Wenn “normal” nicht gut genug ist: Die Angst, nichts Besonderes zu sein

Wenn “normal” nicht gut genug ist: Die Angst, nichts Besonderes zu sein

 

Wir sind alle nur Menschen. Wir werden geboren, erzogen, lieben, lachen, weinen, verlassen. Wir haben alle Angst vor etwas. Unsere Körper werden unweigerlich krank, unsere Körperfunktionen schwächer und irgendwann sterben wir. Keiner kann sagen, wie, aber dass wir sterben, ist unvermeidbar. In der Zwischenzeit werden wir getrieben von Bedürfnissen: Essen, Trinken, Fürsorge, Zugehörigkeit, Bewegung, Selbstausdruck, Spiritualität, Sex, Klarheit, Selbstvertrauen, Macht, Freude, Gesundheit. Darin sind wir alle gleich.

Doch es gibt Menschen, die wir besonders finden, oder die von sich glauben, sie wären etwas Besseres. Einige bleiben authentisch dabei, andere brauchen die erhöhte Stellung, um sich gut zu fühlen. Besäßen sie sie nicht, würden sie Angst bekommen: Angst, nichts Besonderes zu sein. Vielleicht wünschst du dir insgeheim, auch etwas Besonderes zu sein und die alltäglichen Dinge und lästigen Aufgaben, Menschen zu dienen, Arbeiten usw. nicht machen zu müssen, stattdessen in deinen Fähigkeiten, in deinem Wert erkannt zu werden. Auch darin unterscheiden sich andere nicht von dir.

 

Wenn “normal” nicht gut genug ist: Die Angst, nichts Besonderes zu sein

Wunsch, etwas Besonderes zu seinIn Wahrheit hegen alle den Wunsch, etwas Besonderes zu sein und in dem Besonderen, das wir sind bzw. können, erkannt und unterstützt zu werden. Bei denen, die sich deshalb über andere stellen, finden wir verhältnismäßig oft Züge/Dimensionen eines ungesund narzisstischen Verhaltens. Deshalb schreit im Netz auch alles Narzisst!, wenn sich jemand über einen anderen Menschen stellt und ihn herabwürdigend, missbräuchlich, emotionslos (lieblos und rücksichtslos) behandelt. Ihnen ist gemeinsam, dass sie ein geringes Selbstwertgefühl besitzen, welches sie konstant anheben müssen, meist auf die Kosten anderer, die sich diese “besonders = wertvoll ” und “nicht besonders = wertlos”-Kategorien unreflektiert haben einreden lassen. Solltest du auch so denken, dann ist dir diesen Denken antrainiert worden (in deiner Erziehung, Erfahrungen, durch die Gesellschaft/Kultur).

Einigen wurde es in die Wiege gelegt, dass sie erst gar nicht versuchen bräuchten, besonders zu werden. Sie würden ohnehin nichts Besonderes können. Und obwohl sie viele wertvolle Fähigkeiten haben, stellen sie sich nie in den Vordergrund oder verbergen ihre Kompetenzen. Anderen wird seit ihrer Kindheit eingeredet, dass sie anders, nämlich besser und besonders, wären. Wiederum anderen wird eingebläut, dass sie besser zu sein haben, um entsprechend behandelt zu werden.

Wir bewegen uns auf dieser Skala hin und her und die Balance entscheidet. Pendeln wir stets um ein Extrem, fühlen und verhalten wir uns auch extrem. Dabei haben wir alle unsere Anflüge von Selbstzweifeln und Größenwahn, zum Beispiel, wenn wir uns darüber aufregen, wieso jemand, den wir für weniger wertvoll halten, so viel wertvoller behandelt wird oder jemandem etwas leichter fällt als uns.

