10 Wege, wie du dir und anderen Menschen wieder vertrauen kannst

10 Wege, wie du dir und anderen Menschen wieder vertrauen kannst

 

Menschen Vertrauen zu schenken, nicht gleich das Schlimmste anzunehmen, sondern das Gute zu erwarten, fällt vielen schwer, die herbe Enttäuschungen erlebt haben. Um zu verhindern, dass sich die verletzenden Erlebnisse wiederholen, glauben wir, uns schützen zu müssen: durch Rückzug, Isolation, Masken tragen, selbst verletzen, Verachtung, Groll, Frust. Traurigkeit, die wir in uns hineinfressen. Angst, die uns schon lähmt, noch bevor etwas Vergleichbares geschehen ist. Ein schweres Kreuz, das wir freiwillig tragen, aus Angst, wieder verletzt oder allein gelassen zu werden, ungewollt zu sein.

Wie du wieder neu vertrauen lernen und in deine Zukunft vertrauen kannst:

 

Wie du dir und anderen Menschen wieder vertrauen lernen kannst

neu vertrauen schöpfenWer schon einmal stark verletzt wurde, trägt Wunden davon. Diese Wunden, insofern man sie nicht geheilt hat, sorgen dafür, dass wir Menschen grundsätzlich oder von vornherein misstrauen, nur langsam Vertrauen aufbauen oder uns selbst wenig zutrauen. Wir sind nun einmal Menschen und Menschen – wie alle Wesen – sind verletzlich.

Es ist egal, ob die Enttäuschungen in einer Partnerschaft geschahen und sich deshalb Beziehungsangst manifestiert hat. Vielleicht empfindest du dich auch als sehr sensibel (oder hochsensibel) und kommst nur schwer mit Kritik oder Ablehnung zurecht (wer nicht?). Oder es ist der Job, in dem du mit Kollegen und Vorgesetzten zu tun hast, die nur an sich denken, statt an das Gemeinschaftswohl. Aber vielleicht waren es auch deine eigenen Handlungen oder Nicht-Handlungen, die auf dir lasten, die du dir nicht verzeihen kannst. Vielleicht hättest du etwas anders machen wollen oder für dich einstehen müssen.

Was dazu führte, dass du verletzt wurdest, ist das eine. Etwas anderes ist es, wie du mit der Konsequenz und deinen Gefühlen, Gedanken und Bewertungen jetzt umgehst. Sie entscheiden darüber, ob du dich für ein neues Glück öffnen kannst oder weiterhin aus Angst verschlossen bleibst. Du kannst hier und jetzt entscheiden, dass die Vergangenheit vergangen ist. Das bedeutet nicht, dass du den damit verbundenen Schmerz einfach ignorieren oder verdrängen sollst. Aber wir können alle beschließen – einfach so -, dass wir das Kreuz lange genug getragen haben und eine Zukunft vor uns liegt, die wir aktiv gestalten können. Wie deine  aussehen wird, ist teilweise von dir allein abhängig. Nur ein kleiner Teil – nenne ihn Zufall, nenne ihn Bestimmung – wird außerhalb deines Handlungsfeldes liegen. So unberechenbar dieser auch erscheinen mag, man kann lernen, sich in sich selbst zu festigen, um gegen diese Stürme gewappnet zu sein … falls sie überhaupt kommen.

 

10 Wege, um dir und anderen wieder vertrauen zu können

Vertrauen kann man lernen. Die folgenden neun Impulse speisen sich aus jahrelangen Versuchen, mit meinen eigenen Verletzungen zurechtzukommen und nicht das Vertrauen in Menschen, dem Leben, der Welt und mich zu verlieren. Vieles davon klingt leicht. Aber dahinter steckt eine “Arbeit”, die wir alle für UNS leisten müssen, wenn wir wieder schmerzfrei und angstfrei leben möchten. Nur man selbst kann das für sich tun, auch wenn es guttut, Menschen an seiner Seite zu haben, die einen währenddessen unterstützen. Die gute Nachricht ist: Wir entscheiden, ob und welchen Weg wir wählen.

 

1. Lass die Handlungen anderer nicht zu deinem Schicksal werden

vertrauen in sich, die welt und das Leben schöpfenEgal, was jemand tut bzw. nicht tut: Er hat seine eigenen Motive, so wie wir alle unsere Motive haben. Während der eine sich Gedanken über die Konsequenzen seiner Taten für andere macht, handeln andere einfach aus dem Bauch heraus oder meinen keine negativen Auswirkungen zu erkennen. Nicht alles, was geschieht, geschieht bewusst verletzend. Doch oftmals sieht es so aus oder wir können uns keinen anderen Reim auf ein Verhalten machen.

Sollten wir uns deshalb durch andere am Leben hindern lassen? Wir sind stets fähig, uns zurückzuziehen und abzugrenzen, statt uns zu identifizieren mit einem Gedanken, der schnell zu einem Glaubensmuster werden kann, wie z. B. wir seien nicht gut genug oder wären nicht liebenswürdig. Was andere tun, sagt viel über sie aus, aber nicht darüber, wie wir im Angesicht dessen unser Leben fortsetzen. Sich blockieren zu lassen, durch vergangene Ereignisse, bleibt eine bewusste Entscheidung: nämlich unsere. Wir haben stets die Wahl.

 

2. Wunden dürfen heilen

Wir entscheiden auch darüber, wem wir verzeihen, damit wir positiv in unsere Zukunft blicken können. Das heißt nicht, dass wir vergessen oder die Ereignisse bagatellisieren, sondern vielmehr, dass wir den Fokus auf neue, positive, heilende Erfahrungen legen – auch, wenn das bedeutet, dass diese ohne den verletzenden Menschen stattfinden. Wir dürfen heilen und wir dürfen Freude und Liebe erfahren: Das hat nichts mit der offenkundigen Erlaubnis eines anderen zu tun, noch sollten wir uns gegen neue, bessere Erfahrungen sperren. Tun wir das, dann leistet uns Angst vor einer weiteren, verletzenden Erfahrung Gesellschaft. Doch diese hat wenig mit der Realität zu tun. Sie basiert vielmehr auf der Erinnerung an eine Enttäuschung.

 

3. Erkenne den Sinn hinter deiner Angst und anderen Gefühlen

lektionen des lebensEine jede Enttäuschung schenkt uns wertvolle Lehren, so schmerzhaft sie auch sein mögen. Gleichsam erlaubt sie uns, unser Denken, Fühlen und Handeln neu auszurichten, an der Realität und unseren Werten, wie wir unser Leben leben möchten, was wir verklärt oder verkehrt sehen.

Der Sinn hinter einer jeden Angst ist noch immer, uns wachzurütteln und aufmerksam zu machen, auf 1) was wir im Außen ändern sollten, weil es uns blockiert und schmerzt und 2) was in uns selbst blockiert. In der Psychologie spricht man von einem sekundären Krankheitsgewinn. Damit ist gemeint, dass jede Angst und psychische Krankheit uns auch einen Nutzen schenkt, zum Beispiel nicht in ständiger Angst vor einem Verlust, einer Ablehnung zu leben. Sie schenkt uns damit die Abwesenheit eines Schmerzes. Aber sie bringt auch einen neuen. Denn alles, was wir tun oder nicht tun, hat auch für uns (und unser Umfeld) eine Konsequenz. Welche schwerer wiegt und welche wir besser tragen können, entscheidet darüber, was wir tun und was wir lassen. So sabotieren wir uns.

 

4. Ein Mensch ist ein Mensch und definiert keine anderen

Selbst, wenn es mehrere Menschen waren, die uns verletzten, sagen wir z. B. Partner, die wir hatten: Jemandem eine so große Macht über unser Leben und unsere Zukunft zu geben, ist unvernünftig. Damit nehmen wir uns unsere Selbstwirksamkeit, unsere Würde, unsere Lebensfreude und versagen uns selbst das Recht auf Glück und Erfüllung. Wir liefern uns stattdessen einer kindlichen Wehrlosigkeit aus und hoffen darauf, dass irgendwann ein Mensch vorbeikommen wird, der es wieder richtet, es wieder gut macht. So entstehen Beziehungsdramen und neue Enttäuschungen. Wir können uns durchaus auf unser Erwachsensein besinnen und uns klarmachen, dass es an uns liegt, unser Leben in die Hand zu nehmen und es zu gestalten. Was wer auch immer getan hat bzw. unterließ: Dieser Jemand ist kein Richter und kein Henker. Doch unsere Gedanken und Gefühle haben die Macht, ihn dazu zu erheben, statt uns selbst.

 

5. Loslassen lernen (besonders die eigenen Glaubensmuster)

Alle Verletzungen bleiben am Ende des Tages eine Erfahrung. Wie viele Menschen kennst du, die bislang keine Enttäuschungen erlebt haben? Wie viele Menschen kennst du, die niemals verlassen wurden, niemals jemandem wehgetan haben und niemals Angst oder Traurigkeit gefühlt haben? Jedes Leben ist bepackt mit Höhen und Tiefen. Wir müssen verzeihen lernen, denn nur so können wir uns von den Fesseln der Vergangenheit lösen. Einige der verletzenden Menschen hatten bittere Lektionen im Gepäck, welche, die wir nicht verdient hatten. Was machst du mit deinen Erfahrungen? Nimmst du sie als deine Erweiterung auf? Identifizierst du dich mit ihnen und korrigierst dein Selbstbild ins Negative? Wir können Erfahrungen bloße Erfahrungen sein lassen, unsere Gedanken und Gefühle sein lassen, was sie sind, ohne sie zu glauben. Die Wissenschaft hat das mehrfach bewiesen.

