Eure Frage: Wann ist es “normale” Angst und wann eine ernste Angststörung?

Eure Frage: Wann ist es “normale” Angst und wann eine ernste Angststörung?

Angst ein normales Gefühl wie Traurigkeit, Freude, Überraschung auch. Sie ist Teil unseres Reptiliengehirns aus Steinzeiten und hat eine klare Funktion: achtsam gegenüber Gefahren zu sein und sein Überleben zu sichern. Doch wann ist Angst nützlich und normal und wann wird sie krankhaft? Pathologische, übermäßig hohe Angst bringt viele Nebenwirkungen mit sich: Schlaf- und Verdauungsstörungen, latente Unruhe, Juckreiz, Panikattacken, Herzrasen bei Angstzuständen – bis hin zu Vermeidungsverhalten. Nur ist nicht alles, was wir aus Angst vermeiden, auch eine potenzielle Gefahr für unser Leben. Vermeiden wir über einen langen Zeitraum unbequeme, angstbesetzte Orte, Personen und Verhaltensweisen mit einem unsicheren Ausgang, das selbst dir als Einschränkung vorkommt, kann man von einer Angststörung sprechen.

Mehr darüber im aktuellen Post.

Was ist “normale” Angst? Wie definiert man sie?

Dem einen wird angst und bange bei Clowns, den anderen, wenn sie nachts durch leere Straßen gehen. Die meisten fürchten sich vor sog. verständlichen Angstauslösern wie Ekelerrengendes, Schauriges, Armut, den Verlust eines Jobs oder Menschen durch Krankheiten, Tod – alles im „normalen“ Maße. Es bremst sie aber weder im Alltag aus noch beschäftigt es sie so sehr, dass sie handlungsunfähig würden bzw. ihre Selbstwirksamkeit verlören. „Normale“ Angst kommt und geht und wird oft nur ausgelöst durch ein Ereignis, Gespräch usw. Doch die angstbasierten Gedanken bleiben nicht 24/7. Man kommt mit dem Gefühl zurecht, denn es weicht.

Als normal gilt, was verständlich ist, angemessen, nachvollziehbar, weil gesellschaftlich legitim und anerkannt (weil bekannt). Einige Ängste haben es (leider) geschafft, den Status „normal“ zu erhalten, obwohl sie laut Psychologie einen Krankheitswert erkennen ließen, wenn man genauer hinsieht. Aber weil wir nicht 24/7 mit Gewittern, Spinnen & gefährlich wirkenden Hunden oder Spritzen zu tun haben bzw. ständig in Flugzeugen oder auf 1.000 m Höhe sind, gelten diese Ängste als “nicht weiter schlimm” – obwohl sie zu den spezifischen Phobien zählen (und oft ein Vermeidungsverhalten nach sich ziehen).

Wann spricht man von einer Angststörung? Welche Angst ist krankhaft?

Als nicht normal, pathologisch erhöht, krankhaft und behandlungsbedürftig gilt Angst daher, wenn sie für dich bedrohlich ist und dein Leben nachhaltig negativ beeinflusst. Eine Angststörung könnte auch vorliegen, wenn:

  • sie deine Lebensqualität, Bewegungsfreiheit … einschränkt
  • du Angstauslöser vermeidest (Vermeidungsverhalten)
  • du eine Angst vor der Angst entwickelst
  • du mind. 3/4 des Tages an die Angst denkst
  • sie Beziehungen gefährdet (auch berufliche & gewünschte)
  • du sie mit Suchtmitteln kompensierst (Alkohol, Drogen …)
  • du depressive Symptome und/oder Suizidgedanken wegen ihr hast/entwickelst.

Das Deutsche Ärzteblatt kategorisiert Angststörungen in Anlehnung an den ICD-10, die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (kurz ICD, englisch: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) wie folgt:

Quelle: Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 611-20; DOI: 10.3238/arztebl.2018.0611

Wusstest du…? Interessantes über Angst und Angststörungen

In Familienstudien zeigte sich, dass “Angehörige ersten Grades von Panikpatienten” ein bis zu 5-fach erhöhtes Risiko aufweisen, an einer Panikstörung zu erkranken. Eine ähnliche sog. “Familialität” zeigte sich auch bei der generalisierten Angststörung und spezifischen Phobien (Tiere, Objekte, bestimmte Situationen usw.). Zu 30-67 % können Angststörungen erblich bedingt sein. Das Lernen von Bewältigungsstrategien, der Aufbau eines sicheren Bindungsstils und unterstützende, positive Erfahrungen sowie ein positives, bindungssicheres soziales Netzwerk helfen selbst dann, wenn Familialität vorliegt. (Quelle: Quelle: Ströhle A, Gensichen J, Domschke K: The diagnosis and treatment of anxiety disorders. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 611–20. DOI: 10.3238/arztebl.2018.0611)

Muss man eine Angststörung behandeln lassen?

Eine Angststörung unbehandelt zu belassen, erhöht die Wahrscheinlichkeit (wie bei anderen Störungsbildern auch), dass sie schlimmer wird. Die Forschung hat gezeigt, dass sich durch Angststörungen weitere Krankheitsbilder (z. B. Depression) entwicklen können. Hilf dir selbst und lass dir von einem Therapeuten/einer Therapeutin oder Heiler deiner Wahl helfen, deine Angst zu überwinden. Lass nicht zu, dass sie dein Leben einschränkt. Trau dich, du zu sein und dein Leben zu leben. Aber am wichtigsten: Gib nicht auf. Nie. Egal, welcher Arzt deine Angst unheilbar nennt, egal, was es kostet, wer dich versteht und wer nicht, egal, wie lange du brauchst. Es ist dein Leben. Dein Weg. Dein Tempo.

ideen, um angst und panik aufzulösen

Oft werden Angststörungen in einer Verhaltenstherapie therapiert. Andere Betroffene wähl(t)en eine Psychoanalyse oder Gesprächstherapie (wie ich). Meine Meinung ist: Probiere solange aus, was dir guttut und dir hilft, bis du gefunden hast, was für dich wirkt. Es gibt viele Therapieverfahren/Methoden, von denen mir angsterkrankte Menschen erzählten, dass sie ihnen halfen (isoliert oder als Ergänzung):

Mir half eine Verbindung aus vielem:

Mein aktuelles Buch “Mein neues Leben ohne Angst” (TRIAS, 2020) bietet dir darüber hinaus weitere, unzählige Strategien:

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst
erhältlich überall im Buchhandel als E-Book & Taschenbuch

Dieser Beitrag entstand aus der “Du fragst – Ich antworte”-Rubrik. Du hast auch eine Frage und glaubst, ich könnte dir helfen? Dann sende mich deine Frage (per E-Mail, via Instagram oder Facebook – Links siehe Menü) und ich werde mich ihr alsbald annehmen. Die Antworten erscheinen auf allen sozialen Medien und hier im Blog.

Wieso du zu viel Alkohol trinkst & wie es gelingen kann, weniger zu trinken

Wieso du zu viel Alkohol trinkst & wie es gelingen kann, weniger zu trinken

Alkohol zu trinken, sei es das Glas Wein, ein Bier zum Feierabend oder mehr, ist zumindest in der westlichen Gesellschaft ein probates Mittel, um sich zu belohnen oder von etwas abzulenken. Das muss nicht zwingend etwas besonders Trauriges oder Schlimmes sein. Auch als Füller in langweiligen Stunden, aus Gruppenzwang oder Spaß an der Freude mit Freunden am Wochenende, um es noch lustiger zu machen, ist Alkohol ein häufig gesehener Begleiter – aus den verschiedensten Gründen.

