Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stress, Stress, Stress: Wir wissen mittlerweile alle, dass er krank machen kann und deshalb bewältigt und abgebaut werden muss. Die Wissenschaft weist auch immer wieder darauf hin, dass ein erhöhter Stress über eine lange Zeit schnell in psychische Belastungsstörungen wie Angstzustände oder Depressionen übergehen kann. Doch selbst “nur” Schlafstörungen oder das Gefühl der ständigen inneren Hektik deuten bereits an, dass wir tätig werden sollten, um den Körper und die Psyche zu entlasten. Die Stresshormone müssen abgebaut werden. Nur, wie? Denn meist bleibt im Stress einfach keine Zeit.

Ich habe den befreundeten Autor des Buches “Stress, der moderne Säbelzahntiger!”, Ron B. Charles, zu einem Interview über Stressbewältigung eingeladen, um uns die Kniffe und Tricks zu verraten.

Stressbewältigung: Stressoren, Auswirkung auf Geist & Psyche und Angstzustände

Stress und Auswirkungen

Dass ein Buch über Stressabbau zur Nummer 1 bei beispielsweise Amazon & Co. werden kann, zeigt mir, dass wir nach wie vor mit diesem Thema hadern. Wir haben lange To Do-Listen mit Aufgaben, die wir abarbeiten müssen, und Pflichten, denen wir nachgehen müssen. Wir kommen uns viele Erledigungen nicht einfach herum, auch wenn wir sie nicht mögen oder keine Kraft dafür haben. Sei es im Job, in der Familie, im Liebesleben oder in der Freizeit: Alles kann das Potenzial entwickeln, uns kurzfristig oder langfristig zu stressen. Stress beschreibt dabei die automatisch einsetzende innere Anspannung durch etwas oder jemanden. Wir vergessen währenddessen jede Achtsamkeit und Ruhe, jedes Vertrauen und jeden noch so guten Vorsatz. Wir übersehen unser Bedürfnis nach Pausen, nach wohltuenden Ausgleich, nach nährenden Freizeitaktivitäten und Menschen, die uns guttun. Wir greifen in Stressphasen vermehrt zu fettigem und zuckerhaltigen Lebensmitteln, weil sie unseren Blutdruck heben und uns für eine kurze Zeit vermeintlich mehr Kraft verleihen. Wir belohnen uns damit, faul auf der Couch zu liegen statt Sport zu treiben – obwohl wir wissen, dass das Zweite besser wäre. Dabei würde dieser unsere Stresshormone leichter abbauen, die durch unseren Lebensstil oder -wandel ankurbelt worden sind.

Leider hat Stress den Nachteil, dass er müde und ausgelaugt macht. Uns fehlt die Kraft, noch etwas für uns zu tun. Im ständigen Für-andere-da-sein, im Leisten und Wirken, um entweder über die Runden zu kommen oder das gewünschte Leben aufrechtzuerhalten, vergessen wir oft zuerst unsere Gesundheit. Leider nicht nur physisch, sondern oftmals auch geistig. Die renommierte Therapeutin und Autorin Verena Kast beschrieb in ihrem Klassiker “Über den Sinn der Angst” einst, dass Stress nichts anderes sei als Angst:

  • Angst, Fehler zu machen oder zu versagen
  • Angst, nicht dazuzugehören oder ausgeschlossen zu werden
  • Angst, andere zu verletzen oder zu enttäuschen
  • Angst, nicht gut oder nicht genug zu sein
  • u. v. m.

Die Forschung hat gezeigt, dass Stress/Angst auf allen Ebenen horrende Auswirkungen haben kann, wenn wir nicht – besonders in Stressphasen – dafür Sorge tragen, dass unser Körper ihn wieder abbauen kann:

  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräneanfällen
  • Nacken-, Rücken- und/oder Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Nachtschweiß, Müdigkeit, viel Schlaf brauchen)
  • Magen-Darm-Befindlichkeiten wie z. B. Durchfall, Verstopfung, Reizdarm- oder Reizmagensyndrom, Sodbrennen
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindelgefühle, Herzrasen und -stolpern, Atembeschwerden, Enge in der Brust
  • Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit
  • Antriebslosigkeit, Lethargie
  • Ängste
  • usw.

Viele meiner LeserInnen und ich eingeschlossen, haben festgestellt, wie schnell Stress zu anhaltenden Angstzuständen mit/ohne Panikattacken führen kann (weswegen ich viel über Stressängste schreibe). Denn jeder Mensch hat seine ganz eigenen Stressfaktoren (Reize, die Stress auslösen), sogenannte Stressoren, auch wenn es allgemeinere gibt, die jeden erwischen können. Dabei sind Stressoren entweder innere oder im Außen auftretende Faktoren, die in deinem Körper/Geist individuell Stress bewirken:

  • Leistungsstressoren (z. B. viele Arbeitsaufgaben)
  • physikalische Stressoren (z. B. Lärm, Hitze, grelles Licht, Enge)
  • soziale Stressoren (z. B. für einen Menschen schwierige zwischenmenschliche Konflikte, Trennungen)
  • körperliche Stressoren (z. B. Allergien, Krankheiten, Verletzungen)

Jeder Stressor hat die Macht, dich zu einer Anpassung, zur Flexibilität oder gar Duldung zu zwingen. Doch die Zahl der Abhängigkeiten im Leben ist groß. Was bleibt also? In meinen Augen ist es eine veränderte Haltung zu allem, was Stress bewirkt. Wie gehst du mit Stress um? Welcher Stressor belastet dich am meisten? Und wie kannst du die Auswirkungen auf deinen Körper & Geist verringern? Fragen wir doch jemanden, der sich damit auskennt.

Interview mit Ron B. Charles über sein Buch “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden”

Interview mit Ron B. Charles
Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.

Wieso hast du dich dazu entschieden, ein Buch über Stress zu schreiben? Gab es persönliche Erfahrungen oder findest du, dass das Thema noch nicht ausführlich genug besprochen wurde?

Das Problem “Stress” ist für viele Menschen nicht wirklich gelöst, daher empfand ich es sinnvoll, ein Buch über dieses Thema zu schreiben, welches dabei unterstützt, für sich selbst einen Leitfaden, wie man mit Stress umgehen kann, zu entwickeln. Stress ist allgegenwärtig und wird viel zu häufig schon als „völlig normal“ und „das gehört einfach dazu“ betrachtet. Natürlich hatte ich selbst auch schon allerlei stressige Situationen in meinem Leben und gelegentlich komme ich auch wieder in solche Situationen. Man kann sich aber darin üben, besser mit stressigen Zeiten umzugehen und anders zu agieren, um Stress weitestgehend zu vermeiden.

Du beschreibst viele Auswirkungen von Stress auf körperlicher Ebene. Unter anderem besprichst du auch positiven und negativen Stress. Woran erkenne ich, ob Stress positiv oder negativ ist?

Stress kann bekanntermaßen verheerende Auswirkungen auf unseren gesamten Organismus haben und wirkt sich auch bei jedem unterschiedlich aus. Es gibt jedoch diese eine Grenze zwischen Eustress, der gut für uns ist, und Disstress, der uns schadet. Welcher Stress für dich positiv oder negativ ist, bedarf aber einer genaueren Analyse deiner Aktivitäten und Reaktionen auf die Ereignisse in deinem Leben. Mein Buch hilft dabei, diesen Unterschied für selbst zu verdeutlichen, indem es auf einzelne Lebensbereiche genauer eingeht. Stressempfinden ist sehr individuell und unterschiedlich. Dies für den Leser zu ermitteln, ist eines der Ziele des Buches.

Oft passiert es (ich kenne es zumindest von mir), dass nicht das Umfeld oder einzelne Lebensereignisse stressen, sondern man sich selbst Stress macht: durch eigene Gedanken oder Gefühls- und Verhaltensweisen. Wie siehst du das?

