Coronavirus-Angst: Wie wir mit Covid-19 induzierten Ängsten, Sorgen und Zwängen umgehen können

Coronavirus-Angst: Wie wir mit Covid-19 induzierten Ängsten, Sorgen und Zwängen umgehen können

Hamsterkäufe, leere Regale, reglementierte Einlässe in Supermärkten, beschränkte Stückzahlen bei Hygieneartikeln, 24/7 Nachrichten über die Verbreitung des Virus, Zahl der Infizierten und Toten, Fake News, Isolation, Ereignislosigkeit, Home Office, fehlende soziale Kontakte, Ausgangsbeschränkungen und Reiseverbote, Angst um seine Lieben und sich selbst, Armut, Arbeitslosigkeit und mehr. Die Pandemie des Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19) legt unser ganzes Leben lahm, rüttelt an unseren Grundfestungen und macht Angst. Wie wir mit dieser Unsicherheit und den Ängsten wegen des Coronavirus umgehen können, findest du in diesem Artikel.

Coronaangst: Angst durch Coronavirus SARS-CoV-2

Corona und was die Pandemie für psychisch Erkrankte bedeutet

Es gibt nun einen eigenen Begriff für die Angst durch den CoronavirusCoronaangst. Er schwappt gerade aus den USA rüber und beschreibt, was wir aktuell auch in Deutschland erleben. Gemeint sind Angstzustände durch die bedrohte Wirtschaft, Rezession, als Folge Armut und Arbeitslosigkeit, Inflation, Angst wegen der Isolation und niemand weiß, wie lange, Angst wegen des vielen Alleinseins, der entstehenden Einsamkeit, Angst vor herrschender Gewalt innerhalb der Familie oder Partnerschaft, Angst um die Gesundheit von Freunden und Verwandten, Angst, selbst angesteckt zu werden oder ansteckend zu sein und damit auch Angst vor Menschen und uns selbst, vor Freunden und Nachbarn und besonders Kindern.

Was bei dem Einen nur leichte Unsicherheit auslöst, weil er sicher im Job ist oder genug gespart hat, eher introvertiert ist, einen starken Glauben oder Optimismus besitzt oder gute Stressmanagementtechniken, seine Familie bei sich hat, kann bei einem Anderen ganz anders aussehen. Zu den häufigsten Symptomen von Coronaangst zählen aktuell:

  • Konzentrationsschwäche
  • Schlaflosigkeit bzw. Schlafbeschwerden, Einschlaf- und Durchschlafstörungen
  • Appetitverlust und -losigkeit
  • Essstörungen
  • Verdauungsstörungen
  • erhöhte Zunahme von Suchtmitteln und anderer schädlicher Substanzen (Drogen, Alkohol, Tabak, Kaffee, Zucker)
  • Antriebslosigkeit/Lethargie, depressive Verstimmungen
  • Angst, raus zu gehen (agoraphobische Symptome)
  • Angst, drinnen zu sein, Gefühl der Enge und des Eingesperrtseins (klaustrophobische Symptome)
  • Angst vor Krankheit und Tod (Hypochondrie)
  • geringe Libido
  • starke Zukunftsängste
  • generelle Angst
  • soziale Angst
  • starke Gefühlsschwankungen
  • Zwangshandlungen
  • unerklärliche, latente Aggressivität oder Traurigkeit
  • Hilflosigkeit und Kontrollverlust – oft durch den Drang, mehrmals (+3 x) am Tag die Nachrichten zu sehen (in der Hoffnung, die Kontrolle zu behalten, Linderung zu verspüren oder aber Bedrohliches augenblicklich zu erfahren)

Diese Symptome sind in den unterschiedlichsten Tiefen möglich, einzeln sowie gepaart sichtbar. Wichtig ist, wenn du dich hier wiederfindest: 1) Hattest du diese Symptome auch schon vor dem Ausbruch des Coronavirus? Wenn ja, dann sind es höchstwahrscheinlich Angstzustände, die woanders herrühren als durch COVID-19. Wenn nicht, hast du jetzt zumindest das Wissen erlangt, dass die Pandemie dich und deinen Geist ernsthaft ängstigt. 2) Es ist wichtig zu wissen, dass das alles “nur” Symptome sind, aber nicht der Herd. Jedes einzelne Symptom kann unterschiedlich angegangen werden. Aber nicht jedes Einzelne löst auch Angst aus. Einige sind Anzeichen eines erhöhten Stressniveaus in deinem Körper. Andere hingegen können auch aus anderen Gründen herrühren, zum Beispiel durch eine andersartige oder für dich schlechte Ernährung, die bekanntermaßen darminduzierte Angst und nahrungsmittelbezogene Depressionen hervorrufen können, durch bei Hochempathen und Hochsensiblen ansteckende Angst der anderen, durch mangelnde Bewegung usw.

irrationale Angst und echte Angst

Wir müssen in dieser Hinsicht unterscheiden zwischen “echter” Angst und irrationaler Angst. Echte Angst wird ausgelöst durch etwas im Außen, Tod oder Infektion eines Menschen, den wir kennen, oder uns selbst, durch drohende Verluste, weil unser Arbeitgeber Kurzarbeitergeld oder Schließung des Betriebs angekündigt hat oder als Selbstständiger ausbleibende Kundschaft, leere Konten, Langeweile-Lagerkoller, fehlende (positive) soziale Kontakte, die nachweislich Stresshormone abbauen usw. Es gibt sozusagen Beweise, echte Auslöser, die Angst machen. Irrationale Angst hingegen beschreibt das sich Hineindenken in schlimme Umstände ohne bereits geschehenen Auslöser. Angst wegen Armut zu haben ist dann rational, wenn wir unser Geld schwinden sehen und Mühe haben, unsere Rechnungen zu bezahlen, gekündigt wurden usw. Irrational wird die Angst, wenn wir das lediglich befürchten, es als eine Möglichkeit dessen, was geschehen könnte, so oft denken und schließlich glauben, bis es uns real und wahr erscheint. Und das ist auch das, was gerade die meisten tun, weswegen uns allen Toilettenpapier und Pasta fehlt.

Grippe vs. COVID-19, die Zukunft des Virus und Schutzmaßnahmen

Meine Mutter ist Krankenschwester im Universitätskrankenhaus in Oslo und erzählt mir regelmäßig aus medizinischer Sicht, was es mit dem Virus auf sich hat. Ich möchte das gern an dieser Stelle mit Infos aus anderen Quellen zusammenfassen.

Beginnen wir mit der Symptomatik von Corona und der des Influenza-Virus im Vergleich. Viele befürchten jetzt eine Infektion, Erkrankung und ihren Tod oder den ihrer Lieben. Sie nehmen jeden Nieser oder jedes Naseschnauben ihrer Mitmenschen als Anlass, um in Panik zu geraten. Die Angst ist legitim, aber mit Vorsicht zu verbreiten, denn: Corona hat als Hauptsymptome Husten gefolgt von Fieber (Angabe laut Robert-Koch-Institut – im Folgenden RKI genannt). Das sind die Symptome, die man bei allen Infizierten flächendeckend beobachtet hat. Allgemein im Internet werden zudem noch eine laufende Nase, Halsschmerzen und bei einem schweren Krankheitsverlauf Atembeschwerden genannt. Das RKI nannte sie in ihrer übertragenden Pressekonferenz am Montag, 23.03.2020 nicht. Entscheide selbst, wem du glaubst.

Unterschied zwischen Influenza (Grippe) und Corona
Fieber und Husten haben sowohl Influenza als auch Corona (COVID-19) gemeinsam als Symptome.

The Mighty berichtete am 23.03.2020, dass einige Ärzte ein mögliches, weiteres Symptom bemerkt hätten (ohne offizielle Bestätigung seitens der WHO oder des RKI – Stand: 25.03.2020): Sinnesverlust. Es würde derzeit beobachtet werden, ob sich der Eindruck der Ärzte, dass der Verlust der Sinne ein Anzeichen für eine COVID-19-Infektion wäre, bestätigt.

Niesen gilt nicht als Symptom. Aber ja: Man sollte in seine Armbeuge niesen, für den Fall, dass man infiziert ist, aber ohne merkliche Symptome lebt, was dennoch heißt, dass man andere anstecken könnte.

Weitere Fakten laut RKI (Stand: 23.03.2020): Es trifft nur gering (unter 10 Prozent) häufiger Männer als Frauen. Menschen um die 45 Jahre sind am ehesten gefährdet, zu erkranken, Menschen im Durchschnitt von um die 84 Jahre – sowie solche mit Vorerkrankungen – haben ein erhöhtes Risiko, am Virus zu versterben. Das heißt aber nicht, dass es nur die ältere Bevölkerung treffen kann. Das Virus ruft eine Lungenentzündung hervor, die – bei Vorbelastung oder allgemein schlechtem Immunsystem – in jedem Alter zum Tode führen kann. In Kalifornien/USA verstarb nun erstmals ein Kind an den Folgen des Virus. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und vierzehn Tagen. Wie lange sich das Virus auf Oberflächen hält, ist unklar, aber die Bedrohung wird vom RKI als gering eingestuft. Man glaubt dennoch, dass es sich – abhängig von Struktur, Temperatur und so weiter – bis zu einigen Tagen halten könnte. Zudem sei der Virus in Stuhlproben einiger Erkrankter nachgewiesen worden, was nahelegt, dass das Virus auch über Nahrung aufgenommen werden kann. (Auffallend war das nur, weil ein Erkrankter statt Fieber Durchfall hatte.) Auch hier allerdings wird die Gefahr als gering eingestuft.

