Wärter, Wachmänner und Ingenieure, bezahlen die Putzkräfte, die die Flure reinigen und füttern die Hunde vor den Toren unserer Freiheit.

Und trotzdem glauben wir, wir wären gefangen und hätten kein Mitspracherecht. Dabei sitzen wir ganz freiwillig ein. Stell dir das vor: Du hast extra Menschen beauftragt, dich festzuhalten und vom Leben abzuhalten. Du bezahlst sie mit deiner Seele und deinen Gedanken, briefst sie monatlich, wie sie im Falle von X und Y reagieren sollen. Sie behandeln dich so, weil du es ihnen so als Anweisung aufgetragen hast. Wir arbeiten mit unseren Angestellten Angst, Zorn, Neid, Eifersucht, Perfektionismus, Gier, Trauer, Schuld und Scham schon so viele Jahre. Sie mögen ihren Job. Sie machen ihn saugut und vor allem fühlen sie sich unwohl mit der Aussicht auf Arbeitslosigkeit. Aber: Wir brauchen die Angestellten unseres Lebens nicht fragen, ob sie uns bitte begnadigen, befreien oder freiwillig fliehen lassen. Sie würden es ohnehin verneinen.

 

Verbinde dich mit deiner ureigenen, freien, selbstbestimmten Energie

Ausbruch aus Gefängnis namens Angst Eifersucht Gier Geld Macht Trauer Schuld SchamViele wissen nicht (und mir ging es genauso), wo sie anfangen sollen. Der Ausbruch scheint zu überwältigend. Wie viel man zurücklassen muss, wen man alles verletzen würde und wie sehr man selbst verletzt würde…all die Jahre, die vielleicht auch Gutes brachten, das Geld, was investiert wurde, die viele Mühe, die man sich gab, damit es funktioniert. Zweifel sind – wie bei wahrhaft Inhaftierten auch – normal. Natürlich lohnt es sich, alle Ecke gedanklich abzutasten. Der Trick besteht darin, sich klarzukommen, dass es Gefühle sind, die uns einsitzen lassen. Es ist kein Mensch, kein Kind, kein Familienangehöriger, kein Geld oder sonstiges. Es gibt für alles eine Lösung – und für vieles auch Ersatz. Ein Job kann durch einen anderen ersetzt werden, wie auch eine Wohnung oder ein Haus, einen Monat Öffentliche statt dem Auto usw. Wir brauchen keine Angst vor anfänglichen Zweifeln haben, weil schon ein Schritt uns genügen wird. Selbst wenn Angst diesen Schritt begleitet, so können wir jederzeit bewusst und konsequent Lösungen suchen. Die Lösung ist aber nie, alles zu belassen, wie es ist oder in einer Situation zu bleiben, aus der wir dringend herauswollen.

Die Lösung ist vielmehr: Frage niemanden um Erlaubnis. Fälle deine Entscheidung und teile sie mit. Sozusagen: Entlasse alle Angestellten (deine Gefühle). Löse alle Verträge auf (alte Versprechen oder Seelenverträge). Sichere die Daten (Merke dir, was du gelernt hast und vor allem, wann Gefühle wie Angst usw. zuschlagen). Gib den Abriss des Gebäudes in Auftrag (Gehe trotzdem in deine gewünschte Richtung.). Öffne deine Zelle, geh den Gang hinaus auf den Rasen, auf das Tor zu, öffne sie und streichele die Hunde (Mache eine Schritt nach dem nächsten.). Du weißt genau, wie. Immerhin hast du sie dressiert. Erinnere dich daran. Wähle deine Stärken für deine Entscheidung und ihre Umsetzung, statt Zweifel, Ängste usw.

 

Wie ich ausbrach

Ich handelte in Gegensätzen: Ich tat das Gegenteil von dem, was mich in mein Gefängnis der Angst geführt hatte (viel drinnen, schweigen, denken, “müssen”, wenig zurückerhalten). Wollte ich dringend geliebt werden, ließ ich das Gefühl des Nichtgeliebtwerdens zu. Ich setzte mich damit auseinander. Fühlte ich den Drang nach finanzieller Sicherheit, konfrontierte ich mich mit meiner Angst, unsicher und von einem Tag auf den nächsten zu leben – ohne zu wissen, was kommen würde. Ich hörte auf, Pläne zu schmieden. Als ich Haltlosigkeit spürte, suchte ich bewusst jene Energie, die die Spiri-Szene das Sein nennt: nichts wollen, weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft leben. Ich lernte das Sein im Hier und Jetzt. Wollte ich dringend meine Angst unterdrücken, ließ ich sie zu. Hatte ich Bange vor dem Außen, ging ich nach außen und teilte dort mein Inneres – wie auch Pema Chödrön es in ihrem Buch sagt: “Geh an die Orte, die du fürchtest“.