Ereignisse, sofern nicht vorhersehbar, können einen durchaus in Stresssituationen hineinkatapultieren. Richtig ist, dass unsere eigenen Gefühls- und Verhaltensweisen, wie du es beschreibst, maßgeblich darüber entscheiden, wie wir mit diesen Ereignissen umgehen bzw. wie sehr uns diese in Stress versetzen. Ich empfehle deshalb eine intensivere Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Gefühlswelten, um zu verstehen, weshalb man reagiert, wie man reagiert. Dafür gibt es hilfreiche Anleitungen und Tipps sowie Selbsttests in meinem Buch, um Stress, den modernen Säbelzahntiger, mit dem wir uns verbünden sollen, nachdem wir ihn verstanden, zu bezwingen.

Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden
Ron B. Charles über Stressabbau, Techniken und Umgang mit stressigen Zeiten

Bei Stress heißt es oft, man solle Sport machen oder Yoga oder eine Entspannungstechnik erlernen. Vielleicht geht es anderen auch so wie mir: Ich habe keine Lust, noch Sport zu machen oder mich zu bewegen, Neues zu lernen oder überhaupt irgendwie aktiv zu werden, wenn ich viel Stress hatte – auch wenn ich weiß, wie kontraproduktiv das ist. Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus? Ist es überhaupt schlimm, wenn man nach Stress einmal nichts macht?

Nein, das ist nicht schlimm. Tatsächlich kann es sogar das einzig Richtige sein, nach einer stressigen Phase erst einmal nichts zu machen. Und auch das Nichtstun, kann man perfektionieren. So kann die richtige Meditationstechnik eben dazu führen, dass man den Geist leert, eine wirklich erholsame Aktivität. Bewusstes Nichtstun ist also sehr wichtig. Keinen Sport oder keine Bewegung zu betreiben, halte ich nicht nur in Bezug auf Stress für einen grob fahrlässigen Umgang mit dem Zuhause, indem wir wohnen dürfen – unserem Körper. Bewegung und Sport in sein Leben zu integrieren sowie Entspannungsübungen zu erlernen, bedeutet letztendlich, viel stressresistenter zu werden, als man es jemals war. Man beugt damit vor, kommt weniger bis gar nicht mehr an seine stressempfindlichen Grenzen und wird dadurch insgesamt leistungsfähiger.

Ich bin mal ehrlich: Ich bezweifele ja, dass man Stress ganz aus seinem Leben streichen kann. Hast du einen goldenen Rat für meine LeserInnen, wenn sie einen stressigen Tag oder gar eine stressige Zeit erleben?

Und dieser Zweifel ist durchaus berechtigt. Denn Stress lässt sich nicht aus unserem Leben streichen. Lediglich, wie wir damit umgehen und was wir tun, um stressresistenter zu werden, kann Stress auf ein Maß bringen, bei dem wir uns sogar wohl mit diesem fühlen. Und das ist der goldene Rat: Lerne einen neuen Umgang damit, wandele deine Gedanken dazu.

Was machst du persönlich bei Stress?

Ich wende alle Tipps, die im Buch gegeben werden, selbst an, und komme daher nur sehr selten in gefühlt stressige Situationen. Und wenn doch, beruhige ich meinen Geist und mache mir klar, dass ich noch 10 x mehr davon ausgehalten habe, bevor ich mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt habe. 6 x die Woche für 45 Minuten Sport und eine gute Organisation meiner Termine, hilft mir den Stress zu bewältigen. Ich kann also guten Gewissens sagen, dass der Stress in meinem Leben weitestgehend reduziert ist. Genau dieses Gefühl wünsche ich all meinen Lesern. Mein Buch kann ihnen dabei helfen, wie ich an genau diesen Punkt zu gelangen.

Vielen Dank, Ron!

Mehr Informationen findest du in seinem Bestseller “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden: Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.”

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Jede Frau verbirgt eine dunkle Schwester in sich (so, wie jeder Mann einen dunklen Bruder hat), die all die ungewollten, verdrängten und verheimlichten Eigenschaften darstellt, die im offiziellen Leben nicht ausgelebt werden. Wenn du dich fragst, wieso du deine “schlechten” Angewohnheiten nicht loswirst, nicht abnimmst, keine Lust auf Sport hast, dich nicht verstellen kannst, es sich so auslaugt, dich anzupassen, du vermeintlich grundlos wütend oder traurig wirst (hier ist nicht Depression gemeint), manchmal wie ausgewechselt bist oder dich dein soziales Umfeld “nicht wiedererkennt”, weil du Stimmungsschwankungen hast oder keine Lust, zu tun, was du tun müsstest, aber nicht willst, dich nicht zu etwas aufraffen kannst usw., dann wisse: Es ist die dunkle Seite deiner Persönlichkeit. Es ist dein Schatten, das Gegenteil des Hellen, was du jedem zeigst, weil du weißt, “Das wird gemocht.” und “Das wird gern gesehen.”, “So bekommst du, was du brauchst.” (wenigstens in Teilen bzw. so verlierst du am wenigsten).

Wenn du besonders darunter leidest, etwas Lästiges nicht loszuwerden, dich nicht disziplinieren kannst oder eine scheinbar höhere Macht, dein innerer Schweinehund, stärker ist als du, dann lies diesen Blogpost.

Wie die dunkle Schwester in dir entstand und wieso sie machmal so viel Macht über dich hat

wenn anpassung nicht mehr gelingt

Ich werfe zu Beginn einige Begriffe in den Raum, die dir zeigen sollen, wie die dunklen Seiten, die dunkle Schwester, dein Schatten entstanden ist:

Erziehung – Schule – aufgezwungene Werte und Standards anderer – erwartete Anpassung – So-Sein-Müssen – Zugehörigkeit/Teilsein-Dürfen – emotionale und psychische Leistungen – Gefühle wie Wut, Trauer und Angst nicht zeigen dürfen/sollen – Erwartungen anderer – Druck, zu genügen – idealerweise keine Bedürfnisse oder Sehnsüchte haben – nicht schwierig, kompliziert oder anstrengend bzw. bedürftig sein – gesellschaftliche Erwartungen an dein Äußeres als Frau erfüllen müssen (oder glauben, es erfüllen zu müssen) – schwierige Männer in Liebesbeziehungen, passive Männer und Beziehungen, die auf deinen Schultern lasten bzw. solche, die du als übergriffig empfindest – schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen (du und deine Mutter) – überhohe Verantwortung und Pflichten – innere Hektik & Unruhe – überstarke Rationalität – Schwierigkeiten, sich zurückzulehnen, sich zu vertrauen, der Welt zu vertrauen, Entscheidungen gegen andere zu treffen, seine weibliche Seite auszuleben, Nein zu sagen, unvernünftig oder zickig zu sein, sich zu nehmen, was man will, das Leben in allen Zügen auszukosten, ein Leben zu leben, das andere nicht verstehen (nichts Solides, nichts Bodenständiges, sondern Eigenes), Schwierigkeiten, sich zu trennen oder Streit/Konflikte auszuhalten …

Das ist nur eine kleine Liste der Gründe, wie die dunkle Schwester in dir entstanden ist. Je mehr man als Frau davon in seinem Leben hat, desto stärker werden auch die Schattenseiten sich entwickeln. Sie drücken sich aus, indem sie dir aufs Gemüt drücken oder dich davon abhalten, “so zu sein, wie andere dich wollen würden”.

Die helle Schwester (der gute Zwilling) hat das gelernt und ist bestrebt, so zu sein. Die dunkle Schwester hingegen, der böse Zwilling, sucht nach Gleichgewicht und sieht genau, wenn etwas aus der Balance fällt. Sie schafft wieder Ordnung in dir drinnen – jedenfalls versucht sie das. Denn immer nur machen, tun, ertragen, schweigen, lächeln und dienen ist für keine Seele wohltuend. Im Gegenteil. Es verrät sie und jedes Herz. Es macht krank und belastet so die Psyche und den Körper.

