Richtig trauern: Wie man mit dem Tod eines Angehörigen umgeht

Richtig trauern: Wie man mit dem Tod eines Angehörigen umgeht

Wenn der Tod eines Angehörigen oder geliebten Menschen völlig unerwartet kommt, spürt man heftige Kontrollverluste. Mir begegneten im Laufe des Blogs jedoch Menschen, die sich erst mit Angstzuständen und Panikattacken auseinandersetzen mussten, als jemand Geliebtes verstorben war.

Wie gewaltig musste ihre Verlusterfahrung gewesen sein und wie waren sie mit ihrer Trauer umgegangen? fragte ich mich, als ich selbst nach dem plötzlichen Tod meines Familienmitglieds wieder Angstschübe spürte. Emotionale Auseinandersetzungen wegen Erbrechtsangelegenheiten, Anwalt und Bestattung hatte ich hinter mich gebracht. Doch wie sollte es weitergehen? Wie würden wir unsere Trauer bewältigen?

Ich erlebte die Trauer meiner Mutter wie der Geist aus dem Film „Die Frau in schwarz“. Meine fühlte sich an, als würde ein Elefant auf meinem Rücken stehen. Da ich gut im Verdrängen bin und mich mit Arbeit, Medien und Sport abzulenken weiß, war klar, dass das nicht lange gut gehen würde. Traurigkeit und Angst sind mächtige Energien, die irgendwohin hin müssen. Doch was bedeutet überhaupt Trauerarbeit? und Wie trauert man richtig?, fragte ich mich in einer stillen Minute.

 

Trauerarbeit: Wie trauern wir richtig?

wie trauert man richtig? wenn der tod eines geliebten menschen zu paanik angst und depressionen führtIch erinnerte mich, dass die eingangs erwähnten Trauerarbeit leistenden Personen von einem Phänomen berichtet hatten: Der Schock sei das eine; aber wenn man nicht mit den überwältigenden Gefühlen der Traurigkeit umzugehen weiß und stattdessen versucht, zu verdrängen, bündeln sie sich. Der Druck im Körper wird bald so stark, dass er irgendetwas benutzt, um die geballte Trauer ausleiten zu können, zum Beispiel Krankheiten.

Da ich auf keinen Fall wieder Panikattacken bekommen wollte, beschloss ich, das zu tun, was ich am besten kann: Informationen besorgen und einen Plan machen, wie ich den Tod meines Familienmitglieds gesund verarbeiten könnte.

Als Denkerin erleichterte es mich, zu erfahren, dass es eine wissenschaftlich basierte Trauerforschung gibt. So musste ich nicht allein herausfinden, wie ich am besten mit dem Verlust und Schmerz über den Tod meines vorletzten! Familienmitglieds umgehen sollte. Wenn ich schon meiner Mutter in ihrer Trauer nicht helfen könnte, dann wenigstens mir.

Ich entdeckte nicht nur, dass es mehrere Experten auf dem Gebiet Trauerarbeit und -forschung gibt, u. a. die Ikone Elisabeth Kübler-Ross und die mir liebste Psychoanalytikerin Verena Kast. Meine Recherchen rund um die Frage „Wie trauert man richtig?“ zeigten vor allem:

Die eigenen Vorstellungen und Gedanken über den Tod definieren im Wesentlichen, wie wir ihn erleben - angstvoll oder akzeptierend trotz Traurigkeit. Ich zum Beispiel glaube seit jeher an ein Leben nach dem Tod. Es fühlt sich besser für mich an, zu denken, dass die gestorbene Person nicht einfach so verschwindet, sondern nur der Körper nicht mehr ist. Auch meine Gewissheit, dass wir mehr als nur einmal leben, meint: inkarnieren, erlaubt mir, den Tod im jetzigen Leben als weniger schmerzvoll wahrzunehmen.

Ich glaube vor allem daran, und das ist wohl der kritischste Punkt in diesem Blogpost, dass jeder den Zeitpunkt seines natürlichen Todes selbst bestimmt. Von der Idee erfuhr ich das erste Mal, als ich mich mit dem Thema Seelenplan auseinandersetzte und dazu das bekannte Buch „Seelenverträge: Absprachen in Liebe“ von Leila Eleisa Ayach las. Mir gefällt der Gedanke, dass wir bereits im Vorfeld alles „beschlossen“ haben, was wir im jetzigen Leben erleben (wollten), um daran zu wachsen.

Das aber ist mein Glaube. Und jeder darf seine eigene Ansicht dazu haben: eine, die ihm guttut. Was verbindest du mit dem Tod?

 

Die bekanntesten Modelle und Phasen der Trauer

Durch meine Recherchen lernte ich auch, dass Trauer in Wellen auftritt und nicht in Phasen. Das jedenfalls sagt der renommierte klinische Psychologe Prof. George Bonanno. Er setzt sich seit Jahrzehnten mit dem Tod und Trauerarbeit auseinander und schrieb 2012 in seinem Buch „Die andere Seite der Trauer: Verlustschmerz und Trauma aus eigener Kraft überwinden“ über seine Erkenntnisse.

Dennoch will ich drei bekannte Modelle zum Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen vorstellen. Sie helfen, den Tod zu verstehen, zu akzeptieren und den Schmerz über den Verlust ertragen zu können. Vielleicht helfen sie auch dir.

 

Die fünf Phasen der Trauer nach Elisabeth Kübler-Ross

wie trauert man richtig?Die Schweiz-US-amerikanische Psychiaterin ist eine der wichtigsten Begründerinnen der Sterbeforschung. In ihrem Buch „Über den Tod und das Leben danach“ skizziert sie einen Modell aus fünf Phasen, dass das Verhalten sterbender Menschen und Erleben des eigenen Todes oder das eines Angehörigen näher beschreibt.

Die erste Phase nennt sie Verleugnung, (denial). Ein Mensch erfährt von seinem bevorstehenden Tod oder die Angehörigen erfahren vom Tod ihres geliebten Menschen. Sie verleugnen das Ereignis, wollen es nicht wahrhaben und isolieren den Schmerz darüber. In dieser Phase lehnt man Diagnosen und Befunde ab, glaubt an einen guten Ausgang oder ignoriert vollständig, was auf einen zukommt bzw. bereits geschehen ist. Diese Phase kann man gesund nur dann erleben, wenn man sich mit dem Tod auseinandersetzt.

Die zweite Phase nennt sie Zorn. Hier ist vor allem die Emotion Wut präsent. Auch kommt es sehr häufig dazu, dass man gesunde Menschen beneidet und unkontrollierte Aggressionen erlebt, weil das eigene Leben bald beendet wird oder aber das Leben eines Angehörigen bereits beendet ist. Träume, die man hatte, und Wünsche, die man noch umsetzen wollte, sowie alles, was man nicht mehr erleben darf, führen zu übermäßigen Wutausbrüchen und Angst.

Diese Phase kann man nur dann gesund ertragen, wenn man seinen Gefühlen viel Aufmerksamkeit widmet und jede Möglichkeit nutzt, sie zu verarbeiten. Auf keinen Fall sollte man diese Wut und Angst als Angehöriger persönlich nehmen.

Die dritte Phase nennt sie Verhandeln. Sie sei nur sehr kurz und von extrem kindlichen Verhaltensweisen dominiert. In dieser Phase sind die Menschen oft sehr zornig und versucht, durch einfache Tätigkeiten und Leistungen eine Belohnung, nämlich die Befreiung von Schmerzen, zu ergattern. Viele widmen sich in dieser Phase überweltlichen bzw. ehrenamtlichen Tätigkeiten, um genug Gutes zu tun, in der Hoffnung, dass es von einem Gott gewürdigt wird.

Die vierte Phase ist geprägt von Verzweiflung über den Verlust, sowohl reaktiv als auch vorbereitend. Die erste Form, die reaktive, zeigt häufig eine Fixierung auf bereits erlebte Verluste, zum Beispiel in Form von Geld für gesundheitliche Zuwendung oder auch dem Preis der Verantwortung für jahrelange Pflege usw. Die zweite Form, die vorbereitende, widmet sich der Zeit, die nun bevorsteht - ohne das Leben oder den Angehörigen. In dieser Phase befinde ich mich.

