Das Gewissen der Empathen & der eine Mensch, den wir überwinden müssen

Das Gewissen der Empathen & der eine Mensch, den wir überwinden müssen

 

Wir Empathen haben alle einen Menschen, dem gegenüber wir ein schlechtes Gewissen haben: sei es ein Elternteil, ein vergangener Partner, ein Partner, der einer werden sollte, aber nicht wurde, ein Mensch, von dem wir uns wegen seiner Energie fernhielten, ein Freund, von dem wir uns trennten oder jemand anderes, der uns ein schlechtes Gewissen machte. Wir mögen es gar nicht, als schlechter, nicht hilfsbereiter und nicht liebender Mensch dazustehen. Wir lieben und wir leiden mit und springen besonders auf Menschen an, die leiden und geliebt werden wollen. Wir können es sehr schwer ertragen, Menschen zurück zu lassen, uns zu trennen oder uns abzugrenzen, zu verletzen oder Verletzungen, die wir selbst kennen, zuzufügen. Auch wenn es sein muss - unseretwegen.

 

Empathen und wieso sie sich selbst doppelt so stark verletzen, wenn sie jemandem wehtun

einsamkeit empathen spüren leid andererNoch Jahrzehnte später können Empathen darunter leiden, dass sie jemandem Liebe, Zuneigung, Anerkennung oder Hilfe verweigert haben - mögen die Gründe auch noch so legitim gewesen sein. Es tut uns weh. Wenn wir nicht geben, was jemand braucht, verletzen wir uns selbst. In der Realität aber spüren wir nur dessen Verletzung, dessen Einsamkeit, die fremde Angst. Und natürlich war diese schon da, bevor wir überhaupt in seinem Leben ankamen. Dennoch ziehen wir uns den Schuh an. Wir machen gern Angelegenheiten wieder gut, die jemand anderes versaut hat. Wir mögen es, Menschen lachen und glücklich zu sehen, sie zu befreien und für ihr Wohl zu sorgen. Es gibt uns Kontrolle über das Leid der Welt und bemächtigt uns, einen Teil zu leisten, auf den sonst jeder sch****.

Der Gedanke, im Leben eines anderen Menschen negative Spuren zu hinterlassen, ist unerträglich. Als würden Scham und Schuld wie eine Lawine auf uns zurollen, versuchen wir liebend gern, alles wieder gerade zu drehen. Verhält sich einer schlecht, machen wir es wieder gut. Ist jemand einem Monster begegnet, sind wir da und tätscheln die Schulter. Ist jemand einsam, sind wir da und verbringen Zeit und schenken Zuneigung. Je einsamer unser Gegenüber, desto schmerzlicher wird es für uns, wenn wir nicht handeln.

 

Wenn wir die Einsamkeit eines Anderen spüren, wird es unerträglich

Als Autorin des Buches “Über die Kunst, allein zu sein” weiß ich, wie schwer Einsamkeit wiegt und wie drastisch sie sich anfühlt. Ich kann im Detail erklären, wie ich mich in einsamen Zeiten fühle und verhalte. Und ich weiß aus dem FF, wie sich andere fühlen und wie schwer es für mich auszuhalten ist, wenn sie unter ihrem Getrenntsein leiden. Überhaupt denke ich im tiefen Inneren, dass es nichts Schlimmeres für einen Empathen gibt, als einen anderen Menschen einsam und leidend zu sehen. In meinen Augen ist Einsamkeit verletzender und krankheitsverursachender als jeder Virus und jedes Bakterium, schlimmer als der Tod. Weil es so viel schwerer fällt, Einsamkeit hinter sich zu lassen und es so viel weniger Möglichkeiten gibt, offiziell Hilfe zu bekommen. Niemand sitzt vor seinem Arzt und sagt: “Ich bin einsam.” Es ist erstaunlicherweise selbstverständlich, dass wir alle für unser Wohl und unseren sozialen Kontakte allein zu sorgen haben. Und obwohl Einsamkeit die schlimmste Seuche unter allen ist und meiner Meinung nach das größte Übel und die eine Ursache für alle Leiden, tun wir sie ab.

Empathen können das spüren - wenn jemand versucht, seine Schmerzen zu überspielen, wenn jemand Nahestehendes oder jemand im Herzen einsam ist - egal, wie viele Tausende von Kilometer derjenige von uns entfernt ist. Und auch, wenn wir jemanden aus tiefstem Herzen lieben, auch wenn wir nie mit demjenigen zusammen sein könnten, können wir seine Gefühle, seine Einsamkeit spüren und sie sehr leicht mit unseren eigenen verwechseln. Das führt bei einigen meiner Klienten und Klientinnen bis in die Sucht und Selbstverletzung. Weil sie es einfach nicht aushalten - die fremden Gefühle. Sie versuchen sie stattdessen zu verdrängen und oft gelingt das besser, wenn sie Mittel der Dissoziation wählen - also solche, die ihnen erlauben, sich abgegrenzt davon wahrzunehmen, die Realität eher wie einen Traum wahrzunehmen. Weil es ihnen einfach wehtut, wenn sie wissen, dass sie für jemanden hätten da sein können, es aber nicht waren - nichts tun können, weil sie es nicht wollen - aus Selbstschutz. An sich selbst zu denken, was ja nicht nur normal, sondern auch ein Teil der gesunden Psychohygiene ist, wird plötzlich zu einem Versagen und charakterlichen Fehler.

Ganz besonders, wenn sie denjenigen mochten, aber nur nicht mit seiner Gefühlswelt zurechtkamen, wirkt sich die Welt des Anderen dramatisch auf ihr Gewissen aus. Wir Empathen haben hohe moralische Werte. Wir haben eine Gutmensch-Attitüde, die viele zum K****** finden. Aber so ist es einfach. So what.

 

Der eine Mensch, den ich selbst nach zwei Jahrzehnten noch täglich spüre

einsamkeit eines anderen spürenIch kann die volle Geschichte leider nicht erzählen, weil ich nicht ausschließen kann, dass er meinen Blog liest und ich ihm nicht zu nahe treten möchte. Aber so viel sei gesagt: Ich kenne ihn von früher und habe 20 Jahre nicht an ihn gedacht. Ich habe mein Leben gelebt - bis zu diesem einen Tag, an dem ich wieder aus heiterem Himmel an ihn denken musste. Und ihn schließlich mit meiner Intuition auch fand. Es war genau so wie oben beschrieben - er war einsam, ich fühlte mich schuldig wegen früher und ich wäre am liebsten in die Bresche gesprungen, aber mein Selbsterhaltungstrieb hielt mich davon ab. So ließ ich ihn wieder zurück und obwohl ich in mir weiß, dass es richtig war, trauere ich dennoch, weil ich nicht da war, als er mich brauchte.

Ich denke bis heute an ihn und kann die Gefühle kaum steuern, die zu mir herüberschwappen. Ich wünschte, ich könnte sie abstellen, aber es fällt schon schwer, sie überhaupt von meinen abzugrenzen. Keine Ahnung, ob er an mich denkt oder mich unbewusst oder bewusst beschuldigt, aber seine Gefühle sind da. Bis ich gemerkt habe, dass die Gefühle von ihm kommen und nicht von mir, vergeht schon eine gewisse Zeit. In dieser Zeit bin ich sehr destruktiv und habe das tiefe Gefühl, mir etwas zu geben und so viel Genuss wie möglich zu erleben. Ich drehe so richtig hoch und komme an einen Punkt, an dem ich IHN und MICH abgrenzend bemerke. Dann - und erst dann - kann ich die Grenze spüren und vollziehe sie auch. Aber bis dahin…puh.

So einen Menschen haben wir Empathen und auch Normal-Empathischen alle. Die neuen Menschen kommen nur in unser Leben, weil wir etwas Altes wiedergutmachen wollen. Für Empathen aber ist es besonders schlimm und weitragend - bis hin zur Aufopferung (die natürlich nur nach hinten losgehen kann!).

 

Die einzige Lösung, um sich davon zu befreien, ist…

…sich selbst zu vergeben und zu reflektieren, was man kann und was einem schadet. Es ist traurig, ja, zu wissen, dass das eigene Wohl zum Unwohl eines Anderen führt. Dennoch ist es wichtig, dass sich JEDER MENSCH selbst als einen betrachtet: Mensch zu sein heißt nun einmal, Fehler zu machen und nicht die ganze Zeit nur für andere zu wirken, sondern seine Seele zu füttern. Man muss für sich da sein und einstehen. Tut man das nicht, wird man zwangsläufig krank, weil man sich nicht mehr spürt.

verzeihen empathen vergeben dankbarkeitNur Empathen, die Selbstabgrenzung trainiert haben, können täglich für und wegen anderen Personen wirken. Nur die, die genau hinsehen und sich kennen, können unendlich geben, ohne zu leiden. Aber der Großteil leidet unter der erzwungenen und nötigen Aufmerksamkeit, die ihnen entzogen wird - besonders deshalb, weil Empathen so viel Aufmerksamkeit und Zuwendung sich selbst gegenüber benötigen. Um gesund zu bleiben und Frieden in sich zu spüren, müssen sie sich abgrenzen und für sich selbst wirken. Wird ihnen das verwehrt, weil die Aufmerksamkeit zu jemand anderen hingeht, dann geben sie Energie ab, die sie selbst für sich brauchen. Haben sie aber keine Energie mehr, dann fühlen sie das auch. Nicht nur ihre eigene Energielosigkeit wird dann problematisch, sondern auch die plötzliche Fülle des Anderen, der sich zumeist abwendet - weil er ja gefüttert wurde mit einer Energie, die nicht seine war. Darunter leiden Empathen noch mehr. Fehlende Dankbarkeit. Es scheint wie ein Teufelskreis.