Die dunkle Schwester ist häufig gierig: Sie hat einen drängenden Hunger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, endlosem, leidenschaftlichen Sex, Essen und Trinken, das die Sinne anregt, tiefen Gefühlen und Erfüllung, grenzenloser Freude und Spaß, nach überschwänglichen Erlebnissen und oft grenzenlosem Selbstausdruck (in welchen Bereichen auch immer). Sie will sich hingeben und empfangen oder geben und kontrollieren – je nachdem, was auf der ausgelebten Seite der angepassten Frau überwiegt. Sie will geliebt werden ohne jede Bedingung, will nichts dafür tun müssen, weder am Anfang noch mittendrin, will Verständnis für all ihre Ecken und Kanten.

Da man aber selten so lebt, sondern sich um Anpassung bemüht und darum, sich zu “benehmen”, nicht so anstrengend und fordernd, sondern eine Hilfe, lieb, sanft usw. zu sein, rutschen die wahren Bedürfnisse immer tiefer ins Dunkle ab.

Die dunkle Schwester verkörpert somit auch all die Wut, die man nie geäußert, sondern heruntergeschluckt hat. Sie trägt die Traurigkeit, Scham und Schuld, die zu schwer zu tragen war. Je mehr wir unser wahres Ich verdrängen, desto stärker wird sie – wenn wir versuchen, lieb, brav, angepasst, hübsch und „so zu sein“, wie man uns will oder wie wir denken, sein zu müssen, um gewollt, liebenswert, angesehen und akzeptiert zu werden.

macht der schattenseiten wie sie entstehen

Die dunkle Schwester ist gegen Motive (das, was dich bewegt, etwas zu tun oder zu unterlassen) wie Zugehörigkeit auf Teufel komm raus oder emotionale/psychische Leistung des Friedens oder der Liebe wegen. Sie verabscheut Co-Abhängigkeit und für andere bequeme Lebensweisen. Sie will im Mittelpunkt ihrer Abenteuer stehen und sich entdecken, auf einer Reise, die sie selbst bestimmt. Sie will ihr Ego leben und nur freiwillig korrigieren. Sie will wachsen und in Einklang bringen, zwischen Weiß und Schwarz alle Farben entdecken. Sie will Energieaustausch statt Langeweile, Blumensträuße und Kino statt Dreckwäsche und Feierabendbier. Sie will Anerkennung für ihre Eigenheiten – und sprechen wir das Kind ruhig beim Namen: Sie will Bewunderung für alles, was sie kann, Nachsicht für all das, was sie nicht kann, und Verständnis, für alles, was sie nicht können will. Die dunkle Schwester ist definitiv der narzisstische Teil einer jeden Frau, die Egomanin und Diva.

Sie ist die, die brüllt, meckert, die Augen rollt, lacht, weint, das Telefon einfach auflegt, lügt, betrügt, abhaut, um 23 Uhr Nudeln kocht, die Bude 2 Wochen lang nicht saugt, nicht sofort zurückschreibt, neidet, eifersüchtig ist, schwarz fährt, stiehlt oder Rache will, wenn ihr die „offizielle“ Version deines Selbst zu bunt/schädlich für dich geworden ist. Sie ist der innere Schweinehund, nicht der innere Kritiker, sie ist die miese Laune statt des ewigen Sonnenscheins, die unermüdliche Kämpferin und härteste Richterin über Ungerechtigkeit und Schmerz, die du freiwillig erträgst – aus Angst, anzuecken, bedürftig, kompliziert oder lästig zu erscheinen. Sie ist die heimliche Königin deines Reichs, wenn du andere regieren lässt – aus Angst, Fehler zu machen oder ausgeschlossen zu werden, Menschen oder Ansehen zu verlieren, die vermeintliche Sicherheit, die dich gefangen hält.

Sie versteht das Versteckspiel nicht: wieso du dich verstellen, klein machen und halten lässt. Sie geht für Balance weit über „deine offiziellen“ Grenzen.

Wie du Freundschaft mit deiner dunklen Schwester schließt

sich mögen trotz schlechter angewohnheiten

Würden wir Frauen unsere dunkle Schwester nur mehr ausleben, bräuchte sie nicht so hart durchzugreifen. Sie will nur da sein dürfen. Wir würden so viel weniger leiden. Also frage dich: Darf sie endlich da sein? Zwei Tipps haben sich in der Praxis meiner Klientinnen bewährt, weshalb ich sie in Mentorings immer erwähne:

Übung 1

Es hilft, das Reich des braven Mädchens wenigstens mal gedanklich zu verlassen und eine Liste mit allem, es die dunkle Schwester will, zu erstellen:

  • nicht sexy/schlank sein oder immer gut aussehen
  • mit dem netten Kollegen ausgehen, obwohl er verheiratet ist
  • xyz nicht den Gefallen tun, um den er gebeten hat
  • nicht geben, ohne zu bekommen
  • mit Schoki und Chips vor dem Fernseher hocken
  • aufgebrezelt tanzen gehen usw.

Das nimmt schon eine Menge Luft raus. Ein kleiner Schritt in Richtung „du selbst“.

Übung 2

Viele Frauen erzielen gute Ergebnisse damit, die dunkle Seite in sich täglich da sein zu lassen (auch wenn es das brave Mädchen in sie zwingt, anders zu sein). Aber durch diese Erlaubnisse fällt es den Frauen leichter, sich im Gegenzug als Kompromiss zu maßregeln oder Sachen zu machen, die sie nicht wollen. Es reichen schon kleine Erlaubnisse aus. |

Mehr in meinem neuen Buch

Panikattacken sind meiner Meinung nach der Versuch des Gehirns,
den Schrei der dunklen Schwester zu unterdrücken.

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst
Janett Menzel: Mein neues Leben ohne Angst (TRIAS Verlag, 2020)

So gelingt Weihnachten allein ohne liebe Familienmitglieder oder Partner

So gelingt Weihnachten allein ohne liebe Familienmitglieder oder Partner

Einsamkeit ist besonders zu Weihnachten ein großes Thema für viele. Auch für mich: Wer mir schon länger als LeserIn treu ist, weiß, dass es aus meiner engen Familie nur noch meine Mutter gibt, die aber jedes Weihnachten in Norwegen arbeitet, weswegen ich das Fest über allein bin. Der Rest meiner engsten Angehörigen ist verstorben. Mir gelang es drei Jahrzehnte nicht, die Festtage zu genießen, ohne meine Großmutter, meinen Onkel, meine Tante, meinen Großvater – oder ohne Partner. Ich fühlte mich einsam und grauenhaft.

Heute sieht die Lage emotional anders aus, aber ich spüre doch ihre Abwesenheit. Genau deshalb habe ich mir ein kleines Ritual des Loslassens, voller Dankbarkeit und Annahme überlegt, zu dem ich dich einlade, falls deine Lebenssituation ähnlich aussieht.

Wieso es so schwerfällt, besonders an Weihnachten und Feiertagen allein zu sein

so überstehst du weihnachten obwohl du allein bistSchon in meinen Kindheitstagen – vor mehr als 25-30 Jahren – zerriss es mir und meiner Mutter das Herz, Weihnachten allein zu verbringen, ohne unsere Familienmitglieder und liebsten Freunde. Weihnachten war für uns eine Zeit der seelischen Lähmung und Leere, die wir beide nicht aufwiegen konnten. Es symbolisierte nicht nur, dass wir aufgrund des Todes und vieler offener Streitigkeiten allein zurückgeblieben waren. Es zeigte uns auch, dass wir uns allein nicht zu füllen vermochten, es nicht schafften, mit den Verlusten gesund umzugehen.

Weihnachten war aber auch die Zeit der Vergleiche, wenn wir sahen, wie andere ihr Weihnachtsfest verbrachten – mit viel Liebe und Freude am Beieinandersein, dem Kochen (oder den Essgelagen), dem Zusammenführen von Familienmitgliedern, die man sonst das ganze Jahr über nicht sah.

