Die 5 Charaktertypen: Was sie in ihrem Leben brauchen & lernen müssen

Die 5 Charaktertypen: Was sie in ihrem Leben brauchen & lernen müssen

 

Ich bin ein sehr großer Fan von Dr. Anoeda Judith. Sie ist eine weltbekannte Psychologin und befasst sich neben spirituellen Aspekten des Lebens vorwiegend mit psychosomatischen. Unter anderem sprach sie kürzlich über die fünf Charaktertypen, ihre Herausforderungen und Lernaufgaben - ergo, was sie brauchen, um sich wohlzufühlen und gesund und zufrieden zu leben.

Ihr Vortrag ist ursprünglich in englischer Sprache auf YouTube erschienen (Link siehe Quelle unten). Ich habe die Typen noch um einige Informationen erweitert.

 

Die fünf Charaktertypen: Was ihre Schutzmechanismen prägte

Judith sagt, die Typen würden in fünf Kindheitsstadien entstehen, je nachdem, in welchem Stadium man verletzt wurde. Die nachstehenden Charaktertypen beschützen allesamt ihr inneres Kind, das Kind, das sie einst waren. Jedes Kind legt sich seine Schutzmechanismen zu, um in seinem Umfeld zurechtzukommen. Später im Leben, versuchen wir diese früheren Ängste, Unsicherheiten und traumatischen Wunden nicht erneut aufreißen zu lassen. So fühlen wir uns sicher - ähnlich sicher, wie wir uns durch die Mechanismen in unserer Kindheit fühlten. Sie sind tief in uns vergraben und bilden unser ganz eigenes psychologisches Schutzschild. Das wiederum bestimmt darüber, wie wir fühlen, handeln und denken. Doch sich aus den alten Schmerzen zu befreien und sich neu zu erkennen, kann diese Wunden heilen. So werden wir gesünder und vor allem entspannter, je mehr Vertrauen wir in uns, die Welt und unser Leben haben.

 

Was die Charaktertypen für ihr großes Lebensglück lernen dürfen

Jedem dieser Typen fallen somit Lernaufgaben in den Schoß, die noch bis in hohe Alter “erledigt” werden können, um sich schlussendlich rundum zufrieden und befreit zu fühlen - ohne eingekerkerte Angst, Trauer, Schuld und Scham. Doch wir weisen mehrere Verwundungen aus unserer Kindheit auf. Deshalb ist es nicht erstaunlich, wenn du dich in zwei oder gar drei Typen wiederfindest.

 

Der Kreative/Spirituelle (Schizoide)

intuition intuitive menschen spüren die gefühle und bedürfnisse andererDieser Charaktertyp formt sich in den ersten Jahren, wenn sich das Kind ungewollt, ungeliebt, missachtet und nicht akzeptiert fühlt, besonders von der Mutter. Diese Gefühle münden in einer Bodenlosigkeit, Ohnmacht, in fehlendem Urvertrauen in sich und die Welt und einer latenten oder offenen Opfereinstellung. Sie kann sich in Unlust auf soziale Aktivitäten, fehlendem Glauben und Vertrauen in jeden Menschen äußern. Die Welt ist in herausfordernden Situationen der Feind. Alle und alles ist gegen sie, meinen viele in extremen Momenten.

Sie wünschen sich, dass die Welt ein sicherer Ort für sie ist, dass sie sich frei und leicht entfalten können, ohne Gegenwehr und Aversionen anderer. Sie planen deshalb oft im Voraus alle ihre Schritte. Sie erhoffen sich so eine maximale Sicherheit, nur für den Fall, dass sich ihre Vermutung, etwas könne schiefgehen, doch bewahrheitet. Viele lösen aber durch ihre Erwartungsangst bereits unnötige Sorgen, Trauer und Angst aus. Auch Schuldgefühle sind nicht selten.

Ihr Schutzmechanismus: Dieser Typus hat wenig Kontakt zu seinem Körper und ist daher für das Spirituelle sehr offen. Sie sind sehr intelligent, abstrakt, wissenschaftlich oder kreativ. Viele von ihnen sind hochbegabt. Der Kreative/Spirituelle hat als jedoch Aufgabe, in seinen Körper zurückzufinden. Aber viele empfinden ihren Körper als “zu eng”, weil der Geist so viel größer ist. Sie haben das Gefühl, dass sie im Bewusstsein ihres Körpers eingeschränkt wären, weshalb sie lieber in geistigen und spirituellen Gefilden unterwegs sind. Sie fragen sich oft, ob sie überhaupt das Recht haben, auf dieser Welt zu sein. Sie sind typische Kopfmenschen, typische Geistliche, Weltverbesserer und Perfektionisten, typische Künstler und im gereiften Zustand zum Beispiel Spirituelle, Esoteriker, Meditierende oder Yogis. Sie suchen nach ihrem Sinn. Sinnlosigkeit aber lähmt ihr Dasein, lässt sie krank werden oder melancholisch und lethargisch. Probleme durch andere versuchen sie mit ihrem Geist oder einer gedanklichen Flucht zu lösen, weil sie gelernt haben, dass ihr Kopf ihnen erlaubt, in andere Welten vorzudringen, in denen sie einen Platz haben. Dort gibt es eine Lösung. Sie suchen mit ihrem Geist nach einem Nutzen für alles Geschehene und besonders nach ihrem Nutzen. Sie misstrauen sehr oft Beziehungen und viele vermeiden intensive Nähe - aus Angst vor Inbeschlagnahme oder Selbstverlust. Sie dürfen Achtsamkeit lernen, Erdung, Körperbewusstsein und -wahrnehmung, Vertrauen in sich und in Gefühle sowie Sicherheit in ihrem Körper. Sie profitieren mehr als alle anderen Typen von Achtsamkeitstraining und Stressmanagementtechniken, Kontakt mit der Natur und alternativen/energetischen Behandlungsmethoden.

 

Der Liebende (Orale)

so machst du einen mann in dich verliebtDieser Typus bildet sich heraus, wenn ein Kind keine Anerkennung und Wertschätzung, Zuwendung und Liebe erhält und seine Grundbedürfnisse unerfüllt bleiben, sich die Bezugspersonen nicht genug kümmern oder das Kind viel zu wenig von dem, was es braucht, bekommt. Das resultiert wiederum in einer großen Bedürftigkeit und Abhängigkeit. Weil sich das Kind dessen bewusst ist, achtet es besonders daraus, was die Anderen brauchen. Sie sind von jeher sehr auf die Erfüllung fremder Bedürfnisse bedacht, in der Hoffnung, ein kleines Stück des Kuchens abzubekommen.

Sie brauchen Beziehungen deshalb wie die Luft zum Atmen, neigen zu Süchten wie Rauchen oder oralen Befriedigungen wie Essen oder auch Alkohol. Es ist für sie ein Ersatz für Kontakt und zugleich eine Möglichkeit, die fehlende Verbindung zu sich selbst und anderen, einschließlich der unerfüllten Bedürfnisse ihrer Kindheit aufzuwerten. Daher werden sie auch Orale genannt, weil der Atem - das wissen wir bereits von Ruediger Dahlke und anderen Experten - eben genau dafür steht: Kontakt und Verbindung. Doch sie scheitern sehr oft in Beziehungen. Entweder sie verlangen zu viel Aufmerksamkeit von ihrem Umfeld und beklagen stets, was sie alles nicht bekommen. Oder aber sie geben und geben und geben und wagen es nicht, zu fordern und zu nehmen. In beiden Fällen leben sie in der Vergangenheit und versuchen das damals Erlebte aufzuarbeiten/wiedergutzumachen, um sich wenigstens heute wertvoll und geliebt zu fühlen.

Die Oralen geben viel Energie an andere und gehören zu den “Gebenden und Fürsorgenden”. Sie sind oft Lehrer, Pädagogen, im sozialen Bereich tätig oder von Herzen her Mutter bzw. Vater, ohne etwas anderes zu brauchen. Sie fürchten die Trennung und würden eher einen Verlust ihres Selbst in Kauf nehmen.

Die Liebenden/Oralen leben wegen ihrer fürsorgenden Ader ohne starke eigene Grenzen. Sie sind gutgläubig, liebenswürdig, liebevoll und wollen für alle nur das Beste. Sie sind Kümmerer und “Muttis” oder Chefs mit Herz oder beste Freunde. Sie sind Vertrauenspersonen und werden von der Welt auch so behandelt: offen für die Probleme und Bedürfnisse eines Jeden. Sie sind wegen ihrer Herzlichkeit aber leicht ausnutzbar und werden nicht selten betrogen. Im Allgemeinen sind sie zu wenig auf sich konzentriert und zu sehr auf andere. Da sie aus der Kindheit glauben, sie hätten nicht genug gegeben, haben sie ergo in ihrem Empfinden nicht genug bekommen. Sie suchen in Wahrheit nach Menschen, die ihnen wegen ihrer Selbst Liebe und Ehrlichkeit schenken. Doch sie scheitern oft an der Realität, werden benutzt oder manipuliert. Wenn sie bereits die Schattenseite ihrer Fürsorge gelernt haben, werden viele sehr clever und legen ihre Naivität ab. Dann gehören sie zu den Menschen, die “den Braten” schnell riechen, Lügen und Ungereimtheiten oder Gefahren schnell erkennen. Sie sind sehr intuitiv und nicht selten höchst empathisch. Sie dürfen Selbstfürsorge und eigene Grenzen, Selbstwert und Selbstabgrenzung lernen.

