Angst und Panik loswerden: Tipps und was du unbedingt wissen musst

Angst und Panik loswerden: Tipps und was du unbedingt wissen musst

 

Als ich schon mehr als zwei Jahren keine Panikattacken mehr hatte und auch meine Agoraphobie überwunden hatte, hatte ich einen kurzen Moment der Angst vor der Angst. Ich hatte mich mit meinem damaligen Partner heftig in den Haaren gehabt. Das führte zu einer ähnlich heftigen Stressreaktion, wie ich sie in Situationen der Angst und Panik erlebt hatte. Bei meiner ersten Panikattacke hatte ich alle wohl bekannten Symptome von Herzrasen, Schluckbeschwerden, weiche Knie, Enge in der Brust, Verdauungsstörungen, Muskelschmerzen und vieles mehr. Aber darüber hinaus erlebte ich noch eine körperliche Empfindung, die selten in Verbindung mit Angst und Panikattacken erwähnt wird: Ich hatte das Gefühl, als ob mir jemand aus dem Inneren meines Kopfes mit einem Hammer gegen die Schädeldecke schlägt. Der Schlag fühlte sich so echt an, dass ich dachte – berechtigterweise -, etwas würde mit meinem Gehirn nicht stimmen. Also suchte ich das ganze Internet ab, um herauszufinden, auf welche Ursache dieses Symptom zurückzuführen war. Ich war nicht auf der Suche nach einer Krankheit. Ich wollte nur wissen, was gerade mit mir geschehen war oder was ich getan hatte, um diese körperliche Empfindung hervorzurufen. Wie immer, wenn man im Internet Symptome googelt, stellt man spätestens bei der dritten Seite fest, dass man entweder bereits halb tot ist oder kurz davor. Aber ich fand keine medizinische Erklärung, die lautete: Panikattacke oder Panikstörung. Nirgends tauchte exzessives Grübeln und dadurch entstehender Spannungskopfschmerz durch anhaltenden Stress auf. Auch der Neurologe, den ich auf Rat meiner Allgemeinmedizinerin aufsuchte, bestätigte mir beste Gehirngesundheit.

Es sind oft die einfachsten Dinge, die wir vergessen zu erwähnen, zu sehen, zu leben und zu verstehen. So wie ich noch nie auch nur ein Wort im Blog über dieses eine Symptom verloren habe. Und das obwohl es der eine Grund war, wieso ich diese Website als Projekt ins Leben rief: Weil ich wollte, dass Menschen, die es ebenso erlebt hatten, eine Antwort fanden.

 

Integrale (ganzheitliche) oder funktionale Therapie? Was ich heute über Angst und Panikattacken weiß

In meinen Augen sind Angst und Panik nur Reaktionen, Muster, auf etwas Einfaches, das sie lieber verdrängen oder schönreden, weil alles andere – nämlich die reine, pure Wahrheit – unbequeme Konsequenzen nach sich zöge. Konsequenzen sind Veränderungen und denen stehen alle Menschen mit Verzagen gegenüber.

Mir half meine selbst bezahlte Gesprächstherapie kurzfristig nicht. Doch ich war keine der Auserwählten, die einen Therapieplatz für Verhaltenstherapie erhalten hatte. Mittel- und langfristig war die Gesprächstherapie dafür das Beste, was mir hätte passieren können. Heute bin ich dankbar dafür. Ich hätte auch zu große Angst gehabt, mich meiner Angst in einer Verhaltenstherapie stellen zu müssen. Das lag auf der einen Seite daran, dass ich meine Angst brauchte, um mein Leben so weiterleben zu können, wie es war. Auf der anderen Seite war der Gedanke, dass ich wieder „funktional“ gemacht würde, grausam und erschreckend. Genau das hielt ich nämlich für „meine Ursache“, gepaart mit hormonellen und ernährungsbezogenen Aspekten, die häufig bei Frauen Angst, Panik und Depressionen (in allen Formen) auslösen.

Während der Gesprächstherapie wurde mir zwar auf beste Weise mein Kopf und bestehende Strukturen zurechtgerückt. Aber ich musste selbst an meiner Panik und Angst arbeiten. Ich musste das Prinzip der Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit neu erkennen und umsetzen. Niemand nahm mich an die Hand, ging mit mir spazieren oder wäre da gewesen, wenn ich eine Panikattacke gehabt hätte. Ich war nicht in einer Klinik und nahm auch keine Medikamente. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keinen Partner und die wenigen Freunde, die zu mir gehalten hatten, wollte ich nicht belasten. Ich wollte niemanden merken lassen, dass ich plötzlich wieder vier Jahre jung war und nicht allein einkaufen gehen konnte. Auch wenn ich all das bis heute nicht bereue, so brachte es doch einige Herausforderungen mit sich, zum Beispiel, was ich alles nicht wusste, weil es mir niemand sagte: Aspekte, die ich gern in einem Buch gelesen hätte, bevor ich mich auf den Weg aus meiner Angst und Panik heraus mache.

 

Was muss ich wissen, wenn ich Angst und Panikattacken habe?

Erstens: Angst ist oftmals (wenn nicht spezifisch) diffus und setzt sich fest, irgendwo im Körper. Eine Attacke ist wie der graue, dunkle Himmel vor dem eigentlichen Gewitter. Was die Menschen mit Attacken spüren, ist nur der schwarze Himmel. Das Gewitter bleibt sehr häufig aus – wie üblich in der Natur. Heißt: Die Attacke kommt meistens nicht. Der dunkle Himmel weist nur darauf hin, dass sich dein seelisches Wetter gerade verschlechtert hat, z. B. nach zu viel Hitze (zu viel emotionalen, psychischen, körperlichen Stress, verursacht durch X).

Zweitens: Das menschliche Gehirn reagiert nicht mit Angst, um uns eine reinzuhauen oder weil wir etwas falsch gemacht haben. Es reagiert so, um uns zu schützen. Das ist der Sinn des Gehirns: Schutz des Lebens. Dafür ergreift es Maßnahmen, die hart und eindringlich genug sind, damit der Mensch und sein Körper verdammt nochmal reagiert. Wäre eine Panik- oder Angstattacke wie ein zartes, duftendes Röschen ohne Dornen, würdest du lächeln und weiterhin machen, was dein Leben oder Überleben in dem Konstrukt, das du Leben nennst, gefährdet. Eine wahre Gefahr besteht übrigens nicht nur, wenn wir auf die vielbefahrene, vierspurige Autobahn rennen. Eine Gefahr ist es für unser Gehirn auch dann, wenn bestehende Meinungen (Denkmuster) infrage gestellt werden, die wiederum einen wichtigen Wert in unserem Leben anzweifeln, bedrohen oder uns vor etwas Unbequemes, Lästiges oder Schmerzhaftes stellen, womit wir nicht umgehen gelernt haben. Unsere Gedanken lösen Gefühle aus, die wiederum unser Verhalten lenken können. Wir können diese Muster jederzeit verlernen, aber in dem Moment der Angst wissen wir nichts davon. Unser Gehirn reagiert einfach entsprechend und sagt: STOPP! Das darf jetzt nicht sein, denn sonst müsstest du deine Meinung, deine Einstellung, deine Gedanken ändern. Haderst du auch nur kurz damit, werde ich (dein Gehirn) weiter dagegen angehen und versuchen, dich auf meine Seite zu ziehen – dort, wo du geschützt und sicher bist, ohne etwas ändern zu müssen.

