Die Angst, sich zu bewerben: Wie du den Druck bei Bewerbungen minderst

Die Angst, sich zu bewerben: Wie du den Druck bei Bewerbungen minderst

Nicht nur die Angst vor einem Vorstellungsgespräch belastet viele Menschen. Überhaupt die Angst, sich zu bewerben, löst schon bei vielen Nervosität aus. Und deshalb schreiben viele erst gar keine Bewerbung. Schon im Vorfeld belastet sie die Angst, ihre Stärken, Arbeitserfahrung und Eignung darstellen und beweisen zu müssen. Und nicht wenige fühlen sich im Angesicht ihrer beruflichen Erfahrungen wertlos, ungeeignet und voller Scham über sich selbst.

Was bei der Angst, sich zu bewerben, helfen kann

was unternehmen wirklich denken
Viele geben schon vor der Bewerbung auf, aus Angst, abgelehnt zu werden oder sich beim Schreiben der Bewerbung bereits unzulänglich zu fühlen.

Ich habe lange Jahre in der Erwachsenenbildung gearbeitet, viele Bewerbungen gelesen und Menschen mit der Angst, sich zu bewerben, kennengelernt. Dabei fielen mir immer wieder zwei Aspekte auf:

Viele wissen nicht, dass Unternehmen nicht primär nach 100prozentig passenden Qualifikationen suchen, sondern nach flexibel einsetzbaren, verlässlichen, motivierten und vertrauenswürdigen Mitarbeitern. Dazu gehört Selbstvertrauen in sich und seine Fähigkeiten – selbst dann, wenn man auf dem Prüfstand steht.

Der Druck im Bewerbungsgespräch ist oft nur ein kleiner Vorabtest, der das Verhalten unter Druck zeigen soll. Wer den Druck oder den Prüfstand in Vorstellungsgesprächen nur schwer aushält, der – so der Rückschluss – wäre auch weniger gut im Umgang mit Zeitdruck, Deadlines und Stress. Soft Skills wie Belastbarkeit, Selbstvertrauen und -wirksamkeit sind also mindestens gefragt.

Außerdem: Nur in speziellen Branchen (z. B. IT, Technik, Medizin, Recht) benötigen Bewerber die branchenüblichen Spezialkenntnisse. In allen anderen Branchen, besonders bei Akademikern, lassen sich Arbeitnehmer eher auf sympathische, souveräne und motivierte Mitarbeiter ein als auf höchst qualifizierte, aber charakterlich gesetzte, stolze oder gänzlich unbekümmerte, die nur des Geldes wegen arbeiten gehen. D. h., jemand, der strikt sein Ding macht, sich nicht einsetzt und nicht teamfähig ist, aber ein top Know-how hat, ist oft weniger gern gesehen als jemand, der sich in die bestehenden Unternehmensstrukturen einfügen kann und Unternehmenswerte teilt. Erneut: Die Soft Skills der Mitarbeiter zählen mehr als ihre Hard Skills.

Arbeitnehmer suchen zudem nach verlässlichen und loyalen Mitarbeitern und nein, sie können es sich schon lange nicht mehr leisten, jeden wegzuschicken. (Die meisten Firmen verstehen das nur nicht, weil sie noch immer denken, sie hätten das Zepter in der Hand und könnten wählen. Aber tatsächlich sind es mehr und mehr die Bewerber, die wählen können, wenn sie einen qualifizierten Lebenslauf haben.) In der Tat herrschen fast bei allen Unternehmen Engpässe in der Belegschaft, weil sie keine passenden Mitarbeiter mehr finden.

“Passend” bedeutet aber ein ausgewogenes Verhältnis aus Hard und Soft Skills. Und ja, Unternehmen sind bereit, ihre Anforderungen herunterzuschrauben, wenn die Lücken des Bewerbers leicht und schnell aufholbar sind (z. B. ein bestimmtes Programm lernen oder nicht sattelfest genug sein usw.). Auch wenn eine Berufserfahrung von fünf Jahren in der Stellenausschreibung steht, heißt das nicht, dass ein Bewerber mit zwei Jahren nicht infrage käme. Im Gegenteil: Die meisten Unternehmen sind heute immer weniger bereit, angemessen für die hohe Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu zahlen. Denn oft gilt: Je qualifizierter (und sozial kompetenter), desto weniger braucht der Mitarbeiter das Unternehmen, desto schneller wäre er bei schlechter Behandlung einfach weg.

Wenn also keine essentiellen Kenntnisse für die Stelle fehlen, sollte man sich dennoch bewerben – egal, ob hier oder da ein I-Tüpfelchen fehlt. Dazu kann man selbst durch seine Persönlichkeit, die man in der Bewerbung ideal in Szene setzt, werden und so punkten.

Einige Tipps, um die Angst vor der Bewerbung zu überwinden

tipps um keine angst bei der bewerbung und jobsuche zu haben

Mit der Wahl eines passenden Arbeitgebers ist es genauso wie bei der Partnerwahl: Gibt man sich zu bedürftig und zu klein, hält man wenig auf sich und besitzt keine bis kaum Würde und Respekt gegenüber sich selbst, seinem Wert und seinen Fähigkeiten, läuft man schnell Gefahr, ausgenutzt oder wie ein Fußabtreter behandelt zu werden. Wer seine Angst vor Bewerbungen überwinden möchte, sollte deshalb erst einmal seine Blockaden entfernen: indem man sich dieser bewusst wird. Denn das Ziel ist es, von sich und seiner Eignung authentisch und selbstsicher zu überzeugen. Und dafür muss man von sich und seiner Eignung überzeugt sein. In sich zu ruhen, weil man dem Lauf der Geschehnisse, dem Leben und seiner selbst vertraut, ist unausweichlich.

Stell dir einmal folgende Fragen, um mehr Einblick in deine Angst vor Bewerbungen zu bekommen:

  • Wissen ist Macht. Wie ohnmächtig fühlst du dich, wenn du etwas nicht weißt?
  • Profilierst du dich vielleicht sogar mit dem Wissen, das du hast? Identifizierst du dich damit? Macht es dich in deinen Augen zu einem wertvolleren Menschen? Im Umkehrschluss: Fühlst du dich weniger wertvoll als Mensch und MitarbeiterIn, wenn du in einem Bereich weniger Wissen besitzt als andere oder einzelne Angaben in der Stellenausschreibung nicht auf dein Profil passen?
  • Wenn du dich von deiner besten Seite zeigen sollst, ist es dir dann unangenehm? Hast du das Gefühl, du würdest den Anderen belügen? Denkst du dann, dass all deine Schwächen deine Stärken abwerten würden?
  • Siehst du deine Schwächen als charakterliche Schwäche? Mindern sie in deinen Augen deinen Wert? Bringst du Schwächen mit Ablehnung, Kritik, Streit oder gar Trennung in Verbindung? Ruft das Wort Schwächen Gefühle wie Schuld, Scham oder gar Traurigkeit auf den Plan?
  • Wann würdest du dich gut und wann gut genug fühlen? War Perfektionismus schon Teil deiner Kindheit? Hattest du jemals das Gefühl, dass “immer besser zu werden” dir etwas sichern würde, z. B. Liebe durch deine Eltern oder Anerkennung?
  • Gab es dir eine Aufgabe und ein Ziel, wenn du mit Eigenschaften und Wissen brillieren konntest (getreu dem Motto: Wenn ich x bin bzw. kann, bin ich jemand.)?
  • Im Allgemeinen verleiht der Job eine Aufgabe, der man sich entweder freiwillig und bereitwillig widmet oder die sich aufgezwungen anfühlt. Wie gehst du mit zugeschriebenen Aufgaben um? Stellst du dich den Herausforderungen? Oder tust du am liebsten nur das, was dir wenig Mühe bereitet – weil du hier bereits alles an Wissen und Kompetenzen erworben hast, was du dafür brauchst?
  • Wer bzw. wie wer (, den du kennst) bist du, wenn du Schwächen hast?
  • Ist es ein schlimmes Gefühl, wenn du etwas nicht weißt? Wenn ja, wer fand es schlimm (in deinem bisherigen Leben), wenn du etwas nicht wusstest oder konntest?
  • Wie gehst du mit Ablehnung im Allgemeinen um? Nimmst du sie persönlich, betrachtest du sie als Bestätigung deiner gefühlten Unvollkommenheit, als erneute Aufforderung, noch besser werden zu müssen oder gar als Signal, dass du nie genug sein würdest?
  • Löst der Gedanke “Du reichst (noch) nicht!” eine Blockade in dir aus, die dich sogar gänzlich vom Handeln abhält? Verbirgt sich dahinter der Glaube, du würdest ohnehin abgelehnt werden – ohnehin nicht auserwählt werden, weil es ohnehin immer irgendeinen Menschen geben würde, der besser wäre als du?
  • Wie gehst du mit Makeln um? Strafst du dich (und andere) dafür, versuchst du sie zu verstecken oder zu verdrängen?
  • Wie gehst du mit Fehlern um? Ist es leichter für dich, zu sagen, dass du keine Schuld hast? Liegt dahinter ein angeschlagener Selbstwert, der dich auffordert, dich zu mögen und zu akzeptieren, so, wie du bist?
  • Falls ja: Magst du dich nur dann, wenn dich andere mögen?
  • Jobs geben auch Struktur. Wie gehst du damit um, wenn dir jemand eine Struktur vorgibt? Fühlst du dich eingeengt und fremdgesteuert oder bist du gelassen, weil du hinter der Aufgabe stehst und in ihr einen Sinn siehst, der deinem Leben Fülle verleiht?
  • Apropos Sinn: Wann bzw. wodurch verleiht dir ein Job Sinn? Und wann wäre ein Job sinnentleert?