Ein wunderbares Buch, um dich von deinen festsitzenden Blockaden und Glaubensmustern zu befreien, ist zum Beispiel Dr. Joe Dispenzas “Ein Neues Ich”. Eine unbedingte Buchempfehlung für alle, die glauben, schwerwiegende Gedanken und Gefühle nie wieder loswerden zu können. Bewahren wir schlimme Ereignisse in unserem Kopf auf, ist es, als würden wir sie in eine Schachtel – wie wertvollen Schmuck – legen. Wir hüten sie und sorgen so dafür, dass unsere Erfahrungen lebendig bleiben. Was Joe Dispenza in seiner leicht verständlichen Art aufzeigt, ist, dass wir so in der Vergangenheit haften bleiben (mit unserem Körper) und für ihn (unseren Körper) jedes Mal aufs Neue diese alte Erfahrung durchspielen und erleben, als geschehe sie in diesem Augenblick. Loslassen hingegen beginnt mit neuen Gedanken.

 

6. Positive, sensible Menschen “sammeln”

In einem Umfeld, in dem man krank oder stark verwundet wurde, kann man nicht heilen. Sollte die Verletzung daher stammen, helfen – wenigstens kurzzeitige – gänzliche Abnabelungen.

Gesund ist es immer, wenn du dir Freunde, Familienmitglieder, Gleichgesinnte, Therapeuten, Coaches oder andere suchst, die deine Verletzungen verstehen. Sie geben dir das Gefühl, dass deine Gefühle okay sind. So musst du dich weder schämen noch deine Empfindungen bagatellisieren. Wenn deine Verletzungen schmerzen, kannst du es zeigen, statt sie zu verdrängen. Allein diese positiven Menschen vermögen es, dir wieder neues Vertrauen in Menschen und dich zu schenken. Menschen hingegen, die deinen Schmerz oder deine Erfahrung nicht kennen oder nicht verstehen (wollen), eignen sich wenig – besonders, wenn sie dir deine Gefühle und Gedanken absprechen wollen, du dich “zusammenreißen” sollst oder “darüber hinwegkommen” kommst. Sie werden ihre Vorzüge haben, die du in stabileren Zeiten genießen kannst. Doch diese Menschen “arbeiten gegen” dein aktuelles Ziel und machen die Grundlage nur brüchig.

 

7. Bedürfnisse erkennen und Grenzen setzen

  • Was bedeutet dir etwas?
  • Was willst du unbedingt in bestimmten Situationen für dich erfüllen?
    • Wut rauslassen, dich zugehörig fühlen, Schmerz vermeiden?
    • Bist du für andere Menschen da, in der Hoffnung, dass sie für dich da sein werden?
    • Liebst du, auch wenn es unsinnig erscheint, Menschen, die dir wehtun, trotzdem aus vollem Herzen?
    • Drängst du dich in der Gruppe selbst in den Hintergrund, um andere entscheiden zu lassen, dich rauszunehmen und keine Verantwortung tragen zu müssen?
    • Oder bist du eher darauf aus, im Vordergrund zu agieren, aus Angst, dass du sonst überrannt oder übersehen wirst?
  • Was könntest du dir nie verzeihen?
  • Woran denkst du täglich?

Wir alle haben unbewusste und bewusste Motive, die uns leiten und anziehen, von denen wir uns etwas versprechen, weswegen wir handeln. Zu ihnen allen gehören Grenzen, die es zu wahren gilt, aber die nicht jeder sofort erkennt. Wenn du deine Grenzen jedoch nicht einmal selbst kennst, kann es schnell zu Enttäuschungen kommen. Stattdessen lohnt sich ein ehrlicher Blick auf dich selbst, am besten bewaffnet mit einem Blatt Papier, auf dem du niederschreibst, was ein absolutes No-Go ist. Wann immer jemand vor deiner Wand steht und kurz davor ist, diese einzurennen, weise ihn auf deine Grenzen hin. Wann immer du selbst deine Bedürfnisse, Werte und Grenzen ignorierst, tue dasselbe. Mitunter brauchen wir mehr Erinnerung an unsere Grenzen als so manch anderer.

 

8. Deine Selbstwirksamkeit in Besitz nehmen

dir selbst vertrauenWir sind alle erwachsen. Da gibt es kein Wenn und kein Aber, keine Ausreden und keine Schuldzuweisungen an andere. Wir sind diejenigen, die entscheiden, was wir tun und was nicht. Selbstwirksamkeit ist damit jedem eigen und jeder kann sie zu jeder Zeit in Besitz nehmen. Wir können mit Menschen sprechen, Kompromisse suchen oder uns abwenden, wenn eine andere Lösung weniger verspricht. Kein “Es geht nicht!” und kein “Wenn das nur so einfach wäre!” würde entschuldigen, wenn du dein Leben in die Hände anderer gibst oder keine Grenzen setzt bzw. sie selbst überschreitest oder es anderen erlaubst.

Seien die Umstände noch so dramatisch: Es gibt Menschen, die helfen können und werden, Wege, die du noch nicht durchdacht hast, Unterstützung in Form von Therapeuten und anderen, falls es eine besonders schwere Situation ist. Vor allem gibt es Schritt für Schritt und Stück für Stück. Keine Veränderung muss von Jetzt auf Gleich geschehen. Auch die Menschen im Umfeld können durch schrittweise Veränderungen in eine Gewöhnung geführt werden. Verbiete dir alle Ausflüchte, die dir vermeintlich helfen können, wenn sie dich doch nur blockieren. Vertraue auf dich und das, was du kannst. Oder erinnere dich neu daran, was du alles kannst und schon in deinem Leben geschafft hast. Und sollte es so sein, dass hier wenig unter dem Strich steht: Erlaube dir die Erfahrung, dass du neu anfangen kannst und alles, was bislang nicht erreicht wurde, nachgeholt werden kann.

 

9. Das Leben rächt sich ganz allein

Die meisten verlieren ihr Vertrauen, weil sie bitter von jemandem enttäuscht wurden. Sie lernten daraus, wozu sie selbst oder andere (nicht) imstande sind. Sie halten das Ereignis in Erinnerung, um sich vor neuen, schmerzhaften Erfahrungen zu schützen. Sie sind so tief getroffen, dass sie am liebsten vergelten möchten, am liebsten diesen Schmerz teilen wollen. Sie ertragen weder die Hilf- und Wehrlosigkeit noch die Folgegefühle der Angst, Traurigkeit, Scham, Schuld, Wut, Entsetzen, Misstrauen und mehr. Einen Rat, den ich mit 20 bekam, gebe ich immer wieder gern weiter: Verschwende deine Zeit nicht mit Rache. Das Leben rächt sich von ganz allein.

 

10. Halt und Geborgenheit, Sicherheit und Wert

Was in deinem Leben gibt dir Halt und lässt dich sicher, geborgen und wertvoll fühlen? Es müssen keine Menschen sein. Auch Tiere, Kontakt zur Natur, Musik, Literatur, Kunst oder sonstiges wie Hobbys oder Leidenschaften – vom Kochen bis hin zu Sport – kann dir neues Vertrauen schenken. Solche “Reichtümer” im Leben vermögen es auch, dir neue Kraft zu spenden und dir zu zeigen, was du kannst, wozu du fähig bist, was du liebst – sodass du dich fühlst. Sorge für positive Gefühle und erinnere dich an jene Wohlgefühle – nicht nur, wenn es gerade bergab geht. Halte diese Hobbys/Leidenschaften/etc. in Ehren und pflege sie. Kontere mit ihnen, falls negative Gefühle hochkommen. Das lenkt deine Aufmerksamkeit auf das Gute in deinem Leben. Je mehr du davon hast, umso leichter wirst du wieder Vertrauen schöpfen können.

Vertrauensvolle Grüße,
Janett

 

Die Angst vor dem Kontrollverlust: Was es damit auf sich hat

Die Angst vor dem Kontrollverlust: Was es damit auf sich hat

 

Wie jede andere Angst auch, ist die Kontrollangst nicht einheitlich definiert und tritt bei jedem Menschen in anderer Art und Weise auf. Dennoch kennen diese Angst unzählige Menschen. Meistens geht sie bei ihnen mit Panikattacken einher, welche die Angst weiter befeuern. Es folgen nicht selten Begleitängste, wie etwa Platzangst (Agoraphobie) oder Hypochondrie. Andere Ängste können außerdem die Ursache für die Angst vor dem Kontrollverlust sein. Das Ganze mag ein wenig verstrickt klingen, lässt sich aber recht einfach aufschlüsseln, um Betroffenen ihre Angst verständlicher zu machen.

 

Angst vor Kontrollverlust: Warum wir gerne die Kontrolle behalten

Vermeintliche Sicherheit

wieso wir Angst vor Kontrollverlust haben

Studien zeigen: Die Angst vor Kontrollverlust ist verbreiteter, als man glaubt. Photo: Ben White / Unsplash

Die Angst vor Kontrollverlust im Allgemeinen bzw. die Angst, die Kontrolle in bestimmten Situationen zu verlieren, ist verbreiteter, als man glauben mag. Laut einer Studie des Meinungs- und Wahlforschungsinstituts „Infratest dimap“, in der über 1000 deutsche Bürger im Jahr 2017 zu ihrem Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum befragt wurden, fühlte sich zwar die Mehrheit der Befragten sicher. Doch immerhin 23 Prozent fühlte sich eher unsicher oder sogar sehr unsicher. Würde man diese Studie mit der zehn- oder hundertfachen Menge an Befragten durchführen, käme man wohlmöglich zu prozentual ähnlichen Ergebnissen. Denn ein gewisser Drang nach Sicherheit ist ganz natürlich und gehört zu den Urinstinkten – schließlich möchte man sich selbst und (in gegebenem Fall) die Angehörigen vor Gefahren, Beeinträchtigungen und Risiken schützen.

Gerade im öffentlichen Raum – außerhalb der eigenen vier Wände, in denen alles genau so eingerichtet werden kann, dass es maximale Sicherheit verspricht – lässt sich nicht alles kontrollieren. Hier agieren meist unbekannte Menschen, deren Verhalten man nicht genau kennt, hier fahren schnelle Autos auf den Straßen, passieren Dinge, die sich nicht vorhersehen lassen. Das Sicherheitsgefühl ist geringer als das Zuhause. Die große Frage, die sich abseits davon aber zu stellen lohnt, lautet: Ist Sicherheit nicht immer eine Illusion?