Diese Phase kann man gesund erleben, indem man sich an das erinnert, was einem im Leben bleibt und sich dabei von seinem Umfeld unterstützen lässt. Die Sterbeforscherin rät allerdings dazu, sich immer dann zu isolieren bzw. zurückzuziehen, wenn man trauern möchte. Um eine gesunde Trauerarbeit leisten zu können, sei es wichtig, alle dazugehörigen Ängste und die Verzweiflung bewusst zu durchleben.

Die fünfte und letzte Phase, die Akzeptanz, ist die schwierigste, da sie nahezu frei von allen Gefühlen ist. Die Schmerzen sind vorüber und die Trauerarbeit vorbei. Die Trauernden wollen sich nicht länger mit dem Verlust auseinandersetzen; Sterbende lehnen die Probleme anderer vollständig ab. Diese Phase kann man nur passiv tragen, in dem man an der Seite der Person bleibt und zuhört.

Dieses Phasenmodell baut sich zwar von 1-5 auf, aber die Phasen können sich auch verschieben, wiederholen oder unmerklich ineinander übergehen.

 

Die vier Phasen der Trauer nach Verena Kast

Phasen der TrauerDie wunderbare Psychoanalytikerin Verena Kast benennt in ihrem Buch „Trauern: Phasen und Chancen des psychischen Prozesses“ vier Phasen. Sie ließ in ihr Modell die Erkenntnisse von Elisabeth Kübler-Ross, John Bowlby, Collin Murray-Parks und anderen AnalytikerInnen einfließen.

Die erste Phase besteht aus der Verleugnung und dem Nicht-wahrhaben-Wollen. Der erste Schock lässt Menschen leugnen, dass eine geliebte Person gestorben ist. Er lässt sie glauben, dass es ein Irrtum sei. Andere wiederum erleben, dass sie keinerlei Emotionen verspüren, als würde die Information vollständig an ihnen abprallen. In dieser Zeit berichten jedoch viele Angehörige und Hinterbliebene von körperlichen Symptomen, die an Angstzustände und Panikattacken erinnern: Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Schweißausbrüche, Herzrasen und ein allgemeines Unwohlsein.

Um diese Phase verlassen zu können, hilft es sich entweder mit dem Tod auseinanderzusetzen, den Toten noch einmal zu sehen oder aber handfeste Beweise in den Händen zu halten. Diese Phase würde nicht sehr lange andauern. Kast spricht von nur wenigen Tagen.

In der zweiten Phase brechen dann alle Gefühle los. Es treten Trauer, Angst, Wut und Aggression, tiefe Einsamkeit und Schmerz über den Verlust auf. Auch positive Gefühle wie Freude oder Erleichterung sind dabei. Besonders, wenn der Verstorbene eine lange Zeit gelitten hat, empfinden die Hinterbliebenen oft Erleichterung. Gleichzeitig berichtet Kast aber auch von Schuldgefühlen, die teilweise sehr belastend werden können. Wenn wir uns Vorwürfe machen, ein schlechtes Gewissen haben, zum Beispiel wegen vergangenen Fehlern oder all den Dingen, die wir nicht taten, kann das zu ernsthaften psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depression führen.

Doch Zorn und Wut kann sich auch gegen andere richten, zum Beispiel Mediziner, Beteiligte am Tod oder Menschen, die zu Lebzeiten dem Verstorbenen oder den Hinterbliebenen Unheil anrichteten. Doch Wut, Angst und Traurigkeit heraus zu lassen, hilft dabei, den Tod zu verarbeiten. Gleichzeitig schützt es davor, dass die trauernden Personen depressiv werden. Kast rät dazu, diese Gefühle zuzulassen und bewusst zu erleben, um nicht in der Trauer stecken zu bleiben.

Die dritte Phase nennt sie Suchen - Finden - Loslassen. Die Hinterbliebenen versuchen erneut, eine Verbindung herzustellen, indem sie Erinnerungsstücke ansehen oder Orte besuchen, die sie an den Toten erinnern. Man setzt sich mit Konflikten und ungelösten Problemen mit dem Verstorbenen auseinander. Man spricht im Kopf mit ihm, erlebt erneut Wellen aus Wut, Trauer und Angst.

Laut Kast stünde am Ende dieser Phase eine Versöhnung mit dem Verstorbenen. Diese würde helfen, den Tod zu akzeptieren und den geliebten Menschen gehen zu lassen. Doch es sei wichtig, dass diese Phase nicht allzu lange anhält, damit der Tod und ein Leben ohne den Verstorbenen akzeptiert wird.

Die vierte und letzte Phase nennt sie Akzeptanz und Neuanfang. Die Hinterbliebenen haben den Verlust begriffen, akzeptiert und weitestgehend verarbeitet. Sie können ihr eigenes Leben wieder gestalten und ziehen sich nicht länger zurück.

Idealerweise hat man in dieser Phase erkannt, dass der Tod zum Leben gehört.

 

Die vier Trauerphasen nach Yorrick Spiegel

Trauerarbeit die phasen nach Verena Kast und Elisabeth kübler-rossYorick Spiegel war ein Professor für Systematische Theologie und veröffentlichte 1973 sein Buch „Der Prozess des Trauerns“, in dem er vier Trauerphasen beschreibt.

Die erste Phase ist die Schockphase. Man erfährt von dem Tod  des geliebten Menschen und verfällt aus Selbstschutz der Verleugnung. Man nimmt alles so real war, er lebt sein Leben wie durch Milchglas und ist in sich eingemauert. Je nachdem, wie der Mensch verstarb, würde diese Phase in ihrer Stärke variieren. War es beispielsweise ein Unfalltod oder gar ein gewaltsamer Tod, erleben die Hinterbliebenen den Schock äußerst heftig. Auch Spiegel beschreibt, dass diese Phase von wenigen Stunden bis maximal zwei Tage anhalten würde.

Die zweite Phase nennt er die kontrollierte Phase, da man hier versuchen würde, nicht nur seine eigenen Gefühle, sondern auch die seines gesamten Umfelds zu kontrollieren. Gleichzeitig würde man von seinem Umfeld kontrolliert werden. Da man als trauernder Mensch nur wenige Entscheidungen fällen kann bzw. die sonst normale Verantwortung wie mein Elefant auf dem Rücken zu schwer wiegt, konzentrieren sich alle Handlungen auf die wichtigsten. Daher kann es zu Isolation und unterbrochener Kommunikation kommen. Alle Energie wird darauf verwendet, dass man „zurechtkommt“. Diese Phase würde zwischen drei und sieben Tagen dauern.

Die dritte Phase nennt er die Phase der Regression. Hat die Kontrolle abgenommen, zieht sich der Trauernde oftmals zurück und erkennt erneut, in welcher Lage er sich befindet. Er versteht den Verlust, trauert und verliert nicht selten seine Selbstkontrolle. Wellen von Trauergefühlen kommen und gehen wie Ebbe und Flut und alles scheint chaotisch und unberechenbar. Zwischen Wut, Zorn und Aggressionen, erlebt der Trauernde Hilflosigkeit und tiefen Schmerz. Diese Phase ist oft mit körperlichen Symptomen verbunden, wie zum Beispiel Appetitlosigkeit, Schlafprobleme und Kopfschmerzen. Diese Phase würde zwischen vier und zehn Wochen dauern.

Die letzte Phase beschreibt die der Anpassung, in dem sich die Hinterbliebenen vom Verstorbenen gelöst haben. Sie haben den Tod und Verlust sowie die Bedeutung für ihr weiteres Leben verstanden und akzeptiert. Das eigene Leben gewinnt wieder an Gewicht und kann aktiv erlebt und gestaltet werden. Diese Phase sei laut Spiegel schwierig, weil sich hier entscheidet, ob man vorwärtsgeht oder zurück - und in der Trauer stecken bleibt. Sie würde aber bei erfolgreichem Durchlaufen und Zulassen aller Gefühle gelingen können. Als Zeitraum benennt er sechs bis 12 Monate.

 

Buchempfehlungen

buch zu trauern und tod eines geliebten menschenWer so ist, wie ich, und das, was passiert ist, kognitiv begreifen muss, um einen Weg mit seinen Gefühlen zu finden, dem könnten einige Bücher helfen, die ich hilfreich fand/finde. Sie wurden alle von Menschen beschrieben, die wissen, wovon sie sprechen und teilweise jahrelang Trauerprozesse begleitet oder erlebt haben.

