Brief an mein inneres Kind oder Eine Erinnerung an dich, falls du vergessen hast, wer du bist

Brief an mein inneres Kind oder Eine Erinnerung an dich, falls du vergessen hast, wer du bist

Was uns im erwachsenen Leben an Schwierigkeiten und Herausforderungen begegnet – emotional und psychisch – findet seinen Ursprung zu oft in der Kindheit. Dort haben wir gelernt, wie Leben vermeintlich geht, wofür wir hier sind und wie unsere Rollen aussehen, was wir sollen und was nicht, wie die Welt tickt und wie wir Teil davon werden (oder bleiben). Nur selten aber decken sich diese Lernerfahrungen mit dem, was wir sein wollen und können. Denn unsere Kindheit ist auch gesät mit Verletzungen, vorrangig die unserer Eltern und Großeltern, die an uns weitergegeben wurden. Wir konnten sie als Kind nicht prüfen, aber im erwachsenen Leben können wir es sehr wohl – mithilfe unseres inneren Kindes. Ist unser inneres Kind verletzt, sorgt es für destruktive Beziehungen und Missstände, die wir vermeintlich nicht loslassen können, wenn wir älter sind. Hier helfen Erinnerungen an unser wahres Selbst, nachdem wir Missliches, was unser inneres Kind glaubt, aufdecken und ausgleichen. Briefe sind ein hervorragendes Instrument, um seinem inneren Kind zu begegnen: Es ist ein bewährtes Mittel der Schreibtherapie, seinem inneren Mädchen/Jungen einen Brief aus der Sicht des Erwachsenen zu schreiben – um ihm den Weg zu weisen, zu korrigieren, zu bestärken und schlussendlich zu heilen.

Hier ist – als Anregung oder Vorlage – mein Brief. Es ist der Zweite. (Den Link zum Ersten findest du am Ende dieses Briefes.)

Brief an dein/mein/unser inneres Kind

inneres kind
Briefe als Instrument, um seinem inneren Kind zu begegnen und es zu heilen: ein bewährtes Mittel der Schreibtherapie

Liebling,

ich habe einige Bitten an dich.

Du darfst immer traurig sein, wenn dir etwas Schlimmes widerfahren ist, aber erinnere dich daran, dass jedes Gefühl – Traurigkeit, Schuld, Scham, Angst, Ekel usw. – eine Entscheidung ist. Du entscheidest, ob du ihm Raum gibst oder nicht. Du entscheidest, ob du dich fürchtest oder nicht. Du weißt, dass du deine Gefühle steuern kannst. Dein Denken ist ein mächtiges Instrument und Gefühle sind deine Freunde. Sie kommen aus der Kindheit und zeigen dir, was du gelernt hast. Was du aber früher gelernt hast, kann heute schon hinfällig sein und morgen schädlich. Viel wichtiger: Was du gelernt hast, kannst du jederzeit wieder verlernen.

Bitte erinnere dich, wie alt du bist, was du bereits in deinem Leben gemeistert hast, worauf du stolz sein kannst und welche Fähigkeiten dich besonders machen. Solltest du auch nichts von dem, was dich ausmacht, nutzen – weder für dich noch für die Welt: Es ist nie zu spät, dein Leben zu verändern. Nimm dir ruhig die Zeit, die du brauchst.

Trennungen aller Art wiegen schwer für jeden Menschen. Du bist nicht allein damit. Wenn dich jemand verlässt, sei traurig, weil es schmerzt, aber erinnere dich daran, dass du ebenso dankbar sein könntest, einen Menschen weniger in deinem Leben zu haben, der nicht zu dir gehören will. Gib das Kämpfen auf. Es geht darum, jene zu finden, die bei dir sein wollen, weil sie zu dir passen und du zu ihnen.

Deshalb: Wenn dich jemand verletzt, prüfe sorgfältig, ob es dein Ego ist, das weint, oder dein Herz. Dein Kopf und Herz sind mit Grund voneinander entfernt. Beide haben ihre Aufgaben, aber nicht immer haben beide recht. Es kann so aussehen, als würdest du bitter leiden, während es nur eine Kränkung deines Egos ist. Es kann sein, dass du meinst, etwas würde dir nichts anhaben, dir nichts ausmachen, während dein Herz leise bricht. Kenne den Unterschied. Kenne dich.

