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Ich bin ein großer Anhänger der Idee, dass Angst auch auf positive, unterdrückte Talente und Fähigkeiten hinweisen, die einfach nur gelebt werden wollen/sollen. Bei allen angeblichen “Störungen” sprechen Wissenschaftler und Therapeuten von Begabungen, so wie auch bei Hochsensibilität, Empathienarzisstische Persönlichkeitsstörungen, Ad(H)S (die Diskussion um die Existenz sei an dieser Stelle unnötig) und der Hochbegabung. Auch die wird mit negativen Aspekten bedacht: Hochbegabte seien unbequem, hätten sich immer etwas zimperlich, müssten alles infragestellen, könnten Autoritäten nicht leiden, gruben viel zu tief, nähmen alles zu ernst. Und wären teilweise übermäßig ängstlich. Kleinste Abweichungen von inneren Plänen löse sofortig Stress und Ängste aus.

Hochbegabung und Vielbegabung wollen dich wachrütteln - notfalls auch durch Stress, Angst und Panik

Wir finden bei allen Konzepten Extreme des Ungleichgewichts. Mit diesen Extremen meine ich Angst, Panik und tiefe Selbstzweifel, innere Leere sowie Schuld, Scham und sogar Verachtung. Gerät etwas aus dem Ruder, scheinen Ängste immer Teil des Geschehens zu sein. Das finde ich als Forschungsgebiet so spannend, dass ich mich einem Feld annähern möchte, in dem auffällig hohe Übereinstimmungen mit Symptomen von starkem Stress, Angst und sogar Panikattacken zu finden sind: Hochbegabung und Vielbegabung. Denn beide gehen einher mit Leistungen und Druck, sei es eine übersteigerte Anspruchshaltung oder das Gegenteil, die Underachiever. In beiden Fällen schwimmen Perfektionismus, Leistungsangst, Versagensangst, Selbstwertprobleme, (Angst vor) Selbstverlust, Isolation, Verlust- und Trennungsangst usw. mit im großen See der Fähigkeiten und Talente, die zumeist verleugnet oder zwanghaft untergraben werden. Aus Angst. Meistens geschah das auch, weil wir zu “klein” waren, um dem allwissenden Lehrer oder Erwachsenen zu widersprechen, als uns dieser irgendein Zeug eingeredet hat.

Die Mentorin und Expertin Anne Heintze schreibt sehr viel über ihre Erfahrungen mit unentdeckten, hochbegabten Erwachsenen in Deutschland. Sie würden sich über sich und ihre “andere” Art wundern, würden an sich zweifeln, mit sich ringen, versuchen, sich einzupassen, am “Normalen” scheitern, unter sozialen Schwierigkeiten leiden und aufgrund ihrer Wesensarten meist als Außenseiter wahrgenommen werden. Wer nicht so “endet”, der würde sich im Mindesten unverstanden und deplatziert fühlen.

Ich versuche im Folgenden einen Bezug zu Stress und Angst als extremes Symptom einer verkannten Hochbegabung (HB) herzustellen. Ich distanziere mich davon, dass in jedem eine HOCHbegabung schlummert, der intensive Angst bzw. Angststörungen oder Panik kennt. Ich sage stattdessen: Es könnte sein, dass der Versuch oder Zwang, “nicht (hoch)begabt” zu sein, auch als Resultat einer prägenden Umwelt (in der man sich anpassen oder klein bleiben muss), Angst und Panik auslösen kann. Auch die einzelnen Merkmale nicht ausbalancieren zu können, kann zu Symptomen führen, die entweder wie Angst/Panik aussehen oder aber Angst/Panik sind, weil sie auf eine Überlastung und mangelnde Resilienz hindeuten.

Ade Intelligenztests: Howard Gardner und die multiplen Intelligenzen

Howard Garner multiple IntelligenzenAuch Anne Heintzes Meinung nach sind hochbegabte Menschen nicht ausschließlich solche, die in einem offiziellen Mensa e. V.-Test ein Ergebnis über 130 erzielen. Damit stimmt sie den Aussagen vieler anderer Experten und Wissenschaftler, Therapeuten und Psychologen zu.

Es sei noch immer zu engstirnig gedacht, dass Hochbegabung nur über schulisch ausgeprägte Fähigkeiten (wie sprachliches Geschick, logisches Denkvermögen usw.) vorhanden sein könne. Auch Martina Güth, Inhaberin der Website Hochbegabte Erwachsene, schreibt: “Der Begriff Hochbegabung lässt keine präzise Definition zu. Hochbegabung lässt sich jedoch keinesfalls ausschließlich durch den Intelligenzquotienten definieren.

