Keine Angst vor Männern, der Liebe und Beziehungen

Keine Angst vor Männern, der Liebe und Beziehungen

 

So wunderschön die Liebe auch sein kann: Sie bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich - besonders, wenn es in der Vergangenheit Ereignisse gab, die einem genug Anlass dazu geben, Angst vor Männern oder Angst vor Liebe an sich zu haben. Aber liegt es tatsächlich an der Liebe und romantischen Beziehungen oder sind es die Männer im Allgemeinen?

 

Was hinter der Angst vor Männern und der Liebe wirklich steckt

Angst vor Männern und der LiebeBei Frauen kann sich die Angst vor Männern und der Liebe unterschiedlich äußern:

Entweder sie sehnen sich nach Liebe (Zuwendung, Bestätigung, Anerkennung) und tun alles, um sie zu bekommen, nur um dann festzustellen, dass sie sie - einmal erhalten und das Herz erwärmt - doch nicht brauchen oder nicht von diesem Mann möchten. Sie glauben schnell, dass sie nicht zueinanderpassen und sind so schnell weg, wie sie da waren. Oder sie spüren die Angst, wenn die erste Nähe stattfindet. Mit jeder Enge in der Brust oder Panik vor der ersten Intimität wollen sie die Flucht ergreifen:

Ich habe Frauen kennengelernt, die krank wurden, weil ihr Körper die Angst durch die geistige und emotionale Überforderung abfangen musste. Einige hatten Panikattacken; andere Frauen verspürten nach kurzer Zeit keine Lust mehr Sex. Vereinzelte Frauen hatten anfangs keine Schwierigkeiten mit Männer, bis sie in eine Beziehung gerieten und emotional abhängig (gemacht) wurden. Mit jedem Tag der Partnerschaft wuchs ihre Angst, dass sie selbst nichts wert waren ohne den Partner. Sie wurden rasend eifersüchtig oder depressiv, ängstlich bis phobisch und immer unzufriedener. Denn eigentlich wollten sie weder abhängig sein noch abhängig machen.

 

Hintergründe & Ursachen: Woher kommt die Angst vor Männern?

(Einige Frauen haben traumatische Erfahrungen mit Männern gemacht. Diese spreche ich im Folgenden nicht an. Es ist in solchen schwerwiegenden Fällen ratsamer, sich dem Thema in einer Therapie zu widmen.)

Doch es liegt nie an den Männern oder der Liebe an sich. Es liegt auch nicht an ihnen als Frau per se. Hinter der Angst vor Männern und der Liebe verbergen sich Muster aus alten Zeiten: Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster, die erlernt wurden, die entweder Angst abwehren sollten oder Angst verursachten. Es sind alte Ängste. Sie stammen nicht selten aus der Kindheit, Jugend oder den ersten Erfahrungen mit der (ersten, großen oder erwachsenen) Liebe.

Viele Frauen haben keine anhaltenden, echten Gefühle der Liebe - gleich, wie sie sich selbst verhielten oder nicht verhielten - gelernt. Sie bringen deshalb in späteren Jahren Liebe nicht in Verbindung mit Freiheit, Glücksgefühl, Geborgenheit oder Zufriedenheit. Sie verbinden sie unbewusst oder bewusst mit Abhängigkeit, Angst, Unterdrückung, Aufopferung, Trennung oder anderweitigem Verlust. Ihre frühen Erfahrungen mit Liebesgefühlen wurden oft schon in ihrer Kindheit von ihren Bezugspersonen unterbrochen, abgewiesen oder an Bedingungen geknüpft.

Bei „normaler“ Angst vor Männern und der Liebe finden wir diese zwei Extreme:

Extrem 1) Fremde Bedürfnisse und Ansprüche an sie waren wichtiger als ihre eigenen. Sie waren in der einschneidenden Lebensphase aufgefordert, sich entsprechend zu verhalten und mehr Rücksicht und Fürsorge für die Mutter, den Vater oder die Geschwister aufzubringen, als sie selbst erhielten oder sich geben wollten. Sie waren überfordert und konnten die emotionalen Leistungen gar nicht erfüllen, bemühten sich aber, um Liebe und Zuwendung zu erhalten. Sie lernten so, dass sie vor allem geben MUSSTEN, um zumindest etwas Liebe zu erhalten.

Oder Manipulationen (Ich liebe dich nur, wenn…) formten ihr Bild davon, wie Liebe aussieht und funktioniert, um sicher und beständig zu bleiben. Das früher Gelernte formte somit das heutige mangelnde Vertrauen in sich selbst versus Männer, Partner, Beziehungen und Liebesgefühle. Um der Angst aus dem Weg zu gehen, leisten sie oft. Sie sind aufopfernd, depressiv, ängstlich oder emotional abhängig.

Extrem 2) Es gab gar keine Forderungen in der Kindheit, Jugend oder in den ersten Liebeserfahrungen. Es fehlte eventuell sogar Liebe von Seiten der Eltern, sei es, weil sie emotional oder lokal abwesend waren. Sie waren so vogelfrei, dass sie zwar machen konnten, was sie wollten, aber dadurch keine (eigene oder fremde) Autorität, Struktur, Grenzen, Umgang mit Nähe und Konflikten oder Kompetenzen kennenlernten.

Mit den ersten (Grenz)Erfahrungen im Umgang mit Männern lernten sie aber schnell, dass andere in einem Rahmen leben, in den auch sie sich pressen müssen, um Liebe in ihrer vermeintlichen Harmonie und Bedingungslosigkeit erleben zu dürfen. Ähnliche Auswirkungen wie beim ersten Extrem zeigen sich hier: Sie werden später oft aufopfernd und depressiv, ängstlich oder emotional abhängig. Sie neigen zu emotionalem Burnout oder ständiger innerer Hektik, um den Bedürfnissen gerecht zu werden. Oder sie verharren in einer inneren Starre, die sie jedes Mal bei Kontakt zu Liebe zurückschrecken lässt und zur Flucht animiert.

Was sich hinter der Angst vor Männern und der Angst vor Liebe verbirgt

Dahinter verbergen sich diese Ängste:

 

Angst vor Trennung und davor, nicht zu genügen

Angst vor Männern und Angst vor TrennungTrennungsangst hat zwei Extreme: die Angst davor, dass man verlassen wird oder davor, sich selbst zu trennen. Hinter diesem Thema versteckt sich auch die Angst, wieder alleine zu sein oder jemanden alleine zu lassen. Aus der eigenen Erfahrung heraus wissen die Frauen, wie es sich anfühlt, verlassen oder missachtet zu werden, wenn sie den Anforderungen anderer nicht genügten. Jemandem dieses Gefühl zu geben, belastet sie. Daher fällt es ihnen oft schwer, offen Kritik zu äußern, dem Mann die eigenen Gefühle zuzumuten, eigene Bedürfnisse anzusprechen und einzufordern, sich Freiräume zu nehmen - oder sei es auch darum, Geschirr an die Wand zu werfen, als Ausdruck ihres emotionalen Zustands.

Sie haben häufig Schwierigkeiten mit Konflikten und Durchsetzung, weil sie damit Verletzung in Verbindung bringen. Sie haben ebenso Angst vor Wutausbrüchen - ihren eigenen und denen anderer. Auf der einen Seite fühlt sich die Kritik des Partners an, als hätten sie versagt. Auf der anderen Seite trauen sie sich nicht, jemandem - meist trotz aller emotionaler Zumutungen des Partners - zu sagen, dass er nicht genügt. Vielen heimlichen Geliebten in Affären geht es so. Viele müssen im Laufe ihres Lebens anhand schwieriger Beziehungskonstellationen lernen, dass es okay ist, nicht zu genügen. Sie dürfen wählen, so wie andere wählen dürfen. Was nicht passt, muss nicht passend gemacht werden. Man darf sich trennen. Was jemand anderes denkt, denkt jemand anderes. Doch kein Partner - und das ist die Lernaufgabe - bestimmt über den Wert der Frau.

 

Angst vor Selbstverlust und davor, überrannt zu werden

Angst vor Nähe und SelbstverlustTrennungsangst kann aber auch bedeuten, dass man sich von sich selbst trennt - oder meint, es zu müssen. Das wiederum nennt sich Angst vor Selbstverlust. „Für die Liebe muss man (sich) opfern.“ Doch was in Romeo & Julia so herzzerreißend schön war, ist ziemlicher Mist im realen Leben. Sich zu opfern, sein Leben in Teilen (Freundschaften, Familie, Beruf/Karriere, Leidenschaften, Zukunftsträume, Bedürfnisse, Grenzen) aufzugeben, entfernt Menschen von sich selbst. Das macht Angst. Natürlich.

Eben weil einige diese Erfahrungen gemacht haben, wissen sie um die Konsequenzen: Bei mir waren es Panikattacken, bei anderen sind es Depressionen. Wiederum andere entwickeln psychosomatische Beschwerden, wenn sie sich der Wucht der Anforderungen nicht zutrauen - oder nicht noch mehr Be-Last-ung tragen können. Viele sind einst blind und vertrauensvoll in den Selbstverlust gestürzt und ahnten nichts Böses, was sich als Trugschluss und große Enttäuschung entpuppte. Liebeskummer ist in ihren Köpfen vorprogrammiert, der bereits früher seine Spuren hinterließ.

Diese Angst soll dementsprechend davor schützen, sich gänzlich zu verlieren - im Dunst anderer Bedürfnisse zu verrennen. Sie ermahnt, dass man zurück zu seiner ersten Natur findet.

 

Angst vor Nähe

Angst vor Männern und der LiebeKommt ein Mann dieser Frau zu nahe, entsteht ein Gefühl der Enge und Einschränkung, als würde man keinen Fluchtweg mehr sehen. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Aus der vormals als weit empfundenen Freiheit wird urplötzlich ein dunkles, enges Verließ, in dem man festgehalten wird. Liebe wird schnell zu einem Gefängnis und streicht alle Möglichkeiten der Selbstentfaltung und Selbstwirksamkeit mit einem Wisch weg.

Frauen mit Angst vor Nähe meinen, Anforderungen erfüllen zu müssen, die mit ihren Wünschen und Vorstellungen kollidieren, um in der Beziehung bleiben zu dürfen. Man findet diese Angst oft, wenn Liebe und Beziehung überstürzt werden. Viele dieser Frauen brauchen es einfach langsam. Das meine ich nicht sexuell, sondern hinsichtlich der Entwicklung und Wahrnehmung ihrer eigenen, wahren Gefühle. Sie leben mitunter mehr in der aufgedruckten, stempelartigen Gefühlswelt anderer und nehmen fremde Emotionen eher wahr als ihre eigenen. Sie sind auf die Beachtung und Befriedigung fremder Gefühle und Bedürfnisse konditioniert.

Zu nahe an ihre Gefühle heranzukommen, äußert sich bei einigen beim Sex. Frauen mit dieser Angst können sich nur schwer fallenlassen, öffnen sich nur wenig und haben eine Barriere, die sie von der Echtheit ihrer Gefühle abspaltet. Es fällt ihnen schwer, anderen ihre Gefühle anzuvertrauen. Viele von ihnen haben gelernt, dass ihre Gefühlsausdrücke negativ interpretiert werden oder ungewollt sind. Sie fühlen sich als Sexobjekt oder als eine Art Puppe, die ihren Zweck in der Beziehung erfüllen soll (gesellschaftlicher Status, Mutterrolle, Geldgeberin, Wunscherfüllerin, „Freundin von-Syndrom“ usw.). Aufgrund früherer Erfahrungen missverstehen sie sich als Erweiterung des Mannes oder können spüren, dass sie nur X für den Mann sind, weshalb diese Angst in ihnen auftaucht. Andere wiederum schämen sich für ihre Gefühle und dass sie welche haben. Sie haben gelernt, dass sie bei Gefühlsausdruck mit Ablehnung oder Spott behandelt werden, weshalb sie sich schämen, wenn sie ihre Gefühle der Freude, Gelassenheit, Hingabe, Begierde, Befriedigung zeigen.

Viele müssen sich erst einmal überwinden, präsent zu sein, sich trauen, zu wollen, teilzuhaben und zu teilen, um wieder Kontakt zu sich und authentischer Liebe zu finden.