Bei Grippe treten die Symptome bereits nach ein bis zwei Tagen auf, plötzlich, mit vorwiegend hohem Fieber (bis 41°C, oft begleitet mit Schüttelfrost – bis zu vier Tagen lang), Kopf- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen, trockener Husten (auch Heiserkeit), Appetitlosigkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die allgemeinen Krankheitsgefühle werden zudem oft begleitet von Schwindel sowie Muskelschmerzen, aber auch empfindliche Augen/Augenschmerzen.

Dennoch genesen 98 Prozent aller Corona-Erkrankten (laut Virologe ALEXANDER KEKULÉ), da 2 Prozent versterben (berechnet an den Fällen in Deutschland). Weltweit schwankt die Sterberate zwischen 0,2 und 7 Prozent, was aber an der Bevölkerung und Gesellschaft mit ihrem Gesundheitssystem sowie der Zählung/Erfassung der Fälle liegen kann.

Empfohlene Schutzmaßnahmen:

Abgesehen von den allgemeinen Erlässen/Anweisungen, Abstand von ein bis zwei Metern zu halten (Beschränkung auf 2 Personen oder Ausgangssperre) und den sozialen Kontakt so gering wie möglich zu halten, sich nicht in Gruppen aufzuhalten oder draußen zu bilden, gilt zudem:

Atemmasken/Mundschutz sind gut, aber es konnte noch immer nicht nachgewiesen werden, ob sich der Virus nicht auch bei Kontakt mit den Augen verbreitet. Nicht jeder Mundschutz hält zudem das Virus ab. Es gibt spezielle Schutzmasken, die einen anderen Filter haben, die auch bei Kontakt mit MRSA-Infizierten benutzt werden.

Seife verträgt der Virus genauso schlecht wie Desinfektionsmittel. Mindestens 20-30 Sekunden mit heißem Wasser, wobei alle Stellen benetzt werden müssen, ist Minimum. Auch bei der Wahl eines Desinfektionsmittels gilt es darauf zu achten, dass es Viruzid enthält. Viele der Handelsüblichen aus Drogeriemärkten enthalten das nicht, sondern dienen nur dem Ersatz, wenn Händewaschen nicht möglich ist. Meine Mutter sagte außerdem, dass man mit mindestens 60 Grad heißem Wasser (das Virus sterbe bei 60 Grad ab) zugange sein soll, wenn wir Oberflächen reinigen.

empfohlene Schutzmaßnahme zur vorbeugung Sars-CoV-2
Coronavirus: Schutzmaßnahmen gegen den SARS-CoV-2 (COVID-19)

Es gilt jetzt vor allem, das Immunsystem zu boosten und zu schützen, um die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung/Infektion so gering wie möglich zu halten. Dazu zählt vor allem eine gesunde Ernährung (wozu ich noch einen eigenen Artikel schreiben werde), aber auch Sport und Bewegung in der Natur. Es sind klassische, nachweislich wirksame Methoden, die unser Immunsystem stützen, genauso wie bewiesenermaßen Stressmanagement-Techniken helfen, Stresshormone wie Noradrenalin und Cortisol abzubauen. Zu den bekanntesten zählen hier Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation, aber auch Yoga Nidra (kein Yoga, sondern eine Tiefenentspannung).

Du kannst dir hier ein paar kostenfreie Sessions herunterladen:

Autogenes Training – mit Rückführung (am Tage anwendbar, wenn du danach nicht einschlafen willst)
Autogenes Training – ohne Rückführung (am Abend anwendbar, wenn du danach einschlafen willst)
Yoga Nidra (eine Zielsetzungsmeditation) – Vorbereitung & Session
Die Löwenmeditation – Geführte Meditation zur Stärkung deiner inneren Kraft

In der Zukunft wird das Virus wie auch bei Influenza in Wellen wirken

Aktuell geht es nicht um die Unschädlichmachung, sondern um die Eindämmung und damit Verminderung der Ausbreitung des Virus. So, wie jeden die Grippe erwischen kann, kann uns in der Zukunft auch Corona erwischen. So, wie Menschen an einer verschleppten Grippe oder ihren Auswirkungen versterben, kann dasselbe bei Corona geschehen. Wir werden Covid-19 aber nie los. Angeblich soll es im Sommer weniger Ausbreitung finden, wohingegen es in den kälteren Monaten wieder vermehrt (wie auch bei Grippe) auftreten könne.

Ab Herbst 2020 hoffen Mediziner, wird es einen Impfstoff gegen COVID-19 geben können.

Mediziner haben angekündigt, dass es ab Herbst wahrscheinlich einen Impfstoff geben wird. Aber in meinen Augen bedeutet das, dass wir nicht nur bis dahin, sondern in der allgemeinen Zukunft, noch stärker gesund mit uns umgehen müssen. Und dieser Weg führt nur über die Stärkung des Immunsystems und der Minimierung von Gefahren für dieses. Dazu zählt vor allem und noch immer: Stress. Jeder Angstgedanke, den du dir machst, sorgt für Stress in deinem Körper. Du schwächst dich mit Angst also selbst, wenn du sie dir bewusst machst. Denn die Stresssymptome können schon mittelfristig dafür sorgen, dass dein Körper angreifbarer wird. Deshalb sollten wir uns jetzt alle darum bemühen, ruhig zu bleiben und uns so viel Gutes wie nur möglich zu tun.

Die aktuelle Situation stresst, macht Angst und einsam. Wie wir mit unseren Ängsten jetzt am besten umgehen sollten

Die Coronakrise zwingt viele, sich abzuschotten und die Aufmerksamkeit auf Angst, andere und sich selbst zu verstärken. Gewohnte Ablenkungen, Anerkennung und Aufmerksamkeit im Beruf oder von Kollegen, Treffen mit Freunden und der Familie, Spaß, Urlaube, Ausflüge, gemeinsame Unternehmungen mit Gleichgesinnten, Selbsthilfegruppen und -treffen, Gesprächskreise, Gottesdienste, Clubabende oder der ausgedehnte Plausch mit dem Dönermann deines Vertrauens, dein nachmittagiges Käffchen in deinem Lieblingscafé oder die Entspannung im Fitnessstudio: Alles liegt erst einmal lahm, um dem Coronavirus angemessen zu begegnen.

coronavirus macht einsam

Bereits jetzt empfinden aber nicht nur Betroffene mit psychischen Belastungen/Störungen eine erhöhte Dichte an Angst und anderen Symptomen. Die Coronakrise hat auch die Macht, bestehende Belastungen nicht nur zu verstärken, sondern auch auszulösen. Wir sprechen hier vorwiegend von:

  • Essstörungen
  • Zwangsstörungen (Händewaschen, Desinfizieren)
  • Süchte
  • Generalisierte Angst
  • Panikattacken
  • Klaustrophobie
  • Agoraphobie
  • Hypochondrie
  • Panikstörung
  • Soziale Angst
  • Depressionen

Auch die Heilungschancen sind in Zeiten von Corona überwiegend erschwert. Besonders Menschen, die sich als hochsensibel und/oder hochempathisch empfinden, leiden nun verstärkt, spüren die Ängste ihrer Mitmenschen mehr als zuvor und haben Mühe, sie in den Griff zu bekommen. Die Flut an Nachrichten und die Nähe im Wohnhaus zu allen, die jetzt zu Hause arbeiten/bleiben, die erhöhte Lautstärke und die Hektik, die verbreitet wird, belasten zusätzlich.

Die aktuelle Lage schreit also danach, uns selbst die Nächsten zu sein, anderen auszuweichen (wie empfohlen und legitim). Sie schreit nach Misstrauen und Aggressivität gegenüber unseren Mitmenschen. Doch: Wir haben immer die Wahl: Bleibst du im Vertrauen, im Glauben an dich und deine Kraft, dass – was auch immer kommt – du Wege und Lösungen finden wirst, allein und gemeinsam? Oder fokussierst du Zukunftsangst wegen der Unsicherheit und dem durch COVID-19 entstandenen Kontrollverlust, deine Isolation und all das, was dir das Virus vermeintlich wegnimmt?

Diese Wahl trifft nicht der Virus, sondern jeder Einzelne. Schritt-für-Schritt-Veränderungen in unserem Denken und als Konsequenz im Verhalten können helfen, Coronaangst und die umgehende Unsicherheit zu verringern: Es beginnt aber damit, dass wir nun alle auf uns zurückgeworfen werden. Darin liegen auch Chancen für unser Wachstum.