  • Wieso hat der so viel Geld und ich nicht? (Ich kann es genauso gut/besser und verdiene viel weniger.)
  • Wieso hat sie diesen Job und ich nicht? (Ich leiste noch viel mehr als sie.)
  • Wieso hat der diese wunderschöne Frau und ich bin Single? (Ich sehe doch viel besser aus oder bin viel liebenswerter.)
  • Wieso erfährt der so viel Aufmerksamkeit und Anerkennung und ich nicht? (Mein Beitrag ist viel wertvoller.)

Wir messen uns und dadurch entsteht Angst, die im besten Fall dazu motiviert, dass wir unsere Ziele verwirklichen. Im ungünstigen Fall lähmt sie uns und lässt uns gar nichts erst versuchen oder sie schiebt uns direkt in den Burnout.

Mit der Angst davor, nichts Besonderes zu sein, lähmen wir uns vorwiegend selbst. Es sind solche Gedanken, die dazu führen: Du bist nichts, wenn

  • du nichts Besonderes bist
  • nicht besser als X
  • nicht herausstichst
  • nicht schön, schlank, charismatisch usw. bist
  • nicht in einer Partnerschaft lebst (keinen Partner findest)
  • nicht Top-Karriere mit Familie und liebevoller Partnerschaft balanciert bekommst
  • nicht 5.000 Euro monatlich verdienst
  • nicht im eigenen Haus mit Hund und Hof und dickem Auto lebst
  • nicht deine Berufung lebst
  • u. v. m.

Die Angst, nichts Besonderes zu sein, flankiert durch unsere Gesellschaft wie ein Wirbelsturm und kaum einer prangert es an. Stattdessen werden Vergleiche noch gefördert.

Wo liegt nun der Unterschied zwischen denen, die vermeintlich viel mehr haben und denen, die kämpfen müssen oder sich schon ergeben haben?

 

Vermeintlich besondere Menschen denken nur “besonders”

Angst, nicht zu genügen, wenn man nur normal istSie verfügen vielleicht über mehr Mittel und Ressourcen, aber vor allem besaßen/besitzen sie den Glauben, sie wären (mindestens oder auf jeden Fall) genauso gut wie alle anderen und könnten genauso erreichen, was andere erreichten, zum Beispiel die hohe Position im Unternehmen, das hohe Gehalt, den Partner usw. Punkt. Das ist das ganze Geheimnis.

Doch (wahrer) Glaube ist nicht zu verwechseln mit Wert: Wer meint, mehr wert zu sein wegen seiner Besitztümer (auch Partner, Familie, Freunde, Anerkennung usw.), vergisst, dass er doch ein sterblicher und verletzlicher Mensch bleibt, der sich in nichts Wesentlichem von jemandem unterscheidet, der diese „Bereicherungen“ (momentan) nicht besitzt. Immerhin bringt jede Bereicherung auch ihre Nachteile mit sich: alles Gute kann auch schlecht werden oder von heute auf morgen ändert sich das Leben schlagartig. Nichts auf dieser Welt ist wahrhaftig sicher. Nicht einmal Selbstzweifel oder Angst.

Selbst, wenn man etwas besonders gut kann, man Jahre seines Lebens investiert hat, sich in der Fähigkeit zu perfektionieren, ist einem die höchste Treppe keineswegs sicher. Andere werden einem folgen und ebenso Anerkennung für ihre Fähigkeiten ernten. Während man nicht vergessen wird, wird man aber sicher kurz verblassen. Man muss am Ball bleiben, sich als gleichwertig ansehen, den Glauben an sich und sein Ziel im Fokus behalten, sich für andere (wie für sich) freuen und sich im besten Fall weder mit Neid, Gier, Frust noch Eifersucht bekleckern.

