Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stress, Stress, Stress: Wir wissen mittlerweile alle, dass er krank machen kann und deshalb bewältigt und abgebaut werden muss. Die Wissenschaft weist auch immer wieder darauf hin, dass ein erhöhter Stress über eine lange Zeit schnell in psychische Belastungsstörungen wie Angstzustände oder Depressionen übergehen kann. Doch selbst “nur” Schlafstörungen oder das Gefühl der ständigen inneren Hektik deuten bereits an, dass wir tätig werden sollten, um den Körper und die Psyche zu entlasten. Die Stresshormone müssen abgebaut werden. Nur, wie? Denn meist bleibt im Stress einfach keine Zeit.

Ich habe den befreundeten Autor des Buches “Stress, der moderne Säbelzahntiger!”, Ron B. Charles, zu einem Interview über Stressbewältigung eingeladen, um uns die Kniffe und Tricks zu verraten.

Stressbewältigung: Stressoren, Auswirkung auf Geist & Psyche und Angstzustände

Stress und Auswirkungen

Dass ein Buch über Stressabbau zur Nummer 1 bei beispielsweise Amazon & Co. werden kann, zeigt mir, dass wir nach wie vor mit diesem Thema hadern. Wir haben lange To Do-Listen mit Aufgaben, die wir abarbeiten müssen, und Pflichten, denen wir nachgehen müssen. Wir kommen uns viele Erledigungen nicht einfach herum, auch wenn wir sie nicht mögen oder keine Kraft dafür haben. Sei es im Job, in der Familie, im Liebesleben oder in der Freizeit: Alles kann das Potenzial entwickeln, uns kurzfristig oder langfristig zu stressen. Stress beschreibt dabei die automatisch einsetzende innere Anspannung durch etwas oder jemanden. Wir vergessen währenddessen jede Achtsamkeit und Ruhe, jedes Vertrauen und jeden noch so guten Vorsatz. Wir übersehen unser Bedürfnis nach Pausen, nach wohltuenden Ausgleich, nach nährenden Freizeitaktivitäten und Menschen, die uns guttun. Wir greifen in Stressphasen vermehrt zu fettigem und zuckerhaltigen Lebensmitteln, weil sie unseren Blutdruck heben und uns für eine kurze Zeit vermeintlich mehr Kraft verleihen. Wir belohnen uns damit, faul auf der Couch zu liegen statt Sport zu treiben – obwohl wir wissen, dass das Zweite besser wäre. Dabei würde dieser unsere Stresshormone leichter abbauen, die durch unseren Lebensstil oder -wandel ankurbelt worden sind.

Leider hat Stress den Nachteil, dass er müde und ausgelaugt macht. Uns fehlt die Kraft, noch etwas für uns zu tun. Im ständigen Für-andere-da-sein, im Leisten und Wirken, um entweder über die Runden zu kommen oder das gewünschte Leben aufrechtzuerhalten, vergessen wir oft zuerst unsere Gesundheit. Leider nicht nur physisch, sondern oftmals auch geistig. Die renommierte Therapeutin und Autorin Verena Kast beschrieb in ihrem Klassiker “Über den Sinn der Angst” einst, dass Stress nichts anderes sei als Angst:

  • Angst, Fehler zu machen oder zu versagen
  • Angst, nicht dazuzugehören oder ausgeschlossen zu werden
  • Angst, andere zu verletzen oder zu enttäuschen
  • Angst, nicht gut oder nicht genug zu sein
  • u. v. m.

Die Forschung hat gezeigt, dass Stress/Angst auf allen Ebenen horrende Auswirkungen haben kann, wenn wir nicht – besonders in Stressphasen – dafür Sorge tragen, dass unser Körper ihn wieder abbauen kann:

  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräneanfällen
  • Nacken-, Rücken- und/oder Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Nachtschweiß, Müdigkeit, viel Schlaf brauchen)
  • Magen-Darm-Befindlichkeiten wie z. B. Durchfall, Verstopfung, Reizdarm- oder Reizmagensyndrom, Sodbrennen
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindelgefühle, Herzrasen und -stolpern, Atembeschwerden, Enge in der Brust
  • Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit
  • Antriebslosigkeit, Lethargie
  • Ängste
  • usw.

Viele meiner LeserInnen und ich eingeschlossen, haben festgestellt, wie schnell Stress zu anhaltenden Angstzuständen mit/ohne Panikattacken führen kann (weswegen ich viel über Stressängste schreibe). Denn jeder Mensch hat seine ganz eigenen Stressfaktoren (Reize, die Stress auslösen), sogenannte Stressoren, auch wenn es allgemeinere gibt, die jeden erwischen können. Dabei sind Stressoren entweder innere oder im Außen auftretende Faktoren, die in deinem Körper/Geist individuell Stress bewirken:

  • Leistungsstressoren (z. B. viele Arbeitsaufgaben)
  • physikalische Stressoren (z. B. Lärm, Hitze, grelles Licht, Enge)
  • soziale Stressoren (z. B. für einen Menschen schwierige zwischenmenschliche Konflikte, Trennungen)
  • körperliche Stressoren (z. B. Allergien, Krankheiten, Verletzungen)

Jeder Stressor hat die Macht, dich zu einer Anpassung, zur Flexibilität oder gar Duldung zu zwingen. Doch die Zahl der Abhängigkeiten im Leben ist groß. Was bleibt also? In meinen Augen ist es eine veränderte Haltung zu allem, was Stress bewirkt. Wie gehst du mit Stress um? Welcher Stressor belastet dich am meisten? Und wie kannst du die Auswirkungen auf deinen Körper & Geist verringern? Fragen wir doch jemanden, der sich damit auskennt.

Interview mit Ron B. Charles über sein Buch “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden”

Interview mit Ron B. Charles
Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.

Wieso hast du dich dazu entschieden, ein Buch über Stress zu schreiben? Gab es persönliche Erfahrungen oder findest du, dass das Thema noch nicht ausführlich genug besprochen wurde?

Das Problem “Stress” ist für viele Menschen nicht wirklich gelöst, daher empfand ich es sinnvoll, ein Buch über dieses Thema zu schreiben, welches dabei unterstützt, für sich selbst einen Leitfaden, wie man mit Stress umgehen kann, zu entwickeln. Stress ist allgegenwärtig und wird viel zu häufig schon als „völlig normal“ und „das gehört einfach dazu“ betrachtet. Natürlich hatte ich selbst auch schon allerlei stressige Situationen in meinem Leben und gelegentlich komme ich auch wieder in solche Situationen. Man kann sich aber darin üben, besser mit stressigen Zeiten umzugehen und anders zu agieren, um Stress weitestgehend zu vermeiden.

Du beschreibst viele Auswirkungen von Stress auf körperlicher Ebene. Unter anderem besprichst du auch positiven und negativen Stress. Woran erkenne ich, ob Stress positiv oder negativ ist?

Stress kann bekanntermaßen verheerende Auswirkungen auf unseren gesamten Organismus haben und wirkt sich auch bei jedem unterschiedlich aus. Es gibt jedoch diese eine Grenze zwischen Eustress, der gut für uns ist, und Disstress, der uns schadet. Welcher Stress für dich positiv oder negativ ist, bedarf aber einer genaueren Analyse deiner Aktivitäten und Reaktionen auf die Ereignisse in deinem Leben. Mein Buch hilft dabei, diesen Unterschied für selbst zu verdeutlichen, indem es auf einzelne Lebensbereiche genauer eingeht. Stressempfinden ist sehr individuell und unterschiedlich. Dies für den Leser zu ermitteln, ist eines der Ziele des Buches.

Oft passiert es (ich kenne es zumindest von mir), dass nicht das Umfeld oder einzelne Lebensereignisse stressen, sondern man sich selbst Stress macht: durch eigene Gedanken oder Gefühls- und Verhaltensweisen. Wie siehst du das?

Ereignisse, sofern nicht vorhersehbar, können einen durchaus in Stresssituationen hineinkatapultieren. Richtig ist, dass unsere eigenen Gefühls- und Verhaltensweisen, wie du es beschreibst, maßgeblich darüber entscheiden, wie wir mit diesen Ereignissen umgehen bzw. wie sehr uns diese in Stress versetzen. Ich empfehle deshalb eine intensivere Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Gefühlswelten, um zu verstehen, weshalb man reagiert, wie man reagiert. Dafür gibt es hilfreiche Anleitungen und Tipps sowie Selbsttests in meinem Buch, um Stress, den modernen Säbelzahntiger, mit dem wir uns verbünden sollen, nachdem wir ihn verstanden, zu bezwingen.

Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden
Ron B. Charles über Stressabbau, Techniken und Umgang mit stressigen Zeiten

Bei Stress heißt es oft, man solle Sport machen oder Yoga oder eine Entspannungstechnik erlernen. Vielleicht geht es anderen auch so wie mir: Ich habe keine Lust, noch Sport zu machen oder mich zu bewegen, Neues zu lernen oder überhaupt irgendwie aktiv zu werden, wenn ich viel Stress hatte – auch wenn ich weiß, wie kontraproduktiv das ist. Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus? Ist es überhaupt schlimm, wenn man nach Stress einmal nichts macht?

Nein, das ist nicht schlimm. Tatsächlich kann es sogar das einzig Richtige sein, nach einer stressigen Phase erst einmal nichts zu machen. Und auch das Nichtstun, kann man perfektionieren. So kann die richtige Meditationstechnik eben dazu führen, dass man den Geist leert, eine wirklich erholsame Aktivität. Bewusstes Nichtstun ist also sehr wichtig. Keinen Sport oder keine Bewegung zu betreiben, halte ich nicht nur in Bezug auf Stress für einen grob fahrlässigen Umgang mit dem Zuhause, indem wir wohnen dürfen – unserem Körper. Bewegung und Sport in sein Leben zu integrieren sowie Entspannungsübungen zu erlernen, bedeutet letztendlich, viel stressresistenter zu werden, als man es jemals war. Man beugt damit vor, kommt weniger bis gar nicht mehr an seine stressempfindlichen Grenzen und wird dadurch insgesamt leistungsfähiger.

Ich bin mal ehrlich: Ich bezweifele ja, dass man Stress ganz aus seinem Leben streichen kann. Hast du einen goldenen Rat für meine LeserInnen, wenn sie einen stressigen Tag oder gar eine stressige Zeit erleben?

Und dieser Zweifel ist durchaus berechtigt. Denn Stress lässt sich nicht aus unserem Leben streichen. Lediglich, wie wir damit umgehen und was wir tun, um stressresistenter zu werden, kann Stress auf ein Maß bringen, bei dem wir uns sogar wohl mit diesem fühlen. Und das ist der goldene Rat: Lerne einen neuen Umgang damit, wandele deine Gedanken dazu.

Was machst du persönlich bei Stress?

Ich wende alle Tipps, die im Buch gegeben werden, selbst an, und komme daher nur sehr selten in gefühlt stressige Situationen. Und wenn doch, beruhige ich meinen Geist und mache mir klar, dass ich noch 10 x mehr davon ausgehalten habe, bevor ich mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt habe. 6 x die Woche für 45 Minuten Sport und eine gute Organisation meiner Termine, hilft mir den Stress zu bewältigen. Ich kann also guten Gewissens sagen, dass der Stress in meinem Leben weitestgehend reduziert ist. Genau dieses Gefühl wünsche ich all meinen Lesern. Mein Buch kann ihnen dabei helfen, wie ich an genau diesen Punkt zu gelangen.

Vielen Dank, Ron!

Mehr Informationen findest du in seinem Bestseller “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden: Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.”

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Jede Frau verbirgt eine dunkle Schwester in sich (so, wie jeder Mann einen dunklen Bruder hat), die all die ungewollten, verdrängten und verheimlichten Eigenschaften darstellt, die im offiziellen Leben nicht ausgelebt werden. Wenn du dich fragst, wieso du deine “schlechten” Angewohnheiten nicht loswirst, nicht abnimmst, keine Lust auf Sport hast, dich nicht verstellen kannst, es sich so auslaugt, dich anzupassen, du vermeintlich grundlos wütend oder traurig wirst (hier ist nicht Depression gemeint), manchmal wie ausgewechselt bist oder dich dein soziales Umfeld “nicht wiedererkennt”, weil du Stimmungsschwankungen hast oder keine Lust, zu tun, was du tun müsstest, aber nicht willst, dich nicht zu etwas aufraffen kannst usw., dann wisse: Es ist die dunkle Seite deiner Persönlichkeit. Es ist dein Schatten, das Gegenteil des Hellen, was du jedem zeigst, weil du weißt, “Das wird gemocht.” und “Das wird gern gesehen.”, “So bekommst du, was du brauchst.” (wenigstens in Teilen bzw. so verlierst du am wenigsten).

Wenn du besonders darunter leidest, etwas Lästiges nicht loszuwerden, dich nicht disziplinieren kannst oder eine scheinbar höhere Macht, dein innerer Schweinehund, stärker ist als du, dann lies diesen Blogpost.

Wie die dunkle Schwester in dir entstand und wieso sie machmal so viel Macht über dich hat

wenn anpassung nicht mehr gelingt

Ich werfe zu Beginn einige Begriffe in den Raum, die dir zeigen sollen, wie die dunklen Seiten, die dunkle Schwester, dein Schatten entstanden ist:

Erziehung – Schule – aufgezwungene Werte und Standards anderer – erwartete Anpassung – So-Sein-Müssen – Zugehörigkeit/Teilsein-Dürfen – emotionale und psychische Leistungen – Gefühle wie Wut, Trauer und Angst nicht zeigen dürfen/sollen – Erwartungen anderer – Druck, zu genügen – idealerweise keine Bedürfnisse oder Sehnsüchte haben – nicht schwierig, kompliziert oder anstrengend bzw. bedürftig sein – gesellschaftliche Erwartungen an dein Äußeres als Frau erfüllen müssen (oder glauben, es erfüllen zu müssen) – schwierige Männer in Liebesbeziehungen, passive Männer und Beziehungen, die auf deinen Schultern lasten bzw. solche, die du als übergriffig empfindest – schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen (du und deine Mutter) – überhohe Verantwortung und Pflichten – innere Hektik & Unruhe – überstarke Rationalität – Schwierigkeiten, sich zurückzulehnen, sich zu vertrauen, der Welt zu vertrauen, Entscheidungen gegen andere zu treffen, seine weibliche Seite auszuleben, Nein zu sagen, unvernünftig oder zickig zu sein, sich zu nehmen, was man will, das Leben in allen Zügen auszukosten, ein Leben zu leben, das andere nicht verstehen (nichts Solides, nichts Bodenständiges, sondern Eigenes), Schwierigkeiten, sich zu trennen oder Streit/Konflikte auszuhalten …

Das ist nur eine kleine Liste der Gründe, wie die dunkle Schwester in dir entstanden ist. Je mehr man als Frau davon in seinem Leben hat, desto stärker werden auch die Schattenseiten sich entwickeln. Sie drücken sich aus, indem sie dir aufs Gemüt drücken oder dich davon abhalten, “so zu sein, wie andere dich wollen würden”.

Die helle Schwester (der gute Zwilling) hat das gelernt und ist bestrebt, so zu sein. Die dunkle Schwester hingegen, der böse Zwilling, sucht nach Gleichgewicht und sieht genau, wenn etwas aus der Balance fällt. Sie schafft wieder Ordnung in dir drinnen – jedenfalls versucht sie das. Denn immer nur machen, tun, ertragen, schweigen, lächeln und dienen ist für keine Seele wohltuend. Im Gegenteil. Es verrät sie und jedes Herz. Es macht krank und belastet so die Psyche und den Körper.

Die dunkle Schwester ist häufig gierig: Sie hat einen drängenden Hunger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, endlosem, leidenschaftlichen Sex, Essen und Trinken, das die Sinne anregt, tiefen Gefühlen und Erfüllung, grenzenloser Freude und Spaß, nach überschwänglichen Erlebnissen und oft grenzenlosem Selbstausdruck (in welchen Bereichen auch immer). Sie will sich hingeben und empfangen oder geben und kontrollieren – je nachdem, was auf der ausgelebten Seite der angepassten Frau überwiegt. Sie will geliebt werden ohne jede Bedingung, will nichts dafür tun müssen, weder am Anfang noch mittendrin, will Verständnis für all ihre Ecken und Kanten.

Da man aber selten so lebt, sondern sich um Anpassung bemüht und darum, sich zu “benehmen”, nicht so anstrengend und fordernd, sondern eine Hilfe, lieb, sanft usw. zu sein, rutschen die wahren Bedürfnisse immer tiefer ins Dunkle ab.