Die Antwort lautet: Jein. Eine gewisse Sicherheit ist möglich und sinnvoll. Etwa, wenn es darum geht, ein Schloss an der Haustür zu haben oder vielleicht auch zwei. Denn somit ist man vor unfreiwilligen Besuchern besser geschützt und fühlt sich auch nachts sicherer. Problematisch wird es, wenn ein imaginäres Schloss vor allem gehängt wird, was einem lieb ist: vor dem eigenen körperlichen Wohl und dem der Familie, vor dem Bankkonto, vor der Freiheit – alles zugunsten der Sicherheit. Dann leiden letzten Endes Geist und Seele, vielleicht ohne, dass man es merkt, und es entwickeln sich „Störungen“, wie etwa die Angst vor dem Kontrollverlust. Alles muss kontrolliert werden, um sich eine vermeintlich permanente Sicherheit garantieren zu können.

 

Die Angst vor dem Unbekannten

Hinzu kommt eine wahrgenommene Sicherheit, die mit der Gewohnheit zusammenhängt. Wer sich in täglichen Abläufen und Strukturen befindet, die funktionieren, fühlt sich in ihnen schnell wohl. In Deutschland funktionieren verschiedenste Abläufe extrem gut. Die berüchtigte deutsche Bürokratie hat den Vorteil, dass das Meiste so läuft, wie es laufen soll. Der Nachteil, der sich dadurch ergibt: Läuft es einmal nicht, wie vorgesehen, bricht oft Panik aus. Plötzlich muss aus dem Gewohnten, Sicherheitsgebenden ausgebrochen werden. Die „Comfort Zone“, die Komfortzone, muss verlassen werden und, wie der Name schon sagt, der Komfort geht verloren. Es ist allerdings oft nur der Komfort der Bequemlichkeit und damit nicht zuletzt auch der Komfort der Müdigkeit.

Kurzum: Das Ungewohnte, Unbekannte und Neue macht vielen, wenn nicht sogar allen, Menschen Angst. Es „passt“ nicht in Erwartungen hinein, die an die Alltäglichkeit gestellt werden. Es gefährdet das Bekannte und die Sicherheit. Diese Denkweise und die Dynamik, die sich daraus ergeben, sind aber in der Regel viel schlimmer als jegliche Gefahren, die das Unbekannte mit sich bringt. Denn die Angst vor dem Unbekannten kann letztlich bei vielen Menschen auch der Auslöser für weitere Denkweisen sein, sei es ein besonderer Lebensstil, Vorlieben, politische Überzeugungen und mehr.

 

Warum Kontrollverlust nicht schlecht sein muss

Das Bedürfnis nach Ekstase

Die Angst vor Kontrollverlust steht gegen den Instinkt, sie loszulassen

Ein natürliches Bedürfnis nach Kontrollverlust und Ekstase ist im Menschen angelegt. fotolia.de © Anja Götz

Nicht nur ist ein stetes Bedürfnis nach Sicherheit, Gewohnheit und Kontrolle ungesund, wenn sie Auswirkungen auf das Verhalten der Betroffenen haben. Sie sind zudem unnatürlich. Denn der Mensch hat ein angeborenes Bedürfnis nach Ekstase, nach Rausch und Kontrollverlust. Nicht grundlos suchen beispielsweise viele Menschen am Wochenende einen Ausgleich zu Studium oder Arbeit, indem sie extreme Sportarten betreiben oder sich in Technoclubs in tranceartige Zustände tanzen oder Drogen konsumieren, die grenzüberschreitende Rauscherfahrungen hervorrufen  – all dies geschieht, um den Alltag zu vergessen, das Sicherheitsgefühl loszulassen und einfach zu „sein“. Dieses einfache Sein ist wohl eine der größten Sehnsüchte, die mit Ekstase und Rausch verbunden ist: die Sehnsucht, „aus sich herauszutreten“, sich einfach gehen zu lassen, alle Zwänge abzugeben. Denn eine stabile Umgebung, die unter bestimmten Regeln funktioniert ist wichtig; manchmal braucht der Mensch, um gesund zu bleiben, aber auch das Gegenteil.

Dass dazu nicht etwa Drogen konsumiert werden müssen, sollte klar sein. Rausch- und Ekstasezustände, aber auch eine geistige Leere, in der das Bewusstsein ruht und Platz für die angstfreie Aufnahme neuer Eindrücke im Geist geschaffen werden kann, sind auch anders zu erreichen. Beispielsweise durch Tanzen oder Musik, Skifahren in naturbelassenen Gebieten, Meditation, Yoga, Extremsportarten oder auch durch sexuelle Abenteuer: All diese Dinge setzen im Körper natürliche Stoffe, darunter Endorphine, Adrenalin oder Endocannabinoide, frei und sorgen für intensives Erleben, Glückszustände und Erholung. Der Mensch muss jedoch, um das Bedürfnis nach ekstatischen Zuständen, geistiger Leere und Co. zu befriedigen, manchmal erst lernen, loszulassen und die Kontrolle freiwillig abzugeben.

 

Die Kontrolle gezielt abgeben

Es gibt viele Situationen, bei denen jeder, wenn er ehrlich zu sich selbst ist, zugeben würde, dass es sinnvoll wäre, die Kontrolle abzugeben. Wichtig ist bei allem, sich vorher glaubhaft zu verdeutlichen, dass es sich bei allem, was dabei passiert, eben nicht um einen Kontrollverlust, sondern um eine Abgabe der Kontrolle handelt. Auf diese Weise kann auch trainiert werden, in ungeplanten Situationen ruhig zu bleiben und die Kontrolle mit Neugier auf das Kommende abzugeben. Dann ist Angst keine überrollende Lawine mehr, sondern pure Aufregung vor einem schönen, neuen Abenteuer.

Drei Beispiele, die wir alle kennen:

1. Die Liebe

Wer schon einmal Hals über Kopf verliebt war, weiß, dass es sich dabei um ein Gefühl handelt, das sich im Grunde kaum kontrollieren lässt. Wir meinen zwar, uns aussuchen zu können, in wen wir uns verlieben. Meistens aber erwischt es uns einfach so und wir haben keine Wahl. Aus irgendeinem Grund wollen wir plötzlich mit diesem Menschen Zeit verbringen, körperliche Nähe teilen, Dinge unternehmen. Wer seinem eigenen Glück und der Befriedigung seines Bedürfnisses nach Verbundenheit, Zärtlichkeit und Nähe nicht im Weg stehen will, muss hier loslassen können.

Wo das den meisten Menschen beim Verlieben und Lieben noch gelingt, taucht bei vielen die Angst vor Kontrollverlust bei körperlicher Nähe und Sex auf. Doch auch die schönste Nebensache der Welt funktioniert nur, wenn dabei der Kopf nicht ständig arbeitet. Dann beginnt man, sich kontraproduktive Fragen zu stellen: Sehe ich gut genug aus? Findet der andere meinen Körper nicht komisch? Ist das nicht seltsam, was wir hier gerade machen? Was, wenn… und so weiter. Wer den Moment genießen will, muss die Kontrolle abgeben und schauen, was passiert.

 

2. Das Spiel

Auch Spiel funktioniert in vielen Fällen nur, wenn die Kontrolle ein Stück weit abgegeben wird. Man denke etwa an die abstrakte Malerei, die ebenfalls ein Spiel mit Farben auf einem Untergrund ist. Viele berühmte Bilder, wie etwa die Bilder Jackson Pollocks, sind durch zufälliges Tropfen der Farbe auf die Leinwand entstanden. Sie haben Kunstgeschichte geschrieben. Hätte Pollock es nicht geschafft, die Kontrolle über seine Arbeit an den Zufall abzugeben, er wäre vermutlich nie erfolgreich gewesen.

Beim Glücksspiel ist es ebenfalls so, dass ein zu starker Kontrollzwang u. a. zu einem ungesunden Spielverhalten führen kann – bis hin zur Sucht. Aber auch nicht suchtgefährdete Menschen, die das Spiel und sein Ergebnis übermäßig steuern wollen, stören durch den Kontrollzwang das Ergebnis des Spiels. So hat etwa das Automatenspiel einen Reiz auf viele Menschen, eben weil es nicht völlig kontrolliert werden kann. Hier macht die Hoffnung auf einen Gewinn, durch die Zufallsanordnung der Walzen und die gleichzeitige Angst, den Einsatz zu verlieren, sogar den Reiz des Spiels aus. Wer denkt, er könne durch Kontrolle und Spielstrategien sein Spiel verbessern, obwohl er nur teilweise Einfluss auf das Spielgeschehen hat, wird kaum Spaß am Spiel haben. Ob am Pokertisch, beim Mau Mau, Skat oder 17 gewinnt: Die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Karten auf den Tisch kommen, lässt sich zwar berechnen, wie sich die anderen Spieler verhalten, jedoch nicht. Nur wer die Kontrolle abgibt und sich auf den Zufall des Spielverlaufs einlässt, kann Freude daran haben.

 

3. Prüfungen

Ob es sich um das Abitur, die Zwischenprüfungen in der Uni, die Verteidigung der Dissertation, Bewerbungsgespräche oder Vorträge und Präsentationen vor den Kollegen handelt: Besonders in Prüfungssituationen empfinden immer mehr Menschen eine erhöhte Angst vor dem Verlust der Kontrolle über die eigenen Leistungen und die Anerkennung durch Andere. Beides ist wertebezogen und regelt so unsere Motivationen. Was wir erwarten, zu erhalten (= Werte), gepaart mit der Wahrscheinlichkeit, es zu bekommen, zum Beispiel im Ansehen vor anderen zu steigen oder uns selbst unseren Wert zu beweisen, steht oft in direkter Verbindung mit aufkommender Angst. Das wiederum führt zu Blackouts, Angstzuständen, körperlichen Symptomen wie plötzliche Krankheitserscheinungen oder Magen-Darm-Problemen. Es belastet uns, weil durch die Angst vor dem Verlust und Misserfolg Stress ausgelöst wird. Stresshormone fluten durch den Körper. Geben wir ihm nicht die Möglichkeit, sie wieder zu senken, sondern erleben die Angst und den Stress über längere Zeit, kann der Verlust sogar manifest werden, zum Beispiel in Form von Panikattacken.

