Eure Frage: Wie schaffe ich den Schritt in die Therapie? – besonders wenn du Ärzten misstraust oder Angst vor den Reaktionen anderer hast

Eure Frage: Wie schaffe ich den Schritt in die Therapie? – besonders wenn du Ärzten misstraust oder Angst vor den Reaktionen anderer hast

Zu wissen, dass etwas nicht stimmt und man Hilfe benötigt, kann Angst machen. Doch nicht nur das: Vielen jagt es eine noch größere Angst ein, sich einen Therapeuten zu suchen und einem fremden Menschen erklären zu müssen, wie es einem psychisch geht: Wie wird derjenige reagieren? Wird er mich belächeln? Mache ich etwas falsch? Worauf muss ich überhaupt achten, wenn ich einen Psychologen suche? Auch die empathielosen Reaktionen des sozialen Umfelds halten viele von einer Therapie ab. Nicht nur outet man sich als “psychisch krank”. Man schämt sich für seine Herausforderungen und Symptome, glaubt vielleicht sogar, man müsste es allein bewältigen. Tun man das nicht, kommt man sich unfähig und schwach vor. Es ist sowohl für Männer als auch Frauen schwer, endgültig den Schritt in die Therapie zu wagen. Möge dir dieser Beitrag helfen.

Muss ich in Therapie gehen?

muss ich in therapie?

Du musst gar nichts, doch es hat gehörige Nachteile, wenn du dich für eine Therapie entscheidest:

Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Symptome schlechter als besser werden, ist größer als umgekehrt. Die Wahrscheinlichkeit, dass du morgen ohne Hilfe noch weniger Kraft hast, ist hingegen groß. Vermeidungsverhalten merkt sich das Hirn leicht, positive Veränderungen werden schwerer. Je mehr Stresshormone du in deinem Körper hast, z. B. durch

  • Schuldgefühle, weil du es allein nicht schaffst oder Hilfe brauchst
  • Angst und Traurigkeit über die Situation
  • Wut, weil es dich getroffen hat bzw. du keine Lösung findest

desto weniger Ressourcen hat deine Psyche, es zu überwinden.

Einzige Ausnahme könnte sein: Du nutzt deine Wut als Katalysator oder suchst dir eine größere Angst, um Wege zu finden, z. B. die Angst, dass es ewig so bleiben könnte. >> Leseempfehlung zur Methode “Die größere Angst”

2) Angenommen, deine Psyche erkennt die Störung als einen guten Weg, damit du

  • dich mehr um dich kümmerst
  • mehr den Fokus auf dich legst (statt auf andere)
  • deine Herausforderungen angehst statt “über” sie hinweglebst
  • dich von “Störenden”/Störendem in deinem Leben trennst
  • dich selbstwirksam und erwachsen fühlst, unabhängig und frei:

Diese Ziele sind besser in einer Therapie umsetzbar. Man kann dort selbst eine Scheiß-egal-Einstellung lernen, wenn es das ist, was man braucht. Oft ist eine Störung eine gut gemeinte, wenn auch scheinbar sinnfreie Art und Weise deiner Psyche, dir zu sagen: So, jetzt lass uns mal Butter bei de Fische mach’n, ja? So geht das nicht weiter. Das ist nicht gesund für dich. Man kann in Therapien Methoden lernen für das, was man braucht – ohne störende Symptome. Und das ist der Sinn. Der Sinn ist nicht, ein Vermeidungsverhalten einzustudieren oder um psychische Symptome herumzuleben.

Exkurs – Krankheitswert einer psychischen “Störung”

Stress und Auswirkungen

(Ein Begriff der Psychologie und bittere Pille für alle Betroffene – auch für mich, als ich noch Agoraphobie mit Panikattacken hatte.)

Eine Störung erlaubt oft, etwas nicht zu müssen/können/dürfen, solange man sie hat. Dieser Nutzen hält dich in Angst, Depression, Ess-, Zwangsstörung usw. gefangen. Die psychische Belastung hat aber maßgebend Einschränkungen für DEIN Leben. Sie könnte dich von der Außenwelt abschneiden (Agoraphobie, Panikstörung), dir das Gefühl der Unfähigkeit/Unwirksamkeit/Wertlosigkeit (Depression) geben oder dass du nur da wärst, um für andere da zu sein (emotionale Erschöpfung), es aber nie um dich gehen dürfe, du schlank sein müsstest (Essstörung), um geliebt zu werden, du nichts im Griff und unter Kontrolle hättest, dir nichts zutrauen dürftest usw. Leider liegt hier oft die Krux: Statt etwas „einfach so“ zu machen und zu sein, was Kritik, Ablehnung, Angst, Wut, Scham, Schuld, Traurigkeit usw. auslösen könnte, umgehen wir das gesunde Verhalten zu oft – ein bisschen wie die Grippe, die uns flachlegt, wenn man zu viel gearbeitet hat.

Natürlich willst du diese Symptome nicht, die Störung nicht, die Einschränkungen. Das glaube ich dir, mir ging es genauso. So ging es uns allen. Das erlöste uns nicht davon, genauer hinzusehen: den Nutzen, sog. Krankheitswert, anzusehen. Es ist ein komplexes Thema. Hier das Wichtige: Deine Psyche könnte X als “wertvoll” erachten, weil du dann

– in einer Beziehung bleiben könntest, die schon länger unbefriedigend, emotional/physisch gewalttätig oder auslaugend ist

– du keine Konflikte/Auseinandersetzungen ertragen müsstest

– du dich nicht schlecht, schuldig oder beschämt fühlen würdest

– du deine Bedürfnisse nicht priorisieren müsstest (Kritik & Beschuldigungen blieben aus)

– du vieles unter Kontrolle behalten könntest, einschl. Harmonie

– sich wenig oder Schlechtes besser anfühlt als gar nichts

– du dir etwas bewahren kannst (Status, Anerkennung, Aufmerksamkeit

oder Ansehen/Reputation, Liebe, Zugehörigkeit)

– du so nichts falsch machen würdest in den Augen anderer

– dir niemand zu nahekommen würde bzw. sich distanzieren würde (du dich nicht mit deiner Angst vor Trennung auseinandersetzen müsstest, nicht allein sein müsstest – oder die Angst, es zu sein, nicht aushalten müsstest)

Jede/r hat seine eigenen Dynamiken. Sie beruhen entweder auf dem Ego (Ego hat jede/r, kein Grund zur Besorgnis!) oder etwas “Falschem”, was wir als “richtig” gelernt haben/uns so beigebracht wurde. In vieler Hinsicht basiert der Nutzen auf Erfahrungen während der Kindheit (Wenn du so und so bist, wirst du geliebt.) oder Beziehungserfahrungen im späterem Leben (So und so erhalte/bewahre ich mir Zugehörigkeit und Aufmerksamkeit, Anerkennung usw.).

Die Suche nach dem richtigen Therapeuten: So findest du ihn und das kannst du beachten

wenn die therapie scheitert und versagt und nicht funktioniert

Du hast Angst vor Therapeuten – oder Ärzten im Allgemeinen -, fürchtest, dass sie dich nicht verstehen oder ernst nehmen oder belächeln würden, dir das Gefühl geben könnten, mit dir würde etwas nicht stimmen? Du willst diese Art der Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht? Du weißt nicht, was du sagen sollst, wo du suchen sollst?

