Will er/sie nur Sex oder hat er/sie echte Beziehungsangst? Daran erkennst du es

Will er/sie nur Sex oder hat er/sie echte Beziehungsangst? Daran erkennst du es

Ein ausschließlich rein sexuelles Interesse, als lang andauernde Affäre oder Casual Sex, muss nicht zwingend ein Zeichen für Beziehungsangst und Bindungsangst sein, aber kann darauf hindeuten. Deshalb werde ich im Zuge meiner Arbeit von meinen Klientinnen und Klienten oft gefragt, woran man denn erkennt, wann jemand nur Sex möchte oder sich sogar mit einer vermeintlichen Bindungsangst herausredet (vorzüglich aufgrund negativer Beziehungserfahrungen, die so schwerschwiegend wären, dass man einfach nicht aus seiner Haut könne).

In diesem Beitrag fasse ich allen, die sich den Kopf darüber zerbrechen und unter einer solchen Situation leiden, die wichtigsten Signale für ein rein sexuelles Interesse, ohne dass er/sie den Wunsch nach einer Partnerschaft mit dir hat, zusammen. Im Anschluss gebe ich dir außerdem einen präzisen Einblick, ab wann nur Sex auf Beziehungsängste und komplizierte Bindungsstile hinweist sowie ein paar Wege, wie du diese Situation als Betroffene/r meistern kannst.

Nur Sex wollen oder Angst vor Liebe und ernster Beziehung?

wann er nur sex will und wann er angst hat vor einer ernsten beziehung
Will er/sie nur Sex oder steht da wirklich eine Angst vor Liebe und Beziehung im Weg zum Glück?

Vorweg möchte ich eins sagen: Im Kontrast zu dem, was viele denken, trifft ein rein sexuelles Interesse heute nicht mehr nur auf Männer zu, die dann die Bösen sind und Frauen nur ausnutzen wollen, wenn sie Lust haben und vögeln wollen. Es ist auch nicht der Fall, dass Beziehungsängste oder negativ wirkende Beziehungsstile (dazu unten mehr) Frauen nicht träfen. Im Gegenteil: Ich beobachte in meiner Arbeit immer öfter diese Fälle.

Folgendes möchte ich allen, die gerade auf der Suche nach mehr Einblicken und Impulsen sind, mitgeben, bevor wir uns den Signalen widmen:

  1. Männliche Beziehungsängstliche bewegen sich immer mehr zwischen 25-35 Jahren und ab 45+. (Es sind die ersten Beziehungserfahrungen oder aber die prägenden wie eine Ehe, die Ängste zu schüren scheinen.) Bei Frauen zieht es sich hingegen durch alle Altersstufen.
  2. Ob es nun an Tinder & Co. des Digitalen liegt und der damit fortschreitenden Einsamkeit oder an der Emanzipation/dem Feminismus und den sich ändernden Rollenbildern und Erwartungen an die Liebe/das Leben: Immer mehr Frauen wollen vorwiegend oder nur Aufmerksamkeit und suchen kurzzeitige Bedürfnisbefriedigung, weil sie sich keine tiefgreifende Partnerschaft vorstellen können, während immer mehr Männer aus Einsamkeit oder geringen Kontaktmöglichkeiten heraus eher zu einer Beziehung tendieren.
  3. Je mehr man abgewiesen wurde, desto mehr greift Wut um. Das zeigt sich vor allem durch aktuelle Bewegungen wie Pick up-Artists, Fucker und Player (nicht meine Begriffe!!! Ich zitiere nur.). Sie haben schon per se das Bedürfnis, aufgrund einer Verletzung oder einem hohen Ego, sich übervorteilt und ermächtigt genug zu fühlen, was tiefe, ehrliche und verletzliche Gefühle wie Liebe in einer Beziehung ausschließt. Denn da geht es automatisch wieder in Richtung Verlustangst.
  4. Dieselben Tendenzen gibt es auch bei Frauen, nur dass wir hier keine Begrifflichkeiten haben, weil wir noch mittendrin sind und Frauen und ihre Rechte gerade sehr in den Himmel gehoben werden (in einigen Aspekten zurecht, aber leider nicht immer, denn auch unter Frauen gibt es schwarze oder unsensible, egoistische Schafe).
  5. Aber: Bei Beziehungsangst geht es nicht nur darum, verletzt zu werden. Viele entscheiden sich wegen der Angst, selbst jemanden zu verletzen und schuldig zu sein oder sich zu schämen, gegen eine Beziehung. Zum Beispiel wissen sie, dass sie nur schwer treu sein können oder einige Wünsche des Anderen nicht erfüllen können/möchten. Das hat mit mangelndem Liebesgefühl dann wenig zu tun, sondern mit Persönlichkeitsstrukturen und eigenen Zielsetzungen. Niemand ist gern der Böse.
  6. Nicht selten, so traurig es auch ist, wird Beziehungsangst oder die Angst, sich zu binden, als Ausrede benutzt, um potenzielle Partner (hier vorwiegend Frauen) hinzuhalten. Es endet dann oft in On-Off-Beziehungen, in denen der vermeintliche ängstliche Teil die Vorsicht der Frau dann nutzt. Hier wird Verlustangst und Hoffnung ausgespielt. Falls dich das trifft. Lies dir bitte die unten stehenden Signale und Abgrenzungen zur Beziehungsangst besonders gut durch.
  7. Es gibt nicht nur Verlustangst als Ursache für Beziehungsangst, weshalb sich jemand für eine rein sexuelle Beziehung entscheidet. Es kann auch sein: Angst vor Liebe im Allgemeinen, keine guten Vorbilder für eine gelingende und gesunde Partnerschaft in der Vergangenheit, Angst vor Trennung (sich selbst zu trennen, den anderen nicht allein lassen zu dürfen, aber es wollen/mitunter müssen, Angst vor Nähe (emotional bei Männern, sexuell oft bei Frauen), Selbstwertängste (nicht genug oder gut sein, negative Glaubenssätze “Für mich gibt es keine Liebe.”, auf lange Sicht eine Partnerschaft nicht aufrechterhalten zu können), Angst vor Selbstverlust (und im Umkehrschluss sich hintenanstellen müssen oder etwas Schlimmes geschehe), Angst vor spezifischen Ereignissen wie Untreue, psychischer und emotionaler Missbrauch (besonders bei stark egoistischen/narzisstischen Beziehungserfahrungen).
  8. Damit ist auch klar: Es gibt Menschen, die weder etwas von Monogamie halten noch dafür gemacht sind, so, wie es Menschen gibt, die nichts von dem Konzept der Ehe halten oder keine Kinder möchten. Das kann man verteufeln oder akzeptieren. Das hat auch seine angstbasierten Ursachen, ja, aber deutet nicht zwingend auf Beziehungsangst hin. Jemand kann sich keine Kinder wünschen und dennoch eine Partnerin suchen oder nicht heiraten oder zusammenziehen wollen und trotzdem in einer Partnerschaft leben.

Signale, dass er/sie nur Sex möchte

Daran erkennst du, dass er/sie nur Sex von dir möchte

An einem rein sexuellen Interesse muss erst einmal nichts falsch sein. Doch viele tendieren zu dem Rückschluss, dass sie nicht gut, genug oder xyz wären, weshalb jemand keine Beziehung mit ihnen möchte. Da bemerken wir “nur” die unterschiedlichen Vorstellungen beider Menschen.

Und: Wir alle kennen Situationen, in denen zwischen Menschen die Funken sprühen. Nicht selten ist es doch eben diese Chemie, die uns dazu veranlasst, dass wir länger durchhalten, als wir eigentlich wollen/sollten, oder uns magisch zu jemanden hingezogen fühlen, obwohl alle Umstände gegen eine exklusive Beziehung sprechen. Wer sich damit abfinden kann, wunderbar. Wer sich aber mehr wünscht als nur Sex, nämlich Perspektive auf eine Partnerschaft, der muss sich zwangsläufig entscheiden: entweder hop oder top.

Was aber vielen passiert, ist, dass sie in einen Wartemodus geraten oder sich beginnen, zu sehr zu bemühen, sich zu beweisen oder gar Vorwürfe zu verteilen. Nun ist es leider so, dass nicht jeder seine reinen sexuellen Motive offen auf den Tisch legt. Für solche Situationen gibt es daher eine Handvoll Signale/Hinweise, die in Mehrfachkombination zeigen, woran du bist:

Zweckkommunikation und Zeiten langer Stille: Er/Sie meldet sich nur wegen Sex und redet ansonsten kaum oder gar nicht mit dir? Oder läuft jedes Gespräch, dass er/sie initiiert, auf ein Treffen für Sex hinaus? Dann geht es auch nur um Sex.

Pimp my ego Oder: Er/Sie meldet sich nur, wenn er/sie allein, gelangweilt oder schlecht drauf ist: Nicht nur die Libido veranlasst viele, Kontakt aufzunehmen, auch Zeiten, in denen man sich einsam, gelangweilt, ohne Anerkennung und Aufmerksamkeit wiederfindet oder Abwechslung zum Leben braucht. Sex ist dafür ein Mittel, weil durch Hormone wie Oxytocin und Endorphine die Laune angehoben wird. Letzten Endes aber vermag Sex, deshalb ist er auch so gesund laut Wissenschaft, tatsächlich geistig und körperlich gesund zu halten, verbunden statt ausgeschlossen, angenommen statt abgelehnt. Es ist eine Form des sozialen Kontakts und dieser tut gut.

Du kennst ihn/sie sexuell, jeden Zentimeters seines/ihres Körpers, aber darüber hinaus nichts? Auch umgekehrt ist diese häufige Verhaltensweise ein Zeichen für ein rein sexuelles Interesse, nicht aber zwingend für Beziehungsangst.

Dich nicht kennenlernen wollen: Er/Sie hat kein Interesse an dir als Mensch und Mann/Frau, stellt dir keine Fragen zu deinem Leben, Beruf, deiner Familie, deinen Freunden, Interessen und deiner Vergangenheit? Er/Sie will nichts über deine Gefühle oder Eigenarten wissen oder wie du deinen Kaffee trinkst, welche Küche du am liebsten magst oder worauf du allergisch reagierst? Auch das ist ein eindeutiges Zeichen für “nur Sex”. Denn dabei geht es dem/derjenigen nur um sich und dass er/sie bekommt, was er/sie will. Interesse aber ist eine Form des Gebens. Es zeigt Wertschätzung an der Person.

Er/Sie lässt dich nicht an seinem/ihrem Leben teilhaben: Umgekehrt funktioniert es leider genauso. Wenn dir die Person keine Fragen zu sich beantwortet, jedem normalen Gespräch aus dem Weg geht oder durch sexuelle Handlungen vereitelt zum Beispiel. Auch wenn Treffen zu normalen Zeiten für sie/ihn so gar nicht gehen, darfst du Abstand nehmen, wenn du auf der Suche nach Liebe bist. Klassiker sind: nachts anrufen oder schreiben, weil er/sie vorbeikommen will, ausschließlich Mo-Do zeitlich verfügbar sein, weil das Wochenende für enge Menschen reserviert ist usw.

Er/Sie ignoriert deine Bedürfnisse und Bedürftigkeit: Du hast schon mehrfach angesprochen, dass dir bestimmte Sachen wehtun und du andere Vorstellungen hast? Er/Sie hat vielleicht kurz gesagt, dass das in Ordnung ist oder es ganz neutral und akzeptierend angenommen (Ich weiß ja, wie du bist/was du dir wünschst. Deshalb mag ich dich ja so sehr!), aber danach fühlt es sich so an, als hätte es das Gespräch nie gegeben? Er/Sie verfällt in die alte Spirale? Wer jemanden wirklich mag, der achtet auf seine/ihre Grenzen und vermeidet es, ihn/sie zu verletzen. Punkt.

Zeitlich begrenzte Zweisamkeit und keine anderweitigen Unternehmungen: Auch wenn Sex die einzige Unternehmung ist, die vom Anderen zugelassen wird, kann man sich sicher sein, dass es auch die einzige Unternehmung ist, die gewollt ist. Leider. Meistens auch noch zu Zeiten, die er/sie bestimmt. Hast du keine Zeit, Pech für dich, denn dann siehst du ihn/sie nicht? Eine Beziehung oder eine, die es werden soll, besteht aus mehr als Sex und Intimität und diese Zeiten gehören dem Vertrauensaufbau, Kennenlernen und gemeinsam und zusammen sein, präsent und voll auf den anderen eingelassen. Nicht nur körperlich. Vor allem, wenn der/diejenige nach dem Sex gleich aufsteht oder aber nach Hause, dich aus dem Bett scheucht oder wenig Sinn für Kuscheln etc. hat, weist es auf rein sexuelles Interesse hin. (Einwurf: Mitunter gibt es hier kleine, feine Unterschiede zu Beziehungsangst, die aber individueller Natur sind. Ich zum Beispiel kann morgens nicht ewig im Bett kuscheln, weil ich Tiere habe, die essen brauchen. Einige empfanden das als Abweisung, wobei es sich nur um mein Bedürfnis handelte, sie versorgt zu wissen. Solche Situationen, insofern lebensbedingt und nicht charakterabhängig, bitte ich zu unterscheiden.)