 

Wenn Kontrollverlust zu Panikattacken führt

Oftmals ist der Kontrollverlust an sich nicht der eigentliche Punkt, vor dem viele Menschen Angst haben. Ist die Kontrolle verloren, muss sich jedoch neu orientiert werden:

  • Was mache ich jetzt?
  • Ist es schlimm, dass die Kontrolle nicht mehr da ist?
  • Kann ich mich an jemanden wenden, der mir hilft, die Kontrolle zurück zu bekommen?
  • Muss sie überhaupt zurückerlangt werden?

Wer einmal mit diesen Fragen konfrontiert wurde und erfahren hat, dass sie in Situationen des Kontrollverlusts teilweise alle auf einmal und innerhalb unkontrollierbar schneller Zeit auf einen einprasseln, der entwickelt vielleicht eine Furcht davor. Denn nicht alle (und vielleicht sogar keine) der Fragen lassen sich sofort beantworten. Die Kontrolle kommt also nicht immer sofort zurück.

Das kann Panik auslösen und selbst bei einmaligem Erleben zu einer Angststörung führen. Nicht selten bezieht sich die Angst bei Betroffenen dann auf diverse Situationen. So kann eine Angst davor entstehen, bei einem Kontrollverlust nicht nur die Kontrolle über das aktuelle Geschehen und das Bewusstsein über das, was gleich passiert, zu verlieren, sondern auch über das eigene Verhalten. Man hat  Angst davor, sich selbst oder andere zu verletzen oder etwa anzuschreien, verrückt zu werden oder Ähnliches. Das wiederum kann die Angst mit sich bringen, sich in große Menschenmengen, auf öffentliche Plätze oder in öffentliche Verkehrsmittel zu begeben (Agoraphobie). All diese Ängste als Konsequenzen und negative Folgen der Angst vor dem Kontrollverlust können verhindert werden, indem trainiert wird, diese Angst abzulegen oder sie zumindest anzunehmen.

 

Mit der Angst umgehen lernen oder sie überwinden

Angst vor Kontrollverlust überwinden

Wer sich nicht mehr nur auf das Kontrollieren konzentriert und sich der Angst stellt, erfährt sicher etwas Spannendes und Neues. fotolia.de © Jacob Lund

Der erste Schritt auf dem Weg zum Umgang mit der Angst vor Kontrollverlust sollte, wie in vorigen Abschnitten deutlich geworden sein sollte, die Akzeptanz dessen sein, dass nicht alles kontrolliert werden kann. So seltsam es klingen mag: Rein theoretisch kann jederzeit ein Meteorit, der aus dem All angeflogen kommt, das eigene Haus zertrümmern. Die Chance ist extrem gering, aber sie besteht. Kontrolliert werden kann dieses Risiko nicht – es besteht jederzeit. Ähnliche Ereignisse können – natürlich in abgeschwächter Form, ohne vergleichbar dramatische Ausmaße – einem im Alltag begegnen. Wer ein gesundes, ausgeglichenes und freies Leben führen möchte, kann lernen, die Kontrolle abzugeben. Insbesondere, wenn er das Haus verlässt und wenn er sich entspannen, Spaß haben oder lieben will.

Die Abgabe der Kontrolle kann also gelernt werden – gerade, wenn traumatische Erfahrungen zu einer Angst vor Verlust geführt haben. Eine Verinnerlichung der Tatsache, dass die Einstellung die Gefühle bestimmt und dass es nicht die Umstände sind, markiert zudem den gesunden Umgang mit Angst. Letztlich kann es helfen, sich vorzunehmen, die Bewertung des Kontrollverlusts umzudrehen: Wer nicht mehr immer alles kontrollieren muss und akzeptiert, dass sich viele Dinge dem Einflussbereich entziehen, muss nicht mehr auf bestimmte Dinge achten, sie beobachten, studieren. Dadurch ergibt sich die Freiheit, sich auf Anderes konzentrieren zu können, Neues zu entdecken, Rausch zu erleben und die Kontrolllosigkeit sogar genießen zu können.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem externen Redakteur Niko Fohr.

 

Unerfüllte Bedürfnisse bei Angst, Panikattacken, Burnout inkl. GROßER TEST

Unerfüllte Bedürfnisse bei Angst, Panikattacken, Burnout inkl. GROßER TEST

 

Würden Menschen ihre Grundbedürfnisse nicht regelmäßig aus den Augen verlieren, ginge es ihnen schneller und nachhaltiger besser. Leider sind wir uns meist nicht bewusst, was wir alles brauchen, um uns zufrieden zu fühlen. Je unbewusster (und unerfüllter) unsere Wünsche und Bedürfnisse sind, desto eher neigen wir zu Depressionen, Burnout, Angst oder Panikattacken. Aber auch im “normalen” Bereich erschwert es den Umgang mit Stress z. B. auf der Arbeit oder in der Familie.

Seine Bedürfnisse zu kennen und sie zu erfüllen ist ein Bestandteil jeder Selbsthilfe und elementar bei z. B. Stress, Angst und Panik, Burnout (emotionale und/oder körperliche Erschöpfung), depressive Verstimmungen, Sorgen, Grübeleien usw.

 

Abraham Maslows Bedürfnispyramide gegen Burnout, Stress, Angst/Panik, Sorgen und mehr

Mein Test und die herunterladbare Karte für unterwegs beruht auf der Bedürfnispyramide von Abraham Maslow (1908-1970). Er war Mitbegründer der Humanistischen Psychologie, die sogenannte dritte Kraft der Psychologie (neben der Verhaltenstherapie und der Psychoanalyse).

Die ersten vier der fünf Bereiche der Bedürfnispyramide nennt Maslow die “Defizitbedürfnisse”. Je höher man seine Bedürfnisse auf der Pyramide eintaktet, desto besser sind die Grundbedürfnisse gedeckt. Je besser die Grundbedürfnisse gedeckt sind, desto gesünder ist der Mensch. Je mehr man höhere Bedürfnisse (Bereich 2-4 zzgl. 5) erfüllt, desto zufriedener und gesünder wird man, ergo besser geschützt gegen Burnout, Angstzustände, Panikattacken und Belastungen. Man bleibt solange in einem Bedürfnis verhaftet, bis es von außen erfüllt wurde oder man es selbst erfüllt hat.

Je niedriger die Bedürfnisse auf der Pyramide anzusiedeln sind, desto eher wird Krankheit (psychisch und physisch) möglich. Unerfüllte Bedürfnisse rufen auch das Gefühl hervor, dass man etwas geopfert hätte und es erhebliche Mängel gäbe.Unerfüllte Bedürfnisse äußern sich besonders gern als Sehnsüchte und Gegenstand von Tagträumereien. Soziale bzw. existentielle Ängste und Sorgen können zudem entstehen.

Maslow unterschied diese fünf Bedürfnisebenen:

  1. Physiologische Bedürfnisse: Hunger, Durst, Sexualität, Sauerstoff, Licht, Vitamine, Mineralien, Aktivität, bestimmte Temperatur, Ruhe, Schlaf, Schmerzfreiheit (Symptome: Schlafprobleme, häufiges Erkranken, Empfindsamkeit, innere Unruhe, Temperaturempfindlichkeit, Atemschwierigkeiten, geringe Energie usw.)
  2. Bedürfnis nach Schutz & Sicherheit: Angstfreiheit: sichere Umgebung, Stabilität, Wohlbehalten, Struktur, Ordnung, wohltuende Grenzen (Symptome: angstbesetztes Leben, Verlustangst, überall Bedrohungen sehen, körperliche Erschöpfung, sich mit Entspannung schwer tun, das Gefühl, keine Zeit zu haben, Verwirrung und den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, sich eingeengt fühlen, Herzrasen, Muskelverspannungen, innere Unruhe, starke Unlust und Angst vor und während der Arbeit, das Gefühl, fremdgesteuert zu sein, sich unfähig fühlen, sich ohne Hilfe sehen usw.)
  3. Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit: Freiheit von Einsamkeit & sozialen Ängsten: Freude, Bindung, Kinder, liebevolle Beziehungen, Gemeinschaft (Symptome: Einsamkeit, emotionale Erschöpfung, mehr geben als annehmen können, mehr geben als Hilfe und Geborgenheit zu empfangen, wenig nährende Beziehungen, Angst vor Langeweile, innere Leere usw.)
  4. Bedürfnis nach Achtung und Selbstachtung: Respekt, Status, Ruhm, Ehre, Dominanz, Aufmerksamkeit, Selbstvertrauen, Leistung, Kompetenz, Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstwert (einzelne Symptome von Burnout und Depressionen wie Nutzlosigkeit, Sinnlosigkeit, außerdem wie bei 2. Langeweile (Boreout), starke Unlust und Angst vor und während der Arbeit, das Gefühl, fremdgesteuert zu sein)
  5. Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Wachstum: Wachstum, Sinn, Selbst, Potenziale ausschöpfen, ein höheres Gut, Dienen, gesellschaftliche/weltliche Dienste (Symptome: Sinnlosigkeit, Nutzlosigkeit beruflicher Arbeiten, Drang nach Wissen und Erkenntnis, Suche nach Sinn und Erleuchtung, spirituelles Wachstum und Berufung)

 

Manfred Max-Neef (Ökonom) benannte in den 1990er Jahren 9 menschliche Grundbedürfnisse

1. Überleben, existentielle Lebensgrundlage, Lebenserhaltung als Bedürfnis nach körperlicher und geistiger Gesundheit, im Gleichgewicht sein, Nahrung, Behausung, Fortpflanzung; geeignetes Lebensumfeld

2. Schutz, Sicherheit als Bedürfnis nach Fürsorge, Geborgenheit, Selbstständigkeit, soziale Sicherheit, Absicherung, Vorsorge, Rechte, kooperative Kontakte, Helfen