Eine wie auch immer geartete Störung bedeutet Verantwortung – sei es, dass du sie endlich übernehmen sollst (Selbstverantwortung) oder du Verantwortung endlich abgeben lernen sollst (Hilfe annehmen, dir die richtigen Personen für dein Leben suchen usw.) Das gilt besonders bei der Wahl deiner Ärzte/Therapeuten: Betrachte sie wie eine neue Wohnung oder ein neues Auto, das du dir ansiehst. Wenn es dir nicht gefällt, würdest du es nicht nehmen.

Schritt 1. Rufe dir im Internet eine Therapeuten-Datenbank auf oder gehe zu deinem Allgemeinmediziner und lass dir eine Überweisung geben. Besprich entweder mit deinem Hausarzt, was du glaubst zu haben/immer noch hast, oder frage bei einem Therapeuten nach verfügbaren Kapazitäten an (hier oft Anrufbeantworter -> Nachricht hinterlassen & um Rückruf bitten!).

Schritt 2. Kommuniziere so klar und kurz wie möglich, wenn du deine aktuelle Herausforderung beschreibst:

(Was?) Ich befürchte, dass ich … (eine Panik-, Ess-, Zwangsstörung, Depression usw.) entwickelt habe.

(Wieso?) Ich habe Panikattacken, erbreche absichtlich, kontrolliere alles dreifach, bevor ich das Haus verlasse, bin oft ausgelaugt und fühle mich zu schwach für einfache Erledigungen usw.

(Seit wann?) Ich habe das seit … (Zeitraum, Häufigkeit)

Schritt 3. Such dir einen Arzt/Therapeuten, der dich als Mensch wahrnimmt. Gib darin nicht auf, trotz schlimmer Erfahrungen. (Ich hatte Dutzende, aber habe doch Ärzte gefunden, die zu mir passen.)

Gute versus schlechte Therapeuten/Ärzte

gute und schlechte ärzte und therapeuten

Meine Mutter (Krankenschwester) hat früher zu mir als Jugendliche immer gesagt: Du darfst alles werden, Netti, aber du machst nichts im medizinischen Bereich, klar? Sie weiß um die negativen Seiten. Das trifft den Nerv vieler, die schlechte Erfahrungen mit Ärzten aller Art gemacht haben. Einige sind unfreundlich, kurz angebunden, übergriffig, respektlos, besserwisserisch bei deinem Körper, ignorant, weigern sich, zuzuhören oder deine individuellen Anliegen/Herausforderungen bei einer Therapie zu berücksichtigen. Das finden wir bei Architekten, Lehrern, Buchhaltern, Büroangestellten usw. auch. Ärzte/Therapeuten sind leider auch nur Menschen, die Probleme bzw. einen schlechten Tag haben oder “keinen Bock mehr” – so, wie wir alle dann und wann. Das soll weder Fehlverhalten gutheißen noch rechtfertigen.

Klare und kurze Kommunikation kann auch hier helfen:

– “Ich glaube, wir missverstehen uns. Ich suche nach einem Arzt, der …”

– “Ich möchte eine Therapie ohne …”

– “Ich glaube eine andere Therapie wäre optimaler für mich.”

– “Ich glaube, ich bin bei Ihnen nicht gut aufgehoben. Ich werde mich nach einem anderen Arzt umsehen.”

Nur zu oft halten wir den Mund, weil wir Ärzte als überhohe Respektpersonen sehen, nicht als Menschen. Ich habe mir das bei meiner Arztsuche abgewöhnt, weil mir nichts anderes mehr blieb.

In unserer heutigen Zeit nehmen viele Ärzte, um dem Ansturm an Patienten Herr zu werden, die erstbeste, am häufigsten auftretende Ursache einer Krankheit – und die eine Therapie, die im Schnitt den meisten hilft (nach ihrer Erfahrung). Viele sind (so meine Mutter) aber genervt wegen “Simulanten”, die nur eine Krankschreibung wollen, echten und unechten Hypochondern (Personen, die eine existente Hypochondrie haben versus solche, die primär Aufmerksamkeit wollen, aber keine Symptome haben.) Viele Ärzte würden sich nicht trauen, das anzusprechen). Empathie, das Vermögen, quer zu denken sowie das große Ganze zu sehen, sei eine Frage der Zeit und Mittel. Zudem gebe es Ärzte, die primär symptomorientiert arbeiten (Ah, Grippe! Hier, ein Medikament.) versus ganzheitlich.

Vom “Engel in weiß”-Mythos müssen wir uns verabschieden. Wir sind alle nur Menschen. Finde deshalb lieber den richtigen Menschen (auch wenn es nervt), statt einen Arzt, der … Es ist wie mit der Partnersuche: Nicht gleich der/die Erstbeste ist geeignet. Manchmal lohnt sich das Warten. Oft lohnt sich vor allem ein klares, direktes Gespräch, in dem du deine Grenzen kommunizierst, bzw. die Frage, ob ihr zwei gut zusammenpasst. Besonders bei Therapeuten kann man zumindest davon ausgehen, dass sie Psychologie studiert haben, weil sie Personen wie dir helfen woll(t)en. Solltest du dennoch auf jemanden treffen, der dich belächelt oder nicht ernst nimmt, kommuniziere es, berate dich mit deiner Krankenkasse und/oder suche dir ggf. auf Selbstzahlerbasis jemand anderes, bis du einen neuen gefunden hast. Finde dich aber nie mit dem Zweitbesten ab. Gib nicht auf. Such weiter nach Lösungen und Menschen für deine Heilung.

Was werden die anderen denken und sagen?

was werden meine freunde und familie sagen

Machst du dir Sorgen, was Freunde, Familienmitglieder und/oder Kollegen denken, wenn sie erfahren, dass du in Therapie bist? Viele nehmen es sehr viel positiver auf, als man geglaubt hätte. Die Gefahr, dass es anders kommt, bleibt jedoch bestehen und ist immer gegeben. Hier meine Tipps:

1.) Verschweige es gegenüber für dich kritischen Personen und vertraue dich nur solchen an, von denen du Verständnis bekämst.

2.) Kommuniziere klar und deutlich, dass XYZ dich einschränkt und du es als deine Aufgabe empfindest, es aus dem Weg zu räumen.

3.) Wenn jemand meint, du müsstest das allein bewältigen können oder dich bewertet, weil du es nicht allein schaffst bzw. Krankheit XYZ überhaupt hast: Jemandem, der das noch nicht erlebt hat, steht keine Meinung dazu zu. Das kann man auch so sagen. Wer nicht weiß, wovon er spricht, sollte gar nicht erst sprechen.

4.) Distanziere dich von verständnislosen Menschen aus genau diesem Grund: Solange du kein Verständnis zeigst, möchte keinen Kontakt.

Dieser Beitrag entstand aus der “Du fragst – ich antworte”-Rubrik. Du hast auch eine Frage und glaubst, ich könnte dir helfen? Dann sende mich deine Frage (per E-Mail, via Instagram oder Facebook – Links siehe Menü) und ich werde mich ihr alsbald annehmen. Die Antworten erscheinen auf allen sozialen Medien und hier im Blog. Trau dich!