Wir haben alle gelernt, individuell, was für uns sicher und deshalb wertvoll ist. Es sind einstudierte, etwas Wichtiges aufrechterhaltene, Lektionen, z. B. Harmonie, Teilsein/Zugehörigkeit, Bedeutung, Sinn usw. Das haben wir gelernt, weil wir nicht wussten, wie wir mit dem Verlust eines Wertes und die daraus entstehenden Gefühle umgehen sollen. Wenn uns unsere Eltern oder ihre Situationen Angst gemacht haben und sie uns nicht beigebracht haben, damit umzugehen (mit der Situation und mit dem Gefühl in uns), dann wissen wir es nicht besser. Dasselbe lässt sich auf andere Lebensbereiche und -herausforderungen beziehen.

Drittens: Wie häufig im Leben, geben wir bei schlimmen Erfahrungen entweder uns selbst die Schuld oder anderen. Wir konstruieren selten Mischvarianten aus ungünstigen Umständen oder Fehlentscheidungen – geschweige denn geben wir zu, dass die Tatsache, dass wir eben keine Entscheidung getroffen haben, die Ursache für eine Herausforderung war. Was meine ich mit bequem? Es ist bequem, in einer Beziehung, die sich nicht mehr erfüllt anfühlt, zu bleiben oder nichts zu ändern, statt durch die Trennungsphase zu gehen, neu anzufangen oder mit dem Partner ernsthafte und ehrliche, wiederauflebende Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Es ist bequem, den ganzen Tag über den Arbeitsgeber zu meckern, statt sich unter das arbeitssuchende Volk zu mischen, Dutzende Bewerbungen zu schreiben, in der Hoffnung, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden und eventuell mehrmals abgelehnt zu werden.

Die Gefühle, die gegenteilige, mutige Entscheidungen auslösen, sind unbequem. Sie bedeuten Schmerz, Versagen, Reue, Neid, Angst und Ungewissheit, um nur einige zu nennen. Für manche bedeuten sie auch Schuld und Scham – große Leitgefühle, die Angst zu vermeiden versucht.

Viertens: Je nachdem, wie und ob wir gelernt haben, mit unbequemen Gefühlen umzugehen, gestaltet sich unsere Reaktionskette. Normal läuft es so ab, dass wir etwas denken, oft hervorgerufen durch einen unbemerkten Gefühlsimpuls, der zu bestimmten Gedanken führt, die uns wiederum zu entsprechenden Handlungen veranlassen oder uns davon abhalten. Dementsprechende Ergebnisse – positiver oder negativer Natur – werden in unserem Leben sichtbar. Ich zum Beispiel war ein Mensch, der, wenn etwas nicht funktionierte oder ich einmalig Kritik oder Verachtung für etwas erfuhr, es sofort niederlegte und nie wieder tat. Ich hinterfragte nicht die anderen, die eventuell überreagiert oder weniger Kompetenz hatten oder denen ich unabsichtlich auf die Füße getreten war, weswegen sie mit Verachtung feuerten, um ihre eigene Angst abzuwehren. Ich hinterfragte auch mich nicht, konnte eigene Fehler nicht eingestehen, wollte nicht „noch mehr machen müssen“, hatte keine Geduld, keinen Glauben, wusste nichts über Lernprozesse.

ganzheitliche therapie oder funktionale therapieHeute weiß ich, dass meine Entscheidungen aufgrund der Reaktionen anderer auf mein Verhalten und Denken völliger Blödsinn waren. Wenn man nur bedenkt, wie viele Menschen es mit wie vielen unterschiedlichen Meinungen auf der Welt gibt! Es hätte gut und gern sein können, dass niemanden genau das, was X kritisiert hatte, aufgefallen wäre oder es nicht kritisch gesehen hätte oder nichts dazu gesagt hätte, es sogar gefallen hätte. Aber mein nicht erlernter Umgang mit Fehlern und Kritik führte damals dazu, dass ich dieses Reaktionsmuster abspulte. Dadurch verhinderte ich auch die erwünschten Ergebnisse in meinem Leben. Als Ergebnis hatte ich stattdessen viele angefangene Projekte, viele Ideen, die nie zum Leben erwachten, viele Meinungen, die ich für mich behielt, minder gute, eher übergriffige und fremdgesteuerte Verbindungen, viele Eigenschaften und Talente, die ich ebenso verheimlichte – nur aus Angst vor Kritik und Ablehnung. Ablehnung bedeutete: keine Zugehörigkeit, keinen Sinn, keine Bedeutung, keine Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Macht jedem Angst, der ein Herz hat.

Fünftens: Je mehr Angst man hat, desto mehr ändert sich deine Frequenz, deine Energie. Angst ist eine sehr starke und überwältigende Energie. Anfangs sind es kleine Funken wie die eines Lagerfeuers. Aber, wenn nur genug Stroh in der Nähe liegt, wird es nicht lange dauern, mit jedem neuen Funken, der springt, bis sich das Stroh lichterloh entfacht. So ist es auch bei Angst und Panik: Es wird zur Explosion kommen bzw., wie ich immer sage, zur Implosion. Es wird durch die anhaltende Angst, den Stress, dem dein System ausgesetzt ist, so unendlich viel Energie produziert und nicht freigelassen, dass diese irgendwo gebunkert wird. Im Körper. Im Geist. Im Herzen. In der Seele. Irgendwo muss sie hin. Deshalb: Sei vorsichtig, was du denkst. Überlege dir während deiner Grübeleien genau, ob du einen mentalen Waldbrand riskieren willst. Du solltest ihn nur dann riskieren, wenn du damit umgehen kannst. Jeder negative Gedanke ist so ein Funke, der alle anderen Gedanken entfachen kann, um mit ihm gesunde Fläche des Lebens zu verbrennen.

Ich hatte zweimal Agoraphobie mit Panik und zwei weitere Episoden mit ausschließlichen Panikattacken, die einmal kamen und dann wieder verschwanden. Wenn ich eins weiß, dann: Halte deine anderen Gedanken sauber. Komme nicht auf die Idee, dass Attacken oder psychische Belastungen ewig bleiben würden. Verliere nie deine hoffnungsvollen Gedanken, nie deine dankbaren für den Rest deines Lebens und der Menschen darin. Verliere nie deinen Mut und nie deine Selbstwirksamkeit, so angeschlagen sie auch sein mag.

Sechstens: Alles hat zwei Seiten. Auch Angst und Panik. Es gibt Situationen, in denen Angst sinnig ist und welche, in denen Angst nur eine Reaktion, ein gewohntes Reaktionsmuster auf etwas ist. (Mehr dazu in Punkt 7.)

Siebtens: Der eingangs erwähnte, nicht erlernte Umgang mit unbequemen Gefühlen wird deshalb gern mit anderen Gefühlen ersetzt. In der Psychologie spricht man dann von Ersatzgefühlen. Viele Menschen reagieren zum Beispiel mit Verachtung, wenn sie sich verletzt fühlen. Manchmal sind wir aber auch wütend und reagieren statt mit offener Wut mit stiller Angst. Gefühle, wenn wir sie nicht fühlen wollen, springen also gern über. Wut finden wir häufig in solchen Ersatzmomenten, besonders, wenn wir verletzt werden. Statt zu weinen oder unsere Traurigkeit über die Verletzung auszudrücken, brüllen wir oder werfen Kaffeetassen an die Wand. Viele sagen nicht: „Du hast mich verletzt. Du tust mir gerade weh. Hör auf damit!“ Auch zeigen sie keine Schwäche oder Verwundbarkeit. Sie verbieten sich stattdessen ihre Verletzlichkeit und demonstrieren mit (offener oder stiller) Wut z. B. ihre Härte, ihre Stärke, ihre Unverwundbarkeit und gehen in die Offensive. Sie entziehen demjenigen die Sympathie, schlagen zurück oder behaupten sich lautstark. Wut ist eben eines der wirksamsten Instrumente der Selbstbehauptung – außer, sie richtet sich gegen dich selbst, wenn du still wütend bist, ohne die Energie herauszulassen, z. B. weil du Angst vor deiner Wut und ihren Konsequenzen hast.