3. Zuneigung, Zuwendung, Liebe als Bedürfnis nach Selbstachtung, Solidarität, Respekt, Toleranz, Partnerschaft, Familie, Freundschaft, Fürsorge für sich und andere, Gemeinschaft, Wertschätzung, Gefühle ausdrücken können (ohne Angst vor der Reaktion anderer)

4. Verstehen, Verständnis als Bedürfnis nach Neugier und ihre Befriedigung, Vernunft, Aufnahmebereitschaft, Forschung, Analyse, sich ausprobieren, Lernen, andere anleiten (bilden)

5. Teilnahme als Bedürfnis nach Anpassung, Solidarität, Engagement, Hobbys, Übernahme von Verantwortung, Leistung, Kooperieren, Meinungsaustausch, sich mitzuteilen, mitzubestimmen, Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft/Gruppe/zu einem anderen Menschen

6. Muße, Müßiggang als Bedürfnis nach Ruhe, Innenschau, Sorglosigkeit, Tagträumen, Spiele, Spaß, Feiern, Nostalgie, Freizeit

7. Kreativität als Bedürfnis danach, etwas zu schaffen/erfinden, sich zu beschäftigen, eigene Fähigkeiten/Fertigkeiten auszuleben. produktiv zu sein, Feedback, freie Zeit haben

8. Identität als Bedürfnis nach Abgrenzung, Selbstachtung, -behauptung, -entwicklung, -erkenntnis, Platz in einer Gruppe haben, sich kennenlernen, Weiterentwicklung

9. Freiheit als Bedürfnis nach Freiraum, Autonomie, Mut;, Gleichberechtigung, Risiken, Unterschiedlichkeit

 

Wichtig zu wissen

Alle Bedürfnisse der einzelnen Bereiche bestehen gleichzeitig und nebeneinander, sind ab Bereich 2-4 gleichwertig und gleich wichtig. Kein Bereich ist wichtiger als Bereich 1, denn das reine Überleben sowie das Vorhandensein einer Lebensgrundlage ist Voraussetzung für weitere Bedürfnisse. Natürlich können deine Handlungen nicht nur ein Bedürfnis, sondern mehrere Bedürfnisse auf einmal befriedigen.  Wird nur ein Bedürfnis befriedigt, kann ein anderes Bedürfnis unbefriedigt bleiben.

Maslow glaubte, die Nichterfüllung von Bedürfnissen würde Krankheit hervorrufen. Wenn du

  1. Mangel in einem Bereich siehst und dir dort die Bedürfnisse nicht erfüllst, obwohl du sie hast,
  2. gleichwohl deine anderen Bedürfnisse missachtest, sie ignorierst oder verdrängst,

könnte es Folgen für deine Gesundheit haben. Er vertrat auch die Meinung, dass sich unerfüllte Bedürfnisse als Sehnsüchte oder Entbehrungen/ Opfer anfühlen, unter denen der Mensch unweigerlich leiden wird/unbewusst leidet.

 

Großer Selbst-Test: Bedürfnisse und Defizit-Bedürfnisse – Die Bestandsaufnahme deines Lebens bei Sorgen, Kummer, Angstzuständen, Panikattacken und Erschöpfung

Ausgehend davon habe ich einen umfangreichen Test erstellt, anhand dessen du deine Bedürfnis-Situation erkennen kannst. Es heißt, Bedürfnisse seien in ihrer unerfüllten Variante Ursache aller psychischer/physiologischer Krankheiten. Interessanterweise ist es der vierte Bereich -Wertschätzung & Geltung -, der laut Maslow die meisten Schwierigkeiten auf physischer und psychischer Ebene vorrufen würde.

Der von mir entwickelte Test kann wichtige Mängel aufzeigen und Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht. Die Auswertung liefert außerdem Impulse zu Handlungen.

  • Wie erfüllt sind deine Bedürfnisse?
  • Welche Bedürfnisse sind nicht erfüllt?
  • Wo gibt es hauptsächlichen Handlungsbedarf?
  • Was würde dich zufriedener machen?

Druckbares PDF-Format, 13 Seiten.

Nach dem Kauf erhältst du eine E-Mail mit dem Download des Zugangslinks, der dich direkt zum Test führt.

Hinweis: Der Test ersetzt weder einen Arzt- bzw. Therapeutenbesuch noch stellt er eine valide Grundlage für Diagnosen dar. Er dient der Selbstreflexion und als Instrument der Selbsthilfe und kann Impulse liefern, die eigene Lebensgestaltung in die Hand zu nehmen bzw. zu reflektieren.

 

Kostenfreie Bedürfnis Karte zum Drucken und Erinnern

Auf der downloadbaren Karte für die Geldbörse, den Badezimmerspiegel oder als Erinnerung auf dem Schreibtisch sind die ersten vier (grau hinterlegt) die erwähnten Defizitbedürfnisse.

Die Karte besteht aus zwei Seiten:

  • Seite 1 dient der Einschätzung der Motivation und Bedürfnisse für etwas oder eine Tätigkeit. (wie man das Ausüben der Tätigkeit empfindet, welche Gefühle beim Gedanken und der Tat hochkommen, ob/wann Abwehr & Unlust entsteht usw.)
  • Seite 2 zeigt die Bedürfnispyramide und liefert verschiedene Bedürfnisse als Impuls. Was sticht dir ins Auge? Was entpuppt sich nach Bedenkzeit als abwesend, mangelhaft oder unbefriedigend?

Die Karte (am Ende der Seite) lässt sich herunterladen und ausdrucken.

Der Effekt: Man erkennt seine Motivation und kann selbst bestimmen, in welchen Bedürfnisbereichen man Ungleichgewichte aufweist und was es zu tun gilt. Die Informationen des Selbsttests dienen dazu, Ursachen für die eigenen Gefühle zu entdecken.

  1. Schätze deine Gefühle auf einer Intensitäts-Skala von 1-10 ein.
    1a) Bestimme dein Motiv für die Tätigkeit oder Unlust.
    1b) Bestimme dein Bedürfnis bei der Tätigkeit oder Unlust.
  2. Was empfindest du beim Gedanken an die Tätigkeit/Unlust? Wie möchtest du dich fühlen? Wie hast du dich früher dabei gefühlt?
  3. Welche Bedürfnisse werden nicht erfüllt? Was verhindert es? Wie wäre dein Leben idealerweise? (Was fehlt zum Glück?)

Überlege allein oder gemeinsam mit einem Vertrauten mögliche Schritte, um diese Bedürfnisse zu decken.

In meinen Augen eignet sich die Bedürfniskarte hervorragend für schlechte Zeiten, um seine eigene Gesundheit und Zufriedenheit im Blick zu behalten. Erfüllen wir uns weitestgehend alle Bedürfnisse, umso besser geht es uns. Wir würden harte oder akut stressige Zeiten weniger belastend empfinden.

Download zum Drucken: Bedürfnis Karte

 

Angst vor Lautstärke: Was wir von lauten Menschen lernen können

Angst vor Lautstärke: Was wir von lauten Menschen lernen können

 

Die Angst vor lauten Geräuschen bzw. erheblicher Lautstärke ist angeboren. Als Introvertierte, Hochsensible, Intuitive und Empathin weiß ich, wie schwierig deshalb laute, sich in den Mittelpunkt drängende Menschen sein können. Sie zehren an den Nerven. Vor allem aber machen sie uns wütend. Sie werden eine Last, die wir in Zeiten, in denen wir uns nach Ruhe und Stille sehnen, kaum ertragen können. Während wir in Verbindung zu uns sein möchten, lenken sie uns ab und unseren Blick – erzwungen – auf sie. Wir wollen nichts von ihnen mitbekommen, wollen nicht hören, mit wem sie telefonieren, was sie heute erlebt haben. Nicht selten sind es völlig unwichtige, im Vergleich zu unserem Leben, vermeintlich sinnlose Gesprächsthemen, die sie uns in Bussen, Bahnen, Zügen, Flugzeugen und Öffis aufdrängen. Wir können nicht fliehen. Immerhin müssen auch wir an unser Ziel. Bei einigen lösen laute Geräusche und Menschen sogar Angst- und Panikattacken aus. Je sensibler die Seele durch Stress oder Konstitution ist, zum Beispiel durch Hochsensibilität oder Hochempathie, desto heikler kann es für die psychische Gesundheit werden.

 

Die Psyche & Lautstärke: Durch laute Geräusche und laute Menschen getroffen

lärm und wie er der psyche schaden kannÜberreizung durch Lautstärke, wie zum Beispiel Baulärm, hellhörige Wohnungen, (Großraum)Büros, Geräusche des Partners/der Familie oder fremde, laute Menschen: Mehrere Studien zeigen, dass Lautstärke in jeder Form die Psyche nachhaltig schädigen kann. Die Folgen können u. a. Konzentrationsmangel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Migräne, Lernschwierigkeiten, Schlafstörungen bis hin zu psychischen Erkrankungen wie Angstzustände und Panikattacken sein.

Sozialer, emotionaler oder psychischer Stress (egal, durch was hervorgerufen) bedeutet, dass der Körper Stresshormone ausschüttet, die er auch wieder abbauen muss, damit wir gesund bleiben. Bleibt die Lärmbelästigung aber anhaltend, wird es schwer, denn der Körper schüttet schneller aus, als er abbauen kann. Einmal mehr ist Resilienz ist gefragt, wenn wir dem Körper helfen wollen. Wir müssen Wege finden, um entstehenden Stress durch Lautstärke oder Lärm auch wieder verringern zu können. Hochsensible, empathische oder allgemein gestresste Menschen können besonders von einem neuen Umgang mit Stress durch Lautstärke oder laute Menschen profitieren.