 

Der Beständige/Durchhaltende (Masochist)

Dieser Charaktertypus entsteht, wenn ein Kind versucht, sich von den Bezugspersonen und deren Bedürfnissen abzunabeln, aber unterbrochen oder gar aufgehalten wird. Dann hinterlässt das beim Kind den Eindruck, dass es keine eigene Persönlichkeit haben soll/darf, ohne Konflikte und Disharmonie auszulösen, ohne verlassen zu werden, ohne im übertragenen Sinn “zu sterben”. Für ein Kind ist es sehr oft ein emotionaler Tod. Diesen Typus finden wir demnach oft bei kontrollierenden, zwanghaften und abhängigen Eltern, die Feindlichkeit und Strafe nutzen, um ihr Kind entsprechend ihrer Wünsche “zu formen”.

Erwachsene mit diesem Charaktertyp leben in ihrem Leben oft entlang der Bedürfnisse anderer, versuchen vieles, um sie zu erfüllen und befriedigen und sind oft damit beschäftigt, den Anderen glücklich zu machen. Emotionale Abhängigkeit in Beziehungen, Job und Familie finden wir genauso wie Menschen, die co-abhängig sind und zum Beispiel Substanzabhängigkeit dulden, aus Angst vor Trennung. Sie werden eben deshalb auch masochistisch genannt. Denn sie verletzen sich selbst dort, wo andere nur den Kopf schütteln und das Weite suchen würden. Doch sie sind sich ihrer Kraft und ihrer Selbstwirksamkeit nicht bewusst, weil sie es schlichtweg nicht gelernt haben bzw. lernen sollten - jedenfalls nicht, wenn sie keine Konsequenzen erfahren wollten.

Der Beständige/Durchhaltende ist wegen seiner Loyalität eher im Hintergrund zu finden, was sie zu fantastischen Hintermännern und -frauen macht. Diese Menschen bitten oder fordern wenig; sie sind da, wenn sie gebraucht werden, funktionieren scheinbar immer, beschweren sich nicht und tragen oft und bereitwillig Verantwortung (auch fremde). Sie wollen wenig auffallen, zeigen sich ungern und gehören eher zu den leisen, introvertierten Menschen. Sie sind solide, geerdet und sehr verlässlich, aber sie sind selten wirklich glücklich. Sie dürfen lernen, ihre Bedürfnisse und Bedürftigkeit auszudrücken und andere auf ihre verletzliche Seite hinzuweisen. Ihnen fehlt diese Lebendigkeit, weil sie sich wegen dem Durchhalten nur schwer spüren. Sie mussten sich ihre eigene Art der “Betäubung”, wie Judith es nennt, suchen und haben deshalb eine derart starke, aber unsichtbare Abgrenzung, dass sie leicht melancholisch oder mitunter auch depressiv werden können - meistens, ohne es zu zeigen. Sie verbergen ihre wahren Bedürfnisse und Schmerzen. Sie leben im Leisten und Müssen und sehen in den seltensten Fällen ihre Optionen. Sie dürfen daher lernen, dass sie ebenso alles dürfen und nichts müssen, andere ebenso auf sie zu achten haben und sie ebenso Liebe und Halt benötigen, um sich wohlzufühlen.

 

Der Herausforderer (Zweifler)

was ist intuition und was hat empathie damit zu tunWenn ein Kind betrogen, emotional/körperlich/seelisch missbraucht wird, formt sich dieser Typus heraus. Im Extrem kann das bis zu psychopathischen Grundzügen führen. Denn dieser Typus hat es sich zur Aufgabe gemacht - komme, was wolle - nie wieder von anderen fremdbestimmt oder ausgenutzt zu werden. Sie suchen und sehnen sich nach Macht und nach Menschen, die es ihnen rechtmachen - gleich, ob sie damit andere verletzen. Hauptsache, sie werden nicht verletzt. Sie fühlen sich andernfalls ausgeliefert und ohnmächtig, völlig verängstigt und erleiden den alten Schmerz von damals neu.

Welche Form von “Missbrauch” es auch war, der sie ausgesetzt waren: Es hat sie traumatisiert. Sie tragen in sich eine tief schmerzhafte Wunde, die sie sehr aggressiv und beizeiten höchst feinselig werden lässt, wenn sich ihnen jemand in die Quere stellt. Bitte nicht verwechseln mit einem hin und wieder misslungenem Tonfall oder einer Wut, endlich akzeptiert zu werden, wie man ist. Hier sind die Menschen gemeint, die auf stets ihr Ding durchziehen, bewusst egoistisch sind (aus Angst), immer ihren Zielen Vorrang geben und dabei keinerlei Rücksicht oder Mitgefühl an sich heranlassen. Einige von ihnen überspielen diesen angstbesetzten Machtdrang mit einer freundlichen Maske, doch sie behalten ihr Ziel dahinter stets im Blick. Im Allgemeinen fühlen sie sich sehr einsam, schnell ausgegrenzt und angegriffen. Sie nutzen ihre “Macht” deshalb gern, um dieses Gefühl zu schmälern. In Wahrheit sind sie einfach tief verletzt und tun auf diese Art ihr Bestes, um nie wieder dasselbe zu erleben wie früher. Sie wenden auch ihre eigene, unverdaute Wut häufig gegen andere oder unterstellen ihnen, was sie selbst in sich tragen.

Der Herausforderer/Zweifler hat in der Kindheit sein Bedürfnis nach Willenserfüllung und Macht gespürt und versucht, auszuleben. Sie wissen, wie es sich anfühlt, sie selbst zu sein und kennen ihre Identität. Aber sie wurden auf eine Art von Bezugspersonen oder ihrem Umfeld betrogen oder ausgenutzt. Statt sich zu fügen, werden sie starrsinnig und unbeugsam, durchsetzungs- und willensstark. Sie sind später gute Anführer, Geschäftsführer oder finden sich in hohen Positionen wieder, in denen sie über Macht verfügen. Sie mögen ebenso starke Machtstrukturen, z. B. in politischen und gesellschaftlichen Belangen. Man findet sie auch oft in juristischen Gebieten wieder. Wenn man jemanden braucht, der sich für einen stark macht, sind sie ideal. Aber, so Judith, werden sie selbst angegriffen oder finden sich in Herausforderungen wieder, werden sie schnell wütend und hitzköpfig, stur und unnahbar, aggressiv und kampfbereit. Sie dulden nur selten Widerrede. Sich mit ihnen abzulegen, nun ja, braucht schon Selbstvertrauen und guten Mut. Sie dürfen lernen, dass Flexibilität, innere Ruhe trotz Gegenwehr sowie Sich-Zurücklehnen auch positive Seiten haben kann. Sich dem Leben anzuvertrauen und hinzugeben, ist genauso wichtig für sie, wie das Ablegen der Angst vor fremden Bedürfnissen, Inbeschlagnahme, Liebe und liebevoller Führung. Ob sie nun lernen, dem Universum, einem Gott oder bestimmten Menschen zu vertrauen: Sie dürfen sich dem Leben öffnen und erkennen, dass es sicher ist, auch ohne stets mit dem Kopf durch die Wand gehen zu müssen. Gewinnen und Kontrollieren muss nicht im Mittelpunkt stehen. Auch Loslassen hat seinen Wert und seine Vorteile.

 

Der Strebende/Begierige (Unbeugsame)

du bist so schön wie rose glaube an dich und deinen wertDieser Typus bildet sich aus, wenn sich das Kind vom Elternteil des gegensätzlichen Geschlechts abgelehnt fühlt (Junge von der Mutter, Mädchen vom Vater). Das führt dazu, dass es verstärkt im Kopf lebt, sich emotional abschottet und glaubt, immer perfekt sein zu müssen. Es sehnt sich im Stillen nach bedingungsloser Liebe. Unbeugsame Typen verlieren nicht selten die Verbindung zu ihrem wahren Selbst, nur um sie später als Erwachsene wieder zu suchen beginnen.

Sie fühlen sich falsch, nicht genug, leiden deshalb oft unter Schuldgefühlen und Scham, Angst vor Nähe und Trennung. Dahinter verbirgt sich eine unermessliche Traurigkeit, weil sie zu glauben lernten, nicht okay, nicht liebenswürdig, nicht schön, nicht genug zu seien. Sie haben gelernt, dass sie anders sein müssten, um geliebt zu werden.