Warten im Bett auf bessere Zeiten: Viele bemerken die Ausreden entweder nicht oder aber haben Angst, zu früh aufzugeben. Dabei ist es eine Hinhaltetaktik.

Hinhalten und viele Ausreden: Wer immer wieder dasselbe sagt und nichts anders macht, der darf auch kein anderes Ergebnis erwarten. Und braucht dasselbe auch nicht vom Gegenüber fordern. Viele halten dich nur hin, weil sie instinktiv schon wissen, dass du den Schlussstrich ziehst. Sie sind quasi darauf vorbereitet, dass das Ende kommt (während Beziehungsängstliche es fürchten), und haben sich deshalb nicht auf dich eingelassen. Aber bis dahin versprechen sie dir alles Mögliche, bringen Kuchen und Kekse oder andere Geschenke mit, damit du weiterhin in deiner Rolle bleibst. Außerdem: Wut zeigt Traurigkeit und somit echtes Interesse an. Nur Gleichgültigkeit seiner/ihrer Entscheidung gegenüber würde ihn/sie treffen. Bist du aber emotional und wünschst dir mehr, zeigt es seinen/ihren Wert und ist eine willkommene Bestätigung. Ein Kompliment, was viele mögen und suchen (so traurig es auch ist).

Ghosting, Gaslighting & Benching: Wer einfach von heute auf morgen verschwindet (Ghosting), der – so die Psychologie – hat Angst, dich zu verletzen, wenn er/sie dir sagt, dass es gefühlsmäßig nicht ausreicht. Und wer zu wenige oder keine Gefühle hat, macht sich auch keine Gedanken um deinen Gemütszustand. Es verschwinden auch nur die, meint die Forschung, die kein tiefes Interesse haben. Beim Gaslighting hingegen bekommst du die Schuld für alles, was ihn/sie daran hindert/abhält, eine Beziehung mit dir zu wollen, was dir den Verstand und das Vertrauen in dich und die Liebe rauben kann. (Hier beginnt auch die Beziehungsangst. Die genaue Unterscheidung zwischen Absicht und Angst aber spürt man genau. Frage dich: Fühlst du dich manipuliert? Wenn ja, ist es nicht Angst.) Benching hingehen ist das Warteabteil, in das du gesetzt wirst, bis ein potenziell besserer Partner für ihn/sie um die Ecke kommt. Deshalb wird nicht viel investiert, weil der/diejenige oft nicht allein sein kann/will und sich deshalb zufriedengibt. So böse es klingt: Es sind viele heutzutage so und auf dem ersten Blick erscheint es leichter für sie. Getreu dem Motto: Lieber irgendwen als niemanden. Während viele Frauen sich aber einreden, der eine (Schwierige) wäre es, sind sie selbst oft versteckte Benchler. (Verzeih! Ich möchte, dass es dir gutgeht.) Denn würde jemand um die Ecke kommen, der sie tatsächlich besser behandelt (als der, weswegen du diesen Artikel liest), wärst du vielleicht ganz schnell weg (zum Glück). Doch ganz ohne Liebe und Verbindlichkeit zu leben, ist eben schwer – für die einen mehr als für die anderen. Als Leseempfehlung macht sich mein Buch “Über die Kunst, allein zu sein” gut >>

Er/Sie weicht Entscheidungen, Urlauben, Kennenlerntreffen mit Freunden und Familie usw. aus: Hier geht es in Richtung Perspektive und gemeinsame Zukunft. Wer dich nicht soweit in sein Leben integriert, dass die Verbindung zwischen euch offenkundig, exklusiv und ernst gemeint ist, der will so eine Beziehung auch nicht. Sie lässt zu viel Verantwortung über die eigene Person hinaus erkennen.

Er/Sie handelt nur (kurz), wenn du drohst, dich zu verabschieden: Du hast schon einmal angekündigt, dass du dich trennst, weil er/sie nur an dir vorbeilebt? Lass mich raten: Genau dann hat er/sie sich verändert und war plötzlich zuckersüß oder lieb, offen für Veränderungen und Unternehmungen und und und. Aber dann schlich sich wieder das Übliche ein und aus war die gute Zeit – und kurz.

Einer der größten Unterschiede zwischen (aktiven) Beziehungsängstlichen und Nur-Sex-Interessierten ist kontraintuitiv: (Aktive) Beziehungsängstliche tendieren dazu, dich ziehen zu lassen, wenn sie durch deine Ansprüche an ihre Grenzen geraten, während Sexinteressierte zu Jägern werden, wenn der Sex droht, ihnen verloren zu gehen. Sie sind nur dann aktiv, wenn sie es müssen. Das kommt auch einem Gewinn, einem Sieg gleich, für den es sich zu kämpfen lohnt. Bei (aktiven) Beziehungsängstlichen hingegen ist diese Aktivität mehr ein Zwang, ihre Liebenswürdigkeit/Person/ihren Wert für dich beweisen zu müssen. Er macht sie mürbe, weshalb sie Nein sagen und dich gehen lassen.

Wann deutet sexuelles Interesse auf Beziehungsangst hin? Schmale Linien

1. Viele mit Angst vor Beziehungen nehmen sich Sex als Mittel der Kompensation: lieber ein bisschen Nähe als gar keine. Sex ist dann ein Weg, seine Gefühle auszudrücken und welche gezeigt zu bekommen, oft sehr innig und hingebungsvoll, liebevoll und zärtlich. Gleichzeitig fühlen sie sich geliebt durch Sex. Nichtsdestotrotz hapert es am Ende des Tages doch am Umgang mit den Gefühlen anderer (wenn sie sie zeigen/ausdrücken) und den eigenen. Hier ist Emotionsregulierung gefragt: Entweder du erlernst als Partner*in zum Beispiel eine Kommunikationstechnik wie die der Gewaltfreien Kommunikation, die dir erlaubt, es anders – für ihn/sie angstfreier – auszudrücken. Oder du lernst, deine Gefühle weniger zu zeigen und mehr auszusprechen, um ihn/sie nicht zu überrennen. Es ist der Ausdruck deiner Gefühle, der dann im anderen Angst auslösen kann. Bespricht man aber seine Gefühle und die, die auftreten durch sein/ihr Verhalten, wird es für den anderen leichter. Ist dein Gegenüber nicht willens, sich mit dir zu unterhalten/dich anzuhören, dann ist es nur sexuelles Interesse. Beziehungsängstliche haben zumeist NULL (meint: 0!!!) Probleme damit, ihre Ängste zu kommunizieren und sei es auch noch so fragmentarisch. Sie wissen, was los ist.

2. Angst ist bei Beziehungen nur ein Folgegefühl, getriggert durch ein anderes: Traurigkeit, Schuld, Scham, Ekel, Wut, Überraschung. Angst ist hier nicht dabei, wie du siehst. Zu sagen, man hätte Angst, sich auf jemanden einzulassen, ist dann das Eine (und daher auch oft gelogen oder aber nicht der wahre Grund für den inneren Rückzug oder die Abwehr). Woran man Beziehungsangst wirklich erkennt, ist, dass oft eine Art Schnitt im Moment, ein plötzlicher Abbruch des Gesprächs, der Intimität oder des Treffens/Anrufs stattfindet. Angst passiert zwar im Hirn, aber wird ausgeübt. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Sie wird selten nur ausgesprochen, sondern vom Körper ausagiert. Du siehst die Angst also, sei es durch Körperempfindungen des Anderen (Zittern, nervöse Hände und Beine, Weggucken und -drehen), Fluchtimpulsen oder Kampfimpulse (wie Wut). Es gilt bei Angst: Totstellen, Flucht oder Kampf. Nichts mit entspanntem Hinsetzen und plaudern über die Angst. Das markiert den Unterschied zwischen angeblich Ängstlichen und wirklich Ängstlichen.

Wann ist Angst vor Liebe und Beziehungen krankhaft

3. Bedrängnis durch Kleinigkeiten statt große Forderungen: Nur-Sex-Interessierte ignorieren so ungefähr alles, was sie ignorieren können. Das funktioniert bei Beziehungsängstlichen (ab sofort mit BÄ abgekürzt) nicht. Uns nerven schon störende Kleinigkeiten. Wir nehmen jede als Zeichen, dass wir recht hatten mit unserer Vermutung und Angst. Wir fühlen uns bedrängt dadurch, uns ändern zu müssen, oder wieder dieselbe Niederlage zu erleiden. Von der Farbe deiner Gardinen, deiner Haushaltsführung, Denkweise bis hin zur Art, wie du mit deinen Kollegen umgehst nehmen wir alles als Indiz, dass du für uns nicht passend bist. Das machen Nur-Sex-Interessierte nicht, weil es sie nicht interessiert.

4. Abwerten der Verbindung (vor dir, sich selbst und Bekannten/Freunden/Familie) ist ebenso ein Klassiker. Bagatellisieren ist ein häufiger Mechanismus zur Abwehr von Angst (siehe auch Verena Kast: Vom Sinn der Angst). Dann sind wir “nur Freunde mit benefits” oder es geht auch gar nicht so tief emotional, so wirklich ist da nichts zwischen uns, das bildest du dir alles nur ein. Eine richtige Beziehung? Geht doch gar nicht mit uns/dir. Überhaupt zu verlauten (weil vorher entschieden), dass du und er/sie in einer offiziellen, exklusiven und ernsten Beziehung seid, ist fast unmöglich bei BÄ. Denn es wird immer Keile geben, die BÄ dazwischen treiben, um die Verbindung zu entwerten, damit der Druck nicht zu groß für sie wird: Plötzlicher Verlust der Lust auf Sexualität ist zum Beispiel ein Klassiker. Der Druck, den BÄ bei Beziehungen (im Allgemeinen übrigens) empfinden, ist immer Auslöser. Ventil ist zum Beispiel Rückzug, Alkohol/Tabak/Drogen, Aggressionen usw.

5. Ein beliebtes Vor-Ventil bei BÄ ist übrigens, sich mit jemandem zu treffen/daten/(sexuell) zusammenzutun, an dem sie von vornherein nur mäßig interessiert sind. Sie können sich so in den/diejenige/n nicht verlieben. Das geschieht unbewusst/unterbewusst, damit sie später sagen können, sie seien nicht verliebt (was auch stimmt). Damit sind sie nicht gezwungen, mit dieser Liebe in eine für sie bedrohliche Beziehung zu gehen. Ich persönlich glaube, man kann sich in jeden Menschen verlieben, wenn man sich nur genug Zeit gibt und aufeinander einlässt. Aber oft suchen sich BÄ unbewusst gezielt Personen, die etwas Abstoßendes oder ein No Go haben. Das können bei Männern die Kinder der Frau sein oder bei Frauen die Freunde des Mannes. Es ist die emotionale/rationale Reißleine für den Notfall. (Mit Sex hat dieser Punkt nichts zu tun.)

6. Narzisstische Persönlichkeitsstrukturen: Heutzutage, ich muss darauf hinweisen, ist nicht jeder Mensch, nur weil er sich im Blick behält oder unter Ängsten leidet, ein Narzisst, Psychopath, Soziopath oder bindungsunfähig, weil er Beziehungen aus Angst scheut.

Ich zum Beispiel hatte Angst vor Beziehungen, weil ich immer zu viel gegeben habe, betrogen wurde oder sich Verhaltensmuster bei meinen Partnern und mir ins Destruktive verselbstständigten. Nicht aber, weil ich narzisstisch veranlagt war. Einen Narzissten (waschecht und klinisch) erkennt man an seiner absoluten Empathielosigkeit. Es vergnügt ihn, wenn du leidest. Er ist beeindruckt, wenn du ihn anhimmelst, aber nicht von dir beeindruckt, sondern von sich selbst. Für einen Narzissten bist du ein gefügiger Spiegel seiner/ihrer Großartigkeit. Im Inneren ist der Narzisst zutiefst verletzlich, weswegen er auch zutiefst verletzen kann. Er weiß eben, wie das Spiel gespielt wird, und straft, tadelt und lässt dich am kleinen Finger verhungern.