Sei achtsam und bewusst im Umgang mit dir und deinem Leben. Verarsche dich nicht selbst. Manchmal sind eiskalte, aber klare Worte an sich selbst der beste und leichteste Weg, um wieder zurück zu seinem wahren Ich zu kommen.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Erfolg auf dem Weg raus aus deiner Angst und Panik!

Janett

 

Welcher Lebensbereich löst Angst in dir aus? Finde deine wahre Belastung

Welcher Lebensbereich löst Angst in dir aus? Finde deine wahre Belastung

Dieser Beitrag ist Teil 2 des Artikels Was, wenn starke Angst ein Aufruf zu Veränderung und Rückzug ist?

Womit fotografierst du? Nimm dir dein Mobiltelefon oder deine Kamera bzw. die Menschen vor, die in bestimmten Situationen Fotos von dir gemacht haben, und sie sie dir an. Siehst du mit deinen Freunden, deinem Partner, deiner Familie oder deinen Kollegen glücklich aus? Schau dir auch die Fotos an, die du von anderen gemacht hast: Welche Gefühle steigen in dir auf, wenn du sie anschaust? Oder siehst du deren befreiende/entlastende Gefühle, weil du dich um ihr Glück kümmerst? Spürst du, dass du dich mit deren Glück nicht wohlfühlst? Oder entlastet es dich, DASS du sie glücklich machen kannst und bist deshalb ebenfalls glücklich? Oder merkst du positive, beglückende Gefühle nur auf Selfies?

Ich habe in meinen damaligen Zeiten stets entgegengesetzte Gefühle gespürt, ambivalente Gefühle. Waren andere glücklich, aber sah ich nicht so aus bzw. fühlte ich mich abgestoßen von deren Zufriedenheit oder kam Verachtung, Missgunst oder der Impuls des Nicht-Teil-sein-Wollens in mir hoch, wusste ich: Ich will da nicht hingehören. Ich fühle mich nicht nur nicht zugehörig. Ich hatte, auch den Drang, mich nicht mehr um deren Zufriedenheit (einseitig) auf meine Kosten zu kümmern.

Der Fairness halber möchte ich anmerken: Wir können uns auch ungut oder nicht zugehörig fühlen, obwohl wir jeden Grund dazu hätten. Aber dann gilt es zu hinterfragen,

  • wozu (nicht warum!) wir nicht dazugehören wollen
  • Welche Gründe gibt es, dass dieser soziale Raum dir nicht gibt, was du dir wünschst?
  • Gewinnen nur die anderen an Wohl dazu, aber du nicht oder zu wenig?
  • Was hindert dich am eigenen Wohl?
  • Kannst du das, was dir geschenkt wird (falls du etwas erhältst, was dir Wert stiftet), nur nicht anerkennen, die Liebe annehmen, dich lieben lassen oder gibt es triftige Gründe deines Unwohlseins?

Es ist nicht weit hergeholt, dass viele kämpfen müssen, sich stets ungenügend und nicht gut genug fühlen müssen, um sich beweisen zu können. Sie spielen dann etwas, was sie in der Kindheit/Jugend/ersten autonomen Lebensjahren erfuhren, nach. Sie wiederholen es, um den Moment der Genugtuung zu erfahren, wenn sie es geschafft haben, sich zu beweisen. Ihr Kampf ist der Beweis, dass sie es wert sind, geliebt, gesehen und gehört zu werden, Teil sein zu dürfen. Kommt es ihnen einfach so zuteil, erscheint es in ihren Augen zu leicht, zu unglaubhaft, um wahr zu sein. So war es ja noch nie vorher. Wieso sollten ausgerechnet sie jetzt vom Gott, Universum, Zufall reich beschenkt werden, wenn es nicht einmal ihre Eltern, ersten Partner, Freunde oder X konnten? Das kann nicht sein. Hier kann etwas nicht stimmen. (Angst kommt auch dann, wenn solche Verhaltens- und Denkmuster existieren, die wegmüssen.)

 

Der menschliche Drang, dazuzugehören und akzeptiert, anerkannt und wertgeschätzt zu werden

Zugehörigkeit und soziale Kontakte sind wichtig, aber nur dann gesund, wenn sie unsere Gesundheit durch Ausgeglichenheit fördernAber warum versuchen wir so sehr, uns anzupassen? Weil Zugehörigkeit und sozialer Kontakt uns oft wichtiger ist, als der Kontakt zu unserem wahren Ich. (Wissenschaftlich wurde auch bewiesen, dass soziale Kontakt die Gesundheit fördern und Krankheiten in ihrer Entstehung lindern.) Doch sozialer Kontakt und Teilsein sind nur dann gesund, wenn sie unsere Ausgeglichenheit fördern statt mindern. Das ist vielen nicht bewusst, weil sie Alleinsein (und damit verbunden) Einsamkeit fürchten.

Wir alle zielen darauf ab, Teil von etwas zu sein, das Sicherheit und Harmonie in allen Gefilden des Lebens aufrechterhält. Wir tendieren dazu, so und so zu sein oder unreflektiert zu tun, was andere von uns erwarten. Nur die, die dagegen steuern und Nein sagen, nehmen sich raus aus der Rechnung (und bekommen sehr oft noch die Schuld dafür).

Wenn ich meine Panik-Episoden hatte, habe ich mich (die ersten drei Male) distanziert – von allem und jedem. Ergebnis: Die Episoden waren sofort weg oder nach wenigen Wochen vorbei. Nicht einmal die „Schuld“, die mir gegeben wurde, weil ich nicht mehr so sein wollte, wie andere es brauchten, interessierte mich damals. Die Panik wich und das Leben wurde wieder leicht. Einzelne Disziplinen der Psychologie hätten versucht, mein Verhalten in Bezug zur Angst zu verändern und ich wäre danach wieder in dieselben Situationen zurückgekehrt, die erst diese Angst in mir ausgelöst hatten. Meine Reaktion auf den empfundenen Stress (mein inneres Warnsystem) wäre kuriert worden, nicht aber das Problem an sich. Es lag also nur an meinen Reaktionsmustern bei Stress. Nur das eine Mal, als ich mich nicht zurückzog, als ich mich für gestört, abnorm, kindisch und problematisch hielt, an meinem Ich herumdoktorn lassen wollte, blieb die Panik über sieben Monate. Wieso sie dann trotzdem wich?

Weil ich erkannte, dass es nicht mein Verhalten (nicht meine Gedanken, die zu Verhalten wurden) war, was umprogrammiert werden musste, sondern meine Ziele. Sie mussten/durften individuell werden. Ich hatte nämlich keine eigenen. So etwas wie: „Ich will nicht allein sein!“ oder „Ich bleibe Teil einer Unternehmsstruktur, die schändlich mit ihren Mitarbeitern umgeht, weil ich sonst arbeitssuchend würde.“ oder „Ich will die weltbeste Mutter, ambitionierteste Karrierefrau und geliebte Partnerin sein!“ sind keine eigenen Ziele, sondern Abwehr der Angst, etwas falsch zu machen oder „falsch“ zu sein (Schuld und Scham sind dann die Herausforderungen). Wer aber lernt, sich weder schuldig noch beschämt zu fühlen, wenn er seine eigenen Ziele definiert und verfolgt, der wird beide Gefühle nicht mehr wahrnehmen. Wer Ziele hat und sie verfolgt, ist niemals allein, sondern dichter an sich selbst, als so manch anderer. Wer sich herauszieht aus unbewussten Unternehmen, die einen Pfiff auf das Mitarbeiterwohl geben, lernt, einen Pfiff auf solche Unternehmen zu geben und handelt nach den Maßstäben solcher, die sich sehr wohl um ihre Mitarbeiter kümmern – weil sie wissen, dass diese der Kern des unternehmerischen Erfolgs sind. Wer alles sein und können will, mit den besten Erfolgen, ist für alle alles und kann für alle alles, aber lebt sehr wahrscheinlich in mindestens einem Lebensbereich an sich selbst vorbei.