Sie streben deshalb nach Perfektion, leisten und leisten und landen nicht selten in einem Burnout oder erleben heftige Angst- und Panikattacken, weil sich ihr Herz nach dem Ablegen ihrer Maske sehnt. Die Maske, die sie in der Öffentlichkeit tragen, wiegt schwer. Zwar können sie sie oft und lange aufrechterhalten. Aber es kommt bei den meisten in den späteren Jahren der innere Drang, einfach nur so sein zu dürfen, wie sie sind. Entweder sie bahnen sich dann mit viel Antiautorität und Durchsetzungsvermögen den Weg. Oder sie versuchen es mit Gefälligkeit, Leistung und Gehorsam gegenüber “Obrigkeiten” aller Art, von Partnern, Chef, Kollegen und Freunden bis hin zum Ursprung: den Bezugspersonen.

Der Strebende/Begierige sucht nach einer Möglichkeit, seinen Wert zu beweisen, sei es durch Popularität, Liebenswürdigkeit, Reichtum, Schönheit oder Können. Diese Menschen brauchen die resultierende Anerkennung, weil sie an bedingte Liebe gewöhnt sind. In ihrer Kindheit erhielten sie das Gefühl und Signal, dass sie nur geliebt würden, wenn… (irgendeine Bedingung, z. B. gute Noten, gut im Sport, dünn, gutaussehend, beliebt, brav, klug/alleswissend, immer der/die Beste in irgendetwas etc.). Sie wollen noch immer alles richtig machen. Sie sind, in dem, was sie tun, meist sehr gut organisiert, gut strukturiert, ein Halt für andere. Auch äußerlich versuchen sie, so gut aussehend wie möglich zu sein. Sie glauben leider, dass sie weder schlechte Seiten noch Macken oder gar Gefühle und Bedürfnisse haben dürften. Doch hinter der auferlegten Saubermann-, Gutmensch-, Erfolgsmensch- und XYZ-Fassade verstecken sie sich. Sie haben eine Leistungs-Maske, die sie überall aufrechterhalten, besonders in Beziehungen. Dieser Typus darf lernen, dass er nichts muss und nichts braucht, um geliebt zu werden, er bereits gut genug ist, so wie er ist. Er darf erkennen, dass die Bereiche, in denen er “leistet” nur von früher übernommen wurden, sie aber nicht seine Identität sind. Dieser Typus hat es oft sehr schwer, denn mitunter braucht es eine Weile, bis er verstanden hat, dass er so sein darf, wie er ist, und dennoch geliebt und liebenswürdig ist, dass er tun und lassen darf, was er möchte und dennoch geachtet und wertgeschätzt wird sowie, dass er Fehler machen darf, ohne mit Liebesentzug bestraft zu werden.

 

Quelle: (1) Anodea Judith Describes the 5 Character Types

 

Das kleine Mädchen Muss: „Ich will nicht mehr allein sein!“ (Nummero 3)

Das kleine Mädchen Muss: „Ich will nicht mehr allein sein!“ (Nummero 3)

 

Das Kleine Mädchen Muss beruht auf eigenen Erlebnissen und Auseinandersetzungen mit meinem inneren Kind, dem man nicht immer alles erlauben und schon gar nicht alles glauben muss. So zickig, wie sie auch sein kann: Sie meint es nur gut mit der erwachsenen Janett, auch wenn sie oftmals vergisst, dass wir keine Kinder mehr sind. Die Regeln der “Großen”, die sie in Schönschrift stets auf einer Papierrolle bei sich trägt, gelten heute einfach nicht mehr. Aber erklär’ das mal einer 12jährigen, die stets versucht, brav und gehorsam zu sein, um ihre Ziele zu erreichen! 


Neulich datete ich wieder einmal einen Mann. Paul sah gut aus, schien intelligent und nett und war ein paar Jahre älter als ich. Und wie viele Singles in Berlin hatte auch er es recht eilig im Finden der Liebe: Treffen nach fünf oberflächlichen Nachrichten, Knutschen am ersten Abend und diese eine bestimmte Biersorte, die ich seiner Meinung unbedingt! trinken musste - aber nicht trank, was ihm genauso wenig schmeckte wie mir Bier.

Schon bei diesem ersten Anflug von Übergriffigkeit wurde ich vorsichtig. Mein kleines Mädchen Muss aber hatte sich schon in der Vorbereitung auf das Fest unseres Lebens komplett in die Farbe der Liebe gekleidet und sich für Beziehung, Zusammenziehen, Hochzeit, Kinder bereitgemacht. Endlich ein erfülltes Leben!, wie sie fand. Dass ich ihr da einen Strich durch die Rechnung machen würde! In ihren Augen war es ein Verbrechen, einen solchen Mann abzuweisen. Sie verzehrte sich nach Liebe und Aufmerksamkeit, doch vergaß beizeiten gern, sich den jeweiligen Mann etwas genauer anzusehen, bevor wir uns auf ihn einließen.

An jenem Abend, es war gegen 22:30 Uhr, verstand sie die Welt nicht mehr. Und erwartete Antworten. Wir sollten eine der schwierigsten Diskussionen führen, die ich je mit meinem inneren Kind hatte austragen müssen. Wir standen im Wohnzimmer, sie bockig und ich genervt. “Ich kann nicht mit einem Mann zusammensein, der mir diktiert, was ich zu fühlen und zu wollen habe! Und das schon beim ersten Treffen! Also HALLO?” erklärte ich ihr.

“Was ist das denn für ein Grund, bitte?” totterte sie und erinnerte mich an all die dummen “Regeln”, die man als Kind so lernt und leider selten wieder vergisst. So auch sie. “Regel Nummero 68: Du musst immer lieb, brav und nett sein. Nur dann mögen dich Menschen. Regel Nummero 68a: Was nicht für dich passt, musst du halt passend machen.” An ihrem ernsten Blick konnte ich ablesen, dass sie so schnell nicht aufgeben würde. Sie rückte ihre Besserwisser-Brille zurecht, während ihre Stirn in Zorn vor sich hinknitterte.

“Das ist ein sehr guter Grund! Ich suche nämlich einen Partner und keinen Vater.”

Wütend stapfte sie auf den Boden. “Ich will nicht mehr allein sein!”

“Liebe hat aber nichts mit Gehorsam zu tun. Sie ist kein Weg aus der Angst vor’m Alleinsein oder der Einsamkeit, Angst, nicht genug zu sein und Angst vor Trennung und Verlust… Soll ich weitermachen?”

Sie seufzte tief. “Weißt du, was ich glaube, was der Paul gedacht hat? Er wollte nur, dass du einen schönen Abend hast!” schnödelte sie weiter. “Männer sind da doch ganz einfach gestrickt: Sie wollen die Frau erobern, sie beeindrucken, mit ihrem Wissen, ihrem Aussehen”, belehrte sie mich, während ihr langer, wohlgeflochtener Zopf im Takt ihrer Argumentation wippte. “Und auch mit ihrer sensiblen Seite, ihrem Erfolg und kulinarischen Erfahrungen!” Sie legte bedächtig ihr Patschehändchen auf meine Schulter. Sie verfolgte ganz offensichtlich einen Plan, wie sie mich doch noch dazu bekam, dass ich Paul voller Freude anrief, obwohl wir nicht zusammenpassten.

“Bier für drei Euro fünfzig in ‘ner Weddinger Kneipe? Das ist doch nicht kulinarisch!” Und er hätte es noch nicht einmal bezahlt, dachte ich mir im Stillen. Ich vergaß, dass sie alle meine Gedanken hören konnte. Sie war eben Teil von mir - so wie so manches Bier zu manchem Mann gehörte.

“Das hätte er bestimmt, wenn du nicht auf deinen blöden Weißwein bestanden hättest!” prustete sie.

(Immerhin schmeckte der vertraut.)

“Oder nimm diesen ersten! Ähm…wie hieß er denn noch gleich?” Sie klappte ihre Regelrolle auf. Sie hatte darauf einen dieser gelben Memozettel geklebt und die wenigen Namen der Männer, die ich seit meinem Partnersuchstart im Juni kennengelernt hatte, notiert. Ich lugte verwundert über den Rand der Rolle.

“Meinst du den, der eigens nach ein paar Stunden beschloss, dass ich mit ihm schlafen würde?”

“Ja! Genau…” Sie hielt kurz inne. “…aber er war SEHR freundlich!” Ich nickte nur stumm und versuchte ihr mit einem lächelnden Blick zu sagen, dass ich diese Diskussion ganz sicher gewinnen würde, wenn ihre Argumente weiterhin so dünn blieben.

“Oder Nick!” Ich hätte es ahnen müssen. “Er wollte, dass du zu ihm fährst, aber nein! Du musstest ja lieber mit deinen Freundinnen tanzen gehen!” Natürlich holte sie die eine Keule heraus, die mich am ehesten treffen würde. Und natürlich heißt er nicht Nick. Einige Mädels aus der Schule nannten ihn nur so, weil er früher so aussah wie Nick Carter. Ich war ihm vor einigen Wochen auf einer Singlebörse “über den Weg gelaufen” und musste mich unweigerlich daran erinnern, wie schwer ich von der 7. bis zur 11. Klasse in ihn verknallt gewesen war. Das letzte Jahr war er nicht einmal mehr auf der Schule gewesen, aber er wurde trotzdem schmerzlich vermisst. “DEN mochte ICH!”

