6 Lektionen des Lebens, die ich durch schlechte Zeiten & Schmerz lernte

6 Lektionen des Lebens, die ich durch schlechte Zeiten & Schmerz lernte

 

Menschen kommen nicht in unser Leben, um uns zufrieden zu machen. Sie bringen uns eine Weisheit.

lektionen des lebensEinige kommen, um uns beizubringen, wie man sich trennt. Oder sie kommen, um uns etwas über unseren Wert beizubringen (den, den wir haben und nicht den, den wir uns absprechen). Sie sind Freunde, Bekannte, Kollegen, Chefs, Lieben oder Förderer, die uns dabei unterstützen, verschüttete Schätze zu finden und zu bergen. Wiederum andere sind da, um uns in unserer Lebensaufgabe sicher ans Ziel zu bringen. Jeder Moment, ob wohltuend oder schmerzhaft, birgt eine Lektion. Man kann vor ihr weglaufen, die Schuld und die Verantwortung auf andere schieben, projizieren oder alles bagatellisieren.

Schlussendlich ist niemand auf der Welt, um wiedergutzumachen, was eine Person unserer Vergangenheit versaubeutelt oder unabsichtlich getan hat. Wir sind nicht für die Taten anderer verantwortlich, aber wir tragen die Pflicht, uns um unsere Gefühle und Interpretationen der Vergangenheit zu kümmern. Nicht, um weniger schuldig oder ängstlich zu sein, sondern um uns von ihnen zu befreien. Dankbarkeit für die Anwesenheit von Menschen und ihre Lehre kann ein Weg sein. Aber auch bedingungslose Selbstliebe trotz größter Verletzungen ist ein Pflichtprogramm. Es ist nicht das Ziel, andere für unsere Lebenssituationen in die Verantwortung zu ziehen. Erlaube dir deshalb den Gedanken, dass auch du Menschen Lehren brachtest und noch immer bringst.

 

Liebe bedeutet nicht die Abwesenheit von Schmerz.

Erfolg ist nicht die Freiheit von Misserfolg, Anerkennung nicht die Abwesenheit von Kritik, Zuwendung nicht die Abwesenheit von Alleinsein oder Distanz, eine funktionierende Beziehung nicht immer das, was man “verdient”. Man bekommt zu jeder Zeit das, was man braucht. Vor allem Lernaufgaben. Die helfen uns, in unsere Mitte zu kommen und unsere Handlungen in Übereinstimmung mit unseren wahren Überzeugungen zu bringen. Doch was wir für unsere Mitte halten, muss nichts mit der Erfüllung unserer Träume oder einem ständigen Hoch zu tun haben.

 

Was wirklich zählt, weiß das Ego nicht.

Menschen mit Beziehungsangst, Angst vor Nähe und Selbstverlust verstehenEin fettes Auto zu fahren oder Millionen Follower auf Instagram macht den Umgang mit den großen und kleinen Gefühlen nicht weniger wett. Eine wunderschöne Eigentumswohnung mit Dachterrasse und Blick über die Skyline macht dich nicht weniger einsam. Was zählt, sind die Erfahrungen und das, was wir aus ihnen machen. Wenn uns etwas Schlimmes geschieht, wie eine Trennung, Insolvenz, Scheidungs- und Sorgerechtsstreitigkeiten, Jobverlust oder Krankheit, fällt auf, was wir wirklich brauchen.

Wir müssen nicht warten, bis uns etwas Schlimmes widerfährt, um dann die Schönheit der kleinen Dinge des Lebens zu lernen. Leider ist unser Ego ein Scharlatan und redet uns so manchen Blödsinn ein. Man sollte nicht darauf hören, sondern auf die Stimme, die am leisesten flüstert, die, die am stärksten von Angst in Schach gehalten wird: Wir sind nicht unsere Gedanken, nicht unsere Wohnung, unser Bankkonto, die Meinung oder Ziele anderer Personen. Wir sind wir: individuell, Mensch, Mann, Frau. Wir brauchen keinen Schmerz oder Stress, um uns daran zu erinnern, was wirklich zählt.

 

Jeder hat eine Aufgabe, vor der er nicht fliehen kann.

Es gibt so viele, die sich von ihrer Lebensaufgabe abhalten lassen oder ihr freiwillig aus dem Weg gehen. Sie beschäftigen sich lieber mit Nichtigkeiten (z. B. Jobs, die ihnen nichts bedeuten) oder mit fremden Angelegenheiten. Sie haben aufgehört, sich zu fragen, wie sie durch ihre Fähigkeiten dienen können. Sie wiederholen tagtäglich, was ihnen jemand Angsterfülltes gelehrt hat: “So musst du sein, damit..” und “Das musst du machen, um zu…” Was sie wirklich wollten und wollten, können und sind, liegt irgendwo versteckt oder vergraben. Aber man ist nicht, was die Mutter sagte, werden zu müssen. Man ist nicht, was der Vater von einem erwartet. Man ist nicht die Probleme anderer. Stattdessen darf man sich von allem befreien, was nicht Teil der eigenen Lebensaufgabe ist.

 

Das Leben rächt sich von ganz allein.

Als ich frisch aus der Schule mit dem Abi in der Tasche in ein Praktikum ging, sagte mir meine damalige Chefin diese Worte: “Janett, wenn du hier nichts lernen solltest, merke dir eins: Verschwende deine Zeit nicht mit Rache. Das Leben rächt sich von ganz allein.”

 

Angst, Stress, Schmerzen und Krankheiten sind keine friedliche Lösung.

Manchmal ziehen wir auch aus schlechten Situationen Vorteile, sogar aus Angst und Panikattacken: zum Beispiel, weil man dann nicht mehr zu diesem blöden Arbeitgeber gehen und so tun muss, als würde man seine Werte teilen. Oder weil wir dann nicht die Schwiegermutter ertragen brauchen, weil wir uns wegen Angst nicht trennen müssen, obwohl wir schon lange die Nase voll haben oder oder oder… Angst, Stress und Krankheiten sind da, um uns vor dem Schritt, der uns befreien würde, zu bewahren. Dieser Schritt würde uns aus der belastenden Situation herauszuhelfen. Psychische und körperliche Beschwerden ebenso. Aber wir entscheiden oft für Angst und ihre Wirkungen. Eine sehr radikale Lösung des Körpers, die es nicht einfacher, sondern schwerer macht.

Deshalb: Finde eine andere und friedliche Lösung. Oder finde jemanden, der sie kennen könnte. Sag nicht: “Das klappt nicht!” Das geht nicht!” “Das wird immer so bleiben!” Glaube nicht alles zu wissen, wenn die Wahrheit die ist, dass niemand auf dieser Welt alles weiß.

Trau dich, dazu zu stehen, dass du dir etwas anderes als diesen Job wünschst, einen anderen Partner, keine Kraft mehr für Opfer hast oder keine Lust mehr auf “Leistung” für Zuwendung und Anerkennung (müssen, müssen, müssen, sonst sei man nicht zu gebrauchen und dieser ganze Schmu, den wir freiwillig glauben). Du brauchst keine Angst oder Schmerzen, die dich und andere vor deinen Bedürfnissen schützen. Der Schutz bist DU. Deine Bedürfnisse sind ja da, weil du da bist und weil es dich gibt. Weil es dich gibt, zählen deinen Bedürfnisse. Du darfst dir nehmen, was du verdienst. Schauspielerei und sein, wer du bist, passen einfach nicht zusammen.

Ermögliche dir, die Lösung deines Problems zu sein. Oder finde jemanden, der sie kennt. Denn eine friedliche und gesunde Lösung existiert immer.

Alles Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Wieso du dein Glück nicht von anderen abhängig machen solltest

Wieso du dein Glück nicht von anderen abhängig machen solltest

 

Wie schön die Welt doch wäre, wenn sich jeder um sich und sein Leben kümmern könnte, völlig angstfrei in Bezug zu den Reaktionen anderer! Stattdessen warten wir auf andere, ihre Erlaubnis, ihre Gunst, ihr Handeln, ihre Zuwendung. Wir warten auf die Liebe und dass sich ein Mensch für uns entscheidet, auf den richtigen Moment in der Karriere, um zu wechseln, sich selbstständig zu machen oder nach der Gehaltserhöhung zu fragen, auf den richtigen Zeitpunkt, um in der Partnerschaft oder Familie ein missliches Thema anzusprechen, auf Freunde, dass sie sich melden, auf Geld, um uns unsere Träume zu erfüllen… Am Ende wir sind diejenigen, die sich wundern, ärgern, traurig sind, Angst bekommen oder die Schuld, sich schämen oder gar verletzt werden. Und wieso? Weil wir unsere Zufriedenheit von anderen Personen abhängig gemacht haben, statt selbst zu handeln.

