Krisen wirken zuerst überwältigend und beängstigend: Sie brechen über unser gewohntes Leben hinein, reißen einmal alles auseinander oder bewirken, dass wir uns dem Wesentlichen zuwenden. Während einige in der Coronakrise die pure Dankbarkeit sind, weil ihr Leben relativ sicher und geordnet war, sind andere nun herausgefordert, ja gezwungen, sich anzupassen, zu wachsen oder gar zu verändern – inmitten von Ängsten, existenziellen Sorgen und privaten Herausforderungen. Der Virus, der unsere Welt lahmlegt, macht Angst, verstärkt bestehende Angstzustände und lässt neue entstehen. Unternehmen/Selbstständige müssen umdenken, Kündigungen und finanzielle Verluste bei Arbeitnehmern werden gefürchtet oder sind schon da, Einsamkeit ist so nah an uns dran wie noch nie zuvor, Beziehungen werden auf den Prüfstand gestellt oder infrage. Unsere Motivationen, die im erfüllten Zustand garantierten, dass wir uns wohlfühlen, fallen plötzlich weg. Unsere Selbstbestimmung und Unabhängigkeit wird vom Staat und seinem Rechtssystem aufs Äußerste minimiert. Doch jede Krise birgt eine Kraft. Sie zu finden und mit Ruhe und Bedacht zu bewältigen, uns dem Negativen und Schatten in unserem Leben zu stellen, ist zu Zeiten von COVID-19 so dringend wie nie.

Wozu uns die Coronakrise bislang gezwungen hat – Ein Rückblick

Corona und Zwänge, Fremdbestimmung, Verlust und Entbehrungen
Das Coronavirus stürzt viele in eine Krise: Was für einige Schutz bedeutet, ist für andere ein gravierender Einschnitt ins Leben. Wieso, findest du in diesem Abschnitt.

In der Coronakrise drohen uns nicht nur Bußgelder auch Strafanzeigen bis hin zu Haftstrafen, wenn wir Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren verletzen. Auch ein Kollaps unseres Systems (was wir brauchen, um uns verbunden statt getrennt zu fühlen) droht vielen – oder ist bereits eingetreten. Kontakt nur noch zu einem Freund, keine Hausbesuche, die Familie nicht sehen dürfen, keine Besuche von Verwandten in Pflegeheimen, Einreise- und Ausreiseverbote, der Druck nach einer Maskenpflicht, finanzielle Einbußen durch Kurzarbeit oder mangelnde Auftragslage, Angst vor Kündigungen, Arbeit im Home Office, viel Alleinsein oder gar keine Zeit mehr allein – weil der Partner und die Kinder rund um die Uhr zu Hause sind, sind die wesentlichen Maßnahmen. Wir kommen durch Corona alle an unsere Grenzen – wenn wir es nicht schon sind. Nur wenige genießen gerade die Entschleunigung und Ruhe, sind dankbar für die Sicherheit ihres Lebens oder freuen sich für die Natur und Umwelt durch die reduzierten Abgase. Die, die große Schwierigkeiten mit den Verboten und Zwängen haben, kommen zwar genauso bei sich selbst an wie die, die zur Ruhe kommen, nur können sie es sehr viel schwerer ertragen. Denn womit sie in sich und ihrem Leben konfrontiert werden, sehen sie nur ungern – während viele von ihnen die Veränderungen, die nötig wären, nicht umsetzen können.

Der Rest der Welt geht bis weit über die deutschen Maßnahmen hinaus, schließt Schulen bis zum Ende des Sommers – verbietet, was verboten werden kann, um COVID-19 einzudämmen. Darunter Panama, wo Frauen nur noch getrennt von Männern (und vice versa) rausgehen dürfen, oder die Philippinen, wo Präsident Rodrigo Duterte sogar das Erschießen all jener erlaubt hat, die sich gewalttätig wegen der Auflagen verhalten.)

