Bin ich gut oder böse? Der Tag, an dem ich zu einem Arschloch wurde

Bin ich gut oder böse? Der Tag, an dem ich zu einem Arschloch wurde

 

Ich habe mein Leben lang versucht, Menschen zu verstehen: wie sie sind, wieso sie so sind, wie sie so wurden und wie ich am besten mit ihnen umgehen kann, wenn mir das Schwierigkeiten bereitet. Wie ich sie dazu bekomme, mich zu mögen, war eine Frage, die mich bis 2013, als ich plötzlich Agoraphobie und Panikattacken “bekam”, begleitet hatte. Spätestens da musste ich lernen, dass mein Gutsein bzw. So-sein-wie-andere-Menschen-mich-am-meisten-mögen-Würden nicht zwingend mit meinem “gut” übereinstimmte, sondern es mich sogar arg verletzte. Ich rutschte immer tiefer in die Bedürfnisse anderer, war immer mehr damit beschäftigt, anderen zu geben, was sie von mir erwarteten. Am Ende hatte ich Mühe, ihre Erwartungen von meinen zu trennen. Dann kam der Tag, an dem ich selbst Arsch wurde. In der Therapie hatte meine Psychologin nämlich großen Wert darauf gelegt, mir neu beizubringen, dass ich (ICH!) auch Bedürfnisse und Erwartungen hatte, die - Überraschung! - rein gar nichts mit denen anderer zu tun hatten.

Diese Lektion sitzt mir noch immer so tief in den Gliedern, dass meine heutige, größte Angst die vor - Überraschung Nummer 2 - Selbstverlust ist. Am anderen Ende meiner Angst sitzen Freiheit, Zeit, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, Potenzialentfaltung, Selbstabgrenzung und vor allem: die neue Fähigkeit, mich von allem und jedem zu trennen, im Guten für beide Seiten, bevor ich mich von mir trenne. Die Kunst ist und bleibt, die Waage zu halten. Ich lerne sie jeden Tag neu. Was das mit Angstattacken und Panik, Depression und Stress zu tun hat, so hoffe ich, soll dir meine eigene Geschichte erklären.

 

Wie ich wurde, wer ich war

brav und lieb sein wollen aus der kindheitIch habe mich immer als Mensch gesehen, der an sich “lieb” war, niemandem schaden wollte und gern fürsorglich und loyal war. Das fand ich netter als alle anderen Optionen. Als ich aber 2013 nur noch mit mir selbst beschäftigt sein konnte, um meine psychischen Herausforderungen zu bewältigen, wurde mir etwas klar: Auch ich habe böse Anteile. Und die sind weder sonderlich erträglich noch sonderlich verträglich mit dem Ziel meines inneren Kindes: Gemocht werden! Notfalls bis zum (Z)Erbrechen!

Ganz ehrlich: Ich bin gern lieb und nett. Es ist so einfach und gleichzeitig schön, wenn man gemocht wird. Es fühlt sich sicher an und so kuschelig warm. Als ich das loslassen musste, um wieder gesund zu werden, ging es mir alles andere als gut damit. Meine Angst wollte, dass ich mich durchsetze und bei einigen unbeliebt machte. Ich hasste diese verborgene Seite an mir. Sie machte mich fordernd und unliebenswert. Ich selbst empfand Wutausbrüche, Egoismus, Unsensibilität, fehlende Hilfsbereitschaft, Ablehnung, klare Grenzen und freien Willen als lästig. Aber nicht nur das: Ich wusste, wie verletzend diese Charaktereigenschaften sein konnten. Immerhin hatte ich sie selbst zugenüge abbekommen. Irgendwann, als ich klein war, muss ich mir geschworen haben: So werde ich nie! Dieses Versprechen brachte mich in Teufels Küche. Im wahrsten Sinne des Wortes: Denn je mehr man Engel spielt, desto mehr Schatten produziert man. Wir sind eben nicht nur Licht und Liebe. Wir tragen alle dunkle und böse Seiten in uns. Unseren Schatten werden wir niemals los. Punkt.

Aber Menschen mögen “gute” Menschen, je nachdem, wie sie “gut” definieren. Einige interpretieren die Bedeutung “gut” als liebenswert (weil man xyz ist), andere wiederum können einen als “gut” empfinden, weil man etwas Bestimmtes (Schlechtes) nicht tut oder ist. Das hatte ich in meiner Kindheit gelernt und bis in die Dreißiger einverleibt. Ich war das sprichwörtliche Konzept eines Menschen, der es jedem rechtmachen konnte, weil er es wollte. Wenn jemand weinte, war ich da und wischte seine Tränen weg. Wenn jemand Unterhaltung brauchte, unternahm ich etwas mit ihm. Wenn jemand Aufmerksamkeit wollte, war ich da und streichelte seine Eitelkeit. Von einigen bekam ich wertvolle Liebe in Form von Dank oder Teilsein zurück. Von anderen bekam ich gar nichts, besonders, wenn ich dieses Verhalten nicht nach ihrer Laune aufrechterhielt. Dafür erntete ich aber Missbilligung und Ausgrenzung. Und fühlte mich schuldig.

Aber ich billigte und ertrug. Ich erinnere mich sogar an Zeiten, in denen ich meinte, das müsste so sein: nicht wegen mir, sondern weil es die Umstände mit sich brachten, weil “harte Zeiten nun einmal harte Maßnahmen erforderten” (“Schon ok, dass ich zum Kollateralschaden wurde! Macht nichts!”) oder auch, weil “man sich im Sturm mit jedem Hafen zufriedengibt” (“Passt schon. Ich reiche eben nicht aus!”). Ich hatte eine Menge Rechtfertigungen für das verletzende Verhalten meiner Mitmenschen oder Ereignisse, die mich ins Wanken brachten. Und noch mehr Argumente hatte ich, wieso ich nach außen hin lieb bleiben musste.

Im Endeffekt war das der größte Trugschluss, die dickste Illusion, der ich je hätte erliegen können.
Was mir meine Angststörung zeigte? Das hier:

 

Eigentlich bin ich ganz anders und es ist Zeit, dass ich das merke (und andere auch)!

engel oder teufel über gute und böse menschen und unserem schattenIch habe Harmonie schon immer geschätzt und mochte es, wenn alles ruhig und ohne große Herausforderungen vonstatten ging. Mir bedeutet Seelenruhe sehr viel; ständige Auseinandersetzungen und Kämpfe tun mir hingegen weh. Noch immer. Doch unsere dunklen Seiten zu verbergen, zu verneinen, zu projizieren oder zu verdrängen, macht uns leider anfällig - für Menschen, die uns ihre dunkle Seite vor die Füße kotzen, uns ihre Messer in den Rücken stechen und dann lächelnd von dannen ziehen. Du weißt, was ich meine. Nur habe ich früher nie verstanden, dass diese Menschen ihren “guten” Sinn haben: mir zum Beispiel zu zeigen, dass ich fordern und WOLLEN darf, dass ich mir Wünsche erfüllen darf, gleich, was andere dazu sagen, und dass ich meine Wege gehen SOLLTE - einfach nur meinetwegen. Sie zeigten mir, dass andere niemals wichtiger sind als ich und dass jeder okay ist, so, wie er ist (ob das anderen nun gefällt oder nicht). Und dann noch: Auch ICH darf mich ruhigen Gewissens mal so richtig daneben benehmen, Fehler machen und völlig unvernünftig sein.

Mein damaliger (und heutiger) Schlüsselsatz:
Wichtig ist nur, dass du dir selbst genügst.

Meine Stärke war das nicht. Nehmen wir meine letzten zwei Beziehungen: Sie bestanden fast nur daraus, dass ich da war, wenn und weil sie mich da haben wollten. Ich erfüllte alle Bedingungen, die meine Partner an eine Beziehung und eine Frau (oder gute Freundin, Schwester, Mutter) hatten. Ich schrie ihnen fast ins Gesicht: Such dir was aus, was dir gefällt! Als wäre ich ein Supermarkt. Ich stellte keine eigenen Bedingungen auf, außer, dass ich geliebt werden müsste. Dafür war ich das, was sie wollten, brauchten - oder nicht wollten und nicht brauchten. Ich war eine wandelnde Anpassungsfrau oder wie Julia Onken es in ihrem Klassiker “Vatermänner” formulierte: eine wahre Leistungstochter.

Auch im Job: Mein damaliger Arbeitgeber hat mir große Dienste geleistet, nicht nur an wertvollen Lektionen fürs Leben. Auch menschlich hat er mir viele tolle Personen in mein Leben gebracht, von denen ich charakterlich schwer profitieren konnte. Auch in puncto Wissen durfte ich in dem Unternehmen wachsen und viele neue Bereiche erkunden. Und hier kommt das berühmte Aber: ICH, so wie ich wirklich BIN, passte nicht dorthin. Ich leistete mich dumm und dämlich, doch am Ende des Tages fühlte ich mich trotzdem ungenügend. Nichts reichte, nicht einmal ich mir. Aber ich tat einiges, was es so aussehen ließ, als wäre ich der ideale Griff für meine damalige Arbeit und meine damalige Arbeit der ideale Griff für mein kleines Mädchen namens MUSS. Mein wahres Ich, nicht etwa das angepasste, kleine und erlernte Ich, musste ich verheimlichen. Das war der Preis.

Auch in Freundschaften musste ich die Erfahrung machen, dass ich verlassen wurde, wenn ich aufhörte, den Zweck zu erfüllen - welcher es auch war. Ich verlor einige Menschen an meine Angst- und Panikstörung. Heute sage ich gerade heraus: zum Glück! Ich hätte ihnen nicht länger geben können, was sie von der Welt, und ich als ihr Symbol, brauchten. Damals blieb ich still und litt, nahm es hin, wie es war, muckte nicht auf, stand nicht für mich ein. Und tat ich es doch, verlor ich sie ebenfalls.

 

Und jetzt das Schöne: Du darfst!

wut rauslassen und so sein wie man ist statt immer gut zu seinIch lernte in dieser Zeit, dass mich einige Menschen “gut”, ja, sogar besser fanden, wenn ich das “böse Mädchen”, das Teufelchen, die krakeelende Furie herausholte, die sich zur Wehr setzte und ihrer Wut über all ihre verletzten Grenzen Ausdruck verlieh. Das machte mich stutzig, wie du dir sicher vorstellen kannst. Bei mir war es mein damaliger Chef, der meiner nötigen Veränderung den Anstoß gab. Er machte meinen Tag, an dem ich zu einem Arschloch wurde und offen und befreit jedem Menschen meine Grenzen (notfalls auch) ins Gesicht brüllte, zu einem unvergesslichen Moment. Kein ausschließlich “guter”, aber dafür notwendiger. Ganz sicher hast auch du so einen Menschen in deinem Leben oder aber sie laufen dir regelmäßig über den Weg.

Hauptsache ist, dass du nicht vor ihren Worten davonläufst, sondern stehenbleibst und sie anhörst. Und ihnen glaubst.

Es macht dir vielleicht Angst oder sorgt für Panikattacken, Depressionen oder Stresshormone, wenn du nicht gemocht wirst, aneckst oder als unbequem, unliebenswert und anstrengend empfunden wirst. Es zeigt deine tiefe Empathie, Sensibilität und Flexibilität, dich allen Umständen, externen Bedingungen und Menschen anpassen zu können, sodass du dich geliebt, wertgeschätzt fühlst und vor allem willkommen und genug.

