Die Angst vor dem Kontrollverlust: Was es damit auf sich hat

Die Angst vor dem Kontrollverlust: Was es damit auf sich hat

 

Wie jede andere Angst auch, ist die Kontrollangst nicht einheitlich definiert und tritt bei jedem Menschen in anderer Art und Weise auf. Dennoch kennen diese Angst unzählige Menschen. Meistens geht sie bei ihnen mit Panikattacken einher, welche die Angst weiter befeuern. Es folgen nicht selten Begleitängste, wie etwa Platzangst (Agoraphobie) oder Hypochondrie. Andere Ängste können außerdem die Ursache für die Angst vor dem Kontrollverlust sein. Das Ganze mag ein wenig verstrickt klingen, lässt sich aber recht einfach aufschlüsseln, um Betroffenen ihre Angst verständlicher zu machen.

 

Angst vor Kontrollverlust: Warum wir gerne die Kontrolle behalten

Vermeintliche Sicherheit

wieso wir Angst vor Kontrollverlust haben

Studien zeigen: Die Angst vor Kontrollverlust ist verbreiteter, als man glaubt. Photo: Ben White / Unsplash

Die Angst vor Kontrollverlust im Allgemeinen bzw. die Angst, die Kontrolle in bestimmten Situationen zu verlieren, ist verbreiteter, als man glauben mag. Laut einer Studie des Meinungs- und Wahlforschungsinstituts „Infratest dimap“, in der über 1000 deutsche Bürger im Jahr 2017 zu ihrem Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum befragt wurden, fühlte sich zwar die Mehrheit der Befragten sicher. Doch immerhin 23 Prozent fühlte sich eher unsicher oder sogar sehr unsicher. Würde man diese Studie mit der zehn- oder hundertfachen Menge an Befragten durchführen, käme man wohlmöglich zu prozentual ähnlichen Ergebnissen. Denn ein gewisser Drang nach Sicherheit ist ganz natürlich und gehört zu den Urinstinkten – schließlich möchte man sich selbst und (in gegebenem Fall) die Angehörigen vor Gefahren, Beeinträchtigungen und Risiken schützen.

Gerade im öffentlichen Raum – außerhalb der eigenen vier Wände, in denen alles genau so eingerichtet werden kann, dass es maximale Sicherheit verspricht – lässt sich nicht alles kontrollieren. Hier agieren meist unbekannte Menschen, deren Verhalten man nicht genau kennt, hier fahren schnelle Autos auf den Straßen, passieren Dinge, die sich nicht vorhersehen lassen. Das Sicherheitsgefühl ist geringer als das Zuhause. Die große Frage, die sich abseits davon aber zu stellen lohnt, lautet: Ist Sicherheit nicht immer eine Illusion?

Die Antwort lautet: Jein. Eine gewisse Sicherheit ist möglich und sinnvoll. Etwa, wenn es darum geht, ein Schloss an der Haustür zu haben oder vielleicht auch zwei. Denn somit ist man vor unfreiwilligen Besuchern besser geschützt und fühlt sich auch nachts sicherer. Problematisch wird es, wenn ein imaginäres Schloss vor allem gehängt wird, was einem lieb ist: vor dem eigenen körperlichen Wohl und dem der Familie, vor dem Bankkonto, vor der Freiheit – alles zugunsten der Sicherheit. Dann leiden letzten Endes Geist und Seele, vielleicht ohne, dass man es merkt, und es entwickeln sich „Störungen“, wie etwa die Angst vor dem Kontrollverlust. Alles muss kontrolliert werden, um sich eine vermeintlich permanente Sicherheit garantieren zu können.

 

Die Angst vor dem Unbekannten

Hinzu kommt eine wahrgenommene Sicherheit, die mit der Gewohnheit zusammenhängt. Wer sich in täglichen Abläufen und Strukturen befindet, die funktionieren, fühlt sich in ihnen schnell wohl. In Deutschland funktionieren verschiedenste Abläufe extrem gut. Die berüchtigte deutsche Bürokratie hat den Vorteil, dass das Meiste so läuft, wie es laufen soll. Der Nachteil, der sich dadurch ergibt: Läuft es einmal nicht, wie vorgesehen, bricht oft Panik aus. Plötzlich muss aus dem Gewohnten, Sicherheitsgebenden ausgebrochen werden. Die „Comfort Zone“, die Komfortzone, muss verlassen werden und, wie der Name schon sagt, der Komfort geht verloren. Es ist allerdings oft nur der Komfort der Bequemlichkeit und damit nicht zuletzt auch der Komfort der Müdigkeit.

Kurzum: Das Ungewohnte, Unbekannte und Neue macht vielen, wenn nicht sogar allen, Menschen Angst. Es „passt“ nicht in Erwartungen hinein, die an die Alltäglichkeit gestellt werden. Es gefährdet das Bekannte und die Sicherheit. Diese Denkweise und die Dynamik, die sich daraus ergeben, sind aber in der Regel viel schlimmer als jegliche Gefahren, die das Unbekannte mit sich bringt. Denn die Angst vor dem Unbekannten kann letztlich bei vielen Menschen auch der Auslöser für weitere Denkweisen sein, sei es ein besonderer Lebensstil, Vorlieben, politische Überzeugungen und mehr.

 

Warum Kontrollverlust nicht schlecht sein muss

Das Bedürfnis nach Ekstase

Die Angst vor Kontrollverlust steht gegen den Instinkt, sie loszulassen

Ein natürliches Bedürfnis nach Kontrollverlust und Ekstase ist im Menschen angelegt. fotolia.de © Anja Götz

Nicht nur ist ein stetes Bedürfnis nach Sicherheit, Gewohnheit und Kontrolle ungesund, wenn sie Auswirkungen auf das Verhalten der Betroffenen haben. Sie sind zudem unnatürlich. Denn der Mensch hat ein angeborenes Bedürfnis nach Ekstase, nach Rausch und Kontrollverlust. Nicht grundlos suchen beispielsweise viele Menschen am Wochenende einen Ausgleich zu Studium oder Arbeit, indem sie extreme Sportarten betreiben oder sich in Technoclubs in tranceartige Zustände tanzen oder Drogen konsumieren, die grenzüberschreitende Rauscherfahrungen hervorrufen  – all dies geschieht, um den Alltag zu vergessen, das Sicherheitsgefühl loszulassen und einfach zu „sein“. Dieses einfache Sein ist wohl eine der größten Sehnsüchte, die mit Ekstase und Rausch verbunden ist: die Sehnsucht, „aus sich herauszutreten“, sich einfach gehen zu lassen, alle Zwänge abzugeben. Denn eine stabile Umgebung, die unter bestimmten Regeln funktioniert ist wichtig; manchmal braucht der Mensch, um gesund zu bleiben, aber auch das Gegenteil.

Dass dazu nicht etwa Drogen konsumiert werden müssen, sollte klar sein. Rausch- und Ekstasezustände, aber auch eine geistige Leere, in der das Bewusstsein ruht und Platz für die angstfreie Aufnahme neuer Eindrücke im Geist geschaffen werden kann, sind auch anders zu erreichen. Beispielsweise durch Tanzen oder Musik, Skifahren in naturbelassenen Gebieten, Meditation, Yoga, Extremsportarten oder auch durch sexuelle Abenteuer: All diese Dinge setzen im Körper natürliche Stoffe, darunter Endorphine, Adrenalin oder Endocannabinoide, frei und sorgen für intensives Erleben, Glückszustände und Erholung. Der Mensch muss jedoch, um das Bedürfnis nach ekstatischen Zuständen, geistiger Leere und Co. zu befriedigen, manchmal erst lernen, loszulassen und die Kontrolle freiwillig abzugeben.

 

Die Kontrolle gezielt abgeben

Es gibt viele Situationen, bei denen jeder, wenn er ehrlich zu sich selbst ist, zugeben würde, dass es sinnvoll wäre, die Kontrolle abzugeben. Wichtig ist bei allem, sich vorher glaubhaft zu verdeutlichen, dass es sich bei allem, was dabei passiert, eben nicht um einen Kontrollverlust, sondern um eine Abgabe der Kontrolle handelt. Auf diese Weise kann auch trainiert werden, in ungeplanten Situationen ruhig zu bleiben und die Kontrolle mit Neugier auf das Kommende abzugeben. Dann ist Angst keine überrollende Lawine mehr, sondern pure Aufregung vor einem schönen, neuen Abenteuer.

Drei Beispiele, die wir alle kennen:

1. Die Liebe

Wer schon einmal Hals über Kopf verliebt war, weiß, dass es sich dabei um ein Gefühl handelt, das sich im Grunde kaum kontrollieren lässt. Wir meinen zwar, uns aussuchen zu können, in wen wir uns verlieben. Meistens aber erwischt es uns einfach so und wir haben keine Wahl. Aus irgendeinem Grund wollen wir plötzlich mit diesem Menschen Zeit verbringen, körperliche Nähe teilen, Dinge unternehmen. Wer seinem eigenen Glück und der Befriedigung seines Bedürfnisses nach Verbundenheit, Zärtlichkeit und Nähe nicht im Weg stehen will, muss hier loslassen können.

Wo das den meisten Menschen beim Verlieben und Lieben noch gelingt, taucht bei vielen die Angst vor Kontrollverlust bei körperlicher Nähe und Sex auf. Doch auch die schönste Nebensache der Welt funktioniert nur, wenn dabei der Kopf nicht ständig arbeitet. Dann beginnt man, sich kontraproduktive Fragen zu stellen: Sehe ich gut genug aus? Findet der andere meinen Körper nicht komisch? Ist das nicht seltsam, was wir hier gerade machen? Was, wenn… und so weiter. Wer den Moment genießen will, muss die Kontrolle abgeben und schauen, was passiert.