Wenn du das nächste Mal traurig oder zweifelnd bist, wieso einige Menschen mehr haben als du oder es dich ärgert, dass dich jemand vermeintlich Besseres von oben herab behandelt, erinnere dich daran:

Neid ist okay. Neid zeigt dir deine Wünsche. Gönne sie dir. Gönne sie den anderen Menschen ebenso. Doch Menschen, die dich wertloser behandeln, haben Angst davor, nicht besonders zu sein und nicht besser als alle anderen. Wenn du andere abwertest, begibst du dich auf dieselbe ängstliche Ebene, aus deiner eigenen Angst heraus, nichts Besonderes zu sein. Vielleicht kennst auch du diese Angst bewusst von dir und magst sie so gar nicht leiden? Wenn wir etwas nicht mögen, wehren wir es ab. So bewältigen Menschen ihre Angst. Aber eventuell heißt Bessersein für dich/die anderen “genug”. Denn nur “gut” zu sein, ist eventuell unzureichend? Dann tut es ihnen gut, das zu glauben, denn es schürt keine Ängste. So haben sie das Gefühl, dass sie eher den Herausforderungen und Stürmen des Lebens gewappnet wären. Es ist ihre Art, dem Leben und sich zu begegnen. Nur in dieser unterscheiden wir uns.

Werden die Stürme deshalb ausbleiben? Nein.

Werden sie weniger stark ausfallen? Nein.

Werden sie leichter mit ihnen umgehen können? Keineswegs.

 

Was du von besonderen Menschen lernen kannst

Es tut gut, zu verstehen, dass wir alle gleich sind und niemand wertvoller bzw. wertlos.

Jeder muss durch eigene Lernprozesse hindurch, beschreitet seine Wege zu seiner Begabung/Befähigung/Perfektion, so mancher hatte Gönner oder ein wenig mehr Atem. Aber kein Mensch kommt besser oder wertvoller oder besonderer auf die Welt.

Es sind immer unsere Taten und wie wir sie für unser Leben und diese Welt einsetzen, die unseren Wert bestimmen. Die Entscheidung zu diesen Schritten kommt dabei von dir. Ein hochbegabtes Kind wird lernen müssen, dass ihm seine Begabung wenig nützen wird, wenn es sie nicht einsetzt. Lässt es sie unbeachtet und glaubt, das Glück würde schon vom Himmel fallen, wird es eher aus allen Wolken fallen. Wenn du deine Fähigkeiten unausgereift lässt oder die Lernprozesse, die nötig sind bis zur Expertise, abwehrst, bleibst du auf deiner jetzigen Treppe stehen. Das ist okay, wenn es für dich okay ist. Du bestimmst deinen Wert – kein anderer, auch die nicht, die Angst davor haben, selbst nur ein normaler, sterblicher und verletzlicher Mensch zu sein.

Expertise ist aber nie nur beruflich, sondern immer auch persönlich. Werde zuerst ein Experte in Bezug zu deinem Selbstbild und Selbstwert. Vertraue dir zuerst und prüfe die Worte anderer. Erkenne die Angst des Anderen, bevor du dir die Notwendigkeit zu Selbstzweifeln einredest. Werde ein Experte für dich und widme dich dann deine Fähigkeiten.

 

Konfliktfähigkeit: Wie man Konflikte erträgt, ohne sich überreden zu lassen

Konfliktfähigkeit: Wie man Konflikte erträgt, ohne sich überreden zu lassen

 

Es ist eine gute Sache, eine Meinung zu haben. Noch besser ist es, wenn man sich bewusst aus vielen verschiedenen eine eigene Meinung bildet bzw. sich das zu trauen und diese auch noch auszusprechen. Meinungen helfen uns, Zugehörigkeit zu empfinden. Sie geben uns Halt, denn sie ordnen uns in bestimmte Gruppen ein. Das sieht man gerade besonders gut bei der politischen Spaltung – nicht nur in Deutschland.