Doch wie jede Droge ist auch Alkohol eine, von der man süchtig werden kann. Je mehr sich der Körper und Geist an die leichten Gefühle und oberflächlich bessere Stimmung gewöhnt, desto abhängiger wird er. Ein Kreislauf, der häufig angeregt wird durch die immer größere werdende Menge an Alkohol, die der Körper braucht, um sich schummerig-leicht und zufrieden zu fühlen. Wenn du es in meinen Blog geschafft hast, trinkst du entweder in deinen Augen zu viel Alkohol oder willst gar keinen mehr trinken. Oder vielleicht möchtest du auch nur verstehen, wieso du oder jemand anderes Alkohol trinkt.

Alkohol und seine Bedeutung in meiner Familie

co-abhängig in familien

Meine Familie (und ich) wuchs im Osten des geteilten Deutschlands auf. Ohnehin fühlte man sich damals nicht nur im Außen, sondern auch im Inneren getrennt, suchte nach Verbindung und Verbundenheit, nach seinem eigenen Platz, an dem man sicher war, wo es einem an nichts fehlte. Viele suchten nach einer “Heimat”, die garantierte, dass man nicht benachteiligt wurde und dazugehörte. Besonders unter den Jugendlichen, um kurz aus dem Leben meines Onkels zu erzählen, war es oft gang und gäbe, sich an öffentlichen Orten zum Trinken zu treffen. Trinken war Gruppenkleber und Teil des Treffens. Aus Alkohol wurde schnell der Grund des Treffens selbst, so, wie wir es auch heute noch erleben: Viele treffen sich allein zum Trinken bzw. Saufen. Überall auf Partys (an Silvester, zu Betriebsfeiern, Geburtstagen usw.) wird getrunken und mit der wachsenden Spätikultur steht Alkohol noch stärker im Mittelpunkt von sozialen Gatherings. Es ist neben Nikotin ein frei verkäufliches und erhältliches Suchtmittel und je nach Kultur bzw. (Bundes)Land selbst morgens oder mittags (Frühschoppen, Siestas und mehr) angebracht. Es wird vielerorts sogar still erwartet, dass man mittrinkt. Ein freiwilliger Nichttrinker hingegen gilt glatt als Spaßbremse.

Als Kind, das aus einer Alkoholikerfamilie stammt (mein Großvater z. B. griff in schlechten, einsamen Zeiten zu Alkohol und mein Onkel war starker Trinker, der schon in jungen Jahren an einer Leberzirrhose starb), und einer Mutter, die strikt gegen Alkohol ist, mache ich mir schon mein ganzes Leben Gedanken über Alkohol und Alkoholismus. Einige meiner Familie predigten stets, Menschen, die Alkohol trinken, wären schlechte Menschen, schlechte Mütter/Väter und Frauen/Männer. Sie wären Säufer – zu nichts gut und zu nichts zu gebrauchen, schwach, weil sie sich nicht vom Alkohol lossagen konnten. Als Kind dachte ich oft: Wenn Alkohol schuld ist, dann wären sie doch nur Opfer. Sie als Menschen wären unschuldig, weil Alkohol das mit ihnen gemacht hat. Und stückweise – wie bei jeder Sucht – stimmt das natürlich. Aber diese Ansicht ließ das Prinzip Selbstverantwortung außer Acht.

Ich hatte immer diese Stimme in mir, die sagte: Irgendjemand muss sich mit den Alkoholabhängigen meiner Familie solidarisieren. Sie wegen des Alkohols auszuschließen oder auszustoßen (was beispielsweise mein Großvater bei meinem Onkel tat), funktionierte in meinem Kopf nicht. Ich wollte sie verstehen und wollte sie nicht verlassen. Ich wollte ihnen vor allem beistehen, auch, wenn das bedeutete, dass ich Alkohol nicht verteufeln würde.

Doch viele verstehen nicht, wie es so weit kommen konnte, dass sie so viel trinken, ob nur in Gesellschaft oder gar allein. Viele rutschen da einfach hinein, so, wie es meinem Onkel passierte. Leider denken sich viele vor allem: Ich bin nicht abhängig. Sie verkennen, dass sie bereits süchtig sind. Alkohol wird in unserer Gesellschaft nur abgewertet, wenn er in ungesundem Maße konsumiert wird, es in Alkoholismus umschlägt. Dass das ein schleichender Prozess ist, vergessen viele. Oft heißt es dann nur, derjenige hätte keine Willensstärke oder wäre einfach schwach. Und dann ist man fertig mit der Erklärungssuche. Verständnis fehlt fast immer. Deshalb möchte ich im Folgenden dazu beitragen:

Wann ist wie viel Alkohol zu trinken bereits Alkoholismus und wieso greifen Menschen zu Alkohol (vermeintlich legitime Gründe)

bin ich alkoholabhängig

Ist man schon ein Alkoholiker, wenn man abends ein Bier, ein Glas Wein oder anderes trinkt? Laut WHO, die Kriterien eines behandlungsbedürftigen Alkoholismus erstellt hat, gilt es als Alkoholsucht, wenn du in den letzten 12 Monaten mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt hast:

  1. einen übermäßig starken Drang hast, Alkohol zu trinken (Gelüste, Cravings)
  2. du nicht kontrollieren kannst, wie viel du trinkst und wann (Zeit) du trinkst
  3. du immer mehr trinken kannst (dein Körper eine Toleranz entwickelt)
  4. deine Tagesaktivitäten beeinflusst werden durch Alkoholkonsum (du andere, wichtige oder freizeitliche Interessen vernachlässigst bzw. nicht mehr ausführen möchtest)
  5. du weitertrinkst, obwohl du bereits Konsequenzen des Alkoholkonsums spürst (psychisch, körperlich, mental, z. B. starker Kater, Magen-Darm-Probleme, Zittern, Angstzustände, Depressionen usw.)
  6. du Entzugserscheinungen spürst, wenn du weniger oder gar nicht trinkst

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man weniger trinken kann, wenn man versteht, wieso man trinkt und wozu, also nicht nur den Grund/Anlass des Trinkens, sondern auch das Ziel des Alkoholkonsums. Aus meiner eigenen Familiengeschichte heraus habe ich verschiedene Gründe, wieso jemand trinkt, beobachtet/zusammengestellt, um das Thema für mich zu greifen. Wenn auch du zu viel trinkst oder jemand, den du kennst, könntest du hier einen ersten Ansatzpunkt finden:

  • Stressabbau und weg mit den negativen Gefühlen wie Traurigkeit, Scham, Schuld, Angst: Viele trinken, wenn es ihnen nicht gut geht oder sie einen Scheißtag hatten. Sie trinken für gute Gefühle, um sich besser zu fühlen, die Intensität jener Gefühle nicht spüren zu müssen, die in ihnen aufgetaucht sind, oder um mit den negativen Gefühlen besser umgehen zu können. Auch die Forschung hat mit Berichten über die stressabbauende Wirkung eines Glases Wein beispielsweise den Gedanken gefördert, es wäre ein probates Mittel. Auch bei Krankheiten wie Angststörungen, Panikstörung, Depressionen, Zwangsstörungen usw. greifen viele zu Alkohol, um die Begleitgefühle abzumildern.
  • Trinken aus Langeweile: Auch Trinken/Saufen ist eine Beschäftigung. Vielen machen bestimmte Beschäftigungen unter Alkoholeinfluss mehr Spaß.
  • Allgemeine Ablenkung von schweren Zeiten, um etwas Positives zu spüren oder um sich zu spüren.
  • Selbstwertprobleme: Man trinkt, um sich größer zu fühlen, wenn Selbstzweifel einen im Kopf kleinhalten. Vielleicht flüchtet man mit Alkohol auch in Traumwelten oder kann die Realität so besser ertragen, Erinnerungen an schmerzhafte Erfahrungen besser aushalten.
  • Einsamkeit: Trinken, um sich von seiner inneren oder äußeren Leere abzulenken, um die Traumwelten schöner zu machen, um sich wenigstens im Geiste verbunden zu fühlen und weniger allein gelassen.
  • Gruppenzwang: Alkohol ist Gruppenkleber und soziales Addon. Man trinkt in besonderen Kreisen zum Beispiel einen ganz besonderen Alkohol (wie teuren Wein) oder man trinkt zu besonderen Anlässen, um auf etwas Gutes, ein Glück, anzustoßen. Der Gruppenzwang und Druck hinter Alkohol ist dabei nicht zu unterschätzen. Das trifft besonders die Menschen, die eigentlich nur trinken, um anderen ein gutes Gefühl zu geben, während sie trinken: Trink mit mir! Andere wiederum trinken, um sich zugehörig zu einer Personengruppe zu fühlen, sich einzureihen und zu verbinden.
  • Belastbarkeit erhöhen: Weiterarbeiten zu können, obwohl der Körper und Geist erschöpft sind, gelingt vielen unter Alkohol leichter. Gleichzeitig kenne ich viele KünstlerInnen bzw. Kreative, die sich besonders kreativ fühlen, wenn sie getrunken haben. Den Hintergrund dafür verstehen leider nur wenige: Kreativität, das weiß die Forschung, kann nur entstehen, wenn wir keinen vordergründigen Stress erleben/empfinden. Nur unter mentaler Ruhe können Inspiration und Freiheit im Denken gelingen. Das bedarf jedoch keinen Alkohol.
  • Individuelle Konstitution und genetische Vorbelastung: Wenn jemand ein alkoholabhängiges Familienmitglied hat/te, wird die Wahrscheinlichkeit, selbst abhängig zu werden, erhöht. Denn das Risiko ist bereits genetisch vorhanden. Es beeinflusst, so eine Studie der Universität Göteborg, die Wirkung von Alkohol, auf den man positiver reagiert, auf den eigenen Körper, je näher uns das Familienmitglied stand.

Man unterscheidet innerhalb der Forschung zudem bei Alkoholismus zwei Typen:

  1. Typ I, wenn es Lebensereignisse gab (Verluste, Selbstwertschwierigkeiten, Krankheiten etc.) und/oder soziale Aspekte wie Gruppendruck, die einen abhängig werden ließen,
  2. Typ II, wenn es eine genetische Vorbelastung gibt und somit ein stark erhöhtes Risiko zu Alkoholismus besteht, gleich, wie sich das Umfeld gestaltet oder wie das Leben aussieht.

Besonders bei Typ I und den heutigen Strukturen, wie mit Alkohol in sozialen Kreisen umgegangen wird, liegt für mich die Krux: Ein entsprechendes Umfeld lässt viele Alkohol trinken, obwohl sie allein keine Lust auf alkoholische Getränke haben. Es ist eine Form der Solidarisierung und Zelebrierung von Verbundenheit. Und gibt es keine Gemeinschaft oder Verbindung, ist Alkohol für viele mitunter die einzige Gesellschaft, die man gerade hat.

Doch es sind Trugschlüsse und (von anderen oder von dir) ausgewählte Gedanken, die du beschlossen hast, zu glauben. Dazu mehr im nächsten Absatz.

Ganzheitlich Alkoholkonsum verstehen: Wohlfühlen durch Alkohol & Begleiter verborgener Sorgen, Ängste und Glaubensmuster

wohlfühlen ängste sorgen vermindern durch alkohol

Alkohol ist für viele ein erschwinglicher und einfacher/er Weg, um sich besser, größer oder überlegen/er zu fühlen. Dahinter steckt die missliche Annahme, man wäre klein und unwichtig. Im Alkoholkonsum hingegen hat man nicht nur physisch etwas, woran man sich festhalten kann. Man hat auch etwas Personifiziertes, das einen in Momenten der Einsamkeit und Selbstabwertung bzw. gefühlten Ausgeschlossenheit, sich Getrenntfühlens, begleitet und Gesellschaft leistet. Alkohol mag einem das Gefühl geben, größere Gedanken über sich selbst zu haben oder die Illusion besserer Lebensumstände, in die man sich hineindenkt, glückliche Zeiten, an die man sich erinnert, oder eine Wichtigkeit und Bedeutung, die man sich nur unter Alkohol zusprechen kann – weil man sich dann stärker fühlt.

Auch umgekehrt funktioniert das: Vielleicht kann man mit Alkohol endlich seine Emotionen rauslassen oder – wie das Sprichwort “Betrunkene sprechen die Wahrheit” besagt – traut sich nur alkoholisiert, auszusprechen, was einem auf der Seele brennt, das Herz beschwert. Oder man traut sich endlich zu tun, was man sonst fürchtet. Natürlich ist es nicht der Alkohol an sich, der das verursacht, sondern die Rauschwirkungen der Droge. Im nüchternen Zustand ist man konfrontiert mit dem Leben und seiner Nüchternheit, wie man es selbst sieht, nicht aber, wie es ist. Wie du über dein Leben denkst und somit über dich und deine Bedeutung, deinen Wert und deine Gefühle, entscheidest du. Punkt 1.

Punkt 2: Es gab irgendwann einen stillen Erwartungsdruck, Alkoholkonsum – in welchen Maßen und zu welchen Anlässen auch immer – gut zu finden und auch als Teil seines eigenen Lebens zu zelebrieren oder als Bewältigungsstrategie zu nutzen. Es ist ein soziales Klebeinstrument. Man selbst sucht – wie jeder andere Mensch auch! – nach Verbindung und Zugehörigkeit, fühlt mit jemandem oder hat Gefühle für jemanden, der Alkohol so benutzt (wie ich für die Männer meiner Familie). Selbst wenn sie keinen Alkohol getrunken hätten, hätte ich mit ihnen gefühlt, weil sie allesamt Mitgefühl verdienten, aber wegen ihrer dunklen Stunden, gefühlten Schwäche und Unfähigkeit, immer Stärke zu zeigen, abgewertet und ausgestoßen wurden. Wenn wir Alkohol also befürworten (in ganz normalen Situationen wie Silvester oder an Geburtstagen), tun wir das meistens, weil wir niemandem das Gefühl vermitteln möchten, seine Art und Weise (Alkohol gehört für ihn dazu) wäre falsch oder er selbst (aufgrund seines Alkoholkonsums) wäre falsch. Also fügt man sich eher, besonders, weil es ja “nicht weiter wild” wäre, wenn man “feiert” oder Alkohol “eben dazugehört” – “weil das schon immer so war”. Aber diese Denkmuster sind nur Annahmen, so, wie die, Alkohol würde dabei helfen, seine Sorgen zu vergessen – “nur für ganz kurz!” Aber: Man selbst entscheidet, ob man diesen Annahmen, Denkweisen, Trugschlüssen, Gewohnheiten und Bewältigungsstrategien folgt oder nicht.

Spaß und die Verbindung zu Alkohol ist Punkt 3, den man sich ansehen sollte: sei es im Freundeskreis, um dazuzugehören, mitzumachen (Gruppenzwang), im Elternhaus oder weil du zu wenig Freu(n)de, Geborgenheit oder Unterstützung in deinem Leben verspürst. Trinkt man im Freundeskreis immer, wenn man sich trifft, aber ist in einem dunklen Moment ohne seine Freunde, obwohl man sie bräuchte, oder fühlt sich abgeschnitten/getrennt/verlassen? Benutzt du wie viele stattdessen Alkohol, um zumindest ein Stück der ersehnten und vermissten Geborgenheit oder Freude zu verspüren?

