Du bist selbstständig oder willst dich selbstständig machen, aber hast Angst? Tipps aus 1. Hand

Du bist selbstständig oder willst dich selbstständig machen, aber hast Angst? Tipps aus 1. Hand

Der Traum vom eigenen Unternehmen ist für viele ein schöner. Doch: Träume scheitern meist, weil sie keine tragfähige Grundlage haben. Deine Selbstständigkeit braucht nicht nur eine solide Basis (Idee, Umsetzung, Umsatz/Gewinn). Auch dein Umgang mit Ängsten und Stress während der Unternehmensgründung, darf sich ändern. Niemand sollte einen Burnout oder Panikattacken riskieren müssen. Eines habe ich aus vier Jahren Selbstständigkeit gelernt: Angst – besonders in der Anfangszeit oder in Krisenzeiten wie Corona – kann immer hochkommen, sei es, dass die Umsätze/Gewinne nicht ausreichen, du Stress wegen vieler Überstunden hast oder du nicht die Kunden gewinnst, die du dir wünschst. Die Angst zu scheitern ist wahrscheinlich die wichtigste, neben der Angst, nicht gut oder genug zu sein, aufgeben und zurück in eine Festanstellung zu müssen (versagt zu haben) und vieles mehr.

Ich habe teils Wochen nur vier, fünf Stunden pro Nacht geschlafen, als ich meine Selbstständigkeit aufbaute. Ich verdiene bis heute keine Millionen pro Jahr, aber ich bereue keine Sekunde meiner Mühen. Ich hatte zum Glück genug Erfahrung mit meinen Ängsten, um zu wissen, wie ich durchhalte. Weil Menschen diese fehlen, geben viele zwischendrin auf oder fangen – wegen ihrer Angst – gar nicht erst an.

Lass mich dir mit einigen Tipps helfen: falls du Angst hast, dich selbstständig zu machen, (Teil 1) oder bereits selbstständig bist und Angstzustände erlebst (Teil 2).

Hast du Angst, dich selbstständig zu machen?

angst dich selbstständig zu machen

Ein Weg, der mir half, meine Selbstständigkeit vorzubereiten und durchweg sicher zu fühlen, war Fakten von Meinungen und Gefühlen zu trennen – Fakten rund um deine Geschäftsidee, Schwarz auf Weiß. Der Weg zur Selbständigkeit ist zwar so individuell wie die Idee dazu. Doch der erste und gleichzeitig auch wichtigste Schritt zu einer erfolgreichen Unternehmensgründung ist und bleibt das Erstellen eines detaillierten Businessplans – deine Fakten. Ist dieser akkurat und detailliert genug, kann er dir helfen, dich in Zeiten von Angst zurückzubesinnen.

Ein Business Plan besteht aus vier Teilen:

  1. Es wird eine Strategie festgelegt. Wie soll die Geschäftsidee funktionieren?
  2. Die Zielgruppe wird definiert. An welche Personen richtet sich die Geschäftsidee? Wie sind die gestrickt? Wie viel Kaufpotenzial schlummert dort? Würden sie Geld ausgeben? usw.
  3. Die „SWOT-Analyse” wird durchgeführt. Wo liegen die Chancen und Risiken der Unternehmung und in welchem Verhältnis stehen sie? Wie steht es um die Wettbewerber? Ist deine Idee konkurrenzfähig (einige sind es, andere nicht – brauchen nur hier und da kleinere Änderungen, um es zu werden)?
  4. Der entscheidende Teil ist der finanzielle Teil. Lohnt sich die Geschäftsidee finanziell und kann mit dieser Gewinn erwirtschaftet werden?

Diese solide Basis – Fakten – MUSS stimmen. Wenn der Plan noch unausgereift oder zu wackelig ist, dann hat deine Angst vor einer Selbstständigkeit sehr wahrscheinlich ihre Berechtigung. Angst ist nicht stets schlecht – sie soll uns warnen, manchmal berechtigt, häufiger unberechtigt. Es gibt zum Glück verschiedene Situationen, aus denen heraus du dich selbstständig machen kannst. Es ist unnötig, deinen Traum gleich über Bord zu werfen, nur weil eine Selbstständigkeit/Unternehmensgründung im Moment noch eher wackelig ist.

Selbstständig machen aus bestehender Beschäftigung

Die bestehende Beschäftigung mag viel Zeit einnehmen oder es fällt dir schwer, dich währenddessen mit der eigenen Geschäftsidee auseinanderzusetzen. Doch bei einem Scheitern des Unternehmens hättest du sowohl das eingesetzte Kapital, als auch den alten Job verloren. Man kann es auch positiv sehen (so habe ich es gemacht) und sich solange Zeit nehmen, bis die Basis stimmt und deine Fakten dich beruhigen. Bis dahin bist du existenziell sicher, kannst vielleicht sogar noch Geld durch dein festes Einkommen sparen, was du wiederum in deine Idee investieren kannst. Ich habe mir damals ein Jahr Zeit gegeben, währenddessen Geld gespart und dann gekündigt.

Nebenberufliche Selbstständigkeit

selbstständigkeit angstfrei planen

Währenddessen war ich nebenberuflich selbstständig. Man kann dadurch erste Erfahrungen in der Selbstständigkeit sammeln und lernen, wie man agieren muss, aber auch bereits seine KundInnen und/oder Auftraggeber kennenlernen/akquirieren. Der Vorteil ist, dass man seinen Job (noch) nicht aufgeben muss und man noch mehr Geld für seinen Traum verdienen kann. Außerdem kannst du deine Geschäftsidee testen, bevor du dich komplett selbstständig macht. Aber Achtung: Wenn man nebenberuflich selbstständig ist, muss dies dem Arbeitgeber mitgeteilt werden. Du benötigst eine Erlaubnis und musst glaubhaft machen, dass es deine eigentliche Arbeit nicht einschränkt und du genug Ressourcen (Kraft, Zeit) hast, um deinem festen Job weiterhin zu 100 Prozent nachzukommen.

P. S. Ideal ist es, wenn du vor der Unternehmensgründung schon über Branchenkenntnisse verfügst.

Gründung aus dem Studium/nach der Uni

Universitäten stellen für Absolventen das EXIST-Gründerstipendium zu Verfügung. Dabei werden vielversprechende Start-Ups mit hohen Zuschüssen gefördert. Außerdem gibt es bereits während des Studiums zahlreiche Netzwerke, in denen man potenzielle Investoren finden kann.

Selbstständig machen aus der Arbeitslosigkeit

Arbeitssuchende, die Arbeitslosengeld I erhalten, können einen Gründungszuschuss (sechs Monate Unterstützung + neun weitere bei Nachweis des anrollenden Erfolgs) beantragen. Dies ist ein nicht rückzahlpflichtiger Zuschuss für Unternehmensgründer ohne Startkapital. Auf den Gründungszuschuss besteht kein rechtlicher Anspruch. Die Unternehmensidee wird geprüft und nach der Qualität der Idee (Businessplan & mindestens Liquiditätsplan) wird entschieden, ob man einen Gründungszuschuss erhält. Bei mir lief das ganz easy und klappte schon beim ersten Versuch.

Was du für eine erfolgreiche Selbstständigkeit brauchst: Kompetenzen & Bereitschaft, an deinen Aufgaben zu wachsen

an seinen aufgaben wachsen

Wichtig ist es, dass man eigene Ideen hat und einfallsreich Herausforderungen lösen kann (Problemlösungen). Es ist hilfreich, ein Visionär zu sein (Geduld, Durchhaltevermögen und Weitsicht). Die Geschäftsidee sollte so überzeugend sein, dass du auch in Krisenzeiten nicht an ihr oder dir zweifelst (Klarheit & Tragfähigkeit). Besonders erfolgreiche Geschäftsideen sind meistens außergewöhnlich und werden vor ihrer erfolgreichen Umsetzung kritisiert (Kritikfähigkeit). Die eigene Person und die Geschäftsidee sollten gut verkauft werden können (Offenheit & Präsenz bzw. keine Angst vor Kontakt und Ablehnung). Außerdem wird es vor allem in der Anfangszeit keinen Platz für Freizeit geben. Es muss in dieser Zeit damit gerechnet werden, dass private Interessen zweitrangig sind: für Beziehungen bedeutet das, dass du eine klare Kommunikation brauchst. Die Geschäftsidee sollte die eigene Person mit Leidenschaft erfüllen. Nur so kann man sich jeden Tag aufs Neue motivieren (Motivation, Flow, Selbstdisziplin). Dann fühlt sich der Stress des Aufbaus positiv an, weil er es ist.

