Der Traum vom eigenen Unternehmen ist für viele ein schöner. Doch: Träume scheitern meist, weil sie keine tragfähige Grundlage haben. Deine Selbstständigkeit braucht nicht nur eine solide Basis (Idee, Umsetzung, Umsatz/Gewinn). Auch dein Umgang mit Ängsten und Stress während der Unternehmensgründung, darf sich ändern. Niemand sollte einen Burnout oder Panikattacken riskieren müssen. Eines habe ich aus vier Jahren Selbstständigkeit gelernt: Angst – besonders in der Anfangszeit oder in Krisenzeiten wie Corona – kann immer hochkommen, sei es, dass die Umsätze/Gewinne nicht ausreichen, du Stress wegen vieler Überstunden hast oder du nicht die Kunden gewinnst, die du dir wünschst. Die Angst zu scheitern ist wahrscheinlich die wichtigste, neben der Angst, nicht gut oder genug zu sein, aufgeben und zurück in eine Festanstellung zu müssen (versagt zu haben) und vieles mehr.

Ich habe teils Wochen nur vier, fünf Stunden pro Nacht geschlafen, als ich meine Selbstständigkeit aufbaute. Ich verdiene bis heute keine Millionen pro Jahr, aber ich bereue keine Sekunde meiner Mühen. Ich hatte zum Glück genug Erfahrung mit meinen Ängsten, um zu wissen, wie ich durchhalte. Weil Menschen diese fehlen, geben viele zwischendrin auf oder fangen – wegen ihrer Angst – gar nicht erst an.

Lass mich dir mit einigen Tipps helfen: falls du Angst hast, dich selbstständig zu machen, (Teil 1) oder bereits selbstständig bist und Angstzustände erlebst (Teil 2).

Hast du Angst, dich selbstständig zu machen?

angst dich selbstständig zu machen

Ein Weg, der mir half, meine Selbstständigkeit vorzubereiten und durchweg sicher zu fühlen, war Fakten von Meinungen und Gefühlen zu trennen – Fakten rund um deine Geschäftsidee, Schwarz auf Weiß. Der Weg zur Selbständigkeit ist zwar so individuell wie die Idee dazu. Doch der erste und gleichzeitig auch wichtigste Schritt zu einer erfolgreichen Unternehmensgründung ist und bleibt das Erstellen eines detaillierten Businessplans – deine Fakten. Ist dieser akkurat und detailliert genug, kann er dir helfen, dich in Zeiten von Angst zurückzubesinnen.

Ein Business Plan besteht aus vier Teilen:

  1. Es wird eine Strategie festgelegt. Wie soll die Geschäftsidee funktionieren?
  2. Die Zielgruppe wird definiert. An welche Personen richtet sich die Geschäftsidee? Wie sind die gestrickt? Wie viel Kaufpotenzial schlummert dort? Würden sie Geld ausgeben? usw.
  3. Die „SWOT-Analyse” wird durchgeführt. Wo liegen die Chancen und Risiken der Unternehmung und in welchem Verhältnis stehen sie? Wie steht es um die Wettbewerber? Ist deine Idee konkurrenzfähig (einige sind es, andere nicht – brauchen nur hier und da kleinere Änderungen, um es zu werden)?
  4. Der entscheidende Teil ist der finanzielle Teil. Lohnt sich die Geschäftsidee finanziell und kann mit dieser Gewinn erwirtschaftet werden?

Diese solide Basis – Fakten – MUSS stimmen. Wenn der Plan noch unausgereift oder zu wackelig ist, dann hat deine Angst vor einer Selbstständigkeit sehr wahrscheinlich ihre Berechtigung. Angst ist nicht stets schlecht – sie soll uns warnen, manchmal berechtigt, häufiger unberechtigt. Es gibt zum Glück verschiedene Situationen, aus denen heraus du dich selbstständig machen kannst. Es ist unnötig, deinen Traum gleich über Bord zu werfen, nur weil eine Selbstständigkeit/Unternehmensgründung im Moment noch eher wackelig ist.

Selbstständig machen aus bestehender Beschäftigung

Die bestehende Beschäftigung mag viel Zeit einnehmen oder es fällt dir schwer, dich währenddessen mit der eigenen Geschäftsidee auseinanderzusetzen. Doch bei einem Scheitern des Unternehmens hättest du sowohl das eingesetzte Kapital, als auch den alten Job verloren. Man kann es auch positiv sehen (so habe ich es gemacht) und sich solange Zeit nehmen, bis die Basis stimmt und deine Fakten dich beruhigen. Bis dahin bist du existenziell sicher, kannst vielleicht sogar noch Geld durch dein festes Einkommen sparen, was du wiederum in deine Idee investieren kannst. Ich habe mir damals ein Jahr Zeit gegeben, währenddessen Geld gespart und dann gekündigt.