Laut Howard Gardner, Experte für Intelligenz- und Kreativitätsforschung und Professor für Erziehungswissenschaften an der Harvard Graduate School of Education und Boston University School of Medicine, gebe es sogar multiple Intelligenzen:

“Howard Gardner ist ein amerikanischer Psychologe, der die Existenz einer allgemeinen [Hervorhebung von mir] geistigen Fähigkeit in Frage stellt. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen über verschiedene, voneinander relativ unabhängige kognitive Fähigkeiten verfügen. Die Behauptung eines universellen IQ ist nicht nur wissenschaftlich fragwürdig, sondern hat auch zu sozialen Ungerechtigkeiten geführt. In Schulen und Universitäten werden die Leistungen der Intelligenztests überbewertet und andere Fähigkeiten unterbewertet.“ (Siebert et al. 2000, S. 48).

Hochbegabte: Gardner unterscheidet 8 1/2 Intelligenzen

Die halbe, existenzielle Intelligenz habe er noch nicht ausreichend erforscht, weshalb sie keinen vollen Einzug in die Liste fand. Der vollständigkeithalber erwähhne ich sie hier mit:

  • interpersonell Intelligenz (Menschen gut verstehen können und Empathie: emotionale Intelligenz)
  • intrapersonell (Impulskontrolle, Grenzen setzen können, gesunder Umgang mit den eigenen Gefühlen, klare Ansichten über die eigenen Möglichkeiten und Chancen, Bedürfnisse gut wahrnehmen können, ein wahrhaftiges Bild seiner eigenen Persönlichkeit haben, auch in Bezug auf die Schattenseiten)
  • körperlich-kinesthetisch (den Körper (als Raum) erfassen und nutzen, um etwas auszudrücken oder zu produzieren, z. B. im Tanz, bei handwerklichem Geschick, im medizinischen Bereich, bei Schauspielern usw.)
  • musikalisch-rhythmisch (Musizieren, Komponieren, Rhythmus, ein “Ohr” für Zwischentöne)
  • verbal-linguistisch (Gefühl für das geschriebene Wort und Gesprochenes, schnelles Sprachenlernen, ein talentierter Einsatz der Sprache), Bestandteil der offiziellen IQ-Tests
  • logisch-mathematisch (Problemlösungsorientierung, mathematische Gleichungen analytisch lösen, wissenschaftliche Bereiche erforschen), Bestandteil der offiziellen IQ-Tests
  • naturalistisch (Fähigkeit zum genauen Beobachten, Unterscheiden sowie Erkennen, Sensibilität für die Natur und ihre Phänomene)
  • visuell-räumlich (gutes Erfassen räumlicher Strukturen, räumliches Denkvermögen, Orientierungssinn), Bestandteil der offiziellen IQ-Tests
  • existenziell (Fragen über das menschliche Dasein und stete Antwortsuche, philosophische Geschicke, spiritueller Hang, sich und andere erkennen wollen).

Bleiben also 5 1/2 Intelligenzbereiche, die die Welt bislang ignoriert(e). Wie Anne Heintze auf ihrer Website schreibt, müssten noch zwei weitere Intelligenzformen hinzugefügt werden: die fluide und kristalline Intelligenz, nach der Zweikomponententheorie von Raymond Cattell. Klingt esooterisch, aber dahinter verbirgt sich das angeborene Potenzial und jenes, das man im Laufe seiner Bildung entwickelt und gestaltet.

Wann ist man nun hochbegabt bzw. welche Wesensmerkmale weisen auf eine höhere Begabung oder HB hin?

 