 

2. Das Spiel

Auch Spiel funktioniert in vielen Fällen nur, wenn die Kontrolle ein Stück weit abgegeben wird. Man denke etwa an die abstrakte Malerei, die ebenfalls ein Spiel mit Farben auf einem Untergrund ist. Viele berühmte Bilder, wie etwa die Bilder Jackson Pollocks, sind durch zufälliges Tropfen der Farbe auf die Leinwand entstanden. Sie haben Kunstgeschichte geschrieben. Hätte Pollock es nicht geschafft, die Kontrolle über seine Arbeit an den Zufall abzugeben, er wäre vermutlich nie erfolgreich gewesen.

Beim Glücksspiel ist es ebenfalls so, dass ein zu starker Kontrollzwang u. a. zu einem ungesunden Spielverhalten führen kann – bis hin zur Sucht. Aber auch nicht suchtgefährdete Menschen, die das Spiel und sein Ergebnis übermäßig steuern wollen, stören durch den Kontrollzwang das Ergebnis des Spiels. So hat etwa das Automatenspiel einen Reiz auf viele Menschen, eben weil es nicht völlig kontrolliert werden kann. Hier macht die Hoffnung auf einen Gewinn, durch die Zufallsanordnung der Walzen und die gleichzeitige Angst, den Einsatz zu verlieren, sogar den Reiz des Spiels aus. Wer denkt, er könne durch Kontrolle und Spielstrategien sein Spiel verbessern, obwohl er nur teilweise Einfluss auf das Spielgeschehen hat, wird kaum Spaß am Spiel haben. Ob am Pokertisch, beim Mau Mau, Skat oder 17 gewinnt: Die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Karten auf den Tisch kommen, lässt sich zwar berechnen, wie sich die anderen Spieler verhalten, jedoch nicht. Nur wer die Kontrolle abgibt und sich auf den Zufall des Spielverlaufs einlässt, kann Freude daran haben.

 

3. Prüfungen

Ob es sich um das Abitur, die Zwischenprüfungen in der Uni, die Verteidigung der Dissertation, Bewerbungsgespräche oder Vorträge und Präsentationen vor den Kollegen handelt: Besonders in Prüfungssituationen empfinden immer mehr Menschen eine erhöhte Angst vor dem Verlust der Kontrolle über die eigenen Leistungen und die Anerkennung durch Andere. Beides ist wertebezogen und regelt so unsere Motivationen. Was wir erwarten, zu erhalten (= Werte), gepaart mit der Wahrscheinlichkeit, es zu bekommen, zum Beispiel im Ansehen vor anderen zu steigen oder uns selbst unseren Wert zu beweisen, steht oft in direkter Verbindung mit aufkommender Angst. Das wiederum führt zu Blackouts, Angstzuständen, körperlichen Symptomen wie plötzliche Krankheitserscheinungen oder Magen-Darm-Problemen. Es belastet uns, weil durch die Angst vor dem Verlust und Misserfolg Stress ausgelöst wird. Stresshormone fluten durch den Körper. Geben wir ihm nicht die Möglichkeit, sie wieder zu senken, sondern erleben die Angst und den Stress über längere Zeit, kann der Verlust sogar manifest werden, zum Beispiel in Form von Panikattacken.

 

Wenn Kontrollverlust zu Panikattacken führt

Oftmals ist der Kontrollverlust an sich nicht der eigentliche Punkt, vor dem viele Menschen Angst haben. Ist die Kontrolle verloren, muss sich jedoch neu orientiert werden:

  • Was mache ich jetzt?
  • Ist es schlimm, dass die Kontrolle nicht mehr da ist?
  • Kann ich mich an jemanden wenden, der mir hilft, die Kontrolle zurück zu bekommen?
  • Muss sie überhaupt zurückerlangt werden?

Wer einmal mit diesen Fragen konfrontiert wurde und erfahren hat, dass sie in Situationen des Kontrollverlusts teilweise alle auf einmal und innerhalb unkontrollierbar schneller Zeit auf einen einprasseln, der entwickelt vielleicht eine Furcht davor. Denn nicht alle (und vielleicht sogar keine) der Fragen lassen sich sofort beantworten. Die Kontrolle kommt also nicht immer sofort zurück.

Das kann Panik auslösen und selbst bei einmaligem Erleben zu einer Angststörung führen. Nicht selten bezieht sich die Angst bei Betroffenen dann auf diverse Situationen. So kann eine Angst davor entstehen, bei einem Kontrollverlust nicht nur die Kontrolle über das aktuelle Geschehen und das Bewusstsein über das, was gleich passiert, zu verlieren, sondern auch über das eigene Verhalten. Man hat  Angst davor, sich selbst oder andere zu verletzen oder etwa anzuschreien, verrückt zu werden oder Ähnliches. Das wiederum kann die Angst mit sich bringen, sich in große Menschenmengen, auf öffentliche Plätze oder in öffentliche Verkehrsmittel zu begeben (Agoraphobie). All diese Ängste als Konsequenzen und negative Folgen der Angst vor dem Kontrollverlust können verhindert werden, indem trainiert wird, diese Angst abzulegen oder sie zumindest anzunehmen.

 

Mit der Angst umgehen lernen oder sie überwinden

Angst vor Kontrollverlust überwinden

Wer sich nicht mehr nur auf das Kontrollieren konzentriert und sich der Angst stellt, erfährt sicher etwas Spannendes und Neues. fotolia.de © Jacob Lund

Der erste Schritt auf dem Weg zum Umgang mit der Angst vor Kontrollverlust sollte, wie in vorigen Abschnitten deutlich geworden sein sollte, die Akzeptanz dessen sein, dass nicht alles kontrolliert werden kann. So seltsam es klingen mag: Rein theoretisch kann jederzeit ein Meteorit, der aus dem All angeflogen kommt, das eigene Haus zertrümmern. Die Chance ist extrem gering, aber sie besteht. Kontrolliert werden kann dieses Risiko nicht – es besteht jederzeit. Ähnliche Ereignisse können – natürlich in abgeschwächter Form, ohne vergleichbar dramatische Ausmaße – einem im Alltag begegnen. Wer ein gesundes, ausgeglichenes und freies Leben führen möchte, kann lernen, die Kontrolle abzugeben. Insbesondere, wenn er das Haus verlässt und wenn er sich entspannen, Spaß haben oder lieben will.

Die Abgabe der Kontrolle kann also gelernt werden – gerade, wenn traumatische Erfahrungen zu einer Angst vor Verlust geführt haben. Eine Verinnerlichung der Tatsache, dass die Einstellung die Gefühle bestimmt und dass es nicht die Umstände sind, markiert zudem den gesunden Umgang mit Angst. Letztlich kann es helfen, sich vorzunehmen, die Bewertung des Kontrollverlusts umzudrehen: Wer nicht mehr immer alles kontrollieren muss und akzeptiert, dass sich viele Dinge dem Einflussbereich entziehen, muss nicht mehr auf bestimmte Dinge achten, sie beobachten, studieren. Dadurch ergibt sich die Freiheit, sich auf Anderes konzentrieren zu können, Neues zu entdecken, Rausch zu erleben und die Kontrolllosigkeit sogar genießen zu können.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem externen Redakteur Niko Fohr.

 

Macht Studieren krank? Mehr Studierende leiden unter Existenzängsten

Macht Studieren krank? Mehr Studierende leiden unter Existenzängsten

 

Die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Krankheiten nimmt unter Studierenden drastisch zu. Dazu gehören auch eine Reihe an Angststörungen sowie Panikattacken. Rund eine halbe Million Studenten in Deutschland leidet aktuell unter einer psychischen Erkrankung. Laut Barmer-Arztreport 2018 sei der Anteil der psychischen Diagnosen bei 18- bis 25-Jährigen allein in den Jahren 2005 bis 2016 um 38 Prozent gestiegen. Depressionen nahmen in diesem Zeitraum bei der Zielgruppe sogar um 76 Prozent zu. Somit leidet statistisch gesehen jeder sechste Student an einer psychischen Erkrankung.

 

Je älter ein Student bzw. eine Studentin, umso größer die Ängste

Auffallend ist, dass ältere Studenten besonders häufig von einer psychischen Erkrankung betroffen sind. Es scheint demnach eine Korrelation zwischen dem Alter des Studenten beziehungsweise der Studentin und der psychischen Verfassung zu geben. Während mit 18 Jahren nur 1,4 Prozent der Studierenden unter einer Depression leiden, sind es mit 28 Jahren bereits 3,9 Prozent. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Ursachen dieser Angststörungen, Depressionen, Minderwertigkeitsgefühlen und weiterer psychischer Erkrankungen während dem Studium liegen vor allem in Existenzängsten begründet und genau diese nehmen zu, je älter die Studierenden sind. Macht Studieren also krank?

 

Welche Gefahren hat ein Studium für die psychische Gesundheit?

Kraftlosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung beim Lernen während des Studiums aufgrund von Leistungsdruck

Foto: Fotolia.com © Wellnhofer Designs #133708217

Natürlich macht ein Studium nicht prinzipiell krank, dennoch triggert es viele im Menschen verankerte Ängste. Nicht jeder Student und jede Studentin kann damit (auf Dauer) umgehen und so kann sich das Studieren förderlich auf die Entwicklung einer psychischen Erkrankung auswirken. Dass die Zahlen aktuell so stark ansteigen, liegt nämlich nur einerseits in der verbesserten Diagnostik und der höheren Akzeptanz psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft, sodass mehr Betroffene den Mut finden, sich Hilfe zu suchen und eine Diagnose stellen zu lassen.

Andererseits liegt die Ursache vermehrt in dem steigenden Zeit- und Leistungsdruck an deutschen Hochschulen sowie Universitäten. Mehr und mehr Studenten leiden unter Existenzangst, welche sie mit anhaltender Dauer des Studiums und zunehmendem Lebensalter immer stärker belasten, bis unter Umständen eine Depression, Angst- oder ähnliche Störung entsteht.