Ihre Worte sind einfühlsam und helfen Trauernden, den Tod ihres geliebten Menschen zu bewältigen.

Terhorst, Eva: Das erste Trauerjahr (ansehen auf Amazon)
Schlegel-Holzmann, Ute: Kein Abend mehr zu zweit: Familienstand: Witwe (ansehen auf Amazon)
Onnasch, Klaus und Ursula Gast: Trauern mit Leib und Seele: Orientierung bei schmerzlichen Verlusten (ansehen auf Amazon)
Kachler, Roland: Damit aus meiner Trauer Liebe wird: Neue Wege in der Trauerarbeit (ansehen auf Amazon)
Kachler, Roland: Meine Trauer wird dich finden: Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit (ansehen auf Amazon)
von Stülpnagel, Freya: Ohne dich: Hilfe an Tagen, an denen die Trauer besonders schmerzt (ansehen auf Amazon)
Paul, Chris: Warum hast du uns das angetan? Ein Begleitbuch für Trauernde, wenn sich jemand das Leben genommen hat (ansehen auf Amazon)

Ich wünsche jedem in seinen Stunden der Trauer sowie für die kommende Zeit alles erdenklich Gute, viel Kraft, liebevolle Unterstützung und Hoffnung für die besseren Zeiten!

Janett Menzel

 

Quellen:

[1] Die 5 Phasen der Trauer nach Elisabeth Kübler-Ross (pdf). SHG Regenbogen, abgerufen am 10.05.2017.
[2] Oliver Schmid: Trauerphasen. Trauerphasen.de, abgerufen am 10.05.2017.
[3] Trauerphasen. Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers, abgerufen am 10.05.2017.

 

Warum du immer wieder denselben Typ Partner anziehst

Warum du immer wieder denselben Typ Partner anziehst

Heutzutage ist es zwar leicht, im Internet neue potentielle Partner kennen zu lernen. Aber das Zusammenbleiben ist ein Problem. Nach nur wenigen Wochen merken wir meist, dass wir wieder denselben Typ Partner angezogen haben. Wir finden uns mit denselben Problemen nur in einer neuen Beziehung wieder. Die Enttäuschung ist oft groß. Wir zweifeln an uns und vor allem an der Liebe.

Welche Hintergründe dieses Phänomen haben kann, wird im Internet viel diskutiert. Dabei ist die Lösung ganz einfach: Du ziehst deshalb immer wieder denselben Typ Partner an, weil es eine alte Problematik in dir gibt, die du zu überwinden versuchst. Welche Aspekte dir helfen können, um dieses Muster zu durchbrechen, möchte ich einem kurzen Artikel erläutern.

 

Wieder derselben Typ Partner angezogen?

wenn wir merken dass auch der neue partner wieder derselbe Typ istWenn wir uns verlieben, verlieben wir uns meist Hals über Kopf. Der andere zieht uns auf unerklärliche Weise an und es kommt uns so vor, als wäre es pure Magie. Die Hormone spielen verrückt und nach kurzer Zeit sind wir in Gedanken nur noch bei dem neuen Partner. Doch schon bald fallen uns Ähnlichkeiten mit vergangenen Beziehungen und Bindungen (Eltern, Familie, Freunde usw.) auf.

Wir haben wieder denselben Typ Partner angezogen.

Dahinter verbergen sich vor allem Erinnerungen an alte Wunden, die wieder hochkommen, wie Charaktereigenschaften ehemaliger Partner, die plötzlich auch unser neuer Partner hat. Oder aber wir erkennen, dass wir an denselben Bindungstyp geraten sind, den wir doch eigentlich so sehnlichst loswerden wollten: zu viel Distanz und Angst vor Nähe, Kontrolle, Eifersucht, Aufbau von Abhängigkeiten, schwierige sexuelle Muster oder Anhaftungen an vergangene Beziehungen, Mutterfrauen oder dem Job.

Im Nachhinein beklagen wir uns dann, dass wir immer an den oder die Falschen geraten.

 

Hintergründe, wieso wir immer wieder denselben Typ Partner anziehen

Es ist eine ungeschriebene Wahrheit, dass wir nur teilweise mitentscheiden, wen wir kennenlernen. Doch wen wir lieben lernen, können wir durchaus steuern. Zu etwa 50 Prozent besteht immer die Möglichkeit, dass wir in eine ungewollte Beziehungsform, „nur Freundschaft“ eine On-Off-Beziehung oder Affäre geraten. Die anderen 50 Prozent erzählen von den vielen guten Dingen, die geschehen können. Wir haben aber immer die 100-prozentige Wahl, wen wir in unser Leben lassen.

Die Autoren Sokol und Carter schreiben in ihrem Buch „So nah und doch so fern“, dass Menschen mit Angst vor Nähe und Beziehungen nicht unweigerlich ähnliche Menschen anziehen. Sie suchen sich genauso gern (wenn nicht gar viel lieber) Menschen, die das Gegenteil von dem sind und können, was sie nicht sind. Natürlich kann es auch das alte Motto „Gleich und gleich gesellt sich gern“ geben. Wer sich schwertut, sich zu lieben und zu respektieren, verfängt sich sehr viel häufiger in Beziehungen mit Menschen, die einem genau das spiegeln. Auch Menschen, die sehr sensibel, mitfühlend und empathisch sind, werden gern von Personen mit der Angst vor wahrer Liebe und Bindung „angesteuert“. Die meisten suchen in der Liebe eben genau das, was sie in ihrem Leben vermissen. Nur die Wenigsten leben nach dem Prinzip der Fülle: Wenn es mir selbst gutgeht, geht es auch meiner Beziehung gut. Geht es mir schlecht, sollte ich zuerst daran arbeiten und etwas für mich tun. Erst dann kann ich wieder bedingungslos Liebe schenken und Liebe annehmen.

Trau dich einmal, hinter deine eigene Fassade zu schauen. Deine Antworten und Erkenntnisse können sehr hilfreich sein, auch wenn sie vielleicht nicht die sind, die du von dir erwarten würdest. Doch sei nicht böse mit dir und mach dich nicht kleiner, als du bist. Niemand ist perfekt und das macht uns Menschen doch zu dem, was wir sind.

 

Diese Reflexionsfragen werden dir helfen

Mit einfachen Fragen kannst du herausfinden, wie deine wahren Einstellungen zu Männern/Frauen, Liebe und Partnerschaft sind. Bei jedem neuen Partner, wie auch bei sich selbst, sollte man sich zuerst die eine, in meinen Augen, wichtigste Frage stellen: Welcher Typ Mann bzw. Frau ist der (potenzielle) Partner? Und welcher Typ bin ich bzw. war ich in meinen vergangenen Beziehungen?

Ich unterscheide hierbei gern zwischen Gärtnern, Lieferanten und Konsumenten.

  • Gärtner sind Partner, die sich fragen: Was kann ich für dich tun?
  • Einkäufer sind Partner, die sich fragen: Was können wir füreinander tun?
  • Konsumenten sind Partner, die sich fragen: Was kannst du für mich tun?