Hochbegabung: Wesentliche Eigenschaften hochbegabter Menschen

  1. hochbegabte Familienmitglieder (Ahnen), auch wenn deren HB nicht erkannt wurde
  2. Schwierigkeiten bei der Berufsfindung (auch in Bezug zu Ausbildung, Studienfach, Arbeitgeber usw.) und Schlenker im Lebenslauf
  3. andere Form des Lernens (meist Autodidakten), löst oft Konzentrationsprobleme und mangelhafte Motivation aus (Es geht ihnen zu schnell, zu langsam, die Lernmethodik ist unpassend usw.)
  4. berufliche Unterforderung und Schwierigkeiten im Umgang mit fremden Entscheidungen und Anweisungen, die zumeist als unvernünftig oder unsinnig empfunden werden
  5. haben ein gutes Gespür für Ursache-Wirkung und Sinnzusammenhänge bzw. Vergleiche augenscheinlich nicht zusammenpassender Bereiche
  6. scheinbar unstillbarer Wissensdurst und Ablehnung jeder Monotonie und Routine bzw. oberflächlicher Arbeitsaufgaben
  7. oft introvertiert und benötigen meist länger, um mit jemandem warm zu werden
  8. oft auch das gesamte Gegenteil und sehr charmant, knüpfen leicht Kontakte (wenn die HB bereits durch einen hohen Selbstwert entfaltet wurde, auch ohne es zu wissen)
  9. breite Interessensgebiete, die nicht zwingend ähnlich sind (Literatur, Sachthemen usw. favorisiert)
  10. oberflächliche bzw. unauthentische Gespräche vermeiden sie, besonders Small talk im Beruf
  11. allgemeines unsicheres Gefühl in großen Gruppen oder das Gegenteil, im Mittelpunkt stehen wollen
  12. Drang nach Ehrlichkeit, Direktheit und Wahrheit, auch trotz möglicher Verletzungen anderer
  13. hohe Ansprüche an Freundschaften, Partnerschaften, Verbindungen aller Art und Wunsch nach Ähnlichkeiten bei Werten, Moralvorstellungen, Weltanschauungen, Interessen
  14. Erkennen von Lügen und Manipulationen, Unstimmigkeiten und Machtmissbräuche bzw. Einseitigkeiten
  15. auditive Begabungen lassen sie die Zwischentöne leichter in Gesprächen wahrnehmen, Stimmungen und Untergrabungen, Machtmissbräuche erkennen
  16. häufige Reaktionsmuster sind Rückzug und Distanz, ggf. Isolation, wenn sie sich “unwohl bzw. deplatziert” fühlen
  17. Ungeduld, besonders bei Menschen, die ausschweifend erzählen (HB erkennen das Ziel bereits auf dem Weg und unterbrechen meist, um sich nicht langweilen zu müssen oder voranzukommen.)
  18. sehr auffällige Selbstzweifel, besonders in Bezug zu ihrem Wissen, ihrer Intuition und ihren Erfolgen, die meist als Zufall oder Glück deklariert werden
  19. hohe Sensibilität oder Hochsensibilität: Ablehnung von Menschenansammlungen aller Art, viel Zeit für sich allein verbringen wollen und zur Reflexion, hohe Empfindlichkeit auf Lärm, Licht, Gerüche, feines Gehör und Liebe zu ruhiger Musik, hohes Interesse an den schönen Künsten, Liebe zur Natur und Tieren, großes Interesse an religiösen, esoterischen, philosophischen Fragen, geringes Interesse an Sport mit Leistungsdruck, hohe Anfälligkeit für Einsamkeit und folgende deprimierte/depressive Episoden, Lust an schwarzem oder absurden Humor und Situationskomik, haben ein randständiges oder außenstehendes Gefühl
  20. Tätigkeiten im Haushalt sind ihnen lästig, sie mögen kreatives Chaos
  21. alltägliche Aufgaben sind langweilig und werden als zeitverschwendend empfunden
  22. erstaunliche Distanzwahrung in extremen Situationen (beinahe Emotionsarmut) und überlegte Handlungsfähigkeit (während andere drumherum neben sich stehen).

 

Kann Hochbegabung Angst und Panik auslösen?

Panikattacken HochbegabungIch postuliere mutig: Ja. Und stimme damit dem Autor und Psychologen Jürgen von Scheidt zu, der eine (viel diskutierte) Liste mit Merkmalen hochbegabter Menschen erstellte. Auf Platz 35 steht:

“Verfeinerte Wahrnehmung (z. B. viele neue Details in fremder Umgebung). Negative Ausprägung: Das kann Angst auslösende Situationen zu übergroßer Bedrohung werden lassen, bis hin zu Panikattacken und Paranoia.” (Quelle)

Genauso wie eine ignorierte Hochsensibilität und Empathie Angst und Panik auslösen können, kann das auch eine unwissentliche Hochbegabung. Weist jemand HB-Merkmale auf und weiß nicht um einen gesunden Umgang damit, sondern glaubt, weiterhin “normal” sein zu müssen/können, kann das durchaus im Extrem ungesunde, mentale Konsequenzen nach sich ziehen. Immerhin ignorieren bzw. verleumden HB somit einen wesentlichen, nach Aufmerksamkeit schreienden Teil ihrer schillernden, wertvollen Persönlichkeit. Auf der anderen Seite stehen auch die Symptome der HB, die wie Angst aussehen können.

Ich schätze in diesem Zusammenhang die Aufstellung von Dr. Elaine Aron in Bezug zu Hochsensibilität und Angst, die genauso auf eine Hochbegabung anwendbar ist:

  1. Hochbegabung und Angst-/Panikstörung bestehen nebeneinander.
  2. Hochbegabung und ungesunder Umgang kann Angst und Panik auslösen.
  3. Angst und Panik löst niemals Hochbegabung aus.

