Solltest du Panikattacken zulassen oder verhindern? Holistisch erklärt

Solltest du Panikattacken zulassen oder verhindern? Holistisch erklärt

Es ist ein qualvolles Paradoxon: Die Panik will raus, macht sich durch Herzrasen, Schluck- und Atembeschwerden, Enge in der Brust und weichen Knien bis hin zu starkem Schwindel oder gar Ohnmachtsgefühlen in deinem Körper breit. Aber alles, was du spürst, ist der Drang, die Panikattacke abzuwehren und zu vermeiden. Kaum etwas fühlt sich schlimmer an, als die Angst, wirklich eine Panikattacke zu bekommen. Was ist nun aber richtig? Die Panikattacke zu vermeiden und sich der Angst vor der Angst zu fügen oder die Angst zuzulassen? In diesem Blogartikel berichte ich von meinen Erfahrungen und gebe dir ein paar wertvolle Tipps an die Hand.

Was Panik so intensiv macht, was sie als Energie ist und ich ewig nicht verstand

wenn wir uns stressen, machen wir uns Angst

Panikattacken sind nicht mehr als angestaute Energie: Ein wilder Mix aus allerlei Hormonen. Es sind Stresshormone, oder wenn du eine Frau bist, könnte deine Angst auch vom Östrogen herrühren. Unentdeckte Schilddrüsenerkrankungen und ihre hormonelle Schieflage als Ergebnis können ebenso die Ursache sein. Was es auch ist: In deinem Körper herrscht Stress. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch in deinem äußeren Leben oder in deinem Kopf und Herzen zumindest emotionaler Stress herrscht. Sei es, dass du dir diesen Stress selbst gemacht hast oder machst oder dass es Lebensumstände gibt, die Stress zu dir schieben.

Je mehr Stress in deinem Leben vorhanden ist, desto höher dein Stressniveau. Logisch, oder? Genauso logisch wie die Tatsache, dass sich die Stresshormone in deinem Körper nur wieder absenken, wenn der Stress verringert wird. Je weniger Stress du hast/empfindest, desto weniger Angst wirst du haben. Das ist eine einfache Rechnung. Nun gibt es viele Betroffene von Angst/Panik, die sagen: Ich habe aber gar keinen Stress! Dein Leben ist super und du bist ausgeglichen, aber trotzdem hast du Panikattacken? Wenn dem WIRKLICH so ist, dann bleibt nur eine körperliche Ursache als Erklärung für deine Angstzustände übrig (wie z. B. zu viele Toxine wie Koffein, industrieller Zucker, Alkohol oder Tabak). Aber bei den meisten sind es dann doch eher verdrängte oder ignorierte Herausforderungen im Leben und belastende emotionale Belange. Viele von denen werden vor allem selbst gemacht: Trennungen, die man sich nicht zutraut, Co-Abhängigkeit, die man nicht auflöst, die Angst vor dem Alleinsein, emotionale oder psychische Überforderungen im Job oder in engen Beziehungen (vor allem auch der Familie), Perfektionismus und die Angst vor Verlust oder Versagen, der Drang zum Nachdenken und Lösen aller Probleme (vor allem bei Hochbegabten zu finden), auch die Probleme anderer Personen, Empathie-Overkill (wenn die Gefühle anderer das eigene Selbst zu verdrängen drohen) oder Hochsensitivitäts- und Hochsensibilitäts-Overkill (wenn zu viele Eindrücke/Einflüsse deine persönlichen Toleranzgrenzen sprengen) usw.

Was die Ursache deiner Panikattacken mit der Frage, ob du sie zulassen oder abwehren solltest, zu tun hat

Was wollen dir Angst und Panikattacken sagen?

Es ist unfassbar wichtig, die Ursache für deine Angst zu kennen. Warum? Wenn du weißt, was dich triggert, dann weißt du auch, woran du arbeiten kannst/solltest. Das musst du auch nicht allein machen. Du kannst dir Hilfe suchen. Wenn du aber in einer Situation bist, die bei dir Panik auslöst, dann ist die Panikenergie umso intensiver und schwerer abzuwehren, je weniger du dich um den Entstehungsherd kümmerst. Stattdessen addiert sich alles Neue mit dem Alten in dir und wird so von Mal zu Mal nur explosiver. Gehst du deine Ursache und Herausforderung aber an, kannst du nur angstfreier werden. Eine Panikattacke wegzudrücken steht somit nur Synonym für die Macht der Attacke, die du zu verhindern versuchst. Die Frage, ob du Angst zulassen solltest, stellt sich aber nicht mehr, wenn du den Krisenherd erst einmal gefunden hast.

Zwei kurze Erklärungen dazu: Angst taucht in deinem Körper auf, wenn andere Emotionen, die schwerer wiegen, nicht gefühlt werden sollen. Dein Ich hat gelernt, dass es mit ihnen nicht umzugehen weiß – respektive mit dem, was sie auslösen würden. Diese Emotionen sind sehr oft Traurigkeit, Scham und Schuld, aber auch Ekel und Überraschung sowie Furcht (nicht Angst!). Du fürchtest nicht die Panikattacke, sondern das, was sie in dir auslöst.

Als Beispiel: Meine Panikattacken und Ängste wurden getriggert, wenn ich a) nichts zu tun hatte (in Leerlauf-Situationen), denn es förderte das Gefühl zutage, ich wäre allein und niemand da, der bei mir sein wollte. Das wiederum erinnerte mich an meine einsamen Zeiten meiner Kindheit, in denen ich glaubte, es läge an mir, dass ich so viel allein war. Als Kompensation nutzte ich eine Überbeschäftigung meines Geistes/Körpers, um das alte Gefühl zu vermeiden (Arbeit, Freizeitstress, schwierige Beziehungen aus Angst vor gar keinen). Das schwächte mich, laugte mich aus und raubte mir Energie, die mein System zur Erholung/Regeneration brauchte. Auch stets mit Menschen „beschäftigt“ zu sein, fällt in diese Kategorie, ähnlich wie das Gefühl, zu nichts zu gebrauchen zu sein, nicht gebraucht zu werden, nicht gut oder genug zu sein, und somit wenig/nicht geliebt.

Meine Panik wurde b) immer dann getriggert, wenn ich etwas tun musste (Handlungen, die mir aufgezwungen wurden). Hätte ich das nicht getan, wäre ich schuld oder beschämt. Auch, wenn ich in Situationen und/oder mit Menschen zusammen sein musste, die mein System nicht akzeptierte, hatte ich Panikattacken. Die Frage nach dem Warum ist dabei irrelevant. Man kann Schwierigkeiten mit lauten oder leisen, interessanten oder eher weniger interessanten, zurückhaltenden oder übergriffigen Personen haben. Entscheidend ist nur, was als „gefährlich“ vom Gehirn/System eingestuft wird. Am schlimmsten waren für mich Menschen, die die ganze Zeit nur von sich redeten und bei denen ich merkte, dass sie mich nur zu ihrem Zweck benutzten. Das hatte nichts mit Sympathie zu tun oder gar mit Liebe. Verbundenheit, Teilhabe, Aufmerksamkeit/Anerkennung (gesehen werden, wie man ist) waren für mich damit unmöglich.

fehler, die ich machte, als ich meine phobien überwinden wollte

Weil ich selbst unehrlich mir gegenüber und den anderen gegenüber war, bekam ich Angst. Es war für mein Selbst unerklärlich, dass ich lieber mit Situationen/Menschen umgeben sein möchte, die weder mich mochten noch die ich mochte, nur, weil ich das Alleinsein, die Isolation, den Ausschluss, das Gefühl, nicht gebraucht zu werden oder schuld zu sein, so fürchtete. Das löste meine Panikattacken aus.

So bleiben wir mit Menschen zusammen oder treffen uns weiterhin mit ihnen, obwohl wir sie nicht mögen, weil wir zum Beispiel Konflikte nicht gelernt haben, einzugehen und durchzustehen (zu uns zu stehen). Wir fürchten, allein zu sein/auf uns gestellt, weil wir wegen Fehler ausgeschlossen würden. Folgegefühle wie Traurigkeit, Scham oder Schuld wollen wir meiden (weil wir mit ihnen noch viel weniger zurechtkommen als mit Angst). Außerdem wollen wir niemanden verletzen (denn sonst müssten wir an unserem guten Image oder unserer lang entwickelten Identität feilen. Wir sind eben nicht NUR gut und unsere verheimlichten Schwächen oder Gedanken haben hier und da Konsequenzen. Oder wir bleiben im unzufriedenen Job, aus Angst, beim nächsten ebenso nicht durchzuhalten (weil es nach der eigenen Schwäche riecht und das Gefühl, man wäre nicht gut oder genug, nur bestätigt), sich eine Zukunftsangst und ein Pessimismus einstellt, dass nichts besser würde, weil es an einem selbst läge usw.

Frage dich einmal:

  • Woher kommt deine Angst genau? Meint: Was versucht sie zu verhindern, was dich vermeintlich in Gefahr bringen oder verletzen würde?
  • Wann (Situationen) schweigst du dir und anderen gegenüber?
  • Was verschweigst du ihnen und dir?
  • Was müsstest du, um ehrlich zu sein, eigentlich aussprechen und tun? Bzw.: Wie müsste dein Leben aussehen/gestaltet sein, damit du dich frei von Angst, Schuld und Scham fühlst?

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wenn du dein Leben so erschaffst, du keine Angstzustände mehr erlebst. Es gäbe keinerlei Anlass mehr.

Aber du fürchtest lebensverändernde Einschnitte, oder? Wenn die Panikattacke kommt, ruft deshalb das gefürchtete Gefühl

Flucht, Kampf oder Starre setzt ein, um der Gefahr nicht ausgesetzt zu sein und somit sicher zu bleiben.

Was du gegen deine Angstzustände und Panikattacken tun kannst
Möchtest du mehr über meine holistische Herangehensweise bei Angstzuständen und Panikattacken wissen? Dann schau mal hier >>

Ändern wir die Auslöser/Trigger nicht, sondern doktorn nur am Symptom herum, muss es so geschehen, dass wir den Umgang mit dem Trigger verändern, damit er keine Angst mehr auslöst. Wir lassen zu, was sein will und ist und ändern unsere Reaktion darauf, unseren Umgang damit. Panikattacken sind in vielen Fällen nur ein Symptom, das entsteht, weil es durch eine missliche Situation getriggert wurde oder aber weil der Umgang mit einer Situation misslich ist, noch nicht so gelernt von dir, dass du Bescheid weißt, wie sie am besten für dich läuft. Hast du es zum Beispiel einmal geschafft, deine Bedürfnisse anzusprechen, wird es leichter beim nächsten Mal. Die Energie deiner vorherigen Angst vor Konflikten nimmt ab – mit jedem Mal, bei dem du zu dir stehst und offen ansprichst, was du brauchst, statt so zu tun, als wäre alles bestens.

Sich nicht in den Konflikt zu begeben, nicht zu sagen, dass dir etwas nicht passt, nicht zu sagen, was du brauchst, nicht zu sagen, was du nicht kannst, nicht zugeben, dass etwas in dir anders ist, als alle denken, sind die häufigsten Trigger für Panikattacken.

Ein Weg, nicht gleich alle Brücken abzubrechen, ist das Erweitern seines bisherigen Wissens: Persönlichkeitsentwicklung im Sinne einer Aktualisierung.

