Was du wissen solltest, bevor du dein Hobby zum Beruf machst

von | Feb 2, 2018 | 0 Kommentare

 

Ich habe seit langer Zeit keinen Text mehr nur für mich geschrieben. Seit ich mein Hobby, das Schreiben, zum Beruf gemacht habe, schreibe ich, um damit auch meinen Lebensunterhalt in Form von Geld und beruflicher Anerkennung zu verdienen. Ich dachte ernsthaft, das sei eine hervorragende Idee. Und um es vorwegzunehmen: Ich denke das noch immer. Aber seit einigen Wochen fällt mir auf, dass mir mein Traum gewaltig um die Ohren fliegt. Es sind mit meiner Selbstständigkeit leider Elemente mit zum Schreiben hinzugekommen, die ich jetzt als lästig empfinde. Sie rauben mir nicht selten eine große Portion Motivation. Nicht etwa, weil mir mein früheres Hobby und jetziger Beruf keinen Spaß mehr machen. Sondern weil das Ausleben meines Hobbys/Berufs nun einen Nutzen, Zweck und damit eine Verwertbarkeit für andere Personen haben sollte (jedenfalls, wenn ich erfolgreich sein möchte).

 

Vom Traum, sein Hobby zum Beruf zu machen

sein hobby zum beruf machen berufungHobbys und Leidenschaften sind deshalb so nährend, weil sie uns erlauben, wir selbst zu sein oder etwas zu erreichen, was für uns von Wert ist. Das kann ein Gefühl oder eine Form der Anerkennung von außen sein. Doch in Zeiten der flächendeckend propagandierten Selbstverwirklichung und Potenzialentfaltung á la “Schau, wie einfach es ist, dich zu verwirklichen! Become an Influencer!“-Facebook Posts, Instagram Stories und Youtube Stars ist es leicht, sich von der Verwirklichung eines Traums, sein Hobby zum Beruf zu machen, anstecken zu lassen.

Es sieht beinahe so aus, als ob die Zeitqualität festangestellte Menschen ausgrenzt und abstempelt. Denn nur wenn man selbstbestimmt, in seiner wahren Größe lebt, “seine vollen PS auf die Straße” bringt und mit sich und seinen Talenten Geld verdient, sei man von Wert und führe ein lebenswertes Leben.(Allesamt Verkaufssprüche, bei denen mir das Würgen kommt.) Wir alle wollen, dass unser Wert erkannt und geschätzt wird. Und ja, ich weiß es ja selbst aus meiner Angestelltenzeit, dass es sehr unliebsame Zeitgenossen gibt, die einem wiederholt eben diesen Wert absprechen und oft auch noch glauben, sie wüssten es besser. Und eben weil wir das alle kennen, erzählen dir etliche Menschen im Internet, wie schön Selbstständigkeit und das Ausleben deiner Berufung ist, wie leicht und wie viel Geld du damit verdienen kannst… Und hier der Haken: Sie versprechen dir, wie leicht es ist, wenn…du ihr Produkt kaufst, damit du bestimmte Anfangsfehler vermeidest oder…wenn du dich noch in ihren Newsletter einträgst, um die fünf wichtigsten Kniffe zum Erfolg kennenlernst oder…wenn du nur an ihrem Webinar teilnimmst, an dessen Ende alles verkauft wird, damit du dein “Business” starten kannst (noch so ein Würgewort).

Damit verdienen sie ihr Geld, nicht etwa mit ihrem Traum.