Nimm dir den Glaubenssatz, der am meisten in dir ausgelöst hat, z. B. Ich reiche sowieso nicht aus. oder Niemand will mich so, wie ich bin. und kehre ihn angemessen und gesund um:

  • Ich reiche aus.
  • So, wie ich bin, bin ich wertvoll.
  • Ich bin genauso wertvoll wie andere.
  • Niemand ist gut oder schlecht, höchstens geeignet oder weniger geeignet für diesen Job.
  • Ein Job sagt nichts über meinen Wert aus.
  • Ich bestimme meinen Wert allein.
  • Was ich von mir denke, ist mir wichtiger.
  • Absagen diktieren nicht meine Zukunft. Mein Selbstvertrauen und das Wissen darum, was ich wert bin, weisen mir meinen Weg.
  • Ich lerne aus jeder Absage wertvolle Impulse für die nächste Bewerbung.
  • Wem ich nicht passe, der passt nicht zu mir.
  • Zusagen sind keine Liebesbeweise. Absagen sind keine Trennungen.
  • Ablehnungen haben mehr mit dem Anderen zu tun als mit mir.
  • Ich bin ein wertvoller, talentierter Mensch.
  • Ich nutze meine Angst und lasse mich von ihr motivieren.
  • Ich mache mir meine Angst zunutze und gebe nicht auf, bis ich einen mir dienlichen Job gefunden habe.

Mut, Vertrauen, Macht über seine Gedanken und Gefühle sind wichtige Hilfsmittel, wie du siehst. Nutze sie bestmöglich für dich. Erinnere dich daran, dass niemand über deinen Wert entscheidet. Übe dich täglich in der Bestätigung deiner selbst, so, wie du bist – besonders im Umgang mit Absagen, die oft in Bewerbungsprozessen unvermeidbar sind. Denke vor allem daran, dass jede Ablehnung mitunter eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann. Sei stolz auf alles, was du kannst und bist. Denn nicht jeder Job, der gut klingt, muss auch gut sein. Auch Personaler verstecken in Ausschreibungen die Schwächen und fehlenden Skills des Unternehmens (bzw. der Menschen, die dort arbeiten).

Kleiner Tipp für Bewerbungen: Hard Skills und Soft Skills

was personaler wirklich interessiert
Entscheidend ist, wie man sich darstellt: am besten ohne Standardsätze, sondern authentisch – auch wenn man selbst weniger von seiner Eignung überzeugt ist. Das Unternehmen kann das anders sehen.

Personalchefs erwarten zwar sogenannte Hard Skills – Muss-Qualifikationen – im Sinne erworbener Fähigkeiten, z. B. Schul- oder Studienabschluss, Zertifikate, Fortbildungen und Sprachfähigkeiten, durch Zeugnisse und Beurteilungen nachweisbar. Am Ende entscheiden aber oft die erwähnten Soft Skills, sogenannte weiche Faktoren. Eben nach diesen werden Bewerbungsunterlagen häufig durchsucht und sortiert.

Unter Soft Skills versteht man Faktoren wie soziale Kompetenzen, eigene Persönlichkeit, Verhaltensweisen und im beruflichen Umfeld eingesetzte Eigenschaften eines Bewerbers. Einige Soft Skills geben Auskunft über die persönliche Reife/Entwicklung eines Bewerbers. Es geht hierbei also nicht um fachliche Qualifikationen. Die Beschäftigungsfähigkeit eines Bewerbers geht oft mit dem Begriff der Schlüsselqualifikation einher – bedeutet, dass ein Jobanwärter Merkmale besitzt, um ihn vielseitig einzusetzen und die Chance auf einen Job zu erhöhen.

Bereitschaft zum Lernen, Kritikfähigkeit, gutes Zeit- und Selbstmanagement sowie Teamfähigkeit sind typische Soft Skills. Ebenso zählen Empathie, Kollegialität, Eigeninitiative, Kreativität, Belastbarkeit, Ziel- und Lösungsorientierung und Verantwortungsbewusstsein dazu. Demzufolge sind diese Talente und sozialen Stärken der jeweiligen Persönlichkeit zuzuschreiben. Der Grundstein dazu wird oftmals während der Kindheit und Jugendzeit gelegt. Fähigkeiten wie Rhetorik und Überzeugungskraft werden dagegen erst während des Berufslebens geschult und entwickelt.

Diese persönlichen Soft Skills sind bei jedem Menschen anders. Sie können in der Bewerbung aber zu einer Vorentscheidung führen, ob du ins Team oder zur Unternehmenskultur passt. Wichtig jedoch ist – während wir alle glauben, alle Soft Skills zu besitzen -, dass du nur diejenigen aufzählst, die du wirklich besitzt UND diejenigen, die wichtig sind für das Jobprofil. So kann Empathie in Führungspositionen zwar hilfreich für ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern sein, aber hinderlich, wenn man Kritik üben oder unternehmerische Interessen durchsetzen muss. Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein kann bei arbeitsreichen Jobs mit hohem Stresspotenzial Gold wert sein, aber in Teamsituationen, wo Zusammenarbeit gefordert ist, mehr als störend wirken.

So mancher Soft Skill kann damit eine schlechte Note, nur bedingt gutes Arbeitszeugnis oder einen fehlenden Abschluss wettmachen. Derjenige wird die Stelle bekommen, der durch seine Persönlichkeit hervorsticht. Gerade in Firmen mit einer hohen Mitarbeiterzahl kommt es darauf an. Denn mit Kollegen/Kunden verbringen wir viel Zeit zusammen, oft mehr als mit der eigenen Familie und nicht selten kennen wir die Belegschaft bzw. Kunden besser als unsere Nachbarn. Doch Kollegen kann man sich nicht aussuchen. Ob Phlegmatiker, Bürokraten, Blender oder Karrieristen – im Büro treffen alle aufeinander. Die große Kunst ist es, damit umgehen zu können und trotzdem man selbst zu bleiben, während man seine bestmöglichste Arbeit leistet.

Studien belegten zudem folgerichtig, dass sich der Erfolg im Beruf aus zehn Prozent Leistung und 90 Prozent Soft Skills im Bereich der Diplomatie (offen für Gespräche, Fairness, Verhandlungsgeschick), Soziologie (sich in ein Umfeld einfügen und sozial verhalten), Psychologie (Selbstvertrauen, sich und andere einschätzen können, Grenzen setzen und wahren, gesunde Verbindungen aufbauen), Publicity (Leistung, Aufmerksamkeit, Lob und Kritik ertragen können) und etwas Travestie (sich zeigen/darstellen, spielerisch agieren) zusammensetzt. Wer allgemeine Soft Skills in seine Bewerbung schreiben möchte, sollte sich also auf diese konzentrieren.

  • Bei welchem dieser Punkte siehst du eine Schwäche?
  • Wo kannst du dich unterstützen und wie?
  • Wer könnte dir dabei helfen?

Stärken und Schwächen vorteilhaft hervorheben – so geht’s

sich in einer bewerbung nicht verstecken sondern gekonnt zeigen

Im Endeffekt sind vorhandene Soft Skills Stärken und nicht erworbene bzw. noch ausbaufähige Skills Schwächen. „Was sind Ihre Schwächen?“ ist eine Frage, die jeder Bewerber kennt und oft auch fürchtet. Denn kaum ein Satz bietet mehr Potential zu massiven Fettnäpfchen, die letzten Endes sogar die Chance, den Job zu bekommen, vernichten können. Viele Bewerber sind daher von vornherein auf diese Frage vorbereitet – mit Standardantworten.

Der Personalchef versucht mit dieser Frage zu klären, ob du kreativ und spontan reagieren kannst und/oder dich auf das Gespräch vorbereitet hast, es ernst nimmst, eigenständig denkst statt Standardantworten abzuspulen. Deine Antwort auf diese Frage sagt viel über deine Ambition aus, deinen Willen und deine Motivation, in dem Unternehmen zu arbeiten. Deshalb werden einige Personalchefs die Frage nach deinen Schwächen tarnen. Zum Beispiel fragen sie stattdessen nach Eigenschaften, die dir von einem ehemaligen Chef oder Kollegen nachgesagt wurden (Was schätzten Ihre Kollegen an Ihnen?) oder die in der Beurteilung standen. Daraus kann man vieles ableiten. Oder die Frage wird selbstkritischer gestellt:

Was würden Sie gern an sich ändern?

Einige Personaler stellen aber auch Skalenfragen wie “Wie schätzen Sie sich (in einer bestimmten Eigenschaft/Kompetenz) auf einer Skala von 1 bis 10 ein?” Dadurch sollen Schwächen identifiziert werden, wobei Werte kleiner als sieben bereits als solche gedeutet werden. Ein Wert von zehn klingt überheblich und deutet auf Egoismus – in kaum einer Branchen eine gern gesehene Eigenschaft. Am besten sind Werte von sieben bis neun. Personaler wissen natürlich, dass jeder Mensch Schwächen hat. Einzuräumen, man wäre perfekt, würde aber überheblich und arrogant klingen. Das wirft kein gutes Licht auf dich.

