Das Gewissen der Empathen & der eine Mensch, den wir überwinden müssen

Das Gewissen der Empathen & der eine Mensch, den wir überwinden müssen

 

Wir Empathen haben alle einen Menschen, dem gegenüber wir ein schlechtes Gewissen haben: sei es ein Elternteil, ein vergangener Partner, ein Partner, der einer werden sollte, aber nicht wurde, ein Mensch, von dem wir uns wegen seiner Energie fernhielten, ein Freund, von dem wir uns trennten oder jemand anderes, der uns ein schlechtes Gewissen machte. Wir mögen es gar nicht, als schlechter, nicht hilfsbereiter und nicht liebender Mensch dazustehen. Wir lieben und wir leiden mit und springen besonders auf Menschen an, die leiden und geliebt werden wollen. Wir können es sehr schwer ertragen, Menschen zurück zu lassen, uns zu trennen oder uns abzugrenzen, zu verletzen oder Verletzungen, die wir selbst kennen, zuzufügen. Auch wenn es sein muss – unseretwegen.

 

Empathen und wieso sie sich selbst doppelt so stark verletzen, wenn sie jemandem wehtun

einsamkeit empathen spüren leid andererNoch Jahrzehnte später können Empathen darunter leiden, dass sie jemandem Liebe, Zuneigung, Anerkennung oder Hilfe verweigert haben – mögen die Gründe auch noch so legitim gewesen sein. Es tut uns weh. Wenn wir nicht geben, was jemand braucht, verletzen wir uns selbst. In der Realität aber spüren wir nur dessen Verletzung, dessen Einsamkeit, die fremde Angst. Und natürlich war diese schon da, bevor wir überhaupt in seinem Leben ankamen. Dennoch ziehen wir uns den Schuh an. Wir machen gern Angelegenheiten wieder gut, die jemand anderes versaut hat. Wir mögen es, Menschen lachen und glücklich zu sehen, sie zu befreien und für ihr Wohl zu sorgen. Es gibt uns Kontrolle über das Leid der Welt und bemächtigt uns, einen Teil zu leisten, auf den sonst jeder sch****.

Der Gedanke, im Leben eines anderen Menschen negative Spuren zu hinterlassen, ist unerträglich. Als würden Scham und Schuld wie eine Lawine auf uns zurollen, versuchen wir liebend gern, alles wieder gerade zu drehen. Verhält sich einer schlecht, machen wir es wieder gut. Ist jemand einem Monster begegnet, sind wir da und tätscheln die Schulter. Ist jemand einsam, sind wir da und verbringen Zeit und schenken Zuneigung. Je einsamer unser Gegenüber, desto schmerzlicher wird es für uns, wenn wir nicht handeln.

 

Wenn wir die Einsamkeit eines Anderen spüren, wird es unerträglich

Als Autorin des Buches “Über die Kunst, allein zu sein” weiß ich, wie schwer Einsamkeit wiegt und wie drastisch sie sich anfühlt. Ich kann im Detail erklären, wie ich mich in einsamen Zeiten fühle und verhalte. Und ich weiß aus dem FF, wie sich andere fühlen und wie schwer es für mich auszuhalten ist, wenn sie unter ihrem Getrenntsein leiden. Überhaupt denke ich im tiefen Inneren, dass es nichts Schlimmeres für einen Empathen gibt, als einen anderen Menschen einsam und leidend zu sehen. In meinen Augen ist Einsamkeit verletzender und krankheitsverursachender als jeder Virus und jedes Bakterium, schlimmer als der Tod. Weil es so viel schwerer fällt, Einsamkeit hinter sich zu lassen und es so viel weniger Möglichkeiten gibt, offiziell Hilfe zu bekommen. Niemand sitzt vor seinem Arzt und sagt: “Ich bin einsam.” Es ist erstaunlicherweise selbstverständlich, dass wir alle für unser Wohl und unseren sozialen Kontakte allein zu sorgen haben. Und obwohl Einsamkeit die schlimmste Seuche unter allen ist und meiner Meinung nach das größte Übel und die eine Ursache für alle Leiden, tun wir sie ab.

Empathen können das spüren – wenn jemand versucht, seine Schmerzen zu überspielen, wenn jemand Nahestehendes oder jemand im Herzen einsam ist – egal, wie viele Tausende von Kilometer derjenige von uns entfernt ist. Und auch, wenn wir jemanden aus tiefstem Herzen lieben, auch wenn wir nie mit demjenigen zusammen sein könnten, können wir seine Gefühle, seine Einsamkeit spüren und sie sehr leicht mit unseren eigenen verwechseln. Das führt bei einigen meiner Klienten und Klientinnen bis in die Sucht und Selbstverletzung. Weil sie es einfach nicht aushalten – die fremden Gefühle. Sie versuchen sie stattdessen zu verdrängen und oft gelingt das besser, wenn sie Mittel der Dissoziation wählen – also solche, die ihnen erlauben, sich abgegrenzt davon wahrzunehmen, die Realität eher wie einen Traum wahrzunehmen. Weil es ihnen einfach wehtut, wenn sie wissen, dass sie für jemanden hätten da sein können, es aber nicht waren – nichts tun können, weil sie es nicht wollen – aus Selbstschutz. An sich selbst zu denken, was ja nicht nur normal, sondern auch ein Teil der gesunden Psychohygiene ist, wird plötzlich zu einem Versagen und charakterlichen Fehler.

Ganz besonders, wenn sie denjenigen mochten, aber nur nicht mit seiner Gefühlswelt zurechtkamen, wirkt sich die Welt des Anderen dramatisch auf ihr Gewissen aus. Wir Empathen haben hohe moralische Werte. Wir haben eine Gutmensch-Attitüde, die viele zum K****** finden. Aber so ist es einfach. So what.

 

Der eine Mensch, den ich selbst nach zwei Jahrzehnten noch täglich spüre

einsamkeit eines anderen spürenIch kann die volle Geschichte leider nicht erzählen, weil ich nicht ausschließen kann, dass er meinen Blog liest und ich ihm nicht zu nahe treten möchte. Aber so viel sei gesagt: Ich kenne ihn von früher und habe 20 Jahre nicht an ihn gedacht. Ich habe mein Leben gelebt – bis zu diesem einen Tag, an dem ich wieder aus heiterem Himmel an ihn denken musste. Und ihn schließlich mit meiner Intuition auch fand. Es war genau so wie oben beschrieben – er war einsam, ich fühlte mich schuldig wegen früher und ich wäre am liebsten in die Bresche gesprungen, aber mein Selbsterhaltungstrieb hielt mich davon ab. So ließ ich ihn wieder zurück und obwohl ich in mir weiß, dass es richtig war, trauere ich dennoch, weil ich nicht da war, als er mich brauchte.