Risiken und Chancen müssen gut eingeschätzt werden. Trotzdem darf man als Unternehmer nicht risikoscheu sein. Das bedeutet übersetzt: risikobereit sein, aber einen Blick für die Umsetzbarkeit beibehalten, bei finanziellen Investitionen so genau abwägen wie bei Kooperationen. Lerne den Umgang mit Geld auf allen Ebenen: Ein guter Unternehmenschef sollte auch ein guter Kaufmann sein. Vor allem die Buchführung kann nicht ohne Vorkenntnisse bewältigt werden. Außerdem kann man mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen den Betriebserfolg viel besser planen.

Sobald man Mitarbeiter hat, braucht es Führungsqualitäten und die Fähigkeit, Arbeit zu delegieren. Als Chef gibt man die ausführende Arbeit ab und versucht das Unternehmen durch strategische Entscheidungen nach vorne zu bringen (Vertrauen in andere). Die Arbeit im täglichen Geschäft müssen die Angestellten übernehmen. Das benötigt soziale Kompetenzen und positive Energie, um die Motivation der Mitarbeiter hochzuhalten.

Du brauchst vor allem Kontakte und Netzwerke, um die Unternehmensidee voranzutreiben, dich zu vermarkten und dich persönlich oben zu halten. Vermarktung ist heute das A und O (und es geht auch ohne Videos, Webinare etc.). Ich habe das auch nie gemacht und komme gut zurecht mit meinen Strategien. Jedoch ist es immer stückweit von der Branche abhängig. Als Coach in welchem Bereich auch immer solltest du dich zum Beispiel bereit fühlen, dich zu zeigen. Als Schriftsteller/*in muss das nicht sein.

In jedem Falle gehört zur Unternehmensgründung/Selbstständigkeit immer die Fähigkeit und Bereitschaft, zu wachsen und sich zu entwickeln. Auf die eine oder andere wird man sich die obigen Kompetenzen aneignen müssen oder jemanden engagieren müssen, der einige Parts übernimmt.

Was tun, wenn die Angst kommt – und bleibt

angstzustände panikattacken in selbstständigkeit

Während der Selbstständigkeit und besonders zu Beginn kann vieles drunter und drüber gehen. Von normalem Stress, wenig Freizeit, wenig Zeit für den Partner oder die Familie und Freunde, wenig Sport und schnelles Essen zwischendrin bis hin zu drastischen Symptomen. Sei es, dass dich

  • Versagensangst
  • Angst vor Wettbewerb/Marketing – dich zu zeigen
  • Angst vor Armut/Verlust
  • Angst, nicht zu genügen
  • Stress und depressive Episoden/Abgeschlagenheit/Schlafmangel usw.
  • Angstzustände wegen der Überforderung

erwischen: Es gibt einige Wege, wie du dich motivieren kannst, an dich zu glauben. In meinen Augen geht der Weg da über Vertrauen, Strategie/Planung und Fakten, Fakten, Fakten. Hier meine Tipps, die ich im Laufe der letzten Jahre für mich gesammelt habe:

  1. Dein Business Plan soll nicht nur die Agentur für Arbeit oder Kreditinstitute überzeugen, sondern auch dich. Darin stehen deine Pläne, deine Wettbewerber und deine Liquiditätsplanung. Hol ihn raus, wann immer du es brauchst. Pläne lassen sich umsetzen – oder ggf. abändern.
  2. Mach dir bewusst, dass Angst ein Warnsignal ist und dir helfen will. Sie regt dich an, wenn du es ihr erlaubst. Sie lähmt dich, wenn du sie nicht zu interpretieren weißt. Meine Angst springt noch heute an, wenn ich einige Umsätze auf Kanal 1, 2, 3, 4 … heruntergehen sehe. Also plane ich Änderungen oder neue Angebote auf diesem Kanal mit ein.
  3. Jedes Buch zu “Finanziellem Erfolg” erklärt dir eins – und es funktioniert auch bei mir: Hab mehrere Einnahmequellen, Kanäle, über die du Umsätze generierst. Es gibt Sommerlöcher und COVID und Feiertage, die sich allesamt positiv oder negativ auf deine Einnahmen auswirken werden. Am besten ist man darauf vorbereitet, wenn man mehrere Kanäle für dich eröffnet. Es schenkt Sicherheit.
  4. Funktioniert ein Weg nicht, versuch einen anderen. Probiere alles das aus, was du bislang noch NICHT getan hast. Es sind meistens diese Wege, die zu Erfolg führen. Hast du bisher nur geschrieben, nimm ein Video für deine Kunden auf. Hast du bisher nur einmal in der Woche etwas auf Social Media Kanäle gepostet, poste häufiger … usw.
  5. Frage Freude, Bekannte, ehemalige Kollegen um Rat, was sie tun würden oder wie dein Produkt für sie ansprechender wäre. Lass es sie testen, lesen, sich ansehen und dir sagen, wie es bei ihnen ankommt. Nimm die Kritik wohlwollend auf, sie kann dich nur verbessern.
  6. Vernetze dich mit Kolleginnen und Kollegen oder Berufsnetzwerken, die potenzielle Kundschaft bieten.
  7. Pausen und Erholung sind wichtig für deine Kreativität. Bist du gestresst, wirst du nicht kreativ sein. Das ist ein neurologisches Gesetz. Plane sie in deinen Arbeitsalltag ein wie auch deine Aufgaben.
  8. Outsourcing von Arbeiten, die dich viel zeit kosten, aber nur wenig Geld.
  9. Lies/sichte die Angebote deiner Konkurrenz. Schau, was bei ihnen gut funktioniert und was nicht. Schau dir auch an, wie sie die Dinge machen (z. B. Marketing) und schnappe dir die coolsten/besten/ansprechendsten Wege für dich. Addiere sie zu deinem Angebot.
  10. Das funktioniert am besten, wenn du dich deines USP (Unique Selling Point) bewusst wirst/bist. Was lässt dich rausstechen aus der Masse an Mitbewerber? Bei mir ist es meine damalige eigene Betroffenheit und enge Fokussierung auf das Thema Angst. Bei mir wird man niemals Anleitungen/Onlinekurse zu Fitnesstraining, Websitegestaltung, Online Texten oder Social Media Marketing geben, auch wenn ich all das tagtäglich mache und gut kann. Fokus.
  11. Frage Menschen, die deinen Weg bereits erfolgreich gegangen sind. Das können Influencer deiner Nische sein, Berater zu Spezialthemen wie Instagram & Co. oder Coaches. Profitiere von ihrem Wissen.

Viel Kraft wünsche ich dir
Janett

Die Angst, sich zu bewerben: Wie du den Druck bei Bewerbungen minderst

Die Angst, sich zu bewerben: Wie du den Druck bei Bewerbungen minderst

Nicht nur die Angst vor einem Vorstellungsgespräch belastet viele Menschen. Überhaupt die Angst, sich zu bewerben, löst schon bei vielen Nervosität aus. Und deshalb schreiben viele erst gar keine Bewerbung. Schon im Vorfeld belastet sie die Angst, ihre Stärken, Arbeitserfahrung und Eignung darstellen und beweisen zu müssen. Und nicht wenige fühlen sich im Angesicht ihrer beruflichen Erfahrungen wertlos, ungeeignet und voller Scham über sich selbst.

Was bei der Angst, sich zu bewerben, helfen kann

was unternehmen wirklich denken
Viele geben schon vor der Bewerbung auf, aus Angst, abgelehnt zu werden oder sich beim Schreiben der Bewerbung bereits unzulänglich zu fühlen.