Auch die charakterliche Konstitution – Introversion versus Extraversion – zeigt unsere Befangenheit und Bedürftigkeit. Doch während extravertierte Menschen es selten merken, dass sie introvertierte oder hochsensible Nerven belasten, werden Introvertierte erneut auf ihre Gefühle zurückgeworfen. Unsere in uns, durch sie ausgelösten, Folgegefühle belästigen uns. Selbst böse Blicke, um diesen Menschen zu signalisieren, dass wir uns in die Ecke gedrängt fühlen, bringen selten etwas. Die Wut, die sie in uns auslösen, verbleibt auch in uns. Insofern wir nicht offen sprechen und unserer Verletzung durch sie Luft machen, sind wir mitten in ihrem Leben, ihrer Agenda, ihren Bedürfnissen, ihrer Persönlichkeit. Ohne es zu wollen. Und wir geraten mehr und mehr in den Hintergrund: mit unseren Bedürfnissen, unseren Gefühlen und unserer Natur. So geht es nicht nur Introvertierten. Auch Menschen, die wenig Zeit für Selbstfürsorge hatten/haben, und solche, die stark gestresst oder eingebunden sind in zehrende Themen, erleben diese Belastung.

 

Wie man mit der Angst vor lauten Geräuschen und Menschen umgehen kann

rücksichtslose laute Menschen und solche, die sich in den mittelpunkt drängenNeben der Nutzung von allen Entspannungstechniken und Sport, Meditation oder Yoga, um seine Belastbarkeit zu stärken bzw. sich nach der Lautstärke-Belastung wieder zu fangen, bleibt nicht viel.

Ich denke seit langer Zeit darüber nach, wie man aufdringliche Lautstärke bzw. laute Menschen meistern kann. Jedes einzelne Mal gerate ich an den Punkt, an dem es nichts gibt, was ich im Außen tun könnte, außer es anzusprechen und sie darauf zu verweisen, Rücksicht auf die anderen Anwesenden und ihre Bedürfnisse zu nehmen. Das wäre ein Weg. Doch gehen den nur wenige. Auch ich nur selten. Es bringt Konfrontation und eventuelle Auseinandersetzungen mit sich. Das Herz schlägt Purzelbäume und die Knie zittern. Die Wut ist dennoch da, denn immerhin ermutigt sie uns zur Selbstbehauptung.

Doch gerade hochsensible, gestresste, empathische oder intuitive Menschen vermeiden oft ehrliche und offene Konfrontationen. Alles, was sie wollen, ist Ruhe und Harmonie. Sie trennen sich von ihrer Seele oder ihrem Herzen, wenn sie andere auf ihre Fehler oder ihr verletzendes Verhalten aufmerksam machen. Sie wollen weder „die oder der Böse“ sein noch sind sie interessiert daran, die Gefühle eines anderen zu verletzen. Insofern aber der Mut nicht aufgebracht wird, aus welchen Gründen auch immer, bleibt nur eins: herausfinden, was uns diese Situation sagen und zeigen möchte. Worauf könnten bzw. wollen uns extravertierte oder laute, in unseren Augen rücksichtslose, Menschen hinweisen?

Vorab-Vorschläge für den Umgang sind:

  1. es (laut) ansprechen und sie darauf hinweisen
  2. akzeptieren, dass sie anders sind als du und du anders als sie
  3. ihnen vergeben und erkennen, dass sie um der Aufmerksamkeit wegen in Kauf nehmen, die Gefühle anderer zu verletzen, sie zu belästigen und somit – zumindest bei einigen – auch Antisympathie schüren
  4. den Sinn ihres Verhaltens einmal anders wahrnehmen, nämlich, dass sie weder Ablehnung noch Kritik fürchten und im Interesse ihres Wohlbefindens und ihrer Persönlichkeit, ihres Lebens, tun, was sie möchten (und dich das nervt)

Als aufmerksamer Mensch, und wenn du ein wenig so bist, wie ich, wird dir vielleicht aufgefallen sein, dass dieses Verhalten in dir Wut auslöst. EIGENTLICH willst du sie zum Schweigen bringen. Doch dieser Wunsch hat eine Kehrseite: Du willst sie zum Schweigen bringen, weil es deine Weltsicht ist, dass man sich wie sie nicht verhält,

  • sonst bist du oder jemand verletzt,
  • sonst bist du oder jemand wütend,
  • sonst wird du oder jemand gestört, dessen Bedürfnisse wichtiger sind als die eines anderen,
  • sonst wird die Harmonie zwischen euch gestört,
  • sonst kann sich jemand nicht von seinem stressigen oder belastenden Tag erholen,
  • sonst erzwingst du oder jemand Interesse und Aufmerksamkeit,
  • sonst unterbrichst du oder jemand ein Bedürfnis und wird zu einem „Problem“

Kommt dir einer dieser Aspekte bekannt vor? Kennst du jemanden, der das in deinem Verhalten unterband? Wünschst du dir, dass das jemand Bestimmtes in der Vergangenheit bei dir unterbunden hätte?

 

Was wir von lauten Menschen lernen können

angst und wut wegen lauter menschen abstellenSchauen wir uns die Situation noch tiefer an: Jemand oder eine Gruppe im öffentlichen Raum verursacht in uns Betroffenheit, Unruhe und Ärger, sogar Angst und Panik. Hervorgerufen wird das durch ein bestimmtes Verhalten: Lautstärke, Gespräche, eine Handlung (ohne Kopfhörer Musik hören z. B., sehr viel Raum einnehmen, stark aufdringliches Parfüm oder forcierte Blicke, Desinteresse/Rücksichtslosigkeit, Annahme, andere würden ihre Art dulden oder begrüßen, Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen anderer). Diese Menschen ziehen automatisch durch ihr Verhalten unsere und andere Aufmerksamkeit auf sich und stellen sich – zumindest bei einigen Menschen – dadurch in den Mittelpunkt. Einige Menschen aber können laute, aufdringliche Menschen gut ignorieren/ausblenden. Sie bleiben dennoch im Kontakt zu sich selbst.

Die, die laute Menschen aber als nervig empfinden, nehmen sie nur deshalb wahr, weil die Wahrnehmung anderer als Verhaltensmerkmal Teil ihrer Persönlichkeit ist. Selbst bei völlig Fremden, die sie ignorieren könnten.

Doch für die, die es gewohnt sind, dass schlichtweg jeder ihre Aufmerksamkeit bekommt, löst es verständlicherweise Wut und tiefe Betroffenheit, geschädigte Nerven und eine Menge psychische Belastung aus, die Ich-Zeiten und Wiederverbindung mit sich immens stören. Denn laute Menschen scheinen zu sagen: „Ob dir das gefällt oder nicht, spielt in diesem Moment keine Rolle für mich. Wie du damit umgehst, spielt keine Rolle. Für mich ist es gleichgültig, was du jetzt darüber denkst. Es wird an meinem Verhalten nichts ändern. Männer sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Frauen sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Kinder sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Mein Augenmerk liegt auf mir und dem, was ich bin, will, fühle, welche Menschen es in meinem Leben gibt, was ich kann, was ich nicht kann, wie ich der Welt begegne. Ob es dir oder jemand anderem passt oder du es ablehnst, wie ich mich in der Welt bewege, wie ich ihr begegne, spielt keine Rolle für mich. Du wunderst dich darüber, dass ich so bin, wie ich bin und wie ich mich verhalte. Ich wundere mich darüber, dass du nicht so bist, wie ich und wie ich mich verhalte. Du magst anders sein als ich, gerade etwas Anderes brauchen, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Ich mache dennoch das, was ich für richtig erachte.“

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber nebst der Wut, die in mir in solchen Situationen stets hochstieg, geschah vor allem eins in mir: Ich empfand es deshalb als rücksichtslos, weil es für mich – so habe ich es gelernt – eine Anmaßung, eine Dreistigkeit, darstellte, so zu sein und so zu denken. Ich erntete (in meinen jungen Jahren) viel Ablehnung und Konflikte mit einem ähnlichen Verhalten. Es sorgte für Ausgrenzung in Schulzeiten und für Disharmonie Zuhause. Daraus schlussfolgerte ich: Laut zu sein und andere während ihrer Bedürfnisse wegen meiner eigenen zu unterbrechen oder zu stören, ist ab sofort tabu. Zudem lernte ich, dass es anderen so viel bessergeht, wenn ich still bleibe und sie machen lasse – was es auch sein mag. Ich lernte gleichermaßen, meine Bedürfnisse zurückzustellen oder ganz für mich zu behalten.

Neben Wut, lösten laute Menschen auch diese Reaktion in mir aus: Allein die Tatsache, dass sie offen und ungeniert ihre Bedürfnisse und Persönlichkeit, ihr Leben, zur Schau stellten, ohne sich über die Reaktion und Gefühle anderer Gedanken zu machen, sich der anderen bewusst zu werden, empfand ich als Last. Hinzu kam meine eigene Unfähigkeit, mit ihnen und ihrem Verhalten umzugehen. Denn das machte mich außerdem wütend. Grundsätzlich war ich selten erfreut, wenn mich jemand bedrängte, mir meine Zeit stahl, meinen Fokus unterbrach oder gegen meine Werte ging. Besonders dann, wenn derjenige nicht davon abließ, mich von seiner Weltsicht oder seinen Bedürfnissen überzeugen zu wollen, sie mir aufzwang, nur um zu bekommen, was er wollte, kein Nein akzeptierte, nur sich und seine Ziele im Kopf hatte.

Doch dieses Gedankengut bringt nur wenig und ändert nichts am eigenen Unwohl, wenn laute Menschen in unserem Umfeld sind.

Ich schaute mir meine inneren Anweisungen an. Vielleicht lösen diese Sätze auch etwas in dir aus? Mach den Test: Wurdest du zum Leisesein erzogen? (pdf)

 

Reflexionsfragen zur eigenen Betroffenheit durch Lautstärke bzw. laute Menschen

So stark, wie ein Bedürfnis nach Stille und Ruhe auch sein kann: Erstens muss man sich fragen, woher es kommt. Welche Lebensweise oder welche Situation im Leben stärkt das Bedürfnis? Wann tauchte dieses Bedürfnis zum ersten Mal auf (der früheste Zeitpunkt, an den man sich erinnern kann)? Ist es ein wiederkehrendes oder immer präsentes Bedürfnis bzw. ist man zum ersten Mal damit konfrontiert? Welche anderen Bedürfnisse, die das Bedürfnis nach Ruhe/Stille auslösen, sind nicht erfüllt? Zu den einzelnen Fragen:

 

Welche Lebensweise oder welche Situation im Leben stärkt das Bedürfnis nach Ruhe/Stille?