Zu einem gesunden Umgang mit schwierigen Situationen/Menschen gehören Kompetenzen, die man vielleicht lernen muss, weil sie bisher nicht gebraucht wurden. Viele sind auf Harmonie programmiert und vermeiden Disharmonie (aka Konflikte) und kennen/können oft Durchsetzungsvermögen oder Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung nicht. Oder sie wissen gar nicht, dass sie es haben dürfen, dass sie zählen.
Lernt man die fehlenden Kompetenzen für den Trigger nicht, bleibt die Herausforderung ungelöst und unbetrachtet, die körperliche Reaktion gleich und vermeintlich gefährlich.

Kompetenzen neu dazuzulernen ist besser als vor der Herausforderung wegzulaufen

nicht die angst ist das Problem, sondern was sie auslöst

Aber kann ich nicht einfach kündigen oder mich trennen oder mir eine Auszeit nehmen oder zur Kur fahren oder oder …? Dachte ich bei meiner ersten, zweiten und dritten Angststörung auch. Und ja, oft bleibt nur Gehen. In diesem Sinne ist dann Gehen, Loslassen, Verlassen, sich trennen und neu orientieren aber nur eine andere Form der Angstvermeidung. Das kann funktionieren, sehr gut sogar, wenn die Situation ohnehin schädlich für dich ist (z. B. eine destruktive Beziehung oder ein überfordernder Job ohne Perspektive der Besserung). Aber es ist nicht gesagt, dass deine Angst somit auch besänftigt und nicht weiter ausgelöst würde. Sie verschwindet ja nicht, nur weil ein Beispiel deines Angsttriggers weg wäre. Nimm nur einmal Schuld: Dieses Gefühl verschwindet nicht, noch verschwinden Situationen, in denen du dich schuldig fühlen könntest. Oder nimm Scham oder Traurigkeit: Nur, weil man sich zum Beispiel nicht auf Liebe oder eine enge Beziehung einlässt, verschwindet das Gefühl nicht. Im Gegenteil: Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit bleibt und somit auch der Drang, sie zu schaffen. Es liegt dann nicht daran, dass wir wieder den Falschen getroffen hätten. Dasselbe kannst du auf alle anderen Situationen beziehen: Die Angst, schuldig zu sein, weil du keine perfekte Mutter bist, oder die Angst vor deiner Ungenügenheit oder Abweisung, weil du als Mensch oder Frau oder Mann nicht perfekt bist. Der Umgang mit dem Trigger muss verbessert werden, nicht der Mensch, mit dem zusammen bist oder dein Arbeitgeber oder dein Körpergewicht usw.

Bei der nächsten Angst vor der Angst oder Panikattacke, erinnere dich: Die Panikattacke ist NICHT das Problem. Die Schwierigkeit liegt in deiner inneren Abwehr, mit dem Angstauslöser gesund umzugehen. (Lies diesen Satz noch einmal.)

Möchtest du mehr über meine Art, mit Angst und Panikattacken umzugehen, wissen? Dann könnte dich das interessieren:

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Als ich meine damalige Beziehung beendet und kurze Zeit später meinen Job gekündigt hatte, voller Vertrauen in meine Selbstständigkeit gegangen und mich neu erfunden hatte, dachte ich: Jetzt bin ich endlich bei mir angekommen. Jetzt bin ich GANZ ICH, so wie ich immer sein wollte. Ich erschuf mich neu und wurde zu der Person, die ich seit meiner Kindheit sein wollte. Ich fühlte mich frei und angekommen in mir selbst.

Heute – drei Jahre später (und es loderte seit Monaten in mir) – stelle ich fest: Eine solche Ich-Inventur muss regelmäßig geschehen. Es reicht nicht aus, mich nur nach heftigen Lebenseinschnitten wie meiner letzten Agoraphobie mit Panikattacken 2013 zu fragen: Wer will ich sein? Selbstaktualisierung zur Selbstfindung geschieht nicht einmalig. Also stellte ich neulich die Frage erneut und lasse dich hier daran teilhaben. Nur dieses Mal – ein paar Jahre später, älter und schlauer – fügte ich ein paar Schichten hinzu. Weil ich gelernt habe, dass die Antwort alles entscheidend sein kann für die Zukunft, die man sich wünscht.

Wer will ich sein? Und wieso reicht die Antwort von damals mir heute nicht mehr?

Selbstfindung findet nicht einmal statt noch ist sie endgültig: Sie braucht kleine, stetige Anpassungen, um langfristig dein Wohl, Zufriedenheit und Erfüllung zu garantieren.

Kann Selbstfindung überhaupt endgültig sein? Man sagt ja, alle sieben Jahre würde sich das Leben (und die Haarstruktur?!) ändern: Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber ich habe gelernt, dass einzelne Erlebnisse sowie die Summe der Erfahrungen und Jahre uns ändern. Etwas, was letzte Woche noch zufrieden machte oder innere Stärke und Sicherheit verlieh, kann schon morgen nicht mehr ausreichen – nicht mehr glücklich machen. Seien es Beziehungen, Arbeitsaufgaben oder der Arbeitgeber an sich, Freunde oder Hobbys, Gewohnheiten oder man selbst, so, wie man sich sieht: Mit jedem Tag, der verstreicht, können wir eine innere Wandlung vollziehen, ohne sie überhaupt zu merken. Und deshalb sind kleine Anpassungen, damit wir werden, sein und bleiben, wer wir sein wollen, nötig – regelmäßig und niemals endgültig abgeschlossen.

Wenn wir unsere inneren Wandlungen merken, dann lodert es oft seit einiger Zeit. Auch Körper und Geist brauchen ihre Zeit, zu merken, dass etwas nicht mehr stimmt – unstimmig geworden ist. Erst dann schicken sie Signale, die uns aufhorchen lassen wollen, um Veränderungen für unser Wohl einzuleiten. Vielleicht sind es kleine Änderungen in unserem Verhalten (uns selbst oder unserem Umfeld gegenüber) oder in unserem Denken (Wie stehen wir zu den Menschen in unserem Leben und im Allgemeinen? Wie bewerte ich die Beziehungen/Partnerschaft in meinem Leben? Wofür bin ich dankbar? Was nagt an mir?). Denn die Antworten entscheiden über unsere Gefühle. Und selbst die unterliegen – schön fest- und eingefahren – individuellen Mustern.

Ich für meinen Teil stellte in diesem Jahr fest: Meine Muster waren für die damalige Befreiung und folgende Erleichterung dienlich. Heute sind sie es nicht mehr, denn heute machen sie mich weniger zufrieden. Damals brauchte ich andere Elemente in meinem Leben als heute (Alleinsein, Selbstbestimmung, grenzenlose Möglichkeiten und permanenter Selbstausdruck). Heute würden diese für Unruhe, innere Unsicherheit und Einsamkeit sorgen – weil sich meine Ziele, ohne dass ich es bemerkte, in den letzten drei Jahren geändert haben. Und damit auch das, was ich sein will – heute.

Meine Werte haben sich vor allem verändert und ich wollte meine Sanftheit zurück. Jetzt, da ich erreicht habe, was ich damals wollte, darf ich weiter auf dieses Fundament aufbauen. Und deshalb durfte sich mein Leben, wie es die letzten Jahre aussah, auch ändern. Nein, es musste sich ändern. Nur auf weniger dramatische, willens(über)starke und selbst-herr-liche Weise, wie ich es früher angegangen bin.

Für radikale Veränderungen, so, wie es meine zwischen 2013 und 2016 war, braucht es eine gewisse Radikalität im Verhalten und Denken. Es braucht Ignoranz aller abweichenden Denk- und Verhaltensweisen, tiefes Selbstvertrauen und ein Stück Aggression, wenn du mich fragst, um weiterzumachen – selbst dann, wenn dein Umfeld es missbilligt oder missmutig beäugt. Es braucht Strenge, damit du durchhältst und feste Werte, mit denen du deine Ziele erreichen willst. Und trotzdem musst du sanft zu dir sein, um dich selbst nicht fertigzumachen oder auszubrennen. Es braucht vor allem ein klares Wissen um deine Bedürfnisse, die im Moment unerfüllt sind.

Sich selbst zu finden heißt, zu jemandem zu werden, den DU magst – nicht, damit dich andere (gut) finden und mögen

sein wie andere mich wollen

Mit dieser Überschrift gehen wichtige Aspekte einher, die ich dir mit auf den Weg geben möchte, bevor wir mit meinen Fragen loslegen:

Oftmals wollen wir uns ändern, damit sich im Außen etwas ändert. Man will schlanker oder muskulöser werden, damit man mehr vom bevorzugten Geschlecht wahrgenommen und gemocht wird, um eine Partnerschaft zu finden oder die Form der Beziehung, die du dir wünscht. Man will beruflich erfolgreicher werden oder sich gebraucht fühlen, im Kontakt zu sein, in einer Machtposition oder mehr Geld verdienen. Was auch immer du dir wünschst: Du verbindest damit etwas, z. B. Status, Teilsein oder Wichtigkeit deiner Person.

Unser Wohl und unser Selbst, unser wahres Ich, steht nie in Abhängigkeit zu anderen oder dem Leben anderer. Es gibt keine Bedingungen anderer, die du selbst zu erfüllen hättest, um du zu sein/zu werden. Prüfe deshalb genau, für wen du etwas tust oder tun willst, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst! Für wen willst Änderungen in deinem Leben erwirken? Für dich und allein nur für dich oder weil du dir davon im Außen etwas erhoffst? Als Beispiel: Wenn du abnehmen oder Muskeln aufbauen willst, machst du das, weil du das für dich möchtest, oder weil du dir davon mehr Beachtung durch andere erhoffst oder sogar Liebe und in-Beziehung-sein? Glaubst du, das äußere Erscheinen müsste erfüllt werden, damit du beachtet/geliebt wirst – vielleicht sogar von einer bestimmten “Sorte” Frau/Mann/Mensch?

Als soziale Wesen trotz unterschiedlichster Charaktere brauchen wir (soziale) Anerkennung im Sinne des Gefühls, nicht isoliert zu sein oder ausgestoßen zu werden. Und natürlich lernen wir von früh auf, XYZ zu tun, um anerkannt zu werden, und zu vermeiden, was uns Ablehnung bringt. Doch wer sich selbst finden und ändern wird/will, der muss bei den Punkten Anerkennung/Ablehnung Abstriche machen. Nur so kann man die finden, zu denen man gehören kann (falls man möchte), oder gefunden werden. Nur so erfährt man natürlicherweise – nicht erarbeitet oder sonstwie geleistet – Beachtung und Akzeptanz. Und nur aus dieser kann etwa echte Liebe entstehen, die deinem wahren Ich gilt und nicht einer Maske oder Rolle.

ICH-Inventur: Wer willst du sein – auf allen Ebenen?

Having said that: Also holte ich den Spickzettel von früher heraus. Eigentlich gehörte der bisher nur meinen Klientinnen in Coachings und Mentorings, aber da sich viele 1-zu-1-Beratungen nicht leisten können oder möchten, stelle ich ihn hier im Blog heute kostenfrei zur Verfügung.