“Genau. DU mochtest ihn. Das kleine 12jährige Mädchen, das noch nicht einmal einen BH trug, als sie von einem der begehrtesten Jungen der ganzen Schule gemocht wurde! In deinem Kopf stehst du noch immer im Bus zur Schule und klammerst dich an die Haltestange - aus Angst, umzukippen, weil er hinter dir steht!”

Sie schaute mich verblüfft an. “Ja, so war das. Worauf willst du hinaus?”

“Dass ich keine 12 mehr bin und er keine 14. Jeder hat sein Leben. Wir sind erwachsen.” Als wir für einige Tage sporadischen Kontakt hatten, wurde schnell klar, dass es ihm stresstechnisch nicht so gut ging. Mir ging es selbst sehr verhalten zu der Zeit. “Du erinnerst dich an meine Schlafprobleme? Ich hatte einfach keine Kraft.”

“Aber du hättest doch trotzdem hinfahren können! Du bist doch nur nicht zu ihm, weil du Angst hattest, dich in ihn zu verlieben! Von wegen ‘keine Kraft’!”

Wie kommt man da wieder heraus?, fragte ich mich. Ich musste mich an all die Männer erinnern, die ähnliche Diskussionen mit mir geführt hatten und partout nicht verstehen wollten, dass Liebe nicht immer in eine Beziehung führt und eine Beziehung eben mitunter auch keine Liebe macht. Egal, wie sehr man in jemanden verliebt war, für die Liebe muss man Platz im Leben schaffen. Aber nicht immer war das so einfach, besonders beim Thema Jugendliebe oder gar Fernbeziehungen.

“Angst muss nicht immer falsch sein. Manchmal ist sie auch sehr nützlich.” Ich prüfte kurz, ob das in Bezug zu Nick auch stimmte oder nur eine Ausrede war, die in meinem Kopf gut klang. “Wie dem auch sei…” Ich schüttelte der Einfachheit halber den Rest der Zweifel ab, während mein kleines Mädchen Muss mich angestrengt musterte.

Ich fuhr fort: “Nick mal kurz beiseite! Was die anderen Männer angeht: Wer sich wie ein kleines Mädchen benimmt und auf Teufel heraus von irgendwem geliebt werden will und alles tut, was der potenzielle Partner will, der wird auch wie ein kleines Mädchen behandelt. In unserem Fall heißt das, Süße: Wir kriegen Männer ab, die uns sagen, was wir trinken, essen, denken, fühlen, wollen und tun sollen. Man sollte weder seine Gesundheit noch sein Wohlbefinden für eine Beziehung opfern, nur aus Angst vor’m Alleinsein.”

“Du bist echt die Einzige auf der Welt, die es schafft, eine Einladung oder ein Bier zu einem Thema der Unterdrückung zu machen. Und DU nennst MICH verrückt!” Sie stapfte wieder auf die Dielen, die unter ihren kleinen Füßen bejahend quietschten.

Ich spitzte die Lippen, um etwas mehr Zeit zu gewinnen. “Touché”, grinste ich ihr schließlich breit ins Gesicht, und gab mich mit der Schwäche geschlagen, mitunter schneller das Handtuch zu werfen als andere.

Sie schnaubte enttäuscht und wurde urplötzlich traurig. “Andere haben wenigstens jemanden, auch wenn sie nicht verliebt sind oder es nicht optimal passt.”

“Und ich wünsche ihnen viel Glück dabei. Aber das ist nicht unser Weg.” Ich musste kurz ein- und ausatmen. “Ich glaube eben nicht, dass eine Beziehung ein Ersatz für einen Lebensplan ist.” Immerhin hatte ich zu genüge lernen dürfen, dass Partnerschaften einen weder vor den Unannehmlichkeiten des Lebens noch vor einen selbst retteten. Am Ende war man doch nur mit sich zu Gange, im Guten wie im Schlechten. Wer nicht mit seinen Gefühlen, besonders den fiesen und stechenden, umgehen konnte, der würde auch vor den Tiefs in einer Partnerschaft nicht gefeit sein. Davon war ich überzeugt. Das war mein 11. Gebot. Gäbe es das als Bildspruch, würde es in A0-Format über meinem Bett hängen. Wenn ich mir all die Paare ansah, die aus lauter Angst vor einem Neubeginn oder ihren Gefühle und dem, was NACH einer Trennung kommen könnte, lieber an ihrer kaputten Beziehung festhielten, wollte ich instinktiv immer zum Telefonhörer greifen und meiner Mutter gratulieren, dass sie mir so einen Unsinn nicht beigebracht hatte.

“Manches auf dieser Welt kann man einfach nicht erzwingen. Und Liebe gehört definitiv dazu. Schreib das doch bitte mit zu deinen Regeln…unter Nummer…ähmmm…” Ich versuchte mich an die letzte Regel zu erinnern, aber meine Kleine hatte so endlos viele.

“Regel Nummero 100: Du musst immer wollen, was andere wollen!” Sie starrte eine Weile auf diese Regel.

“Merkste selbst, oder?” lächelte ich vorsichtig, um sie nicht weiter zu enttäuschen.

Sie seufzte, streckte mir ihre kleine, zarte Hand offen hin und signalisierte damit, dass ich ihr einen Stift reichen möge. Ich tat wie verlangt, aber musste unentwegt grinsen, so wie Nick es früher immer getan hatte, wenn er sich über jemanden amüsierte - im niedlichen Stil - mit erhobenem Kopf und einem verschmitzten Blinken in den Augen. Sie holte noch einmal Luft, bevor sie den Stift ansetzte und die Regel durchstrich. Dann schaute sie mich mit großen Fragezeichen im Gesicht an. Sie wollte eine neue Regel. Sofort.

“Wie wäre es mit ‘Ich darf darauf vertrauen, dass zur rechten Zeit der richtige Mensch in mein Leben tritt.’?'”

“Echt jetzt?” wütete sie. Ich nickte nur und verschränkte bestimmt die Arme vor der Brust. Sie musterte mich ein paar Sekunden lang und schrieb schließlich gehorsam meine Worte auf. Doch eine letzte Frage brannte ihr noch unter den Fingernägeln:

“Und wie geht’s nun weiter?”

Ich wusste, dass mein kleines Mädchen Muss einen Plan wollte, eine Garantie, und die am liebsten mit Unterschrift und Blutzeichen. Doch für Liebe gibt es nun einmal keine Garantie. Und wie mein Ex Sven immer so schön und richtig zu sagen pflegte: ‘Man kann sich eben nicht aussuchen, wen man kennenlernt.’

“Was machen wir denn jetzt?” wiederholte sie ihre Frage etwas drängender.

Ich dachte kurz nach und seufzte. “Weinchen?” grinste ich sie schließlich an und tätschelte ihr auf dem Weg in die Küche beruhigend die Schulter.

©Janett Menzel

Fotos: New York Zoos and Aquarium

Hier geht’s zur ersten Episode des kleinen Mädchens Muss: >> Das kleine Mädchen Muss: Der innere Kritiker (Nr. 1)
Hier geht’s zur zweiten Episode des kleinen Mädchens Muss: >> Das kleine Mädchen Muss: “Du brauchst einen Mann!” (Nr. 2)

 

Berlin, wo versteckst du Liebe? (1. Episode eines langen Sommers)

Berlin, wo versteckst du Liebe? (1. Episode eines langen Sommers)

„Wir brauchen Männer, Netti! Lass uns tanzen gehen!“ erklärte mir neulich eine meiner engsten Freundinnen in einer Sofabar am Ostkreuz.

Seit Lena wieder Single war, hatte ich mehrfach die Idee fallen lassen, dass wir ja jetzt endlich mal die alten Tage aufleben lassen könnten - mit Tanzen. Nur Tanzen. Als Berlin noch nicht so extrem mit gezwungenem Elektro und überzogener Garderobe bügelte, hatten wir einen Mordsspaß in Berlins Clubs. Damals war für Lena und mich die Welt aber noch in Ordnung, wenn wir einfach nur die ganze Nacht durchtanzen konnten, ohne uns Gedanken über die richtigen Schuhe machen zu müssen. Zeiten, in denen wir noch dachten, dass wir den einen Mann finden würden, mit dem wir bis in alle Ewigkeit zusammenblieben. Ohne “Ich muss mich finden!” und “Es liegt nicht an dir!”-Gerede. Eine Zeit, in der ich mehr oder minder ungeniert nach 30 Minuten schweißtreibendem Tanzen meine Haare zu einem Dutt hochband - ohne mir Gedanken über Abstriche an meiner Attraktivität zu machen - und trotzdem noch Drinks ausgegeben bekam.

Also andere Zeiten als die heutigen.