Alle Meinungen sind Wertungen und spiegeln – das Wort sagt es schon – die Werte des einzelnen Menschen wider. Seine Werte verteidigt jeder, außer er hat gelernt, auch andere Werte zu akzeptieren und gelten zu lassen. Aber das können nur wenige heute. Die meisten sind fix damit, andere Menschen wegen ihrer Meinungen anzugreifen und zu tadeln, zu korrigieren und “Besserung” bzw. “Anpassung” zu verlangen. Im Internet finden wir Unmengen an Shitstorms, die genau auf dieser Unfähigkeit zur Toleranz und Akzeptanz fußen. Dabei sind es die, die anderen sagen, sie müssten ihre Meinung ändern, die aus der Situation lernen können. Denn:

Das Verwerfliche an Meinungen ist, dass man sich ihnen gern verschreibt. Destruktiv wird es, wenn man seine Meinung so sehr braucht, dass man Andersdenkende nicht mehr erträgt. Es gibt Menschen, die in solchen Situationen darauf trainiert sind, mit subtiler Manipulation anderen die eigene Meinung aufzudrängen. Das zeigt sich transparent z. B. in Unternehmen, in denen Angestellte unter der Fuchtel einer Führungsperson beinahe gezwungen sind, sogar das Unvernünftigste als universelle Wahrheit zu propagandieren. Auch in Partnerschaften, in denen einer der dominante Part ist, wird diese psychische Beeinflussung bis hin zur Unterdrückung deutlich.

Beeinflussende Menschen spielen mit den Ängsten anderer – gekonnt. Sie wissen, was wir wollen und was wir fürchten, zum Beispiel Trennung oder Kündigung, Abwertung oder Verlust von Anerkennung und Wertschätzung. Das kann keiner leiden, deshalb funktioniert das auch so gut. Die, die manipuliert werden (etwas Anderes ist es nicht), werden angehalten, unter unausgesprochener oder direkter Drohung, zu denken und zu tun, was jemand für richtig erachtet. Das Verhalten der anderen Person ist allerdings das Missliche, weil sie unfähig ist, andere Meinungen zu reflektieren oder zumindest anzuerkennen. Mitunter braucht man seine Sicht so sehr, weil man sonst nicht mehr wäre, wer man sein will oder glaubt, sein zu müssen.

Entsprechend oft sind Menschen zu derben Mitteln bereit: Sie strafen Erwachsene wie Kinder, ob mit Schweigen, Ablehnung oder drohenden Konsequenzen. Solange, bis der andere Mensch klein beigibt: Gut, ich denke das, was du denkst. Oder wenigstens tue ich so. Weil er es nicht länger aushält, wie ein kleines Kind gestraft zu werden, von jemandem, der sich nicht erwachsen benimmt.

Dennoch denken die Manipulierenden, sie wären im Recht. Sie erwarten, dass man sich mit ihnen und ihrer Art identifiziert. In der Psychologie nennt man das Gelingen dieser Strategie Identifikation mit dem Aggressor. Würde jemand unbehelligt mit einer anderen, auch noch logisch klingenden Weltansicht kommen oder gar Nein sagen, käme sofort Angst in ihnen hoch. Es ist ein Stressor. Doch vielen erscheint eine Identifikation leichter, als sich zu behaupten und die eigene Meinung beizubehalten, weil das Durchstehen des Konfliktes schwerfällt.

Wenn niemand mehr Angst hätte, seinen Job zu verlieren oder Konflikten in der Beziehung standzuhalten, sondern ganz erwachsen zu reagieren, würde es spannend werden. Besonders, wenn man weiß, dass der Andere einen braucht. Ich gehöre eher zu denen, die gelernt haben, konsequent zu bleiben und sich Befürworter zu suchen, seien sie auch nur beschwichtigender Natur oder um mir zu helfen, einen Kompromiss zu finden.