Punkt 4: Schau einmal, ob du den Zwang, Alkohol als gut und als Lösung anzusehen, in dir gelegt findest. Oft ist Alkohol auch “nur” ein Mittel, das andere verwenden und zu dem man selbst greift/greifen soll, um mit ihnen zu sein – sie in ihre Gefühle zu begleiten -, damit sie das Gefühl haben, du wärst wie sie, damit sie sich weniger allein/einsam fühlen, stattdessen verbunden und okay, angenommen und wertvoll. Vielleicht wirst du dann auch witziger oder unterhaltender oder sie fühlen sich nur unterhaltender, weniger gelangweilt oder traurig darüber, wie ihr Leben in Wahrheit aussieht. Es kann auch sein, dass du Alkohol als Strategie verwendest, nicht nur um andere aufzuheitern oder selbst spaßig und sorglos unproblematisch zu sein, sondern, weil es das ist, was du gelernt hast, was man macht, wenn es einem schlecht geht:

Ein stiller Schrei nach Liebe: Alkohol & Being needy! – Bedürftigkeit & Bedürfnisse

Alkohol gilt schon fast als Garant für gute Gefühle oder Begleiter – irgendwann auch Auslöser -, um dich aus deinem jetzigen Leben zumindest gedanklich herauszuziehen. Alles in seinem Extrem kann Probleme verursachen. Trinken wir oft zu viel, nähert man sich dem Alkoholismus. Hier sehe ich zwei Seiten: 1) Maßlosigkeit (das Unvermögen, etwas in Maßen zu tun) und 2) Bedürftigkeit (die man entweder ablehnt oder versucht, zu verbergen). Bedürftigkeit ist kein Wort, was man in heutigen Zeiten einfach so ausspricht. Zu oft haben wir das Wort needy gehört, was Bedürftigkeit mit Schwäche verband. Bedürftig zu sein bedeutet für viele, problematisch und störend zu sein. Je häufiger und stärker wir versuchen, unsere Bedürftigkeit (die ja völlig normal und menschlich ist!) vor anderen zu verbergen oder in uns nicht zu spüren, desto mehr steigert sie sich. Denn was wir ablehnen, zeigt sich auf anderem Wege. Alles, was im Schatten verborgen ist und dorthin verdrängt wurde, steigt wieder empor. Denn Bedürftigkeit zeigt nur, dass deine Seele nach etwas dürstet. Im Zusammenhang mit Alkohol auch, dass du nach etwas suchst. Tust du jetzt aber so, als wäre alles prima und wunderbar, verneinst du deine wahren Bedürfnisse. Und so wirst du irgendwann maßlos bedürftig – was verhindert, dass du bei etwas, was dir Sicherheit zu geben vermag (z. B. Alkohol), kein Maß mehr halten kannst. Es ist in diesem Moment der einzige Weg deines Geistes, um doch zu bekommen, was er braucht – wenn auch nur in Stücken oder misslich mit körperlichen Konsequenzen.

Wege und Ideen, wie du weniger trinken und/oder dem Alkohol ganz entsagen kannst

trinkst du zu viel?

1. Es ist wichtig zu erkennen, welche Auslöser dein Drang, Alkohol zu trinken, hat. Welche Motivatoren hast du erkannt (Langeweile, schwierige Gefühle, erlerntes Gefühls-Vermeidungsverhalten oder Kompensationsverhalten, Gruppenzwang, Einsamkeit – auch in Beziehungen, wenn man nicht allein ist, aber fehlende Verbundenheit, Ablenkung aus einer gefühlten Lebensöde usw.) Das ist der Grund. Nun schreibe dir daneben in Gedanken oder auf Papier den Zweck/Nutzen, was du mit Alkoholkonsum erreichen willst und welche Angst dahintersteht, wenn du es nicht erreichst. Was würde geschehen? Beispiel:

Mein Grund: Gruppenzwang
Mein Zweck/Nutzen:
Integration/Dazugehören/Ähnlichkeit suggerieren/Freude & Spaß verbreiten
Meine Angst dahinter:
nicht allein sein, nicht so gemocht werden, wie ich bin (nüchtern), nicht mitzumachen würde zu Ausschluss führen/dass ich weniger gemocht werden würde usw.

Finde heraus, ob deine Angst berechtigt ist, indem du deine Freunde fragst. Geht es nur um dich, weil du versuchst Gefühle zu handhaben oder dich ablenken oder entstressen willst, finde heraus, welche anderen Wege zum Besserfühlen es für dich gibt. Mach dir eine Liste mit allem, was dir einfällt, was du gegen Stress, Langeweile, schwierige Gefühle machen kannst (allein, mit Freunden und durch die Hilfe anderer, z. B. in Foren/Internet/Therapie/Coachings etc.) Schreibe dir deine Gedanken auf, die du über Alkohol und dich und die Momente, in denen du trinkst oder trinken willst, hast. Überprüfe sie, Zweifele zuerst an deinen Gedanken und dann an dir und deinen Fähigkeiten. Zweifele zuerst an anderen (wenn du wie ich Alkoholiker in deiner Familie oder Abhängige in deinem Freundeskreis hast, die dir Alkohol “empfehlen”), bevor du dich fügst. Betrachte das, was dich vermeintlich trinken lässt, ganz genau und zweifele solange daran, bis du ausreichend Gründe hast, um dich dagegenzustellen.

2. Suche dir eine größere Angst als die, die dich zum Trinken bringt/gebracht hat, zum Beispiel: Hast du Angst, ein Trinke zu werden wie ein bestimmtes Familienmitglied, weil du dich genauso einsam fühlst wie dieses)? Beschäftige dich mit dem Familienmitglied, bis du es verstehst. Verzeihe dem, der getrunken hat/trinkt: Sag ihm/ihr, dass du ihn/sie jetzt verstehen kannst, nachvollziehen konntest – endlich-, was ihn/sie bewegt, wie es ihm/ihr erging. Entschuldige dich vielleicht sogar für deine Vorwürfe, Bewertungen und Handlungen. Oder entschuldige dich dafür, dass du es ihm nachgemacht hast, es nicht mehr mitmachen kannst, dir und deiner Gesundheit zuliebe.

3. Nach einem stark alkoholisierten Abend, beobachte deinen Körper und Geist am Folgetag: Nimm ein Video auf und erzähle dir selbst in diesem Video, wie du dich fühlst. Benenne klar und deutlich, dass du noch immer schwankst oder fürchterliche Kopfschmerzen hast, dass du unausgeschlafen bist oder dich müde fühlst, weil dein Schlaf nicht erholsam war. Sage dir, dass du frierst oder du spürst, dass dir wichtige Mineralien fehlen, wie sehr dein Körper nach Fett, Zucker und Salzen giert, die du normalerweise nicht bräuchtest, usw. Was auch immer Alkohol mit dir macht: Zähle es dir auf. Beim nächsten Anlass, bei dem du Alkohol trinken würdest oder den Drang zu trinken spürst, sieh es dir vorher oder mittendrin an und lass dich von dir selbst überzeugen.

Haben dir einige der Ideen und Impulse, Gründe und Hintergründe mehr Klarheit gebracht? Was fällt dir noch ein, wie man weniger trinken kann? Ich freue mich auf einen regen Austausch in den Kommentaren.

Welche Grenzen du immer (wirklich immer!) durchsetzen solltest

Welche Grenzen du immer (wirklich immer!) durchsetzen solltest

Nichts ist schlimmer, als gekränkt, verletzt oder ignoriert zu werden. Das verletzt unser Ego und überschreitet unsere Grenzen, die so hart erkämpft und errichtet wurden. Grenzüberschreitungen sind nicht nur im Job normal geworden. Viele wollen sich hocharbeiten, müssen oder wollen sich beweisen und zeigen, wer wir sind und was sie können. Zu viel wurde investiert, geopfert oder erscheint als Mangel, der behoben werden muss. Hinzu kommen die großen Emotionen wie Neid, Eifersucht, Geiz, Habgier, Böswilligkeit und gar Schlimmeres. Dem sind wir ebenfalls ausgesetzt. Auch im Privatleben sind Grenzüberschreitungen, die Wunden in uns hinterlassen, normal: Hier ein unbedachtes Wort eines Freundes, da die schlechte Laune des Partners, ein wenig Bockigkeit der Kinder, die sich austesten wollen, Diskussionen mit den Eltern, weil sie eine andere Meinung oder Richtung haben… Das alles lässt sich im Rahmen ertragen und wegstecken, wenn es nicht zu heftig und zu oft geschieht.