 

Ursachen: Existenzangst als Sammelbegriff

Jeder Mensch leidet unter Existenzängsten. Diese sind als Urinstinkt fest verankert und überlebenswichtig. Wäre da nicht die Angst vor dem Tod, würden viele Menschen waghalsig durch ihr Leben gehen. Zukunftsängste im Sinne der Unberechenbarkeit des Lebens, wie die Angst vor dem Verlust eines geliebten Menschen, stellen die Grundlage des modernen Versicherungssystems und auch der Institution der Ehe dar. Es ist also völlig natürlich, dass der Mensch nach vermeintlicher Sicherheit strebt. Dennoch ist es interessant, den Sammelbegriff der Existenzangst einmal in seine verschiedenen Bestandteile zu zerlegen. Welche Ängste sind es also wirklich, die deutsche Studierende so belasten, dass sie eine halbe Million Betroffene in die psychische Erkrankung treiben?

 

Leistungsdruck

Seit der Einführung das Bachelor-Master-Systems (Bologna-Prozess) im Jahr 2010 ist der Leistungsdruck in vielen Hochschulen sowie Universitäten stetig angestiegen. Mit dem Wissen, dass nur die besten Absolventen anschließend attraktive Stellenangebote erhalten werden, sind sie einem ständigen Konkurrenzkampf ausgesetzt. Dies äußert sich in einer zunehmenden Vereinsamung der Studenten und Studentinnen. Partys, WG-Leben, Freizeit – Faktoren, die früher selbstverständlich zu einem Studium gehörten, werden immer mehr zur Ausnahme. Als Resultat steigen die Zahlen der Studienabbrecher. Rund ein Viertel der Studierenden an deutschen Universitäten geht ohne Abschluss. An Fachhochschulen sind es sogar 39 Prozent. Neben diesem Konkurrenzkampf setzen sich die Studierenden deshalb vermehrt selbst unter Druck. Sie haben hohe Ansprüche an sich selbst, nicht selten zu hoch. Der Anstieg im Leistungsdruck resultiert also sowohl aus inneren als auch aus äußeren Faktoren, das Ergebnis bleibt jedoch dasselbe: Stress, Hektik und die Angst davor, eigene sowie Ansprüche Dritter nicht erfüllen zu können.

 

Zeitdruck

Aufgrund des Bologna-Prozesses steigt auch der Zeitdruck während des Studiums. Langzeitstudierende mit 20 oder mehr Semestern, das ist heutzutage mit den strengen Regularien des Bachelor-Master-Systems nicht mehr möglich. In vielen Fällen gilt: Wer zweimal durch die Prüfung rasselt, ist raus! Wer bis zum vierten Semester kein Praxissemester absolviert hat, ist raus! Wer nach dem fünften Semester nicht das Grundstudium erfolgreich abgeschlossen hat, ist raus! So oder so ähnlich lauten die Studien- und Prüfungsordnungen an vielen Hochschulen und Universitäten. Während temporärer Zeitdruck in der Regel weniger problematisch ist, wird er auf Dauer zum Problem. Zieht sich der Stress also über mehrere Semester bis Jahre hin, kann er zum Auslöser für psychische Erkrankungen wie Panikattacken werden. Dies stellt eine Erklärung dar, weshalb das Risiko einer entsprechenden Diagnose mit zunehmenden Alter der Studierenden steigt.

 

Versagensängste

Angesichts dieser hohen Ansprüche ist es kein Wunder, dass sich immer mehr Studierende überfordert fühlen. Die Angst vor dem „Versagen“, also davor, das Studium überhaupt nicht oder schlechter als gewollt abzuschließen, steigt. Das erhöht wiederum den Druck, die Leistungen verschlechtern sich, die Versagensängste nehmen zu und mit ihnen erneut der Druck, wodurch sich eine Abwärtsspirale bildet, welche geradewegs in die psychische Erkrankung führen kann.

 

Prüfungsangst

Zu diesen Versagensängsten gehört in erster Linie die Prüfungsangst, unter welcher zahlreiche Studierende an deutschen Hochschulen und Universitäten leiden. Dazu gehören sowohl schriftliche als auch mündliche Prüfungen. Auch Vorträge vor den Kommilitonen oder Fremden treiben vielen Menschen Schweißperlen auf die Stirn. Hinzu kommen hohe Anforderungen bei Seminar- und Abschlussarbeiten.

 

Finanzielle Sorgen

Doch damit nicht genug: Immer mehr Studierende müssen trotz BAföG neben dem Studium arbeiten, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Und selbst, wenn dies aus finanziellen Gesichtspunkten nicht notwendig wäre, entscheiden sich viele Studentinnen und Studenten für den Nebenjob, um in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Berufserfahrung zu sammeln. Diese Doppelbelastung aus Arbeit und Studium frisst zunehmend die verfügbaren Entspannungszeiträume auf und setzt Körper sowie Psyche unter Dauerstress.

 

Zukunftsängste

Gute Noten, eine kurze Studiendauer, mehrere Jahre Berufserfahrung und gut ausgebildete Soft Skills: Es ist kein Geheimnis, dass die Ansprüche an Absolventen auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren gestiegen sind. Dem Fachkräftemangel zum Trotz, haben Studierende in den meisten Branchen sowie Fächern nach wie vor Angst, diese Ansprüche nicht erfüllen zu können und dadurch keinen oder zumindest keinen attraktiven Job zu finden. Die Angst vor einer Arbeitslosigkeit steigt und damit auch wieder das bereits erwähnte Konkurrenzdenken mit der daraus resultierenden Vereinsamung während des Studiums. Auch hier entsteht demnach eine gefährliche Abwärtsspirale, die zur psychischen Erkrankung führen kann. 

 

Gesundheitliche Sorgen

Neben solch allgemeinen Zukunftsängsten spielen auch gesundheitliche Sorgen häufig eine Rolle. Spätestens, wenn sich erste Beschwerden einer Depression, einer Angststörung oder anderen psychischen Diagnosen bemerkbar machen, ziehen diese häufig die Angst nach sich, zukünftig nicht am Arbeitsmarkt bestehen zu können. Schließlich sind psychische Erkrankungen eine der häufigsten Ursachen einer Arbeitsunfähigkeit. Eine Arbeitsunfähigkeit oder sogar Berufsunfähigkeit durch Krankheit kann unter Umständen den Job kosten oder eine Lücke in den Lebenslauf reißen, welche die Arbeitssuche anschließend erschwert. Zudem kann es für Studenten mit psychischer Erkrankung schwierig werden, eine Versicherung für den Fall einer Berufsunfähigkeit abzuschließen, sodass ein Leben von Sozialhilfe droht. Eine Perspektive, die in einer ohnehin schwierigen Situation oft noch zusätzlich belastet.

 

„Quarterlife Crisis“

studentische Beratungsstellen und Therapeuten können Studierende bei psychischen Belastungen und Störungen weiterhelfen

Foto: Fotolia.com © WavebreakMediaMicro #109053148

Zuletzt ist die Studienzeit auch eine Zeit des Umbruchs. Der Auszug aus dem Elternhaus, eventuell eine neue Stadt, neue Freunde, neue Anforderungen in der Universität oder Hochschule, zu kaum einem anderen Zeitpunkt im Leben ändern sich die äußeren Umstände so schnell und drastisch wie zum Studienbeginn. Gerade in den 20ern befinden sich viele Studierende inmitten ihrer „Quarterlife Crisis“. Die Eingewöhnungsphase ist dank Bachelor-Master-System häufig zu kurz oder sie zweifeln an ihrer Studienwahl, schließlich ist der Beruf eine Entscheidung für das ganze Leben. Es ist daher typisch, dass sich an einem solchen Wendepunkt eine Krise entwickelt und mit ihr auch Angststörungen, Panikattacken, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen.

Schlussendlich gibt es also viele Gründe, welche im Studium zu Existenzängsten in ihren unterschiedlichen Ausprägungen und damit auch zu psychischen Diagnosen führen. Allein das Wissen darum, mit diesen Ängsten nicht alleine zu sein, kann bereits Trost bedeuten. Glücklicherweise finden zudem immer mehr Studierende den Mut, sich rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen, anstatt das Studium ohne Abschluss zu beenden.

 

Der Artikel entstand in Kooperation mit der externen Redakteurin Aline Schommer.

Titelbild: Fotolia.com © contrastwerkstatt #48136430

 

Ständig Angst im Referendariat: Wie du psychische Probleme überwindest

Ständig Angst im Referendariat: Wie du psychische Probleme überwindest

 

Bei einer derartig belastenden Dauersituation wie dem Referendariat für Lehramt liegt es nahe, dass der Körper irgendwann zu härteren Bandagen als “bloß Stressgefühle” greift, um sich zu schützen: Das ist auch der Grund, weshalb Referendare für Lehramt ständig Angst im Referendariat haben. Angst, Panik und depressive Verstimmungen sind allesamt Signale des Körpers, um dich in deiner Existenz vor weiterem, negativem Stress zu schützen. Was das Gehirn nicht weiß: Du kannst dir nur mit Konsequenzen aussuchen, ob du diesen Unterrichtsentwurf erst in zwei Tagen schreibst oder ob du den Text, der dir auf die letzte Sekunde geschickt wurde, nicht liest. Dein Ego entscheidet das jedoch für dich.

Leider ist die fehlende Kenntnis über bestimmte, wirksame Methoden gegen Stress-Ängste oft der Grund für den Abbruch vieler Referendare. Dabei wäre es nur nötig, geeignete Strategien für den Umgang mit Stress und Angst zu kennen und in den Alltag zu integrieren. Das sollte natürlich auch in der Zukunft geschehen, nicht nur bis zum 2. Staatsexamen im März/April. Die berufliche als auch private Zukunft wird immer wieder Zeiten mit erhöhtem Stress bringen. Mit Stress angemessen und achtsam umzugehen und sich neu kennenzulernen, ist daher unerlässlich. Dieser Artikel liefert dir einige Antworten, wie du das ermöglichen kannst, um die ständige Angst im Referendariat zu überwinden und psychisch stabil zu bleiben.