Folgendes sollte man auf gar keinen Fall sagen:

  • Rudimentäre Eigenschaften/Kompetenzen, die für die Stelle wichtig sind, nicht zu besitzen: Eine Krankenschwester muss belastbar und menschenfreundlich sein, ein Dozent muss Spaß am Lehren und Interesse an Pädagogik haben, Menschen, die in Büros arbeiten, müssen PCs mögen und Sitzen ertragen usw.
  • Niemals sagen: “Ich arbeite im jetzigen Job zu viel!” oder “Alle anderen im aktuellen Job können nichts. Alles muss ich allein machen!”. Im ersten Moment klingen diese Aussage sehr verständlich, doch auf den zweiten Blick offenbaren sie, dass der Bewerber zumindest mit seinem Zeitmanagement schwer klarkommt – und offensichtlich auch wenig umgänglich ist.
  • Standardaussagen wie “Ich kann alles!” verstehen Personaler als Vertuschung von Makeln, deuten es als Zeichen für Arroganz und daraus ableitend für nicht vorhandene Teamfähigkeit.
  • Es sollten auch nicht alle Schwächen wie bei einem Gedicht auswendig gelernt aufgesagt werden. Ein bis zwei Schwächen, nebenbei erwähnt, reichen vollkommen aus. Eine wirkliche Schwäche kann durch Wörter wie “gelegentlich”, “stellenweise”, “hin und wieder” oder “manchmal” geschmälert werden. Es ist übrigens ein gutes Zeichen zu sagen, dass man von seiner Schwäche weiß und an dieser arbeitet. (Aber Achtung: Viele Personaler fragen hier gern, wie man an ihr arbeitet. Hier sollte man eine pfiffige Antwort parat haben wie z. B. mit einem Coach, einer Freundin, Standardwerken zu diesem Thema, die man jedoch mit Titel benennen können sollte!)
  • Die beste Strategie ist es, die Schwächen bewusst zu dosieren und nicht zu übertreiben.

Wurden beim Vorstellungsgespräch die Schwächen abgefragt, kann es mit den Stärken weitergehen. Vielen Bewerbern fällt es leichter, über Stärken als über Schwächen zu sprechen. Doch wer Angst hat, sich zu bewerben, tut sich besonders mit seinen Stärken schwer – oft auch, weil er meint, keine nennenswerten zu haben. Doch Stärken sollten im Anschreiben und Bewerbungsgespräch hervorgehoben werden.

Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift.

  • Hebe dich nicht selbst in den Himmel. Man sollte authentisch bleiben. Hebe einige markante Stärken hervor, die für den neuen Job wichtig sind.
  • Stärken können mit Beispielen belegt werden. Es klingt einfach, Schlagworte aufzuzählen wie: innovativ, belastbar, lernfähig oder teamfähig. Doch so einfach ist es nicht. Die Stärken sollten an konkreten Beispielen festgemacht werden z. B. aus einem vorherigen Job bzw. Projekten, an denen du gearbeitet hast, wo du eben diese Stärke einsetzen konntest.
  • Nicht an Situationen gebundene Aussagen wiederum zeichnen deine Persönlichkeit “im Allgemeinen” aus. Das kann auch so benannt werden: “grundsätzlich”, “im Allgemeinen”, “von Natur aus” bin ich …. XYZ.

Andere Wege, seine Stärken auszudrücken, sind:

  1. “Ich komme mit Stress und Zeitdruck gut zurecht. Wenn Deadlines für Aufträge näherrücken, kann ich dennoch Ruhe bewahren und konzentriert arbeiten.”
  2. “Ich stehe neuen Themengebieten und Aufgabenbereichen positiv gegenüber und kann mich gedanklich schnell in ein neues Thema hineinversetzen. Deshalb liegt mir die Arbeit im Bereich X auch so sehr am Herzen. Es stillt meine Freude am Lernen.”
  3. “Meine Kreativität kam mir oft zugute. Ich konnte sie in der Vergangenheit besonders nutzen, um Herausforderungen in Projekten angemessen und ruhig zu begegnen.”
  4. “Wenn ich mir ein Ziel setze, verpflichte ich mich diesem. Meine Zielstrebigkeit hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen.”
sei stolz auf das, was du kannst
Zeige lieber, wer du bist, und atme dich durch die Angst vor einer Ablehnung, statt dich zu verstellen oder hinter Standardsätzen zu verstecken. Diese funktionieren ohnehin nur selten.

Alles sollte schlussendlich natürlich – authentisch klingen statt aufgesetzt und abgeschrieben. Nur Bewerbungen, die die Persönlichkeit des Bewerbers durchblicken lassen, werden in Erinnerung bleiben und zu Vorstellungsgesprächen führen. Wer wie ein Bewerbungsratgeber ausschließlich Standardsätze aneinanderreiht, wird eher mit Absagen rechnen können. Denn hier kommt nur mangelnde Motivation aka Desinteresse und Fließband-Bewerbungs-Mentalität rüber. Vor allem zeigen sie deutlich, dass der Bewerber nur diesen Job will, weil er EINEN Job will. Möge das auch stimmen – wenigstens aus finanzieller Sicht -, so sollte man dennoch klar ausdrücken, dass man die Stelle will, weil man sich für diese eine Stelle eignet – und wieso.

Bei anhaltender Angst: Erinnere dich an deine WÜRDE

Wie schon erwähnt: Jobwahl und Partnerwahl haben einiges gemeinsam. Stell dir vor, jemand würde sich bei dir als PartnerIn bewerben – nicht wegen dir, sondern einfach nur, weil er IRGENDWEN will, der ihn/sie will, der sich kaum Mühe gibt, dich kennenzulernen oder sich zu zeigen. Sehr wahrscheinlich würdest du dir sehr verschaukelt vorkommen oder dich zumindest wundern. Vielleicht hilft es, dir den Bewerbungsprozess wie ein Date vorzustellen?

Ein Ereignis und doch Prozess, der Spaß machen darf statt Frust verursacht. Immerhin bist du auf der Suche nach einer Aufgabe in einem Unternehmen, der du dich viele Stunden deines Lebens widmen wirst. Aber so wie auch Partner unsere Schwächen akzeptieren und oftmals sogar auffangen bzw. ausgleichen, so sind auch Unternehmen aka Personaler nur Menschen, die nach jemandem suchen, mit dem die Erledigung der Aufgabe langfristig funktionieren wird/kann. Nur selten verhalten sich nicht wie Monster, Könige oder Königinnen und behandeln dich wie einen Untertan. Und die Personaler – jene, die ich schon oben beschrieb -, die dir das Gefühl der Unterlegenheit durch Arroganz und Uneinsichtigkeit vermitteln, sind Menschen, die dir zeigen, was das Unternehmen an Werten abverlangen wird. Ordentliche Personaler verhalten sich anders: nämlich “ordentlich” im moralischen Sinne, klar, strukturiert, offen, menschlich, fair und ehrlich. Ein Bewerbungsprozess kann deshalb immer würdevoll sein und bleiben – trotz Angst-, selbst dann, wenn man letzten Endes eine Absage erhält oder aber freiwillig erteilt.

Angst im Nacken: Muskelverspannungen, Angstzustände & Panikattacken

Angst im Nacken: Muskelverspannungen, Angstzustände & Panikattacken

Viele Betroffene von Angstzuständen mit und ohne Panikattacken klagen über schmerzhafte Muskelverspannungen – besonders im Bereich des Nackens, der Halswirbelsäule und Schultern. Und fragen sich zurecht: Können Angststörungen diese Schmerzen auslösen? Vor allem: Kann man Panikattacken durch Nacken- und Schulterverspannungen bekommen?

Muskelverspannungen durch Angstzustände & Panikattacken?

verspannter Nacken und Schultern können Angst vor der nächsten Panikattacke auslösen

Ich bin keine Medizinerin, aber hatte mehrfach Angstzustände mit Panikattacken und weiß deshalb: Ja, das funktioniert beides sehr gut. Ich hatte monatelang, sogar noch über meine Panikstörung hinaus, Angst, durch meine Muskelverspannungen im Hals- und Nackenbereich eine Panikattacke zu bekommen. Und anfangs war diese Angst dermaßen präsent, dass ich teilweise nur beim Bewegen meines Halses eine Panikattacke hatte. Selbst wenn diese ausblieb, war es eine Angstattacke – nur eben ohne Panik-Fluchtreaktion.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich besonders beim Fahrradfahren (also draußen = Horror!) stets im wahrsten Sinne des Wortes “Angst im Nacken” hatte. Angst äußert sich ja im gesamten Körper als Stressreaktion. Es knackte im Bereich rund um meinen Hals herum unentwegt, wann immer ich ihn bewegte. Es fühlte sich an, als würde jemand konstant versuchen, mir meinen Kopf wieder zurechzubiegen – oder abzureißen. Egal wie, dass ich meine offensichtlichen Blockaden in den Muskelgruppen nicht wegrenken konnte, machte mir noch mehr Angst – und rief die Angst vor der nächsten Panikattacke auf den Plan.

Als ich einmal noch mitten in meiner Panikstörung im Flugzeug saß, waren diese Beschwerden so vehement, dass ich fast zwei Stunden lang weinend ausharren musste.

Falls dich diese Beschwerden auch betreffen, möchte ich dir deshalb aus heutiger Sicht einige Aspekte mitgeben, die dir helfen könnten, Abhilfe zu schaffen.

Was bei Muskelbeschwerden im Hals-/Schulterbereich und Angst- bzw. Panikattacken helfen kann

Der Ganz zum Arzt oder Physiotherapeuten kann genauso wie Sport zu Hause oder das Vermeiden von langem Sitzen gegen angstauslösende Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich helfen.

Viele – wenn nicht sogar fast alle – Betroffenen von Angst- und Panikstörungen sind ans Haus bzw. ihre Wohnung gebunden. Vielleicht rennt man mal in die Küche oder steht vom Sofa auf, um ins Bad zu gehen, saugt ab oder wischt den Boden. Aber summa summarum sind die Wege, die man zurücklegt, doch eher gering. Auch die wenigen Male, die man sich nach draußen traut, werden selten ausreichen, um die empfohlenen Bewegungseinheiten von 2,5 Stunden/Woche als Erwachsener zu erreichen (Empfehlung laut WHO). Alles darunter fällt in den Bereich der mangelnden Bewegung und eben diese begünstigt u. a. Muskelverspannungen.

Je mehr ich saß, desto schlimmer wurden meine.