Und so ging ich einfach. Es ist unser Gefängnis. Wir entscheiden, dass wir dort einsitzen, was uns dort erwartet, wie lange wir dort verbleiben und ob wir uns selbst aus der Haft entlassen.

Alles Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Burnout: Bist du emotional erschöpft & ausgebrannt? (mit Test)

Burnout: Bist du emotional erschöpft & ausgebrannt? (mit Test)

 

Burnout ist eine besondere Sache. Es gibt keine einheitliche Definition, was ein Burnout ist, wie er entsteht, welche Symptome ihn signalisieren. Manche Wissenschaftler bestreiten sogar, dass es ihn gibt. Viele Ärzte verstehen unter der Diagnose jedoch einen Zustand physischer und seelischer Erschöpfung. Er entsteht durch lange Zeit anhaltende, negative Gefühle, die sich in der Berufstätigkeit, im Privatleben und im Selbstbild des Menschen entwickeln. Man ist im wahrsten Sinne des Wortes: ausgebrannt.

 

Burnout: Wie es zum Ausgebranntsein kommen kann

Einige Wissenschaftler verstehen unter dem Burnout eher einen Sinn-Verlust und einen Mangel an positiven Emotionen. Der kann entstehen, wenn sich der eigene Anspruch nicht mit den realen Möglichkeiten oder Ressourcen deckt.

eher Männer in beruflichen Situationen bei BurnoutDas zeigt sich ihrer nach Meinung darin, dass häufig Symptome eines Burnout bei Personen auftreten, die in pflegenden oder helfenden Berufen arbeiten und damit emotional überfordert sind. Doch dieses Muster beschränkt sich nicht auf den Beruf: Auch Menschen, die gern helfen oder glauben, helfen zu müssen, um fremden Ansprüchen gerecht zu werden, leiden verhältnismäßig oft unter emotionaler Erschöpfung. Ihnen wird dann alles zu viel.

Ein Burnout bezieht sich nicht nur auf berufliche, sondern auch auf private Situationen, die auslaugend erlebt werden. Es trifft einfach “nur” viel öfter die engagierten und leidenschaftlichen Menschen. Frauen sind dabei überdurchschnittlich oft von privaten Situationen überfordert, wohingegen sich bei Männern der klassische Berufsbezug eher zeigt.

Doch, ob Frau oder Mann: Ein Burnout trifft vermehrt zwei Persönlichkeitstypen.

Zum einen sind es Personen mit einem eher schwach ausgebildeten Selbstbewusstsein, die sich angepasst und passiv wohler fühlen. Der andere Typ ist sehr dynamisch, zielstrebig und ehrgeizig. Er verfügt über viel Energie und Idealismus und zeigt ein überdurchschnittliches Engagement bei der Arbeit oder bei gesellschaftlichen Aufgaben. Beide Typen sind sehr unterschiedlich.

Ihre Gemeinsamkeit liegt in ihrer Schwierigkeit, a) Gefühle auszudrücken und b) in dem Wunsch nach Anerkennung.

Für eine dritte Gruppe von Wissenschaftlern ist nicht die Persönlichkeit oder der Beruf ausschlaggebend. Vielmehr sind die Umstände, die die Person vorfindet, ursächlich für den Burnout:

  • Schlechte Arbeitsbedingungen,
  • wenig eigene Gestaltungsmöglichkeiten,
  • kaum Unterstützung und Lob
  • kaum emotionaler Rückhalt,
  • zu viele und zu schwere Aufgaben,
  • ungenügende Ausbildung (Aufgaben nicht erfüllen können),
  • und ungesunder Stress, der sich auch körperlich zeigte, aber ignoriert wurde,

wären demnach die Hauptauslöser eines Burnout.

 

Die Phasen eines Burnouts

Phasen des BurnoutsBurnout ist ein schleichender Prozess, der lange und in mehreren Phasen der Erschöpfung verläuft. (Weiter unten im Artikel findest du den Bezug zu nicht-beruflichen Situationen, de sich besonders häufig bei Frauen zeigt.) Die Entwicklung und Symptomatik erkläre ich am “gestandenen” Modell, der beruflichen Überforderung.

Die trifft überdurchschnittlich viele Männer, aber auch Frauen, die Karriere machen wollen bzw. für ihren Beruf (und seinen Sinn) leben (oft Weltverbesserer). Bei ihnen ist aufgrund der Belastung die Stress-Hormon-Achse aus dem Gleichgewicht geraten; ein handfestes Erschöpfungssyndrom hat sich entwickelt. Es fehlt vorwiegend das Stresshormon Cortisol, was die Müdigkeit und Mattheit erzeugt, und die Glückshormone Serotonin und Dopamin.