Deshalb ist der Ausbruch - die Lösung - Vergebung sich selbst gegenüber, Dankbarkeit für die Zeichen, Lektion und nötige Wende und vor allem Vertrauen, dass es derjenige auch ohne einen schaffen wird.

Wie man die Gefühle des Anderen loswird, fragst du dich sicher.

Meiner Meinung nach ist der erste Schritt, anzuerkennen, dass derjenige in uns ist, eine Verbindung zu uns herstellt und wir eine zu ihm haben - auch mit Grund und Notwendigkeit, weil Wachstum, das nötig und sichtbar durch ihn wurde. Als zweiten Schritt verankere ich Vertrauen in das Gelingen von allem, was gelingen soll - auch in die Wirksamkeit desjenigen. Wenn er es schaffen will, glücklich werden möchte, wird er es werden - auch ohne uns. Das ist seine Verantwortung. Als Drittes sehe ich definitiv die Einsicht, dass wir keiner Fügung unterliegen. Wir sind in unserer Empathie austauschbar. Wem wir unsere Energie und Liebe schenken, entscheiden wir. Aber wenn wir jemanden füttern, dann sollten wir das nur aus Liebe tun, nicht aus Mitleid. Mitleid und Mitgefühl zu unterscheiden, so zeigte es kürzlich eine Studie der Berkeley Universität, ist entscheidend. Mitgefühl führt zu gutem Bewusstsein und Abgrenzungsvermögen, wohingegen Mitleid zu Gefühlen der Angst und Depression führe.

Auch wenn Selbstvergebung die größte Kunst ist, so glaube ich felsenfest, dass gerade Empathen die Kunst meistern können - wenn sie sich erlauben, für sich da zu sein und eben nicht alles zu müssen, nicht in die Isolation zu gehen, sondern sich mit geradem Rücken durchzusetzen und zu ihren Entscheidungen zu stehen - ganz ohne schlechtes Gewissen.

Ich freue mich, wenn du mich wissen lässt, was deine Geschichte ist und wie es dir mit deinem einen Menschen geht - und seinen Gefühlen, die zu dir herüberkommen.

Mit den besten Wünschen für dich,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Keine Lust auf Sex: Warum Frauen manchmal keinen Sex wollen

Keine Lust auf Sex: Warum Frauen manchmal keinen Sex wollen

„Meine Frau schläft nicht mehr mit mir.“ In Deutschland sind rund 40 Prozent aller Frauen zwischen 30 und 45 Jahren vom Libidoverlust betroffen. Bei Frauen über 65 Jahren steigt die Prozentzahl sogar auf über 80. Seitens der Partner heißt dann oft, dass die Frauen „frigide“ seien. Andere reden sich ein, dass sie Fehler machen würden. Dass die meisten Frauen sogar stark unter ihrer Unlust auf Sex leiden (ohne es auszusprechen), wissen die wenigsten; sie zweifeln an der Entwicklung der Partnerschaft oder suchen für ihre Sexunlust verzweifelt nach den Ursachen, beispielsweise hormonelle.

Tatsächlich ist Sexunlust bei Frauen ein sehr komplexes Problem. Es kann die verschiedensten Gründe haben, wieso eine Frau keine Lust auf Sexualität hat. Als Frau möchte ich gern ein paar Worte über dieses schwierige und oft verheimlichte Thema verlieren. Ich hoffe, dass es einige Männer dazu anregen wird, ihre Partnerin und diese Hürde mit anderen Augen zu sehen.

 

Libidoverlust: Mögliche Ursachen, wieso Frauen keine Lust auf Sex haben

wieso frauen manchmal keine lust auf sex habenWenn Frauen keine Lust auf Sex haben, wenn Männer es wollen, hilft es zu verstehen, dass Frauen Sexualität anders betrachten, als Männer. Während Männer mit Sex vorwiegend Anerkennung (Akzeptanz, Bestätigung) gleichsetzen, ist eine regelmäßige und erfüllte Sexualität für Frauen (in der Mehrheit) eine emotionale Angelegenheit. Während Männer keine Emotionen oder tieferen romantischen Gefühle benötigen, um Lust zu haben, mit einer Frau zu schlafen, brauchen die meisten Frauen, die richtige Gefühlsgrundlage, um Sexualität zulassen zu können.

Selbstverständlich gibt es sehr viele Frauen, die One Nights Stands, Affären oder oberflächliche Beziehungen führen, und Sexualität ohne emotionale Verbindung genießen. Die meisten von ihnen versuchen jedoch nur, sich kurzzeitig von den Pflichten, die eine Beziehung mit sich bringen würde, abzulenken. Bei Männern sieht das wieder anders aus.

Auch wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass Sex für Männer eine andere Bedeutung hat als für Frauen. Ich möchte damit nicht das alte und vor allen Dingen ausgediente Klischee bedienen, dass Frauen so sein und Männer so. Nur ist die Motivation zu Sex in vielen Fällen (nicht allen) eine andere.

 

Grund Nr. 1 für Libidoverlust: Ihre Partnerin könnte keine Lust auf Sex haben, weil…

…sie Sex als Aufgabe, nicht als schöne Erfahrung empfindet

Für die meisten Frauen muss Sex vor allen Dingen freudvoll erfahren werden, und das beiderseits. Dient Sexualität nur einem einzigen Partner, so ist das für Frauen in den meisten Fällen genauso unbefriedigend, als hätten sie gar keinen Sex. Das heißt im Klartext: Erlauben Sie sich, die sexuellen Bedürfnisse Ihrer Frau zu befriedigen, genauso, wie Sie erlauben, dass Ihre Frau Sie befriedigt.

Nehmen Sie sich Zeit für Intimität und Lust. Lust muss man schaffen, wenn der Alltag Überhand gewonnen hat. Stresshormone spielen in vielen Fällen eine hemmende Rolle, wenn die Libido schwach geworden ist. Bauen Sie Lust auf und lassen Sie sich Zeit, wenn Sie mit Ihrer Partnerin schlafen. Der Alltag ist schon hektisch genug; Ihre Sexualität sollte nicht zum Wettrennen werden.

Es wird noch immer unterschätzt, dass Frauen genauso ungern zum Geschlechtsakt ermahnt werden wollen. „Schatz, wir haben schon seit vier Wochen nicht mehr miteinander geschlafen!“ ist ein Satz, den sie aus ihren Gesprächen streichen sollten. Druck aufzubauen, ist kontraproduktiv.

wenn sex eine leistung und ein muss ist, verlieren frauen die lust auf sexSex sollte daher nicht als Aufgabe, sondern als freudvolle Erfahrung in die Partnerschaft eingebunden werden. Sollten Sie Ihre Partnerin wieder zu mehr erfüllter Sexualität animieren wollen, so ist das der beste Ratschlag: Machen Sie Sex zur freudvollsten Erfahrung des Tages, der Woche, der Beziehung. Neben all den Pflichten und Hürden des Lebens, die Grätschen, die Frauen heutzutage versuchen, ist eine erfüllte Sexualität das wohl mit schönste Geschenk, das Sie Ihrer Partnerin machen können.

Unterstützen Sie die Lust auf Sex, Lust auf intime Momente und vor allen Dingen die Lust auf sich selbst (aus der Sicht ihrer Partnerin). Hat die Frau keine Lust auf ihren Körper, wird sie auch kein Interesse am Liebesakt haben. Welche Berührungen mag ihre Frau? Wissen Sie, welche Berührungen ihre Partnerin mag oder glauben Sie nur, dass die Berührungen, die Sie Ihrer Partnerin schenken, wirklich die sind, die Ihre Partnerin gern fühlt? Fragen Sie sie, aber erzwingen Sie die Antworten nicht. Es gibt noch immer Frauen, die über Sex bzw. ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse nur ungern sprechen. Sollte Ihnen Ihre Partnerin nicht sofort Auskunft geben können/wollen, geben Sie ihr die Zeit, die sie braucht. Sie wird von ganz allein auf Sie zukommen.

Geben Sie Ihrer Partnerin vor allem das Gefühl, dass es Sie interessiert, was sie sexuell möchte. Und vor allem: Beginnen Sie wahrhaftig, sich für die sexuellen Bedürfnisse Ihrer Partnerin zu interessieren. Wer nur auf sein eigenes Wohl, auf seine eigene Befriedigung, entgegen aller Bedürfnisse der Partnerin, aus ist, der wird immer nur eine trügerische, angeblich erfüllte Sexualität erleben, die nach wenigen Malen wieder im Sande versiegt.

Frauen und Männer erhalten beiderseits im alltäglichen Stress den Aberglauben, dass sie im Bett etwas leisten müssten. Sex ist eben nicht mehr als Beziehungsaufgabe oder mittelalterliche Pflicht zu gestalten. Es sollte ein gemeinsam erlebte, freudvolle und intime Erfahrung sein. Das ist das A und O einer erfüllten, partnerschaftlichen Sexualität.

 

Grund 2: Keine Lust auf Sex, weil sie sich nicht fallen lassen kann

Das kann daran liegen, dass sie zu viel im Kopf hat und sich nicht vom Alltag mit seinen Pflichten und Verantwortung abgrenzen kann. Wer kann schon auf Knopfdruck Entspannung einleiten? Ich kenne zu viele Frauen und Männer, die sich nicht einmal außerhalb des Bettes entspannen können. Sie trauen sich nicht, die Kontrolle über ihr Leben, das nur aus Funktionieren und Aufrechterhalten besteht, loszulassen. Auch auf Entspannung muss man sich vorbereiten.
Würden Sie Ihre Partnerin von einer neuen Entspannungstechnik wie Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation überzeugen wollen, würden Sie auch mehrere Versuche unternehmen, nicht nur einen. Dasselbe machen wir bei Kaufentscheidungen über ein neues Auto, den nächsten Urlaub oder den neuen Kühlschrank. Sie würden nicht nur sagen: „Schatz, lass uns einen neuen Fernseher kaufen!“ Sie wären nicht innerlich zertrümmert oder würden sich abgewiesen fühlen, wenn Ihre Partnerin dazu gerade keine Lust hat. Sie würden wissen, dass es sich für beide Partner richtig anfühlen muss. Sie würden mehrere Anläufe bei Kaufentscheidungen ausprobieren und Überzeugungsarbeit leisten.