Ich denke bis heute an ihn und kann die Gefühle kaum steuern, die zu mir herüberschwappen. Ich wünschte, ich könnte sie abstellen, aber es fällt schon schwer, sie überhaupt von meinen abzugrenzen. Keine Ahnung, ob er an mich denkt oder mich unbewusst oder bewusst beschuldigt, aber seine Gefühle sind da. Bis ich gemerkt habe, dass die Gefühle von ihm kommen und nicht von mir, vergeht schon eine gewisse Zeit. In dieser Zeit bin ich sehr destruktiv und habe das tiefe Gefühl, mir etwas zu geben und so viel Genuss wie möglich zu erleben. Ich drehe so richtig hoch und komme an einen Punkt, an dem ich IHN und MICH abgrenzend bemerke. Dann – und erst dann – kann ich die Grenze spüren und vollziehe sie auch. Aber bis dahin…puh.

So einen Menschen haben wir Empathen und auch Normal-Empathischen alle. Die neuen Menschen kommen nur in unser Leben, weil wir etwas Altes wiedergutmachen wollen. Für Empathen aber ist es besonders schlimm und weitragend – bis hin zur Aufopferung (die natürlich nur nach hinten losgehen kann!).

 

Die einzige Lösung, um sich davon zu befreien, ist…

…sich selbst zu vergeben und zu reflektieren, was man kann und was einem schadet. Es ist traurig, ja, zu wissen, dass das eigene Wohl zum Unwohl eines Anderen führt. Dennoch ist es wichtig, dass sich JEDER MENSCH selbst als einen betrachtet: Mensch zu sein heißt nun einmal, Fehler zu machen und nicht die ganze Zeit nur für andere zu wirken, sondern seine Seele zu füttern. Man muss für sich da sein und einstehen. Tut man das nicht, wird man zwangsläufig krank, weil man sich nicht mehr spürt.

verzeihen empathen vergeben dankbarkeitNur Empathen, die Selbstabgrenzung trainiert haben, können täglich für und wegen anderen Personen wirken. Nur die, die genau hinsehen und sich kennen, können unendlich geben, ohne zu leiden. Aber der Großteil leidet unter der erzwungenen und nötigen Aufmerksamkeit, die ihnen entzogen wird – besonders deshalb, weil Empathen so viel Aufmerksamkeit und Zuwendung sich selbst gegenüber benötigen. Um gesund zu bleiben und Frieden in sich zu spüren, müssen sie sich abgrenzen und für sich selbst wirken. Wird ihnen das verwehrt, weil die Aufmerksamkeit zu jemand anderen hingeht, dann geben sie Energie ab, die sie selbst für sich brauchen. Haben sie aber keine Energie mehr, dann fühlen sie das auch. Nicht nur ihre eigene Energielosigkeit wird dann problematisch, sondern auch die plötzliche Fülle des Anderen, der sich zumeist abwendet – weil er ja gefüttert wurde mit einer Energie, die nicht seine war. Darunter leiden Empathen noch mehr. Fehlende Dankbarkeit. Es scheint wie ein Teufelskreis.

Deshalb ist der Ausbruch – die Lösung – Vergebung sich selbst gegenüber, Dankbarkeit für die Zeichen, Lektion und nötige Wende und vor allem Vertrauen, dass es derjenige auch ohne einen schaffen wird.

Wie man die Gefühle des Anderen loswird, fragst du dich sicher.

Meiner Meinung nach ist der erste Schritt, anzuerkennen, dass derjenige in uns ist, eine Verbindung zu uns herstellt und wir eine zu ihm haben – auch mit Grund und Notwendigkeit, weil Wachstum, das nötig und sichtbar durch ihn wurde. Als zweiten Schritt verankere ich Vertrauen in das Gelingen von allem, was gelingen soll – auch in die Wirksamkeit desjenigen. Wenn er es schaffen will, glücklich werden möchte, wird er es werden – auch ohne uns. Das ist seine Verantwortung. Als Drittes sehe ich definitiv die Einsicht, dass wir keiner Fügung unterliegen. Wir sind in unserer Empathie austauschbar. Wem wir unsere Energie und Liebe schenken, entscheiden wir. Aber wenn wir jemanden füttern, dann sollten wir das nur aus Liebe tun, nicht aus Mitleid. Mitleid und Mitgefühl zu unterscheiden, so zeigte es kürzlich eine Studie der Berkeley Universität, ist entscheidend. Mitgefühl führt zu gutem Bewusstsein und Abgrenzungsvermögen, wohingegen Mitleid zu Gefühlen der Angst und Depression führe.

Auch wenn Selbstvergebung die größte Kunst ist, so glaube ich felsenfest, dass gerade Empathen die Kunst meistern können – wenn sie sich erlauben, für sich da zu sein und eben nicht alles zu müssen, nicht in die Isolation zu gehen, sondern sich mit geradem Rücken durchzusetzen und zu ihren Entscheidungen zu stehen – ganz ohne schlechtes Gewissen.

Ich freue mich, wenn du mich wissen lässt, was deine Geschichte ist und wie es dir mit deinem einen Menschen geht – und seinen Gefühlen, die zu dir herüberkommen.

Mit den besten Wünschen für dich,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Was ist eine Ehe- & Paarberatung? Eine Therapeutin gibt Einblick

Was ist eine Ehe- & Paarberatung? Eine Therapeutin gibt Einblick

 

Ich freue mich sehr, Terry Ann Larsen, Familientherapeutin mit eigener Praxis in Weinheim, als Bereicherung für mein Netzwerk aus vertrauenswürdigen Therapeuten zählen zu dürfen.

Aus ihrer fast 19- jährigen Erfahrung in der Arbeit mit Paaren weiß sie, dass eine Ehe- und Paartherapie eine Beziehung retten bzw. grundlegend verbessern kann. Es kommt nur darauf an, wie viel den betroffenen Paaren eine harmonische Beziehung wert ist und wie viel Zeit, Mühe und Arbeit sie investieren, um ihre Beziehung zu verbessern.

Terry Ann Larsen im Gespräch über die Chancen einer Eheberatung und Paartherapie.

 

Eine Ehe- und Paartherapie hilft, Beziehungen zu verbessern

“Jedes Auto muss regelmäßig zur Inspektion und zum TÜV, um in einem Topzustand zu sein. Mit Beziehungen verhält es sich genauso.”

Eheberatung Paartherapie Therapeut Chancen Beziehung retten1Jeder wünscht sich eine harmonische Beziehung, in der der Partner hinter einem steht, man sich gegenseitig unterstützt, schöne gemeinsame Erlebnisse hat, Zukunftspläne schmiedet und sich beide Partner einfach glücklich fühlen. Aber auch in einer sehr stabilen Beziehung sind Meinungsverschiedenheiten, die zum Streit führen, ganz normal. Es kommt immer darauf an, wie man mit Streit und Problemen umgeht. Hat sich das Paar eine gute Streitstrategie im Laufe der Jahre angeeignet, können sie ihre Probleme selbständig regeln.