Die dunkle Schwester verkörpert somit auch all die Wut, die man nie geäußert, sondern heruntergeschluckt hat. Sie trägt die Traurigkeit, Scham und Schuld, die zu schwer zu tragen war. Je mehr wir unser wahres Ich verdrängen, desto stärker wird sie – wenn wir versuchen, lieb, brav, angepasst, hübsch und „so zu sein“, wie man uns will oder wie wir denken, sein zu müssen, um gewollt, liebenswert, angesehen und akzeptiert zu werden.

macht der schattenseiten wie sie entstehen

Die dunkle Schwester ist gegen Motive (das, was dich bewegt, etwas zu tun oder zu unterlassen) wie Zugehörigkeit auf Teufel komm raus oder emotionale/psychische Leistung des Friedens oder der Liebe wegen. Sie verabscheut Co-Abhängigkeit und für andere bequeme Lebensweisen. Sie will im Mittelpunkt ihrer Abenteuer stehen und sich entdecken, auf einer Reise, die sie selbst bestimmt. Sie will ihr Ego leben und nur freiwillig korrigieren. Sie will wachsen und in Einklang bringen, zwischen Weiß und Schwarz alle Farben entdecken. Sie will Energieaustausch statt Langeweile, Blumensträuße und Kino statt Dreckwäsche und Feierabendbier. Sie will Anerkennung für ihre Eigenheiten – und sprechen wir das Kind ruhig beim Namen: Sie will Bewunderung für alles, was sie kann, Nachsicht für all das, was sie nicht kann, und Verständnis, für alles, was sie nicht können will. Die dunkle Schwester ist definitiv der narzisstische Teil einer jeden Frau, die Egomanin und Diva.

Sie ist die, die brüllt, meckert, die Augen rollt, lacht, weint, das Telefon einfach auflegt, lügt, betrügt, abhaut, um 23 Uhr Nudeln kocht, die Bude 2 Wochen lang nicht saugt, nicht sofort zurückschreibt, neidet, eifersüchtig ist, schwarz fährt, stiehlt oder Rache will, wenn ihr die „offizielle“ Version deines Selbst zu bunt/schädlich für dich geworden ist. Sie ist der innere Schweinehund, nicht der innere Kritiker, sie ist die miese Laune statt des ewigen Sonnenscheins, die unermüdliche Kämpferin und härteste Richterin über Ungerechtigkeit und Schmerz, die du freiwillig erträgst – aus Angst, anzuecken, bedürftig, kompliziert oder lästig zu erscheinen. Sie ist die heimliche Königin deines Reichs, wenn du andere regieren lässt – aus Angst, Fehler zu machen oder ausgeschlossen zu werden, Menschen oder Ansehen zu verlieren, die vermeintliche Sicherheit, die dich gefangen hält.

Sie versteht das Versteckspiel nicht: wieso du dich verstellen, klein machen und halten lässt. Sie geht für Balance weit über „deine offiziellen“ Grenzen.

Wie du Freundschaft mit deiner dunklen Schwester schließt

sich mögen trotz schlechter angewohnheiten

Würden wir Frauen unsere dunkle Schwester nur mehr ausleben, bräuchte sie nicht so hart durchzugreifen. Sie will nur da sein dürfen. Wir würden so viel weniger leiden. Also frage dich: Darf sie endlich da sein? Zwei Tipps haben sich in der Praxis meiner Klientinnen bewährt, weshalb ich sie in Mentorings immer erwähne:

Übung 1

Es hilft, das Reich des braven Mädchens wenigstens mal gedanklich zu verlassen und eine Liste mit allem, es die dunkle Schwester will, zu erstellen:

  • nicht sexy/schlank sein oder immer gut aussehen
  • mit dem netten Kollegen ausgehen, obwohl er verheiratet ist
  • xyz nicht den Gefallen tun, um den er gebeten hat
  • nicht geben, ohne zu bekommen
  • mit Schoki und Chips vor dem Fernseher hocken
  • aufgebrezelt tanzen gehen usw.

Das nimmt schon eine Menge Luft raus. Ein kleiner Schritt in Richtung „du selbst“.

Übung 2

Viele Frauen erzielen gute Ergebnisse damit, die dunkle Seite in sich täglich da sein zu lassen (auch wenn es das brave Mädchen in sie zwingt, anders zu sein). Aber durch diese Erlaubnisse fällt es den Frauen leichter, sich im Gegenzug als Kompromiss zu maßregeln oder Sachen zu machen, die sie nicht wollen. Es reichen schon kleine Erlaubnisse aus. |

Mehr in meinem neuen Buch

Panikattacken sind meiner Meinung nach der Versuch des Gehirns,
den Schrei der dunklen Schwester zu unterdrücken.

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst
Janett Menzel: Mein neues Leben ohne Angst (TRIAS Verlag, 2020)

Von Menschen, die mit Tieren leben, oder die Tiere sogar mehr lieben als Menschen

Von Menschen, die mit Tieren leben, oder die Tiere sogar mehr lieben als Menschen

Manche Menschen lieben Tiere mehr als Menschen. Nicht selten werden sie abschätzig bestaunt, gelten als unsozial und müssen sich vielen Schimpfwörtern aussetzen. “Katzenmuttis” ist eins davon, auch wenn es mehr solcher Namen für Frauen gibt als für Männer, was wohl unter anderem daran liegt, dass Männer häufiger als aggressiv oder unkuschelig geltende Tiere halten wie Hunde, Reptilien und mehr. Frauen hingegen fühlen sich eher zu zarten und kuscheligen Tieren hingezogen, wie Katzen beispielsweise. Abgesehen von dieser sozialen Rezeption und beschränkten Wahrnehmung sowie Be- und Verurteilung, haben tierliebe Menschen aber einige Gemeinsamkeiten, die sie – zumindest in meinen Augen – zu sehr wertvollen Personen der Gesellschaft machen. Und darüber hinaus ist der Einfluss, den Tiere auf Menschen haben, nicht zu unterschätzen.

Eigenschaften von tierlieben Menschen, Tieren und deren Verbindung

die positiven Auswirkungen von Tieren auf die menschliche Psyche

Alle in der Beziehung Mensch-Tier bringen ihre individuellen Eigenschaften mit sich, die wiederum die Verbindung charakterisieren. Aber ich meine doch, Menschen, die Tiere lieben und/oder mit ihnen leben – das jedenfalls sind meine Beobachtungen -, sind in fast allen Fällen

  • empathisch
  • verantwortungsbewusst
  • fürsorglich
  • liebevoll/herzlich/freundlich
  • empfänglich
  • sensibel/zart/sanft
  • verständnisvoll
  • geduldig
  • respektvoll
  • zurückhaltend
  • aufopferungsvoll
  • wenig egoistisch
  • aber doch oft eigen und nicht selten freiwillige Außenseiter oder anti in Anbetracht bestimmter sozialer “Auflagen”
  • freidenkerisch
  • brauchen viel Zeit für sich (zur Reflexion, zum Rückzug oder für ihre Hobbys und Innenwelten bzw. für ihren Selbstausdruck)
  • doch bedingt gefügig (dort, wo sie müssen)

Wenigstens diese kleine Liste sollte zeigen, dass Menschen, die Tiere lieben, alles, aber nicht asozial oder verkorkst wären, wie es einen so mancher einzureden versucht. Im Gegenteil: Sie vermögen es, sich einem Wesen ganz hinzugeben, und das, obwohl es nicht einmal biologisch zur selben Rasse gehört, sondern evolutionär als untergeben und weniger “hoch” gilt. Das bringt eine weitere Eigenschaft mit sich: Tierliebe Menschen haben oft die Fähigkeit, alle Menschen (erst einmal) als gleich und wertig zu betrachten, wenn auch nur solange, bis der Mensch seinen Respekt nicht mehr verdient. Doch bis dahin gibt es wenige Schwächen und Fehler, die ihn in seinen Augen nichtig machen würden.

Tiere hingegen sind je nach Charakter eben schön oder ein Charaktertier, wie man so schön sagt. Und doch haben alle ihre eigene Schnauze oder ihren ganz eigenen Kopf. Meine Tiere zu Beispiel (zwei Katzen, weil ich befürchtet hatte, die eine wäre eventuell einsam, wenn ich zum Arbeiten außer Haus bin) sind beides. Während die Eine fast ohne Charakter auskommt und schon peinlich genau typisch Katze ist, ist die andere so eigen, dass man selten die Abstammung Katze benutzen würde. Sie gurrt wie eine Taube (weil sie nicht schnurren kann), holt Spielzeug, das man durch den Raum wirft zu dir zurück (wie ein Hund) und benimmt sich ansonsten wie ein Mensch. Oder vielleicht denkt sie auch nur, ich wäre eine komische, große und fast haarlose Katze … Man weiß es nicht genau. Aber hat man sich auf das Tier erst einmal eingestellt, bringt es ganz besondere – wenn nicht sogar wunderbare, neue Aspekte in das Leben, denn Tiere

  • strafen nicht, sondern lieben
  • vergleichen dich nicht mit anderen
  • meckern nicht (oder selten, z. B. wenn man sie schlecht behandelt oder nicht füttert), sondern verzeihen sekündlich
  • wenden sich nicht ab, wenn jemand vermeintlich Besseres um die Ecke kommt, sondern sind treu und dir ergeben
  • bewerten nicht, sondern mögen den, der sie mag und gut behandelt
  • kümmern sich (siehe auch der neueste Trend der Therapietiere)
  • haben heilsame Eigenschaften, fühlen, dass du leidest oder Schmerzen hast bzw. krank bist und weichen in solchen Momenten nicht von deiner Seite (Katzen beispielsweise senken nachweislich den Blutdruck und Herzschlag) und Hunde werden bei Depressionen und gegen das Alleinsein angeraten
  • sind bei dir, was auch immer in deinem Leben vor sich geht, egal, wie es dir geht und selbst dann, wenn alle sich abgewandt haben
  • passen sich meist deinem Tagesrhythmus an und verbringen so deinen Tag mit dir gemeinsam
  • gehören zur Familie und sind gleichwertige Mitglieder
  • sind dankbar
  • u. v. m.