Aber: Wer an eine Person geraten ist, die sich eher wie eine Prinzessin, Königin oder ein König verhält, die es auf ihre Weise oder auf keine wollen, der darf nur behaupten, jemanden mit stark egoistischen oder leicht narzisstischen Zügen getroffen zu haben. Auf der BIG 5-Skala stünden diese im Aspekt des Neurotizismus hoch oben. Sie sind in Wahrheit “nur” emotional labil, gehemmt oder schüchtern, aber fürchten diese Gefühlszustände so sehr, dass sie sie von vornherein wegdrücken. Deshalb ein Klassiker bei BÄ: Verachtung und Wut. Wer von seinem BÄ verachtet oder verspottet wird, sollte auf Herz und Nieren prüfen, ob es aus Unsicherheit geschieht (was oft der Fall ist). Auch aggressives Verhalten, zum Beispiel im Angesicht von Kritik, ist ein Hinweis auf Verletzlichkeit und Verletzung. Aber die richtige, klinische narzisstische Persönlichkeitsstörung ist etwas völlig anderes. Narzissten würden dich auslachen oder mit der Ruhe selbst in der Luft zerreißen, bis du weinst. Sie empfinden gefühlt nämlich keine Angst und zeigen auch keine Gefühle wie Angst. In ihrem Sinne sind sie ja die Größten. Angst und Schuld oder Scham sind Gefühle, die man spüren müsste. Narzissten haben dieses Empfinden (zu ihrem Wohl) abgeschaltet und dafür Methoden entwickelt, sie zu umgehen.

Dennoch: Wer starke narzisstische Strukturen in seinem Gegenüber erkennt oder vermutet, der darf sich sicher sein, dass hier eine Angst in der tiefsten Tiefe herrscht, weswegen ein sofortiger Rückzug zwingend nötig ist. Mehr zu Narzissten und ihrer Angst in diesem Artikel >>

eifersucht und angst vor dem verlust des partners

7. Suchtgefährdete oder süchtige Persönlichkeitsstrukturen: Nicht nur Alkohol oder Drogen können süchtig machen, auch Sex ist ein Sucht- und Betäubungsmittel, besonders wenn Pornografie als Vorlage für das (angstfreie) Spüren von Gefühlen herangezogen wird. Dann kommt “Liebe” und “Annahme”, sich gut fühlen und verbunden, woanders her. Das jeweilige Suchtmittel dient dann wiederum als Kompensation. Es soll einem geben, was man vermisst und nicht von (einem bestimmten) Menschen erhält.

Als Kind, das Alkoholismus (wenn auch nur aus der Distanz) in seiner Familie erleben musste, kann ich sagen: Es gibt sehr viele Kinder, die später wegen der Sucht eines Familienangehörigen zu Beziehungsängsten und unsicheren, vermeidenden oder ängstlichen Beziehungsstilen neigen. Süchtige haben keine Hand für gesunde Strukturen und können auch keine gesunde Beziehung führen oder gesund und offen lieben. Stattdessen wird etwas anderes vorgelebt.

Wer aber häufig z. B. zum Alkohol greift, kann auch Sex als Sucht empfinden/entwickeln oder ihn “zu sehr mögen”. Alkohol wäre dann u. a. ein Enthemmer und erleichtert den Umgang mit Druck, Verantwortung und Gefühlen. Auch für den Akt. Diese Verbindung findet sich oft. Wer sich als hoffnungsloser Fall in einer Partnerschaft empfindet/empfinden gelernt hat, würde wenigstens Sex nutzen, um sich irgendwie liebenswert und wertvoll zu fühlen/fühlen zu dürfen – und damit Sex auch anpeilen (wenn er sich im Bett als “wertvoll” empfunden gelernt hat). Denn bei allen anderen Unternehmungen würde die Angst, zu versagen oder nicht auszureichen, wieder hochfahren. Doch oft geht es bei BÄ so weit, dass sie wegen des Alkohols/der Drogen meinen, keine Liebe oder Beziehung zu brauchen. Sie haben ja ihr Suchtmittel, das sie in ihren Augen sicher hält.

8. Das nächste Mal wird schlimmer, aber NICHT anders. Negative Beziehungserfahrungen, Angst vor Liebe, Nähe, Verlust, Kontrollverlust, Angst, sich zu trennen: All das zeigt sich mit spezifischen Anzeichen im Verhalten, nicht aber durch nur Sex. Im Gegenteil: Das Wenigste, was man sehen wird, ist nur Sex. Man wird Stille und nur sachte Annäherungen, kurze (sehr kurze), aber schöne Stunden und Gespräche finden (oft auch ohne Sex), dann wieder Rückzüge, Zweifel des Anderen, pampige Antworten, aggressives Verhalten bei zu viel Bedrängnis (empfunden auf seiner/ihrer Seite) usw. Da gibt es kein Nettgespiele, um Sex zu haben.

BÄ probieren auch nichts aus. Sie meinen schon alles im Vorfeld zu wissen, was passieren könnte, nämlich etwas Negatives. Nur-Sex-Interessierte hingegen lassen sich auf Situationen ein, für Sex. Bekommen sie ihn nicht, werden sie pampig oder abweisend. Aber sie sind erst einmal präsent. BÄ sind das vielleicht online oder in Messengerdiensten, wo das geschriebene Wort als Schutzmauer dient, aber kein persönliches Treffen fokussiert wird.

9. Spezifische Bindungsstile

Man unterscheidet den sicheren, unsicheren, ängstlichen und (ängstlich-)vermeidenden Beziehungsstil. Der letztere kam er kürzlich hinzu und macht noch einen Schritt weiter ins Extrem. Unsichere Stile z. B. würden mitunter dazu tendieren, keinen Sex oder nur sehr geringe Intimität zuzulassen. Entweder sie nehmen an, sie würden nur sexuell ausgenutzt oder aber sie vermeiden Intimität aus Unsicherheit. Sie sind offen für Beziehungen und Liebe, aber warten ab, bis sie sich sicher genug fühlen. Ängstliche und vermeidende hingegen würden Sex nutzen, um überhaupt eine Form der Bindung einzugehen, während sie echte Beziehungen aber scheuen. Vermeidende können Sex zudem meiden, wenn ihnen das schon zu weit geht. Ängstlich bedeutet, etwas an Beziehungen oder Liebe ist angstbesetzt, wie z. B. Verantwortung oder immer auch auf den anderen Rücksicht nehmen zu müssen. Vermeidend ist so ungefähr die schlimmste Form, die man sich vorstellen kann, weil dort alles negativ behaftet ist. Diese Form lässt sich sehr schwer umpolen und trifft oft Menschen, die entweder missbraucht oder schwer verletzt worden sind. Sie würden Sex auch als Strafe gegenüber dem anderen/präferierten Geschlecht nutzen oder als einzige Form der Bindung. Mehr dazu in meinem Buch “Du liebst mich oder doch nicht?”>>

10. Noch ein Hinweis

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Sex und Angst, der oft übersehen wird: Nämlich der Glaube, dass er/sie dir nichts anderes bieten kann außer Sex. Er/Sie empfindet sich selbst als nicht gut oder genug für eine Partnerschaft, hat sich selbst bereits oft genug in Beziehungen scheitern sehen und kein Vertrauen mehr in die eigenen Beziehungsfähigkeiten. Das ist nicht selten, sondern sehr, sehr, sehr häufig. Und wie die selbsterfüllende Prophezeiung läuft es dann meist auch: Es geht schief.

Was kannst du nun tun, um diese Situation zu meistern, wenn du mehr willst?

Zum einen ist Gehen ein Weg, oft der Beste, um ganz ehrlich zu sein. Wer sich Leid ersparen möchte, und das sollte so sein, muss sich für sich entscheiden. Sonst entscheidet man sich für das Leid. Neue, andere Menschen kennenlernen und so verstehen, dass es mehr gibt als diesen einen, der nur Sex konnte/wollte, ist die bessere Wahl.

Zweite Option: Bleiben und sehen, was passiert, während man die Augen offenhält und sich nicht zu sehr emotional an den/diejenige/n bindet. Je mehr man der Hoffnung verfällt, daraus könne doch noch eine Beziehung werden, desto frustrierter wird man mit der Zeit. Ist man aber in dem Zustand, dass es einen nicht weiter schert, falls nichts daraus wird, dann tut es auch nicht weh. Man kann den sexuellen Kontakt genießen und Punkt, während man aber weiterhin zu anderen Menschen Kontakt sucht/hat und dort nach Glück Ausschau hält.

Drittens: Bei sich schauen, wieso man sich zu jemanden hingezogen fühlt, der nur an Sex interessiert ist oder aber gar Beziehungsangst hat. Ich möchte hier auf eins hinweisen: Nur weil man so jemanden trifft, heißt das nicht, dass man anfangen muss, wild zu spekulieren und tiefe Bedeutungen zu suchen. Man kann sich nicht aussuchen, wen man kennenlernt, aber bei wem man Gefühle zulässt und bleibt schon. Dennoch, falls du merkst, dass das durchaus was mit dir zu tun hat oder du oft an emotional nicht verfügbare Menschen gerätst, dann kannst du eine Innenschau vornehmen. Dafür würde sich meine Masterclass zum Thema Beziehungsängste eignen. Sie thematisiert deine Ängste und die deines potenziellen/gewollten Partners und zeigt Wege auf, um behutsam damit umzugehen (Kommunikationsstrategien, No Go’s, Gesprächsvorschläge usw.), ohne ihn/sie zu verscheuchen. Es handelt sich hierbei um Vertrauensarbeit-Methoden, aber benennt auch klar und deutlich die Grenzen, die dir durch seine/ihre Angst vorgegeben werden. Mehr Informationen dazu hier >>

Was kann ich tun, wenn mein Partner keine Beziehung will
Meine Masterclass zum Thema Beziehungsängste enthält ein bewährtes 7-Schritte-System und als Geschenk freie Coachingminuten. Ich freue mich, dir weiterhelfen zu können!

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen! Hinterlasse gern einen Kommentar oder teile diesen Beitrag!

Liebe Grüße
Janett

Dein Denken: Welche Gedanken zu Angstzuständen führen können

Dein Denken: Welche Gedanken zu Angstzuständen führen können

Ich habe mich jahrelang dabei beobachtet, wie ich denke, und welche Gedanken zu Angst führen, und welche nicht. Ich habe mittlerweile eine Art Gedankenkoffer für mich entwickelt, der mir hilft, erst gar keine Ängste auszulösen – und falls sie doch kommen, habe ich welche, die sie wieder überwinden. Denn ja, man kann sich sehr leicht in Angstzustände hineindenken und das auch ohne sich vorzustellen, dass man Angst bekommen würde, wenn erst einmal X passierte.

Wenn das auch für dich ein Thema ist, lade ich dich hier in diesem Artikel dazu ein, auch dich und deine Gedanken zu reflektieren, um deine Angst zu verringern.

Wie deine Gedanken zu Angst werden können: Übers Denken – Fühlen – Handeln

Gedanken machen Angst
Es sind unsere Gedanken, die uns Angst machen können, weshalb wir sie sorgfältig auswählen sollten.

Man sagt, Gedanken führten zu Gefühlen und diese wiederum zu Handlungen. Und das stimmt auch, nur dass zuallererst ein Grundgefühl, das wir selten bemerken, auftaucht, was dann entsprechende Gedanken nach sich zieht, die wiederum neue Gefühle auslösen und wir diese dann in Handlungen übersetzen. Welche Handlungen gut oder nur gut gemeint sind, spielt nur eine geringe Rolle, denn wäre das Denken nicht an erster Stelle, gäbe es erst gar keine Probleme. Und somit auch keine Angstzustände.

Wir alle haben unsere ganz eigenen Ängste, die wir gelernt haben, sei es von unseren Eltern oder Großeltern oder in der Schule, von unseren Freunden “gemerkt” oder in Beziehungen entwickelt. In den meisten Fällen – so jedenfalls meine Erfahrung – sind es unbewusste/unterbewusste Verlustängste, die oft in Verbindung mit einem überstarken Motiv der Zugehörigkeit stehen und daher mit Selbstwertängsten. Dann treffen die Angst vor dem Alleinsein (vor dem sozialen Ausschluss und der Einsamkeit) auf die Angst vor Liebesentzug oder mangelnder Anerkennung.

Aber auch die Angst vor dem Verlust deines Selbst könnte ein Thema sein, dass dein Denken leitet, weswegen du Angstgedanken generierst, ohne es zu merken. Dann trifft deine Idee nach Unabhängigkeit, nicht eingeengt sein, frei sein, ohne jegliche Vorschriften, deine Zeit frei zu planen auf die Angst vor Trennung. Basta, Schluss, Aus zu sagen fällt vielen nicht leicht.

Es kann aber auch sein, dass du unbewusst/unterbewusst Angst vor sozialem Wettbewerb hast, wiederum in Verbindung mit Selbstwertängsten. Dann sind Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Wissen um & Einstehen für deine Bedürfnisse, Kennen deines Wertes, Würde usw. eventuell große Themen für dich.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wichtig für dich ist es zu wissen, dass jede dieser Ängste in dir leben und so dein Denken kontrollieren/steuern, ob du es nun merkst oder nicht.