Wieso du ständig Angst im Referendariat hast: Gehirn & Ego

Dein Gehirn weiß zwar, dass es Unmengen von Ansprüchen gerecht werden muss, will das aber nicht – nicht auf die dir gewohnte Art und Weise. Denn man kann sich nur aussuchen, wie man auf den Stress reagiert. Deinem Ego aber ist es wichtig, vor den Studienseminarleiter/-innen, Fachleiter/-innen und Schulleiter/-innen sowie Begleitern/Mentoren und Schülern/Eltern zu brillieren, nicht zu versagen. Mit allen Mitteln (wie ich annehme). Jeder Referendar hat seine eigenen, individuellen Gründe dafür.

Doch der menschliche Überlebens- und Lebenserhaltungsinstinkt hält davon wenig.

Das Kontrolliert- und Beobachtetwerden, die häufige und unerwartete bzw. als unangemessen empfundene Kritik, das Gefühl, plötzlich wieder ein kleines Kind zu sein, dass “erzogen” werden soll/muss, gepaart mit dem sklavereiähnlichen Zeit- und Termindruck, lösen, nach anfänglichen, kleinen Stressreaktionen, sehr schnell Angst und Panik als Überlebensinstinkt aus.

wenn du ständig angst im referendariat hast, musst du stressoren ausschalten lernen. das ist möglich.Gegen Stress und Angst nutzt du alte, dir bekannte und damals als wirksam gelernte Stressreaktionsmechanismen. Vielleicht tust du noch mehr, schläfst noch weniger, verbirgst deine Tränen, isolierst dich aus deinem Freundeskreis oder vernachlässigst deine Familie und/oder Beziehung. Einige vergessen zu essen oder nehmen vermehrt Alkohol und Tabak als Weg, um die negativen Stressgefühle zu dämpfen. Andere wiederum versuchen tagtäglich zu funktionieren und werden zu wahren Schauspielern, indem sie so tun, als würden sie dem System zustimmen, während sie eigentlich im Inneren nur noch Abwehr und Ablehnung empfinden.

Fakt: Angst entsteht, je mehr du etwas oder jemanden und die deshalb folgende Angst abwehrst. Mit deiner Angst zu arbeiten, ist der Weg hinaus. 

Deine damaligen, als wirksam empfundenen Stressabwehrtaktiken wie Diplomatie, Leistung entgegen deinen Ressourcen, Lächeln und Ja sagen, Funktionieren als falsche Loyalität bis zum Umfallen usw. funktionierten damals vielleicht gut. Doch heute kann das anders sein. Unterschätze dein Gehirn nicht: Es weiß, dass du heute erwachsen bist. Es hat sich deine Erfolge und Misserfolge, deine Ziele und Gründe dafür sehr genau gemerkt. Es hat sich vor allem eingeprägt, wie du drohende Misserfolge (wegen den folgenden Gefühlen und Emotionen wie Angst, Scham, Ekel, Traurigkeit usw.) verhinderst.

Einige Referendare können diesen Stress scheinbar leichter oder besser abwehren, andere wiederum leiden unter anhaltenden psychischen Problemen, die an Angststörungen, Depressionen (Burn-out) und Panikstörungen erinnern – oder zu einer werden. Das liegt daran, dass Erstere andere, für diese stressige Situation besser geeignete Stressbewältigungstechniken nutzen – größtenteils unbewusst.

Angst ist also Stress. Aus lang anhaltendem Stress erwächst zwangsläufig Angst. Ich möchte an dieser Stelle die renommierte und wunderbare Psychoanalytikerin Verena Kast zitieren:

Angst ist für uns ein sehr vertrautes Gefühl, ob wir dazu stehen oder nicht. Es scheint ja ein ausgesprochenes Ideal zu sein, dass der Mensch möglichst angstfrei zu sein hat. Deshalb wohl haben wir auch so viele Ausdrücke für Angst, die die Angst auch ein stückweit bemänteln. So sagen wir etwa, dass wir angespannt sind, verwirrt sind, nervös sind, oder man spricht von Stress. (Vom Sinn der Angst, Herder Verlag, 2014: S. 9)

Stress ist mit seinen Symptomen jedoch nur Schritt 1 auf dem Weg zu härteren Mitteln deines Körpers: Angst und Panik sowie Depressionen sind der letzte Schritt, der letzte Hebel deines Körpers, um dich zum Umdenken zu bewegen.

Natürlich wollen die Leitern während deines Refs nur die Stärken sehen, nicht aber deine Angst. Wenn du tief in dich hineinhörst, wirst du ebenfalls eine Stimme finden, die dasselbe von dir verlangt: Hab keine Angst. Zeig sie nicht. Reiß dich zusammen. Deine Angst zu zeigen und sie zu betiteln ist für viele Leiter ein eben solches Schwächegeständnis. So sortieren sie aus (obwohl Deutschland Lehrer braucht): Die Resilienten kommen in den guten Pott, die Unfähigen in den Kropf. Doch deine Angst nicht zu zeigen, sie zu verstecken, ist das Schlechteste, was du tun kannst.

Ich möchte dir daher im Folgenden Wege zeigen, wie du deine Angst kontrollierbar und doch akzeptierbar kannst.

Heftige Reaktionen deines Körpers auf die Situation im Referendariat werden vom Körper durch diese allgemein bekannten “Symptome” angedeutet:

  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen (beim Einschlafen und Durchschlafen)
  • Blockaden (Schreibblockaden, Kreativitätsblockaden)
  • Rückzug und verminderte soziale Kontakte
  • häufiges Weinen nach der Schule, wenn du Zuhause bist
  • morgendliches Herzrasen nach dem Aufstehen
  • Verdauungstörungen, verminderter Appetit
  • Drang, dein gestresstes ICH zu betäuben (durch Alkohol, Kaffee, Tabak, Zucker, Fernsehen etc.)
  • Vernachlässigung deiner Lieblingsbeschäftigungen
  • mangelnde Fähigkeit, dich zu freuen
  • Sexunlust
  • Unfähigkeit, dich zu entspannen oder “runterzukommen”
  • schnelle Reizbarkeit und Wutausbrüche
  • Grübeleien
  • stete Sorge/Angst vor dem Ungewissen (was kommen und/oder geschehen wird, wenn…)
  • usw.

Wenn du diese bei dir findest, ist es Zeit, deine Situation neu zu überdenken und für dich und deine Gesundheit im Referendariat einzugreifen. Doch auch um diese erst gar nicht aufkommen zu lassen, können dir einige meiner folgenden Strategien bzw. Einsichten helfen.

 

So wird aus etwas Stress ständige Angst im Referendariat

Müdigkeit, Erschöpfung und ständige Angst im ReferendariatPsychische Stressreaktionen sind zum Beispiel Ärger, Angst, Leistungsdruck, aber auch Freude und positive Überraschungen. Leider unterscheidet der Körper nicht zwischen positivem und negativem Stress. Was Stress triggert, sogenannte Stressoren, triggert demnach auch mittel- und langfristig Angst. Das hängt mit den Stresshormonen Kortisol (auch Cortisol), Kortison, Noradrenalin und Adrenalin zusammen. Wenn du einen Schreck bekommst, wird zuerst das sogenannte CRH (Corticotropin-Releasinghormon) ausgeschüttet, gefolgt von Kortisol und Kortison. Außerdem wird Nor- und Adrenalin innerhalb weniger Sekunden ausgeschüttet.

Die letzten beiden Hormone sind Nervenbotenstoffe und dienen der Energielieferung bei angsteinflößenden Situationen. Bei stressigen oder ängstlichen Situationen wird leider zuviel von beiden ausgeschüttet, um dich schnell zu mobilisieren und so der vermeintlichen Gefahr schnell entfliehen zu können. Die Bereitstellung der Energie liegt aber auf der körperlichen, nicht der geistigen Ebene, d. h. du kannst ungeahnte körperliche Kräfte mobilisieren, nicht aber besser oder schneller denken. Ganz im Gegenteil sogar: Die beiden Hormone blockieren dein Denken absichtlich.

Somit haben wir die Erklärung für Rede- und Prüfungsängste, aber auch alle anderen Situationen, in denen einen Bewertung stattfindet, die mit Stress und/oder Ängsten zu tun hat. Eigentlich baut sich Stress/Angst schnell auf und auch wieder ab, d. h. der Hormonspiegel sinkt ähnlich schnell wie er auch anstieg. Doch  bei bei langanhaltendem Stress und Angst kann nicht abgebaute Angst den Körper aus dem Gleichgewicht bringen. Bleiben die Hormone dauerhaft zu hoch, so können selbst die kleinsten Stress- und Angstumstände, die sonst keinerlei Angst auslösten, nun heftige Angstattacken und Panikattacken herbeiführen.

Genau das ist der Grund, weshalb es ratsam ist, vor und in Stress- und Angstsituationen BEWEGUNG einzuleiten oder zu SCHREIBEN.

 

Mach mal Platz, liebes Gehirn

Die Ursache, weshalb immer und überall Sport und Schreiben als befreiend und beruhigend genannt wird, ist die, dass dein Gehirn bei beiden Tätigkeiten gezwungen ist, Platz zu schaffen. Es muss sozusagen die ungebetenen Gäste auf den besten “Plätzen” hinauswerfen, um die Ressourcen für Bewegung und Psychohygiene frei zu machen. Studien zeigen, dass Schreiben selbst kurz vor Prüfungen, als auch in Panikattacken, kurzfristig zu Angstverminderung und damit zu Leistungssteigerung führt.