 

Angst vor Liebe und vor Glück

Angst vor Liebe und Angst vor GlückWer eine Menge mieser Erfahrungen gemacht hat, wird nicht selten zum Besserwisser und meint in jedem Menschen, Mann und Frau, jemanden zu erkennen, den man „schon mal hatte“. „Das kenne ich schon! Danke, nicht noch einmal! Damit bin ich durch!“

Wieder neu an die Liebe und die Individualität der Menschen glauben zu lernen, ist nicht für jeden so leicht. Aber es ist möglich, wenn man sich auf die positiven Charaktereigenschaften des neuen Menschen konzentriert, statt auf die negativen eines Verflossenen.

Und auch wenn viele Männer heute versuchen, dem Stereotypen des harten/charmanten/erfolgreichen Kerls oder … (Platz für deine Gedanken) … zu entsprechen, so gleicht doch dem keiner dem anderen. Auch Männer (alle!) haben Ängste. Sie sind menschlich.

 

Angst vor der Zukunft

Eng verbunden mit all den benannten Ängsten ist die Angst vor der Zukunft. Sie konzentriert sich im Wesentlichen auf die Angst vor dem Ungewissen, dem Neuen und Unbekannten. Was, wenn er fremdgeht? Was, wenn ich nach zwei Jahren doch keine Familie mehr will? Was, wenn wir nicht zusammenpassen? Was, wenn wir unsere Unterschiede nicht ausbügeln können?

Oft tauchen sehr verheerende und Hiobsbotschaft-ähnliche Antworten auf:

„Dann hast du deine Freiheit oder XYZ aufgegeben…
dann ist nichts mehr so, wie es früher war…
dann muss ich wieder von vorn anfangen…
dann habe ich meine besten Jahre verschenkt…
dann kann ich nicht mehr tun (und lassen), was ich möchte…
dann…
dann…
dann…

lasse ich es doch lieber gleich sein und nichts Böses kann geschehen.“

Frauen können diese Angst sehr oft durch erlebte Sicherheit, Geduld und Verständnis des Partners, langsame Schritte und die Gewöhnung (sowie Freude) an der zukünftigen Situation auflösen. Sie wachsen langsam hinein, statt wie in ihrer Angst, ins Dunkle reingeschubst zu werden, ohne den Weg zurück zu finden. Sie dürfen sich auch daran erinnern, dass jedes vermeintlich noch so große „Problem“ eine Lösung birgt, die nur gesucht und umgesetzt werden braucht. Sicher aber sind sie immer. Und sollte doch alles grundsätzlich schlecht und unzufrieden ablaufen, dürfen sie ruhig gehen und ihr Glück woanders suchen. Doch so mancher Versuch hat Schönes und Wertvolles gebracht, wenn man sich einmal getraut hat. Der Preis ist wie so häufig Vertrauen und Zuversicht.

 

Angst vor sich selbst und der eigenen Größe

das böse Mädchen in dir und in mirDoch wer Angst vor der eigenen Größe hat, scheut das Unbekannte an sich. Frauen mit dieser Angst fürchten sich vor allem vor den Reaktionen anderer auf ihre Tiefen und Höhen. Sie möchten weder verletzen noch ihre Glaubensmuster einstürzen sehen. Sie brauchen ihre aufgebauten Sicherheiten, auch wenn einiges Komfortzonen-Material ist. Sie haben zudem oft Angst vor plötzlichen Kehrtwenden. (Wenn ich rundum glücklich wäre, würde bestimmt etwas Böses geschehen, um das wieder auszugleichen.)

Einige von ihnen haben auch gelernt, dass sie nicht rundum glücklich sein dürfen. Dies rührt wieder aus ihrer Kindheit oder Jugendzeit, in der ihnen ihr Glück madig gemacht wurde. Oft zeigen sich solche Signale in Neid/Eifersucht anderer auf ihre Talente und Fähigkeiten, Erfolge oder Lebensbereiche. Viele kennen fremde Schadenfreude oder aber Menschen, die ihnen ihre großartigen Ideen mit Angst ausreden wollten/ausgeredet haben. (Also ich weiß nicht. Mach das lieber nicht. Bleib lieber bei XYZ, dann geht auch nichts schief. Wenn du meinst, das unbedingt machen zu müssen, meinetwegen, aber…Androhung einer Konsequenz...) Solche Worte spiegeln immer wider, dass jemand enttäuscht sein würde, sie schüren Angst und so das Gefühl, man müsse klein bleiben oder dürfe sich nicht vom Leben wünschen und nehmen, wonach man sich zutiefst sehnt.

 

Handlungsempfehlungen bei Angst vor Männern und Angst vor Liebe

Die folgenden Methoden entstammen meiner Praxis. Am besten ist es, man probiert sich einmal durch und schaut, welche am wirksamsten für sich und seinen individuellen Fall sind.

Menschlich sein lassen: Idealbilder auflösen

Wir bilden uns oft ein, dass jemand, den wir toll finden, größer ist als wir. Wir idealisieren denjenigen, sprechen ihm Ängste und Schwächen ab und verstärken stattdessen unsere eigenen. So fühlen wir uns klein, wertloser oder dessen Kontakt und Zuwendung nicht würdig. In Wahrheit ist er mehr und gleichzeitig weniger als du. Er ist ein Mensch mit einer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftsträumen für verschiedene Lebensbereiche. Es hilft, wenn wir dieses Bild auflösen und uns an den wahren Menschen erinnern. Die Abbildung zeigt, was ich meine: die verschiedenen Facetten eines Menschen.

Dasselbe können auch Frauen tun, die an ihrem Selbstwert zweifeln. Jeder Mensch hat viele Facetten. Im Coaching sprechen wir auch vom Inneren Team. Mit dem kann man arbeiten, hat man erst einmal erkannt, was Richard David Precht mit „Wer bin ich - und wenn ja, wie viele“ ausdrückte:

Oft spricht vor allem das kleine Mädchen aus Frauen, ihr inneres Kind, und lenkt in der Liebe ein. Bei anderen ist es eine strenge Bezugsperson oder die dämliche und neidische Freundin von früher, die ihnen Liebe verwehren und Angst machen wollte. Die Stimmen zu identifizieren aber ist der Schlüssel. Sich dann daran zu erinnern, dass man heute eine erwachsene Frau ist und die Vergangenheit vorbei, bringt dich einen Schritt weiter.

 

Erinnerungen schaffen: Ein Video für Mut aufnehmen

Wer sich in einigen Momenten stark und fähig fühlt, aber in anderen wiederum schwach und unwürdig, dem könnte es helfen, sich starke Sätze auszudenken, die Mut zusprechen. Nimm diese mit deinem Handy auf (entweder als Tonaufnahme oder idealer als Video). Das nächste Mal, wenn du ins Straucheln gerätst, kannst du dir deine Sätze in Erinnerung rufen, indem du dir das Mut-Video ansiehst oder deine mutmachende Stimme anhörst. Es ist gut, wenn du selbst die Person bist, die dir den Mut zuspricht. Die eigene Stimme beruhigt und heilt.

 

Angst entmystifizieren: Gib deiner Angst ein Gesicht

(Bitte diese Übung nur machen, wenn du dich stabil fühlst oder in therapeutischer Begleitung bist.)

In der Schreibtherapie habe ich gern diese Übungen angeboten: Wenn du Angst hast, stelle dir vor, sie sei eine Person. Beschreibe sie so detailliert, wie es dir möglich ist.

  • Welches Gesicht hat deine Angst vor Männern?
  • Ist sie weiblich oder männlich?
  • Klingt sie ruhig, einschüchternd oder schrill?
  • Trägt sie einen Anzug und Krawatte oder Jeans und T-Shirt?
  • Sitzt sie trinkend auf dem Sofa oder mit einer bildhübschen Frau im Café?

Wann immer die Angst erneut auftaucht, erinnere dich an diese Person oder Gestalt und sprich mit ihr Klartext. Schicke sie aus dem Zimmer, aus deinem Kopf, verbanne sie für diesen Tag oder die Nacht, aber halte sie im Zaum. Wer so seiner Angst begegnet, erkennt, dass es sich nicht um eine fremde, übermächtige Angst handelt, sondern um sein ureigenes Gefühl. Doch du bist nicht dein Gefühl. Du bist nicht Angst. Sie abzuspalten, indem man sie separat wahrnimmt, kann helfen, sich neutral zu betrachten.

 

Ständig Angst im Referendariat: Wie du psychische Probleme überwindest

Ständig Angst im Referendariat: Wie du psychische Probleme überwindest

In einer derartig belastenden Dauersituation wie dem Referendariat für Lehramt liegt es nahe, dass der Körper irgendwann zu härteren Bandagen als „bloß Stressgefühle“ greift, um sich zu schützen: Das ist auch der Grund, weshalb Referendare für Lehramt ständig Angst im Referendariat haben. Angst, Panik und depressive Verstimmungen sind allesamt Signale des Körpers, um dich in deiner Existenz vor weiterem, negativem Stress zu schützen. Was das Gehirn nicht weiß: Du kannst dir nur mit Konsequenzen aussuchen, ob du diesen Unterrichtsentwurf erst in zwei Tagen schreibst oder ob du den Text, der dir auf die letzte Sekunde geschickt wurde, nicht liest. Dein Ego entscheidet das jedoch für dich.

Leider ist die fehlende Kenntnis über bestimmte, wirksame Methoden gegen Stress-Ängste oft der Grund für den Abbruch vieler Referendare. Dabei wäre es nur nötig, geeignete Strategien für den Umgang mit Stress und Angst zu kennen und in den Alltag zu integrieren. Das sollte natürlich auch in der Zukunft geschehen, nicht nur bis zum 2. Staatsexamen im März/April. Die berufliche als auch private Zukunft wird immer wieder Zeiten mit erhöhtem Stress bringen. Mit Stress angemessen und achtsam umzugehen und sich neu kennenzulernen, ist daher unerlässlich. Dieser Artikel liefert dir einige Antworten, wie du das ermöglichen kannst, um die ständige Angst im Referendariat zu überwinden und psychisch stabil zu bleiben.

Wieso du ständig Angst im Referendariat hast: Gehirn & Ego

 Dein Gehirn weiß zwar, dass es Unmengen von Ansprüchen gerecht werden muss, will das aber nicht - nicht auf die dir gewohnte Art und Weise. Denn man kann sich nur aussuchen, wie man auf den Stress reagiert. Deinem Ego aber ist es wichtig, vor den Studienseminarleiter/-innen, Fachleiter/-innen und Schulleiter/-innen sowie Begleitern/Mentoren und Schülern/Eltern zu brillieren, nicht zu versagen. Mit allen Mitteln (wie ich annehme). Jeder Referendar hat seine eigenen, individuellen Gründe dafür. Doch der menschliche Überlebens- und Lebenserhaltungsinstinkt hält davon wenig.

Das Kontrolliert- und Beobachtetwerden, die häufige und unerwartete bzw. als unangemessen empfundene Kritik, das Gefühl, plötzlich wieder ein kleines Kind zu sein, dass „erzogen“ werden soll/muss, gepaart mit dem sklavereiähnlichen Zeit- und Termindruck, lösen, nach anfänglichen, kleinen Stressreaktionen, sehr schnell Angst und Panik als Überlebensinstinkt aus.

wenn du ständig angst im referendariat hast, musst du stressoren ausschalten lernen. das ist möglich.Gegen Stress und Angst nutzt du alte, dir bekannte und damals als wirksam gelernte Stressreaktionsmechanismen. Vielleicht tust du noch mehr, schläfst noch weniger, verbirgst deine Tränen, isolierst dich aus deinem Freundeskreis oder vernachlässigst deine Familie und/oder Beziehung. Einige vergessen zu essen oder nehmen vermehrt Alkohol und Tabak als Weg, um die negativen Stressgefühle zu dämpfen. Andere wiederum versuchen tagtäglich zu funktionieren und werden zu wahren Schauspielern, indem sie so tun, als würden sie dem System zustimmen, während sie eigentlich im Inneren nur noch Abwehr und Ablehnung empfinden.

Fakt: Angst entsteht, je mehr du etwas oder jemanden und die deshalb folgende Angst abwehrst. Mit deiner Angst zu arbeiten, ist der Weg hinaus. 