Gedankenarten und Gedankenmuster, die zu Angst führen können

sich in die zukunft denken führt oft zu zukunftsängsten

Es gibt dennoch verschiedene Wege, wie du für dich herausfinden kannst, was in dir los ist, wo es bei dir hakt, wo dein innerer Hund zu bellen beginnt. Diese stelle ich dir im Folgenden vor:

Gespräche im Kopf

Wir kennen das alle: Wir hatten einen Streit mit jemandem, den wir im Kopf weiterführen. Vielleicht weil uns einige Tage später einfällt, was wir hätten sagen wollen oder weil uns immer noch Dinge in den Sinn kommen, die die Perspektive erweitert hätten. Ebenso klassisch ist hier der ersehnte Kontakt zu jemandem: Wir stellen uns vor, dass wir Kontakt zu X haben, sprechen mit ihm im Geiste und sind ihm so nahe. Themen sind hier oft: unterdrückte/nicht ausgelebte Wut, Einsamkeit, Traurigkeit und Schuld(befreiung).

Traumleben im Kopf – Fantasien & Angst

Im Kopf ein Traumleben zu führen, sagen wir als Superstar, Schauspieler, Spitzensportler oder auch nur als wichtiger Mensch für XYZ produziert viel Mangeldenken. Wir kennen das aus unseren Teeniejahren, als wir heimlich in Sänger oder Schulkameraden verliebt waren. Aber auch heute noch gieren wir oft insgeheim, ob bewusst oder unbewusst, danach, jemand Besonderes oder Besseres zu sein, schöner, schlanker, reicher oder erfolgreicher, beneideter usw. Es verursacht nur sehr viel Stress und schüttet entsprechende Hormone aus, denn man denkt sich ja ständig aus der Realität weg hin zu einem Leben, das so nicht existiert. Wichtige Stichworte sind deshalb hier: Nichtakzeptanz des jetzigen Lebens(stils), mangelnde Achtsamkeit (kein Leben im Hier und Jetzt).

Ebenso spielen Zukunftsangst, Kontrollzwang und Versagensangst eine Rolle. Wenn wir selbst daran arbeiten, uns aus unserem Leben zu befreien, kann die Anhaftung an unser Ziel, (sagen wir, den Superstar doch noch kennenzulernen oder den Chef zu stürzen oder von der tollen Frau als der tolle Kerl erkannt zu werden), Leid verursachen. Denn es kann immer noch sein, dass es so nicht kommen wird. Es kann sein, dass du unbewusst denkst, du wärst nicht gut genug oder müsstest noch besser werden (hier wieder: schlanker, schöner, reicher, erfolgreicher usw.). Ist dem so oder läuft dir beispielsweise die Zeit davon, weil dein Ziel zeitsensibel ist, dann stresst es dich, weil dein Ziel in Gefahr gerät. Ergo ruft es Traurigkeit, Wut oder Schuld durch Zukunfts- und Versagensangst hervor, denn es gab keine andere Vision, keinen anderen Traum.

Keine Verbundenheit und das Gefühl des Getrenntseins: Drinnen im Draußen und draußen im Drinnen sein

Das hier trifft viele frische Mütter und vor allem Kreative, Hochbegabte, Hochsensible und Hochempathen: Wer gern/oft drinnen ist und/oder wenig Kontakt ins Außen hat, zu Menschen, denkt automatisch mehr. Output ist aber gleich null. Der Austausch fehlt, die Energie ist anders, das Körperempfinden, die muskulären und hormonellen Vorgänge etc.

Wer dann rausgeht, ertappt sich oft dabei, dass die Gedanken stören oder aber das Außen einen unterbricht in seinem Denken. Beides ist ein Pulverfass für Angst, denn man passt sich in diesem Moment nicht an seine (neue) Umgebung an, sondern erwartet noch immer, dass alles still ist zum Beispiel oder man allein, keine Rücksicht nehmen muss oder aber nicht im Mittelpunkt seines (Er)Lebens steht. Oder wie eine meiner Freundinnen in solchen Momenten gern zu sagen pflegt: Ich hasse Menschen. Das höre ich oft und kenne es von mir selbst, als ich noch Agoraphobie mit Panikattacken hatte. Dies löst ein Gefühl des Getrenntseins, vielleicht sogar Falschseins oder des Hasses auf die Welt aus. Es ist eine mangelnde Verbundenheit. Aber Verbundenheit kommt von Ver-Bindung und diese muss nun einmal selbst hergestellt werden.

Deshalb gehe ich grundsätzlich mindestens alle zwei Tage raus (Ich arbeite im Home Office.). Komme, was wolle, und sei es auch nur, um beim Späti meines Vertrauens mit dem Inhaber eine Runde zu plaudern und mir mein Lächeln abzuholen. Menschen sind soziale Wesen und (biologisch/geistig) nicht für Isolation gemacht. Solltest du jetzt noch denken Aber das sehe ich anders!, dann möchte ich dir gern etwas mit auf den Weg geben: Die Tatsache, dass du es anders siehst, liegt ebenso an deinen Gedanken. Ändere es und du wirst es anders sehen. Meinungen sind keine Fakten. Sie sind umstößlich.

Unterdrückte Gefühle (Wut, Traurigkeit, Schuld, Scham)

Ich kann es gar nicht oft genug sagen und sage es deshalb noch einmal: Wut (oft Mantel für Traurigkeit), Traurigkeit, Schuld (oft Katalysator für Wut) sowie Scham (oft Mantel für Verachtung oder Traurigkeit) ruft Angst auf den Plan, weil Angst nun einmal dafür da ist, dich vor unangenehmen Urgefühlen zu beschützen. Angst hingegen (nicht verwechseln mit dem Urgefühl Furcht!) ist nur die kleine Schwester von Furcht und nicht urig. Soll heißen: Wenn du ein unbewusstes Problem mit dem Erleben und Ausgleichen von Schuld, Scham, Traurigkeit oder Wut hast, kommt Angst automatisch, um dich davor zu bewahren, es zu fühlen.

Kreativität

Um es mit den Worten von Antoine de Saint-Exupéry zu sagen: Man ist “von Dringlichkeit beseelt”, wenn man kreativ ist. Dringlichkeit ist Hektik ist Stress ist Angst. Je kreativer man an der Umsetzung seiner Ideen arbeitet, desto mehr verschwindet die eigene Umwelt, weil man im Kopf nur noch in seinen eigenen Welten lebt, sei es in Form von Bildern, Fotografien, Literatur usw. Das Außen, vor deiner Wohnung/deinem Atelier, ist zwar ständig da, aber erhält im Extrem kaum mehr Beachtung, weil es zum Beispiel zu wenig Anreiz bietet. Das, was du erschaffen willst/erschaffst, nimmt sozusagen den Fokus für das Hier & Jetzt, die Realität, dein Leben, mit allem, was genauso wichtig ist wie dein Selbstausdruck.

Oft haben Künstler/Kreative in dieser “normalen” Welt auch noch keinen (angemessenen) Ausdruck für sich selbst gefunden, wie zum Beispiel einen richtig guten Freundeskreis, weswegen ein Leben in Bildern und Worten beispielsweise leichter für sie ist, mit der richtigen Welt umzugehen.

Was Angst-Denken hervorrufen kann

Einige Lebensumstände und Gewohnheiten, so habe ich es jedenfalls beobachtet, unterstützen diese Ängste oder lösen sie gar aus:

  • Koffein
  • Zigaretten (enthält Nervengifte)
  • übermäßiger Alkohol
  • Zucker
  • schwer verdauliche Speisen (nimmt dem Hirn die Kapazität, weil sie vom Darmhirn gebraucht wird, beeinflusst die Hormone)
  • Fleisch (besonders bei Hochsensiblen und Hochempathen)
  • Sitzen
  • mangelnde Bewegung (kein Sport, keine ausgiebigen, ruhigen Spaziergänge in ruhiger Umgebung)
  • kein Leerlauf im Denken (wie Meditation, Yoga, Musik, beim Filme schauen, lesen usw.)
  • Einsamkeit (trotz sozialer Bindungen) (Ich empfehle dir mein Buch dazu: Über die Kunst, allein zu sein)
  • zu viel Input (fehlender Ausdruck deines Selbst, aktiviert Selbstverlustangst – Dann ringen deine sozial genormten Gedankenmuster mit deinem Selbst, das ebenso Aufmerksamkeit von dir möchte)
  • Festhalten an Gewohnheiten statt Leben im Hier & Jetzt und sich Zurücklehnen
  • Misstrauen ins Leben, in dich selbst und – falls du daran glaubst – Gott, die Natur, das Universum usw.
  • toxische Beziehungen (inkl. Co-Abhängigkeit)
  • übermäßige Fürsorge für etwas/jemanden (Thema Selbstverlust)

Diese Liste ist nicht vollständig, aber soll dir einen ersten Einblick geben. Falls du dich wunderst, wieso hier Lebensmittel bzw. Ernährungsthemen enthalten sind: Die Psychologie kennt die substanzinduzierte sowie darmbasierte Angst/Depression. Hier einige Artikel von mir zum Thema:

Zuletzt beschrieb diese die Autorin und Medizinerin Guilia Enders in ihrem Buch “Darm mit Charme”. Sie ist aber keineswegs die einzige Wissenschaftlerin, die darauf aufmerksam machte.

Was du tun kannst, um aus deinem Angstdenken herauszukommen

vergebungsarbeit

Hier sind meine Gebote, die weder scherzhaft gemeint sind noch blasphemisch:

  1. Du sollst es nicht anders wollen, als es gerade ist. (Akzeptiere die Dinge, wie sie sind. Das heißt nicht, dass du sie so belassen musst. Ändere, was du ändern kannst, insofern es realistisch und gesund ist.)
  2. Dein Drang, etwas Besonderes (für jemanden oder die Welt) zu sein ist gut und richtig. Doch er taugt nur dann etwas, wenn du entsprechend handelst. Es dir nur vorzustellen, nur zu träumen, bringt dich nicht ans Ziel. (Falls dem so ist: Bedenke mal alle deine Ängste, die auftauchen würden, wenn dein Traum in Erfüllung ginge. Fällt dir da etwas ein? Falls nicht, klicke unbedingt auf den Link in diesem Punkt. Ich hatte dazu einen eigenen Artikel verfasst.)
  3. Das heißt besonders: Du sollst nicht beneiden anderer Leute Leben. (Denn es löst Selbstwertängste aus und Mangeldenken. Du bist gut und genug.)
  4. Du sollst dir schöne Gedanken machen. (Absichtlich! Denke an alles, was gut ist. Sei dankbar.)
  5. Du sollst über dich lachen dürfen/können. (Schreibe dir wegen deiner Gedanken einfach einmal alles auf, was du da gerade denkst. Du wirst sehen, dass einiges davon ziemlich witzig ist.)
  6. Du darfst streiten, aber sollst nach Frieden trachten. (Wut ist eine ungeheure Quelle für alles Schlimme auf dieser Welt. Unter anderem deine Angst. Verzeihe anderen. Vergib dir. Lass los. Lass gut sein. Was du auch tust: Leg deine Wut ad acta. Oder probiere es mal hawaiianisch. Sie haben ein eigenes Ritual dafür.)
  7. Heule, wenn dir danach ist. Aber wisse, wann Schluss ist. (Oder schau in den Spiegel, wenn du weinst. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du dich nicht mehr leiden sehen kannst.)
  8. Perfektion ist eine Schlampe. Grundsätzlich ist Perfektion nur für Götter gedacht. Also lache über deine Fehler, wenn dir welche unterlaufen sind. Bitte notfalls um Entschuldigung. Aber vergib dir. Lerne dazu und daraus. Wir machen alle Fehler. Echt jetzt: WIR ALLE!!!
  9. Nimm dir Zeit für DICH, deine Person, deine Freunde, deine Anliegen, deinen Alltag. Verliere nicht den Fokus für alles, was genauso wichtig ist wie dein Job, den Mann, den du kennengelernt hast oder oder oder.
  10. Alles in dieser Welt braucht Balance: Laut und leise, hell und dunkel, viel und wenig usw. Sorge immer für Ausgleich, indem du ihn bewusst herstellst. Hast du dich viel um andere gekümmert? Dann sorge dich jetzt um dich, nimm dir eine Auszeit. War alles sehr laut in letzter Zeit? Dann geh in die Natur und genieße die Stille. Warst du viel allein? Dann unternimm etwas mit Freunden. Die Mitte liegt zwischen Plus und Minus.
  11. Suche dir etwas, was dich glücklich macht: Malen, Schreiben, Musik hören, Musizieren, Spazieren, Sport, Essen/Kochen, Einkaufen, Handwerken, Filme, Telefonieren, Nebenjobs, Basteln, Fotografieren, Nachbarschaftsgärtnern, Gassi gehen mit fremden Hunden, Müll aufsammeln in deinem Lieblingspark, dein eigenes Bier brauen oder lernen, was du schon immer lernen wolltest … Was auch immer dein Herz befreit und es springen lässt.
  12. Lache. Lache, was das Zeug hält. Es schüttet so viele gute Hormone aus. Ich könnte ein eigenes Buch dazu verfassen.