 

Alles hat seinen Preis: Das Problematische am Nettsein

Du kämpfst: um etwas, was du nur dann bekommst, wenn du etwas bist oder nicht bist - Bedingungen, die andere dir wie einen Einkaufszettel in die Hand drücken. Bringst du die Zutaten nicht aus deinem Supermarkt des Seins mit, kann das geplante Lieblingsessen der Anderen nicht gekocht werden. Es schmeckt ihnen auf jeden Fall sehr viel weniger. Und du hast vielleicht sogar Schuld und darfst dich wie ein kleines Kind schämen. Du weißt ja immerhin, dass sie Bedingungen haben. Du fürchtest, dass sie den Vertrag mit dir auflösen, wenn du gegen die Bedingungen, die du einst unterschrieben hast, verstößt.

gib deiner angst panik und depression was sie will sei wie du bistAber hier ist ein Geheimnis: So ein Szenario ist Kind-Eltern-Dynamik. Klar, du kannst motzen und poltern und brüllen: Verdammt nochmal! Habt mich endlich lieb und gern, genauso, wie ich bin! Oder aber du bist lieb und brav und tust alles, was sie von dir wollen, als wären sie deine Eltern und du das kleine, hilflose Ding, was in seiner Existenz völlig von ihnen abhängig wäre. Du: das Opfer. Sie: die Täter.

Oder du erinnerst dich daran, dass weder sie größer sind als du, noch irgendwer entscheidet, wer und was du bist, außer du selbst.

Bedingungen können sich ändern, verringern oder erweitern. Es gibt keinen Vertrag und kein Versprechen, das nicht heute noch gelöst werden kann. Du darfst jederzeit allen Bedingungen widersprechen. Du darfst Verträge auflösen. Du darfst anderen deine Bedingungen vorlegen, die sie unterschreiben müssen, damit du dich wohl und gesund fühlst. Du darfst alles das, was auch andere glauben, zu “dürfen”, sogar das, was dich zutiefst verletzt. Auch wenn das “Auge um Auge, Zahn um Zahn”-Prinzip so seine Tücken hat: Wenn du das brauchst, nimm es dir. Erlaube es dir. Offen. Ehrlich. Sodass es JEDER sehen kann. Du wirst erstaunt sein, wie wenig die Reaktionen der Menschen, deren Reaktionen du am meisten fürchtest, dem entsprechen werden, was dir deine Angst flüstert.

 

Noch ein letztes Wort: Du bist kein Supermarkt!

Der Eine mag Leber, der Andere hasst sie: So ist das Leben. So sind die Menschen. Wir brauchen Vielfalt und niemand kann es jedem rechtmachen. Wenn du dich verlierst, aus Angst, andere zu verlieren, dann bleibt dir dennoch ein Verlust sicher. Verlust gibt es, wie du siehst, auf beiden Wegen. Natürlich wünsche ich dir, dass du dich gegen den Verlust deines Selbst entscheidest und notfalls gegen andere Menschen, die dich anders wollen.

Aber es gibt noch etwas, was dir zeigen möchte, dass Selbstverlust eine der schmerzhaftesten Wunden ist, die du dir zufügen könntest: deine Angst, Panikattacken, Depressionen und/oder täglicher Anpassungs-Stress.

Was auch immer dich beherrscht, existiert nur, weil du dich beherrschen lässt.

Deine Angst möchte, dass du den Thron deines Lebens besteigst. Sie brüllt: Raus aus der Enge deines Lebens! Befreie dich von fremden Ketten! Deine Panik will, dass du dich abgrenzst - von allem, was dir fremde Grenzen setzt und deine überschreitet, dich kleinhält und im Schmerz über die Umstände festhält. Sie bettelt: Hör auf, everybody’s darling sein zu wollen. Grenze dich endlich an! Deine Depressionen mögen dir missverständlicherweise sagen, dass du nicht wert seiest, aber in Wahrheit rufen sie: Erkenne deinen Wert - mit all deinen guten und “bösen” Seiten, deinen hohen und niederen Gefühlen. Trauere und dann erhebe dich. Oder auch: Erhebe dich, weil du trauerst.

ein leben im albtraum ist kein gutes leben sei böseEine jede Krankheit hat ihre ureigene Form, so wie ein jeder Mensch seine Art und Weise hat. Angst beispielsweise kommt ja nicht umsonst vom lateinischen Wort angus für Enge. Panik als Begriff stammt von Pan, das Wesen der Mythologie aus halb Mensch, halb Ziege. Der Gott!!! Pan wurde so richtig wütend und aufbrausend, wenn er seine Mittagsruhe nicht bekam und es jemand wagte, ihn zu stören. Seine Wutausbrüche prägten das heutige Wort Panik, weil er alle Störenfriede seine unerfüllten Bedürfnisse und verletzten Grenzen spüren ließ. Depression stammt vom lateinischen Wort deprimere und bedeutet “niederdrücken”. Was wiegt so schwer, dass es dich niederdrückt? Wozu hältst du dich klein? Wie gehst du mit den niederen Gefühlen um? Und natürlich vieles, vieles mehr.

Krankheit zeigt dir also genau, dass du mit etwas/jemand Krankhaftem und Ungesundem, Giftigem und Störendem auf “gut Wetter machst”. Doch jeder Regen bringt dir einen Segen. Sei bereit für die Veränderung, nach der dein Körper, Geist und Herz (oder deine Seele) sich sehnen. Gib ihnen einfach, was sie wollen. Dreh ein wenig deine Stimme hoch, wenn du beim nächsten Mal verletzt wirst. Wirf Geschirr an die Wand, wenn dich jemand wütend macht. Leg einfach auf, wenn du dir das Gerede eines Menschen nicht mehr geben willst. Melde dich nicht mehr, wenn du keinen Kontakt mit jemandem haben möchtest. Sag einem Menschen, dass du dich ausgenutzt fühlst. Trau dich, etwas und jemanden abzulehnen, weil es nicht mit deinem Bauchgefühl übereinstimmt: Was auch immer es braucht, um dich wohl und gesund zu fühlen, tue es. Es mag leichter sein, sich selbst gegenüber böse zu sein oder seine Wut, Traurigkeit und Angst in sich zu behalten, statt die “lieben und guten” Grenzen zu sprengen. Aber auch das hat seinen Preis.

Und wenn du bereits unter starken Stresssymptomen oder gar Angstzuständen, Panikattacken und Depressionen leidest, dann laden sie dich ein, neu zu überlegen, ob dieser Preis nicht doch VIEL zu hoch ist - gemessen an dem, was du für ihn bekommst.

Sag mir:
Wie gehst du mit deinem Schatten um? Was hat dir deine Angst, Panik, dein Stress oder deine Trauer, Depression, Burnout oder Wut gezeigt? Bist du lieber Engel oder Teufel? 

Alles Liebe,

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Was tun, wenn du dich nicht mehr fühlst? Ein Coaching-Tipp

Was tun, wenn du dich nicht mehr fühlst? Ein Coaching-Tipp

 

Ich habe in meinem Podcast bereits über die Macht eines fehlenden Sinns im Leben gesprochen. Dabei habe ich zu erklären versucht, dass wir alle auf der Suche nach unserem Sinn sind, den wir mit einem bestimmten Lebensgefühl in Verbindung bringen. Wenn man glaubt, sich verloren zu haben, an den Partner, die Kindererziehung, den Job (oder Chef), einer Leidenschaft, Drogen, Geld oder sonstiges, meint man in Wahrheit, dass man ein bestimmtes Gefühl nicht mehr spüren kann, ohne das wir uns verloren fühlen, abgeschnitten von uns selbst oder einem wichtigen Umfeld. Ohne dieses Gefühl verspüren wir dann zum Beispiel Enge, Trauer, Schuld, Scham oder Angst.

Wer auf der Suche nach sich selbst ist, darf sich nach diesem einen Gefühl umschauen - in seinem momentanen Leben: Wann war es zuletzt da? Was unternahmen wir, um es zu fühlen? Wann ging es abhanden? Wodurch distanzierte man sich von dem Gefühl? Welche Menschen und Situationen haben die Distanz unterstützt oder gar gefordert?

 

Was mir fehlte und welche Gefühle ich so dringend zurückhaben wollte

Mir fehlten Sinn und Interesse, Anerkennung und Wertschätzung und vor allem Zugehörigkeit und Teilhabe. Schnell wurde mir klar, dass ich mich am falschen Platz befand, nicht nur im Beruf, sondern auch in meiner damaligen Beziehung, selbst in Bezug zu einigen missratenen Freundschaften. Und das machte mir eine Heidenangst. Wann immer ich in Situationen kam, in denen ich das Gegenteil, also das Gefühl der Angstfreiheit und Freude, nicht spürte, bekam ich Panikattacken. Ging ich aber aus der Situation heraus, grenzte mich ab, wagte es, Nein zu sagen oder mich zu trennen, ging es mir schnell wieder gut.

was tun wenn man sich nicht mehr fühltIch hatte zu lernen, Grenzen zu haben und sie zu setzen. Ich hatte zu verstehen, dass ich ein Individuum bin, das selbst auf der Suche nach seinem Sinn ist. Ich durfte vor allem lernen, dass jeder stets versucht, in seinem Leben Sinn zu gewinnen. Und das niemand - NIEMAND - dich stören kann, wenn du es nicht zulässt. Angst aber entstand in mir immer dann, wenn ich anderen erlaubte, mich zu stören. Dann ergab auch nur wenig Sinn. Erledigte ich zum Beispiel Arbeit, die ich für sinnlos hielt, bekam ich Angst. Tat ich etwas, was mir widerstrebte, bekam ich Angst. Waren Gespräche einseitig oder gar destruktiv, bekam ich Angst. Ruderte ich in eine Richtung, die von anderen diktiert worden war, bekam ich Angst.

Es war damals an der Zeit, dass ich mich wieder erkenne - meine Werte und eben dieses eine Gefühl, das meinem Leben Sinn gab: Freiheit zu denken, fühlen und zu tun, was ich wollte. Nicht länger unter den Entscheidungen anderer leiden. Nicht länger die Liebe und Brave, Harmonische und Gefügige mimen. Das hieß Freiheit von Angst und Fremdbestimmung.

Ich musste also mein Kleinsein loswerden, musste mit meinem inneren Kind in ein Gespräch gehen, das schon lange überfällig gewesen war. Ich musste erkennen, wieso ich früher so gern das Opfer gemimt hatte, und dass es jetzt an der Zeit war, diese Haltung zu überdenken und schlussendlich zu korrigieren.

Keine leichte Nummer, aber Schritt für Schritt lernte ich alles das. Doch es dauerte, bis mir klar war, was ich für sinnvoll erachtete, welche Gefühle mich bedrängten, was sie auslösten und was ich eigentlich spüren wollte.

Falls es dir ähnlich geht, hier ist ein Coaching-Tipp:

 

Sinn-volle Gefühle: Selbst-Coaching-Tipp

Welches Gefühl verbindest du mit deiner jetzigen Situation, die dich schlecht fühlen lässt? Vervollständige diesen Satz:
Das Gefühl, dass ich am meisten ablehne, ist  ___________________________.

Dann bilde das Gegenteil dieses Gefühls. Vervollständige den Satz:
Stattdessen möchte ich das Gefühl __________________ spüren.

Gratuliere zum ersten Schritt! Der nächste ist, dass du überlegst, wie du dieses Gefühl wieder etablierst und das gegenteilige Gefühl minimierst. Ganz oft, das sehe ich immer wieder an meinen Klienten und Klientinnen, hat es mit Durchsetzungsvermögen und Authentizität zu tun, der Fähigkeit, zu sich selbst zu stehen, weil man sich kennt. Wenn du weißt, dass dir eine Situation oder ein Mensch, ein Umstand im Job oder in der Partnerschaft schlecht tut, dann solltest du dich weder zwingen noch Ausreden finden, wieso du es dennoch erlaubst. Wir sollten auch niemandem erlauben, für uns zu entscheiden. Denn nur wir wissen, wie wir uns fühlen und was wir brauchen, um uns zu fühlen. Egal, was dir andere sagen: Niemand entscheidet, wie du dich fühlst bzw. zu fühlen hast.