 

Hochbegabung und Angst-Symptome

…die sich als Stress-Ängste, intensive Angst und Panik zeigen können:

1. Unkontrollierbare, stets andauernde, auch kritische Gedankengänge auf hohem, schnellem und komplexen Niveau: Hier handelt es sich um mehr als ein hohes und schnelles Denktempo. Ein gutes Anzeichen dafür sind Situationen, in denen der Gegenüber spricht und es einem nicht schnell genug geht bzw. man bereits verstanden hat, worauf er hinausmöchte. Während man wartet, dass derjenige den Punkt setzt, werden HB ungeduldig und unterbrechen lieber statt weiterhin zuzuhören. Einige versuchen es auszuhalten und erfahren tiefe, innere Unruhe. Warteprozesse, die nur mit unangenehmen Gefühlen ertragen werden.

Ihre kritische Denkweise ist meist gepaart mit einem hohen Gerechtigkeitssinn und dieser tut sein Übriges, was leicht in schiere Wut oder Traurigkeit im Sinne einer Ohnmacht ausarten kann.

Ein anderes Beispiel bezieht sich auf wissentliche Fehler bzw. Schwierigkeiten, die außerhalb der Kontrolle liegen. HB, aber auch Ängstliche im Sinne einer Generellen Angst oder Sozialen Angst, haben im Extrem Grübeleien, die verzweifelt eine schnelle Lösung anvisieren, mitunter auch in Verbindung mit Zwängen. Zwänge müssen nicht immer in Waschzwänge ausarten, sie können auch Kleinigkeiten sein, wie beispielsweise die Situation bis ins letzte (sichere) Detail durchdenken, um sich zu beruhigen.

narzissmusStatt Vertrauen, wird hier der Verstand zum besten Freund (oder eben im Extrem auch ärgsten Feind). Weiß man nicht damit umzugehen, seine steten Gedanken zu unterbrechen, sie anzunehmen, Denkprozesse zu kanalisieren (ganz besonders auch die, die im Nachgang eines Gesprächs noch im Kopf auftauchen), kann es zu Selbstzweifel, innerer Gegenwehr und Scheitern mit folgender Angst, Panik und Auslaugung, emotionaler und mentaler Erschöpfung kommen, inklusive dem Gefühl, verrückt zu werden. Grübelkreise und ihre Auswirkungen eben.

2. Nicht genug Informationen bekommen, ständiger Durst nach Input und Verwertung der Informationen und Ideen: Das kann wiederum zu (geistiger und emotionaler) Erschöpfung führen und gleichzeitig, wenn wir keinen Kanal finden, zu einer Überreizung, weil das alles in unserem Körper bleibt, statt seinen Weg nach draußen zu finden. Aber auch das Gegenteil, nämlich der Bore-out, also die stete Unterforderung und Aussichtslosigkeit als Konsequenz, kann entstehen. Denn HB verfügen über die Fähigkeit, in kurzer Zeit Querverbindungen, Sinnzusammenhänge und Muster zu erkennen, diese zu analysieren und entsprechende Verhaltensänderungen einzuleiten. Und die sollte genutzt werden.

3. Das Gefühl, verrückt zu sein oder es zu werden: Wenn HB Themen interessieren, konstant und unaufhaltsam, die andere Menschen für uninteressant oder unwichtig erachten, sie mit ihrem Durst aber an die “normalen” Grenzen stoßen, entsteht leicht der Eindruck, dass etwas mit dem hochbegabten Erwachsenen nicht stimme. Dabei sind die Selbstansprüche bzw. -bedürfnisse einfach nur anders. Passen sie sich aber doch irgendwie in das Normierte ein, kann es dazu führen, dass sie einige Talente und Fähigkeiten verkümmern lassen oder aber zu einem Underachiever bzw. Niedrigleister werden. Das macht sie bequemer für ihre Umwelt.

4. Sich schlecht entscheiden können(, da man (zu) ausgiebig reflektiert): Das ist eine klassische, normale Eigenschaft, die wir bei vielen Menschen, ob nun HB oder nicht, finden. Sie kommt genauso oft bei Hochsensiblen, Vielbegabten und natürlich Hochbegabten vor. Da HB Vieles interessiert und sie schnell darin sind, Zusammenhänge zwischen scheinbar zusammenhangslosen Themen herzustellen, sie also vielfältige Interessen (und sei es auch nur in einem Wissensbereich) haben und ihren eigenen Weg, Probleme zu lösen, haben, scheint es, als könnten sie sich schlecht entscheiden. Aber die Wahrheit ist eher, dass keine Entscheidung getroffen werden muss. Dass es viele Interessen und Talente gibt und man sie lebt, ist die eigentliche Entscheidung. Egal, was andere sagen.