Häufig spüren die Betroffenen zuerst ein Gefühl der Unlust ihrer beruflichen Tätigkeit gegenüber, die sie früher nicht kannten. Sie gehen nicht mehr gern zur Arbeit, haben immer häufiger das Gefühl, ihre Aufgaben gar nicht mehr erfüllen zu können. Am Anfang versuchen sie, die Defizite, die sie spüren, mit noch mehr Einsatz, mit der Verleugnung eigener Bedürfnisse und Interessen, mit der Verdrängung von Misserfolgen zu kompensieren und Probleme auszublenden.

Später kommt es zu einem Mangel an Energie (fehlendes Stresshormon Cortisol), zu Ratlosigkeit, zu Fehlern bei der Arbeit, zu Stress, zu Schlaflosigkeit und zur Anfälligkeit für verschiedene Krankheiten wie zum Beispiel chronische Kopfschmerzen, Migräne und Magenbeschwerden. Auch Infektionen und Allergien treten auf. In dieser Phase schwindet der Idealismus, den gerade Burnout empfindliche Personen haben, völlig. Die Betroffenen fühlen sich ungerecht behandelt, zu wenig wertgeschätzt und unterdrückt. Klassisch tritt hier die Montags- und Sonntagabend-Demotivation auf, also die latente, innere Abwehr bei dem Gedanken an die Arbeit bzw. Situation.

Manche geben daran allen anderen die Schuld, andere eher sich selbst. Mangelnde Motivation, innere Unruhe, das Gefühl, keine Zeit und keinen Raum für sich zu haben, sich gefangen fühlen, Kraftlosigkeit allein beim Gedanken an bestimmte Aufgaben: All diese Symptome deuten auf einen Erschöpfungszustand hin.

Im ersten Fall kommt es zur Aggression (andere sind schuld), im zweiten zur Depression (ich bin schuld). In beiden Fällen folgt der emotionale Rückzug, und zur Aufgabe von Hobbys. Aber auch körperliche Symptome treten jetzt vermehrt auf. Sie finden nicht mehr ausreichend Schlaf, leiden unter hohem Blutdruck und Herzbeschwerden. Auch Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, sexuelle Störungen, Muskelverspannungen und erhöhter Alkohol-, Nikotin- oder Tabletten-Konsum können auftreten.

Im letzten Burnout-Stadium haben die Betroffenen das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und geraten sehr häufig in eine Depression.

 

Weitere Risikofaktoren für einen Burnout

  • chronische Zweifel am Sinn der eigenen Tätigkeit/SituationRückzug aus dem Freundeskreis bei Burnout
  • zu hoch gesteckte Ziele
  • Schwierigkeiten, Kritik auszuhalten
  • Schwierigkeiten, konstruktive Kritik als Hilfestellung zu erkennen
  • Schwierigkeiten, um Hilfe zu bitten
  • Schwierigkeiten, Problematische offen anzusprechen
  • Schwierigkeiten, Forderungen zu stellen
  • Schwierigkeiten in der Definition und Gewichtung von “Gut” und “Böse” (Wenn ich x tue, geschieht y. X ist zwar besser für mich, aber könnte andere dazu verleiten, dass sie mich nicht mehr mögen oder ich schlechter dastehe als vorher. Deshalb vermeide ich x und finde Gründe, wieso es besser ist, x nicht zu tun. Stattdessen dulde ich meine Unzufriedenheit.)
  • emotionale Abhängigkeit von einer ganz bestimmten, selbst gewählten Rolle, die mit der Realität oft nicht übereinstimmt
  • ein hoher Gerechtigkeitssinn
  • fehlende Autonomie/Mitgestaltungsrecht (in der ausbrennenden Situation)
  • zu hohe Anforderungen (starker Druck und Leistungsforderungen durch andere, z. B. Vorgesetzte, Familienmitglieder, Kunden, Mitarbeiter, Hilfebedürftige, Welt- und Sinndruck)
  • ungenügende Belohnung
  • fehlende immaterielle Anerkennung
  • bürokratische Hemmnisse
  • fehlende soziale Unterstützung durch Familie und Freunde

Weitere Ursachen, Warnsymptome und Risikofaktoren für Burnout >>

 