Doch welche Handlungen und Reaktionen anderer Personen sollten wir keineswegs dulden? Wo sind die Grenzen erreicht und wie können wir uns täglich dazu ermuntern, sie zu wahren, und notfalls auch durchzusetzen?

Überschreitungen deiner Grenzen – Eingriffe in deine Kraft

9 Grenzen, die du dringend wahren und durchsetzen solltest

1) Negative Energien anderer Personen sollten wir abwehren. Häufig sind es ja die kleinen Verstimmungen, die einem richtig zu schaffen machen, eben wie schlechte Launen oder schnippische Worte anderer. Häufig sind die nicht einmal böse gemeint, sondern platzen einfach aus der Person heraus. Aber: Wir bekommen sie ab. Und viele verinnerlichen diese auch. So kann sogar Angst, Traurigkeit, Wut/Ärger u. v. m. von uns aufgenommen werden. Man erkennt das daran, dass wir uns plötzlich in den anderen hineinversetzen können, mit demjenigen fühlen, versuchen, ihn zu schützen oder zu beruhigen. Aber auch anders herum kann es funktionieren: Wenn beispielsweise jemand absichtlich, unbedacht etwas sagt, was uns verletzt, kann das in uns bleiben, zum Beispiel als Ablehnung oder Schuldgefühl. Deshalb sollten wir uns immer daran erinnern, dass es derjenige ist, der gerade eine Schwierigkeit mit sich herumschleppt. Wir nicht.

2) Getuschel und Gerüchteküchen sind voll negativer Energie. Auch hier mischen wir uns in die Leben anderer, in die negativen Gefühle der Tuschler und Gerüchteverteiler. Indem wir Interesse zeigen und Anteil nehmen, teilen wir ihren Neid, ihre Wut und tragen beides so mit. Wir erlauben auch, dass das Gefühl der Abwertung mitgetragen wird. Sphären, in die man hineingezogen wird, die man vermeiden kann.

Empathie und sich abgrenzen

3) Die Meinungen anderer Personen über unsere Ziele oder Meinungen sind nicht wichtig. Natürlich gibt es Menschen, die es gut mit uns meinen und lediglich auf Bedacht spielen, weil sie fürchten,  dass wir verletzt oder enttäuscht werden könnten. Es gibt jedoch auch diejenigen, die unsere Ziele nur aus eigener Angst heraus als Fehlentscheidung oder zweifelhafte Ideen hinstellen. Beim Erfolg anderer Menschen schwingt oft das Gefühl der Leistung, des Wertes mit, wodurch wir uns zu Vergleichen hinziehen lassen. Wer mit einem geringeren Selbstwert hadert, könnte leicht denken, er wäre nicht gut oder nicht genug. Es hinterlässt auch das Gefühl, dass wir im Wettbewerb stünden, uns noch mehr anstrengen müssten, um uns zu beweisen. So motivierend diese Richtung auch sein kann, so destruktiv kann sie werden, wenn wir uns in dem, was andere wollen und tun, verzetteln, statt uns auf Eigenes zu konzentrieren. Wie viel schöner wäre es, wenn wir uns offen und ehrlich für den Anderen freuen, vielleicht einige wissenswerte Vorgänge von ihm lernen würden, uns aber um uns und unseren Weg, unser Ziel kümmern? So nehmen wir teil und schüren kein weiteres Leid, nehmen uns an und erweitern unser Bewusstsein für das Gute und das Gelingen.

4) Wenn Personen uns sagen, was machbar ist und was nicht, so ist es ihre Idee, ihre Meinung oder ihre Einschränkung im Denken. Alle glaubten, die Erde sei eine Scheibe, bis einer einmal herumfuhr und eben nicht ins Weltall plumste. Und er bewies, dass alle falsch lagen. Es gibt etliche Beispiele dafür, die dasselbe zeigen: von der Erfindung der Glühbirne, des Automobils bis hin zu den großen Errungenschaften der Menschheit. Schauen wir nur auf die noch existenten Weltwunder, bei denen nach wie vor Forscher rätseln, wie die alten Kulturen sie erschaffen konnten – mit ihren minimalen Mitteln. Alles ist möglich, wenn man daran glaubt. Oft stehen uns nur eigene, fremde und anerzogene Ängste im Weg. Besonders die Ängste, die entstehen könnten, wenn wir auf dem besten Weg zu unseren Zielen sind. Mögliche Kritik, Neid, Getuschel, Ablehnung, Misserfolg, falsche Entscheidungen etc.: Das alles sind mögliche Barrieren, die mit Erfolg daherkommen können. Sei bereit. Für alles.

5) Sei keine Müllhalde für das Zeug anderer Personen. Auch wenn wir es nur gut meinen, so lässt sich die Sorgenmutter-Funktion ebenso gut ausnutzen. Alles hat und muss eine Grenzen haben, wenn es anfängt, uns einzuschränken oder zu große Opfer fordert. Hier ist auch zu bedenken, dass viele Personen absichtlich ihre Sorgen und Probleme bei anderen abladen: im wahrsten Sinne des Wortes. So stehen sie im Mittelpunkt, bekommen wertvolle Aufmerksamkeit und fühlen sich angenommen. In meinem Online Buch “Ein Gefühl namens Dieter” gehe ich vermehrt darauf ein.

Wenn das im Rahmen bleibt, zum Beispiel bei guten Freunden oder Familienmitgliedern, dieses Geschenk des Mitgefühls gegenseitig ist und man sich ebenfalls aussprechen kann, wunderbar. Aber Obacht ist bei Personen geboten, die einen bei eigenen Sorgen abwürgen oder hängenlassen. Da ist eine Grenze zu ziehen: Es tut mir leid, dass du Sorgen hast, aber ich bin gerade so sehr mit meinem eigenen Leben belastet und beschäftigt. Ich wünsche dir viel Glück. (Und das darf man auch ruhig ehrlich meinen.)

6) Übernimm’ selbst Verantwortung, statt es andere machen zu lassen. Sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen, ist grundsätzlich die beste Idee. So muss man sich im Nachhinein nichts anhören, schürt weder Schuld noch Scham, keine Konflikte, die genauso schwer wiegen können, wie fehlende Verantwortung sich selbst gegenüber. Auch wenn es immer mal nötig ist, sich etwas im Selbstmitleid zu baden, sich seinen traurigen und ängstlichen Gefühlen bewusst zu werden, so sollte und muss irgendwann dieses Gefühl dem Positiven weichen: einen Plan machen, mit jemandem besprechen, wenn es leichter fällt, kleine Ziele setzen, loslegen und sich an kleinen Erfolgen freuen. Diese wiederum aufschreiben, damit man sie schwarz auf weiß sieht, wenn auch mal kleine Rückschläge kommen, kann ein Weg sein. Jeder darf seinen Weg entscheiden.

7) Verwechsele deinen Charakter nicht mit der Denkweise anderer. Wir lernen von unseren Bezugspersonen, wie den Eltern, Lehrern in der Schule, Freunden, Partnern usw. Wir nehmen damit viele ihrer Erfahrungen an, vertrauen ihren Lebensweisen, wenn sie erfolgreich waren (oder besonders erfreulich oder wenig verletzend). So verbuddeln wir unser inneres Potenzial und müllen uns mit Fremd-Ansichten zu. Auch mit fremder Angst. So bildet sich unsere zweite Natur; unsere erste geht den Bach herunter. “Fass’ nicht auf die heiße Herdplatte, sonst verbrennst du dich!” ist eine kluge Angst, die schützen soll. Aber “Mach das lieber nicht! Sonst bekommst du Ärger!” ist konfliktängstlich und verhindert, wie viele andere Ängste, nötiges Wachstum. Wenn man Bock auf etwas hat, etwas ausprobieren möchte, herumexperimentieren will, dann los! So lernt man seine eigenen Handlungen vertrauensvoll zu sehen, Fehler zu erkennen und leichter zu vermeiden. Eigene Erfahrungen sind ohnehin 1000fach mehr wert, als die anderer Personen. Die haben eine andere Vergangenheit, andere Werte, andere Gefühle. Trau dich, anders zu sein!