Es ist unerlässlich, selbst wenn man sich kaum nach draußen bewegen kann, so viel Sport zu Hause zu machen, wie möglich. Die entsprechenden Muskeln müssen gestärkt werden. Und es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, von zu Hause aus Sport als Liveklassen oder aufgezeichnete Klassen mitzumachen (Gymondo, YouTuber und ihre Klassen … Ich nutze Yogaia.)*. Denn Sport wirkt bei Angst und Panik kleine Wunder.

Ich habe viel Yoga gegen meine Beschwerden gemacht (besonders Sonnengrüße), aber auch einzelne Bewegungen halfen mir (“in den Himmel gucken” bzw. in diesem Falle “an die Decke”, auf die Terrasse/den Balkon zu gehen, und dort nach oben zu schauen).

“Nimm eine andere Position ein, als die sitzende, in der die Schultern und der Kopf hängen. Allein diese Sitzhaltung erinnert an einen traurigen Menschen (gekrümmte, nach vorn zeigende Schultern und gesenkter Kopf). Sie begünstigt Angst und Traurigkeit”, sagte mir einst ein Kollege, der im Bereich Psychotherapie tätig ist.

Selbst beim Fahrradfahren wäre es besser, kein Mountainbike, wo der Nacken eingeknickt ist beim Fahren, sondern ein City Bike zu verwenden, wo er gerade gehalten werden kann, stellte ich früher fest. Sitzen zu Hause ist aber in jedem Fall kontraproduktiv.

Was ich auch noch verwendete, waren Wärmesalben aus der Apotheke und Pferdebalsam (der erst kühlt und dann wärmt), wenn alle Stricke rissen. Ich bin mir unsicher, ob man diese immer bedenkenlos anwenden kann, aber möchte es der Vollständigkeit halber mit erwähnen. Bitte besprich dich in diesem Falle mit einem Arzt deines Vertrauens.

Eine meiner Freundinnen ist Physiotherapeutin. Ich hatte mich früher oft mit ihr darüber unterhalten und weiß daher, dass Physiotherapie eine gutes Behandlungsfeld gegen diese Beschwerden darstellt. Wer den Weg dorthin über sich bringt, wird zielführende Übungen an die Hand bekommen, die zusätzlich helfen, die Angst zu vermindern, und gleichzeitig gegen die Muskelverspannungen wirken.

Dieser kurze Blogpost entstand aufgrund einer eingesandten Frage von einer meiner Leserinnen. Danke für diese Anregung!

*Wegen aktueller Rechtssprechungen muss ich diese als Werbung kennzeichnen, bezahlter oder unbezahlter Natur, da sich Geschäftsbeziehungen durch meine Nennung anbahnen könnten. In diesem Falle: unbezahlte Werbung.


Angst vor Arbeit und Leistung, weil “der Job” krank macht

Angst vor Arbeit und Leistung, weil “der Job” krank macht

In vielen Unternehmen herrscht noch immer der Anspruch, ihre Mitarbeiter müssten täglich herausragende Ergebnisse liefern, besser sein statt nur “gut” und “genug”, Opfer im Privaten erbringen und konstant durch überdurchschnittliche Leistungen, Interesse und Engagement glänzen. Das zeichnet in ihren Augen eine “gute Arbeitseinstellung” aus. Mit dieser – so scheint es bei vielen Arbeitgebern – hätte ihr Personal Respekt und Zugehörigkeit verdient. Viele Arbeitnehmer klagen allein deshalb über Angst vor Leistung und dem Job, der Arbeit an sich, den Chef, den Kollegen – einhergehend mit Symptomen. Was wenig mit Arbeitsmoral zu tun hat, kann vielmehr ein Mix aus individuellen und firmenbezogenen Aspekten sein. Geschehen hier keine Korrekturen, greift der Körper/die Psyche zu natürlichen Abwehrmechanismen, um mögliche Gefahren für die Gesundheit zu vermeiden.

In diesem Blogpost findest du mehr Hintergründe zu dieser Angst und einer einfachen Methode, mit dem du wieder neuen Sinn für dein Berufsleben schaffen kannst – oder feststellst, dass es Zeit für einen neuen Arbeitgeber ist.

Ursachen: Wie Angst vor Arbeit und Leistung im Job entstehen

Angst vor Arbeit zeigt sich gern in einer “miesen Arbeitseinstellung”, ist aber oft eine verschleppte Überforderung, Unterforderung oder Sinnentleerung. Hat der Arbeitnehmer keine Motivation mehr, zu arbeiten, leistet er weniger. Muss er dennoch übermäßig leisten, reagiert der Körper häufig mit Angstzuständen.

Angst vor Arbeit und Leistung entstehen nicht aus dem Nichts. Vieles muss im Vorfeld geschehen sein, damit ein Mensch plötzlich den Sinn in seinem Beruf oder Arbeiten an sich verliert. Oft geht es einher mit vielen Jahren des Beweisstellens, in denen der Arbeitnehmer mit einem starken sog. Leistungsmotiv etwas zu bewirken versucht: für sich, das Unternehmen, die Welt usw. Es kann auch sein, dass seit jeher das Underachiever-Syndrom vorliegt, in denen Menschen dazu erzogen wurden, nichts erreichen zu müssen (weil es ihnen a) ohnehin nichts brächte oder b) es von ihnen nicht abverlangt wurde). Ich gehe hier vom ersteren aus: Es bestand ein starker Drang danach, etwas zu leisten, weil man

  • etwas für sein Leben erreichen wollte (finanzielle Sicherheit/Stabilität bzw. Wohlstand, Lernen, Status, Persönlichkeitsentwicklung, Karriere) und bereit war, dafür vieles zu tun
  • etwas für die Welt tun wollte (Gutes tun, Menschen helfen, Lücken füllen, Ungerechtigkeit ausbalancieren usw.)
  • seinen Platz finden wollte (zu einer Gruppe Gleichgesinnter gehören wollte), das sog. Zugehörigkeitsmotiv
  • durch seine Leistungen an Bedeutung für andere/die Welt gewinnen wollte (Machtmotiv)

Und so ergaben sich die Motivationen: Man ging davon aus, indem man leistet, würde man erreichen/bekommen, was man sich gewünscht hatte. Doch damit Motivationen in uns entstehen können, die uns ins Handeln bringen, müssen wir uns sicher sein, dass das Gewünschte erreichbar ist. Sehen wir uns in unserem Handeln immer wieder scheitern oder kurz davor, erleben immer wieder die Angst, wir könnten versagen, erfahren Kritik oder gar kein Lob, ebbt unsere Motivation von Mal zu Mal ab. Man mag nicht mehr, kann nicht mehr, will nicht mehr. Es bildet sich eine Art innere Front gegen Leistungen jeder Art, gegen Arbeit an sich oder Aufgaben bestimmter Art.

Symptome, die mit Angst vor Arbeit und Leistung einhergehen können

wenn im Beruf zu arbeiten und zu leisten angst macht

Der Körper/die Psyche kündigt Überforderung, die schließlich in Angstzustände fließen kann, und durch konstanten Leistungsdruck (körperlicher, emotionaler und geistiger Art) begleitet wird, in erster Instanz durch “normale” Signale an:

  • Stress
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten
  • unruhiges Wochenende mit einer tiefen Unlust am Sonntag beim Gedanken an den kommenden Montag/Arbeitstag
  • im Urlaub nicht abschalten können bzw. krank werden
  • trockene, unreine, fahl-aussehende Haut mit Juckreiz
  • Verdauungsprobleme
  • verringerte Immunabwehr
  • leichte bis mittlere Unlust am Morgen
  • innere Unruhe unter Menschen
  • latente Aggression, Impulsivität, Wutausbrüche (besonders wenn etwas nicht funktioniert bzw. nicht auf Anhieb klappt)
  • Muskelverspannungen (werden später gern zu Panikattacken)
  • unruhige Beine, Kribbeln in den Gliedmaßen
  • innere Unruhe auch während der Freizeit
  • innere Hektik (“Schnell-Schnell-Syndrom”, besonders bei Frauen)
  • Gefühle entweder extrem sensibel oder immer schwächer wahrnehmen (leicht in Tränen ausbrechen oder kaum mehr etwas spüren)
  • auf zwischenmenschliche Situationen nicht mehr eingehen wollen/können bzw. keine Ruhe für “Probleme” haben (Abwehr des emotionalen Leistungsdrucks)

um nur einige zu nennen. Das sind die häufigsten Begleiterscheinungen, die mir genannt werden.

Auch das Gefühl, man dürfe die Arbeit jetzt noch nicht beenden, obwohl es schon spät am Abend ist, oder man müsse noch in der Freizeit dieses und jenes für den Arbeitgeber tun, fällt darunter. Ständige Erreichbarkeit, E-Mail-Check am Wochenende oder in Gedanken stets im Büro oder in Gesprächen mit Kollegen zu sein gehören auch dazu. Das Gefühl, gebraucht zu werden und nicht ersetzbar zu sein, trifft auf den Drang, alles liegen zu lassen.

Deshalb sieht man das auch im Job/Beruf an der eigenen Leistung:

  • fehlendes Interesse
  • keine Verlässlichkeit mehr gewähren können/wollen
  • kein Pflichtbewusstsein mehr gewähren können/wollen
  • keine Teamfähigkeit mehr gewähren können/wollen (Ungeduld vor allem)
  • keinen Respekt mehr vor Autoritäten
  • keine Folgsamkeit mehr gewähren können/wollen
  • andere Werte als das Unternehmen entwickeln oder bereits haben
  • teilweise eine hohe Fehlerquote bei den Aufgaben
  • Aufgaben scheuen, die lange dauern, eine hohe Qualität oder Konzentration fordern
  • Konzentrationsschwierigkeiten, nur schwer sitzen bleiben können
  • häufiges Fehlen am Arbeitsplatz durch Krankheit

Alle diese Punkte können ambivalent gedeutet werden, entweder als Hinweis auf eine psychische Gefährdung oder als miese Arbeitsmoral.