Zwangsstörung Angst vor Keimen und Infektion
  1. Verstehe, dass die empfohlenen Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, Vorsichtsmaßnahmen sind, auf denen nicht lebenslänglich steht. Wir reden von einem begrenzten Zeitraum, nicht für den Rest des Lebens. Außerdem: Sich gründlich die Hände zu waschen, wenn man draußen gewesen ist oder etwas von draußen in Empfang genommen oder berührt hat, reicht. Oberflächen einmal mit heißem Wasser abzuseifen oder zu desinfizieren, ebenso. Sie 10 x zu waschen, ist eine übersteigerte Angst, die sich festsetzen kann, oder aber die (bereits vor Corona) bestehende Angst noch verstärken kann. Wir müssen jetzt mit dem Verstand arbeiten und ihn immer wieder zu uns rufen, um bei der Wahrheit zu bleiben und die Einschränkungen durchzustehen.
  2. Halte Kontakt zu Menschen, die positiv sind. Versuche, alle, die Hektik und Angst verbreiten, zu meiden. Sollte es innerhalb deiner Familie Personen geben, die ein hohes Niveau an Angst haben und die Angst anderer so schüren, vermeide diese Gespräche, indem du dich aus ihnen zurückziehst, wenn das Thema aufkommt oder um ein anderes Gesprächsthema bittest.
  3. Kümmere dich um deinen Körper. Obst und Gemüse gibt es noch immer in Massen zu kaufen. Jetzt eine besonders gesunde Ernährung zu pflegen oder zu etablieren, ist besser, als Pasta zu kochen. Sport und Entspannung lässt sich auch von zu Hause aus gut machen. Nutze YouTube und andere Online Angebote, Video und Audio Streaming Services, um für dich das Richtige zu finden. Täglich kleinere Sporteinheiten sind nun nützlich und anzuraten.
  4. Erinnere dich daran, dass Generationen vor uns ähnliche (und weitaus schlimmere!) Krisen durchgestanden haben: Es gibt Alternativen zu Toilettenpapier (in 2-3 Teile durchgeschnittene Küchenrollen, feuchtes Toilettenpapier, Abschminktücher, Taschentücher, Servietten und zur Not noch immer das Wasser aus der Wand. (Anmerkung: Ersatzprodukte können Abflüsse verstopfen und sollten daher gesondert entsorgt werden.) Pasta und Brot kann man, wenn man Mehl und Eier hat, selbst herstellen. Diese Liste ließe sich endlos fortführen. Halte Ausschau nach den Alternativen und löse eine Mangelware mit Kreativität. Nutze Onlineshops, Bio Bauern, Lieferservices oder bitte im Wohnhaus/in deiner Wohnumgebung um Hilfe.
  5. Strukturiere deinen Alltag und erschaffe eine Routine, statt dich ins Chaos oder in die Langeweile ziehen zu lassen. Bleibe bei dieser Struktur. Wenn du jetzt von zu Hause arbeitest oder aber vermehrt in deinen Wohnräumen sein musst, ist eine geordnete Struktur, besonders wichtig, um dir Halt und Sicherheit zu geben.
  6. Konsumiere Nachrichten in geringen Mengen (1-2 x täglich) und nur aus seriösen Quellen (Fake News sind allgegenwärtig). Diesen kannst du Vertrauen schenken, nicht aber anderen. Verlass dich darauf und überzeuge dich regelmäßig davon, dass die Welt im Kampf gegen das Virus nun enger zusammenrückt. Wissenschaftler weltweit arbeiten an einer Lösung. Die Bundesregierung springt mit allen möglichen Varianten der Sozialhilfe und Unterstützung auf allen Ebenen ein. Wir waren gemeinsam noch nie so tätig für eine Sache wie aktuell. Dabei kann nur Gutes herauskommen.
  7. Gedanken sind Gedanken und Fakten sind Fakten. 98 Prozent erholen sich nach einer Erkrankung wieder. Es gab auch schon eine Grippe-Epidemie, an der viele starben. Es sterben noch immer Menschen an Influenza. Die Bedrohung aktuell ist rational und nicht zu verkennen, aber alle Gedanken sollten nun auf Fakten basieren. Wenn du dich bei einem irrationalen Gedanken erwischt, erinnere dich an die Fakten und wähle den Weg der Hoffnung und Wahrheit. Die Wahrheit kannst du in seriösen Quellen nachlesen: aktuelle Fallzahlen, Rückgang der Infektionen, Hilfeleistungen, Möglichkeiten, Wege, Lösungen u. v. m.
  8. Wenn du nun besonders Menschen vermisst, der Lagerkoller schon über dir schwebt oder du dich vermehrt einsam fühlst: Nimm Kontakt über alle möglichen Kanäle auf zu allen möglichen Menschen. Videotelefonie, das normale Telefon, Chats, Sprachnachrichten, Facebook-Gruppen, Foren, virtuelle Treffpunkte, online übertragene Gottesdienste, Clubmusik und mehr.
  9. Von Körperkontakt wird nun zwar unter allen Menschen, die nicht zu unserem engsten Kreis gehören, abgeraten, aber das sollte uns nicht daran hindern, freundlich zu bleiben. Lächele Menschen zumindest an, wenn du ihnen aus dem Weg gehst oder halte die zwei Meter Abstand ein, wenn du mit einem Nachbarn sprichst. Grüße Menschen, auch wenn du sie nicht kennst. Sei freundlich und herzlich und schenke beides anderen. Gerade das ist es, was wir nun brauchen: Verbundenheit in Zeiten der Isolation. Die lässt sich auch üben und zeigen, ohne sich in den Arm zu nehmen, mit einem Wie geht es dir? als weiteres Beispiel.
  10. Geh in die Natur. Nicht nur, weil es aktuell noch zu den wenigen Erlaubnissen gehört, die wir noch haben. (Jedenfalls in Berlin.) Auch weil die Natur heilt.
  11. Vom Prinzip Selbstverantwortung zur Fürsorge und Rücksicht für andere: Es gibt tatsächlich Leute, die sich in ihrer Freiheit beraubt fühlen, weil sie nicht mehr feiern, im Café sitzen oder gemeinsam mit ihren Kumpels einen zwitschern können. Dabei geht es aktuell darum, dass die Isolation nicht zwingend Einzelne schützen soll, sondern den Bevölkerungsanteil, der besonders gefährdet wäre und zudem natürlich die Verbreitung des Virus (auch ohne erkennbare Symptomatik). Es geht darum, dass wir uns nun im Gutmenschsein üben können, Verantwortung für andere übernehmen sollen. Es geht darum, dass wir gemeinsam füreinander da sind, um diese Krise zu bewältigen. Es geht nicht mehr nur um den Einzelnen mit seinen Bedürfnissen nach Party oder Fun. Denn jeder Einzelne ist Teil des Ganzen. Dem Ganzen etwas Gutes zu tun, kann sich gut anfühlen, wenn wir den Fokus darauf legen statt auf Zwang oder Freiheitsberaubungs-Gefühle. Wir haben jetzt die Wahl, uns wie kleine, bockige Kinder zu benehmen, die nicht bekommen, was sie wollen, aber glauben, verdient zu haben. Oder wir denken von unserer Nase weg und hin zum Rest der Gesellschaft, zu der wir – und alle anderen – gehören.

Trotz Einzelner rückt die Welt seit langer Zeit zum ersten Mal wieder zusammen (Trumps Anwandlungen ausgenommen), Länder helfen Ländern, Nachbarn Nachbarn, junge Menschen alten. Und jeder hilft sich – in einem Maße, das echte Selbstliebe spiegeln kann – nicht Egoismus. Wir können auf uns (alle) aufpassen, ohne durchzudrehen, indem wir im Moment leben. Denn wie es bei Ängsten so ist: Sie flüstern dir Blödsinn über das, was Schlimmes kommen würde, ein. Dabei weiß gerade niemand, was kommt. Aber Angst macht das. Das als bloßen Gedanken zu erkennen, ist das eine. Etwas anderes ist es, deine pessimistischen oder negativen, opferbehafteten oder anschuldigenden Gedanken zu glauben. Wir müssen jetzt alle das größtmögliche Vertrauen in uns finden, ausgraben, ja wiederentdecken, nahe bei uns halten und täglich leben – wie auch immer das individuell für dich aussieht. Für mich heißt es: Ruhe bewahren, Medien bewusst konsumieren (1 x täglich), mein Immunsystem stärken, mich in Geduld üben und entschleunigen.

Was heißt es für dich? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stress, Stress, Stress: Wir wissen mittlerweile alle, dass er krank machen kann und deshalb bewältigt und abgebaut werden muss. Die Wissenschaft weist auch immer wieder darauf hin, dass ein erhöhter Stress über eine lange Zeit schnell in psychische Belastungsstörungen wie Angstzustände oder Depressionen übergehen kann. Doch selbst “nur” Schlafstörungen oder das Gefühl der ständigen inneren Hektik deuten bereits an, dass wir tätig werden sollten, um den Körper und die Psyche zu entlasten. Die Stresshormone müssen abgebaut werden. Nur, wie? Denn meist bleibt im Stress einfach keine Zeit.

Ich habe den befreundeten Autor des Buches “Stress, der moderne Säbelzahntiger!”, Ron B. Charles, zu einem Interview über Stressbewältigung eingeladen, um uns die Kniffe und Tricks zu verraten.