Deine damaligen, als wirksam empfundenen Stressabwehrtaktiken wie Diplomatie, Leistung entgegen deinen Ressourcen, Lächeln und Ja sagen, Funktionieren als falsche Loyalität bis zum Umfallen usw. funktionierten damals vielleicht gut. Doch heute kann das anders sein. Unterschätze dein Gehirn nicht: Es weiß, dass du heute erwachsen bist. Es hat sich deine Erfolge und Misserfolge, deine Ziele und Gründe dafür sehr genau gemerkt. Es hat sich vor allem eingeprägt, wie du drohende Misserfolge (wegen den folgenden Gefühlen und Emotionen wie Angst, Scham, Ekel, Traurigkeit usw.) verhinderst.

 

Einige Referendare können diesen Stress scheinbar leichter oder besser abwehren, andere wiederum leiden unter anhaltenden psychischen Problemen, die an Angststörungen, Depressionen (Burn-out) und Panikstörungen erinnern - oder zu einer werden. Das liegt daran, dass Erstere andere, für diese stressige Situation besser geeignete Stressbewältigungstechniken nutzen - größtenteils unbewusst.

Angst ist also Stress. Aus lang anhaltendem Stress erwächst zwangsläufig Angst. Ich möchte an dieser Stelle die renommierte und wunderbare Psychoanalytikerin Verena Kast zitieren:

Angst ist für uns ein sehr vertrautes Gefühl, ob wir dazu stehen oder nicht. Es scheint ja ein ausgesprochenes Ideal zu sein, dass der Mensch möglichst angstfrei zu sein hat. Deshalb wohl haben wir auch so viele Ausdrücke für Angst, die die Angst auch ein stückweit bemänteln. So sagen wir etwa, dass wir angespannt sind, verwirrt sind, nervös sind, oder man spricht von Stress. (Vom Sinn der Angst, Herder Verlag, 2014: S. 9)

Stress ist mit seinen Symptomen jedoch nur Schritt 1 auf dem Weg zu härteren Mitteln deines Körpers: Angst und Panik sowie Depressionen sind der letzte Schritt, der letzte Hebel deines Körpers, um dich zum Umdenken zu bewegen.

Natürlich wollen die Leitern während deines Refs nur die Stärken sehen, nicht aber deine Angst. Wenn du tief in dich hineinhörst, wirst du ebenfalls eine Stimme finden, die dasselbe von dir verlangt: Hab keine Angst. Zeig sie nicht. Reiß dich zusammen. Deine Angst zu zeigen und sie zu betiteln ist für viele Leiter ein eben solches Schwächegeständnis. So sortieren sie aus (obwohl Deutschland Lehrer braucht): Die Resilienten kommen in den guten Pott, die Unfähigen in den Kropf. Doch deine Angst nicht zu zeigen, sie zu verstecken, ist das Schlechteste, was du tun kannst.

Ich möchte dir daher im Folgenden Wege zeigen, wie du deine Angst kontrollierbar und doch akzeptierbar kannst.

Heftige Reaktionen deines Körpers auf die Situation im Referendariat werden vom Körper durch diese allgemein bekannten „Symptome“ angedeutet:

  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen (beim Einschlafen und Durchschlafen)
  • Blockaden (Schreibblockaden, Kreativitätsblockaden)
  • Rückzug und verminderte soziale Kontakte
  • häufiges Weinen nach der Schule, wenn du Zuhause bist
  • morgendliches Herzrasen nach dem Aufstehen
  • Verdauungstörungen, verminderter Appetit
  • Drang, dein gestresstes ICH zu betäuben (durch Alkohol, Kaffee, Tabak, Zucker, Fernsehen etc.)
  • Vernachlässigung deiner Lieblingsbeschäftigungen
  • mangelnde Fähigkeit, dich zu freuen
  • Sexunlust
  • Unfähigkeit, dich zu entspannen oder „runterzukommen“
  • schnelle Reizbarkeit und Wutausbrüche
  • Grübeleien
  • stete Sorge/Angst vor dem Ungewissen (was kommen und/oder geschehen wird, wenn…)
  • usw.

Wenn du diese bei dir findest, ist es Zeit, deine Situation neu zu überdenken und für dich und deine Gesundheit im Referendariat einzugreifen. Doch auch um diese erst gar nicht aufkommen zu lassen, können dir einige meiner folgenden Strategien bzw. Einsichten helfen.

 

So wird aus etwas Stress ständige Angst im Referendariat

Müdigkeit, Erschöpfung und ständige Angst im ReferendariatPsychische Stressreaktionen sind zum Beispiel Ärger, Angst, Leistungsdruck, aber auch Freude und positive Überraschungen. Leider unterscheidet der Körper nicht zwischen positivem und negativem Stress. Was Stress triggert, sogenannte Stressoren, triggert demnach auch mittel- und langfristig Angst. Das hängt mit den Stresshormonen Kortisol (auch Cortisol), Kortison, Noradrenalin und Adrenalin zusammen. Wenn du einen Schreck bekommst, wird zuerst das sogenannte CRH (Corticotropin-Releasinghormon) ausgeschüttet, gefolgt von Kortisol und Kortison. Außerdem wird Nor- und Adrenalin innerhalb weniger Sekunden ausgeschüttet.

Die letzten beiden Hormone sind Nervenbotenstoffe und dienen der Energielieferung bei angsteinflößenden Situationen. Bei stressigen oder ängstlichen Situationen wird leider zuviel von beiden ausgeschüttet, um dich schnell zu mobilisieren und so der vermeintlichen Gefahr schnell entfliehen zu können. Die Bereitstellung der Energie liegt aber auf der körperlichen, nicht der geistigen Ebene, d. h. du kannst ungeahnte körperliche Kräfte mobilisieren, nicht aber besser oder schneller denken. Ganz im Gegenteil sogar: Die beiden Hormone blockieren dein Denken absichtlich.

 

Somit haben wir die Erklärung für Rede- und Prüfungsängste, aber auch alle anderen Situationen, in denen einen Bewertung stattfindet, die mit Stress und/oder Ängsten zu tun hat. Eigentlich baut sich Stress/Angst schnell auf und auch wieder ab, d. h. der Hormonspiegel sinkt ähnlich schnell wie er auch anstieg. Doch  bei bei langanhaltendem Stress und Angst kann nicht abgebaute Angst den Körper aus dem Gleichgewicht bringen. Bleiben die Hormone dauerhaft zu hoch, so können selbst die kleinsten Stress- und Angstumstände, die sonst keinerlei Angst auslösten, nun heftige Angstattacken und Panikattacken herbeiführen.

Genau das ist der Grund, weshalb es ratsam ist, vor und in Stress- und Angstsituationen BEWEGUNG einzuleiten oder zu SCHREIBEN.

 

Mach mal Platz, liebes Gehirn

 Die Ursache, weshalb immer und überall Sport und Schreiben als befreiend und beruhigend genannt wird, ist die, dass dein Gehirn bei beiden Tätigkeiten gezwungen ist, Platz zu schaffen. Es muss sozusagen die ungebetenen Gäste auf den besten „Plätzen“ hinauswerfen, um die Ressourcen für Bewegung und Psychohygiene frei zu machen. Studien zeigen, dass Schreiben selbst kurz vor Prüfungen, als auch in Panikattacken, kurzfristig zu Angstverminderung und damit zu Leistungssteigerung führt.

Als wirksame Methoden für Bewegung kann ich daher empfehlen:

  • Progressive Muskelrelaxation (Ein sehr gutes YouTube-Video mit Anleitung findest du hier.)
  • kurzfristige, schnelle körperliche Bewegungen (auf den Boden stapfen, Luftboxen, Arme um den Körper schlenkern lassen, auf der Stelle laufen, Sit-ups, Liegestütze, high intensive training)

Wenn deine Klasse allgemein unruhig ist und nur schwer auf den Stühlen sitzen bleiben kann, kannst du körperarbeitsorientierte Bewegungen UND gleichzeitige Verminderung deiner Angst kombinieren. Die Schüler/-innen werden danach ruhiger und konzentrierter arbeiten können und du bist gelassener und entspannter, angstfreier.

Fakt: Im Unterricht als Lehrer/-in bzw. Referendar/-in zu stehen statt zu sitzen, lässt dich angstfreier sein.

unzufriedene-maenner-in-beziehungen-gefangenInsofern es möglich ist, möchte ich dir das Angebot machen, immer drei bis sieben Minuten Bewegung zu Beginn der Unterrichtsstunde einzubauen. Die Schüler/-innen sitzen den ganzen Tag, haben kaum Bewegung und ihr Körper drängt darauf, dass sie ihre Energien ausbalancieren. Es entlastet das Gehirn, wenn du sie in Bewegung setzt. Und nein, das deutsche Stillsitzen-Prinzip ist nicht gut, es ist  neurowissenschaftlich betrachtet Mist. Lass sie hüpfen, ihre Arme hin- und herschlenkern, luftboxen (mit genug Abstand zu MItschüler/-innen), im Klassenzimmer im Kreis herumgehen, tief ein- und ausatmen (Stoßatmung), die Arme hinter den Rücken und über den Kopf dehnen, sodass Schulter- und Nackenbereich sowie Rückenmuskulatur ordentlich gedehnt werden. Dieselben Übungen rate ich auch dir, um kurze körperliche Entlastung in deinen stressigen Alltag einzubauen.

Als wirksame Methoden für Schreiben zeigt meine Erfahrung als Schreibtherapeutin, dass folgende am besten geeignet sind:

  • Führe tagebuchähnliche Notizen (handschriftlich!) vorher und/oder nachher, abends oder morgens auf dem Weg zur Schule:
    • „Ich habe Angst, dass ich die Schüler/-innen in der Stunde wieder nicht ruhig bekomme.“
    • „Ich habe echte Panik, dass ich wieder so stark von den Fach-, Studienseminar- und Schulleitern, Mentoren/Begleitern etc. in der Nachbesprechung kritisiert werde.“
    • „Ich kann die sowieso nicht leiden. Oder haben sie vielleicht recht?“ Völlig egal, was dir in den Sinn kommt: Raus damit und das auf Papier.
  • Abends bzw. vor Stresssituationen mind. drei Aspekte deines Tages/jetzigen Lebens, für die du dankbar bist, aufschreiben (handschriftlich!!!)
  • Grundsätzlich ist es am produktivsten und stärksten entlastend, wenn am Abend bereits darüber nachgedacht wird (mit Entscheidung), was am kommenden Tag be- und abgearbeitet wird. Daran sollte sich dann auch gehalten werden. Eine kleine, festlegende Liste mit drei bis vier (!!!) Zielen für den kommenden Tag hilft dabei, lästige Gedanken abzuschalten.
  • Es empfiehlt sich vor allem, um deine Motivation und deine realistische Zukunft im Blick zu behalten, dich aus der gezwungenen und opferbedächtigen Situation mental zu befreien, wenn du täglich drei bis vier (!!!) Ziele für Grund, dein Ref zu bestehen, aufschreibst. Dazu kann man sich auch Gedanken darüber machen, wieso man den Beruf Lehrer gewählt hatte. Das beides in Verbindung hält Motivation und Tatkraft aufrecht.

Alle diese Methoden aus der Schreibtherapie eignen sich auch als erste Aufwärmübungen vor wichtigen Inhalten im Unterricht oder Klausuren. Es löst die Angst der Schüler/-innen und zeigt ihnen, dass dir ihr Wohl am Herzen liegt.

 

Dein inneres Kind hat ständig Angst im Referendariat, nicht du

das kind in uns hat ständige angst im referendariatWann Angst bei einem Menschen auftritt, ist immer abhängig von der jeweiligen Konstitution der Person, d. h. es spielt eine Rolle, wie du aufgewachsen bist, was du in deiner Kindheit als Schutzmechanismen gelernt hast, wie deine Bezugspersonen dir gegenüber waren und wie du daraus entstehend dein Leben aufgebaut hast. Es ist von Wichtigkeit, wie du heute lebst, wie stark deine sozialen Kontakte sind, wie wichtig oder unwichtig es ist, dass du ausgerechnet den Beruf Lehrer lernen willst, wie hoch deine Lösungskompetenz ist und vor allem, wie du mit Stress umgehst.