 

Es ist okay.

sei mutig und unbequemEs ist völlig okay, nicht alles zu sein, was andere erwarten, und nicht alles zu können. Das macht uns Menschen aus: nicht alles wuppen zu können, sondern kleine Experten in einem oder wenigen Bereichen zu sein. Oder wie es in der Wissenschaft um Selbstständigkeit so schön heißt: Die Welt braucht keine Generalisten, sondern Spezialisten. Bei großen Institutionen, in der Wissenschaft oder der Politik arbeiten ja auch keine Generalisten an weltverbessernden und menschheitsfördernden Schritten, sondern hochrangige Gelehrte, die besten Experten der Welt. Sie liefern ihre individuelle Expertise und tragen so bestmöglich zu einem Ziel bei.

Wenn du nun mit deiner Lebensexpertise nicht in eine soziale Gruppe, ein bestimmtes Unternehmen, deine Familie, deine Partnerschaft passt, und Angst oder Panik erlebst, wann immer du trotzdem versuchst, dich ein- und anzupassen, dann lebst du dort für andere, weil du glaubst, eine tieferliegende Angst auf diese Weise abwehren zu können: nicht Teil zu sein, sozial ausgegrenzt zu werden, Einsamkeit, Schuld, Scham und tiefe Bestürzung (Traurigkeit) über gesellschaftliche und kulturelle Standards, die viel über die Werte der beängstigenden Gruppe aussagen, aber nichts über dich. Da dir bislang kein anderer Weg angeboten wurde oder du ihn noch nicht gesucht hast, bleibst du.

Besser wäre es, den Mut zu entwickeln, dich abzugrenzen, wenn deine Angst dich dazu aufruft. Je stärker sie wird, desto dringlicher ist ihre Absicht, ihre Nachricht an dich. Lass dich von einem Therapeuten dabei unterstützen, diese/n Weg/e zu gehen, damit du währenddessen emotionale Sicherheit und Halt spüren lernst. Veränderungen machen vielen Menschen Angst, weil Unberechenbarkeit und Unwissenheit gegenüber der Zukunft mitunter schwer auszuhalten sind. Aber in Gesprächstherapien, Psychoanalysen oder – wenn deine Angst noch nicht klinisch ist – auch in Coachings kannst du Bestätigung und professionelle Anleitung zum Umgang mit Veränderungen finden.

Mit den besten Grüßen,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

Was, wenn starke Angst ein Aufruf zu Veränderung und Rückzug ist?

Was, wenn starke Angst ein Aufruf zu Veränderung und Rückzug ist?

 

Vor Kurzem sagte mir jemand: „Janett, du sprichst noch immer eine Handvoll an Wahrheit nicht aus – absichtlich, aus Angst davor, dass deine LeserInnen es nicht hören möchten.“ Ich fand das anfangs befremdlich, aber musste mir bald eingestehen, dass die Person völlig Recht hatte.

Eine dieser Wahrheiten ist mein Glaube, teils gegen die Psychologie und ihre Wert- und Glaubensvorstellungen, dass Angst ein Weckruf ist, um sich zu trennen: von etwas, von jemandem, von alten, ausgedienten Denk- und Verhaltensmustern. In solchen Fällen brächte eine Verhaltenstherapie nur eine kurzzeitige, graduelle Besserung, denn nur die Symptome würden zu kurieren versucht. Nicht aber der Auslöser der Angst- und Panik-Symptome. In diesem Gedanken, entsteht Angst im mentalen Gefecht. Angst wird zum einen Schutz, zur einen Nachricht des Geistes in Bezug auf das, was gerade in deinem Leben am dringlichsten ist. In welcher Scheiße du auch stecken magst, Angst sagt: Zieh dich da raus. Angst kann also eine Aufforderung sein, ein Hilfeschrei deines Geistes, nötige Veränderungen in Angriff zu nehmen. Und zwar schleunigst. Falls dir das allein schwerfällt, nutze die therapeutischen Hilfsangebote deiner Stadt. Aber gehe den Weg deiner – in diesem Falle – wohlwollenden und deshalb alarmierten Gefühle.

 

Die Angst (kommt) vor der Gefahr als Hinweis und Signal

Was wollen dir Angst und Panikattacken sagen?Wenn Angst auftritt, reagieren wir. Wie die Reaktion auch aussehen mag. Wir nehmen unsere körperlichen Empfindungen wahr. Und reagieren. Dummerweise eher mit Abwehr, indem wir uns tot stellen. Aber viele schafften es, einen Schritt zurückzugehen und sich die angstauslösende Situation näher anzuschauen. In den meisten Fällen erkannten sie, dass das, was sie ängstigte, eine viel legitimere und reale Gefahr (und somit Angst) mit sich bringen könnte.

Ein Bespiel: Mein Onkel (er verstarb 1990 im Alter von 29) half sich mit Alkohol über seine Ängste, nichts wert zu sein, hinweg. Er fühlte sich weder zugehörig noch geliebt. Mein mittlerweile verstorbener Großvater war damals häuslich gewalttätig und weit entfernt davon, ein guter Vater zu sein. Mein Onkel wurde als Reaktion auf diesen familiären, emotionalen Stress alkoholabhängig, schloss sich einer Gruppe “Gleichgesinnter” an, geriet oft in Prügeleien, aber steuerte mithilfe von Alkohol seine Selbstwertprobleme und Ängste (wenn auch fehlgerichtet). Wie es damals in der DDR so war, kam man schnell ins Gefängnis, wenn man sich abnorm verhielt. So auch mein Onkel. Interessant war, dass er jedes Mal, wenn er einsaß, keinen Impuls zum Trinken hatte. Er holte sogar im Gefängnis mehrere Teilfacharbeiter nach. Kurioserweise fühlte er sich im Gefängnis geschützt; dort brauchte er keine Angst zu haben. Seine Angst funkte weder “Vorsicht!” noch hatte sie Grund, sich über das Reaktionsmuster Alkoholismus auszudrücken. Kaum war er jedoch wieder draußen, in der Realität, kam seine Angst erneut hoch, weil er sich nicht sicher fühlte. (Verständlich für die, die sich mit der Stasi und ihren Auflagen bei antisozialem Verhalten auskennen. So wurden meiner Großmutter und Mutter verboten, Kontakt zu ihm zu haben. Er sollte noch weiter ausgegrenzt werden, sich noch weniger liebenswürdig fühlen, als Bestrafung für seine Reaktion auf die Tyrannei seines Vaters.)