Wenn du in deinem Leben einen dominanten Vorgesetzten oder gar offen bzw. subtil manipulativen Menschen in deinem Leben haben solltest (z. B. als PartnerIn), möchte ich dir gern einen Satz mitgeben, der vom Chef meiner Mutter stammt. Sie arbeitet in Oslo in einer Uniklinik. Dort sind viele tätig, die weniger verständnisvoll sind und streng ihren eigenen Regeln folgen. Trotz findet man dort häufig. Immer, wenn die Abteilung eine Sitzung hat, gibt es ordentlich Zoff und das Meeting artet in einen Ego-Krieg aus. Ihr Chef hat im Laufe der letzten 10 Jahre so einige Wege probiert, aber geholfen hat nur einer. Wenn er Kontra bekommt oder seine Mitarbeiter von ihm Einseitiges erwarten, sagt er:

„Ich verstehe, was ihr sagt. Aber ich bin anderer Ansicht.“

Dann zeigt er Vorteile seines Vorschlags auf, die auch die Bedürfnisse der Anderen berücksichtigt, aber ebenso seine erfüllen.

Als meine Mutter mir das zum ersten Mal erzählte, musste ich lachen. Sein Weg war einfach und vor allem gewaltfrei. Man braucht nur noch durchzuhalten und bei der Meinung, die man vertritt, zu bleiben. Das ist der Kern von Konfliktfähigkeit.

So sind es auch die Anderen, die ihre Gefühle aushalten bzw. reflektieren lernen können. So muss nicht man selbst von seiner Meinung und seinem Bedürfnis wegrücken, sondern rückt noch näher heran. Im Nachhinein ist man selbst derjenige und oft auch Einzige, der mehrere Wege vorgeschlagen hat, während der Gegenüber sich nur kompromisslos zeigt. Es ist viel leichter, in solchen Situationen das Verhalten des Anderen darzulegen und dennoch bei seinen Kompromissen zu bleiben. In den meisten Fällen bleibt dem Anderen nur übrig, irgendwann zuzustimmen.

Also: Durchhalten und nicht klein beigeben. Es wird sich lohnen!

 

Zukünftig gesund: Was Kinder über den Umgang mit Gefühlen lernen sollten

Zukünftig gesund: Was Kinder über den Umgang mit Gefühlen lernen sollten

 

Je länger ich über Stress, Angst, Panik, Depressionen und all die negativen Gefühle, die wir als Mensch haben können, nachdenke, desto mehr fällt mir auf, dass es “nur” am Umgang mit ihnen hakt. Wir werden immer mal Angst haben oder traurig sein, Wut oder Frust verspüren, auf Menschen treffen, die uns bewusst oder unbewusst verletzen.

Ich weiß nicht, wie es dir damit geht. Aber ich kann sagen, dass mir nie beigebracht wurde, wie ich mit überwältigender Wut, tiefer Traurigkeit und lähmender Angst umgehe.

  • Was mache ich, wenn ich eine Sinnkrise habe?
  • Was kann ich tun, wenn ich so voll mit Kummer bin, dass ich kaum mehr atmen kann?
  • Welche Möglichkeiten habe ich, wenn mich Schuldgefühle oder Scham zu ersticken drohen?

Noch bis 2015 hätte ich darauf keine Antworten gewusst. Jedenfalls kann es keine sein, stets einen Therapeuten in Anspruch zu nehmen, wenn mal wieder ein Gefühl Überhand nimmt und seinen eigenen Weg geht. Wüssten wir vorher mit dem Gefühl umzugehen, wüssten wir, wie wir ticken, worauf wir mit welchen Gefühlen reagieren, wie unsere Stressmuster sind, bräuchte es vielleicht nicht zu eskalieren.
Ich kann von mir sagen, dass sich als Kind und Jugendliche Gefühle auf so einer unbewussten Ebene abspielten, dass mir nicht einmal klar war: Ach, das ist Angst. Ach, das ist Traurigkeit. Ach, das ist Wut.

