Das Schlimmste in der Liebe sind unerwiderte Gefühle: Niemandem bereitet es Freude, abgewiesen oder abgelehnt zu werden oder unglücklich verliebt zu sein. Jedem fällt es schwer, mit Gefühlen zu leben, die nicht erwidert wurden bzw. nie erwidert werden. Es verletzt uns alle zutiefst, ausgeschlossen zu werden oder sich unliebenswürdig zu fühlen. Wir bleiben allein mit unserem Schmerz zurück, über unerfüllte Bedürfnisse, leidige Missverständnisse, Fehler, die sich nicht mehr korrigieren lassen und blutende Wunden. Es ist verletzend, dass man ungewollt oder „nicht so, wie mich jemand will“ ist.

Kennst du das? Dann ist in diesem Artikel über den Umgang mit unerwiderter Liebe vielleicht ein Weg für dich.

 

Meine besten 10 Strategien gegen unerwiderte Gefühle

1. Frag dich, was du tun kannst, damit es noch mehr wehtut

Eine Technik aus dem Coaching, die du genauso anwendest, wie beschrieben. Wenn es höllisch weh tut oder du wahnsinnig wütend bist, Panikattacken oder durchweinte Nächte hast, frag dich, was du tun musst, damit es noch schlimmer wird. Dich noch mehr quälen, indem du dich abwertest? Dich noch liebloser und wertloser behandeln, damit du dich lieblos und wertlos fühlst? Noch weniger schlafen, noch mehr essen, noch weniger unter Menschen gehen, noch mehr trinken? Dein Gehirn ist ein mächtiges Organ und es wird wie immer tun, was getan werden muss, um die Funktionalität in deinem Leben zu erhalten: Es wird dich schützen und aus dem Sumpf herausziehen. Sei es durch Aha-Momente, neue Kraftimpulse, Hilfe, die du annimmst oder dir suchst usw. Der erste Schritt ist dabei, dich und den Kritiker zu beobachten.

 

2. Frag dich, was du tun kannst, wenn dich unerwiderte Gefühle belasten

warum uns unerwiderte gefühle so zu schaffen machen Was kannst du stattdessen tun, was hilfreich wäre und dich in deinem Selbstwert, deiner Selbstannahme und Selbstliebe unterstützen würde? Beim Sport alles raus zu sporteln? Denjenigen vielleicht anrufen und anbrüllen oder den Kontakt abbrechen? Einen schönen Abend mit deinen Freunden verbringen? Kleine Rituale für den Alltag einführen, wie zum Beispiel dein Lieblingsessen kochen, einen Freizeitkurs an der VHS buchen, einen neuen Ort in deiner Gegend erkunden, den nur du besuchst, an dem keine Erinnerungen hängen? Dich in Gesprächen mit lieben Menschen bestätigen, indem du sie bittest, dir alle deine guten Eigenschaften zu nennen?

 

3. Lass die „echten“ Gedanken und Gefühle raus

In der Gewaltfreien Kommunikation unterscheidet man zwischen echten und unechten Gefühlen. Echte Gefühle sind Traurigkeit, Verärgerung, Kränkung, Hilflosigkeit, Angst, Einsamkeit, Langeweile, Enttäuschung, Eifersucht, Leere. Unechte Gefühle sind „erdacht“. Sie kommen nicht aus deinem Herzen, sondern entspringen deinem Geist. Du fühlst dich, weil du so denkst, zum Beispiel

  • abgelehnt
  • ausgenutzt
  • belogen oder betrogen
  • geringgeschätzt
  • erniedrigt
  • im Stich gelassen
  • ignoriert
  • nicht beachtet
  • unbedeutend
  • vernachlässigt
  • zurückgewiesen
  • unerwünscht
  • wertlos, kurzum:
  • ungeliebt.