Schreibblockaden, Kreativblockaden & Schaffenskrisen: Was du als Künstler & Schriftsteller tun kannst, wenn dir Ideen oder Worte fehlen

Schreibblockaden, Kreativblockaden & Schaffenskrisen: Was du als Künstler & Schriftsteller tun kannst, wenn dir Ideen oder Worte fehlen

Als Autorin, Künstlerin und Kreative kenne ich lästige, aufwühlende Schreibblockaden und Schaffenskrisen zu gut: wenn man vor dem leeren, weißen Computerbildschirm sitzt oder man zwar Ideen für sein Werk hat, aber keine (richtigen) Worte, Töne oder Striche findet, um sie auszudrücken. Künstler erleben das im Allgemeinen hin und wieder. Niemand ist gänzlich als kreative Seele vor solchen künstlerischen Krisen gefeit. Kreative Blockaden drücken auf die Seele, wenn das Künstlerische eine Passion ist – man ihn als Weg zum Ausdruck seines Selbst (ge)braucht. Dann tut es weh, nicht zu schreiben, komponieren, malen oder anderweitig künstlerisch tätig sein zu können – denn es fehlt ein Stück des Selbst zum Wohlgefühl und zur Balance, das nach und nach verkümmert.

Wie du als Autor/Schriftsteller, Maler, Komponist, Designer – Künstler – wieder in den Flow kommen und Angst, Frust und Resignation überwinden kannst, zeigen dir eventuell meine Methoden, die ich im Laufe der letzten Jahre für mich als Notfallkoffer zusammengestellt habe.

Blockade beim Schreiben & Schaffenskrisen: Ideen fehlen oder Versagensängste schlagen zu und nichts geht mehr?

Bei jedem Künstler und kreativen Menschen machen sich Angst, Frust und Sorgen breit, wenn man beim Schreiben, Komponieren, Zeichnen oder Erschaffen an sich nicht vorankommt.

Heinrich Böll wurde einst bezüglich einer Neuerscheinung gefragt, ob er als Autor in einer Krise wäre. Daraufhin sagte er, Autor sein und in einer Krise sein sei ein- und derselbe Zustand. Ich sehe das ähnlich, ist doch das Erschaffen, ob nun mit Worten, Pinselstrichen oder auf anderen Wegen, ein Ausdruck einer in sich schlummernden Wahrheit, ein Stück des Selbst, das befreit werden will – oder muss. Es ist verbunden mit einer extrinsischen oder intrinsischen Belohnung, die gleichzeitig auch eine Motivation für das Schaffen darstellt.

Ist man blockiert, fürchtet man entweder, dass diese Belohnung ausbleiben könnte oder man ist aus anderen Gründen demotiviert (das ist meine heutige Meinung nach vielen Jahren des Schreibens und Schaffens). Man sitzt vor dem leeren Blatt oder Textdokument, Striche funktionieren nicht oder Worte fehlen, Ideen kommen nur spärlich oder gar nicht – oder die, die vorhanden sind, wollen sich einfach nicht formieren. Am schlimmsten empfinde ich es, wenn ich eine Idee habe und eine genaue Vorstellung davon, wie sie auszusehen hat, aber ich diese einfach nicht umgesetzt bekomme. Es sieht schrecklich aus oder klingt schrecklich, mein Stil ist zwischendrin verlorengegangen oder ich finde meine Stimme nicht (wieder). Was mir aufgefallen ist: Perfektion, der Anspruch der anderen, wiederholtes Versagen bei jedem neuen Versuch, das Gefühl, es brächte sowieso nichts oder würde eh nicht funktionieren, lässt unser künstlerisches Schaffen dann oft sinnlos und nutzlos erscheinen. Bei vielen ist es eine fehlende Anerkennung oder aber zu viel Anerkennung durch die vorherigen Arbeiten, die Blockaden auslösen – die Angst, dem vorherigen Erfolg zukünftig nicht gerecht zu werden. Andere wiederum benötigen diesen Druck und die öffentliche Aufmerksamkeit als Motivation für ihren Schaffensprozess. Bleibt diese aus, fehlt auch die innere Motivation. Inspiration, Selbstvertrauen beim Schaffen, unaufhörliches Trial-and-Error durch die bewusste Befreiung von Ängsten funktionieren nur leider nicht auf Knopfdruck, wenn man blockiert ist.

Inspiration finden & Motivation schaffen: Meine Wege gegen kreative Blockaden beim Schreiben und Zeichnen

Es ist ein eigenständiges Thema, ob Inspiration von außen kommt oder in uns liegt. Ob wir die Inspiration „verlieren“ oder wie aus anderen Gründen blockiert sind im Schreiben/Schaffen: Ich habe ein paar meiner Wege zusammengefasst, die du ausprobieren kannst, wenn du dich gerade in einer Schreibblockade/Kreativblockade oder gar Schaffenskrise befindest.

Alles rund um das Endergebnis

Mir fiel in den letzten Jahren auf, dass wenn ich das Endergebnis nicht als Klares vor meinem geistigen Auge sehe, dann fällt mir das Arbeiten am Ergebnis schwerer. Wann immer ich uninspiriert oder unmotiviert bin, werkele ich sodann am Buchcover, an Marketingmaterialien wie Social Media Posts oder Begleittexten zum Werk. Das hält meine Motivation oben und gibt mir das Gefühl, dass das Ergebnis zum Greifen nahe ist.

Musik

Ich höre sehr oft (die ganze Zeit) Musik, während ich schreibe und zeichne. Es ist grundsätzlich Musik, die zum jeweiligen Thema passt oder mich in die richtige Stimmung bringt. Wenn ich mich konzentrieren muss, ist es Klassik (fördert die Konzentration). Ich wähle andere Musik, wenn ich in einem speziellen Gefühl sein will oder kommen will, Titel, die dieses Gefühl für mich transportieren. Und es gibt einzelne Songs, die ich speziell für Themen/Bücher/Charaktere auswähle, weil sie für mich einen Zugang zu ihnen herstellen. Sitze ich also an einer Geschichte, erhält fast jeder Charakter zumindest einen solchen Song, wenn nicht sogar eine ganze Playlists. So kann ich meine Ideen und das, was die Figur ausmacht, besser steuern.

Filme und Bücher

Je nach Thema und Genre wähle ich außerdem andere Medien, die mich anregen können, weil sie sich mit etwas auseinandersetzen, worüber ich schreibe. Was ich hingegen nicht mache, ist Konkurrenz zu konsumieren, weil mich das meist zu sehr in die Gedanken- und Schaffenswelt des Anderen versetzt. (Aber das ist jedem selbst überlassen.) Stattdessen konzentriere ich mich auf Fotografien, Studien, Artikel, Dokumentationen, Spielfilme usw. Ich liebe zudem Zitatbilder und Lyrics, die ich mir anhand von meinen  Stichwörtern bei Google, Pinterest & Co. anzeigen lasse. So habe ich einzelne Bildordner und Pinnwände zu einzelnen Büchern/Werken.

Position ändern – Bewegung

Die besten Ideen kommen mir immer noch, wenn ich vom Schreibtisch oder Sofa aufstehe, mich auf den Balkon stelle oder anderweitig bewege. Sport hilft mir auch, aber zieht mich oft körperlich zu sehr in eine Tiefenentspannung/Ausgelaugtheit, in der ich nicht mehr kreativ sein kann – sondern nur noch ausgepowert bin. Kurze Spaziergänge hingegen helfen mir sehr. Die Farbe Grün der Natur beruhigt zusätzlich.