Nur wenige Verbindungen, die ein Mensch eingehen kann, haben diese Eigenschaften, die beständig sind und bleiben. Einige Ehen und Freundschaften habe ich erlebt, von denen ich das behaupten kann, aber der Rest ging im Sand des Lebens unter – wenn auch ungewollt.

Von Männern und ihrer Liebe zu Hunden

Tiere sind gut für die Psyche

Es gibt zuhauf Zitate großer Persönlichkeiten, deren Meinung über ihre liebsten Tiere bekannt ist. Beginnen wir mit Männern und Hunden:

“Wenn es im Himmel keine Hund gibt, gehe ich dort auch nicht hin.” (P. Brown)

“Je mehr ich von den Menschen sehe, umso lieber habe ich meinen Hund.” (Friedrich der Große)

“Nach manchen Gesprächen mit Menschen hat man den Wunsch einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen!” (Maxim Gorki)

“Hunde kommen in unser Leben, um zu bleiben. Sie gehen nicht fort, wenn es schwierig wird, und auch, wenn der erste Rausch verflogen ist, sehen sie uns noch immer mit genau diesem Ausdruck in den Augen an. Das tun sie bis zu ihrem letzten Atemzug. Vielleicht, weil sie uns von Anfang an als das sehen, was wir wirklich sind: fehlerhafte, unvollkommene Menschen. Menschen, die sie sich dennoch genau so ausgesucht haben. Ein Hund entscheidet sich einmal für den Rest seines Lebens. Er fragt sich nicht, ob er wirklich mit uns alt werden möchte. Er tut es einfach. Seine Liebe, wenn wir sie erst verdient haben, ist absolut.“ (Picasso)

“Ich habe große Achtung vor der Menschenkenntnis meines Hundes. Er ist schneller und gründlicher als ich.” (Otto von Bismark)

“Unter hundert Menschen liebe ich nur einen, – unter hundert Hunden neunundneunzig.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

„Wer nie einen Hund gehabt hat, weiß nicht, was lieben und geliebt werden heißt.“ (Arthur Schopenhauer)

“Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen.” (Ernst R. Hauschka )

“Dass mir der Hund das Liebste ist, sagst Du, Oh Mensch, sei Sünde. Der Hund bleibt Dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.” (Franz von Assisi)

“Wer nie einen Hund gehabt hat, weiß nicht, was Lieben und Geliebt werden heißt.” (Arthur Schopenhauer)

“Wenn ein Hund nicht auf Sie zulaufen mag, nachdem er Ihnen ins Gesicht geblickt hat, sollten Sie nach Hause gehen und Ihr Gewissen überprüfen.” (Thomas Woodrow Wilson)

Von Frauen und ihrer Liebe zu Tieren bzw. zu Katzen

wie uns Tiere bei Angst und Depressionen helfen zu heilen

Natürlich gibt es auch Frauen, die ähnlich über Hunde denken, nur sind hier die Zitate weniger breit gestreut. Man findet Aussagen von Frauen der Welt- und Zeitgeschichte eher über Tiere im Allgemeinen oder Katzen im Besonderen – und das nicht etwa, wie so manch engstirniger Mensch denken mag, weil sie alte Jungfern, ungewollte Spinster oder kinderlose, ungeliebte Weiber ohne Mann wären. (Nicht meine Zitate, sondern dass, was ich bislang gehört und gelesen habe!)

Für Frauen sind Tiere nicht nur (wie bei Männern die Tiere auch) beste Freunde, sondern sie nähren eben die weibliche Sehnsucht nach Fürsorgen und Lieben – egal, ob die Frau eigene Kinder hat oder nicht, einen Partner oder nicht. Für viele Frauen sind Tiere (oder Katzen im Speziellen wie bei mir) vor allem auch ein Ausdruck ihres Selbst. Sie spiegeln sich gegenseitig und fühlen sich am wohlsten in eben dieser Spiegelung. Es ist Verständnis auf einer tiefen Ebene, ob man sie verstehen kann oder nicht.

Denn vergessen wir letzten Endes nicht, was uns ein chinesisches Sprichwort zu lehren versucht: Wer Katzen nicht mag, bekommt keine schöne Frau. Okay, Spaß beiseite. Hier nun ein paar schöne Zitate über die Liebe zu Katzen (nicht nur von Frauen!):

Es gibt zwei Möglichkeiten, vor dem Elend des Lebens zu flüchten: Musik und Katzen. (Albert Schweitzer)

Frauen sind wie Katzen: Beide kann man nur zwingen, das zu tun, was sie selber mögen. (Colette)

Wer eine Katze hat, braucht das Alleinsein nicht zu fürchten. (Daniel Defoe)

Auf leisen Pfoten kommen sie wie Boten der Stille, und sacht, ganz sacht, schleichen sie in unser Herz und besetzen es für immer mit aller Macht. (Eleonore Gualdi)

Respekt vor Katzen ist der Anfang jeglichen Sinnes für Ästhetik. (Erasmus Darwin)

Wirklich großartig ist, dass es Katzen in allen Varianten gibt. Man findet sie passend zu jeder Art der Persönlichkeit und der Laune. Aber unter dem Pelz lebt unverändert eine der freiesten Seelen der Welt. (Eric Gurney)

Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt: durchs Leben zu gehen, ohne Lärm zu machen. (Ernest Hemingway)

Die Menschheit lässt sich grob in zwei Gruppen einteilen: in Katzenliebhaber und in vom Leben Benachteiligte. (Francesco Petrarca)

Katzen sind Hunde mit Hochschulabschluss. (Grace Hodgson)

Ich liebe die Katzen, weil ich mein Heim genieße und sie nach einer Weile dessen sichtbare Seele werden. (Jean Cocteau)

Ein Haus ohne Katze ist wie ein Aquarium ohne Fisch. (Jean-Louis Hue)

Katzen sind schlauer als Hunde. Du wirst niemals acht Katzen dazu bringen, einen Schlitten durch den Schnee zu ziehen. (Jeff Valdez)

Für blinde Seelen sind Katzen ähnlich. Für Katzenliebhaber ist jede Katze von Anbeginn an absolut einzigartig. (Jenny de Vries)

Jedes Katzentier ist ein Meisterstück der Natur. (Leonardo da Vinci)

Jemand, der nicht bereit ist, seine Katze zu verwöhnen, bekommt niemals die Belohnung, die sie bereit ist, demjenigen zu schenken, der sie verwöhnt. (Mackenzie)

Ich habe nie geheiratet, weil ich drei Haustiere zu Hause habe, die den gleichen Zweck erfüllen wie ein Ehemann. Ich habe einen Hund, der jeden Morgen knurrt, einen Papagei, der den ganzen Nachmittag flucht, und eine Katze, die spät in der Nacht nach Hause kommt. (Marie Corelli)

Hunde kommen, wenn sie gerufen werden. Katzen nehmen die Mitteilung zur Kenntnis und kommen gelegentlich darauf zurück. (Mary Bly)

Katzen lieben Menschen viel mehr, als sie zugeben wollen, aber sie besitzen so viel Weisheit, dass sie es für sich behalten. (Mary E. Wilkins Freeman)

Katzen sind die rücksichtsvollsten und aufmerksamsten Gesellschafter, die man sich wünschen kann. (Pablo Picasso)

Katzen wurden in die Welt gesetzt, um das Dogma zu widerlegen, alle Dinge seien geschaffen, um den Menschen zu dienen. (Paul Gray)

Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe. (Rainer Maria Rilke)

Wo immer eine Katze sich niederlässt, wird das Glück sich einfinden.(Stanlay Spencer)

Wenn Du ihre Zuneigung verdient hast, wird eine Katze dein Freund sein, aber niemals dein Sklave. (Theophile Gautier)

Und wieso? Tiere tun der Seele gut.

Tierliebe die Liebe zwischen Mensch und Tier

Das ist das ganze Geheimnis. Während man sich beizeiten im Beisein von Menschen fehlplatziert, ausgeschlossen, unverstanden oder unwohl fühlt – aus welchen Gründen auch immer -, ist man in der Gesellschaft von Tieren emotional sicher.

“Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.” (Hildegard von Bingen)

Viele berichten von eben dieser Wirkung, nicht zuletzt wissenschaftliche Studien über Katzen, Hunde und vornehmlich Pferde. Mehr Informationen zur heilsamen Wirkung von Tieren findest du hier in meinem Blogpost >>

Ist ein Leben allein mit Tieren besser?

Wer stark von der Gesellschaft oder einigen Menschen enttäuscht ist/wurde oder sich nur schwer einfügen kann/will, der wird das sicher bejahen. Ich hingegen würde meinen, dass beide Gesellschaften ihre Vor- und Nachteile haben. Menschen vermögen es, einem andere Gefühle zu verschaffen, die Tiere einem so niemals geben können. Auch und besonders die Kommunikation – in Form von verbindenden Gesprächen oder sozialen Unternehmungen – können Tiere nicht ersetzen. Ganz ohne Menschen geht es wohl nur, wer so in sich gefestigt ist, dass er selbst Zeiten des Alleinseins nie mit Einsamkeit in Verbindung bringt oder diese gut zu kontrollieren weiß.

Ganz ohne Tiere hingegen kann man zwar leben, aber welchen Sinn hat das, wenn man sie liebt? Ich selbst habe ein paar Jahre meines Lebens versucht, ohne zu leben. So richtig wiederaufgeblüht bin ich aber erst, als ich mir wieder Tiere ins Haus geholt habe.

Wie geht es dir mit Tieren? Ich freue mich über deine Meinung in den Kommentaren!

Über Co-Abhängigkeit und wie man sich als Betroffener besser verstehen kann

Über Co-Abhängigkeit und wie man sich als Betroffener besser verstehen kann

Co-Abhängigkeit bedeutet, dass man für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit des Partners alles tut – auch, wenn es den eigenen Lebensregeln widerspricht, einen selbst verletzt, man Freunde und Familienmitglieder verliert und man nur noch in Abhängigkeit vom Anderen lebt und liebt, so, wie der-/diejenige es für richtig erachtet. Man trifft keine/kaum eigene Entscheidungen, denn man befürchtet, es könnte nicht im Interesse des Partners sein und Ablehnung oder Streit provozieren. Im Grunde spiegelt sich in der Co-Abhängigkeit die eigene Angst vor dieser Ablehnung, die sich auch oft als Verlustangst zeigt. Und eben diese Angst kann bereits geschürt werden durch andere Meinungen, kleinere Konflikte bis hin zum Anderssein statt So-Sein. Co-Abhängige drehen und wenden sich deshalb nach dem, was andere als Erwartung an sie stellen. Nicht wenige werden vor allem zu einer Version, die in ihrem Umfeld anerkannt würde statt abgelehnt. Aber sie selbst verlieren sich dabei von Tag zu Tag. Das wiederum kann Angstzustände und Depressionen, aber auch Süchte und tiefe Einsamkeit fördern.

Wie wird man co-abhängig, was ist gesund und wann ist man co-abhängig?

Dass sich das eigene Leben ein stückweit verändert, wenn man in einer Beziehung lebt, ist klar. Man kann sich nicht mehr nur allein um sich drehen, sondern sollte auch die Bedürfnisse und Wünsche des anderen wahrnehmen und beantworten. Das heißt nicht, dass man alles gutheißen oder fördern muss bzw. alles so machen muss, wie der Partner es wünscht, um seinem höchsten Interesse zu 100 Prozent zu begegnen, während man selbst zurückbleibt.

Viele werden entweder co-abhängig, weil sie innerlich spüren, dass der Partner es so wünscht und weil es in ihnen eine Angst vor Verlust und Angst, verlassen zu werden, auslöst, die sie abwehren. Oder sie kennen co-abhängige Erwartungshaltungen ihrer Bezugspersonen bereits aus ihrer Kindheit, ihrem Elternhaus oder vergangenen Beziehungen. Menschen, die beispielsweise stark narzisstisch oder phobisch sind, stark neurotisch oder egozentrisch, fordern von anderen oft Anpassung in Form emotionaler Leistungen. Das können narzisstische Mütter sein wie auch sich freiwillig unterwerfende Väter oder stark eifersüchtige Partner, die damit nicht umgehen können. Solche Erfahrungen in der eigenen Erziehung oder dem sozialen Umfeld zeigen sich dann auch – insofern nicht überwunden – im späteren Leben in Folgepartnerschaften.

Die Dynamik innerhalb einer co-abhängigen Partnerschaft lässt sich am besten mit einer körperlich gewalttätigen Beziehung vergleichen. Man fürchtet stets, den anderen wütend zu machen (Wut hier als Mantel der Traurigkeit) und vermeidet Disharmonie um jeden Preis, steckt eher selbst ein, als denjenigen mit sich und seiner misslichen Gefühlslage zu konfrontieren. Dass der- bzw. diejenige unfähig ist, ihre/seine Emotionen zu regulieren, ist zwar oft ein gefühltes Wissen, aber es findet keine Konfrontation statt. Man wagt es nicht, dem Partner zu sagen, dass es hier etwas gibt, was er lernen darf oder was er so zu akzeptieren hat, ohne Rückschlüsse oder strafendes Verhalten einem selbst gegenüber. Es ist aber leider oft genau die erwartete Strafe, die Co-abhängige fürchten. “Beliebte Strafen”, die ich im Laufe der Jahre bei meinen Klienten gesehen habe, sind manipulative und somit toxische, psychisch und emotional gewalttätige Verhaltensweisen, wie zum Beispiel:

  • Schweigen (The Silent Treatment) – Verweigerung jeglicher Kommunikation, um auszudrücken: Du hast dich gegen mich gewandt, warst böse und unartig, nicht so, wie ich es von dir erwarte, wie ich dich mag. Deshalb lehne ich dich jetzt offen und direkt ab, um dir zu zeigen, wie wenig ich dich so will, wie wertlos du jetzt für mich bist, wie wenig ich dich dadurch brauche und als Partner wünsche.
  • Streit vor, während oder nach einer bestimmten Handlung – Es werden oft Streitigkeiten vom Zaun gebrochen oder etwas/jemand, der dir wichtig ist, benutzt/instrumentalisiert, um dich zu bestrafen, weil du etwas trotzdem tust, obwohl du weißt, dass der andere es nicht duldet (besonders oft werden Kinder benutzt, um die eigene Macht und deine nötige Unterwerfung zu demonstrieren). Bist du z. B. mit Freunden unterwegs, könntest du Kontrollanrufe bekommen. Bist du wieder zurück zu Hause, könnte dein Partner dich ausfragen oder bewusst ignorieren oder dich tadeln, als Strafe für die Zeit, die er ohne dich erleben musste. Ich sehe auch oft, dass Menschen Textnachrichten erhalten, wenn sie unterwegs sind, die sie aufscheuchen und die gute Zeit, die sie gerade erleben, unterbrechen oder bewusst ins Dunkle ziehen. Viele lassen Verabredungen oder Unternehmungen deshalb schnell sein, um diese Reaktion des Partners in Zukunft zu vermeiden (und um sich den Stress zu ersparen).
  • Gaslighting – Dieser Begriff aus den Staaten beschreibt die bewusste Manipulation des Partners, bis dieser denkt, a) er wäre schuld an allem, z. B. der schlechten Atmosphäre in der Beziehung und b) wäre verrückt/würde seinen Verstand verlieren oder bestimmte Verhaltensweisen des anderen falsch sehen. Das bedeutet im Detail, dass z. B. enge Freunde/Familienmitglieder schlecht gemacht werden, um dich zu isolieren. Du wirst schlecht gemacht, um dir einzureden, dass der andere recht hätte und du dich falsch verhalten hättest, um dein Verhalten in Zukunft zu steuern und den anderen nicht mit sich und seinen falschen Verhaltensweisen zu konfrontieren. (Ich bin richtig. Du bist falsch.)
  • Drohungen, Trennungen & Co. – Konflikte oder Schweigestrafen sind das eine. Aber viele erleben ganz offene Androhungen von Trennungen oder anderen schmerzhaften Konsequenzen, wenn sie nicht tun/so sind, wie der Partner es wünscht.