Ein Beispiel aus dem Panikalltag: Wann immer ich in einen bestimmten Supermarkt ging, bekam ich Panikattacken. Ging ich aber in einen anderen, hatte ich keine. Ich merkte erst Jahre später, dass nicht meine Panik problematisch war, sondern DIESER Discounter. Nur dort wollten alle zuerst rankommen, nahmen sich wichtiger, drängelten vor, hatten keine Ruhe, keine Zeit und waren gestresst – von den Kunden bis zu den Einzelhandelsverkäufer*innen. Im anderen Supermarkt aber war es ruhig: Die Kunden schlendern entspannt durch die Gänge und die Menschen an der Kasse warten geduldig, bis die, die kassieren, fertig sind. Keiner muckt. Völlige Akzeptanz. Hätte ich nicht gewusst, dass ich mich am Verhalten der gestressten, sich benachteiligt fühlenden und hektischen Menschen innerlich anzupassen versuche – mit demselben Stress reagiere – hätte mir eine Verhaltenstherapie nur bedingt etwas gebracht. Denn was geändert werden musste, war die Wahl meines Supermarktes, die Menschen, denen ich begegne. Denn meine Panikattacken dort waren eine Schutzfunktion meiner Angst und sie funkte „Weg hier!“. Die Angst vieler Hochempathen reagiert so.

Ähnliche Beispiele kenne ich aus der Partnersuche (wenn ich keine Nähe von und zu jemandem ertragen konnte) oder von Begegnungen mit Menschen, bei denen ich sofort ein schlechtes Gefühl hatte. Mein Bauchgefühl ist zwar stark, aber manchmal, wenn ich etwas unbedingt will oder bequem werde, ignoriere ich meine Intuition unbewusst und unbemerkt. Höre ich nicht auf sie, kommt in 90 Prozent aller Fälle Angst in mir hoch, als würde sie meine Intuition unterstützen wollen und sagen: „Lass. Ich erledige das!“

 

Zusammengefasst:

Angst und Panikattacken sind Hilfeschreie deines Unterbewusstseins, mit etwas aufzuhörenIn meinen Augen ist das Gefühl Angst, das jedes Lebewesen kennt, um Einiges schützender im positiven Sinne, als wir uns bislang erlauben, anzuerkennen. Angst ist ein Zeichen, mit etwas aufzuhören, sei es Grübeln, Kontakt zu einem bestimmten Menschen oder der Kampf um Liebe. Ich nehme an, dass es stark mit der Gesellschaft und ihrer Prägung, vor nichts Angst haben zu dürfen, was nicht wahrhaftig physisch bedrohlich ist, zusammenhängt. Wir sind, und sollen darauf trainiert sein, vor nichts und niemanden Angst haben zu müssen, was nicht unseren körperlichen Tod herbeiführen könnte. Aber eine Gesellschaft mit leistungsorientierten Maßstäben gab der westlichen Psychologie diese Standards, nicht etwa das Individuum. Betrachtet man den Tod an sich, so existiert er auch mental, herzlich und seelisch, nicht nur auf medizinischer Ebene, sondern auf spiritueller – oder für die, die allein vom Wort Spiritualität abgeschreckt sind (weil unsere Kultur ihre volle Arbeit geleistet hat), holistisch.

Ganzheitlich betrachtet ist es auch ein Tod, sich mit falschen Menschen in einem sozialen Umfeld auseinandersetzen zu müssen (oder zu wollen) oder in lieblosen Partnerschaften zu bleiben oder dem Chef den Arsch zu küssen. Jeder noch so kleine Verrat an uns selbst (meint: Körper – Geist – Herz -Seele) lässt etwas in uns sterben, im Mindesten aber unsere Authentizität, unsere Wahrheit. Sind wir aufgrund von Umständen nun aber dazu gezwungen, den Chef geil finden zu müssen oder Unternehmensziele zu befürworten oder dem Partner/der Partnerin das Gefühl zu geben, man wäre fein mit den Bedingungen, Idealen, Werten und Grenzverletzungen, löst das völlig berechtigt Angst aus. Dennoch definiert die Psychologie es als „gestört“, wenn der Körper/Geist mit Angst- oder Panikattacken reagiert. Aber viele sind so konditioniert (ich bin eines der besten Beispiele), dass sie keine feinen Sensoren mehr für Stresszustände oder Fremdsteuerung besitzen. In meinem Kopf ist es logisch, dass der Körper mit einer ausgefeilten, treffsicheren Variante daherkommt. Wer die kleinen Signale schon überhört hat (oder musste/wollte), der braucht vielleicht einen lauteren Knall.

Doch dieser unüberhörbare Knall deute im Denken der Menschen dennoch ein krankheits- und behandlungswürdiges Muster an, etwas, das uns vom definierten Normalen der Kultur unterscheidet und ausgrenzt. Aber dass eben Angst ein Weckruf der Aus- bzw. Abgrenzung ist und sagen will: „Weg da!“, verkennen wir selbst in den kleinsten Momenten. Angst ermahnt zur Vorsicht, weil wir es mit Schmerz, Belastung, vielleicht sogar Tod in Verbindung bringen. Das verbindende Element ist Angst. Das auslösende Momentum aber ein ganz anderes. Das muss kuriert werden. Und weil wir nicht trainiert sind im Umgang mit schweren, belastenden und schmerzhaften Gefühlen – sie seitens der Gesellschaft immer so schnell “therapiert” werden sollen, damit wir wieder funktionieren, glauben viele, dass etwas mit ihnen nicht stimme, wenn sie Panikattacken haben. Das liegt nur daran, dass wir mit unseren Gefühlen nach den eingeflößten, blind geglaubten Standards anderer versuchen zu leben und unser Versagen dabei „falsch“, „abnormal“, „klein“ oder „kindisch“ betitelt wird. Es gibt viele kulturell und gesellschaftlich definierte SOLL-Werte, die wir bewusst nicht mehr wahrnehmen, aber unserem Körper-Geist-Herz-Seele-System durchaus ein Dorn im Auge sind.

Wenn wir uns nur mit Menschen zusammentun, denen wir nicht ausreichen, die uns stets zu ihren Zielen drängen wollen, während sie unsere ignorieren (und wir dieses einseitige Verhalten nicht mit Rückzug bekämpfen, sondern befürworten und nachahmen), ist es doch logisch, dass der Geist irgendwann mindestens mit Angst reagiert. Es wäre ja an seiner Funktion vorbei, wenn er es nicht täte. Dennoch seien nach gesellschaftlichen Standards die Reagierenden das Problem und ihr Verhalten müsse nur umstrukturiert, umprogrammiert oder wieder auf Trab gebracht werden.

Mit jedem Menschen, der nicht mehr Teil meines Lebens sein wollte, wenn ich gerade wieder eine Panikepisode hatte, wurde mein Leben leichter. Klar waren der Verlust und die anfängliche Irritation schwer für mich. Aber ihre Abwesenheit bereinigte viel Unauthentisches in meinem Leben.