Angst wird oft ausgelöst, wenn wir in unberechenbare, ungewisse und ablehnende Situationen geraten. Sie wird ausgelöst, wenn unser Gehirn an frühere Situationen erinnert wird, die wir nicht mit unserem gewohnten Verhalten in Konflikten lösen können. Heute bist du - wie so viele Menschen - froh darüber, dass deine Kindheit aufgrund der negativen Aspekten vorbei ist und du dir nichts mehr sagen lassen musst. Deine Schüler/-innen warten sehnlichst auf diesen Moment in ihrem Leben. Wenn du sie verstehen lernen willst, lerne, dich zu verstehen, wie es dir damals ging. 

Ein Beispiel: Wenn du so aufgewachsen bist, dass du dich nur an die äußeren Umstände angepasst hat, weil du musstest, wenig Freiheiten hattest (aber deine Wünsche und Bedürfnisse durchaus wahrgenommen hast und sie kanntest), und dennoch tatest, was andere von dir wollten, dann könnte der rebellische Anteil in dir ständig Angst im Referendariat auslösen. Dieser rebellische Anteil ist das wütende Kind in dir, ähnlich einem Schüler, der nicht versteht, wieso er dieses Thema, das du so gewissenhaft vorbereitet hast, lernen und wissen soll. Ähnlich wie sture und unzugängliche, störende Schüler und Schülerinnen, hört der Anteil deines Kindes einfach weg, wenn der elterliche Teil in dir sagt: „Aber du musst das jetzt machen, sonst…!“

Mit denselben Lernerfahrungen in Bezug auf dein Verhalten, könnte dir dieselbe Situation im Referendariat leichter fallen als anderen. Voraussetzung hierfür ist, dass du diese bis heute nicht hinterfragst oder eigene Gedanken zu deinem Leben entwickelt hast. Wenn du diese aber hast (was wahrscheinlich ist), dann klaffen genau diese gegen die aufgezwungenen und nach Anpassung bettelnden Umstände.

Das angepasste Kind in dir weiß: Ich habe keine Wahl, sonst drohen Konsequenzen. („Ich brauche Liebe und Harmonie, sonst ist mein Umfeld nicht zum Überleben gemacht. Damit gehe ich ebenso unter. Und ich bin abhängig vom Frieden, nur so bekomme ich, was ich brauche: Anerkennung.“)

angst-vor-der-angst-ueberwindenDas Erwachsenen-Ich weiß: Völlig egal, ich stehe das durch. Ich bin erwachsen und weiß meine Angst zu handhaben. Das sind die logischen Gedanken, die aufpoppen. („Ich habe bislang alles geschafft, was ich schaffen wollte. Ich habe viele Erfolge aufzuweisen. Sie (die Leiter/-innen) meinen die Kritik nur gut. Die meisten verfolgen ein positives Ziel. Vielleicht habe ich sie falsch verstanden oder sie haben es nicht zielgerichtet genug ausgedrückt. Sie hatten es genauso schwer. Einige mögen absichtlich willkürlich handeln oder ihre Macht missbrauchen. Aber ich weiß, dass ich darüberstehen kann und darf. Ich vertraue mir. Was ich heute nicht weiß, kann ich morgen dazulernen. Die Schüler/-innen wollen genauso wenig lernen wie einige der Schüler/-innen, die ich aus meiner eigenen Schulzeit kenne.“)

Das freie Kind in dir weiß: Ich bin kein Kind mehr. („Ich habe mein Studium erfolgreich abgeschlossen. Ich habe einiges in meinem Leben bewältigt. Ich dachte, wir wären durch mit dem „Du musst, du sollst, du darfst nicht!“. Ich darf heute alles. Ich bin wertvoll. Wieso seht ihr das nicht? Also was fällt euch eigentlich ein? Ich gebe mir hier so viel Mühe und ackere mich dumm und dämlich und ihr? Verhaltet euch so einseitig und undankbar, seid negativ, willkürlich, eigensinnig und kümmert euch nur um euch. Statt uns zu fördern oder mal in Ruhe zu lassen, haut ihr nur noch drauf.“)

Sich vor Augen zu halten, dass hier nicht der Erwachsene, sondern entweder das freie oder angepasste Kind (oft auch beide gleichzeitig) in dir rebelliert, kann viel erleichtern und für mehr Kritikfähigkeit sorgen. Denn das erwachsene Ich in dir weiß auch, dass es andere, bessere Wege gibt, mit Stress und Angst umzugehen. Es weiß, dass diese Situation neutral zu bewerten ist - und vorübergehen wird. Das Kind-Ich will nicht noch mehr Anpassung. Es leidet entweder wie ein Opfer einer Gewalttat (auch verbale Gewalt ist emotional schädlich) oder es reagiert mit heftigen Wut- und Panikausbrüchen.

 

Statt Psychopharmaka: Natürliche Mittel gegen Stress & Angst im Referendariat

antidepressiva-absetzen-wieEs ist aufgrund dummer und unüberlegter Beschlüsse Deutschlands schwer bis schädlich, sich wegen psychischer Probleme krankschreiben und/oder Psychopharmaka verschreiben zu lassen. Sonst droht der Ausschluss vom Beamtentum und es folgen erhebliche Lohn- und Anstellungseinbußen.

Es gibt zum Glück genug andere Gründe, weshalb du lieber andere, natürliche Mittel gegen Angst und Stress zurückgreifen solltest. Erstens sind Psychopharmaka nur gegen die Symptome. Sie machen aber nichts gegen deine Reaktionen auf Angst oder Stress und ändern auch nicht die Existenz der stressigen Situationen, die deine berufliche Zukunft als Lehrer/-in bereithalten wird. Sie unterdrücken lediglich neuronale Impulse und leiten sie um oder animieren die Ausschüttung von Glückshormonen anstatt Stresshormonen. Setzt du sie wieder ab, kommt auch deine Angst zurück.

Die heftigsten Symptome von Stress und nicht abgebauter Angst (hoher Blutdruck und Kreislauf- sowie Temperaturempfindlichkeit, Herzrasen, verspannte bzw. verkrampfte Muskulatur, geringes Lust- und Freudeempfinden, verminderte Verdauung) können auf einfache Weise ausgeschaltet werden. Es nutzt daher mehr, wenn du bereits jetzt mitten im Ref an deinen Reaktionen auf Stress arbeitest und dir homöopathische und natürliche Mittel als Unterstützung wählst. Diese sind:

1. Neurodoron® Tabetten von Weleda (in allen Apotheken erhältlich bzw. bestellbar)

Eine Mineralkomposition. Neurodoron® stärkt die Nerven bei Stress und Erschöpfung und stabilisiert das seelische und körperliche Gleichgewicht. Sie werden meist als Erstes von naturheilkundlich orientierten Ärzten verschrieben, wenn man Angst- und Paniksymptome aufweist. Man lutscht sie; sie sind geschmacksneutral. Es empfiehlt sich aufgrund des Preises gleich die 200 Stück-Packung für rund 20 Euro (und damit versandkostenfrei) zu kaufen. Die 80 Tabletten-Packung ist vergleichsweise mit rund 12-13 Euro + anfallendem Versand überteuert und schnell aufgebraucht.

Man nimmt 2-4x am Tag eine Tablette, in akuten Situationen bis zu zwei Wochen lang. Neurodoron® ist eine natürliche Hilfe an, die das Nerven- und Sinnessystem stabilisiert und so hilft, bei stressbedingten Angst- und Unruhezuständen, Kopfschmerzen und depressiven Verstimmungen wieder bei sich anzukommen. Diese  Neurodoron Tabletten in 200er Form sind u. a. am preisgünstigsten in der Onlineapotheke DocMorris erhältlich.

2. Chlorophyll, Antioxidantien und Vitamine gegen freie Radikale

mittel gegen angst und stress GerstengrassaftStress, aber auch zusätzlich belastende Lebensweisen wie Rauchen, Alkohol, kein Sport, viel Zucker, Kaffee usw. geben freien Radikalen das Go, Zellen ihre Energie zu rauben. Stattdessen brauchen diese aber Unterstützung, um die belastende Situation mit voller Wucht abprallen zu lassen und genug Energie zur Verfügung zu haben, um sich zu entspannen (auch dazu braucht man Kraftressourcen) und Schädliches abzuwehren.

Wer es schnell und effektiv mag, der sollte auf Gerstengrassaft zurückgreifen. Dort ist alles enthalten, was gegen freie Radikale wirkt. Gerstengrassaft strotzt nur so vor Vitamin C, Vitamin B12 (!!!), Vitamin B1, Vitamin B2, Niacin sowie Pyridoxin. Besonders reich enthält es Mineralstoffe. Es finden sich Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium (!!!), Natrium, Phosphor, Zink (!!!), Schwefel und Kupfer in hohen Konzentrationen darin.

3. Entgiftung des Darms 

Während Gerstengrassaft aufbaut, entgiftet Bentonit, eine besonders gute Heilerde, den Darm. Der Darm registriert jeden Stress und funkt diesen an dein Gehirn zurück. Bentonit bindet negative Stoffe und sorgt für eine Ausleitung über den Stuhlgang. Daher empfiehlt es sich, Bentonit morgens und abends einzunehmen. So verhindert man zudem, dass der Magen-Darm übersäuert und durch den Stress Magen-Darm- und allgemeine Probleme hinsichtlich Nahrungsverträglichkeiten verursacht werden. Diese sind nicht immer nur platt Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen.

Eine Übersäuerung (allein durch Stress) kann sich bereits in Blähungen, plötzlichen Nahrungsunverträglichkeiten, verstärkten Allergien, Einschlafproblemen und häufiger Müdigkeit mit Erschöpfungssymptomen bemerkbar machen. Bentonit bindet die negativen Stoffe, während es die positiven erkennt und belässt. Es ist in Kapselform erhältlich und am preisgünstigsten bei Amazon erwerbbar, da der Versand entfällt. (Die Pulverform kann ich nicht empfehlen.)

4. Einfache Ernährung

Ich zähle im Folgenden einfache Nahrungsmittel auf, die wissenschaftlich bewiesen zur Glücksnahrung zählen:

  • Nüsse, besonders Walnüsse und Cashewnüsse (!!!) sowie Mandeln
  • Weintrauben und Weintraubensaft (Ja, auch ein Glas Wein tut es, aber wer ein zweites trinkt, der hebt die entspannende Wirkung vom ersten wieder auf.)
  • rohe Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, Lauch
  • getrocḱnete Bananen (Die traditionelle chinesische Medizin rät sogar dazu, sie vor dem Schlafengehen zu essen. Sie enthalten sehr viel Magnesium und beruhigen den Geist. Frische Bananen enthalten genauso viel bzw. wenig Magnesium wie Avocados und Him- bzw. Brombeeren. Die Beeren hingegen enthalten wiederum sehr viel Flavonoide, die sich auch in Rotkohl und Äpfeln sowie Cranberries in hoher Dosis finden. Sie unterstützen den Körper im Kampf gegen freie Radikale, wirken antibakteriell und antiviral und fördern so die körpereigene Abwehr.)
  • Kamille und Roiboos-Tees (idealerweise doppelt dosiert, also am besten mind. zwei Teebeutel auf eine Tasse, um schnell Ruhe einzuleiten)
  • Zitrusfrüchte und frisch gepresste Säfte (nicht abends)
  • saftig rote Tomaten
  • Obst und Gemüse in frischer, nicht zerkochter Qualität
  • warme Mahlzeiten (mind. eine am Tag)

5. Mineralkomposita 

sundheitliche-strategien-und-wege-aus-der-angst-vor-der-angstEs gibt neben Neurodoron eine Komposition, die ich bis heute nehme: Schindeles Mineralien™. Sie sind ein Gesteinsmehl mit vielen Mineralstoffen und Spurenelementen, die in Zeiten hoher Stressbelastung und entsprechender Auswirkung auf den Körper gegenwirken. Die Notwendigkeit dieser Stoffe für die Erhaltung der Gesundheit wurde von der Wissenschaft vielfach nachgewiesen: Es handelt sich um Kieselsäure, Silizium, Magnesium (!!!), Eisen (!!!), Calzium, Kalium, Mangan, Natrium, Zink (!!!), Kupfer, Barium, Chrom, Nickel, Kobalt, Vanadium, Titan, Bor und Molybän.

Was durch die tägliche Einnahme des empfohlenen einen Löffels geschieht: Du wirst einen enormen Energieschub verspüren und Freude, die jedenfalls mir extrem positiv auffiel. Du wirst besser und tiefer schlafen und vor allem eine bessere Verträglichkeit von Stress spüren. Allein der hohe Eisen- und Zinkgehalt in dem Gesteinspulver sorgt dafür, dass Stress besser ausgehalten wird und Müdigkeit, Erschöpfung und depressive Verstimmungen verschwinden. (Achtung bei der Eisenspeicherkrankheit: Nicht nehmen.)