Was hier passiert: Der innere Richter ermahnt zur Perfektion und Übermenschlichkeit, währen das Selbst um Gnade und Erlass bittet. Werden diese und ähnliche Symptome ignoriert, reagieren viele in nächster Instanz mit einer ausgeprägten Angst vor bzw. wegen Arbeit und Leistung im Job, gern begleitet durch diffuse Angst vor Kontakt mit Menschen (besonders die, die Ansprüche und Erwartungen an einen stellen aka Kunden, Kollegen und Vorgesetzte). So entstanden bei mir Agoraphobie mit Panikattacken. Andere wiederum entwickeln Depressionen bzw. Burnout oder erleben Angstzustände ohne Panikattacken. Wie der einzelne Körper reagiert, ist im Menschen selbst angelegt.

Der Selbsttest bzw. Eine einfache Methode, um sich zu durchschauen

Depressionen und Burnout können sich auch durch Angstzustände und Panikattacken zeigen

Hinter der anfangs nur leichten Angst verbirgt sich oft die Angst zu versagen – eine naheliegende Befürchtung, wenn unermüdliche Versuche, dem Arbeitgeber seinen Wert zu beweisen, im Vorfeld unternommen wurden. Diese Angst kann auch auftreten, wenn man es als Mitarbeiter mit (für einen selbst) sinnentleerten Aufgaben zu tun hat. Der Drive in Richtung Boreout ist ebenso häufig wie der in Richtung Burnout.

Doch liegt es wirklich NUR am Job? Ist es der einzelne Arbeitgeber und würde es dir besser bei einem anderen Unternehmen gehen? Liegt es an vielleicht ganz anderen Ursachen, z. B. daran, dass du unbewusst innerlich gekündigt hast? Bräuchtest du nur andere, interessantere Aufgaben? Oder fehlt es dir im Job an Anerkennung?

Beantworte aus dem Bauch heraus und ehrlich dir gegenüber (radikale Selbstprüfung!) folgende Fragen:

  • Welche Bedeutung hat Arbeit, Leistung für dich?
  • Welche Bedeutung hat “dieser Job” für dich? Gibt es in dem Unternehmen eine Abteilung, bei der du lieber arbeiten würdest?
  • Was müsste das Unternehmen tun, um dich zu motivieren?
  • Wie hast du dich früher selbst motiviert? (Strategien)
  • Und was genau hat dich motiviert, dort zu arbeiten? (Aufgabenbereich, Ziel/Motiv)
  • Wann hat dir die Arbeit das letzte Mal so richtig Freude bereitet? (Zeitpunkt und Arbeitsbereich bzw. Kollegium o. Ä. bestimmen)
  • Wann brach diese Freude weg? (Zeitpunkt bestimmen)
  • Wann und womit traten Unlust bzw. Gereiztheit, emotionale und geistige Überforderung/Unterforderung das erste Mal auf?
    War z. B. ein Kollege oder ein Arbeitsbereich Auslöser bzw. gibt es sich überschneidende Muster, wann immer du in Angst, Panik oder innere Abwehr, Unlust gerätst?
  • Wie reagiert dein Körper/Geist auf das, was im Job geschieht? (z. B. Anerkennung, die dir geschenkt wird oder neue Herausforderungen, Mitspracherecht oder Entscheidungsfreiräume)
  • Welche Bedürfnisse musst du hintenanstellen, um deinen Job gut zu machen?
  • Für die sehr Reflektierten: Wie reagiert dein Körper auf einzelne Aufgaben, nach dem Kontakt mit bestimmen Kollegen/Personen, morgens/mittags/nachmittags/andere Arbeitszeiten, bei Kontakt oder ohne Kontakt zu Kollegen/Vorgesetzte? Wie reagiert er, wenn Kollegen/Vorgesetzte im Urlaub sind? 
  • Wie reagiert er vor Personalgesprächen?
  • Wie reagiert er auf das, was NICHT geschieht? (z. B. Anerkennung, die dir nicht geschenkt wird, oder neue Herausforderungen, Mitspracherecht oder Entscheidungsfreiräume, Gehaltserhöhungen usw.)
  • Hast du noch Hoffnung, dass du in dem Unternehmen zufrieden werden kannst? Wenn ja, was kannst DU tun, um das zu fördern?
  • WILLST du noch hoffen oder ist deine Hoffnung langsam über die Zeit baden gegangen?
  • Halten dich deine Erfahrungen mit diesem Arbeitgeber davon ab, dir einen neuen zu suchen? Wenn ja, welche genau sind das?
  • Wie siehst du dich durch deine Erfahrungen mit diesem Arbeitgeber heute anders, und wie hast du dich früher gesehen? Sind deine geänderten Ansichten zu dir und deinen Fähigkeiten, Befähigungen, Talenten und Charaktereigenschaften geprägt durch diese Erfahrungen?
  • Was ist der Hauptgrund dafür, dir keinen anderen Arbeitgeber zu suchen?
  • Findet sich dieser Hauptgrund als Attribut auch in der Art und Weise, wie du dich als Arbeitnehmer behandelt fühlst? (z. B. nicht qualifiziert genug für andere in deiner Branche & nicht respektiert werden im Job)

Motive und Motivationen

Wenn es noch Motive gibt, aber keine Motivationen mehr, nach ihnen zu handeln, dann haben wir resigniert. Denn innerlich meinen oder wissen wir, dass es nichts brächte, uns zu engagieren oder tätig zu werden. Zu viele Hindernisse stehen zwischen der Arbeit/unserer Leistung und der Erreichbarkeit unseres Ziels. Können wir unser Ziel nicht mehr erreichen, z. B. nichts damit bewirken oder nicht das, was wir damit bewirken wollen, dann besteht auch keine Motivation mehr, diese eine Arbeit zu leisten.

Solltest du dich also fragen, wieso du keine Lust mehr auf deine Arbeit hast oder wieso du dich schlecht konzentrieren oder motivieren kannst, das könnte die Antwort sein: Die Tätigkeit ist für dich sinnentleert. In dir entstehen deshalb keine Impulse mehr, keine Motivationen, aktiv zu werden, denn dein Motiv oder Ziel ist in deinen Augen nicht (mehr) erreichbar. Es kann sein, dass du damit richtig liegst. Es kann aber auch sein, dass einige querschlagende Gedanken zu dieser Hürde führen oder du noch andere Motive hast, die du verdrängst oder die sich immer stärker melden.

Versagensangst zu haben und diese sich selbst gegenüber zu widerlegen ist eine Motivation. Dann würdest du arbeiten, um einer Firma aka dir zu zeigen: Ich schaffe das! Ich kann das! Ich bin gut. Glaubst du aber innerlich nicht wirklich daran, sondern denkst, du würdest es sowieso nicht schaffen oder es wäre an Arbeitspensum zu viel oder zu schwer, dann suchst du in der Firma nach genau dieser Bestätigung: Du kannst es nicht. Du reichst nicht.

Sich zu beweisen in seinem Wert (“Ich bin es wert! Ich habe diese Position/diesen Job verdient!”) verbinden wir mit einer Rückleistung: Was wir dafür bekommen (oder hoffen, zu bekommen), z. B. Ansehen, Status, Geld, Attraktivität, die in eine Partnerschaft führen würde usw. Dieses Ziel rührt oft aus Mangeldenken her (Ich bin es noch nicht wert. Noch habe ich es mir nicht verdient. Ich muss es mir noch verdienen!). Je mehr wir vor etwas fliehen wollen, desto mehr ziehen wir an, was wir schon haben oder – in diesem Fall – glauben, noch nicht zu haben. Wir müssten unser Denken ändern und in uns etablieren, dass wir wertvoll sind, statt andere als unseren Spiegel zu wollen, die uns zeigen: Das bin ich … (also wert)!

Geld und Existenzangst ist ein weiterer Grund, wieso wir unsere Arbeit nicht schätzen. Wenn uns nichts anderes übrigbleibt, als zu Ja und Amen zu sagen, ein für uns unbedeutenden Job zu machen, dann bleibt nur die Motivation: UM GELD ZU VERDIENEN. Vielen reicht dieser Grund. Anderen hingegen wäre es möglich, sich einen ähnlichen Job zu suchen, aber bei einem anderen Arbeitgeber mit besseren Konditionen. Wir nehmen diese Ursache Geld und Existenz leider viel zu oft als Ausrede, um nicht handeln zu müssen – auch weil wir zu faul sind, nach BEDEUTUNG für unser Leben in der Welt Ausschau zu halten.

Wieso wir uns trauen müssen, zu kündigen, wenn es nicht passt oder: Ein Job, den du liebst

Am Ende des Tages entscheidet, was Viktor Frankl einst als Buchtitel wählte: Wer ein “Wozu” hat, erträgt fast jedes “Wie”. Wer seinen Job nicht wechseln kann, dem bleibt nur übrig, sich jede noch so kleine, dankbare Sache in der momentan Situation zu suchen, an der man sich festhalten kann. Wenn etwas im Job Freude bringt, z. B. einige Kollegen oder der kurze Arbeitsweg, dann kann bereits das die Motivation, dort weiterzuarbeiten, nähren. Nach diesen kleinen Freuden muss man dringend suchen; man muss sie dringend finden – was mitunter heißt: zuzulassen, sie zu erkennen.

Wer hingegen Alternativen hätte, um die er sich lediglich nicht kümmern mag, weil sie anstrengend sind, mit Ablehnung verbunden oder mit erneuten Leistungsbeweisen, bei denen man versagen könnte, darf sich das ruhig vor Augen halten. Es ist für kaum jemanden der liebste Zeitvertreib, sich einen neuen Job zu suchen, die vielen Bewerbungsprozesse durchzuhalten, wenn man denn eingeladen wird. Man muss die Ablehnungen und Aufregungen vor Bewerbungsgesprächen ertragen lernen, denn sonst wird sich nichts ändern. Wenn sich nichts ändert, stagniert das Leben. Das kann krank machen, für Unruhe, Lustlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Fehler und schlaflose Nächte sorgen – weil man Herausforderungen scheut. Wer weiß, was der Impuls für die Jobsuche an Gutem bringt?