Seinen Traum zum Beruf zu machen, ist tatsächlich nicht schwer. Man kündigt entweder und legt los oder man baut es langsam als Nebenselbstständigkeit auf und wartet auf den rechten Zeitpunkt mit der Kündigung. Gerade wenn man denkt, dass es nun losgehen kann, stellen sich aber schon die ersten Hürden ein: blöde und lästige Existenzängste, fehlende Marketingkenntnisse, geringe Kundschaft oder viel zu wenige Menschen, die von deinem Produkt/deiner Dienstleistung Kenntnis haben. Das sind nur die halbschlimmen Dinge. Die in meinen Augen wirklich schmerzenden Nebenprodukte sind emotionaler Natur und kommen nicht selten einem Raubbau an deiner Seele gleich. Man muss wissen, wie man damit umgehen wird, wenn es soweit ist. Denn treffen werden dich diese (oder ähnliche) Schläge über kurz oder lang ganz sicher:

 

Dein Hobby gehört nicht mehr nur dir. Vielleicht brauchst du sogar ein neues.

bewusstsein der anderen achtsamkeitMach dir eines bewusst: Alles hat einen Nutzen. Jedes Hobby gibt dir ein Gefühl, zum Beispiel grenzenlose Freiheit der Gedanken, Selbstausdruck, Kontakt zu deinen Gefühlen, Kreativität, Dingen eine Form geben, Zeit, Flow, Dinge in Ordnung bringen, körperliche Aktivität, die Erfahrung der körperlichen/geistigen/emotionalen Stärke, um nur einige zu nennen. Für mich bedeutete Schreiben früher Selbstausdruck und Kontakt zu meinen Gefühlen, Bedürfnissen und wahren Wünschen zu haben und auszuleben.

Es geschieht sehr schleichend, dass du das, was dir früher so viel Spaß machte und Halt gab, plötzlich zu einem Instrument deines Erfolges wird. Dein Erfolg stiftet den Wert, nicht mehr nur das Gefühl, das dein Hobby dir stiftete. Wollen deine Kunden das Instrument nicht, wirst du dich beizeiten sehr erfolglos, versagend oder gar wertlos fühlen. Der Perfektionismus schleicht sich von hinten an. Denn wenn du nur X tätest oder bei Y besser wärst, dann…würde alles besser werden. Dann weiterzumachen und durchzuhalten, nicht aufzugeben, das Vertrauen in sich selbst zu bewahren und die Hoffnung aufrechtzuerhalten, ist eine Kunst.

 

Das Resultat muss nicht mehr nur dir gefallen, sondern vor allem anderen.

Sonst läufst du Gefahr, dass du nicht gefällst. Und kein Mensch kauft etwas, was ihm nicht gefällt oder was ein nicht wünschenswertes Ergebnis für ihn bringt. Wenn du ein Online Business starten willst, Blogger, Influencer oder sonstwas im Internet werden möchtest, hat vieles mit der Anzahl der Likes, Shares und Kommentare, Seitenaufrufe, monatlichen Besucherzahlen, Verweildauer, Absprungrate undgefallen müssen hobby zum beruf machen was tunAnzahl der besuchten Seiten zu tun, Reichweite und Beitragsinteraktionen. Begriffe, die du lernen musst, an denen du mitunter deinen Wert messen wirst. In jedem Fall hat deine Leidenschaft plötzlich den Anspruch, schön, wertvoll, informativ, inspirierend, begehrenswert, Neid erregend oder wenigstens Sehnsucht erweckend zu sein. Es muss Gefühle in deinen Kunden ansprechen. Tut es das nicht, hat es keinen Wert gestiftet. Stiftet es für andere keinen Wert, verdienst du kein Geld und bekommst keine Anerkennung.

Nichts schmerzt mehr, als für das, was man tut und liebt, keine Zuwendung zu erhalten. Wenn dich deine Leidenschaft nachts nicht schlafen lässt, weil du damit nicht deinen Lebensunterhalt verdienen kannst, wird es fatal. Ich habe mich mehrfach dabei ertappt, wie ich alles infragestellte, wie ich an meinem Traum zweifelte und vor allem: an mir. Das andere Extrem, zwar Aufmerksamkeit zu bekommen, aber eben negative, in Form von Kritik, destruktive Meinungen, Neid, Eifersucht, Shitstorms oder Menschen, die sich angegriffen fühlen oder glauben, es besser zu wissen, ist eine weitere, soul-sucking Seite der Medaille. Für mich am schlimmsten ist die Verachtung, die einem beizeiten entgegengebracht wird. Man weiß, man hat sich etwas Großes getraut und wird dennoch (oder deshalb) dafür belächelt. Vor allem dann, wenn die eigene Versagensangst mehr als präsent ist. Dann kann echt jedes Wort eines unbedachten und unachtsamen Menschen wie Messer in deine Haut schneiden.