Sonne

Licht und frische Luft entspannt, hebt die Stimmung und regt an. Draußen zu schreiben/zu schaffen, könnte helfen, genauso wie ein kurzer Gang in den Garten oder auf den Balkon, um von Bildschirm oder dem Arbeitsmedium wegzukommen.

Sich mit etwas beschäftigen, was Thema/Figuren angeht

Wer an einem Roman oder Bild arbeitet, der kann sich in seine zentrale Idee (z. B. anhand von Figuren) hineinvertiefen, indem er lebt oder handelt wie sie. Das verringert die Distanz und lässt neue Sichtweisen entstehen – und somit Ideen. 

Das Medium ändern

Manchmal, wenn ich zeichne oder schreibe, stelle ich fest, dass mich die Konstante des Mediums auf einmal blockiert. Dann wähle ich statt des Macbook mein iPhone/Pad und die dortige Schreibsoftware oder verwende für eine Weile eine Diktiersoftware statt zu schreiben.

Wenn ich zeichne, erlebe ich es oft, dass mir das Blatt zu klein oder zu groß wird usw. Also nehme ich eine andere Größe zur Probe oder andere Stifte (Pastell statt Bleistift, schwarzes Papier statt weißes etc.), um mich zu entblocken.

Vergangene Werke zu dir sprechen lassen

Wenn ich es “nicht mehr fühle” oder mir Ideen fehlen, ich das Gefühl habe, etwas stimmt nicht oder sollte anders sein, ich Angst vor dem Scheitern/Versagen/Schlechtsein bekomme, nehme ich mir oft vergangene Werke/Bücher von mir und lasse mich neu inspirieren und vom guten Gefühl mitreißen. Meine Angst, dass ich etwas Schlechtes erschaffen könnte, kritisiert werden würde oder es niemand mögen würde, schwindet recht schnell auf diesem Wege.

Notizen und Schreibmethoden zur Ideenfindung

Am Ende des Tages bin ich immer noch ein Handschriftmensch. Ohnehin hat die Forschung/Wissenschaft hinreichend belegen können, dass sich blockierte Gedanken (auch Gedankenkarusselle) besser durch das Niederschreiben mit der Hand lösen. Hinzu kommt, dass das Aufschreiben seiner angstbesetzten Gedanken die Angst löst (Schreibtherapie-Erkenntnis der 80er Jahre an Angst- und Depressionserkrankten in Großbritannien). Ich erwähne das, weil auch vor Prüfungen (und ich persönlich finde, jeder Schaffensprozess hat etwas Prüfendes an sich) das Niederschreiben seiner Gedanken die Prüflinge besser abschneiden ließ und die Angst nahm. Ich mache alle meine Notizen rund um das, was geschaffen werden soll, Inhalte meiner Kapitel oder was ein Bild transportieren soll, in einem kleinen Notizbuch, was ich eigens dafür besitze. Für grobe Ideen nutze ich immer noch die Notiz-App meines Handys. Aber wenn es um Blockadenlösung und Schaffenskrisen geht, arbeite ich nur noch handschriftlich. Ich verwende vor allem häufig Mindmaps. So vergesse ich nichts und kann gleichzeitig mehrere Lösungswege verdeutlichen, um dann am Ende die beste zu wählen. Es zieht mich bei Büchern auch aus der Angst/der Starre heraus, wenn ich meine, ein Ablauf der Geschichte müsste es sein. Ich kann per Mindmaps stattdessen viele verschiedene Variationen finden. Bei Zeichnungen hingegen doodle ich: Ich skizziere verschiedene Stile, bis ich den gefunden habe, der mir am ehesten zusagt.

Zerstreuung

Zerstreuung muss sein. Nicht nur, weil bewiesen wurde, dass Kreativität/Flow dann am ehesten auftaucht, je entspannter man ist. Es zieht einen auch weg aus dem Lösungs-Zirkel. Wenn ich keine Ideen habe, macht es mich mürbe und ich fühle mich unsagbar schlecht. Lenke ich mich ab, sodass meine Gedanken woanders hingleiten und weg aus dem Bisherigen meines Buches/Werkes, dann gelingt mir das Denken/Entscheiden später oder am kommenden Tag besser.

Empfandest du einen meiner Wege, um Schreibblockaden und Schaffenskrisen besser zu bewältigen, als hilfreich? Dann freue ich mich über einen Kommentar.

Viele Grüße
Janett

Brief an mein inneres Kind oder Eine Erinnerung an dich, falls du vergessen hast, wer du bist

Brief an mein inneres Kind oder Eine Erinnerung an dich, falls du vergessen hast, wer du bist

Was uns im erwachsenen Leben an Schwierigkeiten und Herausforderungen begegnet – emotional und psychisch – findet seinen Ursprung zu oft in der Kindheit. Dort haben wir gelernt, wie Leben vermeintlich geht, wofür wir hier sind und wie unsere Rollen aussehen, was wir sollen und was nicht, wie die Welt tickt und wie wir Teil davon werden (oder bleiben). Nur selten aber decken sich diese Lernerfahrungen mit dem, was wir sein wollen und können. Denn unsere Kindheit ist auch gesät mit Verletzungen, vorrangig die unserer Eltern und Großeltern, die an uns weitergegeben wurden. Wir konnten sie als Kind nicht prüfen, aber im erwachsenen Leben können wir es sehr wohl – mithilfe unseres inneren Kindes. Ist unser inneres Kind verletzt, sorgt es für destruktive Beziehungen und Missstände, die wir vermeintlich nicht loslassen können, wenn wir älter sind. Hier helfen Erinnerungen an unser wahres Selbst, nachdem wir Missliches, was unser inneres Kind glaubt, aufdecken und ausgleichen. Briefe sind ein hervorragendes Instrument, um seinem inneren Kind zu begegnen: Es ist ein bewährtes Mittel der Schreibtherapie, seinem inneren Mädchen/Jungen einen Brief aus der Sicht des Erwachsenen zu schreiben – um ihm den Weg zu weisen, zu korrigieren, zu bestärken und schlussendlich zu heilen.

Hier ist – als Anregung oder Vorlage – mein Brief. Es ist der Zweite. (Den Link zum Ersten findest du am Ende dieses Briefes.)

Brief an dein/mein/unser inneres Kind

inneres kind
Briefe als Instrument, um seinem inneren Kind zu begegnen und es zu heilen: ein bewährtes Mittel der Schreibtherapie

Liebling,

ich habe einige Bitten an dich.

Du darfst immer traurig sein, wenn dir etwas Schlimmes widerfahren ist, aber erinnere dich daran, dass jedes Gefühl – Traurigkeit, Schuld, Scham, Angst, Ekel usw. – eine Entscheidung ist. Du entscheidest, ob du ihm Raum gibst oder nicht. Du entscheidest, ob du dich fürchtest oder nicht. Du weißt, dass du deine Gefühle steuern kannst. Dein Denken ist ein mächtiges Instrument und Gefühle sind deine Freunde. Sie kommen aus der Kindheit und zeigen dir, was du gelernt hast. Was du aber früher gelernt hast, kann heute schon hinfällig sein und morgen schädlich. Viel wichtiger: Was du gelernt hast, kannst du jederzeit wieder verlernen.