Wir hätten uns gern mit unseren Familienmitgliedern gestritten. Wir hätten gern trotz des übervollen Magens noch zwei Stück Kuchen hinterhergeschoben, nur um meine Oma glücklich zu machen. All das, worüber sich Menschen mit einer 3+-Familie aufregen, hätten wir begrüßt. Was man nicht hat, vermisst man eben. Wir lenkten uns stattdessen ab und versuchten, nicht zu bemerken, dass uns liebe Familienmitglieder oder ein stabiles Umfeld besonders zu Feiertagen fehlte.

Heute – mit über 36 Jahren – merke ich Weihnachten ohne sie zwar, aber es kommt nur noch in Sekundenlänge vor, dass mir auffällt, dass ich sie noch immer vermisse und immer vermissen werde. So schnell, wie das Gefühl da ist, schwindet es auch wieder. Doch auch wenn Einsamkeit in ihrer Tiefe kein lähmendes Thema mehr ist, ist mein Verhältnis zu Weihnachten nach wie vor ungesund. Ich wage es unbewusst nur bedingt, glücklich zu sein. Ich merke das Kind in mir, wie es flüstert: “Aber sie sind alle tot, außer deiner Mutter, die nicht hier ist, und deine Freunde sind verreist.” Trotzdem geht es mir passabel und ich nutze seit Jahren das Weihnachtsfest, um in mich zu kehren und Neues für das kommende Jahr zu bedenken, Altes aus meiner Wohnung auszumisten und die Tage in einer “My way or no way”-Manier zu verbringen – ohne Geschenke, Weihnachtsbaum, geräumige Deko und blinkenden Lichtern.

Es tut nur dann weh, wenn ich daran denke. Und auch das habe ich satt und mir deshalb für dieses Weihnachtsfest ein Ritual ausgedacht. Vielleicht ist es auch etwas für dich.

Das Weihnachten allein-Ritual

sich bewusst dem Jetzt öffnen und so alten Schmerz loslassenIch finde ja, wenn man sich bewusst dem Schmerz, der in einem lebt, öffnet, kann Erstaunliches passieren. Das ist empirisch wahrscheinlich und deshalb könnte mein kleines Ritual gut funktionieren, wenn man es bewusst und mit Dankbarkeit umsetzt. (Ich schmunzele übrigens, während ich das schreibe. Ich möchte dich gern davon wegbringen, dass alles immer nur schlimm und todtraurig sein muss, wenn man allein ist, auch wenn das Weihnachtsfest allein zu verbringen, ganz sicher niemand verdient hat.)

Aber eins steht fest: Es wird immer Wege geben, die man noch nicht kennt und noch nicht probiert hat. Unter diesen wird es mindestens einen geben, der Heilung und inneren Frieden zu bringen vermag.

Für mein Ritual benötigst du:

  • Tannenzweige als Strauß bindbar bzw. Weihnachtsbaum (samt Ständer etc.) – echt oder unecht
  • Bastelutensilien (Papier, Pappe, Schere, Klebestift, schönes Kordel- oder Schleifenband)
  • kleine Boxen (Größe einer Ringschachtel) oder Minibriefumschläge (Anleitung) und kleinformatiges Papier wie Memozettel
  • Fotos der Menschen, die du vermisst – die nicht anwesend sein können
  • optional: Bastel- und Dekorationszeug wie Perlen, Sterne, Farben
  • optional: transparente Weihnachtskugeln zum Befüllen*

Du ahnst es sicher: Wir basteln Fotodekoration und andere Anhänger für einen Weihnachtsstrauß, Tannenzweig-Arrangement oder den Christbaum. Dort platzierst du dann deine Deko und kannst so erleben, dass all deine Lieben, die, die du am meisten vermisst, bei dir sind – im Herzen, im Geiste – als Teil deines Lebens und deiner Seele. Statt zu trauern, sie zu verdrängen und zu hoffen, dass keine bösen Erinnerungen hochkommen, die dich in die Einsamkeit stürzen, statt dich abzulenken und dich aus dem Moment, dem Jetzt herauszureißen, holen wir die Situation ganz nah an uns heran und öffnen uns ihr.

Und so wird es gemacht (nur beispielhaft, lass deiner Kreativität gern ihren Lauf):

Einfacher Papp-Foto-Anhänger

Zum Vergrößern anklicken

Male den Kreis-Umriss, z. B. einer Tasse, um das Gesicht der Person auf dem Foto (oder in der Größe deiner Wahl) und schneide es aus. Male einen Kreis in derselben Größe auf ein Stück Pappe oder etwas Festem, sodass dein Weihnachtsbaum-Anhänger Stabilität bekommt.

Schmiere das Pappstück mit Kleber wie Prittstift oder der festeren Variante einer Heißklebepistole ein, befestige eine schöne Kordel in der Länge deiner Wahl mit den offenen Enden in den Kreis hineinzeigend und klebe dann das Foto darüber.

Foto-Weihnachtsbaumkugeln

Christbaumschmuck mit Fotos von den lieben Familienmitgliedern oder Freunden, Partnern und KindernIm Handel erhältlich sind transparente Weihnachtsbaumkugeln (z. B. bei Amazon*), meist in 5 mm, 8 mm oder 10 mm Durchmesser, die man in zwei Hälften teilen und mit allerlei Tünnüff befüllen kann. Wir platzieren die Fotos unserer Liebsten in die Kugeln. Dazu müssen wir wieder die Fotos akkurat zuschneiden und das circa 1-2 mm kleiner, damit das Foto hineinpasst.

Ratsam ist es deshalb, sich im Vorfeld (vor der Bestellung/des Kaufs der Kugeln) die Größe der zu verwendenden Fotos anzusehen und abzuschätzen, ob sie ausreichen. Sonst würden sie in der Kugel umfallen, denn die Befestigung darin mit Kleber etc. ist mühsam. Lieber vorher ausmessen und dann eine gute Größe wählen.

An diesen Kugeln befinden sich oft einfache Ösen aus Plastik. Natürlich kannst du durch die Ösen deine eigenen Bänder oder Kordeln ziehen, um sie zu verschönern. Zur Verschönerung der Kugel ist es dienlich, wenn du nebst dem Fotos z. B. etwas Kunstschnee (alternativ Kosmetik-Watte), Glitzersterne (oder selbstgebastelte), Tannennadeln usw. hineinlegst. Lass deiner Fantasie ihren Lauf.

Gedanken-Geschenkboxen, -briefe und Geschenke unter dem Weihnachtsbaum

Weihnachten trotz verstorbener oder fehlender lieber Menschen und VerwandteEine heilsame Art, seine Gedanken, Erinnerungen und Emotionen wegen geliebter und schmerzhaft vermisster Menschen frei zu lassen, ist das Schreiben von Briefen und Gebeten, kleiner Notizen oder dankbarer Worte. Das geht auch dann, wenn der Empfänger deiner Botschaft bereits verstorben ist oder er/sie deine Worte nie lesen wird, weil ihr keinen Kontakt mehr habt. In der Schreibtherapie geht es nur um das Freilassen, das Lösen der emotionalen Blockaden. Zu Weihnachten kann man solche Worte in Mini-Umschläge verpacken, und z. B. wie ich im Bild es tat, den Namen auf die Briefumschläge schreiben, die dann am Weihnachtsbaum landen.

weihnachten trotz trauer über den tod oder verlust eines geliebten menschen feiernDu kannst auch kleine Geschenkboxen an den Weihnachtsbaum hängen und dort hinein einige Worte auf einem Zettel tun. Aber natürlich gehen auch große, symbolische Geschenke unter dem Christbaum, die deine Dankbarkeit für diese Menschen darstellen.