Wieso auch du dein Glück nicht von anderen abhängig machen solltest und wieso ich glaube, dass jeder könnte, wenn er wollte, erzähle ich dir in diesem Blogpost.

 

Wieso du dein Glück nicht von anderen abhängig machen solltest

Wieso du dein Glück nicht von anderen abhängig machen solltest5Dein Kollege macht, was er will, aber statt etwas zu sagen, bleibst du ruhig, obwohl du wütend bist. Du findest deinen Job langweilig oder den Chef zum Würgen, aber bleibst. Jemand sagt, er würde etwas tun, aber handelt dann anders oder gar nicht. Und du schweigst und wartest. Ein Freund hat große Probleme mit seiner Partnerschaft, aber bleibt, statt sie proaktiv zu lösen. Oder du bist dieser Mensch, aber hast Angst, dich zu trennen. Deine neue Liebe will ganz offensichtlich nur eine Affäre oder Freundschaft, aber spricht es nicht offen aus. Und du schweigst und bleibst. Oder deine Familie meint, eine bessere Lösung für dich und dein Leben zu haben, und versucht, dich davon zu überzeugen, indem sie deinen Weg ignoriert. Und du fügst dich. Jemand will es so und nicht anders und wird wütend, weil du bei deiner Meinung bleibst. Und du entscheidest dich um, weil es im Miteinander dann leichter ist:

Alles das erledigt sich, wenn du dein Glück nicht von anderen abhängig machen würdest. Immer dann, wenn wir eher schweigen und nichts tun, statt zu sprechen und zu handeln, stehen wir mit dem Rücken zur Wand. Wir haben uns und unser Leben von der Gunst und den Gefühlen anderer Menschen abhängig gemacht. Wir dürfen uns nun tagtäglich fragen, wann wohl im Außen etwas passiert, damit es uns bessergeht. Wir warten einfach, statt einfach anzufangen.

Verlust von Liebe und Zuwendung droht heute ja an jeder Ecke. Mittlerweile müssten wir uns alle daran gewöhnt haben. Aber es ist und bleibt wohl auch einer der größten Schmerzen, die wir als Menschen ertragen lernen dürfen. Ich glaube fest daran, dass diese Lektion die Goldgrube für einen Jeden ist. Dort liegt unser Schatz begraben. Dort müssen wir hin, um unseren Schatz zu bergen. Erst wenn wir ihn gefunden haben, können wir werden, was wir werden sollen/wollen. Jeder von uns hat diesen einen Sinn und diese eine Aufgabe, gleich, welche es ist. Am einfachsten erkennt man sie, wenn man tut, was man WIRKLICH will. Seiner Angst zu folgen, ist nicht WIRKLICH das, was Menschen wollen. Sie fürchten nur die Konsequenzen. Was sie WIRKLICH wollen, ist so angenommen und geliebt zu werden, wie sie WIRKLICH sind.

Weh tut es nur dann, wenn wir wegen unentwickelter Fähigkeiten glauben, auf externe Anerkennung angewiesen zu sein, oder uns emotional oder existenziell von anderen abhängig gemacht haben. Darum ist es umso drängender, dass wir unnötige Abhängigkeiten und Verstrickungen Schritt für Schritt erkennen und auflösen. Und ja, blöderweise musst du zuerst selbst glauben, dass du viel wert bist und dich aus eigener Kraft in deine Größe erheben kannst, bevor du dich von anderen lösen kannst.

Wieso du dein Glück nicht von anderen abhängig machen solltestDenn hier ist das andere Extrem: Wer sich zu sehr nach den Bedürfnissen anderer richtet, andere in ihrer Lebensweise wegen Traditionen oder “weil man das halt so macht” imitiert, den ganzen Tag lang nur tut, wie ihm befohlen oder unbewusst verlangt, der vernichtet seine Selbstwirksamkeit sekündlich.

Was man davon vielleicht haben kann, sind leichte bis schwere Depressionen (gern bei Männern wegen schwindender Kräfte im leistungsfordernden Job), emotionaler Burnout (gern bei Frauen, die mehr geben müssen, als sie möchten), Bore-out (zu viel von “zu wenig”), Angstanfälle (drohende Gefahr für das eigene, zufriedene Leben und Lebenskonzept), Panikattacken (eigene Grenzen werden oder wurden lange Zeit nicht gewahrt), Selbstwertzweifel (“Liegt es vielleicht gar nicht an dem Anderen, sondern nur an mir?”) oder schlichtweg ein verschwendetes Leben mit unerfüllten Träumen und einer Tasche voller negativer Gefühle, die ihn eines Tages schwer krankmachen werden.

 

Wieso du dein Glück nicht von anderen abhängig machen solltest? Weil deine Eigendrehung für DEIN LEBEN unverzichtbar ist.

Ich bin ein intuitiver Empath: Ich sympathisiere viel und gern mit anderen Menschen, fühle mich häufig in ihre Situationen ein, spüre ihre Angst und Gedanken und helfe gern, wenn es möglich und gewollt ist. Aber ich weiß stets, dass es eben andere Menschen und ihre Lebensumstände sind, nicht meine eigenen.

Natürlich ist man nie gänzlich unabhängig und immer auf die eine oder andere Art auf Menschen, ihre Gunst, Hilfe oder Geld angewiesen. Doch wem wir erlauben, welche unserer Grenzen zu verletzen, entscheiden wir. Wie wir anderen zuliebe unser Leben leben, entscheiden wir. Dass wir das nicht mehr wollen oder es sich für gegenseitiges Glück etwas ändern muss, entscheiden wir. Alles beginnt bei uns. Es bringt nichts, auf andere zu warten oder zu hoffen, dass sie unsere Situation von allein erkennen und verbessern. Wir sind die, die den ersten Schritt gehen müssen - komme, was wolle.

Ich habe in den vergangenen Jahren (durch meine Angst- und Panikststörung, danke dafür!) gelernt, dass niemand so ist wie ich. Niemand betrachtet die Welt und sein Sein wie ich. Und manche wollen keine Wachrüttler, kein Glück, keine neue Chance oder sind (noch) nicht bereit. Es gibt sogar welche, die man mit der Nase ins Glück oder den Durchblick drücken könnte und die sich trotzdem dagegen wehren würden. Sie haben ihre ganz eigenen Gründe, die ich nicht länger interpretiere. Kein Grübeln mehr, wieso X nicht Y tut, obwohl es doch soooooo schön gewesen wäre.

Wieso du dein Glück nicht von anderen abhängig machen solltest

Darum beschloss ich, dass ich mein Glück nicht länger von anderen abhängig mache. Dazu gehörten - wie immer - einige unliebsame Lektionen:

  • Meine Gedanken und Bedürfnisse sind eben MEINE Gedanken und Bedürfnisse.
  • Die Verantwortung für gescheiterte Träume und Projekte muss ich übernehmen, statt die Schuld auf andere zu schieben.
  • Ich muss mir gegenüber Respekt und Akzeptanz zeigen, indem ich mich zuerst gut behandele, statt andere in ihrem Leid zuerst zu sehen.
  • Ich muss meine Grenzen setzen und wahren, statt es zuerst von anderen zu erwarten.
  • Ich brauche mich nicht anhand fremder Meinungen, Lebenseinstellungen oder Handhaben zu bewerten, vergleichen oder gar zu ändern. Das verrät mich.
  • Ich brauche mich nicht wegen anderen neu zu interpretieren und gar zu verurteilen. Das schwächt mich.
  • Ich brauche mich nicht zu verbiegen, damit mich andere mögen.
  • Und es ist für meinen Weg unerheblich, wenn jemand mit mir und meiner Lebensweise nicht zurechtkommt.

Jeder interpretiert das Leben auf seine Art, legt sich als Opfer auf den Boden oder erhebt sich zum Täter. Menschen wie ich waren einst beides, bevor sie sie sich als Mensch kennenlernten - mit Werten, hinter denen man stehen muss - komme, was wolle. Denn es ist meine Lebenszeit und meine Energie. Ich allein entscheide darüber, was ist mit beidem anstelle oder anstellen lasse.

 

Wenn das Unglück anderer zu unserem eigenen Leidensweg wird

Andere suchen genau nach diesem Weg, dieser Einstellung, aber wissen nicht, wie sie sich gegen ihre PartnerInnen, Familie oder Kollegen, Freunde usw. durchsetzen können. Sie fürchten, sie zu verletzen oder verletzt zu werden. Sie haben Angst vor Selbstverlust und Trennung - ihrer oder die anderer.