Stressbewältigung: Stressoren, Auswirkung auf Geist & Psyche und Angstzustände

Stress und Auswirkungen

Dass ein Buch über Stressabbau zur Nummer 1 bei beispielsweise Amazon & Co. werden kann, zeigt mir, dass wir nach wie vor mit diesem Thema hadern. Wir haben lange To Do-Listen mit Aufgaben, die wir abarbeiten müssen, und Pflichten, denen wir nachgehen müssen. Wir kommen uns viele Erledigungen nicht einfach herum, auch wenn wir sie nicht mögen oder keine Kraft dafür haben. Sei es im Job, in der Familie, im Liebesleben oder in der Freizeit: Alles kann das Potenzial entwickeln, uns kurzfristig oder langfristig zu stressen. Stress beschreibt dabei die automatisch einsetzende innere Anspannung durch etwas oder jemanden. Wir vergessen währenddessen jede Achtsamkeit und Ruhe, jedes Vertrauen und jeden noch so guten Vorsatz. Wir übersehen unser Bedürfnis nach Pausen, nach wohltuenden Ausgleich, nach nährenden Freizeitaktivitäten und Menschen, die uns guttun. Wir greifen in Stressphasen vermehrt zu fettigem und zuckerhaltigen Lebensmitteln, weil sie unseren Blutdruck heben und uns für eine kurze Zeit vermeintlich mehr Kraft verleihen. Wir belohnen uns damit, faul auf der Couch zu liegen statt Sport zu treiben – obwohl wir wissen, dass das Zweite besser wäre. Dabei würde dieser unsere Stresshormone leichter abbauen, die durch unseren Lebensstil oder -wandel ankurbelt worden sind.

Leider hat Stress den Nachteil, dass er müde und ausgelaugt macht. Uns fehlt die Kraft, noch etwas für uns zu tun. Im ständigen Für-andere-da-sein, im Leisten und Wirken, um entweder über die Runden zu kommen oder das gewünschte Leben aufrechtzuerhalten, vergessen wir oft zuerst unsere Gesundheit. Leider nicht nur physisch, sondern oftmals auch geistig. Die renommierte Therapeutin und Autorin Verena Kast beschrieb in ihrem Klassiker “Über den Sinn der Angst” einst, dass Stress nichts anderes sei als Angst:

  • Angst, Fehler zu machen oder zu versagen
  • Angst, nicht dazuzugehören oder ausgeschlossen zu werden
  • Angst, andere zu verletzen oder zu enttäuschen
  • Angst, nicht gut oder nicht genug zu sein
  • u. v. m.

Die Forschung hat gezeigt, dass Stress/Angst auf allen Ebenen horrende Auswirkungen haben kann, wenn wir nicht – besonders in Stressphasen – dafür Sorge tragen, dass unser Körper ihn wieder abbauen kann:

  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräneanfällen
  • Nacken-, Rücken- und/oder Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Nachtschweiß, Müdigkeit, viel Schlaf brauchen)
  • Magen-Darm-Befindlichkeiten wie z. B. Durchfall, Verstopfung, Reizdarm- oder Reizmagensyndrom, Sodbrennen
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindelgefühle, Herzrasen und -stolpern, Atembeschwerden, Enge in der Brust
  • Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit
  • Antriebslosigkeit, Lethargie
  • Ängste
  • usw.

Viele meiner LeserInnen und ich eingeschlossen, haben festgestellt, wie schnell Stress zu anhaltenden Angstzuständen mit/ohne Panikattacken führen kann (weswegen ich viel über Stressängste schreibe). Denn jeder Mensch hat seine ganz eigenen Stressfaktoren (Reize, die Stress auslösen), sogenannte Stressoren, auch wenn es allgemeinere gibt, die jeden erwischen können. Dabei sind Stressoren entweder innere oder im Außen auftretende Faktoren, die in deinem Körper/Geist individuell Stress bewirken:

  • Leistungsstressoren (z. B. viele Arbeitsaufgaben)
  • physikalische Stressoren (z. B. Lärm, Hitze, grelles Licht, Enge)
  • soziale Stressoren (z. B. für einen Menschen schwierige zwischenmenschliche Konflikte, Trennungen)
  • körperliche Stressoren (z. B. Allergien, Krankheiten, Verletzungen)

Jeder Stressor hat die Macht, dich zu einer Anpassung, zur Flexibilität oder gar Duldung zu zwingen. Doch die Zahl der Abhängigkeiten im Leben ist groß. Was bleibt also? In meinen Augen ist es eine veränderte Haltung zu allem, was Stress bewirkt. Wie gehst du mit Stress um? Welcher Stressor belastet dich am meisten? Und wie kannst du die Auswirkungen auf deinen Körper & Geist verringern? Fragen wir doch jemanden, der sich damit auskennt.

Interview mit Ron B. Charles über sein Buch “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden”

Interview mit Ron B. Charles
Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.

Wieso hast du dich dazu entschieden, ein Buch über Stress zu schreiben? Gab es persönliche Erfahrungen oder findest du, dass das Thema noch nicht ausführlich genug besprochen wurde?

Das Problem “Stress” ist für viele Menschen nicht wirklich gelöst, daher empfand ich es sinnvoll, ein Buch über dieses Thema zu schreiben, welches dabei unterstützt, für sich selbst einen Leitfaden, wie man mit Stress umgehen kann, zu entwickeln. Stress ist allgegenwärtig und wird viel zu häufig schon als „völlig normal“ und „das gehört einfach dazu“ betrachtet. Natürlich hatte ich selbst auch schon allerlei stressige Situationen in meinem Leben und gelegentlich komme ich auch wieder in solche Situationen. Man kann sich aber darin üben, besser mit stressigen Zeiten umzugehen und anders zu agieren, um Stress weitestgehend zu vermeiden.

Du beschreibst viele Auswirkungen von Stress auf körperlicher Ebene. Unter anderem besprichst du auch positiven und negativen Stress. Woran erkenne ich, ob Stress positiv oder negativ ist?

Stress kann bekanntermaßen verheerende Auswirkungen auf unseren gesamten Organismus haben und wirkt sich auch bei jedem unterschiedlich aus. Es gibt jedoch diese eine Grenze zwischen Eustress, der gut für uns ist, und Disstress, der uns schadet. Welcher Stress für dich positiv oder negativ ist, bedarf aber einer genaueren Analyse deiner Aktivitäten und Reaktionen auf die Ereignisse in deinem Leben. Mein Buch hilft dabei, diesen Unterschied für selbst zu verdeutlichen, indem es auf einzelne Lebensbereiche genauer eingeht. Stressempfinden ist sehr individuell und unterschiedlich. Dies für den Leser zu ermitteln, ist eines der Ziele des Buches.

Oft passiert es (ich kenne es zumindest von mir), dass nicht das Umfeld oder einzelne Lebensereignisse stressen, sondern man sich selbst Stress macht: durch eigene Gedanken oder Gefühls- und Verhaltensweisen. Wie siehst du das?

Ereignisse, sofern nicht vorhersehbar, können einen durchaus in Stresssituationen hineinkatapultieren. Richtig ist, dass unsere eigenen Gefühls- und Verhaltensweisen, wie du es beschreibst, maßgeblich darüber entscheiden, wie wir mit diesen Ereignissen umgehen bzw. wie sehr uns diese in Stress versetzen. Ich empfehle deshalb eine intensivere Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Gefühlswelten, um zu verstehen, weshalb man reagiert, wie man reagiert. Dafür gibt es hilfreiche Anleitungen und Tipps sowie Selbsttests in meinem Buch, um Stress, den modernen Säbelzahntiger, mit dem wir uns verbünden sollen, nachdem wir ihn verstanden, zu bezwingen.

Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden
Ron B. Charles über Stressabbau, Techniken und Umgang mit stressigen Zeiten

Bei Stress heißt es oft, man solle Sport machen oder Yoga oder eine Entspannungstechnik erlernen. Vielleicht geht es anderen auch so wie mir: Ich habe keine Lust, noch Sport zu machen oder mich zu bewegen, Neues zu lernen oder überhaupt irgendwie aktiv zu werden, wenn ich viel Stress hatte – auch wenn ich weiß, wie kontraproduktiv das ist. Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus? Ist es überhaupt schlimm, wenn man nach Stress einmal nichts macht?

Nein, das ist nicht schlimm. Tatsächlich kann es sogar das einzig Richtige sein, nach einer stressigen Phase erst einmal nichts zu machen. Und auch das Nichtstun, kann man perfektionieren. So kann die richtige Meditationstechnik eben dazu führen, dass man den Geist leert, eine wirklich erholsame Aktivität. Bewusstes Nichtstun ist also sehr wichtig. Keinen Sport oder keine Bewegung zu betreiben, halte ich nicht nur in Bezug auf Stress für einen grob fahrlässigen Umgang mit dem Zuhause, indem wir wohnen dürfen – unserem Körper. Bewegung und Sport in sein Leben zu integrieren sowie Entspannungsübungen zu erlernen, bedeutet letztendlich, viel stressresistenter zu werden, als man es jemals war. Man beugt damit vor, kommt weniger bis gar nicht mehr an seine stressempfindlichen Grenzen und wird dadurch insgesamt leistungsfähiger.