In einer Stadt wie Berlin, die sich weder vor Singlebörsen, noch vor Singlepartys retten kann, ist das Suchen und Finden von wahrer Liebe mit einigen Herausforderungen verbunden. Ich selbst gehöre zur vorsicht-gebotenen Sorte: Ich bin nun schon mehrere Jahre freiwillig Single und arbeite brav meine Ex-Beziehung auf. Bislang hatte ich alle Männerversuche erfolgreich mit einem „Achtung! Hier liegen zu viele Messer rum!“ abweisen können. Der Gedanke, sich erneut ins Getümmel zu stürzen und dort was finden zu können – egal was – überforderte mich. Zwischen Männern, die nach Müttern statt Frauen suchen, solchen, die Vögeln mit Gefühl verwechseln, jenen, die zu leer sind für wolkenverhangene Tage und welchen, die im Clubnebel verheißungsvoll sind, aber plötzlich unerwartet viel zu tun haben, gucken Frauen wie Lena und ich schnell doof aus der Wäsche. Natürlich wissen wir, dass wir auch keine leichte Partie sind, aber dafür roh und direkt.

„Ich sag dir: Das ist genau das Problem!“

Mir war das Problem ziemlich schnuppe.

„Ich weiß nicht, ob ich das schon wieder kann. Können wir nicht einfach nur tanzen?“

Doch ich erinnere mich an eine Doku, in der eine Dauer-Single-Frau auf der Suche nach einem Partner begleitet wurde und schlussendlich bei einem Psychologen saß. Ganz im Sinne von Fords Zitat: „Wenn du Erfolg haben willst, musst du die Fehlerquote verdoppeln!“, führte er folgendes Gespräch mit ihr:

„Wie viele Männer lernen Sie im Jahr kennen?“

„Drei!“

„Also wenn sie pro Jahr drei Männer kennenlernen, könnten sie laut Statistik bis zu 10 Jahren brauchen, um einen geeigneten Partner zu finden.“

Denn im Schnitt wäre nur einer von Hundert passend. Er riet ihr, sich die anderen 99 anzutun und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass irgendjemand der hundert Männer zufällig das Einhorn in seinem Garten zu stehen hatte.

„Weißt“, erklärte mir Lena trocken, „du darfst dich nur nicht zu lange mit den Falschen aufhalten!“

Ich bin ohnehin schon hoffnungslos überfordert mit Männern und Liebe. Eine Stadt wie Berlin macht es da nicht einfacher. Ich hasse sie zum Beispiel wegen dem Datingkodex. Denn nur hier lernt man, an welchen Tagen man „busy“ und „available“ sein darf und an welchen man „needy“ erscheint. Es zählt, gesund und erwachsen zu wirken, unproblematisch, locker und ohne Erwartungen. Man hat Angst, anderen Angst zu machen, weil man Gefühle hat oder sie sich zwischen einem ehrlichen Lächeln und dem erstem Café Latte entwickeln könnten. Hier muss man einfach aufpassen, nicht zu echt zu sein, außer man verwechselt Authentizität mit pinkfarbigen Strumpfhosen und billigen Turnschuhen. Man darf nicht zu viel reden, nicht zu wenig lächeln, nicht zu emotional sein, aber muss dennoch sofort anspringen, wenn einer zwinkert – sonst ist der Moment verstrichen und die Chance sitzt schneller, als man Scheiße rufen kann, zwischen eloquenten Single-Marketingfachfrauen mit Mojito an der Bar.

Kaum einer hinterfragt diesen Kodex. Für Lena und mich problematisch: Wir sind eben die Sorte Frau, die auf H&M Basics, Dutts und Sonntage auf dem Sofa stehen, wenn die Sonne nicht scheint. Wir haben ein Leben und würden darin Platz machen, wenn wir einen Mann fänden, den wir lieben könnten, ohne es gänzlich über den Haufen zu werfen. Wir hassen 24 Stunden am Tag-WhatsApp-Gespräche, Geklammere und haltlose Charaktere.

Während Lena dringend kalkfreie Armaturen und heile Klamotten braucht, um sich wohl zu fühlen, hatte ich mein Leben in den vergangenen Jahren so eingerichtet, dass kein Mann je bei mir bleiben würde. Ich bin der „dreckigere“ Typ, wenn es um Wohnungen geht, und definitiv der problematischere in Bezug zu diesem Ding namens Vertrauen. In kalten Jahreszeiten liebe ich meine Wollpullover mehr als meine Katzen. Ich will nicht heiraten, weil mir die Statistik den Wind aus meinen romantischen Segeln genommen hat. Ich mag Tiere so sehr, dass ich oft kein Fleisch esse. Ich bin laktoseintolerant, was meine Küche ziemlich regional frisch und konservierungsstofffrei macht. Für mich beginnt Treue beim Küssen und hört erst auf, wenn man getrennt ist. Ich kann falsche Kompromisse nicht ausstehen, erst recht nicht, weil man keine Lust hat, sich mit seinen Wunden zu beschäftigen, statt sie auf andere Schultern zu legen. Als waschechter Schreiberling benötige ich eine Menge Zeit für mich und das in Stille, was für den einen Mann ein Ausschlusskriterium ist und für den anderen ein Segen. Kurzum: Ich suche jemanden, der sich sehr wahrscheinlich selten in die Berliner Clubnächte stürzt.

„Oder du suchst dir nur was für eine Nacht!“ schlug mir Lena vor ein paar Tagen vor.

Aber genauso so ein Typ war ich eben auch nicht – noch nie. Ich stehe auf die Gefühle vor dem ersten Café Latte und der Angst beim ersten Kuss und Sex. Mir gefällt der Gedanke, dass es so etwas wie wahre Liebe gibt. Ich bin mir nur unsicher, wo man sie in Berlin finden kann.

Und so ging der Beschluss, abends “mal” in einem Club tanzen zu sagen und eventuell beim anderen Geschlecht nach so was wie Zukunft zu suchen, nicht ganz unproblematisch los.

Wir beschlossen, in der Kalkscheune bei 80er und 90er Jahre-Musik in den Mai zu tanzen. Wir tanzten uns eine Stunde vor dem Spiegel warm, um das passende Outfit zu finden, das uns weder underdressed, noch aufgetakelt wirken ließ. Ich band mir meine Haargummis für den Dutt ums Handgelenk und packte den Wollpulli für den Nachhauseweg in die Tasche.

Wir wussten, dass dieser Sommer aufregend werden würde – denn wir wollten nicht eher aufhören nach der Liebe in Berlin zu suchen, bis sie uns fand oder wir sie. Also legten wir das Enddatum der Suche fest: 30. September 2017. Klar, es würde nicht leicht werden, aber dafür witzig und beizeiten sicher kopfschüttelnd desillusionierend.

Irgendwo zwischen dem Schlimmsten und vielleicht Schönstem entschieden wir, Berlins Singleattitüden und Regulatoren abzusagen und uns treu zu bleiben – trotz Angst, den Geistern alter Beziehungen und metaphorischen Messerblöcken. Der Dutt würde bleiben und kommen, wann er will. Lena würde weiterhin so direkt sein wie sonst, auch wenn es dem einen oder anderen Muffensausen bereitete. Wir würden beide dem Datingkodex unsere Mittelfinger zeigen und weglaufen, wenn nötig. Und wir machten ein Codewort für die schweren Fälle aus: Bratwurst. Denn als meine Freundinnen und ich das letzte Mal auf einer Singleparty waren, versuchte ich schon kurzer Zeit, die Enttäuschung und Genervtheit des Abends zu kompensieren: eben mit Bratwurst, ein ungesunder, aber damals höchst befriedigenderer Kompromiss. Seither sind Clubs, in denen es im Außenbereich Gegrilltes mit Senf und Ketchup gibt, für mich ein sehr sicherer Hafen.

Ob wir diese Sicherheit brauchen werden?

Schau die Tage wieder vorbei! Dann erfährst du es oder trag dich in meinen Newsletter ein:

 

Das kleine Mädchen Muss: “Du brauchst einen Mann!” (Nr. 2)

Das kleine Mädchen Muss: “Du brauchst einen Mann!” (Nr. 2)

 

Das Kleine Mädchen Muss ist eine Erfindung von Janett Menzel (und daher auch urheberrechtlich sowas von geschützt, dass es saumäßigen Ärger gibt, wenn sie jemand in Auszügen oder vollständig klaut oder gar auf die Idee kommt, ihre Energie zu stehlen). Die Episoden beruhen auf eigenen Erlebnissen und Auseinandersetzungen mit ihrem inneren Kind, dem man nicht immer alles erlauben und schon gar nicht alles glauben muss. So zickig, wie sie auch sein kann: Sie meint es nur gut mit der erwachsenen Janett, auch wenn sie oftmals vergisst, dass wir mittlerweile erwachsen sind. Kurzum: Die Regeln der „Großen“ gelten heute einfach nicht mehr. Aber erklär‘ das mal einer 12jährigen, die stets versucht, brav und gehorsam zu sein, um ihre Ziele zu erreichen! 


Freitag, 11:28 Uhr. Die Sonne schien durch mein Balkonfenster und tauchte mein Wohnzimmer in ein warmes, und vor allen Dingen, stilles Licht. Ich saß seit Tagen am Abschluss meines Buches über Einsamkeit und korrigierte die letzten Kapitel.