Mach dir am besten klar, dass du diese gedachten, unechten Gefühle gar nicht fühlst, weil sie keine Gefühle sind. Es sind deine Gedanken, deine Interpretationen. Die Quelle sind unerwiderte Gefühle und Liebe, besonders die Trauer, die sich dahinter verbirgt. Ich sage nicht, dass das einfach ist. Ich sage nicht einmal, dass ich es immer zu 100% kann. Ich sage nur: Mach dir bewusst, dass du dir diese Gefühle nur „denkst“. Diese unechten Gefühle sind deine Angst. Diese Angst wiederum schützt dich vor zu viel Traurigkeit, die dein Gehirn nicht fühlen will. Es ist ein wenig so, als würde dein Gehirn dir erlauben, eine eigene Wut oder etwas anderes, Größeres zu entwickeln, was dich dann dazu befähigt, einen neuen Weg zu gehen. Das kann für einige bedeuten, dass sie noch mehr versuchen und unternehmen, um denjenigen von ihrem Wert und ihrer Liebenswürdigkeit zu überzeugen (das kann nach hinten losgehen oder klappen, aber liegt außerhalb deiner Kontrolle). Andere wiederum entscheiden sich dazu, zu gehen und ebenfalls abzulehnen (sie kämpfen nicht, sondern nehmen die Entscheidung bzw. das Verhalten des anderes als gegeben und wohl überlegt, was es hoffentlich auch ist). Wiederum andere würden verzeihen, akzeptieren, dass die Gefühle desjenigen sind, wie sie sind und ihr Leben weiterleben, die Augen offen halten und neue Möglichkeiten ergreifen.

Echte Gefühle sind zum Beispiel Selbstmitgefühl und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

 

4. Sieh in den Spiegel und erkenne dich in ihm

Wieder diese Spiegeltheorie, ja ja. Aber mir geht es nicht um diese Bücher, in denen steht, dass du bist, was du aussendest (obwohl ich das tatsächlich hin und wieder erlebe), sondern mit „Sieh in den Spiegel und erkenne dich in ihm“ meine ich: Stell dich vor einen Spiegel und sieh dich an. Sieh dich, nicht nur die Person in deinem Kopf, mit der du diskutierst oder die du vermisst oder der du hinterherjagst. Sieh in die Spiegel: Das bist du. So siehst du aus, wenn du diese Gefühle spürst oder diese Gedanken hast, die du dir gerade machst. Gefällst du dir so? Kannst du mit dir fühlen oder empfindest du eher Selbstmitleid über eine Ablehnung? Ist es Selbstverständnis oder glaubst du demjenigen, dass du nicht liebenswert seiest? Das, was der andere denkt oder nicht fühlt, ist in seinem Kopf, in seinem Herzen. Eine Entscheidung über sein Leben. Siehst du das in dem Spiegel? Oder siehst du dich, wie du bist? Siehst du so aus, wie andere dich sehen bzw. wie du gesehen werden willst oder erlaubst du dir einen ehrlichen Blick in den Spiegel, der dir zeigt, dass du Ecken und Kanten hast, die zu dir gehören? Das, was du über dich denkst und fühlst, ist deine Entscheidung. Wenn du jemand anderem erlaubst, dich über seine Werte und vielleicht sogar Unwahres über deine Person zu definieren, wirst du zu einem anderen Menschen, zu jemandem, der versucht, einen zu großen Kreis in ein zu kleines Quadrat zu quetschen. Wer bist du ohne den anderen?

warum uns unerwiderte gefühle so zu schaffen machenUnd was die Spiegeltheorie angeht: Mir ist es schon oft passiert, dass ich auf Menschen treffe, die meist noch „schlimmer“ sind als ich: noch sensibler und verletzbarer, noch kontrollierender oder manipulierbarer, weil noch ängstlicher oder noch unwilliger, noch härter, wenn es um Grenzen und Bedürfnisse geht und noch sehnsüchtiger, noch beschützender, noch verhafteter an einem Selbstbild, was modelliert wurde, um anderen zu gefallen oder wenigstens niemandem auf die Füße zu treten, um keine Konflikte oder gar Ablehnung hervorzurufen.