 

Der Sinn deiner Gefühle: Entdecke deine Gefühlswelten

sich wieder fühlenOft sind die ersehnten Gefühle Freude, Angstfreiheit, Vergnügen, Abwesenheit von Traurigkeit und Schmerz, Überraschung (Abwechslung), Schuld- und Schamfreiheit (Du bist richtig! Du machst es richtig!), Abwesenheit von Gegenwehr (alles, was dir gegen “deinen Strich” geht, soll weg, du willst nicht mehr kämpfen, willst nicht mehr simulieren, willst endlich so sein, wie du bist) oder auch Interesse, Verliebtheit und Stolz, Erfüllung und Verwirklichung.

Hier sind einige Beispiele für Werte, die deine ersehnte Gefühle auslösen könnten und deshalb fundamental tragen:

  • Sicherheit (emotionale, finanzielle und/oder existenzielle)
  • Geborgenheit
  • Zugehörigkeit, Teilhabe, Mitbestimmung
  • Sinnhaftigkeit (z. B. Identitätsstiftung, Zweck, Berufung)
  • Anerkennung und Wertschätzung
  • Zuwendung und Liebe
  • persönliche Freiheit (u. a. Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Erfüllung)
  • Selbstentwicklung und -verwirklichung (Lernen, Spaß am Probieren)

Diese Bedürfnisse entstammen der Maslowschen Bedürfnispyramide und zeigen, dass wir alle diese Bedürfnisse haben - mal mehr, mal weniger, je nach aktueller Lebenslage. Sind diese Bedürfnisse unerfüllt oder haben wir gar Lebensumstände, die uns noch weiter von der Erfüllung entfernen, fehlt dir auch dieses eine Gefühl, was du so dringend möchtest, immer mehr.

Schau deshalb in deinem Leben, was davon du nicht in dem Maße hast, wie du es dir zu fühlen wünschst. Überlege dir, wie du das Gefühl wieder etablieren kannst, wie du die gegenteiligen Gefühle verringern oder gar auf ein Minimum bringen kannst: Was kannst du selbst dafür tun? Wo musst du andere bitten, dich zu unterstützen? Bei wem musst du lernen, dich durchzusetzen? Wem hast du zu selten oder nicht nachhaltig genug deine Grenzen gelehrt? Welche Gefühle hielten dich davon ab? Wovon kannst du dich trennen? Wo musst du einen anderen Weg finden?

Nimm dir nur deine Gefühle, nicht deine Angst, wenn du nach Lösungen suchst. Lass dich von ihnen leiten. Mit ihnen wirst du immer einen Weg finden, näher an das, was für dich Sinn macht, zu kommen. Gib dich aber nicht mit dem ab, was du hast, nur aus Angst. Erlaube dir wieder, dass du dich fühlen und spüren kannst. Jeder hat Liebe, Freude, Erfüllung und Sinn verdient. Natürlich auch du!

Alles Liebe,
Janett

 

 

Was die Angst, sich zu zeigen, bedeutet & was man gegen sie tun kann

Was die Angst, sich zu zeigen, bedeutet & was man gegen sie tun kann

 

Heute kontaktierte mich eine meiner Leserinnen, die schon seit sehr langer Zeit spürte, dass sie etwas in ihrem privaten und beruflichen Leben verändern muss. Gleichzeitig spürte sie heftige Blockaden, die mit körperlichen Symptomen der Angst, Trauer, Schuld, Scham und sogar Panik einhergingen, wenn sie sich und ihre Potenziale zeigen wollte.

Wie so viele, die gerne ihr wahres Ich in voller Größe leben wollen, fürchtete auch sie, zu versagen. Stattdessen passte sie sich weiter einem genormten Leben an und orientierte sich an dem, was “man darf” und was sie glaubte, zu können. In ihr hallten unentwegt die Stimmen der Anderen:

  • Das ist falsch!
  • Lass von deinem Bauchgefühl ab!
  • Mach es so wie alle anderen!
  • Du darfst deinen eigenen Weg nicht gehen!
  • Du bist nichts Besonderes!
  • Du begehst einen Fehler!
  • Das wird doch nie was!
  • Das braucht die Welt nicht!
  • Es gibt schon zu viele. Du bist kein Stück anders!

 

Über die Angst, sich zu zeigen, und wie sie entsteht

was tun gegen die Angst sich zu zeigenEs waren eben die Gedanken der Anderen, nicht ihre eigenen. Sie war es gewohnt, zu tun und zu lassen, was ihr andere als “richtig” und “gut” vermittelt hatten. Sie glaubte aus Gewohnheit, dass sie ihr wahres Ich in voller Größe nicht zeigen und ausleben dürfte. Sie hatte den Stimmen zu lange gehorcht und war nun sicher, dass sie sich schuldig machen würde, wenn sie sich erlaubte, anders, besonders und bedeutungsvoll zu sein und zu leben. Sie fürchtete die Reaktionen der Anderen: belächelt zu werden, zu bereuen, allein sein zu müssen. Das wollte sie nicht. Sie wollte Teil sein und brauchte - wie alle anderen auch - die Zuwendung und Unterstützung ihres sozialen Netzwerks. Doch es gab diese kleine Stimme in ihr, die ihr nicht länger erlaubte, sich klein zu machen und von anderen klein halten zu lassen. Diese Stimme wollte, dass sie sich traut und in ihrer wahren Größe zeigt - endlich umsetzt, was sie sich so sehnlichst wünschte: Sein und leben, wer sie wirklich ist.

In vielen bebt der Wunsch nach Größerem, der Drang, endlich ihre Leidenschaften und Begabungen im vollen Potenzial auszuleben. Sie wollen sichtbar werden oder an den großartigen Veränderungen in den Köpfen der Menschen teilhaben, sich sozial oder andersartig einbringen. Sie wollen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse an Menschen weitergeben, die noch auf der Suche sind. Sie wollen endlich zeigen, was sie können - und DASS sie etwas können. Doch gleichzeitig fürchten sie sich davor, was geschehen könnte, wenn sie es dann tun. Es ist eine Angst vor den Konsequenzen, die unentwegt gegen die Angst vor Selbstverlust kämpft. Hin und hergerissen zwischen der Intuition und dem sozialisierten “Verstand” wissen sie keine Kompromisse.

 

Was die Angst, sich zu zeigen, mit der Angst vor Gefühlen zu tun hat

Wer schon einmal heftige Angst erlebt hat, kann sich an Momente im Leben erinnern, in dem man von außen ausgebremst wurde. Sei es, dass man in der Kindheit durch Eltern oder Geschwister lernte, sich zurücknehmen zu müssen. Oder man hat im weiteren Verlauf des Lebens festgestellt, dass es leichter ist, Zuwendung und Wertschätzung zu erhalten, indem man sich anpasst. Ganz oft vergaß man sich selbst dabei und vor allem seine eigenen Bedürfnisse. Damit verneinten sie gleichzeitig ihre Talente und Fähigkeiten. Stattdessen widmeten sie sich anderen Menschen und dem was diese brauchten und wollten. So lernten sie, sicherzustellen, dass sie in Kontakt und sicher bleiben und nicht übersehen werden würden. Dummerweise übersahen sie sich die ganze Zeit und brachten vielleicht sogar noch anderen Menschen bei, dass es o. k. wäre, dass sie übersehen wurden.

Was sich eigentlich dahinter verbirgt, ist eine Angst vor Gefühlen: den eigenen und denen der Anderen, die in Verlust gipfeln würden (bei einigen bis hin zu Todesangst oder der Angst, mit ihrem gewohnten Ich vernichtet zu werden). Denn, was würde es auslösen, wenn man plötzlich über sich hinauswächst und sich in einem anderen Licht präsentiert als jenes, das andere von uns gewohnt sind? Würden uns andere dann nicht belächeln oder uns als größenwahnsinnig beschreiben? Hier ein Sinnbild:

Stehen zwei Menschen voreinander.
Fragt der eine entsetzt den Mutigen: “Was fällt dir eigentlich ein? Was glaubst du, wer du bist?”
Antwortet der andere: “Was glaubst du eigentlich, wer du bist? Was fällt dir ein?”

 

Die Welt ist dein Spiegel

angst sich zu zeigen projizierenEigentlich wäre es doch ein Leichtes, zu sagen: Ich habe ein besonderes Talent. Ich liebe mein Leben. Ich möchte es dafür nutzen, meine Fähigkeiten ins Unermessliche ausleben zu können. 

Doch zu oft zeigt sich die Welt und ihre Bewohner als Spiegel unserer Ängste. Was wir glauben, zu sein oder nicht zu sein, zu können oder eben nicht zu können, wird uns dann immer wieder auf einem Silberteller präsentiert. Es kitzelt unsere Angst vor Ablehnung und Kritik in Form unseres inneren Kritikers heraus, zeigt uns unsere Makel, lähmt unseren Körper mit Angstsymptomen und sorgt für noch weniger Selbstachtung und Selbstwert. Gleichzeitig wirft es einen auf die Angst vor zu viel Aufmerksamkeit zurück. Denn viele sind es gewohnt und hassen es, dass sie begutachtet werden (es erinnert an eine leidvolle Prüfung) und eventuell kritisiert werden in ihren vermeintlich mangelhaften Leistungen. Eine andere Seite an dieser Angst ist, dass man als “zu gut” eingestuft würde (Spiegel dafür, was man sich noch nicht zutraut) und Menschen plötzlich erhöhte Ansprüche an einen stellen würden. Perfektionstendenzen scheinen uns ab meiner Generation quasi in die Liege gelegt worden zu sein. Wenn dann auch noch die Welt auf uns schaut und stets prüft!, ob wir hier wirklich etwas können, und erwartet!, dass wir großen Leistungen erbringen, wird entweder aus dem Wollen schnell ein Müssen (im schlimmsten Fall auch Burnout) oder eine immerwährende Prüfungssituation.

Die Angst vor Leistung und Sich-Beweisen dämmt man nur mit einer gesunden Selbstabgrenzung und der Fähigkeit, auch einmal alle Neune gerade sein zu lassen (bei sich), Pausen einzulegen und einzufordern und Nein sagen zu können. Man muss wissen, wie man mit Neidern und eifersüchtigen, shitstorm-affinen Menschen umgeht, ohne sich zu verletzen, während man unentwegt seinen eigenen Weg weitergeht.

Es braucht die Fähigkeit, nicht perfekt sein zu wollen, das Wissen, dass man gut genug ist und nicht alles können oder wissen muss. Es bedarf das Vertrauen, dass man stetig wachsen und Fehler korrigieren kann, dass man es nicht jedem rechtmachen kann. Am wichtigsten jedoch erscheint mir die Fähigkeit, respektvoll mit fremden Gefühlen wie auch den eigenen umzugehen, statt sich vehement zu rechtfertigen, durch noch mehr Leistung oder totalem Verzicht überzeugen zu wollen. Mir half es immer, zu sagen:

“Es ist schön, dass du deine Gedanken dazu mit mir teilst. Das zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich Menschen die Welt doch sehen.”