Es ist nicht verwunderlich, dass Partner deshalb schnell co-abhängig werden, sich unterdrücken lassen und mindestens eines der folgenden Anzeichen im Verhalten, Fühlen und Denken zeigen:

  • nicht wissen, was man sagen, tun oder nicht sagen/tun darf – deshalb am besten schweigen oder immer nachfragen
  • stets daran denken, was wohl der Partner/die Partnerin von etwas/jemanden halten wird
  • keine Entscheidung ohne den Partner/die Partnerin treffen können/wollen (oder das Gefühl haben, es nicht zu dürfen)
  • kein Mitgestaltungsrecht fordern/fühlen, außer es fördert/erfüllt die Bedürfnisse und Ziele des anderen
  • man fühlt sich nur gut, wenn es dem anderen gut geht
  • man ist nur okay, wenn der andere es einem spiegelt
  • man darf ohne den anderen nicht glücklich sein, sonst droht sein Unglück/seine Unzufriedenheit (man wird für die negativen Gefühle des anderen verantwortlich gemacht, vor allem für seine Unfähigkeiten im Umgang mit diesen, z. B. mit dem Nicht-Gebrauchtwerden)
  • man vermeidet ALLES, was beim anderen Ohnmacht, Hilflosigkeit, Angst, Eifersucht, Neid usw. auslösen könnte (Im Namen der Liebe)

Zusammenfassung: In einer Partnerschaft rotiert man als Co-Abhängiger so nach und nach alleinig um den Lebensstil und -sinn des Partners. Wie er das Leben sieht, wie Menschen zu sein haben, wie eine Beziehung oder die Frau/der Mann und andere soziale Kontakte auszusehen und sich zu verhalten haben, welche Moral- und Lebenseinstellungen er/sie für richtig hält: All das bestimmt der Partner, der vom anderen – von dir – Co-Abhängigkeit verlangt. Da man dabei seinen eigenen Lebensweg und -sinn aus den Augen verliert, orientiert man sich an den Gefühlen des anderen. Was ihn/sie wütend oder traurig macht, in Angst versetzt oder eifersüchtig werden lässt, vermeidet man.

Was man aus seiner eigenen Co-Abhängigkeit lernen kann

wenn du immer den falschen anziehst

Man kann etwas verteufeln und ablehnen, verdrängen und ignorieren oder man akzeptiert es und sieht das Positive darin, zum Beispiel, was man daraus lernen kann. Ich bin ein Freund der zweiten Betrachtung.

In einer co-abhängigen Beziehung zu leben, verrät vieles über den Menschen in puncto Selbstständigkeit, dem Umgang mit Alleinsein und Selbstwert. Denn die Abhängigkeit vom Partner kann das Leben nicht nur belasten – im Sinn der zusätzlichen Last des Partners und seines Lebens, welches scheinbar nur dann gut ist, wenn man sich entsprechend verhält, fügt oder anpasst. Es ist auch eine emotionale Last, denn man operiert innerhalb eines sehr engen Fensters aus Sollen, Müssen und Dürfen – eine Situation, die viele Betroffene an die Kindheit/Jugend und somit an eine enge, strenge, unfreie und eben abhängige Eltern-Kind-Beziehung erinnert. Es drohen Strafen und Diskussionen, wenn man nicht „brav“ ist oder sich weigert, ein Kind zu bleiben und sich stattdessen erwachsen verhält (Nestfluchtverhalten und die Angst des anderen, verlassen und nicht mehr gebraucht zu werden).

Auch die Last der eigenen Emotionen durch die Co-Abhängigkeit beschwert viele: Ohne den Partner zu sein – für viele reichen schon wenige Stunden -, fühlt sich unvollständig, nicht richtig, „fehl platziert“, abgetrennt, isoliert, haltlos und falsch an. Dabei kann Co-Abhängigkeit selbst in die Einsamkeit führen, weil wichtige Lektionen verdrängt und ignoriert werden. Vom Partner/der Partnerin oder der Partnerschaft per se bestimmt zu sein oder aktiv bestimmt zu werden, kann an wichtigen Säulen wie Selbstwirksamkeit, Selbstständigkeit und Selbstwert rütteln – soweit, bis wir nicht einmal mehr wissen, wer wir ohne den Partner/die Partnerin sind, was uns als Person ausmacht und was wir im Leben für uns erreichen wollen.

Buchempfehlung: Über die Kunst, allein zu sein

Co-Abhängige sind deshalb oft sogenannte „Chaser“ (Verfolger), häufig Frauen, die einem Mann „hinterherrennen“ (in der wörtlichen Übersetzung von “to chase”), „ihm folgen“ und „rechtmachen“, obwohl er sie wegen ihrer Persönlichkeit und So-Sein nicht für eine Partnerschaft wählen würde. Selbstverständlich gibt es auch Männer als Chaser. Den Gegenpol bilden sodann die sogenannten Runner. Co-Abhängig sind auch Menschen, die vordergründig keine (kleinen) Entscheidungen fällen, ohne den Partner/die Partnerin zu fragen (um Erlaubnis). Auch die sind abhängig, die sich in allem, was der Partner/die Partnerin möchte, sich wünscht und tut, entgegen einem gegenseitigem Respekt, drehen und ihr Leben nach den Schritten des/der Geliebten ausrichten, ohne sich oder den anderen in seinen/ihren Worten und Taten zu hinterfragen. Dahinter versteckt sich die Sehnsucht danach, ausgewählt zu werden/zu sein, gewollt zu werden/zu sein, der inneren/äußeren Leere zu entfliehen – wenn man so ist, wie der andere es sich wünscht.

Ich werfe nun einen Blick auf das Konzept und verrate, wie man an dieser Herausforderung trotzdem wachsen kann.

Bedürfnisse, Verhaltens-, Gefühls- und Denkweisen co-abhängiger Menschen

sich aus schwierigen verletzenden Beziehungen befreien
Co-Abhängige haben oft gelernt, dass es eine Form der Liebe ist, die sie kennen(gelernt haben), auch wenn andere sie als ungesund bezeichnen. Es ist oft die einzige Form, mit der sie sich auskennen und der sie entsprechen können – bis sie eine Art, die gesunde Liebe, entdecken lernen wollen.

Wir alle wollen geliebt werden, wollen gesunde und gute Beziehungen, die uns in unserem Leben und Lebensstil akzeptieren und fördern. Auch wenn es immer schwieriger wird, das Wort Bedürftigkeit in den Mund zu nehmen, so sind wir doch alle Menschen mit diesem Bedürfnis: Anerkennung. Jemand, der meint, keine Anerkennung zu brauchen, belügt sich und andere. Das Wort an sich lässt sich leicht nur als „Lob“ oder „Zuspruch“ verstehen. Doch mit Anerkennung meinen wir auch, in all unserem Sein, unseren Bedürfnissen, unserer Art, zu leben, und unseren Zielen erkannt und akzeptiert zu werden – ohne Kritik und Gemecker, Ablehnung, Diffamierung und Bloßstellung, sondern mit Wohlwollen und Liebe, wenn möglich sogar Unterstützung. Dennoch wünschen wir uns die Art der Kommunikation und des Verhaltens zwischen uns und dem Partner gegenseitig respektvoll, auf Augenhöhe, nicht fremdbestimmt, sondern freiheitlich. Denn ein Stück Autonomie muss in einer gesunden Beziehung erhalten werden und darf deshalb gefördert werden.

Bei co-abhängigen Menschen finden wir eine andere Betrachtung der Autonomie. Das hat etwas mit ihrer Sicht auf ihr Leben und ihre Selbstständigkeit, Fülle-nur-dann-wenn-Erfahrungen und die vorhandene innere Leere zu tun. Autonom bedeutet ja schlicht „man selbst“, „unabhängig“, „selbstständig“. Weiß man jedoch nicht, wer man ist, was man kann, was einen in diese Richtung geprägt hat, welche Stärken und Schwächen sowie Werte man hat oder sieht Blockaden vor seinen Zielen, die er nicht aufzulösen vermag, dann bringt jede noch so gewollte Autonomie nix. Man hat nicht gelernt, man selbst zu sein und zu dürfen, allein zurechtzukommen, sich durchzusetzen oder mit Erfahrungen im Außen (z. B. Trennungen oder Kritik) und ist es deshalb auch nicht. Man hat zum Beispiel gelernt:

  • Geben
  • Misstrauen
  • Angst
  • Identifikation mit anderen
  • Zugehörigkeitsmotiv und Leistungsmotiv (Man leistet, um dazuzugehören.)
  • gebraucht werden wollen und brauchen (und wie/wodurch das am besten gelingt)
  • nichts machen, was dazu führt, dass ich als unbequem gelte, stören oder mich ausgrenzen würde
  • Fehler in der charakterlichen Matrix vermeiden, um als liebenswert zu gelten
  • keine Ansprüche zu stellen
  • andere nicht herauszufordern
  • Distanz vermeiden oder immer Nähe wollen

Am besten lässt sich Co-Abhängigkeit leben, je weniger Freunde und enge soziale Kontakte man hat. Denn diese wären wohl die ersten und ehesten, die psychisch selbstverletzendes Verhalten oder eine unbedachte Partnerwahl ansprächen. Meiner Erfahrung nach trennen sich co-abhängige Menschen jedoch eher von ihren Freunden als vom Partner/von der Partnerin.