Ich bin mal ehrlich: Ich bezweifele ja, dass man Stress ganz aus seinem Leben streichen kann. Hast du einen goldenen Rat für meine LeserInnen, wenn sie einen stressigen Tag oder gar eine stressige Zeit erleben?

Und dieser Zweifel ist durchaus berechtigt. Denn Stress lässt sich nicht aus unserem Leben streichen. Lediglich, wie wir damit umgehen und was wir tun, um stressresistenter zu werden, kann Stress auf ein Maß bringen, bei dem wir uns sogar wohl mit diesem fühlen. Und das ist der goldene Rat: Lerne einen neuen Umgang damit, wandele deine Gedanken dazu.

Was machst du persönlich bei Stress?

Ich wende alle Tipps, die im Buch gegeben werden, selbst an, und komme daher nur sehr selten in gefühlt stressige Situationen. Und wenn doch, beruhige ich meinen Geist und mache mir klar, dass ich noch 10 x mehr davon ausgehalten habe, bevor ich mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt habe. 6 x die Woche für 45 Minuten Sport und eine gute Organisation meiner Termine, hilft mir den Stress zu bewältigen. Ich kann also guten Gewissens sagen, dass der Stress in meinem Leben weitestgehend reduziert ist. Genau dieses Gefühl wünsche ich all meinen Lesern. Mein Buch kann ihnen dabei helfen, wie ich an genau diesen Punkt zu gelangen.

Vielen Dank, Ron!

Mehr Informationen findest du in seinem Bestseller “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden: Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.”

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Jede Frau verbirgt eine dunkle Schwester in sich (so, wie jeder Mann einen dunklen Bruder hat), die all die ungewollten, verdrängten und verheimlichten Eigenschaften darstellt, die im offiziellen Leben nicht ausgelebt werden. Wenn du dich fragst, wieso du deine “schlechten” Angewohnheiten nicht loswirst, nicht abnimmst, keine Lust auf Sport hast, dich nicht verstellen kannst, es sich so auslaugt, dich anzupassen, du vermeintlich grundlos wütend oder traurig wirst (hier ist nicht Depression gemeint), manchmal wie ausgewechselt bist oder dich dein soziales Umfeld “nicht wiedererkennt”, weil du Stimmungsschwankungen hast oder keine Lust, zu tun, was du tun müsstest, aber nicht willst, dich nicht zu etwas aufraffen kannst usw., dann wisse: Es ist die dunkle Seite deiner Persönlichkeit. Es ist dein Schatten, das Gegenteil des Hellen, was du jedem zeigst, weil du weißt, “Das wird gemocht.” und “Das wird gern gesehen.”, “So bekommst du, was du brauchst.” (wenigstens in Teilen bzw. so verlierst du am wenigsten).

Wenn du besonders darunter leidest, etwas Lästiges nicht loszuwerden, dich nicht disziplinieren kannst oder eine scheinbar höhere Macht, dein innerer Schweinehund, stärker ist als du, dann lies diesen Blogpost.

Wie die dunkle Schwester in dir entstand und wieso sie machmal so viel Macht über dich hat

wenn anpassung nicht mehr gelingt

Ich werfe zu Beginn einige Begriffe in den Raum, die dir zeigen sollen, wie die dunklen Seiten, die dunkle Schwester, dein Schatten entstanden ist:

Erziehung – Schule – aufgezwungene Werte und Standards anderer – erwartete Anpassung – So-Sein-Müssen – Zugehörigkeit/Teilsein-Dürfen – emotionale und psychische Leistungen – Gefühle wie Wut, Trauer und Angst nicht zeigen dürfen/sollen – Erwartungen anderer – Druck, zu genügen – idealerweise keine Bedürfnisse oder Sehnsüchte haben – nicht schwierig, kompliziert oder anstrengend bzw. bedürftig sein – gesellschaftliche Erwartungen an dein Äußeres als Frau erfüllen müssen (oder glauben, es erfüllen zu müssen) – schwierige Männer in Liebesbeziehungen, passive Männer und Beziehungen, die auf deinen Schultern lasten bzw. solche, die du als übergriffig empfindest – schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen (du und deine Mutter) – überhohe Verantwortung und Pflichten – innere Hektik & Unruhe – überstarke Rationalität – Schwierigkeiten, sich zurückzulehnen, sich zu vertrauen, der Welt zu vertrauen, Entscheidungen gegen andere zu treffen, seine weibliche Seite auszuleben, Nein zu sagen, unvernünftig oder zickig zu sein, sich zu nehmen, was man will, das Leben in allen Zügen auszukosten, ein Leben zu leben, das andere nicht verstehen (nichts Solides, nichts Bodenständiges, sondern Eigenes), Schwierigkeiten, sich zu trennen oder Streit/Konflikte auszuhalten …

Das ist nur eine kleine Liste der Gründe, wie die dunkle Schwester in dir entstanden ist. Je mehr man als Frau davon in seinem Leben hat, desto stärker werden auch die Schattenseiten sich entwickeln. Sie drücken sich aus, indem sie dir aufs Gemüt drücken oder dich davon abhalten, “so zu sein, wie andere dich wollen würden”.

Die helle Schwester (der gute Zwilling) hat das gelernt und ist bestrebt, so zu sein. Die dunkle Schwester hingegen, der böse Zwilling, sucht nach Gleichgewicht und sieht genau, wenn etwas aus der Balance fällt. Sie schafft wieder Ordnung in dir drinnen – jedenfalls versucht sie das. Denn immer nur machen, tun, ertragen, schweigen, lächeln und dienen ist für keine Seele wohltuend. Im Gegenteil. Es verrät sie und jedes Herz. Es macht krank und belastet so die Psyche und den Körper.

Die dunkle Schwester ist häufig gierig: Sie hat einen drängenden Hunger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, endlosem, leidenschaftlichen Sex, Essen und Trinken, das die Sinne anregt, tiefen Gefühlen und Erfüllung, grenzenloser Freude und Spaß, nach überschwänglichen Erlebnissen und oft grenzenlosem Selbstausdruck (in welchen Bereichen auch immer). Sie will sich hingeben und empfangen oder geben und kontrollieren – je nachdem, was auf der ausgelebten Seite der angepassten Frau überwiegt. Sie will geliebt werden ohne jede Bedingung, will nichts dafür tun müssen, weder am Anfang noch mittendrin, will Verständnis für all ihre Ecken und Kanten.

Da man aber selten so lebt, sondern sich um Anpassung bemüht und darum, sich zu “benehmen”, nicht so anstrengend und fordernd, sondern eine Hilfe, lieb, sanft usw. zu sein, rutschen die wahren Bedürfnisse immer tiefer ins Dunkle ab.

Die dunkle Schwester verkörpert somit auch all die Wut, die man nie geäußert, sondern heruntergeschluckt hat. Sie trägt die Traurigkeit, Scham und Schuld, die zu schwer zu tragen war. Je mehr wir unser wahres Ich verdrängen, desto stärker wird sie – wenn wir versuchen, lieb, brav, angepasst, hübsch und „so zu sein“, wie man uns will oder wie wir denken, sein zu müssen, um gewollt, liebenswert, angesehen und akzeptiert zu werden.

macht der schattenseiten wie sie entstehen

Die dunkle Schwester ist gegen Motive (das, was dich bewegt, etwas zu tun oder zu unterlassen) wie Zugehörigkeit auf Teufel komm raus oder emotionale/psychische Leistung des Friedens oder der Liebe wegen. Sie verabscheut Co-Abhängigkeit und für andere bequeme Lebensweisen. Sie will im Mittelpunkt ihrer Abenteuer stehen und sich entdecken, auf einer Reise, die sie selbst bestimmt. Sie will ihr Ego leben und nur freiwillig korrigieren. Sie will wachsen und in Einklang bringen, zwischen Weiß und Schwarz alle Farben entdecken. Sie will Energieaustausch statt Langeweile, Blumensträuße und Kino statt Dreckwäsche und Feierabendbier. Sie will Anerkennung für ihre Eigenheiten – und sprechen wir das Kind ruhig beim Namen: Sie will Bewunderung für alles, was sie kann, Nachsicht für all das, was sie nicht kann, und Verständnis, für alles, was sie nicht können will. Die dunkle Schwester ist definitiv der narzisstische Teil einer jeden Frau, die Egomanin und Diva.

Sie ist die, die brüllt, meckert, die Augen rollt, lacht, weint, das Telefon einfach auflegt, lügt, betrügt, abhaut, um 23 Uhr Nudeln kocht, die Bude 2 Wochen lang nicht saugt, nicht sofort zurückschreibt, neidet, eifersüchtig ist, schwarz fährt, stiehlt oder Rache will, wenn ihr die „offizielle“ Version deines Selbst zu bunt/schädlich für dich geworden ist. Sie ist der innere Schweinehund, nicht der innere Kritiker, sie ist die miese Laune statt des ewigen Sonnenscheins, die unermüdliche Kämpferin und härteste Richterin über Ungerechtigkeit und Schmerz, die du freiwillig erträgst – aus Angst, anzuecken, bedürftig, kompliziert oder lästig zu erscheinen. Sie ist die heimliche Königin deines Reichs, wenn du andere regieren lässt – aus Angst, Fehler zu machen oder ausgeschlossen zu werden, Menschen oder Ansehen zu verlieren, die vermeintliche Sicherheit, die dich gefangen hält.