Als wirksame Methoden für Bewegung kann ich daher empfehlen:

  • Progressive Muskelrelaxation (Ein sehr gutes YouTube-Video mit Anleitung findest du hier.)
  • kurzfristige, schnelle körperliche Bewegungen (auf den Boden stapfen, Luftboxen, Arme um den Körper schlenkern lassen, auf der Stelle laufen, Sit-ups, Liegestütze, high intensive training)

Wenn deine Klasse allgemein unruhig ist und nur schwer auf den Stühlen sitzen bleiben kann, kannst du körperarbeitsorientierte Bewegungen UND gleichzeitige Verminderung deiner Angst kombinieren. Die Schüler/-innen werden danach ruhiger und konzentrierter arbeiten können und du bist gelassener und entspannter, angstfreier.

Fakt: Im Unterricht als Lehrer/-in bzw. Referendar/-in zu stehen statt zu sitzen, lässt dich angstfreier sein.

unzufriedene-maenner-in-beziehungen-gefangenInsofern es möglich ist, möchte ich dir das Angebot machen, immer drei bis sieben Minuten Bewegung zu Beginn der Unterrichtsstunde einzubauen. Die Schüler/-innen sitzen den ganzen Tag, haben kaum Bewegung und ihr Körper drängt darauf, dass sie ihre Energien ausbalancieren. Es entlastet das Gehirn, wenn du sie in Bewegung setzt. Und nein, das deutsche Stillsitzen-Prinzip ist nicht gut, es ist  neurowissenschaftlich betrachtet Mist. Lass sie hüpfen, ihre Arme hin- und herschlenkern, luftboxen (mit genug Abstand zu MItschüler/-innen), im Klassenzimmer im Kreis herumgehen, tief ein- und ausatmen (Stoßatmung), die Arme hinter den Rücken und über den Kopf dehnen, sodass Schulter- und Nackenbereich sowie Rückenmuskulatur ordentlich gedehnt werden. Dieselben Übungen rate ich auch dir, um kurze körperliche Entlastung in deinen stressigen Alltag einzubauen.

Als wirksame Methoden für Schreiben zeigt meine Erfahrung als Schreibtherapeutin, dass folgende am besten geeignet sind:

  • Führe tagebuchähnliche Notizen (handschriftlich!) vorher und/oder nachher, abends oder morgens auf dem Weg zur Schule:
    • “Ich habe Angst, dass ich die Schüler/-innen in der Stunde wieder nicht ruhig bekomme.”
    • “Ich habe echte Panik, dass ich wieder so stark von den Fach-, Studienseminar- und Schulleitern, Mentoren/Begleitern etc. in der Nachbesprechung kritisiert werde.”
    • “Ich kann die sowieso nicht leiden. Oder haben sie vielleicht recht?” Völlig egal, was dir in den Sinn kommt: Raus damit und das auf Papier.
  • Abends bzw. vor Stresssituationen mind. drei Aspekte deines Tages/jetzigen Lebens, für die du dankbar bist, aufschreiben (handschriftlich!!!)
  • Grundsätzlich ist es am produktivsten und stärksten entlastend, wenn am Abend bereits darüber nachgedacht wird (mit Entscheidung), was am kommenden Tag be- und abgearbeitet wird. Daran sollte sich dann auch gehalten werden. Eine kleine, festlegende Liste mit drei bis vier (!!!) Zielen für den kommenden Tag hilft dabei, lästige Gedanken abzuschalten.
  • Es empfiehlt sich vor allem, um deine Motivation und deine realistische Zukunft im Blick zu behalten, dich aus der gezwungenen und opferbedächtigen Situation mental zu befreien, wenn du täglich drei bis vier (!!!) Ziele für Grund, dein Ref zu bestehen, aufschreibst. Dazu kann man sich auch Gedanken darüber machen, wieso man den Beruf Lehrer gewählt hatte. Das beides in Verbindung hält Motivation und Tatkraft aufrecht.

Alle diese Methoden aus der Schreibtherapie eignen sich auch als erste Aufwärmübungen vor wichtigen Inhalten im Unterricht oder Klausuren. Es löst die Angst der Schüler/-innen und zeigt ihnen, dass dir ihr Wohl am Herzen liegt.

Dein inneres Kind hat ständig Angst im Referendariat, nicht du

das kind in uns hat ständige angst im referendariatWann Angst bei einem Menschen auftritt, ist immer abhängig von der jeweiligen Konstitution der Person, d. h. es spielt eine Rolle, wie du aufgewachsen bist, was du in deiner Kindheit als Schutzmechanismen gelernt hast, wie deine Bezugspersonen dir gegenüber waren und wie du daraus entstehend dein Leben aufgebaut hast. Es ist von Wichtigkeit, wie du heute lebst, wie stark deine sozialen Kontakte sind, wie wichtig oder unwichtig es ist, dass du ausgerechnet den Beruf Lehrer lernen willst, wie hoch deine Lösungskompetenz ist und vor allem, wie du mit Stress umgehst.

Angst wird oft ausgelöst, wenn wir in unberechenbare, ungewisse und ablehnende Situationen geraten. Sie wird ausgelöst, wenn unser Gehirn an frühere Situationen erinnert wird, die wir nicht mit unserem gewohnten Verhalten in Konflikten lösen können. Heute bist du – wie so viele Menschen – froh darüber, dass deine Kindheit aufgrund der negativen Aspekten vorbei ist und du dir nichts mehr sagen lassen musst. Deine Schüler/-innen warten sehnlichst auf diesen Moment in ihrem Leben. Wenn du sie verstehen lernen willst, lerne, dich zu verstehen, wie es dir damals ging. 

Ein Beispiel: Wenn du so aufgewachsen bist, dass du dich nur an die äußeren Umstände angepasst hat, weil du musstest, wenig Freiheiten hattest (aber deine Wünsche und Bedürfnisse durchaus wahrgenommen hast und sie kanntest), und dennoch tatest, was andere von dir wollten, dann könnte der rebellische Anteil in dir ständig Angst im Referendariat auslösen. Dieser rebellische Anteil ist das wütende Kind in dir, ähnlich einem Schüler, der nicht versteht, wieso er dieses Thema, das du so gewissenhaft vorbereitet hast, lernen und wissen soll. Ähnlich wie sture und unzugängliche, störende Schüler und Schülerinnen, hört der Anteil deines Kindes einfach weg, wenn der elterliche Teil in dir sagt: “Aber du musst das jetzt machen, sonst…!”

Mit denselben Lernerfahrungen in Bezug auf dein Verhalten, könnte dir dieselbe Situation im Referendariat leichter fallen als anderen. Voraussetzung hierfür ist, dass du diese bis heute nicht hinterfragst oder eigene Gedanken zu deinem Leben entwickelt hast. Wenn du diese aber hast (was wahrscheinlich ist), dann klaffen genau diese gegen die aufgezwungenen und nach Anpassung bettelnden Umstände.

Das angepasste Kind in dir weiß: Ich habe keine Wahl, sonst drohen Konsequenzen. (“Ich brauche Liebe und Harmonie, sonst ist mein Umfeld nicht zum Überleben gemacht. Damit gehe ich ebenso unter. Und ich bin abhängig vom Frieden, nur so bekomme ich, was ich brauche: Anerkennung.”)

angst-vor-der-angst-ueberwindenDas Erwachsenen-Ich weiß: Völlig egal, ich stehe das durch. Ich bin erwachsen und weiß meine Angst zu handhaben. Das sind die logischen Gedanken, die aufpoppen. (“Ich habe bislang alles geschafft, was ich schaffen wollte. Ich habe viele Erfolge aufzuweisen. Sie (die Leiter/-innen) meinen die Kritik nur gut. Die meisten verfolgen ein positives Ziel. Vielleicht habe ich sie falsch verstanden oder sie haben es nicht zielgerichtet genug ausgedrückt. Sie hatten es genauso schwer. Einige mögen absichtlich willkürlich handeln oder ihre Macht missbrauchen. Aber ich weiß, dass ich darüberstehen kann und darf. Ich vertraue mir. Was ich heute nicht weiß, kann ich morgen dazulernen. Die Schüler/-innen wollen genauso wenig lernen wie einige der Schüler/-innen, die ich aus meiner eigenen Schulzeit kenne.”)

Das freie Kind in dir weiß: Ich bin kein Kind mehr. (“Ich habe mein Studium erfolgreich abgeschlossen. Ich habe einiges in meinem Leben bewältigt. Ich dachte, wir wären durch mit dem “Du musst, du sollst, du darfst nicht!”. Ich darf heute alles. Ich bin wertvoll. Wieso seht ihr das nicht? Also was fällt euch eigentlich ein? Ich gebe mir hier so viel Mühe und ackere mich dumm und dämlich und ihr? Verhaltet euch so einseitig und undankbar, seid negativ, willkürlich, eigensinnig und kümmert euch nur um euch. Statt uns zu fördern oder mal in Ruhe zu lassen, haut ihr nur noch drauf.”)

Sich vor Augen zu halten, dass hier nicht der Erwachsene, sondern entweder das freie oder angepasste Kind (oft auch beide gleichzeitig) in dir rebelliert, kann viel erleichtern und für mehr Kritikfähigkeit sorgen. Denn das erwachsene Ich in dir weiß auch, dass es andere, bessere Wege gibt, mit Stress und Angst umzugehen. Es weiß, dass diese Situation neutral zu bewerten ist – und vorübergehen wird. Das Kind-Ich will nicht noch mehr Anpassung. Es leidet entweder wie ein Opfer einer Gewalttat (auch verbale Gewalt ist emotional schädlich) oder es reagiert mit heftigen Wut- und Panikausbrüchen.