In Fällen von Schwangerschaft gilt es, sich vor Einnahme der natürlichen Mittel gegen Angst mit einem Arzt zu besprechen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Artikel weiterhelfen und freue mich über deinen Kommentar, Like oder Share. Solltest du individuell Unterstützung in Form einer Beratung oder eines Coachings benötigen, melde dich gern.

Mit den besten Grüßen,
Janett Menzel

Wenn Frauen zu sehr lieben – Liebe und Angst

Wenn Frauen zu sehr lieben – Liebe und Angst

Menschen, die zu sehr lieben, wissen, wie schmerzhaft es ist, über seine Grenzen hinaus zu gehen und sein Leben zu vernachlässigen, nur um einen Mann oder eine Frau für sich – als Partner oder Partnerin - zu gewinnen. Sie wollen ihre Liebenswürdigkeit beweisen, in dem sie bereit sind, alles zu tun, um eine Beziehung zu gewinnen oder zu erhalten. Oft wählen sie als Partner einen Menschen, der besonders hilfebedürftig ist. Denjenigen zu heilen, zum Lieben zu bewegen, zum Wachsen zu motivieren und so die Liebe, die sie sich selbst wünschen, zu erhalten, wird zur Sucht. Später müssen sie festzustellen, dass die Wahl keine sehr gute war. Am gefährlichsten jedoch ist: Irgendwo dazwischen verlieren sie sich im Leben des anderen und bleiben ohne alles zurück, wenn sie verlassen werden, die Liebe unerwidert bleibt oder die Partnerschaft zerbricht.

Die Existenz dieser emotionalen, aber gefährlichen Tiefe ist keine unbeschriebene Sache in der Literatur. Bereits 1985 veröffentlichte die Autorin Robin Norwood ein Buch mit dem Titel Wenn Frauen zu sehr lieben - Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden. Darin beschrieb sie, was es bedeutet, wenn man zu sehr liebt und wie man sich davon befreit.

„Wenn Frauen zu sehr lieben“: Noch heute ein Bestseller unter den Selbsthilfebüchern

wenn frauen zu sehr lieben rezensionIch habe dieses Buch seit Jahren in meinem Bücherregal. Aber erst vor einigen Tagen holte ich es wieder heraus: Ich habe noch immer meine ehemalige Beziehung nicht verarbeitet, in der auch ich zu sehr liebte oder zumindest zu viel gab und zu wenig erhielt. Anfangs dachte ich beim Lesen: „Muss ich mich etwas hineinfinden. Liest sich nicht wie ich.“ Bis ich mit dem Vorwort durch war und das erste Kapitel begann. Da wurde mir mulmig und ich musste mir eingestehen: Zu sehr zu lieben ist nicht pathologisch, sondern kann jedem geschehen, der sich mehr Aufmerksamkeit und Liebe gewünscht hätte - und noch heute ersehnt.

Wo alles begann: Es liegt bei allen in der Kindheit, wenn man der Autorin Glauben schenkt. Wer destruktive bzw. gestörte Familienbeziehungen hatte, der setzt diese - weil es ein Leid ist, das einem vertraut ist - in seiner Zukunft fort. Man möchte wieder gut machen, was damals schief gelaufen war. Man möchte im erwachsenen Dasein die Sache selbst in die Hand nehmen und sich endlich die Liebe, die man als Kind irgendwo vermisste, ergattern. Man möchte jene Männer oder Frauen, die besonders interessant sind - weil sie meist unerreichbar oder emotional nicht verfügbar sind, gewinnen. Man möchte den Kampf, wappnet sich erneut (so wie damals) und holt samt allem auch die alten Gefühle und Leidzustände wieder hervor.

Ein Kurzabriss der Themen

Auf 341 Seiten beschreibt Norwood die typischen Herausforderungen von Frauen, die zu sehr lieben: Beginnend mit dem Schmerz der unerwiderten Liebe, widmet sie sich dem Kampf der Frauen, beweisen zu wollen, wie liebenswert sie sind. Sie nutzen oft Sex, um Beziehungen zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, verwechseln eine innige und leidenschaftliche Sexualität allein mit Liebe, verzichten freiwillig auf Ehrlichkeit, Verständnis, Respekt oder emotionale Sicherheit. Auch wenn die letzten, fehlenden Beziehungswerte oft die Auslöser sind, die ihre innere Welt aus den Fugen geraten lässt, scheinen sie Liebe immer mit Drama und Leid zu brauchen.

Verlässliche Beziehungen scheinen zu öde. Es geht ihnen darum, gebraucht zu werden, die Angst, eben nicht gebraucht zu werden, nicht spüren zu müssen. Ein Kapitel widmet Norwood allein dem Typus Mann, der verstärkt solche Beziehungen bzw. suchende Frauen braucht (mehr siehe unten). Sie beschreibt die Schatten und die Co-Abhängigkeit in den schmerzhaften Beziehungen. Sie bringen immer Selbstaufgabe und große Opfer mit sich, die in einigen Fällen bis in den Tod gehen können.

Der Spiegel schrieb als Reaktion auf das Buch 1988, „Frauen, die in ihrer Kindheit gelernt hätten, „ich werde nur geliebt, wenn ich gebraucht werde“, seien die Verlierer in ihren Beziehungen. Sie kämen ihr Leben lang von diesem Muster nicht los, begleitet von entsprechend anstrengenden Männern.“ Da es für einige Menschen wirklich sehr schwer ist, das Bild, das sie in ihrer Kindheit von „Partnerschaft“, „Liebe“ und „Geborgenheit“ gewannen, zu ihren Gunsten zu verändern, beschreibt Norwood in den Folgekapiteln Wege zur Heilung und Strategien, wie diese gelingen kann.

 

Frauen, die zu sehr lieben, kennen diese 15 Merkmale genau

1. Ein kaltes, destruktives oder unsicheres Beziehungsmuster in der Kindheit

Wenn Kinder Angst habenSie kommen aus Familien, in denen Liebe, Wärme, Akzeptanz, Geborgenheit, Ehrlichkeit Mangelgüter waren. In den wenigsten Fällen erhielten sie, was sie brauchten, um ihre emotionalen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Egal, was sie auch taten. Vielleicht war es die mittelpunktbezogene und neidische Mutter, der abwesende oder kranke, süchtige Vater, die Geschwister, denen Vorrang gegeben wurde. Auch Elternteile, die zu sehr an dem Kind zerrten, es nicht atmen ließen und die Trennung fürchteten, fallen darunter. Aber auch extreme Glaubensmuster in Bezug zu Geld, Arbeit, Religion, Bildung, Politik, Hausarbeiten, Sport, Freizeit usw., die an die restlichen Familienmitglieder weitergegeben werden, eingehalten werden sollen, erweisen sich als schwierig. All das erfordert ein sehr frühes Erwachsensein, das das Kind nicht leisten und verarbeiten kann.

2. Weil sie sehr darunter litten, dass ihnen Liebe und Fürsorge verwehrt blieben, werden sie so liebevoll und fürsorglich, wie sie selbst behandelt werden wollen. 

Sie suchen sich eher Menschen und Partner, die anfällig sind, krank oder bedürftig, hilfesuchend oder von vorherigen Beziehungen lädiert. Frauen, die zu sehr lieben, finden sich deshalb oft in sozialen oder beratenden Berufen. Sie identifizieren sich mit den Leiden und versuchen, besonders dem sexuell interessantem Geschlecht zu helfen, damit es ihnen selbst besser geht. Laut Norwood müssen sie „verstehen, dass es unsere eigene Sehnsucht nach Liebe und Hilfe ist“. (S. 34)

3. Auf der Suche nach Liebe bei ähnlich emotional kalten oder falschen Menschen verlieren sie sich im Kampf, sich als liebenswert beweisen zu wollen. Norwood beschreibt, dass sie eventuell vergebens um die Liebe eines Familienmitglieds gekämpft haben, was die Ursache für ihr später es Handeln legte. Sie inszenieren dasselbe Unglück von damals, als sie besonders lieb, nett, fleißig, gehorsam, brav oder nützlich waren, um Liebe zu erhalten.

So lernten sie, dass ihre Gaben von damals nur dann angebracht seien, wenn man auch Liebe und Aufmerksamkeit erhält  - und umgekehrt. Bräuchte man nur „man selbst“ sein, um geliebt zu werden, wäre es unnütz und langweilig. Es ist wie ein Mechanismus, der falsch gelernt wurde, und automatisch abläuft. Gleichzeitig aber birgt er auch die Chance, ihn auszuhebeln.

Autogenes Training gegen Ängste4. Ihre große Trennungsangst bringt sie dazu, beinahe alles zu tun, um die Beziehung aufrechtzuerhalten. Trennungen können nicht nur Verlassenwerden bedeuten, sondern auch emotionale Trennung im Sinne einer lieblosen Atmosphäre. Das bedeutet innere Leere  und Schuldempfinden und tut allen Menschen schrecklich weh.

Doch in diesem Fall erinnert es an jene Menschen unserer Kindheit, die uns verließen oder aber den Eindruck erweckten, sie würden uns verlassen, wenn wir nicht etwas Bestimmtes tun oder lassen.

5. Sie sind bereit, ihre gesamte Zeit und Kraft, ja ihr ganzes Leben, diesem einen Menschen zu widmen, um ihn durch ihre Liebe zu ändern. Sie erbringen Leistungen, um aus dem Menschen einen komplett anderen zu machen - den, den sie haben wollen, der ihnen gibt, was sie sich so sehr wünschen. Sie verstehen dabei nicht, wie überzogen und selbstschädigend es ist, was sie dem Menschen als „Hilfe“ geben.

6. Sie sind so sehr an zu wenig Liebe und emotionale Sicherheit gewöhnt, dass es ihnen nichts ausmacht, zu warten und zu leiden, solange bis sie bekommen, was sie brauchen. Sie versuchen, dem Menschen zu gefallen, mit allen Mitteln. Vielleicht hat man noch nicht genug getan oder hätte etwas sein lassen sollen, vielleicht wird alles besser, wenn er erst einmal xyz verstanden hat. So werden alle kleinen Versprechen oder Signale als positives Signal gedeutet, dass die Mühe es wert war, nur um dann wieder enttäuscht zu werden. Man lebt ausschließlich in der Hoffnung.

7. Sie übernehmen beinahe die gesamte Verantwortung, Pflicht und Schuld auf sich, um sich zu beweisen. Als Kinder waren sie oft frühe Erwachsene, mussten anpacken oder handeln, wie es Erwachsene tun. So erhofften sie sich Aufmerksamkeit und erhielten ihre Welt, in der sie für ihre Leistungen Liebe erfahren könnten. Dabei waren sie für die Verantwortung noch viel zu jung. Sie konnten die Aufgaben und Pflichten nicht tragen und seelisch nicht verarbeiten. Doch sie kennen sich im weiterem Leben noch gut damit aus, um dieses „Pseudo-Erwachsensein“, wie Norwood es nennt, fortzusetzen, und so ihre Liebeswürdigkeit zu beweisen.

8. Ihr Selbstwert ist ungesund niedrig. Sie glauben, sie hätte Liebe und Glück nicht verdient. Sie vermuten, sie müssten sich erst beweisen, um in der Liebe auf einfache Weise zufrieden sein und Gutes erhalten zu dürfen. Sie haben nur wenig oder keine Selbstachtung und fühlen sich wegen ihrer Fehler schuldig. Sie wollen ihre Beziehungen und Partner kontrollieren, um die fehlende Sicherheit oder Enge in der Kindheit nicht erneut zu spüren.  Die Angst davor, wieder die Hochs und Tiefs der emotionalen (In-)Stabilität erfahren zu müssen und die Trennungsangst, die das mit sich bringt, veranlasst sie dazu, die Zügel straff zu halten. Am besten gelingt das mit einer Maske, die bei vielen wie Hilfsbereitschaft aussieht. Sie müssen gebraucht werden, und sind gut im Befriedigen von Bedürfnissen - nur so können sie ihr eigenes Brauchen ebenfalls aufrechterhalten, während sie die Steuermänner sind. Dreht sich das Blatt, werden die Partner plötzlich selbstständig, gesund und nähefähig, wenden sich viele Frauen wieder ab, weil sie diese Situation schwer einschätzen können. Es macht ihnen Angst, ohne Leistungen geliebt zu werden. Trennungen könnten geschehen.