 

Angst-Riecher: Man muss den Mist riechen wollen, um ihn erkennen und beseitigen zu können

was macht dir wirklich Angst?Menschen sind meisterhaft darin, sich die noch so übelsten Situationen und Umstände schönzureden. Augenwischerei von früh bis spät ist die Agenda vieler. Es lebt sich sicher leichter, getreu dem Bibelvers: “Denn bei viel Weisheit ist viel Unmut, und häuft einer Erkenntnis, so häuft er Schmerz.”, das Äquivalent für “Ignoranz ist ein Segen.” Hauptsache ist und bleibt, dass X in unserem Kopf doch so wunderbar funktionieren könnte. Wenn wir nur daran glauben, wenn wir uns nur noch mehr bemühen. Deshalb gibt es Angst nicht nur als Signal, sondern auch als Hinweis auf: “Hier liegt das Problem.” Um nichts in deinem Leben zu bedrohen, keinen Verlust zu erleiden, steht Angst für dich auf und ein. Deshalb reagieren Menschen zum Beispiel mit Panik, wenn

  • ihnen jemand droht (Achtung: Gefahr!) und frieren im Totstell-Modus ein (Konditionierung: Jetzt tu nichts. Bloß nicht auffallen. Verhalte dich still.)
  • beginnen durch stille Wut (unausgefochtener Kampf) und Panik (Energie für den Kampf, die sich entladen will, denn wenigstens im Kopf muss gekämpft werden) auf z. B. Ungerechtigkeit oder eingeschränkte persönliche Freiheiten (Auslöser, für den sie keinen Umgang gelernt haben)
  • nehmen den Kampf auf (auch reine Angstenergie), um Verluste wichtiger Werte zu vermeiden oder
  • wollen fliehen, wieder zurück (durch Panikattacken), wenn sie z. B. jemanden vermeintlich zurücklassen, im Stich lassen (womit sie Schmerz desjenigen verbinden: häufig zu sehen bei ambitionierten Müttern) und opfern sich oder
  • wollen nur noch “raus” aus einer Situation oder sozialen Gruppe, wenn deren Reize Überhand nehmen, weil sie sie nicht verarbeiten können (öffentliche Verkehrsmittel, enge Räume, laute Umgebungen, die keine Rückzugsorte darstellen)

Es sind Reaktionsmuster (Totstellen, Flucht, Kampf) auf etwas, das wir fürchten oder aber im Umgang noch nicht gelernt haben. Wie dir vielleicht auffällt, dominieren Flucht und Totstellen. Kampf ist eher selten bei Angst/Panik-Symptomatiken, da es Teil des Problems ist, dass sie für sich behalten wird, statt ausgesprochen, wahrgenommen, ausagiert (also das, was du wirklich willst) und akzeptiert.

Doch bei manchen ist die Situation so verworren, dass sie nicht wissen, woher die Angst/Panik rührt. Falls du dazugehörst und keinen Anhaltspunkt besitzt, welcher Lebensbereich dich belastet – Liebe/Partnerschaft, Familie, Beruf, Freundeskreis – möchte ich dir einen kleinen Trick aus meiner damaligen Zeit verraten.

Welcher Lebensbereich belastet dich wirklich? Finde es heraus >>

 

Was du dir mit unverarbeitetem Leid, Angst & Kummer antust: Eine Übung

Was du dir mit unverarbeitetem Leid, Angst & Kummer antust: Eine Übung

 

Hast du dir etwas zu vergeben? Hängst du dich gern an Perfektionismus auf oder leidest unter innerer Hektik, Lähmung, Blockaden? Hast du jemandem zu verzeihen? Willst du dich von Zwängen befreien? Schiebst du Dinge vor dir her, wie zum Beispiel eine Angst zu überwinden oder überfällige Arzttermine, einem potenziellen Partner neu zu vertrauen, Veränderungen herbeizurufen oder endlich den einen Schritt in Richtung Lebenstraum zu wagen, von dem du schon so lange träumst? Die nachfolgende Selbstcoaching-Übung ist so simpel und gleichzeitig so brutal, dass sie wirklich schmerzen könnte. Sie ist eine Übung von vielen in “Ein Gefühl namens Dieter”, meinem neuesten Nicht-Onlinekurs, die an die Materie gehen. Und das sage ich nicht nur so daher.

Mach die Ei-Übung und lerne, dir

  • a) zu vergeben
  • b) die Ruhe zu bewahren und
  • c) endlich für dich zu handeln.

 

Wieso wir so ungern Altes loslassen, verarbeiten und es stattdessen lieber verdrängen

Nimm endlich dein Leben in die Hand tu es jetztEwig grübeln, uns wieder die Schuld geben, wieder dem anderen dasselbe wie immer vorhalten, wieder nichts tun und uns später ärgern, wieder nicht auf den Tisch zu hauen, sondern still bleiben, wieder lieber Angst als Grund nehmen, um etwas nicht zu tun, statt für uns und unser Wohlergehen einzustehen. Das tun wir deshalb, weil die Zukunft und der Ausgang einzelner Situationen so ungewiss sind, weil wir lieber ewig ertragen, statt einmal zu handeln – mit dem 1. Schritt. Wir verharren leider so in Situationen, die uns selten guttun. Wir werden selbst zur Stagnation, zur Blockade.

Wir tun uns damit bewusst oder unbewusst „Sachen“ an, die wir in Wirklichkeit – wenn die Ausmaße der Destruktion sichtbar würden – nie tun würden. Aber da wir „nur“ Gefühlsreaktionen wahrnehmen, keine Schränke kaputt geschlagen oder Fenster zerstört haben, keine Autos demoliert haben und uns nicht das Herz haben „zerreißen“ lassen (im wahrsten Sinne) oder uns kein Bein ausgerissen haben (in Wahrheit), nehmen wir nur sprachliche Metaphern und Symbole für unsere Gefühle wahr:

  • Wir sind kaputt.
  • Etwas hat uns kaputtgemacht.
  • Unser Herz wurde gebrochen.
  • Etwas hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen.
  • Wir sind gelähmt vor Schmerz und Kummer.
  • Wir vermissen jemanden so sehr, dass wir das Gefühl haben, nicht komplett zu sein.
  • Wir haben uns so sehr bemüht, uns geopfert, uns ein Bein ausgerissen.
  • Uns läuft die Galle über.
  • Etwas geht uns an die Nieren.
  • Wir tragen ein schweres Kreuz.
  • u. v. m.

Das alles sind Beispiele für unsere bildgewaltige Sprache Deutsch. Aber sie visualisieren nichts, sie beschreiben lediglich ein Gefühl. In Wahrheit fühlen wir uns nur so, als ob … uns etwas angetan wurde. Jemand handelte nicht zu unserem Wohl und wir leiden darunter, teilweise jahrelang. Doch SEHEN – mit eigenen Augen –, was in uns wie ist, können wir nicht. Und deshalb fällt es so viel leichter, etwas einfach nicht zu tun. Würden wir das Ausmaß unserer Nichttaten sehen und in seiner Wucht wahrnehmen, wäre das anders. Dann würden wir handeln. AUSFÜHREN – mit eigenen Händen –, um unserem Leid ein Ende zu setzen.

 

Ein Ei zeigt dir, was du dir antust, wenn du nicht für dich handelst

Bei der Ei-Übung – ein bekanntes Coaching-Tool, das so und ähnlich für viele Zwecke des Reifens und Erwachens verwendet wird – wird dir etwas Neues abgerungen: Du darfst dir dabei anschauen, was du mit dir machst. Es zeigt dir, was geschieht, wenn du etwas Lebendiges (dich und deine Gefühle, dein Leben) einfach so geschehen lässt. Die Ei-Übung ist auch dann wunderbar, wenn du endlich

  • den Termin machen willst, den du schon ewig vor dir herschiebst
  • jemanden anrufen willst, bei dem du dich zu lange nicht mehr gemeldet hast
  • dich entschuldigen möchtest
  • etwas in Angriff nehmen möchtest, z. B. Bewerbungen für eine neue Stelle schreiben, einem Verein beitreten oder dich auf einer Datingplattform anmelden
  • endlich mal wieder ins Fitnessstudio gehen möchtest
  • deine Ernährung umstellen willst
  • ein gutes Buch lesen willst
  • allein etwas unternehmen willst
  • deine Wohnung auf Vordermann bringen
  • oder ein Gehaltsgespräch mit deinem Vorgesetzten führen willst
  • usw.