 

Statt Psychopharmaka: Natürliche Mittel gegen Stress & Angst im Referendariat

antidepressiva-absetzen-wieEs ist aufgrund dummer und unüberlegter Beschlüsse Deutschlands schwer bis schädlich, sich wegen psychischer Probleme krankschreiben und/oder Psychopharmaka verschreiben zu lassen. Sonst droht der Ausschluss vom Beamtentum und es folgen erhebliche Lohn- und Anstellungseinbußen.

Es gibt zum Glück genug andere Gründe, weshalb du lieber andere, natürliche Mittel gegen Angst und Stress zurückgreifen solltest. Erstens sind Psychopharmaka nur gegen die Symptome. Sie machen aber nichts gegen deine Reaktionen auf Angst oder Stress und ändern auch nicht die Existenz der stressigen Situationen, die deine berufliche Zukunft als Lehrer/-in bereithalten wird. Sie unterdrücken lediglich neuronale Impulse und leiten sie um oder animieren die Ausschüttung von Glückshormonen anstatt Stresshormonen. Setzt du sie wieder ab, kommt auch deine Angst zurück.

Die heftigsten Symptome von Stress und nicht abgebauter Angst (hoher Blutdruck und Kreislauf- sowie Temperaturempfindlichkeit, Herzrasen, verspannte bzw. verkrampfte Muskulatur, geringes Lust- und Freudeempfinden, verminderte Verdauung) können auf einfache Weise ausgeschaltet werden. Es nutzt daher mehr, wenn du bereits jetzt mitten im Ref an deinen Reaktionen auf Stress arbeitest und dir homöopathische und natürliche Mittel als Unterstützung wählst. Diese sind:

1. Neurodoron® Tabetten von Weleda (in allen Apotheken erhältlich bzw. bestellbar)

Eine Mineralkomposition. Neurodoron® stärkt die Nerven bei Stress und Erschöpfung und stabilisiert das seelische und körperliche Gleichgewicht. Sie werden meist als Erstes von naturheilkundlich orientierten Ärzten verschrieben, wenn man Angst- und Paniksymptome aufweist. Man lutscht sie; sie sind geschmacksneutral. Es empfiehlt sich aufgrund des Preises gleich die 200 Stück-Packung für rund 20 Euro (und damit versandkostenfrei) zu kaufen. Die 80 Tabletten-Packung ist vergleichsweise mit rund 12-13 Euro + anfallendem Versand überteuert und schnell aufgebraucht.

Man nimmt 2-4x am Tag eine Tablette, in akuten Situationen bis zu zwei Wochen lang. Neurodoron® ist eine natürliche Hilfe an, die das Nerven- und Sinnessystem stabilisiert und so hilft, bei stressbedingten Angst- und Unruhezuständen, Kopfschmerzen und depressiven Verstimmungen wieder bei sich anzukommen. Diese  Neurodoron Tabletten in 200er Form sind u. a. am preisgünstigsten in der Onlineapotheke DocMorris erhältlich.

2. Chlorophyll, Antioxidantien und Vitamine gegen freie Radikale

mittel gegen angst und stress GerstengrassaftStress, aber auch zusätzlich belastende Lebensweisen wie Rauchen, Alkohol, kein Sport, viel Zucker, Kaffee usw. geben freien Radikalen das Go, Zellen ihre Energie zu rauben. Stattdessen brauchen diese aber Unterstützung, um die belastende Situation mit voller Wucht abprallen zu lassen und genug Energie zur Verfügung zu haben, um sich zu entspannen (auch dazu braucht man Kraftressourcen) und Schädliches abzuwehren. Wer es schnell und effektiv mag, der sollte auf Gerstengrassaft zurückgreifen. Dort ist alles enthalten, was gegen freie Radikale wirkt. Gerstengrassaft strotzt nur so vor Vitamin C, Vitamin B12 (!!!), Vitamin B1, Vitamin B2, Niacin sowie Pyridoxin. Besonders reich enthält es Mineralstoffe. Es finden sich Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium (!!!), Natrium, Phosphor, Zink (!!!), Schwefel und Kupfer in hohen Konzentrationen darin.

3. Entgiftung des Darms 

Während Gerstengrassaft aufbaut, entgiftet Bentonit, eine besonders gute Heilerde, den Darm. Der Darm registriert jeden Stress und funkt diesen an dein Gehirn zurück. Bentonit bindet negative Stoffe und sorgt für eine Ausleitung über den Stuhlgang. Daher empfiehlt es sich, Bentonit morgens und abends einzunehmen. So verhindert man zudem, dass der Magen-Darm übersäuert und durch den Stress Magen-Darm- und allgemeine Probleme hinsichtlich Nahrungsverträglichkeiten verursacht werden. Diese sind nicht immer nur platt Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen.

Eine Übersäuerung (allein durch Stress) kann sich bereits in Blähungen, plötzlichen Nahrungsunverträglichkeiten, verstärkten Allergien, Einschlafproblemen und häufiger Müdigkeit mit Erschöpfungssymptomen bemerkbar machen. Bentonit bindet die negativen Stoffe, während es die positiven erkennt und belässt. Es ist in Kapselform erhältlich und am preisgünstigsten bei Amazon erwerbbar, da der Versand entfällt. (Die Pulverform kann ich nicht empfehlen.)

4. Einfache Ernährung Ich zähle im Folgenden einfache Nahrungsmittel auf, die wissenschaftlich bewiesen zur Glücksnahrung zählen:

  • Nüsse, besonders Walnüsse und Cashewnüsse (!!!) sowie Mandeln
  • Weintrauben und Weintraubensaft (Ja, auch ein Glas Wein tut es, aber wer ein zweites trinkt, der hebt die entspannende Wirkung vom ersten wieder auf.)
  • rohe Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, Lauch
  • getrocḱnete Bananen (Die traditionelle chinesische Medizin rät sogar dazu, sie vor dem Schlafengehen zu essen. Sie enthalten sehr viel Magnesium und beruhigen den Geist. Frische Bananen enthalten genauso viel bzw. wenig Magnesium wie Avocados und Him- bzw. Brombeeren. Die Beeren hingegen enthalten wiederum sehr viel Flavonoide, die sich auch in Rotkohl und Äpfeln sowie Cranberries in hoher Dosis finden. Sie unterstützen den Körper im Kampf gegen freie Radikale, wirken antibakteriell und antiviral und fördern so die körpereigene Abwehr.)
  • Kamille und Roiboos-Tees (idealerweise doppelt dosiert, also am besten mind. zwei Teebeutel auf eine Tasse, um schnell Ruhe einzuleiten)
  • Zitrusfrüchte und frisch gepresste Säfte (nicht abends)
  • saftig rote Tomaten
  • Obst und Gemüse in frischer, nicht zerkochter Qualität
  • warme Mahlzeiten (mind. eine am Tag)

5. Mineralkomposita 

sundheitliche-strategien-und-wege-aus-der-angst-vor-der-angstEs gibt neben Neurodoron eine Komposition, die ich bis heute nehme: Schindeles Mineralien™. Sie sind ein Gesteinsmehl mit vielen Mineralstoffen und Spurenelementen, die in Zeiten hoher Stressbelastung und entsprechender Auswirkung auf den Körper gegenwirken. Die Notwendigkeit dieser Stoffe für die Erhaltung der Gesundheit wurde von der Wissenschaft vielfach nachgewiesen: Es handelt sich um Kieselsäure, Silizium, Magnesium (!!!), Eisen (!!!), Calzium, Kalium, Mangan, Natrium, Zink (!!!), Kupfer, Barium, Chrom, Nickel, Kobalt, Vanadium, Titan, Bor und Molybän.

Was durch die tägliche Einnahme des empfohlenen einen Löffels geschieht: Du wirst einen enormen Energieschub verspüren und Freude, die jedenfalls mir extrem positiv auffiel. Du wirst besser und tiefer schlafen und vor allem eine bessere Verträglichkeit von Stress spüren. Allein der hohe Eisen- und Zinkgehalt in dem Gesteinspulver sorgt dafür, dass Stress besser ausgehalten wird und Müdigkeit, Erschöpfung und depressive Verstimmungen verschwinden. (Achtung bei der Eisenspeicherkrankheit: Nicht nehmen.)

In Fällen von Schwangerschaft gilt es, sich vor Einnahme der natürlichen Mittel gegen Angst mit einem Arzt zu besprechen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Artikel weiterhelfen und freue mich über deinen Kommentar, Like oder Share.

Mit den besten Grüßen,
Janett Menzel

ICH, DER PRÜFER: Interview mit einem Prüfer über Prüfungs- & Bewertungsangst

ICH, DER PRÜFER: Interview mit einem Prüfer über Prüfungs- & Bewertungsangst

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Einer meiner Berliner Kollegen, Michèl Süßmilch, Psychologe, Dozent und Pädagoge, war so nett und stand mir Rede und Antwort zum Thema Prüfungsangst und wie eigentlich der Prüfer seine Prüflinge sieht. Eine wirklich spannende und ermutigende Einsicht!

Janett Menzel: Hallo Herr Süßmilch. Schön, dass Sie Zeit finden, mir Fragen zum Thema Prüfungsangst aus der Sicht eines Pädagogen und Dozenten zu beantworten. Würden Sie kurz etwas zu Ihrer Person erzählen, damit meine Leser Sie besser kennenlernen können?

Michèl Süßmilch: Ich versuche es kurz zu machen. Nach meinem Abi habe ich eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und nach zwei weiteren Jahren im Job, angefangen Psychologie zu studieren. Meine Schwerpunkte waren Pädagogische und Arbeits-und Organisationspsychologie. In beiden Bereichen bin ich aktuell tätig; als Dozent in verschiedenen Kontexten und Dozentenausbilder.

Janett Menzel: Hat sich Ihr Bild eines Lehrers/Dozenten/Prüfers seit Ihrer eigenen Schulzeit verändert?