Nebenberufliche Selbstständigkeit

selbstständigkeit angstfrei planen

Währenddessen war ich nebenberuflich selbstständig. Man kann dadurch erste Erfahrungen in der Selbstständigkeit sammeln und lernen, wie man agieren muss, aber auch bereits seine KundInnen und/oder Auftraggeber kennenlernen/akquirieren. Der Vorteil ist, dass man seinen Job (noch) nicht aufgeben muss und man noch mehr Geld für seinen Traum verdienen kann. Außerdem kannst du deine Geschäftsidee testen, bevor du dich komplett selbstständig macht. Aber Achtung: Wenn man nebenberuflich selbstständig ist, muss dies dem Arbeitgeber mitgeteilt werden. Du benötigst eine Erlaubnis und musst glaubhaft machen, dass es deine eigentliche Arbeit nicht einschränkt und du genug Ressourcen (Kraft, Zeit) hast, um deinem festen Job weiterhin zu 100 Prozent nachzukommen.

P. S. Ideal ist es, wenn du vor der Unternehmensgründung schon über Branchenkenntnisse verfügst.

Gründung aus dem Studium/nach der Uni

Universitäten stellen für Absolventen das EXIST-Gründerstipendium zu Verfügung. Dabei werden vielversprechende Start-Ups mit hohen Zuschüssen gefördert. Außerdem gibt es bereits während des Studiums zahlreiche Netzwerke, in denen man potenzielle Investoren finden kann.

Selbstständig machen aus der Arbeitslosigkeit

Arbeitssuchende, die Arbeitslosengeld I erhalten, können einen Gründungszuschuss (sechs Monate Unterstützung + neun weitere bei Nachweis des anrollenden Erfolgs) beantragen. Dies ist ein nicht rückzahlpflichtiger Zuschuss für Unternehmensgründer ohne Startkapital. Auf den Gründungszuschuss besteht kein rechtlicher Anspruch. Die Unternehmensidee wird geprüft und nach der Qualität der Idee (Businessplan & mindestens Liquiditätsplan) wird entschieden, ob man einen Gründungszuschuss erhält. Bei mir lief das ganz easy und klappte schon beim ersten Versuch.

Was du für eine erfolgreiche Selbstständigkeit brauchst: Kompetenzen & Bereitschaft, an deinen Aufgaben zu wachsen

an seinen aufgaben wachsen

Wichtig ist es, dass man eigene Ideen hat und einfallsreich Herausforderungen lösen kann (Problemlösungen). Es ist hilfreich, ein Visionär zu sein (Geduld, Durchhaltevermögen und Weitsicht). Die Geschäftsidee sollte so überzeugend sein, dass du auch in Krisenzeiten nicht an ihr oder dir zweifelst (Klarheit & Tragfähigkeit). Besonders erfolgreiche Geschäftsideen sind meistens außergewöhnlich und werden vor ihrer erfolgreichen Umsetzung kritisiert (Kritikfähigkeit). Die eigene Person und die Geschäftsidee sollten gut verkauft werden können (Offenheit & Präsenz bzw. keine Angst vor Kontakt und Ablehnung). Außerdem wird es vor allem in der Anfangszeit keinen Platz für Freizeit geben. Es muss in dieser Zeit damit gerechnet werden, dass private Interessen zweitrangig sind: für Beziehungen bedeutet das, dass du eine klare Kommunikation brauchst. Die Geschäftsidee sollte die eigene Person mit Leidenschaft erfüllen. Nur so kann man sich jeden Tag aufs Neue motivieren (Motivation, Flow, Selbstdisziplin). Dann fühlt sich der Stress des Aufbaus positiv an, weil er es ist.

Risiken und Chancen müssen gut eingeschätzt werden. Trotzdem darf man als Unternehmer nicht risikoscheu sein. Das bedeutet übersetzt: risikobereit sein, aber einen Blick für die Umsetzbarkeit beibehalten, bei finanziellen Investitionen so genau abwägen wie bei Kooperationen. Lerne den Umgang mit Geld auf allen Ebenen: Ein guter Unternehmenschef sollte auch ein guter Kaufmann sein. Vor allem die Buchführung kann nicht ohne Vorkenntnisse bewältigt werden. Außerdem kann man mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen den Betriebserfolg viel besser planen.

Sobald man Mitarbeiter hat, braucht es Führungsqualitäten und die Fähigkeit, Arbeit zu delegieren. Als Chef gibt man die ausführende Arbeit ab und versucht das Unternehmen durch strategische Entscheidungen nach vorne zu bringen (Vertrauen in andere). Die Arbeit im täglichen Geschäft müssen die Angestellten übernehmen. Das benötigt soziale Kompetenzen und positive Energie, um die Motivation der Mitarbeiter hochzuhalten.

Du brauchst vor allem Kontakte und Netzwerke, um die Unternehmensidee voranzutreiben, dich zu vermarkten und dich persönlich oben zu halten. Vermarktung ist heute das A und O (und es geht auch ohne Videos, Webinare etc.). Ich habe das auch nie gemacht und komme gut zurecht mit meinen Strategien. Jedoch ist es immer stückweit von der Branche abhängig. Als Coach in welchem Bereich auch immer solltest du dich zum Beispiel bereit fühlen, dich zu zeigen. Als Schriftsteller/*in muss das nicht sein.