Doch so manche Beziehungen müssen gepflegt werden. Wird der Partner vernachlässigt oder fühlt sich der Partner unbeachtet, bekommt die Beziehung bildlich ausgedrückt einen Kratzer oder sogar einen Defekt. Das Auto kommt in die Werkstatt, das Paar zur Paarberatung. Beide müssen von einem Fachmann repariert werden. Der kleine Unterschied besteht darin, dass der Autofahrer beim Reparieren eine passive Rolle einnimmt, das Paar aber aktiv am Reparieren der Beziehung beteiligt ist. Der Fachmann (Paartherapeut, Familientherapeut, Berater, Coach) erkennt durch seinen Blick von außen die momentane Problematik des Paares. Es werden alte Verhaltensmuster erkannt, das Paar bekommt Denkanstöße und es wird gemeinsam mit dem Paar eine individuelle Lösung erarbeitet.

Paare, deren Beziehung nicht von einer guten Kommunikation gekennzeichnet ist, haben Schwierigkeiten, mit Auseinandersetzungen umzugehen, wodurch die Situation oft eskaliert. Da diese Paare die Probleme nicht ausdiskutieren können, entsteht oft ein Streit, der von gegenseitigen, verletzenden Vorwürfen gekennzeichnet ist, oder ein Partner zieht sich schmollend zurück und das ursächliche Problem wird unter den Tisch gekehrt. Beide Verhaltensweisen führen zu einer Verschlechterung der Partnerschaft. In diesen beiden Fällen ist eine Paarberatung der richtige Weg zu einer guten Beziehung. Zum einen sollten sich beide Paare eine gute Streitstrategie aneignen; zum anderen sollten beide lernen, wie man die Kommunikation im Fluss halten kann.

 

Eine gute Kommunikation ist Grundlage für eine harmonische Beziehung

Viele Beziehungen sind unglücklich, stagnieren oder man leiden unter einer akuten Krise, weil kein kommunikativer Austausch stattfindet. Doch für ein Partnerschaftsproblem ist nie nur einer der Partner verantwortlich. An der Sicht des Partners zum Eheproblem (Paarproblem) lässt sich sehr gut erkennen, dass zwei Menschen in einer Partnerschaft sehr unterschiedliche Wahrnehmungen von ein- und demselben Problem haben können.

Typische Partnerschaftsprobleme sind u. a.:

– Schwangerschaft
– Hochsensibilität in Partnerschaften
– unterschiedliche Erziehungskonzepte
– Workaholic, fehlende Work-Life-Balance
– Zuhören und Gehörtwerden ist erschwert
– Abgrenzung als Paar von Eltern, Schwiegereltern, Geschwistern
– kaum gemeinsame Unternehmungen als Paar
– einmaliges Fremdgehen bzw. wiederholte Untreue- Fernbeziehung
– Machtverhältnisse in der Partnerschaft
– Hausarbeit als Ursache für Paarprobleme
– störendes bzw. gestörtes Rollenverhalten in der Partnerschaft
– Vermeidung von Konflikten aus Angst

Hierdurch entstehen weitere Beziehungsprobleme, die durch eine Eheberatung entflochten werden können:

– Kommunikationsprobleme
– Eifersucht
– Alkoholproblematik
– häufiger Streit
– Nähe-Distanz-Problem
– Einsamkeit in der Beziehung
– Burnout-Syndrom in der Partnerschaft
– Umgang mit der Kritik des Partners
– Sexsucht- Beziehungskiller PC, Handy, Games
– Verlustangst
– Bindungsangst
– Respektlosigkeit gegenüber dem Partner

 

Wenn der Partner keine Eheberatung/Ehetherapie möchte: Was kann man tun, um ihn zu motivieren?

paatherapieIn einer Partnerschaft geht es nicht darum, alleine etwas “hinzukriegen”. Bei der Paarberatung können Paare lernen, Probleme künftig gemeinsam lösen zu können. Vielleicht kann der Partner zum Erstgespräch mitgehen und dem Vorschlag so eine Chance geben. So kann er eine Entscheidung aufgrund seiner eigenen Erfahrungen treffen.

Sollte sich der Partner dann trotzdem gegen die Beratung entscheiden, kann sich auch nur ein Partner beraten lassen.

Für den langfristigen Erfolg der Beratungsgespräche bzw. Therapiesitzungen ist es allerdings erfolgsversprechender, wenn beide eine positive Einstellung dazu haben, auch wenn nur ein Partner Hilfe sucht.

 

Wie lange dauert eine Eheberatung oder Paartherapie und welche Chancen hat sie?

“Ich sehe es seit fast 19 Jahren als meine Aufgabe an, Paaren dabei zu helfen ihre Beziehung bzw. Ehe so zu entwickeln, dass die Beziehung so ist, wie sie es sich wünschen. Aus meiner langjährigen Praxiserfahrung kann ich sagen, dass circa 80% der Paarberatungen erfolgreich sind.”

Es ist schwer, über die Dauer der Paartherapie eine genaue Aussage zu machen, da die Anzahl der Therapiesitzungen abhängig davon ist, wie schwerwiegend die momentanen Paarkonflikte sind. Haben sich die Paarprobleme über Jahre hinweg aufgestaut, dauert es länger, eine gute Lösungsstrategie zu entwickeln, da sich die Paarprobleme verfestigt haben. Je schneller man sich für eine Paartherapie entscheidet, um so kürzer ist die Therapiedauer. Aus Frau Larsen Praxiserfahrung ist in circa vier bis acht Therapiesitzungen die Paartherapie abgeschlossen.

Immerhin sei “die systemisch lösungsorientierte Paartherapie eine moderne Paarberatung, bei der der Fokus auf Lösungen und Konsens gerichtet ist.”

 

Mehr über Terry Ann Larsen, findest du hier >>

 

Was du wissen musst, bevor du jemandem vorwirfst, dich nicht zu lieben

Was du wissen musst, bevor du jemandem vorwirfst, dich nicht zu lieben

 

„Güte in den Worten erzeugt Vertrauen.
Güte im Denken erzeugt Tiefe.
Güte beim Verschenken erzeugt Liebe.“

Laotse

Frauen fragen sich oft – anhand des Verhaltens ihres Herzenspartners – ob er sie liebt. Ausgehend von dem Gefühl, dass er sie nicht lieben würde, weil sie sich nicht geliebt fühlenDies ist ein Auszug aus meinen Buch “Du liebst mich, oder doch nicht? Wie Frauen mit beziehungsängstlichen Partner wirklich umgehen sollten – ohne Manipulieren und Leiden”.

 

Er liebt mich, er liebt mich nicht

Ausbruch aus dem Gefängnis angstDas ist das Essentielle: Sie fühlen nicht, dass sie geliebt werden. Das zeigt vor allem, dass sie Geliebtwerden anders erfahren haben, als sie es in ihrer Beziehung wahrnehmen. Sie nehmen einen Unterschied im Umgang und im Spüren wahr. Es kommt ihnen merkwürdig vor, schürt ihre Unsicherheit und macht nicht selten Angst. Nichtsdestotrotz ist deine Wahrnehmung eben nur deine Wahrnehmung. Es kann trotz des Gefühls, dass er dich nicht lieben würde, so sein, dass er dich durchaus liebt. Ich möchte keine Grundsatzdiskussion á la „Männer lieben so, Frauen eben anders“ führen. In der Wahrnehmung und Gewohnheit, wie liebevolle Zuwendung wirklich aussieht (und auszusehen hat), liegt ein wichtiger Schlüssel.