So schwer es auch fallen mag: Entfernen Sie sich davon, dass Momente, in denen Ihre Partnerin keine Lust auf Sexualität hat, etwas mit Ihnen zu tun hätte. Wenn Ihre Partnerin keine Lust hat, bedeutet das nicht, dass sie Sie weniger attraktiv findet oder aber keinen Sex im Allgemeinen möchte. Es bedeutet nur, dass sie durch den Tumult des Lebens, jetzt gerade, keine freien Ressourcen hat, um auf Knopfdruck Entspannung und Freude einzuleiten. Es bedeutet, dass andere körperliche und/oder emotionale Bedürfnisse Vorrang haben. Ihre Frau oder Partnerin in solchen Momenten liebevoll zu streichen, zärtlich mit ihr zu reden, ihr die emotionale Sicherheit zu geben, den sie braucht, dient als solche Vorbereitungsphase, um wieder eine erfüllte Sexualität aufleben lassen zu können.

Übrigens: Viele Frauen bekommen mehr Lust auf Sex vom Streicheln oder aber, wenn sie glauben, keinen Sex haben zu können, sondern eben nur das Streicheln. Ein ausgedehntes und schönes Vorspiel kann bei Stress oder eingefahrenen Mustern Wunder bewirken.

 

Grund 3: Keine Lust auf Sex, weil sie keine Nähe möchte

konsequenzen einer heimlichen affäreWenn eine Beziehung belastet ist, es zu wenig Freiheit, Unabhängigkeit und emotionale Sicherheit gibt, sondern das Leben nur noch aus Pflichten und Trott besteht, lässt häufig die Lust auf Sexualität nach. Eine Beziehung hält man eben nicht aufrecht, indem man regelmäßig mit einander schläft.

Für mich ist Sexualität Ausdruck einer erfüllenden Verbindung, die man zu seinem Partner hat. Wenn irgendetwas an der Verbindung nicht stimmt, wird es zu eng. Das Herz wird zu eng und der Kopf wird zu voll.

Partner entfernen sich zuerst emotional voneinander. Sie drücken ihre Gefühle nicht mehr aus, weder die guten noch die bösen. Unlust entsteht durch solche unterdrückten Gefühle. Das führt zu Misstrauen, das sich in Abwehr zeigt. Der Partner ist emotional nicht mehr erreichbar. Sollte Ihre Beziehung an diesem Punkt sein, ist es wichtig, dass Sie Gespräche anregen.

  • Wie kann man die Beziehung wiederaufleben lassen?
  • Wie kann man sie wieder zufrieden und erfüllt gestalten?
  • Was hat man früher gemacht, was man heute nicht mehr macht?
  • Woran hatten sie beide Freude, was sie heute nicht mehr tun?

Wer glaubt, dass die Partnerin keine Nähe mehr zulassen möchte, der sollte ihr wieder Lust auf mehr machen.

Nähe und Distanz

Nähe und Distanz sind immer gegenseitige und doch zusammengehörende Elemente. Sie können sehr nützlich sein oder sehr schädlich. Wer immer aufeinander hockt, könnte etwas Distanz, sei es voneinander oder durch eine Veränderung, profitieren. Unternehmen Sie etwas Neues, verreisen Sie an ein Ort, der Sie beide verbindet, entfernen Sie sich von dem Leben, dass Sie beide führen, schaffen Sie Distanz zu den, was Sie beide distanziert hat. Erinnern Sie Ihre Partnerin daran, wie schön die damalige Nähe war und was sie einander hat nahe fühlen lassen.

Sollten Sie trotz vieler Versuche scheitern, könnte sich Ihre Partnerin bereits zu sehr von Ihnen und der Beziehung distanziert haben. In solchen Momenten schlägt dann alles fehl. Wenn Sie Interesse an ihr zeigen, fühlt sie sich bedrängt. Wenn Sie kein Interesse an ihr zeigen, fühlt sie sich missachtet oder merkt vielleicht gar nichts. Alles sieht so aus, als würde Ihre Partnerin nur ihre Ruhe haben wollen. Es scheint, als wäre kein Rankommen mehr.

Machen Sie Ihrer Partnerin verlockende Angebote

Nehmen Sie ihr lästige Pflichten ab. Ermöglichen Sie ihr den Spielraum, den sie braucht, um sich in ihrem Leben wieder entfalten zu können und neu zu spüren. Sie können es ihr vorleben, indem Sie wieder etwas Neues in Ihrem Leben finden oder aufleben lassen. Zeigen Sie ihr, dass es möglich ist, sich selbst trotz allem nahe zu sein. Eine Beziehung ist mehr als Zweisamkeit. Man darf getrennt voneinander leben und lachen. Das macht wieder Lust auf Nähe zu dem Partner, den man sich gewählt hat. Denn man gehört ja trotzdem zusammen.

 

Grund 4: Keine Lust auf Sex, weil sie sich beim Sex schämt oder schuldig fühlt

nehmen sie ihrer partnerin die scham und angst beim sexScham heißt, zu glauben, man sei falsch oder nicht genug. Schuld wiederum bedeutet, dass man glaubt, etwas Falsches getan zu haben (stets zu wiederholen oder es falsch machen zu können).

Scham kann beim Sex auftreten, weil man seinen Körper oder einzelne Körperstellen nicht mag oder Angst vor Orgasmen verspürt. Man hat in allen Fällen Angst vor Ablehnung, davor, etwas falsch zu machen und die Ansprüche des Partners nicht zu erfüllen, falsch zu sein oder einfach nicht genug, um geliebt zu werden.

Scham wegen seines Körpers

Wer sich für seinen Körper schämt, der zeigt ihn ungern und hat vor allem Schwierigkeiten, sich an seinem Körper zu erfreuen. Sollten Sie glauben, dass Ihre Partnerin ihren Körper unattraktiv findet, bestätigen Sie sie darin, dass ihr Körper gut und schön ist, genauso, wie er ist. Zeigen Sie es ihr. Lieben Sie die Körperstellen, die Ihre Partnerin besonders unattraktiv findet, am meisten. Schenken Sie ihr Zuwendung und Bestätigung in den Momenten, in denen sie Angst hat, ihre Scham könnte berechtigt sein.

Scham und Angst, sich fallen zu lassen

Einen Orgasmus zuzulassen, bedeutet, die Kontrolle loszulassen. Man öffnet sich seinem Partner zu 100 Prozent, kann nichts mehr kaschieren. Das ist normalerweise das Schöne am Akt. Nichts zu müssen und alles fühlen zu können. Aber für viele bedeutet ein Orgasmus auch, dass man sich so zeigt, wie man ist: bewusst emotional, tief und vollkommen unkontrolliert (ohne Blockaden bzw. Hemmungen). Viele setzen das mit Schwäche gleich oder mit dem Gedanken, sie dürften sich nicht in den Mittelpunkt stellen.

Wer Angst davor hat, einen Orgasmus zu haben und ihn zu zeigen, der fürchtet, dass er für sein Verhalten Ablehnung erfahren wird. Beim Orgasmus zu laut zu sein oder gar keinen zu bekommen, ihn zu genießen und sich dieses Gefühl zu erlauben, obwohl man sich Lust (eigene Bedürfnisse und Gefühle) verboten hat: All das sind Befürchtungen, die bei Frauen kurz vor dem Höhepunkt einen Schalter umlegen. Weniger Gefühle ermöglichen manchmal mehr Nähe.

Ich kenne viele Frauen, die eher bei Männern, denen sie weniger emotional nahestehen, einen Orgasmus bekommen, als bei ihren Partnern oder welchen, die sie wirklich sehr mögen. Emotionen scheinen beim Sex, der beiderseits offen und lustgewinnend erfahren wird, auch Frauen im Weg zu stehen. Es kann sein, dass dieses Problem wieder mit dem Gedanken, etwas leisten zu müssen bzw. nicht alles richtig zu machen, verbunden ist. Bei jemandem, den man liebt, hat man erst Recht Angst, etwas falsch zu machen. Nehmen Sie Ihrer Partnerin ihre Angst und vor allem ihre Scham. Sie ist gut, so, wie sie ist. Genauso wollten Sie sie. Genauso lieben Sie sie. Machen Sie das deutlich, leisten Sie Überzeugungsarbeit. Kleinere Unbeholfenheit kann man ausgleichen, indem man die Partnerin führt oder sich von der Partnerin führen lässt.

 

Grund 5: Keine Lust auf Sex, weil die Hormone verrücktspielen

Falls mit der Sexunlust auch Symptome wie Müdigkeit, unterschwellige Traurigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsarmut einhergehen, könnten die Hormone die Ursache sein. Besonders wenn der Libidoverlust bereits sehr lang anhält oder abrupt eintrat, könnten medizinische Gründe vorliegen. Die gute Nachricht ist: Die Unlust kann dann schulmedizinisch behandelt werden.