Wieso uns Verbote und Zwänge so schwer zusetzen? Dass den politisch beschlossenen Maßnahmen teils so drastisch begegnet werden, liegt an der menschlichen Reaktion auf Fremdbestimmung, das legitime und in uns verankerte Bedürfnis nach Freiheit und Integration. Mal kurz ausgeschweift: Jeder unterliegt intrinsischen Motivationen, Antriebe, die uns das Leben sinnvoll, erfreulich, kontrollierbar und somit lebenswert machen. Fast alle sind nun wegen der Pandemie aufgerufen, diese unbeachtet zu lassen, besonders diese:

  • Motiv Macht (statt Entmächtigung und Ohnmacht im Angesicht der Konsequenzen und Fremdbestimmung)
  • Motiv Zugehörigkeit/Anschluss (stattdessen Trennung)
    • Motiv Beziehungen
    • Motiv Familie (Fürsorge statt Ausschluss von Kindern, die als Überträger gelten)
    • Motiv Eros (Sexualität)
  • Motiv sozialer Vergleich/Wettbewerb
  • Motiv Anerkennung (Aufmerksamkeit durch Leistungen, die nun vorwiegend entweder Stress bedeutet oder allein im Home Office geschieht)
  • Motiv Status (Sehnsucht nach Ansehen, bei Kontaktverboten schwer realisierbar)
  • Motiv Unabhängigkeit
  • Motiv Ordnung (Halt, Sicherheit aufgrund der unsicheren Zukunft gehen verloren)
  • Motiv körperliche Bewegung
  • Motiv emotionale Ruhe (Abwesenheit von Angst statt ANGST)

(Mehr dazu in meinem Buch “Mein neues Leben ohne Angst” – Trias Verlag, 2020)

Du siehst schon: Rein psychologisch hat die Coronakrise das Potenzial, eine Menge Verdrängtes und Unterdrücktes zutage zu fördern: Was wir nie sehen wollten, ignorieren und durch unsere Lebensmöglichkeiten und -stile akzeptieren konnten, ist plötzlich allgegenwärtig. Was bewirkte, uns zu verwirklichen oder zu spüren, ist plötzlich verboten. In einer solchen Krise wie der jetzigen ist es für alle schwer, ihre Motive zur Zufriedenheit umzusetzen. Wir reden hier nicht nur von ein wenig Einsamkeit. Jeder rutscht jetzt so dicht an alles, was er vorher durch sein Leben ausbalancieren konnte. Jeder muss jetzt schauen, wie er mit diesen Schatten zurechtkommt. Aber in der Krise liegt auch eine Kraft, die wir nutzen können. Am Beispiel der sozialen, logistischen und (Versand)Handelsberufe, die sich nun – verständlicherweise – noch ausgebeuteter fühlen, da sie meist gering entlohnt werden, hieße diese Kraft: Erstens, es tut sich was und der Staat realisiert, wie sehr sie wirklich gebraucht werden, auch wenn 1500 Euro Prämie oder der Aufruf zu höheren Löhnen für die Leistung ein Witz ist. Doch es geschieht etwas, was vorher nie geschehen wäre. Das ist die Kraft der Krise. Sie rüttelt Menschen wach – im Positiven und Negativen.

Corona und seine Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft

corona verändert unser leben
Die Coronakrise hat die Macht, uns zu zerlegen , aber auch so wieder zusammenzusetzen, dass wir endlich werden, wer wir sein sollen – nachdem sie auf alles Schlechte/Missliche aufmerksam gemacht hat.

Menschen, egal ob introvertiert oder extravertiert, jung oder alt, m/w/divers, alle Nationen und Kulturen werden nun auf sich zurückgeworfen.

Menschen, die bereits vorher einsam waren, fühlen sich noch einsamer, alte Menschen spüren die (bereits vorherige) Vernachlässigung durch ihre Familie besonders und die, die nun bereuen, ihre Eltern nicht öfter besucht zu haben, sehen sie nun gar nicht/kaum mehr, weil Pflegeheime (teils) Besuche untersagen/stark beschränken. Personen, die freiwillig nur wenige soziale Kontakte pflegten (oder sich isolierten), dürfen nun gar keine Kontakte mehr haben (außer der erlaubten einen Person/Haushaltsangehörige).

Paare hängen aufeinander und müssen ihre ständige Gegenwart ertragen, Beziehungen, die kriselten, aber dennoch aufrechterhalten wurden, kommen nun unweigerlich an ihre Grenzen, (freiwillige) Singles oder solche, die »nur was Lockeres« wollten, dürfen nun nicht einmal mehr Kontakt zu Freunden/Familie haben, genauso wenig wie Casual Sex mit Club- oder Tinder-Bekanntschaften. Sie wünschten nun, sie hätten einen Partner.