Wenn du abgelehnt wirst – und das wird nicht selten geschehen – bleib dennoch positiv und dankbar. Vertraue den Menschen in ihren Ansichten über dich und sich und euer beider Wohl. Wenn sie dich nicht wollen, so ist es ihre Entscheidung. Respektiere sie. Sie ist richtig, weil sie sich richtig für denjenigen anfühlt. Selbst wenn sie sich für dich falsch anfühlt, so könnte sie doch richtig für dich sein. Manchmal wollen wir erst recht das, was wir nicht haben können. Und viel zu oft wünschen wir uns, was uns nicht guttäte. Es nützt dir wenig, dich täglich für einen Hauch gelogene Sympathie aufopfern und zermürben zu müssen. Es ist ein täglicher Kampf, der dich zeichnen wird. Du kannst ihn jetzt aufgeben und doch dankbar sein für die schönen Zeiten und nützlichen Lehren.

inneres kind brief

Lerne ebenso, Menschen zu verlassen oder dich aus destruktiven Situationen zu schälen, ganz egal, wie sehr es jemandem wehtun würde. Dein Leben ist dafür da, gelebt zu werden, in maximaler Freude und mit bestem Gewissen und Wissen. Es ist nicht Pflicht des Lebens, unnötig zu leiden, wenn du dieses Leid vermeiden könntest. Es ist eine Erlaubnis, zu gehen, wann immer du in einer Verbindung keinen gegenseitigen, erfüllten und liebevollen Nutzen erkennen kannst.

Der Tod wird früh genug kommen. Verlust ist unvermeidbar. Sei deshalb Zeit deines Lebens gut zu dir, deinem Körper, deiner Seele und anderen Menschen. Töte weder dich noch andere im Kleinen wie mit Worten, Rache oder Vermeidung, Schweigen, Distanz, Reaktivität oder Angst, Verachtung oder Aufopferung. Alleinsein will gelernt sein und Konflikte gemeistert. Du bist genauso wichtig wie andere. Andere sind genauso wichtig wie du. Wer dir hier widerspricht, gehört nicht in dein Leben.

Jeder Mensch, der dich verletzt, ist dennoch ein wertvoller Lehrer für dich. Hasse ihn nicht. Was dich verletzt, sagt etwas über deine Verletzungen, die, die du so sehr zu lindern versuchst – oder gekonnt verdrängst. Sei nicht tätig, Verletzungen zu vermeiden, die Kontrolle zu behalten oder das Leben gar zu manipulieren. Das alles sind bloße Gedanken, die aus alten Wunden entspringen. Doch alt ist, was alt ist. Jetzt ist jetzt. Je häufiger du mit dem Schlimmen in Kontakt kommst, desto eher wirst du lernen, ruhig zu bleiben, dir und deinem Leben zu vertrauen und so deine Ängste überwinden.

Ängste sind okay, weißt du? Wir alle haben welche. Sie sind da, um dir etwas zu zeigen:

1.) Was du glaubst, nicht zu dürfen oder nicht zu sollen?
2.) Wo es hakt, wo du eingreifen musst, wo es eine Korrektur geben muss?
3.) Was erlaubt dir deine Angst, nicht tun zu müssen?

Ängste sind nicht da, um dich zu quälen. Sie sind nicht da, um dich deines Glücks zu berauben oder zu benachteiligen. Sie sind da, um verstanden und akzeptiert zu werden. Je schneller du deine Ängste kennenlernst, desto näher rückst du an dich selbst heran.

Seien die Verletzungen von Menschen noch so eindeutig: Bleib ruhig und atme. Besinne dich auf ihre Lektionen. Was sie können, kannst auch du. Manchmal lernt es sich am besten von seinem vermeintlich größten Feind, zum Beispiel, wie du nicht bist oder nicht sein willst, wo du nicht hingehörst oder nicht hingehören willst. Es gibt Menschen, die ein Leben lang nach den Antworten auf diese Fragen suchen. Nimm die Gelegenheiten, wie sie kommen, und packe ihre Lektionen am Schopfe. Das erspart dir wertvolle Zeit.

Wer versucht, deine Schwachstellen zu finden, um sie gegen dich auszuspielen, hat ebenso Schwachstellen, die er zu verstecken versucht. Hinter jeder Schwäche steckt eine Stärke, so wie hinter jeder Stärke eine Schwäche steckt. Es ist die Balance, die zählt.

nicht wissen wohin mit meinem leben

Mitunter sind Angriffe anderer auf dich nicht mehr als der Spiegel ihrer Angst. Finde heraus, was sich dahinter verbirgt, dann übe dich in Verständnis und Vergebung. Doch du bist ein Mensch, keine Fußmatte. Erinnere dich daran und wenn nötig, auch die anderen, die diese Erinnerung brauchen. Mitunter werden/wurden sie selbst so behandelt und kennen keine anderen, gesunden Wege. Man könnte auch sagen: Sprich die Sprache deines Gegenübers. Sei sanft zu dir und denen, die Sanftheit verstehen. Sei bereit, sanft hart zu jenen zu sein, die nichts als Härte üben, indem du ihnen deinen Grenzen aufzeigst. Die größten Verletzungen, Missverständnisse und Kommunikationsfallen entstammen dem Schweigen, der Unkenntnis und Uneinsichtigkeit.