Wieso du dein Glück nicht von anderen abhängig machen solltestAber: Je mehr man aus Angst die Bedürfnisse anderer in sich hineinstopft, herunterschluckt oder zu befriedigen versucht, indem man sich selbst vernachlässigt, desto schwerer werden die Tage. Vielleicht macht es dich wütend, traurig und ängstlich, weil dein Rückzug jemanden traurig machen würde. Vielleicht hast du Angst, dass du bei Distanz und Fokus auf dich und deinen Willen wieder alleine dastündest. Die Richtungen der Angst sind vielfältig. Aber alle laufen auf einen Kern hinaus:

Du nimmst andere wichtiger als dich. Du hast vielleicht gelernt, dass das dein Wohlbefinden und deine emotionale Sicherheit garantiert oder dass du nicht genug seiest, wenn du es anderen nicht rechtmachst. Vielleicht hast du erfahren müssen, wie schroff und beizeiten unangenehm ätzend Menschen werden können, wenn sie nicht ihren Willen bekommen, weil…Achtung: sie Angst bekommen, wenn sich ihnen jemand entzieht oder ihr Lebenskonzept infragestellt. Die Krux an solchen Situationen ist nämlich immer, dass man ein anderes, vielleicht besseres oder schlechteres Licht auf die Person zurückwirft, wenn man Nein sagt. Traut man sich, zu sich und seinen Bedürfnissen zu stehen, bleibt den Menschen meist nichts anderes mehr übrig, als

a) sich zu fügen,
b) solange Tamtam zu machen, bis du so viel (von ihrer) Angst intus hast, dass du dich umentscheidest (gern durch Androhungen von Trennungen - reine BLUFFS!) oder
c) sich von dir WIRKLICH zu verabschieden (wozu man einige Kraft braucht!!!).

Klar, die meisten - unreflektierten - Menschen geben dir dann noch (ihre) Schuldgefühle, (ihre) Scham und (ihre) Verantwortung dafür, dass du dein Leben nicht nach ihrem Konzept und ihren Werten leben möchtest. Sie verstehen nicht, dass man auch anders leben kann, als sie es seit Jahren tun. Sie, nein wir alle, lernen unsere Lebenswelten durch unsere Ahnen und Erfahrungen, die wir im Laufe unserer Jahre machen dürfen. Diese entscheiden wiederum, wie wir denken, fühlen und handeln. Haben wir nicht gelernt, uns durchzusetzen, unsere Grenzen anzusprechen und andere aufzufordern, sie zu wahren, tun wir es auch nicht. Aber das ist nichts Irreversibles. Wir können jederzeit und immer alles, was wir bisher gelernt haben, ansehen und ändern. Doch den ersten Schritt müssen wir machen. Niemand kann für uns diese Schritte gehen. Handeln müssen wir.

Erlauben wir anderen, dass unsere Selbstwirksamkeit weiterhin so eingeschränkt bleibt, ändert sich nichts. Haben wir zu viel Angst vor den Reaktionen unserer Lieben, Freunde, Familie, Kollegen oder Kunden, bekommen wir genau das: Angst (statt Vertrauen und Freude) - Reaktionen (statt Aktionen) - andere (statt uns). 

 

Die unangenehmen Gefühle der anderen lassen dich wissen, was es in dir zu überwinden gilt

Dabei darf man nicht vergessen, dass du ja auch noch eigene Gefühle hast: Wut (auf dich und andere), Traurigkeit (wegen deiner Überforderung und anderen), Scham (weil du glaubst, etwas falsch zu sein), Schuld (weil du glaubst, etwas Falsches zu machen, wenn du…). Die Angst davor, zu werden, was wir werden sollen, sich in seiner ganzen Größe zu zeigen und stehen zu bleiben, auch wenn uns jemand (emotional oder verbal) angreift, statt die Flucht zu ergreifen (durch Isolation, Stille, Dulden etc.), haben wir alle. Wie wir damit umgehen aber, entscheiden erneut wir.

Es bedarf etwas mehr Selbstliebe und Ruhe, sich seiner Entwicklungspotenziale bewusst zu werden. Immerhin muss man sich dazu erst einmal eingestehen, dass man welche hat, man nicht perfekt ist und bislang eventuell zu freundlich oder zuvorkommend, rücksichtslos oder konfliktscheu war. Dann kommt gleich der nächste Schwung: Man wirft sich vor, man hätte seine Zeit verschwendet oder lange, lange Zeit einen riesigen Fehler gemacht. Hätte…hätte…Fahrradkette.

In jedem Fall muss man sich vor sich selber offenbaren und mit Akzeptanz und Gnade trauen, anzusehen - ganz ohne Verurteilungen und Kleinmachen. Man braucht in solchen ehrlichen Momenten auch nur einen Gedanken:

Nie wäre man dort angekommen, wo man heute ist, wenn man nicht X getan/gelassen/geduldet/unterbunden hätte. Das war dein Weg. Der Sinn ist es, ihn zu verlassen oder erhabener zu gehen. Der Sinn ist es, einen anderen Weg zu gehen oder gar zu ebnen. Aber der bisherige Weg war deine unbewusste oder bewusste Entscheidung. Und weil kein Mensch die Vergangenheit ändern kann, bleibt einem nur, sie so zu akzeptieren, wie sie ist - mit sich und seinen Handlungen mittendrin.

Selbstvorwürfe und Kritik, Angst und Wut, Traurigkeit und Schuld bringen nichts, wenn man die Lektion dahinter nicht verstehen möchte. Die Lektion ist zum Glück leicht: X löst das Gefühl aus; als ist X des Messers Klinge, vor der wir unsere Angst verlieren müssen. Unsere Gefühle können und wollen uns nicht mehr zeigen, als dass wir welche haben und JETZT anfangen dürfen, sie wahrzunehmen und zu respektieren, statt noch einmal auf ihnen herumzuspringen oder anderen zu erlauben, das für uns zu tun. Damit eben andere Schuld sind, nicht wir.

Aber es funktioniert schneller, als man denkt. Ich habe es ausprobiert und mache es täglich, weil mir nichts anderes übrigbleibt, als mich zu lieben, so wie ich bin. Mit aller Angst und den Millionen Abfallprodukten meiner Vergangenheit. Irgendwo liegt immer etwas Müll herum, wenn wir es nicht wagen, aufzuräumen. Aber mir ist die andere Seite zu destruktiv. Getreu dem Motto: Ich sterbe lieber stehend, als dass ich kniend lebe.

 

Wie man mit der Angst anderer umgeht, ohne sie und sich zu verletzen

Wäre da nicht die Angst anderer Menschen, meistens die, deren Liebe und Zuwendung, Gunst und Anerkennung wir am meisten brauchen oder uns wünschen. Es sind oft genau die Personen, die sich selbst nicht zeigen, so wie sie sind, oder zutrauen, in ihre wahre Größe zu kommen, die noch größere Angst haben, dass sie oder du verletzt werden, sie dich verletzen könnten oder du sie. Es sind Menschen, mit denen du dich (bewusst oder unbewusst) identifizierst, die dir leidtun, die Ähnliches durchmachen, wie du einst oder noch immer, denen du helfen möchtest, aber nur noch schwer kannst. Es sind auch oft Menschen, die eher klagen, aber selbst nur wenig WIRKLICH-Eigenes tun, die wollen, dass du handelst, damit sie nicht handeln müssen, weil sie voller Angst sind und (noch) nicht bereit für das, was du vorhast. Oder es sind oft Menschen, die dich warten lassen, ihr Leid mit dir teilen wollen, aber übersehen, dass sie deine Lebenszeit verschwenden - weil sie dich von deinem Leben abhalten.

Damit sind es Menschen, die dir Sorgen bereiten, dich nachts wachhalten oder die ständig in deinem Kopf sind; Menschen, die nicht aussprechen, was in ihnen vor sich geht, oder die dich bewusst im Trüben fischen lassen; Menschen, die dich so wollen, wie du nicht bist, damit sie sich wohler fühlen und sich keine Gedanken machen müssen. Menschen, die dich mögen, aber nicht zu ihren Gefühlen stehen; Menschen, deren Angst du fühlen kannst, weshalb du extra vorsichtig bist, um sie nicht zu verletzen (damit sie dich weiterhin mögen). Menschen, die dich nicht so, wie du WIRKLICH bist, wollen können, weil sie deine Andersartigkeit, deine Individualität mit ihrem Lebenskonzept nicht in Einklang bringen können (sonst bräuchten sie vielleicht ein anderes, würden sich schuldig fühlen oder selbst infragestellen).