Die folgenden hormonellen Ursachen können zu einer sogenannten Libidostörung führen:

Androgenmangellibidoverlust kann hormonelle ursachen haben

Ein Androgenmangel tritt auf, wenn die Frau zu wenige männliche Sexualhormone im Blut aufweist. Das kann vorwiegend in den Wechseljahren vorkommen oder aber durch die Anti-Baby-Pille verursacht werden. Im ersten Fall produzieren die Eierstöcke nur noch sehr geringe Mengen an Testosteron. Im Fall der Pille wiederum bindet das ausgeschüttete Östrogen, die weiblichen Sexualhormone, durch die Bildung von SHBG (Sexual Hormon Binding Globuline) Testosteron. Das führt zu weniger Lust auf Sex.

Operationen, Krankheiten und Medikamente

Frauen, denen die Eierstöcke entfernt wurden, beklagen ebenfalls häufig Sexunlust. Das liegt daran, dass nun nur noch die Nebennierenrinde Testosteron produziert, was in vielen Fällen zu gering ist, um Lust zu empfinden.

Aber auch Operationen am Darm und Störungen des Darms an sich, Bandscheiben-OPs und Medikamente können die Libido negativ beeinflussen. Krankheitsbilder wie zum Beispiel Diabetes, Arteriosklerose, Schilddrüsenunterfunktionen und Bluthochdruck können ebenfalls ursächlich sein.

Psychische Belastungen

Nicht zuletzt sind psychisch schwere Zeiten, die Angststörungen, Panikattacken, Depressionen oder depressive Verstimmungen, Neurosen und andere Krankheitsbilder hervorrufen, eine mögliche Ursache. Die Nerven sind in dieser Zeit derart stark belastet, dass Freude kaum mehr Platz im Leben hat. Alles erscheint mühevoll und sinnentleert. Werden zudem noch starke Psychopharmaka und Schlafmittel eingenommen, kann die Lust auf Sex nur geringer werden.

 

Weitere Ratschläge

Mal was Neues

Sehr häufig aber ist sich das Sexleben eines Paares einfach nur eingefahren. Das Alte erscheint lau und interessant, langweilt schon im Vorfeld und macht wenig Lust auf mehr. Probieren Sie etwas Neues! Erzählen Sie sich ihre geheimen Wünsche und Fantasien (oder schreiben Sie sie auf). Finden Sie heraus, was Ihnen beiden Spaß und Lust machen würde. Oder regen Sie die Fantasie Ihrer Partnerin an: Achten Sie darauf, welche Sachen, Orte, sinnlich anregenden Tätigkeiten ihre Stimmung hebt. Lassen Sie sie in das Vorspiel einfließen. Oder probieren Sie das Gegenteil vom üblichen Akt. Übernehmen Sie mehr Führung als sonst oder geben Sie sie aus der Hand. Kehren Sie das Normale um und bereichern Sie Ihr Sexualleben durch den neuen, kreativen Schwung.

Testen, was „funktioniert“: Vaginaler und klitoraler Orgasmus

70 bis 80 Prozent Frauen können vaginal (also ohne Stimulierung der Klitoris) keinen Orgasmus erleben. Ist die Sexstellung aber darauf ausgerichtet, erlebt die Frau logischerweise keinen Höhepunkt. Praktizieren Sie also eine Stellung, in der die Frau auch klitoral stimuliert wird oder sich selbst stimulieren kann.

Sexualtherapie

Auch eine Sexualtherapie kann in Fällen psychosomatischer Ursachen wahre Wunder bewirken. Ich möchte an dieser Stelle gern einen Freund und Kollegen aus Berlin empfehlen: Jojo Weiß. Auf den Seiten seiner Hypnose Praxis hat er umfangreiche Informationen zur Sexualtherapie mit Hypnose zusammengestellt.

 

Lieben Männer weniger als Frauen? Und welche Ängste haben sie?

Lieben Männer weniger als Frauen? Und welche Ängste haben sie?

Man sollte meinen, dass es mehr Frauen als Männer sind, die mich um Rat und Tipps in der Liebe bitten. Aber dem ist nicht so.

Es herrscht noch immer ein- und dasselbe Vorurteil mit der großen Frage: Lieben Männer genauso wie Frauen und leiden sie ebenso? Meine Erfahrungen zeigen, ja: egal, in welcher Schublade sie stecken, die Frauenzeitschriften für sie gebaut haben. Sie meinen zu wissen, welche Männer Machos, Paschas, Metro-Sexuelle und Softies sind. Die Cosmopolitan machte sogar die Kategorie des “Beta-Mannes” auf: Das ist der Typ Mann, der eine emanzipierte Alpha-Frau ihre Stärke lässt. Doch dieses Schubladendenken scheint den Männern zunehmend Schwierigkeiten zu bereiten. Wollen Männer überhaupt noch die alten Klischees und Rollen erfüllen, um „wie ein Mann“ zu sein? Und wann ist ein Mann ein Mann?

Ein auf wahren Begebenheiten basierender Artikel über Männergefühle und Gedanken über Frauen, die sie der Welt gegenüber verheimlichen.

 

Leiden und lieben Männer weniger als Frauen?

Ich habe in den vergangenen Monaten mehr Zuschriften von Männern mit Liebeskummer bekommen als von Frauen. In den E-Mails der Männer ging es aber nie um Geld oder ein Luxusproblem und auch nicht um Selbstverwirklichung. Es drehte sich immer um ihre Beziehungen, eine unerwiderte Liebe und eine Frau. Und ihre Enttäuschung. Ihre Erfahrungen zeigen: Mitunter lieben Männer sogar stärker als Frauen und leiden mindestens genauso:

Markus litt erheblich unter seiner ehemaligen Beziehung. Er war frisch mit dem Studium fertig, fand jedoch – wie so viele Berufseinsteiger – nicht sofort eine Anstellung. Er blieb eine Weile arbeitssuchend, bewarb sich und versuchte alles, um Platz auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Währenddessen begann seine Partnerin sich unwohl zu fühlen. Sie fand, dass er „kein Mann“ wäre, wenn er Zuhause sitzen und arbeitslos sein würde. Ihre Unzufriedenheit und Erwartungshaltung in Bezug auf den beruflichen Status eines Mannes verleitete sie dazu, mit ihrem Chef fremdzugehen. Markus fand es heraus, doch sie zeigte nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Stattdessen zog sie aus.

Mit dem Auszug löste sich seine Blockade, als hätte sein Herz und Verstand absichtlich eine Anstellung verhindert, nur um ihr Bild eines „Mannes“ nicht erfüllen zu müssen. Trotzdem litt er nach der Trennung  unter großen Selbstwertproblemen. Bei jeder neuen Frau, die er kennen lernte, hatte er die tiefe Angst, wieder abgelehnt zu werden, nicht zu genügen, nicht „Mann genug“ zu sein. Das verhinderte vielversprechende Beziehungsanfänge bereits im Keim. Denn er hatte stets große Bedenken, wenn er meinte, er würde „zu viel“ geben und zu wenig zurückerhalten und gab daher vorsichtshalber erst einmal nichts. Nur Forderungen an die Frauen, wie er heute weiß, davon hatte er ausreichend. Er machte es seiner Verflossenen unbewusst nach, als würde er ihr still hinterherrufen: „Ich hatte auch Bedürfnisse!“

maenner-sind-oft-unzufriedener-in-beziehungen-als-frauenTief in ihm glaubte er auch, dass diese zu 100 Prozent erfüllt werden müssten, damit er sich wohlfühlen könnte. Während er jedoch vorher der fürsorgliche und liebevolle Partner war, wandelte er sich nach der Beziehung ins Gegenteil. Das war eine Erinnerung an ihn selbst: „Verbieg dich nie wieder für eine Frau.“ Alle Bedürfnisse einer jeden Frau an seiner Seite, insofern sie „sein Programm“ störten, waren ihm gleich. So sehr hatte er sich darauf konzentriert, aus Angst, erneut verletzt zu werden, nie wieder Kompromisse einzugehen. Er hatte in seiner Ex-Partnerin eine gute Meisterin in “Sachen Liebe” gefunden: Um seine Angst vor Selbstverlust und Trennung abzuwehren, verhielt er sich nun so, wie sie damals. Er vergaß, dass zu einer zufriedenen Beziehung zwei Menschen gehören und war mitunter emotional nicht verfügbar.

Als sich (wieder) eine neue Bekanntschaft von ihm trennte, eben weil sie sich unbeachtet in ihren Bedürfnissen fühlte, weinte er stundenlang. Es war eine Mischung aus der damaligen Trauer, die er nicht richtig verarbeitet hatte und der wiederholten Enttäuschung. Aber er sah nicht, dass es Angst war, die ihm im Weg gestanden hatte.

 

Also lieben Männer wirklich

Erstens lieben Männer genauso wie Frauen. Sie leiden auch ebenso schwer. Das ist Tatsache, weil menschlich. Doch angeblich seien sie es, die immer kriegen, was sie haben wollen, wann immer sie es wünschen, während ihnen keine Ablehnung oder Kritik, Trennung oder Scheißtage etwas anhaben könnten. Sie bräuchten keinen Schutz, keine Fürsorge und nicht noch mehr Aufmerksamkeit. Sie hätten ja ohnehin alles, was Frauen fehle. „Die frühe Frauenforschung war von der Annahme geleitet, dass der Umstand, sozial benachteiligt und unterprivilegiert zu sein, Frauen…miteinander verbinde und eine Gemeinsamkeit der (Unterdrückungs-)Erfahrung zur Folge habe.“ (vgl. Willems 2008, S. 650)

was-maenner-wirklich-wollen-der-starke-mann-hat-ausgedientIch kenne sowohl Männer, als auch Frauen, die Menschen „verbrauchen“. Dann schmeißen sie sie in die Ecke, verlassen sie und geben ihnen zum Schluss noch die Schuld dafür, dass die Beziehung zerbrach oder keine Chance hatte, eine werden zu können. Mit Liebe hat das in den Augen vieler nichts zu tun. Liebe ist es auch nicht, was diese Menschen suchen.