So bleibe offen Menschen gegenüber, die Charaktereigenschaften haben, die dir fremd sind. Sie wuchsen anders auf als du. Aber sie sind Menschen, so, wie du. Was kannst du von ihnen lernen? Was können sie, was du nicht kannst? Was kannst du ihnen beibringen? Was kannst du, was sie nicht können? Welches gemeinsame Ziel habt ihr? Welche Handlungen würden es euch erleichtern, euer Ziel zu erreichen?

Fehler zu machen, heißt nicht, ein Fehler zu sein. Selbst die härteste Kritik ist nichts weiter als Feedback. Bleib ruhig und frage stattdessen, was du neben dem Fehler gut gemacht hast. Das lenkt aller Aufmerksamkeit ab – besonders deine.

Du wirst dein Leben lang lernen und an dir arbeiten dürfen. Nenne es Persönlichkeitsentwicklung oder Potenzialentfaltung. Niemand kommt perfekt auf diese Welt. Du bist kein Fertigprodukt, sondern durchläufst deine eigene Evolution in deinem eigenen Tempo. Keinen einzigen Tag bist du auf dieser Welt, um zu sein, wie es andere von dir erwarten. Es ist das Miteinander, das zählt, das gegenseitige Füreinander. Und das beginnt mit der Fürsorge für dich selbst.

Es gibt Menschen, die das nicht akzeptieren. Übe dich in Konfrontation. Es hat noch niemandem geschadet, für sich einzustehen. Es stärkt dein Bewusstsein für das, was du brauchst: dich und wer du bist, wer du sein willst. Dein Potenzial ist seit Geburt her in dir angelegt.

Vielleicht werden Zeiten kommen, in denen du nicht weißt, wie es weitergehen soll, in denen dir alles sinnlos erscheint und leer. Fehlt dir ein Sinn, fehlt dir in Wahrheit ein Ziel. Es muss dein Ziel sein, erreicht mit deinen Mitteln, minus dem, was andere wollen. Nur so steht unter dem Strich ein Ergebnis, das dir gefallen wird. So überstehst du alle Hindernisse und Zweifel.

Du hast immer das Recht, jemanden nicht zu mögen, so wie jeder andere das Recht hat, dich nicht zu mögen. Dich zu mögen, ist das oberste Ziel – für dich. Du wirst es nicht erreichen, wenn du dir nur dann gefällst, wenn du anderen gefällst, du dich nur dann magst, wenn andere dich mögen.

Prüfe deshalb deine eigenen Gedanken und Ansichten über die Welt. Nicht jeder deiner Gedanken ist wahr, so, wie alle, die von außen kommen, sowohl richtig als auch falsch sein können. Erinnere dich daran, dass jeder seine Einstellungen braucht. Sie geben Halt und versprechen Ordnung. Je flexibler du bleibst und je weniger Glauben du dem schenkst, was du denkst, desto eher wirst du zu dem, was du sein kannst: dein größtmögliches Ich.

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Denn du wirst niemals besser sein, als das, was du von dir glaubst. Glaube daran, dass alles möglich ist und alles kann möglich werden. Beschränke dich nicht selbst, nur weil dir deine Gedanken dazu raten.

Hinterlasse der Welt etwas, was dir am Herzen liegt. Teile. Gebe. Inspiriere. Sprich über deine Niederlagen. Zeige, wie du sie überwunden hast. Liebe. Verletzlichkeit ist Teil des menschlichen Seins. Niemand kommt um sie herum. Sie zu leugnen, ist eine der größten Lügen.

Deshalb bewerte Menschen nicht auf den ersten Blick. Du kannst niemals wissen, was jemand gerade durchmacht, welche Kämpfe er auszustehen hat, welche Ängste. So mancher lächelt und sagt, alles wäre wunderbar, während er in Wahrheit verzweifelt. Wir haben alle unsere Sorgen, aber nicht jeder zeigt sie.

Schlussendlich ist hier meine letzte Bitte: Bevor du fällst, falle lieber auf! Auch sein Leben nicht in die Hand zu nehmen, ist eine aktive Entscheidung. Sie lautet: „Ich nehme mein Leben nicht in die Hand, sondern lasse es liegen und mache nichts damit.“ Suche dir Hilfe dafür, wenn du welche brauchst. Gehe einen ersten Schritt und probiere etwas Neues, wenn dich das Alte nicht mehr nährt. Aber handele. Sei dir hier am nächsten und kümmere dich gut um dich. Wenn du das tust, wird sich das Leben dankbar zeigen. Das ist ein Versprechen!