10. Sie jagen einem Traum, einer Illusion von der perfekten Beziehung hinterher, und ignorieren die harte Realität, um sich von ihrem Traum nicht trennen zu müssen. Sie haben ein Bild des perfekten Mannes in der perfekten, liebevollen Beziehung, wenn frauen zu sehr lieben die heimliche angst nicht gebraucht zu werdendas sie ermutigt. Sind sie bereit, alles zu tun, um ihr Ideal in eine reale Welt umzuwandeln, so bringt ihnen das ihr lang ersehntes Glück. Doch beim genauen Hinsehen fällt eines auf: Sollten sie es wirklich schaffen, würden sie es nicht mehr wollen. Norwood beschreibt etliche Fälle, in denen aus Menschen, die zu sehr lieben, plötzlich Menschen, die gar nicht mehr lieben, wurden. Weil sie erreicht hatten, was sie wollten. Doch das hatte keinen Kampf, keine Probleme und kein Leid mehr inne. Ihnen wurde langweilig, sie distanzierten sich, wurden kühl und lieblos, aus Schutz vor der Nähe, die sie vorher so dringend wollten. Es ist die Angst vor echter und ehrlicher Nähe, die die Menschen, die zu sehr lieben, nicht erfüllen können. Sie trauen sich die Nähe nicht zu. Sie können sie nur aus der Distanz heraus als glücklich empfinden. Kommt der erfüllte Traum zu nah, sehen sie sich mit neuen Problemen konfrontiert.

11. Sie befinden sich in einer Abhängigkeit von Männern und dem Gedanken, dass Liebe Leid bedeutet. Sehnsucht, Verzehrung, pausenlose Gedanken an die kommenden, gemeinsamen Stunden, Grübeleien darüber, wie man den Menschen in eine Beziehung verführt, große Pläne, wie man den Menschen ändern kann, um alles wiedergutzumachen, was ihn wohl am Lieben hindert: Diese Merkmale fließen in die Abhängigkeit hinein und formen sie. Sie entspringen dem Leid beider Partner und widmen sich dem Leid von wenigstens einem der Beteiligten. Statt auf ihr Gefühl zu hören, zu erkennen, dass sie nicht zurückerhalten, was sie sich wünschen, investieren sie noch mehr Gefühl, Zeit und Energie in das Gelingen. Auf diese Weise gerät man schnell in eine Abhängigkeit: während der Partner von der Fürsorge abhängig ist. Damit sind sie auch abhängig von dem seelischen Schmerz, den Beziehungen mit sich bringen.

12. Sie könnten suchtanfällig sein, zum Beispiel für Drogen, Alkohol, Tabak, Zucker, Sex, Sport usw.

13. Sie vermeiden es, sich durch die Ablenkungen Gedanken über sich und ihr Leben zu machen. Sie suchen sich stattdessen Menschen, die mehr oder größere Probleme haben, die ihre maßlose Anteilnahme und Aufmerksamkeit bedürfen. Sie lassen sich lieber in die Labyrinthe anderer verstricken, als in ihrem eigenen Leben Ordnung zu schaffen. Sie kennen ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse, Werte und vor allem Ziele so gut wie gar nicht. Aber sie sind gut im Erkennen der anderen - mit dem, was sie brauchen. Sie scheuen also die Selbsterkenntnis, weil sie nicht lernen durften, sich in ihr Blickfeld zu stellen und zu erkennen, was sie sich wünschen und wer sie eigentlich sind. So muss man auch niemandem seine eigenen Gefühle zumuten, die eventuell zu Konflikten mit unseren Mitmenschen führ(t)en.

14. Norwood vermutet auch eine mögliche Anfälligkeit zu depressiven Verstimmungen, denen sie mit dem emotionalen Tumult einer schlechten Beziehung versuchen, aus dem Weg zu gehen. Je dramatischer oder aufregender ein Verhältnis ist, desto mehr ist los bzw. weniger Langeweile kommt auf. So können sich Frauen, die zu sehr lieben, von ihren Stimmungstiefs ablenken.

15. Liebe, nette, zuverlässige und einfühlsame Männer finden sie langweilig. „Diese verständnisvolle, einfühlsame Sorte Mann kann uns einfach nicht das Drama, den Schmerz und die Spannung bieten, die wir als angemessen und <<richtig>> empfinden: Denn was wir als schlecht empfinden sollten, empfinden wir…als gut, und was wir als gut empfinden sollten, empfinden wir…als fremdartig, verdächtig und unangenehm.“ (1991, S. 132) Die Jahre, in denen sie sich mit „zu wenig“ arrangieren mussten, haben sie daran gewöhnt, Leid zu befürworten. Damit können sie umgehen; darauf haben sie sich eingestellt. Echte Nähe jedoch, die von Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge geprägt ist, kennen sie nicht. Es ist wenig verwunderlich, dass bei Menschen, die zu sehr lieben, ein Spiegel der Vergangenheit angenehmer erscheint, als etwas Neues, an das sie sich erst gewöhnen müssten. Ohne Gewähr auf Erfolg und mit integrierter Angst vor Verlust und Trennung. Liebevolle und ehrliche Männer, mit denen eine Partnerschaft sicher und mühelos wäre, erachten sie beinahe als zu „leicht“ und damit „zu schön, um wahr zu sein“.

Frauen, die zu sehr lieben, ziehen Männer an, die sich zu sehr lieben lassen

Anstatt auszuflippen, lieber Selbstbehauptung übenDieses Kapitel von Norwood fand ich besonders spannend. Denn die Fragen „Welche Männer stehen hinter Frauen, die zu sehr lieben? Was macht sie aus, was macht sie anders?“ lassen interessante Einblicke zu. Um es mit Norwoods Worten zu sagen:

„“Brauchst du mich?“ fragt insgeheim die Frau, die zu sehr liebt. „Wirst du dich um mich kümmern und meine Probleme lösen?“ lautet die unausgesprochene Frage hinter den ausgesprochenen Worten des Mannes, der diese Frau vielleicht als Partnerin wählen wird.“ (1991, S. 168)

Mir fielen anhand der Beispiele Muster auf, die Norwood so genau nicht benennt. Nebst der Tatsache, dass es sich bei den Männern um hilfsbedürftige und meist co-abhängige Menschen handelte, waren sie oft verwitwet oder wurden gerade verlassen; andere waren kriminell, medikamenten-, drogen- oder alkoholabhängig. Wieder andere waren süchtig nach Sport, Essen oder anderen „Füllern“. Gleich, welches Problem im Mittelpunkt stand, sie haben Merkmale gemeinsam:

  • Sie sind unerreichbar, entweder lokal, familiär oder emotional und haben ein großes Abhängigkeitsbedürfnis.
  • Sie können wahre Nähe wenig aushalten. Die Beziehung nährt sich nur durch ihr „Problem“, das die Hilfsbereitschaft der Frau, die zu sehr liebt, erweckt. Sie übernimmt die Verantwortung für die Aufgabe, die er nicht gewillt ist, zu lösen.
  • Sie suchen eine vermeintlich starke und vor allem kluge Frau, die sich mit solchen Problemen gut auskennt oder bereit ist, diese wenigstens zu dulden, zu decken oder zu handhaben. Das stärkt ihren Selbstwert.
  • Sie suchen eine Frau, die ihnen verspricht, den Mangel, die Leere, in sich zu füllen. Sie wollen gebraucht und umsorgt werden. Sie haben in sich eine Verzweiflung aufgrund ihrer Lebenssituation, die schmerzhaft ist und Hilflosigkeit auslöst. Doch diese Gefühle können und wollen sie nicht spüren.
  • Es ist bestärkend und schmeichelhaft, dass sie in ihrer Situation von einer solchen Frau wahrgenommen und mit Aufmerksamkeit bedacht werden.
  • Sie wollen das Gefühl nach Anerkennung so oft wie möglich spüren (auch Begierde in Fällen von Affären). Ihre Lebenssituation spielt dabei keine Rolle.
  • Sie wissen (meistens), dass sie der Frau aufgrund ihrer belasteten Lebenssituation wenig bis nichts bieten können.
  • Sie suchen nach Schutz, Anteilnahme, Mitgefühl und Sicherheit; das hat eine enorme Anziehungskraft auf sie.
  • Sie lassen die Frauen um sich kämpfen. Das nährt ihr Gefühl nach Anerkennung, Sicherheit, Stärke (auch Größe) und Gebrauchtwerden.
  • Sie können so gut wie alles falsch machen. Das wissen sie - und tun es deshalb meist auch. Die Frau, die zu sehr liebt, wird es in den meisten Fällen hinnehmen und selbst Jahre warten.
  • Ihre wahrhaftige Liebesfähigkeit (im Sinne von echter Nähe im Alltag) ist genauso angeschlagen und gering, wie die der Frau.
  • Deshalb haben sie meist ein Schutzschild (eine Obsession, Job, Kinder, Geld, Sucht, etc.), das sie vor zu viel Nähe (zulassen müssen) schützt und als Grund dient, sich (aus Angst) zurückziehen zu können.

Fragwürdiger Titel: Geschieht das wirklich nur Frauen?

Psychologie Angst BlogAls ich das Buch las, wurde mir schnell klar: Das passiert nicht nur Frauen. Ich kenne Dutzende Männer, die zu sehr lieben, bzw. eine Kindheit hatten, die sie lieblos und mit fehlender Geborgenheit zurückließ. Auch sie sind heute auf der Suche nach einer Partnerschaft, in der sie ihre Liebe beweisen können, darum kämpfen können, während sie wenig vom Gewünschten zurückbekommen. Sie leiden genauso wie Norwood es bei Frauen beschreibt.

Denn Menschen, die zu sehr lieben, verbindet eines: Sie würden

  • sich für die Liebe eines Partners bis zur Selbstaufopferung auslaugen,
  • dabei zusehen, wie es sie körperlich und seelisch krank macht,
  • Leidenschaft und Sexualität mit Liebe gleichsetzen,
  • zulassen, dass diese Besessenheit von einem Menschen das eigene Leben mit den Gefühlen, Zielen und Verhalten bestimmt
  • und sich dennoch nicht trennen oder den Menschen im Herzen loslassen können.

Gleichzeitig würden sie viel tun, um diese Belastungen loszuwerden.

Solltest du auch dazugehören, kann ich dir das Buch von Robin Norwood nur empfehlen. Es bietet dir liebevolles, aber klares Verständnis und Wege aus der Lage heraus. Auch ich sehe nach dem Lesen des Buches einiges anders. Besonders aber ist mein Selbstmitgefühl für mich gestiegen: Wir sind alle nur Menschen, machen Fehler und leiden unter einer Situation. Aber wie das Leben mit Liebe in der Zukunft aussieht, entscheidet ein jeder für sich allein.

Zum Buch „Wenn Frauen zu sehr lieben“ >>

Viele Grüße,
Janett Menzel

Zeit zu kündigen? Wann alles dafür spricht

Zeit zu kündigen? Wann alles dafür spricht

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Wie viel muss oder möchte man dulden? Und wann sollte man seinen Job kündigen?

Man kann seinen Arbeitgeber nicht ändern (so sehr man es auch möchte). Je größer oder traditioneller das Unternehmen ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich ganze Führungsetagen oder der Chef auf notwendige Veränderungsprozesse einlassen. Seien es nötige personelle Änderungen, mehr Anerkennung, Erfolgschancen, Geld oder schlichtweg: Zeit. Vielen reichen diese Gründe schon aus, um sich einen neuen Job zu suchen und zu kündigen. Arbeitgeber nehmen - statt Kompromisse einzugehen -, lieber in Kauf, dass sich ihre Mitarbeiter mit ihrem Marktwert bei Konkurrenzunternehmen bewerben und gehen. Sie nehmen sogar psychische und physische Belastungen ihrer Mitarbeiter als „in Ordnung“ hin. Wird man krank, ist man selbst schuld, denn irgendetwas stimmte sicher vorher schon nicht.