Sie versteht das Versteckspiel nicht: wieso du dich verstellen, klein machen und halten lässt. Sie geht für Balance weit über „deine offiziellen“ Grenzen.

Wie du Freundschaft mit deiner dunklen Schwester schließt

sich mögen trotz schlechter angewohnheiten

Würden wir Frauen unsere dunkle Schwester nur mehr ausleben, bräuchte sie nicht so hart durchzugreifen. Sie will nur da sein dürfen. Wir würden so viel weniger leiden. Also frage dich: Darf sie endlich da sein? Zwei Tipps haben sich in der Praxis meiner Klientinnen bewährt, weshalb ich sie in Mentorings immer erwähne:

Übung 1

Es hilft, das Reich des braven Mädchens wenigstens mal gedanklich zu verlassen und eine Liste mit allem, es die dunkle Schwester will, zu erstellen:

  • nicht sexy/schlank sein oder immer gut aussehen
  • mit dem netten Kollegen ausgehen, obwohl er verheiratet ist
  • xyz nicht den Gefallen tun, um den er gebeten hat
  • nicht geben, ohne zu bekommen
  • mit Schoki und Chips vor dem Fernseher hocken
  • aufgebrezelt tanzen gehen usw.

Das nimmt schon eine Menge Luft raus. Ein kleiner Schritt in Richtung „du selbst“.

Übung 2

Viele Frauen erzielen gute Ergebnisse damit, die dunkle Seite in sich täglich da sein zu lassen (auch wenn es das brave Mädchen in sie zwingt, anders zu sein). Aber durch diese Erlaubnisse fällt es den Frauen leichter, sich im Gegenzug als Kompromiss zu maßregeln oder Sachen zu machen, die sie nicht wollen. Es reichen schon kleine Erlaubnisse aus. |

Mehr in meinem neuen Buch

Panikattacken sind meiner Meinung nach der Versuch des Gehirns,
den Schrei der dunklen Schwester zu unterdrücken.

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst
Janett Menzel: Mein neues Leben ohne Angst (TRIAS Verlag, 2020)

Angstzustände: Was ist der Auslöser und was die beste Strategie, um sie zu besiegen?

Angstzustände: Was ist der Auslöser und was die beste Strategie, um sie zu besiegen?

Taucht Angst auf, will sie jeder weghaben. Doch was ist die beste Strategie gegen Angst oder Panikattacken? In meinen Augen – nach all den Jahren meiner Recherche für meine betroffenen LeserInnen und früher für mich, komme ich zu dem Schluss: Es gibt sie nicht, die eine goldene Methode gegen Angstzustände, noch gibt es eine Therapie, die bei jedem helfen würde. Denn Angst ist aus einem (oft guten) Grund bzw. als Konsequenz da. Und den kannst du finden, wenn du dich genau beobachtest.

Erfahrungen mit Angst: Auslöser, Therapien und Strategien

Ich habe mich schon mit so vielen Menschen unterhalten, die entweder als austherapiert oder therapieresistent galten und plötzlich durch so was wie Kunsttherapie oder Bewegungstherapie ihre Ängste besiegten. Wie konnte das so leicht gelingen?

Aber ich habe auch solche kennengelernt, die durch einige Wochen Auszeit – weg von den belastenden Umständen, ihrem Megahaufen Verpflichtungen und ihrer schnell-schnell-schnell-Lebensweise ihre Angst milderten. Eine ganz andere Herangehensweise.

Ich glaube deshalb, dass ein Weg immer darüber führt, dass man sich genau betrachtet, guckt, wo es drückt:

Hat man Panikattacken, weil man sich fürchtet, ein bestimmtes, einengendes Umfeld zu verlassen (und reagiert der Körper darauf, indem er hilft, sich nicht weiter als 20 Meter zu entfernen)? (Klassiker bei Co-Abhängigkeit und zum Beispiel auch frischen Müttern sowie zu viel Verantwortung und Pflicht oder Trennungsangst.)

Oder ist es eine rein körperliche Sache, weil Angst nur zu bestimmten Zeiten auftritt, zum Beispiel vor/während/nach der Menstruation oder nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel/Substanzen (Zucker, Kaffee, Milchprodukte, Eier, Nüsse, Nikotin, Alkohol)? Eine ausführliche Liste mit den häufigsten nahrungsmittelbasierten Auslösern findest du in meinem Paket “Hör auf! Deine Angst”:

Tipps und Ratschläge gegen Angst und Panikattacken

Kommt die Angst als Schutz vor einer Konfrontation? Soll sie alte Glaubenssätze erhalten, damit man etwas nicht lernen oder ertragen muss/braucht? (Versagen, Fehler aka Scham und Schuld)

Oder ist sie vielmehr eine Chance, weil die Ängste erlernt sind, man beim Sprung ins kalte Wasser Familienwerte und -lektionen hinter sich lassen würde (was vielleicht zu Stress innerhalb der Familie oder der Partnerschaft führen könnte oder gar zu Verlust)?

Ich habe sogar Betroffene kennengelernt, die ganz offensichtlich ihre Ängste brauchten, um ihr Leben so weiterleben zu können wie bisher. Hätten sie ihre Ängste überwunden, wäre vieles zu Bruch gegangen.

Du willst den Grund nicht wissen, aber eine Liste mit möglichen Wegen?

An solchen individuellen Lebenslagen orientiert sich meiner Meinung nach auch die Strategiefindung. Bei Stress/Hektik/zu wenig Ich-Zeit könnten Pausen, in denen man nur mit sich beschäftigt ist bzw. etwas macht, was man selbst für sich allein will, helfen – ja. Diesen Burn-out-Bezug findet man immer häufiger als Auslöser. In anderen Fällen sind es tiefersitzende Herausforderungen und Verhaltensweisen, die man angehen müsste, um sich zu befreien, durch eine langfristige Psychotherapie zum Beispiel. Bei körperlicher Ursache ist schon so Mancher (wie ich auch) solange zu neuen Ärzten gegangen, bis er jemanden fand, der die Zusammenhänge verstand (bei mir war es einmal u. a. darmbasiert, aber diese Ursache herauszufinden, dauerte Jahre). Dazu findest du hier u. a. mehr:

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst

Das sind nur einige Streifzüge der letzten Jahre mit vielen Gesprächen mit betroffenen Frauen und Männern.

Deshalb gilt:

Beobachtet euch und die Anlässe, Gedanken, Gefühle, Verhalten. Das zu durchschauen, kann vieles in Bewegung bringen. Getreu dem Motto: Problem erkannt, Problem gebannt. Denn nach meinem Empfinden ist Angst überwiegend eine Folgeerscheinung.

Mehr dazu in meinem neuesten Buch „Mein neues Leben ohne Angst: Mit ganzheitlichen Methoden Ängste und Panikattacken besiegen“ (TRIAS Verlag, 2020 – ISBN: 9783432110769), erhältlich bei mir, in allen Online Stores wie Amazon und im Buchhandel deiner Wahl.

Über Co-Abhängigkeit und wie man sich als Betroffener besser verstehen kann

Über Co-Abhängigkeit und wie man sich als Betroffener besser verstehen kann

Co-Abhängigkeit bedeutet, dass man für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit des Partners alles tut – auch, wenn es den eigenen Lebensregeln widerspricht, einen selbst verletzt, man Freunde und Familienmitglieder verliert und man nur noch in Abhängigkeit vom Anderen lebt und liebt, so, wie der-/diejenige es für richtig erachtet. Man trifft keine/kaum eigene Entscheidungen, denn man befürchtet, es könnte nicht im Interesse des Partners sein und Ablehnung oder Streit provozieren. Im Grunde spiegelt sich in der Co-Abhängigkeit die eigene Angst vor dieser Ablehnung, die sich auch oft als Verlustangst zeigt. Und eben diese Angst kann bereits geschürt werden durch andere Meinungen, kleinere Konflikte bis hin zum Anderssein statt So-Sein. Co-Abhängige drehen und wenden sich deshalb nach dem, was andere als Erwartung an sie stellen. Nicht wenige werden vor allem zu einer Version, die in ihrem Umfeld anerkannt würde statt abgelehnt. Aber sie selbst verlieren sich dabei von Tag zu Tag. Das wiederum kann Angstzustände und Depressionen, aber auch Süchte und tiefe Einsamkeit fördern.

Wie wird man co-abhängig, was ist gesund und wann ist man co-abhängig?

Dass sich das eigene Leben ein stückweit verändert, wenn man in einer Beziehung lebt, ist klar. Man kann sich nicht mehr nur allein um sich drehen, sondern sollte auch die Bedürfnisse und Wünsche des anderen wahrnehmen und beantworten. Das heißt nicht, dass man alles gutheißen oder fördern muss bzw. alles so machen muss, wie der Partner es wünscht, um seinem höchsten Interesse zu 100 Prozent zu begegnen, während man selbst zurückbleibt.