 

Von den Einen belächelt und den Anderen abgelehnt

keine angst vor der eigenen größeNatürlich gibt es genauso viele Menschen, die eher bewerten und andere für ihre Talente und ihren Mut verurteilen. Es bringt nichts, an ihnen herumschrauben oder sie überzeugen zu wollen. Sie leben nach anderen Regeln, so wie wir nach unseren. Sie haben sich in den Rahmen der Gesellschaft fest eingereiht und geben oft alles, um nirgends anzuecken oder negativ aufzufallen. Viele von ihnen tragen noch ihre inneren Kinder höher als ihr erwachsenes Ich. Kinder möchten, dass die “Großen” stolz auf sie sind, sie etwas richtig gemacht und “es” geschafft haben, das zu sein, was die Großen ihnen beibringen wollten. “So ist es richtig. Das hast du gut gemacht!”

Es ist eben diese Angst vor dem Auffallen, die eine andere Angst, nämlich die, negativ aufzufallen, mit sich bringt. Und auch die Angst vor den eigenen destruktiven Gefühlen, die andere Menschen verletzen könnte, schwingt mit.

Betrachten wir das einmal genauer: Wenige schauen gern Menschen dabei zu, wie sie sich selbst feiern. Es löst Fremdscham und Befangen aus. Einige freuen sich mit, aber wollen auch gleich auf den Zug aufspringen und mitmachen, aber nichts allein tun, um so weit zu kommen. Andere verurteilen Menschen, die sich zu ernst nehmen. Oder sie schütteln vehement den Kopf, wenn sich ein Mensch selbst verwirklichen möchte und dafür alle Brücken hinter sich abbricht. Die Reaktionen sind verschieden, aber zeigen alle die Angst davor, nichts und niemand zu sein. Wer “besser” ist, der hält ihnen im schlimmsten Fall den Spiegel hin und sagt: “Siehst du, so gut bin ich. Du bist schlechter.” oder noch schlimmer: “Du bist ein Nichts gegen mich.” (Nur, dass sie das meistens gar nicht sagen, sondern sich die Wertenden das einreden, damit sie sich eben nicht weniger wert fühlen. Das Gefühl der Verachtung ist ein unheimlich spannendes, denn es kommt einer Präventionsmaßnahme gleich: Sie werten den Anderen im Vorfeld ab, um sich im Vergleich nicht selbst abwerten und keine Trauer, Wut, Angst, Scham oder Schuld fühlen zu müssen.)

Doch in Wahrheit trauen sich diese Menschen wenigstens etwas zu. Sie nehmen sich und ihr Leben ernst genug, um es so zu leben, wie sie es sich wünschen. Ungeachtet dessen, was andere über sie sagen, denken und urteilen, wagen sie es, ihre Lebensaufgabe zu suchen und sie auszuleben. Leider tun sich noch viel zu viele schwer damit. Sie wollen niemanden verletzen und von niemandem verletzt werden. Sie hegen Selbstwertzweifel und Sorgen um ihre Existenz, aber auch um ihre Beziehungen. Verlustängste plagen sie genauso wie die Angst vor Inbeschlagnahme, wenn sie blieben, wer sie mimen zu sein, gepaart mit dem Gedanken, man könne oder dürfe nicht besonders/anders/begabt/mutig sein.

 

Drei Wege, um die Angst, sich zu zeigen, zu mildern

Janett Menzel

 

Weg 1) Warte noch länger auf dich und deine Aufgabe: Wenn dieser Drang nämlich erst einmal so tief geworden ist, dass nichts ihn noch besänftigen könnte, spielt auch die Angst vor Kritik, zu versagen, Trauer, Schuld und Scham keine Rolle mehr. Meist aber hat deine Seele dann schon alle Register gezogen und dich auch körperlich lahm gelegt, um deiner Angst ihren Ausdruck zu verleihen, damit du dich endlich darum kümmerst.

Weg 2) Höre auf, zu warten, und darauf, dass andere für dich, deine Fähigkeiten und deinen Lebensweg bereit sind: Die Auseinandersetzung mit deinen negativen Gefühlen kann bereits helfen, ein gesundes Ich herzustellen oder aber es zu unterstützen. Besonders die Angst vor den eigenen destruktiven Gefühlen wie Wut auf die Anderen oder deren Verachtung darf begegnet werden. Wer jemanden bewusst zu eigenen Gunsten kleinhalten will, dessen Rahmen darf gern aufgebrochen werden. Auch wenn dein innerer Kritiker unentwegt meckert und mahnt: Du DARFST und wirst Fehler machen. Aus denen wirst du lernen. Wie bei Kindern hilft es, sie hinfallen und wieder aufstehen zu lassen, dabei zu entmutigen, weiter zu machen und nicht gleich aufzugeben. Erlaube dir das Spielerische an deinem Weg und deiner Aufgabe.

Weg 3) Erkenne, dass alle Menschen ein Recht auf ihre Meinung haben und du auswählst, welchen Vorschlag du annimmst - und welchen nicht. Da die Menschen am meisten unter dem leiden, was sie denken, was andere von ihnen denken könnten, hier noch zwei, drei Worte dazu, was wirklich in den meckernden und urteilenden Menschen vor sich geht. Ich habe das zu genüge beobachten dürfen und daher weiß ich um den eigentlichen Kern: Sie haben Angst. Es ist dieselbe Angst wie deine:

  • Im Vergleich mit dir schneiden sie schlechter ab, denn sie sehen, dass sich jemand etwas (mehr) zutraut als sie selbst.
  • Sie selbst haben ggf. gelernt, dass sie nicht besonders sein sollen, sondern sich in Anpassung und Genügsamkeit üben müssten.
  • die angst der anderenVielleicht haben sie noch stärker unter Abwertung oder Kritik gelitten, als sie sich ausprobierten, das Leben spielerisch erprobten, besonders in ihrer Kindheit. Oder sie leiden noch immer unter Fehlern, die schwerwiegende Konsequenzen nach sich trugen. Statt sich weiter oder neu zu vertrauen, misstrauen sie sich lieber aus Vorsicht.
  • Es gibt auch viele, die schlichtweg schwer damit umgehen können, wenn einer “größer” erscheint (im Wissen, in der Erfahrung, in den Taten, im Umgang mit Gefühlen usw.). Sie wollen ihre eigene Unsicherheit nicht fühlen, wollen nicht spüren, wie klein sie sich halten oder haben halten lassen.
  • Andere wiederum wollen ihre Größe nicht mit dir teilen und verurteilen dich scheinbar dafür, dass du ihnen ihren Platz “wegnehmen” willst. Wut ist für viele leichter als Angst zu zeigen. Sie wollen ihre Größe in der Reflexion ausleben und durch dich sehen. Du sollst der Spiegel ihrer Besonderheit und Talente sein, aber nicht sie zum Spiegel machen wollen. Sie wollen im Mittelpunkt stehen, statt zuzusehen: “Das hast du großartig gemacht! Du bist der/die Beste! Nur du!” Sie fürchten, dass andere sie ausstechen, übertrumpfen und sie - in ihrer Interpretation - ein Versagen. (Aufmerksamkeit wünscht sich jeder, doch es besteht ein Unterschied, ob wir unseren “Kollegen” etwas gönnen und anderen Menschen Gutes wünschen oder ob wir sie insgeheim ausbremsen wollen, nur um unsere Unsicherheit, Traurigkeit oder Angst nicht spüren zu müssen.)

Eigentlich haben sie nur Angst, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu verlieren, die sie so sehr brauchen wie die Luft zum Atmen - wie wie alle. Einige Menschen brauchen diese von anderen. Sie brauchen andere als Spiegel. Andere werden zum Spiegelbild selbst und machen trotzdem einfach ihr Ding. Das wird sich im ersten Moment sehr schlecht für Urteilende anfühlen, aber die Menschen, die du fürchtest, wenn du Angst hast, dich zu zeigen, brauchen auch dich, um ihre Angst hinter sich zu lassen. Sonst würde man ihnen unentwegt “erlauben”, diese nicht ansehen, sondern verdrängen und auf andere projizieren zu dürfen. Die Verantwortung für ihre Gefühle tragen dann nicht mehr sie, sondern andere (die ja wiederum auch ihre eigenen Gefühle haben, mit denen sie klarkommen müssen). Doch so, wie sie dir deine Angst zeigen (und ihre projizieren), darfst du ihnen ihre zeigen. Du darfst ihnen auch deine Angst zeigen.

Denn es gibt dich.

Entscheidend ist nur, was du selbst über dich glauben möchtest - und dir selbst erlauben möchtest.

 

Keine Angst vor Männern, der Liebe und Beziehungen

Keine Angst vor Männern, der Liebe und Beziehungen

 

So wunderschön die Liebe auch sein kann: Sie bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich - besonders, wenn es in der Vergangenheit Ereignisse gab, die einem genug Anlass dazu geben, Angst vor Männern oder Angst vor Liebe an sich zu haben. Aber liegt es tatsächlich an der Liebe und romantischen Beziehungen oder sind es die Männer im Allgemeinen?

 

Was hinter der Angst vor Männern und der Liebe wirklich steckt

Angst vor Männern und der LiebeBei Frauen kann sich die Angst vor Männern und der Liebe unterschiedlich äußern:

Entweder sie sehnen sich nach Liebe (Zuwendung, Bestätigung, Anerkennung) und tun alles, um sie zu bekommen, nur um dann festzustellen, dass sie sie - einmal erhalten und das Herz erwärmt - doch nicht brauchen oder nicht von diesem Mann möchten. Sie glauben schnell, dass sie nicht zueinanderpassen und sind so schnell weg, wie sie da waren. Oder sie spüren die Angst, wenn die erste Nähe stattfindet. Mit jeder Enge in der Brust oder Panik vor der ersten Intimität wollen sie die Flucht ergreifen:

Ich habe Frauen kennengelernt, die krank wurden, weil ihr Körper die Angst durch die geistige und emotionale Überforderung abfangen musste. Einige hatten Panikattacken; andere Frauen verspürten nach kurzer Zeit keine Lust mehr Sex. Vereinzelte Frauen hatten anfangs keine Schwierigkeiten mit Männer, bis sie in eine Beziehung gerieten und emotional abhängig (gemacht) wurden. Mit jedem Tag der Partnerschaft wuchs ihre Angst, dass sie selbst nichts wert waren ohne den Partner. Sie wurden rasend eifersüchtig oder depressiv, ängstlich bis phobisch und immer unzufriedener. Denn eigentlich wollten sie weder abhängig sein noch abhängig machen.

 

Hintergründe & Ursachen: Woher kommt die Angst vor Männern?

(Einige Frauen haben traumatische Erfahrungen mit Männern gemacht. Diese spreche ich im Folgenden nicht an. Es ist in solchen schwerwiegenden Fällen ratsamer, sich dem Thema in einer Therapie zu widmen.)

Doch es liegt nie an den Männern oder der Liebe an sich. Es liegt auch nicht an ihnen als Frau per se. Hinter der Angst vor Männern und der Liebe verbergen sich Muster aus alten Zeiten: Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster, die erlernt wurden, die entweder Angst abwehren sollten oder Angst verursachten. Es sind alte Ängste. Sie stammen nicht selten aus der Kindheit, Jugend oder den ersten Erfahrungen mit der (ersten, großen oder erwachsenen) Liebe.

Viele Frauen haben keine anhaltenden, echten Gefühle der Liebe - gleich, wie sie sich selbst verhielten oder nicht verhielten - gelernt. Sie bringen deshalb in späteren Jahren Liebe nicht in Verbindung mit Freiheit, Glücksgefühl, Geborgenheit oder Zufriedenheit. Sie verbinden sie unbewusst oder bewusst mit Abhängigkeit, Angst, Unterdrückung, Aufopferung, Trennung oder anderweitigem Verlust. Ihre frühen Erfahrungen mit Liebesgefühlen wurden oft schon in ihrer Kindheit von ihren Bezugspersonen unterbrochen, abgewiesen oder an Bedingungen geknüpft.