Zettel und Stift sind sinnvoll, wenn du dir die Fragen beantwortest:

  • Wovor bist du bisher geflohen? Was wolltest du dir und anderen beweisen? Wolltest du etwas wiedergutmachen (im Leben anderer oder eine eigene Wunde von früher)?
  • Welche positiven Aspekte bringt dir eine neue Wandlung? Wie kannst du mit etwaigen negativen Aspekten umgehen? (meint Risiken und wie du sie managen würdest)
  • Welche neuen Signale haben sich gezeigt, dass dein Leben Anpassungen benötigt? Auf welcher Ebene zeigten sie sich zuerst (Körper, Geist, Herz, Seele)? Wirst du dich an sie erinnern/sie erkennen, falls sie erneut auftreten sollten?
  • Was hast du dir bislang verheimlicht? Was wolltest du dir nicht eingestehen? Wo hast du was verdrängt oder dir schön geredet?
  • Welche Menschen in deinem Leben stehen deiner Selbstfindung und Ich-Werdung im Weg bzw. geben dir das Gefühl, dass sie dagegen wären? Wie bist du bislang damit umgegangen und wie kannst du neu, besser und anders damit umgehen?
  • Was war positiv an deinem bisherigen Leben/sabschnitt? Was nimmst du dankbar mit?
  • Wer/Was willst du sein? (meint: Wie willst du sein? – Qualitäten deines neuen Ichs sowie Eigenschaften, innerlich und äußerlich)
    • als Mensch
    • als Frau/Mann
    • als Freundin/Freund
    • als Partnerin/Partner
    • als Mutter/Vater bzw. Großmutter/Großvater
    • als Tochter/Sohn
    • als Bruder/Schwester
    • im Beruf

Die letzten Fragen sind besonders wichtig. Wer willst du sein? bedeutet: Wie willst du als Frau/Mutter/Partnerin/Schwester/Freundin/Tochter sein und nicht, wie du wahrgenommen werden möchtest, um zu …

Ich zum Beispiel möchte ein sanfter, aber bestimmter, reflektierter und liebevoller Mensch sein, der seine Aufgabe kennt und sie gern erfüllt, eine Frau, die sich nimmt, was sie will und nicht aufhalten lässt von gesellschaftlichen Konventionen oder Strömungen, Medien oder Meinungen anderer, eine Partnerin, deren Herz sichtbar sein darf, ob stark oder schwach. Beruflich würde ich nie Artikel darüber schreiben, wie schön XYZs Designschuhe sind, wie durchtrainiert XYZ heute ist oder dass XYZ jetzt mit Hollywood-Schönling ABC zusammen ist. Ich muss mich mit tieferen Schichten der Menschen beschäftigen können, sonst geht es mir nicht gut.

Probiere deine eigenen Antworten auch gern von hinten herum und beginne mit dem, was du nicht sein möchtest, um zu dem, was/wie du sein möchtest, zu gelangen.

Weitere Fragen, die du dir stellen kannst, sind:

  • Wozu willst du das sein?/Was versprichst du dir davon? Und warum?
  • Willst du das für dich sein oder damit im Außen etwas geschieht? (Prüfe genau, für wen du das tust, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst!)
  • Mit welchen Mitteln willst du erreichen? Was bist du bereit, dafür zu tun? Welche Zeit gibst du dir? Ist diese realistisch?
  • Was muss schwinden oder sich verringern, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Wovon braucht es mehr in deinem Leben, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Welche Anpassungen deines jetzigen Ichs braucht das? Welche Kompetenzen müssen dafür gestärkt oder aufgebaut werden? Wer kann dich darin unterstützen?

In eigener Sache

Nachdem ich die letzten Monate abgetaucht war, starte ich nun wieder langsam durch – auf meine Weise. Blogtexte in meiner Frequenz und zu meinen (auch neuen) Themen, Coachings wie das FRAU ICH-Programm und Selbstcoaching-Programme wie “Die Wunde der Ungeliebten” (bald hier) sind wichtig für mich.

Auch wenn mein ursprüngliches Ziel, über Ängste (und nur über Ängste) zu bloggen, mindestens zu 90 Prozent erreicht ist, werde ich auch und/oder eher subtilere Themenverbindungen, die Angst aufrufen/triggern können, ansprechen. Vor allem trägt mich seit Mai diesen Jahres ein ganz anderes Projekt, was mehr ein lang gehegter Herzenswunsch als eine berufliche Absicht ist. (Vielleicht schreibe ich demnächst mehr darüber. Momentan wäre es noch zu früh.)

Das als kleiner Ausblick auf das, was im Blog und bei mir zukünftig geschehen wird und darf – auf ganz sanfte, eigene Weise.

Ich hoffe, dass du in deinem Beitrag ein paar Impulse für dich und dein wahres Ich finden konntest. Das würde mich von Herzen freuen! Getreu dem Motto: Lieber entdecken statt verstecken.

Endlich, leichter und schneller einschlafen: 3 Strategien oder 1 Technik, die Wunder gegen schlaflose Nächte wirkt

Endlich, leichter und schneller einschlafen: 3 Strategien oder 1 Technik, die Wunder gegen schlaflose Nächte wirkt

Du willst einfach nur einschlafen, aber Nacht für Nacht liegst du wach und keine der vielen Einschlafftipps hilft? Das kenne ich zu gut – aus Zeiten meiner Angstzustände und auch aus gesunden. Damals hatte ich alle Ratschläge gegen Schlaflosigkeit ausprobiert, aber ich lag trotzdem stundenlang wach – obwohl ich todmüde war. Morgens war ich natürlich gerädert und den ganzen Tag über unkonzentriert, hypersensibel, zumindest angespannt, aber oftmals ängstlich.

Über Jahre hinweg habe ich schließlich eine Technik, bestehend aus drei einzelnen Strategien perfektioniert, damit ich nie wieder Probleme haben würde, einzuschlafen. Hier nun kostenfrei im Blog nachzulesen >>

Wieso Schlaf so wichtig ist und Schlafmangel Stress und Angst auslösen kann

stundenlang im bett nachts wach liegen
Wer nachts stundenlang wachliegt und keinen erholsamen Schlaf bekommt, ist anfälliger für Angst (und somit Stress). Laut einer neuen Studie kann Schlafmangel sogar Angst auslösen.

Es gibt sie wie Sand am Meer, die vielen Ratschläge gegen Schlaflosigkeit – für Menschen, die ewig nicht einschlafen bzw. zu wenig Schlaf bekommen. Sie haben einen ernsten Hintergrund, denn die Medizin weiß, wie schädlich es für die Gesundheit und Psyche ist, wenn über eine längere Zeit Schlafmangel das herrscht.

Eine neue Studie der U. C.-Berkeley (Quelle am Ende) fand heraus, dass Schlafmangel Angstzustände auslösen kann, wohingegen Tiefschlaf beruhigend und angstlösend auf das Gehirn wirkt. Nur in der Rapid-Eye-Movement-Phase, so die Forscher, könnte der Körper das Angstniveau verringern. Ihre Experimente verdeutlichten, dass Angsterregendes (Erlebnisse, Stress, negative News oder brutale Medieninhalte) besser abgefedert wird, wenn wir erholsam schlafen, schlaflose Nächte es dem Gehirn aber schwerer machen, den Tag oder singuläre Erlebnisse “abzuschütteln”.

Damit steht fest: Eine Nacht erholsamer Schlaf verringert das Angst- und Stressniveau drastisch. Die Gefühlslage (und somit das Erleben einzelner Emotionen) wird stabilisiert. Im Umkehrschluss heißt das: Das Niveau deiner Angst (des Stresses) kann um 30 Prozent ansteigen (so U. C. Berkeley), wenn die Nacht schlaflos war. Schlaf verhält sich dabei wie eine Generalüberholung und Reparatur all dessen, was dir tagsüber geschadet hat.

Und doch: Zu viele liegen stundenlang schlaflos und deshalb ruhelos und angespannt in ihrem Bett, starren immer wieder auf die Uhr, sehen, dass sie eine weitere Stunde wachgelegen haben, wissend, dass sie nur noch sechs … fünf … vier … drei Stunden schlafen können, bis der Wecker wieder klingelt.

Tipps, um leichter und schneller einschlafen zu können

die besten ratschläge, wenn du nicht schlafen kannst

Bevor ich dir meine Technik/Strategien dagegen vorstelle, lass mich kurz die wesentlichen und altbewährten Einschlaftipps zusammenfassen:

  1. Kein Sport vor dem Schlafengehen. Es produziert zu viele Hormone, die dich wach machen/halten.
  2. Kein schweres Essen oder Alkohol kurz vor dem Schlafengehen zu sich nehmen. Ein beschäftigter Magen-Darm kann dich vom Schlafen abhalten – so auch Alkohol, von dem man zwar besser einschläft, aber doch qualitativ schlechter (durch)schläft. Dabei gilt alles bis zu ein, zwei Stunden vorher als “kurz”.
  3. Keine Technik/Strahlen im Schlafzimmer: Smartphone, Fernseher und Pads gehören nicht dorthin, da es den Körper am Ausschütten des Einschlafhormons Melatonin hindert. Das blaue Licht der Technik stört den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers immens.
  4. Lüfte vor dem Schlafengehen gut durch oder schlaf mit offenem Fenster, damit genug Sauerstoff vorhanden ist.
  5. Man sollte keine Pflanzen im Schlafzimmer haben (sagt so mancher), weil diese einem den Sauerstoff klauen würden.
  6. Am besten sollte man auch ohne Socken schlafen und nicht zu warm, damit der Körper, wenn nötig, seine Temperatur allein regeln kann.
  7. Mach das Schlafzimmer vor allem zu einem Ort, den du magst und nicht hasst (was schwer ist, wenn man unter Schlafmangel leidet).
  8. Geh nur ins Bett, um dort zu schlafen: Für (fast) alles andere gibt es Sofas.
  9. Geh am besten so ins Bett, dass du vor 24 Uhr schläfst, da das das Beste für den Körper sei und der Schlaf entsprechend am gesündesten.
  10. Minimiere alle Geräuschquellen, notfalls mit Hörschutz.
  11. Trag bequeme Kleidung.
  12. Wenn du nicht einschlafen kannst, steh auf und geh in der Wohnung umher. Dann kehre wieder ins Bett zurück. (Psychologentipp)

Hörtipp – Podcast zum Thema “Schlafprobleme und nächtliches Grübeln”

Meine Technik/Strategien für einen schnelles Einschlafen

Tipps um schnell einzuschlafen

Bei mir funktionierte beizeiten KEINER der bewährten Einschlaftipps. Hin und wieder gelang es mir, mit speziellen Yogaübungen in eine Schwere zu kommen, die mich müder und erschöpfter machte. Aber auch das stellte sich langfristig nicht als Generallösung heraus. Natürlich war es hilfreich, tagsüber meinen Körper auszupowern, aber: Vielen – so auch mir – ist ihr Kopf im Weg und nicht der Körper. Sie schaffen es nicht, das Denken abzuschalten und so mühelos in den Schlaf zu gleiten. Stattdessen ist der Kopf die ganze Zeit an, erschafft so manche Probleme, die man vorher noch nicht hatte, geht noch einmal Gespräche durch oder erträumt sich neue … Du weißt sicher, was ich meine.