Viele werden entweder co-abhängig, weil sie innerlich spüren, dass der Partner es so wünscht und weil es in ihnen eine Angst vor Verlust und Angst, verlassen zu werden, auslöst, die sie abwehren. Oder sie kennen co-abhängige Erwartungshaltungen ihrer Bezugspersonen bereits aus ihrer Kindheit, ihrem Elternhaus oder vergangenen Beziehungen. Menschen, die beispielsweise stark narzisstisch oder phobisch sind, stark neurotisch oder egozentrisch, fordern von anderen oft Anpassung in Form emotionaler Leistungen. Das können narzisstische Mütter sein wie auch sich freiwillig unterwerfende Väter oder stark eifersüchtige Partner, die damit nicht umgehen können. Solche Erfahrungen in der eigenen Erziehung oder dem sozialen Umfeld zeigen sich dann auch – insofern nicht überwunden – im späteren Leben in Folgepartnerschaften.

Die Dynamik innerhalb einer co-abhängigen Partnerschaft lässt sich am besten mit einer körperlich gewalttätigen Beziehung vergleichen. Man fürchtet stets, den anderen wütend zu machen (Wut hier als Mantel der Traurigkeit) und vermeidet Disharmonie um jeden Preis, steckt eher selbst ein, als denjenigen mit sich und seiner misslichen Gefühlslage zu konfrontieren. Dass der- bzw. diejenige unfähig ist, ihre/seine Emotionen zu regulieren, ist zwar oft ein gefühltes Wissen, aber es findet keine Konfrontation statt. Man wagt es nicht, dem Partner zu sagen, dass es hier etwas gibt, was er lernen darf oder was er so zu akzeptieren hat, ohne Rückschlüsse oder strafendes Verhalten einem selbst gegenüber. Es ist aber leider oft genau die erwartete Strafe, die Co-abhängige fürchten. “Beliebte Strafen”, die ich im Laufe der Jahre bei meinen Klienten gesehen habe, sind manipulative und somit toxische, psychisch und emotional gewalttätige Verhaltensweisen, wie zum Beispiel:

  • Schweigen (The Silent Treatment) – Verweigerung jeglicher Kommunikation, um auszudrücken: Du hast dich gegen mich gewandt, warst böse und unartig, nicht so, wie ich es von dir erwarte, wie ich dich mag. Deshalb lehne ich dich jetzt offen und direkt ab, um dir zu zeigen, wie wenig ich dich so will, wie wertlos du jetzt für mich bist, wie wenig ich dich dadurch brauche und als Partner wünsche.
  • Streit vor, während oder nach einer bestimmten Handlung – Es werden oft Streitigkeiten vom Zaun gebrochen oder etwas/jemand, der dir wichtig ist, benutzt/instrumentalisiert, um dich zu bestrafen, weil du etwas trotzdem tust, obwohl du weißt, dass der andere es nicht duldet (besonders oft werden Kinder benutzt, um die eigene Macht und deine nötige Unterwerfung zu demonstrieren). Bist du z. B. mit Freunden unterwegs, könntest du Kontrollanrufe bekommen. Bist du wieder zurück zu Hause, könnte dein Partner dich ausfragen oder bewusst ignorieren oder dich tadeln, als Strafe für die Zeit, die er ohne dich erleben musste. Ich sehe auch oft, dass Menschen Textnachrichten erhalten, wenn sie unterwegs sind, die sie aufscheuchen und die gute Zeit, die sie gerade erleben, unterbrechen oder bewusst ins Dunkle ziehen. Viele lassen Verabredungen oder Unternehmungen deshalb schnell sein, um diese Reaktion des Partners in Zukunft zu vermeiden (und um sich den Stress zu ersparen).
  • Gaslighting – Dieser Begriff aus den Staaten beschreibt die bewusste Manipulation des Partners, bis dieser denkt, a) er wäre schuld an allem, z. B. der schlechten Atmosphäre in der Beziehung und b) wäre verrückt/würde seinen Verstand verlieren oder bestimmte Verhaltensweisen des anderen falsch sehen. Das bedeutet im Detail, dass z. B. enge Freunde/Familienmitglieder schlecht gemacht werden, um dich zu isolieren. Du wirst schlecht gemacht, um dir einzureden, dass der andere recht hätte und du dich falsch verhalten hättest, um dein Verhalten in Zukunft zu steuern und den anderen nicht mit sich und seinen falschen Verhaltensweisen zu konfrontieren. (Ich bin richtig. Du bist falsch.)
  • Drohungen, Trennungen & Co. – Konflikte oder Schweigestrafen sind das eine. Aber viele erleben ganz offene Androhungen von Trennungen oder anderen schmerzhaften Konsequenzen, wenn sie nicht tun/so sind, wie der Partner es wünscht.

Es ist nicht verwunderlich, dass Partner deshalb schnell co-abhängig werden, sich unterdrücken lassen und mindestens eines der folgenden Anzeichen im Verhalten, Fühlen und Denken zeigen:

  • nicht wissen, was man sagen, tun oder nicht sagen/tun darf – deshalb am besten schweigen oder immer nachfragen
  • stets daran denken, was wohl der Partner/die Partnerin von etwas/jemanden halten wird
  • keine Entscheidung ohne den Partner/die Partnerin treffen können/wollen (oder das Gefühl haben, es nicht zu dürfen)
  • kein Mitgestaltungsrecht fordern/fühlen, außer es fördert/erfüllt die Bedürfnisse und Ziele des anderen
  • man fühlt sich nur gut, wenn es dem anderen gut geht
  • man ist nur okay, wenn der andere es einem spiegelt
  • man darf ohne den anderen nicht glücklich sein, sonst droht sein Unglück/seine Unzufriedenheit (man wird für die negativen Gefühle des anderen verantwortlich gemacht, vor allem für seine Unfähigkeiten im Umgang mit diesen, z. B. mit dem Nicht-Gebrauchtwerden)
  • man vermeidet ALLES, was beim anderen Ohnmacht, Hilflosigkeit, Angst, Eifersucht, Neid usw. auslösen könnte (Im Namen der Liebe)

Zusammenfassung: In einer Partnerschaft rotiert man als Co-Abhängiger so nach und nach alleinig um den Lebensstil und -sinn des Partners. Wie er das Leben sieht, wie Menschen zu sein haben, wie eine Beziehung oder die Frau/der Mann und andere soziale Kontakte auszusehen und sich zu verhalten haben, welche Moral- und Lebenseinstellungen er/sie für richtig hält: All das bestimmt der Partner, der vom anderen – von dir – Co-Abhängigkeit verlangt. Da man dabei seinen eigenen Lebensweg und -sinn aus den Augen verliert, orientiert man sich an den Gefühlen des anderen. Was ihn/sie wütend oder traurig macht, in Angst versetzt oder eifersüchtig werden lässt, vermeidet man.

Was man aus seiner eigenen Co-Abhängigkeit lernen kann

wenn du immer den falschen anziehst

Man kann etwas verteufeln und ablehnen, verdrängen und ignorieren oder man akzeptiert es und sieht das Positive darin, zum Beispiel, was man daraus lernen kann. Ich bin ein Freund der zweiten Betrachtung.

In einer co-abhängigen Beziehung zu leben, verrät vieles über den Menschen in puncto Selbstständigkeit, dem Umgang mit Alleinsein und Selbstwert. Denn die Abhängigkeit vom Partner kann das Leben nicht nur belasten – im Sinn der zusätzlichen Last des Partners und seines Lebens, welches scheinbar nur dann gut ist, wenn man sich entsprechend verhält, fügt oder anpasst. Es ist auch eine emotionale Last, denn man operiert innerhalb eines sehr engen Fensters aus Sollen, Müssen und Dürfen – eine Situation, die viele Betroffene an die Kindheit/Jugend und somit an eine enge, strenge, unfreie und eben abhängige Eltern-Kind-Beziehung erinnert. Es drohen Strafen und Diskussionen, wenn man nicht „brav“ ist oder sich weigert, ein Kind zu bleiben und sich stattdessen erwachsen verhält (Nestfluchtverhalten und die Angst des anderen, verlassen und nicht mehr gebraucht zu werden).

Auch die Last der eigenen Emotionen durch die Co-Abhängigkeit beschwert viele: Ohne den Partner zu sein – für viele reichen schon wenige Stunden -, fühlt sich unvollständig, nicht richtig, „fehl platziert“, abgetrennt, isoliert, haltlos und falsch an. Dabei kann Co-Abhängigkeit selbst in die Einsamkeit führen, weil wichtige Lektionen verdrängt und ignoriert werden. Vom Partner/der Partnerin oder der Partnerschaft per se bestimmt zu sein oder aktiv bestimmt zu werden, kann an wichtigen Säulen wie Selbstwirksamkeit, Selbstständigkeit und Selbstwert rütteln – soweit, bis wir nicht einmal mehr wissen, wer wir ohne den Partner/die Partnerin sind, was uns als Person ausmacht und was wir im Leben für uns erreichen wollen.