Die Symptome eines Burnouts

  • keine psychischen, mentalen Kapazitäten mehr
  • mangelnde Motivation, Konzentration sowie Interesse
  • (chronische) Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit (dumpfes Gefühl, wie taub)
  • keine Verantwortung mehr tragen können
  • keine “Lust” mehr
  • innere Unruhe, leichte Reizbarkeit
  • Gefühl von Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit
  • starke Selbstzweifel
  • Versagensängste bei Fremdansprüchen
  • hilflose Gefühle (Macht- und Wehrlosigkeit), vermeintlich fehlende Eigenwirksamkeit: keine Chance zur Veränderung sehen
  • schlechte Gedächtnisleistung
  • Ärger und innere Aggressionen (bei Forderungen anderer, richtet sich vorwiegend gegen einen selbst)
  • Schlafstörungen (beim Einschlafen und Durchschlafen)
  • Depressionen
  • Panikattacken
  • Angstzustände
  • starke Stimmungsschwankungen
  • Muskelverspannungen (meist im Bereich des Kopfes, der Schultern, des Nackens und Rückens)
  • Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall, plötzliche Nahrungsunverträglichkeiten)
  • Schwindelgefühle
  • Herz-Kreislauf-Probleme (Herzrasen, Blutdruckprobleme)
  • Anfälligkeit für Infekte aller Art
  • Verschlimmerung von Allergien
  • Tinnitus und Hörsturz
  • frei gewählte Isolation und Rückzug von vormals freudvollen Aktivitäten
  • u. v. m.

Die Symptome eines Burnouts sind von denen einer Depression nur sehr schwer zu unterscheiden.

 

Wie lässt sich ein Burnout Syndrom behandeln?

Ist die Diagnose zweifelsfrei bestätigt (z. B. wie mit im Video erwähnten Speicheltest der Stress-Hormon-Achse oder die Messung der Neurotransmitter im Urin), kann es an die Behandlung gehen. Vor allem sollte der Gedanke, wie Robert Betz es ausdrückt, “immer nur leisten, damit andere zufrieden sind”, hinterfragt und geändert werden. Man muss lernen, wieder das Leben zu genießen und nährende Auszeiten zu schaffen.

was gegen burnout tun behandlung und wieder glücklich werdenDie deutliche Veränderung im bisherigen Leben ist zwar die schwerste, aber beste Behandlung. Wie Dr. Bieger im Video erklärt, ist es essentiell wichtig, “die Lebensbedingungen zu überprüfen und die Rahmenbedingungen, aus denen der Burnout entstand, zu verändern”. Eine berufliche Neuorientierung, ein Arbeitsplatzwechsel, ein neues Hobby, ein funktionierendes soziales Netz, Unterstützung durch Partner, Eltern, Kinder und Freunde sowie mehr Ruhe können den Prozess oft noch stoppen.

Eine Therapie hilft, Strategien für die Verarbeitung von Stress, seelischer Belastung und zu hohen Anforderungen zu entwickeln, unter anderem mit dem Beginn von:

  • Meditation
  • Sport
  • Bewegung
  • Yoga
  • Hobbys und Leidenschaften ausüben

Haben sich schon Depressionen ausgeprägt, braucht der Betroffene umfassendere Hilfe, ggf. durch Medikamente, Psychotherapie und andere Behandlungsformen. Auch die Zufuhr von Aminosäuren kann helfen, um das fehlende Serotonin wieder zu stabilisieren.

Fest steht, dass nicht wenige Menschen in ihrem Leben mindestens einmal eine völlige körperliche und emotionale Erschöpfung erleiden. Die Frage, “Habe ich tatsächlich einen Burnout?” ist dabei nur individuell zu beantworten.

Unter Zuhilfenahme meines Burnout Test können Betroffene versuchen, ihre Symptome zu ordnen und sich so etwas mehr Klarheit zu verschaffen. Wenn sich der Verdacht auf die Diagnose erhärtet, sollte unbedingt ein (Fach)Arzt die Behandlung übernehmen.

 

Burnout Test: Prüfe deine Gefährdung und Beschwerden

Der nachfolgende Selbsttest ist nur ein Anhaltspunkt und stellt keine Diagnose dar. Er ist angelehnt an wissenschaftlich erprobte Tests, um die Burnout-Gefährdung herauszufinden.

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Zeigen deine Ergebnisse eine behandlungswürdige Burnout-Belastung? Der Klinikfinder bietet Betroffenen weiterführende Informationen und kann dir helfen, eine geeignete Klinik in deiner Umgebung zu finden >>

 

Entspannt statt ausgebrannt – Im Gespräch mit Robert Betz

Das Expertengespräch mit Robert Betz ist sehr interessant. In dem Video liefert er wertvolle Hinweise und Handlungsimpulse, wie man in ausgebrannten Zeiten etwas für sich und seine Gesundheit tun kann: zum YouTube-Video