Was auch immer es ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass die eisige Härte oder das aufpolierte Desinteresse der Wirklichkeit entspricht und nicht der Angst des Ablehnenden, am Ende selbst der Gelackmeierte oder Verlassene oder Verletzte zu sein, ist größer, als man manchmal denken mag. Auch du zeigst Menschen nur das, als was du gesehen werden möchtest, um nicht angreifbar zu sein oder zu werden. Umgekehrt funktioniert es genauso. Diese Erkenntnis hat mir oft dabei geholfen, zu verstehen, dass Ablehnung meist dann erfolgt, weil der andere sie am meisten fürchtet. Jemand, der dich ablehnt, fühlt sich vielleicht schon von dir abgelehnt oder aber könnte fürchten, dass du ihn in naher Zukunft ablehnen wirst, weswegen der erste, eigene Ablehnungsschritt lieber von demjenigen erfolgt. Ein Schutzmechanismus der Angstabwehr. Wir werten ab, wir bagatellisieren, wir verneinen. Ist dir das auch schon einmal passiert?

 

5. Fühle den Schmerz, den du verarbeiten willst

Ich habe mal gelesen (und kann leider die Quelle nicht mehr nennen), dass man sich den Schmerz ins Leben zurückholt, den man im Inneren am meisten loslassen möchte. Alte Wunden, alte Schmerzen über Trennungen, Verzicht, Opfer, Konflikte, Ablehnung, seitens der Mutter, des Vaters, früher Freunde, erstem Partner. Das in Verbindung mit einer Schuld, die man fühlt, die nicht zwingend die eigene sein muss, sondern auch die eines anderen, lässt uns oft verstärkt leiden. Diese Verbindung geht auf den Psychologen Chuck Spezzano zurück. Wir sind in Wahrheit wütend und traurig, aber derjenige entschuldigt sich nicht und macht seine Schuld nicht wieder gut. Stattdessen sind diese Menschen kalt, selbstherrlich, überzeugt von ihrer Meinung und ihrem Verhalten, was uns noch mehr verletzt.

Dieser alte Schmerz wird jedes Mal neu aktiviert, weil er noch da ist und wie ein schlafender Hund in uns lebt, wenn jemand Ähnliches bzw. mit ähnlichen Charaktereigenschaften in unser Leben tritt. Man zieht Vergleiche, weiß, dass man „so etwas“ ja schon kennt und erlebt dasselbe wie früher, nur noch schmerzhafter. Das Ziel dahinter, ist, diesen Schmerz – solange und so oft, wie es braucht, bis wir bereit sind – zu durchleben, um ihn endgültig loslassen zu können. Auch die Schuld, die jemand nicht übernehmen wollte, die Verantwortung, die jemand nicht tragen wollte, fällt so auf uns zurück, weil wir sie nicht loslassen können, und wir übernehmen sie für denjenigen. An seiner Stelle verhalten wir uns so, wie wir es von demjenigen erwartet und erhofft hatten, wir versuchen, die fremde Schuld eigens wieder gut zu machen. Aber wir vergessen dabei, dass unsere Wut und die Traurigkeit darüber verborgen bleibt, um den Schmerz darüber nicht fühlen zu müssen. Du bist unschuldig. Der Schmerz wird solange da sein, bis man bereit ist, ihn zu fühlen und zu verarbeiten, indem er zugelassen wird.