(Auch sie wurden enttäuscht, weshalb das sicher nur ein Schutzmechanismus ist.)

Es ist auch lange vorbei, dass Männer diejenigen seien, die nur den Spaß und das Oberflächliche suchen würden. Mindestens Berlin, und ich mutmaße kühn, dass das auf alle Großstädte zutrifft, ist überfüllt mit Frauen, die sich nehmen, was sie wollen, und Männern, die sich zwischendrin verlieren oder um ein Leben, wie sie es wollen, kämpfen. Doch wie Willems in seinem Werk anmerkt, rührt das Selbstverständnis eines Mannes aus seinem sozialen Umfeld her, und das, was es von einem „Mann“ und einer „Frau“ erwarte. Wir werden also zu dem, was wir lernten, zu sein. Wenn ein Mann in einer traditionellen und konventionellen Familie aufwuchs, dann wird er diese Rahmenbedingungen wahrscheinlich im Erwachsenenleben fortsetzen. Wenn er mit ihnen einverstanden ist…

Diese „typischen“ Rahmenbedingungen werden sowohl in den Medien, im Job und in traditionsreichen Umfeldern ordentlich aufrechterhalten. Doch wie das Beispiel meines Freundes zeigt, leiden Männer mindestens genauso stark. Sie denken genauso viel nach und fragen sich ähnlich grüblerisch, ob und was sie falsch gemacht haben, welcher Schritt jetzt der Beste ist und ob sie sich überhaupt bewegen sollten.

unzufriedene-maenner-in-beziehungen-gefangenKlaus klagt seit Jahren: Er ist unzufrieden in seiner Beziehung, aber fühlt sich aufgrund dem gemeinsamen Kind, Hund, Haus und Hof hoffnungslos abhängig. Würde er seiner Partnerin sagen, dass er sich ein anderes Leben wünscht, ohne sie, hieße das in seinen Augen: Schuld. Er wäre schuld daran, dass sie in dem falschen Glauben lebte, alles sei in Ordnung. Er wäre schuld daran, dass ihre Wahrheit sich als Lüge entpuppen würde. Er wäre schuld daran, ihre Jahre und Mühe verschwendet zu haben, und nun ohne ihn dastehen und zurechtkommen müsse.

Statt jedoch eine Kommunikationsbasis zu suchen, Wünsche oder Forderungen auszusprechen, ging er regelmäßig fremd. Bei seiner jeweiligen Geliebten fand er ein Stück Privatsphäre und Ruhe, in Verbindung mit dem Gefühl, begehrt und gesehen zu werden, mit Selbstausdruck und ein paar Stunden der Gewissheit, dass das Leben mehr bot, als das, was er tagtäglich erfuhr. Ironischerweise machte es seiner Partnerin wenig aus, dass er so oft und regelmäßig untreu war. Ihr war nur wichtig, dass der Anschein eines glücklichen und zufriedenen Familienlebens mit intakter Partnerschaft aufrechterhalten blieb, und sie nicht zu viel von seiner Untreue mitbekam. Solange er mit ihr zusammenbleiben wollte, trug sie stillschweigend seine Geheimnisse. Obwohl er gelernt hatte, dass sie sich betrügen ließ und dennoch bei ihm bleiben wollte, hatte er große Schwierigkeiten mit ihrer geringen Selbstachtung. Er versteht bis heute nicht, wieso er bleiben soll. Aber er bleibt.

Viele der Männer, die ich kenne oder mir von ihren Leben berichten, scheinen nach wie vor Angst zu haben, zu ihren Gefühlen zu stehen und sie auszudrücken. Damit meine ich jene Gefühle, die nichts mit dem offiziellen und größtenteils schwächeverneinenden Klischee eines Mannes zu tun haben. Besonders, wenn es um unerfüllte Bedürfnisse in ihrer Partnerschaft geht, schweigen sie eher und schneller. Damit ist nicht nur Sex gemeint, sondern vor allem das Gefühl, gewollt zu sein, während sie Anerkennung ihrer Individualität erfahren. Doch sie verzweifeln oft an den Bedingungen der Gesellschaft und denen ihrer Partnerinnen, gar nicht so sehr am Alltag – ein Aspekt, den uns die Medien wahr machen wollen. Sie fragen sich, was und wie sie etwas tun sollen, um das Gefühl der emotionalen Stabilität und Sicherheit zu bekommen, das sie sich wünschen, während sie das offizielle Bild eines Mannes, des Ernährers, des Stärkeren, des besten Freundes, des guten Vaters usw. versuchen zu erfüllen. Sie sehnen sich nach der Rollenerfüllung nicht nur, um in die Gesellschaft zu passen. Sie sehnen sich auch danach, weil es noch viele Frauen gibt, die genau das wollen. Erfüllen sie die offizielle Rolle plötzlich nicht mehr, könnten alle Fäden zu reißen beginnen.

 

Auch einmal schwach sein und dürfen

„In dem Maße, in dem der Mann faktisch zum (Haupt-)Ernährer der Familie wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er ein darauf zugeschnittenes Selbstverständnis entwickelt.” (vgl. Willems 2008, S. 642) Was aber, wenn sich dieses Verständnis für Männer gar nicht mehr tragen und verwirklichen lässt? Was geschieht mit den Männern, die die offiziellen Rollen einer Frau und eines Mannes abzulegen versuchen und gleichzeitig dabei scheitern? Oder:

Was geschieht mental in einem Mann, wenn er sich zwischen dem Offiziellen und dem Eigentlichen gefangen fühlt und keine Auswege mehr sieht, um sich selbst zu fühlen, während er die Ziele seines Umfelds verfolgen soll, um niemandem Angst zu machen?

lieben-maenner-weniger-als-frauen-2Tim, ein junger und erfolgreicher Angestellter einer gut bezahlten Branche verbrachte seine Tage mehr im Büro als in seiner 1-Zimmer-Wohnung. Er hatte über die letzten Jahre mehrere Bekanntschaften gemacht, aber sie gingen genauso schnell, wie sie kamen. Nur eine Frau hatte er sprichwörtlich zweimal im Leben gesehen. Sie verband derselbe Freund, trotz unterschiedlicher Freundeskreise und Wohnorte. An zwei Geburtstagen traf man sich, mochte sich und verbrachte eine schöne Nacht miteinander. Beim ersten Treffen war er derjenige gewesen, der nicht mehr gewollt hatte.

Nun - beim zweiten Treffen - plante er ihren Zusammenzug, ihre Heirat und baldige Familienplanung – jedoch ohne ihre Teilhabe. Sie blieb still, beobachtete ihn und wunderte sich von Stunde zu Stunde mehr. Während er sie weder gefragt hatte, wie es ihr ging noch wie ihr Leben aussah, stellte sie fest, dass er mehr irgendjemanden wollte als sie. Er jagte – panisch – seinem Traum eines konformen und erfolgreichen Lebens hinterher. Als es etwas zu bunt in ihren Augen wurde, machte sie ihm klar, wie sie die Angelegenheit einschätzte. Zu viel trennte sie: Kilometer, einnehmende Jobs und viele persönliche Werte und Ziele. Er hingegen war bereit gewesen, alles auf sich zu nehmen, nur um sie wenigstens einen Tag in der Woche zu sehen.

Dabei hatte er völlig übersehen, dass die vielen Jahre der Einsamkeit große Angst in ihm ausgelöst hatten. Er fühlte sich durch die Bekanntschaften, aus denen keine Beziehung entstanden war, abgelehnt. Gleichzeitig empfand er sich stereotypisiert - aufgrund seines Geldes. Doch wenn er merkte, eine wollte wegen dem Geld und dem Stand bleiben, zog er sich zurück. Seine Angst, nur ein gut aussehender und gut verdienender Lückenfüller zu sein, war genauso groß wie seine Angst vor dem Alleinsein.

 

Andere Werte, andere Männer?

Willems berichtet in dem oben genannten Buch auch davon, dass während das alte Rollenbild weiterhin vorherrsche, es sich gleichzeitig wandeln würde. Aufgaben innerhalb der Familie und Partnerschaft blieben als Selbstverständnis erhalten, während sich die berufliche Rollenverteilung zunehmend auflöse. Männer hätten eine Emanzipation erlitten. (vgl. S. 642)

Auch das Klischee, Männer würden sich nicht zurücknehmen können, sondern nur nehmen können, täuscht uns Frauen über ihre eigentliche Fürsorge und die Tatsache hinweg, wie sehr sich Männer bereits verändert haben – und weiterhin verändern. Einige passen sich bereitwillig allen neuen Bedingungen an, andere wiederum wehren sich, um ihre Bedürfnisse und Ziele zu schützen.

„Du bist nie da!“
„Wenn du mich lieben würdest, dann…“
„Nie kümmerst du dich um mich!“
„Ich muss alles allein machen!“

Das sind nur einige Sätze, die erneut uns Frauen als die Tragenden in Hinsicht Verantwortung, Pflicht und Liebe positionieren. Doch während wir uns mit den diesen Beschuldigungen einiges schönreden, existieren auch Männer, die diese anscheinend rare Fähigkeit sehr wohl besitzen.

das-klischee-eines-mannes-hat-ausgedientIch habe leider erlebt, dass viele von ihnen an Frauen geraten, die diese Eigenschaften ausnutzen – und die Männer so erhebliche Wunden erleiden. Andersherum gibt es viele Frauen, die mit diesen Sätzen völlig Recht haben. Wenige meiner Freunde haben es geschafft, eine ausgeglichene und emotional sichere Beziehung zu führen, in der beide Teile gleichmäßig geben und empfangen können – und dürfen.