Bei “normaler” Angst vor Männern und der Liebe finden wir diese zwei Extreme:

Extrem 1) Fremde Bedürfnisse und Ansprüche an sie waren wichtiger als ihre eigenen. Sie waren in der einschneidenden Lebensphase aufgefordert, sich entsprechend zu verhalten und mehr Rücksicht und Fürsorge für die Mutter, den Vater oder die Geschwister aufzubringen, als sie selbst erhielten oder sich geben wollten. Sie waren überfordert und konnten die emotionalen Leistungen gar nicht erfüllen, bemühten sich aber, um Liebe und Zuwendung zu erhalten. Sie lernten so, dass sie vor allem geben MUSSTEN, um zumindest etwas Liebe zu erhalten.

Oder Manipulationen (Ich liebe dich nur, wenn…) formten ihr Bild davon, wie Liebe aussieht und funktioniert, um sicher und beständig zu bleiben. Das früher Gelernte formte somit das heutige mangelnde Vertrauen in sich selbst versus Männer, Partner, Beziehungen und Liebesgefühle. Um der Angst aus dem Weg zu gehen, leisten sie oft. Sie sind aufopfernd, depressiv, ängstlich oder emotional abhängig.

Extrem 2) Es gab gar keine Forderungen in der Kindheit, Jugend oder in den ersten Liebeserfahrungen. Es fehlte eventuell sogar Liebe von Seiten der Eltern, sei es, weil sie emotional oder lokal abwesend waren. Sie waren so vogelfrei, dass sie zwar machen konnten, was sie wollten, aber dadurch keine (eigene oder fremde) Autorität, Struktur, Grenzen, Umgang mit Nähe und Konflikten oder Kompetenzen kennenlernten.

Mit den ersten (Grenz)Erfahrungen im Umgang mit Männern lernten sie aber schnell, dass andere in einem Rahmen leben, in den auch sie sich pressen müssen, um Liebe in ihrer vermeintlichen Harmonie und Bedingungslosigkeit erleben zu dürfen. Ähnliche Auswirkungen wie beim ersten Extrem zeigen sich hier: Sie werden später oft aufopfernd und depressiv, ängstlich oder emotional abhängig. Sie neigen zu emotionalem Burnout oder ständiger innerer Hektik, um den Bedürfnissen gerecht zu werden. Oder sie verharren in einer inneren Starre, die sie jedes Mal bei Kontakt zu Liebe zurückschrecken lässt und zur Flucht animiert.

Was sich hinter der Angst vor Männern und der Angst vor Liebe verbirgt

Dahinter verbergen sich diese Ängste:

 

Angst vor Trennung und davor, nicht zu genügen

Angst vor Männern und Angst vor TrennungTrennungsangst hat zwei Extreme: die Angst davor, dass man verlassen wird oder davor, sich selbst zu trennen. Hinter diesem Thema versteckt sich auch die Angst, wieder alleine zu sein oder jemanden alleine zu lassen. Aus der eigenen Erfahrung heraus wissen die Frauen, wie es sich anfühlt, verlassen oder missachtet zu werden, wenn sie den Anforderungen anderer nicht genügten. Jemandem dieses Gefühl zu geben, belastet sie. Daher fällt es ihnen oft schwer, offen Kritik zu äußern, dem Mann die eigenen Gefühle zuzumuten, eigene Bedürfnisse anzusprechen und einzufordern, sich Freiräume zu nehmen - oder sei es auch darum, Geschirr an die Wand zu werfen, als Ausdruck ihres emotionalen Zustands.

Sie haben häufig Schwierigkeiten mit Konflikten und Durchsetzung, weil sie damit Verletzung in Verbindung bringen. Sie haben ebenso Angst vor Wutausbrüchen - ihren eigenen und denen anderer. Auf der einen Seite fühlt sich die Kritik des Partners an, als hätten sie versagt. Auf der anderen Seite trauen sie sich nicht, jemandem - meist trotz aller emotionaler Zumutungen des Partners - zu sagen, dass er nicht genügt. Vielen heimlichen Geliebten in Affären geht es so. Viele müssen im Laufe ihres Lebens anhand schwieriger Beziehungskonstellationen lernen, dass es okay ist, nicht zu genügen. Sie dürfen wählen, so wie andere wählen dürfen. Was nicht passt, muss nicht passend gemacht werden. Man darf sich trennen. Was jemand anderes denkt, denkt jemand anderes. Doch kein Partner - und das ist die Lernaufgabe - bestimmt über den Wert der Frau.

 

Angst vor Selbstverlust und davor, überrannt zu werden

Angst vor Nähe und SelbstverlustTrennungsangst kann aber auch bedeuten, dass man sich von sich selbst trennt - oder meint, es zu müssen. Das wiederum nennt sich Angst vor Selbstverlust. “Für die Liebe muss man (sich) opfern.” Doch was in Romeo & Julia so herzzerreißend schön war, ist ziemlicher Mist im realen Leben. Sich zu opfern, sein Leben in Teilen (Freundschaften, Familie, Beruf/Karriere, Leidenschaften, Zukunftsträume, Bedürfnisse, Grenzen) aufzugeben, entfernt Menschen von sich selbst. Das macht Angst. Natürlich.

Eben weil einige diese Erfahrungen gemacht haben, wissen sie um die Konsequenzen: Bei mir waren es Panikattacken, bei anderen sind es Depressionen. Wiederum andere entwickeln psychosomatische Beschwerden, wenn sie sich der Wucht der Anforderungen nicht zutrauen - oder nicht noch mehr Be-Last-ung tragen können. Viele sind einst blind und vertrauensvoll in den Selbstverlust gestürzt und ahnten nichts Böses, was sich als Trugschluss und große Enttäuschung entpuppte. Liebeskummer ist in ihren Köpfen vorprogrammiert, der bereits früher seine Spuren hinterließ.

Diese Angst soll dementsprechend davor schützen, sich gänzlich zu verlieren - im Dunst anderer Bedürfnisse zu verrennen. Sie ermahnt, dass man zurück zu seiner ersten Natur findet.

 

Angst vor Nähe

Angst vor Männern und der LiebeKommt ein Mann dieser Frau zu nahe, entsteht ein Gefühl der Enge und Einschränkung, als würde man keinen Fluchtweg mehr sehen. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Aus der vormals als weit empfundenen Freiheit wird urplötzlich ein dunkles, enges Verließ, in dem man festgehalten wird. Liebe wird schnell zu einem Gefängnis und streicht alle Möglichkeiten der Selbstentfaltung und Selbstwirksamkeit mit einem Wisch weg.

Frauen mit Angst vor Nähe meinen, Anforderungen erfüllen zu müssen, die mit ihren Wünschen und Vorstellungen kollidieren, um in der Beziehung bleiben zu dürfen. Man findet diese Angst oft, wenn Liebe und Beziehung überstürzt werden. Viele dieser Frauen brauchen es einfach langsam. Das meine ich nicht sexuell, sondern hinsichtlich der Entwicklung und Wahrnehmung ihrer eigenen, wahren Gefühle. Sie leben mitunter mehr in der aufgedruckten, stempelartigen Gefühlswelt anderer und nehmen fremde Emotionen eher wahr als ihre eigenen. Sie sind auf die Beachtung und Befriedigung fremder Gefühle und Bedürfnisse konditioniert.

Zu nahe an ihre Gefühle heranzukommen, äußert sich bei einigen beim Sex. Frauen mit dieser Angst können sich nur schwer fallenlassen, öffnen sich nur wenig und haben eine Barriere, die sie von der Echtheit ihrer Gefühle abspaltet. Es fällt ihnen schwer, anderen ihre Gefühle anzuvertrauen. Viele von ihnen haben gelernt, dass ihre Gefühlsausdrücke negativ interpretiert werden oder ungewollt sind. Sie fühlen sich als Sexobjekt oder als eine Art Puppe, die ihren Zweck in der Beziehung erfüllen soll (gesellschaftlicher Status, Mutterrolle, Geldgeberin, Wunscherfüllerin, “Freundin von-Syndrom” usw.). Aufgrund früherer Erfahrungen missverstehen sie sich als Erweiterung des Mannes oder können spüren, dass sie nur X für den Mann sind, weshalb diese Angst in ihnen auftaucht. Andere wiederum schämen sich für ihre Gefühle und dass sie welche haben. Sie haben gelernt, dass sie bei Gefühlsausdruck mit Ablehnung oder Spott behandelt werden, weshalb sie sich schämen, wenn sie ihre Gefühle der Freude, Gelassenheit, Hingabe, Begierde, Befriedigung zeigen.

Viele müssen sich erst einmal überwinden, präsent zu sein, sich trauen, zu wollen, teilzuhaben und zu teilen, um wieder Kontakt zu sich und authentischer Liebe zu finden.

 

Angst vor Liebe und vor Glück

Angst vor Liebe und Angst vor GlückWer eine Menge mieser Erfahrungen gemacht hat, wird nicht selten zum Besserwisser und meint in jedem Menschen, Mann und Frau, jemanden zu erkennen, den man “schon mal hatte”. “Das kenne ich schon! Danke, nicht noch einmal! Damit bin ich durch!”

Wieder neu an die Liebe und die Individualität der Menschen glauben zu lernen, ist nicht für jeden so leicht. Aber es ist möglich, wenn man sich auf die positiven Charaktereigenschaften des neuen Menschen konzentriert, statt auf die negativen eines Verflossenen.

Und auch wenn viele Männer heute versuchen, dem Stereotypen des harten/charmanten/erfolgreichen Kerls oder … (Platz für deine Gedanken) … zu entsprechen, so gleicht doch dem keiner dem anderen. Auch Männer (alle!) haben Ängste. Sie sind menschlich.

 

Angst vor der Zukunft

Eng verbunden mit all den benannten Ängsten ist die Angst vor der Zukunft. Sie konzentriert sich im Wesentlichen auf die Angst vor dem Ungewissen, dem Neuen und Unbekannten. Was, wenn er fremdgeht? Was, wenn ich nach zwei Jahren doch keine Familie mehr will? Was, wenn wir nicht zusammenpassen? Was, wenn wir unsere Unterschiede nicht ausbügeln können?

Oft tauchen sehr verheerende und Hiobsbotschaft-ähnliche Antworten auf:

“Dann hast du deine Freiheit oder XYZ aufgegeben…
dann ist nichts mehr so, wie es früher war…
dann muss ich wieder von vorn anfangen…
dann habe ich meine besten Jahre verschenkt…
dann kann ich nicht mehr tun (und lassen), was ich möchte…
dann…
dann…
dann…

lasse ich es doch lieber gleich sein und nichts Böses kann geschehen.”

Frauen können diese Angst sehr oft durch erlebte Sicherheit, Geduld und Verständnis des Partners, langsame Schritte und die Gewöhnung (sowie Freude) an der zukünftigen Situation auflösen. Sie wachsen langsam hinein, statt wie in ihrer Angst, ins Dunkle reingeschubst zu werden, ohne den Weg zurück zu finden. Sie dürfen sich auch daran erinnern, dass jedes vermeintlich noch so große “Problem” eine Lösung birgt, die nur gesucht und umgesetzt werden braucht. Sicher aber sind sie immer. Und sollte doch alles grundsätzlich schlecht und unzufrieden ablaufen, dürfen sie ruhig gehen und ihr Glück woanders suchen. Doch so mancher Versuch hat Schönes und Wertvolles gebracht, wenn man sich einmal getraut hat. Der Preis ist wie so häufig Vertrauen und Zuversicht.