Versuchen wir, das, was wir Liebe und Geliebtwerden nennen, zu definieren, kommen wir aber schnell ins Grübeln. Denn nur selten sind wir uns dessen bewusst: Für viele Frauen war es stets selbstverständlich, was und wie Liebe ist, und nie musste es hinterfragt werden. Dass andere Menschen eine andere Form der Zuwendung kennen- und lieben gelernt haben, ist genauso schwer nachvollziehbar, wie die Art der Zuwendung, die andere ausleben und geben. Die Frage müsste also nicht lauten: Liebt er mich? Sie müsste eher heißen: Liebt er anders als ich? Und wenn ja, wie sieht seine Liebe aus? Ist sie kälter oder wärmer als meine? Ist sie empfindsam oder hart? Ist sie distanziert oder nah? Und hier schließt sich eine weitere Frage an: Kann ich diese Art der Liebe lieben lernen?

 

Was ist für dich Liebe – Was ist für ihn Liebe?

Viele Beziehungscoaches und sogar Psychologen werfen Beziehungsängstlichen vor, ihre Art, zu lieben, sei per se falsch. Dabei gehen sie natürlich nur von ihrer Wahrnehmung der ihnen vertrauten Liebe aus. Sie gehen von ihren Erfahrungen aus, von ihren Gefühlen, von ihren Definitionen. Oder von deinen. Ich möchte als selbst Betroffene dieses Argument nicht deshalb ablehnen, um mich zu schützen. Ich möchte vielmehr darauf hinweisen, dass es keine eine Art, zu lieben, gibt.

Denn wer sollte das definieren können?

Wir wuchsen alle unterschiedlich auf. Alles, was wir für uns entscheiden können, ist, ob wir mit der anderen Art der Liebe umgehen lernen können und wollen. Sich das zu beantworten, befähigt zumindest zu einer Entscheidung, hinter der man stehen kann. Man kann gleichfalls in Gesprächen darauf hinweisen und zielt nicht selbstverständlich darauf ab, der Herzenspartner müsse sich ändern. Plötzlich wären alle Vorwürfe dahin. Es würde sich ein respektvoller Raum öffnen, der Austausch ermöglicht und Akzeptanz bietet. Dein Herzenspartner könnte sonst ebenso sagen, dass ihm deine Art zu lieben missfällt und du dich ändern müsstest.

 

Wie du herausfindest, ob er dich liebt

Seelenverwandschaft liebeDie Lösung lautet natürlich nicht, dass sich einer von euch ändert oder ihr euch trennen müsst. Die bessere Variante ist, dass ihr euch beide in eurer Art, zu lieben, akzeptiert und annähert. Dazu ist es wichtig für den jeweils anderen, zu wissen, wie der Einzelne Liebe und Geliebtwerden definiert:

  • Was enthält sie?
  • Was enthält sie nicht?
  • Wann ist Liebe keine Liebe mehr?
  • Wann verletzt sie?
  • Wie fühlt es sich für euch beide an, wenn ihr geliebt werdet?
  • Welche Handlungen lassen euch dieses Gefühl verspüren?
  • Und vor allem: welche nicht?

Erneut kommen wir auf offene und ehrliche Gespräche zurück. Erneut gehen wir weg von Trennungen und Minderwertigkeitsgefühlen. Wir rudern einmal mehr zu Gemeinsamkeiten und Zusammengehörigkeitsgefühlen hin, statt sich in Vorwürfen und Verletzungen zu verstricken. Die meisten Ratgeber aber raten dazu, sich von uns Beziehungsängstlichen zu trennen. Wir könnten uns angeblich nicht ändern. Das ist nicht nur einfältig, sondern auch unwahr.

Nichtsdestotrotz birgt Beziehungsangst einige Herausforderungen, die man weder mit viel Leid bewältigen noch auf Teufel heraus ertragen muss. Man darf sich immer und ständig trennen. Wer sich in der Beziehung mit dem Partner nicht mehr fühlen oder wiederfinden, akzeptiert fühlen oder geliebt sehen kann, der sollte und darf natürlich über eine Trennung nachdenken.

Das war ein kurzer Auszug aus meinen Buch “Du liebst mich, oder doch nicht? Wie Frauen mit beziehungsängstlichen Partner wirklich umgehen sollten – ohne Manipulieren und Leiden”. Lust auf eine 20seitige Leseprobe? >>

 

Es ist mein erstes Buch, das sich ausschließlich an Frauen wendet. Darin gebe ich viele Erkenntnisse meiner Coachings mit Menschen, die unter ihrer Beziehungsangst leiden, weiter und räume endlich einmal mit all den Mythen und “Wenn du dich so und so verhältst, dann wird er dich für immer lieben!”-Ansagen vieler Beziehungs- und Love Coaches auf. Als Ex-Beziehungsängstliche (und hin und wieder immer noch) kann ich nur den Kopf über Autoren & Coaches schütteln, die meinen, man könne mit Manipulationstricks Menschen wie mir das Herz aufweichen. Sie erzählen Frauen, die mit jemandem mit Angst vor Liebe und Beziehungen zusammen sind, so viele irreführende und schädliche Sachen. Leichter kann man seinen Herzenspartner nicht loswerden – und seinen Selbstwert gleich mit. Das lag mir so schwer im Magen, dass ich sogar meine Arbeit an einem anderen Buch unterbrach.

Begib dich auf eine Reise in seine Schuhe, lerne seine Gedanken kennen und verstehe, worum es beziehungsängstlichen Menschen wirklich geht: keine Angst zu haben und keine zu bekommen. Nur jemand, der weiß, was Bindungsängste bedeuten und wie sie sich anfühlen, der Dutzende Male von Manipulationsstrategien verscheucht wurde, kann sagen, was Frau tun sollte und vor allem: was nicht.

Ein Buch für Betroffene von mir, die ihre Bindungsangst überwunden hat. Mit vielen Einsichten, Selbstwertübungen, Methoden zum Erkennen und Entdecken verborgener Wahrheiten, Erklärungen zu möglichen Angstverursachern, Checklisten, Handlungsimpulsen und vielem mehr.

Du kannst mein Buch hier exklusiv als E-Book im pdf, epub und mobi-Format. In einigen Tagen wird es auch bei Amazon erscheinen, dort aber etwas teurer sein.