Bitte erinnere dich, wie alt du bist, was du bereits in deinem Leben gemeistert hast, worauf du stolz sein kannst und welche Fähigkeiten dich besonders machen. Solltest du auch nichts von dem, was dich ausmacht, nutzen – weder für dich noch für die Welt: Es ist nie zu spät, dein Leben zu verändern. Nimm dir ruhig die Zeit, die du brauchst.

Trennungen aller Art wiegen schwer für jeden Menschen. Du bist nicht allein damit. Wenn dich jemand verlässt, sei traurig, weil es schmerzt, aber erinnere dich daran, dass du ebenso dankbar sein könntest, einen Menschen weniger in deinem Leben zu haben, der nicht zu dir gehören will. Gib das Kämpfen auf. Es geht darum, jene zu finden, die bei dir sein wollen, weil sie zu dir passen und du zu ihnen.

Deshalb: Wenn dich jemand verletzt, prüfe sorgfältig, ob es dein Ego ist, das weint, oder dein Herz. Dein Kopf und Herz sind mit Grund voneinander entfernt. Beide haben ihre Aufgaben, aber nicht immer haben beide recht. Es kann so aussehen, als würdest du bitter leiden, während es nur eine Kränkung deines Egos ist. Es kann sein, dass du meinst, etwas würde dir nichts anhaben, dir nichts ausmachen, während dein Herz leise bricht. Kenne den Unterschied. Kenne dich.

Wenn du abgelehnt wirst – und das wird nicht selten geschehen – bleib dennoch positiv und dankbar. Vertraue den Menschen in ihren Ansichten über dich und sich und euer beider Wohl. Wenn sie dich nicht wollen, so ist es ihre Entscheidung. Respektiere sie. Sie ist richtig, weil sie sich richtig für denjenigen anfühlt. Selbst wenn sie sich für dich falsch anfühlt, so könnte sie doch richtig für dich sein. Manchmal wollen wir erst recht das, was wir nicht haben können. Und viel zu oft wünschen wir uns, was uns nicht guttäte. Es nützt dir wenig, dich täglich für einen Hauch gelogene Sympathie aufopfern und zermürben zu müssen. Es ist ein täglicher Kampf, der dich zeichnen wird. Du kannst ihn jetzt aufgeben und doch dankbar sein für die schönen Zeiten und nützlichen Lehren.

inneres kind brief

Lerne ebenso, Menschen zu verlassen oder dich aus destruktiven Situationen zu schälen, ganz egal, wie sehr es jemandem wehtun würde. Dein Leben ist dafür da, gelebt zu werden, in maximaler Freude und mit bestem Gewissen und Wissen. Es ist nicht Pflicht des Lebens, unnötig zu leiden, wenn du dieses Leid vermeiden könntest. Es ist eine Erlaubnis, zu gehen, wann immer du in einer Verbindung keinen gegenseitigen, erfüllten und liebevollen Nutzen erkennen kannst.

Der Tod wird früh genug kommen. Verlust ist unvermeidbar. Sei deshalb Zeit deines Lebens gut zu dir, deinem Körper, deiner Seele und anderen Menschen. Töte weder dich noch andere im Kleinen wie mit Worten, Rache oder Vermeidung, Schweigen, Distanz, Reaktivität oder Angst, Verachtung oder Aufopferung. Alleinsein will gelernt sein und Konflikte gemeistert. Du bist genauso wichtig wie andere. Andere sind genauso wichtig wie du. Wer dir hier widerspricht, gehört nicht in dein Leben.

Jeder Mensch, der dich verletzt, ist dennoch ein wertvoller Lehrer für dich. Hasse ihn nicht. Was dich verletzt, sagt etwas über deine Verletzungen, die, die du so sehr zu lindern versuchst – oder gekonnt verdrängst. Sei nicht tätig, Verletzungen zu vermeiden, die Kontrolle zu behalten oder das Leben gar zu manipulieren. Das alles sind bloße Gedanken, die aus alten Wunden entspringen. Doch alt ist, was alt ist. Jetzt ist jetzt. Je häufiger du mit dem Schlimmen in Kontakt kommst, desto eher wirst du lernen, ruhig zu bleiben, dir und deinem Leben zu vertrauen und so deine Ängste überwinden.

Ängste sind okay, weißt du? Wir alle haben welche. Sie sind da, um dir etwas zu zeigen:

1.) Was du glaubst, nicht zu dürfen oder nicht zu sollen?
2.) Wo es hakt, wo du eingreifen musst, wo es eine Korrektur geben muss?
3.) Was erlaubt dir deine Angst, nicht tun zu müssen?

Ängste sind nicht da, um dich zu quälen. Sie sind nicht da, um dich deines Glücks zu berauben oder zu benachteiligen. Sie sind da, um verstanden und akzeptiert zu werden. Je schneller du deine Ängste kennenlernst, desto näher rückst du an dich selbst heran.

Seien die Verletzungen von Menschen noch so eindeutig: Bleib ruhig und atme. Besinne dich auf ihre Lektionen. Was sie können, kannst auch du. Manchmal lernt es sich am besten von seinem vermeintlich größten Feind, zum Beispiel, wie du nicht bist oder nicht sein willst, wo du nicht hingehörst oder nicht hingehören willst. Es gibt Menschen, die ein Leben lang nach den Antworten auf diese Fragen suchen. Nimm die Gelegenheiten, wie sie kommen, und packe ihre Lektionen am Schopfe. Das erspart dir wertvolle Zeit.

Wer versucht, deine Schwachstellen zu finden, um sie gegen dich auszuspielen, hat ebenso Schwachstellen, die er zu verstecken versucht. Hinter jeder Schwäche steckt eine Stärke, so wie hinter jeder Stärke eine Schwäche steckt. Es ist die Balance, die zählt.

nicht wissen wohin mit meinem leben

Mitunter sind Angriffe anderer auf dich nicht mehr als der Spiegel ihrer Angst. Finde heraus, was sich dahinter verbirgt, dann übe dich in Verständnis und Vergebung. Doch du bist ein Mensch, keine Fußmatte. Erinnere dich daran und wenn nötig, auch die anderen, die diese Erinnerung brauchen. Mitunter werden/wurden sie selbst so behandelt und kennen keine anderen, gesunden Wege. Man könnte auch sagen: Sprich die Sprache deines Gegenübers. Sei sanft zu dir und denen, die Sanftheit verstehen. Sei bereit, sanft hart zu jenen zu sein, die nichts als Härte üben, indem du ihnen deinen Grenzen aufzeigst. Die größten Verletzungen, Missverständnisse und Kommunikationsfallen entstammen dem Schweigen, der Unkenntnis und Uneinsichtigkeit.

So bleibe offen Menschen gegenüber, die Charaktereigenschaften haben, die dir fremd sind. Sie wuchsen anders auf als du. Aber sie sind Menschen, so, wie du. Was kannst du von ihnen lernen? Was können sie, was du nicht kannst? Was kannst du ihnen beibringen? Was kannst du, was sie nicht können? Welches gemeinsame Ziel habt ihr? Welche Handlungen würden es euch erleichtern, euer Ziel zu erreichen?

Fehler zu machen, heißt nicht, ein Fehler zu sein. Selbst die härteste Kritik ist nichts weiter als Feedback. Bleib ruhig und frage stattdessen, was du neben dem Fehler gut gemacht hast. Das lenkt aller Aufmerksamkeit ab – besonders deine.