Ich habe lange Jahre in der Erwachsenenbildung gearbeitet, viele Bewerbungen gelesen und Menschen mit der Angst, sich zu bewerben, kennengelernt. Dabei fielen mir immer wieder zwei Aspekte auf:

Viele wissen nicht, dass Unternehmen nicht primär nach 100prozentig passenden Qualifikationen suchen, sondern nach flexibel einsetzbaren, verlässlichen, motivierten und vertrauenswürdigen Mitarbeitern. Dazu gehört Selbstvertrauen in sich und seine Fähigkeiten – selbst dann, wenn man auf dem Prüfstand steht.

Der Druck im Bewerbungsgespräch ist oft nur ein kleiner Vorabtest, der das Verhalten unter Druck zeigen soll. Wer den Druck oder den Prüfstand in Vorstellungsgesprächen nur schwer aushält, der – so der Rückschluss – wäre auch weniger gut im Umgang mit Zeitdruck, Deadlines und Stress. Soft Skills wie Belastbarkeit, Selbstvertrauen und -wirksamkeit sind also mindestens gefragt.

Außerdem: Nur in speziellen Branchen (z. B. IT, Technik, Medizin, Recht) benötigen Bewerber die branchenüblichen Spezialkenntnisse. In allen anderen Branchen, besonders bei Akademikern, lassen sich Arbeitnehmer eher auf sympathische, souveräne und motivierte Mitarbeiter ein als auf höchst qualifizierte, aber charakterlich gesetzte, stolze oder gänzlich unbekümmerte, die nur des Geldes wegen arbeiten gehen. D. h., jemand, der strikt sein Ding macht, sich nicht einsetzt und nicht teamfähig ist, aber ein top Know-how hat, ist oft weniger gern gesehen als jemand, der sich in die bestehenden Unternehmensstrukturen einfügen kann und Unternehmenswerte teilt. Erneut: Die Soft Skills der Mitarbeiter zählen mehr als ihre Hard Skills.

Arbeitnehmer suchen zudem nach verlässlichen und loyalen Mitarbeitern und nein, sie können es sich schon lange nicht mehr leisten, jeden wegzuschicken. (Die meisten Firmen verstehen das nur nicht, weil sie noch immer denken, sie hätten das Zepter in der Hand und könnten wählen. Aber tatsächlich sind es mehr und mehr die Bewerber, die wählen können, wenn sie einen qualifizierten Lebenslauf haben.) In der Tat herrschen fast bei allen Unternehmen Engpässe in der Belegschaft, weil sie keine passenden Mitarbeiter mehr finden.

“Passend” bedeutet aber ein ausgewogenes Verhältnis aus Hard und Soft Skills. Und ja, Unternehmen sind bereit, ihre Anforderungen herunterzuschrauben, wenn die Lücken des Bewerbers leicht und schnell aufholbar sind (z. B. ein bestimmtes Programm lernen oder nicht sattelfest genug sein usw.). Auch wenn eine Berufserfahrung von fünf Jahren in der Stellenausschreibung steht, heißt das nicht, dass ein Bewerber mit zwei Jahren nicht infrage käme. Im Gegenteil: Die meisten Unternehmen sind heute immer weniger bereit, angemessen für die hohe Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu zahlen. Denn oft gilt: Je qualifizierter (und sozial kompetenter), desto weniger braucht der Mitarbeiter das Unternehmen, desto schneller wäre er bei schlechter Behandlung einfach weg.

Wenn also keine essentiellen Kenntnisse für die Stelle fehlen, sollte man sich dennoch bewerben – egal, ob hier oder da ein I-Tüpfelchen fehlt. Dazu kann man selbst durch seine Persönlichkeit, die man in der Bewerbung ideal in Szene setzt, werden und so punkten.

Einige Tipps, um die Angst vor der Bewerbung zu überwinden

tipps um keine angst bei der bewerbung und jobsuche zu haben

Mit der Wahl eines passenden Arbeitgebers ist es genauso wie bei der Partnerwahl: Gibt man sich zu bedürftig und zu klein, hält man wenig auf sich und besitzt keine bis kaum Würde und Respekt gegenüber sich selbst, seinem Wert und seinen Fähigkeiten, läuft man schnell Gefahr, ausgenutzt oder wie ein Fußabtreter behandelt zu werden. Wer seine Angst vor Bewerbungen überwinden möchte, sollte deshalb erst einmal seine Blockaden entfernen: indem man sich dieser bewusst wird. Denn das Ziel ist es, von sich und seiner Eignung authentisch und selbstsicher zu überzeugen. Und dafür muss man von sich und seiner Eignung überzeugt sein. In sich zu ruhen, weil man dem Lauf der Geschehnisse, dem Leben und seiner selbst vertraut, ist unausweichlich.

Stell dir einmal folgende Fragen, um mehr Einblick in deine Angst vor Bewerbungen zu bekommen:

  • Wissen ist Macht. Wie ohnmächtig fühlst du dich, wenn du etwas nicht weißt?
  • Profilierst du dich vielleicht sogar mit dem Wissen, das du hast? Identifizierst du dich damit? Macht es dich in deinen Augen zu einem wertvolleren Menschen? Im Umkehrschluss: Fühlst du dich weniger wertvoll als Mensch und MitarbeiterIn, wenn du in einem Bereich weniger Wissen besitzt als andere oder einzelne Angaben in der Stellenausschreibung nicht auf dein Profil passen?
  • Wenn du dich von deiner besten Seite zeigen sollst, ist es dir dann unangenehm? Hast du das Gefühl, du würdest den Anderen belügen? Denkst du dann, dass all deine Schwächen deine Stärken abwerten würden?
  • Siehst du deine Schwächen als charakterliche Schwäche? Mindern sie in deinen Augen deinen Wert? Bringst du Schwächen mit Ablehnung, Kritik, Streit oder gar Trennung in Verbindung? Ruft das Wort Schwächen Gefühle wie Schuld, Scham oder gar Traurigkeit auf den Plan?
  • Wann würdest du dich gut und wann gut genug fühlen? War Perfektionismus schon Teil deiner Kindheit? Hattest du jemals das Gefühl, dass “immer besser zu werden” dir etwas sichern würde, z. B. Liebe durch deine Eltern oder Anerkennung?
  • Gab es dir eine Aufgabe und ein Ziel, wenn du mit Eigenschaften und Wissen brillieren konntest (getreu dem Motto: Wenn ich x bin bzw. kann, bin ich jemand.)?
  • Im Allgemeinen verleiht der Job eine Aufgabe, der man sich entweder freiwillig und bereitwillig widmet oder die sich aufgezwungen anfühlt. Wie gehst du mit zugeschriebenen Aufgaben um? Stellst du dich den Herausforderungen? Oder tust du am liebsten nur das, was dir wenig Mühe bereitet – weil du hier bereits alles an Wissen und Kompetenzen erworben hast, was du dafür brauchst?
  • Wer bzw. wie wer (, den du kennst) bist du, wenn du Schwächen hast?
  • Ist es ein schlimmes Gefühl, wenn du etwas nicht weißt? Wenn ja, wer fand es schlimm (in deinem bisherigen Leben), wenn du etwas nicht wusstest oder konntest?
  • Wie gehst du mit Ablehnung im Allgemeinen um? Nimmst du sie persönlich, betrachtest du sie als Bestätigung deiner gefühlten Unvollkommenheit, als erneute Aufforderung, noch besser werden zu müssen oder gar als Signal, dass du nie genug sein würdest?
  • Löst der Gedanke “Du reichst (noch) nicht!” eine Blockade in dir aus, die dich sogar gänzlich vom Handeln abhält? Verbirgt sich dahinter der Glaube, du würdest ohnehin abgelehnt werden – ohnehin nicht auserwählt werden, weil es ohnehin immer irgendeinen Menschen geben würde, der besser wäre als du?
  • Wie gehst du mit Makeln um? Strafst du dich (und andere) dafür, versuchst du sie zu verstecken oder zu verdrängen?
  • Wie gehst du mit Fehlern um? Ist es leichter für dich, zu sagen, dass du keine Schuld hast? Liegt dahinter ein angeschlagener Selbstwert, der dich auffordert, dich zu mögen und zu akzeptieren, so, wie du bist?
  • Falls ja: Magst du dich nur dann, wenn dich andere mögen?
  • Jobs geben auch Struktur. Wie gehst du damit um, wenn dir jemand eine Struktur vorgibt? Fühlst du dich eingeengt und fremdgesteuert oder bist du gelassen, weil du hinter der Aufgabe stehst und in ihr einen Sinn siehst, der deinem Leben Fülle verleiht?
  • Apropos Sinn: Wann bzw. wodurch verleiht dir ein Job Sinn? Und wann wäre ein Job sinnentleert?