Aber am häufigsten sind es die Menschen, die entweder mehr Angst als Liebe in sich tragen. Oder sie entscheiden sich eher für ihre Angst, als für ihre Liebe zu dir - weil es leichter ist und sie dafür ihr Ego ausschalten müssen.

 

Du brauchst an niemanden denken. Nur an dich. Deine Energie gehört dir.

Die Bedürfnisse anderer und die Angst, die wir fühlen, wenn wir sie nicht befriedigen, verschwindet automatisch, wenn man sich für sich entschieden hat. Schweigen und Nichts-Tun aber bringen niemanden irgendwohin, außer dorthin, wo man schon ist. Also sprich - mit deinen Freunden oder jemand anderen. Handle - probehalber oder schaue jemanden, der schon kann, was du dir wünschst, dabei zu.

Hat man einmal beschlossen, dass der einzige Weg der ist, seinen Wert zu erkennen und seinem Leben zuliebe zu handeln, geht vieles mit Leichtigkeit. Die Menschen, die einen WIRKLICH lieben, werden bleiben. Sie werden erkennen, dass ihre eigene Angst, dich zu verlieren, größer ist, als ihre Angst vor deiner Größe oder vor sich. Wer dich aber straft, weil du deinen Interessen und Gefühlen folgst, der ist nicht bereit für sich selbst - und damit auch nicht für dich.

Reicht es nicht, dass du lange Zeit nicht bereit für dich warst? Hattest du nicht schon erkannt, dass es nun Zeit ist, aufzubrechen? Was muss geschehen, dass du dich von der Angst anderer löst? Wäre es nicht wunderbar, wenn wir alle auch mit kurzzeitigen Trennungen oder Kritik leben lernen würden? Immerhin könnten wir dann alle Menschen so sein lassen, wie sie sind. Denn wir wissen nur dann um ihren Wert und darum, dass wir gleichwertig sind.

Niemand ist wichtiger. Niemandes Meinung ist “richtiger” oder “falscher”. Wir sind alle gleich. Wichtig. Wertvoll. Auf der Suche. Beizeiten unsicher. Und dann wieder mutig.

Orientiere dich lieber nicht an Menschen, die meinen, es sei das Beste für dich, zu einem billigen Imitat von ihnen zu werden. Nimm deine Intuition und freue dich darauf, dass es Menschen geben wird, die aus heiterem Himmel auf dich zukommen, um dir zu helfen. Die, die dich verstehen und bereit sind für deinen Weg. Das sind meist die, von denen du es nie erwartest hättest. Das sind die Loyalen und die Gönner. Die einzigen, die wir brauchen, wenn wir aus unserem Leben das machen wollen, was wir WIRKLICH wollen.

Schließlich ist es auch eine Frage des Respekts dir gegenüber: Verweigert dir jemand den Respekt gegenüber deinen Bedürfnissen oder hält dich bewusst davon ab, sie dir zu erfüllen, und du nickst das nur ab, dann respektierst du dich selbst nicht.

Bedenke: Es ist deine Lebenszeit. Du entscheidest, wie, mit wem und mit was du sie verbringst. Und vor allem: wie lange noch.

Viel Mut und Tatkraft,
Janett

 

Hypochondrie: Ein Erfahrungsbericht über Symptome und Auswege

Hypochondrie: Ein Erfahrungsbericht über Symptome und Auswege

Hypochondrie wird auch Krankheitsangst oder hypochondrische Störung genannt und ist eine somatoforme Störung.

Dabei stehen neben Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung Schmerzsymptome an vorderster Stelle, gefolgt von Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, sexuellen und pseudoneurologischen Symptomen. Somatoforme Symptome treten bei circa 80 Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise auf, gehen in der Regel von selbst vorüber und werden kaum beachtet. Bei einigen Personen (die Angaben über die Häufigkeit schwanken zwischen 4 und 20 Prozent) können sich diese Beschwerden aber chronifizieren und eine zentrale Rolle im Leben einnehmen. (Wikipedia)

Etwa 1 Prozent der Bevölkerung sind schwere Hypochonder; hingegen leiden etwa 11 Prozent aller Menschen, die keine Ursachen für eine Beschwerde finden, vermutlich an der Angst vor Krankheiten, wie Hans-Christian Deter, Professor für Psychosomatik an der Charité Berlin, in einem Interview äußerte.

ich bin krank aber mein arzt sagt ich sei gesund hypochondrieAuch Sebastian D. Kraemer, Gründer des Psyche Blogs PSOG vermutete “bei jedem Kribbeln, Stechen und Zwicken, bei jeder Veränderung des Herzschlages und dem kleinsten Ziehen” sofort das Schlimmste. “Und ich hatte eine Vielzahl von Beschwerden, einige einmalig oder selten. Andere immer wieder. Herzstolpern, Stiche in der Brust, Flimmern vor den Augen, Müdigkeit, Ohrgeräusche und ein dumpfes Gefühl im Kopf waren die häufigsten. Bevor ich wusste, dass ich an den typischen Symptomen einer Hypochondrie, der Angst vor Krankheiten, litt, recherchierte ich nahezu täglich im Internet, um einen Hinweis für die Ursache meiner Symptome zu finden, oftmals stundenlang. Eigentlich erhoffte ich mir eine Beruhigung. Tatsächlich trieben meine Recherchen die Angst auf die Spitze.”

Hypochondrie kommt mit einschlägigen Symptomen daher:

  1. Man ist felsenfest davon überzeugt, krank zu sein, auch wenn Ärzte nichts finden können.
  2. Entsprechend hoch ist die Anzahl von Arztbesuchen: um sich tiefgründig untersuchen zu lassen, an freiwilligen Tests teilzunehmen oder Gegenmeinungen einzuholen.
  3. Wenn der eine Arzt nichts findet, wechselt man ihn. Vielleicht täuscht er sich oder man hat bereits das Vertrauen in denjenigen verloren.
  4. Man recherchiert im Internet und anderen Quellen nach Ursachen, Möglichkeiten, unerkannten und unbekannten Symptomen und Krankheitsbildern.
  5. Gesundheitliche Themen werden im privaten Umfeld immer mehr zum Gesprächsthema Nummer 1.
  6. Man stellt eigene Untersuchungen an, denn heutzutage kann man sich von umfangreichen Allergietests, Blutuntersuchungen bis hin zu medizinischen Geräten wie Blutdruckmesser Vieles bestellen, und ohne Arzt wirksam werden.
  7. Die kleinsten Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung werden überspitzt und als etwaiges Symptom für eine untergründige, größere Krankheit angesehen. So kann ein Herzrasen ein Signal für eine Herzerkrankung, Kopfschmerzen für einen Gehirntumor, Blutdruckschwankungen für eine Herz-Kreislauf-Schwäche und Stechen und Schmerzen in den Gliedmaßen als Herzinfarkt missinterpretiert.
  8. Um die eigenen Bedenken schnell und wirksam auszuschalten bzw. zu minimieren, werden viele zu einem Gesundheitsfanatiker und vermeiden alles, was die Symptome stärken würde. Die Angst davor, krank zu sein, kann bis zur Paranoia führen.

Sebastian war so nett und hat für mich einen Erfahrungsbericht über Hypochondrie verfasst, den du im Folgenden lesen kannst.

 

Ich und die Hypochondrie: Die Angst vor Krankheiten

bin ich krank werde ich sterben hypochondrie die angst vor krankheitenBesser eine Kontrolle zu viel, als zu wenig und so machte ich mich oftmals auf den Weg zum Arzt oder ins Krankenhaus. Klar kam ich mir dabei irgendwie doof vor. Schließlich ging auch ich davon aus, dass nichts Ernstes dahinter steckt. Und ich wusste, dass meine Reaktion übertrieben war. Ich war ja kein Idiot. Ich litt an einer ausgeprägten Hypochondrie, auch hypochondrische Störung genannt. Das war mir schmerzlich bewusst. Allerdings konnte auch ein Hypochonder tatsächlich krank werden.

Meine Hypochondrie beschränkte sich übrigens nicht nur auf die Angst vor einem Herzinfarkt. Große Angst hatte ich auch vor Krebs und neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose und ALS.

Ich hatte damals nicht „nur“ eine Hypochondrie. Auch eine Panikstörung und eine generalisierte Angststörung wurden diagnostiziert. Vielleicht war die Hypochondrie auch Teil der generalisierten Angststörung. Die Experten waren sich da nicht ganz einig und mir war es egal. Ich wusste nur, dass ich verdammt große Angst vor Krankheiten hatte.