Ein kleiner Tipp jedoch: Konzentriere dich beim Schreiben deiner Worte auf das Gute, was dir ihre Anwesenheit brachte, was du ihnen (falls sie noch leben) für ihr Leben Gutes wünschst, oder (falls sie bereits verstorben sind) was sie dir bedeutet haben – dass du in Gedanken bei ihnen bist und sie in deinem Herzen weiterleben. So schwer es auch fallen mag: Je weniger Selbstmitleid und Ärger/Wut, desto besser. Keine Schuld verteilen, weder an dich noch an den Empfänger deiner Worte. Dein Weihnachtsritual soll rein sein von all den vergangenen Belastungen. Es soll dir mit dem Start der Rauhnächte am 25. Dezember Klarheit und Befreiung, Ermächtigung und Reinigung schenken – und nicht dich beschweren und in eine erneute Trauerphase stürzen.

Bei diesen kleinen Vorschlägen sind die Menschen, die man am meisten vermisst, wieder Teil des Weihnachtsfestes. Deine Gedanken und Gefühle freigelassen zu haben, auf kreative Weise geborgen und ausgedrückt zu haben, wird dir das Gefühl geben, schwere Emotionen akzeptiert und gelöst zu haben. Die Abwesenheit deiner lieben Menschen bleibt zwar existent, aber in wertschätzenden Worten kann man sie ehren und lieben, egal, wo sie sind.

Ich freue mich auf deine Gedanken zu meinen Ideen! Schreibe sie mir gern wie immer in die Kommentare.

Janett Menzel Angst Blog

Fühlst du dich manchmal allein oder gar einsam?

Wenn du Strategien und wertvolle Einsichten in dich und dein Alleinsein erlernen möchtest, lege ich dir meinen Ratgeber “Über die Kunst, allein zu sein” wärmstens ans Herz. Ich tauche tief ein in das Gefühl und liefere dir neben einem umfangreichen Test 55 Ideen gegen Langeweile und innere Leere – hin zu Selbsterkenntnis – aus dem Gefühl der Einsamkeit hinaus und ins Gefühl der Selbstermächtigung hinein. Mehr dazu >>

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Als ich meine damalige Beziehung beendet und kurze Zeit später meinen Job gekündigt hatte, voller Vertrauen in meine Selbstständigkeit gegangen und mich neu erfunden hatte, dachte ich: Jetzt bin ich endlich bei mir angekommen. Jetzt bin ich GANZ ICH, so wie ich immer sein wollte. Ich erschuf mich neu und wurde zu der Person, die ich seit meiner Kindheit sein wollte. Ich fühlte mich frei und angekommen in mir selbst.

Heute – drei Jahre später (und es loderte seit Monaten in mir) – stelle ich fest: Eine solche Ich-Inventur muss regelmäßig geschehen. Es reicht nicht aus, mich nur nach heftigen Lebenseinschnitten wie meiner letzten Agoraphobie mit Panikattacken 2013 zu fragen: Wer will ich sein? Selbstaktualisierung zur Selbstfindung geschieht nicht einmalig. Also stellte ich neulich die Frage erneut und lasse dich hier daran teilhaben. Nur dieses Mal – ein paar Jahre später, älter und schlauer – fügte ich ein paar Schichten hinzu. Weil ich gelernt habe, dass die Antwort alles entscheidend sein kann für die Zukunft, die man sich wünscht.

Wer will ich sein? Und wieso reicht die Antwort von damals mir heute nicht mehr?

Selbstfindung findet nicht einmal statt noch ist sie endgültig: Sie braucht kleine, stetige Anpassungen, um langfristig dein Wohl, Zufriedenheit und Erfüllung zu garantieren.

Kann Selbstfindung überhaupt endgültig sein? Man sagt ja, alle sieben Jahre würde sich das Leben (und die Haarstruktur?!) ändern: Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber ich habe gelernt, dass einzelne Erlebnisse sowie die Summe der Erfahrungen und Jahre uns ändern. Etwas, was letzte Woche noch zufrieden machte oder innere Stärke und Sicherheit verlieh, kann schon morgen nicht mehr ausreichen – nicht mehr glücklich machen. Seien es Beziehungen, Arbeitsaufgaben oder der Arbeitgeber an sich, Freunde oder Hobbys, Gewohnheiten oder man selbst, so, wie man sich sieht: Mit jedem Tag, der verstreicht, können wir eine innere Wandlung vollziehen, ohne sie überhaupt zu merken. Und deshalb sind kleine Anpassungen, damit wir werden, sein und bleiben, wer wir sein wollen, nötig – regelmäßig und niemals endgültig abgeschlossen.

Wenn wir unsere inneren Wandlungen merken, dann lodert es oft seit einiger Zeit. Auch Körper und Geist brauchen ihre Zeit, zu merken, dass etwas nicht mehr stimmt – unstimmig geworden ist. Erst dann schicken sie Signale, die uns aufhorchen lassen wollen, um Veränderungen für unser Wohl einzuleiten. Vielleicht sind es kleine Änderungen in unserem Verhalten (uns selbst oder unserem Umfeld gegenüber) oder in unserem Denken (Wie stehen wir zu den Menschen in unserem Leben und im Allgemeinen? Wie bewerte ich die Beziehungen/Partnerschaft in meinem Leben? Wofür bin ich dankbar? Was nagt an mir?). Denn die Antworten entscheiden über unsere Gefühle. Und selbst die unterliegen – schön fest- und eingefahren – individuellen Mustern.

Ich für meinen Teil stellte in diesem Jahr fest: Meine Muster waren für die damalige Befreiung und folgende Erleichterung dienlich. Heute sind sie es nicht mehr, denn heute machen sie mich weniger zufrieden. Damals brauchte ich andere Elemente in meinem Leben als heute (Alleinsein, Selbstbestimmung, grenzenlose Möglichkeiten und permanenter Selbstausdruck). Heute würden diese für Unruhe, innere Unsicherheit und Einsamkeit sorgen – weil sich meine Ziele, ohne dass ich es bemerkte, in den letzten drei Jahren geändert haben. Und damit auch das, was ich sein will – heute.

Meine Werte haben sich vor allem verändert und ich wollte meine Sanftheit zurück. Jetzt, da ich erreicht habe, was ich damals wollte, darf ich weiter auf dieses Fundament aufbauen. Und deshalb durfte sich mein Leben, wie es die letzten Jahre aussah, auch ändern. Nein, es musste sich ändern. Nur auf weniger dramatische, willens(über)starke und selbst-herr-liche Weise, wie ich es früher angegangen bin.

Für radikale Veränderungen, so, wie es meine zwischen 2013 und 2016 war, braucht es eine gewisse Radikalität im Verhalten und Denken. Es braucht Ignoranz aller abweichenden Denk- und Verhaltensweisen, tiefes Selbstvertrauen und ein Stück Aggression, wenn du mich fragst, um weiterzumachen – selbst dann, wenn dein Umfeld es missbilligt oder missmutig beäugt. Es braucht Strenge, damit du durchhältst und feste Werte, mit denen du deine Ziele erreichen willst. Und trotzdem musst du sanft zu dir sein, um dich selbst nicht fertigzumachen oder auszubrennen. Es braucht vor allem ein klares Wissen um deine Bedürfnisse, die im Moment unerfüllt sind.

Sich selbst zu finden heißt, zu jemandem zu werden, den DU magst – nicht, damit dich andere (gut) finden und mögen

sein wie andere mich wollen

Mit dieser Überschrift gehen wichtige Aspekte einher, die ich dir mit auf den Weg geben möchte, bevor wir mit meinen Fragen loslegen:

Oftmals wollen wir uns ändern, damit sich im Außen etwas ändert. Man will schlanker oder muskulöser werden, damit man mehr vom bevorzugten Geschlecht wahrgenommen und gemocht wird, um eine Partnerschaft zu finden oder die Form der Beziehung, die du dir wünscht. Man will beruflich erfolgreicher werden oder sich gebraucht fühlen, im Kontakt zu sein, in einer Machtposition oder mehr Geld verdienen. Was auch immer du dir wünschst: Du verbindest damit etwas, z. B. Status, Teilsein oder Wichtigkeit deiner Person.