Vor circa 5 Jahren war ich kurz bei einer Partnerbörse angemeldet und hatte Kontakt mit einem Mann. Wir schrieben zwei Wochen lang viele Nachrichten und lernten uns näher kennen, bevor ich ihn fragte, ob wir uns treffen wollten. Er war anfangs ängstlich, aber schlussfolgerte dann: „Stimmt, ich will ja keine Brieffreundschaft!“ Er hatte – wie so viele andere – eine Beziehung hinter sich, in der er viel gegeben hatte: von Geld über Unterstützung und emotionalem Halt während einer schwierigen Phase seiner Partnerin. Er hatte sich zurückgenommen, um ihr den Raum zu geben, den sie brauchte.

Wie sich herausstellte, brauchte sie ihren Partner, als ihre Phase beendet war, nicht mehr. Sie merkte vor allem, dass sie nun bereit war, mehr aus ihrem Leben zu machen. Doch in ihrem neuen Leben war kein Platz für ihn. Die Trennung traf ihn tief. Er hatte es als Selbstverständlichkeit empfunden, sich zurückzunehmen und einfach nur da zu sein, wenn sie ihn brauchte. Er hatte gehofft, dass sich nach dieser Phase alles wieder einpendeln und sie beide zuversichtlich in ihre Zukunft blicken konnten. Er hatte geglaubt, ihr Stärke und emotionalen Halt zu geben, sei alles, was sie benötigen würde, während sie ihre berufliche Krise durchhielt. Aber er wurde bitter enttäuscht. Zwischen uns beiden entwickelte sich leider nicht mehr, aber ich erinnere mich noch, wie er sagte: „Ich werde weiter an mich glauben. Irgendwann finde ich eine Frau, der ich genüge.“

 

Genügen und gewollt sein

Diese Geschichten sind natürlich Einzelfälle und normal und menschlich. Jeder Partner macht Fehler und hat einen Anteil am Gelingen oder Scheitern einer Beziehung. Diese Beispiele aber sollen zeigen, dass es gegenteilige Verhältnisse zu dem, was viele Frauen (wenn eine Verallgemeinerung überhaupt möglich ist!) denken und glauben, durchaus gibt.

Tatsächlich gibt es diese Männer, die nicht nur genauso leiden, sondern auch genauso intensiv lieben und teilen wollen. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als anzukommen und aufgehoben zu sein, bei einem Menschen, der sie so liebt, wie sie sind – auch, wenn sie einmal schwach sind oder nicht dem typischen Ideal der alten Männerrolle entsprechen.

wenn-maenner-in-ihrer-beziehung-unzufrieden-sind-gehen-sie-fremdEinem lieben Freund ging es lange Jahre schlecht. Er hatte etliche Bruchlandungen und Ablehnungen hinnehmen müssen, Affären und einzelne Nächte mit Frauen verbracht, die sich im Nachhinein als nicht weiter interessiert offenbarten. Als er seine heutige Ehefrau kennen lernte, war er selbstverständlich vorsichtig, aus Angst, wieder enttäuscht zu werden.

Doch die Tatsache, dass sie ähnliche Ziele und Bedürfnisse hatte wie er, ermöglichte es ihnen, eine liebevolle und emotional sichere Beziehung aufzubauen. Für diese musste er zwar einiges in seinem Leben opfern, umziehen und viele, ihm liebe und treue Freunde zurücklassen. Aber die Aussicht auf das, was er die ganzen Jahre gesucht hatte, trieb ihn an. Als ich ihn neulich wieder traf, erzählte er mir, wie sein Leben heute aussah. Dabei blieb ein Satz in meinem Gedächtnis hängen, der wunderbar beschreibt, was die anderen Beispiele oben suchten, aber so sehr vermissten: „Sie ist gut zu mir.“

 

Wann ist ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau? Über Mythen und Definitionen

„Mann und Frau sind keine…Kategorien, es gibt weder die Weiblichkeit noch die Männlichkeit.“ (vgl. Willems 2008, S. 650)

Wir müssen alle Fernsehmythen von Sex in the City bis hin zu Two and a half Man in die Tonne werfen, denn: Meine offizielle Erklärung (wohlgemerkt meine) besteht mittlerweile darin, dass Männer nicht nur weniger Schwäche zeigen, weil es ihnen “weniger erlaubt” sei. Sie halten sich in allen “Schwäche offenbarenden” Situationen eher zurück, so auch, wenn sie psychisch angeschlagen sind.

man-426985_1280Selbst bei Ärzten und unter Freunden sind psychische Belastungen und Krankheiten erst einmal nur „Stress“, resultierend aus den Herausforderungen, denen sich Männer gegenüberstehen sehen. Selbst die Psychologie gestand ein, dass sie die männliche Depression und Angst noch viel zu wenig erforscht hätten. Die Symptome zu erkennen und zu verstehen, scheint mit dem Abtrennen alter Rollenmuster einherzugehen, als spiele ihnen das ehemalig “Starke” und “Unzerstörbare” plötzlich einen Streich. Männern ist Liebe (in jeder Form) mindestens genauso wichtig und soll als stabil und sicher erfahren werden. Lust ist nur noch ein Teil der Partnerschaft, aber nicht mehr der Wichtigste. Auch scheint es ihnen immer wichtiger zu werden, wie sie sich sehen und wie ihre Beziehungen in Wahrheit sind. Sie möchten mehr Authentizität und echte Liebe, tauschen es teilweise bereitwillig gegen jedes Opfer ein. Sie lernen sich selbst neu kennen, lernen ihre wahren Bedürfnisse und Werte neu zu entdecken und auszudrücken. Sie sind auf der Suche nach einem Weg zwischen dem, was sie sich wünschen, und dem, was sich jemand anderes für sie ausgedacht hatte.

* Meine Erfahrungen zeigen nur einzelne Fälle und spiegeln keineswegs wider, dass alle Frauen oder alle Männer so oder so seien. Aber meine Gespräche mit ihnen zeigen auch, dass es besonders häufig die Männer und Frauen trifft, die die offiziellen Muster “beherrschen”, die plötzlich nicht mehr genügen und/oder verlassen werden, wenn sie einmal sprichwörtlich “aus der Rolle fallen”.

Quellen: Willem, Herbert (Hrsg.): Lehr(er)buch Soziologie: Für die pädagogischen und soziologischen Studiengänge. Band 2, Springer-Verlag. 2008.

 

Wenn Frauen zu sehr lieben – Liebe und Angst

Wenn Frauen zu sehr lieben – Liebe und Angst

Menschen, die zu sehr lieben, wissen, wie schmerzhaft es ist, über seine Grenzen hinaus zu gehen und sein Leben zu vernachlässigen, nur um einen Mann oder eine Frau für sich – als Partner oder Partnerin - zu gewinnen. Sie wollen ihre Liebenswürdigkeit beweisen, in dem sie bereit sind, alles zu tun, um eine Beziehung zu gewinnen oder zu erhalten. Oft wählen sie als Partner einen Menschen, der besonders hilfebedürftig ist. Denjenigen zu heilen, zum Lieben zu bewegen, zum Wachsen zu motivieren und so die Liebe, die sie sich selbst wünschen, zu erhalten, wird zur Sucht. Später müssen sie festzustellen, dass die Wahl keine sehr gute war. Am gefährlichsten jedoch ist: Irgendwo dazwischen verlieren sie sich im Leben des anderen und bleiben ohne alles zurück, wenn sie verlassen werden, die Liebe unerwidert bleibt oder die Partnerschaft zerbricht.

Die Existenz dieser emotionalen, aber gefährlichen Tiefe ist keine unbeschriebene Sache in der Literatur. Bereits 1985 veröffentlichte die Autorin Robin Norwood ein Buch mit dem Titel Wenn Frauen zu sehr lieben - Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden. Darin beschrieb sie, was es bedeutet, wenn man zu sehr liebt und wie man sich davon befreit.

“Wenn Frauen zu sehr lieben”: Noch heute ein Bestseller unter den Selbsthilfebüchern

wenn frauen zu sehr lieben rezensionIch habe dieses Buch seit Jahren in meinem Bücherregal. Aber erst vor einigen Tagen holte ich es wieder heraus: Ich habe noch immer meine ehemalige Beziehung nicht verarbeitet, in der auch ich zu sehr liebte oder zumindest zu viel gab und zu wenig erhielt. Anfangs dachte ich beim Lesen: “Muss ich mich etwas hineinfinden. Liest sich nicht wie ich.” Bis ich mit dem Vorwort durch war und das erste Kapitel begann. Da wurde mir mulmig und ich musste mir eingestehen: Zu sehr zu lieben ist nicht pathologisch, sondern kann jedem geschehen, der sich mehr Aufmerksamkeit und Liebe gewünscht hätte - und noch heute ersehnt.

Wo alles begann: Es liegt bei allen in der Kindheit, wenn man der Autorin Glauben schenkt. Wer destruktive bzw. gestörte Familienbeziehungen hatte, der setzt diese - weil es ein Leid ist, das einem vertraut ist - in seiner Zukunft fort. Man möchte wieder gut machen, was damals schief gelaufen war. Man möchte im erwachsenen Dasein die Sache selbst in die Hand nehmen und sich endlich die Liebe, die man als Kind irgendwo vermisste, ergattern. Man möchte jene Männer oder Frauen, die besonders interessant sind - weil sie meist unerreichbar oder emotional nicht verfügbar sind, gewinnen. Man möchte den Kampf, wappnet sich erneut (so wie damals) und holt samt allem auch die alten Gefühle und Leidzustände wieder hervor.