 

6. Verzeihe dir deine Gefühle

Jemanden zu mögen oder zu lieben, der uns nicht so liebt bzw. schätzt, wie wir es uns wünschen, ist schwer. Der Verstand, meist als Vertreter die Freunde oder die Familie, sagt: Wer dich nicht liebt, der hat dich nicht verdient. Aber die Sehnsucht und die Bedürfnisse, obwohl er uns gegenüber so verletzend war, bleiben warum uns unerwiderte gefühle so zu schaffen machenoft, auch wenn man sich noch so sehr Mühe gibt, denjenigen zu vergessen oder gleichfalls abzuwerten. Da es keine Pille, kein Mittelchen gegen Liebeskummer gibt, kann man nur eines versuchen: Akzeptiere, dass du jemanden magst oder dich nach seiner Anerkennung sehnst, der deine Gefühle ablehnt und sie nicht erwidern möchte. Verzeihe dir, dass du denjenigen dennoch (weiter) magst. Erlaube dir deine Gefühle, denn niemand darf sie dir verbieten, aber realisiere ab einem bestimmten Zeitpunkt, dass du dir just diesen Menschen ausgesucht hast. Wieso ausgerechnet der- oder diejenige? Welche Verbindung besteht zu diesem Menschen? Worin ähnelt ihr euch? Was kannst du von dem- oder derjenigen lernen?

Vielleicht ist es auch jemand aus dem beruflichen Umfeld, dessen Anerkennung du möchtest, jemanden, den du dir nicht ausgesucht hast, dessen Anerkennung du aber für deinen Selbstwert glaubst zu brauchen. Brauchst du sie wirklich? Oder brauchst du die Gefühle eines anderen, um dich wohl zu fühlen? Wie sind deine eigenen Gefühle für denjenigen? Würdest du denjenigen im normalen Leben überhaupt mögen? Hätte sich die Situation anders ergeben, wärst du in der Lage gewesen, denjenigen distanziert kennenzulernen, würdest du die Situation dann anders betrachten als jetzt? Würde dich derjenige nicht ablehnen, sondern annehmen, gäbe es dann eine gute Zukunft, in der ihr beide auf eure Kosten kommt oder gibt es etwas an der Person, was du ablehnst oder irgendwann ablehnen würdest? Das kann man sich sowohl romantisch, freundschaftlich oder nachbarschaftlich, als auch beruflich stellen: Wer bist du ohne den anderen?

 

7. Verliebe dich neu – dieses Mal in dich selbst

Veit Lindau nennt das Heirate dich selbst und hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Würdest du dich heiraten? Wärst du gern mit jemandem wie dir zusammen? Würdest du jemanden, der genau so ist wie du, lieben? Wenn nicht, dann bist du vielleicht eine bessere Variante eines Menschen geworden, den andere für liebenswert halten könnten. Aus Angst vor Ablehnung. Wenn du zum Beispiel immer die besten und teuersten Klamotten trägst, pingelig mit Gewicht und deinem Körper bist, drei Mal die Woche ins Fitnessstudio gehst, lange im Bad bist und oft vor dem Spiegel stehst (falls dir das auffällt), scheint dir dein Äußeres sehr wichtig zu sein, was prinzipiell vollkommen okay ist in einer Welt, die sich nur nach Äußerlichkeiten richtet. Für wen genau aber machst du das, wenn dich niemand sehen würde? Siehst du dann auch so aus oder siehst du nur so aus, wenn andere dich sehen (um gesehen zu werden)?

Würdest du jemanden mit deinen Eigenschaften lieben? Oder würdest du vielleicht an einem bestimmten Punkt sagen: Schatz, du siehst immer gut aus. Es ist unnötig, 5 Stunden im Bad zu stehen. Wir gehen doch nur ins Kino…. usw.

 

8. Erkenne, dass du bekommst, was du bekommen willst, um etwas zu lernen

Zu einer Zeit, in der es mir partnerschaftlich sehr schlecht ging, war, fand ich ein Buch mit dem Titel Jeder bekommt den Partner, den er verdient - ob er will oder nicht, von Hermann Meyer. Ich war schockiert über seine Aussagen und konnte nicht glauben, was der Autor als Argumente lieferte. Sollte ich wirklich daran “schuld” sein, dass es mit diesen Partner so schlecht lief? War meine Partnerwahl unbewusst? Hatte ich mir absichtlich einen Menschen ausgesucht, der hoffnung trotz unerwiderte gefühleliederlich mit mir (und sich selbst) umging? Ja. Ich wollte ja den. Ich ignorierte alle Anzeichen und bin mir heute sicher, dass das pure Absicht war und vor allem, eine Erkenntnis, die ich erlangen wollte. Aber bis zum Schluss - wie Annette Zinkant polarisierend in ihrem Buch “Mr. Unentschieden” schreibt - glaubte ich felsenfest, dass es eines Tages die wunderbarste Beziehung meines Lebens würde, mit niedlichen Kindern und Glück und Haus und Hund und Hof, am Rande einer Gänseblümchenwiese. Heute weiß ich es besser.