Mein kleines Mädchen Muss hatte es sich seit kurz nach neun auf dem Sofa gemütlich gemacht und überprüfte die Liste meiner Lebensauflagen, wie jeden Tag. Ich lachte leise, als ich mir meine leere Kaffeetasse schnappte und auf dem Weg in die Küche war.

„Lach nicht! Bei so vielen Aufgaben, muss man gründlich arbeiten. Stell dir nur mal vor, was passieren würde, wenn ich etwas vergesse!“

„Nicht auszumalen!“ rief ich aus der Küche und grinste weiter in mich hinein.

„Solltest du auch mal probieren!“ blubberte sie lautstark. „Ach, und übrigens: Du brauchst einen Mann!

Mit Entsetzen im Gesicht eilte ich so schnell es ging zurück ins Wohnzimmer.

„Bidde?“

„Das heißt: Bitte! Mit t, nicht mit d!“ korrigierte sie mich.

„Ich wohne in Berlin! Da werde ich jawohl noch berlinern dürfen!“

„Du kommst aus MECKLENBURG-VORPOMMERN!“

„Könnten wir dieses nutzlose Gespräch lassen? Ich will heute noch was schaffen!“ sagte ich, setzte mich wieder an den Schreibtisch und korrigierte weiter mein Manuskript.

„Welches Ziel verfolgst du, wenn du einen Mann kennenlernst? Daten, One Night Stands, eine lockere Beziehung, Freundschaft oder die Liebe fürs Leben?“ las sie mit ernster Stimme vor. In ihren kleinen Händchen hielt sie mein Smartphone.

„Was ist denn das für eine Frage?“ Ich blickte kurz von meinem Laptop auf.

„Ich lese gerade einen Beitrag, in dem steht, dass man sich vier Fragen stellen muss, wenn man Liebe finden will. Das ist die erste“, sagte sie ruhig.

„Und genau deswegen dürfen kleine Kinder nicht mit den Sachen der Großen spielen!“ antwortete ich, rollte mit meinem Schreibtischstuhl zur Couch, riss ihr mein Handy aus den Händen und rollte wieder zurück.

„Hey! Ich lese gerade“, schrie sie wütend. Das kleine Mädchen Muss sprang vom Sofa auf und stellte sich provokant neben mich.

„Es handelt sich hierbei um ernste Angelegenheiten. Wir müssen das besprechen! Du kannst nicht ewig vor einer neuen Beziehung davonlaufen!“

„Ich laufe doch gar nicht davon!“ protestierte ich.

„Im Juli 2015 hattest du das letzte Mal…“

„OKAY! OKAY! Ich erinnere mich. Aber entspann dich…“, versuchte ich sie zu beruhigen. „Ich werde schon irgendwann jemanden kennenlernen!“

„Irgendwann? I R G E N D…WANN?“ Ihre Stimme wurde wütend, ihr Atem tief und laut, ihre Stirn schmiss sich in Falten. Ich wusste, das hieß nichts Gutes und lenkte deshalb ein:

„Wie lauten eigentlich die anderen drei Fragen?“

Etwas besänftigt hob sie ihr Kinn:

„Zweitens: Welche Eigenschaften und Verhaltensweisen sind absolut inakzeptabel? Drittens: Welche machen dich stutzig und vorsichtig? Und die letzte Frage lautet: Welche findest du anziehend und begehrenswert?“

Mein kleines Mädchen Muss war hervorragend darin, sich eben Gelesenes perfekt einprägen zu können. Sie starrte mich noch immer mit böser Miene an. Nach gefühlten drei Minuten voller Schweigen und prüfendem Gucken, gab ich nach. Es würde ja doch nichts nützen.

„Ist ja gut!” Ich dachte nach. „Also ich will definitiv niemanden, der mir den ganzen Tag über sinnlose Nachrichten schreibt, weil ihm langweilig ist. Und ich will auch niemanden, der nie Zeit hat oder nur für Sex vorbeikommt.“

„Das beantwortet meine Frage nicht!“ totterte sie zurück. „Willst du eine lockere, oberflächliche Beziehung oder willst du eine Freundschaft oder willst du nur mal gucken, was es da so gibt oder suchst du nach der Liebe fürs Leben?“

„Muss ich das jetzt entscheiden?“ fragte ich überrascht.

„Selbstverständlich!!! Wann denn sonst?“ antwortete sie wütend.

„Wenn es so weit ist?“, erwiderte ich vorsichtig. Zum Glück erinnerte ich mich an meine Überzeugungen und Werte. „Manchmal lernt man jemanden kennen und verliebt sich einfach nicht. Dafür gibt man aber wunderbare Freunde ab. Und manchmal, wenn man glaubt, nur Freundschaft zu wollen, findet man Liebe. Ich habe noch nie gehört, dass große Erwartungen große Ergebnisse nach sich zogen. Guck dir doch die ganzen Online Dating Singlebörsen an! Immer wenn ich irgendwo angemeldet war, dauerte es nicht einmal 24 Stunden, bis ich mich wieder abmelden wollte.“

„Weil du einfach kein Durchhaltevermögen hast!“

„Warum muss immer ich schuld sein? Manchmal sollen Dinge einfach nicht sein!“ verteidigte ich mich.

„Vielleicht hättest du den Mann deines Lebens getroffen, wenn du nur zwei Tage länger dort geblieben wärst. Aber wenn du immer gleich aufgibst, dann kann das ja nichts werden.“

„Ach, schau dir doch die Männer an, die sich dort tummeln. Die Hälfte ist nackt, weil sie glaubt, dass ein schöner Oberkörper alles sei, wonach eine Frau suchen würde.  Und die andere Hälfte ist so sehr damit beschäftigt, irgendjemanden zu finden, damit sie nicht mehr allein sind, dass sie vollkommen vergessen, dass dieser irgendjemand auch zu ihnen passen sollte. Und beim ersten kleinen Problemchen machen sie sich ins Hemd und dann aus dem Staub!“

Erstaunlicherweise wusste mein kleines Mädchen Muss dazu nichts zu sagen.

„Wie dem auch sei: Wenn du einmal im Jahr für 24 Stunden nach einem Mann suchst, wirst du für den Rest deines Lebens allein bleiben. Wir sollten das schleunigst ändern! Am besten noch heute!

„Wir?“

„Ja, ich werde dir natürlich helfen!“

„Natürlich“, wiederholte ich mit Schrecken in der Stimme.

Ihre rehbraunen Augen begannen zu leuchten und auf ihren kleinen Lippen zauberte sich ein Lächeln.

„Wir legen dir erst einmal ein neues Profil auf allen Singlebörsen an. Und dann musst du einfach nur ein paar simple Regeln befolgen. Erstens: Du…“

„Auf gar keinen Fall!“ Noch mehr Regeln ertrug ich nicht. „Wenn ich mich auf jemanden einlasse, dann weil er mir gefällt und weil ich ihm gefalle, so wie ich bin. Lass uns die traditionellen Wege nehmen.“

„Ach! Und die wären?“ entgegnete sie überheblich.

„Na draußen, du weißt schon, an der frischen Luft, unter dem Nachthimmel, bei einem lauen Lüftchen im Sommer. Im Sommer ist den Menschen vielmehr nach Liebe, als im Winter.“

„Aber es ist Winter!“ antwortete sie lautstark.

„Morgen ist Frühlingsanfang!“ korrigierte ich sie. „Und übrigens ist Alleinsein kein Weltuntergang“, klärte ich sie auf.

Natürlich wusste ich, dass man durch Rückzug keine neuen Menschen kennenlernen würde, aber ich war auch kein Fan vom krampfhaften Suchen nach der großen Liebe.

„Die meisten lernen sich im Job oder durch gemeinsame Freunde kennen. Du arbeitest Zuhause und durch deine Freunde wird das auch nichts. Also scheidet beides aus. Nun dann…“  Sie räusperte sich. „Ich bin gespannt auf deine Vorschläge!“

Dann schnappte sie sich einen Stift vom Schreibtisch, flitzte mit ihrer Papierrolle voller Regeln in der Hand zurück zur Couch und war bereit für Notizen.

„Äh… Okay. Also…“ Ich dachte nach. „Speed Dating, Veranstaltungen aller Art, neue Kneipen oder Restaurants ausprobieren, neue Kontakte knüpfen in der Freizeit, an Kursen teilnehmen oder sich für einen guten Zweck engagieren“, schlug ich vor. „Oder neue Hobbys natürlich und…“ Mir fiel nichts mehr ein. „Und so weiter eben…“

„Und was davon willst als Erstes du tun?“ fragte sie mich gespannt.

Auf nichts davon hatte ich wirklich Lust. Ich atmete tief ein und schaute sie erbarmungsvoll an. Doch ihr Blick blieb ernst und fordernd. Ich schluckte meine Bredouille herunter.

„Speed Dating?“ fragte ich schließlich ängstlich. „Annette und ich hatten letztens überlegt, ob wir das mal ausprobieren.“

Die Augen des kleinen Mädchens Muss wurden groß und füllten sich mit jeder Sekunde, die ich auf ihre Antwort wartete, mit noch mehr optimistischer Vorfreude.