 

Weitere Fragen, um nie wieder dieselben Partnertypus anzuziehen

  1. mit diesen fragen verhinderst du wieder denselben typ mann anzuziehenArbeite ich an einer Beziehung, die etwas Schönes hervorbringen soll, oder handele ich in Beziehungen und Liebe ausschließlich gegen etwas Schlechtes?
  2. Bin ich bereit, in einer Beziehung zu wachsen? Welche Lebensbereiche und Charaktereigenschaften sind besonders hinderlich?
  3. Welche Bedürfnisse erfülle ich mir, und welche nicht? Habe ich Unsicherheiten, die ich verbergen will? Liebe ich mich selbst bedingungslos? Welche Ängste habe ich? Bin ich bereit, diese Ängste durch Vertrauen und Hoffnung zu ersetzen? Oder brauche ich jemanden, der mir diese Hoffnung nährt?
  4. Wie sieht mein Umfeld aus? Habe ich Freunde oder Familienmitglieder, die mich motivieren, zu wachsen und mehr aus meinen Möglichkeiten zu machen? Wie sieht mein Umfeld Liebe und Partnerschaft? Sind sie ängstlich, vorsichtig oder gar vermeidend? Erlauben sie Fehler oder animieren sie dich zu Misstrauen und Hoffnungslosigkeit? Haben sie zum Beispiel eine bestimmte oder gesellschaftlich akzeptierte Form einer Beziehung im Kopf?
  5. Wozu wünsche ich mir eine Beziehung? Möchte ich sie, um mein Leben mit jemandem zu teilen, und das auf die bestmögliche Art und Weise? Oder suche ich in Beziehungen Sicherheit und Halt, den ich sonst in meinem Leben vermisse? Falls ja, was kann ich tun, um Vertrauen und Zuversicht in mir entwickeln zu können? Wer könnte mir dabei helfen?
  6. Welche Opfer bin ich bereit zu erbringen? Welche Grenzen habe ich, die ich nicht setze? Welche Grenzen ignoriere ich immer, und weshalb? Was versuche ich damit zu vermeiden? Welche Grenzen setze ich zu häufig? Welche Grenzen sind sogar mir hinderlich?
  7. Folge ich den Standards der Gesellschaft, nach denen eine Beziehung aus Zusammenziehen, Familiengründung, Hochzeit, Haus und Hund besteht? Traue ich mich, meine eigene Form einer glücklichen Beziehung zu leben, und notfalls zu verteidigen?
  8. Ertrage ich die Tiefpunkte in einer Beziehung? Wann werde ich nervös? Bin ich bereit zu kommunizieren? Bin ich kritikfähig? Wie äußere ich selbst Kritik? Äußere ich sie gewaltfrei oder klage ich an? Stelle ich Kritik in Verbindung mit geringer Liebe? Bin ich bereit an mir zu arbeiten, um hinderliche Charaktereigenschaften, die der Beziehung schaden würden, abzulegen? Erlaube ich meinem Partner, Schwächen zu haben? Erlaube ich ihm dasselbe, nämlich an seinen misslichen Charaktereigenschaften zu arbeiten?
  9. Möchte ich nur Spaß, Intimität und Zweisamkeit? Oder bin ich bereit, meinem Partner alle Freiräume, die er braucht, zu gehen, so wie er bereit ist, mir meine Räume zu lassen? Habe ich selbst Freiräume, die ich brauche und mir nehme? Was mache ich, wenn mein Partner nicht da ist? Welche Leidenschaften und Hobbys habe ich? Bin ich bereit, ein eigener Mensch zu bleiben? Wie selbstlos bin ich?
  10. Welche alten Mauern aus der Vergangenheit halten mich und jede neue Beziehung davon ab, größtmögliche Liebe zu leben?
  11. Kann ich echte Intimität zu lassen? Kann ich mich fallen lassen, kann ich mit meinem Partner über meine Bedürfnisse sprechen? Kann mein Partner mit mir über seine Bedürfnisse sprechen? Bin ich bereit, mich auf eine gemeinsame Grundlage innerhalb der Beziehung einzulassen: monogam oder offen usw.? An welchen Grenzen will ich festhalten? Was sind absolute No-Go’s?
  12. Welche Umstände würden dazu führen, dass ich mich sicherer fühle? Welche Umstände in meinem Leben würden dazu führen, dass sich mein Partner zurückziehen möchte? Welche Umstände würden mich flüchten lassen?

abschied nehmen von demselben typ partner und sich bereit machen für echte liebeAll diese Fragen können dir dabei helfen, ein klareres Bild davon zu bekommen, welchen Partner du tatsächlich möchtest und was für ein Partner du selbst bist. Stimmen die Aspekte überein, dann wunderbar! Solltest du jedoch merken, dass es schon in deinem Kopf unvereinbare Differenzen gibt, wäre ein Umdenken eine Möglichkeit. Umdenken muss nicht immer gleich Trennung bedeuten, aber leider ist es in vielen Fällen die bessere Wahl. So vergeudet man nicht seine wertvolle Lebenszeit. Dennoch ist man immer in einer Beziehung für das Gelingen mit verantwortlich. Ein Partner allein kann nicht alles leisten, damit es besser wird. Wenn sich beide einigen und beschließen, dass sie besser für- und miteinander werden möchten, ist die Grundlage für eine liebevolle und respektvolle Beziehung gelegt.

Natürlich sind wir alle Menschen, wir machen alle Fehler und niemand ist perfekt. Das ist auch gut so. Wir können immer an uns arbeiten, können uns immer für Fehler entschuldigen und unser Verhalten ändern.

Wer uns aufgrund unserer Charaktereigenschaften oder Lebensumstände nicht lieben kann, der soll auch nicht in unserem Leben sein. Wer uns liebt, entscheiden wir leider auch nicht. Aber dafür können wir darüber entscheiden, ob wir in der nächsten Beziehung wieder denselben Typ Mann oder denselben Typ Frau anziehen wollen. Wir können entscheiden, ob wir zu einer besseren Version unserer selbst werden, um eine entscheidende Wende durch uns selbst herbeizuführen.

Eben weil wir alle nicht perfekt sind, ist es so wichtig, sich ständig zu reflektieren. Im Alltag schleichen sich leicht Bequemlichkeiten ein oder wir neigen dazu, über Negatives hinwegzusehen, um Streit aus dem Weg zu gehen. Aber wir können verhindern, dass diese Misslichkeiten zum falschen Zeitpunkt hochkommen, für Streit sorgen oder aber gar zu einer Trennung führen.

An uns selbst zu arbeiten und zu erkennen, was wir noch nicht verarbeitet haben oder nicht bearbeiten wollen, weil es zu schmerzhaft wäre, ist ein absoluter Garant dafür, dass wir beim nächsten Mal ein Partner anziehen, der nicht demselben Typ entspricht. Und wenn wir all die Antworten auf die obigen Fragen für uns selbst haben, können wir ein leichter garantieren, dass auch die Beziehung eine andere sein wird.

wie du zur besten version deiner selbst wirstDurch die Fragen können wir auch sehen, mit welcher Motivation wir in eine Beziehung gehen. Was wir unserem Partner vorwerfen, ist ein direktes Spiegelbild unserer eigenen Behandlung. Ist jemand zu distanziert uns gegenüber, können wir eigentlich fragen: Bin ich mir selbst gegenüber distanziert? In welchen Bereichen entferne ich mich von dem, was ich eigentlich möchte? Wo lasse ich keine Nähe zu mir selbst zu? Wo verhindere ich Nähe zu meinem Partner? Welche Aspekte einer Beziehung machen mich richtig nervös?

Sich selbst so gut wie möglich zu kennen, seine Ecken und Kanten zu wissen, erlaubt auf jeden Fall, dass wir weniger kritikempfindlich reagieren. Vor allem in Situationen, in denen wir von unserem Partner kritisiert werden. Je eher und präziser wir lernen, unsere Gefühle und Bedürfnisse klar zu formulieren, desto weniger werden wir zulassen, dass ein anderer Mensch uns unsere Bedürfnisse abspricht. Je mehr Nähe wir zu uns selbst haben, desto besser können wir allein sein, desto weniger fürchten wir Trennung, desto weniger eifersüchtig sind wir und desto wohler fühlen wir uns in unseren eigenen Leben.

Sich selbst ein Lebensmittelpunkt zu sein, ist einer der Hauptpfeiler für unsere Psychohygiene. Es erlaubt uns in den schweren Zeiten des Lebens, resilient zu bleiben, statt zusammenzubrechen.

Nicht nur in unserem  Alltag, auch in unseren Beziehungen.

 

Bist du heimlich verliebt, aber weißt nicht, was du tun sollst?

Bist du heimlich verliebt, aber weißt nicht, was du tun sollst?