Mir war nicht klar, dass ich lernen kann, mit ihnen umzugehen – dass es Wege gibt. Mir war nicht klar, dass ich nicht alles bekommen kann, dass es Menschen gibt, die nicht zu mir passen und zu denen ich nicht passe, dass der Tod und/oder Verlust eines Menschen wehtut und Zeit und Verarbeitung braucht, dass ich meine Gefühle annehmen darf, sie da sein lassen darf, sie aber auch einen gekonnten Umgang brauchen. Ich wusste nicht, dass ich Werte habe, die mir etwas bedeuten, ohne sie überhaupt zu kennen, dass ich mich in meinem Wesen an mein Umfeld angepasst hatte, dass nicht alle Menschen wie ich sind und dass ich anders sein darf, als andere.

Hätte ich nur gelernt, was Gefühle sind, woher sie kommen, was man damit machen kann, dass sie wieder gehen werden, dass es sich oft schlimmer anfühlt, als es ist, dass das, was ich befürchte, oftmals gar nicht eintreten würde usw., hätte ich einiges in meinem Leben anders gehandhabt. Ich hätte meine Panikstörungen vielleicht gar nicht gehabt. Ich hätte gewusst, dass das Verstecken meiner Gefühle, nur weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll, schon mal der falsche Schritt war – wenn auch gut gemeint, um Konflikte, Verletzungen und Verlust zu vermeiden.

Das alles ist in meinen Augen ein tief bedeutungsvolles und wertvolles Lebenswissen für jeden Menschen.

Irgendwo müssen Kinder das lernen – nicht erst, wenn sie mit 16 oder 18 Jahren ins Leben, in die Ausbildung oder Wirtschaft “geschmissen” werden. Die Pädagogik ist heute intellektuell weit genug und hat gute Ideen vorgebracht. Wenn sie es schafft, Kindern beizubringen, wie das mit Gefühlen läuft, könnte die Welt zu einem besserem Ort werden. Ist nur eine Idee, aber ein Schulfach namens “Umgang mit Gefühlen” wäre in meinen Augen ein guter Start für eine Zukunft mit psychisch gesunden Menschen.

Was meinst du?

Ich freue mich wie immer, deine Meinung in den Kommentaren zu lesen.

Deine Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

Sich treu bleiben: Wieso du dich nicht verraten solltest

Sich treu bleiben: Wieso du dich nicht verraten solltest

 

Jeder noch so kleine Verrat an uns selbst (meint: Körper – Geist – Herz -Seele) lässt etwas in uns sterben, im Mindesten aber unsere Authentizität, unsere Wahrheit. Sind wir aufgrund von Umständen aber dazu gezwungen, z. B. vorerst im miesen Job zu bleiben, bis wir einen anderen gefunden haben, löst das völlig berechtigt Angst aus. Immerhin arbeiten wir damit gegen unsere Ideale und Werte. Der drohende Verlust von Werten hat eine immense Bedeutung für jedes Individuum. Doch unsere Gesellschaft hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie man als Mensch, Angestellte/r, Mann, Frau, Partner, Partnerin heute zu sein hat.

 

Bleibe dir treu, auch wenn die Gesellschaft sagt, du solltest anders sein

stehe zu dir und deinen wertenDabei gibt es viele kulturell und gesellschaftlich definierte SOLL-Werte, die wir bewusst nicht mehr wahrnehmen, aber unserem Körper-Geist-Herz-Seele-System durchaus ein Dorn im Auge sind. Wenn wir uns nur mit Menschen zusammentun, denen wir nicht ausreichen, die uns stets zu ihren Zielen drängen wollen, während sie unsere ignorieren, für die wir so und so sein müssen, um die Harmonie aufrechtzuerhalten, ist es doch logisch, dass der Geist irgendwann mindestens mit Angst reagiert. Es wäre ja an seiner Funktion vorbei, wenn er es nicht täte.