Dann sagte sie ruhig, während sie belehrend ihren Stift in der Luft hin- und herfuchtelte: „Aber das ist kein Spaß! Jemanden kennenzulernen und ihn für sich zu gewinnen, muss gut vorbereitet sein!“ erklärte sie mir. „Du musst einige Regeln einhalten. Ich werde umgehend welche zusammenstellen!“

„Gibt es etwa noch keine Regeln dafür?“ fragte ich überrascht. Ich würde natürlich jede einzelne ignorieren. Aber Manipulation meiner kleinen Kritikerin erschien mir sinnvoll. Immerhin wollte ich heute noch mein Buch fertigstellen.

„Doch, doch! Natürlich! Regel Nummer 1: Du musst immer hübsch aussehen. Regel Nummer 4: Du musst dich anstrengen. Regel Nummer 5: Du musst Sven vergessen. Regel Nummer 11: Du musst…“

„Okay, okay!“ unterbrach ich sie. „Das…sind ziemlich viele Regeln, findest du nicht?“

„Es gibt noch mehr! Oh, aber das hier ist die wichtigste von allen“, sagte sie und schaute ehrfürchtig von ihrer Papierrolle zu mir auf. „Du darfst keine Angst haben!“

„Jeder hat Angst, jemandem, den man mag, nicht zu gefallen!“ korrigierte ich sie.

„Nun, das mag sein, aber sonst ergibt doch Regel 29: Du darfst keine Fehler machen! gar keinen Sinn!“

„Perfektion ist Sache der Götter. Jeder Mensch macht Fehler.“

Sie schaute mich missmutig an.

„Aber Regel Nummer 31: Du musst immer stark sein oder wenigstens so wirken!“

„Wer will denn jemanden, der immer stark ist? Dann muss man ja auch immer stark sein!“

Wieder schaute sie mich perplex an.

„Aber Regel Nummer 36: Du musst immer die Kontrolle behalten!“

„Kontrolle zerstört Liebe. Liebe und Ketten vertragen sich nicht!“

„Aber…“ Sie schaute mich durcheinander an. „Regel 40“, schrie sie. „Du musst Menschen beeindrucken! und Regel 68: Du musst immer lieb, brav und nett sein.“

„Ich glaube, es ist besser, wenn man authentisch ist…“

„Jetzt ergibt ja gar nichts mehr Sinn!“ Sie schien traurig und enttäuscht und ging bestürzt ihre Liste durch.

„Vielleicht solltest du deine Regeln überdenken!“ schlug ich vor.

„Das würde alles durcheinanderbringen! So geht das nicht!“ sagte sie.

„Aber das ist die Realität. In der Liebe ist alles erlaubt! Wir alle fürchten uns, anderen Menschen nicht zu gefallen, nicht zu genügen oder verlassen zu werden. So ist die Welt nun mal.“

Ich hatte mich in meinen Schreibtischstuhl zurückgelehnt und beobachtete mit Freude, wie das kleine Mädchen Muss versuchte, sich darauf einen Reim zu machen.

„Das ist…in der Tat…problematisch“, stotterte sie.

Ich lächelte und wartete geduldig auf ihre Reaktion.

„Und was macht man dagegen?“ fragte sie hektisch, während sie mich mit ihren weit aufgerissenen Augen anstarrte.

Ich zuckte mit den Achseln. „Nichts. Nur durchstehen, hoffen und vertrauen.“

„Nun, vielleicht wäre es gut, wenn ich…einige Anpassungen der Regeln vornehme!“ schlussfolgerte sie und sah mich hilfebedürftig an.

„Das klingt mir nach einer sehr guten Idee!“ grinste ich, drehte mich um und widmete mich endlich wieder meinem Buch.

Das kleine Mädchen Muss starrte noch eine Weile Löcher in die Luft, bevor sie sich mein Smartphone nahm und drei Wörter bei Google eintippte:

Hoffnung und Vertrauen.

P. S. Aus dem Speed Dating kam ich zwar nicht mehr raus. Aber mein Buch habe ich fertiggestellt.

© Janett Menzel, 2017

Bild: New York Zoos and Aquarium

Hier geht’s zur ersten Episode des kleinen Mädchens Muss: >> Das kleine Mädchen Muss: Episode 1 - Der innere Kritiker

101 Zitate und Sprüche über Angst und Mut: Weisheiten aus aller Welt

101 Zitate und Sprüche über Angst und Mut: Weisheiten aus aller Welt

Mut und Angst liegen so nahe beieinander. Doch der eine entscheidet sich für Tatkraft, der andere für Vorsicht und Angst. Viele bedeutende Menschen der Vergangenheit, sei es in der Politik, der Literatur, der Philosophie usw. sprachen über Angst und Mut. Ihre Gedanken gingen in die Geschichte ein und sind heute Zitate und Sprüche über Angst und Mut. Die Weisheiten machen sich gut für Facebook, Twitter, WhatsApp & Co., aber auch, um jemanden oder sich aufzubauen. Jedes Zitat schenkt Hoffnung und Vertrauen. Doch es sind auch welche mit dabei, die zum Stichwort Liebe, Hoffnung, Freude, Leben und Bedeutung passen.

 

101 Zitate und Sprüche über Angst und Mut aus aller Welt

Die in meinen Augen schönsten und inspirierenden Zitate und Sprüche über Angst und Mut sind:

Im Herzen der Menschen gibt es leere Orte, und in sie dringt das Leid ein, damit sie fühlbar zu existieren beginnen. (Léon Bloy)

Die Angst ist der Fluch des Menschen. (Fjodor M. Dostojewski)

Die völlige Liebe treibt die Furcht aus. (Martin Luther)

Die Ängste bezeichnen die Grenzmarken unserer Persönlichkeit. (Kurt Guggenheim)

Der Mut wächst mit der Gefahr; die Kraft erhebt sich im Drang. (Friedrich von Schiller)

Tyrannen fällt es leicht, Angst zu verbreiten, weil sie genug davon haben. (Wolfram Weidner)

Die Angst ist ein schlechter Ratgeber, aber ein guter Spion. (brasilianische Weisheit)

Fürchte nicht die, die nicht mit dir übereinstimmen, sondern die, die nicht mit dir übereinstimmen und zu feige sind, es dir zu sagen. (Napoleon Bonaparte)

Wovor wir Angst haben, ist oft harmlos gegenüber dem, was wir bereits erleben. (Matthias Pleye)

Wir sahen die Angst seiner Seele. (1 MOSES 42,21)

Wer nicht täglich seine Furcht überwindet, hat die Lektion des Lebens nicht gelernt. (Ralph Waldo Emerson)

Angst: Mut mit Ladehemmung. (Rupert Schützbach)

Tausend Ängste bergen 1000 Verluste. (D M Frank)

Keine Leidenschaft beraubt den Verstand so all seiner Macht, zu handeln und zu denken, wie die Furcht. (Edmund Burke)

Habe niemals Angst etwas Neues auszuprobieren. Bedenke die Arche wurde von Amateuren gebaut, die Titanic von Profis. (unbekannt)

Angst einzugestehen - dazu gehört Mut. (Fritz Vahle)

Es ist vom Übel, wenn der Mensch nicht da ist, wohin er gehört. (Paula Modersohn-Becker)

Tue das, was du fürchtest, und das Ende der Furcht ist gewiss. (Ralph Waldo Emerson)

Die Augen sind der Spiegel der Seele. (unbekannt)

Alles Reden ist sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt. (Franz Kafka)

Furcht ist stärker als Liebe. (Thomas Fuller)

Freundlichkeit macht mich nachgiebig, Furcht unbeugsam. (Michel de Montaigne)

Folge nie der Menge, nur weil du Angst hast, anders zu sein. (Margaret Thatcher)

Aber die Bedeutung des Lebens kann nicht darin liegen, dass man arbeitet, um zu leben. Das wäre ja ein Widerspruch, denn das hieße, dass die Produktion der Bedingungen die Antwort sein soll auf die Frage nach der Bedeutung des Bedingten. (Sören Kierkegaard)

 

Es ist unglaublich, dass der Mensch sich vor dem Schönsten fürchten soll; aber es ist so. (Friedrich Hölderlin)

Die Menschen haben Angst und probieren gar nicht aus, wie viel Härte und Armut sie ertragen können. (William Faulkner)

Ich will reden in der Angst meines Herzens. (HIOB 7,11)

Es gibt keine Seelenangst, bis man Kinder hat. (unbekannt, Sprichwort)

Das Bedeutende will jedermann, nur soll es nicht unbequem sein. (Johann Wolfgang von Goethe)

Der Kummer, der nicht spricht, nagt leise an dem Herzen, bis es bricht. (William Shakespeare)

Angst hilft der Tugend auf die Beine. (Theo Sommer)

Niemanden kränken, niemanden beeinträchtigen wollen kann ebenso wohl das Kennzeichen einer gerechten als einer ängstlichen Sinnesart sein. (Friedrich Nietzsche)