Du wirst dein Leben lang lernen und an dir arbeiten dürfen. Nenne es Persönlichkeitsentwicklung oder Potenzialentfaltung. Niemand kommt perfekt auf diese Welt. Du bist kein Fertigprodukt, sondern durchläufst deine eigene Evolution in deinem eigenen Tempo. Keinen einzigen Tag bist du auf dieser Welt, um zu sein, wie es andere von dir erwarten. Es ist das Miteinander, das zählt, das gegenseitige Füreinander. Und das beginnt mit der Fürsorge für dich selbst.

Es gibt Menschen, die das nicht akzeptieren. Übe dich in Konfrontation. Es hat noch niemandem geschadet, für sich einzustehen. Es stärkt dein Bewusstsein für das, was du brauchst: dich und wer du bist, wer du sein willst. Dein Potenzial ist seit Geburt her in dir angelegt.

Vielleicht werden Zeiten kommen, in denen du nicht weißt, wie es weitergehen soll, in denen dir alles sinnlos erscheint und leer. Fehlt dir ein Sinn, fehlt dir in Wahrheit ein Ziel. Es muss dein Ziel sein, erreicht mit deinen Mitteln, minus dem, was andere wollen. Nur so steht unter dem Strich ein Ergebnis, das dir gefallen wird. So überstehst du alle Hindernisse und Zweifel.

Du hast immer das Recht, jemanden nicht zu mögen, so wie jeder andere das Recht hat, dich nicht zu mögen. Dich zu mögen, ist das oberste Ziel – für dich. Du wirst es nicht erreichen, wenn du dir nur dann gefällst, wenn du anderen gefällst, du dich nur dann magst, wenn andere dich mögen.

Prüfe deshalb deine eigenen Gedanken und Ansichten über die Welt. Nicht jeder deiner Gedanken ist wahr, so, wie alle, die von außen kommen, sowohl richtig als auch falsch sein können. Erinnere dich daran, dass jeder seine Einstellungen braucht. Sie geben Halt und versprechen Ordnung. Je flexibler du bleibst und je weniger Glauben du dem schenkst, was du denkst, desto eher wirst du zu dem, was du sein kannst: dein größtmögliches Ich.

inneres kind

Denn du wirst niemals besser sein, als das, was du von dir glaubst. Glaube daran, dass alles möglich ist und alles kann möglich werden. Beschränke dich nicht selbst, nur weil dir deine Gedanken dazu raten.

Hinterlasse der Welt etwas, was dir am Herzen liegt. Teile. Gebe. Inspiriere. Sprich über deine Niederlagen. Zeige, wie du sie überwunden hast. Liebe. Verletzlichkeit ist Teil des menschlichen Seins. Niemand kommt um sie herum. Sie zu leugnen, ist eine der größten Lügen.

Deshalb bewerte Menschen nicht auf den ersten Blick. Du kannst niemals wissen, was jemand gerade durchmacht, welche Kämpfe er auszustehen hat, welche Ängste. So mancher lächelt und sagt, alles wäre wunderbar, während er in Wahrheit verzweifelt. Wir haben alle unsere Sorgen, aber nicht jeder zeigt sie.

Schlussendlich ist hier meine letzte Bitte: Bevor du fällst, falle lieber auf! Auch sein Leben nicht in die Hand zu nehmen, ist eine aktive Entscheidung. Sie lautet: „Ich nehme mein Leben nicht in die Hand, sondern lasse es liegen und mache nichts damit.“ Suche dir Hilfe dafür, wenn du welche brauchst. Gehe einen ersten Schritt und probiere etwas Neues, wenn dich das Alte nicht mehr nährt. Aber handele. Sei dir hier am nächsten und kümmere dich gut um dich. Wenn du das tust, wird sich das Leben dankbar zeigen. Das ist ein Versprechen!

In Liebe,
dein erwachsenes Ich

© Janett Menzel

Zum Weiterlesen

“Über die Kunst, allein zu sein” (Janett Menzel, 2016)
“101 Wege aus der Angst” (Janett Menzel, 2018)
“Mein neues Leben ohne Angst” (Janett Menzel, 2020)
“Hör auf! Deine Angst” (Janett Menzel, 2018)

Hier geht’s zum ersten Brief an mein inneres Kind

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Als ich meine damalige Beziehung beendet und kurze Zeit später meinen Job gekündigt hatte, voller Vertrauen in meine Selbstständigkeit gegangen und mich neu erfunden hatte, dachte ich: Jetzt bin ich endlich bei mir angekommen. Jetzt bin ich GANZ ICH, so wie ich immer sein wollte. Ich erschuf mich neu und wurde zu der Person, die ich seit meiner Kindheit sein wollte. Ich fühlte mich frei und angekommen in mir selbst.

Heute – drei Jahre später (und es loderte seit Monaten in mir) – stelle ich fest: Eine solche Ich-Inventur muss regelmäßig geschehen. Es reicht nicht aus, mich nur nach heftigen Lebenseinschnitten wie meiner letzten Agoraphobie mit Panikattacken 2013 zu fragen: Wer will ich sein? Selbstaktualisierung zur Selbstfindung geschieht nicht einmalig. Also stellte ich neulich die Frage erneut und lasse dich hier daran teilhaben. Nur dieses Mal – ein paar Jahre später, älter und schlauer – fügte ich ein paar Schichten hinzu. Weil ich gelernt habe, dass die Antwort alles entscheidend sein kann für die Zukunft, die man sich wünscht.

Wer will ich sein? Und wieso reicht die Antwort von damals mir heute nicht mehr?

Selbstfindung findet nicht einmal statt noch ist sie endgültig: Sie braucht kleine, stetige Anpassungen, um langfristig dein Wohl, Zufriedenheit und Erfüllung zu garantieren.

Kann Selbstfindung überhaupt endgültig sein? Man sagt ja, alle sieben Jahre würde sich das Leben (und die Haarstruktur?!) ändern: Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber ich habe gelernt, dass einzelne Erlebnisse sowie die Summe der Erfahrungen und Jahre uns ändern. Etwas, was letzte Woche noch zufrieden machte oder innere Stärke und Sicherheit verlieh, kann schon morgen nicht mehr ausreichen – nicht mehr glücklich machen. Seien es Beziehungen, Arbeitsaufgaben oder der Arbeitgeber an sich, Freunde oder Hobbys, Gewohnheiten oder man selbst, so, wie man sich sieht: Mit jedem Tag, der verstreicht, können wir eine innere Wandlung vollziehen, ohne sie überhaupt zu merken. Und deshalb sind kleine Anpassungen, damit wir werden, sein und bleiben, wer wir sein wollen, nötig – regelmäßig und niemals endgültig abgeschlossen.

Wenn wir unsere inneren Wandlungen merken, dann lodert es oft seit einiger Zeit. Auch Körper und Geist brauchen ihre Zeit, zu merken, dass etwas nicht mehr stimmt – unstimmig geworden ist. Erst dann schicken sie Signale, die uns aufhorchen lassen wollen, um Veränderungen für unser Wohl einzuleiten. Vielleicht sind es kleine Änderungen in unserem Verhalten (uns selbst oder unserem Umfeld gegenüber) oder in unserem Denken (Wie stehen wir zu den Menschen in unserem Leben und im Allgemeinen? Wie bewerte ich die Beziehungen/Partnerschaft in meinem Leben? Wofür bin ich dankbar? Was nagt an mir?). Denn die Antworten entscheiden über unsere Gefühle. Und selbst die unterliegen – schön fest- und eingefahren – individuellen Mustern.