In jedem Falle gehört zur Unternehmensgründung/Selbstständigkeit immer die Fähigkeit und Bereitschaft, zu wachsen und sich zu entwickeln. Auf die eine oder andere wird man sich die obigen Kompetenzen aneignen müssen oder jemanden engagieren müssen, der einige Parts übernimmt.

Was tun, wenn die Angst kommt – und bleibt

angstzustände panikattacken in selbstständigkeit

Während der Selbstständigkeit und besonders zu Beginn kann vieles drunter und drüber gehen. Von normalem Stress, wenig Freizeit, wenig Zeit für den Partner oder die Familie und Freunde, wenig Sport und schnelles Essen zwischendrin bis hin zu drastischen Symptomen. Sei es, dass dich

  • Versagensangst
  • Angst vor Wettbewerb/Marketing – dich zu zeigen
  • Angst vor Armut/Verlust
  • Angst, nicht zu genügen
  • Stress und depressive Episoden/Abgeschlagenheit/Schlafmangel usw.
  • Angstzustände wegen der Überforderung

erwischen: Es gibt einige Wege, wie du dich motivieren kannst, an dich zu glauben. In meinen Augen geht der Weg da über Vertrauen, Strategie/Planung und Fakten, Fakten, Fakten. Hier meine Tipps, die ich im Laufe der letzten Jahre für mich gesammelt habe:

  1. Dein Business Plan soll nicht nur die Agentur für Arbeit oder Kreditinstitute überzeugen, sondern auch dich. Darin stehen deine Pläne, deine Wettbewerber und deine Liquiditätsplanung. Hol ihn raus, wann immer du es brauchst. Pläne lassen sich umsetzen – oder ggf. abändern.
  2. Mach dir bewusst, dass Angst ein Warnsignal ist und dir helfen will. Sie regt dich an, wenn du es ihr erlaubst. Sie lähmt dich, wenn du sie nicht zu interpretieren weißt. Meine Angst springt noch heute an, wenn ich einige Umsätze auf Kanal 1, 2, 3, 4 … heruntergehen sehe. Also plane ich Änderungen oder neue Angebote auf diesem Kanal mit ein.
  3. Jedes Buch zu “Finanziellem Erfolg” erklärt dir eins – und es funktioniert auch bei mir: Hab mehrere Einnahmequellen, Kanäle, über die du Umsätze generierst. Es gibt Sommerlöcher und COVID und Feiertage, die sich allesamt positiv oder negativ auf deine Einnahmen auswirken werden. Am besten ist man darauf vorbereitet, wenn man mehrere Kanäle für dich eröffnet. Es schenkt Sicherheit.
  4. Funktioniert ein Weg nicht, versuch einen anderen. Probiere alles das aus, was du bislang noch NICHT getan hast. Es sind meistens diese Wege, die zu Erfolg führen. Hast du bisher nur geschrieben, nimm ein Video für deine Kunden auf. Hast du bisher nur einmal in der Woche etwas auf Social Media Kanäle gepostet, poste häufiger … usw.
  5. Frage Freude, Bekannte, ehemalige Kollegen um Rat, was sie tun würden oder wie dein Produkt für sie ansprechender wäre. Lass es sie testen, lesen, sich ansehen und dir sagen, wie es bei ihnen ankommt. Nimm die Kritik wohlwollend auf, sie kann dich nur verbessern.
  6. Vernetze dich mit Kolleginnen und Kollegen oder Berufsnetzwerken, die potenzielle Kundschaft bieten.
  7. Pausen und Erholung sind wichtig für deine Kreativität. Bist du gestresst, wirst du nicht kreativ sein. Das ist ein neurologisches Gesetz. Plane sie in deinen Arbeitsalltag ein wie auch deine Aufgaben.
  8. Outsourcing von Arbeiten, die dich viel zeit kosten, aber nur wenig Geld.
  9. Lies/sichte die Angebote deiner Konkurrenz. Schau, was bei ihnen gut funktioniert und was nicht. Schau dir auch an, wie sie die Dinge machen (z. B. Marketing) und schnappe dir die coolsten/besten/ansprechendsten Wege für dich. Addiere sie zu deinem Angebot.
  10. Das funktioniert am besten, wenn du dich deines USP (Unique Selling Point) bewusst wirst/bist. Was lässt dich rausstechen aus der Masse an Mitbewerber? Bei mir ist es meine damalige eigene Betroffenheit und enge Fokussierung auf das Thema Angst. Bei mir wird man niemals Anleitungen/Onlinekurse zu Fitnesstraining, Websitegestaltung, Online Texten oder Social Media Marketing geben, auch wenn ich all das tagtäglich mache und gut kann. Fokus.
  11. Frage Menschen, die deinen Weg bereits erfolgreich gegangen sind. Das können Influencer deiner Nische sein, Berater zu Spezialthemen wie Instagram & Co. oder Coaches. Profitiere von ihrem Wissen.

Viel Kraft wünsche ich dir
Janett