Aber es gibt auch Menschen, die sich eine Spur Co-Abhängigkeit wünschen: Sie haben es vielleicht satt, alles immer selbst und ständig allein machen oder entscheiden zu müssen, spüren die Last und Verantwortung und wünschten, sie auch einmal abgeben zu können. Oder sie haben Mühe, stets allein ihre Zeit zu verbringen und bemerken die anrollende Einsamkeit, zu der übermäßiges Alleinsein leicht wird. Auch Unabhängigkeit hat seine Schwächen, nämlich dann, wenn sie als „keinen Platz“, „keinen Halt bei …“ gedeutet oder erfahren wird. Zu wissen bzw. zu spüren, dass man zu niemanden (oder nirgends hin) gehört, löst in vielen Menschen Angst und Betroffenheit aus. Es gilt also, zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit eine gesunde Waage zu finden. Diese lässt sich am ehesten finden, wenn wir uns die andere Seite – den abhängigkeitsfordernden Partner – ansehen.

Die andere Seite: Was Partner/innen co-abhängiger Menschen oft auszeichnet

das kannst du tun, wenn er/sie Angst vor einer beziehung mit dir hat

Wer abhängig ist, der geht weniger leicht bzw. schnell bei Differenzen: Die Gefahr eines Verlustes ist also für den Partner sehr gering.

Stattdessen steht man mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt und Vordergrund. Was zählt, ist die eigene Gefühlslage und die Ziele, die man verfolgt. Man selbst trifft die Entscheidungen und braucht sich keine Gedanken machen, unter denen anderer leiden zu müssen. Man tut, was man möchte und niemand spricht dagegen oder hält einen auf. Stattdessen wird man unterstützt, ohne Verluste zu vermeiden oder zu befürchten. Es ähnelt einer Allmacht, die an die Eltern-Kind-Dynamik erinnert. Und tatsächlich stammen viele aus eben dieser Art elterlicher Liebe: „Wenn du machst, was mir gefällt, droht dir kein Liebesentzug.“

Partner co-abhängiger Menschen zeigen viele dieser Eigenschaften:

  • Nehmen dürfen
  • Geben einfordern/Gehorsam
  • Misstrauen
  • vermeiden es, jemanden zu sehr zu brauchen (stellt Schwäche dar)
  • verstecken ihre Sehnsucht nach Liebe
  • Drohungen (sich und andere verletzen, sich trennen, etwas enthüllen, dich bloßstellen usw.)
  • Machtmotiv (verstecktes Zugehörigkeitsmotiv oder verwundetes Leistungsmotiv)
  • Umständen Bedeutungen verleihen und fordern, dass sie für Harmonie und Liebe/Zuwendung geteilt werden
  • Ab- und Entwertung anderer Menschen und den Partner zur eigenen Aufwertung und zur Abwehr der eigenen Angst vor Bedeutungslosigkeit und Verlust

Besonders bei beziehungsängstlichen Personen finden wir oft den Drang und Zwang, autonom zu bleiben. Sie fürchten, dass ihre hart erkämpfte Autonomie durch eine Partnerschaft gefährdet würde. Sie kennzeichnen sich sozusagen als anderes Extrem. Viele spüren dabei selbst die kleinsten (vermeintlichen) Übergriffe und sehen eine Gefahr, weshalb sie von Beziehungen zurückweichen. Und das, obwohl Liebesbeziehungen eben eine gesunde, aber nötige Anpassung fordern. Co-Abhängigkeit zu fordern, zeigt sich deshalb oft bei aktiven Beziehungsängstlern, Co-Abhängigkeit ausleben wiederum bei passiven Beziehungsängstlern. Erstaunlich oft sind die Ersten männlich und die Zweiteren weiblich. Aus meiner Erfahrung spiegeln sie sich gegenseitig: Zu oft habe ich – auch an mir selbst – erlebt, dass Frauen, die sich aus ungesunden Beziehungsmustern, wie z. B. ihrer Co-Abhängigkeit, schälen, aktiv eine Beziehung vermeiden. Es fällt leichter, offen Nein zu sagen, statt immer einzustecken. Dennoch leiden auch sie nach dieser Wende, denn das gefürchtete Alleinsein bzw. die innere Leere und Einsamkeit bleibt bestehen.

Wie du dir selbst helfen könntest, dich aus deiner Abhängigkeit zu befreien, erfährst du im nächsten Blogpost. In der Zwischenzeit empfehle ich dir dieses Buch “Wenn Frauen zu sehr lieben” (Robin Norwood) und den passenden Artikel dazu auf meinem Blog “Wenn Frauen zu sehr lieben: Liebe & Angst”

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Als ich meine damalige Beziehung beendet und kurze Zeit später meinen Job gekündigt hatte, voller Vertrauen in meine Selbstständigkeit gegangen und mich neu erfunden hatte, dachte ich: Jetzt bin ich endlich bei mir angekommen. Jetzt bin ich GANZ ICH, so wie ich immer sein wollte. Ich erschuf mich neu und wurde zu der Person, die ich seit meiner Kindheit sein wollte. Ich fühlte mich frei und angekommen in mir selbst.

Heute – drei Jahre später (und es loderte seit Monaten in mir) – stelle ich fest: Eine solche Ich-Inventur muss regelmäßig geschehen. Es reicht nicht aus, mich nur nach heftigen Lebenseinschnitten wie meiner letzten Agoraphobie mit Panikattacken 2013 zu fragen: Wer will ich sein? Selbstaktualisierung zur Selbstfindung geschieht nicht einmalig. Also stellte ich neulich die Frage erneut und lasse dich hier daran teilhaben. Nur dieses Mal – ein paar Jahre später, älter und schlauer – fügte ich ein paar Schichten hinzu. Weil ich gelernt habe, dass die Antwort alles entscheidend sein kann für die Zukunft, die man sich wünscht.

Wer will ich sein? Und wieso reicht die Antwort von damals mir heute nicht mehr?

Selbstfindung findet nicht einmal statt noch ist sie endgültig: Sie braucht kleine, stetige Anpassungen, um langfristig dein Wohl, Zufriedenheit und Erfüllung zu garantieren.

Kann Selbstfindung überhaupt endgültig sein? Man sagt ja, alle sieben Jahre würde sich das Leben (und die Haarstruktur?!) ändern: Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber ich habe gelernt, dass einzelne Erlebnisse sowie die Summe der Erfahrungen und Jahre uns ändern. Etwas, was letzte Woche noch zufrieden machte oder innere Stärke und Sicherheit verlieh, kann schon morgen nicht mehr ausreichen – nicht mehr glücklich machen. Seien es Beziehungen, Arbeitsaufgaben oder der Arbeitgeber an sich, Freunde oder Hobbys, Gewohnheiten oder man selbst, so, wie man sich sieht: Mit jedem Tag, der verstreicht, können wir eine innere Wandlung vollziehen, ohne sie überhaupt zu merken. Und deshalb sind kleine Anpassungen, damit wir werden, sein und bleiben, wer wir sein wollen, nötig – regelmäßig und niemals endgültig abgeschlossen.

Wenn wir unsere inneren Wandlungen merken, dann lodert es oft seit einiger Zeit. Auch Körper und Geist brauchen ihre Zeit, zu merken, dass etwas nicht mehr stimmt – unstimmig geworden ist. Erst dann schicken sie Signale, die uns aufhorchen lassen wollen, um Veränderungen für unser Wohl einzuleiten. Vielleicht sind es kleine Änderungen in unserem Verhalten (uns selbst oder unserem Umfeld gegenüber) oder in unserem Denken (Wie stehen wir zu den Menschen in unserem Leben und im Allgemeinen? Wie bewerte ich die Beziehungen/Partnerschaft in meinem Leben? Wofür bin ich dankbar? Was nagt an mir?). Denn die Antworten entscheiden über unsere Gefühle. Und selbst die unterliegen – schön fest- und eingefahren – individuellen Mustern.

Ich für meinen Teil stellte in diesem Jahr fest: Meine Muster waren für die damalige Befreiung und folgende Erleichterung dienlich. Heute sind sie es nicht mehr, denn heute machen sie mich weniger zufrieden. Damals brauchte ich andere Elemente in meinem Leben als heute (Alleinsein, Selbstbestimmung, grenzenlose Möglichkeiten und permanenter Selbstausdruck). Heute würden diese für Unruhe, innere Unsicherheit und Einsamkeit sorgen – weil sich meine Ziele, ohne dass ich es bemerkte, in den letzten drei Jahren geändert haben. Und damit auch das, was ich sein will – heute.

Meine Werte haben sich vor allem verändert und ich wollte meine Sanftheit zurück. Jetzt, da ich erreicht habe, was ich damals wollte, darf ich weiter auf dieses Fundament aufbauen. Und deshalb durfte sich mein Leben, wie es die letzten Jahre aussah, auch ändern. Nein, es musste sich ändern. Nur auf weniger dramatische, willens(über)starke und selbst-herr-liche Weise, wie ich es früher angegangen bin.