Ich für meinen Teil stellte in diesem Jahr fest: Meine Muster waren für die damalige Befreiung und folgende Erleichterung dienlich. Heute sind sie es nicht mehr, denn heute machen sie mich weniger zufrieden. Damals brauchte ich andere Elemente in meinem Leben als heute (Alleinsein, Selbstbestimmung, grenzenlose Möglichkeiten und permanenter Selbstausdruck). Heute würden diese für Unruhe, innere Unsicherheit und Einsamkeit sorgen – weil sich meine Ziele, ohne dass ich es bemerkte, in den letzten drei Jahren geändert haben. Und damit auch das, was ich sein will – heute.

Meine Werte haben sich vor allem verändert und ich wollte meine Sanftheit zurück. Jetzt, da ich erreicht habe, was ich damals wollte, darf ich weiter auf dieses Fundament aufbauen. Und deshalb durfte sich mein Leben, wie es die letzten Jahre aussah, auch ändern. Nein, es musste sich ändern. Nur auf weniger dramatische, willens(über)starke und selbst-herr-liche Weise, wie ich es früher angegangen bin.

Für radikale Veränderungen, so, wie es meine zwischen 2013 und 2016 war, braucht es eine gewisse Radikalität im Verhalten und Denken. Es braucht Ignoranz aller abweichenden Denk- und Verhaltensweisen, tiefes Selbstvertrauen und ein Stück Aggression, wenn du mich fragst, um weiterzumachen – selbst dann, wenn dein Umfeld es missbilligt oder missmutig beäugt. Es braucht Strenge, damit du durchhältst und feste Werte, mit denen du deine Ziele erreichen willst. Und trotzdem musst du sanft zu dir sein, um dich selbst nicht fertigzumachen oder auszubrennen. Es braucht vor allem ein klares Wissen um deine Bedürfnisse, die im Moment unerfüllt sind.

Sich selbst zu finden heißt, zu jemandem zu werden, den DU magst – nicht, damit dich andere (gut) finden und mögen

sein wie andere mich wollen

Mit dieser Überschrift gehen wichtige Aspekte einher, die ich dir mit auf den Weg geben möchte, bevor wir mit meinen Fragen loslegen:

Oftmals wollen wir uns ändern, damit sich im Außen etwas ändert. Man will schlanker oder muskulöser werden, damit man mehr vom bevorzugten Geschlecht wahrgenommen und gemocht wird, um eine Partnerschaft zu finden oder die Form der Beziehung, die du dir wünscht. Man will beruflich erfolgreicher werden oder sich gebraucht fühlen, im Kontakt zu sein, in einer Machtposition oder mehr Geld verdienen. Was auch immer du dir wünschst: Du verbindest damit etwas, z. B. Status, Teilsein oder Wichtigkeit deiner Person.

Unser Wohl und unser Selbst, unser wahres Ich, steht nie in Abhängigkeit zu anderen oder dem Leben anderer. Es gibt keine Bedingungen anderer, die du selbst zu erfüllen hättest, um du zu sein/zu werden. Prüfe deshalb genau, für wen du etwas tust oder tun willst, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst! Für wen willst Änderungen in deinem Leben erwirken? Für dich und allein nur für dich oder weil du dir davon im Außen etwas erhoffst? Als Beispiel: Wenn du abnehmen oder Muskeln aufbauen willst, machst du das, weil du das für dich möchtest, oder weil du dir davon mehr Beachtung durch andere erhoffst oder sogar Liebe und in-Beziehung-sein? Glaubst du, das äußere Erscheinen müsste erfüllt werden, damit du beachtet/geliebt wirst – vielleicht sogar von einer bestimmten “Sorte” Frau/Mann/Mensch?

Als soziale Wesen trotz unterschiedlichster Charaktere brauchen wir (soziale) Anerkennung im Sinne des Gefühls, nicht isoliert zu sein oder ausgestoßen zu werden. Und natürlich lernen wir von früh auf, XYZ zu tun, um anerkannt zu werden, und zu vermeiden, was uns Ablehnung bringt. Doch wer sich selbst finden und ändern wird/will, der muss bei den Punkten Anerkennung/Ablehnung Abstriche machen. Nur so kann man die finden, zu denen man gehören kann (falls man möchte), oder gefunden werden. Nur so erfährt man natürlicherweise – nicht erarbeitet oder sonstwie geleistet – Beachtung und Akzeptanz. Und nur aus dieser kann etwa echte Liebe entstehen, die deinem wahren Ich gilt und nicht einer Maske oder Rolle.

ICH-Inventur: Wer willst du sein – auf allen Ebenen?

Having said that: Also holte ich den Spickzettel von früher heraus. Eigentlich gehörte der bisher nur meinen Klientinnen in Coachings und Mentorings, aber da sich viele 1-zu-1-Beratungen nicht leisten können oder möchten, stelle ich ihn hier im Blog heute kostenfrei zur Verfügung.

Zettel und Stift sind sinnvoll, wenn du dir die Fragen beantwortest:

  • Wovor bist du bisher geflohen? Was wolltest du dir und anderen beweisen? Wolltest du etwas wiedergutmachen (im Leben anderer oder eine eigene Wunde von früher)?
  • Welche positiven Aspekte bringt dir eine neue Wandlung? Wie kannst du mit etwaigen negativen Aspekten umgehen? (meint Risiken und wie du sie managen würdest)
  • Welche neuen Signale haben sich gezeigt, dass dein Leben Anpassungen benötigt? Auf welcher Ebene zeigten sie sich zuerst (Körper, Geist, Herz, Seele)? Wirst du dich an sie erinnern/sie erkennen, falls sie erneut auftreten sollten?
  • Was hast du dir bislang verheimlicht? Was wolltest du dir nicht eingestehen? Wo hast du was verdrängt oder dir schön geredet?
  • Welche Menschen in deinem Leben stehen deiner Selbstfindung und Ich-Werdung im Weg bzw. geben dir das Gefühl, dass sie dagegen wären? Wie bist du bislang damit umgegangen und wie kannst du neu, besser und anders damit umgehen?
  • Was war positiv an deinem bisherigen Leben/sabschnitt? Was nimmst du dankbar mit?
  • Wer/Was willst du sein? (meint: Wie willst du sein? – Qualitäten deines neuen Ichs sowie Eigenschaften, innerlich und äußerlich)
    • als Mensch
    • als Frau/Mann
    • als Freundin/Freund
    • als Partnerin/Partner
    • als Mutter/Vater bzw. Großmutter/Großvater
    • als Tochter/Sohn
    • als Bruder/Schwester
    • im Beruf

Die letzten Fragen sind besonders wichtig. Wer willst du sein? bedeutet: Wie willst du als Frau/Mutter/Partnerin/Schwester/Freundin/Tochter sein und nicht, wie du wahrgenommen werden möchtest, um zu …

Ich zum Beispiel möchte ein sanfter, aber bestimmter, reflektierter und liebevoller Mensch sein, der seine Aufgabe kennt und sie gern erfüllt, eine Frau, die sich nimmt, was sie will und nicht aufhalten lässt von gesellschaftlichen Konventionen oder Strömungen, Medien oder Meinungen anderer, eine Partnerin, deren Herz sichtbar sein darf, ob stark oder schwach. Beruflich würde ich nie Artikel darüber schreiben, wie schön XYZs Designschuhe sind, wie durchtrainiert XYZ heute ist oder dass XYZ jetzt mit Hollywood-Schönling ABC zusammen ist. Ich muss mich mit tieferen Schichten der Menschen beschäftigen können, sonst geht es mir nicht gut.