Nimm dir den Glaubenssatz, der am meisten in dir ausgelöst hat, z. B. Ich reiche sowieso nicht aus. oder Niemand will mich so, wie ich bin. und kehre ihn angemessen und gesund um:

  • Ich reiche aus.
  • So, wie ich bin, bin ich wertvoll.
  • Ich bin genauso wertvoll wie andere.
  • Niemand ist gut oder schlecht, höchstens geeignet oder weniger geeignet für diesen Job.
  • Ein Job sagt nichts über meinen Wert aus.
  • Ich bestimme meinen Wert allein.
  • Was ich von mir denke, ist mir wichtiger.
  • Absagen diktieren nicht meine Zukunft. Mein Selbstvertrauen und das Wissen darum, was ich wert bin, weisen mir meinen Weg.
  • Ich lerne aus jeder Absage wertvolle Impulse für die nächste Bewerbung.
  • Wem ich nicht passe, der passt nicht zu mir.
  • Zusagen sind keine Liebesbeweise. Absagen sind keine Trennungen.
  • Ablehnungen haben mehr mit dem Anderen zu tun als mit mir.
  • Ich bin ein wertvoller, talentierter Mensch.
  • Ich nutze meine Angst und lasse mich von ihr motivieren.
  • Ich mache mir meine Angst zunutze und gebe nicht auf, bis ich einen mir dienlichen Job gefunden habe.

Mut, Vertrauen, Macht über seine Gedanken und Gefühle sind wichtige Hilfsmittel, wie du siehst. Nutze sie bestmöglich für dich. Erinnere dich daran, dass niemand über deinen Wert entscheidet. Übe dich täglich in der Bestätigung deiner selbst, so, wie du bist – besonders im Umgang mit Absagen, die oft in Bewerbungsprozessen unvermeidbar sind. Denke vor allem daran, dass jede Ablehnung mitunter eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann. Sei stolz auf alles, was du kannst und bist. Denn nicht jeder Job, der gut klingt, muss auch gut sein. Auch Personaler verstecken in Ausschreibungen die Schwächen und fehlenden Skills des Unternehmens (bzw. der Menschen, die dort arbeiten).

Kleiner Tipp für Bewerbungen: Hard Skills und Soft Skills

was personaler wirklich interessiert
Entscheidend ist, wie man sich darstellt: am besten ohne Standardsätze, sondern authentisch – auch wenn man selbst weniger von seiner Eignung überzeugt ist. Das Unternehmen kann das anders sehen.

Personalchefs erwarten zwar sogenannte Hard Skills – Muss-Qualifikationen – im Sinne erworbener Fähigkeiten, z. B. Schul- oder Studienabschluss, Zertifikate, Fortbildungen und Sprachfähigkeiten, durch Zeugnisse und Beurteilungen nachweisbar. Am Ende entscheiden aber oft die erwähnten Soft Skills, sogenannte weiche Faktoren. Eben nach diesen werden Bewerbungsunterlagen häufig durchsucht und sortiert.

Unter Soft Skills versteht man Faktoren wie soziale Kompetenzen, eigene Persönlichkeit, Verhaltensweisen und im beruflichen Umfeld eingesetzte Eigenschaften eines Bewerbers. Einige Soft Skills geben Auskunft über die persönliche Reife/Entwicklung eines Bewerbers. Es geht hierbei also nicht um fachliche Qualifikationen. Die Beschäftigungsfähigkeit eines Bewerbers geht oft mit dem Begriff der Schlüsselqualifikation einher – bedeutet, dass ein Jobanwärter Merkmale besitzt, um ihn vielseitig einzusetzen und die Chance auf einen Job zu erhöhen.

Bereitschaft zum Lernen, Kritikfähigkeit, gutes Zeit- und Selbstmanagement sowie Teamfähigkeit sind typische Soft Skills. Ebenso zählen Empathie, Kollegialität, Eigeninitiative, Kreativität, Belastbarkeit, Ziel- und Lösungsorientierung und Verantwortungsbewusstsein dazu. Demzufolge sind diese Talente und sozialen Stärken der jeweiligen Persönlichkeit zuzuschreiben. Der Grundstein dazu wird oftmals während der Kindheit und Jugendzeit gelegt. Fähigkeiten wie Rhetorik und Überzeugungskraft werden dagegen erst während des Berufslebens geschult und entwickelt.

Diese persönlichen Soft Skills sind bei jedem Menschen anders. Sie können in der Bewerbung aber zu einer Vorentscheidung führen, ob du ins Team oder zur Unternehmenskultur passt. Wichtig jedoch ist – während wir alle glauben, alle Soft Skills zu besitzen -, dass du nur diejenigen aufzählst, die du wirklich besitzt UND diejenigen, die wichtig sind für das Jobprofil. So kann Empathie in Führungspositionen zwar hilfreich für ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern sein, aber hinderlich, wenn man Kritik üben oder unternehmerische Interessen durchsetzen muss. Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein kann bei arbeitsreichen Jobs mit hohem Stresspotenzial Gold wert sein, aber in Teamsituationen, wo Zusammenarbeit gefordert ist, mehr als störend wirken.

So mancher Soft Skill kann damit eine schlechte Note, nur bedingt gutes Arbeitszeugnis oder einen fehlenden Abschluss wettmachen. Derjenige wird die Stelle bekommen, der durch seine Persönlichkeit hervorsticht. Gerade in Firmen mit einer hohen Mitarbeiterzahl kommt es darauf an. Denn mit Kollegen/Kunden verbringen wir viel Zeit zusammen, oft mehr als mit der eigenen Familie und nicht selten kennen wir die Belegschaft bzw. Kunden besser als unsere Nachbarn. Doch Kollegen kann man sich nicht aussuchen. Ob Phlegmatiker, Bürokraten, Blender oder Karrieristen – im Büro treffen alle aufeinander. Die große Kunst ist es, damit umgehen zu können und trotzdem man selbst zu bleiben, während man seine bestmöglichste Arbeit leistet.

Studien belegten zudem folgerichtig, dass sich der Erfolg im Beruf aus zehn Prozent Leistung und 90 Prozent Soft Skills im Bereich der Diplomatie (offen für Gespräche, Fairness, Verhandlungsgeschick), Soziologie (sich in ein Umfeld einfügen und sozial verhalten), Psychologie (Selbstvertrauen, sich und andere einschätzen können, Grenzen setzen und wahren, gesunde Verbindungen aufbauen), Publicity (Leistung, Aufmerksamkeit, Lob und Kritik ertragen können) und etwas Travestie (sich zeigen/darstellen, spielerisch agieren) zusammensetzt. Wer allgemeine Soft Skills in seine Bewerbung schreiben möchte, sollte sich also auf diese konzentrieren.

  • Bei welchem dieser Punkte siehst du eine Schwäche?
  • Wo kannst du dich unterstützen und wie?
  • Wer könnte dir dabei helfen?