Die Ei-Übung wird dir zeigen, wie schwer es dir in der Wirklichkeit fallen würde, Kaputtes, Unverarbeitetes und Unerledigtes hinzunehmen, vor dir herzuschieben und dich nicht weiter darum zu kümmern – nur weil Verdrängung leichter erscheint. Sie funktioniert wie ein Timer. Wie oft geschieht uns etwas, das wir nicht verarbeiten, was weiter in uns schwelt, aber trotzdem tragen wir keine Sorge für die Beseitigung des Schmerzes, der liebevollen Fürsorge für unser Inneres. Auch wer schon Fehler anderen gegenüber gemacht hat (also wir alle), wird wissen, wie schwer es fällt, ihn zuzugeben oder zu korrigieren. In uns selbst und uns selbst gegenüber: Da sind wir meistens ignorant und steinhart. Wir lassen die Gefühle einfach liegen, denken immer einmal wieder über Monate, Jahre und Jahrzehnte darüber nach und dann … tun wir lange nichts. Wir warten ab.

 

Und so funktioniert die Ei-Übung

Du benötigst für diese Übung – Überraschung! – mindestens ein Ei: klein, mittelgroß, groß, Bio oder nicht Bio ist egal. Begib dich an einen Ort, an dem du eine abwischbare Fläche hast, zum Beispiel der Küchenboden mit Laminat/Linoleum, die Arbeitsfläche deiner Küche, das Fensterbrett, ein Regalbrett.

Nimm das Ei und wirf es auf diese Fläche. Höre es klatschen und sieh, wie es zerbricht, wie die Schale aufplatzt und sich das Innere auf der Fläche ergießt. Nun verlasse diesen Raum, ohne irgendetwas zu tun. Lass das kaputte Ei dort, wo es ist. Erst einmal wird nichts mit dem Ei geschehen. So wie mit deinen verletzten oder aufkommenden Gefühlen nichts geschieht, wenn du keine Sorge dafür trägst. 

Warte einen Tag, oder wenn du es durchhältst (und das ist gar nicht so leicht), mehrere Tage. Sieh, was mit dem Ei geschieht. Es wird verfaulen, stinken und bald schon wirst du dich fragen, ob du Besuch in deine Wohnung einladen solltest oder ob du morgen früh ein paar neue Maden-Freunde in deiner Küche begrüßen kannst. Du wirst den Drang, dieses faulende Ei wegzuwischen, um dich über die klare, saubere Fläche zu freuen und Erleichterung zu verspüren, kaum unterdrücken können.

Doch die Kür bei dieser Strategie ist, mit dem verfaulenden Ei genauso umzugehen wie mit deinen verletzten Gefühlen, die du ignorierst oder verdrängst. Unweigerlich wird der Punkt kommen, an dem du nicht mehr anders kannst, als einen Lappen zu nehmen und alles wieder schön zu putzen. Wenn du an diesem Punkt bist: Denke daran, dass das faulende Ei deine Wunden darstellt, um die du dich genauso kümmern solltest wie um das Ei in deiner Küche. Übernimm die Verantwortung für deine Gefühle und für alles, was in dir vor sich hinrottet. Auch in dir darf alles klar und sauber sein.

Wenn du diese Übung durchhältst, wird sich ein Raum der Zeit öffnen. Wenn du dich dann entschließt, es wegzuwischen, verarbeitest du symbolisch das Gefühl, das du transformieren willst. Du beschließt in diesem Moment des Säuberns, dass nun SCHLUSS ist mit dem, was dich lähmt. Du überwindest und reinigst dich, während du dich selbst angehalten – ja gezwungen hast – endlich zu tun, was schon so lange überfällig war.

 

Ein Gefühl namens Dieter

Ein Gefühl namens Dieter Bewältigung von schwierigen Gefühlen und Lebenssituationen Janett MenzelLust auf mehr? Meine Nicht-Onlinekurse, die ich Kapitel des Lebens nenne, aktualisiere ich monatlich mit vielen neuen Impulsen zum einmaligen Preis. Somit ist es ein nicht endendes Buch, ein Almanach an Strategien und Techniken für die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens, untermalt mit Audios, Arbeitsblättern, Entspannungstechniken und Trick 17-Methoden zur Überwindung (selbst) auferlegter Hürden.

Bis um 23:59 Uhr des 2. Mai 2018 biete ich allen meinen LeserInnen einen 50 Prozent-Rabatt mit diesem Gutscheincode an: Mai50Dieter 

Hier geht’s zu Ein Gefühl namens Dieter >> (Weiterleitung)

 

Schattenseiten Teil 2: Kein Respekt vor dir und deinem Leben

Schattenseiten Teil 2: Kein Respekt vor dir und deinem Leben

 

Was mit uns geschieht, wenn wir keinen Respekt vor uns und unserem Leben haben

respekt uns selbst gegenüber wie respektlos wir uns behandeln lassen und selbst behandelnWer auf den Nerven, Gefühlen und Bedürfnissen, der Gesundheit und Freiheit anderer Menschen herumturnt, weil er sich mehr Respekt zuschreibt und anderen verweigert, ist beiderseitig respektlos – vor allem sich selbst gegenüber. Anderen nicht das Vertrauen zu schenken, mit all seinen Bedürfnissen angenommen und respektiert zu werden, und deshalb so einen Zirkus zu veranstalten, um Anerkennung zu erhalten, zeigt es bereits. Menschen mit ungesund narzisstischen Verhaltensweisen gehen oft davon aus, dass sie auf ihre wahre Art in voller Ehrlichkeit nie im Leben den Respekt erhalten würden, den sie brauchen, um stets im Mittelpunkt zu stehen und Aufmerksamkeit zu erhalten. Ansonsten wären sie (in ihren Augen) niemand und niemand ist gleichbedeutend mit nichts. Eine respektlose Art, sich und sein Leben zu betrachten. Aber auch sie haben gelernt, dass das wahr wäre. Ebenso sich der Erfahrung zu verweigern, Stärke in anderen, Verbundenheit zu jemandem und annehmende Vereinigung auf tiefster Ebene zu erleben, Wertschätzung und Annahme anderer Fähigkeiten und Eigenschaften zu spüren, ist respektlos sich selbst gegenüber. Respektlos wird es auch, wenn du jemanden mehr Respekt entgegenbringst als dir.

Immerhin sprichst du dir alles ab, was du geleistet hast, an guten Eigenschaften hast, was du an Kompetenzen besitzt, an Erfahrungen und an Leben. Wenn dich derjenige absichtlich verletzt und du glaubst, er wäre wichtiger als du oder er hätte das Recht, dich schlecht zu behandeln, weil du nicht gut, nicht genug gewesen wärst: Dann bist du respektlos dir gegenüber. Dann schuldest du dir deinen nötigen Respekt, nicht demjenigen. Das ist eine Lektion, die wir so in den seltensten Fällen übermittelt bekommen haben. Was wir uns für unsere Zukunft wünschen, was wir können und was nicht, unsere Grenzen und Begrenztheit, unsere Werte und Ideale: All das verdient Respekt, nicht nur von anderen, sondern vorwiegend von uns selbst. Je mehr wir anderen unseren Respekt für uns und unser Leben (also in allen Lebensbereichen) zeigen und auch mit Nachdruck kenntlich machen, desto weniger Grenzüberschreitungen anderer würde es geben. Wir wären schnurstracks raus aus den Opfer-Täter-Systemen und selbst Schuld, Scham oder Ängste aller Art hätten nur noch wenige Konsequenzen.