Doch es gibt zum Glück Punkte, die auch der Arbeitgeber an seinen Mitarbeitern nicht ändern kann: zum Beispiel das Recht auf Gesundheit und eigene Bedürfnisse. Je langanhaltender die Stress- und Belastungssituation ist, desto eher funkt deshalb ein Gefühl der inneren Abwehr dazwischen:

„So, hier ist Schluss.“

 

Wissenswertes zu Kündigungen

Wenn du dieses Gefühl rufen hörst, solltest du hinhören und es ernst nehmen. Die Agentur für Arbeit gewährt jedem das Recht, eigens zu kündigen oder einen Aufhebungsvertrag zu schließen, wenn gesundheitliche Gründe oder gesundheitsgefährdende Gründe vorliegen. Es gilt nur zu beachten, dass man seinem Arbeitgeber gegenüber die Bitte um Änderung ausgesprochen hat, um an der Situation proaktiv zu arbeiten. Lehnt der Arbeitgeber dies aber ab, dann sollte man nicht weiter durchhalten. Durchhalten ist nämlich der Punkt 0, der dich direkt in Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Angst, Panikattacken, Depressionen und andere psychische sowie physische Krankheiten rutschen lässt. Da hat man lieber ein paar Monate Geld zurückgelegt, um notfalls über die Runden zu kommen, auch falls die Agentur wegen der Kündigung eine endgültige Sperre von eventuell drei Monaten verhängen sollte. Aus Krankheit wieder herauszufinden, ist ein beschwerlicherer Weg, als seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Wann kündigen besser ist

Wie mich ein Mitarbeiter der Agentur für Arbeit neulich erinnerte:

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.

Grundgesetz Artikel 2. Arbeitest Du in so einem Unternehmen, das diese beiden Aspekte ignoriert oder gefährdet? Falls es noch nicht derart drastisch ist, könnten Dich die folgenden sieben Punkte interessieren, ab wann es besser für Dich wäre, zu kündigen:

 

1) Innerlich gekündigt: Du bist demotiviert, kraftlos und desinteressiert

Der „Ich habe keinen Bock mehr!“-Klassiker im Schlafrock? Nein, es geht weit darüber hinaus. Denn der fehlende Bock hat Ursachen. Gründe für Demotivation können zum Beispiel sein:

  • verbale Drohungen (auch die berühmten „Worte zwischen den Zeilen“)
  • häufige Kritik mit ausbleibendem Lob
  • Isolation
  • fehlende Sinnhaftigkeit deiner Arbeit
  • Entscheidungen anderer Kollegen oder gar des Chefs, die negative Konsequenzen für deine Arbeit haben
  • keine Entscheidungsgewalt bzw. kleiner bis geringer Handlungsspielraum
  • sichtbares, produziertes Leid
  • Überarbeitung (Burn-out)
  • Unterarbeitung (Bore-out)
  • zu hohe Verantwortung für zu viele Bereiche
  • gar keine Verantwortung
  • Leistungsdruck
  • Angstgehasche
  • Schönfärberei statt Ehrlichkeit und Flexibilität
  • mangelhafte Kommunikation
  • Wettkämpfe zwischen Abteilungen oder Kollegen
  • gezieltes Mobbing
  • keine Weiterbildungmöglichkeiten
  • keine Möglichkeit auf Karriere
  • Dienst nach Vorschrift

All diese Aspekte können einen nicht zu verkennenden Schaden für die Psyche bedeuten. Sie leiten direkt in die Angst und Depression, weil sie den Selbstwert angreifen. Die Mechanismen im Gehirn können gar nicht anders, als ihre Schutzfunktion anzuschalten und ein Stopp-Signal zu setzen.

 

2) Kündigen oder auf Erfolg warten?

Sehr häufig ist einem Erfolg nicht vergönnt. Mobbing einzelner Mitarbeiter oder Wettbewerb zwischen Abteilungen: Wer Mitarbeiter in seinem Unternehmen beschäftigt, die nur an ihrem eigenen Erfolg interessiert sind, aber nicht am Unternehmenserfolg oder gar als Chef oder Führungsetage dieses Problem in sich trägt, braucht sich nicht wundern.

Erwachsene sind in einem Punkt wie Kinder: Sie mögen es, wenn sie Aufgaben erledigen, in denen sie gut sind. Sie machen es, weil sie es erneut gut machen wollen und dafür wiederholt Anerkennung erhalten möchten (auch von sich selbst). So macht Arbeit Spaß und mit Freude schafft man bekannt sehr viel mehr, als mit innerer Abwehr oder Leistungsdruck.

Wer aber weiß, dass er niemals erfolgreich sein wird und darf, der verliert den Sinn und so auch die Freude.

 

3) Du bist in Deiner Arbeit abhängig von der Gunst anderer

Wer vom JA oder NEIN oder der Sympathie eines anderen im Ausüben seiner Arbeit abhängig ist, der hat es einmal schwerer. Denn so wird eigenverantwortliches Handeln im Keim erstickt. Zudem ist immer die Möglichkeit gegeben, dass der Entscheidungsträger eine falsche, eigensinnige oder gar einseitige Entscheidung fällt.

Wer immer erst fragen muss, bevor er etwas tun darf, was er für unternehmerisch wertvoll und umsatzsteigernd oder begünstigend erachtet, der befindet sich in einer Eltern-Kind-Rolle wieder, die man so dringend in seiner Kindheit loswerden wollte. Menschen haben ein natürliches Bestreben nach Autonomie und wollen zeigen, was und DASS sie etwas können. Wird das aber konstant untergraben, am besten noch ohne triftige und nachvollziehbare Gründe, wird man in seinem Erfolg gebremst - und arbeitet für den Erfolg eines anderen. Der wiederum hat selten etwas mit dem Erfolg der Firma zu tun, sondern nur mit dem entscheidenden Menschen: mit seiner Angst, seinen Interessen, seinen Verstrickungen und eigenen Machtkämpfen.

Das lädt Opferdenken, einen kleinen Selbstwert und vor allem Sinnlosigkeit ein.

 

4) Du kannst die Werte des Unternehmens nicht teilen oder das Unternehmen teilt deine Werte nicht

Wir sind oft froh, wenn uns jemand will. Das klingt banal, oder? Aber in uns ist angelegt, dass wir Anerkennung wollen und bereit sind, für diese etwas zu leisten. Wir möchten uns gern beweisen und zeigen, dass wir etwas draufhaben. Schenkt uns jemand sein Lob oder seine ehrliche Anerkennung, echte Wertschätzung für ein Projekt oder nur ein bestätigendes Lächeln, dann minimiert das unsere Stresshormone. Es festigt unseren Selbstwert und dafür sind Menschen bereit, wieder etwas zurückzugeben. Arbeitgeber gewinnen also, wenn sie loben und wertschätzen. Sie gewinnen für einen Fitzel Zeit das, was Unternehmen so häufig suchen, dann aber doch als mangelhaft beklagen: Loyalität, Streben, Freundlichkeit, Umsatzsteigerungen, Kundenzufriedenheit, Motivation und Fleiß. Alles nur durch ein wenig Lob.

Hinzukommt vor allem, dass nur, weil uns jemand einstellen will, es nicht unbedingt der richtige Job im richtigen Unternehmen sein muss. Als eine Frau, die 10 Jahre Erwachsenenbildungserfahrung bei einem öffentlich geförderten Träger hat, weiß ich, dass die meisten Stellen gigantisch klingen. Ein tolles, dynamisches und junges Team, klasse Aufstiegschancen und faire Bezahlung kann mitunter auch schlichtweg heißen: Wir haben kaum erfahrene, verantwortungsvolle und pflichtbewusste Arbeitnehmer, dafür haben wir aber eine gute personelle Fluktuation. Aufsteigen kannst du deshalb gut, weil die Ebenen noch nicht fertig strukturiert sind, aber dafür sind es die Hierarchien durchaus. Wir bezahlen anhand unserer Interpretation deiner Arbeit, deiner Leistung. Wenn wir also glauben: Das kann doch jeder! (nur wir nicht), dann bekommst du eben nur Betrag X.

Personaler sind sehr gekonnte Texter und Schauspieler und meist zeigt sich erst bei Arbeitsantritt, was das Unternehmen wirklich für Rollen verlangt. Bei Bewerbungsgesprächen genau hinzusehen und einige (wenn auch unbequeme) Fragen zu stellen, kann helfen, um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen.

Im Allgemeinen fällt mir in letzter Zeit in vielen Gesprächen auf, dass es ein starkes Rollenverhalten in größeren Unternehmen gibt. Was von der Position verlangt wird (egal, ob die Persönlichkeit dazu passt), steht meist fest. Wenn man beiderseits dann ignoriert, dass man diese Rolle nicht leisten kann und möchte, kann es schnell zu gesundheitsgefährdenden Momenten kommen. Die Stelle sollte also zum Arbeitnehmer und seiner Persönlichkeit passen, nicht zum Chef.

 

5) Dein Charakter stellt Dir ein Bein

Oft ist es der Eigensinn oder der eigene Gerechtigkeitssinn, der sich einem in den Weg stellt, auch wenn man noch so sehr versucht, sich anzupassen. Eigensinnig kann man nur arbeiten, wenn man ein Stück Unabhängigkeit in seinem Job hat. Unabhängigkeit wiederum kann nur da sein, wenn der Arbeitgeber sich weniger auf Quantität und Kontrolle konzentriert, als auch Qualität. Qualität wiederum ergibt sich aus Bedingungen, die jeder Arbeitnehmer mit sich bringt und erfüllt sehen muss, um qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten. Das kann ein eigenes Tempo, ein eigener Zeitrhythmus sein (von 7 Uhr-15:30 Uhr oder Meetings nur nach 16 Uhr, tageweise Home Office oder Pausen zwischen dem Alltag im Büro, z. B. durch Bildungsurlaub).

Das Gefühl der Gerechtigkeit oder ihre Abwesenheit ist eng verbunden mit Bedürfnissen, die erfüllt werden – oder eben auch nicht. Sind Deine Bedürfnisse in Deinem Job erfüllt? Wirst Du so betrachtet und behandelt, wie Du es Dir wünschen würdest? Kannst Du leisten, was Du leisten möchtest oder stehen Dir stets Menschen im Weg, die Dich daran hindern, wie in Punkt 2 beschrieben, erfolgreich in Deinem Job zu sein?

Passt du zu deinem Job?

 

6) Dienst nach Vorschrift: Wenn man Stärken verschweigen und verdrängen muss

Nur nach Vorschrift arbeiten, aber ohne Aussicht auf Erfolg, Bestätigung, Boni, ein bestätigendes Kopfnicken des Chefs oder ein fester Händedruck mit „Gute Arbeit!“? Wenn die Leistungen der Mitarbeiter von Unternehmen nicht einmal mehr wahrgenommen und wertgeschätzt werden, ist Obacht geboten. Dann ist man selbstverständlich und einfach geworden. Vor allem aber wird die gute Leistung gar nicht mehr als gute Leistung betrachtet, sondern muss noch besser werden. Denkt man… So schuften wir noch mehr, bemühen uns weiter, um mit gesteigerter Leistung wieder ein Lob zu erhalten, das in den meisten Fällen ausbleibt.

Unternehmen müssen verstehen lernen, dass Menschen Anerkennung und Bestätigung brauchen, um sich erwünscht und wertgeschätzt zu fühlen. Dann steigt auch ihre Leistung und somit der Wert des Unternehmens.

 

7) Die vorherigen Punkte haben Dich krank gemacht

Das geht schnell: Es kommt plötzlich und bleibt viel zu lang. Da kann man einige fragen. Viele Blogger, die heute selbstständig sind, haben diese Erfahrung gemacht. Sie haben auch aus ihr gelernt, aber der Weg in die Genesung war für viele sehr lang und beschwerlich.

Ich meine heute nach meinen eigenen Eskapaden der Angst und Panik: Das ist es nicht wert. Ich hatte in meinen Zwanzigern, als ich noch Studentin war und bei einer Firma einen recht leichten Job ausführte, der sich auf Bürokram bezog, eine ständige Unterforderung mit totaler Abhängigkeit ohne jede Form der Anerkennung. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich meine erste Panikattacke, die zum Glück zu keiner Panikstörung werden konnte. Ich zog mich augenblicklich zurück und tat das, was meine Angst und Panik von mir wollte: Ich kündigte.