Bei anderen wiederum ist es doch der Körper, der zusätzlich oder alleinig streikt: Viele beklagen zum Beispiel, dass sie Spannungskopfschmerzen (ein dumpfes Gefühl auf einer Kopfseite) bekommen oder sie ihr Herz schlagen/rasen hören und sie das vom Einschlafen abhält. Anderen wiederum reicht es schon, wenn sich ihre Körperteile berühren, die Beine schwer sind, die Nase dicht oder der Nacken schmerzt, sie nicht genug Platz zum Schlafen haben, das Kissen zu hoch oder zu niedrig ist oder sie sich eingeengt fühlen – weil beispielsweise ihr Partner neben ihn liegt. Gegen solche Beschwerden gibt es vereinzelt Abhilfe, sei es in Form von extra Kissen oder getrenntem Schlafen.

Ich möchte meinen Tipp für ein besseres Einschlafen nicht als Geheimtipp betiteln, aber ihn dir wenigstens vorstellen. Probiere ihn aus und sieh selbst, ob er dir hilft oder nicht. (Vor allem würde ich mich freuen, wenn du mich wissen lässt, ob er dir dienlich war.)

Voraussetzung/Grundlegendes

Nicht im Kopf sein, sondern Fokus auf die Technik(en), die ich dir nun vorstelle, ist oberste Priorität. Viele sind mit ihrer Konzentration im Kopf, weil sie darauf warten, endlich einschlafen. Dabei sind sie starr und steif, angespannt (auch muskulär) – ängstlich, weil der Schlaf nicht kommt und/oder weil sie denken, er würde auch nicht kommen. Einschlafen aber geschieht nicht bewusst. Du merkst nicht, wie und dass du einschläfst. Der Moment, in dem du wegdämmerst, entsteht in der völligen körperlichen und geistigen Entspannung. Je mehr du im Kopf bist, nachdenkst, über Probleme grübelst oder dich in deine Traumwelten denkst, desto beschäftigter ist dein System – und desto weniger entspannt und schlafbereit ist dein Körper.

Los geht’s

Wichtig vorab: Alle Gesichtsmuskeln entspannen, Kiefer lockern und Konzentration in den Körper (statt Kopf) bringen. Dafür kannst du auch Körperreisen machen: Atme von deinen Füßen hoch zum Knöchel, zur Wade, ins Knie, dem Oberschenkel, dem Gesäß usw.

Fokus ändern & beibehalten

Konzentriere dich nun auf deine Augen/Augenlider. Richte deine Augen (im geschlossenen Zustand) nach vorn oder nach unten (links, rechts). Viele haben ihre Augen nach oben gedreht, was den Fokus auf den Kopf richtet. Aber wendet man sie nach unten, rechts oder links oder zumindest nach vorn, kann es Schwere im Körpers fördern – immerhin suggeriert man dem Gehirn auch: Achtung Schlafen! Viele fangen automatisch an zu gähnen, wenn sie nach unten schauen. Diese Fokusverschiebung braucht bei einigen etwas Übung. Am besten du trainierst dich bereits tagsüber darauf, immer wieder bei geschlossenen Augen mit den Augen nach unten zu sehen.

Noch ein Tipp: Hilfreich könnte zudem sein, dich auf den Bereich zwischen deinen Augenbrauen zu konzentrieren. Mach dich aber nicht fertig, sollten sich deine Augen automatisch wieder nach oben drehen. Bring sie einfach wieder in die Position, die dir am besten tut.

Atmen, Baby!

Es gibt dutzende Atemtechniken, die dich sofort einschlafen lassen sollen. Keine funktionierte bei mir, dafür aber eine, die Kindern in der Psychologie empfohlen wird: die tiefe Bauchatmung, auch Ballonatmung genannt. Dabei stellt man sich vor, mittellang in den Bauch zu atmen, als würde man einen Ballon aufblasen. Dann folgt das längere Ausatmen (als Einatmen), als würde man die Luft wieder aus dem Ballon lassen.

Fazit & Zusammenfassung

besser einschlafen
Ein Versuch ist es wert …

Kombiniert man nun diese drei letzten Schritte miteinander, 1) Fokus auf den Körper, 2) Augenstellung nach unten (rechts oder links) und 3) Bauchatmung, fördert es das Einschlafen.

Klingt alles sehr banal, aber bevor du abwinkst und sagst “Zu einfach!”: Probiere es heute Nacht aus und sieh dann, ob es bei dir klappt. Lass mich morgen wissen, ob es geklappt hat.

Happy sleep!
Janett

Quellen:

Anwar, Yasmin: Stressed to the Max? Deep Sleep Can Rewire the Anxious Brain. Berkeley News. Nov 4, 2019. URL: https://news.berkeley.edu/2019/11/04/deep-sleep-can-rewire-the-anxious-brain/. Abgerufen am: Nov 6, 2019.

*Reznick, Charlotte: Innere Starkmacher: Wie Kinder Stress und Angst in Freude und Selbstvertrauen verwandeln. Kösel-Verlag, 2013.

Wie du dich trennst, obwohl du ihn/sie von Herzen liebst

Wie du dich trennst, obwohl du ihn/sie von Herzen liebst

Ich hatte zwei Beziehungen in meinem Leben, in denen ich meinen Partner über alles liebte – aber ich wusste, ich musste mich trennen. Ich musste eine Trennung schaffen, weil die Partnerschaft niemals so sein würde, wie ich sie gebraucht hätte. Sie wäre nie emotional und psychisch gesund und nährend geworden, hätte meine Bedürfnisse als Mensch, Frau und Partnerin nicht erfüllt. Die Gründe lagen entweder in der emotionalen Nichtverfügbarkeit des Anderen, seien es Bindungs- und Beziehungsangst, oder in verschiedenen Auffassungen von einer Partnerschaft. Aber wir als Paar funktionierten einfach nicht (mehr).

Es fiel mir unendlich schwer, schlusszumachen – und bei einer Beziehung brauchte ich Dutzende Anläufe. Kennst du diese Situation? Suchst du auch nach Wegen, wie du dich befreien kannst aus einer Beziehung, die dir nicht mehr gut tut? Dann hoffe ich, dass dir meine Erfahrungen in diesem Blog weiterhelfen.

Scheiden tut weh: Die eine bestimmte Angst, die verhindert, dass man sich trennt

den partner nicht verletzen wollen
Scheiden tut bekanntlich weh, nicht nur dem, der verlassen wird, sondern auch dem, der verlässt. Was wirklich dahintersteckt, ist eine bestimmte Angst: Trennungsangst.

Es ist eine bestimmte Angst, die mit weiteren Ängsten in Verbindung steht, die dich abhält, dich aus deiner Beziehung zu lösen und von jemandem trennen – obwohl du weißt, dass es besser ist und obwohl du ihn/sie liebst. Diese Angst heißt passenderweise Trennungsangst. Sie beschreibt die Befürchtung, dass eine Trennung schwere Gefühle auslöst oder belastende Ereignisse folgen (soziale Isolation, Ausstoß, Alleinsein/ Einsamkeit, Diffamierung usw.). Diese Gefühle sind:

  • Scham
  • Schuld
  • Traurigkeit
  • und Furcht (nicht Angst).

Diese Gefühle sind sowohl auf deiner Seite möglich als auch auf der Seite der Person, von der du dich trennen willst/würdest. Du würdest sie also nicht nur bei dir selbst spüren können, sondern müsstest auch ertragen, sie bei deinem Herzenspartner zu sehen. Denn üblicherweise ist man extrem traurig, wenn man verlassen wird, neigt vielleicht sogar zu Wut (nur ein Mantel der Traurigkeit, eine Art Sprachrohr und Ventil). Oder der Verlassene fragt sich: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Bin ich nicht mehr liebenswert? Ist jemand anderes besser, schöner, interessanter etc. als ich? Die letzten Fragen gehen in Richtung Schuld und Scham. Die kann man auch empfinden, wenn man sich selbst trennt. Dabei brauchen Trennungen keine Erlaubnis.

Auch was nach einer Trennung folgen könnte, besonders im sozialen Umfeld, lässt viele den Schritt der Trennung nicht wagen: Sie fürchten den Ausschluss aus der Familie oder dem Freundes- und Bekanntenkreis, die Schuld, mit der man betrachtet wird, sogar die Diffamierung seitens des verlassenen Partners. Hinzu kommen die eigenen Ängste vor dem Alleinsein (Werde ich je wieder jemanden kennenlernen? Wie lange werde ich allein sein? Ist der Spatz in der Hand nicht vielleicht doch besser als die Taube auf dem Dach?).

Gleich an dieser Stelle frage dich, wie du mit diesen vier Gefühlen gelernt hast umzugehen. Hast du es überhaupt so gelernt, dass du sie dir zutraust? Denn wenn nicht, dann liegt es nicht an der Trennung an sich, sondern am nicht gelernten Umgang. Viele Menschen haben es nicht gelernt – auch ich wusste es früher nicht – und müssen es in ihrem Erwachsenenleben nachholen. Das ist machbar, wenn man ehrlich zu sich ist und sich Einsicht und Lernen erlaubt.

  • Was machen diese vier Gefühle mit mir?
  • Wer waren meine Vorbilder für diese Gefühle (Eltern, Geschwister, LehrerInnen, erste PartnerInnen usw.)?
  • Wie haben sie mir den Umgang mit diesen Gefühlen beigebracht?
  • Wie reagierten sie auf diese Gefühle?
  • Was sind meine eigenen Impulse bei diesen Gefühlen? Wie würde ich eigentlich reagieren, wenn es die Anderen nicht gegeben hätte?

Ich liebe ihn/sie so sehr. Ich kann mich nicht trennen!

woran erkennst du, ob er/sie nur sex will

Trennungsangst hat viele Dimensionen: Sie beginnen beim bekannten Credo “Man trennt sich nicht” (vom Elternhaus übernommen) und reicht bis zu “Ich kann ihn/sie nicht verlassen – Es würde ihn/sie nur verletzen” (Angst vor den Gefühlen des Anderen, besonders deine eigene oder deren Uneigenständigkeit).

Ich sehe bei meinen Klientinnen immer wieder fehlende Kompetenzen, die hier den Ausschlag geben, wie fehlgesteuerte Verantwortung (Fremdverantwortung wiege mehr als Selbstverantwortung z. B.). Augenscheinlich sind es allerdings oft externe Gründe, die diese gelernten Denk- und Verhaltensmuster verbergen:

  • gemeinsame Kinder
  • gemeinsames Eigentum oder Geldanlagen
  • finanzielle Abhängigkeiten
  • Krankheiten und Pflegebedürfnisse
  • fehlende Kompetenzen des Partners/der Partnerin
  • andere Abhängigkeiten usw.

Doch der am häufigsten genannte Grund, wieso sich viele nicht trennen, ist noch immer: LIEBE. Sie wollen/können sich nicht trennen, obwohl sie unglücklich sind. Sie wollen/können es nicht, weil die Chemie so stark ist. Sie wollen/können es nicht, weil es ja manchmal auch gute Zeiten gibt oder er/sie auch nett und liebevoll sein kann. Sie nehmen wiederholt verletzte Gefühle und unerfüllte Bedürfnisse in Kauf und rechtfertigen es mit LIEBE. Ich verstehe das. Ich war dort auch. Mehrfach.