8) Versuche es dir zuerst rechtzumachen, statt immer nur andere glücklich zu machen. Wer nicht genug Kraft hat, für sich, für sein Leben, wird auch keine für andere haben. Je mehr man für andere tut, desto besser mag es einem vielleicht gehen, wenn man ohnehin keine Lust verspürt, sich um sein eigenes Leben zu kümmern. Das kann hin und wieder richtig dufte sein, sich nicht im eigenen Teufelskreis zu drehen. Aber auf Dauer, hier ist wieder die richtige Mischung gefragt, sollte man sich aus fremden Leben herausziehen, lernen, zuzusehen und den anderen in der Bewältigung ihrer Angelegenheiten trauen. Sie sind erwachsen. Sie schaffen das auch ohne einen. Und wir schaffen es ohne sie.

9) Behalte all deine Kraft für dich; lass dich nicht herunterziehen.

Liebe Grüße,
Janett

Janett

Welche Beziehungsstile gibt es und wie formen sie Bindungs- und Beziehungsangst?

Welche Beziehungsstile gibt es und wie formen sie Bindungs- und Beziehungsangst?

„Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen“, sagte einst Anatole France.

Sigmund Freud war es, der feststellte, dass ein Jeder in seinen Bindungen Erlebnisse seiner Vergangenheit wiederholt. So entwickelte sich die Bindungstheorie, die auf Beobachtungen von Kleinkindern beruhen: wie sich ein Kind entwickelt und was geschehen muss, damit es keine Sicherheit in sich und andere Menschen oder Prozesse, um diese Sicherheit herzustellen, ausbildet. Man geht davon aus, dass Beziehungsangst auf der Basis des Bindungsstils in einem sehr frühen Alter geprägt wird. Er kann sich durchaus im Erwachsenenalter ändern, aber das bedarf einer gewissen Reflexion, Arbeit und Wille. Der Bindungsstil zeigt vor allem, wie ein Mensch bei Nähe und Distanz agiert, ob er gut mit anderen auskommt, wie er sie behandelt, ob er eifersüchtig und neidisch oder aber ein Teamplayer ist.

Die vier Bindungsstile und was sie über dich oder deinen Partner und seine Angst verraten (und wie seine Angst entstand)

Viele Menschen, die entweder selbst bindungsängstlich sind oder aber einen Partner/eine Partnerin mit Beziehungsängsten haben, fragen sich, wie diese Ängste entstanden und was genau dahintersteckt. Sie verhalten sich entweder emotional nicht verfügbar, bevorzugen freie, offene oder nicht verbindliche Beziehungen oder sind gefangen in On-Off-Beziehungen. Viele aber wagen es auch gar nicht, eine tiefere Beziehung einzugehen – von Partnerschaft ist nicht zu reden. Allein der Gedanke an Verbindlichkeiten auf emotionaler Ebene lässt sie erschaudern.

Im Folgenden erfährst du die vier Bindungsstile und was sie genau bedeuten.

Diese vier Bindungsstile gibt es – und drei davon bilden Angst gegenüber Beziehungen und Liebe:

  • den sicheren Stil
  • den ängstlich-ambivalenten Stil
  • den gleichgültig-vermeidenden Stil
  • den ängstlich-vermeidenden Stil

Sokol und Carter machen in ihrem empfehlenswerten Buch “die 50 Prozent aller Menschen, die bindungsangstfrei sind und auf bindungsängstliche treffen”, an diesen Bindungsstilen fest:

Der sichere Bindungsstil

50 Prozent aller Menschen wird ein sicherer Bindungsstil nachgesagt. Es verbleiben somit 50 Prozent, die keinen sicheren Umgang mit Bindungen erlernt haben und potenziell auf bindungssichere Menschen treffen könnten. Menschen mit einem sicheren Stil haben weder große Ängste, dass sie verlassen werden könnten, noch haben sie Befürchtungen bei und wegen Liebesgefühlen. Sie besitzen grundsätzlich ein gutes Gefühl sich selbst gegenüber und haben Selbstbewusstsein. Sie wissen sich abzugrenzen, weil sie feste Grenzen gesetzt haben und sich trauen, diese notfalls zu verteidigen. Sie können lieben und sich lieben lassen.

Der ängstlich-ambivalente Stil

Zehn Prozent der Weltbevölkerung hätten einen ängstlich-ambivalenten Bindungsstil entwickelt. [i] Sie fürchten am meisten die Ablehnung. Obwohl sie sich eine enge Liebesbeziehung wünschen, haben sie von ihren Bezugspersonen gelernt, dass nur deren Bedürfnisse zählen. Auch emotionale Abhängigkeiten, die diese Personen aufrechterhalten wollten, stießen oft auf den Wunsch, ein eigenes Ich auszuprägen, was aber wegen der Wichtigkeit fremder Bedürfnisse untersagt worden war. Es herrschte sicher eine starke emotionale Unbeständigkeit gepaart mit Abwesenheiten oder Nichtverfügbarkeiten. Vielleicht waren die Personen zu sehr mit sich und dem eigenen Leben beschäftigt, häufig nicht von Zuhause oder abwechselnd gefühlvoll und gefühllos. Menschen mit diesem Bindungsstil lernten Bindungen als unsicher kennen. Sie hatten Mühe, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu bekommen, was sich auch im Erwachsenenleben wiederspiegelt. Sie versuchen vielleicht durch Besonderheiten/ Auffälligkeiten im Aussehen oder ihren Eigenschaften Zuwendung von einer Person zu ergattern. Sie beweisen sich durch Leistung im Beruf oder durch Geld. Doch da sie Berg- und Talfahrten hinsichtlich Aufmerksamkeit gewöhnt sind, glauben sie nicht an anhaltende Liebe. Sie haben ihren eigenen Wert in ganzer Größe und Liebenswürdigkeit (noch) nicht entdeckt und wissen sich nur selten zu schätzen. Sie verrennen sich leicht in Beziehungen, in denen sie sich und ihren Wert beweisen und stets untermauern müssen. Es kommt ihnen unglaubwürdig vor, wenn sie einmal nichts leisten müssen, sondern wegen sich selbst geliebt werden – einfach so.

Der gleichgültig-vermeidende Bindungsstil

Der gleichgültig-vermeidende Bindungsstil soll auf 25 Prozent der Bevölkerung zutreffen. Sie haben Angst vor Nähe und viele Ausreden, wieso sie keine bräuchten und wieso auch emotionale Unterstützung und Halt für sie unwichtig sei. Ihnen ist es lieber, sich einzureden, dass sie niemanden bräuchten, sondern viel zu sehr mit ihrem Leben beschäftigt seien. Sie können besonders Menschen, die durchaus Bedürfnisse haben, schwer ertragen. Denn Bedürfnisse zu haben, wirkt in ihren Augen schwach und hinderlich. So sehen sie auch die Menschen. Nur wenn man einen Nutzen für gleichgültig-vermeidende Menschen hat, sind Bedürfnisse in Ordnung, insofern es die des Gleichgültig-vermeidenden sind. Ihnen wurden wahrscheinlich Gefühle und körperliche Nähe in ihrer Kindheit verweigert und – weil man sie nicht „braucht“ – abgesprochen. Häufig sollen Jungen betroffen sein, die nicht weinen dürfen, sondern hart sein müssen, sich durchbeißen und große Leistungen erbringen müssen, um das Idealbild eines „echten Mannes“ zu erfüllen. Hier wären auch ungesund narzisstische Menschen und Recycler anzusiedeln. [ii] Einige von ihnen zeigen deshalb keinerlei Reaktionen auf Gefühle und Empathie, sozialen und emotionalen Stress; andere wiederum erleben heftige psychosomatische Beschwerden. Als würde ihr  Herz/Geist die Verantwortung auf die körperliche Ebene weiterreichen, zeigen sie Symptome [iii] wie Hautreizungen, Nahrungsunverträglichkeiten oder Panikattacken. So verteidigt sich ein Teil von ihnen gegen jedes Gefühl und Bedürfnis, das früher unbeantwortet blieb – was sie nicht haben „sollten“ und heute deshalb besser nicht haben wollen. Sie wehren auch deine Gefühle nur aus Schutz ab.