Achtsamkeit ist eine gute Variante, um deine Gedanken zu kontrollieren. Es gibt verschiedene Techniken, die du ausprobieren kannst. Denn allem voran und am wichtigsten bist du. Ja, du. Nichts und niemand sonst. Geht es dir schlecht, wird dir nichts Gutes gelingen. So ist die Regel. Und sie stimmt auf lange Sicht immer. (Pflegebedürftige Personen/Wesen, die nicht allein agieren können, sondern dem Tode geweiht wären ohne dich, zählen hier natürlich nicht rein.)

Konnte ich dir etwas weiterhelfen? Dann freue ich mich auf deine Gedanken zu diesem Thema in den Kommentaren oder auf deine Weiterempfehlung.

Du willst noch mehr dazu wissen, zu Angst und wie du sie überwindest, hast vielleicht sogar Panikattacken? Auch dazu habe ich etwas >>

Liebe Grüße
Janett

Eifersucht verstehen und überwinden (für Partner & Betroffene)

Eifersucht verstehen und überwinden (für Partner & Betroffene)

Bist du selbst eifersüchtig? Oder leidest du unter der Eifersucht deines Partners oder deiner Partnerin? In beiden Fällen kennen die meisten von uns den Leidensdruck, der durch dieses Gefühl entsteht. Vor allem gehen mit diesem Gefühl auch Angst und Schuld einher. Ob Eifersucht nun krankhaft, unbegründet oder legitim ist: Alles zusammen hat nicht selten die Macht, eine Beziehung zu zerstören oder sie nachhaltig zu schädigen. Denn Vertrauen ist einer der wichtigsten Aspekte für eine gesunde und funktionierende Partnerschaft.

Was du gegen deine eigene Eifersucht oder die deines Partners bzw. deiner Partnerin tun kannst, verrate ich dir in diesem Blogpost.

Was ist Eifersucht überhaupt?

Ei·fer·sucht (Substantiv, feminin [die])

starke, übersteigerte Furcht, jemandes Liebe, Zuneigung mit einem oder mehreren anderen teilen zu müssen, an andere zu verlieren

– Google Wörterbuch

eifersucht und angst vor dem verlust des  partners
Angst vor dem Verlust des Partners an jemand anderen, Angst vor Ausschluss und Alleinsein, Ablehnung und Liebesentzug, Schuld und Scham: All das steht mit Eifersucht in Verbindung. Ein explosives Gemisch für jede Beziehung.

Diese Definition der Eifersucht hat sicher keinen hochwissenschaftlichen Anspruch, trifft aber den Kern der Sache. Eifersucht ist kein per se grundloser Kontrollwahn, sondern entsteht beim Betroffenen aus eben dieser Angst vor Liebesentzug, Verlust und Ablehnung. Auch die Angst vor dem Alleinsein steht oft mit Eifersucht in Verbindung. Hier geht es also um das Gefühl, nicht gut oder genug zu sein, nicht wertvoll für eine Partnerschaft, weil man seinem Wert nicht vertraut – und es auf den anderen projiziert. Im Kleinen ist Projektion eine normale, menschliche Strategie der Angstabwehr. Aber Eifersucht hat nur deshalb so hohes Bedrohungspotenzial, weil wir nach einer legitimen Grundlage für unsere Gefühle suchen und hier leider beim Partner: Denkt man selbst, jemand anderes wäre wertvoller für den eigenen Partner, heißt das nicht, dass der Partner das auch so sieht. Doch Angst als Feuer verbrennt nicht nur einen selbst, sondern auch andere. Um (sich selbst) zu verstehen, was und wieso du eifersüchtig bist, muss der Partner schuldig gesprochen wären – daran, dass er/sie dich nicht (genug) lieben würde. Das geschieht unbewusst und ist oft nicht einmal böse gemeint. Dennoch schürt kaum etwas anderes größeres Misstrauen in einer Partnerschaft als dieser bewusste/unbewusste Vorwurf.

Da Angst ein so mächtiges Gefühl ist, besonders, wenn man keinen gesunden Umgang mit dem Gefühl gelernt hat, kann Eifersucht in einer Beziehung wie Sprengstoff wirken und nicht selten wird sie zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Sie kommt aber auch außerhalb von Liebesbeziehungen vor: unter Geschwistern, Freunden, in der Sportmannschaft und sogar bei Tieren, hier zum Beispiel als Futterneid. Aber an keiner anderen Stelle hat sie ein so großes Zerstörungspotenzial wie dort, wo zwei Menschen ursprünglich freiwillig und aus Liebe zueinander gefunden haben. Hier erhält die Liebe schnell den Charakter des Besitzdenkens.

Bitte nicht falsch verstehen: Ein gewisses Maß an Eifersucht ist ganz natürlich und sogar gesund für eine Beziehung – immer vorausgesetzt, dass das Grundvertrauen da ist. Schließlich zeigt sie auch, dass der Partner immer noch als begehrenswert angesehen wird. Kleinere Konflikte können sogar dazu dienen, immer wieder über das Verhalten in der Beziehung zu reflektieren – und so das Miteinander zu verbessern, anstatt sich in der Sicherheit der Routine gehen zu lassen. Wird jedoch das gesunde Maß überschritten und die Eifersucht krankhaft, leidet das Vertrauensverhältnis in beiden Richtungen. Das ungute Gefühl, sich als überwacht, nicht vertrauenswürdig und unter Druck gesetzt zu empfinden, nicht mehr frei agieren zu können, kann dazu führen, dass tatsächlich die Suche nach einer anderen Person als Partner beginnt. Damit kann Eifersucht der Anfang vom Ende der Beziehung sein.

Wie äußert sich krankhafte Eifersucht?

ab wann ist eifersucht krankhaft
Wann ist Eifersucht begründet und ab wann wird sie krankhaft?

Das Spionieren im Handy des Anderen ist wohl der Klassiker unter den Taten eifersüchtiger Menschen genauso wie bohrende Fragen, mit wem man sich trifft oder auch wieso man später kommt oder keine Zeit hat, ohne den Anderen ausgeht oder weniger Zuwendung schenkt als vorher. Dahintersteht immer die Frage: Gibt es Nachrichten oder Anrufe, die darauf hinweisen, dass es eine andere Person gibt – um eine Grundlage für seine Gefühle zu finden?

Krankhafte Eifersucht ist in erster Linie durch solche Kontrollzwänge geprägt. Heimliches Nachlaufen, Social Media Stalking, Handykontrolle, das Ansetzen der besten Freundin als Spionin, das Googeln der vermeintlichen Konkurrenz – all dies sind Verhaltensweisen, die über das Normalmaß der Eifersucht hinausgehen. Oft tritt die Eifersucht auch in vermeintlich harmlosen Situationen zutage: Bei Gesprächen auf einer Party, beim Geschäftsessen, bei unbekannten Nummern auf dem Smartphone, die einen ganz harmlosen Hintergrund haben.

Statt sachlich und konstruktiv zu fragen und die harmlose Antwort zu akzeptieren, wird weiter gebohrt und gestichelt. Das Gefühl, es könnte doch mehr dahinter stecken, lässt den Betroffenen nicht mehr los. Beim Partner sollen Schuldgefühle ausgelöst werden und man selbst will seine unbändige Angst loswerden – gleichzeitig äußert sich immer wieder der Wunsch, kontrollieren zu können, was nicht kontrollierbar ist.

Woher kommt Eifersucht?

was eifersucht mit der angst vor ablehnung zu tun hat
Eifersucht findet sich oft bei Menschen mit entsprechenden Erfahrungswerten oder einem angeschlagenen Selbstwert.

Oft gibt es einen konkreten „Auslöser“ für einen Eifersuchtsanfall, gepaart mit Erfahrungswerten aus der eigenen Vergangenheit und/oder der Vergangenheit des Partners: Eine unbekannte Nummer auf dem Handydisplay, Blicke, zu lange Gespräche, die Geschäftsreise oder vermeintlich grundlose Überstunden, früher bereits betrogen worden zu sein oder das Wissen, dass der Partner früher in anderen Beziehungen untreu war.

Die Ursache ist jedoch an ganz anderer Stelle zu suchen: in der Vergangenheit der eifersüchtigen Person.

Häufig sind die Gründe für die Eifersucht sogar in der Kindheit zu suchen. Mangelnde Aufmerksamkeit durch die Eltern kann eine Ursache für Eifersucht sein, aber auch Geschwisterrivalitäten und das Gefühl, stets nachrangig behandelt worden zu sein. Durch Zeitmangel oder Desinteresse ist hier bereits ein Defizit an Zuwendung entstanden. Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist und immer um die Gunst der eigenen Eltern buhlen musste, ist anfälliger für Eifersucht als Einzelkinder, die in stabilen und liebevollen Verhältnissen aufgewachsen sind. Auch wer in der Kindheit mitansehen musste, wie ein Elternteil den anderen betrogen hat, entwickelt oft ein gestörtes Vertrauen in seine eigenen Beziehungen.

Die Erfahrungen in den eigenen Liebesbeziehungen können ebenfalls eine große Rolle bei der Entwicklung von Eifersucht spielen. Tatsächliche Vertrauensbrüche durch Fremdgehen sowie eigene Untreue, aber auch die Abwertung der eigenen Person können zu weniger Vertrauen in sich selbst und in den Partner führen.

So kannst du deine eigene Eifersucht eindämmen

bist du eifersüchtig? so überwindest du deine eifersucht

Du hast erkannt, dass du immer wieder eifersüchtig bist – und dass diese Tatsache deine Beziehung belastet? Das ist bereits ein wichtiger Schritt. Mach dir klar: In Wirklichkeit zweifelst du mehr an dir selbst und deinem Wert als an deinem Partner und seinem Verhalten. Diesen Sachverhalt musst du erst einmal für dich akzeptieren lernen. Doch mit Übung kannst du deine Gefühle annehmen und mit Empathie, Mitgefühl für dich selbst, umwandeln. Das stärkt das Vertrauen in deinen Partner und vor allem in dich. Hilfreich ist es auch, den Partner mit ins Boot zu holen und um Hilfe dabei zu bitten, seine eigene Eifersucht in den Griff zu bekommen.

Im nächsten Schritt kannst du auf Ursachensuche gehen. Stelle dir folgende Fragen:

  • Hat dein Partner dich tatsächlich schon betrogen?
  • Gibt es Menschen im Leben deines Partners, die dir attraktiver erscheinen als du selbst?
  • Bist du in früheren Liebesbeziehungen schon einmal betrogen worden? Was glaubst bzw. weißt du, war der Grund?
  • Bist du bisher in all deinen Beziehungen eifersüchtig gewesen?
  • Hast du Geschwister oder bist du Einzelkind?
  • Bist du bei deinen Eltern Zeuge von Untreue geworden?
  • Haben deine Eltern dir (in deinen Augen) unzureichende Aufmerksamkeit geschenkt? Dafür aber den Geschwistern, anderen Kindern, Personen oder Aktivitäten?
  • Wurde dir in deiner Vergangenheit vermittelt, dass du nicht liebenswert oder gut genug wärst?
  • Haben sich Glaubenssätze in dir gebildet wie “Für mich gibt es keine echte Liebe.” oder “Niemand bleibt bei mir. Alle verlassen mich.”?

Möglicherweise trifft mehr als ein Punkt auf diese Liste zu. Wenn du das Thema identifiziert hast, das zu deiner Eifersucht führt, solltest du versuchen, es zu bearbeiten, um damit abzuschließen. Je nach Schweregrad helfen dir schon einige offene Gespräche ein Stück weiter– es kann aber auch eine Therapie sinnvoll sein.

Was du als Erstes lernen solltest: deine eigene Liebenswürdigkeit zu erkennen. Der Schlüssel zum Sieg über die Eifersucht ist die Selbstannahme, die vollkommen unabhängig von deinem Partner oder anderen Personen ist. Diese Unabhängigkeit ist generell wichtig: Was wäre, wenn dein geliebter Partner oder eine andere wichtige Person morgen nicht mehr da wäre? Du kannst einen Menschen schließlich auch auf andere Weise verlieren als nur an jemand anders.

Deine Eifersucht ist zudem kein „Beweis“ für Liebe. Mach dir klar, dass du jederzeit auf deinen eigenen Füßen stehen können solltest. Diese Eigenständigkeit hat nichts damit zu tun, dass du deinen Partner weniger schätzt oder keine Liebe bzw. keine Partnerschaft bräuchtest. Sie ist vielmehr die Basis für eine gesunde Liebesbeziehung.

Die Verhaltensmuster, die deinen Partner einengen oder seine Privatsphäre mit Füßen treten, gilt es abzulegen. Schließlich erwartest du auch den Respekt vor deiner eigenen Privatsphäre, selbst dann, wenn es nichts zu verbergen gibt. Es ist wichtig, dass du (wieder) lernst zu vertrauen. Werde dir bewusst, dass du nicht alles kontrollieren kannst und sich dahinter oft “nur” Zukunftsängste durch geprägte Ängste aus deiner Vergangenheit verstecken.