 

Das Gefängnis unseres Lebens: Wie uns Gefühle zu Insassen machen

Das Gefängnis unseres Lebens: Wie uns Gefühle zu Insassen machen

 

Jeder von uns hat sein eigenes, selbstgemachtes Gefängnis, zum Beispiel in einem Land namens Angst. Manchmal ist es unser Zuhause, in dem wir zu oft hocken, weil wir nicht wissen, wohin wir gehen sollen, draußen keinen Sinn haben oder uns der Familie verpflichtet fühlen. Oder es ist der Job, von dem wir uns vermeintlich nicht losreißen können, in dem wir gebraucht, und nur wir, gebraucht werden, weil ohnehin niemand sonst uns ersetzen könnte. Bei anderen ist es die ausgediente Beziehung, die schon lange nur noch lieblos ist und nicht mehr erfüllt, von der man sich aber nicht trennen kann, weil man zu viele Jahre, Energie, Geld oder Gene investiert hat. Oder es ist eine alte Liebe, die wir nicht loslassen wollen, weil sie so viel schöner war als die Realität, in der wir nicht nach jemand Vergleichbarem suchen möchten. Für viele von uns ist es Geld, weil man nur mit viel Geld angeblich alles erreichen könnte, wir uns in unserer Haut wohler, weil vermeintlich überlegen und gewollter fühlen. Eine trügerische Sicherheit erwarten wir in unseren Gefängnissen.

 

Aus Angst: Ein unfreies Leben in einem vermeintlich sicheren Gefängnis

Ausbruch aus dem Gefängnis angstTag für Tag hocken wir in unseren Zellen und sind froh, überhaupt etwas unser Eigen zu nennen, ein Platz, den wir selbst gebaut haben, den wir für uns beanspruchen können. Wie wirkliche Inhaftierte gewöhnen wir uns mit der Zeit an dieses unfreie Leben immer mehr. Was uns spüren lässt, nichts sei so schlimm, wie es aussieht, sind die Freigänge, Hafturlaube oder Fluchtpläne, die nie umgesetzt werden. Einige Gefängnisse sind Hochsicherheitsgefängnisse, Gebäude, aus denen man vermeintlich nie wieder fliehen könnte. Andere gleichen einem offenen Strafvollzug, in dem man langsam lernt, zu sich und einem selbstverantwortlichen Leben zurückzukommen.

Angst, Neid, Zorn, Perfektionismus, Trauer, Schuld und Scham sind solche Gefängnisse. Sie halten uns gefangen. Im Gegensatz zu wahrhaftigen Straftätern haben wir freiwillig Einsitzenden aber nichts Schlimmes getan. Wir müssen weder leiden noch unsere Schuld absitzen. Es gibt nur dann Strafen, wenn wir sie uns selbst auferlegen. Unsere vermeintlichen Untaten interpretierten wir allein als „boshaft“ oder wir ließen andere über uns richten. Ein unnötiges Urteil über uns selbst. Es ist Verrat an uns und unserem Wert.

Unsere gedanklichen Gefängnisse sind nicht so konstruiert, wie wir wirklich sind. Sie gleichen dem, was wir gelernt haben. Deshalb erscheinen uns ihre Mauern unüberwindbar, weil sie mit dreifachem Stacheldraht anderer versehen sind. Schwer bewaffnete Wärter sitzen in hohen Türmen und lassen ihre grellen Scheinwerfer minütlich in alle Himmelsrichtungen wandern, um jeden noch so gut geplanten Ausbruch schon im Keim zu ersticken. Und selbst, wenn es die Wachmänner nicht gäbe, so warten noch immer die blutrünstigen Hunde vor den Toren, hinter den Mauern – überall dort, wo man sie nicht erwartet, wenn man denkt: „Ich hab’s geschafft!“.

 

Kann ein Ausbruch aus unserem gedanklichen Gefängnis gelingen?

Liebe zur Natur Liebe zum Meer Doch wie die Geschichte der Welt uns zeigt, schafften es so manche Häftlinge aus den „sichersten“ Gefängnissen der Welt. Sie beobachteten die Vorgänge, Zeiten, Reaktionen, Insassen, Wärter, Konstruktionen der Zellen und des Gebäudes an sich, wogen ihre Möglichkeiten ab, entschieden sich für einen Fluchtweg und planten minutiös ihre Schritte. Andere wiederum warteten geduldig, zeigten sich reuig und wurden schlussendlich begnadigt. Wiederum andere hielten bis zum Tag ihrer Entlassung durch.

Was wir nicht erkennen, ist, dass wir nicht nur unser Gefängnis selbst erbaut haben. Wir sind auch der Chef aller Wärter, Wachmänner und Ingenieure, bezahlen die Putzkräfte, die die Flure reinigen und füttern die Hunde vor den Toren unserer Freiheit.

Und trotzdem glauben wir, wir wären gefangen und hätten kein Mitspracherecht. Dabei sitzen wir ganz freiwillig ein. Stell dir das vor: Du hast extra Menschen beauftragt, dich festzuhalten und vom Leben abzuhalten. Du bezahlst sie mit deiner Seele und deinen Gedanken, briefst sie monatlich, wie sie im Falle von X und Y reagieren sollen. Sie behandeln dich so, weil du es ihnen so als Anweisung aufgetragen hast. Wir arbeiten mit unseren Angestellten Angst, Zorn, Neid, Eifersucht, Perfektionismus, Gier, Trauer, Schuld und Scham schon so viele Jahre. Sie mögen ihren Job. Sie machen ihn saugut und vor allem fühlen sie sich unwohl mit der Aussicht auf Arbeitslosigkeit. Aber: Wir brauchen die Angestellten unseres Lebens nicht fragen, ob sie uns bitte begnadigen, befreien oder freiwillig fliehen lassen. Sie würden es ohnehin verneinen.

 

Verbinde dich mit deiner ureigenen, freien, selbstbestimmten Energie

Ausbruch aus Gefängnis namens Angst Eifersucht Gier Geld Macht Trauer Schuld SchamViele wissen nicht (und mir ging es genauso), wo sie anfangen sollen. Der Ausbruch scheint zu überwältigend. Wie viel man zurücklassen muss, wen man alles verletzen würde und wie sehr man selbst verletzt würde…all die Jahre, die vielleicht auch Gutes brachten, das Geld, was investiert wurde, die viele Mühe, die man sich gab, damit es funktioniert. Zweifel sind – wie bei wahrhaft Inhaftierten auch – normal. Natürlich lohnt es sich, alle Ecke gedanklich abzutasten. Der Trick besteht darin, sich klarzukommen, dass es Gefühle sind, die uns einsitzen lassen. Es ist kein Mensch, kein Kind, kein Familienangehöriger, kein Geld oder sonstiges. Es gibt für alles eine Lösung – und für vieles auch Ersatz. Ein Job kann durch einen anderen ersetzt werden, wie auch eine Wohnung oder ein Haus, einen Monat Öffentliche statt dem Auto usw. Wir brauchen keine Angst vor anfänglichen Zweifeln haben, weil schon ein Schritt uns genügen wird. Selbst wenn Angst diesen Schritt begleitet, so können wir jederzeit bewusst und konsequent Lösungen suchen. Die Lösung ist aber nie, alles zu belassen, wie es ist oder in einer Situation zu bleiben, aus der wir dringend herauswollen.