Vor ernsthaften Krankheiten. Ein Magen-Darm-Virus oder eine Erkältung waren allenfalls unschön. Wirklich Angst hatte ich davor nicht. Ich war auch nicht wehleidig. Andererseits konnten vermeintliche Erkältungssymptome im Einzelfall auch Vorboten schwerer Krankheiten sein. So ganz gelassen konnte ich daher auch mit einer banalen Erkältung nicht umgehen.

Das Stechen in meiner linken Brust rührte vermutlich von Verspannungen im Rücken. Das hatte ich auf diversen „Gesundheitswebseiten“ gelesen. Aber dort war auch von Fällen zu lesen, in denen solche Stiche einen Herzinfarkt ankündigten. Unwahrscheinlich bei einem Hungerhaken wie mir im Alter von 27 Jahren, der eher zu einem niedrigen als eine, hohen Blutdruck neigte. Diverse Untersuchungen wie normale EKG’s, Langzeit- und Belastungs-EKG’s, Ultraschall und unzählige Blutdruckmessungen machten einen Herzinfarkt sicher nicht wahrscheinlicher. Schließlich wurde nichts gefunden.

https://www.youtube.com/watch?v=YdpvlAJslmIDoch unwahrscheinlich ist nicht unmöglich. Als BWL-Student kannte ich mich ganz gut in Wahrscheinlichkeitsrechnung aus. Ich war kein großer Mathefan, doch als leidenschaftlicher Pokerspieler mochte ich Statistik und Stochastik. Und ich schätzte die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Stechen in der Brust KEINEN Herzinfarkt ankündigte, auf etwa 98 %. Ich war also relativ „safe“. Beim Pokern habe ich allerdings schon mit Händen verloren, die eine höhere Siegchance als 98 Prozent garantierten. Ich wusste also aus Erfahrung, dass auch unwahrscheinliche Ereignisse manchmal eintreten. Unwahrscheinlich bedeutet schließlich nicht unmöglich.

 

War die Ursache meiner Hypochondrie die Angst vor dem Tod?

Ich entschloss mich damals zu einer psychosomatischen Reha. Der Chefarzt stellte die These auf, dass meine Hypochondrie aus der Angst vor dem Tod resultierte.

Hatte ich Angst vor dem Tod? Klar! Wer hat das nicht? Ich wusste nicht, wie das sein würde und ob da überhaupt etwas sein würde oder ob es das dann insgesamt gewesen ist. Der Tod, die große Unbekannte. Das Ende? Ein Anfang? Anfang für was? Natürlich hatte ich Angst vor dem Tod!

Auf den Vorschlag des Chefarztes hin stellte ich mich dieser Angst, indem ich mich gedanklich in die Situation versetzte, nur noch drei Tage zu leben zu haben. Letztlich stellte sich heraus, dass die Angst vor dem Tod nicht oder nicht allein für meine Hypochondrie verantwortlich war, doch ich gewann für mich extrem wichtige Erkenntnisse, die zur Überwindung meiner Hypochondrie beitrugen.

Ich wusste nämlich überhaupt nicht, was ich mich meinem Leben anfangen sollte. Was wollte ich arbeiten? Wie wollte ich leben? Frau und Kinder oder Singleleben und Party? Haus oder Junggesellenbude? Ich hatte diese Fragen noch nicht abschließend beantwortet. Wegweisende Entscheidungen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu treffen gewagt habe. Ich wusste überhaupt nicht, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Den baldigen Tod hypothetisch vor Augen erkannte ich, was mir wirklich wichtig war. In der Kurzfassung: Freundin, Familie, Freunde. Ich wollte Kinder. Und beruflich wollte ich mein eigenes Ding machen.

Das Todesritual und die dabei gewonnenen Erkenntnisse beschreibe ich detailliert in meinem Buch „Exfreundin Angst“.

 

Hypochondrie ist oft nur eine willkommene Ablenkung

Wie gesagt: Ich hatte verschiedene Ausprägungen einer Angststörung. Und aus meiner Sicht tragen immer auch verschiedene Faktoren zur Überwindung einer Angststörung bei. Wenn ich aber einen Faktor herausstellen müsste, der mehr als die anderen dazu beigetragen hat, speziell die Hypochondrie hinter mir zu lassen, dann würde ich sagen, dass es dieser war:

Ich musste herausfinden, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen wollte.

Denn seien wir mal ehrlich: Wenn man nichts mit seine Leben anzufangen weiß oder insgesamt unzufrieden ist, dann kommt eine Hypochondrie doch irgendwie ganz gelegen. Manchmal ist die zeitintensive Beschäftigung mit möglichen Krankheiten eine willkommene Ablenkung. Wenn wir davon ausgehen, schwer krank zu sein, vermeiden wir es, uns unangenehmen Fragen und schwierigen Entscheidungen zu widmen. Was würde das auch für einen Sinn machen? Und wenn dem so ist, dann müssen wir uns doch zunächst diesen Dingen widmen.

Sonst halten die unbeantworteten Fragen die Hypochondrie aufrecht.

 

3 Tipps, um eine Hypochondrie zu überwinden

Tipp 1: Lass die Recherchen im Internet sein. Du wirst dabei immer auch auf ernsthafte Erkrankungen stoßen. Auch wenn diese unwahrscheinlich sind, werden die gefährlichen Sachen bei dir hängen bleiben und die Angst steigern. Dann solltest du lieber zum Arzt gehen.

Tipp 2: Blicke auf dein Leben und sei ehrlich zu dir selbst: Was gefällt dir momentan nicht (unabhängig von der Hypochondrie)? Wie möchtest du stattdessen leben? Triff wichtige Entscheidungen!

Tipp 3: Vernünftige Vorsorge und Arztbesuche machen Sinn. Wenn man an einer Hypochondrie leidet oder gelitten hat, steht man vor der Herausforderung, abzuwägen, ob ein Arztbesuch anzuraten oder übertrieben ist. Ich habe für mich entschieden, dass ich dann zum Arzt gehe, wenn (neue, bislang nicht bekannte) Beschwerden auftreten, die sich schnell verschlimmern oder längere Zeit nicht verschwinden. Bei bestimmten schwerwiegenden Symptomen wird man wohl ohnehin zum Arzt gehen. Warte also nicht zu lange, wenn du aus den Ohren blutest, nicht mehr richtig sprechen kannst oder der Arm abfällt. 😉

Ich hoffe, dass dir dieser Beitrag eine etwas andere Sicht auf die Hypochondrie verschafft. Denn wenn ich eines in den letzten Jahren gelernt habe, dann, dass es bei der Suche nach der Lösung Sinn macht, die Angst an sich mal ein wenig in den Hintergrund zu schieben, um die Angststörung überwinden zu können.

 

Mehr von Sebastian und seinem Weg raus aus der Angststörung, kannst du auf seiner Website www.psog.de lesen. Sebastian hat aufgrund seiner Erfahrungen mit Hypochondrie, Panikattacken und der generellen Angst eine eigene Akademie ins Leben gerufen: Die Anti-Angst Akademie, auf der sich Betroffene anonym helfen lassen können. Mehr Informationen dazu findest du hier >> Sebastian D. Kraemers Anti-Angst Akademie

 

101 Ideen: Was man bei Angst und Panikattacken tun kann

101 Ideen: Was man bei Angst und Panikattacken tun kann

Viele Betroffene von Angst und Panikattacken bloggen wie ich über ihre Wege und Gedanken, was man bei Angst und Panikattacken tun kann. Jeder hat dabei unterschiedliche Herangehensweisen. Ich war als ehemalige Panikpatientin immer ein Fan von Mischungen. Ich betrachtete - und tue es noch - alles ganzheitlich. Ich glaube daran, dass wir mehr sind als unsere Körper, unsere Gehirne und Seelen. Mit Seele meine ich dabei die Sinnhaftigkeit und Gerechtigkeit, die Moralvorstellungen und Ethik, mit denen man aufwuchs oder die man sich im Laufe seines Lebens aneignete. Alles anzusehen und auf unterschiedlichen Ebenen daran zu arbeiten, sich vom Ballast zu befreien, erscheint mir sinniger, als nur verhaltenstherapeutisch, körperlich oder tiefenpsychologisch zu arbeiten.