Wenn man es nicht versucht, wird man es nie erfahren – weil man zu beschäftigt damit ist, das Ungute ertragen zu lernen.

Wieso ein Vision Board nicht ausreicht, um deine Ziele umzusetzen: Was du noch brauchst

Wieso ein Vision Board nicht ausreicht, um deine Ziele umzusetzen: Was du noch brauchst

 

Vision Boards sind beliebt, um sich seine Ziele und Träume vor Augen zu halten. Diese Zielcollage wird dann sichtbar aufgehängt, um seine Wünsche und Träume nicht mehr aus den Augen zu verlieren. Sie sind also Zielcollagen, die deine Motivation schüren sollen, damit du deine Ziele umsetzt. Man erstellt sie mit Papier, Schere, Klebstoff, Ausschnitten aus Zeitungen und Magazinen oder Ausdrucken digitaler Bilder. Oder man wählt eine der unzähligen Apps und Software im Internet, u. a. Pinterest zur Erstellung seines Vision Boards, auch Dream Board genannt.

Doch wie erreicht man seine Ziele auf diesem Vision Board und was genau blockiert dann trotzdem, wo das Vision Board doch so schön geworden ist? Es sind, wie sollte es anders sein, Ängste – getreu dem Sprichwort: Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst. Es könnte wahr werden (und macht dir deshalb schon im Vorfeld eine Heidenangst).

 

Das Vision Board: Deine große Vision für deine Zukunft

kläre die Ängste hinter deinen Träumen und Wünschen

Beispiel für ein Vision Board | Foto: www.dabble.co

Oberflächlich betrachtet ermöglicht ein Vision Board nicht nur die Rückerinnerung an vergangene oder verdrängte Ziele, sondern auch an Träume, die im Alltag in Vergessenheit gerieten. Neurowissenschaftlich gesehen ist so ein Board ein erstaunlich kraftvolles Instrument, denn es beinhaltet deine Werte und Ideale. Es fungiert als visualisierte Bucket List: Dinge bzw. Erlebnisse, die man in seinem Leben noch erreichen möchte, bevor man stirbt. Gleichzeitig ist sie weit mehr als nur eine Collage, denn sie reduziert dein Leben auf eine sogenannte Big Vision, eine große Vision: deine.

Es bleibt nicht erspart, sich mit seinen Zielen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen: Was man sich sehnlichst wünschte, früher, als man noch jung war, unverheiratet oder kinderlos. Oder das Board beinhaltet Pläne und Ziele für das aktuelle Jahr. Ein Vision Board ist ganz allein deins und du entscheidest, wie du es gestaltest. Es hilft dir dabei, deine gesetzten Ziele zu erreichen.

Definiere deine Ziele.

Manchmal fällt es schwer, sich an seine vergessenen Ziele, Träume und Bedürfnisse zu erinnern. Was hilft, ist sich inspirieren zu lassen. Nimm ein paar alte Zeitschriften, Magazine oder „blättere“ im Internet in kostenfreien Fotobörsen wie z. B. unsplash.com oder pixabay.com. Nutze dir Bildersuche, falls du ein Ziel benennen, aber nicht so recht visualisieren kannst.

Definiere einen oder mehrere Leitsätze.

Mit diesen Bildern formulierst du nun Leitsätze.

Wenn du dir eine geborgene und liebevolle Beziehung wünschst, aber häufig an den „falschen“ Partner gerätst, könnte dir mein folgender Leitsatz nutzen: Ich halte Ausschau nach emotional erfüllenden, sanften, zärtlichen, geborgenen, ehrlichen und nahen Momenten mit einem neuen Partner, in denen ich liebe und von dem ich mich lieben lasse.

Falls du einen beruflichen Wunsch hast, zum Beispiel eine Neuorientierung, aber nicht so recht weißt, wo du anfangen sollst, könnte dir dieser Leitsatz helfen: Ich lebe meine Bestimmung und vertraue darauf, dass sich mir die nächsten Schritte von allein zeigen.

Falls du auf Wohlstand oder mehr finanzielle Fülle aus bist, könnte dieser helfen: Ich bin umgeben von Reichtum. Geld fließt aus allen Richtungen zu mir. Ich bin bereit, das mir bestmögliche Leben zu leben. 

Die Leitsätze sind nie mit Modalverben gefüllt: kein müssen, sollen, wollen, möchten, hätte, könnte usw. Du formulierst sie in der Gegenwartsform, nicht in der Zukunftsform mit „werde“, sondern mit „bin, habe, tue/mache, kreiere, liebe, erschaffe, handle usw.“.

Solche Leitsätze kannst du entweder im Kopf formulieren oder aufschreiben, hinten auf das Vision Board kleben oder mit Erinnerungswörtern wie „Liebe“, „Erfolg“, „finanzielle Fülle“ etc. als Teil der Collage versehen, zum Beispiel durch Überschriften aus Zeitschriften.

Spätestens, wenn die Collage fertiggestellt wurde, fragen sich die meisten Menschen, wie sie nun die dortigen Ziele und Träume verwirklichen können. Wo also ist die feine Grenze zwischen Traum und Realität, Wunsch und Handeln, Hirngespinst und Wirklichkeit?

 

Das Fear Board: Ängste als Schwellenwächter deiner Träume

Lloyd Burnett, US-amerikanischer Coach, und sein Fear Board zur Klärung der Ängste, die mit deinen Zielen und Wünschen einherkommen

Das sogenannte Fear Board stammt (meines Erachtens) vom US-amerikanischen Coach Lloyd Burnett. Er rät jedem, der Blockaden bei der Umsetzung seiner Träume und Wünsche verspürt, sich nebst dem Vision Board eine eigene Collage über die mit den Träumen und Wünschen verbundenen Ängste anzufertigen.

Zwar haben die meisten seiner Klienten und Klientinnen exakte Vorstellungen von dem, was sie in ihrer Zukunft manifestieren möchten. Doch scheinbar stehen ihn immer wieder unsichtbare Hürden im Weg, die sie von der endgültigen Verwirklichung abhalten.

„Sei vorsichtig, was du dir wünscht. Es könnte wahr werden.“ So sagt ein chinesisches Sprichwort.

  • Es könnte sein, dass du dir der Kehrseite nicht bewusst bist.
  • Es könnte sein, dass du mit den Konsequenzen nicht umgehen könntest.
  • Es könnte sein, dass du nur einen kleinen Teil des Bildes siehst, statt des großen Ganzen.
  • Es könnte sein, dass dein Ziel mit Opfern verbunden ist.
  • Es könnte sein, dass für deine Zufriedenheit nach der Erfüllung deiner Träume noch einiges zu erledigen ist,

zum Beispiel Ängste zu überwinden.

 

Beispiele sind diese:

Sagen wir, du träumst von einem Haus am Meer. Dafür müsstest du deine jetzige Stadt verlassen und damit auch deinen Freundes- und Bekanntenkreis, deine Arbeitsstelle. Vielleicht würde dein Partner/deine Partnerin nicht mitkommen (wollen/können). Dort am Meer bräuchtest du so oder so bald neue soziale Kontakte, sonst wärst du ziemlich einsam. Auch wenn das Meer zutiefst befriedigt, so ersetzt es keinen warmen Kakao mit einer Freundin, wenn alles brennt. Außerdem ist ein Haus immer mit Kosten verbunden, für die du finanziell gewappnet sein musst. Du bräuchtest auch einen neuen Job und müsstest obendrein eventuell noch saisonale Urlauberstürme ertragen. Möchtest du, dass dein Haus am Meer dann auch noch in einer warmen Region liegt, müsstest du sehr sicher in den tiefen Süden von Europa, wo du eine neue Sprache bräuchtest, um dich zu verständigen. Falls du ein Kind hast, müsstest du es aus seiner Umgebung reißen und bei getrennt lebenden Eltern würde das andere Elternteil sein Kind sehr viel weniger sehen, was mindestens zwei Beteiligte (ihn und das Kind) wehtun könnte. Sie könnten wütend auf dich sein oder dir Ärger machen, den du fürchtest. Du könntest zu glauben beginnen, dass du einzelne Neubeginne nicht bewältigen könntest.

Oder sagen wir, du wärst gern selbstständig, aber weißt nicht, „ob es wirklich etwas für dich wäre“. Du träumst davon, einen eigenen kleinen Laden in der Innenstadt zu haben oder als digitaler Nomade die Welt bereisen zu können, wann und wie lange du möchtest. Erneut zieht es Konsequenzen nach sich, für die du gewappnet sein solltest, z. B. Existenzängste, weil irgendwoher der Lebensunterhalt kommen muss oder bislang fehlende Akquise- und Marketing-Kenntnisse.

Jeder Traum birgt Herausforderungen. Einige meistert man währenddessen, Schritt für Schritt. Für andere wiederum braucht man einen Plan B, falls der Plan A nicht aufgehen sollte. Als ich mich selbstständig als freie Autorin machte, hatte ich einige Monate ohne Schlaf bewältigen müssen, weil ich fürchterliche Angst hatte, finanziell nicht überleben zu können. Dabei hatte ich bereits einen sehr guten Grundstock. Dennoch bringt auch das Veröffentlichen über einen Verlag seine Hürden mit sich, zum Beispiel Medienarbeit, für die man bereit sein muss. Sich zeigen, eventuelle Kritik einstecken und wegstecken können, unterwegs zu Lesungen sein, währenddessen man Betreuung für die Kinder oder Tiere braucht, sich einer breiten Öffentlichkeit stellen, Rede- und Auftrittsangst überwinden usw.