Frage dich: Kann man jemanden lieben, obwohl man nicht mehr mit ihm/ihr zusammen ist? Wenn ja, dann kann man sich auch von jemandem trennen, obwohl man ihn/sie liebt? Kann man sich sogar von jemandem trennen, weil man ihn/sie liebt? Deine Antworten zeigen dir nicht nur deine Glaubensmuster; sie vermitteln dir auch einen ersten Einblick in (d)eine neue oder fehlende Definition von Liebe.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt forschen und versuchen seit Jahrzehnten Liebe zu erklären. Aber niemand hat es bislang geschafft, eine allgemeingültige Definition zu geben. Denn Liebe ist für alle etwas anderes, bringt oder fordert Unterschiedliches. Auch deine Definitionen von Liebe und Partnerschaft könnten sich im Lauf der Jahre geändert haben oder fordern eine schon lang ausstehende Wandlung. Um zu erfahren, ob dem so ist, frage dich einfach: Was bedarf eine Partnerschaft für mich? Wann glaube ich, dass es Liebe ist? Wann liebe ich? Wann liebt mein Partner/meine Partnerin? Fühle ich mich in meiner jetzigen Beziehung entsprechend meiner Definitionen?

Hier ein Insight aus meinen Coachings: Für viele (Frauen) bedeutet Liebe, wenn jemand (hin und wieder) bei ihnen sein will oder erlaubt, dass man bei ihm sein darf. Wenn jemand manchmal etwas gibt, was an Liebe erinnert oder sich (ein wenig, kurz) gut anfühlt. Das allein fördert ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Gewolltseins, auch wenn viele Entbehrungen damit verbunden sind oder es immer auf Sparflamme bleibt. Mit dieser Form der Liebe/Partnerschaft sind also Schmerzen, Distanz (Alleinsein gefühlt als Verlassensein), Misstrauen, Verletzungen, Zwänge und Kontrollverhalten verbunden. Kennst du diese Formen aus deinem Leben, vielleicht sogar aus deinem Elternhaus? Wenn du die letzte Frage mit Ja beantwortest, lies unbedingt weiter. Denn dann herrschen unbewusste Muster in dir, die deine Aufmerksamkeit fordern.

“Deine Liebe tut zwar weh, aber …”: Wenn man lieber etwas vom Falschen nimmt, um überhaupt etwas zu haben/geliebt zu werden

trennungsangst überwinden
Ganz ohne Liebe zu sein oder jemanden, der einen (irgendwie auf seine Art, die nicht genügt) liebt, ist ein häufiger Grund, wieso sich viele nicht trennen. Er spiegelt ein kindliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit wider.

Lieber ein bisschen von etwas als gar nichts. Wenn man sich (vom Falschen) trennt, hätte man ja gar nichts mehr. Oder in diesem Fall: niemanden mehr. Dann wäre man allein. Das sind die ersten Ängste, die ich oft von meinen Klientinnen zu hören bekomme. Und sie sind verständlich. Ich kenne sie auch. Sie beruhen auf frühen Erfahrungen und Bedürfnissen nach Zugehörigkeit und Aufmerksamkeit, dem Gefühl, gewollt und geliebt zu sein, die – wie auch immer geartet – unbefriedigt blieben oder unzureichend erfüllt worden sind. Kleiner Lesetipp an dieser Stelle: Mein Buch “Über die Kunst, allein zu sein” (als Taschenbuch bei Amazon oder als E-Book bei mir)

Vielleicht war die Liebe, nach der du heute noch suchst, verbunden mit speziellen Leistungen, die du zu erbringen hattest, zum Beispiel Fürsorge oder jemand anderen wichtiger als dich zu nehmen, erwachsener zu sein, als du warst, weil der Andere es nicht war, Verantwortung zu zeigen, die für dich als Kind zu schwer wog oder Liebe zu geben, obwohl deine Eltern/Geschwister/frühe Partner sie nicht verdient hatten (meint: sie dich schlecht behandelt hatten). Vielleicht warst du gezwungen, deine Wut oder Trauer für dich zu behalten, durftest keine Kritik äußern (Darf ich das überhaupt sagen?) oder warst nie so richtig genug (was Scham auslöste). Vielleicht warst du oft gezwungen, dich zurückzunehmen oder jemand anderes musste/wollte immer im Vordergrund stehen. All diese frühen Erfahrungen sind ausschlaggebend, wenn es um deine heutigen Beziehungsmuster geht. Sie zeigen sich in deinen Partnerschaften, wenn auch unbewusst.

Aber: Man will (bzw. glaubt) sich trennen (zu müssen), weil die eigenen Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden oder im Allgemeinen unbefriedigt bleiben. Der andere ändert sich nicht; alles bliebe beim Alten und man selbst unglücklich. Das betrifft besonders Partnerschaften, die nicht die große Glückswelle erleben, weil einer von beiden Bindungsängste oder Beziehungsangst hat und emotional nicht verfügbar, nicht erreichbar ist. Vielleicht distanziert er/sie sich immer wieder oder kann keine Intimität zulassen oder nur Sex bieten, aber nicht mit emotionaler Verantwortung umgehen. Vielleicht klammert jemand aus Angst, verlassen zu werden, oder versucht, die Bindung zu kontrollieren, überwacht den Anderen oder misstraut im Stillen, ist eifersüchtig oder fordert die Co-Abhängigkeit aka Gehorsam gegen seine eigene Angst vor Verlust.

Auch Trennungen wollen gelernt sein

darf ich mich trennen

In solchen Fällen bleibt dein Bedürfnis nach Wohl und liebevoller Zugehörigkeit unerfüllt, denn sie bedingen psychisch und emotional verletzende Anpassung und erinnern an Eltern-Kind-Dynamiken. Wenn du Schwierigkeiten hast, dich aus solchen Beziehungen zu lösen, frage dich:

  • Wie eigenständig bist du ohne PartnerIn?
  • Was fehlt dir, was dir der Partner/die Partnerin (vermeintlich) bietet?
  • Gab es Aufgaben, die der Partner/die Partnerin erfüllte, die du nicht hättest erfüllen können oder wollen? Wenn ja, welche und wieso fühlst du dich hier nicht handlungsfähig?
  • Welche Kompetenzen sind es genau, die dir fehlen? Erstelle dir eine Liste und finde heraus, wie du sie nachträglich lernen kannst.
  • Traust du dir zu, dein Leben allein und ohne Beistand, ohne vorgegebene Regeln und Wege zu leben?
  • Bist du aufs Alleinsein und ggf. Einsamkeit vorbereitet? Was kannst du währenddessen tun?
  • Hast du Träume und Ziele, die dich nähren, die du bereit bist, umzusetzen – trotz des Risikos, zu versagen? (Meint: Was könnte nach der Trennung kommen, worauf du dich freust? Welche Motivationen hast du? Je motivierter du bist, desto gelingt der Schritt.)
  • Gibt es in dir jemanden (ein Elternteil z. B.), auf das du innerlich/unbewusst noch immer hörst oder sogar wartest? (Es ist dein Eltern-Ich und Kind-Ich, die miteinander rangeln.)
  • Verbindest du Liebe und Beziehung mit dem Willen anderer? Soll heißen: Wartest du darauf, dass dich andere lieben oder irgendwann einmal so lieben, wie du es brauchst, und bist/warst bislang bereit, alles dafür zu tun? Oder bist du daran gewöhnt, stillzuhalten, damit diese Liebe hin und wieder in Krümeln zu dir kommen kann?

Hier kommt die Crux: MAN DARF SICH IMMER TRENNEN, AUCH OHNE GRUND. Als Kind durfte man sich nicht gegen die Eltern stellen oder sie verlassen (weil man wusste, man würde nicht ohne sie überleben). Heute bist du aber erwachsen und überlebst in jedem Fall, so oder so. Du bist groß geworden und hast eine Menge in deinem Leben geschafft, für dich erreicht und das allein. Du brauchst per se niemanden, um zu überleben. Du musst nur mit deinen Gefühlen umgehen lernen und selbst hier bekämst du von jedem Therapeuten oder Coach wie mir Hilfe, wenn du nachfragen würdest.

Auflehnung, offene Wut oder gar ruhige und vernünftige Darstellungen, wieso du dich in einer Beziehung nicht länger siehst oder unzufrieden bist, war verboten als Kind. Aber als Erwachsene ist es sinnig. Denn heute sorgt man für sich selbst. Man hat das Recht zu sagen: Deine Art der Liebe ist nicht meine. Sie verletzt mich. Das passt (mir so) nicht. Es reicht mir nicht. Es macht mich unglücklich. Ich gehe, wenn es so bleibt. Ich werde dich verlassen, denn ansonsten werde ich noch unglücklicher.

Insofern man für sich selbst sagen kann, dass man versucht hat, was man konnte, kompromissbereit war, an sich gearbeitet hat (Prinzip geteilte Verantwortung innerhalb einer Partnerschaft), damit eine Beziehung funktioniert, kann und DARF man jederzeit ohne schlechtes Gewissen gehen. Aber selbst dies wäre nicht nötig, denn Liebe allein reicht oft nicht aus. In Partnerschaften geht es um Kompatibilitäten, darum, zusammenzupassen – ohne sich die Köpfe einzuschlagen oder aber ständig unzufrieden/unglücklich zu sein. Es hilft, sich zu ähneln in vielen Ansichten und dem Lebensstil, in Zukunftsvisionen und wie man mit dem Leben umgeht und ihm begegnet. Man braucht eine gesunde Form der Kommunikation und die Möglichkeit/Offenheit und Bereitschaft zum Austausch, gemeinsame Zeit. Das alles fördert Liebe. Ist aber nur Liebe im Sinne einer Chemie/sexuellen Anziehungskraft, Abhängigkeit oder Angst vor Trennung vorhanden, würde eine Partnerschaft sehr sicher scheitern. Diese Form der Liebe wäre wenigstens in meinen Augen optimierungsfähig und vielleicht eine Aufforderung an dich, WAHRE LIEBE kennenzulernen, deine jetzige Definition über den Haufen zu werfen und dich von dem Gelernten/deiner Vergangenheit zu trennen. WAHRE LIEBE bedeutet Bedingungslosigkeit, Partnerschaft aber meint Bedingungen, die beide gewillt sind, zu ermöglichen. Und ganz oft bedeutet das für Menschen wie dich: dich von deinen Eltern, Denkmustern und Wunden deiner Kindheit zu befreien, loszulassen, was du früher nicht bekommen hast und die Suche nach dem im Heute zu beenden.

Will er/sie nur Sex oder hat er/sie echte Beziehungsangst? Daran erkennst du es

Will er/sie nur Sex oder hat er/sie echte Beziehungsangst? Daran erkennst du es

Ein ausschließlich rein sexuelles Interesse, als lang andauernde Affäre oder Casual Sex, muss nicht zwingend ein Zeichen für Beziehungsangst und Bindungsangst sein, aber kann darauf hindeuten. Deshalb werde ich im Zuge meiner Arbeit von meinen Klientinnen und Klienten oft gefragt, woran man denn erkennt, wann jemand nur Sex möchte oder sich sogar mit einer vermeintlichen Bindungsangst herausredet (vorzüglich aufgrund negativer Beziehungserfahrungen, die so schwerschwiegend wären, dass man einfach nicht aus seiner Haut könne).

In diesem Beitrag fasse ich allen, die sich den Kopf darüber zerbrechen und unter einer solchen Situation leiden, die wichtigsten Signale für ein rein sexuelles Interesse, ohne dass er/sie den Wunsch nach einer Partnerschaft mit dir hat, zusammen. Im Anschluss gebe ich dir außerdem einen präzisen Einblick, ab wann nur Sex auf Beziehungsängste und komplizierte Bindungsstile hinweist sowie ein paar Wege, wie du diese Situation als Betroffene/r meistern kannst.