Michèl Süßmilch: Oh ja, ungemein – zumindest das Bild eines idealen Lehrers/Dozenten. Ich habe so viele schlechte Erfahrungen machen müssen und leider nur wenig gute. Der „gute Dozent/Lehrer“ geht auf seine Schüler/Studenten/Teilnehmer ein und versucht ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen(, d.h. er hat ein Ohr für sie). Er transportiert wichtige Lernziele und –inhalte, gibt aber Freiräume für eine eigene, möglichst praxisnahe, Entfaltung.

Janett Menzel: Hatten Sie auch schon Prüfungsangst?

Michèl Süßmilch: Das ist schwierig. Für mich ist es ein fließender Übergang von „aufgeregt sein“ bis zur Angst. Die Ebene sehr starker körperlicher Erregung, teilweise auch mit Vermeidungstendenzen, kenne ich sehr gut. Das war damals in mündlichen Prüfungen oder aktuell, in neuen Situationen, in denen ich vor vielen bzw. „wichtigen“ Personen spreche, so.

Janett Menzel: Wie fühlt man sich als Dozent und Prüfer? Fühlt man sich so erhaben, wie Schüler/-innen und Student/-innen sich das immer vorstellen?

Michèl Süßmilch: Gar nicht! Schließlich geht es nicht darum, „jemanden eins auszuwischen“. Es geht darum zu erkennen, was wir – im besten Fall gemeinsam – an Wissen und Kompetenzen erarbeitet haben.

Janett Menzel: Wie empfinden Sie Prüfungen aus der Sicht eines Prüfers? Wie gehen Sie an bevorstehende Prüfungen heran, in denen Sie als Prüfer verantwortlich sind?

Michèl Süßmilch: Ich versuche von Anfang an Sicherheit zu geben. Inhaltlich bedeutet das Transparenz in den Lern-/Kompetenz- und Prüfungszielen geben. Auf der persönlichen Ebene versuche ich zu vermitteln, dass wir uns für die Inhalte Zeit nehmen, dass wir gemeinsam durch die Veranstaltung gehen und dass IMMER Platz für Fragen ist, egal ob in der Gruppe oder unter vier Augen. In den Prüfungen, gerade in mündlichen, versuche ich Ruhe auszustrahlen und ein freundliches Miteinander herzustellen.

Janett Menzel: Fällt Ihnen Prüfungsangst häufig auf? Wie hoch ist der Anteil der prüfungsängstlichen Studenten? Können Sie eine grobe Einschätzung abgeben?

Michèl Süßmilch: Extreme Prüfungsangst fällt nicht direkt auf, wie oben bereits erwähnt sind Prüflinge immer etwas, manchmal auch stärker aufgeregt – das ist doch absolut normal, es geht hier schließlich um eine Bewertung der eigenen Leistung. Extreme Aufregung (z. B. starkes Zittern) kommt weniger vor, vermutlich verschieben stark prüfungsängstliche Studenten/Teilnehmer eher die Prüfung. Das sind vielleicht insgesamt 10% – so ins Blaue geschätzt…

Janett Menzel: Können Sie sich an eine oder mehrere Prüfungen erinnern, in dem die klassischen Symptome von Prüfungsangst bis hin zum bekannten und gefürchteten <<black out>> auftauchten?

Michèl Süßmilch: Ehrlich gesagt, nein. Starke Aufregung ja, d. h. schnelles Sprechen bzw. sich verhaspeln oder Hautrötungen.

Janett Menzel: Wie haben Sie sich als Prüfer verhalten? Waren Sie eher ruhig und distanziert oder fühlten Sie sich mit belastet und haben mitgefühlt?

Michèl Süßmilch: Bei starker Aufregung versuche ich Ruhe zu vermitteln und kommuniziere, dass wir hier gemeinsam durchgehen. Ich gebe (glaube ich zumindest) stärkeres nonverbales positives Feedback. Ruhig sein bedeutet für mich nicht automatisch, ich fühle nicht mit, das ist nämlich der Fall, belastend wirken diese Situationen allerdings nicht.

Janett Menzel: Prüfungsängstliche Menschen, die ja häufig auch unter Vorträgen oder Präsentationen mit ähnlichen Symptomen leiden, verfangen sich oft in dem Gedanken, dass Prüfer es schlecht mit ihnen meinen, sie die Erwartungen enttäuschen werden, sie folglich belächelt und verspottet werden, wenn sie einen oder mehrere Fehler machen oder schlichtweg die Antwort auf eine Frage nicht wissen. Ich selbst habe solche Erfahrungen in meiner Schul- und Studienzeit gemacht. Es scheint auch in meinen Augen Pädagogen zu geben, die sich pädagogisch sehr wertlos verhalten. Kennen Sie solche auch und wenn ja, was meinen Sie, woher die schlechte Intention oder Interpretation einer schlechten Leistung kommt?

Michèl Süßmilch: Oh ja, in meiner Schulzeit habe ich einige solcher Lehrer kennengelernt. Vermutlich kommt bei diesen Personen die Betrachtung der Komponente Mensch zu kurz – vielleicht fehlt es an Empathie. Der Fokus liegt dann nur auf der Leistungsebene und einem richtig-oder-falsch-Denken. Ich könnte mir ebenfalls vorstellen, dass Prüfungen – nicht immer bewusst – als Instrumentarien genutzt werden, sich bei Schülern/Studenten/Teilnehmender zu revanchieren. Dies spiegelt vermutlich die Überforderung in der Lehrsituation wider und „hilft“ dem Dozenten/Lehrer, seinen Autoritätsstatus wieder herzustellen. Diese Machtspiele sind äußerst unprofessionell. Das Problem müsste aber bereits in der vorherigen Lehr-Lern-Interaktion, mit der Frage „Wie erreiche ich meine Teilnehmer/Schüler/Studenten“, aufgegriffen werden.

Janett Menzel: In der Schule und auch im Elternhaus spielt die Erzeugung von Angst eine große Rolle für den Aufbau von Motivation und der Erziehung bestimmter, erwünschter sozialer Werte und Verhaltensweisen. Mir scheint, als würde das Spiel mit der Angst mitunter etwas zu weit gehen, wenn ich an meine eigene Schulzeit und mein Studium denke. Wie stehen Sie zum Umgang mit Angst als Erziehungsinstrument, welches oft mit Rüge und Ausschluss, ja Abwertung der Person, als Strafe für ihre Vergehen, ihr Fehlverhalten, ihre Fehler einhergeht?

Michèl Süßmilch: Gezielter Angsteinsatz – z. B. in Form von verbalen Misshandlungen, Drohung, Abwertungen, etc. – als Erziehungsinstrument halte ich für absolut verfehlt. In jeder Form der Bestrafung liegt Angst inne, auch in dem noch so kleinsten „Schimpfen“. Ich selber habe einen kleinen Sohn und kann sagen, dass sich das im Alltag nicht immer komplett vermeiden lässt – besonders im Erlernen von Grenzen. D. h. Ausprobieren und die Welt entdecken ja, Regeln einhalten aber auch – und das ist manchmal ein schwieriges Unterfangen. Ich halte es für wichtig, dem Kleinen zu vermitteln, dass er nicht generell bestraft wird, sondern dass es um ein bestimmtes Verhalten geht. Zum Bespiel kann ich „das Verbot“ erklären.

Janett Menzel: Genauso wie Lehrer und Dozenten dies könnten… In den vergangenen Monaten gab es in den Medien viele lautstarke Meldungen zu Depressionen und Angststörungen, die sich unter den Lernenden Deutschlands breit machen, besonders unter Referendaren und Lehramtsanwärtern. Verantwortlich gemacht wird immer jemand anderes, manchmal die “Geprüften”, oft auch das Schul- und Universitätssystem mit seinen vielen Überforderungen und einem schon fast vorprogrammierten Versagen. Wie stehen Sie dazu? Überfordert Deutschland seine Schüler/-innen und Student/-innen und Referendare?

Michèl Süßmilch: Absolut! Der Druck, der durch die Reformen des Bolognaprozesses aufgebaut wird, ist enorm. Studenten versuchen alles, um einen guten Bachelor zu erhalten, nur damit sie dann einen passenden Masterplatz erhalten.  Dieser starke Notendruck bzw. -fokus verhindert die (selbstgesteuerte) Kompetenzentwicklung ungemein.

Janett Menzel: Was würden Sie jedem prüfungsängstlichen Menschen raten?

Michèl Süßmilch: Suchen Sie sich Unterstützung, nutzen Sie Angebote – beispielsweise wie das von Ihnen Frau Menzel. Es gibt viele Möglichkeiten, aus Ihrer Angst herauszukommen – auch wenn Sie das für sich gerade nicht sehen. Aufgrund der vielfältigen Ansätze gibt es für jeden passende Verfahren – bis jetzt wurde mir von Betroffenen nur Positives berichtet…

Janett Menzel: Sie sind selbst Vater. Wenn Sie merken würden, dass Ihr Sohn in der Schule von Prüfungsängsten geplagt wäre, was würden Sie unternehmen? Was können Sie Eltern von schul- und prüfungsängstlichen Kindern und Jugendlichen raten?

Michèl Süßmilch: Bis zur Schule hat er ja noch etwas. Ich hoffe, bis dahin habe ich ihm beibringen können, sich nicht komplett über Leistung zu identifizieren, eigene Fehler auch mit Humor zu nehmen und als Entwicklungsmöglichkeit zu sehen. Sollte er Prüfungsangst haben, würde ich gemeinsam mit ihm überlegen, was passende Strategien sind, welche weiteren Unterstützungsangebote für ihn in Frage kommen. Ich würde ihm aufzeigen, dass es sich um normales und verständliches Verhalten handelt, um so keinen weiteren Druck aufzubauen.

Janett Menzel: Danke für Ihre Zeit!