Die Lösung ist vielmehr: Frage niemanden um Erlaubnis. Fälle deine Entscheidung und teile sie mit. Sozusagen: Entlasse alle Angestellten (deine Gefühle). Löse alle Verträge auf (alte Versprechen oder Seelenverträge). Sichere die Daten (Merke dir, was du gelernt hast und vor allem, wann Gefühle wie Angst usw. zuschlagen). Gib den Abriss des Gebäudes in Auftrag (Gehe trotzdem in deine gewünschte Richtung.). Öffne deine Zelle, geh den Gang hinaus auf den Rasen, auf das Tor zu, öffne sie und streichele die Hunde (Mache eine Schritt nach dem nächsten.). Du weißt genau, wie. Immerhin hast du sie dressiert. Erinnere dich daran. Wähle deine Stärken für deine Entscheidung und ihre Umsetzung, statt Zweifel, Ängste usw.

 

Wie ich ausbrach

Ich handelte in Gegensätzen: Ich tat das Gegenteil von dem, was mich in mein Gefängnis der Angst geführt hatte (viel drinnen, schweigen, denken, “müssen”, wenig zurückerhalten). Wollte ich dringend geliebt werden, ließ ich das Gefühl des Nichtgeliebtwerdens zu. Ich setzte mich damit auseinander. Fühlte ich den Drang nach finanzieller Sicherheit, konfrontierte ich mich mit meiner Angst, unsicher und von einem Tag auf den nächsten zu leben – ohne zu wissen, was kommen würde. Ich hörte auf, Pläne zu schmieden. Als ich Haltlosigkeit spürte, suchte ich bewusst jene Energie, die die Spiri-Szene das Sein nennt: nichts wollen, weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft leben. Ich lernte das Sein im Hier und Jetzt. Wollte ich dringend meine Angst unterdrücken, ließ ich sie zu. Hatte ich Bange vor dem Außen, ging ich nach außen und teilte dort mein Inneres – wie auch Pema Chödrön es in ihrem Buch sagt: “Geh an die Orte, die du fürchtest“.

Und so ging ich einfach. Es ist unser Gefängnis. Wir entscheiden, dass wir dort einsitzen, was uns dort erwartet, wie lange wir dort verbleiben und ob wir uns selbst aus der Haft entlassen.

Alles Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Außergewöhnliche Beziehungen, Liebe und Verbundenheit

Außergewöhnliche Beziehungen, Liebe und Verbundenheit

 

Mein neues Lieblingswort ist Verbundenheit. Ich entdeckte sie in den Augen von sich fremden Menschen, die sich dennoch liebevoll helfen, beim Großlieferanten, der dem Kindergarten nebenan die tägliche Milchladung bringt und sogar zwischen Tieren, die sich auf der Straße begegnen. Was aussieht wie Hilfsbereitschaft, Zufall oder Berufung ist für mich in Wahrheit Liebe, die sich so sieht, wie man ist. Dabei tendieren Menschen dazu, Liebe ganz unterschiedlich zu definieren: Manchmal verbinden sie sie mit Kindern, der Familie, dem Beruf. Aber am häufigsten meinen wir, unseren Partner/unsere Partnerin am meisten zu lieben. Dass wir einen Partner “bräuchten”, um uns geliebt zu fühlen. Hat man keinen, fühlen sich viele irrtümlicherweise nicht liebenswert. Je weniger wir uns verbunden fühlen, desto stärker wird das Gefühl des Getrenntseins – von der Welt, den Menschen und sich selbst. Verbundenheit ist der Kleber, um Liebe spüren zu können. Fühlen wir uns mit etwas/jemandem verbunden, fühlen wir uns geliebt und geborgen, gehalten und angekommen. Deshalb wohl suchen so viele nach einem Partner.

Ich möchte dich einladen, weitere neun außergewöhnliche Beziehungen, in denen du Liebe und Verbundenheit spüren kannst, kennenzulernen. Einige davon sind dir sicher vertraut. Wenn du dich allein fühlst, grabe in dir nach all den liebevollen und außergewöhnlichen Beziehungen, die du in deinem Leben hast/hattest. Öffne dein Herz für all die Liebe, die es in deinem Leben gibt. Manchmal wiegen Ereignisse und Umstände so stark, dass wir vergessen, wie viel Liebe tatsächlich in unserem Leben ist.

 

Was ist Liebe eigentlich?

Liebe bekommen wir nicht. Liebe verdienen wir uns nicht. Liebe fühlen wir.

intuition intuitive menschenWir glauben misslicherweise, dass Liebe und außergewöhnlichen Beziehungen aus dem Prinzip des Gebens & Nehmens bestünden. Aber wie oft erleben wir Beziehungen, in denen die Liebe einseitig ist oder wir nicht zurückerhalten, was wir investieren. Doch selbst die unerwiderte Liebe bezeichnen wir als Liebe. Dieses Gefühl, das dennoch bleibt, auch wenn uns der Andere nicht so zurück liebt, wie wir es uns wünschen: grundlose Verbundenheit.

In Liebe verbunden zu sein, bedeutet für mich, sich gehört, gesehen und angenommen zu fühlen, so wie man wirklich ist, gepaart mit Dankbarkeit und dem Bedürfnis, aus dieser Liebe heraus mit dem Anderen auf eine emotionale Ebene zu gehen – um sich zu erfahren und das gemeinsame Gefühl zu bewahren. Sich getrennt zu fühlen hingegen ist schmerzhaft. Doch das bedeutet bedingungslos: auch ohne, dass man eine Partnerschaft eingeht. Auch im Tode oder wenn man nicht mehr befreundet, angestellt oder an einem Ort zusammen ist.

Einige verwechseln Liebe aus Gründen der Erziehung oder Erfahrung deshalb mit Nicht-Alleinsein, einem Zuhause, Geborgenheit oder Sicherheit. Doch in Wahrheit ist Liebe die Akzeptanz des Anderen: in allen Umständen.

 

Angst & die Formen von Liebe

Selbst in Zeiten der Ablehnung. Liebe ist damit nicht zwangsweise nur schön. Sie kann bittere und schmerzhafte Lektionen bereithalten. In meinem Post über die Lebenslektionen meiner letzten Jahre hatte ich erwähnt, dass uns jeder Mensch ein Geschenk macht. Ob wir es annehmen oder aus Trotz ablehnen, entscheiden wir. Damit gewinnt selbst eine Liebe, die grausam ist, statt schön, ihren Sinn.

Ich erinnere mich an meine Panikzeit 2013: Es gab es Menschen, die mir mehr Leid zufügten, als ich vertragen konnte. Ich konnte mich nicht zur Wehr setzen. Aber im Endeffekt ergab alles einen Sinn. Es dauerte einige Zeit, bis ich verstand, dass auch wir verbunden waren: nicht im Schönen, aber in dem, was wir uns wünschten – in unserem Mangel. Nicht im Guten, aber in dem, was wir glaubten, nicht zu haben und im Trotz und Frust darüber. Wir waren verbunden in Angst, Trauer, Kampf und dem Gefühl, keine Liebe zu bekommen, sie uns verdienen zu müssen. Gleichfalls kam das Bedürfnis hinzu, gegen die vermeintlich “Bevorteilten” angehen zu müssen, um mehr vom Kuchen abzukriegen. Es war Neid, Eifersucht, Antipathie und vieles mehr. Aber vor allem war es Verbundenheit.