Früher war es einfacher: Wenn man heimlich verliebt war, schrieb man auf die Schulbank des Schwarms kleine Hinweise: „Willst du mit mir gehen, Tim?“ oder „Ich liebe dich, Sofia!“ Dann schrieb die Person zurück: „Wer bist du?“ oder falls aus der heimlichen Liebe bereits eine offene geworden war, genügte ein prägnantes „:-)“ Bei mir in der Schule war es ein Klassiker, mit seinen heimlichen Gefühlen stille Post zu spielen, was ganz sicher zu jemand anderen gelangen würde. Es endete in einem „Hast du schon gehört? Petra steht auf dich!“ (Gekicher). Andere entwickelten ausgeklügelte Strategien, um ihre heimliche Liebe wissen zu lassen, was sie fühlten. Ich warf in meinen mutigen Zeiten Steinchen an das Zimmerfenster meines Schwarms. Liebe war ein Spiel. Es ging nicht darum, das Herz desjenigen zu gewinnen, sondern zu lernen, seine Gefühle auszudrücken. Das Ergebnis des Schwärmens war in den meisten Fällen egal. Zu schnell hatte man einen neuen Schwarm. Außer, es hatte einen so richtig erwischt. So ging es mir, bis er die Schule verließ.

 

Ich war vier Jahre heimlich verliebt

heimlich verliebt zu sein ist in allen altersklassen belastend und macht angstVon den 34 Jahren meines Lebens war ich vier Jahre heimlich verliebt. Er weiß es bis heute nicht. Es war zu einer Zeit, in der mein Selbstwert so praktisch gar nicht vorhanden war. Ich trug damals Karottenjeans, weite Oberteile, war nicht so „hübsch“ zurecht gemacht, wie die anderen Mädchen meines Alters. Ich fühlte mich hässlich und so unsichtbar, dass ich es nicht glauben konnte, als sich ein Junge aus den höheren Klassenstufen begann, für mich zu interessieren. Er gehörte zu den Attraktiven, hing mit anderen Coolen herum. Er war in meinen Augen so schön, dass ich mich oft gar nicht traute, ihn anzusehen. So jemand wie er, könnte unmöglich so jemanden wie mich mögen (dachte ich). Doch er lauerte mir morgens in der Schule auf, nur um einen Blick auf mich zu erhaschen. Er berührte - ganz zufällig - meine Hand, wenn ich an ihm vorbei ging. Im Bus auf dem Weg zu Schule stellte er sich hinter mich und redete extra laut, extra nett, extra liebenswürdig. Er jagte mir riesige Angst ein. Ich glaubte anfangs, dass das alles nur ein Spiel für ihn sei. Dass ihm die Jagd, das Verliebtsein, mehr interessieren würde, als die Realität, eine Beziehung und ihr Erleben. Ob er wirklich im mich verliebt war oder nur „schwärmte“, wie man das in dem Alter eben tut, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich mich zwei Jahre lang zierte, mit meinen Gefühlen herauszukommen, sie zu zeigen, seine Gefühle zu erwidern. Obwohl ich total in ihn verknallt war. Aber meine Angst davor, verletzt zu werden, wenn ich Gefühle zeige, erschien mir unheimlich. Vor allem Ungläubigkeit bewahrte mich davor, mir meine Angst einzugestehen. Nach zwei Jahren erfolglosem Interesse, verlor er seine Verliebtheit. Er wagte sich an ein Mädchen heran, dass schlanker, älter und in meinen Augen wesentlich schöner war, als ich. Obwohl ich alle Möglichkeiten gehabt hatte, fühlte ich mich in meiner Angst, verletzt zu werden und nicht so wertvoll zu sein wie andere, bestätigt.

 

Lieber verliebt als ganz ohne Gefühl

Ich blieb noch zwei weitere Jahre in ihn verliebt, bis er sein Abi in der Tasche hatte, und die Schule verließ. Ich hatte mich zwischenzeitlich - mehr aus Trotz, als auch Wahrheit - auch nach anderen umgeschaut, aber mein Interesse verpuffte stets nach kurzer Zeit. Die Wahrheit war: Ich vermisste es, gemocht zu werden, gewollt zu sein. Ich frage mich noch immer, ob mir das wichtiger gewesen war, und ob es den Menschen der Maybe-Generation heute wohl so geht, wie mir damals. Gemocht und geliebt zu werden, gibt einem das unverwechselbare Gefühl, jemand zu sein. In einer Beziehung zu sein aber, macht aus Verliebten schnell nur „Menschen“, mit Fehlern. Zu oft wird man wegen Fehlern verlassen. Genau diese Angst trug ich in mir.

Wenn wir jemanden nicht kennenlernen, aber für ihn schwärmen, bauen wir oft nur ein Trugbild, eine perfekte Illusion der Person auf. Dann lernen wir den Menschen als Mensch und Mann oder Frau kennen und wundern uns. Oder sind enttäuscht von seinen/ihren mangelhaften Partnerqualitäten. Damit das nicht geschieht, wir das Liebesgefühl nicht verlieren, macht das Gehirn manch merkwürdige Sache. Es ist zum Beispiel bewiesen, dass sowohl das Gehirn als auch das Herz Serotonin, ein Glückshormon, und Oxytocin, das Kuschelhormon, nicht nur ausstoßen, sondern auch davon abhängig werden können. Liebe ist für viele Menschen eben eine rein hormonelle Angelegenheit. Wir sind süchtig danach, gewollt zu sein. An seinem letzten Schultag war ich todtraurig. Und danach noch lange Zeit voller Liebeskummer. Ich wusste: Ich hatte alle Chancen vertan, alle Möglichkeiten, geliebt zu werden, in den Wind geschossen. Aus Angst, wenn er mich erst einmal kennenlernen würde, abgewiesen zu werden, so wie ich war, nicht gemocht zu werden. Die nächsten zwei Jahre, bis zu meinem Abitur, blieb mir gefühlt wenig, außer viele ungelebte Träume. Und Reue.

Um mich zu beruhigen, sagte ich mir immer wieder: „Woran hätte ich denn auch erkennen sollen, dass er mich wirklich mochte? Er hat ja nie etwas gesagt, kam nie zu mir, hat mich nie nach einem Treffen gefragt… Alles, was ich hatte, waren subtile Anzeichen und mein Bauchgefühl!“

 

Unerwiderte Liebe oder: Kann man seinem Bauchgefühl trauen?

Ich kenne also beide Seiten, nicht nur aus meinen Schultagen. Ich hatte heimliche und offene Affären, so wie ehrliche, liebevolle Beziehungen. Ich war heimlich verliebt und wurde heimlich geliebt. Ich weiß: Je älter man wird, umso schwieriger kann es sein. Die Verletzungen haben mit den Jahren zugenommen. So auch die Angst, wieder verletzt zu werden. Anzeichen, dass jemand Interesse an einem hat, zeugt heute nicht mehr von ernsthafter Liebeswürdig- und Beziehungsfähigkeit. Es sagt eventuell etwas über sexuelle Bereitschaft aus, aber selten über tiefere Gefühle. Die Optionalität und das Spiel damit, die Angst davor, etwas zu verpassen, scheint stets im Weg zu stehen.

Früher versuchte man viel mit seinen Blicken zu sagen, sprach eben nicht über Pseudothemen, die nur kaschieren sollten, dass man heimlich verliebt war. Doch heute erscheint es fast wie ein Spiel mit dem Feuer, wenn man „nach mehr“ fragt, mehr als nur eine Option sein will, mehr als nur ein paar oberflächliche Nächte möchte. Von vornherein zu sagen, was man sich wünscht, wenn man jemand Interessanten getroffen hat, ähnelt eher einem „Gehe direkt ins Gefängnis. Gehe nicht über Los. Ziehe keine 4000 Euro ein.“, um es mit den Worten von Monopoly zu sagen. Heute ist es gefährlich, seine Gefühle zu offenbaren. Es droht Abweisung, Abwertung, Scham und … Angst. Also behält man seine Gefühle lieber für sich, verheimlicht sie. Denn: Was wird die Person sagen? Wie werde ich es sagen? Sollte ich es sagen? Was ist, wenn ich abgelehnt werde? Wenn er/sie mich gar nicht mag und ich es mir alles nur eingebildet habe? Was werde ich machen, wenn ich enttäuscht werde?