Stärken und Schwächen vorteilhaft hervorheben – so geht’s

sich in einer bewerbung nicht verstecken sondern gekonnt zeigen

Im Endeffekt sind vorhandene Soft Skills Stärken und nicht erworbene bzw. noch ausbaufähige Skills Schwächen. „Was sind Ihre Schwächen?“ ist eine Frage, die jeder Bewerber kennt und oft auch fürchtet. Denn kaum ein Satz bietet mehr Potential zu massiven Fettnäpfchen, die letzten Endes sogar die Chance, den Job zu bekommen, vernichten können. Viele Bewerber sind daher von vornherein auf diese Frage vorbereitet – mit Standardantworten.

Der Personalchef versucht mit dieser Frage zu klären, ob du kreativ und spontan reagieren kannst und/oder dich auf das Gespräch vorbereitet hast, es ernst nimmst, eigenständig denkst statt Standardantworten abzuspulen. Deine Antwort auf diese Frage sagt viel über deine Ambition aus, deinen Willen und deine Motivation, in dem Unternehmen zu arbeiten. Deshalb werden einige Personalchefs die Frage nach deinen Schwächen tarnen. Zum Beispiel fragen sie stattdessen nach Eigenschaften, die dir von einem ehemaligen Chef oder Kollegen nachgesagt wurden (Was schätzten Ihre Kollegen an Ihnen?) oder die in der Beurteilung standen. Daraus kann man vieles ableiten. Oder die Frage wird selbstkritischer gestellt:

Was würden Sie gern an sich ändern?

Einige Personaler stellen aber auch Skalenfragen wie “Wie schätzen Sie sich (in einer bestimmten Eigenschaft/Kompetenz) auf einer Skala von 1 bis 10 ein?” Dadurch sollen Schwächen identifiziert werden, wobei Werte kleiner als sieben bereits als solche gedeutet werden. Ein Wert von zehn klingt überheblich und deutet auf Egoismus – in kaum einer Branchen eine gern gesehene Eigenschaft. Am besten sind Werte von sieben bis neun. Personaler wissen natürlich, dass jeder Mensch Schwächen hat. Einzuräumen, man wäre perfekt, würde aber überheblich und arrogant klingen. Das wirft kein gutes Licht auf dich.

Folgendes sollte man auf gar keinen Fall sagen:

  • Rudimentäre Eigenschaften/Kompetenzen, die für die Stelle wichtig sind, nicht zu besitzen: Eine Krankenschwester muss belastbar und menschenfreundlich sein, ein Dozent muss Spaß am Lehren und Interesse an Pädagogik haben, Menschen, die in Büros arbeiten, müssen PCs mögen und Sitzen ertragen usw.
  • Niemals sagen: “Ich arbeite im jetzigen Job zu viel!” oder “Alle anderen im aktuellen Job können nichts. Alles muss ich allein machen!”. Im ersten Moment klingen diese Aussage sehr verständlich, doch auf den zweiten Blick offenbaren sie, dass der Bewerber zumindest mit seinem Zeitmanagement schwer klarkommt – und offensichtlich auch wenig umgänglich ist.
  • Standardaussagen wie “Ich kann alles!” verstehen Personaler als Vertuschung von Makeln, deuten es als Zeichen für Arroganz und daraus ableitend für nicht vorhandene Teamfähigkeit.
  • Es sollten auch nicht alle Schwächen wie bei einem Gedicht auswendig gelernt aufgesagt werden. Ein bis zwei Schwächen, nebenbei erwähnt, reichen vollkommen aus. Eine wirkliche Schwäche kann durch Wörter wie “gelegentlich”, “stellenweise”, “hin und wieder” oder “manchmal” geschmälert werden. Es ist übrigens ein gutes Zeichen zu sagen, dass man von seiner Schwäche weiß und an dieser arbeitet. (Aber Achtung: Viele Personaler fragen hier gern, wie man an ihr arbeitet. Hier sollte man eine pfiffige Antwort parat haben wie z. B. mit einem Coach, einer Freundin, Standardwerken zu diesem Thema, die man jedoch mit Titel benennen können sollte!)
  • Die beste Strategie ist es, die Schwächen bewusst zu dosieren und nicht zu übertreiben.

Wurden beim Vorstellungsgespräch die Schwächen abgefragt, kann es mit den Stärken weitergehen. Vielen Bewerbern fällt es leichter, über Stärken als über Schwächen zu sprechen. Doch wer Angst hat, sich zu bewerben, tut sich besonders mit seinen Stärken schwer – oft auch, weil er meint, keine nennenswerten zu haben. Doch Stärken sollten im Anschreiben und Bewerbungsgespräch hervorgehoben werden.

Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift.

  • Hebe dich nicht selbst in den Himmel. Man sollte authentisch bleiben. Hebe einige markante Stärken hervor, die für den neuen Job wichtig sind.
  • Stärken können mit Beispielen belegt werden. Es klingt einfach, Schlagworte aufzuzählen wie: innovativ, belastbar, lernfähig oder teamfähig. Doch so einfach ist es nicht. Die Stärken sollten an konkreten Beispielen festgemacht werden z. B. aus einem vorherigen Job bzw. Projekten, an denen du gearbeitet hast, wo du eben diese Stärke einsetzen konntest.
  • Nicht an Situationen gebundene Aussagen wiederum zeichnen deine Persönlichkeit “im Allgemeinen” aus. Das kann auch so benannt werden: “grundsätzlich”, “im Allgemeinen”, “von Natur aus” bin ich …. XYZ.

Andere Wege, seine Stärken auszudrücken, sind:

  1. “Ich komme mit Stress und Zeitdruck gut zurecht. Wenn Deadlines für Aufträge näherrücken, kann ich dennoch Ruhe bewahren und konzentriert arbeiten.”
  2. “Ich stehe neuen Themengebieten und Aufgabenbereichen positiv gegenüber und kann mich gedanklich schnell in ein neues Thema hineinversetzen. Deshalb liegt mir die Arbeit im Bereich X auch so sehr am Herzen. Es stillt meine Freude am Lernen.”
  3. “Meine Kreativität kam mir oft zugute. Ich konnte sie in der Vergangenheit besonders nutzen, um Herausforderungen in Projekten angemessen und ruhig zu begegnen.”
  4. “Wenn ich mir ein Ziel setze, verpflichte ich mich diesem. Meine Zielstrebigkeit hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen.”
sei stolz auf das, was du kannst
Zeige lieber, wer du bist, und atme dich durch die Angst vor einer Ablehnung, statt dich zu verstellen oder hinter Standardsätzen zu verstecken. Diese funktionieren ohnehin nur selten.

Alles sollte schlussendlich natürlich – authentisch klingen statt aufgesetzt und abgeschrieben. Nur Bewerbungen, die die Persönlichkeit des Bewerbers durchblicken lassen, werden in Erinnerung bleiben und zu Vorstellungsgesprächen führen. Wer wie ein Bewerbungsratgeber ausschließlich Standardsätze aneinanderreiht, wird eher mit Absagen rechnen können. Denn hier kommt nur mangelnde Motivation aka Desinteresse und Fließband-Bewerbungs-Mentalität rüber. Vor allem zeigen sie deutlich, dass der Bewerber nur diesen Job will, weil er EINEN Job will. Möge das auch stimmen – wenigstens aus finanzieller Sicht -, so sollte man dennoch klar ausdrücken, dass man die Stelle will, weil man sich für diese eine Stelle eignet – und wieso.

Bei anhaltender Angst: Erinnere dich an deine WÜRDE

Wie schon erwähnt: Jobwahl und Partnerwahl haben einiges gemeinsam. Stell dir vor, jemand würde sich bei dir als PartnerIn bewerben – nicht wegen dir, sondern einfach nur, weil er IRGENDWEN will, der ihn/sie will, der sich kaum Mühe gibt, dich kennenzulernen oder sich zu zeigen. Sehr wahrscheinlich würdest du dir sehr verschaukelt vorkommen oder dich zumindest wundern. Vielleicht hilft es, dir den Bewerbungsprozess wie ein Date vorzustellen?