Und es gab exakt zwei Freunde und meinen damaligen Chef, die mir die Tage retteten. Ich verdanke diesen drei Menschen so viel, dass es auf kein Blatt Papier passt. Auch wenn es natürlich Aufs und Abs gab, währenddessen und danach, habe ich nie vergessen, welchen Dienst sie mir leisteten und ich werde es auch nicht bis zum Ende meines Lebens. So ist jede Form der Liebe sinnvoll und natürlich, selbst, wenn wir sie im Moment des Geschehens als Nicht-Liebe interpretieren würden. Der wahre Kern in einer Beziehung muss manchmal bewusst gesucht werden.

Nicht nur in romantischen Partnerschaften.

 

Die Liebe zur Natur

Liebe zur Natur Liebe zum MeerBei mir ist es das Meer…das Meer…und Wälder. Urlaub ohne das Meer ist nur unvorstellbar und ein reiner Städtetrip fühlt sich an wie Verrat an meiner Seele. Wenn ich nicht mindestens dreimal die Woche in der Natur spazieren gehe, platzen meine Gedanken aus allen Nähten.

Ich habe die Natur als einen Ort kennengelernt, an den ich nicht nur meine Sorgen lassen kann, sondern auch meine Ideen entwickeln darf. Nicht nur hilft Bewegung in der Natur dem Gehirn; die Natur ist auch entspannend für den Körper und die Seele. Sie reinigt dich und ist damit ein Ort, an dem du deine Energie wiederaufladen kannst. Ein Ort, an dem Angst und Stress keinen Platz finden.

 

Tierliebe

Tierliebe die Liebe zwischen Mensch und TierVor einigen Jahren meinte ich zu einer Freundin, dass ich Tiere manchmal mehr mögen würde als Menschen. Sie war entsetzt. Als ich mich im Sommer 2017 wieder traute, das auszusprechen, wurde ich überrascht. Die Person setzte nämlich noch eines drauf: “Nicht nur manchmal!” sagte er.

Einige Menschen können das nachvollziehen, andere nicht. Wie stark die Gefühle für ein Tier sein können, diese so unterschiedliche und doch bedingungslose Liebe, wissen nur Menschen, die sie erfahren durften. Sie nehmen Menschen nicht wichtiger als Tiere.

Konditionierung und Abhängigkeit hin oder her: Wer mit Tieren aufwuchs und sie auch später noch in seinem Leben begleiten darf, der ist wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge körperlich und psychisch gesünder. Tier und Mensch tun sich einfach gut – gegenseitig. Allein die Wirkung auf das Immun- und Herz-Kreislauf-System sowie auf die Stresshormone lassen uns sanfter zu sein. Als würden uns Tiere mit ihrer Liebe nicht nur Liebe schenken, sondern auch Erdung und Achtsamkeit fördern.

 

Seelenverwandtschaft

Seelenverwandschaft liebeSeelenverwandtschaft verwechseln wir oft mit Partnern. Aber auch Menschen, die man im Beruf kennenlernt, Freunde oder Tiere können sich wie verwandte Seelen anfühlen. Man versteht sich ohne Worte, zwischen den Zeilen, kein Wort braucht es, um zu wissen, wie sich der Gegenüber fühlt oder was er denkt. Man sieht es an seinen Augen, hört die kleinsten Unterschiede im Tonfall und allein ein anderer Satzbau als gewöhnlich, würde einem zeigen, dass es demjenigen nicht gut ginge.

Herzen können selbst dann füreinander schlagen, wenn sie kilometerweit entfernt sind. Keine Distanz oder Hürde, noch so groß, kann “seelenverwandte” Liebe unterbrechen, minimieren oder zerstören. Gleich, wie man es nennen mag: Seelenverwandte, Zwillingsflammen oder Seelenpartner. Und natürlich, weil man sich begleitet, stoßen sie einen an die eigenen Grenzen, helfen einem zu wachsen und fördern unser Wohl – selbst, wenn wir es in dem Moment nicht verstehen. Für unseren Charakter sind sie die, die jene Türen öffnen, die geöffnet werden müssen, damit wir zu dem werden, was wir sein sollen und in diesem Leben verdienen.

 

Liebe zu Objekten

liebe zu büchern liebe zu objektenBei mir sind es Bücher. Es geht nicht ohne. Völlig unvorstellbar. Ich liebe auch die englische Sprache, Wärme, Wasser, das Summen meiner Schreibtischlampe, koffeinfreien Kaffee, Frischluft, Backfisch und fünf Millionen weiterer “Dinge”. Sie geben mir das Gefühl, frei zu sein und mich erfüllt und wertvoll zu fühlen. Dabei “geben” sie mir eigentlich gar nichts. Sie leben ja nicht einmal. Aber bei der Liebe suchen wir eigentlich nur nach einem bestimmten Gefühl: Befreiung.

Auch “Dinge” befreien uns; sie sind nicht tot. Besonders Empathen werden wissen, was ich meine. Wir haben alle etwas in unserem Leben, ohne das es nicht geht.

 

Die Liebe zu einem Partner/einer Partnerin

liebe zu partner partnerinAuch wenn heute viele Beziehungen nicht mehr bis ans Lebensende halten, so begleiten sie uns doch mit all ihren Lehren über die Jahre hinweg. Jede Beziehung bringt etwas Wunderschönes und Unvergleichbares mit sich.

Letztes Wochenende musste ich mich dabei ertappen, wie ich genau das in einer Diskussion vergaß: wie wichtig eine Partnerschaft und die Liebe eines Menschen sind – egal, wie frisch, und egal, mit welchen Hürden sie daherkommt. Jemanden sein Zuhause zu nennen und zu wissen, wie dankbar es ist, dass es diesen Menschen gibt – gleich, wie schwer das Leben gerade sein mag. Diese dankbare und erfüllende Liebe hat die Kraft, jede noch so große Herausforderung im Leben zu meistern, weil man weiß, dass man sich stets an seinem Partner anlehnen kann. Und verliert man mal kurz sein Vertrauen, gibt es diesen einen Menschen, der einen daran erinnert.

 

Die Liebe zu einem Familienmitglied

Es gibt niemanden, den ich mehr vermisse, als meine Großmutter. Sie starb, als ich fünf Jahre alt war. Meine Mutter war damals 25, viel zu früh, um ihre Mutter zu verlieren. Unsere gesamte Familie, einschließlich all ihrer Freunde, vermisst sie bis heute so schmerzhaft, dass es jedem die Tränen in die Augen treibt. Sie war das Beste an allem, was geschah. Ein Geschenk, auch wenn sie Fehler machte, bei denen sie sich hauptsächlich selbst wehtat. Doch Familienmitglieder, die für dich ein so wichtiges Bindeglied zwischen dir und dem Rest der Welt sind, können falsch machen, was sie wollen: Nichts ändert ihre Bedeutung. Sie sind einzigartig und unersetzbar. Wenn sie fort sind, fehlen sie so sehr, als hätte einem jemand ein Stück deines Herzens wegoperiert. Es ist ein Schmerz, der nie versiegt.