Kinder/Jugendliche würden wahrscheinlich ihre XBoxen und Taschengelder hergeben, um wieder zur Schule zu dürfen. Eltern, die ihre Kinder bisher lieber vernachlässigt haben, kommen nun nicht umher, sich um sie zu kümmern bzw. Zeit mit ihnen zu verbringen.

Hochempathen, die Schwierigkeiten mit dem Spüren der Gefühle anderer hatten, spüren sie nun erst recht, hochsensible Menschen ebenso. Von Frauen mit gewalttätigen Partnern und Kindern/Jugendlichen, die häuslicher Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind, ganz zu schweigen. Ähnlich auch Menschen, die Süchten erlegen sind oder schon im Vorfeld anfällig für Suchtverhalten waren: Viele trinken nun noch mehr oder greifen zur Flasche, um sich von der Langeweile und Angstzuständen abzulenken.

Schlechte Nahrung wegen erhöhter Nahrungsmittelpreise wird für Geringverdiener zu einem notgedrungenen Übel werden, unter der der Körper/Geist leiden wird. Obst und Gemüse zu kaufen, die wegen der geringeren Ernteerträge ebenso im Preis steigen werden, wird zur Überlegung oder Verzicht. Einzelne Arbeitgeber, Marktführer und Großhandelsketten, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln/bezahlen, bekommen Contra von Staat und Gesellschaft, durch Streiks bis hin zu Ängsten wegen unausweichlichen wirtschaftlichen Schäden oder lediglich gehörigen Einbußen. Ihnen wird der Missbrauch ihrer Macht immer mehr entzogen, weil nun jeder Einzelne auf sie blickt und sie bewertet. (Beispiel Adidas) Zum ersten Mal spüren sie, wie abhängig sie vom Gutdünken der anderen sind – dass sie eben nicht alles dürfen, nur weil sie es können. Nur die Natur und somit die Umwelt darf sich ein wenig Luft holen.

Wir werden jetzt auf das gestoßen, was wir WIRKLICH brauchen (nicht das, was unser Ego vermeintlich braucht). Es hat den Charakter einer globalen Konfrontationstherapie – denn jeder bekommt in der Krise plötzlich, was er verdient (Balance und Korrektur), wird zu Wachstum und Änderung gezwungen.

Universelle Aufforderung zum Wachstum, zur Einsicht und Veränderung

Coronakrise zeigt, wer wir sind
Die Coronakrise zeigt, wer wir sind, was uns guttut, schwerfällt und was dringend geändert werden darf.

Alles, was bisher versteckt, nie gesehen oder »irgendwie geht das schon«/notgedrungen/»so schlimm ist es nicht« akzeptabel erschien und schöngeredet worden ist, wird nun ins Licht gerissen. Man könnte auch sagen: Wir werden ohne Umschweife mit der Nase in die Schei*** gedrückt, sind gezwungen, uns den Dreck, den wir vorher »irgendwie« ausgehalten haben, anzusehen und endgültig einen neuen Weg des Umgangs damit zu finden. Auch und besonders in uns selbst. Denn auch WIR spitzen uns nun zu. In uns sinken die Toleranzgrenzen und Möglichkeiten zur Flucht vor dem Unausweichlichen in uns und unserem Leben:

Das Leben, das wir bislang gelebt haben, dramatisiert sich und findet seinen Höhepunkt in der Wucht des Schlechten, Ignorierten und Verdrängten, ruft zu Neubewertungen und Entscheidungen auf, zum Umdenken, Einkehren, Verändern und Loslassen. Es ist, als würde uns die Natur (oder wahlweise auch Universum, Gott, usw.) dazu drängen, uns alles anzusehen, uns in ihm zu suhlen, um ihn entweder mögen zu lernen oder einen Weg des Umgangs oder Fortgangs zu finden.

Das heißt auch: Je dichter unsere Emotionen werden, desto mehr fordert uns unser Körper/Geist/Herz dazu auf, gegen das tätig zu werden, was nicht länger (er)tragbar ist. Unser Körper/Geist kann dafür immense Kräfte freisetzen, von heftigen Angstzuständen, Wutausbrüchen bis hin zu schwerem Burnout, Panikattacken, Weinkrämpfen und Nervenzusammenbrüchen. Schlaflosigkeit, Verdauungsstörungen, latente Aggressionen oder Nervosität/Unruhe etc. sind nur die Boten der eigentlichen Nachricht, wie der Regen am dunklen Himmel kurz vorm nötigen Donnerwetter oder reinigendem Gewitter vergleichbar. Denn die Bedrängnis, in der wir uns in der Coronakrise wiederfinden, könnte man genauso gut als Ermächtnis verstehen und annehmen.