In Liebe,
dein erwachsenes Ich

© Janett Menzel

Zum Weiterlesen

“Über die Kunst, allein zu sein” (Janett Menzel, 2016)
“101 Wege aus der Angst” (Janett Menzel, 2018)
“Mein neues Leben ohne Angst” (Janett Menzel, 2020)
“Hör auf! Deine Angst” (Janett Menzel, 2018)

Hier geht’s zum ersten Brief an mein inneres Kind

Corona/COVID-19: Wie uns Krisen wie diese zu Wachstum und Veränderung zwingen

Corona/COVID-19: Wie uns Krisen wie diese zu Wachstum und Veränderung zwingen

Krisen wirken zuerst überwältigend und beängstigend: Sie brechen über unser gewohntes Leben hinein, reißen einmal alles auseinander oder bewirken, dass wir uns dem Wesentlichen zuwenden. Während einige in der Coronakrise die pure Dankbarkeit sind, weil ihr Leben relativ sicher und geordnet war, sind andere nun herausgefordert, ja gezwungen, sich anzupassen, zu wachsen oder gar zu verändern – inmitten von Ängsten, existenziellen Sorgen und privaten Herausforderungen. Der Virus, der unsere Welt lahmlegt, macht Angst, verstärkt bestehende Angstzustände und lässt neue entstehen. Unternehmen/Selbstständige müssen umdenken, Kündigungen und finanzielle Verluste bei Arbeitnehmern werden gefürchtet oder sind schon da, Einsamkeit ist so nah an uns dran wie noch nie zuvor, Beziehungen werden auf den Prüfstand gestellt oder infrage. Unsere Motivationen, die im erfüllten Zustand garantierten, dass wir uns wohlfühlen, fallen plötzlich weg. Unsere Selbstbestimmung und Unabhängigkeit wird vom Staat und seinem Rechtssystem aufs Äußerste minimiert. Doch jede Krise birgt eine Kraft. Sie zu finden und mit Ruhe und Bedacht zu bewältigen, uns dem Negativen und Schatten in unserem Leben zu stellen, ist zu Zeiten von COVID-19 so dringend wie nie.

Wozu uns die Coronakrise bislang gezwungen hat – Ein Rückblick

Corona und Zwänge, Fremdbestimmung, Verlust und Entbehrungen
Das Coronavirus stürzt viele in eine Krise: Was für einige Schutz bedeutet, ist für andere ein gravierender Einschnitt ins Leben. Wieso, findest du in diesem Abschnitt.

In der Coronakrise drohen uns nicht nur Bußgelder auch Strafanzeigen bis hin zu Haftstrafen, wenn wir Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren verletzen. Auch ein Kollaps unseres Systems (was wir brauchen, um uns verbunden statt getrennt zu fühlen) droht vielen – oder ist bereits eingetreten. Kontakt nur noch zu einem Freund, keine Hausbesuche, die Familie nicht sehen dürfen, keine Besuche von Verwandten in Pflegeheimen, Einreise- und Ausreiseverbote, der Druck nach einer Maskenpflicht, finanzielle Einbußen durch Kurzarbeit oder mangelnde Auftragslage, Angst vor Kündigungen, Arbeit im Home Office, viel Alleinsein oder gar keine Zeit mehr allein – weil der Partner und die Kinder rund um die Uhr zu Hause sind, sind die wesentlichen Maßnahmen. Wir kommen durch Corona alle an unsere Grenzen – wenn wir es nicht schon sind. Nur wenige genießen gerade die Entschleunigung und Ruhe, sind dankbar für die Sicherheit ihres Lebens oder freuen sich für die Natur und Umwelt durch die reduzierten Abgase. Die, die große Schwierigkeiten mit den Verboten und Zwängen haben, kommen zwar genauso bei sich selbst an wie die, die zur Ruhe kommen, nur können sie es sehr viel schwerer ertragen. Denn womit sie in sich und ihrem Leben konfrontiert werden, sehen sie nur ungern – während viele von ihnen die Veränderungen, die nötig wären, nicht umsetzen können.

Der Rest der Welt geht bis weit über die deutschen Maßnahmen hinaus, schließt Schulen bis zum Ende des Sommers – verbietet, was verboten werden kann, um COVID-19 einzudämmen. Darunter Panama, wo Frauen nur noch getrennt von Männern (und vice versa) rausgehen dürfen, oder die Philippinen, wo Präsident Rodrigo Duterte sogar das Erschießen all jener erlaubt hat, die sich gewalttätig wegen der Auflagen verhalten.)