Auch jemanden darauf anzusprechen, dass er seine Gefühle bereits durch kleine Anzeichen und Gesten offenbart hat, ist brisant. Es droht immer die Gefahr, dass man wie ein Idiot dasteht, wenn derjenige einen abweist. Es fühlt sich in der Generation Maybe so an, wie in einem Geschäft. Die Verkäuferin sieht uns stöbern, erkennt Interesse, kommt zu uns und fragt, legitimerweise: „Kann ich Ihnen weiterhelfen?“ Statt zu sagen: „Ja, mir gefallen die Sachen sehr.“, sagen wir:

„Danke, nein. Ich schau nur!“ - Das Spiel aus Scham und Angst

Sollten wir nicht ehrlich und direkt sein, wenn es um unser wertvollstes Eigentum geht? Sind Gefühlsbekundungen zu einem Affront geworden? Ja, aber…: Was ist, wenn er mich gar nicht mag und… Obwohl ich mir eigentlich sicher bin. Letztens hat er nämlich… Jeder kennt diese Ungewissheit und die Angst davor, abgewiesen zu werden. Es trifft eben nicht nur verliebte Frauen. Ob es nun der beste Freund oder der Kollege/die Kollegin ist: Die Seifenblase aus nächtlichen Fantasien, wie man sich dann doch noch bekommt, in der Teeküche knutschend neben dem Kühlschrank steht oder man sich (ganz zufällig) irgendwo wieder trifft, ist eben nur eine Seifenblase. In unseren Träumen genügt ein Blick und es ist alles gesagt. In unserem Leben genügt ein Angstgedanke und jedes Liebesgefühl, jede Hoffnung, jede Intuition schweigt.

 

An welchen Anzeichen man erkennt, dass er/sie einen romantisch mag

Es gibt wohl niemanden auf der Welt, der dir mit Sicherheit sagen kann, ob deine geliebte Person dich zurück liebt. Außer diese Person. Auch die folgenden Signale erwecken nur den Anschein, dass mehr als Freundlichkeit dahinter steckt. Ob derjenige zu seinen Gefühlen stehen will und wird, denn das ist Voraussetzung für einen Anfang, entscheidet dieser Mensch. Folgende verliebte Anzeichen lassen jedoch erkennen und vermuten, dass dein Bauchgefühl stimmen könnte:

  • Vertrauen: Glaubt dir die Person eher als anderen? Spricht sie eher mit dir als mit anderen? Fragt sie dich um Rat oder bittet dich um Hilfe? Nimmt sie deine Ratschläge eher an?
  • Vorzüge und Gefallen: Tut die Person eher etwas für dich als für andere? Bevorzugt sie dich, wenn auch nur hintenrum?
  • Nähe und Kontakt: Sucht die Person auffällig oft deine Nähe? Erweckt es den Anschein, dass sie nur wenige Zeit ohne deinen Kontakt sein kann? Zieht sie die Zeit mit dir extra in die Länge, um den Kontakt nicht beenden zu müssen, nicht erneut ohne dich zu sein? Lädt sie dich zu Unternehmungen, Treffen oder „Zusammenkünfte aller Art“ ein? Will sie dich prinzipiell (fast) überall mit dabei haben?
  • Blicke und Berührungen: Ertappst du die Person auffällig oft dabei, dich anzusehen und zu beobachten? Studiert sie deine Bewegungen? Schaut sie dir gern beim Sprechen zu? Kann die Person erstaunlich lange still sein, wenn du sprichst, als würde sie es genießen, dir dabei zuzusehen? Berührt die Person dich, ohne es zu müssen?
  • In Gegenwart der anderen: Spricht die Person oft über dich, wenn andere da sind bzw. leitet andere an dich weiter? Will sie anderen erzählen, dass ihr euch unterhalten habt oder etwas miteinander gemacht habt (egal, was)?

Wenn diese Anzeichen auftauchen, empfindet die Person, die dir im Kopf herumschwirrt etwas für dich. Aber das heißt solange wenig, wie es nicht angesprochen, ausgesprochen und weitergeführt wird. Leider sind wir heute oft kein Single mehr, sondern leben mit unserem Partner in Beziehungen mit Familie. Oder andere Hindernisse erschweren es, dass man zusammenkommt, zum Beispiel Berufliches. Jeder muss für sich die Entscheidung treffen, ob er es auf sich beruhen lassen oder es ausbauen will. Lass dein Gefühl entscheiden.

 

Wie du trotz Angst mit einer bestimmten inneren Haltung zu deinen Gefühlen stehen kannst

Die Scham hält uns davon ab, dass wir zu unseren Gefühlen stehen. Dann noch die Angst, die Enttäuschung verhindern möchte - und meint, zu deinem Besten zu handeln, indem sie dich nicht handeln lässt. Sollte sich hinter deiner Unsicherheit (auch) meine damalige verstecken, ist es ratsamer, sich damit auseinanderzusetzen: Bist du dir unsicher, ob du liebenswert bist? Ist es eventuell so jemand wie meine heimliche Liebe, den ich als für mich unerreicht eingestuft hätte, weil ich mich minderwertig und unsichtbar fühlte? Wie groß ist deine Angst, verletzt und abgewiesen zu werden? Wie gehst du mit Fehlern und Scham um? Sich diese Fragen zu stellen, und so wie ich oben, die Antworten ehrlich und klar zu betrachten, kann Ungleichgewichte in dir aufzeigen und auflösen. Das ist gut. Und vielleicht soll dir diese Begebenheit, diese Person, genau das beibringen? Wer weiß… Wozu auch immer es gut ist, dass du unter heimlicher Liebe leidest: Finde eine Antwort, die dir weiterhilft, weil sie dich weiterbringt. Alles, was dich hindert und blockiert, dich vom Wachstum abhält, darf jederzeit einfach so gehen. Je weniger Barrieren wir in unserem Leben haben, desto leichter lebt es sich. Mir half es in den folgenden Jahren, den Menschen als solchen zu betrachten. Ich machte noch ein paar grobe Fehler, aber irgendwann stellte ich keinen Mann (und Menschen) mehr auf ein Podest oder hatte gar mehr Respekt und Zeit für meinen Gegenüber als für mich. Irgendwann betrachtete ich jeden Mann, den ich kennenlernte, nur noch als Menschen, den ich erst einmal kennenlernen müsste, um zu sehen, ob ich tiefere Gefühle entwickeln würde. Ich verfiel nicht mehr dem Aberglauben, dass jeder Mann, zu dem ich mich hingezogen fühlte, gleich mein „Seelenpartner“ sein müsse.

Ich verstand, dass urplötzliche, heftige Anziehungskraft meist nur bei Menschen geschah, die denselben, ungelösten Anteil von etwas in sich trugen wie ich. Im Laufe der Kennenlernphase spürte ich es auch schnell: Da war ein Mann, dem es egal war, ob ich ihn mochte. Hauptsache, ich war mit ihm zusammen, damit er nicht allein war. Oder ich lernte jemanden kennen, der höchst kontrollsüchtig war, aus Angst, ich könne ihm durch die Hände gleiten und auch ohne Partner glücklich sein. Dann hatten wir noch jemanden, der sich bis heute bei mir meldet, weil er bei seiner Partnerin nicht so sein kann, wie er in Wahrheit ist. Und wir hatten jemanden, der mich sehr mochte, aber zu große Angst vor seinen Gefühlen hatte, um sie sich  und mir einzugestehen.

All diese „Macken“ zeigten mir, womit ich kämpfte, gekämpft hatte, was ich noch nicht losgelassen hatte. Jeder kann in sich gehen und schauen, welche Muster bei einem auftauchen, welche alten, vermeintlich gelösten Probleme und Verletzungen wieder getriggert werden. Und sich dann fragen: Was kann ich tun, um sie aufzulösen?

Egal, wie es mit deiner heimlicher Liebe ausgeht: Wenn du eine Abfuhr aus Angst erhältst, kannst du die Sache wenigstens für dich abschließen und weiterleben. Du weißt dann, woran du bist. Das ist nichts Schlechtes, im Gegenteil. Deswegen raten die Menschen auch immer dazu. Das Schlimmste wäre es, wenn du es so machst, wie ich und nichts sagst. Dafür aber jahrelang trauerst.

Oder, so wie ich, nach 18 Jahren plötzlich drei Nächte hintereinander von der Person träumst, weil dein Unterbewusstsein sie noch nicht vergessen hat.

Wenn du die Kraft hast, mach es besser als ich.