Krisen kann man nicht ausweichen – aber man kann ruhig und konzentriert bleiben, die Lektionen verstehen und die Welle so gut wie möglich reiten

ob du positiv oder negativ bist, entscheidest du
Ob wir böse oder gute Gedanken wählen, entscheiden wir, nicht das Virus.

Und wir sind im wahrsten Sinne des Wortes verdonnert, uns dem zu fügen. Der Druck könnte die Macht zur endgültigen Befreiung haben. Was als Drohung und Zwang erscheint, erschüttert nicht nur, sondern schreckt uns auch auf. Es rüttelt uns aus dem Schlaf der Ignoranz gegenüber unserer bislang unterlassenen Selbstverantwortung, Selbstfürsorge, Würde und Selbstermächtigung. Es weckt uns auf. Gnadenlos. Das kann anfangs schmerzhaft sein, aber wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Niederschlag auch anregend sein kann. Wie wir es sehen, liegt an uns. Welche Gedanken wir wählen, entscheiden wir. Nicht das Virus. Ob wir in all dem eine Chance für eine bessere Zukunft sehen oder eine Katastrophe, liegt bei uns. Ob wir uns optimistisch und bedacht in eine bessere Zukunft bewegen oder in Angst, Abwehr und Kummer, entscheiden wir. Ob wir das Vergangene betrauern und krampfhaft festhalten oder aber freiwillig loslassen und das Neue willkommen heißen, entscheiden wir. Wie wir mit unserer Unsicherheit gegenüber dem Neuen, den Ängsten hinsichtlich Existenz und Identität umgehen, beschließen wir. Das wird uns nicht diktiert. Es stehen weder Strafen noch Bußgelder darauf.

Wege aus der Krise: Was nun helfen kann

Und doch, ich verstehe, wenn es vielen nur schwer oder gar nicht gelingt, weil es bewusste und überlegte, selbsterinnernde und -ermächtigte Entscheidungen braucht, eine Kraft, die viele glauben nicht zu haben bzw. die sie nicht aufbringen könnten. Aber es gibt Menschen, die helfen würden, Organisationen, Institutionen, Gruppen/Kreise, Communities, Berater/Therapeuten/Ärzte, Frauenhäuser, Polizei, der Staat. Und dann gibt es da noch etwas namens »dein Wille«. Es ist nicht Mut, der entscheidet über Angst oder die Abwesenheit von Angst. Jede Angst kann mit dem Entscheidungszentrum des Gehirns begegnet werden. Dort wird dann entweder der mutige, »Ich mache es trotzdem, weil ich es so will»-Weg oder der angstbesetzte – vermeidende –, »Das klappt sowieso nicht/Ich schaffe das nicht«-Weg gewählt. Es ist eine Entscheidung, die uns Corona abverlangt und aufdrängt, darüber zu bestimmen, wer wir sind und sein wollen. Besonders aber macht es offenbar, ob unser bisherig gewähltes Leben auch wirklich das ist, was wir für uns wollen. Denn weder ist das, was wir immer wollten, zwangsweise gut oder das Beste für uns. Zu oft erleben wir, dass unsere größten Träume für uns untragbare Umstände mit sich bringen. Aber aus jedem Albtraum können wir auch erwachen. Und nun ist die Zeit dafür gekommen, aufzuwachen und uns ungeschönt anzusehen, was wir leben. Das Gesehene dann auf Lebbarkeit und andere Werte zu prüfen, neu einzustufen und entweder anzupassen oder loszulassen, wäre ratsam.