Ganz oft erhalten wir, was wir geben und bekommen das, was wir glauben, “verdient” zu haben, obwohl es den momentanen Möglichkeiten unseres Selbst in vollem Umfang entspricht (unbewusst). Verdienen wir uns die Liebe eines Menschen, wenn wir ihm hinterherrennen, immer abrufbar bereit stehen, alles erdulden und mit uns machen lassen, was der andere will? Glaubst du, so wie ich vor den vielen Jahren, du müsstest richtig viel leisten, um dir im wahrsten Sinne des Wortes, Liebe zu verdienen? Sicher würdest du, wenn du ein Freund dieser Person wärst, nur den Kopf schütteln und der Person ins Gewissen reden, oder? Wer bist du als Partner? Was glaubst du, verdient zu haben? Was ist das Schlimmste, was dir je suggeriert wurde und was hast du in dem Moment getan? Noch mehr gegeben, geschwiegen, versucht, gelitten? Dann scheinst du zu glauben, dieses Verhalten, so einen Partner, verdient zu haben. Oder bist du kopfschüttelnd gegangen und hast jemanden gefunden, der dich besser behandelt und dich so akzeptiert, wie du bist? Dann glaubst du, dass du etwas Besseres verdient hast. Weswegen genau das eintrat/eintreten wird. Wie im Innern, so im Außen.

Was meinen damaligen Partner anging, und ich gebe es ungern zu, war es genauso: Ich dachte, ich müsste mir Liebe verdienen. Es ging gar nicht um ihn. Es ging um meine Einstellung, um meinen Wert, den ich zum damaligen Zeitpunkt, gerade aus einer anderen Beziehung raus und gleich den Neuen kennengelernt, so gefühlt hatte. Ich war einsam, war traurig, hatte Selbstzweifel, kaum eigene Orientierung und Ziele. Und da war er: mein Gegenstück, mit genau denselben Gefühlen, nur schlimmer. Ich habe jahrelang versucht ihm klarzumachen, wie liebenswert er ist und dass er sich nicht (erst recht nicht vor mir) verstecken braucht, welche Fehler er in seinem steten Streben um Fremdliebe sich und mir gegenüber macht, er sich nichts verdienen muss, weil er trotz aller Schwächen gut ist, wie er ist, er keine Millionen braucht, ich ihn so liebe, wie er ist, aber erst vor einigen Monaten verstand ich, dass ich das lernen musste, anstatt es ihm beizubringen. Außerdem: Es war an der Zeit, dass ich wesentliche Lektionen im Sinne von Fähigkeiten erlerne. Mein damaliger Partner war die übertriebene Variante dessen, was ich selbst zu lernen hatte.

 

9. Nimm deinen Schatten und geh

warum uns unerwiderte gefühle so zu schaffen machenGanz oft, wenn wir abgelehnt werden, finden wir uns in der Mecker-Opfer-Position wieder und denken oder sagen Sätze wie: „Wie konntest du mich nur so verletzen?“ „Wieso hast du das gemacht?“ „Ich hätte nie… Ich würde nie… Ich habe dich nie…“ „Jahrelang habe ich dieses und jenes gemacht und so dankst du mir?“ „Ich habe dich geliebt und du?“

Dieses Verhalten ist zweischneidig. Auf der einen Seite übertragen wir dem Beschuldigten alle Veranwortung und lenken von unserer Eigenverantwortung und Teilhabe ab. Wir schieben es auf jemand anderen, bei dem wiederum nur Rückzug, Abschottung, Querstellen und Selbstzweifel als Optionen “ankommen” können. Zu echten Kompromissen kann es so nicht kommen, im Gegenteil. Man baut Fronten auf.