Dennoch möchte ich kurz auf die “Unterschiede” zwischen einer Angststörung, die ausschließlich durch Angstzustände begleitet wird, und einer Panikstörung eingehen. Es gibt die Vermischungen aus beidem, in denen beispielsweise eine Agoraphobie mit einer Panikstörung und umgekehrt einhergehen kann. Diese Mischform hatte ich. Allem voran aber unterliegen die “Krankheits”bilder einer nützlichen Funktion und einer scheinbar nützlichen Funktion. Sie dienen mit ihren Symptomen dazu, dein Leben vor etwas zu bewahren, was du als Gefahr einzuschätzen gelernt hast. Selbstverständlich können Panik- und Angststörungen auch physische Ursachen haben, zum Beispiel begründet in Darmfunktionsstörungen mit/ohne Nahrungsintoleranzen wie Laktose oder Gluten, aber auch Schilddrüsenfunktionsstörungen. Es empfiehlt sich daher immer, vorher einen Arzt zu konsultieren, bevor man sich verrückt macht.

Eine Angststörung wird durch Angstattacken begleitet. Sie treten bei rund 14 Prozent aller Deutschen anfänglich in Form von Schwindelgefühlen, Herzrasen, Zittern, verringerte Belastbarkeit und die erwähnten Magen- und Darmbeschwerden auf. Später kommen Schweißausbrüche, Atemnot, die Enge in der Brust und die Schluckbeschwerden hinzu, aber auch Spannungskopfschmerzen (Druck im Kopf) und Sehprobleme wie Flimmern und Sternchen oder höchst empfindsame Augen gehören dazu. Auf der psychischen Ebene werden diese Symptome begleitet durch Panik, Ohnmacht, völliges Ausgeliefertsein (kindliche Hilflosigkeit), Kontrollverlust (Wehrlosigkeit). Bei manchen Menschen geht es bis zur unmittelbaren Todesangst. Es gibt dabei ganz typische Gedanken wie zum Beispiel “Ich werde sterben!”, “Ich werde mich völlig blamieren!”, “Ich habe einen Herzinfarkt!”, “Ich drehe durch/werde verrückt!”. Betroffene reagieren in der Angstsituation oft mit Flucht oder sie suchen vermeintlich Schutz durch eine sicherheitsspendende Person. Menschen, die Angst vor dem Alleinsein (gelernt) haben oder vor Einsamkeit, berichten häufig vom Letzteren. Man unterscheidet zwischen Agoraphobie, Panikstörung, Hypochondrie (Angst vor Krankheiten), der sozialen Angst (Soziale Phobie), der generellen Angst (Generalisierte Angststörung), Zwangsstörungen und PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung durch ein Trauma).

Eine Panikstörung gehört demnach streng genommen zur Kategorie Angststörung. Die Symptome einer Panikattacke ähneln sehr stark denen einer Angstattacke. Dennoch muss nicht jede Panikattacke oder Angstattacke auch gleichsam eine “Störung” im Sinne der klinischen Behandlungsbedürftigkeit anzeigen. Eine handfeste Panikstörung jedoch zeigt sich durch eines: aufkommendes Vermeidungsverhalten in den symptomatischen Situationen. Hier reden wir oft von den alltäglichen Situationen wie Supermarkteinkäufe, lange Strecken, Öffentlichkeit (Verkehrsmittel) und Menschen(massen), Enge, aber auch Weite draußen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Briefwegbringen. Angstbesetztes Anstehen (in einer Schlange) ist genauso häufig wie Schwierigkeiten bei langen Gesprächen und/oder mühevollen Tätigkeiten.

In meinen Augen - nach all den Jahren meiner eigenen Erfahrung mit Angst und Panik - und nun auch seit Jahren beruflich mit Betroffenen, hat Angst und Panik einen gewaltigen Haken: Sie können und in 90 Prozent der Fälle sage ich “Sie sind es!” nur Symptome sein für etwas anderes. Es wären damit nur Signale für ein noch tiefer liegendes Problem, zum Beispiel emotionale Erschöpfung durch ein lang anhaltendes Ungleichgewicht im Nehmen (Bekommen) und Geben (müssen/sollen). Dieses Thema ist so umfangreich, das ich es hier in diesem Artikel nicht ansprechen kann.

Stattdessen spreche ich im Folgenden über Wege und Ideen, Strategien und Methoden, körperliche Unterstützungsformen und Gedankenimpulsen für Hoffnung, Glaube und Freude am Leben - vor, während und nach Angst- und Panikattacken.

 

101 Ideen: Was man bei Angst und Panikattacken tun kann

Die folgenden 101 Ideen, was man bei Angst und Panikattacken tun kann, sind eine Zusammenfassung meiner eigenen Erfahrungen. Sie werden nicht alle und auch nicht jedem helfen, aber es dürften sich mindestens einige Impulse und Strategien zeigen, die auch dich unterstützen könnten.