Nur Sex wollen oder Angst vor Liebe und ernster Beziehung?

wann er nur sex will und wann er angst hat vor einer ernsten beziehung
Will er/sie nur Sex oder steht da wirklich eine Angst vor Liebe und Beziehung im Weg zum Glück?

Vorweg möchte ich eins sagen: Im Kontrast zu dem, was viele denken, trifft ein rein sexuelles Interesse heute nicht mehr nur auf Männer zu, die dann die Bösen sind und Frauen nur ausnutzen wollen, wenn sie Lust haben und vögeln wollen. Es ist auch nicht der Fall, dass Beziehungsängste oder negativ wirkende Beziehungsstile (dazu unten mehr) Frauen nicht träfen. Im Gegenteil: Ich beobachte in meiner Arbeit immer öfter diese Fälle.

Folgendes möchte ich allen, die gerade auf der Suche nach mehr Einblicken und Impulsen sind, mitgeben, bevor wir uns den Signalen widmen:

  1. Männliche Beziehungsängstliche bewegen sich immer mehr zwischen 25-35 Jahren und ab 45+. (Es sind die ersten Beziehungserfahrungen oder aber die prägenden wie eine Ehe, die Ängste zu schüren scheinen.) Bei Frauen zieht es sich hingegen durch alle Altersstufen.
  2. Ob es nun an Tinder & Co. des Digitalen liegt und der damit fortschreitenden Einsamkeit oder an der Emanzipation/dem Feminismus und den sich ändernden Rollenbildern und Erwartungen an die Liebe/das Leben: Immer mehr Frauen wollen vorwiegend oder nur Aufmerksamkeit und suchen kurzzeitige Bedürfnisbefriedigung, weil sie sich keine tiefgreifende Partnerschaft vorstellen können, während immer mehr Männer aus Einsamkeit oder geringen Kontaktmöglichkeiten heraus eher zu einer Beziehung tendieren.
  3. Je mehr man abgewiesen wurde, desto mehr greift Wut um. Das zeigt sich vor allem durch aktuelle Bewegungen wie Pick up-Artists, Fucker und Player (nicht meine Begriffe!!! Ich zitiere nur.). Sie haben schon per se das Bedürfnis, aufgrund einer Verletzung oder einem hohen Ego, sich übervorteilt und ermächtigt genug zu fühlen, was tiefe, ehrliche und verletzliche Gefühle wie Liebe in einer Beziehung ausschließt. Denn da geht es automatisch wieder in Richtung Verlustangst.
  4. Dieselben Tendenzen gibt es auch bei Frauen, nur dass wir hier keine Begrifflichkeiten haben, weil wir noch mittendrin sind und Frauen und ihre Rechte gerade sehr in den Himmel gehoben werden (in einigen Aspekten zurecht, aber leider nicht immer, denn auch unter Frauen gibt es schwarze oder unsensible, egoistische Schafe).
  5. Aber: Bei Beziehungsangst geht es nicht nur darum, verletzt zu werden. Viele entscheiden sich wegen der Angst, selbst jemanden zu verletzen und schuldig zu sein oder sich zu schämen, gegen eine Beziehung. Zum Beispiel wissen sie, dass sie nur schwer treu sein können oder einige Wünsche des Anderen nicht erfüllen können/möchten. Das hat mit mangelndem Liebesgefühl dann wenig zu tun, sondern mit Persönlichkeitsstrukturen und eigenen Zielsetzungen. Niemand ist gern der Böse.
  6. Nicht selten, so traurig es auch ist, wird Beziehungsangst oder die Angst, sich zu binden, als Ausrede benutzt, um potenzielle Partner (hier vorwiegend Frauen) hinzuhalten. Es endet dann oft in On-Off-Beziehungen, in denen der vermeintliche ängstliche Teil die Vorsicht der Frau dann nutzt. Hier wird Verlustangst und Hoffnung ausgespielt. Falls dich das trifft. Lies dir bitte die unten stehenden Signale und Abgrenzungen zur Beziehungsangst besonders gut durch.
  7. Es gibt nicht nur Verlustangst als Ursache für Beziehungsangst, weshalb sich jemand für eine rein sexuelle Beziehung entscheidet. Es kann auch sein: Angst vor Liebe im Allgemeinen, keine guten Vorbilder für eine gelingende und gesunde Partnerschaft in der Vergangenheit, Angst vor Trennung (sich selbst zu trennen, den anderen nicht allein lassen zu dürfen, aber es wollen/mitunter müssen, Angst vor Nähe (emotional bei Männern, sexuell oft bei Frauen), Selbstwertängste (nicht genug oder gut sein, negative Glaubenssätze “Für mich gibt es keine Liebe.”, auf lange Sicht eine Partnerschaft nicht aufrechterhalten zu können), Angst vor Selbstverlust (und im Umkehrschluss sich hintenanstellen müssen oder etwas Schlimmes geschehe), Angst vor spezifischen Ereignissen wie Untreue, psychischer und emotionaler Missbrauch (besonders bei stark egoistischen/narzisstischen Beziehungserfahrungen).
  8. Damit ist auch klar: Es gibt Menschen, die weder etwas von Monogamie halten noch dafür gemacht sind, so, wie es Menschen gibt, die nichts von dem Konzept der Ehe halten oder keine Kinder möchten. Das kann man verteufeln oder akzeptieren. Das hat auch seine angstbasierten Ursachen, ja, aber deutet nicht zwingend auf Beziehungsangst hin. Jemand kann sich keine Kinder wünschen und dennoch eine Partnerin suchen oder nicht heiraten oder zusammenziehen wollen und trotzdem in einer Partnerschaft leben.

Signale, dass er/sie nur Sex möchte

Daran erkennst du, dass er/sie nur Sex von dir möchte

An einem rein sexuellen Interesse muss erst einmal nichts falsch sein. Doch viele tendieren zu dem Rückschluss, dass sie nicht gut, genug oder xyz wären, weshalb jemand keine Beziehung mit ihnen möchte. Da bemerken wir “nur” die unterschiedlichen Vorstellungen beider Menschen.

Und: Wir alle kennen Situationen, in denen zwischen Menschen die Funken sprühen. Nicht selten ist es doch eben diese Chemie, die uns dazu veranlasst, dass wir länger durchhalten, als wir eigentlich wollen/sollten, oder uns magisch zu jemanden hingezogen fühlen, obwohl alle Umstände gegen eine exklusive Beziehung sprechen. Wer sich damit abfinden kann, wunderbar. Wer sich aber mehr wünscht als nur Sex, nämlich Perspektive auf eine Partnerschaft, der muss sich zwangsläufig entscheiden: entweder hop oder top.

Was aber vielen passiert, ist, dass sie in einen Wartemodus geraten oder sich beginnen, zu sehr zu bemühen, sich zu beweisen oder gar Vorwürfe zu verteilen. Nun ist es leider so, dass nicht jeder seine reinen sexuellen Motive offen auf den Tisch legt. Für solche Situationen gibt es daher eine Handvoll Signale/Hinweise, die in Mehrfachkombination zeigen, woran du bist:

Zweckkommunikation und Zeiten langer Stille: Er/Sie meldet sich nur wegen Sex und redet ansonsten kaum oder gar nicht mit dir? Oder läuft jedes Gespräch, dass er/sie initiiert, auf ein Treffen für Sex hinaus? Dann geht es auch nur um Sex.

Pimp my ego Oder: Er/Sie meldet sich nur, wenn er/sie allein, gelangweilt oder schlecht drauf ist: Nicht nur die Libido veranlasst viele, Kontakt aufzunehmen, auch Zeiten, in denen man sich einsam, gelangweilt, ohne Anerkennung und Aufmerksamkeit wiederfindet oder Abwechslung zum Leben braucht. Sex ist dafür ein Mittel, weil durch Hormone wie Oxytocin und Endorphine die Laune angehoben wird. Letzten Endes aber vermag Sex, deshalb ist er auch so gesund laut Wissenschaft, tatsächlich geistig und körperlich gesund zu halten, verbunden statt ausgeschlossen, angenommen statt abgelehnt. Es ist eine Form des sozialen Kontakts und dieser tut gut.

Du kennst ihn/sie sexuell, jeden Zentimeters seines/ihres Körpers, aber darüber hinaus nichts? Auch umgekehrt ist diese häufige Verhaltensweise ein Zeichen für ein rein sexuelles Interesse, nicht aber zwingend für Beziehungsangst.

Dich nicht kennenlernen wollen: Er/Sie hat kein Interesse an dir als Mensch und Mann/Frau, stellt dir keine Fragen zu deinem Leben, Beruf, deiner Familie, deinen Freunden, Interessen und deiner Vergangenheit? Er/Sie will nichts über deine Gefühle oder Eigenarten wissen oder wie du deinen Kaffee trinkst, welche Küche du am liebsten magst oder worauf du allergisch reagierst? Auch das ist ein eindeutiges Zeichen für “nur Sex”. Denn dabei geht es dem/derjenigen nur um sich und dass er/sie bekommt, was er/sie will. Interesse aber ist eine Form des Gebens. Es zeigt Wertschätzung an der Person.

Er/Sie lässt dich nicht an seinem/ihrem Leben teilhaben: Umgekehrt funktioniert es leider genauso. Wenn dir die Person keine Fragen zu sich beantwortet, jedem normalen Gespräch aus dem Weg geht oder durch sexuelle Handlungen vereitelt zum Beispiel. Auch wenn Treffen zu normalen Zeiten für sie/ihn so gar nicht gehen, darfst du Abstand nehmen, wenn du auf der Suche nach Liebe bist. Klassiker sind: nachts anrufen oder schreiben, weil er/sie vorbeikommen will, ausschließlich Mo-Do zeitlich verfügbar sein, weil das Wochenende für enge Menschen reserviert ist usw.

Er/Sie ignoriert deine Bedürfnisse und Bedürftigkeit: Du hast schon mehrfach angesprochen, dass dir bestimmte Sachen wehtun und du andere Vorstellungen hast? Er/Sie hat vielleicht kurz gesagt, dass das in Ordnung ist oder es ganz neutral und akzeptierend angenommen (Ich weiß ja, wie du bist/was du dir wünschst. Deshalb mag ich dich ja so sehr!), aber danach fühlt es sich so an, als hätte es das Gespräch nie gegeben? Er/Sie verfällt in die alte Spirale? Wer jemanden wirklich mag, der achtet auf seine/ihre Grenzen und vermeidet es, ihn/sie zu verletzen. Punkt.

Zeitlich begrenzte Zweisamkeit und keine anderweitigen Unternehmungen: Auch wenn Sex die einzige Unternehmung ist, die vom Anderen zugelassen wird, kann man sich sicher sein, dass es auch die einzige Unternehmung ist, die gewollt ist. Leider. Meistens auch noch zu Zeiten, die er/sie bestimmt. Hast du keine Zeit, Pech für dich, denn dann siehst du ihn/sie nicht? Eine Beziehung oder eine, die es werden soll, besteht aus mehr als Sex und Intimität und diese Zeiten gehören dem Vertrauensaufbau, Kennenlernen und gemeinsam und zusammen sein, präsent und voll auf den anderen eingelassen. Nicht nur körperlich. Vor allem, wenn der/diejenige nach dem Sex gleich aufsteht oder aber nach Hause, dich aus dem Bett scheucht oder wenig Sinn für Kuscheln etc. hat, weist es auf rein sexuelles Interesse hin. (Einwurf: Mitunter gibt es hier kleine, feine Unterschiede zu Beziehungsangst, die aber individueller Natur sind. Ich zum Beispiel kann morgens nicht ewig im Bett kuscheln, weil ich Tiere habe, die essen brauchen. Einige empfanden das als Abweisung, wobei es sich nur um mein Bedürfnis handelte, sie versorgt zu wissen. Solche Situationen, insofern lebensbedingt und nicht charakterabhängig, bitte ich zu unterscheiden.)