Unser Wohl und unser Selbst, unser wahres Ich, steht nie in Abhängigkeit zu anderen oder dem Leben anderer. Es gibt keine Bedingungen anderer, die du selbst zu erfüllen hättest, um du zu sein/zu werden. Prüfe deshalb genau, für wen du etwas tust oder tun willst, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst! Für wen willst Änderungen in deinem Leben erwirken? Für dich und allein nur für dich oder weil du dir davon im Außen etwas erhoffst? Als Beispiel: Wenn du abnehmen oder Muskeln aufbauen willst, machst du das, weil du das für dich möchtest, oder weil du dir davon mehr Beachtung durch andere erhoffst oder sogar Liebe und in-Beziehung-sein? Glaubst du, das äußere Erscheinen müsste erfüllt werden, damit du beachtet/geliebt wirst – vielleicht sogar von einer bestimmten “Sorte” Frau/Mann/Mensch?

Als soziale Wesen trotz unterschiedlichster Charaktere brauchen wir (soziale) Anerkennung im Sinne des Gefühls, nicht isoliert zu sein oder ausgestoßen zu werden. Und natürlich lernen wir von früh auf, XYZ zu tun, um anerkannt zu werden, und zu vermeiden, was uns Ablehnung bringt. Doch wer sich selbst finden und ändern wird/will, der muss bei den Punkten Anerkennung/Ablehnung Abstriche machen. Nur so kann man die finden, zu denen man gehören kann (falls man möchte), oder gefunden werden. Nur so erfährt man natürlicherweise – nicht erarbeitet oder sonstwie geleistet – Beachtung und Akzeptanz. Und nur aus dieser kann etwa echte Liebe entstehen, die deinem wahren Ich gilt und nicht einer Maske oder Rolle.

ICH-Inventur: Wer willst du sein – auf allen Ebenen?

Having said that: Also holte ich den Spickzettel von früher heraus. Eigentlich gehörte der bisher nur meinen Klientinnen in Coachings und Mentorings, aber da sich viele 1-zu-1-Beratungen nicht leisten können oder möchten, stelle ich ihn hier im Blog heute kostenfrei zur Verfügung.

Zettel und Stift sind sinnvoll, wenn du dir die Fragen beantwortest:

  • Wovor bist du bisher geflohen? Was wolltest du dir und anderen beweisen? Wolltest du etwas wiedergutmachen (im Leben anderer oder eine eigene Wunde von früher)?
  • Welche positiven Aspekte bringt dir eine neue Wandlung? Wie kannst du mit etwaigen negativen Aspekten umgehen? (meint Risiken und wie du sie managen würdest)
  • Welche neuen Signale haben sich gezeigt, dass dein Leben Anpassungen benötigt? Auf welcher Ebene zeigten sie sich zuerst (Körper, Geist, Herz, Seele)? Wirst du dich an sie erinnern/sie erkennen, falls sie erneut auftreten sollten?
  • Was hast du dir bislang verheimlicht? Was wolltest du dir nicht eingestehen? Wo hast du was verdrängt oder dir schön geredet?
  • Welche Menschen in deinem Leben stehen deiner Selbstfindung und Ich-Werdung im Weg bzw. geben dir das Gefühl, dass sie dagegen wären? Wie bist du bislang damit umgegangen und wie kannst du neu, besser und anders damit umgehen?
  • Was war positiv an deinem bisherigen Leben/sabschnitt? Was nimmst du dankbar mit?
  • Wer/Was willst du sein? (meint: Wie willst du sein? – Qualitäten deines neuen Ichs sowie Eigenschaften, innerlich und äußerlich)
    • als Mensch
    • als Frau/Mann
    • als Freundin/Freund
    • als Partnerin/Partner
    • als Mutter/Vater bzw. Großmutter/Großvater
    • als Tochter/Sohn
    • als Bruder/Schwester
    • im Beruf

Die letzten Fragen sind besonders wichtig. Wer willst du sein? bedeutet: Wie willst du als Frau/Mutter/Partnerin/Schwester/Freundin/Tochter sein und nicht, wie du wahrgenommen werden möchtest, um zu …

Ich zum Beispiel möchte ein sanfter, aber bestimmter, reflektierter und liebevoller Mensch sein, der seine Aufgabe kennt und sie gern erfüllt, eine Frau, die sich nimmt, was sie will und nicht aufhalten lässt von gesellschaftlichen Konventionen oder Strömungen, Medien oder Meinungen anderer, eine Partnerin, deren Herz sichtbar sein darf, ob stark oder schwach. Beruflich würde ich nie Artikel darüber schreiben, wie schön XYZs Designschuhe sind, wie durchtrainiert XYZ heute ist oder dass XYZ jetzt mit Hollywood-Schönling ABC zusammen ist. Ich muss mich mit tieferen Schichten der Menschen beschäftigen können, sonst geht es mir nicht gut.

Probiere deine eigenen Antworten auch gern von hinten herum und beginne mit dem, was du nicht sein möchtest, um zu dem, was/wie du sein möchtest, zu gelangen.

Weitere Fragen, die du dir stellen kannst, sind:

  • Wozu willst du das sein?/Was versprichst du dir davon? Und warum?
  • Willst du das für dich sein oder damit im Außen etwas geschieht? (Prüfe genau, für wen du das tust, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst!)
  • Mit welchen Mitteln willst du erreichen? Was bist du bereit, dafür zu tun? Welche Zeit gibst du dir? Ist diese realistisch?
  • Was muss schwinden oder sich verringern, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Wovon braucht es mehr in deinem Leben, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Welche Anpassungen deines jetzigen Ichs braucht das? Welche Kompetenzen müssen dafür gestärkt oder aufgebaut werden? Wer kann dich darin unterstützen?

In eigener Sache

Nachdem ich die letzten Monate abgetaucht war, starte ich nun wieder langsam durch – auf meine Weise. Blogtexte in meiner Frequenz und zu meinen (auch neuen) Themen, Coachings wie das FRAU ICH-Programm und Selbstcoaching-Programme wie “Die Wunde der Ungeliebten” (bald hier) sind wichtig für mich.

Auch wenn mein ursprüngliches Ziel, über Ängste (und nur über Ängste) zu bloggen, mindestens zu 90 Prozent erreicht ist, werde ich auch und/oder eher subtilere Themenverbindungen, die Angst aufrufen/triggern können, ansprechen. Vor allem trägt mich seit Mai diesen Jahres ein ganz anderes Projekt, was mehr ein lang gehegter Herzenswunsch als eine berufliche Absicht ist. (Vielleicht schreibe ich demnächst mehr darüber. Momentan wäre es noch zu früh.)

Das als kleiner Ausblick auf das, was im Blog und bei mir zukünftig geschehen wird und darf – auf ganz sanfte, eigene Weise.

Ich hoffe, dass du in deinem Beitrag ein paar Impulse für dich und dein wahres Ich finden konntest. Das würde mich von Herzen freuen! Getreu dem Motto: Lieber entdecken statt verstecken.

Wie du dich trennst, obwohl du ihn/sie von Herzen liebst

Wie du dich trennst, obwohl du ihn/sie von Herzen liebst

Ich hatte zwei Beziehungen in meinem Leben, in denen ich meinen Partner über alles liebte – aber ich wusste, ich musste mich trennen. Ich musste eine Trennung schaffen, weil die Partnerschaft niemals so sein würde, wie ich sie gebraucht hätte. Sie wäre nie emotional und psychisch gesund und nährend geworden, hätte meine Bedürfnisse als Mensch, Frau und Partnerin nicht erfüllt. Die Gründe lagen entweder in der emotionalen Nichtverfügbarkeit des Anderen, seien es Bindungs- und Beziehungsangst, oder in verschiedenen Auffassungen von einer Partnerschaft. Aber wir als Paar funktionierten einfach nicht (mehr).

Es fiel mir unendlich schwer, schlusszumachen – und bei einer Beziehung brauchte ich Dutzende Anläufe. Kennst du diese Situation? Suchst du auch nach Wegen, wie du dich befreien kannst aus einer Beziehung, die dir nicht mehr gut tut? Dann hoffe ich, dass dir meine Erfahrungen in diesem Blog weiterhelfen.