  1. Atme nach einer bestimmten Atemtechnik, zum Beispiel die 8-4-8 Atemtechnik. Du atmest acht Takte ein, hältst vier Takte die Luft an und atmest acht Takte lang wieder aus. Eine andere Atemtechnik, die sich besonders gut bei Panik eignet, ist die 4-7-8 Atemmethode. Die Verfahrensweise ist dieselbe wie bei 8-4-8.
  2. Erinnere dich daran, wer du bist, und sprich es dir in Gedanken vor oder murmele es vor dich hin: “Mein Name ist … Ich wohne in … Ich liebe … und die Jahreszeit, die ich besonders mag, ist … In meiner Jugend mochte ich … Am liebsten habe ich … gegessen und … getrunken. Heute esse ich gern … und trinke gern…” usw. Es holt dich zurück ins Hier und Jetzt.
  3. Lerne eine Entspannungstechnik, die du bei Angst- und Panikattacken anwenden kannst, zum Beispiel Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training. Ich habe extra Trainings erstellt, die sich ausschließlich bei Panik und Angstzuständen anwenden lassen.
  4. Übe dich in Achtsamkeit, der Technik, mit und in deinen Gedanken im Hier und Jetzt (statt in der schmerzvollen Vergangenheit oder der sorgenvollen Zukunft) zu sein.
  5. Lies in deinem Lieblingsbuch.
  6. Finde in deiner Umgebung etwas in deiner Lieblingsfarbe, zum Beispiel den blauen Himmel, die grünen Blätter an den Bäumen oder der rosafarbene Schal eines Kindes. Zähle die Gegenstände in deiner Lieblingsfarbe leise auf.
  7. Lies ein Buch eines ehemals Betroffenen, der über seine Strategien, wie man Angst und Panikattacken überwinden kann, berichtet.
  8. Widme dich dem Kampf gegen deine Angst und Panik in Sebastian D. Kraemers Anti Angst-Akademie. Er war selbst Panikbetroffener und ist heute ein enger Kollege von mir. Aus Berichten meiner Leser/-innen weiß ich, dass er bereits Hunderten Menschen mit seinem Programm geholfen hat. Hier findest du Sebastians Seite mit allen Informationen oder du nimmst an einem kostenfreien Webinar mit Sebastian teil. Darin wird er dir alles Wissenswerte um seine Anti-Angst Akademie berichten.
  9. Höre dein Lieblingslied oder ein Lied aus deiner Vergangenheit, das dich an schöne, freudvolle Zeiten erinnert. Bei mir funktionierten Lieder aus meiner Jugendzeit sehr gut, in der ich mich frei und selbstbestimmt fühlte.
  10. Mach mit deinem Smartphone wahllos Bilder der Umgebung. Konzentriere dich auf schöne Motive, die idealerweise ein Stück weiter von dir entfernt sind. Das Gefühl der Weite durch ein kleines Raster des Handybildschirms macht weniger Angst und löst deine Gedanken aus der negativen Schleife.
  11. Durchsuche die Umgebung nach einem Kind oder Tier. Sieh es solange an, bis das Kindchenschema einsetzt und dein Gehirn Glückshormone produziert. Lächele das Tier oder das Kind für 60 Sekunden lang an, um deinem Gehirn zu signalisieren, dass Angst jetzt vorbei ist.
  12. Sollte keines in der Nähe sein, helfen auch YouTube- oder Facebook-Videos von Tieren. Auch wenn der Katzenvideo-Hype manche verwunderte, es gibt es einen guten Grund, weshalb er funktionierte und viral wurde: Sie machen glücklich. Sie sind süß. Sie lenken deine Aufmerksamkeit auf etwas Zerbrechliches und Hilfebedürftiges. Sie aktivieren deine Schutz- und Fürsorgemechanismen. Ergo: Es werden Glückshormone ausgeschüttet und die Stresshormone nehmen ab.
  13. Auch ohne Kinder oder Tiere kannst du die 60 Sekunden Lächeln-Methode anwenden. Zieh einfach deine Mundwinkel hoch und lächele, auch wenn du dich nicht danach fühlst. Deinem Gehirn signalisierst du dadurch das Gegenteil. Es muss die Stresshormone lassen und stattdessen positive ausschütteln.
  14. Summe eine positive Melodie oder irgendein Lied, das dir spontan in der Angst oder Panik einfällt.
  15. Trage einen Talisman, den du fest in der Hand halten kannst, wenn du in der Öffentlichkeit dazu neigst, Panikattacken oder starke Angst zu bekommen.
  16. Trage einen Anti-Stressball bei dir. Durch die Muskelanspannung und -entspannung erzielst du einen ähnlichen Effekt wie bei der Progressiven Muskelrelaxation. So kannst du zum Beispiel während der Panikattacke den Adrenalinabbau (nötig, um die Panikattacke abklingen zu lassen) unterstützen.
  17. Bei Stress, Angst und Panik wird durch den enormen Adrenalin- und Cortisolwert im Körper oft auch die  Lautstärke- und Lichtempfindlichkeit gesteigert. Trage eine Sonnenbrille oder Ohropax, wenn es das Wetter zulässt, um das zu vermindern.
  18. Bei Angst vor Panikattacken im Hochsommer kannst du dir einen Handventilator kaufen, den du überall benutzen kannst, um dich abzukühlen und dir das Gefühl zu geben, dass du Sauerstoff bekommst.
  19. Draußen Angst? Finde einen Menschen in deiner Umgebung, der dir sympathisch erscheint. Beschließe, dass diese Person dir helfen wird, falls eine deiner Befürchtungen wahr werden sollte. Überlege dir auch, wer dieser Mensch wohl ist: Wo wohnt er? Wie alt ist er? Wie viele Kinder hat er? Welche Farbe hat sein Auto? Oder hat er vielleicht gar keinen Führerschein? Wenn ja, wieso nicht? Mag er Erdnüsse oder hat er eine Allergie gegen Citrusfrüchte?
  20. Trinke lauwarmes Wasser, wenn die Angst hochkommt. So kannst du Symptome wie den Kloß im Hals oder die Schluckprobleme beseitigen und schenkst deinem Körper einen Schluck mehr Kraft. Angst ist eine sehr energieraubende Sache. Es erschöpft den Körper.
  21. Nimm Vitamine zu dir, zum Beispiel ein Stück Apfel, um deinen Körper weiter zu unterstützen.
  22. Iss Cashew-Nüsse (ungesalzen). Sie enthalten besonders viel Tryptophan, ein Protein, das im Körper in Serotonin umwandelt wird. Serotonin ist ein Glückshormon und hilft, zu entspannen und somit Stress und Angst im Körper zu verringern.
  23. Iss eine Banane. Sie enthält Magnesium und Tryptophan, welches den Stresspegel im Körper wie erwähnt senkt. Bananen eignen sich besonders gut gegen Müdigkeit, Depressionen, Menstruationsschmerzen, dem Kater nach zuviel Alkohol und Bluthochdruck.
  24. Iss Weintrauben oder Rosinen. Sie haben denselben Effekt.
  25. Besonders gut sind auch Beeren, da sie Flavonoide enthalten. Diese regen den Ausstoß von Glückshormonen an. Iss zum Beispiel vor einem aufregenden Ereignis Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren. Weitere Nahrungsmittel, die Flavonoide enthalten, findest du in diesem Artikel.
  26. Schreib ein Gedicht über das, was im Moment der Angst und Panik in dir vorgeht. Schreibtherapie hat - das ergaben bereits Studien in den 80er Jahren - einen erheblich positiven Effekt auf die Gefühlslage, sowohl bei Depressionen als auch bei Ängsten. Schreibtherapie wird daher oft in den “herkömmlichen”, staatlich anerkannten Therapien angewendet, sei es in einer Klinik oder 1 zu 1 bei einem Psychologen.
  27. Atme bewusst Luft in deinen Kopf hoch bzw. an die Stelle deines Körpers, an der du Angst oder Panik am meisten fühlen kannst. Mit jedem Atemzug stelle dir vor, wie die eingeatmete Luft die Stelle durchströmt und reinigt.
  28. Berühre die Körperstelle mit deiner Hand und lass sie solange dort liegen, bis sich das Pochen, Rasen oder Tuckern verringert hat bzw. gänzlich aufgelöst hat. So schlief ich in meinen Panikzeiten immer mit der Hand auf meinem Kopf ein.
  29. Lerne das Strömen.


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Kinder dürfen selbstbewusste Menschen werden: Hilf’ mir dabei!

Kinder dürfen selbstbewusste Menschen werden: Hilf’ mir dabei!

Auf vielen Blogs, die sich mit dem Thema Selbstfindung und –verwirklichung beschäftigen, gibt es Blogposts mit so und so vielen Fragen, die man sich stellen solle. Eine dieser Fragen ist:

Wenn du ein Problem auf der Welt lösen könntest, welches wäre es?

Ich beantworte solche Fragen zur Selbstreflexion und –erweiterung ja saugern, nicht nur, um mich selbst besser kennenzulernen, sondern auch, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich meine Antworten in regelmäßigen Abständen ändern.

Letztens antwortete ich auf die obige Frage das hier:

„Wenn ich ein Problem auf der Welt lösen könnte, dann dass alle Kinder so aufgezogen und erwachsen werden, dass sie später weder sich selbst, noch andere verletzen.“

 

Zwischen Kindheit und Erwachsensein

Im Laufe des letzten Jahres lernte ich viele Menschen kennen, die mir freiwillig ihre Schwierigkeiten im Erwachsenleben erzählten. Ich lernte, wie schwer es für sie ist, sich Wenn Kinder Angst habenheute als Erwachsener zu ändern und das, was früher (vorwiegend in ihrer Kindheit) schief gelaufen war, zu beruhigen. Da war die böse Mutter oder der strenge Vater oder jemand Geliebtes war abwesend oder zwar körperlich anwesend, aber für das Kind nicht verfügbar oder teilnahmslos. Es gab miese Lehrer und einige bis viele Menschen, die Anpassung erwarteten – entgegen den Bedürfnissen des Kindes. So lernten sie Angst, Trauer und andere Emotionen zu unterdrücken und begegneten ihnen später wie einen Feind, vorwiegend in Partnerschaften und im Berufsleben.

Ich musste feststellen, wie gern sie in ihrer Vergangenheit etwas ändern wollen würden, wie gern sie jemanden gehabt hätten, der ihnen sagt:

Du bist toll so, wie du bist, auch wenn dir die Menschen manchmal das Gefühl geben, als sei es anders.

oder auch umgekehrt:

Ja, du machst Fehler, aber das ist in Ordnung und ich liebe dich trotzdem. Niemand ist perfekt, auch wenn du als Kind immer gedacht hattest, dass du später die Welt erobern würdest, dich jeder lieben würde und du auf keinerlei Schwierigkeiten stoßen würdest.

 

Wenn es damals anders gelaufen wäre, dann könnte ich heute…so viel zufriedener leben.

Die meisten wünschen sich eine Veränderung ihrer Kindheit (was leider nicht geht) oder wenigstens ihrer Sichtweise auf ihre Kindheit, die sie für heute im Erwachsenenleben stärker oder flexibler gemacht hätte, in jedem Fall resilient. Sie versuchen, mit dem, was geschah und vor allem nicht geschah, umgehen zu lernen. Viele leiden, haben noch immer einen dicken Kloß Trauer in ihrem Hals stecken; andere haben sich hoffnungslos der Welt hingegeben und versuchen nun, das Beste daraus zu machen.

Erwachsene Wunden der VergangenheitMir geht es auch so. Ich vermute sogar, dass es kaum jemanden auf der Welt gibt, der so etwas nicht bereits gedacht hat. Es gibt zu viele Ecken, an denen man immer mal wieder hängen bleibt. Auch wenn es (meist) immer Lösungen gibt. Auch wenn die Befürchtungen im Vorfeld meist nie in Gänze in Erfüllung gehen. Jeder stößt an seine Grenzen oder stolpert unverhofft über ein Bein und fällt auf die Nase. Und wir alle hatten Eltern, die auch nur Menschen waren, wurden von Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, die auch nur Menschen waren, von Kindern gehänselt und von anderen geliebt, die auch nur Menschen waren und unter irgendeinem Menschen litten.