Welche Hürden auf dem Weg zur Erfüllung deiner Träume fallen dir ein? Was bringt dein Traum an Opfer mit sich? Welche kannst du bewältigen? Bei welchen wird dir übel? Welche Menschen kennst du, die dir helfen könnten, bestimmte Ängste zu überwinden, die mittendrin auftauchen?

Unser Unterbewusstsein ist ein schillerndes Feld aus Erfahrungen und verborgenem Wissen. Es weiß genau, was du glaubst, zu können, wo es hapert oder was dir mehr als nur schwerfällt und was dich verletzen würde. Die inneren Blockaden kommen nicht nur vom inneren Kind, wie es die Psychologie oft meint. Wir kennen uns tatsächlich besser, als wir meinen. Haben wir erst einmal unsere Ängste, die mit dem Ziel, der großen Vision, in Verbindung stehen, extrahiert, können wir uns an die Lösungen und Bewältigung machen.

Für den Moment bitte ich dich, dich deinen Ängsten zu widmen. Schreibe sie alle auf. Gehe bewusst mental einmal in die „erfüllte Welt deines Traumes“.

  • Welche Aufgaben bringt er mit sich?
  • Wie steht es dann um dein soziales Umfeld?
  • Was würdest du ggf. verlieren?
  • Welche Bereiche deines Lebens müssten sich ändern, damit dein Traum sich entfalten kann?
  • Wozu bist du (noch) nicht imstande?
  • Wobei bräuchtest du dringend Unterstützung?
  • Was müsstest du noch lernen, bevor es richtig losgehen kann?

 

Das Solution-Board: Lösungen für Ängste

Das zu den vorherigen Boards passende Solution Board, eine Lösungscollage, ist eine Erweiterung von mir. Ich entwickelte diese Idee, als ich mich auf die Suche nach Möglichkeiten begab, wie ich meine Herausforderungen und Ängste in Bezug auf meine Träume überwinden könnte. Bei dieser Lösungscollage stellt man

seine Visionen – seine Ängste in Verbindung mit den Visionen – passende Lösungen

gegenüber. Das kann man sowohl tabellarisch machen oder als Mindmap oder formlos und in Stichpunkten. Der Fokus bei diesem Board liegt auf gezielten Maßnahmen und Möglichkeiten der Unterstützung in Bezug zu jeder einzelnen Vision, nicht der gesamten, und der damit verbundenen Angst.

Wenn du beispielsweise alte Muster bei deiner Partnerwahl auflösen möchtest, könnte die Gegenüberstellung so aussehen:

 Traum  Ängste  Lösungen
gegenseitige, erwiderte Gefühle Ich könnte mich wieder verrennen und täuschen. Ich achte von Beginn an auf alle Signale.
  Ich achte auf Offenheit, Klarheit und Taten statt Worte.
  Ich achte auf Gegenseitigkeit.
Wenn ich bemerke, dass der Mensch zögert, könnte ich erneut zu viel geben/ klammern, aus Angst. Ich bleibe ruhig, wenn mir das auffällt.
Ich setze eine Zeitspanne, in der derjenige sich öffnen kann.
Ich suche keine Schuld – nicht bei ihm und nicht bei mir.
Ich akzeptiere, falls derjenige wenig Interesse hat, und löse mich.

 

Wenn du dich zum Beispiel selbstständig machen möchtest, könnte die Gegenüberstellung so aussehen:

 Traum  Ängste  Lösungen
erfolgreiche Selbstständigkeit als … finanzielle Engpässe Ich baue die Selbstständigkeit nebenberuflich auf, bis sie eine stabile Grundlage hat/ich sparen konnte.
Ich konzentriere mich auf passives Einkommen.
Ich erwirtschafte noch durch andere Tätigkeiten Geld.
sich zeigen müssen Ich habe Talente, auf die ich stolz bin.
Ich frage meinen Bekannten- und Freundeskreis, wie ich einzelne Hürden meistern könnte.
Ich beauftrage einen Coach, der mir bei der Überwindung meiner Angst hilft.
Ich gehe Schritt für Schritt und lerne, meine Angst auszuhalten.
Ich überlege mir Reaktionsschemata, falls ich Kritik ernten sollte.
Versagensangst Ich tue, was in meiner Macht steht.
Ich gebe meinem Leben und meiner Gesundheit Vorrang.
Ich suche mir Unterstützung, zum Beispiel einen Marketing Coach oder eine Agentur.
Ich plane von Vornherein mögliche Interventionen, falls es eng wird, zum Beispiel ein monatliches Budget für Marketing, lese Bücher zum Thema oder erstelle einen Aktionsplan. So bleibe ich in entscheidenden Momenten ruhig.
Ich vernetze mich mit Gleichgesinnten und bitte sie um ihre Erfahrungen und was ihnen hilft.
Ich akzeptiere Loslassen, falls ich alles getan habe, was in meiner Macht stand.

So eine Übersicht lässt sich für alle Träume erstellen, auch für alltägliche Aspekte, wie beispielsweise die Integration von Sporteinheiten in die Woche. Vom Hausanbau über berufliche Ambitionen, dem Haus am Meer, Ferrari oder Partner fürs Leben, dem erfüllten Kinderwunsch oder der besseren Kommunikation mit Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden: Die drei vorgestellten Boards/Collagen können monatlich, jährlich oder lebensbezogen das Tool zur Wahrung und Erfüllung deiner echten Ziele sein.

Die folgende Übersicht soll es dir erleichtern, dir dieser drei Bereiche bewusstzuwerden. Du kannst sie dir hier als druckbare Version herunterladen.

 

Und nun zur Umsetzung

Entweder du erstellst drei Boards, je nach Zeit und Lust, ein Vision Board, ein Board für deine Ängste und ein Lösungsboard. Diese Vorgehensweise wird etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Allein das Finden und Zusammenstellen der einzelnen Elemente kann aufwendig werden. Doch falls du in kreativen Aufgaben aufgehst oder dir bezüglich deiner Träume noch etwas unsicher bist, kann diese Herangehensweise sehr produktiv sein. Entscheide selbst.

Wähle ein passendes Format für dein/e Board/s. Die Boards brauchen einen gut sichtbaren Platz in deiner Lebens- bzw. Arbeitsumgebung. Nur, wenn du sie stets vor Augen hast, vergisst du deinen Weg nicht. Wo kannst du es hinhängen, wo du es stets siehst? Wähle ein Format, was auch seinen Platz in deiner Umgebung finden kann.

Möchtest du es rahmen oder nur mit Klebestreifen oder Fixiergummi an die Wand hängen? Entscheide über diese Schritte.

Entscheide auch, wie „bunt“ oder wie „minimalistisch“ es aussehen soll. Soll die Collage aus vielen Bildern bestehen oder aus wenigen? Möchtest du viele Schriftzüge oder einzelne Wörter selbst auf die Collage schreiben?

Eine andere Möglichkeit, wie alle drei Boards in eins integriert werden können, ist eine Collage zu erstellen. Es hat sich bewährt, zuerst den Traum visuell darzustellen, daneben die Lösung und darunter die damit verbundene Angst. Wie du es anordnest, ist natürlich dir überlassen. Es muss mit deinem Herzen räsonieren und für dich stimmig sein.

Ich wünsche dir viel Spaß bei der Erstellung!

 

Was sollst du noch machen, um deine Phobie & Panikattacken zu überwinden?

Was sollst du noch machen, um deine Phobie & Panikattacken zu überwinden?

 

Wenn ich an die Zeiten mit Agoraphobie und Panikattacken zurückdenke, fallen mir vor allem meine Fehler ein – Fehler, die ich mir und dem Leben, das ich bin, gegenüber beging. Von Selbstbetrug und -verrat, egogesteuertem Denken, der Sehnsucht danach, jemand zu sein – fehlerfrei, selbstlos, be- und geliebt, gut/besser, wichtig und genug –, meine Identität zu gestalten anstatt sie zu erkennen, mir und der Welt etwas zu beweisen bis hin zu radikalen Verbrechen an meinem Körper, Geist und Herzen, war alles dabei. Und dennoch fragte ich mich ständig: Was soll ich denn machen, um meine Angstzustände und Panikattacken zu überwinden?

Besonders diese Fehler führten nach meiner heutigen Einschätzung zu den vielen Angststörungen:

 

Was muss man machen, um Phobien & Panikattacken zu überwinden?

lektionen des lebensAls ich in Therapie ging, war ich ratlos, was ich noch machen konnte, damit die Angst, meine Phobie mit Panikattacken, wieder verschwindet. Ich war blauäugig genug, um anzunehmen, es würde reichen, eine Woche Urlaub zu machen, mich etwas zu bewegen und zu entspannen. Wie lange meine Genesung tatsächlich brauchte und was es bedurfte, damit ich mein Leben wieder in den Griff bekommen würde, war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar.

Ich glaube heute, dass es nicht nur darum geht, im Großen zu handeln und für sich das zu tun, was man am meisten fürchtet, zum Beispiel zu kündigen und sich einen neuen Job zu suchen, in einer Beziehung Ansprüche zu stellen oder seine Bedürfnisse zu artikulieren, seine Verwundbarkeit zu adressieren oder loszulassen, sich zu trennen, wenn dieser Lebensabschnitt zu große Schmerzen bereithält. Es sind sowohl die kleinen als auch großen Schritte, die nötig und möglich sind. Auch wenn ich glaube, dass Loslassen bzw. Rückzug die Antwort für viele Betroffene mit Angst und Panik sein könnte, so muss nicht jeder Schritt ein Bruch mit dem momentanen Leben sein.

Ich hatte aus den ersten zwei Episoden und der letzten Angst- und Panikstörung gelernt, dass mein System Rückzug und Distanz präferiert ­– aus Situationen, in und mit denen ich lebte.