Auf der anderen Seite: Sollen die Anschuldigungen, Vorwürfe, emotionale Erpressungen, die beim anderen Schuld und Selbstzweifel auslösen, bei demjenigen bewirken, es sich anders zu überlegen und dich doch zu sehen, ernster zu nehmen und zu lieben? Eines habe ich, so qualvoll und schwer es auch war, gelernt: Wenn du dir jemanden erkämpfst, kann es passieren, dass du jedes einzelne Mal wieder kämpfen musst, jeden Morgen, jeden Abend, solange, bis du eines morgens auf dem Weg zur Arbeit, während du dich in Sicherheit wähnst, verlierst. Ohne es zu merken.

 

10. Nimm das Schlechteste und mach es zum Besten

Wenn das dein Weg sein soll, dann sieh ihn. Sieh ihn genau an und erkenne alle Konturen. Wenn du verlassen worden bist, sieh, dass du verlassen wurdest. Erkenne, dass derjenige nicht mehr mit dir zusammen sein will. Erkenne die Gründe (es sich außenstehende Gründe, die jemand anderes hat, welche, die nichts mit dir zu tun haben, sondern mit der Interpretation einen anderes Menschen).

Was kann dir dieser Weg jetzt bringen?

Du bist plötzlich wieder allein, fühlst dich schrecklich, verlassen, ausgenutzt, ausgeschlossen, ungeliebt und verletzt. Du fragst dich, was du getan hast, dass dich derjenige verlassen hat, das dir das geschieht, wofür du das verdient hast, was an dir so „schlecht“ ist, dass du für diesen einen Menschen nicht (mehr) liebenswert bist. Aber das sind nicht die Konturen, das ist das Monster namens „Ablehnung“. Die Konturen sind wie eine Apfelschale: Dort stecken die meisten Vitamine drin. Dieses Monster aber ist wie die Made in dem Apfel. Sie frisst das Süße und Beste im Inneren, was dir Zufriedenheit und Sicherheit gibt, und ruiniert nicht nur den Anblick der Frucht, sondern auch den Genuss. Du wirst ihn nicht mehr essen können. Er sah so schön aus, der Apfel, aber nun ist er ungenießbar. Wäre der Mensch, der dich abgelehnt hat, wie dieser Apfel mit der Made darin, würdest du ihn doch auch wegschmeißen, oder? Würdest du ihn noch ein paar Tage länger liegen lassen? Würdest du der Made sagen, dass sie gefälligst aus dem Apfel kriechen soll und sich all die braunen Kotspuren darin bitte in Luft auflösen mögen? Sicher nicht. Aber das versucht man, wenn man sich über die Ablehnung eines Menschen ärgert oder unter Liebeskummer wegen unerwiderter Gefühle leidet. Man redet mit einer Made und ist enttäuscht, weil der schöne Apfel dahin ist. Schneide die guten Seiten des Apfels ab und schau, ob da die Made schon durchgekrochen ist, wirf den restlichen Apfel in den Müll, trag den Beutel nach draußen in die Tonne und lass die Made da sein, wo sie hingehört. In den Abfall, zum restlichen Müll. Und dann mach das Beste daraus.

Liebe Grüße, Janett

Janett

 

 

P. S.: Den Frauen unter uns möchte ich ein Buch empfehlen, was man nicht nur lesen kann, wenn man sich mit depressiven Episoden konfrontiert sieht. Ich selbst gehöre nicht dazu, und schätze den Lesewert dieses Buches dennoch sehr hoch ein. Es handelt sich dabei um Ursula Nubers Buch Wer bin ich ohne dich?: Warum Frauen depressiv werden - und wie sie zu sich selbst finden.

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