So verstehst du deinen eifersüchtigen Partner

ist dein partner eifersüchtig? wie du ihm helfen kannst
Gemeinsam ist es leichter: Aber keineswegs sollte die Angst des Anderen über das eigene Leben herrschen, nur der Harmonie willen.

Wenn dein Partner oder deine Partnerin immer wieder grundlos und/oder krankhaft eifersüchtig ist, leidet eurer Miteinander. Aber solange du keinen objektiv nachvollziehbaren Anlass zur Eifersucht gegeben hast, gibt es nichts, was du selbst tun oder ändern könntest – oder doch?

Um eine Verbesserung der Situation zu erzielen, kannst du aktiv das Gespräch suchen. Ergreife ruhig die Initiative und bringe das Thema „Eifersucht“ auf den Tisch. Ganz wichtig: Vermeide jegliche Vorwürfe, Anklagen und alles, wodurch dein Partner das Gefühl bekommen könnte, dass du ihm die Schuld zuweisen möchtest. Denn dadurch würden sich die ohnehin vorhandenen Selbstzweifel und Verlustängste noch verstärken.

Besser ist es, Fragen zu stellen:

  • Welche Situationen lösen die Eifersucht aus?
  • Bezieht sich die Eifersucht nur auf bestimmte Personen?
  • Was geht im Kopfkino des Eifersüchtigen vor?
  • Welche Erfahrungen in früheren Beziehungen „rechtfertigen“ die Eifersucht?
  • Gab es im Kindesalter Momente der Zurückweisung oder des Verlassenwerdens?
  • Haben die Eltern ein von Unsicherheit geprägtes Beziehungsmuster vorgelebt?

Du kannst durch das Stellen dieser Fragen zeigen, dass du ernsthaft an einer Klärung der Situation interessiert bist – und gleichzeitig ehrliches Interesse am Partner beweisen. Es kann bereits eine große Hilfe sein, dass dein Partner sich von dir ernst genommen fühlt. Darüber hinaus eröffnen ihm diese gedanklichen Anstöße die Möglichkeit zur Selbstreflexion über die Ursachen seiner Eifersucht. Wenn er dafür offen ist, kann er in Zukunft Situationen, die Eifersucht in ihm auslösen, anders bewerten.

Wenn du die Ursachen herausgefunden hast, entwickele mit ihm/ihr einen Plan, wie ihr es gemeinsam schafft, die Eifersucht zu reduzieren. Dieser Plan muss natürlich gesunde Strukturen haben. Ungesund wäre es beispielsweise, wenn du alles offenlegst oder dich nicht mehr frei in deinem Leben bewegen kannst. Ungesund ist es, wenn dich die Angst des Anderen beherrscht und du eine eigene Angst vor der Angst deines Partners (und dem, was er/sie wegen seiner/ihrer Angst macht) entwickeln würdest. Das ist der sichere Weg in eine Co-Abhängigkeit. Harmonie um jeden Preis aufrechtzuerhalten, aus der eigenen Angst vor Streit, Traurigkeit und Wut des Partners, Schweigen als Strafe oder andere Maßnahmen des Partners, um sich emotional auszudrücken, ist nicht hilfreich. Wir sind alle erwachsen und müssen besonders dann dringend lernen, mit schweren Gefühlen umzugehen, wenn wir diese bisher eher verdrängt haben. Das ist nicht nur machbar, sondern auch dienlich für den Rest des Lebens.

Eine wichtige Erkenntnis für dich selbst kann sein, dass die Eifersuchtsanfälle nicht aus bösem Willen erfolgen, sondern aus Verlustangst – selbst dann, wenn vermeintlich ein Machtspiel im Vordergrund steht. Denn auch die Ausübung von Macht resultiert allzu häufig aus einer zugrundeliegenden Unsicherheit.

Mache deinem Partner im Gespräch aber deutlich, dass du dich hin und wieder – wie jeder Mensch in einer gesunden, funktionierenden Beziehung – abgrenzen musst und Freiräume brauchst.

Der Umgang mit Grenzfällen

eifersucht und verlustangst

Der kleine Plausch mit der Kollegin oder eine kecke, aber freundschaftliche WhatsApp-Nachricht sind im Normalfall kein Grund zur Besorgnis, dass die Beziehung den Bach runter gehen könnte – auch wenn der Eifersüchtige es anders empfindet. Aber manchmal ist es gar nicht so einfach, berechtigte von unberechtigter Eifersucht abzugrenzen: Was ist, wenn da doch mehr ist …?

Ein typisches Beispiel:

Abends beim Ausgehen trifft die Partnerin auf einen alten Schulfreund, den sie seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat – und beginnt ein stundenlanges Gespräch mit ihm. Alles um sie herum scheint vergessen, selbst der Partner, der einsam mit seinem Bierglas herumsteht und dem Treiben hilflos zuschaut. Bis er vor allen Anwesenden eine Szene macht – oder seiner Partnerin beim Heimgehen Vorwürfe. Während die Partnerin und der Schulfreund sich nach so langer Zeit verständlicherweise viel zu erzählen haben, startet beim eifersüchtigen Partner das Gedankenkarussell. Nicht ganz zu Unrecht, denn ihm fehlt wichtiges Hintergrundwissen, um die Situation einschätzen zu können: Waren die beiden vielleicht mal ein Paar? Und könnte wieder etwas daraus werden? Die Situation verschärft sich, wenn die Partnerin auf ihren Ex trifft und dem jetzigen Partner diese Tatsache bekannt ist.

In solchen Momenten ist von beiden Seiten viel Fingerspitzengefühl gefragt. Die Partnerin könnte zum Beispiel ihren Partner mit ins Gespräch holen, um ihm nicht das Gefühl zu geben, dass er auf einmal unwichtig ist. Wenn sie ihn vorstellt und sagt: „Das ist mein Partner Michael, mit dem ich seit fünf Jahren durch dick und dünn gehe und ohne den ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen kann.“ – hat allerhöchstens der Ex-Freund noch einen Grund zur Eifersucht.

Was ich damit zeigen möchte: Kommunikation und gesunder Rückhalt sind allen Situationen ein wichtiges und nützliches Werkzeug, um mit schweren Gefühlen umzugehen und diese zu transformieren. Solange sie gewaltfrei bleibt, kann sie heilen und die Partnerschaft nähren. Sollte man selbst aber beim Partner nicht mehr weiterkommen, ist der Besuch bei einem fachkundigen Spezialisten wie zum Beispiel Paartherapeuten oder Psychologen sicher eine Überlegung wert – wenn man die Beziehung nicht aufgeben möchte.

Leseempfehlungen*:

Eifersucht: Vertrauen lernen – die Angst nicht geliebt zu werden, überwinden von Dr. Rolf Merkle

Ändere nicht deinen Partner, ändere dich selbst: Negative Beziehungsmuster erkennen und auflösen von Gabriela Friedrich

Das kleine Übungsheft: Eifersucht verstehen und überwinden von Yves-Alexandre Thalmann

Die Angst, sich zu bewerben: Wie du den Druck bei Bewerbungen minderst

Die Angst, sich zu bewerben: Wie du den Druck bei Bewerbungen minderst

Nicht nur die Angst vor einem Vorstellungsgespräch belastet viele Menschen. Überhaupt die Angst, sich zu bewerben, löst schon bei vielen Nervosität aus. Und deshalb schreiben viele erst gar keine Bewerbung. Schon im Vorfeld belastet sie die Angst, ihre Stärken, Arbeitserfahrung und Eignung darstellen und beweisen zu müssen. Und nicht wenige fühlen sich im Angesicht ihrer beruflichen Erfahrungen wertlos, ungeeignet und voller Scham über sich selbst.

Was bei der Angst, sich zu bewerben, helfen kann

was unternehmen wirklich denken
Viele geben schon vor der Bewerbung auf, aus Angst, abgelehnt zu werden oder sich beim Schreiben der Bewerbung bereits unzulänglich zu fühlen.

Ich habe lange Jahre in der Erwachsenenbildung gearbeitet, viele Bewerbungen gelesen und Menschen mit der Angst, sich zu bewerben, kennengelernt. Dabei fielen mir immer wieder zwei Aspekte auf:

Viele wissen nicht, dass Unternehmen nicht primär nach 100prozentig passenden Qualifikationen suchen, sondern nach flexibel einsetzbaren, verlässlichen, motivierten und vertrauenswürdigen Mitarbeitern. Dazu gehört Selbstvertrauen in sich und seine Fähigkeiten – selbst dann, wenn man auf dem Prüfstand steht.

Der Druck im Bewerbungsgespräch ist oft nur ein kleiner Vorabtest, der das Verhalten unter Druck zeigen soll. Wer den Druck oder den Prüfstand in Vorstellungsgesprächen nur schwer aushält, der – so der Rückschluss – wäre auch weniger gut im Umgang mit Zeitdruck, Deadlines und Stress. Soft Skills wie Belastbarkeit, Selbstvertrauen und -wirksamkeit sind also mindestens gefragt.

Außerdem: Nur in speziellen Branchen (z. B. IT, Technik, Medizin, Recht) benötigen Bewerber die branchenüblichen Spezialkenntnisse. In allen anderen Branchen, besonders bei Akademikern, lassen sich Arbeitnehmer eher auf sympathische, souveräne und motivierte Mitarbeiter ein als auf höchst qualifizierte, aber charakterlich gesetzte, stolze oder gänzlich unbekümmerte, die nur des Geldes wegen arbeiten gehen. D. h., jemand, der strikt sein Ding macht, sich nicht einsetzt und nicht teamfähig ist, aber ein top Know-how hat, ist oft weniger gern gesehen als jemand, der sich in die bestehenden Unternehmensstrukturen einfügen kann und Unternehmenswerte teilt. Erneut: Die Soft Skills der Mitarbeiter zählen mehr als ihre Hard Skills.

Arbeitnehmer suchen zudem nach verlässlichen und loyalen Mitarbeitern und nein, sie können es sich schon lange nicht mehr leisten, jeden wegzuschicken. (Die meisten Firmen verstehen das nur nicht, weil sie noch immer denken, sie hätten das Zepter in der Hand und könnten wählen. Aber tatsächlich sind es mehr und mehr die Bewerber, die wählen können, wenn sie einen qualifizierten Lebenslauf haben.) In der Tat herrschen fast bei allen Unternehmen Engpässe in der Belegschaft, weil sie keine passenden Mitarbeiter mehr finden.

“Passend” bedeutet aber ein ausgewogenes Verhältnis aus Hard und Soft Skills. Und ja, Unternehmen sind bereit, ihre Anforderungen herunterzuschrauben, wenn die Lücken des Bewerbers leicht und schnell aufholbar sind (z. B. ein bestimmtes Programm lernen oder nicht sattelfest genug sein usw.). Auch wenn eine Berufserfahrung von fünf Jahren in der Stellenausschreibung steht, heißt das nicht, dass ein Bewerber mit zwei Jahren nicht infrage käme. Im Gegenteil: Die meisten Unternehmen sind heute immer weniger bereit, angemessen für die hohe Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu zahlen. Denn oft gilt: Je qualifizierter (und sozial kompetenter), desto weniger braucht der Mitarbeiter das Unternehmen, desto schneller wäre er bei schlechter Behandlung einfach weg.

Wenn also keine essentiellen Kenntnisse für die Stelle fehlen, sollte man sich dennoch bewerben – egal, ob hier oder da ein I-Tüpfelchen fehlt. Dazu kann man selbst durch seine Persönlichkeit, die man in der Bewerbung ideal in Szene setzt, werden und so punkten.

Einige Tipps, um die Angst vor der Bewerbung zu überwinden

tipps um keine angst bei der bewerbung und jobsuche zu haben

Mit der Wahl eines passenden Arbeitgebers ist es genauso wie bei der Partnerwahl: Gibt man sich zu bedürftig und zu klein, hält man wenig auf sich und besitzt keine bis kaum Würde und Respekt gegenüber sich selbst, seinem Wert und seinen Fähigkeiten, läuft man schnell Gefahr, ausgenutzt oder wie ein Fußabtreter behandelt zu werden. Wer seine Angst vor Bewerbungen überwinden möchte, sollte deshalb erst einmal seine Blockaden entfernen: indem man sich dieser bewusst wird. Denn das Ziel ist es, von sich und seiner Eignung authentisch und selbstsicher zu überzeugen. Und dafür muss man von sich und seiner Eignung überzeugt sein. In sich zu ruhen, weil man dem Lauf der Geschehnisse, dem Leben und seiner selbst vertraut, ist unausweichlich.

