Gegensätze ziehen sich an? Nur Gemeinsamkeiten haben Bestand?

Überall lesen wir: Umgib dich mit den richtigen Menschen. Doch wer sind diese “richtigen Menschen” eigentlich und was macht sie aus? Besonders in einsamen oder extremen Zeiten, gerade bei Stress und Angst, brauchen wir diese “richtigen” Menschen, um uns wieder gut aufgehoben zu fühlen, geborgen oder verstanden, statt abgelehnt oder schwach. Wie so oft in anderen oder ähnlichen Beiträgen erwähnt, sind ängstliche, gestresste oder auch panische Verstimmungen ein Zeichen für unterdrückte und verdrängte Gefühlen, die raus wollen. Menschen, bei denen die Chemie nicht passt, hindern uns daran, zu unseren Gefühlen zu stehen und verlangen, dass wir sie für uns behalten. Die Guten wiederum würden uns im Ausdruck bestärken. Natürlich sind nicht alle Menschen, die in einer - nennen wir es mal Disziplin - weniger gut sind, automatisch schlecht. Menschen haben gute und eben nicht so gute Eigenschaften, starke und schwache Seiten. Wir können uns entsprechend aussuchen, bei wem wir uns in den verschiedenen Situationen aufgehobener fühlen.

Doch woran erkennen wir die “Guten” und wo und wie können wir sie finden?

Schon 1937 schrieb Dale Carnegie ein ganzes Buch darüber, was seit Erscheinen ein Evergreen in Millionenauflage ist und Übersetzungen in alle Sprachen der Welt fand: Wie man Freunde gewinnt. Auch wenn es in seinem Werk eher um Vertrieb und Kontaktaufbau zu einflussreichen Menschen geht, so verknüpfte er doch jene wichtigen Aspekte wie Sympathie, Interesse, Menschlichkeit, Vertrauen und Freundschaft miteinander und zog bemerkenswerte Rückschlüsse.

In diesem Artikel geht es deshalb um

  1. Eigenschaften von richtigen Menschen: Woran du Freunde und Gönner erkennst
  2. Die richtigen Menschen: Wie du noch mehr davon findest
  3. Die falschen Menschen: Wie du sie loswirst
  4. Das Gute am “Schlechten”

mit Dale Carnegies Vorschlägen in aller Kürze und Würze.

 

Über die richtigen Menschen und wie man Freunde finden kann:

10 wesentliche Merkmale, an denen du Menschenfreunde erkennst

Dies scheint über Zeit und Raum hinweg eine Grundsatzfrage der Menschheit zu sein, als müssten wir ein Verständnis für dieses “gut - schlecht”, “richtig - falsch” lernen, wenn es um unseren sozialen Kontakt geht.

Freunde und Bekannte kommen und gehen. Einige bleiben für sehr, sehr lange Zeit, werden unsere Seelenfreunde und Begleiter durch Dick und Dünn. Komme, was wolle: Sie stehen an unserer Seite. Sie können uns sehen, auch wenn wir uns verschleiern; sie bemerken jede winzige Gemütsverstimmung sofort. Sie sagen gerade heraus, was sie denken, was gut oder schlecht für uns wäre. Sie reagieren aufgeregt, aufgewühlt, ängstlich und auch wütend, wenn sie eine Bedrohung in unserem Leben erkennen. Sie wollen uns schützen und würden alles tun, damit es uns gut ginge. Umgekehrt tun wir ihnen denselben Gefallen.

Ehrliche Gegenseitigkeit, inniges Verständnis
über Jahre, Stille und Tausende Kilometer hinweg.
Wie ein Band, das unkaputtbar ist.

Aber woran erkennt man diese Menschen, die uns begleiten oder uns wenigstens das Leben leichter, anstatt schwerer, machen würden? Hier meine paar Gedanken:

  1. Mit diesen Menschen gibt eine wesentliche Übereinstimmung von Werten und Moralvorstellungen. Das bedeutet: Sie verstehen dich. Sie können sich in dich hineinversetzen. Sie teilen viele Ansichten. Sie haben - wie du - einen inneren Codex. Meist ist es derselbe.
  2. Es gibt ähnliche Hobbys und/oder Interessen, wenn ihnen auch nicht gemeinsam nachgegangen wird.
  3. Träume, Wünsche und Visionen stimmen überwiegend überein: a) Sie leben ein Leben, was entweder von uns anvisiert ist oder aber umgekehrt. Es gibt allerdings statt Neid, Gönnerhaftigkeit und Lernbereitschaft. b) Man steuert gemeinsam auf die Umsetzung von Träumen und Zielen hin.
  4. Es gibt keine Einschränkungen: Sie lassen dich machen, was du möchtest, auch wenn sie es nicht verstehen oder ablehnen. Sie akzeptieren dich. Sie schätzen dich, mit allen guten und auch weniger guten Seiten.
  5. So ziehen sie das Wohl der Gruppe ihrem eigenen vor: Sie versuchen nicht, dich von ihren Ansichten, Erfahrungen, Willen oder Sonstigem zu überzeugen, weil es ihnen dienen würde. Die Verbindung dient grundsätzlich allen Beteiligten.
  6. Sie tun gern und oft schöne Dinge mit dir. Sie teilen ihre Freude und Freunde.
  7. Sie sind mit ihren Fähigkeiten und Expertise jederzeit ein Gönner.
  8. Sie sind Zuhörer, Richter, Mutti, Vati, bester Freund, beste Freundin, Schwesterherz und Bruderherz in einer Person.
  9. Komme, was wolle: Sie lieben und vor allem schützen sie ihre Liebesfähigkeit. Sie denken erst und handeln dann.
  10. Geht jemand jedoch zu weit, trennen sie sich ehrlich und aus vollem Herzen. Basta.
Leseempfehlung:  Die Ehrlichkeit wird gebeten, herauszukommen!

Es gilt die Grundregel: Wisse, was du erwartest, und wisse vorher, dass du bereit sein musst, exakt das zu geben, in gleicher Intensität und Häufigkeit. Gesetz der Anziehung. Pure Resonanz.

 

Die richtigen Menschen: Wo du sie findest

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Ein ehemaliger Freund von mir sagte einmal: Man kann sich ja nicht aussuchen, wen man kennenlernt. Ich stimme dem mittlerweile nicht mehr zu. Das Suchen und Finden von einem passenden Menschen muss mit der Gewissheit einhergehen, dass man a) weiß, wen genau man sucht und b) herausfindet, wo man suchen könnte.

Orte, an denen man suchen kann, sind beispielsweise Plätze, an denen man ähnlich gesinnte Menschen fände, Versammlungsorte gemeinsamer Interessen. Das können

  • VHS-Sprachkurse,
  • Malkurse,
  • Fitnessstudios,
  • Yogakurse,
  • Ehrenämter,
  • Kinderbetreuungstätten wie Horte, Schulen, Kindergartenveranstaltungen,
  • Musikevents,
  • Bibliotheken, Lesezirkel oder Poetry Slams,
  • Bars/Kneipen,
  • Job,
  • Studium,
  • Partys von Freunden,
  • Schreibkurse,
  • Facebook und Facebook Gruppen,
  • Kiez-Begegnungsstätten
  • usw.

sein. Im Zeitalter des Internet erscheint es einfacher und schneller, jemanden kennenzulernen. Doch das Internet birgt eben die Gefahr der Schnelllebigkeit, der Austauschbarkeit und der ewigen Optionen; dafür ist es umso leichter, sich von Internet-Bekanntschaften zu verabschieden. Carnegie & Associates (also die Jungs und Mädels seiner Foundation) verlegten sogar eine Neuauflage seines Buches: Die Kunst, Vertrauen zu schaffen: Wie man Freunde gewinnt in Zeiten des Internet.

Ort gefunden?! Und dann?

 

Also, Dale Carnegie, wie macht man sich denn nun Freunde?

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Foto: biography.com

1. weder Kritisieren, Urteilen, noch Klagen (nicht belehren oder erziehen wollen)
2. Verteilen von ehrlicher, aufrichtiger Anerkennung (Sympathie verteilen, um zu ernten)
3. dem Gegenüber ein gutes Gefühl geben, in ihm schöne Träume wecken
4. aufrichtiges Interesse für den Menschen, ein guter Zuhörer und Empath sein (ohne Heucheln)
5. viel und freundlich/ehrlich Lächeln (Wohlwollen zeigen, ehrliches und gegenseitiges Vertrauen wecken)
6. die Namen der Menschen kennen und nutzen (im Gespräch erwähnen, ohne zu übertreiben)
7. ein guter Zuhörer sein und die anderen ermutigen, über sich zu sprechen (um sie kennenzulernen)
8. von gemeinsamen Interessensgebieten sprechen (Basis schaffen)
9. das Selbstbewusstsein des Gegenüber bestärken (statt ihn herunterzuziehen)
10. Streit vermeiden (außer er ist konstruktiv im Sinne eines höflichen Meinungsaustausches
11. “Das ist falsch.” vermeiden und die Meinung des Gegenüber achten und schätzen, statt zu “eigenen Meinungen” überreden zu wollen
12. eigene Fehler eingestehen (und korrigieren)
13. Freundlichkeit mal 20
14. vom anderen annehmen können (nehmen lernen)
15. anfangs lieber mehr zuhören, statt selbst zu reden
16. sich in den Gegenüber hineinversetzen (Empathie)
17. an die Ehre/Loyalität des anderen Menschen appellieren (herausfinden, ob derjenige loyal, inter und ehrwürdig ist)
18. dem Gegenüber erlauben, sich zu beweisen (lassen)

So viel zur Theorie. Nun bezieht sich das auf den Aspekt “Du machst alles richtig, um den Anderen zu kriegen.” Doch, was wenn die Person einfach nicht zu dir passt?