Ein Ereignis und doch Prozess, der Spaß machen darf statt Frust verursacht. Immerhin bist du auf der Suche nach einer Aufgabe in einem Unternehmen, der du dich viele Stunden deines Lebens widmen wirst. Aber so wie auch Partner unsere Schwächen akzeptieren und oftmals sogar auffangen bzw. ausgleichen, so sind auch Unternehmen aka Personaler nur Menschen, die nach jemandem suchen, mit dem die Erledigung der Aufgabe langfristig funktionieren wird/kann. Nur selten verhalten sich nicht wie Monster, Könige oder Königinnen und behandeln dich wie einen Untertan. Und die Personaler – jene, die ich schon oben beschrieb -, die dir das Gefühl der Unterlegenheit durch Arroganz und Uneinsichtigkeit vermitteln, sind Menschen, die dir zeigen, was das Unternehmen an Werten abverlangen wird. Ordentliche Personaler verhalten sich anders: nämlich “ordentlich” im moralischen Sinne, klar, strukturiert, offen, menschlich, fair und ehrlich. Ein Bewerbungsprozess kann deshalb immer würdevoll sein und bleiben – trotz Angst-, selbst dann, wenn man letzten Endes eine Absage erhält oder aber freiwillig erteilt.

Vorzeitige Berufsunfähigkeit: Absicherung bei psychischen Erkrankungen

Vorzeitige Berufsunfähigkeit: Absicherung bei psychischen Erkrankungen

Viele Berufstätige erkranken im Laufe ihres Lebens an einer psychischen Krankheit. Bei manchen Arbeitnehmern ist das seelisch bedingte Leiden so ausgeprägt, dass die Ausübung des erlernten Berufs nicht mehr möglich ist. Vorzeitige Berufsunfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung wird damit ein immer wichtigeres Thema, denn aktuell trifft es bereits ganze 31 Prozent aller Berufsunfähigen – der höchste Wert. Doch noch immer benachteiligen Versicherungen Betroffene aufgrund einer Vorerkrankung bereits beim Anschluss einer BU.

Vorzeitige Berufsunfähigkeit: Mobbing und Ausgrenzung im Job häufige Ursache

Zu schweren psychischen Störungen kommt es nach traumatischen Erlebnissen, bei Unfällen oder persönlichen Krisen, die im Extremfall zu einer vorzeitigen Berufsunfähigkeit führen können. Denn Dauerstress, Überlastungen durch Job und Privatleben gipfeln häufig in Depressionen und/oder Angst- und Panikerkrankungen. Nicht selten werden Menschen, die unter psychischen Belastungen leiden, zu Opfern von Vorurteilen und riskieren, am Arbeitsplatz ausgegrenzt zu werden.

Seelische Krankheiten beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern mindern die Fähigkeit der sozialen Interaktion mit anderen Menschen. Zu den psychischen Krankheiten, die am häufigsten zur Berufsunfähigkeit führen, gehören Depressionen, Angststörungen, Bipolare Störungen, Schizophrenie und Suchtstörungen. Dabei jedem dritten Leistungsfall ist eine schwere psychische Störung ursächlich für die vorzeitige Berufsunfähigkeit. Hoher Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit und Einsatzbereitschaft, Überforderung und Stress begünstigen seelische Krankheiten.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen von Arbeitgebern an die psychische Belastbarkeit ihrer Mitarbeiter. Und Krankheit wird zunehmend als Schwäche betrachtet. Da bei häufigen Krankmeldungen Kündigungen drohen, verzichten zahlreiche Arbeitnehmer auf die vom Arzt verordnete Ruhepause. Ständige Überarbeitung begünstigt wiederum psychische Störungen wie Burnout und Depressionen. Ausgrenzung und Mobbing sind weitere Gründe, die viele Angestellte verzweifeln lassen und das Risiko für psychische Krankheiten erhöhen. Die meisten Betroffenen erhalten keine oder zu wenig professionelle Hilfe, sodass es zu ernsthaften psychischen Erkrankungen einschließlich Berufsunfähigkeit kommt.

Wenn es zur vorzeitigen Berufsunfähigkeit kommt: Absicherung durch eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung

wenn im Beruf zu arbeiten und zu leisten angst macht

Seelische Erkrankungen können jeden Arbeitnehmer unabhängig vom Alter, Beruf und Lebenssituation treffen und zu Krankschreibungen und Frühberentung führen. Berufstätige, die infolgedessen ihren Beruf für mindestens sechs Monate nicht oder nur eingeschränkt ausüben können, sind gemäß §172 Versicherungsvertragsgesetz berufsunfähig.

Nachdem die Berufsunfähigkeit durch medizinische Untersuchungen festgestellt und vom Arzt bestätigt wurde, können Versicherte eine Berufsunfähigkeitsrente beantragen. Die staatlich zugesicherte BU-Rente reicht in der Regel jedoch nicht oder nur für die Deckung der Lebenshaltungskosten aus.

Eine zusätzliche private Vorsorge mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist deshalb sehr empfehlenswert. Vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitspolice sollte man jedoch verschiedene Tarife vergleichen, am besten auf einem unabhängigen Vergleichsportal für BU Versicherungen. Da Menschen mit einer psychischen Vorerkrankung oft benachteiligt werden, sollten bei einem Versicherungsvergleich unterschiedliche Versicherungsmodelle hinsichtlich Bestimmungen, Leistungsanspruch und Versicherungsleistungen verglichen werden.

Berufsunfähig durch Depressionen, Angst- und Panikzustände: Worauf man achten sollte

Psychische Krankheiten wie Depressionen stellen ernste Erkrankungen dar, können als Vorerkrankungen aber ein Hindernis für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sein. Für die meisten Versicherer zählen Menschen mit psychischen Krankheiten zu den Risikogruppen.

Deshalb sollte bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung besonders auf die Ausschlusskriterien geachtet werden, da einige Versicherer Berufstätige mit psychischen Vorerkrankungen von der Aufnahme in die Versicherung ausschließen. Diese Versicherungsgesellschaften begründen den Ausschluss mit dem hohen Risiko für den Versicherer, da seelische Krankheiten den größten Anteil der Berufsunfähigkeiterenten ausmachen. Wer bereits an einer psychischen Erkrankung leidet, sollte sich deshalb genau über die Aufnahmebedingungen, Voraussetzungen und Grundlagen einer Berufsunfähigkeitsversicherung informieren.

Bei manchen Versicherungsgesellschaften ist der Abschluss einer BU-Versicherung unter diesen Umständen mit einem Risikozuschlag verbunden. Falls ein Leistungsausschluss für psychische Erkrankungen besteht, kann sich der Antragsteller zwar versichern. Sollte es jedoch zur Berufsunfähigkeit aufgrund einer seelischen Krankheit kommen, ist die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente durch den Versicherer ausgeschlossen. Experten empfehlen, in diesem Fall nach einer Versicherung zu suchen, die den Berufstätigen mit einem angemessenen Risikozuschlag aufnimmt.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Steffi Schmidt.

Was du wissen solltest, bevor du dein Hobby zum Beruf machst

Was du wissen solltest, bevor du dein Hobby zum Beruf machst

 

Ich habe seit langer Zeit keinen Text mehr nur für mich geschrieben. Seit ich mein Hobby, das Schreiben, zum Beruf gemacht habe, schreibe ich, um damit auch meinen Lebensunterhalt in Form von Geld und beruflicher Anerkennung zu verdienen. Ich dachte ernsthaft, das sei eine hervorragende Idee. Und um es vorwegzunehmen: Ich denke das noch immer. Aber seit einigen Wochen fällt mir auf, dass mir mein Traum gewaltig um die Ohren fliegt. Es sind mit meiner Selbstständigkeit leider Elemente mit zum Schreiben hinzugekommen, die ich jetzt als lästig empfinde. Sie rauben mir nicht selten eine große Portion Motivation. Nicht etwa, weil mir mein früheres Hobby und jetziger Beruf keinen Spaß mehr machen. Sondern weil das Ausleben meines Hobbys/Berufs nun einen Nutzen, Zweck und damit eine Verwertbarkeit für andere Personen haben sollte (jedenfalls, wenn ich erfolgreich sein möchte).