Corona konfrontiert uns mit uns selbst

In der Coronakrise geht es also um weit mehr als um Prävention und Isolation, Klopapier, Pasta und Hefe. Die Zeit der Schönfärberei ist vorbei. COVID-19 kippt Machtverhältnisse oder spitzt sie zu, zettelt Streiks, Aufstände und Einstände für soziale Gerechtigkeit an, zeigt die wahren aber bisher missachteten Helden, rührt an solchen und anderen »Selbstverständlichkeiten«, unterstreicht den Wert echter sozialer Kontakte, zwingt uns, unsere Stärken wiederfinden, Schwächen ungeschönt anzuerkennen, erinnert an Abhängigkeiten und ruft zur Unabhängigkeit auf, zwingt uns zum Alleinsein (mit uns sein) oder dazu, nicht allein sein zu dürfen, bedrängt uns in unserem bisherigen Glauben über uns, unser Leben und die Welt, prüft radikal unsere bisherigen Grenzen und drückt solange auf unsere Wunde/n (erkannt oder unerkannt), bis der Schmerz nicht mehr aushaltbar ist – bis wir einen Weg aus diesem Schmerz heraus gefunden haben. Dieser muss aktiv gesucht werden. Beruhigend kann es nun sein, alles das zu tun, was uns guttut, unserem Körper und Geist das höchste Ausmaß an Entspannung und Bewegung zu liefern, das Beste des Besten für uns und die Kraft, die wir brauchen, bereitzustellen. Mit halber Kraft können Krisen nur schwer bewältigt werden. Es braucht die volle Annahme und Hingabe zu dem, was bewerkstelligt werden soll/muss. Und das wiederum bringt Änderungen in unseren Gewohnheiten mit sich. Das Gehirn braucht (je nach Studie und Land) 30 – 60 Tage, um diese Veränderungen automatisiert lebbar zu machen. Es sind kleine Beschlüsse jeden einzelnen Tag, dass wir diesen begegnen, auch wenn sie uns schwerfallen – sie doch mit Mut, Hoffnung und dem unwiderlegbaren Willen umzusetzen.

COVID-19 macht uns alle demütig und zwingt uns zur Einsicht und notfalls auch Umkehr. Sich dem zu ergeben, dem Notwendigen hinzugeben und alle Ängste, die uns festhalten ließen, loszulassen, erscheint mir gerade sehr schlau. Denn Krisen wie diese ziehen uns zur Verantwortung gegenüber uns und anderen. Sie drängen uns zur Wahrung unserer Pflichten und das bedeutet auch, die Augen zu öffnen, wenn sie lange Zeit aus Bequemlichkeit oder Not geschlossen gehalten wurden. Nun heißt es Umdenken und mit Kreativität und Geschick neue Lösungen zu finden oder in Gesprächen nach solchen zu suchen. Mit wem die Gespräche stattfinden (ob mit Banken, Eltern, Partnern, Kindern, Helfern aller Art oder mit sich) ist dem individuellen Umstand zu entnehmen. Aber Hilfe in Zeiten von Krisen ist das eine Werkzeug, was jedem gegeben ist. Ein Zweites ist dein Geist: Er ist zu so vielen herausragenden und unglaublichen Dingen imstande, die du dir in deinem gewohnten Leben (mit gewohnten Handlungen, Gedanken und Gefühlen) gar nicht vorstellen kannst. Nur müssen wir ihn in Krisenzeiten gut füttern – mit positiven, hilfreichen und unterstützenden Maßnahmen statt mit schlechten. Es mag für viele banal klingen, aber

  • positive Beziehungen und das Empfinden von Verbundenheit
  • gute Ernährung, körperliche Bewegung, Licht und Frischluft
  • ausreichend Schlaf
  • so wenig externer Stress wie möglich (oder der Ausgleich eines solchen durch Entspannungstechniken, Meditation, Yoga, kraftentladene Handlungen, Weinen, Schreien, aus Wut ins Kissen boxen usw.)

sind dabei unabdingbar und helfen nachweislich deinem System, in Balance zu bleiben. Es sind leider genau die Maßnahmen, die als Erstes vergessen werden. Es ist nun egal, was wir tun, um uns Gutes zu tun: Aber es muss helfen und nicht noch verschlimmern, positive Gefühle erwirken statt negative, unserem Körper-Geist wohltun statt körperlichen-emotionalen-psychischen Stress zu verstärken. Die Entscheidung gegen Angst ist jetzt so wichtig wie nie, denn Angst lähmt und entzieht dir wertvolle Energie, die man braucht, um Krisen zu begegnen. In jeder Nacht findet sich ein Licht, wenn man die Augen offenhält. Halte deine Augen offen und bleibe aktiv dabei, diese Krise für dein Leben zu meistern – mit deinem unbedingten Willen.

Viel Kraft und Zuversicht
Janett

Zum Weiterlesen:

“Über die Kunst, allein zu sein” (Janett Menzel, 2016)
“101 Wege aus der Angst” (Janett Menzel, 2018)
“Mein neues Leben ohne Angst” (Janett Menzel, 2020)
“Hör auf! Deine Angst” (Janett Menzel, 2018)