Umso glücklicher für all die, die ihr Leben noch mit diesen Familienmitgliedern verbringen dürfen. Vergib ihnen ihre Fehler und genieße die Zeit. Manchmal ist sie schneller weg, als man gucken kann.

 

Die Liebe zwischen Mutter und Kind

mutter liebe kind vater kindNicht zu vergessen ist die Verbindung zwischen einer Mutter und ihrem Kind (oder Vater – Kind). Wenn ich mir vorstelle, wie oft ich über meine Mutter gemeckert habe, wegen ihres Starrsinns und ihrer “Art”. Ich habe zu oft verdrängt, was sie alles für mich aufgab: Sie stellte sich gegen den Willen eines Jeden in unserer Familie, isolierte mich von allen destruktiven Männern der Familie und knüppelte sich halb zu Tode, nur um uns zu finanzieren.

Auch wenn all das seine Schattenseiten hatte: Es war nie umsonst. Ich habe damals in meiner Therapie lernen müssen, wie sehr ich aus meiner vermeintlich schweren Kindheit profitiert habe. Bis heute. Selbstmanagement, Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl und Rücksicht…und das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung. Auch wenn ich sie lange nicht zu nutzen wusste. Selbst, wenn wir unseren Eltern oft das Falsche, was sie taten, vorwerfen: Darin liegen Geschenke, die man auspacken darf. Sogar vermeintlich negative können sich mit einer neuen Wahrnehmung zu einem Lebensgeschenk entwickeln.

 

Die Liebe zu einer Stadt oder einem besonderen Ort

liebe zu einem ort einer stadtSommer 2006: Melbourne, Sydney. Ich habe mich nirgends wohler gefühlt als dort. Paradox, denn es waren die schlimmsten vier Monate meines bisherigen Lebens. Ich war unendlich einsam dort am Ende der Welt, auch wenn einige der Menschen, die ich kennenlernte, ganz wunderbar waren. Dennoch gab mir Australien einen Halt, den ich so noch nirgends – weder in meiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern noch meinem Wahlwohnort Berlin, gefühlt habe.

Ich traue mich nicht einmal, weil es sich nicht stimmig anfühlt, nach Hamburg zu ziehen. Aber nach Australien würde ich jederzeit ziehen. Manche Orte erwischen einen einfach mitten im Herzen: Egal, ob es dein See oder ein Café ist, eine Stadt oder ein Museum: Das Gefühl, das der Ort dir schenkt, ist wie eine warme Badewanne, wenn draußen Minusgrade herrschen. Einfach immer genau das Richtige.

 

Die Liebe zu einer Tätigkeit

liebe zu tätigkeit aktivität hobby leidenschaftSo, wie es mir mit dem Schreiben geht, geht es vielen mit Gärtnern, Musik, Instrumenten, Malen, Singen, Töpfern, Lesen, Sport oder anderen Leidenschaften. Eine Sache in seinem Leben zu haben, die einen über alles hinweg trägt, besonders über die Leere, ist nicht nur psychisch förderlich, sondern unterstützt dich auch in deiner seelischen Widerstandskraft. Es ist Selbstausdruck und Selbstfindung, Würdigung deiner Interessen und damit deines Herzens (oder deiner Seele). Es hat die Macht, dich aus dem schlimmsten Schlamassel herauszuholen, mit der Gabe, dich in neue Welten zu entführen – dort, wo alles in Ordnung ist, wo du deinen Platz hast, wo du du selbst sein kannst.

Wer so eine Sache noch nicht hat, sollte beginnen, sie zu suchen. Das sei dir wert!

 

Die Liebe zu uns selbst

liebe zu uns selbst selbstliebe liebe bekommen wir nicht liebe fühlen wirUnd schlussendlich vergessen wir nicht uns selbst: Die Liebe, die wir zu uns haben, ist nicht nur die größte und wichtigste. Sie ist das Eine, was dich durch das Leben trägt, in die richtige Richtung schiebt und notfalls auch mit Ach und Krach lahmlegt, wenn deine Entscheidungen nicht deinem Herzensweg entsprechen.

Jeder Stress und jede Angst, Krankheit, Panik und Depression zeigt uns das: dass wir von unserem Herzensweg abgekommen sind. Es gibt diesen unkaputtbaren Kern in uns, der uns stets vor allem rettet. Er wird nie zulassen, dass wir uns verraten. Und tun wir es doch entgegen seinem Willen, dann rächt sich das oft bitter. Umso wichtiger ist es, diesen Kern, diese Liebe zu dir selbst, zu ehren und täglich zu vertiefen. So verbindest du dich nicht nur mit deiner Intuition, die dir deinen Herzensweg zeigt, sondern auch mit deiner Lebensaufgabe – vor der du ohnehin nicht weglaufen kannst.

Liebe dich: mit allen Dellen, Fettpolstern, Falten, Geheimratsecken und Pickeln. Mit allen Entwicklungspotenzialen (aka Schwächen), Blockaden, eingeredeten Fehlern und Unfähigkeiten. Was wirklich zählt, ist das, was du über dich denkst. Das steuert dich auf deinem Weg. Also denke positiv über dich und erlaube dir, an einen glücklichen Ausgang in all deinen Anliegen zu glauben. Auch, wenn dich jemand vermeintlich verletzen will.

 

Wie wir Liebe lernen können – auch bei Menschen, die schlecht zu uns sind

Ich kann deshalb nur jedem raten, der sich ungeliebt oder falsch behandelt fühlt, diesen EINEN Kern und zusätzlich den gemeinsamen Kern zu suchen. Damit wieder Verbundenheit entstehen kann. Schon DEIN Kern lässt dich Halt spüren. Solltest du dennoch wegen anderen hadern und verletzt sein, findest du den gemeinsamen Kern z. B. mit diesen Fragen heraus:

  • Was möchte dir derjenige zeigen?
  • Was will er dir als Geschenk machen?
  • Was darfst du von ihm lernen?
  • Wo geht es demjenigen genauso wie dir?
  • In welchem gemeinsamen Gefühl spürt du eine Verbundenheit?

Wenn man das Gefühl und die Quelle der Verbundenheit bewusst sucht, findet man sie auch. Dann ist Liebe, die nicht direkt von einem anderen zu dir gegeben wird, ebenso Liebe und nährend. Denn sie ermöglicht dir das Gefühl tiefer Selbsterfahrung, die man nicht nur bei Partnern findet. Sondern überall dort, wo du nach ihr suchst.

Ganz viel Liebe und noch mehr Grüße,
Janett

Janett Menzel Angst Blog