Mit den besten Wünschen,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Einsam in der Ehe und Beziehung? So findet ihr wieder zueinander

Einsam in der Ehe und Beziehung? So findet ihr wieder zueinander

60 Prozent aller Menschen, die über Alleinsein und Einsamkeit klagen, sind einsam in der Ehe und Beziehung. Obwohl sie einen festen Partner haben, fühlen sie sich allein gelassen und außen vor oder aber es gab seit langem keinen nahen Kontakt mehr zueinander: weder in Gesprächen, emotional, noch körperlich. Die Statistiken zeigen, dass besonders mangelnde Kommunikation zu einem entscheidenden Faktor für Trennungen und Scheidungen geworden sind.

Wie Schweigen Partner einsam in der Ehe und Beziehung macht

Laut Statistischem Bundesamt (Stand 2011) würde jede dritte Ehe scheitern. Auch ohne Trauschein berichten Menschen davon, wie einsam sie sich in Beziehungen fühlen. Und das läge an fehlenden Gesprächen, die mit mehr als Einkaufslisten und Kinderbetreuung oder Haushaltspflichten und Schwiegerelternbesuche zu tun haben.

einsam in der ehe und beziehung fühlen sich 60 prozent aller paare

Die Zahl der Minuten, die Paare am Tag miteinander sprechen würden, rangiert stark. Laut einer von Parship 2010 beauftragten Erhebung seien es 102 Minuten pro Tag, wobei nicht untersucht wurde, welche Themen besprochen wurden. 2014 zeigte eine Studie aus den Staaten, dass bereits 21 Minuten qualitativ hochwertiger Gesprächszeit pro Jahr reichen würden, um wieder glücklich zu werden und es auch zu bleiben. Was würde Positives geschehen, wenn man insgesamt, neben dem Alltagsrelevanten wie z. B. Arbeitsaufgaben im Haushalt, Familienangelegenheiten usw. 21 Minuten täglich von durchschnittlich 15 bis 16 Stunden Wachzeit als Paar füreinander erübrigen würde?

Verheiratet oder in einer Beziehung zu sein, schützt demnach nicht vor dem Alleinsein oder dem Gefühl Einsamkeit. Einsamkeit ist trügerisch, denn es ist nur das Gefühl, nicht aber der Umstand, der hier entscheidet. Alleinsein heißt wahrhaftig, dass keiner anwesend ist. Aber sich einsam zu fühlen, bedeutet, dass man sich trotz der Anwesenheit seines Partners einsam fühlt.

Doch täuschen uns unsere Gefühle, wenn wir einsam sind. Haben wir einen Partner, so werten wir diesen unbewusst ab, unterstellen ihm, dass er nicht mehr interessiert an uns sei oder allgemein für uns selbst weniger interessant geworden sei. Wir entfernen uns, weil sich derjenige von uns entfernt hat. Während es Menschen gibt, die bei gefühlter Distanz noch mehr Nähe suchen, eben aus derselben Angst, gibt es andere, die feinfühliger auf die emotionale Abwesenheit oder auch örtliche Trennungen reagieren. Man gelangt zwangsweise an einen Punkt, an dem man alle Signale negativ deutet, zum Beispiel als unerwiderte Liebe oder gar Ablehnung. Das machen Menschen nur, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen. Während sie bereits Angst haben, schützen sie sich vor weiterer Angst. Leider führt das oft dazu, dass man Positives übersieht, Anerkennung nicht mehr wahrnimmt, aber dafür als Grundstimmung feindselig oder „auf Krawall gebürstet“ ist. Je nachdem, wie die Paarsituation aussieht, gestalten sich die Gefühlswelten der sich einsam fühlenden Partner.

Je mehr Alltag einzieht, je mehr die qualitativen Gespräche schwinden, je mehr man sich kennengelernt und die Entdeckungsreisen beendet hat, desto weniger konzentriert man sich auf sich als Menschen. Während man am Anfang der Beziehung über Träume, Zukunftswünsche, einem wichtige Belange sprach, ebbt diese Ebene mehr und mehr ab. Die Themen wechseln dann über zu Erziehung, Haushalt, Lebensmanagement. Das bringt in vielen Fällen eine menschliche, emotionale Trennung mit sich. Die wird auch in anderen Sphären des Zusammenlebens spürbar: Während der eine unten Fernsehen sieht, sitzt der andere im oberen Geschoss des Hauses und liest. Der eine Partner geht bereits um 21 Uhr schlafen, der andere folgt erst zwei Stunden später. Es wird getrennt gekocht, vielleicht sogar getrennt gegessen, je nachdem, wie die Lebenswelten sich gestalten. Auch in Beziehungen, die nicht zusammenleben oder durch ein Ehegelübde miteinander verbunden, trifft diese Härte der Realität.

Am leichtesten lassen sich hier Beziehungen, die emotional gewalttätig sind, einordnen. Dort bleiben zwei Menschen zusammen, die schlecht füreinander sind bzw. ein Partner bleibt, obwohl er weiß, dass die Beziehung schädlich ist. Unter emotionaler Gewalt versteht man Handlungen, die emotionale Verletzungen hervorrufen. Begründet sind diese Handlungen meist darin, dass die Gefühle des Verletzenden selbst verletzt waren. So würde jemand, der betrogen wurde, ebenso betrügen, um wieder eine Augenhöhe herzustellen. Paare würden sich gegenseitig vor den Kindern bloßstellen und Solidarität für ein Elternteil einfordern, um das andere auszuschließen. Wiederum andere Paare steuern die Partnerschaft durch Lügen und Manipulationen so, dass es für sie passt, verbieten Gefühle oder sprechen sie dem Partner ab.

Ob Ehe oder Partnerschaft ohne Trauschein, mit Kindern oder ohne: Wir bleiben lieber beim Partner, trotz aller Hindernisse und Einsamkeit in der Verbindung, statt zu gehen. Wieso? Weil wir Angst haben, allein zu sein. Die meisten Beschuldigungen zwischen Partnern, die darauf fußen, dass der andere etwas an seinem Verhalten ändern muss, damit man wieder glücklich ist oder die Beziehung wieder funktioniert, basieren auf der Angst vor’m Alleinsein. Auf der einen Seite scheuen wir die Trennung, wollen an der Liebe und der Beziehung festhalten. Auf der anderen Seite stören die selbstverständlichen Mechanismen, lassen allzu oft Eifersucht und Verletzungen aufkommen.

Wie können Paare wieder zueinander finden?

 