Sind Konflikte, Trennungen, Verluste von Freunden, der Stress eines Arbeitswechsels usw. deshalb schön? Keineswegs. Doch mit jedem Etwas und Menschen, das/der nicht mehr Teil meines Lebens sein wollte, wurde mein Leben leichter. Klar waren der Verlust und die anfängliche Irritation schwer für mich. Aber ihre Abwesenheit bereinigte mein Leben und ließ mich authentischer werden. Doch um diesen Zugewinn zu erfahren, musste ich sie erst einmal “verlieren”.

Mehr zu nötigen Veränderungen, der Funktion des Weckrufes beim Gefühl Angst und alle Zusammenhänge aus holistischer Sicht findest du in meinem Blogpost zu Veränderungen, die nötig sind, um Stress und Angst zu verringern.

Aber mich würde interessieren, ob ich die Einzige bin, deren Angst auch Positives brachte. Hast du so einen Zugewinn in deinem Leben erfahren?

Schreib es in die Kommentare. Ich bin gespannt!

Alles Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

Du brauchst keine psychischen Probleme, um Angst haben zu dürfen

Du brauchst keine psychischen Probleme, um Angst haben zu dürfen

 

Schau dir die vielen Menschen im Netz an, die dir erklären wollen, wie du im Netz Geld verdienst, um irgendwo in der Südsee mit dem Laptop auf dem Schoß darüber zu sprechen, wie man im Internet von der Südsee aus Geld verdient. Pure Provokation. Bei den meisten ist viel Lüge dabei, aber die Sehnsucht springt an. Sie entzündet sich bei dem Gedanken, die wir alle teilen: totale Freiheit und innerer Frieden. Sein dürfen und machen, was wir uns erlauben (wollen). Und ich sterbe beinahe jedes Mal vor Neid, wenn ich einen Menschen kennenlerne, der genau das macht und sich genauso verhält, wie sich ALLE Menschen auf dieser Welt verhalten müssten. Weil sie es dürfen. Eigensinnig und selbsterhalten. (Das Wort gibt es nicht, ich weiß.)

Wir stünden zu uns selbst. Ohne Diskussion. Wir stünden für unsere Gefühle und Sehnsüchte ein. Stattdessen grämen wir uns in Selbstmitleid und Scham, Traurigkeit und Furcht, freuen uns höchstens über das, was uns erlaubt wurde, wagen nicht zu viel und fühlen zu wenig: Würden wir uns alle Gefühle erlauben und einen Pfiff drauf geben, was der Gegenüber denkt und möchte, dann gäbe es in meinen Augen weder Stress, depressive Verstimmungen noch Angst oder Panik. Es gäbe keinen Kampf, keine Mühe. Jeder würde sich dort einfügen, wo er glaubt, hinzugehören. Jeder würde aufblühen und investieren, was ihm bei seiner Geburt an Genie gegeben wurde.

Achtsamkeits- und Bewusstseinslektionen, Stille-Retreats, Schweigeklöster, Meditationen und Yoga, Schwimmen mit Delfinen, Schreiben, Atemtechniken, Ausmalbücher für Erwachsene: Alle diese angesagten Methoden wollen darauf hinweisen, dass wir zurück in unsere Körper müssen, um Raum für unsere Gefühle zu schaffen – in der Hoffnung, uns wieder mit ihnen verbinden zu können. Hineintauchen in unsere Welten, in denen wir eigene Meinungen und Wünsche wiederentdecken und in ihnen schwimmen dürfen. Weg mit Leistungsoptimierung. Weg mit Schubladendenken und fremdgesteuerten Gefühlen.

In meinen Augen ist die Zeit gekommen, um zu verstehen, dass wir weder Stress-Ängste noch Zeiten emotionaler und psychischer Burn-outs brauchen, um Angst und Trauer haben zu dürfen. Die Zeit ist reif, um uns an unsere ureigenen Gefühle zu erinnern, statt andere dazu zu bekommen, uns zu mögen, und zu unseren Zielen zu stehen, statt die anderer zu verwirklichen.

Bis morgen zum Dienstags-Blogpost,
Janett

Janett Menzel Angst Blog