Probiere deine eigenen Antworten auch gern von hinten herum und beginne mit dem, was du nicht sein möchtest, um zu dem, was/wie du sein möchtest, zu gelangen.

Weitere Fragen, die du dir stellen kannst, sind:

  • Wozu willst du das sein?/Was versprichst du dir davon? Und warum?
  • Willst du das für dich sein oder damit im Außen etwas geschieht? (Prüfe genau, für wen du das tust, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst!)
  • Mit welchen Mitteln willst du erreichen? Was bist du bereit, dafür zu tun? Welche Zeit gibst du dir? Ist diese realistisch?
  • Was muss schwinden oder sich verringern, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Wovon braucht es mehr in deinem Leben, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Welche Anpassungen deines jetzigen Ichs braucht das? Welche Kompetenzen müssen dafür gestärkt oder aufgebaut werden? Wer kann dich darin unterstützen?

In eigener Sache

Nachdem ich die letzten Monate abgetaucht war, starte ich nun wieder langsam durch – auf meine Weise. Blogtexte in meiner Frequenz und zu meinen (auch neuen) Themen, Coachings wie das FRAU ICH-Programm und Selbstcoaching-Programme wie “Die Wunde der Ungeliebten” (bald hier) sind wichtig für mich.

Auch wenn mein ursprüngliches Ziel, über Ängste (und nur über Ängste) zu bloggen, mindestens zu 90 Prozent erreicht ist, werde ich auch und/oder eher subtilere Themenverbindungen, die Angst aufrufen/triggern können, ansprechen. Vor allem trägt mich seit Mai diesen Jahres ein ganz anderes Projekt, was mehr ein lang gehegter Herzenswunsch als eine berufliche Absicht ist. (Vielleicht schreibe ich demnächst mehr darüber. Momentan wäre es noch zu früh.)

Das als kleiner Ausblick auf das, was im Blog und bei mir zukünftig geschehen wird und darf – auf ganz sanfte, eigene Weise.

Ich hoffe, dass du in deinem Beitrag ein paar Impulse für dich und dein wahres Ich finden konntest. Das würde mich von Herzen freuen! Getreu dem Motto: Lieber entdecken statt verstecken.

Wie andere ihre Ängste überwinden konnten: Ein Interview mit Lea Hamann

Wie andere ihre Ängste überwinden konnten: Ein Interview mit Lea Hamann

Wer Lea Hamann, Coach, Trainerin, Bloggerin und Autorin des Buches “Leben, Lieben, Leuchten”, kennt, weiß, dass sie sich keine Mühe gibt, ihre Schatten oder unangenehmen Emotionen wie Ängste zu verbergen. Sie gehört damit zu den wenigen, die offen über Angst, Unsicherheit und Blockaden auf dem ureigenen Weg sprechen – eben weil sie zum Leben dazugehören. Statt sie zu verdrängen, ermuntert Lea ihre Klientinnen und Klienten sowie LeserInnen dazu, sie anzusehen und sich ihnen zu stellen.

Da sind wir uns einig.

In einem Interview habe ich sie deshalb zu Ängsten befragt. Sie sprach mit mir über ihre eigenen Ängste, wie sie sie überwinden konnte und was sie anderen als Umgang mit ihrer Angst raten würde.

Lea, welche Ängste haben dich bislang in deinem Leben begleitet?

wie andere ihre Angst überwinden
Unternehmerin und Coach, Autorin und Trainerin Lea Hamann über Ängste.

In meiner Kindheit habe ich zunächst bemerkt, wie viel Angst es mir macht, wenn kein fester Halt da ist. Ich bin vor meinem 18. Lebensjahr mehr als 20-mal umgezogen – und jeder Wechsel, jeder Umbruch hat mein Vertrauen mehr ins Wanken gebracht.

Als ich mich dann mit Anfang zwanzig selbständig gemacht habe, lernte ich neue Ängste kennen: Die Angst davor, nicht genug Geld zu verdienen. Die Angst davor, sichtbar zu werden und Kritik zu ernten. Die Angst, abgelehnt oder ausgelacht zu werden.

Wie konntest du deine Ängste überwinden?

Ich war zunächst einmal ziemlich schockiert, dass ich so viel Angst habe und habe alles versucht, um stark zu sein und keine Schwäche zu zeigen. Doch das funktionierte leider überhaupt nicht. Je mehr ich mich darauf eingelassen habe, meinen ureigenen Weg zu gehen und ich selbst zu sein – umso mehr rüttelte mich die Angst durch.

Irgendwann fing ich an, mich flach auf den Boden zu legen und einfach loszulassen, wenn die Angst auftauchte. Statt nach einem Ausweg zu suchen oder zu kämpfen, gab ich nach.

Jede Welle von Angst, die durch mich rollte, lud mich dazu ein, präsent zu bleiben, zu fühlen und es geschehen zu lassen.

Und siehe da – mit der Zeit merkte ich, dass in meiner Angst eine große Menge Lebenskraft drinsteckte, die wieder in Fluss kommen wollte. Jedes Mal, wenn ich bereit war, mich auf das bewusste Fühlen meiner Angst einzulassen, fühlte ich mich danach stärker, ruhiger und klarer. Lustig eigentlich – das Einlassen auf die Angst hat mich mutiger gemacht.

Wie gehst du heute mit Ängsten um, falls sie auftauchen? Was würdest du anderen mit ähnlichen Ängsten zum Umgang raten?

Sobald ich Angst bemerke, versuche ich, mehr auf meinen Körper zu achten. Statt in das Chaos der Gedanken abzudriften, versuche ich, meine Körperwahrnehmungen zu beobachten:

  • Fühlt sich mein Brustkorb eng an?
  • Klopft mein Herz?
  • Zittern meine Knie?
  • Spüre ich Wellen von Wärme oder Kälte, die durch den Körper rollen?

Ich habe nicht den Anspruch, mich gut zu fühlen, sondern ich gebe mir die Erlaubnis, mit meiner Angst zu sein. Ich vertraue auf die Weisheit der Natur. Alle Energien – auch meine Angst – wollen fließen. Und das tun sie.

Der Atem ist eine wunderbare Unterstützung dabei. Mit jedem weichen Atemzug spüre ich, wie ich mehr in meinem Körper ankomme. Ich werde von den Wellen meines Atems gewiegt und beruhigt. Der Atem hilft mir, im Jetzt zu bleiben und fließen zu lassen, was fließen möchte.

Mit den Jahren bemerke ich, dass mein Widerstand gegen die Angst schmilzt. Immer wenn ich einen neuen Schritt wage, begegnet mir die Angst. Sie zeigt mir, dass ich wachse. Sie zeigt mir, dass ich meine Komfortzone verlasse. Sie zeigt mir, dass ich lebe!

Danke für dieses Interview, Lea!

Ihr Buch “Leben, Lieben, Leuchten – Wie du aus eigener Kraft glücklich wirst und deine inneren Schätze findest” (2019, Integral Verlag) ist u. a. bei Amazon erhältlich.