Stell dir einmal folgende Fragen, um mehr Einblick in deine Angst vor Bewerbungen zu bekommen:

  • Wissen ist Macht. Wie ohnmächtig fühlst du dich, wenn du etwas nicht weißt?
  • Profilierst du dich vielleicht sogar mit dem Wissen, das du hast? Identifizierst du dich damit? Macht es dich in deinen Augen zu einem wertvolleren Menschen? Im Umkehrschluss: Fühlst du dich weniger wertvoll als Mensch und MitarbeiterIn, wenn du in einem Bereich weniger Wissen besitzt als andere oder einzelne Angaben in der Stellenausschreibung nicht auf dein Profil passen?
  • Wenn du dich von deiner besten Seite zeigen sollst, ist es dir dann unangenehm? Hast du das Gefühl, du würdest den Anderen belügen? Denkst du dann, dass all deine Schwächen deine Stärken abwerten würden?
  • Siehst du deine Schwächen als charakterliche Schwäche? Mindern sie in deinen Augen deinen Wert? Bringst du Schwächen mit Ablehnung, Kritik, Streit oder gar Trennung in Verbindung? Ruft das Wort Schwächen Gefühle wie Schuld, Scham oder gar Traurigkeit auf den Plan?
  • Wann würdest du dich gut und wann gut genug fühlen? War Perfektionismus schon Teil deiner Kindheit? Hattest du jemals das Gefühl, dass “immer besser zu werden” dir etwas sichern würde, z. B. Liebe durch deine Eltern oder Anerkennung?
  • Gab es dir eine Aufgabe und ein Ziel, wenn du mit Eigenschaften und Wissen brillieren konntest (getreu dem Motto: Wenn ich x bin bzw. kann, bin ich jemand.)?
  • Im Allgemeinen verleiht der Job eine Aufgabe, der man sich entweder freiwillig und bereitwillig widmet oder die sich aufgezwungen anfühlt. Wie gehst du mit zugeschriebenen Aufgaben um? Stellst du dich den Herausforderungen? Oder tust du am liebsten nur das, was dir wenig Mühe bereitet – weil du hier bereits alles an Wissen und Kompetenzen erworben hast, was du dafür brauchst?
  • Wer bzw. wie wer (, den du kennst) bist du, wenn du Schwächen hast?
  • Ist es ein schlimmes Gefühl, wenn du etwas nicht weißt? Wenn ja, wer fand es schlimm (in deinem bisherigen Leben), wenn du etwas nicht wusstest oder konntest?
  • Wie gehst du mit Ablehnung im Allgemeinen um? Nimmst du sie persönlich, betrachtest du sie als Bestätigung deiner gefühlten Unvollkommenheit, als erneute Aufforderung, noch besser werden zu müssen oder gar als Signal, dass du nie genug sein würdest?
  • Löst der Gedanke “Du reichst (noch) nicht!” eine Blockade in dir aus, die dich sogar gänzlich vom Handeln abhält? Verbirgt sich dahinter der Glaube, du würdest ohnehin abgelehnt werden – ohnehin nicht auserwählt werden, weil es ohnehin immer irgendeinen Menschen geben würde, der besser wäre als du?
  • Wie gehst du mit Makeln um? Strafst du dich (und andere) dafür, versuchst du sie zu verstecken oder zu verdrängen?
  • Wie gehst du mit Fehlern um? Ist es leichter für dich, zu sagen, dass du keine Schuld hast? Liegt dahinter ein angeschlagener Selbstwert, der dich auffordert, dich zu mögen und zu akzeptieren, so, wie du bist?
  • Falls ja: Magst du dich nur dann, wenn dich andere mögen?
  • Jobs geben auch Struktur. Wie gehst du damit um, wenn dir jemand eine Struktur vorgibt? Fühlst du dich eingeengt und fremdgesteuert oder bist du gelassen, weil du hinter der Aufgabe stehst und in ihr einen Sinn siehst, der deinem Leben Fülle verleiht?
  • Apropos Sinn: Wann bzw. wodurch verleiht dir ein Job Sinn? Und wann wäre ein Job sinnentleert?

Nimm dir den Glaubenssatz, der am meisten in dir ausgelöst hat, z. B. Ich reiche sowieso nicht aus. oder Niemand will mich so, wie ich bin. und kehre ihn angemessen und gesund um:

  • Ich reiche aus.
  • So, wie ich bin, bin ich wertvoll.
  • Ich bin genauso wertvoll wie andere.
  • Niemand ist gut oder schlecht, höchstens geeignet oder weniger geeignet für diesen Job.
  • Ein Job sagt nichts über meinen Wert aus.
  • Ich bestimme meinen Wert allein.
  • Was ich von mir denke, ist mir wichtiger.
  • Absagen diktieren nicht meine Zukunft. Mein Selbstvertrauen und das Wissen darum, was ich wert bin, weisen mir meinen Weg.
  • Ich lerne aus jeder Absage wertvolle Impulse für die nächste Bewerbung.
  • Wem ich nicht passe, der passt nicht zu mir.
  • Zusagen sind keine Liebesbeweise. Absagen sind keine Trennungen.
  • Ablehnungen haben mehr mit dem Anderen zu tun als mit mir.
  • Ich bin ein wertvoller, talentierter Mensch.
  • Ich nutze meine Angst und lasse mich von ihr motivieren.
  • Ich mache mir meine Angst zunutze und gebe nicht auf, bis ich einen mir dienlichen Job gefunden habe.

Mut, Vertrauen, Macht über seine Gedanken und Gefühle sind wichtige Hilfsmittel, wie du siehst. Nutze sie bestmöglich für dich. Erinnere dich daran, dass niemand über deinen Wert entscheidet. Übe dich täglich in der Bestätigung deiner selbst, so, wie du bist – besonders im Umgang mit Absagen, die oft in Bewerbungsprozessen unvermeidbar sind. Denke vor allem daran, dass jede Ablehnung mitunter eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann. Sei stolz auf alles, was du kannst und bist. Denn nicht jeder Job, der gut klingt, muss auch gut sein. Auch Personaler verstecken in Ausschreibungen die Schwächen und fehlenden Skills des Unternehmens (bzw. der Menschen, die dort arbeiten).

Kleiner Tipp für Bewerbungen: Hard Skills und Soft Skills

was personaler wirklich interessiert
Entscheidend ist, wie man sich darstellt: am besten ohne Standardsätze, sondern authentisch – auch wenn man selbst weniger von seiner Eignung überzeugt ist. Das Unternehmen kann das anders sehen.

Personalchefs erwarten zwar sogenannte Hard Skills – Muss-Qualifikationen – im Sinne erworbener Fähigkeiten, z. B. Schul- oder Studienabschluss, Zertifikate, Fortbildungen und Sprachfähigkeiten, durch Zeugnisse und Beurteilungen nachweisbar. Am Ende entscheiden aber oft die erwähnten Soft Skills, sogenannte weiche Faktoren. Eben nach diesen werden Bewerbungsunterlagen häufig durchsucht und sortiert.

Unter Soft Skills versteht man Faktoren wie soziale Kompetenzen, eigene Persönlichkeit, Verhaltensweisen und im beruflichen Umfeld eingesetzte Eigenschaften eines Bewerbers. Einige Soft Skills geben Auskunft über die persönliche Reife/Entwicklung eines Bewerbers. Es geht hierbei also nicht um fachliche Qualifikationen. Die Beschäftigungsfähigkeit eines Bewerbers geht oft mit dem Begriff der Schlüsselqualifikation einher – bedeutet, dass ein Jobanwärter Merkmale besitzt, um ihn vielseitig einzusetzen und die Chance auf einen Job zu erhöhen.

Bereitschaft zum Lernen, Kritikfähigkeit, gutes Zeit- und Selbstmanagement sowie Teamfähigkeit sind typische Soft Skills. Ebenso zählen Empathie, Kollegialität, Eigeninitiative, Kreativität, Belastbarkeit, Ziel- und Lösungsorientierung und Verantwortungsbewusstsein dazu. Demzufolge sind diese Talente und sozialen Stärken der jeweiligen Persönlichkeit zuzuschreiben. Der Grundstein dazu wird oftmals während der Kindheit und Jugendzeit gelegt. Fähigkeiten wie Rhetorik und Überzeugungskraft werden dagegen erst während des Berufslebens geschult und entwickelt.

Diese persönlichen Soft Skills sind bei jedem Menschen anders. Sie können in der Bewerbung aber zu einer Vorentscheidung führen, ob du ins Team oder zur Unternehmenskultur passt. Wichtig jedoch ist – während wir alle glauben, alle Soft Skills zu besitzen -, dass du nur diejenigen aufzählst, die du wirklich besitzt UND diejenigen, die wichtig sind für das Jobprofil. So kann Empathie in Führungspositionen zwar hilfreich für ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern sein, aber hinderlich, wenn man Kritik üben oder unternehmerische Interessen durchsetzen muss. Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein kann bei arbeitsreichen Jobs mit hohem Stresspotenzial Gold wert sein, aber in Teamsituationen, wo Zusammenarbeit gefordert ist, mehr als störend wirken.

So mancher Soft Skill kann damit eine schlechte Note, nur bedingt gutes Arbeitszeugnis oder einen fehlenden Abschluss wettmachen. Derjenige wird die Stelle bekommen, der durch seine Persönlichkeit hervorsticht. Gerade in Firmen mit einer hohen Mitarbeiterzahl kommt es darauf an. Denn mit Kollegen/Kunden verbringen wir viel Zeit zusammen, oft mehr als mit der eigenen Familie und nicht selten kennen wir die Belegschaft bzw. Kunden besser als unsere Nachbarn. Doch Kollegen kann man sich nicht aussuchen. Ob Phlegmatiker, Bürokraten, Blender oder Karrieristen – im Büro treffen alle aufeinander. Die große Kunst ist es, damit umgehen zu können und trotzdem man selbst zu bleiben, während man seine bestmöglichste Arbeit leistet.

Studien belegten zudem folgerichtig, dass sich der Erfolg im Beruf aus zehn Prozent Leistung und 90 Prozent Soft Skills im Bereich der Diplomatie (offen für Gespräche, Fairness, Verhandlungsgeschick), Soziologie (sich in ein Umfeld einfügen und sozial verhalten), Psychologie (Selbstvertrauen, sich und andere einschätzen können, Grenzen setzen und wahren, gesunde Verbindungen aufbauen), Publicity (Leistung, Aufmerksamkeit, Lob und Kritik ertragen können) und etwas Travestie (sich zeigen/darstellen, spielerisch agieren) zusammensetzt. Wer allgemeine Soft Skills in seine Bewerbung schreiben möchte, sollte sich also auf diese konzentrieren.

  • Bei welchem dieser Punkte siehst du eine Schwäche?
  • Wo kannst du dich unterstützen und wie?
  • Wer könnte dir dabei helfen?

Stärken und Schwächen vorteilhaft hervorheben – so geht’s

sich in einer bewerbung nicht verstecken sondern gekonnt zeigen

Im Endeffekt sind vorhandene Soft Skills Stärken und nicht erworbene bzw. noch ausbaufähige Skills Schwächen. „Was sind Ihre Schwächen?“ ist eine Frage, die jeder Bewerber kennt und oft auch fürchtet. Denn kaum ein Satz bietet mehr Potential zu massiven Fettnäpfchen, die letzten Endes sogar die Chance, den Job zu bekommen, vernichten können. Viele Bewerber sind daher von vornherein auf diese Frage vorbereitet – mit Standardantworten.

Der Personalchef versucht mit dieser Frage zu klären, ob du kreativ und spontan reagieren kannst und/oder dich auf das Gespräch vorbereitet hast, es ernst nimmst, eigenständig denkst statt Standardantworten abzuspulen. Deine Antwort auf diese Frage sagt viel über deine Ambition aus, deinen Willen und deine Motivation, in dem Unternehmen zu arbeiten. Deshalb werden einige Personalchefs die Frage nach deinen Schwächen tarnen. Zum Beispiel fragen sie stattdessen nach Eigenschaften, die dir von einem ehemaligen Chef oder Kollegen nachgesagt wurden (Was schätzten Ihre Kollegen an Ihnen?) oder die in der Beurteilung standen. Daraus kann man vieles ableiten. Oder die Frage wird selbstkritischer gestellt:

Was würden Sie gern an sich ändern?

Einige Personaler stellen aber auch Skalenfragen wie “Wie schätzen Sie sich (in einer bestimmten Eigenschaft/Kompetenz) auf einer Skala von 1 bis 10 ein?” Dadurch sollen Schwächen identifiziert werden, wobei Werte kleiner als sieben bereits als solche gedeutet werden. Ein Wert von zehn klingt überheblich und deutet auf Egoismus – in kaum einer Branchen eine gern gesehene Eigenschaft. Am besten sind Werte von sieben bis neun. Personaler wissen natürlich, dass jeder Mensch Schwächen hat. Einzuräumen, man wäre perfekt, würde aber überheblich und arrogant klingen. Das wirft kein gutes Licht auf dich.