 

Angst vor sich selbst und der eigenen Größe

das böse Mädchen in dir und in mirDoch wer Angst vor der eigenen Größe hat, scheut das Unbekannte an sich. Frauen mit dieser Angst fürchten sich vor allem vor den Reaktionen anderer auf ihre Tiefen und Höhen. Sie möchten weder verletzen noch ihre Glaubensmuster einstürzen sehen. Sie brauchen ihre aufgebauten Sicherheiten, auch wenn einiges Komfortzonen-Material ist. Sie haben zudem oft Angst vor plötzlichen Kehrtwenden. (Wenn ich rundum glücklich wäre, würde bestimmt etwas Böses geschehen, um das wieder auszugleichen.)

Einige von ihnen haben auch gelernt, dass sie nicht rundum glücklich sein dürfen. Dies rührt wieder aus ihrer Kindheit oder Jugendzeit, in der ihnen ihr Glück madig gemacht wurde. Oft zeigen sich solche Signale in Neid/Eifersucht anderer auf ihre Talente und Fähigkeiten, Erfolge oder Lebensbereiche. Viele kennen fremde Schadenfreude oder aber Menschen, die ihnen ihre großartigen Ideen mit Angst ausreden wollten/ausgeredet haben. (Also ich weiß nicht. Mach das lieber nicht. Bleib lieber bei XYZ, dann geht auch nichts schief. Wenn du meinst, das unbedingt machen zu müssen, meinetwegen, aber…Androhung einer Konsequenz...) Solche Worte spiegeln immer wider, dass jemand enttäuscht sein würde, sie schüren Angst und so das Gefühl, man müsse klein bleiben oder dürfe sich nicht vom Leben wünschen und nehmen, wonach man sich zutiefst sehnt.

 

Handlungsempfehlungen bei Angst vor Männern und Angst vor Liebe

Die folgenden Methoden entstammen meiner Praxis. Am besten ist es, man probiert sich einmal durch und schaut, welche am wirksamsten für sich und seinen individuellen Fall sind.

Menschlich sein lassen: Idealbilder auflösen

Wir bilden uns oft ein, dass jemand, den wir toll finden, größer ist als wir. Wir idealisieren denjenigen, sprechen ihm Ängste und Schwächen ab und verstärken stattdessen unsere eigenen. So fühlen wir uns klein, wertloser oder dessen Kontakt und Zuwendung nicht würdig. In Wahrheit ist er mehr und gleichzeitig weniger als du. Er ist ein Mensch mit einer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftsträumen für verschiedene Lebensbereiche. Es hilft, wenn wir dieses Bild auflösen und uns an den wahren Menschen erinnern. Die Abbildung zeigt, was ich meine: die verschiedenen Facetten eines Menschen.

Dasselbe können auch Frauen tun, die an ihrem Selbstwert zweifeln. Jeder Mensch hat viele Facetten. Im Coaching sprechen wir auch vom Inneren Team. Mit dem kann man arbeiten, hat man erst einmal erkannt, was Richard David Precht mit “Wer bin ich - und wenn ja, wie viele” ausdrückte:

Oft spricht vor allem das kleine Mädchen aus Frauen, ihr inneres Kind, und lenkt in der Liebe ein. Bei anderen ist es eine strenge Bezugsperson oder die dämliche und neidische Freundin von früher, die ihnen Liebe verwehren und Angst machen wollte. Die Stimmen zu identifizieren aber ist der Schlüssel. Sich dann daran zu erinnern, dass man heute eine erwachsene Frau ist und die Vergangenheit vorbei, bringt dich einen Schritt weiter.

 

Erinnerungen schaffen: Ein Video für Mut aufnehmen

Wer sich in einigen Momenten stark und fähig fühlt, aber in anderen wiederum schwach und unwürdig, dem könnte es helfen, sich starke Sätze auszudenken, die Mut zusprechen. Nimm diese mit deinem Handy auf (entweder als Tonaufnahme oder idealer als Video). Das nächste Mal, wenn du ins Straucheln gerätst, kannst du dir deine Sätze in Erinnerung rufen, indem du dir das Mut-Video ansiehst oder deine mutmachende Stimme anhörst. Es ist gut, wenn du selbst die Person bist, die dir den Mut zuspricht. Die eigene Stimme beruhigt und heilt.

 

Angst entmystifizieren: Gib deiner Angst ein Gesicht

(Bitte diese Übung nur machen, wenn du dich stabil fühlst oder in therapeutischer Begleitung bist.)

In der Schreibtherapie habe ich gern diese Übungen angeboten: Wenn du Angst hast, stelle dir vor, sie sei eine Person. Beschreibe sie so detailliert, wie es dir möglich ist.

  • Welches Gesicht hat deine Angst vor Männern?
  • Ist sie weiblich oder männlich?
  • Klingt sie ruhig, einschüchternd oder schrill?
  • Trägt sie einen Anzug und Krawatte oder Jeans und T-Shirt?
  • Sitzt sie trinkend auf dem Sofa oder mit einer bildhübschen Frau im Café?

Wann immer die Angst erneut auftaucht, erinnere dich an diese Person oder Gestalt und sprich mit ihr Klartext. Schicke sie aus dem Zimmer, aus deinem Kopf, verbanne sie für diesen Tag oder die Nacht, aber halte sie im Zaum. Wer so seiner Angst begegnet, erkennt, dass es sich nicht um eine fremde, übermächtige Angst handelt, sondern um sein ureigenes Gefühl. Doch du bist nicht dein Gefühl. Du bist nicht Angst. Sie abzuspalten, indem man sie separat wahrnimmt, kann helfen, sich neutral zu betrachten.

 

Ständig Angst im Referendariat: Wie du psychische Probleme überwindest

Ständig Angst im Referendariat: Wie du psychische Probleme überwindest

In einer derartig belastenden Dauersituation wie dem Referendariat für Lehramt liegt es nahe, dass der Körper irgendwann zu härteren Bandagen als “bloß Stressgefühle” greift, um sich zu schützen: Das ist auch der Grund, weshalb Referendare für Lehramt ständig Angst im Referendariat haben. Angst, Panik und depressive Verstimmungen sind allesamt Signale des Körpers, um dich in deiner Existenz vor weiterem, negativem Stress zu schützen. Was das Gehirn nicht weiß: Du kannst dir nur mit Konsequenzen aussuchen, ob du diesen Unterrichtsentwurf erst in zwei Tagen schreibst oder ob du den Text, der dir auf die letzte Sekunde geschickt wurde, nicht liest. Dein Ego entscheidet das jedoch für dich.

Leider ist die fehlende Kenntnis über bestimmte, wirksame Methoden gegen Stress-Ängste oft der Grund für den Abbruch vieler Referendare. Dabei wäre es nur nötig, geeignete Strategien für den Umgang mit Stress und Angst zu kennen und in den Alltag zu integrieren. Das sollte natürlich auch in der Zukunft geschehen, nicht nur bis zum 2. Staatsexamen im März/April. Die berufliche als auch private Zukunft wird immer wieder Zeiten mit erhöhtem Stress bringen. Mit Stress angemessen und achtsam umzugehen und sich neu kennenzulernen, ist daher unerlässlich. Dieser Artikel liefert dir einige Antworten, wie du das ermöglichen kannst, um die ständige Angst im Referendariat zu überwinden und psychisch stabil zu bleiben.

Wieso du ständig Angst im Referendariat hast: Gehirn & Ego

 Dein Gehirn weiß zwar, dass es Unmengen von Ansprüchen gerecht werden muss, will das aber nicht - nicht auf die dir gewohnte Art und Weise. Denn man kann sich nur aussuchen, wie man auf den Stress reagiert. Deinem Ego aber ist es wichtig, vor den Studienseminarleiter/-innen, Fachleiter/-innen und Schulleiter/-innen sowie Begleitern/Mentoren und Schülern/Eltern zu brillieren, nicht zu versagen. Mit allen Mitteln (wie ich annehme). Jeder Referendar hat seine eigenen, individuellen Gründe dafür. Doch der menschliche Überlebens- und Lebenserhaltungsinstinkt hält davon wenig.

Das Kontrolliert- und Beobachtetwerden, die häufige und unerwartete bzw. als unangemessen empfundene Kritik, das Gefühl, plötzlich wieder ein kleines Kind zu sein, dass “erzogen” werden soll/muss, gepaart mit dem sklavereiähnlichen Zeit- und Termindruck, lösen, nach anfänglichen, kleinen Stressreaktionen, sehr schnell Angst und Panik als Überlebensinstinkt aus.

wenn du ständig angst im referendariat hast, musst du stressoren ausschalten lernen. das ist möglich.Gegen Stress und Angst nutzt du alte, dir bekannte und damals als wirksam gelernte Stressreaktionsmechanismen. Vielleicht tust du noch mehr, schläfst noch weniger, verbirgst deine Tränen, isolierst dich aus deinem Freundeskreis oder vernachlässigst deine Familie und/oder Beziehung. Einige vergessen zu essen oder nehmen vermehrt Alkohol und Tabak als Weg, um die negativen Stressgefühle zu dämpfen. Andere wiederum versuchen tagtäglich zu funktionieren und werden zu wahren Schauspielern, indem sie so tun, als würden sie dem System zustimmen, während sie eigentlich im Inneren nur noch Abwehr und Ablehnung empfinden.

Fakt: Angst entsteht, je mehr du etwas oder jemanden und die deshalb folgende Angst abwehrst. Mit deiner Angst zu arbeiten, ist der Weg hinaus. 

Deine damaligen, als wirksam empfundenen Stressabwehrtaktiken wie Diplomatie, Leistung entgegen deinen Ressourcen, Lächeln und Ja sagen, Funktionieren als falsche Loyalität bis zum Umfallen usw. funktionierten damals vielleicht gut. Doch heute kann das anders sein. Unterschätze dein Gehirn nicht: Es weiß, dass du heute erwachsen bist. Es hat sich deine Erfolge und Misserfolge, deine Ziele und Gründe dafür sehr genau gemerkt. Es hat sich vor allem eingeprägt, wie du drohende Misserfolge (wegen den folgenden Gefühlen und Emotionen wie Angst, Scham, Ekel, Traurigkeit usw.) verhinderst.

 

Einige Referendare können diesen Stress scheinbar leichter oder besser abwehren, andere wiederum leiden unter anhaltenden psychischen Problemen, die an Angststörungen, Depressionen (Burn-out) und Panikstörungen erinnern - oder zu einer werden. Das liegt daran, dass Erstere andere, für diese stressige Situation besser geeignete Stressbewältigungstechniken nutzen - größtenteils unbewusst.

Angst ist also Stress. Aus lang anhaltendem Stress erwächst zwangsläufig Angst. Ich möchte an dieser Stelle die renommierte und wunderbare Psychoanalytikerin Verena Kast zitieren:

Angst ist für uns ein sehr vertrautes Gefühl, ob wir dazu stehen oder nicht. Es scheint ja ein ausgesprochenes Ideal zu sein, dass der Mensch möglichst angstfrei zu sein hat. Deshalb wohl haben wir auch so viele Ausdrücke für Angst, die die Angst auch ein stückweit bemänteln. So sagen wir etwa, dass wir angespannt sind, verwirrt sind, nervös sind, oder man spricht von Stress. (Vom Sinn der Angst, Herder Verlag, 2014: S. 9)

Stress ist mit seinen Symptomen jedoch nur Schritt 1 auf dem Weg zu härteren Mitteln deines Körpers: Angst und Panik sowie Depressionen sind der letzte Schritt, der letzte Hebel deines Körpers, um dich zum Umdenken zu bewegen.