 

Vom Schatten ins Licht: Abschied vom ewig lieben und braven Kind im Körper eines Erwachsenen

vom Schatten ins Licht Respekt dir gegenüber beschließenUns trotz allem ernst und wichtig zu nehmen, so haben wir ja gelernt, dürfen wir angeblich erst, wenn wir jemand sind, jemand, der etwas erreicht hat. Der Haken an unseren Schattenseiten ist, dass wir gern die Schuld oder Verantwortung von uns wegschieben, zum Beispiel, indem wir uns “brav” wie kleine Kinder anpassen und andere nicht beschämen oder bekümmern. Es regiert Angst vor den Konsequenzen. Sich wichtig und ernst zu nehmen, mit allem, was man ist, kommt zwar gerade wieder in Mode. Aber die meisten hadern noch gewaltig damit, sich “aus dem Fenster zu lehnen”, “etwas auf sich zu halten” und “zu glauben, dass man jemand sei” – ohne die Erlaubnis und das Nicken eines Gegenübers. Puh puh, denn da rollen bei den meisten die Augen und was man weitläufig ins Gesicht geworfen bekommt, ist alles von Zorn bis hin zu offener oder stiller Verachtung.

Doch auch Menschen, die absichtlich verletzen, weitermachen zu lassen statt ihnen mit deiner eigenen Meinung (über dich und deinen Wert) entgegenzutreten, dich zu ducken und beugsam zu bleiben, ist respektlos dir gegenüber. Denn so verwehrst du ihnen eine wichtige Lernerfahrung. Es ist ein wenig, als würdest du ihr Karma unterbrechen – und deins gleich mit. Denn du verbietest dir selbst, zu lernen, dass du Respekt verdienst und andere dich frei von körperlicher, psychischer, emotionaler und verbaler Gewalt zu behandeln haben.

Einige Beispiele:

  • Wenn du dich niedermachst, nur weil du fünf Kilos zu viel auf den Rippen hast, glaubst du, mit den Zusatzkilos weniger wert zu sein und weniger liebenswürdig. Das ist respektlos dir und deinem Körper gegenüber.
  • Wenn du Toxine in Nahrung und giftige Substanzen zu dir nimmst, zum Beispiel als Kompensation gegen Einsamkeit oder als Unterdrückung der im Schatten verbannten Gefühle, bist du dir und deinem Leben gegenüber respektlos.
  • Wenn du deinem Partner/deiner Partnerin erlaubst, sich selbst in Bedürfnissen und Wünschen wichtiger zu nehmen, glaubst du, dass deine Bedürfnisse und Wünsche unwichtiger seien. Dann verhältst du dich u. a. gegenüber deiner Liebenswürdigkeit und deinem Herzen gegenüber respektlos.
  • Wenn du deinen herrschsüchtigen Vorgesetzten erlaubst, dich zu erniedrigen oder nicht ernst zu nehmen, nicht zu wertschätzen, glaubst du, dass das so richtig wäre. Wenn du extra Schichten oder Überstunden “im Sinne des Unternehmens” schieben musst oder deine Fachkompetenz vergessen musst, um zu gefallen, bist du dir, deiner Zeit und deiner Leistung, deiner Fähigkeiten gegenüber respektlos.
  • Wenn du deinen Eltern oder Familienmitgliedern erlaubst, für dich Entscheidungen über deine Zukunft zu fällen, glaubst du, dass du keine Rechte hättest, dein Leben nicht dir gehören würde oder du ihnen etwas schuldig wärst. Was für eine Macht man da aus seinen Händen gibt! Es ist dir gegenüber respektlos, dir dein Mitbestimmungsrecht nehmen zu lassen – und überhaupt, es abzugeben oder anderen Verantwortung zu überlassen.

Prinzipiell übernimmst du all die Gedanken anderer, die schön bequem sind, und machst dir dein Leben schwerer, als es sein müsste. Es könnte wundervoll und erfüllt sein, wenn du dich nur für dich zu deinen Gunsten erheben würdest. Aber die Abhängigkeiten, oder? Wäre da nicht die Angst vor Trennung oder Konflikten, die dich leiden ließen.

Doch ein gesunder Respekt sollte in meinen Augen vor allen Lebewesen und ihren Gefühlen bestehen, unabhängig von einer Meinung oder vielen Meinungen. Sogar Einstein galt als Spinner, bis er seinen Durchbruch erlangte. Viele der größten Köpfe hatten jahrelang mit Ablehnung und Gelächter zu kämpfen und litten unter Angst. Einigen der größten Schriftsteller der Menschheit wurde geraten, mit dem Schreiben aufzuhören. Wenn wir uns nur einmal ansehen, was sich die heute respektabelsten Personen der Zeitgeschichte anhören mussten, bevor ihre Leistungen Anerkennung fanden … !

Respekt bedeutet in Wahrheit Augenhöhe. Und die ist vor allem und erst einmal gegenseitig.

Respekt dir selbst gegenüber im Schatten unseres Selbst verdrängte projizierte abgelehnte SchattenseitenIch habe während meiner Angst- und Panikzeit eine unbezahlbare Erkenntnis gewonnen: Die, die dich abhängig machen wollen, sind in Wahrheit die, die abhängig von dir sind und deine Abhängigkeit brauchen. Sonst würde die Verbindung nicht mehr existieren. Du musst vermeintlich freiwillig eine Co-Abhängigkeit eingehen, die nur dann funktioniert, wenn du dich kleinmachst. Um sich selbst nicht die Schuld geben zu müssen, arbeiten sie mit manipulativen (eigentlich auch nur ängstlichen) Mechanismen, um dich zu halten. Es sind sozusagen ihre eigenen Schattenseiten, die sie dir nicht zeigen: dass sie dich brauchen, dass sie deine Leistung, Liebe, Anwesenheit wertschätzen und dass sie ohne dich an Bedeutung verlieren würden. Sie ziehen dich mit vielen Schuld- und Schamgefühlen, geschürten Ängsten und schlechter Behandlung in ihre Schattenwelt hinein. Stell dir nur einmal vor, wie es ihnen ginge, ohne dich. Wenn du dich aufbäumen und Nein sagen würdest, sie durch Standhaftigkeit auffordern würdest, deine Bedürfnisse anzuhören und wahrzunehmen – dass du welche hast, die du ernst nimmst und gewahrt sehen möchtest – könnte etwas Erstaunliches geschehen: Sie wären aufgefordert, dich als Mensch zu sehen und dir als Zeichen ihrer Wertschätzung Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit zu schenken. Das Minimum einer jeden gesunden Verbindung.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Angst vor Konflikten, sträflichem Schweigen, Ablehnung usw. vielen Menschen als willkommene, nützliche Blockade dient, um sich nicht wegen seiner selbst erheben zu müssen. Wo dein Glaube und dein Vertrauen in dich und andere so minimal gelebt wird, kann nur minimaler Glaube und Vertrauen in dich zurückkommen. Aber hier macht Angst eben das, was sie am besten kann: Sie zeigt dir a) welches Problem es zu beheben gibt, damit du frei sein kannst und b) wo es am meisten in dir und deinen Fähigkeiten hapert, um dein Ziel zu erreichen.

Es bleibt auf dem Weg zu Erwachsensein niemandem erspart, Durchsetzungsvermögen und Standhaftigkeit zu lernen. Sonst würde man ewig Kind im Körper eines Erwachsenen bleiben und würde nie in sein volles Potenzial kommen. 

In diesem Sinne, so aufreibend es auch sein kann, diese Lektionen zu verinnerlichen (Ich bin selbst noch mittendrin!):

Respektiere dich mit allem, was du erlebt, gefühlt, erarbeitet und gelernt hast! Sei stolz auf dich und zeige dir selbst die Wertschätzung, die du bei anderen vermisst. So machst du einen ersten, entscheidenden Schritt in eine respektable und respektvolle Zukunft.

Mit den besten Grüßen,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

Seite 1 / 2