Wieso uns Verbote und Zwänge so schwer zusetzen? Dass den politisch beschlossenen Maßnahmen teils so drastisch begegnet werden, liegt an der menschlichen Reaktion auf Fremdbestimmung, das legitime und in uns verankerte Bedürfnis nach Freiheit und Integration. Mal kurz ausgeschweift: Jeder unterliegt intrinsischen Motivationen, Antriebe, die uns das Leben sinnvoll, erfreulich, kontrollierbar und somit lebenswert machen. Fast alle sind nun wegen der Pandemie aufgerufen, diese unbeachtet zu lassen, besonders diese:

  • Motiv Macht (statt Entmächtigung und Ohnmacht im Angesicht der Konsequenzen und Fremdbestimmung)
  • Motiv Zugehörigkeit/Anschluss (stattdessen Trennung)
    • Motiv Beziehungen
    • Motiv Familie (Fürsorge statt Ausschluss von Kindern, die als Überträger gelten)
    • Motiv Eros (Sexualität)
  • Motiv sozialer Vergleich/Wettbewerb
  • Motiv Anerkennung (Aufmerksamkeit durch Leistungen, die nun vorwiegend entweder Stress bedeutet oder allein im Home Office geschieht)
  • Motiv Status (Sehnsucht nach Ansehen, bei Kontaktverboten schwer realisierbar)
  • Motiv Unabhängigkeit
  • Motiv Ordnung (Halt, Sicherheit aufgrund der unsicheren Zukunft gehen verloren)
  • Motiv körperliche Bewegung
  • Motiv emotionale Ruhe (Abwesenheit von Angst statt ANGST)

(Mehr dazu in meinem Buch “Mein neues Leben ohne Angst” – Trias Verlag, 2020)

Du siehst schon: Rein psychologisch hat die Coronakrise das Potenzial, eine Menge Verdrängtes und Unterdrücktes zutage zu fördern: Was wir nie sehen wollten, ignorieren und durch unsere Lebensmöglichkeiten und -stile akzeptieren konnten, ist plötzlich allgegenwärtig. Was bewirkte, uns zu verwirklichen oder zu spüren, ist plötzlich verboten. In einer solchen Krise wie der jetzigen ist es für alle schwer, ihre Motive zur Zufriedenheit umzusetzen. Wir reden hier nicht nur von ein wenig Einsamkeit. Jeder rutscht jetzt so dicht an alles, was er vorher durch sein Leben ausbalancieren konnte. Jeder muss jetzt schauen, wie er mit diesen Schatten zurechtkommt. Aber in der Krise liegt auch eine Kraft, die wir nutzen können. Am Beispiel der sozialen, logistischen und (Versand)Handelsberufe, die sich nun – verständlicherweise – noch ausgebeuteter fühlen, da sie meist gering entlohnt werden, hieße diese Kraft: Erstens, es tut sich was und der Staat realisiert, wie sehr sie wirklich gebraucht werden, auch wenn 1500 Euro Prämie oder der Aufruf zu höheren Löhnen für die Leistung ein Witz ist. Doch es geschieht etwas, was vorher nie geschehen wäre. Das ist die Kraft der Krise. Sie rüttelt Menschen wach – im Positiven und Negativen.

Corona und seine Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft

corona verändert unser leben
Die Coronakrise hat die Macht, uns zu zerlegen , aber auch so wieder zusammenzusetzen, dass wir endlich werden, wer wir sein sollen – nachdem sie auf alles Schlechte/Missliche aufmerksam gemacht hat.

Menschen, egal ob introvertiert oder extravertiert, jung oder alt, m/w/divers, alle Nationen und Kulturen werden nun auf sich zurückgeworfen.

Menschen, die bereits vorher einsam waren, fühlen sich noch einsamer, alte Menschen spüren die (bereits vorherige) Vernachlässigung durch ihre Familie besonders und die, die nun bereuen, ihre Eltern nicht öfter besucht zu haben, sehen sie nun gar nicht/kaum mehr, weil Pflegeheime (teils) Besuche untersagen/stark beschränken. Personen, die freiwillig nur wenige soziale Kontakte pflegten (oder sich isolierten), dürfen nun gar keine Kontakte mehr haben (außer der erlaubten einen Person/Haushaltsangehörige).

Paare hängen aufeinander und müssen ihre ständige Gegenwart ertragen, Beziehungen, die kriselten, aber dennoch aufrechterhalten wurden, kommen nun unweigerlich an ihre Grenzen, (freiwillige) Singles oder solche, die »nur was Lockeres« wollten, dürfen nun nicht einmal mehr Kontakt zu Freunden/Familie haben, genauso wenig wie Casual Sex mit Club- oder Tinder-Bekanntschaften. Sie wünschten nun, sie hätten einen Partner.