Ein Kurzabriss der Themen

Auf 341 Seiten beschreibt Norwood die typischen Herausforderungen von Frauen, die zu sehr lieben: Beginnend mit dem Schmerz der unerwiderten Liebe, widmet sie sich dem Kampf der Frauen, beweisen zu wollen, wie liebenswert sie sind. Sie nutzen oft Sex, um Beziehungen zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, verwechseln eine innige und leidenschaftliche Sexualität allein mit Liebe, verzichten freiwillig auf Ehrlichkeit, Verständnis, Respekt oder emotionale Sicherheit. Auch wenn die letzten, fehlenden Beziehungswerte oft die Auslöser sind, die ihre innere Welt aus den Fugen geraten lässt, scheinen sie Liebe immer mit Drama und Leid zu brauchen.

Verlässliche Beziehungen scheinen zu öde. Es geht ihnen darum, gebraucht zu werden, die Angst, eben nicht gebraucht zu werden, nicht spüren zu müssen. Ein Kapitel widmet Norwood allein dem Typus Mann, der verstärkt solche Beziehungen bzw. suchende Frauen braucht (mehr siehe unten). Sie beschreibt die Schatten und die Co-Abhängigkeit in den schmerzhaften Beziehungen. Sie bringen immer Selbstaufgabe und große Opfer mit sich, die in einigen Fällen bis in den Tod gehen können.

Der Spiegel schrieb als Reaktion auf das Buch 1988, “Frauen, die in ihrer Kindheit gelernt hätten, “ich werde nur geliebt, wenn ich gebraucht werde”, seien die Verlierer in ihren Beziehungen. Sie kämen ihr Leben lang von diesem Muster nicht los, begleitet von entsprechend anstrengenden Männern.” Da es für einige Menschen wirklich sehr schwer ist, das Bild, das sie in ihrer Kindheit von “Partnerschaft”, “Liebe” und “Geborgenheit” gewannen, zu ihren Gunsten zu verändern, beschreibt Norwood in den Folgekapiteln Wege zur Heilung und Strategien, wie diese gelingen kann.

 

Frauen, die zu sehr lieben, kennen diese 15 Merkmale genau

1. Ein kaltes, destruktives oder unsicheres Beziehungsmuster in der Kindheit

Wenn Kinder Angst habenSie kommen aus Familien, in denen Liebe, Wärme, Akzeptanz, Geborgenheit, Ehrlichkeit Mangelgüter waren. In den wenigsten Fällen erhielten sie, was sie brauchten, um ihre emotionalen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Egal, was sie auch taten. Vielleicht war es die mittelpunktbezogene und neidische Mutter, der abwesende oder kranke, süchtige Vater, die Geschwister, denen Vorrang gegeben wurde. Auch Elternteile, die zu sehr an dem Kind zerrten, es nicht atmen ließen und die Trennung fürchteten, fallen darunter. Aber auch extreme Glaubensmuster in Bezug zu Geld, Arbeit, Religion, Bildung, Politik, Hausarbeiten, Sport, Freizeit usw., die an die restlichen Familienmitglieder weitergegeben werden, eingehalten werden sollen, erweisen sich als schwierig. All das erfordert ein sehr frühes Erwachsensein, das das Kind nicht leisten und verarbeiten kann.

2. Weil sie sehr darunter litten, dass ihnen Liebe und Fürsorge verwehrt blieben, werden sie so liebevoll und fürsorglich, wie sie selbst behandelt werden wollen. 

Sie suchen sich eher Menschen und Partner, die anfällig sind, krank oder bedürftig, hilfesuchend oder von vorherigen Beziehungen lädiert. Frauen, die zu sehr lieben, finden sich deshalb oft in sozialen oder beratenden Berufen. Sie identifizieren sich mit den Leiden und versuchen, besonders dem sexuell interessantem Geschlecht zu helfen, damit es ihnen selbst besser geht. Laut Norwood müssen sie “verstehen, dass es unsere eigene Sehnsucht nach Liebe und Hilfe ist”. (S. 34)

3. Auf der Suche nach Liebe bei ähnlich emotional kalten oder falschen Menschen verlieren sie sich im Kampf, sich als liebenswert beweisen zu wollen. Norwood beschreibt, dass sie eventuell vergebens um die Liebe eines Familienmitglieds gekämpft haben, was die Ursache für ihr später es Handeln legte. Sie inszenieren dasselbe Unglück von damals, als sie besonders lieb, nett, fleißig, gehorsam, brav oder nützlich waren, um Liebe zu erhalten.

So lernten sie, dass ihre Gaben von damals nur dann angebracht seien, wenn man auch Liebe und Aufmerksamkeit erhält  - und umgekehrt. Bräuchte man nur “man selbst” sein, um geliebt zu werden, wäre es unnütz und langweilig. Es ist wie ein Mechanismus, der falsch gelernt wurde, und automatisch abläuft. Gleichzeitig aber birgt er auch die Chance, ihn auszuhebeln.

Autogenes Training gegen Ängste4. Ihre große Trennungsangst bringt sie dazu, beinahe alles zu tun, um die Beziehung aufrechtzuerhalten. Trennungen können nicht nur Verlassenwerden bedeuten, sondern auch emotionale Trennung im Sinne einer lieblosen Atmosphäre. Das bedeutet innere Leere  und Schuldempfinden und tut allen Menschen schrecklich weh.

Doch in diesem Fall erinnert es an jene Menschen unserer Kindheit, die uns verließen oder aber den Eindruck erweckten, sie würden uns verlassen, wenn wir nicht etwas Bestimmtes tun oder lassen.

5. Sie sind bereit, ihre gesamte Zeit und Kraft, ja ihr ganzes Leben, diesem einen Menschen zu widmen, um ihn durch ihre Liebe zu ändern. Sie erbringen Leistungen, um aus dem Menschen einen komplett anderen zu machen - den, den sie haben wollen, der ihnen gibt, was sie sich so sehr wünschen. Sie verstehen dabei nicht, wie überzogen und selbstschädigend es ist, was sie dem Menschen als “Hilfe” geben.

6. Sie sind so sehr an zu wenig Liebe und emotionale Sicherheit gewöhnt, dass es ihnen nichts ausmacht, zu warten und zu leiden, solange bis sie bekommen, was sie brauchen. Sie versuchen, dem Menschen zu gefallen, mit allen Mitteln. Vielleicht hat man noch nicht genug getan oder hätte etwas sein lassen sollen, vielleicht wird alles besser, wenn er erst einmal xyz verstanden hat. So werden alle kleinen Versprechen oder Signale als positives Signal gedeutet, dass die Mühe es wert war, nur um dann wieder enttäuscht zu werden. Man lebt ausschließlich in der Hoffnung.

7. Sie übernehmen beinahe die gesamte Verantwortung, Pflicht und Schuld auf sich, um sich zu beweisen. Als Kinder waren sie oft frühe Erwachsene, mussten anpacken oder handeln, wie es Erwachsene tun. So erhofften sie sich Aufmerksamkeit und erhielten ihre Welt, in der sie für ihre Leistungen Liebe erfahren könnten. Dabei waren sie für die Verantwortung noch viel zu jung. Sie konnten die Aufgaben und Pflichten nicht tragen und seelisch nicht verarbeiten. Doch sie kennen sich im weiterem Leben noch gut damit aus, um dieses “Pseudo-Erwachsensein”, wie Norwood es nennt, fortzusetzen, und so ihre Liebeswürdigkeit zu beweisen.

8. Ihr Selbstwert ist ungesund niedrig. Sie glauben, sie hätte Liebe und Glück nicht verdient. Sie vermuten, sie müssten sich erst beweisen, um in der Liebe auf einfache Weise zufrieden sein und Gutes erhalten zu dürfen. Sie haben nur wenig oder keine Selbstachtung und fühlen sich wegen ihrer Fehler schuldig. Sie wollen ihre Beziehungen und Partner kontrollieren, um die fehlende Sicherheit oder Enge in der Kindheit nicht erneut zu spüren.  Die Angst davor, wieder die Hochs und Tiefs der emotionalen (In-)Stabilität erfahren zu müssen und die Trennungsangst, die das mit sich bringt, veranlasst sie dazu, die Zügel straff zu halten. Am besten gelingt das mit einer Maske, die bei vielen wie Hilfsbereitschaft aussieht. Sie müssen gebraucht werden, und sind gut im Befriedigen von Bedürfnissen - nur so können sie ihr eigenes Brauchen ebenfalls aufrechterhalten, während sie die Steuermänner sind. Dreht sich das Blatt, werden die Partner plötzlich selbstständig, gesund und nähefähig, wenden sich viele Frauen wieder ab, weil sie diese Situation schwer einschätzen können. Es macht ihnen Angst, ohne Leistungen geliebt zu werden. Trennungen könnten geschehen.

10. Sie jagen einem Traum, einer Illusion von der perfekten Beziehung hinterher, und ignorieren die harte Realität, um sich von ihrem Traum nicht trennen zu müssen. Sie haben ein Bild des perfekten Mannes in der perfekten, liebevollen Beziehung, wenn frauen zu sehr lieben die heimliche angst nicht gebraucht zu werdendas sie ermutigt. Sind sie bereit, alles zu tun, um ihr Ideal in eine reale Welt umzuwandeln, so bringt ihnen das ihr lang ersehntes Glück. Doch beim genauen Hinsehen fällt eines auf: Sollten sie es wirklich schaffen, würden sie es nicht mehr wollen. Norwood beschreibt etliche Fälle, in denen aus Menschen, die zu sehr lieben, plötzlich Menschen, die gar nicht mehr lieben, wurden. Weil sie erreicht hatten, was sie wollten. Doch das hatte keinen Kampf, keine Probleme und kein Leid mehr inne. Ihnen wurde langweilig, sie distanzierten sich, wurden kühl und lieblos, aus Schutz vor der Nähe, die sie vorher so dringend wollten. Es ist die Angst vor echter und ehrlicher Nähe, die die Menschen, die zu sehr lieben, nicht erfüllen können. Sie trauen sich die Nähe nicht zu. Sie können sie nur aus der Distanz heraus als glücklich empfinden. Kommt der erfüllte Traum zu nah, sehen sie sich mit neuen Problemen konfrontiert.