5. Ein wie einverleibter Drang, alles/jeden infragezustellen: Allein dieses Merkmal animiert einen bereits dazu, zu denken und erst dann aufzuhören, wenn es gut für einen HB ist. Das kann so weit gehen, dass man sich wiederum durch Perfektionismus erschöpft, aufgrund von hohem Anspruch an sich selbst und andere, besonders im Beruf.

6. Versagensangst: siehe Punkt 5 zum Thema Perfektionismus und Punkt 11 zur Ähnlichkeit zur Sozialen Angst

7. Selbstzweifel, besonders in Bezug zum eigenen (inneren) Wissen und als Intuition getarnte (emotionale Angst und Depression durch Hochbegungoder andere) Intelligenz: Jeder HB hat seine eigenen Merkmale in Hinblick auf bestimmte Interessens- und Wissensgebiete. Nicht jeder HB lässt sich also in die eine Schublade legen. Wiederum gibt es viele Menschen, denen es leicht fällt, sich ihre HB ausreden zu lassen, ihr Wissen zu ignorieren, sich klein halten zu lassen. Das löst Selbstzweifel auf einem hohen Niveau aus, wenn man es nicht schafft, auf sich und seine Intuition zu vertrauen und über die Barrieren in den Köpfen anderer Menschen zu springen (oder sie einfach einzurennen). Auch der Fakt, dass sie häufig meinen, ihre Erfolge seien zufällig und pures Glück, anstatt verdient, löst Selbstzweifel aus. Dass sie über große Talente und Fähigkeiten verfügen, aber sie diese für mangelhaft halten, wird eher von Frauen berichtet. Buchtipp hierzu: Kassandras Schleier: Das Drama der hochbegabten Frau (Affiliate Link)

8. Sensibilität durch schnelle und tiefe Informationsaufnahme: Es ist ernsthaft in der Literatur vermerkt (in allen), dass HB zum Beispiel Großveranstaltungen oder öffentliche Plätze mit Menschenmassen vermeiden. Auch Sinneswahrnehmungen wie Überempfindlichkeiten bei grellem Licht und Lärm werden genannt. Alles auch Merkmale bestimmter Ängste und Panik. Siehe hierzu auch: Hochsensibilität und Angst, Panik, Stress und Angststörungen

9. Autoritäten ablehnen: Das hat in den meisten Fällen mit Entscheidungen zu tun, die Vorgesetzte treffen, die in den Augen von HB unsinnig oder riskant sind. Auch der Punkt 1 und 2, gepaart mit dem Bedürfnis nach gedanklicher Abwechslung und neuen Themen, kracht regelmäßig gegen die geradlinige und monotone Aufgabenverteilung durch Vorgesetzte. Ganz besonders trifft es HB dann, wenn der Chef sich in bestimmten Bereichen weniger gut auskennt, aber die Begabung und das Wissen seiner Mitarbeiter aus Stolz untergräbt.

10. Ungeduld, schnelles Denken und Handeln: Paniksymptome, wenn man im extremen HB-Modus steckengeblieben ist.

11. Sich nicht oder nur schlecht einfügen können, ungern im Mittelpunkt stehen, überwiegende Introvertiertheit, auch längere Zeit, um mit jemandem warm zu werden, ziehen sich aus unangenehmen Situationen schnell zurück, Probleme mit oberflächlichen Gesprächen (u. a. Small Talk): All diese Merkmale findet man u. a. auch bei Menschen, die mit Sozialer Phobie und (kleineren) Depressionen diagnostiziert werden.

 

Und, hast du dich wiederentdecken können? Ich würde mich ganz besonders freuen, wenn der/die eine oder andere Leser/Leserin ihre eigenen, verborgenen Talente schlummern hört. Man muss nicht gleich “hochbegabt” sein, aber sollte sich jemand einmal am offiziellen Mini-Online Hochbegabungstest von Mensa e. V. ausprobieren wollen, möchte ich noch etwas loswerden: Vergiss alles, was dir je irgendjemand darüber gesagt hat, was du angeblich nicht könntest - sei es Mathe, Sprache oder sonst etwas.

Ganz viel Erfolg und lass mich unbedingt wissen, wenn das Ergebnis “offiziell” positiv ist!

Liebe Grüße,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

Quellen: Tübinger Praxis für Hochbegabung und Begabt sensibel

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