Warten im Bett auf bessere Zeiten: Viele bemerken die Ausreden entweder nicht oder aber haben Angst, zu früh aufzugeben. Dabei ist es eine Hinhaltetaktik.

Hinhalten und viele Ausreden: Wer immer wieder dasselbe sagt und nichts anders macht, der darf auch kein anderes Ergebnis erwarten. Und braucht dasselbe auch nicht vom Gegenüber fordern. Viele halten dich nur hin, weil sie instinktiv schon wissen, dass du den Schlussstrich ziehst. Sie sind quasi darauf vorbereitet, dass das Ende kommt (während Beziehungsängstliche es fürchten), und haben sich deshalb nicht auf dich eingelassen. Aber bis dahin versprechen sie dir alles Mögliche, bringen Kuchen und Kekse oder andere Geschenke mit, damit du weiterhin in deiner Rolle bleibst. Außerdem: Wut zeigt Traurigkeit und somit echtes Interesse an. Nur Gleichgültigkeit seiner/ihrer Entscheidung gegenüber würde ihn/sie treffen. Bist du aber emotional und wünschst dir mehr, zeigt es seinen/ihren Wert und ist eine willkommene Bestätigung. Ein Kompliment, was viele mögen und suchen (so traurig es auch ist).

Ghosting, Gaslighting & Benching: Wer einfach von heute auf morgen verschwindet (Ghosting), der – so die Psychologie – hat Angst, dich zu verletzen, wenn er/sie dir sagt, dass es gefühlsmäßig nicht ausreicht. Und wer zu wenige oder keine Gefühle hat, macht sich auch keine Gedanken um deinen Gemütszustand. Es verschwinden auch nur die, meint die Forschung, die kein tiefes Interesse haben. Beim Gaslighting hingegen bekommst du die Schuld für alles, was ihn/sie daran hindert/abhält, eine Beziehung mit dir zu wollen, was dir den Verstand und das Vertrauen in dich und die Liebe rauben kann. (Hier beginnt auch die Beziehungsangst. Die genaue Unterscheidung zwischen Absicht und Angst aber spürt man genau. Frage dich: Fühlst du dich manipuliert? Wenn ja, ist es nicht Angst.) Benching hingehen ist das Warteabteil, in das du gesetzt wirst, bis ein potenziell besserer Partner für ihn/sie um die Ecke kommt. Deshalb wird nicht viel investiert, weil der/diejenige oft nicht allein sein kann/will und sich deshalb zufriedengibt. So böse es klingt: Es sind viele heutzutage so und auf dem ersten Blick erscheint es leichter für sie. Getreu dem Motto: Lieber irgendwen als niemanden. Während viele Frauen sich aber einreden, der eine (Schwierige) wäre es, sind sie selbst oft versteckte Benchler. (Verzeih! Ich möchte, dass es dir gutgeht.) Denn würde jemand um die Ecke kommen, der sie tatsächlich besser behandelt (als der, weswegen du diesen Artikel liest), wärst du vielleicht ganz schnell weg (zum Glück). Doch ganz ohne Liebe und Verbindlichkeit zu leben, ist eben schwer – für die einen mehr als für die anderen. Als Leseempfehlung macht sich mein Buch “Über die Kunst, allein zu sein” gut >>

Er/Sie weicht Entscheidungen, Urlauben, Kennenlerntreffen mit Freunden und Familie usw. aus: Hier geht es in Richtung Perspektive und gemeinsame Zukunft. Wer dich nicht soweit in sein Leben integriert, dass die Verbindung zwischen euch offenkundig, exklusiv und ernst gemeint ist, der will so eine Beziehung auch nicht. Sie lässt zu viel Verantwortung über die eigene Person hinaus erkennen.

Er/Sie handelt nur (kurz), wenn du drohst, dich zu verabschieden: Du hast schon einmal angekündigt, dass du dich trennst, weil er/sie nur an dir vorbeilebt? Lass mich raten: Genau dann hat er/sie sich verändert und war plötzlich zuckersüß oder lieb, offen für Veränderungen und Unternehmungen und und und. Aber dann schlich sich wieder das Übliche ein und aus war die gute Zeit – und kurz.

Einer der größten Unterschiede zwischen (aktiven) Beziehungsängstlichen und Nur-Sex-Interessierten ist kontraintuitiv: (Aktive) Beziehungsängstliche tendieren dazu, dich ziehen zu lassen, wenn sie durch deine Ansprüche an ihre Grenzen geraten, während Sexinteressierte zu Jägern werden, wenn der Sex droht, ihnen verloren zu gehen. Sie sind nur dann aktiv, wenn sie es müssen. Das kommt auch einem Gewinn, einem Sieg gleich, für den es sich zu kämpfen lohnt. Bei (aktiven) Beziehungsängstlichen hingegen ist diese Aktivität mehr ein Zwang, ihre Liebenswürdigkeit/Person/ihren Wert für dich beweisen zu müssen. Er macht sie mürbe, weshalb sie Nein sagen und dich gehen lassen.

Wann deutet sexuelles Interesse auf Beziehungsangst hin? Schmale Linien

1. Viele mit Angst vor Beziehungen nehmen sich Sex als Mittel der Kompensation: lieber ein bisschen Nähe als gar keine. Sex ist dann ein Weg, seine Gefühle auszudrücken und welche gezeigt zu bekommen, oft sehr innig und hingebungsvoll, liebevoll und zärtlich. Gleichzeitig fühlen sie sich geliebt durch Sex. Nichtsdestotrotz hapert es am Ende des Tages doch am Umgang mit den Gefühlen anderer (wenn sie sie zeigen/ausdrücken) und den eigenen. Hier ist Emotionsregulierung gefragt: Entweder du erlernst als Partner*in zum Beispiel eine Kommunikationstechnik wie die der Gewaltfreien Kommunikation, die dir erlaubt, es anders – für ihn/sie angstfreier – auszudrücken. Oder du lernst, deine Gefühle weniger zu zeigen und mehr auszusprechen, um ihn/sie nicht zu überrennen. Es ist der Ausdruck deiner Gefühle, der dann im anderen Angst auslösen kann. Bespricht man aber seine Gefühle und die, die auftreten durch sein/ihr Verhalten, wird es für den anderen leichter. Ist dein Gegenüber nicht willens, sich mit dir zu unterhalten/dich anzuhören, dann ist es nur sexuelles Interesse. Beziehungsängstliche haben zumeist NULL (meint: 0!!!) Probleme damit, ihre Ängste zu kommunizieren und sei es auch noch so fragmentarisch. Sie wissen, was los ist.

2. Angst ist bei Beziehungen nur ein Folgegefühl, getriggert durch ein anderes: Traurigkeit, Schuld, Scham, Ekel, Wut, Überraschung. Angst ist hier nicht dabei, wie du siehst. Zu sagen, man hätte Angst, sich auf jemanden einzulassen, ist dann das Eine (und daher auch oft gelogen oder aber nicht der wahre Grund für den inneren Rückzug oder die Abwehr). Woran man Beziehungsangst wirklich erkennt, ist, dass oft eine Art Schnitt im Moment, ein plötzlicher Abbruch des Gesprächs, der Intimität oder des Treffens/Anrufs stattfindet. Angst passiert zwar im Hirn, aber wird ausgeübt. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Sie wird selten nur ausgesprochen, sondern vom Körper ausagiert. Du siehst die Angst also, sei es durch Körperempfindungen des Anderen (Zittern, nervöse Hände und Beine, Weggucken und -drehen), Fluchtimpulsen oder Kampfimpulse (wie Wut). Es gilt bei Angst: Totstellen, Flucht oder Kampf. Nichts mit entspanntem Hinsetzen und plaudern über die Angst. Das markiert den Unterschied zwischen angeblich Ängstlichen und wirklich Ängstlichen.

Wann ist Angst vor Liebe und Beziehungen krankhaft

3. Bedrängnis durch Kleinigkeiten statt große Forderungen: Nur-Sex-Interessierte ignorieren so ungefähr alles, was sie ignorieren können. Das funktioniert bei Beziehungsängstlichen (ab sofort mit BÄ abgekürzt) nicht. Uns nerven schon störende Kleinigkeiten. Wir nehmen jede als Zeichen, dass wir recht hatten mit unserer Vermutung und Angst. Wir fühlen uns bedrängt dadurch, uns ändern zu müssen, oder wieder dieselbe Niederlage zu erleiden. Von der Farbe deiner Gardinen, deiner Haushaltsführung, Denkweise bis hin zur Art, wie du mit deinen Kollegen umgehst nehmen wir alles als Indiz, dass du für uns nicht passend bist. Das machen Nur-Sex-Interessierte nicht, weil es sie nicht interessiert.

4. Abwerten der Verbindung (vor dir, sich selbst und Bekannten/Freunden/Familie) ist ebenso ein Klassiker. Bagatellisieren ist ein häufiger Mechanismus zur Abwehr von Angst (siehe auch Verena Kast: Vom Sinn der Angst). Dann sind wir “nur Freunde mit benefits” oder es geht auch gar nicht so tief emotional, so wirklich ist da nichts zwischen uns, das bildest du dir alles nur ein. Eine richtige Beziehung? Geht doch gar nicht mit uns/dir. Überhaupt zu verlauten (weil vorher entschieden), dass du und er/sie in einer offiziellen, exklusiven und ernsten Beziehung seid, ist fast unmöglich bei BÄ. Denn es wird immer Keile geben, die BÄ dazwischen treiben, um die Verbindung zu entwerten, damit der Druck nicht zu groß für sie wird: Plötzlicher Verlust der Lust auf Sexualität ist zum Beispiel ein Klassiker. Der Druck, den BÄ bei Beziehungen (im Allgemeinen übrigens) empfinden, ist immer Auslöser. Ventil ist zum Beispiel Rückzug, Alkohol/Tabak/Drogen, Aggressionen usw.

5. Ein beliebtes Vor-Ventil bei BÄ ist übrigens, sich mit jemandem zu treffen/daten/(sexuell) zusammenzutun, an dem sie von vornherein nur mäßig interessiert sind. Sie können sich so in den/diejenige/n nicht verlieben. Das geschieht unbewusst/unterbewusst, damit sie später sagen können, sie seien nicht verliebt (was auch stimmt). Damit sind sie nicht gezwungen, mit dieser Liebe in eine für sie bedrohliche Beziehung zu gehen. Ich persönlich glaube, man kann sich in jeden Menschen verlieben, wenn man sich nur genug Zeit gibt und aufeinander einlässt. Aber oft suchen sich BÄ unbewusst gezielt Personen, die etwas Abstoßendes oder ein No Go haben. Das können bei Männern die Kinder der Frau sein oder bei Frauen die Freunde des Mannes. Es ist die emotionale/rationale Reißleine für den Notfall. (Mit Sex hat dieser Punkt nichts zu tun.)