Kinder/Jugendliche würden wahrscheinlich ihre XBoxen und Taschengelder hergeben, um wieder zur Schule zu dürfen. Eltern, die ihre Kinder bisher lieber vernachlässigt haben, kommen nun nicht umher, sich um sie zu kümmern bzw. Zeit mit ihnen zu verbringen.

Hochempathen, die Schwierigkeiten mit dem Spüren der Gefühle anderer hatten, spüren sie nun erst recht, hochsensible Menschen ebenso. Von Frauen mit gewalttätigen Partnern und Kindern/Jugendlichen, die häuslicher Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind, ganz zu schweigen. Ähnlich auch Menschen, die Süchten erlegen sind oder schon im Vorfeld anfällig für Suchtverhalten waren: Viele trinken nun noch mehr oder greifen zur Flasche, um sich von der Langeweile und Angstzuständen abzulenken.

Schlechte Nahrung wegen erhöhter Nahrungsmittelpreise wird für Geringverdiener zu einem notgedrungenen Übel werden, unter der der Körper/Geist leiden wird. Obst und Gemüse zu kaufen, die wegen der geringeren Ernteerträge ebenso im Preis steigen werden, wird zur Überlegung oder Verzicht. Einzelne Arbeitgeber, Marktführer und Großhandelsketten, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln/bezahlen, bekommen Contra von Staat und Gesellschaft, durch Streiks bis hin zu Ängsten wegen unausweichlichen wirtschaftlichen Schäden oder lediglich gehörigen Einbußen. Ihnen wird der Missbrauch ihrer Macht immer mehr entzogen, weil nun jeder Einzelne auf sie blickt und sie bewertet. (Beispiel Adidas) Zum ersten Mal spüren sie, wie abhängig sie vom Gutdünken der anderen sind – dass sie eben nicht alles dürfen, nur weil sie es können. Nur die Natur und somit die Umwelt darf sich ein wenig Luft holen.

Wir werden jetzt auf das gestoßen, was wir WIRKLICH brauchen (nicht das, was unser Ego vermeintlich braucht). Es hat den Charakter einer globalen Konfrontationstherapie – denn jeder bekommt in der Krise plötzlich, was er verdient (Balance und Korrektur), wird zu Wachstum und Änderung gezwungen.

Universelle Aufforderung zum Wachstum, zur Einsicht und Veränderung

Coronakrise zeigt, wer wir sind
Die Coronakrise zeigt, wer wir sind, was uns guttut, schwerfällt und was dringend geändert werden darf.

Alles, was bisher versteckt, nie gesehen oder »irgendwie geht das schon«/notgedrungen/»so schlimm ist es nicht« akzeptabel erschien und schöngeredet worden ist, wird nun ins Licht gerissen. Man könnte auch sagen: Wir werden ohne Umschweife mit der Nase in die Schei*** gedrückt, sind gezwungen, uns den Dreck, den wir vorher »irgendwie« ausgehalten haben, anzusehen und endgültig einen neuen Weg des Umgangs damit zu finden. Auch und besonders in uns selbst. Denn auch WIR spitzen uns nun zu. In uns sinken die Toleranzgrenzen und Möglichkeiten zur Flucht vor dem Unausweichlichen in uns und unserem Leben:

Das Leben, das wir bislang gelebt haben, dramatisiert sich und findet seinen Höhepunkt in der Wucht des Schlechten, Ignorierten und Verdrängten, ruft zu Neubewertungen und Entscheidungen auf, zum Umdenken, Einkehren, Verändern und Loslassen. Es ist, als würde uns die Natur (oder wahlweise auch Universum, Gott, usw.) dazu drängen, uns alles anzusehen, uns in ihm zu suhlen, um ihn entweder mögen zu lernen oder einen Weg des Umgangs oder Fortgangs zu finden.

Das heißt auch: Je dichter unsere Emotionen werden, desto mehr fordert uns unser Körper/Geist/Herz dazu auf, gegen das tätig zu werden, was nicht länger (er)tragbar ist. Unser Körper/Geist kann dafür immense Kräfte freisetzen, von heftigen Angstzuständen, Wutausbrüchen bis hin zu schwerem Burnout, Panikattacken, Weinkrämpfen und Nervenzusammenbrüchen. Schlaflosigkeit, Verdauungsstörungen, latente Aggressionen oder Nervosität/Unruhe etc. sind nur die Boten der eigentlichen Nachricht, wie der Regen am dunklen Himmel kurz vorm nötigen Donnerwetter oder reinigendem Gewitter vergleichbar. Denn die Bedrängnis, in der wir uns in der Coronakrise wiederfinden, könnte man genauso gut als Ermächtnis verstehen und annehmen.

Krisen kann man nicht ausweichen – aber man kann ruhig und konzentriert bleiben, die Lektionen verstehen und die Welle so gut wie möglich reiten

ob du positiv oder negativ bist, entscheidest du
Ob wir böse oder gute Gedanken wählen, entscheiden wir, nicht das Virus.