 

Die falschen Menschen: Wie du sie loswirst oder erst gar nicht anziehst

Wir alle kennen Menschen, die schlecht für uns sind/waren. Einzelne Charaktereigenschaften mögen, je nachdem, wie deine Persönlichkeit ist, variieren. Nach meinem Verständnis fordern diese sogenannten “schlechten” Menschen mehr, als wir bereit sind, zu geben. Sie bestimmen eher, als dass sie uns lassen; sie setzen Grenzen, wo wir uns entfalten müssten/wollen; sie hindern und verhindern dich und deine Werdung. Sie misstrauen eher, als dass sie vertrauen. Sie versuchen uns, in ihrem Rahmen einsperren zu wollen, statt unseren eigenen (und ihren) zu sprengen.

Trenne dich von Menschen, die schlecht für dich sind.
Lass los, was dir nicht dient.

Diese und ähnliche Sätze bekommen wir auf Bildsprüchen und in Blogposts um die Ohren geworfen. Aber wie stellt man das eigentlich an? Es ist wohl unnötig zu sagen, dass das in den wenigsten Fällen so einfach und gut funktioniert. Nehmen wir nur das Feld Beruf/Job: Können wir uns unsere Kollegen aussuchen? Oder neue Kontakte: Können wir bestimmen, wen wir treffen und wie diese Menschen zu sein haben?

Und was tut man, wenn man die Menschen, die einem schlecht tun, zwar gern aus seinem Leben heraushalten möchte, das aber nicht geht? Was, wenn es sich um Familie, Partner von irgendwem oder unliebsame Kollegen handelt? Einfach zusehen und machen lassen?

Auch dafür hat Carnegie wertvolle Strategien zur Hand:

9 Wege, um Menschen zu ändern, ohne sie zu beleidigen oder zum Kampf herauszufordern

1. Erst ehrlich und aufrichtig für das Gute loben (bevor man das Negative nennt),
2. Direktheit ade, Indirektheit: HALLO! Niemanden vor den Kopf stoßen oder martern wegen seinen Fehlern,
3. zuerst die eigenen Fehler ansprechen, bevor man die fremden nennt,
4. Vorschläge unterbreiten, anstatt Befehle zu geben,
5. Freiräume lassen, Lust auf Veränderung wecken, statt das Ego zu verletzen,
6. Großzügig mit Lob umgehen,
7. dem Gegenüber zeigen, dass man eine gute Meinung von ihm hat (trotz aller Vorfälle),
8. positive Bestärkung im Angehen aller Veränderungen,
9. auf den eigenen Antrieb des Gegenübers setzen und vertrauen.

Und mal wieder zeigt sich das Resonanzgesetz: Wer es gut meint, erhält sehr viel wahrscheinlicher Gutes zurück. Im Übrigen bedeutet das Halten an Carnegies Vorschläge nicht, dass sie immer so funktionieren. Aber sie sind eine wunderbare Basis, um das Beste im Menschen zu wecken…und im Idealfall das Beste von ihnen zurückzuerhalten.

Leseempfehlung:  Maya Angelou: Eine phänomenale Frau

Und wenn es nicht klappt?

 

Alles nur Projektion?

“Wo Licht ist, da ist auch Schatten”, sagt der neumoderne Volksmund. “Alles nur Projektion!” meinte der Psychologe C. G. Jung. Das Gute an allen Menschen, die man in die Kategorie “schwierig” oder gar “schlecht für dich” stecken würde, ist: Man lernt eine Menge von ihnen. Wichtige Lektionen, Fehler, die man nie wiederholen wird, sondern aus denen man seine Lektion zieht. Wenn du ein wenig so bist wie die meisten Menschen, dann wirst du jetzt sagen: Ja toll, aber auf die Lektionen hätte ich gut und gern verzichten können! oder vielleicht sagst du auch: Glaub mir, das war den Schmerz nicht wert!

Das Polaritätsgesetz würde argumentieren: In jedem von uns steckt etwas von denen, die uns schlecht tun. Man fühlt sich abgestoßen von dem, was man stückweit in sich trägt, aber selbst verurteilt. Diese schlechten Eigenschaften spalten wir ab; verdrängen und unterdrücken, verneinen und tadeln sie. Wenn dich das nächste Mal jemand ärgert oder deine Grenzen übersteigt, lächele, so wie Carnegie rät, und frage dich: Wo und in welchen Bereichen bin ich so oder ähnlich wie dieser Mensch? Oder vielleicht solltest du etwas mehr so werden? Etwas “schlechter”, statt immer nur gut?

LG
Janett

 

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