Fehler zu machen heißt nicht, ein Fehler zu sein

Fehler zu machen heißt nicht, ein Fehler zu sein

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In diesem Blogpost geht es um weit mehr als Schule, Uni oder Prüfungen in Verbindung mit Angst. Es geht um Fehler, die man für’s Leben lernt und ab dann versucht, für immer zu vermeiden. Kleinere Situationen, die einem wie eine Prüfung erscheinen, rufen die alten Erlebnisse wieder ab und lösen Angst aus. Dabei heißt Prüfungsangst per Definition:

eine Angst vor der Bewertung der persönlichen Leistungsfähigkeit, die den Betroffenen daran hindern kann, sein Wissen und/oder Können bei einer Prüfung unter Beweis zu stellen. (Wikipedia)

Ich meine diese Momente, in denen man gesagt bekam, dass eine Leistung nicht ausreichte oder die Augenblicke, in denen man wegen drohendem Negativerlebnis aus Angst noch mehr tat, um ein positives Ergebnis zu erreichen. Angst kann ja auch anspornen. Was ich bei mir nicht immer feststellen konnte. Ich sitze seit Monaten vor beendeten Modulen meines (Fern)Aufbaustudiums, die ich mal eben wegschicken könnte, aber doch nicht mache, weil ich ja noch etwas ändern wollen könnte. Morgen. Übermorgen. Nach dem 17. Modul, in dem noch dieser eine Aspekt, von dem ich gerade zu wenig weiß, um einschätzen zu können, ob er wichtig ist, behandelt wird.

Perfektion ist eine Miststück.

Ich stelle also fest, und vielleicht geht es dir auch so, dass Perfektion nicht nur eine Angst vor der Bewertung meiner Leistung ist, von Außen kommend, sondern vor allem noch fataler – aus meinem Inneren heraus – handelt. In mir gibt es jedenfalls die Stimme, die da meint:

Hey, du kannst das besser! Kommenden Mittwoch fällt dir noch etwas Besseres ein, dass du zu dieser Aufgabe schreiben kannst.

Die strenge Mutter hinter einem, der scharfe, urteilende Richter (oder Richterin?) ist seit unserer Schulzeit lautstark dabei, wenn es um Angst in Verbindung mit Motivation, Lernen, Erfolg und Beruf geht. Auch im Privatleben hetzt sie uns unaufhaltsam und erwartet beinahe Unschaffbares von uns. Perfekt muss es sein. Besser als alles andere. Und wir besser als alle anderen, was am besten gelingt und auffällt, wenn man keine, also wirklich absolut keine, Fehler begeht oder sie einem versehentlich, unwissentlich unterlaufen. Kommt dir das bekannt vor?

Da ich natürlich weiß, wie Ängste funktionieren und operieren, wird mir schnell klar, wenn das Monster „Perfektion“ mit mir auf dem Sofa sitzt. Während ich schon auf dem Weg zu meinem Bücherregal mit der Abteilung Psychologie bin, um nach einem geeigneten Buch zum Thema Versagensangst zu suchen, fällt mir etwas Gutes ein, das euch vielleicht auch helfen kann, wenn ihr euch das nächste Mal übertreffen wollt: sich erinnern.

Schuld war die Schule

Ich denke also an mein 1. Scheitern zurück. Irgendwann in der Schule. Es war die 5. Klasse und wie jedes Jahr im Deutschunterricht hatten wir einen Vorlesewettbewerb. Im ersten Durchlauf gewann ich. Ich hatte eine Passage aus „Jadie – Das Mädchen, das nicht sprechen wollte“ vorgelesen. Im kommenden Schuljahr stand ich dann wieder vor der gesamten Klasse und las etwas aus dem Buch „Wenn ihr mich doch hören könntet“ vor. Und verlor. Um genau zu sein verlor ich nicht nur den Wettbewerb, nein. Ich verlor auch das Ansehen meiner damaligen Deutschlehrerin und die wiederum sogar ihre Hoffnung in mich. Sie war ziemlich enttäuscht von mir, immerhin hatte sie sich – wie ich – in der Sicherheit gewogen, dass ich es wieder richtig toll mache und das war auch so von mir geplant. Aber mit der Selbstsicherheit einer Sechstklässlerin hatte ich vergessen, mich auf die teils sehr schwierigen Wörter vorzubereiten. Also kurzum: Sie schaute mich bestürzt an und drückte ihre Enttäuschung über meine miserable Leistung aus. Das wirkte nach. Als mir klar wurde, was sie da gemacht hatte, war ich enttäuscht. Als Lehrer hat man nicht zu beurteilen, nicht zu stigmatisieren. Man hat den Schüler zu sehen und das mit all seinen Stärken – und ja –  auch Schwächen.

Foto: edutopia

Foto: edutopia

Heute weiß ich, dass meine Lehrerin einen Fehler gemacht hat, nicht ich. Ich kann aber einen Aspekt daraus ziehen, was für alle Personen, die sich in Bewertungs- oder Lernsituationen befinden, wichtig sein könnte:

Fazit 1: Fehler zu machen heißt nicht, ein Fehler zu sein. Wenn man irgendwo nicht die Leistung erbringt, die man sich gewünscht hättet, dann eben beim nächsten Mal. Oder in einem anderen Gebiet. Denn unbedingt GUT oder der/die Beste sein zu wollen, nur für die Anerkennung anderer Menschen, bringt tagein, tagaus einen neuen, anstrengenden Kampf, den man selbst anzettelt. Dieser Mensch, dessen Anerkennung man will, ist vielleicht für ein paar Jahre oder gar nur Monate in unserem Leben. Was wir schaffen, schaffen wir für uns selbst.

Da klingt wie Küchenpsychologie und ist gut gesagt, ich weiß. Immerhin bekomme ich meine Aufgaben noch immer nicht weggeschickt.

Also denke ich weiter nach und siehe da: Ein zweites Ereignis, an das ich mich schmerzhaft erinnere, kommt aus dem Englischunterricht. Thema: however, whatever, anyway, somehow… Ich dachte zum damaligen Zeitpunkt platt, es sei die pure Übersetzung. War natürlich falsch. Wieso unterlief mir dieser Fehler? Weil ich dachte, ich wüsste es und könnte es, obwohl ich mich in Wahrheit nicht vorbereitet hatte. Ich hatte zu sehr darauf vertraut, dass das einfach ist und eine Nachbereitung nur meine Aufmerksamkeit verschwenden würde.

Fazit 2: Sich trotzdem den gesamten Lernstoff – auch den unbewusst Gewussten – anzusehen, kann durchaus Sinn machen, wenn er lange zurückliegt oder aber nur am Rande von euch behandelt wurde.

Eine Gemeinsamkeit meiner beiden Erlebnisse wog aber wohl mehr: Die Lehrerinnen rief jeden einzeln auf. Wir mussten dann aufstehen und ad hoc reagieren. Bloß nicht signalisieren, dass wir bei dem einen oder anderen Wort nachdenken müssen und all das Wissen in unseren Köpfen durchforsten möchten, in Ruhe, bevor wir eine notenausschlaggebende Antwort murmeln. Wer also einen Fehler machte oder zu lange nachdachte, der wurde schon genervt und hastig mit grimmigen Blicken aufgefordert, trotzdem zu antworten, auch wenn man noch nicht soweit war. Auch angeschaut zu werden, während man denkt, kann für viele Menschen knifflig sein. Sie fühlen sich beobachtet und unter Druck gesetzt. Völlig verständlich. Ein Klassiker aus dem Prüfungsangst-Coaching kann da weiterhelfen:

Die Wahrheit sagen

„Würden Sie die Frage nochmal wiederholen?“
„Verstehe ich Sie richtig…?“
„Hmh, ich verstehe, worauf Sie hinauswollen. Lassen Sie mich kurz nachdenken….die richtigen Zusammenhänge finden….überlegen, wie ich Ihnen eine angemessene Antwort auf Ihre Frage geben kann.“

Oder so:

„Tut mir leid. Ich hatte mich auf dieses Thema natürlich vorbereitet, bin aber noch etwas abgelenkt von der letzten Frage. Kann ich Ihnen die Antwort später geben und nochmal in Ruhe über die Fakten nachdenken und erst einmal eine andere Fragestellung bearbeiten?“

Fazit 3: Ihr habt Zeit. Sie gehört euch. Wenn es sich natürlich um „Sie haben 20 Sekunden pro Antwort“-Fragen handelt, dann stellt euer Gehirn bereits zwei Wochen im Vorfeld darauf ein, sich an „schnell antworten“ zu gewöhnen. Das erleichtert es eurem Gehirn, weil es bereits „bereit“ ist.

Fazit 4: Einfach mal nur an EUCH denken, nicht an die Bewertenden oder was wohl die Familie dazu sagen wird, die sich so gern eine 1 wünscht. Denkt auch nicht an ein mögliches Versagen. Sondern daran, dass ihr euch die weltbeste Mühe geben werdet, um es zu schaffen, weil ihr es wollt. Ohne, dass ihr euch von jemandem drängen lasst.

Zwei letzte Tipps im Speziellen:

Erstens: Studien haben gezeigt, dass es hilft, Sorgen und Ängste aufzuschreiben – vor Prüfungen und Tests, mündlichen Leistungskontrollen und Vorträgen/Reden etc. kurz vor dem Termin aufzuschreiben.

Zum Zweiten: Hört Klassik vor der Prüfung, wenn ihr nicht argumentieren oder schriftliche Ausarbeiten leisten müsst, sondern Multiple Choice oder Aufsatz-ferne Aufgaben (auch Übersetzungen oder Rechnungen z. B.) im Mittelpunkt stehen. Seht euch eine Talkshow an, wenn ihr in eine mündliche Prüfung oder eben argumentieren müsst, schriftlich. Das Gehirn wird entsprechend in die eine oder eben andere Richtung angeregt. Es passt sich an. Ich werde ab sofort Music to study hören…

…und hoffe, dass ihr in euch hineinhört.