Scheiden tut weh: Die eine bestimmte Angst, die verhindert, dass man sich trennt

den partner nicht verletzen wollen
Scheiden tut bekanntlich weh, nicht nur dem, der verlassen wird, sondern auch dem, der verlässt. Was wirklich dahintersteckt, ist eine bestimmte Angst: Trennungsangst.

Es ist eine bestimmte Angst, die mit weiteren Ängsten in Verbindung steht, die dich abhält, dich aus deiner Beziehung zu lösen und von jemandem trennen – obwohl du weißt, dass es besser ist und obwohl du ihn/sie liebst. Diese Angst heißt passenderweise Trennungsangst. Sie beschreibt die Befürchtung, dass eine Trennung schwere Gefühle auslöst oder belastende Ereignisse folgen (soziale Isolation, Ausstoß, Alleinsein/ Einsamkeit, Diffamierung usw.). Diese Gefühle sind:

  • Scham
  • Schuld
  • Traurigkeit
  • und Furcht (nicht Angst).

Diese Gefühle sind sowohl auf deiner Seite möglich als auch auf der Seite der Person, von der du dich trennen willst/würdest. Du würdest sie also nicht nur bei dir selbst spüren können, sondern müsstest auch ertragen, sie bei deinem Herzenspartner zu sehen. Denn üblicherweise ist man extrem traurig, wenn man verlassen wird, neigt vielleicht sogar zu Wut (nur ein Mantel der Traurigkeit, eine Art Sprachrohr und Ventil). Oder der Verlassene fragt sich: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Bin ich nicht mehr liebenswert? Ist jemand anderes besser, schöner, interessanter etc. als ich? Die letzten Fragen gehen in Richtung Schuld und Scham. Die kann man auch empfinden, wenn man sich selbst trennt. Dabei brauchen Trennungen keine Erlaubnis.

Auch was nach einer Trennung folgen könnte, besonders im sozialen Umfeld, lässt viele den Schritt der Trennung nicht wagen: Sie fürchten den Ausschluss aus der Familie oder dem Freundes- und Bekanntenkreis, die Schuld, mit der man betrachtet wird, sogar die Diffamierung seitens des verlassenen Partners. Hinzu kommen die eigenen Ängste vor dem Alleinsein (Werde ich je wieder jemanden kennenlernen? Wie lange werde ich allein sein? Ist der Spatz in der Hand nicht vielleicht doch besser als die Taube auf dem Dach?).

Gleich an dieser Stelle frage dich, wie du mit diesen vier Gefühlen gelernt hast umzugehen. Hast du es überhaupt so gelernt, dass du sie dir zutraust? Denn wenn nicht, dann liegt es nicht an der Trennung an sich, sondern am nicht gelernten Umgang. Viele Menschen haben es nicht gelernt – auch ich wusste es früher nicht – und müssen es in ihrem Erwachsenenleben nachholen. Das ist machbar, wenn man ehrlich zu sich ist und sich Einsicht und Lernen erlaubt.

  • Was machen diese vier Gefühle mit mir?
  • Wer waren meine Vorbilder für diese Gefühle (Eltern, Geschwister, LehrerInnen, erste PartnerInnen usw.)?
  • Wie haben sie mir den Umgang mit diesen Gefühlen beigebracht?
  • Wie reagierten sie auf diese Gefühle?
  • Was sind meine eigenen Impulse bei diesen Gefühlen? Wie würde ich eigentlich reagieren, wenn es die Anderen nicht gegeben hätte?

Ich liebe ihn/sie so sehr. Ich kann mich nicht trennen!

woran erkennst du, ob er/sie nur sex will

Trennungsangst hat viele Dimensionen: Sie beginnen beim bekannten Credo “Man trennt sich nicht” (vom Elternhaus übernommen) und reicht bis zu “Ich kann ihn/sie nicht verlassen – Es würde ihn/sie nur verletzen” (Angst vor den Gefühlen des Anderen, besonders deine eigene oder deren Uneigenständigkeit).

Ich sehe bei meinen Klientinnen immer wieder fehlende Kompetenzen, die hier den Ausschlag geben, wie fehlgesteuerte Verantwortung (Fremdverantwortung wiege mehr als Selbstverantwortung z. B.). Augenscheinlich sind es allerdings oft externe Gründe, die diese gelernten Denk- und Verhaltensmuster verbergen:

  • gemeinsame Kinder
  • gemeinsames Eigentum oder Geldanlagen
  • finanzielle Abhängigkeiten
  • Krankheiten und Pflegebedürfnisse
  • fehlende Kompetenzen des Partners/der Partnerin
  • andere Abhängigkeiten usw.

Doch der am häufigsten genannte Grund, wieso sich viele nicht trennen, ist noch immer: LIEBE. Sie wollen/können sich nicht trennen, obwohl sie unglücklich sind. Sie wollen/können es nicht, weil die Chemie so stark ist. Sie wollen/können es nicht, weil es ja manchmal auch gute Zeiten gibt oder er/sie auch nett und liebevoll sein kann. Sie nehmen wiederholt verletzte Gefühle und unerfüllte Bedürfnisse in Kauf und rechtfertigen es mit LIEBE. Ich verstehe das. Ich war dort auch. Mehrfach.

Frage dich: Kann man jemanden lieben, obwohl man nicht mehr mit ihm/ihr zusammen ist? Wenn ja, dann kann man sich auch von jemandem trennen, obwohl man ihn/sie liebt? Kann man sich sogar von jemandem trennen, weil man ihn/sie liebt? Deine Antworten zeigen dir nicht nur deine Glaubensmuster; sie vermitteln dir auch einen ersten Einblick in (d)eine neue oder fehlende Definition von Liebe.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt forschen und versuchen seit Jahrzehnten Liebe zu erklären. Aber niemand hat es bislang geschafft, eine allgemeingültige Definition zu geben. Denn Liebe ist für alle etwas anderes, bringt oder fordert Unterschiedliches. Auch deine Definitionen von Liebe und Partnerschaft könnten sich im Lauf der Jahre geändert haben oder fordern eine schon lang ausstehende Wandlung. Um zu erfahren, ob dem so ist, frage dich einfach: Was bedarf eine Partnerschaft für mich? Wann glaube ich, dass es Liebe ist? Wann liebe ich? Wann liebt mein Partner/meine Partnerin? Fühle ich mich in meiner jetzigen Beziehung entsprechend meiner Definitionen?

Hier ein Insight aus meinen Coachings: Für viele (Frauen) bedeutet Liebe, wenn jemand (hin und wieder) bei ihnen sein will oder erlaubt, dass man bei ihm sein darf. Wenn jemand manchmal etwas gibt, was an Liebe erinnert oder sich (ein wenig, kurz) gut anfühlt. Das allein fördert ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Gewolltseins, auch wenn viele Entbehrungen damit verbunden sind oder es immer auf Sparflamme bleibt. Mit dieser Form der Liebe/Partnerschaft sind also Schmerzen, Distanz (Alleinsein gefühlt als Verlassensein), Misstrauen, Verletzungen, Zwänge und Kontrollverhalten verbunden. Kennst du diese Formen aus deinem Leben, vielleicht sogar aus deinem Elternhaus? Wenn du die letzte Frage mit Ja beantwortest, lies unbedingt weiter. Denn dann herrschen unbewusste Muster in dir, die deine Aufmerksamkeit fordern.

“Deine Liebe tut zwar weh, aber …”: Wenn man lieber etwas vom Falschen nimmt, um überhaupt etwas zu haben/geliebt zu werden

trennungsangst überwinden
Ganz ohne Liebe zu sein oder jemanden, der einen (irgendwie auf seine Art, die nicht genügt) liebt, ist ein häufiger Grund, wieso sich viele nicht trennen. Er spiegelt ein kindliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit wider.