Aus Angst, mit Wenigem auskommen zu müssen, lässt sich der Durchschnittsmensch zu Taten hinreißen, die seine Angst erst recht vermehren. Epikur

Wenn man den Kopf in den Sand steckt, bleibt doch der Hintern zu sehen. (japanisches Sprichwort)

Angst ist für das Überleben unverzichtbar. (Hannah Arendt)

Man müsste das Leben so einrichten, dass jeder Augenblick bedeutungsvoll ist. (Iwan Turgenjew)

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. (Seneca)

Ich bin bis an die Zähne bewaffnet mit Angst. (Ralf Rothmann)

Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen. (Marie Curie)

Leiden ist kein Verdienst; das Lamm, das sich fressen lässt, stärkt die Ordnung der Wölfe. (Stefan Heym)

Wem man das Gefühl seiner Verantwortlichkeit nimmt, dem nimmt man das Gefühl seiner Bedeutung. (Fanny Lewald)

Wir sind voller Angst, allerdings vor den falschen Problemen. (Hoimar von Ditfurth)

Wer nichts fürchtet, ist nicht weniger mächtig als der, den alles fürchtet. (Friedrich Schiller)

Mir graut vor meinem Schatten. (Arno Holz)

Er hatte den Mut, feige zu sein! Ein Held! (Rudolf Rolfs)

Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen. (Volksweisheit)

Wer wirklich gütig ist, kann nie unglücklich sein. Wer wirklich weise ist, kann nie verwirrt werden. Wer wirklich tapfer ist, fürchtet sich nie. (Konfuzius)

Angst ist für die Seele ebenso gesund wie ein Bad für den Körper. (Maksim Gorkij)

Angst ist das Schwindelgefühl der Freiheit. Sollte einer meinen, es sei eben das größte an ihm, dass er nie Angst gehabt habe, so werde ich ihm mit Freuden meine Erklärung dafür eröffnen: Das kommt, weil er sehr geistlos ist. (Sören Kierkegaard)

Es ist besser die Angst als die Hoffnung zu haben. (Theodor Fontane)

Das ist nicht der Tapferste, der sich nie gefürchtet, sondern der die Furcht überwunden hat.  (unbekannt; Sprichwort)

Wenn die Menschen unsicher sind und Angst haben, klammern sie sich an das Vertraute. (Tony Benn)

Gefahr: Mit seinen Schwächen kokettieren. (Rochus Spieker)

Verzweiflung und Zuversicht verbannen Furcht. (William Alexander)

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. (Franz Kafka)

Feigheit ist manchmal ein Zeichen von Klugheit. (unbekannt, Sprichwort)

Mancher droht und hat selbst große Angst. (unbekannt, Sprichwort)

Leicht zu leben ohne Leichtsinn, heiter zu sein ohne Ausgelassenheit, Mut zu haben ohne Übermut – das ist die Kunst des Lebens. (Theodor Fontane)

Angst ist ein guter Ratgeber, sie ist natürlich, und sie erhöht die Wachsamkeit. (Henning Beier)

Unsere größte Angst als einen Zwischenfall ohne Bedeutung ansehen, nicht nur im Leben des Weltalls, sondern in dem unserer eigenen Seele, das ist der Anfang der Weisheit. Sie mitten in der Angst so ansehen ist die vollkommene Weisheit. In dem Augenblick, in dem wir leiden, scheint der menschliche Schmerz unendlich zu sein. Doch weder ist der menschliche Schmerz unendlich, noch ist unser Schmerz mehr wert als eben ein Schmerz, den wir ertragen müssen. (Fernando Pessoa)

Das, wovor wir am meisten Angst haben, ist häufig das, worauf wir am meisten hoffen. (Eugen Drewermann)

Es gibt viel Trauriges in der Welt und viel Schönes. Manchmal scheint das Traurige mehr Gewalt zu haben, als man ertragen kann, dann stärkt sich indessen leise das Schöne und berührt wieder unsere Seele. (Hugo von Hofmannsthal)

Wer daher gelernt hat, auf die rechte Weise Angst zu haben, der hat das Höchste gelernt. (Sören Kierkegaard)

Je weniger Geist, desto weniger Angst. (Sören Kierkegaard)

Die Menschen werden jenes Ding verfolgen, vor dem sie am meisten Angst haben. (Leonardo da Vinci)

Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse. (Friedrich Nietzsche)

Man kann den Tag mit Angst verbringen. Man kann sich aber auch sagen: Nein, ich denke gar nicht daran, Angst zu haben. Komischerweise geht das. (Salman Rushdie)

Mag dir auch manches schwer erscheinen, was dir zur Pflicht das Leben stellt. Spring frisch hinein mit beiden Beinen. Den Mutigen gehört die Welt. (unbekannt)

Da gibt es den Ängstlichen, der unter sein Bett schaut, und den Ängstlichen, der sich nicht einmal traut, unter sein Bett zu schauen. (Jules Renard)

Unsere Erfahrung setzt sich mehr aus verlorenen Illusionen zusammen als aus gewonnenen Einsichten. (Joseph Roux)

Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende. (Demokrit)

Sie [die Angst] ist weder zu meiden noch zu vermeiden, sondern sie ist zu meistern, wenn sie einmal im Leben auftritt. Sie kommt nie ohne Grund. (Christa Schyboll)

Tue nichts im Leben, was dir Angst machen muss, wenn es dein Nächster bemerkt. (Epikur von Samos)

O diese grenzenlos törichte Angst, sich gerade vor dem, was man befürchtet, so zu hüten, dass man es, obwohl man es hätte vermeiden können, noch obendrein heranholt und herbeizieht! (Cicero)

Der Sieg über die Angst, das ist auch ein Glücksgefühl, in dem ich mir nahe bin. (Reinhold Messner)

Die Wurzel des Optimismus ist Angst. (Oscar Wilde)

Traurigkeit ist nicht ungesund – sie hindert uns, abzustumpfen. (George Sand)

Angst ist der einzige sichere Ratgeber, den das Leben überhaupt hat. (Oskar Lafontaine)

Heutzutage hat jeder vor sich selbst Angst. (Oskar Wilde)

Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen. (Dietrich Bonhoeffer)

Ein Feigling ist ein Mensch, bei dem der Selbsterhaltungstrieb normal funktioniert. (Ambrose Bierce)

Es gibt keine Grenzen. Nicht für den Gedanken, nicht für die Gefühle. Die Angst setzt die Grenzen. (Ernst Ingmar Bergman)

 

Ohne Leiden bildet sich kein Charakter. (Ernst von Feuchtersleben)

Unter allen Leidenschaften der Seele bringt die Trauer am meisten Schaden für den Leib. (Thomas von Aquin)

Die Angst lähmt nicht nur, sondern enthält die unendliche Möglichkeit des Könnens, die den Motor menschlicher Entwicklung bildet. (Sören Kierkegaard)

Wer seine Augen nicht benutzt, um zu sehen, der wird sie brauchen, um zu weinen. (Jean Paul)

Je mehr man sein Leben ausfüllt, umso weniger Angst hat man, es zu verlieren. (Alain)

Angst sperrt ein, Vertrauen befreit. Angst lähmt, Vertrauen stärkt. Angst entmutigt, Vertrauen ermutigt. Angst macht krank, Vertrauen heilt. Angst macht mutlos, Vertrauen macht nützlich. (Harry Fosdick)

Angst ist dennoch von größerer Schnelligkeit als Zorn. (Titus Livius)

Angst ist die Voraussetzung des Überlebens. (Peter Scholl-Latour)

Wir haben Angst vor dem Tod, wissen jedoch nicht weshalb?, Wir haben Angst vor Morgen, aber beschweren uns weil die kostbare Zeit nicht verzeiht. (Azoth)

Ich habe meine Ängste in Geschichten verwandelt. (Urs Widmer)

Man entdeckt keine neuen Erdteile ohne den Mut, alte Küsten aus den Augen zu verlieren. (André Gide)

Die größte Furcht eines Mannes, liegt nicht in der Angst verletzt oder getötet zu werden - seine größte Furcht liegt in seiner Angst des Versagens, nicht den genügenden Mut aufzubringen, im Augenblick der Gefahr! (Horst Bulla)

Wenn du jemandem die Macht über dich nehmen willst, besiege die Angst. (Thom Renzie)

Wie leicht, ach, gerät man doch zwischen die eine Angst, daß etwas passieren könnte, und die andere Angst, daß es nicht passieren könnte. (Kurt Marti)

Wenn man denkt: Was könnte alles passieren, dann hat man schon den Finger an der Bremse. (Erik Zabel)

Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage: wovor? (Frank Thieß)

Geh’ nicht dahin, wo der Weg Dich hinführt. Geh’ dahin, wo es keinen Weg gibt, und hinterlasse eine Spur. (Ralph Waldo Emerson)

Wenn man einen Riesen sieht, so untersuche man erst den Stand der Sonne und gebe acht, ob es nicht der Schatten eines Pygmäen ist. (Novalis)

 

 

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