Ob es ein besonders nervenzehrender, lauter, überfüllter, fremdgesteuerter, einseitiger Job oder es eine solche Beziehung ist, ob du zu wenige soziale Kontakte hast, unter deinem Singledasein leidest oder eher der Mülleimer für anderer Leute Agenda, Leben und Sorgen bist: Etwas im Leben führt dich dazu, dass Ruhe und Stille von deinem System Körper-Geist-Herz-Seele als nützlich und nötig empfunden wird. Dieses Etwas zu eliminieren oder sich dort zu sich und seinen Bedürfnissen zu bekennen, kann das Ruhe/Stille-Bedürfnis abklingen lassen.

 

Wann tauchte dieses Bedürfnis zum ersten Mal auf (der früheste Zeitpunkt, an den man sich erinnern kann)? Ist es ein wiederkehrendes oder immer präsentes Bedürfnis bzw. ist man zum ersten Mal damit konfrontiert?

Wenn etwas bereits da war, man es von früher kennt, zum Beispiel aus der Kindheit in bestimmten Situationen oder aus dem Studium/der Ausbildung, als man stark gestresst war oder von harten Arbeitstagen, an denen man über seine körperlich-geistigen Grenzen gegangen war, schließt auf Folgendes: Es ist ein vom System etabliertes Reaktionsmuster auf Stress. Dieser kann emotionaler, psychischer oder körperlicher Natur sein.

Kennst du jedoch dieses Bedürfnis noch nicht und ist es jetzt erstmals aufgetaucht, so ist es wahrscheinlich, dass es ein Weg deines Systems ist, um auf etwas relativ Neues, Junges in deinem Leben zu reagieren, das an dir zehrt. Es kann eine Schwierigkeit deines Geistes sein, sich an das Neue anzupassen. Es kann aber auch aufzeigen, wie du mit Stress oder den Tiefen des Lebens umgehst (mit welcher Reaktion).

War dieses Bedürfnis jedoch schon immer vorhanden, so ist es Charakter- bzw. Konstitutionsfrage. Dann kann es durchaus Hochempathie, Hochsensibilität bzw. -sensitivität oder -begabung sein. Besonders im letzten Fall spult sich ein Schema ab: Das normale Leben, das einfache und selbstbezogene, vereinte, menschliche Leben mit all seinen Facetten vom Saubermachen bis sozialem Kontakt wird als trennend und unwichtig empfunden. Doch hier greift die Psychologie herein und sagt: Wenn etwas zählt, dann dass man sein Leben (aus)lebt. Lebt man jedoch im Geiste, so wie Hochbegabte, dann gibt es Gedanken und Projekte, die wichtiger erscheinen als so mancher Lebensaspekt. Mit Leben ist alles gemeint: laute und stille Freude, laute und leise Bedürfnisse, Nachgeben, Durchsetzung und Konfrontationen, Harmonie und Disharmonie usw.

Diesen Ansatzpunkt kann man auch verwenden, wenn man sich zu keiner dieser Kategorien zählt. Wo (in welchem Lebensbereich) gibt es ein Ungleichgewicht im Selbstausdruck, im Äußern deiner Bedürfnisse, im Erfüllen deiner Bedürfnisse?

 

Welche anderen Bedürfnisse, die das Bedürfnis nach Ruhe/Stille auslösen, sind nicht erfüllt?

Partnerschaft, soziale Kontakte (Freunde, Feiern, Treffen, vertrauensvolle Gespräche bzw. Ansprechpartner), Selbstausdruck in Hobbies und Leidenschaften, passendes Umfeld (lokal in Bezug zum Wohnort als auch der Familien-, Bekannten-, Freundes- und Kollegenkreis): All diese Bereiche geben uns etwas. Sollten sie jedenfalls. Sonst ist es verständlich, wenn wir uns nicht wohlfühlen und lieber unsere Ruhe erfahren möchten. Doch was sie uns geben (sollten), hat selten etwas mit Ruhe zu tun: Es ist wahrscheinlicher, dass es der Ausdruck und das Fühlen von Respekt, Teilhabe bzw. Mitgestaltungsraum, Zugehörigkeit, Ansehen, Anerkennung, Wahrgenommenwerden/ Aufmerksamkeit oder Zeit ist, um nur einige zu nennen. Sind diese nicht erfüllt, tendieren viele dazu, sich zurückzuziehen, weil sich ihre Art der Offensive als unwirksam herausstellte. Schaut man sich dann Menschen an, mit denen man alternativ und ersatzweise ein „Problem“ hat, weil sie zu laut sind oder rücksichtslos erscheinen, fällt eins auf: Sie machen es dennoch. Sie ziehen sich nicht zurück. Im Gegenteil: Sie suchen weiter und bleiben weiterhin, was sie sind. Sie kümmern sich weder um andere und was sie denken. Noch schränken sie ihre Stimme ein. Es ist deren Art der Offensive, um sich ein Bedürfnis zu erfüllen. Auch ihr Bedürfnis wird sich unter den eben genannten als Ausdruck finden.

 

Jetzt könnte es etwas wehtun

das Einzige, was stört, sind die Anderen und was sie von mir denkenWir haben also mindestens zwei „Sorten“ Mensch mit verschiedenen Ausdrucksformen ihrer Bedürfnisse. Während die einen „so“ sind, sind die anderen anders. Wir haben zudem mindestens zwei „Sorten“ Mensch mit verschiedenen Herangehensweisen ans Leben, an unerfüllte Wünsche oder Ziele sowie Umgangsweisen mit anderen. Beides lässt sich weder als gut noch schlecht bezeichnen. Im Gegenteil: Beide könnten voneinander lernen.

Erinnern wir uns erneut, was ich eingangs schrieb:

„Ob dir das gefällt oder nicht, spielt in diesem Moment keine Rolle für mich. Wie du damit umgehst, spielt keine Rolle. Für mich ist es gleichgültig, was du jetzt darüber denkst. Es wird an meinem Verhalten nichts ändern. Männer sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Frauen sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Kinder sind mir egal, die mein Verhalten störend finden könnten. Mein Augenmerk liegt auf mir und dem, was ich bin, will, fühle, welche Menschen es in meinem Leben gibt, was ich kann, was ich nicht kann, wie ich der Welt begegne. Ob es dir oder jemand anderem passt oder du es ablehnst, wie ich mich in der Welt bewege, wie ich ihr begegne, spielt keine Rolle für mich. Du wunderst dich darüber, dass ich so bin, wie ich bin und wie ich mich verhalte. Ich wundere mich darüber, dass du nicht so bist, wie ich und wie ich mich verhalte. Du magst anders sein als ich, gerade etwas Anderes brauchen, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Ich mache dennoch das, was ich für richtig erachte.“

Welche dieser Fragen treffen dich am meisten?

  • Warum nehmen sich andere wichtiger als (m)ich?
  • Wieso achten andere nicht auf mich und meine Bedürfnisse?
  • Wieso ist es ihnen gleichgültig, was ich fühle, denke und brauche?
  • Wieso darf ich mich nicht danebenbenehmen, während andere es doch auch dürfen?
  • Wieso bin nicht ich laut und aufdringlich, wenn mir danach ist?
  • Wieso trage ich das, was mir Spaß und Freude bereite, nicht nach außen?
  • Wieso nerve ich Menschen nicht auch einmal mit meinen Bedürfnissen und setze mich durch?

Wir können jeder Herausforderung auf unterschiedlichste Weise begegnen. Wir können uns reflektieren und unser Denken, unsere Interpretationen ändern. Vielleicht lernen wir so, das, was uns als Kind verboten war, als Erwachsener wieder zurück zu integrieren. Wut allein, ohne sie auch auszudrücken, bringt allerdings wenig. Sie würde sich nur gegen uns selbst richten und so den Stress erhöhen. Die resultierenden Stressshormone blieben in unserem Körper und könnten dort ihren Schaden anrichten. Wenn wir in einer lauten Umgebung sind, müssen wir also Wege finden, sei es auch durch Kündigung, Umzug oder Ausdruck der empfundenen Belästigung.

 

Selbstabgrenzung: Eine wirksame Übung aus meinem Methodenkoffer

Selbstabgrenzung: Eine wirksame Übung aus meinem Methodenkoffer

 

Selbstabgrenzung ist für viele Menschen eines der größten Bedürfnisse und Herausforderungen. Wir meinen es gut mit Menschen und viele Menschen meinen es gut mit uns. Dennoch: Es wird Menschen geben, die es weniger gut meinen, die Güte und Demut ausnutzen oder uns manipulieren. Es sind unbewusste Menschen, die stark im Mangel leben und aufgrund von früheren Ereignissen nur mit sich selbst, statt mit den Konsequenzen für ihr Gegenüber, beschäftigt sind.

 

Selbstabgrenzung üben lernen

Es kann schwerfallen, mit unbewussten oder verletzenden Menschen umzugehen, ohne es als Angriff zu empfinden. Dementsprechend steigt die Bedeutung von Selbstabgrenzung in Zeiten von Stress und Angst, weil man die extremen Gefühle anderer Menschen sensibler wahrnimmt und ihnen – wie ein kleines Boot auf dem großen Ozean dem Wetter – ausgesetzt ist.

Eine meiner liebsten Methoden, die ich auch noch heute nutze, besonders allen mit Stress-Ängsten als Weg der Erleichterung empfehlen kann, sind imaginäre Wände. Wann immer man sich

  • eingeengt
  • belastet
  • mit Fremdansprüchen konfrontiert
  • ohnmächtig
  • wehrlos
  • hilflos
  • gestresst
  • verängstigt
  • ausgeschlossen
  • übergangen
  • überrumpelt
  • manipuliert
  • und vieles mehr

fühlt, stellt man sich eine Szene im Kopf vor, die es binnen weniger Sekunden erlaubt, sich innerlich abzugrenzen, zu sich zurückzufinden, sich zu schützen, Luft zu holen, in sich zu ruhen und auf sich zu besinnen. Auch bei Gedanken, die unwillkommen im Geiste auftauchten, hilft die Methode, ein STOPP zu setzen.