 

Frauen und Selbstbehauptung

Frauen und Selbstbehauptung

Durch meine Arbeit treffe ich viele Frauen, die sich scheuen, sich zu trennen: von ihrem Partner, ihrer Partnerin, ihrem Job, ihren Ansprüchen als gute Mutter und als tadellose Freundin. Sie betreiben zehrende Selbstversuche zwischen Familie, Partnerschaft, Haushalt und Job, um allen und allem gerecht zu werden. Sie beklagen mangelnde Anerkennung, Leere, Kraftlosigkeit, Freudlosigkeit und vor allem: Angst.

Bevor ich mit meinen Erlebnissen fortfahre: Es ist höchstwahrscheinlich, dass sich im folgenden Blogpost das Wort „Frauen“ spielend leicht mit dem Wort „Männer“ austauschen lässt.

 

Das leidige Loslassen und seine verborgenen Hiebe

„Los! Lass es sein!“ Welche Angst dahintersteckt, ist ihnen klar: Trennungsangst. Die sitzt so tief und ist gleichzeitig so verbunden mit der Angst davor, allein zu sein. Nicht zwingend, weil sie dann niemanden bei sich hätten, sondern weil sie sich allein behaupten müssten. Mit der Angst davor, zu scheitern, einen Fehler zu begehen, unterzugehen, sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Auch eine sehr große Frage ist:

Was bleibt denn von dem, was man sich schuf, wenn man sich davon wieder trennt?

Einige Frauen beklagten fehlende Lösungskompetenz und ein geringes Selbstvertrauen. Weil sie es nicht gelernt hatten. Oder auch, weil sie es im Laufe der letzten Jahre wieder verlernt haben oder gar sollten.

Sie beklagten vor allem, dass sie die Angst, sich selbst zu entdecken, nicht aufgeben möchten, weil sie tatsächlich sich und ihr Selbst entdecken könnten: mit allem, was sie die letzten Jahre freiwillig ertrugen und wogegen sie nicht angingen. Und dann die Reue. Schuld sich selbst gegenüber. Depressive Momente als Antwort auf ein tiefes Loch (was auch vorher da war).

„Ja, du darfst dich mit dir selbst beschäftigen. In dir gibt es sicher mehr, als das, was dir überdrüssig geworden ist, z. B. echte und eigene Gefühle. Echte Bedürfnisse. Echte Ziele. Eigens gewollte Handlungen, manchmal auch Kampf.“

„Aber diese Unwissenheit, Ziellosigkeit und Angst!“ sagten sie meist.

„Du traust dich nicht, etwas für dich zu wollen?“

„Es würde X verletzen.“

Stille.

 

Vom lästigen Alltag und seligen Schein

Doch nicht nur die Angst, jemanden, der sie liebt, zu verletzen, nagt an ihnen. Es ist die Wucht und die der Konsequenz der kleinen Dinge, die auf ihnen lasten:

Ehen, die mit viel Mühe und Not ertragen werden, um die Familie zu erhalten; Familienmitglieder wie Mütter und Väter, aber auch Geschwister, die geschont werden, um nicht die echten Gefühle auf den Tisch packen und Tacheles reden zu müssen; die unbefriedigenden Jobs, die nur ein wenig Geld einbringen, aber die Seele zerfressen, weil die Anerkennung ausbleibt; heimliche Affären, die im Hintergrund die wahre Nahrung für das weibliche Herz liefern.

Die Frauen, die ich treffe, lassen eine Art Gefängnis zu, einen ganz heftigen, engen Wirkungskreis mit entsprechend enger Eigenwirksamkeit und geringem Erfolg, nehmen Panikattacken in Kauf, die nur vom Kampf gegen sich die eigenen Werte berichten, sind müde und kraftlos, leer und oft gleichgültig, weil nichts hineinkommt, was nährend ist. Sie haben gelernt, dass es so sein muss, wenn X erhalten werden soll.

Und die Ängste ihrer Arbeitgeber, Partner, Partnerinnen, Kinder sagen: „Erhalte X!“

Ja, sie haben Angst, sich selbst zu behaupten, einen Strich unter die aktuelle Rechnung zu ziehen und das Eine zu machen, wonach sie sehnen: ein Leben zu leben, das ihnen Freude bereitet, anstatt Kopfzerbrechen und Angst, um jemand anderen nicht zu verletzen, nicht die Böse zu sein, nicht die Unartige und Maßlose, Unbequeme oder Eigensinnige oder schlechte __________ (Platz für deinen eigenen Gedanken).

Und dann merkte ich:

Ihre Angst sagte auch:

Erhalte dich! Ich bin nur da, damit du merkst, an welcher Stelle es eng für uns beide wird! Die Panik ist nur da, um dich zurückzuhalten, im Guten, wie im Schlechten. Sie kommt, wenn du nicht gegen X angehen sollst. Als wäre sie ein Zeichen deines Mannes, deines Jobs, deiner Familie, deiner Mutter und so weiter. Sie leben in dir. Sie sind das unsichtbare Band, das aus Panik dafür sorgt, dass du im gewohnten Kreisel bleibst. Sie kommt, wenn du trotzdem gegen X angehen willst. Und sie wird erst gehen, wenn du mit erhobenem Kopf, Brust raus, Schultern zurück, lächelnd sagst: Ich mach’s trotzdem. Ich gehe. Zu mir.

Erstaunlicherweise kennen alle Frauen, mit denen ich Kontakt hatte, ihre Hürden und Herausforderungen sehr genau. Sie haben die Lage erkannt und die Notwendigkeiten eruiert. Sie haben ihre Situation und die Zukunft haarscharf durchleuchtet und die kleinsten Ecken und Kanten ausgemacht. Ich traf jedoch keine Frau, die den letzten Schritt ging und die Katze aus dem Sack ließ, sanft lächelnd sagte:

 

„Ich habe nachgedacht: Die letzten Jahre waren ein guter Versuch, aber ich mag nicht mehr!“

Sich zu trennen, ohne einer anderen Partei die volle Schuld zu geben, braucht viel Eigenreflexion und Mut. Vor allem aber benötigt es Liebe. Wenn die nicht mehr vorhanden ist, weil man alle Grenzen um Kilometer überschritt, bleibt einem nur noch der selbstsichere Weg, der - wie ein Stoßgebet gesprochen - wiederholt werden muss:

Ich habe es versucht, aber ich schaffe es nicht mehr. Weil ich mir etwas anderes gewünscht hatte. Weil das, was ich eigentlich wollte, nie um die Ecke kam. Weil ich mich aus dem Blickfeld verloren habe. Weil es nur noch um XYZ geht, aber nie mehr um mich. Ich mag nicht mehr. Weil ich wieder möchte, dass es in meinem einzigen Leben (auch) um mich geht.

Sie wissen: Sich zu trennen, heißt nicht: Ab jetzt wird es geil!

Sich zu trennen heißt auch: Trotzdem trauern und nach der Trauerarbeit den Kopf heben und die Welt mit ihren Möglichkeiten neu erkennen. Und sich an dem, was war, erfreuen können, so wie sich an dem, was sein wird, zu nähren.

Man braucht Träume, um Stoßgebete sprechen zu können. Man braucht Liebe, um den Weg zu sich zu gehen. Liebe zu sich selbst.

 

Man muss sich mögen.

Die meisten Frauen, die ich traf, möchten sogar das Wort „mögen“ mit „können“ ersetzen. Die meisten Frauen nahmen (und nehmen) lieber eine Depression, eine Angst- oder Panikstörung in Kauf, damit nicht der Eindruck entstünde, dass sie eigene Bedürfnisse haben, die sie sich zugestehen und verwirklichen möchten. Der Gedanke, dass viele Frauen die Beziehung, den Job usw. als Garanten ihres Selbstwertgefühls sahen, rief die Erinnerung an die Worte der tollen Psychologin Verena Kast wach:

Viele Menschen reagieren auf dieses Gefühl des Unwertseins mit einer Depression. Wenn Menschen uns Schutz bieten [Anmerkung von mir: auch der Job, Besitz, Geld, für uns wichtige Werte usw.] und wir diese […] verlieren, dann reagieren wir mit einer Panikstörung. Wenn ein Mensch uns aber den Selbstwert garantiert hat und wir diesen Menschen verlieren oder wir fantasieren, ihn zu verlieren, dann reagieren wir mit einer Depression.

Ich konnte jede einzelne Frau verstehen. Jede mit jeder noch so kleinen Angst, die sich dahinter verbirgt. Ich kenne die Angst davor, allein zu sein, allein zu bleiben, Fehler zu machen, zu scheitern, zu versagen (vor sich und den anderen), niemanden zu haben, der einem Rückhalt bietet und das doppelte Netz mit fünffachem Boden gesichert hat (oder jederzeit könnte), völlig selbstverantwortlich tagtäglich sein Leben zu leben, niemanden mehr beschuldigen zu können, wenn es einem schlecht geht und auch nur sich selbst reflektieren und interpretieren zu können, anstatt jemand anderem umzuerziehen, in der Hoffnung, dass es einem dann besser ginge. Ich kenne die Angst vor Arbeitslosigkeit, Armut, Abhängigkeit und alles, was einem das Leben so an Lästigem mitgegeben hat.

Und was damit in Verbindung steht: die Angst vor Selbstbestimmung, finanzieller Freiheit, emotionaler Unabhängigkeit, völliger Selbstkontrolle und tiefem Bewusstsein, Macht und Eigenständigkeit. Totale Freiheit. Denn meist ist das im Kopf verknüpft mit Schuld und Scham, als dürften wir es nicht wollen, als ginge nun X auf unser Karmakonto.

 

Was schlummert da in dir?

Lies die folgenden Sätze und fühle in dich hinein, was mit dir geschieht und wo am meisten Widerwille in deinem Körper hochkommt. Und wo huscht dir ein heimliches Lächeln über die Lippen? An den Momenten wirst du merken, was du dir wirklich (insgeheim) wünschst und auch, wie viel Wut in Form  von Rachegelüsten du in dir trägst:

Ja, ich brauche dich nicht. Ich habe nur so getan.

Der Preis ist zu hoch. Ich wollte, dass es funktioniert. Aber ich werde diesen Preis nicht mehr zahlen.

Ja, ich bin besser dran ohne dich.

Nein, es tut mir nicht leid.

Ja, ich liebe mein Leben jetzt. SO sollte es sein.

Ja, es fühlt sich gut an, niemanden zu haben, der mir die Welt erklärt. Ich kann es ALLEIN.

Ich bin erwachsen. Ich brauche nicht mehr wie ein Kind behandelt zu werden. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen.

Ja, es ist schön, mal von niemandem gebraucht zu werden. Ich brauche mich selbst so sehr.

Ich weiß ganz sicher, dass ich toll bin. Ich wünsche mir Menschen und Umstände in meinem Leben, die mich täglich daran erinnern.

Ja, ich weiß, dass dich das verletzt, aber ich tue es für mich.

Ja, das war/ist Absicht.

So wie du, bin ich ein Mensch, der Freude und Zufriedenheit verdient.

Ja, ich habe Angst, aber weißt du was? Ich mache es trotzdem.

Nein, ich will dich nicht verletzen, aber ich habe die Wahl zwischen MIR und DIR. Ich kann dich nicht schonen. Ich schone mich. Und deshalb wähle ich auch mich. Das ist die beste Wahl, die ich treffen kann.

Ich verstehe deine Lage, aber ich fühle mich dafür nicht verantwortlich. Es ist nicht meine Aufgabe, dich zufrieden zu machen. Dein Glück ist deine Aufgabe. Mein Glück ist meine.

Nein, jetzt ist Schluss mit Opferrollen und Kleinhaltetaktiken. Ich weiß, was ich kann. Ich weiß, was ich brauche.

 

Diese Sätze ließen sich auf alle Lebenslagen übertragen. Auch auf Jobs. Je nach Situation steht und fällt es mit seinem eigenen Anspruch, es anderen oder sich selbst rechtzumachen.

Wie schonungslos bist du? Lebst du das Leben, das ein anderer Mensch für dich möchte (und damit für sich)? Oder lebst du das Leben, was du immer für dich wolltest, auch wenn das hieß, dass du unweigerlich jemanden verletzen musstest, aber dafür dich retten konntest? Hast du einen ehrlichen und offenen Weg gefunden, beides miteinander zu vereinbaren? Ich freue mich über deinen Kommentar!

 

Liebe Grüße,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

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