Lieber ein bisschen von etwas als gar nichts. Wenn man sich (vom Falschen) trennt, hätte man ja gar nichts mehr. Oder in diesem Fall: niemanden mehr. Dann wäre man allein. Das sind die ersten Ängste, die ich oft von meinen Klientinnen zu hören bekomme. Und sie sind verständlich. Ich kenne sie auch. Sie beruhen auf frühen Erfahrungen und Bedürfnissen nach Zugehörigkeit und Aufmerksamkeit, dem Gefühl, gewollt und geliebt zu sein, die – wie auch immer geartet – unbefriedigt blieben oder unzureichend erfüllt worden sind. Kleiner Lesetipp an dieser Stelle: Mein Buch “Über die Kunst, allein zu sein” (als Taschenbuch bei Amazon oder als E-Book bei mir)

Vielleicht war die Liebe, nach der du heute noch suchst, verbunden mit speziellen Leistungen, die du zu erbringen hattest, zum Beispiel Fürsorge oder jemand anderen wichtiger als dich zu nehmen, erwachsener zu sein, als du warst, weil der Andere es nicht war, Verantwortung zu zeigen, die für dich als Kind zu schwer wog oder Liebe zu geben, obwohl deine Eltern/Geschwister/frühe Partner sie nicht verdient hatten (meint: sie dich schlecht behandelt hatten). Vielleicht warst du gezwungen, deine Wut oder Trauer für dich zu behalten, durftest keine Kritik äußern (Darf ich das überhaupt sagen?) oder warst nie so richtig genug (was Scham auslöste). Vielleicht warst du oft gezwungen, dich zurückzunehmen oder jemand anderes musste/wollte immer im Vordergrund stehen. All diese frühen Erfahrungen sind ausschlaggebend, wenn es um deine heutigen Beziehungsmuster geht. Sie zeigen sich in deinen Partnerschaften, wenn auch unbewusst.

Aber: Man will (bzw. glaubt) sich trennen (zu müssen), weil die eigenen Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden oder im Allgemeinen unbefriedigt bleiben. Der andere ändert sich nicht; alles bliebe beim Alten und man selbst unglücklich. Das betrifft besonders Partnerschaften, die nicht die große Glückswelle erleben, weil einer von beiden Bindungsängste oder Beziehungsangst hat und emotional nicht verfügbar, nicht erreichbar ist. Vielleicht distanziert er/sie sich immer wieder oder kann keine Intimität zulassen oder nur Sex bieten, aber nicht mit emotionaler Verantwortung umgehen. Vielleicht klammert jemand aus Angst, verlassen zu werden, oder versucht, die Bindung zu kontrollieren, überwacht den Anderen oder misstraut im Stillen, ist eifersüchtig oder fordert die Co-Abhängigkeit aka Gehorsam gegen seine eigene Angst vor Verlust.

Auch Trennungen wollen gelernt sein

darf ich mich trennen

In solchen Fällen bleibt dein Bedürfnis nach Wohl und liebevoller Zugehörigkeit unerfüllt, denn sie bedingen psychisch und emotional verletzende Anpassung und erinnern an Eltern-Kind-Dynamiken. Wenn du Schwierigkeiten hast, dich aus solchen Beziehungen zu lösen, frage dich:

  • Wie eigenständig bist du ohne PartnerIn?
  • Was fehlt dir, was dir der Partner/die Partnerin (vermeintlich) bietet?
  • Gab es Aufgaben, die der Partner/die Partnerin erfüllte, die du nicht hättest erfüllen können oder wollen? Wenn ja, welche und wieso fühlst du dich hier nicht handlungsfähig?
  • Welche Kompetenzen sind es genau, die dir fehlen? Erstelle dir eine Liste und finde heraus, wie du sie nachträglich lernen kannst.
  • Traust du dir zu, dein Leben allein und ohne Beistand, ohne vorgegebene Regeln und Wege zu leben?
  • Bist du aufs Alleinsein und ggf. Einsamkeit vorbereitet? Was kannst du währenddessen tun?
  • Hast du Träume und Ziele, die dich nähren, die du bereit bist, umzusetzen – trotz des Risikos, zu versagen? (Meint: Was könnte nach der Trennung kommen, worauf du dich freust? Welche Motivationen hast du? Je motivierter du bist, desto gelingt der Schritt.)
  • Gibt es in dir jemanden (ein Elternteil z. B.), auf das du innerlich/unbewusst noch immer hörst oder sogar wartest? (Es ist dein Eltern-Ich und Kind-Ich, die miteinander rangeln.)
  • Verbindest du Liebe und Beziehung mit dem Willen anderer? Soll heißen: Wartest du darauf, dass dich andere lieben oder irgendwann einmal so lieben, wie du es brauchst, und bist/warst bislang bereit, alles dafür zu tun? Oder bist du daran gewöhnt, stillzuhalten, damit diese Liebe hin und wieder in Krümeln zu dir kommen kann?

Hier kommt die Crux: MAN DARF SICH IMMER TRENNEN, AUCH OHNE GRUND. Als Kind durfte man sich nicht gegen die Eltern stellen oder sie verlassen (weil man wusste, man würde nicht ohne sie überleben). Heute bist du aber erwachsen und überlebst in jedem Fall, so oder so. Du bist groß geworden und hast eine Menge in deinem Leben geschafft, für dich erreicht und das allein. Du brauchst per se niemanden, um zu überleben. Du musst nur mit deinen Gefühlen umgehen lernen und selbst hier bekämst du von jedem Therapeuten oder Coach wie mir Hilfe, wenn du nachfragen würdest.

Auflehnung, offene Wut oder gar ruhige und vernünftige Darstellungen, wieso du dich in einer Beziehung nicht länger siehst oder unzufrieden bist, war verboten als Kind. Aber als Erwachsene ist es sinnig. Denn heute sorgt man für sich selbst. Man hat das Recht zu sagen: Deine Art der Liebe ist nicht meine. Sie verletzt mich. Das passt (mir so) nicht. Es reicht mir nicht. Es macht mich unglücklich. Ich gehe, wenn es so bleibt. Ich werde dich verlassen, denn ansonsten werde ich noch unglücklicher.

Insofern man für sich selbst sagen kann, dass man versucht hat, was man konnte, kompromissbereit war, an sich gearbeitet hat (Prinzip geteilte Verantwortung innerhalb einer Partnerschaft), damit eine Beziehung funktioniert, kann und DARF man jederzeit ohne schlechtes Gewissen gehen. Aber selbst dies wäre nicht nötig, denn Liebe allein reicht oft nicht aus. In Partnerschaften geht es um Kompatibilitäten, darum, zusammenzupassen – ohne sich die Köpfe einzuschlagen oder aber ständig unzufrieden/unglücklich zu sein. Es hilft, sich zu ähneln in vielen Ansichten und dem Lebensstil, in Zukunftsvisionen und wie man mit dem Leben umgeht und ihm begegnet. Man braucht eine gesunde Form der Kommunikation und die Möglichkeit/Offenheit und Bereitschaft zum Austausch, gemeinsame Zeit. Das alles fördert Liebe. Ist aber nur Liebe im Sinne einer Chemie/sexuellen Anziehungskraft, Abhängigkeit oder Angst vor Trennung vorhanden, würde eine Partnerschaft sehr sicher scheitern. Diese Form der Liebe wäre wenigstens in meinen Augen optimierungsfähig und vielleicht eine Aufforderung an dich, WAHRE LIEBE kennenzulernen, deine jetzige Definition über den Haufen zu werfen und dich von dem Gelernten/deiner Vergangenheit zu trennen. WAHRE LIEBE bedeutet Bedingungslosigkeit, Partnerschaft aber meint Bedingungen, die beide gewillt sind, zu ermöglichen. Und ganz oft bedeutet das für Menschen wie dich: dich von deinen Eltern, Denkmustern und Wunden deiner Kindheit zu befreien, loszulassen, was du früher nicht bekommen hast und die Suche nach dem im Heute zu beenden.