Der ängstlich-vermeidende Bindungsstil

Der letzte Bindungsstil wird ängstlich-vermeidend genannt und beträfe 15 Prozent [iv] der Bevölkerung. Diese sind angepasst, distanziert, fühlen sich verloren, wirken perfekt und brav, haben große Angst vor Nähe und dem Verlassenwerden, sind sehr misstrauisch gegenüber anderen Menschen und vor allem gegenüber ihren eigenen Liebesgefühlen. Sie haben Schwierigkeiten, positive Gefühle zu entwickeln aufrechtzuerhalten. Sie geben sich zuerst die Schuld daran. Sie fühlen sich im Prinzip als schlecht, aber erhoffen doch, dass sie jemandem genug gefallen werden, auch wenn sie den Rückzug derer fürchten. Sie sind manchmal zorniger Natur, wenn sie enttäuscht werden (und wenn es um Personen geht, die sie enttäuscht haben). Im Grunde sind sie sehr loyal, weil sie wissen, wie schmerzhaft es ist, im Stich gelassen zu werden. Sie suchen Halt und ein Ventil gegen ihre Einsamkeit und Angst, ihr geringes Selbstwertgefühl und die innere Leere. Ihnen ist Lob eher unheimlich, weil sie aus Schutz die Verantwortung für fremde Fehler übernehmen. Das ist ihre Form der Kontrolle, um niemanden zu verlieren, von dem sie sich abhängig fühlen. Sie können gleichzeitig sehr gefühlskalt sein und Mühe haben, eine echte emotionale Verbindung zu ihrem Partner aufzubauen. Sie gehören außerdem zu den „wartenden“, gefügigen und „bewusst flexiblen“ Menschen, die selten jemanden unterbrechen oder stören würden, aus Angst, anzuecken und verlassen zu werden. Sie erfüllen lieber Bedürfnisse aus dieser Angst heraus, als es nicht zu tun und sich ihrer Angst zu stellen. Auch wäre es wieder ein Nähebedürfnis, wenn sie es doch täten. In Wahrheit suchen und brauchen sie jedoch eine stabile Nähe und beständige Zuwendung. Doch sie würden es sich (und anderen) nur selten eingestehen. Sie leben in ihren eigenen Welten und wirken daher häufig abwesend. Deshalb geht man in der Psychologie davon aus, dass sie Bezugspersonen hatten, von denen sie stark vernachlässigt wurden. Auch Depressionen, andere Störungen sowie emotionaler und körperlicher Missbrauch können die Ursachen für diesen Bindungsstil sein. In jedem Fall haben sie dem Betroffenen als Kind große Angst vor Nähe und Verlust gemacht. Einige Menschen dieses Beziehungstypens sind deshalb nicht selten feindselig eingestellt oder passiv-aggressiv.

[i] (Aron, 2015)
[ii] (Aron, 2015)
[iii] (Aron, 2015)
[iv] (Aron, 2015)

Das war ein Auszug aus meinem Buch Du liebst mich, oder doch nicht? Wie Frauen mit beziehungsängstlichen Partnern wirklich umgehen sollten. Erhältlich als E-Book und als Taschenbuch.

Wenn du wissen möchtest, wie du deinen bindungsängstlichen Partner helfen kannst, seine Angst zu mildern (auch damit du selbst zufriedener wirst), könnte mein Onlinekurs zu Beziehungsangst interessant für dich sein >>

was kann ich tun, wenn mein partner beziehungsangst hat
Zum Fühlen gezwungen: Was es heißt, Angst und Panikattacken zu haben

Zum Fühlen gezwungen: Was es heißt, Angst und Panikattacken zu haben

 

Im Anschluss an meinen Beitrag über das immer häufigere Versagen von Therapien, folgt nun ein Beitrag darüber, was Therapeuten, Angehörige und das Umfeld nicht einschätzen können: Wie sich Angststörungen und Panikattacken wirklich anfühlen und welche Wegweiser sie bieten. Interessanterweise meinen die meisten Altklugen und sogar Ärzte ja zu wissen, was es bedeutet und dass es nicht der Rede wert sei, wie “kindisch” Angst doch wäre, dass sie einfach weg müsse, man doch einfach aufhören solle, Angst zu haben. Doch Menschen mit Angststörungen und Panikattacken werden zum Fühlen gezwungen.

 

Blanke Angst und Panik: Zum Fühlen gezwungen

Blanke Angst und Panik: Zum Fühlen gezwungenNiemand, der unter Angst und Panik leidet, hat gern Angst und Panikattacken. Keiner von ihnen steht darauf, sich ständig Sorgen zu machen, übermäßig “schüchtern” zu sein, sich zu isolieren, zu verstellen oder kaum noch bei der Sache zu sein. Niemand von ihnen mag es, wenn der Himmel auf sie herunterfällt (Agoraphobie), sich die Wände wie in schlechten Horrorfilmen auf einen zubewegen und zu zerquetschen drohen (Klaustrophobie), aus seinem eigenen Körper verdrängt zu werden, währen eine leise Stimme “Du darfst nicht hier sein!” murmelt (Panikattacken), sich in blanker Angst dem Tode stets nahe zu fühlen (Hypochondrie), sich stets ungenügend, fehl am Platz und klein zu fühlen (soziale Phobie) oder ständige Angst vor allem, besonders der Unberechenbarkeit des Lebens, zu haben (generelle Angst).

Was Menschen mit Angst- und Panikstörungen eigentlich aushalten und aushalten müssen, können nur Menschen einschätzen, die es kennen. Die, die wissen, wie es sich anfühlt, wenn sich der eigene Körper gegen einen richtet – als würde er unsere Seele ausspucken wollen. In einem Interview mit dem Frauenmagazin MYSELF nutzte ich das Bild von Exorzistenfilmen, in denen sich das schwarze Böse im Körper eines hilflosen und unschuldigen Menschen breitmacht und in Besitz nimmt. Man selbst wird zu einem völlig anderen Menschen. Nichts ist mehr so, wie es war. Nichts. Das beschreibt in meinen Augen Angst und Panik sehr gut.

 

Ursachen und Auslöser von Angst und Panik oder Was die Welt nur schwer verstehen möchte

Natürlich geht allem voran Stress. Das war/ist der Start, was auch immer den Stress auf zellulärer Ebene und die Stressreaktion Angst/Panik auslöste, zum Beispiel ein unverarbeitetes Ereignis wie Krankheit oder Tod/Verlust eines geliebten Menschen, Dauerkonflikte in der Liebe und im Beruf, Einsamkeit, unbefriedigte Bedürfnisse, sozialer Stress, Hektik im Job, Masken und Rollen als Preis für Zugehörigkeit und Anerkennung.