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Co-Abhängige sind deshalb oft sogenannte „Chaser“ (Verfolger), häufig Frauen, die einem Mann „hinterherrennen“ (in der wörtlichen Übersetzung von “to chase”), „ihm folgen“ und „rechtmachen“, obwohl er sie wegen ihrer Persönlichkeit und So-Sein nicht für eine Partnerschaft wählen würde. Selbstverständlich gibt es auch Männer als Chaser. Den Gegenpol bilden sodann die sogenannten Runner. Co-Abhängig sind auch Menschen, die vordergründig keine (kleinen) Entscheidungen fällen, ohne den Partner/die Partnerin zu fragen (um Erlaubnis). Auch die sind abhängig, die sich in allem, was der Partner/die Partnerin möchte, sich wünscht und tut, entgegen einem gegenseitigem Respekt, drehen und ihr Leben nach den Schritten des/der Geliebten ausrichten, ohne sich oder den anderen in seinen/ihren Worten und Taten zu hinterfragen. Dahinter versteckt sich die Sehnsucht danach, ausgewählt zu werden/zu sein, gewollt zu werden/zu sein, der inneren/äußeren Leere zu entfliehen – wenn man so ist, wie der andere es sich wünscht.

Ich werfe nun einen Blick auf das Konzept und verrate, wie man an dieser Herausforderung trotzdem wachsen kann.

Bedürfnisse, Verhaltens-, Gefühls- und Denkweisen co-abhängiger Menschen

sich aus schwierigen verletzenden Beziehungen befreien
Co-Abhängige haben oft gelernt, dass es eine Form der Liebe ist, die sie kennen(gelernt haben), auch wenn andere sie als ungesund bezeichnen. Es ist oft die einzige Form, mit der sie sich auskennen und der sie entsprechen können – bis sie eine Art, die gesunde Liebe, entdecken lernen wollen.

Wir alle wollen geliebt werden, wollen gesunde und gute Beziehungen, die uns in unserem Leben und Lebensstil akzeptieren und fördern. Auch wenn es immer schwieriger wird, das Wort Bedürftigkeit in den Mund zu nehmen, so sind wir doch alle Menschen mit diesem Bedürfnis: Anerkennung. Jemand, der meint, keine Anerkennung zu brauchen, belügt sich und andere. Das Wort an sich lässt sich leicht nur als „Lob“ oder „Zuspruch“ verstehen. Doch mit Anerkennung meinen wir auch, in all unserem Sein, unseren Bedürfnissen, unserer Art, zu leben, und unseren Zielen erkannt und akzeptiert zu werden – ohne Kritik und Gemecker, Ablehnung, Diffamierung und Bloßstellung, sondern mit Wohlwollen und Liebe, wenn möglich sogar Unterstützung. Dennoch wünschen wir uns die Art der Kommunikation und des Verhaltens zwischen uns und dem Partner gegenseitig respektvoll, auf Augenhöhe, nicht fremdbestimmt, sondern freiheitlich. Denn ein Stück Autonomie muss in einer gesunden Beziehung erhalten werden und darf deshalb gefördert werden.

Bei co-abhängigen Menschen finden wir eine andere Betrachtung der Autonomie. Das hat etwas mit ihrer Sicht auf ihr Leben und ihre Selbstständigkeit, Fülle-nur-dann-wenn-Erfahrungen und die vorhandene innere Leere zu tun. Autonom bedeutet ja schlicht „man selbst“, „unabhängig“, „selbstständig“. Weiß man jedoch nicht, wer man ist, was man kann, was einen in diese Richtung geprägt hat, welche Stärken und Schwächen sowie Werte man hat oder sieht Blockaden vor seinen Zielen, die er nicht aufzulösen vermag, dann bringt jede noch so gewollte Autonomie nix. Man hat nicht gelernt, man selbst zu sein und zu dürfen, allein zurechtzukommen, sich durchzusetzen oder mit Erfahrungen im Außen (z. B. Trennungen oder Kritik) und ist es deshalb auch nicht. Man hat zum Beispiel gelernt:

  • Geben
  • Misstrauen
  • Angst
  • Identifikation mit anderen
  • Zugehörigkeitsmotiv und Leistungsmotiv (Man leistet, um dazuzugehören.)
  • gebraucht werden wollen und brauchen (und wie/wodurch das am besten gelingt)
  • nichts machen, was dazu führt, dass ich als unbequem gelte, stören oder mich ausgrenzen würde
  • Fehler in der charakterlichen Matrix vermeiden, um als liebenswert zu gelten
  • keine Ansprüche zu stellen
  • andere nicht herauszufordern
  • Distanz vermeiden oder immer Nähe wollen

Am besten lässt sich Co-Abhängigkeit leben, je weniger Freunde und enge soziale Kontakte man hat. Denn diese wären wohl die ersten und ehesten, die psychisch selbstverletzendes Verhalten oder eine unbedachte Partnerwahl ansprächen. Meiner Erfahrung nach trennen sich co-abhängige Menschen jedoch eher von ihren Freunden als vom Partner/von der Partnerin.

Aber es gibt auch Menschen, die sich eine Spur Co-Abhängigkeit wünschen: Sie haben es vielleicht satt, alles immer selbst und ständig allein machen oder entscheiden zu müssen, spüren die Last und Verantwortung und wünschten, sie auch einmal abgeben zu können. Oder sie haben Mühe, stets allein ihre Zeit zu verbringen und bemerken die anrollende Einsamkeit, zu der übermäßiges Alleinsein leicht wird. Auch Unabhängigkeit hat seine Schwächen, nämlich dann, wenn sie als „keinen Platz“, „keinen Halt bei …“ gedeutet oder erfahren wird. Zu wissen bzw. zu spüren, dass man zu niemanden (oder nirgends hin) gehört, löst in vielen Menschen Angst und Betroffenheit aus. Es gilt also, zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit eine gesunde Waage zu finden. Diese lässt sich am ehesten finden, wenn wir uns die andere Seite – den abhängigkeitsfordernden Partner – ansehen.

Die andere Seite: Was Partner/innen co-abhängiger Menschen oft auszeichnet

das kannst du tun, wenn er/sie Angst vor einer beziehung mit dir hat

Wer abhängig ist, der geht weniger leicht bzw. schnell bei Differenzen: Die Gefahr eines Verlustes ist also für den Partner sehr gering.

Stattdessen steht man mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt und Vordergrund. Was zählt, ist die eigene Gefühlslage und die Ziele, die man verfolgt. Man selbst trifft die Entscheidungen und braucht sich keine Gedanken machen, unter denen anderer leiden zu müssen. Man tut, was man möchte und niemand spricht dagegen oder hält einen auf. Stattdessen wird man unterstützt, ohne Verluste zu vermeiden oder zu befürchten. Es ähnelt einer Allmacht, die an die Eltern-Kind-Dynamik erinnert. Und tatsächlich stammen viele aus eben dieser Art elterlicher Liebe: „Wenn du machst, was mir gefällt, droht dir kein Liebesentzug.“

Partner co-abhängiger Menschen zeigen viele dieser Eigenschaften:

  • Nehmen dürfen
  • Geben einfordern/Gehorsam
  • Misstrauen
  • vermeiden es, jemanden zu sehr zu brauchen (stellt Schwäche dar)
  • verstecken ihre Sehnsucht nach Liebe
  • Drohungen (sich und andere verletzen, sich trennen, etwas enthüllen, dich bloßstellen usw.)
  • Machtmotiv (verstecktes Zugehörigkeitsmotiv oder verwundetes Leistungsmotiv)
  • Umständen Bedeutungen verleihen und fordern, dass sie für Harmonie und Liebe/Zuwendung geteilt werden
  • Ab- und Entwertung anderer Menschen und den Partner zur eigenen Aufwertung und zur Abwehr der eigenen Angst vor Bedeutungslosigkeit und Verlust

Besonders bei beziehungsängstlichen Personen finden wir oft den Drang und Zwang, autonom zu bleiben. Sie fürchten, dass ihre hart erkämpfte Autonomie durch eine Partnerschaft gefährdet würde. Sie kennzeichnen sich sozusagen als anderes Extrem. Viele spüren dabei selbst die kleinsten (vermeintlichen) Übergriffe und sehen eine Gefahr, weshalb sie von Beziehungen zurückweichen. Und das, obwohl Liebesbeziehungen eben eine gesunde, aber nötige Anpassung fordern. Co-Abhängigkeit zu fordern, zeigt sich deshalb oft bei aktiven Beziehungsängstlern, Co-Abhängigkeit ausleben wiederum bei passiven Beziehungsängstlern. Erstaunlich oft sind die Ersten männlich und die Zweiteren weiblich. Aus meiner Erfahrung spiegeln sie sich gegenseitig: Zu oft habe ich – auch an mir selbst – erlebt, dass Frauen, die sich aus ungesunden Beziehungsmustern, wie z. B. ihrer Co-Abhängigkeit, schälen, aktiv eine Beziehung vermeiden. Es fällt leichter, offen Nein zu sagen, statt immer einzustecken. Dennoch leiden auch sie nach dieser Wende, denn das gefürchtete Alleinsein bzw. die innere Leere und Einsamkeit bleibt bestehen.

Wie du dir selbst helfen könntest, dich aus deiner Abhängigkeit zu befreien, erfährst du im nächsten Blogpost. In der Zwischenzeit empfehle ich dir dieses Buch “Wenn Frauen zu sehr lieben” (Robin Norwood) und den passenden Artikel dazu auf meinem Blog “Wenn Frauen zu sehr lieben: Liebe & Angst”