Folgendes sollte man auf gar keinen Fall sagen:

  • Rudimentäre Eigenschaften/Kompetenzen, die für die Stelle wichtig sind, nicht zu besitzen: Eine Krankenschwester muss belastbar und menschenfreundlich sein, ein Dozent muss Spaß am Lehren und Interesse an Pädagogik haben, Menschen, die in Büros arbeiten, müssen PCs mögen und Sitzen ertragen usw.
  • Niemals sagen: “Ich arbeite im jetzigen Job zu viel!” oder “Alle anderen im aktuellen Job können nichts. Alles muss ich allein machen!”. Im ersten Moment klingen diese Aussage sehr verständlich, doch auf den zweiten Blick offenbaren sie, dass der Bewerber zumindest mit seinem Zeitmanagement schwer klarkommt – und offensichtlich auch wenig umgänglich ist.
  • Standardaussagen wie “Ich kann alles!” verstehen Personaler als Vertuschung von Makeln, deuten es als Zeichen für Arroganz und daraus ableitend für nicht vorhandene Teamfähigkeit.
  • Es sollten auch nicht alle Schwächen wie bei einem Gedicht auswendig gelernt aufgesagt werden. Ein bis zwei Schwächen, nebenbei erwähnt, reichen vollkommen aus. Eine wirkliche Schwäche kann durch Wörter wie “gelegentlich”, “stellenweise”, “hin und wieder” oder “manchmal” geschmälert werden. Es ist übrigens ein gutes Zeichen zu sagen, dass man von seiner Schwäche weiß und an dieser arbeitet. (Aber Achtung: Viele Personaler fragen hier gern, wie man an ihr arbeitet. Hier sollte man eine pfiffige Antwort parat haben wie z. B. mit einem Coach, einer Freundin, Standardwerken zu diesem Thema, die man jedoch mit Titel benennen können sollte!)
  • Die beste Strategie ist es, die Schwächen bewusst zu dosieren und nicht zu übertreiben.

Wurden beim Vorstellungsgespräch die Schwächen abgefragt, kann es mit den Stärken weitergehen. Vielen Bewerbern fällt es leichter, über Stärken als über Schwächen zu sprechen. Doch wer Angst hat, sich zu bewerben, tut sich besonders mit seinen Stärken schwer – oft auch, weil er meint, keine nennenswerten zu haben. Doch Stärken sollten im Anschreiben und Bewerbungsgespräch hervorgehoben werden.

Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift.

  • Hebe dich nicht selbst in den Himmel. Man sollte authentisch bleiben. Hebe einige markante Stärken hervor, die für den neuen Job wichtig sind.
  • Stärken können mit Beispielen belegt werden. Es klingt einfach, Schlagworte aufzuzählen wie: innovativ, belastbar, lernfähig oder teamfähig. Doch so einfach ist es nicht. Die Stärken sollten an konkreten Beispielen festgemacht werden z. B. aus einem vorherigen Job bzw. Projekten, an denen du gearbeitet hast, wo du eben diese Stärke einsetzen konntest.
  • Nicht an Situationen gebundene Aussagen wiederum zeichnen deine Persönlichkeit “im Allgemeinen” aus. Das kann auch so benannt werden: “grundsätzlich”, “im Allgemeinen”, “von Natur aus” bin ich …. XYZ.

Andere Wege, seine Stärken auszudrücken, sind:

  1. “Ich komme mit Stress und Zeitdruck gut zurecht. Wenn Deadlines für Aufträge näherrücken, kann ich dennoch Ruhe bewahren und konzentriert arbeiten.”
  2. “Ich stehe neuen Themengebieten und Aufgabenbereichen positiv gegenüber und kann mich gedanklich schnell in ein neues Thema hineinversetzen. Deshalb liegt mir die Arbeit im Bereich X auch so sehr am Herzen. Es stillt meine Freude am Lernen.”
  3. “Meine Kreativität kam mir oft zugute. Ich konnte sie in der Vergangenheit besonders nutzen, um Herausforderungen in Projekten angemessen und ruhig zu begegnen.”
  4. “Wenn ich mir ein Ziel setze, verpflichte ich mich diesem. Meine Zielstrebigkeit hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen.”
sei stolz auf das, was du kannst
Zeige lieber, wer du bist, und atme dich durch die Angst vor einer Ablehnung, statt dich zu verstellen oder hinter Standardsätzen zu verstecken. Diese funktionieren ohnehin nur selten.

Alles sollte schlussendlich natürlich – authentisch klingen statt aufgesetzt und abgeschrieben. Nur Bewerbungen, die die Persönlichkeit des Bewerbers durchblicken lassen, werden in Erinnerung bleiben und zu Vorstellungsgesprächen führen. Wer wie ein Bewerbungsratgeber ausschließlich Standardsätze aneinanderreiht, wird eher mit Absagen rechnen können. Denn hier kommt nur mangelnde Motivation aka Desinteresse und Fließband-Bewerbungs-Mentalität rüber. Vor allem zeigen sie deutlich, dass der Bewerber nur diesen Job will, weil er EINEN Job will. Möge das auch stimmen – wenigstens aus finanzieller Sicht -, so sollte man dennoch klar ausdrücken, dass man die Stelle will, weil man sich für diese eine Stelle eignet – und wieso.

Bei anhaltender Angst: Erinnere dich an deine WÜRDE

Wie schon erwähnt: Jobwahl und Partnerwahl haben einiges gemeinsam. Stell dir vor, jemand würde sich bei dir als PartnerIn bewerben – nicht wegen dir, sondern einfach nur, weil er IRGENDWEN will, der ihn/sie will, der sich kaum Mühe gibt, dich kennenzulernen oder sich zu zeigen. Sehr wahrscheinlich würdest du dir sehr verschaukelt vorkommen oder dich zumindest wundern. Vielleicht hilft es, dir den Bewerbungsprozess wie ein Date vorzustellen?

Ein Ereignis und doch Prozess, der Spaß machen darf statt Frust verursacht. Immerhin bist du auf der Suche nach einer Aufgabe in einem Unternehmen, der du dich viele Stunden deines Lebens widmen wirst. Aber so wie auch Partner unsere Schwächen akzeptieren und oftmals sogar auffangen bzw. ausgleichen, so sind auch Unternehmen aka Personaler nur Menschen, die nach jemandem suchen, mit dem die Erledigung der Aufgabe langfristig funktionieren wird/kann. Nur selten verhalten sich nicht wie Monster, Könige oder Königinnen und behandeln dich wie einen Untertan. Und die Personaler – jene, die ich schon oben beschrieb -, die dir das Gefühl der Unterlegenheit durch Arroganz und Uneinsichtigkeit vermitteln, sind Menschen, die dir zeigen, was das Unternehmen an Werten abverlangen wird. Ordentliche Personaler verhalten sich anders: nämlich “ordentlich” im moralischen Sinne, klar, strukturiert, offen, menschlich, fair und ehrlich. Ein Bewerbungsprozess kann deshalb immer würdevoll sein und bleiben – trotz Angst-, selbst dann, wenn man letzten Endes eine Absage erhält oder aber freiwillig erteilt.

Angst im Nacken: Muskelverspannungen, Angstzustände & Panikattacken

Angst im Nacken: Muskelverspannungen, Angstzustände & Panikattacken

Viele Betroffene von Angstzuständen mit und ohne Panikattacken klagen über schmerzhafte Muskelverspannungen – besonders im Bereich des Nackens, der Halswirbelsäule und Schultern. Und fragen sich zurecht: Können Angststörungen diese Schmerzen auslösen? Vor allem: Kann man Panikattacken durch Nacken- und Schulterverspannungen bekommen?

Muskelverspannungen durch Angstzustände & Panikattacken?

verspannter Nacken und Schultern können Angst vor der nächsten Panikattacke auslösen

Ich bin keine Medizinerin, aber hatte mehrfach Angstzustände mit Panikattacken und weiß deshalb: Ja, das funktioniert beides sehr gut. Ich hatte monatelang, sogar noch über meine Panikstörung hinaus, Angst, durch meine Muskelverspannungen im Hals- und Nackenbereich eine Panikattacke zu bekommen. Und anfangs war diese Angst dermaßen präsent, dass ich teilweise nur beim Bewegen meines Halses eine Panikattacke hatte. Selbst wenn diese ausblieb, war es eine Angstattacke – nur eben ohne Panik-Fluchtreaktion.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich besonders beim Fahrradfahren (also draußen = Horror!) stets im wahrsten Sinne des Wortes “Angst im Nacken” hatte. Angst äußert sich ja im gesamten Körper als Stressreaktion. Es knackte im Bereich rund um meinen Hals herum unentwegt, wann immer ich ihn bewegte. Es fühlte sich an, als würde jemand konstant versuchen, mir meinen Kopf wieder zurechzubiegen – oder abzureißen. Egal wie, dass ich meine offensichtlichen Blockaden in den Muskelgruppen nicht wegrenken konnte, machte mir noch mehr Angst – und rief die Angst vor der nächsten Panikattacke auf den Plan.

Als ich einmal noch mitten in meiner Panikstörung im Flugzeug saß, waren diese Beschwerden so vehement, dass ich fast zwei Stunden lang weinend ausharren musste.

Falls dich diese Beschwerden auch betreffen, möchte ich dir deshalb aus heutiger Sicht einige Aspekte mitgeben, die dir helfen könnten, Abhilfe zu schaffen.

Was bei Muskelbeschwerden im Hals-/Schulterbereich und Angst- bzw. Panikattacken helfen kann

Der Ganz zum Arzt oder Physiotherapeuten kann genauso wie Sport zu Hause oder das Vermeiden von langem Sitzen gegen angstauslösende Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich helfen.

Viele – wenn nicht sogar fast alle – Betroffenen von Angst- und Panikstörungen sind ans Haus bzw. ihre Wohnung gebunden. Vielleicht rennt man mal in die Küche oder steht vom Sofa auf, um ins Bad zu gehen, saugt ab oder wischt den Boden. Aber summa summarum sind die Wege, die man zurücklegt, doch eher gering. Auch die wenigen Male, die man sich nach draußen traut, werden selten ausreichen, um die empfohlenen Bewegungseinheiten von 2,5 Stunden/Woche als Erwachsener zu erreichen (Empfehlung laut WHO). Alles darunter fällt in den Bereich der mangelnden Bewegung und eben diese begünstigt u. a. Muskelverspannungen.

Je mehr ich saß, desto schlimmer wurden meine.

Es ist unerlässlich, selbst wenn man sich kaum nach draußen bewegen kann, so viel Sport zu Hause zu machen, wie möglich. Die entsprechenden Muskeln müssen gestärkt werden. Und es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, von zu Hause aus Sport als Liveklassen oder aufgezeichnete Klassen mitzumachen (Gymondo, YouTuber und ihre Klassen … Ich nutze Yogaia.)*. Denn Sport wirkt bei Angst und Panik kleine Wunder.

Ich habe viel Yoga gegen meine Beschwerden gemacht (besonders Sonnengrüße), aber auch einzelne Bewegungen halfen mir (“in den Himmel gucken” bzw. in diesem Falle “an die Decke”, auf die Terrasse/den Balkon zu gehen, und dort nach oben zu schauen).

“Nimm eine andere Position ein, als die sitzende, in der die Schultern und der Kopf hängen. Allein diese Sitzhaltung erinnert an einen traurigen Menschen (gekrümmte, nach vorn zeigende Schultern und gesenkter Kopf). Sie begünstigt Angst und Traurigkeit”, sagte mir einst ein Kollege, der im Bereich Psychotherapie tätig ist.

Selbst beim Fahrradfahren wäre es besser, kein Mountainbike, wo der Nacken eingeknickt ist beim Fahren, sondern ein City Bike zu verwenden, wo er gerade gehalten werden kann, stellte ich früher fest. Sitzen zu Hause ist aber in jedem Fall kontraproduktiv.

Was ich auch noch verwendete, waren Wärmesalben aus der Apotheke und Pferdebalsam (der erst kühlt und dann wärmt), wenn alle Stricke rissen. Ich bin mir unsicher, ob man diese immer bedenkenlos anwenden kann, aber möchte es der Vollständigkeit halber mit erwähnen. Bitte besprich dich in diesem Falle mit einem Arzt deines Vertrauens.

Eine meiner Freundinnen ist Physiotherapeutin. Ich hatte mich früher oft mit ihr darüber unterhalten und weiß daher, dass Physiotherapie eine gutes Behandlungsfeld gegen diese Beschwerden darstellt. Wer den Weg dorthin über sich bringt, wird zielführende Übungen an die Hand bekommen, die zusätzlich helfen, die Angst zu vermindern, und gleichzeitig gegen die Muskelverspannungen wirken.

Dieser kurze Blogpost entstand aufgrund einer eingesandten Frage von einer meiner Leserinnen. Danke für diese Anregung!

*Wegen aktueller Rechtssprechungen muss ich diese als Werbung kennzeichnen, bezahlter oder unbezahlter Natur, da sich Geschäftsbeziehungen durch meine Nennung anbahnen könnten. In diesem Falle: unbezahlte Werbung.