Auch wenn es schön(er) klingt, zu sagen, dass Betroffene einfach nur kindlich oder schwach seien, weil es die misslichen gesellschaftlichen Herausforderungen unschuldig zeichnet: Es ist nicht die Schwäche der Menschen, es sind nicht die völlig kaputten oder vorgespulten Gene, es liegt nicht an uns und unserer Unfähigkeit, mit dem Leben umzugehen. Nur an unseren Stressreaktionen und wie wir Herausforderungen begegnen (und glauben, am besten begegnen zu können, um etwas zu erhalten, was uns wichtig ist). Könnte heute jeder rechtschaffend, aber individualistisch handeln und sagen, lassen und verneinen, wie er möchte, ohne Ausschluss oder emotionale und existentielle Zusammenbrüche zu fürchten, gäbe es sehr viel weniger Angst und Panik. Würden wir uns im Heute nichts ständig beweisen und kämpfen müssen, es anderen recht machen oder ihnen gefallen müssen, mit Ellenbogen und Plan B bis Z gewappnet, sähe die Statistik anders aus. Da bin ich mir sehr sicher.

Je mehr ich über die Ursachen der verschiedenen Ängste, im Kleinen und Großen, sinniere, desto mehr festigt sich der Gedanke, Angst wäre der Weg des Körpers, sich ENDLICH dem Fühlen hinzugeben: weg vom Funktionieren und Vorspielen einzelner Rollen, die gut einstudierten, die wir seit jeher aus Kindheit und Jugend kennen. Weg von dem allseits beliebten und geschätzten Wesen, auf das stets Verlass ist, obwohl es innerlich an den Belastungen zu brechen droht. Weg von Duldungen und Leistungsbeweisen, die nur bewirken sollen, dass wir nicht ausgeschlossen werden. Weg von allem, was uns schlecht tut oder schon seit langem nicht mehr zu uns gehört.

Weg von: Alles ist wunderbar. Nichts tut mir weh.

 

Dem alten Leben unbemerkt entwachsen? Die Botschaften von Angst und Panik

gib deiner angst panik und depression was sie will sei wie du bistWir entwicklen uns oft unbemerkt weiter: Hier und da ein kleiner, aber neuer Impuls, der uns umdenken lässt; eine Idee für unsere Zukunft, die unvereinbar mit ihrer Gegenwart scheint; ein Gedanke abends vor dem Einschlafen, der uns zum Lächeln bringt, aber nichts mit unserem Leben zu tun hat. Wir wachsen aus Situationen und Lebensumständen heraus, ohne den Startknopf gedrückt zu haben. Viele meiner LeserInnen – und ich kenne es von mir selbst – standen eines Morgens überrascht auf, weil sie eine Veränderung spürten. Ohne ersichtlichen Grund war es ihnen plötzlich egal, was andere von ihnen dachten oder ob sie sich einen neuen Job suchen würden. Sie wussten plötzlich, dass sie ihren Partner verlassen würden und die Konsequenzen einer nötigen Handlung schon tragen könnten.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was uns Angst und Panik WIRKLICH vermitteln möchte. Ich will einfach nicht glauben, dass etwas, was unser Körper produziert, nicht auf von uns wieder geheilt werden könnte, solange es auf geistiger Ebene stattfindet. Die landläufige Meinung ergibt für mich deshalb schlichtweg keinen Sinn. Sie geht gegen die Gesetze der Biologie und Physik und damit unnütz. Wir wissen zumindest: Angst und Panik ist – insofern nicht körperlich und/oder substanzbedingt – die Folge von Stress und somit ein Symptom mindestens eines misslichen Lebensumstandes. Sie ist Signal für das, was nicht stimmt und gleichzeitig für das, was vermeintlich schützenswert wäre oder beibehalten werden müsste. Was wir glauben schützen zu müssen, tun zu müssen, muss nach der Theorie unseres Körpers weg. Denn es löst Stress aus. Idealerweise ändern wir unsere Stressreaktionen, aber das hieße nicht zwingend, dass die leidige Situation, ob wir sie nun bemerken oder nicht, besser würde.

Wenn wir so einer Situation entwachsen, ohne es zu merken, ruft unser Körper also: Sag mal, merkst du es denn nicht? Was muss ich denn noch tun, damit du endlich aufhörst?

 

Hör auf! (sagen) Deine Gefühle – Hör auf! (sagt) Deine Angst

was dir dein Körper mit Angst und Panik sagen willAngst und Panik weisen uns darauf hin, was wir alles nicht können. Ist sie einmal manifestiert, wiederholt sie diese Erinnerungen in einer Endlosschleife – bis wir es verstanden haben, bis wir agiert haben, bis wir endlich getan haben, was für uns besser ist. Doch womit sollen wir aufhören? Was ist in deinem Leben eine Bürde und Hürde, an der du dennoch festhältst? Bestimmte Lebensumstände bedeuten und so viel, weil wir etwas damit verbinden, zum Beispiel für uns wichtige Werte. Wir haben alle gelernt, was sich bewährt hat, um unser Leben so leben zu können, wie wir es “für am besten” halten. Oft sind es genau diese Lektionen, die aufgebrochen werden sollen.

Hier einige Ideen. Vielleicht räsonieren sie mit dir und deinem Leben:

  • glauben, dich nicht trennen zu dürfen
  • glauben, nicht genug zu sein, um seine Träume und Wünsche zu leben
  • glauben, Einsamkeit wäre eine Strafe oder ein Preis für etwas
  • glauben, etwas nicht allein zu können
  • glauben, zu versagen
  • glauben, eine Rolle spielen zu müssen, um teilhaben zu dürfen
  • glauben, von Anderen immer eine Erlaubnis haben zu müssen, bevor man etwas (für sich) tut
  • glauben, anders sein zu müssen, um geliebt zu werden
  • glauben, alle glücklich machen zu müssen, bevor man selbst glücklich sein zu dürfte
  • glauben, immer Gründe für alles, was einem am Herzen liegt, haben zu müssen
  • glauben, keine Fehler machen zu dürfen
  • glauben, es würden sich keine Lösungen für Herausforderungen finden
  • glauben, man wäre abhängig von jemanden, aus Angst, sich selbst zu vertrauen
  • glauben, man wäre nichts wert, wenn man anderen nur wenig wert ist

Diese Glaubensmuster holen einen ein, wenn man Angst- und Panikattacken hat. Sie sind wie schwingende Energie in den panischen Zellen unseres Körpers. Als hätten sie alle eine Fernbedienung in den Händen, sehen sie eine alarmierende Situation und drücken auf Start. Die Angst- oder Panikattacke wird ausgelöst und bahnt sich ihren Weg durch den Körper. Völlig fremdgesteuert, will die angestaute Energie entweichen – durch die Panikattacke. Es ist jene Energie, die ungenutzt blieb, weil du in einer Lebenssituation bleibst oder aber etwas Bestimmtes, was du für dein Wohl tun müsstest, nicht getan hast.

 

Angst- und Panikattacken: Energie für einen Lebenswechsel?

Doch dein Körper hat dir diese Energie bereitgestellt. Wenn sie zwecklos und ziellos bleibt, ist sie immer noch in deinem Körper. Sie muss irgendwohin, auch wenn die Zeit für einen Kaltstart oder eine nötige Änderung noch nicht gekommen ist. Stelle dir einmal vor, die ganze ungenutzte Energie bliebe in deinem Körper gebunkert. Du würdest entweder zu einem Marathonläufer werden müssen, um sie freizulassen oder andere Wege finden, um sie zu kanalisieren. Nichtsdestotrotz würde sie sich ihren Weg bahnen – in die richtige Richtung, dorthin ins Dunkle, wo du das vermeintlich Böse lauern siehst. Die Angst vor dem Ungewissen und Unbekannten, alte Erfahrungen und was früher schon einmal geschehen war, was dich daran erinnert, hält dich davon ab, diese Energie für dich zu nutzen. Dass du auch andere Menschen in deinem Leben befreien würdest, dein Schritt etwas Gutes für sie bringen könnte, übersiehst du sicher genauso, wie ich es damals übersah.

* Mit der Ausnahme körperlicher Ursachen.

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