Alice Miller, eine der bekanntesten Psychoanalytikerinnen des 20. Jahrhunderts, schrieb in ihrem Bestseller Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst treffend, dass es ein Wendepunkt im Leben von Menschen sei, wenn sie erkennen,

daß all die Liebe, die sie sich mit so viel Anstrengungen und Selbstaufgabe erobert haben, gar nicht dem galt, der sie in Wirklichkeit waren.“ (Miller, Auflage 2014, S. 32).

Na, wie viele sich in diesen paar Worten wohl wiedererkennen? Es geht natürlich um Leistungen, die viele Kinder nicht nur heute, auch bereits vor vielen Jahren, zu erbringen hatten – entlang klarer Regeln, die spätestens in der Schule bestimmten, wie man zu sein hatte. Aber auch im Elternhaus lief es oft so, wie die Eltern das Kind haben wollten, nicht in Übereinstimmung mit den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes.

 

Exorzisten und kindliche Fähigkeiten

Stefan Hiene erklärte in seinem Interview mit Adrian Kubitsch im Rahmen des Selbstbewusstsein Kongresses am 17.07.2016: Eltern und Lehrer würden den Kindern wie Exorzisten ihre Gefühle, Fähigkeiten und Talente austreiben, weil sie angeblich nicht alltags- und gesellschaftskompatibel seien. Statt sie zu lassen und sich selbst zu entdecken, sie zu stärken und zu Selbst und Bewusstsein zu erziehen, unterbinden sie durch ihre Regeln die Werdung zu einem individuellen, wertvollen und selbstbewussten Menschen.

Damit will ich nicht schlussfolgern, dass die, die so nicht aufwuchsen, nicht individuell oder gar weniger wert wären. Was Stefan hier meinte und ich auch blind und auf einem Bein stehend, unterschreiben würde:

Kinder fördern statt fordern

Wir erziehen Kinder ihre Talente und Gefühle wieder ab und so versieben und verdrängen sie ihre Fähigkeiten und den Umgang mit unangenehmen Gefühlen, um sie zu einem äußerlich aalglatten, funktionalen, aber innerlich unsicheren und suchenden Menschen zu machen. Wie viele sind mit dem Glauben aufgewachsen, sie seien falsch, so wie sie wirklich sind?

Als Kind glaubt man den Großen ja auch sofort. Vielleicht spürt man, dass hier gerade eine Ungerechtigkeit geschieht und eine Gegenwehr im eigenen Körper vorhanden ist, aber meist hält man den Mund und … passt sich an. Den Bedürfnissen anderer, um Teil zu sein, nur um später wieder alle Brücken abzubrechen und seinen Weg zurück anzutreten. Das wohl machen die meisten von uns heute. Die immer kürzer werdenden Ausflüge in die angepasste Welt, die Alexander Hartmann in seinem Buch Mit dem Elefant durch die Wand: Wie wir unser Unterbewusstsein auf Erfolgskurs bringen. Eine Gebrauchsanweisung den „sicheren Weg“ nennt, werden immer kürzer. Wenigstens 80 Prozent aller, die ich kenne, suchen ihre eigentlichen Fähigkeiten und würden sicher schnurstracks die sichere Welle verlassen, wenn man Angst überspringen könnte.

Leider wiederholt sich die Geschichte. Kinder mögen sich noch immer und mögen nach wie vor, was sie gern tun mögen. Dummerweise wird ihnen alles das ausgetrieben, bei einigen so sehr, dass sie schnell aufhören, sich zu lieben und eben auch sein lassen, was sie gut und am besten können.

 

Kindsein ist ein hartes Brot.

Erwachsenwerden auch.

Womit man sich in seiner eigenen Werdung nicht alles herumschlagen muss:

  • seine Gefühle kennenlernen,
  • sie aushalten lernen,
  • Fehler machen, aber sich nicht entmutigen lassen,
  • abgewiesen und verlassen werden,
  • allein sein,
  • glauben, man sei schuld, obwohl man es gar nicht ist,
  • Grenzen entdecken und austesten,
  • seinen Körper entdecken und aushalten,
  • hoffentlich auch lieben lernen,
  • finanzielle Einschnitte, die Ausgrenzung fördern,
  • Eltern, die nicht so wollen, wie man selbst,
  • Schul-, Lern- und zwischenmenschliche Probleme:

hoffentlich nicht alles auf einmal, aber mindestens „irgendetwas“ ist meist immer, was auch noch später an einem nagt.

Selbstverwirklichung statt Angst vor VeränderungMiller schrieb noch einen Ausspruch einer ihrer Klienten, der sich stark mit den Empfindungen, die ich bei mir und auch vielen meiner Leserinnen und Leser in ihrer Angst wiederentdeckte, räsoniert – nämlich wie sich viele Erwachsene rückblickend fühlen, nachdem ihnen die Schuppen von den Augen fielen, sie erkannt hatten, wie ihre Kindheit wirklich gewesen ist:

Wie wäre es, wenn ich böse, häßlich, zornig, eifersüchtig, faul, schmutzig, stinkend vor euch gestanden wäre? Wo wäre dann eure Liebe gewesen? Und all das war ich doch auch. Will das heißen, daß eigentlich nicht ich geliebt wurde, sondern das, was ich vorgab zu sein? Das anständige, zuverlässige, einfühlsame, verständnisvolle, das bequeme Kind, das im Grunde gar nicht Kind war? Was ist mit meiner Kindheit geschehen? Bin ich nicht um sie betrogen worden? Ich kann ja nie mehr zurück. Ich werde es nie nachholen können. Von Anfang an war ich ein kleiner Erwachsener. Meine Fähigkeiten – wurden sie einfach mißbraucht?“ (Miller, Auflage 2014, S. 33)

 

Mein Hilferuf

Lao Tzu sagte, dass depressive Gedanken durch Gedanken an die Vergangenheit entstünden, ängstliche wiederum durch welche an die Zukunft und dass nur die Gegenwart Frieden bereithielte.

Was kann ich also tun, fragte ich mich, um die Gegenwart der Kinder zu verbessern, in der Hoffnung, dass ihre Zukunft weniger geprägt ist durch schmerzhafte oder wütende Erinnerungen an die Vergangenheit und gleichzeitig weniger Angst durch sich wiederholende, verletzende Ereignisse in der Zukunft?

Mir bleibt nicht viel, aber immerhin etwas: Ich kann die Gegenwart von Kindern nur dann mitgestalten, wenn ich ihnen etwas gebe, was sie brauchen, und auch da bin, wenn jemand anderes es nicht ist. Was haben die meisten Kinder heute bereits sehr viel mehr als Freizeit- und Lernstress, fragte ich mich?

Internet.

Ich habe also beschlossen, Geschichten gegen Angst zu schreiben (kindgerecht aufbereitet). Sie sind als Hilfe/Unterstützung und Freudelieferant gedacht, die sie beim Erwachsenwerden in dieser Welt, die noch viele Barrieren für sie bereithalten werden, begleiten. Ich habe bereits etliche eigene Themen, aber oft sieht man ja nur seinen Wald und kennt seine Bäume, aber andere nicht.

Und dafür brauche ich deine Hilfe: Würdest du mir deine Kinderängste schreiben? Wovor hattest du Angst? Was hättest du so dringend gebraucht, als du noch klein warst? Welche unsagbaren, großen Träume hattest du, die dir (wegen der vermeintlichen Nichttauglichkeit) von deinen Eltern, Lehrern oder sonst jemandem ausgetrieben wurden? Wie hätte deine ideale Kindheit ausgesehen, wenn es was nicht gegeben hätte? Was würdest du deinem kleinen Ich als Botschaft in die Vergangenheit zurückschicken? Welches Motto oder welche Information hättest du dir damals gegeben, um dich beim Großwerden zu unterstützen?

Um es dir leichter zu machen, könntest du diese Sätze vervollständigen:

Als ich noch Kind war, hatte ich Angst vor ________.

Ich hätte mir gewünscht, dass ________ geschieht/mir gesagt wird/mich beruhigt hätte/ich _______ gewusst hätte.

oder auch

Rückblickend hätte mir ________ am meisten geholfen.

Falls du selbst ein Kind hast (oder mehrere), in der Kinderpädagogik arbeitest, sei es als Lehrer oder Erzieher, oder anderweitig mit Kindern zu tun hast:

Welche Ängste siehst du in den Augen der Kinder? Was macht sie glücklich? Wo purzeln ihre Herzen am stärksten? Was treibt dir die Tränen in die Augen? Was würdest du ihnen Gutes tun, wenn du allmächtig wärst?

Schick mir bitte alles, was dir einfällt, sei es zu dir selbst oder zu den Kindern, mit denen du Zeit verbringen darfst.

Danke für deine Hilfe!

Liebe Grüße,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

 

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