Natürlich wollen die Leitern während deines Refs nur die Stärken sehen, nicht aber deine Angst. Wenn du tief in dich hineinhörst, wirst du ebenfalls eine Stimme finden, die dasselbe von dir verlangt: Hab keine Angst. Zeig sie nicht. Reiß dich zusammen. Deine Angst zu zeigen und sie zu betiteln ist für viele Leiter ein eben solches Schwächegeständnis. So sortieren sie aus (obwohl Deutschland Lehrer braucht): Die Resilienten kommen in den guten Pott, die Unfähigen in den Kropf. Doch deine Angst nicht zu zeigen, sie zu verstecken, ist das Schlechteste, was du tun kannst.

Ich möchte dir daher im Folgenden Wege zeigen, wie du deine Angst kontrollierbar und doch akzeptierbar kannst.

Heftige Reaktionen deines Körpers auf die Situation im Referendariat werden vom Körper durch diese allgemein bekannten “Symptome” angedeutet:

  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen (beim Einschlafen und Durchschlafen)
  • Blockaden (Schreibblockaden, Kreativitätsblockaden)
  • Rückzug und verminderte soziale Kontakte
  • häufiges Weinen nach der Schule, wenn du Zuhause bist
  • morgendliches Herzrasen nach dem Aufstehen
  • Verdauungstörungen, verminderter Appetit
  • Drang, dein gestresstes ICH zu betäuben (durch Alkohol, Kaffee, Tabak, Zucker, Fernsehen etc.)
  • Vernachlässigung deiner Lieblingsbeschäftigungen
  • mangelnde Fähigkeit, dich zu freuen
  • Sexunlust
  • Unfähigkeit, dich zu entspannen oder “runterzukommen”
  • schnelle Reizbarkeit und Wutausbrüche
  • Grübeleien
  • stete Sorge/Angst vor dem Ungewissen (was kommen und/oder geschehen wird, wenn…)
  • usw.

Wenn du diese bei dir findest, ist es Zeit, deine Situation neu zu überdenken und für dich und deine Gesundheit im Referendariat einzugreifen. Doch auch um diese erst gar nicht aufkommen zu lassen, können dir einige meiner folgenden Strategien bzw. Einsichten helfen.

 

So wird aus etwas Stress ständige Angst im Referendariat

Müdigkeit, Erschöpfung und ständige Angst im ReferendariatPsychische Stressreaktionen sind zum Beispiel Ärger, Angst, Leistungsdruck, aber auch Freude und positive Überraschungen. Leider unterscheidet der Körper nicht zwischen positivem und negativem Stress. Was Stress triggert, sogenannte Stressoren, triggert demnach auch mittel- und langfristig Angst. Das hängt mit den Stresshormonen Kortisol (auch Cortisol), Kortison, Noradrenalin und Adrenalin zusammen. Wenn du einen Schreck bekommst, wird zuerst das sogenannte CRH (Corticotropin-Releasinghormon) ausgeschüttet, gefolgt von Kortisol und Kortison. Außerdem wird Nor- und Adrenalin innerhalb weniger Sekunden ausgeschüttet.

Die letzten beiden Hormone sind Nervenbotenstoffe und dienen der Energielieferung bei angsteinflößenden Situationen. Bei stressigen oder ängstlichen Situationen wird leider zuviel von beiden ausgeschüttet, um dich schnell zu mobilisieren und so der vermeintlichen Gefahr schnell entfliehen zu können. Die Bereitstellung der Energie liegt aber auf der körperlichen, nicht der geistigen Ebene, d. h. du kannst ungeahnte körperliche Kräfte mobilisieren, nicht aber besser oder schneller denken. Ganz im Gegenteil sogar: Die beiden Hormone blockieren dein Denken absichtlich.

 

Somit haben wir die Erklärung für Rede- und Prüfungsängste, aber auch alle anderen Situationen, in denen einen Bewertung stattfindet, die mit Stress und/oder Ängsten zu tun hat. Eigentlich baut sich Stress/Angst schnell auf und auch wieder ab, d. h. der Hormonspiegel sinkt ähnlich schnell wie er auch anstieg. Doch  bei bei langanhaltendem Stress und Angst kann nicht abgebaute Angst den Körper aus dem Gleichgewicht bringen. Bleiben die Hormone dauerhaft zu hoch, so können selbst die kleinsten Stress- und Angstumstände, die sonst keinerlei Angst auslösten, nun heftige Angstattacken und Panikattacken herbeiführen.

Genau das ist der Grund, weshalb es ratsam ist, vor und in Stress- und Angstsituationen BEWEGUNG einzuleiten oder zu SCHREIBEN.

 

Mach mal Platz, liebes Gehirn

 Die Ursache, weshalb immer und überall Sport und Schreiben als befreiend und beruhigend genannt wird, ist die, dass dein Gehirn bei beiden Tätigkeiten gezwungen ist, Platz zu schaffen. Es muss sozusagen die ungebetenen Gäste auf den besten “Plätzen” hinauswerfen, um die Ressourcen für Bewegung und Psychohygiene frei zu machen. Studien zeigen, dass Schreiben selbst kurz vor Prüfungen, als auch in Panikattacken, kurzfristig zu Angstverminderung und damit zu Leistungssteigerung führt.

Als wirksame Methoden für Bewegung kann ich daher empfehlen:

  • Progressive Muskelrelaxation (Ein sehr gutes YouTube-Video mit Anleitung findest du hier.)
  • kurzfristige, schnelle körperliche Bewegungen (auf den Boden stapfen, Luftboxen, Arme um den Körper schlenkern lassen, auf der Stelle laufen, Sit-ups, Liegestütze, high intensive training)

Wenn deine Klasse allgemein unruhig ist und nur schwer auf den Stühlen sitzen bleiben kann, kannst du körperarbeitsorientierte Bewegungen UND gleichzeitige Verminderung deiner Angst kombinieren. Die Schüler/-innen werden danach ruhiger und konzentrierter arbeiten können und du bist gelassener und entspannter, angstfreier.

Fakt: Im Unterricht als Lehrer/-in bzw. Referendar/-in zu stehen statt zu sitzen, lässt dich angstfreier sein.

unzufriedene-maenner-in-beziehungen-gefangenInsofern es möglich ist, möchte ich dir das Angebot machen, immer drei bis sieben Minuten Bewegung zu Beginn der Unterrichtsstunde einzubauen. Die Schüler/-innen sitzen den ganzen Tag, haben kaum Bewegung und ihr Körper drängt darauf, dass sie ihre Energien ausbalancieren. Es entlastet das Gehirn, wenn du sie in Bewegung setzt. Und nein, das deutsche Stillsitzen-Prinzip ist nicht gut, es ist  neurowissenschaftlich betrachtet Mist. Lass sie hüpfen, ihre Arme hin- und herschlenkern, luftboxen (mit genug Abstand zu MItschüler/-innen), im Klassenzimmer im Kreis herumgehen, tief ein- und ausatmen (Stoßatmung), die Arme hinter den Rücken und über den Kopf dehnen, sodass Schulter- und Nackenbereich sowie Rückenmuskulatur ordentlich gedehnt werden. Dieselben Übungen rate ich auch dir, um kurze körperliche Entlastung in deinen stressigen Alltag einzubauen.

Als wirksame Methoden für Schreiben zeigt meine Erfahrung als Schreibtherapeutin, dass folgende am besten geeignet sind:

  • Führe tagebuchähnliche Notizen (handschriftlich!) vorher und/oder nachher, abends oder morgens auf dem Weg zur Schule:
    • “Ich habe Angst, dass ich die Schüler/-innen in der Stunde wieder nicht ruhig bekomme.”
    • “Ich habe echte Panik, dass ich wieder so stark von den Fach-, Studienseminar- und Schulleitern, Mentoren/Begleitern etc. in der Nachbesprechung kritisiert werde.”
    • “Ich kann die sowieso nicht leiden. Oder haben sie vielleicht recht?” Völlig egal, was dir in den Sinn kommt: Raus damit und das auf Papier.
  • Abends bzw. vor Stresssituationen mind. drei Aspekte deines Tages/jetzigen Lebens, für die du dankbar bist, aufschreiben (handschriftlich!!!)
  • Grundsätzlich ist es am produktivsten und stärksten entlastend, wenn am Abend bereits darüber nachgedacht wird (mit Entscheidung), was am kommenden Tag be- und abgearbeitet wird. Daran sollte sich dann auch gehalten werden. Eine kleine, festlegende Liste mit drei bis vier (!!!) Zielen für den kommenden Tag hilft dabei, lästige Gedanken abzuschalten.
  • Es empfiehlt sich vor allem, um deine Motivation und deine realistische Zukunft im Blick zu behalten, dich aus der gezwungenen und opferbedächtigen Situation mental zu befreien, wenn du täglich drei bis vier (!!!) Ziele für Grund, dein Ref zu bestehen, aufschreibst. Dazu kann man sich auch Gedanken darüber machen, wieso man den Beruf Lehrer gewählt hatte. Das beides in Verbindung hält Motivation und Tatkraft aufrecht.

Alle diese Methoden aus der Schreibtherapie eignen sich auch als erste Aufwärmübungen vor wichtigen Inhalten im Unterricht oder Klausuren. Es löst die Angst der Schüler/-innen und zeigt ihnen, dass dir ihr Wohl am Herzen liegt.

 

Dein inneres Kind hat ständig Angst im Referendariat, nicht du

das kind in uns hat ständige angst im referendariatWann Angst bei einem Menschen auftritt, ist immer abhängig von der jeweiligen Konstitution der Person, d. h. es spielt eine Rolle, wie du aufgewachsen bist, was du in deiner Kindheit als Schutzmechanismen gelernt hast, wie deine Bezugspersonen dir gegenüber waren und wie du daraus entstehend dein Leben aufgebaut hast. Es ist von Wichtigkeit, wie du heute lebst, wie stark deine sozialen Kontakte sind, wie wichtig oder unwichtig es ist, dass du ausgerechnet den Beruf Lehrer lernen willst, wie hoch deine Lösungskompetenz ist und vor allem, wie du mit Stress umgehst.

Angst wird oft ausgelöst, wenn wir in unberechenbare, ungewisse und ablehnende Situationen geraten. Sie wird ausgelöst, wenn unser Gehirn an frühere Situationen erinnert wird, die wir nicht mit unserem gewohnten Verhalten in Konflikten lösen können. Heute bist du - wie so viele Menschen - froh darüber, dass deine Kindheit aufgrund der negativen Aspekten vorbei ist und du dir nichts mehr sagen lassen musst. Deine Schüler/-innen warten sehnlichst auf diesen Moment in ihrem Leben. Wenn du sie verstehen lernen willst, lerne, dich zu verstehen, wie es dir damals ging. 

Ein Beispiel: Wenn du so aufgewachsen bist, dass du dich nur an die äußeren Umstände angepasst hat, weil du musstest, wenig Freiheiten hattest (aber deine Wünsche und Bedürfnisse durchaus wahrgenommen hast und sie kanntest), und dennoch tatest, was andere von dir wollten, dann könnte der rebellische Anteil in dir ständig Angst im Referendariat auslösen. Dieser rebellische Anteil ist das wütende Kind in dir, ähnlich einem Schüler, der nicht versteht, wieso er dieses Thema, das du so gewissenhaft vorbereitet hast, lernen und wissen soll. Ähnlich wie sture und unzugängliche, störende Schüler und Schülerinnen, hört der Anteil deines Kindes einfach weg, wenn der elterliche Teil in dir sagt: “Aber du musst das jetzt machen, sonst…!”