  • Waren sie gut?
  • Reichten sie mir?
  • Wie dienten sie mir?
  • Konnte und wollte ich ihnen dienen?
  • Oder lähmten sie mich?
  • Hielten sie mich ab von dem, was ich mir wünschte?
  • Folgte mein Leben meinen Fähigkeiten, sodass ich sie einsetzen und über sie hinaus wachsen konnte?
  • Oder waren meine Lebensumstände nur „zu viel“ von „zu wenig“?
  • Wo war mein Platz auf dieser Welt und waren die Plätze, die ich einnahm, wirklich meine oder nur Orte, an denen ich geduldet wurde – begleitet durch Bedingungen, die ich zu erfüllen hatte?
  • Liebte ich von Herzen oder war ich mehr damit beschäftigt, meine Angst, nicht geliebt zu werden, abzuwehren?
  • Wie viel Abhängigkeit steckte in meinem Leben?
  • Wie selbstwirksam war ich tatsächlich?
  • Und was war ich bereit, für mich zu tun, um meine Gefühlswelten, samt meiner Angst, zu verändern?

Diese und andere Fragen stellte ich mir und Angst motivierte mich dazu, die Antworten zu finden. Vielleicht zwang sie mich auch. Stell dir doch einmal diese Fragen, nimm dir einen Zettel und einen Stift und beantworte sie dir – frei aus dem Herzen heraus. Vielleicht ergeben sich wertvolle Antworten.

Manchmal reicht es aus, das falsche Selbst, das man wie eine Maske mit sich herumträgt, zu erkennen und langsam aufzubrechen.

  • Was an dir ist wirklich wahr und echt?
  • Bist du wirklich DU – in all deinen Lebenssituationen (Beruf, Familie, Partnerschaft, Freundschaft usw.)?
  • Wo spielst du eine Rolle wie in einem Film?
  • Bist du der Hauptdarsteller/die Hauptdarstellerin oder nur Statist/Statistin?
  • Wo bist du der Regisseur/die Regisseurin?
  • Hast du das Drehbuch geschrieben oder schreibt es dir jemand vor und du bekommst täglich die nächsten Seiten?

Wenn man sich bewusstmacht, wo man in seinem Leben nur handelt, wie andere es von einem erwarten würden, um etwas zu erreichen, könnte man dort den Hund begraben vorfinden. Es könnte sein, dass man eben dort an diesem Ort, an dem zu viele Konflikte oder zu wenig Gefühl vorherrschen, den man irgendwie mag und doch wieder nicht, die Weichen findet, die gestellt werden sollen, damit die Angst weichen kann.

 

Die Symptome sollen weg, aber die Ursachen dürfen bleiben?

ist meine angst nur ein symptom?Wenn man etwas dringend will, ist man zu großen Opfern bereit. Interessanterweise sagt uns unser System, ob es das unterstützen kann oder nicht, und falls ja, inwieweit das möglich ist. Symptome sind ein Zeichen dafür, dass die Antwort Nein lautet. Doch manchmal sind Symptome so verworren, dass man die Antwort nicht versteht. Man weiß, man sollte sich aus Selbstrespekt trennen oder müsste dringend kündigen oder lernen, sich ernst zu nehmen oder weniger wichtig – aber stets glaubt man zu sehen, dass Angst und Panik einen davon abhalten wollen. Sie sagen stattdessen: Geh nicht raus! Geh nicht ins Restaurant vor anderen essen! Du musst perfekt sein, sonst wirst du durchfallen oder den Job verlieren! Du darfst keine eigenen Bedürfnisse haben, Wünsche und Träume für dich, sonst bist du zu kompliziert! Du darfst dich nicht aufregen und dem anderen deine Wut und Enttäuschung zumuten: Also sei nicht so unerhört und dreist! Deine Wut darf niemand sehen! Wenn du das machst, endest du mutterseelenallein! und so weiter und so fort.

Angst redet einem vieles ein, dass leicht verständlich scheint, doch in Wahrheit umständlich, aber clever verpackt ist. Man könnte auch sagen, Angst spricht ihre eigene Sprache. So wie mit Fremdsprachen auch, muss man sie lernen und üben. Erst dann wird man von Tag zu Tag besser, kann sie verstehen und anwenden. Wenn man sie einigermaßen beherrscht, sieht man sie auch an anderen: die Angst, die sie leitet – die, die sie selbst anderen und sich machen und die, die von anderen (absichtlich und unabsichtlich) gemacht wird. Angst kann aber nur dann wirken, wenn etwas auf dem Spiel steht: ein Wert, der bedroht wird oder bereits verlorengegangen ist. Würde man mit ihm nichts verbinden, käme Angst nicht auf. Selbst wenn man es schaffte, die Symptome bzw. die Angst zu überwinden, bliebe die Ursache, insofern sie nicht körperlicher Natur ist, noch immer vorhanden: der Job, der einem nicht gerecht wird, die Partnerschaft, in der man sich auseinandergelebt hat, die Einsamkeit, die auch ohne Angstzustände und Panikattacken leise flüstert, man wäre unwichtig und hätte in der Welt – draußen – nichts zu suchen und zu geben, der Anspruch an sich selbst, wenn man Eltern wird, oder die Angst vor Unfreiheit. Die wahren Ursachen bleiben auch ohne Angst bestehen. Nur weil es schwerer erscheint, die Ursache zu erkennen, und vermeintlich leichter, die Symptome zu bekämpfen, sollte man das erstere dennoch suchen.

Als ich begann, mich statt auf die Bewältigung der Symptome auf die Klärung der Ursache zu konzentrieren, ging es leichter voran. Als ich noch mit den Symptomen kämpfte, war ich so sehr auf die gewollte Abwesenheit der Angst fokussiert, dass ich die Auslöser der Angst schlichtweg übersah: Morgendliche Hektik, laute und negative Menschen, zu viel Kaffee und andere Gifte, zu viele und hohe Erwartungen an mich, die Druck auslösten (auch die Erwartungen, die ich selbst an mich stellte), um nur einige zu nennen.

Es kann sich lohnen, alle Umstände vor und während einer Angst- oder Panikattacke aufzuschreiben und sich ihre Muster anzusehen, bis ins kleinste Detail zu erfassen, und seien sie noch so unwichtig und banal. Einer meiner Klienten war beispielsweise immer in geschlossenen Räumen, auch im Auto als eigenständiger Raum, wenn er Angst vor der Angst bekam, nie draußen. Selbst wenn er sich in der Öffentlichkeit befand und in Gedanken bei seinem Job, in seinem Büro, mit seinem Chef gegenüber, war, war er in Wahrheit nicht aus der belastenden Situation „raus“.

Eine Klientin, frisch geschieden, war oft beruflich unterwegs, hatte ihre eigenen beruflichen Träume aber schon lange begraben und suchte nach ihrem Platz an einem Ort, der nie ihrer sein würde. Sie war aber froh, wenigstens ihren Job zu haben, auch wenn er nicht ihren Fähigkeiten gerecht wurde. Als Kompensation rauchte sie viel und oft auf den Fahrten zu Geschäftstreffen in ihrem Auto, vor den Terminen und danach. Und immer dann kam die Angst.

Eine andere Klientin hatte Panikattacken, immer wenn ihr Menschen/Situationen Gefühle, die sie nicht hatte, abringen wollten: Partner, die nicht zu ihr passten, ihre Mutter, die mehr Anerkennung und Zuwendung forderte, als sie bereit war zu geben, ein Job, der sicher war, aber sie nicht erfüllte. Sie gab sich Mühe, es oberflächlich allen rechtzumachen, obwohl sie wusste, dass sie nicht mehr nur für andere da sein wollte – jedenfalls nicht unter fremden Bedingungen und mit unausgesprochenen Drohungen und Konsequenzen für ihr Leben: Verlust und Ausschluss. Sie vermied Schuld und Scham in allen Situationen, weswegen Angst sich als Symptom zeigte. Überwinden musste sie aber etwas Anderes als Angst, nämlich ihr Empfinden von Scham und Schuld und ihren Umgang mit diesen beiden Gefühlen.

Wieder ein anderer Klient erlebte nach viel Alkohol und Tabak – einen Tag nach dem Konsum – starke Angstzustände. Sein Körper war nur damit beschäftigt, die Gifte auszuleiten und sich zu reinigen. Seine Hormone waren außer Rand und Band und dementsprechend seine Stimmung am Boden. Er musste sich fragen, wieso er so stark trank und rauchte. Er wollte vergessen, seinem Leben, so wie es war, kurz entgleiten und in eine andere, ausgelassenere und friedlichere Welt flüchten, sich vermeintlich mit Alkohol und Zigaretten nähren und wärmen. Doch die wahre Wärme und Nahrung für sein „System“ waren Änderungen an seinem Denken, Fühlen und Handeln.


Aus meinem Buch:

101 Wege aus der Angst. 101 Strategien, um Angstzustände und Panikattacken zu überwinden (2018). Independently published. 116 Seiten.

Klappentext: Seit ihrer ersten Panikattacke 2008 sucht die Autorin nach Wegen, um Angstzustände und Panikattacken zu überwinden oder wenigstens zu schwächen, um das Leben wieder lebenswert zu machen. Dieses kleine Buch vermittelt 101 Möglichkeiten, die sie bisher fand: aus eigener Erfahrung, von anderen Betroffenen und Experten aus der ganzen Welt. 101 Wege stellen Mini-Interventionen, kleinere und größere Lebensänderungen, Strategien und Techniken vor. Sie ermöglichen Betroffenen außerdem, tiefer in ihre Situation einzutauchen und nicht nur die Symptome zu betrachten, sondern auch mögliche Ursachen.

Verfügbar als Taschenbuch (Amazon) und E-Book (Amazon, Hugendubel, Weltbild & andere Shops).