 

Vom Traum, sein Hobby zum Beruf zu machen

sein hobby zum beruf machen berufungHobbys und Leidenschaften sind deshalb so nährend, weil sie uns erlauben, wir selbst zu sein oder etwas zu erreichen, was für uns von Wert ist. Das kann ein Gefühl oder eine Form der Anerkennung von außen sein. Doch in Zeiten der flächendeckend propagandierten Selbstverwirklichung und Potenzialentfaltung á la “Schau, wie einfach es ist, dich zu verwirklichen! Become an Influencer!“-Facebook Posts, Instagram Stories und Youtube Stars ist es leicht, sich von der Verwirklichung eines Traums, sein Hobby zum Beruf zu machen, anstecken zu lassen.

Es sieht beinahe so aus, als ob die Zeitqualität festangestellte Menschen ausgrenzt und abstempelt. Denn nur wenn man selbstbestimmt, in seiner wahren Größe lebt, “seine vollen PS auf die Straße” bringt und mit sich und seinen Talenten Geld verdient, sei man von Wert und führe ein lebenswertes Leben.(Allesamt Verkaufssprüche, bei denen mir das Würgen kommt.) Wir alle wollen, dass unser Wert erkannt und geschätzt wird. Und ja, ich weiß es ja selbst aus meiner Angestelltenzeit, dass es sehr unliebsame Zeitgenossen gibt, die einem wiederholt eben diesen Wert absprechen und oft auch noch glauben, sie wüssten es besser. Und eben weil wir das alle kennen, erzählen dir etliche Menschen im Internet, wie schön Selbstständigkeit und das Ausleben deiner Berufung ist, wie leicht und wie viel Geld du damit verdienen kannst… Und hier der Haken: Sie versprechen dir, wie leicht es ist, wenn…du ihr Produkt kaufst, damit du bestimmte Anfangsfehler vermeidest oder…wenn du dich noch in ihren Newsletter einträgst, um die fünf wichtigsten Kniffe zum Erfolg kennenlernst oder…wenn du nur an ihrem Webinar teilnimmst, an dessen Ende alles verkauft wird, damit du dein “Business” starten kannst (noch so ein Würgewort).

Damit verdienen sie ihr Geld, nicht etwa mit ihrem Traum.

Seinen Traum zum Beruf zu machen, ist tatsächlich nicht schwer. Man kündigt entweder und legt los oder man baut es langsam als Nebenselbstständigkeit auf und wartet auf den rechten Zeitpunkt mit der Kündigung. Gerade wenn man denkt, dass es nun losgehen kann, stellen sich aber schon die ersten Hürden ein: blöde und lästige Existenzängste, fehlende Marketingkenntnisse, geringe Kundschaft oder viel zu wenige Menschen, die von deinem Produkt/deiner Dienstleistung Kenntnis haben. Das sind nur die halbschlimmen Dinge. Die in meinen Augen wirklich schmerzenden Nebenprodukte sind emotionaler Natur und kommen nicht selten einem Raubbau an deiner Seele gleich. Man muss wissen, wie man damit umgehen wird, wenn es soweit ist. Denn treffen werden dich diese (oder ähnliche) Schläge über kurz oder lang ganz sicher:

 

Dein Hobby gehört nicht mehr nur dir. Vielleicht brauchst du sogar ein neues.

bewusstsein der anderen achtsamkeitMach dir eines bewusst: Alles hat einen Nutzen. Jedes Hobby gibt dir ein Gefühl, zum Beispiel grenzenlose Freiheit der Gedanken, Selbstausdruck, Kontakt zu deinen Gefühlen, Kreativität, Dingen eine Form geben, Zeit, Flow, Dinge in Ordnung bringen, körperliche Aktivität, die Erfahrung der körperlichen/geistigen/emotionalen Stärke, um nur einige zu nennen. Für mich bedeutete Schreiben früher Selbstausdruck und Kontakt zu meinen Gefühlen, Bedürfnissen und wahren Wünschen zu haben und auszuleben.

Es geschieht sehr schleichend, dass du das, was dir früher so viel Spaß machte und Halt gab, plötzlich zu einem Instrument deines Erfolges wird. Dein Erfolg stiftet den Wert, nicht mehr nur das Gefühl, das dein Hobby dir stiftete. Wollen deine Kunden das Instrument nicht, wirst du dich beizeiten sehr erfolglos, versagend oder gar wertlos fühlen. Der Perfektionismus schleicht sich von hinten an. Denn wenn du nur X tätest oder bei Y besser wärst, dann…würde alles besser werden. Dann weiterzumachen und durchzuhalten, nicht aufzugeben, das Vertrauen in sich selbst zu bewahren und die Hoffnung aufrechtzuerhalten, ist eine Kunst.

 

Das Resultat muss nicht mehr nur dir gefallen, sondern vor allem anderen.

Sonst läufst du Gefahr, dass du nicht gefällst. Und kein Mensch kauft etwas, was ihm nicht gefällt oder was ein nicht wünschenswertes Ergebnis für ihn bringt. Wenn du ein Online Business starten willst, Blogger, Influencer oder sonstwas im Internet werden möchtest, hat vieles mit der Anzahl der Likes, Shares und Kommentare, Seitenaufrufe, monatlichen Besucherzahlen, Verweildauer, Absprungrate undgefallen müssen hobby zum beruf machen was tunAnzahl der besuchten Seiten zu tun, Reichweite und Beitragsinteraktionen. Begriffe, die du lernen musst, an denen du mitunter deinen Wert messen wirst. In jedem Fall hat deine Leidenschaft plötzlich den Anspruch, schön, wertvoll, informativ, inspirierend, begehrenswert, Neid erregend oder wenigstens Sehnsucht erweckend zu sein. Es muss Gefühle in deinen Kunden ansprechen. Tut es das nicht, hat es keinen Wert gestiftet. Stiftet es für andere keinen Wert, verdienst du kein Geld und bekommst keine Anerkennung.

Nichts schmerzt mehr, als für das, was man tut und liebt, keine Zuwendung zu erhalten. Wenn dich deine Leidenschaft nachts nicht schlafen lässt, weil du damit nicht deinen Lebensunterhalt verdienen kannst, wird es fatal. Ich habe mich mehrfach dabei ertappt, wie ich alles infragestellte, wie ich an meinem Traum zweifelte und vor allem: an mir. Das andere Extrem, zwar Aufmerksamkeit zu bekommen, aber eben negative, in Form von Kritik, destruktive Meinungen, Neid, Eifersucht, Shitstorms oder Menschen, die sich angegriffen fühlen oder glauben, es besser zu wissen, ist eine weitere, soul-sucking Seite der Medaille. Für mich am schlimmsten ist die Verachtung, die einem beizeiten entgegengebracht wird. Man weiß, man hat sich etwas Großes getraut und wird dennoch (oder deshalb) dafür belächelt. Vor allem dann, wenn die eigene Versagensangst mehr als präsent ist. Dann kann echt jedes Wort eines unbedachten und unachtsamen Menschen wie Messer in deine Haut schneiden.

 

Berufung ist nicht immer schön, sondern bedeutet auch Stress und Leistung.

Also genau das, was man eigentlich hinter sich lassen wollte, als man alles über den Haufen warf und sein Hobby zum Beruf machte. Berufung bedeutet, dass die Themen zu dir kommen. Aber wenn dein Hobby zum Beruf wurde, dann musst du dich zwangsläufig nach Themen und Bedürfnissen deiner Kundschaft umschauen, damit diese zu dir kommen. Wer in den sozialen Medien präsent ist und dort eine Followerschaft hat, die einen großen Teil des monatlichen Verdienstes ausmachen oder als wiederkehrende Besucher auf deine Website kommen, um dort zu barem Geld zu werden, der spielt nicht selten den fähigen, gut gelaunten Entertainer á la “Nichts tut weh und alles ist wunderschön!” – schon einmal vorab, um die Leute bei Stange zu halten, weil man im Hinterkopf sein Seminar plant, den Launch seines Produktes oder Release seines sonstwas’es.