5 Strategien, um Beziehungen wieder gemeinsam, statt einsam, zu erleben

  1. Dr. Guy Winch publizierte 2013 einige wirksame Strategien in Psychology Today. Er rät beispielsweise allen Paaren, die Initiative zu ergreifen. Obwohl die Angst bestehen mag, dass der Partner einen abweist, meint er, dass er oder sie genauso einsam sein könnte wie man selbst. In meinen Augen kann nur ein offenes und ehrliches Gespräch beide Seiten klären, sodass es zu einer Veränderung kommen könnte. Den besten Zeitpunkt für ein Gespräch zu finden, erscheint mir dabei sehr wichtig. Wer seinen Partner auf dem „falschen Fuß“ erwischt, könnte einen abgewiesenen Eindruck bekommen. Man sollte es dennoch probieren, weil einer der beiden den Schweigezirkel durchbrechen muss. Stelle offene Fragen, die nicht anklagend sind, rät Winch. Zum Beispiel ließen sich Fragen anbringen, die die Meinung des Partner zu etwas erbitten. So würde eine respektvolle Augenhöhe entstehen können. Doch Vorsicht, falls eine erneute Annäherung nicht sofort in der gewünschten Form oder Euphorie willkommen geheißen wird: Was sich über so lange Zeit hinzog, kann auch seine Weile brauchen, um sich wieder zu entzerren. Hier ist mitunter etwas Durchhaltevermögen nötig. Und ein respektvoller Tonfall zu einem geeigneten Zeitpunkt, also nicht zwischen Tür und Angel oder in Zeiten, in denen „viel los ist“.
  1. Einen Perspektivwechsel einnehmen: So schwer es auch fallen mag, doch den anderen verstehen zu wollen, ist unerlässlich, wenn man aus der Einsamkeit in seiner Partnerschaft herauskommen und sie retten möchte. Die vielen Fragen, die wir uns im Geiste stellen („Wieso bist du schon wieder so? Was habe ich getan? Was ist los mit uns? Was geschieht hier? Liebst du mich noch? Was soll ich tun? Was erwartest du von mir? Wie können wir uns beide helfen?“) müssen keineswegs unbeantwortet bleiben. Erstaunlicherweise ist es leichter, die Seite des anderen zu verstehen, wenn man ihn/sie fragt und reden lässt, ohne jedes Wort als Angriff zu verstehen. Wer in der Schweigespirale steckt, wird jedoch viel auf sich beziehen, möglicherweise jedes Wort missverstehen und als Kritik oder Affront interpretieren. Vielleicht tauchen Schuldgefühle auf, die sofort wegen der Angst, einen Fehler gemacht zu haben, der zu diesem Punkt führte, verstanden werden. Übe dich darin, mit vollem Bewusstsein während des Gesprächs, alles neutral und als Information, nicht als Anklage, zu verstehen. Nimm nicht nur die Worte, sondern die Gefühle währenddessen wahr. Auch deine. Bring beides in einen imaginären Film, der dich aus der Perspektive deines Partners zeigt. Versuche mit aller Kraft, ihn/sie zu verstehen. Überprüfe gern alles, was gesagt wurde. Äußere dich aus deiner Sicht. Sprecht gewaltfrei, ohne Anklagen und falschem Tonfall, miteinander. Teilt eure Gefühle miteinander, wenn bestimmte Situationen oder ein Umfeld eure Partnerschaft belasten. Seid beide gemeinsam konfliktfähig und lösungsorientiert. Erarbeitet eine Lösung gemeinsam: Wie könnt ihr einen Weg finden, und ihn gehen, sodass jeder Partner zufrieden ist?
  1. Gemeinsame Erlebnisse bleiben am längsten in Erinnerung. Doch es ist besonders in Zeiten, in denen man sich nach voneinander entfernt hat, schwer, „mal eben so“ wieder Zeit miteinander zu verbringen, ganz authentisch und ohne Probleme, ohne Distanz zwischen einander. Winch rät dennoch dazu. Er hält es für möglich, erneut Kontakt herzustellen, indem man sich und den Partner an Zeiten erinnert, in denen man sich nahe war, eine wahre, emotionale Verbindung zueinander hatte. Seien es die Hochzeitsfotos und -videos, Urlaubsbilder, Grußkarten usw. Was einmal verband, kann wieder verbindend werden.
  1. Schmeiß am besten alle kommerziellen Ratgeber in den Müll. Sieh dich und deinen Partner als Individuum, nicht als Klischee. Es gibt Dutzende Ratgeber darüber, wie ein Mann ist, wie eine Frau ist, wie wer wann weshalb so und so kommuniziert, schweigt, flieht usw. Sie alle haben ein Ziel: Gewinn für sich und/oder den Verlag erzielen. Ich halte die meisten dieser Selbsthilfebücher und Expertenratschläge für Plattitüden und Stereotypen. Sicher wird es klassische Kommunikations- und Verhaltensschemata geben, die auf den einen oder anderen zutreffen mögen. Aber die Wahrheit hört heute nicht mehr dabei auf, dass Frauen immer reden wollen, während Männer nur schweigen oder Frauen stets zu Nähe oder Kontrolle tendieren, während Männer ihre selbstbestimmte und freiheitsorientierte Ader ausleben wollen. Ich kenne etliche Männer, die nicht in das Jäger-Verhalten passen und noch mehr Frauen, die sich schon lange nicht mehr sammeln lassen. Die Zeiten der gruppierbaren Geschlechterbetrachtungen sind schlichtweg vorbei. Menschen ändern sich, wenn sie sich ändern wollen, ein erstrebenswertes Ziel im Blick haben, was ihnen etwas Gewinnbringendes verschafft. 
  1. Sei die Veränderung, die du in deiner Partnerschaft sehen möchtest. Dass man sich eine Veränderung für sein Leben wünscht und damit auch für die Partnerschaft und die gemeinsame Liebe, zeigt man am besten, indem man sie selbst in die Wege leitet. Feststeht: Jemand muss den ersten Schritt machen und ihn ggf. auch vormachen. Wenn man sich mehr Zeit oder Respekt vom Partner wünscht, kann man dem Partner gegenüber mehr Aktivitäten vorschlagen oder ihn in seine eigenen einbinden. Man kann sie selbst anleiern und auch in Einladungen zum Ausdruck bringen, dass man sich wünscht, dass der Partner daran teilnimmt. Auch in puncto Verhalten lässt sich das umsetzen: Wenn du dir eine bestimmte Verhaltensweise vom Partner wünschst, zeige sie ihm auf. Bitte ihn, statt zu fordern, frage ihn, statt alles im Vorfeld zu wissen, rede respektvoll mit ihm, statt streng oder verletzt. Sollten diese Versuche nicht funktionieren, so lässt sich noch immer ein Gespräch darüber führen, wieso der Partner nicht darauf eingeht. Im Mindesten hat man für sich eine Veränderung erwirkt. Es kann nur positiv für einen selbst sein, wenn man sein Leben, trotz Beziehung, alleine in die Hand nimmt und zum Ziel führt. Beschäftige dich mit dir, dann möchte dein Partner ganz sicher daran teilhaben. Er wird im Mindesten merken, dass du dich für dich bewegst. Das ist immer attraktiv und zeigt, dass du für dich aktiv bist. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass er dein Verhalten mit seinem vergleichen wird. Die Resultate werden sich von selbst ergeben. Wer an das Gesetz der Anziehung glaubt, dem würde diese Vorgehensweise gut tun. Denn überwiegend nur zu fordern und entsprechend enttäuscht zu sein, wenn die Erwartungen unerfüllt bleiben, kann für beide Seiten der Partnerschaft sehr frustrierend werden.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem eBook „Raus aus der Einsamkeit“.  

nie mehr einsam

Wünschst du dir Ideen & Strategien gegen einsame Zeiten?

Möchtest du lernen, wie du bei Angst ruhig bleiben kannst?

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Möchtest du die Ursachen und den Sinn deiner Gefühle wissen?

Willst du deine Angst und Einsamkeit endlich loswerden?

 

Einsamkeit. Die Angst, wieder allein zu sein. Der furchterregende Gedanke, was wäre, wenn es so bliebe. Die Panik, wenn die Idee aufkommt, dass es an einem selbst liegen könnte, und man sich wertlos oder ausgeschlossen fühlt. Du kennst sie, jeder kennt sie. Dennoch ist die Angst vor dem Alleinsein oder davor, einsam zu bleiben, keine reale. 

Deine Gedanken definieren dich nicht. Aber sie erzeugen deine Gefühle.

  • Doch woher kommen diese Gedanken und Gefühle?
  • Wieso haben einige Menschen keine Probleme damit, allein zu sein?
  • Weshalb kennen andere das Gefühl der Einsamkeit gar nicht?
  • Wieso trifft es dich? 

Diese und weitere Antworten auf deine Fragen findest du in meinem eBook. Ich stelle verschiedene Herangehensweisen und Wege aus der Einsamkeit vor, denn:

Alle Menschen sind verschieden und brauchen etwas für sie Passendes. 

Die Audiodateien kannst du dir herunterladen, auf deinen MP3-Player oder Handy laden oder vom PC aus anhören

  1. Grundstufe Autogenes Training Gesamt mit Rückführung – Übungssequenz für Beginner und zur Gewöhnung an die Formeln, Stärkung einer tieferen Wirkung. Dauer: 22:08 Minuten
  2. Oberstufe Autogenes Training - Thema: Mut trotz Schüchternheit mit Rückführung – Diese Sequenz setzt gezielte Suggestionen ein, die den Zuhörer/die Zuhörerin zu mehr Proaktivität und Zuversicht animiert. Dauer: 38:02 Minuten
  3. Oberstufe Autogenes Training - Thema: Selbstvertrauen mit Rückführung – Diese Sequenz setzt weitere gezielte Suggestionen ein, die das Vertrauen in sich und die Welt stärken. Dauer: 35:55 Minuten
  4. Löwenmeditation – Diese geführte Meditation ist eine Fantasiereise an einen Ort, an dem man Stille und Stärke erfährt. Mit Krafttieren, die einem bei regelmäßiger Durchführung im Alltag stärken und Sicherheit geben. Dauer: 16:03 Minuten

Was du über die Angst vor dem Alleinsein wissen solltest

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