Und wir sind im wahrsten Sinne des Wortes verdonnert, uns dem zu fügen. Der Druck könnte die Macht zur endgültigen Befreiung haben. Was als Drohung und Zwang erscheint, erschüttert nicht nur, sondern schreckt uns auch auf. Es rüttelt uns aus dem Schlaf der Ignoranz gegenüber unserer bislang unterlassenen Selbstverantwortung, Selbstfürsorge, Würde und Selbstermächtigung. Es weckt uns auf. Gnadenlos. Das kann anfangs schmerzhaft sein, aber wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Niederschlag auch anregend sein kann. Wie wir es sehen, liegt an uns. Welche Gedanken wir wählen, entscheiden wir. Nicht das Virus. Ob wir in all dem eine Chance für eine bessere Zukunft sehen oder eine Katastrophe, liegt bei uns. Ob wir uns optimistisch und bedacht in eine bessere Zukunft bewegen oder in Angst, Abwehr und Kummer, entscheiden wir. Ob wir das Vergangene betrauern und krampfhaft festhalten oder aber freiwillig loslassen und das Neue willkommen heißen, entscheiden wir. Wie wir mit unserer Unsicherheit gegenüber dem Neuen, den Ängsten hinsichtlich Existenz und Identität umgehen, beschließen wir. Das wird uns nicht diktiert. Es stehen weder Strafen noch Bußgelder darauf.

Wege aus der Krise: Was nun helfen kann

Und doch, ich verstehe, wenn es vielen nur schwer oder gar nicht gelingt, weil es bewusste und überlegte, selbsterinnernde und -ermächtigte Entscheidungen braucht, eine Kraft, die viele glauben nicht zu haben bzw. die sie nicht aufbringen könnten. Aber es gibt Menschen, die helfen würden, Organisationen, Institutionen, Gruppen/Kreise, Communities, Berater/Therapeuten/Ärzte, Frauenhäuser, Polizei, der Staat. Und dann gibt es da noch etwas namens »dein Wille«. Es ist nicht Mut, der entscheidet über Angst oder die Abwesenheit von Angst. Jede Angst kann mit dem Entscheidungszentrum des Gehirns begegnet werden. Dort wird dann entweder der mutige, »Ich mache es trotzdem, weil ich es so will»-Weg oder der angstbesetzte – vermeidende –, »Das klappt sowieso nicht/Ich schaffe das nicht«-Weg gewählt. Es ist eine Entscheidung, die uns Corona abverlangt und aufdrängt, darüber zu bestimmen, wer wir sind und sein wollen. Besonders aber macht es offenbar, ob unser bisherig gewähltes Leben auch wirklich das ist, was wir für uns wollen. Denn weder ist das, was wir immer wollten, zwangsweise gut oder das Beste für uns. Zu oft erleben wir, dass unsere größten Träume für uns untragbare Umstände mit sich bringen. Aber aus jedem Albtraum können wir auch erwachen. Und nun ist die Zeit dafür gekommen, aufzuwachen und uns ungeschönt anzusehen, was wir leben. Das Gesehene dann auf Lebbarkeit und andere Werte zu prüfen, neu einzustufen und entweder anzupassen oder loszulassen, wäre ratsam.

Corona konfrontiert uns mit uns selbst

In der Coronakrise geht es also um weit mehr als um Prävention und Isolation, Klopapier, Pasta und Hefe. Die Zeit der Schönfärberei ist vorbei. COVID-19 kippt Machtverhältnisse oder spitzt sie zu, zettelt Streiks, Aufstände und Einstände für soziale Gerechtigkeit an, zeigt die wahren aber bisher missachteten Helden, rührt an solchen und anderen »Selbstverständlichkeiten«, unterstreicht den Wert echter sozialer Kontakte, zwingt uns, unsere Stärken wiederfinden, Schwächen ungeschönt anzuerkennen, erinnert an Abhängigkeiten und ruft zur Unabhängigkeit auf, zwingt uns zum Alleinsein (mit uns sein) oder dazu, nicht allein sein zu dürfen, bedrängt uns in unserem bisherigen Glauben über uns, unser Leben und die Welt, prüft radikal unsere bisherigen Grenzen und drückt solange auf unsere Wunde/n (erkannt oder unerkannt), bis der Schmerz nicht mehr aushaltbar ist – bis wir einen Weg aus diesem Schmerz heraus gefunden haben. Dieser muss aktiv gesucht werden. Beruhigend kann es nun sein, alles das zu tun, was uns guttut, unserem Körper und Geist das höchste Ausmaß an Entspannung und Bewegung zu liefern, das Beste des Besten für uns und die Kraft, die wir brauchen, bereitzustellen. Mit halber Kraft können Krisen nur schwer bewältigt werden. Es braucht die volle Annahme und Hingabe zu dem, was bewerkstelligt werden soll/muss. Und das wiederum bringt Änderungen in unseren Gewohnheiten mit sich. Das Gehirn braucht (je nach Studie und Land) 30 – 60 Tage, um diese Veränderungen automatisiert lebbar zu machen. Es sind kleine Beschlüsse jeden einzelnen Tag, dass wir diesen begegnen, auch wenn sie uns schwerfallen – sie doch mit Mut, Hoffnung und dem unwiderlegbaren Willen umzusetzen.