Die Methode ist überall anwendbar. Je mehr man sich trainiert, diese Methode als Fokussierung und Achtsamkeit zu nutzen, desto schneller funktioniert sie praktisch und einfach in allen Situationen. Sei es im Meeting, in der Bahn oder beim Mittagessen mit den Schwiegereltern: Alles, was man benötigt, ist ein Gedanke, der autogen eine Fantasie auslöst, die wiederum für inneren Frieden, Erholung und Abgrenzung sorgt.

 

Selbstabgrenzung durch Die Methode der Imaginären Wände

Schritt 1: Schließe die Augen. Atme ein paar Mal tief ein, sodass sich der Bauch hebt und senkt. Mit jedem Atemzug atmest du reine und unverbrauchte, saubere und gute Luft ein. Stell dir vor, dass diese kühle, unverbrauchte und positiv aufgeladene Luft in deinen Körper strömt. Wo immer du im Körper Verspannungen oder Blockaden spürst, atmest du hin. Beim Ausatmen stößt du alle negative Gedanken, Ärger, Angst und Traurigkeit mit einem Prusten wieder aus deinem Körper aus. Beim Prusten ist Druck enthalten; das Negative wird bewusst und gezielt aus dem Körper hinaus befördert.

Schritt 2: Stell dir nun vor, du stehst in der Mitte eines Raumes. Er ist groß, hell, freundlich und hat hohe Decken. Sieh dich nicht als Beobachter, sondern fühle dich als Besitzer dieses Raumes. Dieser Raum ist ein Symbol für deinen Körper. Sieh, wie du aufrecht stehst, um dich herum ist der Raum. Neben dir – links und rechts – stehen all die Menschen, die Erwartungen, Ansprüche, Belastungen, Verletzungen, Einseitigkeiten, Ärger und Wut mit sich bringen. Es steht in ihren Gesichtern geschrieben, dass sie es auf dich abladen wollen, dich überrennen wollen, dich brauchen, keine Rücksicht nehmen können/wollen, Bedürfnisse haben, diese wichtiger einstufen als deine, dich beladen wollen. In deinem Geiste stehen sie ruhig da und keiner bewegt sich, nur dein Kopf sieht nach links und nach rechts und bemerkt die Menschen mit ihren Erwartungen.

Schritt 3: Du lächelst sie an, vielleicht missmutig, vielleicht schadenfroh, vielleicht mitfühlend, vielleicht entschuldigend. Entscheide selbst darüber, welche Gefühle du ihnen zeigen möchtest. Aber zeige sie ihnen. Erlaube dir in diesem einen Moment, ihnen deine wahren Gefühle zu zeigen. Falls schon eine oder mehrere der Personen in deinem Kopf reagieren oder auf dich losstürmen wollen, sag ihnen:

HALT! Ich möchte das nicht. 

Sprich laut und bestimmt. Bringe sie in deinem Kopf zum Innehalten und Schweigen.

Schritt 4: Lass nun erst links, dann rechts, dann vor dir, und zum Schluss hinter dir, jeweils eine senkrechte Wand von oben herunterfallen. Wie diese aussieht, ob sie aus Ziegelsteinen besteht, Putz oder Tapeten hat, spielt keine Rolle. Sie sollte lediglich dick und trennend sein. Diese Wand trennt die Menschen von dir, grenzt dich von ihnen ab. Sie schließt dich gleichzeitig von allen Seiten ein und schottet dich von fremden Bedürfnissen und Erwartungen ab. Du entscheidest, wie nahe die Wände an dir sind oder wie weit du die Wände von deinem Körper wegschiebst, wie viel Platz dir das Innere der vier Wände bietet.

Meine Wände sind zum Beispiel immer zu 1/4 aus warmen Steinen (die Wand in meinem Rücken) und zu 3/4 aus Glas: einbruchsicher und unkaputtbar, absolutes, megahartes Panzerglas. So kann ich den Menschen, die vor meinen Wänden stehen und mich ansehen, noch in die Augen schauen, habe sie noch bei mir und “trenne” mich nicht gänzlich. Ich unterbinde nur, dass sie mich erreichen. Ich untersage meine Verfügbarkeit für ihre Belange. In diesem Moment erlaube ich mir Rückzug. Ich setze mich dann meist auf den Boden, lehne mich an meine warme Steinwand, sehe die Menschen vor dem Glas, beobachte sie hin und wieder oder ignoriere sie gänzlich: Was auch immer ich brauche, mache ich. Ich strecke meine Beine aus, schlage meine Füße übereinander, falte meine Hände in meinem Schoß, atme, singe, summe oder lese ein Buch. Manchmal hole ich mir die Natur in meine Wände, Tiere oder das Meer.

Schritt 5: Ganz egal, was du dann in deinen vier Wänden tust: Es gibt nur dich. Und das, was mit dir sein soll. Hier eine Blume oder oben am Himmel die Sonne. Gute Musik in der Luft, Schokolade oder gutes Essen deiner Lieblingsküche, vielleicht ein High-End Riesenfernseher mit deiner Lieblingsserie in Dauerschleife oder es ergießt sich vor deinen Augen der wunderbarste Regen in tropischen Wäldern. Vielleicht bringen deine Wände die Natur mit sich und du siehst nur noch einen Wald in der Nähe eines Sees. Vielleicht ist es die Sommerwiese oder der Grand Canyon, der vor deinen Füßen liegt. Oder es ist das Meer, mit deinem Hund neben dir? Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Lass sie leben in deinen vier Wänden. Sieh hin, was dein Geist hervorbringt, was er dir Gutes in deinen Raum legt und wohin auf der Welt er dich reisen lässt.

Bleib dort, solange  du möchtest. Genieße das Gefühl. Spüre es in deinem gesamten Körper. Nimm deine Sinne und spiele mit den “Dingen”, die dir dein Geist schenkt: der warme Sand unter deinen Füßen, die duftende, nach Blumen riechende Luft, der warme Wind auf den Armen, Gegenstände am Boden, die du in deine Hände nimmst … Er-Lebe das Gefühl.

 

Selbstabgrenzung denken und probehandeln

Mir passierte es früher häufig, dass Menschen, die wenig Rücksicht auf mich nahmen, während dieser Übung in meinem Kopf auftauchten. Sie versuchten, meine Wände einzurennen, herüber zu klettern oder schauten mich fordernd an. Es war meine Güte, mein Gewissen, das sich während der Übung meldete. Ich konnte die Wut in ihren Augen sehen, ihre Trauer darüber, dass ich mich abschottete, ihre unbändige Verletzung: Alles, was sie im wahren Leben auch gezeigt hätten, konnte ich während dieser Imaginationstechnik sehen und spüren.

Das ist okay. Zu fühlen, dass du dich dennoch abgrenzen möchtest, es für wichtiger erachtest, als fremden Ballast oder Schmerzen, während du in deinem sicheren, panzerfesten Raum bist, ist gut. Du wirst spüren, trotz Mitgefühl oder gar Mitleid, wie wichtig es ist und wie heilend es sich anfühlt, dass du diese Abgrenzung lebst und durchsetzt. ERLAUBE DIR ABSOLUT ALLES.

Nichts ist bedeutungsvoller, als sich daran zu erinnern, welch schöne Gefühle und wohlige Wärme in einem verborgen sind, wenn man nur umgeben ist von eigenen Grenzen – oder in diesem Falle: eigenen Wänden. Senke dich in dich und deine Seele ab. Komm dort zur Ruhe und kehre wieder ein.

Lust auf mehr Strategien zur Bewältigung der kleinen und großen Herausforderungen des Lebens?

Janett Menzel intuitives Coaching Berlin2Hallo! Falls du mich noch nicht kennst, möchte ich mich dir gern vorstellen: Ich bin Janett Menzel, Inhaberin dieses Blogs. Ich litt jahrelang an verschiedenen Ängsten (wie wir alle) und beizeiten sogar unter Panikattacken und Burnout-Symptomen. Mir blieb nichts weiter übrig, als mir selbst zu helfen. Also folgten verschiedene Ausbildungen (Coaching, Schreibtherapie, Autogenes Training, Betriebliches Gesundheitsmanagement usw.), die ich später meinen Klientinnen und Klienten und heute meinen LeserInnen vermittele. In meinem aktuellen Projekt "Ein Gefühl namens Dieter" vereine ich alle diese Strategien. Es ist kein Onlinekurs, sondern viel mehr als das: ein niemals endendes Buch, online und interaktiv, ausgestattet mit verschiedenen Audios, Anleitungen zu Strategien, Arbeitsblättern, Meditationen, Entspannungstechniken und vieles mehr. Das Highlight daran: Es kommen monatlich neue Strategien hinzu. Und du darfst es mitgestalten. Denn als Autorin mehrerer Ratgeber leide ich unter dem Aspekt, nachträglich nichts weiter in meine Bücher einfügen zu können. Also entwickelte ich dieses neue Format, das ich heute "Kapitel des Lebens" nenne.

Es soll die größte Bibliothek an Selbsthilfestrategien werden, ein Almanach an Wissen für die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens. Fällt dir das Leben manchmal auch schwer? Wünschtest du, einfach irgendwo nachschlagen und lesen zu können, was du ausprobieren könntest?

Dann ist "Ein Gefühl namens Dieter" vielleicht genau das Richtige für dich. Noch ist der Einstieg mit einem Festpreis geregelt. Doch bald, mit zunehmender Anzahl der Strategien, werde ich auf monatliche Beiträge setzen müssen, um meine Arbeit zu würdigen und der Idee dienen zu können - dass Menschen wie du Zugang zu möglicher Selbsthilfe haben, wann immer sie welche brauchen.

Hast du Lust, dabei zu sein? 

Hier kannst du mehr darüber erfahren >> (Weiterleitung)

Ein Gefühl namens Dieter Bewältigung von schwierigen Gefühlen und Lebenssituationen Janett Menzel