 

Berufung ist nicht immer schön, sondern bedeutet auch Stress und Leistung.

Also genau das, was man eigentlich hinter sich lassen wollte, als man alles über den Haufen warf und sein Hobby zum Beruf machte. Berufung bedeutet, dass die Themen zu dir kommen. Aber wenn dein Hobby zum Beruf wurde, dann musst du dich zwangsläufig nach Themen und Bedürfnissen deiner Kundschaft umschauen, damit diese zu dir kommen. Wer in den sozialen Medien präsent ist und dort eine Followerschaft hat, die einen großen Teil des monatlichen Verdienstes ausmachen oder als wiederkehrende Besucher auf deine Website kommen, um dort zu barem Geld zu werden, der spielt nicht selten den fähigen, gut gelaunten Entertainer á la “Nichts tut weh und alles ist wunderschön!” – schon einmal vorab, um die Leute bei Stange zu halten, weil man im Hinterkopf sein Seminar plant, den Launch seines Produktes oder Release seines sonstwas’es.

Auch die, die ihr Leid(en) zum Produkt machen, haben schlicht das Problem, dass sie das aufrechterhalten müssen, um für die LeserInnen interessant zu bleiben, auch wenn sie mal so richtig Bock auf grundlose Freude hätten.

 

Schöne, einsame Welt

negative seiten online business berufung hobby zum beruf machenWer Einzelunternehmer ist, dieses heiß begehrte Ding namens Solopreneurship durchzieht, der ist vor allem eines: SOLO, zumindest zu Beginn: Allein für alles verantwortlich, schießt man von der Umsatzsteuervoranmeldung über das Social Media Marketing bis hin zur Erstellung wirksamer Landingpages, dem Korrektorat seiner Werbetexte und dem Ideenmanagement einfach alles ALLEIN.

Schön, weil einem niemand hineinredet und man alles endlich allein entscheiden kann, oder? Leider nicht immer. Wie oft wünschte ich mir jemanden, mit dem ich über eine Idee und mögliche Umsetzung sprechen konnte oder der mir erklärt, wie Videos aufnehme, welche Hardware die beste für Podcasts ist usw. Wenn es ganz dumm läuft, sitzt man daheim allein vor seinem PC und arbeitet im Home Office, was auf lange Sicht sehr einsam machen kann.

ABER:

Wenn du bereit bist, mit all dem umzugehen und ein paar individuelle Dinge, die ich sicher vergessen habe, dann kann es sehr befriedigend und wunderschön sein. Allein morgens aufzustehen und zu wissen, dass der heutige Tag mit dem erfüllt sein wird, was man liebt und was man kann, wofür man Geld bekommt und lobende Worte, trägt zumindest mich über viele nicht so schöne Momente hinweg. Ich kann mich heute leiten lassen, wo ich früher geleitet wurde.

Das langsame Hineinwachsen in seine Berufung wünsche ich jedem, besonders denen, die sich nach oder wegen ihrer psychisch belasteten Zeit ihrer Berufung zuwenden möchten – und ja, wenn nötig, auch die Kraft, um sich seinetwegen durchzuboxen!

Alles Liebe,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Bloggerin psychische Gesundheit

Verfasst von Janett Menzel

Autorin und Mentorin für Personen mit herausfordernden Ängsten in ihrer psychischen Gesundheit, in Liebe & Beziehung, Job & Karriere. Potenzial- und Strategieentwicklung im Bereich: Hochbegabung bei Frauen, Angstzustände/Panikattacken, Beziehungsängste - erfolgreiche Beziehungen - erfolgreiche Kommunikation, Gehirnforschung, weibliche & männliche Energien, Entspannungstechniken aus aller Welt, Identitätsbildung & spätes Self-Parenting (Selbsterziehung), Auswirkungen der Emanzipation auf das Verständnis zwischen Mann-Frau

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