6. Narzisstische Persönlichkeitsstrukturen: Heutzutage, ich muss darauf hinweisen, ist nicht jeder Mensch, nur weil er sich im Blick behält oder unter Ängsten leidet, ein Narzisst, Psychopath, Soziopath oder bindungsunfähig, weil er Beziehungen aus Angst scheut.

Ich zum Beispiel hatte Angst vor Beziehungen, weil ich immer zu viel gegeben habe, betrogen wurde oder sich Verhaltensmuster bei meinen Partnern und mir ins Destruktive verselbstständigten. Nicht aber, weil ich narzisstisch veranlagt war. Einen Narzissten (waschecht und klinisch) erkennt man an seiner absoluten Empathielosigkeit. Es vergnügt ihn, wenn du leidest. Er ist beeindruckt, wenn du ihn anhimmelst, aber nicht von dir beeindruckt, sondern von sich selbst. Für einen Narzissten bist du ein gefügiger Spiegel seiner/ihrer Großartigkeit. Im Inneren ist der Narzisst zutiefst verletzlich, weswegen er auch zutiefst verletzen kann. Er weiß eben, wie das Spiel gespielt wird, und straft, tadelt und lässt dich am kleinen Finger verhungern.

Aber: Wer an eine Person geraten ist, die sich eher wie eine Prinzessin, Königin oder ein König verhält, die es auf ihre Weise oder auf keine wollen, der darf nur behaupten, jemanden mit stark egoistischen oder leicht narzisstischen Zügen getroffen zu haben. Auf der BIG 5-Skala stünden diese im Aspekt des Neurotizismus hoch oben. Sie sind in Wahrheit “nur” emotional labil, gehemmt oder schüchtern, aber fürchten diese Gefühlszustände so sehr, dass sie sie von vornherein wegdrücken. Deshalb ein Klassiker bei BÄ: Verachtung und Wut. Wer von seinem BÄ verachtet oder verspottet wird, sollte auf Herz und Nieren prüfen, ob es aus Unsicherheit geschieht (was oft der Fall ist). Auch aggressives Verhalten, zum Beispiel im Angesicht von Kritik, ist ein Hinweis auf Verletzlichkeit und Verletzung. Aber die richtige, klinische narzisstische Persönlichkeitsstörung ist etwas völlig anderes. Narzissten würden dich auslachen oder mit der Ruhe selbst in der Luft zerreißen, bis du weinst. Sie empfinden gefühlt nämlich keine Angst und zeigen auch keine Gefühle wie Angst. In ihrem Sinne sind sie ja die Größten. Angst und Schuld oder Scham sind Gefühle, die man spüren müsste. Narzissten haben dieses Empfinden (zu ihrem Wohl) abgeschaltet und dafür Methoden entwickelt, sie zu umgehen.

Dennoch: Wer starke narzisstische Strukturen in seinem Gegenüber erkennt oder vermutet, der darf sich sicher sein, dass hier eine Angst in der tiefsten Tiefe herrscht, weswegen ein sofortiger Rückzug zwingend nötig ist. Mehr zu Narzissten und ihrer Angst in diesem Artikel >>

eifersucht und angst vor dem verlust des partners

7. Suchtgefährdete oder süchtige Persönlichkeitsstrukturen: Nicht nur Alkohol oder Drogen können süchtig machen, auch Sex ist ein Sucht- und Betäubungsmittel, besonders wenn Pornografie als Vorlage für das (angstfreie) Spüren von Gefühlen herangezogen wird. Dann kommt “Liebe” und “Annahme”, sich gut fühlen und verbunden, woanders her. Das jeweilige Suchtmittel dient dann wiederum als Kompensation. Es soll einem geben, was man vermisst und nicht von (einem bestimmten) Menschen erhält.

Als Kind, das Alkoholismus (wenn auch nur aus der Distanz) in seiner Familie erleben musste, kann ich sagen: Es gibt sehr viele Kinder, die später wegen der Sucht eines Familienangehörigen zu Beziehungsängsten und unsicheren, vermeidenden oder ängstlichen Beziehungsstilen neigen. Süchtige haben keine Hand für gesunde Strukturen und können auch keine gesunde Beziehung führen oder gesund und offen lieben. Stattdessen wird etwas anderes vorgelebt.

Wer aber häufig z. B. zum Alkohol greift, kann auch Sex als Sucht empfinden/entwickeln oder ihn “zu sehr mögen”. Alkohol wäre dann u. a. ein Enthemmer und erleichtert den Umgang mit Druck, Verantwortung und Gefühlen. Auch für den Akt. Diese Verbindung findet sich oft. Wer sich als hoffnungsloser Fall in einer Partnerschaft empfindet/empfinden gelernt hat, würde wenigstens Sex nutzen, um sich irgendwie liebenswert und wertvoll zu fühlen/fühlen zu dürfen – und damit Sex auch anpeilen (wenn er sich im Bett als “wertvoll” empfunden gelernt hat). Denn bei allen anderen Unternehmungen würde die Angst, zu versagen oder nicht auszureichen, wieder hochfahren. Doch oft geht es bei BÄ so weit, dass sie wegen des Alkohols/der Drogen meinen, keine Liebe oder Beziehung zu brauchen. Sie haben ja ihr Suchtmittel, das sie in ihren Augen sicher hält.

8. Das nächste Mal wird schlimmer, aber NICHT anders. Negative Beziehungserfahrungen, Angst vor Liebe, Nähe, Verlust, Kontrollverlust, Angst, sich zu trennen: All das zeigt sich mit spezifischen Anzeichen im Verhalten, nicht aber durch nur Sex. Im Gegenteil: Das Wenigste, was man sehen wird, ist nur Sex. Man wird Stille und nur sachte Annäherungen, kurze (sehr kurze), aber schöne Stunden und Gespräche finden (oft auch ohne Sex), dann wieder Rückzüge, Zweifel des Anderen, pampige Antworten, aggressives Verhalten bei zu viel Bedrängnis (empfunden auf seiner/ihrer Seite) usw. Da gibt es kein Nettgespiele, um Sex zu haben.

BÄ probieren auch nichts aus. Sie meinen schon alles im Vorfeld zu wissen, was passieren könnte, nämlich etwas Negatives. Nur-Sex-Interessierte hingegen lassen sich auf Situationen ein, für Sex. Bekommen sie ihn nicht, werden sie pampig oder abweisend. Aber sie sind erst einmal präsent. BÄ sind das vielleicht online oder in Messengerdiensten, wo das geschriebene Wort als Schutzmauer dient, aber kein persönliches Treffen fokussiert wird.

9. Spezifische Bindungsstile

Man unterscheidet den sicheren, unsicheren, ängstlichen und (ängstlich-)vermeidenden Beziehungsstil. Der letztere kam er kürzlich hinzu und macht noch einen Schritt weiter ins Extrem. Unsichere Stile z. B. würden mitunter dazu tendieren, keinen Sex oder nur sehr geringe Intimität zuzulassen. Entweder sie nehmen an, sie würden nur sexuell ausgenutzt oder aber sie vermeiden Intimität aus Unsicherheit. Sie sind offen für Beziehungen und Liebe, aber warten ab, bis sie sich sicher genug fühlen. Ängstliche und vermeidende hingegen würden Sex nutzen, um überhaupt eine Form der Bindung einzugehen, während sie echte Beziehungen aber scheuen. Vermeidende können Sex zudem meiden, wenn ihnen das schon zu weit geht. Ängstlich bedeutet, etwas an Beziehungen oder Liebe ist angstbesetzt, wie z. B. Verantwortung oder immer auch auf den anderen Rücksicht nehmen zu müssen. Vermeidend ist so ungefähr die schlimmste Form, die man sich vorstellen kann, weil dort alles negativ behaftet ist. Diese Form lässt sich sehr schwer umpolen und trifft oft Menschen, die entweder missbraucht oder schwer verletzt worden sind. Sie würden Sex auch als Strafe gegenüber dem anderen/präferierten Geschlecht nutzen oder als einzige Form der Bindung. Mehr dazu in meinem Buch “Du liebst mich oder doch nicht?”>>

10. Noch ein Hinweis

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Sex und Angst, der oft übersehen wird: Nämlich der Glaube, dass er/sie dir nichts anderes bieten kann außer Sex. Er/Sie empfindet sich selbst als nicht gut oder genug für eine Partnerschaft, hat sich selbst bereits oft genug in Beziehungen scheitern sehen und kein Vertrauen mehr in die eigenen Beziehungsfähigkeiten. Das ist nicht selten, sondern sehr, sehr, sehr häufig. Und wie die selbsterfüllende Prophezeiung läuft es dann meist auch: Es geht schief.

Was kannst du nun tun, um diese Situation zu meistern, wenn du mehr willst?

Zum einen ist Gehen ein Weg, oft der Beste, um ganz ehrlich zu sein. Wer sich Leid ersparen möchte, und das sollte so sein, muss sich für sich entscheiden. Sonst entscheidet man sich für das Leid. Neue, andere Menschen kennenlernen und so verstehen, dass es mehr gibt als diesen einen, der nur Sex konnte/wollte, ist die bessere Wahl.

Zweite Option: Bleiben und sehen, was passiert, während man die Augen offenhält und sich nicht zu sehr emotional an den/diejenige/n bindet. Je mehr man der Hoffnung verfällt, daraus könne doch noch eine Beziehung werden, desto frustrierter wird man mit der Zeit. Ist man aber in dem Zustand, dass es einen nicht weiter schert, falls nichts daraus wird, dann tut es auch nicht weh. Man kann den sexuellen Kontakt genießen und Punkt, während man aber weiterhin zu anderen Menschen Kontakt sucht/hat und dort nach Glück Ausschau hält.

Drittens: Bei sich schauen, wieso man sich zu jemanden hingezogen fühlt, der nur an Sex interessiert ist oder aber gar Beziehungsangst hat. Ich möchte hier auf eins hinweisen: Nur weil man so jemanden trifft, heißt das nicht, dass man anfangen muss, wild zu spekulieren und tiefe Bedeutungen zu suchen. Man kann sich nicht aussuchen, wen man kennenlernt, aber bei wem man Gefühle zulässt und bleibt schon. Dennoch, falls du merkst, dass das durchaus was mit dir zu tun hat oder du oft an emotional nicht verfügbare Menschen gerätst, dann kannst du eine Innenschau vornehmen. Dafür würde sich meine Masterclass zum Thema Beziehungsängste eignen. Sie thematisiert deine Ängste und die deines potenziellen/gewollten Partners und zeigt Wege auf, um behutsam damit umzugehen (Kommunikationsstrategien, No Go’s, Gesprächsvorschläge usw.), ohne ihn/sie zu verscheuchen. Es handelt sich hierbei um Vertrauensarbeit-Methoden, aber benennt auch klar und deutlich die Grenzen, die dir durch seine/ihre Angst vorgegeben werden. Mehr Informationen dazu hier >>

Was kann ich tun, wenn mein Partner keine Beziehung will
Meine Masterclass zum Thema Beziehungsängste enthält ein bewährtes 7-Schritte-System und als Geschenk freie Coachingminuten. Ich freue mich, dir weiterhelfen zu können!

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen! Hinterlasse gern einen Kommentar oder teile diesen Beitrag!

Liebe Grüße
Janett