Auch die, die ihr Leid(en) zum Produkt machen, haben schlicht das Problem, dass sie das aufrechterhalten müssen, um für die LeserInnen interessant zu bleiben, auch wenn sie mal so richtig Bock auf grundlose Freude hätten.

 

Schöne, einsame Welt

negative seiten online business berufung hobby zum beruf machenWer Einzelunternehmer ist, dieses heiß begehrte Ding namens Solopreneurship durchzieht, der ist vor allem eines: SOLO, zumindest zu Beginn: Allein für alles verantwortlich, schießt man von der Umsatzsteuervoranmeldung über das Social Media Marketing bis hin zur Erstellung wirksamer Landingpages, dem Korrektorat seiner Werbetexte und dem Ideenmanagement einfach alles ALLEIN.

Schön, weil einem niemand hineinredet und man alles endlich allein entscheiden kann, oder? Leider nicht immer. Wie oft wünschte ich mir jemanden, mit dem ich über eine Idee und mögliche Umsetzung sprechen konnte oder der mir erklärt, wie Videos aufnehme, welche Hardware die beste für Podcasts ist usw. Wenn es ganz dumm läuft, sitzt man daheim allein vor seinem PC und arbeitet im Home Office, was auf lange Sicht sehr einsam machen kann.

ABER:

Wenn du bereit bist, mit all dem umzugehen und ein paar individuelle Dinge, die ich sicher vergessen habe, dann kann es sehr befriedigend und wunderschön sein. Allein morgens aufzustehen und zu wissen, dass der heutige Tag mit dem erfüllt sein wird, was man liebt und was man kann, wofür man Geld bekommt und lobende Worte, trägt zumindest mich über viele nicht so schöne Momente hinweg. Ich kann mich heute leiten lassen, wo ich früher geleitet wurde.

Das langsame Hineinwachsen in seine Berufung wünsche ich jedem, besonders denen, die sich nach oder wegen ihrer psychisch belasteten Zeit ihrer Berufung zuwenden möchten – und ja, wenn nötig, auch die Kraft, um sich seinetwegen durchzuboxen!

Alles Liebe,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Work-Life-Balance: Wie ein Gleichgewicht zwischen Beruf & Leben gelingt

Work-Life-Balance: Wie ein Gleichgewicht zwischen Beruf & Leben gelingt

 

Work-Life-Balance kommt aus dem Englischen und heißt wörtlich übersetzt Arbeit-Leben-Gleichgewicht. Gemeint ist, wie man ein erfülltes Leben mit einer guten Position im Beruf in Einklang bringen kann – oder wie es im Duden definiert wird: ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen beruflichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen herstellen. Doch wie kann diese Balance gelingen und was braucht es, um auch langfristig zu wirken?

Die Weinheimer Therapeutin Terry Ann Larsen erklärt, welche Schritte dafür nötig sind und was du kannst, wenn du bereits starke Stresssymptome hast.

 

Was für eine Work-Life-Balance nötig ist

Das im deutschem Sprachgebrauch verwendete Schlagwort Vereinbarkeit von Beruf und Familie umfasst nicht die ganze Komplexität der Work-Life-Balance. Zur Work-Life Balance gehören weitergreifende Komponenten wie z.B. Gesundheit, soziale Aktivitäten/Freunde, Zeit für sich, das Leben genießen (können), Bewegung/Sport, Entspannung/Ruhe usw.

Das in die Tat umzusetzen kann mitunter schwierig sein. Die individuellen Verhältnisse müssen berücksichtigt werden:

  • Wie geht es dem Arbeitnehmer gesundheitlich?
  • Welche zeitlichen Ressourcen gibt es?
  • Wie groß ist die Familie?
  • Wie viel Unterstützung bekommt man von ihr?
  • Ist sie eventuell belastend? Was kann man tun, um dennoch Unterstützung von ihr zu erzielen?
  • Hat der Betroffene gemeinsame Hobbys mit Familienmitgliedern und/oder Freunden?
  • Wie ist es im Allgemeinen um die freundschaftlichen Kontakte bestellt?
  • Was kann der Betroffene an seinem Arbeitsplatz positiv für sich verändern?

Für jeden Einzelfall ergeben sich verschiedene Fragestellungen, deren Auswertung in der Work-Life-Balance berücksichtigt werden müssen.

 

Tipps, wie du eine gute Work-Life-Balance schaffen kannst

so funktioniert work-life-balanceDie folgenden Fragen sollte sich jeder Arbeitnehmer stellen, wenn er sich abgespannt, übermüdet, energielos und überfordert fühlt, an Schlaflosigkeit leidet und/oder keine Freude mehr an Aktivitäten hat, die ihm früher Spaß bereitet haben:

  1. Könnte ich mir in der Arbeitszeit Pausen einrichten, um mich zu entspannen, z. B. spazieren gehen, um wieder Energie zu tanken? Könnte ich zum Abschalten Entspannungsübungen machen oder Powernapping?
  2. Könnte ich nach Feierabend oder im Urlaub mein Diensthandy abschalten, um nicht in Versuchung zu kommen, dienstliche E-Mails, SMS oder Telefonate entgegenzunehmen?
  3. Könnte ich zu meiner Entlastung meine Familie und einen guten Freund ins Vertrauen ziehen und mich über meinen beruflichen Stress aussprechen? Oft erleichtert es, wenn man sich aussprechen kann. Zusätzlich erhält man gute Tipps, wie man sich in der Situation am besten verhält. Und außerdem hat man so Vertraute, die einen an den Vorsatz, weniger zu arbeiten, erinnern werden.
  4. Könnte ich meinen Vorgesetzten ansprechen, um gemeinsam eine Lösung zur Entlastung im Berufsalltag zu finden?
  5. Könnte ich Aufgaben delegieren?
  6. Könnte ich meinen Aufgabenbereich besser strukturieren? Könnte ich andere Prioritäten setzen?
  7. Könnte ich die Meetings so terminieren, dass zwischen zwei Terminen so viel Zeitraum ist, dass ich nicht unter Druck wegen des Folgetermins gerate?
  8. Könnte ich Multitasking vermeiden und viel effizienter arbeiten, wenn ich mich nur auf eine Tätigkeit konzentriere und die Arbeiten nacheinander verrichte?
  9. Könnte ich Urlaub nehmen, um Aktivitäten zu unternehmen, die ich gerne mache, um Energie zu tanken?
  10. Könnte ich mit meinem Arbeitgeber vereinbaren, dass ich im Urlaub nicht erreichbar bin, egal ob ich verreise oder meinen Urlaub zu Hause verbringe?
  11. Könnte ich mich in meiner Freizeit auf die Unternehmungen konzentrieren, mit denen ich mich gerade beschäftige und keinen Gedanken an die Arbeit verschwenden, da ich mich dann viel besser erholen kann?
  12. Könnte ich einen Kurs zum Entspannen belegen, um meine dadurch zurückgewonnenen Kräfte wieder optimal einsetzen und nutzen zu können?

Diese Tipps können step by step umgesetzt werden, damit das Entstressen nicht noch zusätzlich Stress verursacht.

 

Wie kann man eine Work-Life-Balance schaffen, wenn man schon zu weit in den Strudel geraten ist?

In diesem Fall ist eine Pause von der Arbeit angesagt, da es sich jetzt nicht mehr um eine Präventivmaßnahme handelt.

Ein Kurs für autogenes Training, Meditation, Yoga oder progressive Muskelentspannung nach Jacobsen können helfen, die innere Ruhe wiederzufinden. Manche Menschen können sich ihren Frust oder Stress von der Seele schreiben, andere entspannen sich beim Sport. Malen und weitere künstlerischen Tätigkeiten können beruhigend wirken, genauso wie Musik und Licht.

Falls auch du an dem Punkt angelangt bist, dass du keine Eigeninitiative mehr ergreifen kannst, ist es sinnvoll, dich an eine(n) Fachfrau(mann) zu wenden, die (der) sich professionell mit Work-Life-Balance auskennt und weiterhelfen kann.