Für radikale Veränderungen, so, wie es meine zwischen 2013 und 2016 war, braucht es eine gewisse Radikalität im Verhalten und Denken. Es braucht Ignoranz aller abweichenden Denk- und Verhaltensweisen, tiefes Selbstvertrauen und ein Stück Aggression, wenn du mich fragst, um weiterzumachen – selbst dann, wenn dein Umfeld es missbilligt oder missmutig beäugt. Es braucht Strenge, damit du durchhältst und feste Werte, mit denen du deine Ziele erreichen willst. Und trotzdem musst du sanft zu dir sein, um dich selbst nicht fertigzumachen oder auszubrennen. Es braucht vor allem ein klares Wissen um deine Bedürfnisse, die im Moment unerfüllt sind.

Sich selbst zu finden heißt, zu jemandem zu werden, den DU magst – nicht, damit dich andere (gut) finden und mögen

sein wie andere mich wollen

Mit dieser Überschrift gehen wichtige Aspekte einher, die ich dir mit auf den Weg geben möchte, bevor wir mit meinen Fragen loslegen:

Oftmals wollen wir uns ändern, damit sich im Außen etwas ändert. Man will schlanker oder muskulöser werden, damit man mehr vom bevorzugten Geschlecht wahrgenommen und gemocht wird, um eine Partnerschaft zu finden oder die Form der Beziehung, die du dir wünscht. Man will beruflich erfolgreicher werden oder sich gebraucht fühlen, im Kontakt zu sein, in einer Machtposition oder mehr Geld verdienen. Was auch immer du dir wünschst: Du verbindest damit etwas, z. B. Status, Teilsein oder Wichtigkeit deiner Person.

Unser Wohl und unser Selbst, unser wahres Ich, steht nie in Abhängigkeit zu anderen oder dem Leben anderer. Es gibt keine Bedingungen anderer, die du selbst zu erfüllen hättest, um du zu sein/zu werden. Prüfe deshalb genau, für wen du etwas tust oder tun willst, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst! Für wen willst Änderungen in deinem Leben erwirken? Für dich und allein nur für dich oder weil du dir davon im Außen etwas erhoffst? Als Beispiel: Wenn du abnehmen oder Muskeln aufbauen willst, machst du das, weil du das für dich möchtest, oder weil du dir davon mehr Beachtung durch andere erhoffst oder sogar Liebe und in-Beziehung-sein? Glaubst du, das äußere Erscheinen müsste erfüllt werden, damit du beachtet/geliebt wirst – vielleicht sogar von einer bestimmten “Sorte” Frau/Mann/Mensch?

Als soziale Wesen trotz unterschiedlichster Charaktere brauchen wir (soziale) Anerkennung im Sinne des Gefühls, nicht isoliert zu sein oder ausgestoßen zu werden. Und natürlich lernen wir von früh auf, XYZ zu tun, um anerkannt zu werden, und zu vermeiden, was uns Ablehnung bringt. Doch wer sich selbst finden und ändern wird/will, der muss bei den Punkten Anerkennung/Ablehnung Abstriche machen. Nur so kann man die finden, zu denen man gehören kann (falls man möchte), oder gefunden werden. Nur so erfährt man natürlicherweise – nicht erarbeitet oder sonstwie geleistet – Beachtung und Akzeptanz. Und nur aus dieser kann etwa echte Liebe entstehen, die deinem wahren Ich gilt und nicht einer Maske oder Rolle.

ICH-Inventur: Wer willst du sein – auf allen Ebenen?

Having said that: Also holte ich den Spickzettel von früher heraus. Eigentlich gehörte der bisher nur meinen Klientinnen in Coachings und Mentorings, aber da sich viele 1-zu-1-Beratungen nicht leisten können oder möchten, stelle ich ihn hier im Blog heute kostenfrei zur Verfügung.

Zettel und Stift sind sinnvoll, wenn du dir die Fragen beantwortest:

  • Wovor bist du bisher geflohen? Was wolltest du dir und anderen beweisen? Wolltest du etwas wiedergutmachen (im Leben anderer oder eine eigene Wunde von früher)?
  • Welche positiven Aspekte bringt dir eine neue Wandlung? Wie kannst du mit etwaigen negativen Aspekten umgehen? (meint Risiken und wie du sie managen würdest)
  • Welche neuen Signale haben sich gezeigt, dass dein Leben Anpassungen benötigt? Auf welcher Ebene zeigten sie sich zuerst (Körper, Geist, Herz, Seele)? Wirst du dich an sie erinnern/sie erkennen, falls sie erneut auftreten sollten?
  • Was hast du dir bislang verheimlicht? Was wolltest du dir nicht eingestehen? Wo hast du was verdrängt oder dir schön geredet?
  • Welche Menschen in deinem Leben stehen deiner Selbstfindung und Ich-Werdung im Weg bzw. geben dir das Gefühl, dass sie dagegen wären? Wie bist du bislang damit umgegangen und wie kannst du neu, besser und anders damit umgehen?
  • Was war positiv an deinem bisherigen Leben/sabschnitt? Was nimmst du dankbar mit?
  • Wer/Was willst du sein? (meint: Wie willst du sein? – Qualitäten deines neuen Ichs sowie Eigenschaften, innerlich und äußerlich)
    • als Mensch
    • als Frau/Mann
    • als Freundin/Freund
    • als Partnerin/Partner
    • als Mutter/Vater bzw. Großmutter/Großvater
    • als Tochter/Sohn
    • als Bruder/Schwester
    • im Beruf

Die letzten Fragen sind besonders wichtig. Wer willst du sein? bedeutet: Wie willst du als Frau/Mutter/Partnerin/Schwester/Freundin/Tochter sein und nicht, wie du wahrgenommen werden möchtest, um zu …

Ich zum Beispiel möchte ein sanfter, aber bestimmter, reflektierter und liebevoller Mensch sein, der seine Aufgabe kennt und sie gern erfüllt, eine Frau, die sich nimmt, was sie will und nicht aufhalten lässt von gesellschaftlichen Konventionen oder Strömungen, Medien oder Meinungen anderer, eine Partnerin, deren Herz sichtbar sein darf, ob stark oder schwach. Beruflich würde ich nie Artikel darüber schreiben, wie schön XYZs Designschuhe sind, wie durchtrainiert XYZ heute ist oder dass XYZ jetzt mit Hollywood-Schönling ABC zusammen ist. Ich muss mich mit tieferen Schichten der Menschen beschäftigen können, sonst geht es mir nicht gut.

Probiere deine eigenen Antworten auch gern von hinten herum und beginne mit dem, was du nicht sein möchtest, um zu dem, was/wie du sein möchtest, zu gelangen.

Weitere Fragen, die du dir stellen kannst, sind:

  • Wozu willst du das sein?/Was versprichst du dir davon? Und warum?
  • Willst du das für dich sein oder damit im Außen etwas geschieht? (Prüfe genau, für wen du das tust, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst!)
  • Mit welchen Mitteln willst du erreichen? Was bist du bereit, dafür zu tun? Welche Zeit gibst du dir? Ist diese realistisch?
  • Was muss schwinden oder sich verringern, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Wovon braucht es mehr in deinem Leben, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Welche Anpassungen deines jetzigen Ichs braucht das? Welche Kompetenzen müssen dafür gestärkt oder aufgebaut werden? Wer kann dich darin unterstützen?

In eigener Sache

Nachdem ich die letzten Monate abgetaucht war, starte ich nun wieder langsam durch – auf meine Weise. Blogtexte in meiner Frequenz und zu meinen (auch neuen) Themen, Coachings wie das FRAU ICH-Programm und Selbstcoaching-Programme wie “Die Wunde der Ungeliebten” (bald hier) sind wichtig für mich.

Auch wenn mein ursprüngliches Ziel, über Ängste (und nur über Ängste) zu bloggen, mindestens zu 90 Prozent erreicht ist, werde ich auch und/oder eher subtilere Themenverbindungen, die Angst aufrufen/triggern können, ansprechen. Vor allem trägt mich seit Mai diesen Jahres ein ganz anderes Projekt, was mehr ein lang gehegter Herzenswunsch als eine berufliche Absicht ist. (Vielleicht schreibe ich demnächst mehr darüber. Momentan wäre es noch zu früh.)

Das als kleiner Ausblick auf das, was im Blog und bei mir zukünftig geschehen wird und darf – auf ganz sanfte, eigene Weise.

Ich hoffe, dass du in deinem Beitrag ein paar Impulse für dich und dein wahres Ich finden konntest. Das würde mich von Herzen freuen! Getreu dem Motto: Lieber entdecken statt verstecken.