Mit denselben Lernerfahrungen in Bezug auf dein Verhalten, könnte dir dieselbe Situation im Referendariat leichter fallen als anderen. Voraussetzung hierfür ist, dass du diese bis heute nicht hinterfragst oder eigene Gedanken zu deinem Leben entwickelt hast. Wenn du diese aber hast (was wahrscheinlich ist), dann klaffen genau diese gegen die aufgezwungenen und nach Anpassung bettelnden Umstände.

Das angepasste Kind in dir weiß: Ich habe keine Wahl, sonst drohen Konsequenzen. (“Ich brauche Liebe und Harmonie, sonst ist mein Umfeld nicht zum Überleben gemacht. Damit gehe ich ebenso unter. Und ich bin abhängig vom Frieden, nur so bekomme ich, was ich brauche: Anerkennung.”)

angst-vor-der-angst-ueberwindenDas Erwachsenen-Ich weiß: Völlig egal, ich stehe das durch. Ich bin erwachsen und weiß meine Angst zu handhaben. Das sind die logischen Gedanken, die aufpoppen. (“Ich habe bislang alles geschafft, was ich schaffen wollte. Ich habe viele Erfolge aufzuweisen. Sie (die Leiter/-innen) meinen die Kritik nur gut. Die meisten verfolgen ein positives Ziel. Vielleicht habe ich sie falsch verstanden oder sie haben es nicht zielgerichtet genug ausgedrückt. Sie hatten es genauso schwer. Einige mögen absichtlich willkürlich handeln oder ihre Macht missbrauchen. Aber ich weiß, dass ich darüberstehen kann und darf. Ich vertraue mir. Was ich heute nicht weiß, kann ich morgen dazulernen. Die Schüler/-innen wollen genauso wenig lernen wie einige der Schüler/-innen, die ich aus meiner eigenen Schulzeit kenne.”)

Das freie Kind in dir weiß: Ich bin kein Kind mehr. (“Ich habe mein Studium erfolgreich abgeschlossen. Ich habe einiges in meinem Leben bewältigt. Ich dachte, wir wären durch mit dem “Du musst, du sollst, du darfst nicht!”. Ich darf heute alles. Ich bin wertvoll. Wieso seht ihr das nicht? Also was fällt euch eigentlich ein? Ich gebe mir hier so viel Mühe und ackere mich dumm und dämlich und ihr? Verhaltet euch so einseitig und undankbar, seid negativ, willkürlich, eigensinnig und kümmert euch nur um euch. Statt uns zu fördern oder mal in Ruhe zu lassen, haut ihr nur noch drauf.”)

Sich vor Augen zu halten, dass hier nicht der Erwachsene, sondern entweder das freie oder angepasste Kind (oft auch beide gleichzeitig) in dir rebelliert, kann viel erleichtern und für mehr Kritikfähigkeit sorgen. Denn das erwachsene Ich in dir weiß auch, dass es andere, bessere Wege gibt, mit Stress und Angst umzugehen. Es weiß, dass diese Situation neutral zu bewerten ist - und vorübergehen wird. Das Kind-Ich will nicht noch mehr Anpassung. Es leidet entweder wie ein Opfer einer Gewalttat (auch verbale Gewalt ist emotional schädlich) oder es reagiert mit heftigen Wut- und Panikausbrüchen.

 

Statt Psychopharmaka: Natürliche Mittel gegen Stress & Angst im Referendariat

antidepressiva-absetzen-wieEs ist aufgrund dummer und unüberlegter Beschlüsse Deutschlands schwer bis schädlich, sich wegen psychischer Probleme krankschreiben und/oder Psychopharmaka verschreiben zu lassen. Sonst droht der Ausschluss vom Beamtentum und es folgen erhebliche Lohn- und Anstellungseinbußen.

Es gibt zum Glück genug andere Gründe, weshalb du lieber andere, natürliche Mittel gegen Angst und Stress zurückgreifen solltest. Erstens sind Psychopharmaka nur gegen die Symptome. Sie machen aber nichts gegen deine Reaktionen auf Angst oder Stress und ändern auch nicht die Existenz der stressigen Situationen, die deine berufliche Zukunft als Lehrer/-in bereithalten wird. Sie unterdrücken lediglich neuronale Impulse und leiten sie um oder animieren die Ausschüttung von Glückshormonen anstatt Stresshormonen. Setzt du sie wieder ab, kommt auch deine Angst zurück.

Die heftigsten Symptome von Stress und nicht abgebauter Angst (hoher Blutdruck und Kreislauf- sowie Temperaturempfindlichkeit, Herzrasen, verspannte bzw. verkrampfte Muskulatur, geringes Lust- und Freudeempfinden, verminderte Verdauung) können auf einfache Weise ausgeschaltet werden. Es nutzt daher mehr, wenn du bereits jetzt mitten im Ref an deinen Reaktionen auf Stress arbeitest und dir homöopathische und natürliche Mittel als Unterstützung wählst. Diese sind:

1. Neurodoron® Tabetten von Weleda (in allen Apotheken erhältlich bzw. bestellbar)

Eine Mineralkomposition. Neurodoron® stärkt die Nerven bei Stress und Erschöpfung und stabilisiert das seelische und körperliche Gleichgewicht. Sie werden meist als Erstes von naturheilkundlich orientierten Ärzten verschrieben, wenn man Angst- und Paniksymptome aufweist. Man lutscht sie; sie sind geschmacksneutral. Es empfiehlt sich aufgrund des Preises gleich die 200 Stück-Packung für rund 20 Euro (und damit versandkostenfrei) zu kaufen. Die 80 Tabletten-Packung ist vergleichsweise mit rund 12-13 Euro + anfallendem Versand überteuert und schnell aufgebraucht.

Man nimmt 2-4x am Tag eine Tablette, in akuten Situationen bis zu zwei Wochen lang. Neurodoron® ist eine natürliche Hilfe an, die das Nerven- und Sinnessystem stabilisiert und so hilft, bei stressbedingten Angst- und Unruhezuständen, Kopfschmerzen und depressiven Verstimmungen wieder bei sich anzukommen. Diese  Neurodoron Tabletten in 200er Form sind u. a. am preisgünstigsten in der Onlineapotheke DocMorris erhältlich.

2. Chlorophyll, Antioxidantien und Vitamine gegen freie Radikale

mittel gegen angst und stress GerstengrassaftStress, aber auch zusätzlich belastende Lebensweisen wie Rauchen, Alkohol, kein Sport, viel Zucker, Kaffee usw. geben freien Radikalen das Go, Zellen ihre Energie zu rauben. Stattdessen brauchen diese aber Unterstützung, um die belastende Situation mit voller Wucht abprallen zu lassen und genug Energie zur Verfügung zu haben, um sich zu entspannen (auch dazu braucht man Kraftressourcen) und Schädliches abzuwehren.

Wer es schnell und effektiv mag, der sollte auf Gerstengrassaft zurückgreifen. Dort ist alles enthalten, was gegen freie Radikale wirkt. Gerstengrassaft strotzt nur so vor Vitamin C, Vitamin B12 (!!!), Vitamin B1, Vitamin B2, Niacin sowie Pyridoxin. Besonders reich enthält es Mineralstoffe. Es finden sich Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium (!!!), Natrium, Phosphor, Zink (!!!), Schwefel und Kupfer in hohen Konzentrationen darin.

3. Entgiftung des Darms 

Während Gerstengrassaft aufbaut, entgiftet Bentonit, eine besonders gute Heilerde, den Darm. Der Darm registriert jeden Stress und funkt diesen an dein Gehirn zurück. Bentonit bindet negative Stoffe und sorgt für eine Ausleitung über den Stuhlgang. Daher empfiehlt es sich, Bentonit morgens und abends einzunehmen. So verhindert man zudem, dass der Magen-Darm übersäuert und durch den Stress Magen-Darm- und allgemeine Probleme hinsichtlich Nahrungsverträglichkeiten verursacht werden. Diese sind nicht immer nur platt Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen.

Eine Übersäuerung (allein durch Stress) kann sich bereits in Blähungen, plötzlichen Nahrungsunverträglichkeiten, verstärkten Allergien, Einschlafproblemen und häufiger Müdigkeit mit Erschöpfungssymptomen bemerkbar machen. Bentonit bindet die negativen Stoffe, während es die positiven erkennt und belässt. Es ist in Kapselform erhältlich und am preisgünstigsten bei Amazon erwerbbar, da der Versand entfällt. (Die Pulverform kann ich nicht empfehlen.)

4. Einfache Ernährung

Ich zähle im Folgenden einfache Nahrungsmittel auf, die wissenschaftlich bewiesen zur Glücksnahrung zählen:

  • Nüsse, besonders Walnüsse und Cashewnüsse (!!!) sowie Mandeln
  • Weintrauben und Weintraubensaft (Ja, auch ein Glas Wein tut es, aber wer ein zweites trinkt, der hebt die entspannende Wirkung vom ersten wieder auf.)
  • rohe Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, Lauch
  • getrocḱnete Bananen (Die traditionelle chinesische Medizin rät sogar dazu, sie vor dem Schlafengehen zu essen. Sie enthalten sehr viel Magnesium und beruhigen den Geist. Frische Bananen enthalten genauso viel bzw. wenig Magnesium wie Avocados und Him- bzw. Brombeeren. Die Beeren hingegen enthalten wiederum sehr viel Flavonoide, die sich auch in Rotkohl und Äpfeln sowie Cranberries in hoher Dosis finden. Sie unterstützen den Körper im Kampf gegen freie Radikale, wirken antibakteriell und antiviral und fördern so die körpereigene Abwehr.)
  • Kamille und Roiboos-Tees (idealerweise doppelt dosiert, also am besten mind. zwei Teebeutel auf eine Tasse, um schnell Ruhe einzuleiten)
  • Zitrusfrüchte und frisch gepresste Säfte (nicht abends)
  • saftig rote Tomaten
  • Obst und Gemüse in frischer, nicht zerkochter Qualität
  • warme Mahlzeiten (mind. eine am Tag)

5. Mineralkomposita 

sundheitliche-strategien-und-wege-aus-der-angst-vor-der-angstEs gibt neben Neurodoron eine Komposition, die ich bis heute nehme: Schindeles Mineralien™. Sie sind ein Gesteinsmehl mit vielen Mineralstoffen und Spurenelementen, die in Zeiten hoher Stressbelastung und entsprechender Auswirkung auf den Körper gegenwirken. Die Notwendigkeit dieser Stoffe für die Erhaltung der Gesundheit wurde von der Wissenschaft vielfach nachgewiesen: Es handelt sich um Kieselsäure, Silizium, Magnesium (!!!), Eisen (!!!), Calzium, Kalium, Mangan, Natrium, Zink (!!!), Kupfer, Barium, Chrom, Nickel, Kobalt, Vanadium, Titan, Bor und Molybän.

Was durch die tägliche Einnahme des empfohlenen einen Löffels geschieht: Du wirst einen enormen Energieschub verspüren und Freude, die jedenfalls mir extrem positiv auffiel. Du wirst besser und tiefer schlafen und vor allem eine bessere Verträglichkeit von Stress spüren. Allein der hohe Eisen- und Zinkgehalt in dem Gesteinspulver sorgt dafür, dass Stress besser ausgehalten wird und Müdigkeit, Erschöpfung und depressive Verstimmungen verschwinden. (Achtung bei der Eisenspeicherkrankheit: Nicht nehmen.)

In Fällen von Schwangerschaft gilt es, sich vor Einnahme der natürlichen Mittel gegen Angst mit einem Arzt zu besprechen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Artikel weiterhelfen und freue mich über deinen Kommentar, Like oder Share. Solltest du individuell Unterstützung in Form einer Beratung oder eines Coachings benötigen, melde dich gern.

Mit den besten Grüßen,
Janett Menzel

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