11. Sie befinden sich in einer Abhängigkeit von Männern und dem Gedanken, dass Liebe Leid bedeutet. Sehnsucht, Verzehrung, pausenlose Gedanken an die kommenden, gemeinsamen Stunden, Grübeleien darüber, wie man den Menschen in eine Beziehung verführt, große Pläne, wie man den Menschen ändern kann, um alles wiedergutzumachen, was ihn wohl am Lieben hindert: Diese Merkmale fließen in die Abhängigkeit hinein und formen sie. Sie entspringen dem Leid beider Partner und widmen sich dem Leid von wenigstens einem der Beteiligten. Statt auf ihr Gefühl zu hören, zu erkennen, dass sie nicht zurückerhalten, was sie sich wünschen, investieren sie noch mehr Gefühl, Zeit und Energie in das Gelingen. Auf diese Weise gerät man schnell in eine Abhängigkeit: während der Partner von der Fürsorge abhängig ist. Damit sind sie auch abhängig von dem seelischen Schmerz, den Beziehungen mit sich bringen.

12. Sie könnten suchtanfällig sein, zum Beispiel für Drogen, Alkohol, Tabak, Zucker, Sex, Sport usw.

13. Sie vermeiden es, sich durch die Ablenkungen Gedanken über sich und ihr Leben zu machen. Sie suchen sich stattdessen Menschen, die mehr oder größere Probleme haben, die ihre maßlose Anteilnahme und Aufmerksamkeit bedürfen. Sie lassen sich lieber in die Labyrinthe anderer verstricken, als in ihrem eigenen Leben Ordnung zu schaffen. Sie kennen ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse, Werte und vor allem Ziele so gut wie gar nicht. Aber sie sind gut im Erkennen der anderen - mit dem, was sie brauchen. Sie scheuen also die Selbsterkenntnis, weil sie nicht lernen durften, sich in ihr Blickfeld zu stellen und zu erkennen, was sie sich wünschen und wer sie eigentlich sind. So muss man auch niemandem seine eigenen Gefühle zumuten, die eventuell zu Konflikten mit unseren Mitmenschen führ(t)en.

14. Norwood vermutet auch eine mögliche Anfälligkeit zu depressiven Verstimmungen, denen sie mit dem emotionalen Tumult einer schlechten Beziehung versuchen, aus dem Weg zu gehen. Je dramatischer oder aufregender ein Verhältnis ist, desto mehr ist los bzw. weniger Langeweile kommt auf. So können sich Frauen, die zu sehr lieben, von ihren Stimmungstiefs ablenken.

15. Liebe, nette, zuverlässige und einfühlsame Männer finden sie langweilig. “Diese verständnisvolle, einfühlsame Sorte Mann kann uns einfach nicht das Drama, den Schmerz und die Spannung bieten, die wir als angemessen und <<richtig>> empfinden: Denn was wir als schlecht empfinden sollten, empfinden wir…als gut, und was wir als gut empfinden sollten, empfinden wir…als fremdartig, verdächtig und unangenehm.” (1991, S. 132) Die Jahre, in denen sie sich mit “zu wenig” arrangieren mussten, haben sie daran gewöhnt, Leid zu befürworten. Damit können sie umgehen; darauf haben sie sich eingestellt. Echte Nähe jedoch, die von Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge geprägt ist, kennen sie nicht. Es ist wenig verwunderlich, dass bei Menschen, die zu sehr lieben, ein Spiegel der Vergangenheit angenehmer erscheint, als etwas Neues, an das sie sich erst gewöhnen müssten. Ohne Gewähr auf Erfolg und mit integrierter Angst vor Verlust und Trennung. Liebevolle und ehrliche Männer, mit denen eine Partnerschaft sicher und mühelos wäre, erachten sie beinahe als zu “leicht” und damit “zu schön, um wahr zu sein”.

Frauen, die zu sehr lieben, ziehen Männer an, die sich zu sehr lieben lassen

Anstatt auszuflippen, lieber Selbstbehauptung übenDieses Kapitel von Norwood fand ich besonders spannend. Denn die Fragen “Welche Männer stehen hinter Frauen, die zu sehr lieben? Was macht sie aus, was macht sie anders?” lassen interessante Einblicke zu. Um es mit Norwoods Worten zu sagen:

“”Brauchst du mich?” fragt insgeheim die Frau, die zu sehr liebt. “Wirst du dich um mich kümmern und meine Probleme lösen?” lautet die unausgesprochene Frage hinter den ausgesprochenen Worten des Mannes, der diese Frau vielleicht als Partnerin wählen wird.” (1991, S. 168)

Mir fielen anhand der Beispiele Muster auf, die Norwood so genau nicht benennt. Nebst der Tatsache, dass es sich bei den Männern um hilfsbedürftige und meist co-abhängige Menschen handelte, waren sie oft verwitwet oder wurden gerade verlassen; andere waren kriminell, medikamenten-, drogen- oder alkoholabhängig. Wieder andere waren süchtig nach Sport, Essen oder anderen “Füllern”. Gleich, welches Problem im Mittelpunkt stand, sie haben Merkmale gemeinsam:

  • Sie sind unerreichbar, entweder lokal, familiär oder emotional und haben ein großes Abhängigkeitsbedürfnis.
  • Sie können wahre Nähe wenig aushalten. Die Beziehung nährt sich nur durch ihr “Problem”, das die Hilfsbereitschaft der Frau, die zu sehr liebt, erweckt. Sie übernimmt die Verantwortung für die Aufgabe, die er nicht gewillt ist, zu lösen.
  • Sie suchen eine vermeintlich starke und vor allem kluge Frau, die sich mit solchen Problemen gut auskennt oder bereit ist, diese wenigstens zu dulden, zu decken oder zu handhaben. Das stärkt ihren Selbstwert.
  • Sie suchen eine Frau, die ihnen verspricht, den Mangel, die Leere, in sich zu füllen. Sie wollen gebraucht und umsorgt werden. Sie haben in sich eine Verzweiflung aufgrund ihrer Lebenssituation, die schmerzhaft ist und Hilflosigkeit auslöst. Doch diese Gefühle können und wollen sie nicht spüren.
  • Es ist bestärkend und schmeichelhaft, dass sie in ihrer Situation von einer solchen Frau wahrgenommen und mit Aufmerksamkeit bedacht werden.
  • Sie wollen das Gefühl nach Anerkennung so oft wie möglich spüren (auch Begierde in Fällen von Affären). Ihre Lebenssituation spielt dabei keine Rolle.
  • Sie wissen (meistens), dass sie der Frau aufgrund ihrer belasteten Lebenssituation wenig bis nichts bieten können.
  • Sie suchen nach Schutz, Anteilnahme, Mitgefühl und Sicherheit; das hat eine enorme Anziehungskraft auf sie.
  • Sie lassen die Frauen um sich kämpfen. Das nährt ihr Gefühl nach Anerkennung, Sicherheit, Stärke (auch Größe) und Gebrauchtwerden.
  • Sie können so gut wie alles falsch machen. Das wissen sie - und tun es deshalb meist auch. Die Frau, die zu sehr liebt, wird es in den meisten Fällen hinnehmen und selbst Jahre warten.
  • Ihre wahrhaftige Liebesfähigkeit (im Sinne von echter Nähe im Alltag) ist genauso angeschlagen und gering, wie die der Frau.
  • Deshalb haben sie meist ein Schutzschild (eine Obsession, Job, Kinder, Geld, Sucht, etc.), das sie vor zu viel Nähe (zulassen müssen) schützt und als Grund dient, sich (aus Angst) zurückziehen zu können.

Fragwürdiger Titel: Geschieht das wirklich nur Frauen?

Psychologie Angst BlogAls ich das Buch las, wurde mir schnell klar: Das passiert nicht nur Frauen. Ich kenne Dutzende Männer, die zu sehr lieben, bzw. eine Kindheit hatten, die sie lieblos und mit fehlender Geborgenheit zurückließ. Auch sie sind heute auf der Suche nach einer Partnerschaft, in der sie ihre Liebe beweisen können, darum kämpfen können, während sie wenig vom Gewünschten zurückbekommen. Sie leiden genauso wie Norwood es bei Frauen beschreibt.

Denn Menschen, die zu sehr lieben, verbindet eines: Sie würden

  • sich für die Liebe eines Partners bis zur Selbstaufopferung auslaugen,
  • dabei zusehen, wie es sie körperlich und seelisch krank macht,
  • Leidenschaft und Sexualität mit Liebe gleichsetzen,
  • zulassen, dass diese Besessenheit von einem Menschen das eigene Leben mit den Gefühlen, Zielen und Verhalten bestimmt
  • und sich dennoch nicht trennen oder den Menschen im Herzen loslassen können.

Gleichzeitig würden sie viel tun, um diese Belastungen loszuwerden.

Solltest du auch dazugehören, kann ich dir das Buch von Robin Norwood nur empfehlen. Es bietet dir liebevolles, aber klares Verständnis und Wege aus der Lage heraus. Auch ich sehe nach dem Lesen des Buches einiges anders. Besonders aber ist mein Selbstmitgefühl für mich gestiegen: Wir sind alle nur Menschen, machen Fehler und leiden unter einer Situation. Aber wie das Leben mit Liebe in der Zukunft aussieht, entscheidet ein jeder für sich allein.

Zum Buch “Wenn Frauen zu sehr lieben” >>

Viele Grüße,
Janett Menzel

F