COVID-19 macht uns alle demütig und zwingt uns zur Einsicht und notfalls auch Umkehr. Sich dem zu ergeben, dem Notwendigen hinzugeben und alle Ängste, die uns festhalten ließen, loszulassen, erscheint mir gerade sehr schlau. Denn Krisen wie diese ziehen uns zur Verantwortung gegenüber uns und anderen. Sie drängen uns zur Wahrung unserer Pflichten und das bedeutet auch, die Augen zu öffnen, wenn sie lange Zeit aus Bequemlichkeit oder Not geschlossen gehalten wurden. Nun heißt es Umdenken und mit Kreativität und Geschick neue Lösungen zu finden oder in Gesprächen nach solchen zu suchen. Mit wem die Gespräche stattfinden (ob mit Banken, Eltern, Partnern, Kindern, Helfern aller Art oder mit sich) ist dem individuellen Umstand zu entnehmen. Aber Hilfe in Zeiten von Krisen ist das eine Werkzeug, was jedem gegeben ist. Ein Zweites ist dein Geist: Er ist zu so vielen herausragenden und unglaublichen Dingen imstande, die du dir in deinem gewohnten Leben (mit gewohnten Handlungen, Gedanken und Gefühlen) gar nicht vorstellen kannst. Nur müssen wir ihn in Krisenzeiten gut füttern – mit positiven, hilfreichen und unterstützenden Maßnahmen statt mit schlechten. Es mag für viele banal klingen, aber

  • positive Beziehungen und das Empfinden von Verbundenheit
  • gute Ernährung, körperliche Bewegung, Licht und Frischluft
  • ausreichend Schlaf
  • so wenig externer Stress wie möglich (oder der Ausgleich eines solchen durch Entspannungstechniken, Meditation, Yoga, kraftentladene Handlungen, Weinen, Schreien, aus Wut ins Kissen boxen usw.)

sind dabei unabdingbar und helfen nachweislich deinem System, in Balance zu bleiben. Es sind leider genau die Maßnahmen, die als Erstes vergessen werden. Es ist nun egal, was wir tun, um uns Gutes zu tun: Aber es muss helfen und nicht noch verschlimmern, positive Gefühle erwirken statt negative, unserem Körper-Geist wohltun statt körperlichen-emotionalen-psychischen Stress zu verstärken. Die Entscheidung gegen Angst ist jetzt so wichtig wie nie, denn Angst lähmt und entzieht dir wertvolle Energie, die man braucht, um Krisen zu begegnen. In jeder Nacht findet sich ein Licht, wenn man die Augen offenhält. Halte deine Augen offen und bleibe aktiv dabei, diese Krise für dein Leben zu meistern – mit deinem unbedingten Willen.

Viel Kraft und Zuversicht
Janett

Zum Weiterlesen:

“Über die Kunst, allein zu sein” (Janett Menzel, 2016)
“101 Wege aus der Angst” (Janett Menzel, 2018)
“Mein neues Leben ohne Angst” (Janett Menzel, 2020)
“Hör auf! Deine Angst” (Janett Menzel, 2018)

Coronavirus-Angst: Wie wir mit Covid-19 induzierten Ängsten, Sorgen und Zwängen umgehen können

Coronavirus-Angst: Wie wir mit Covid-19 induzierten Ängsten, Sorgen und Zwängen umgehen können

Hamsterkäufe, leere Regale, reglementierte Einlässe in Supermärkten, beschränkte Stückzahlen bei Hygieneartikeln, 24/7 Nachrichten über die Verbreitung des Virus, Zahl der Infizierten und Toten, Fake News, Isolation, Ereignislosigkeit, Home Office, fehlende soziale Kontakte, Ausgangsbeschränkungen und Reiseverbote, Angst um seine Lieben und sich selbst, Armut, Arbeitslosigkeit und mehr. Die Pandemie des Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19) legt unser ganzes Leben lahm, rüttelt an unseren Grundfestungen und macht Angst. Wie wir mit dieser Unsicherheit und den Ängsten wegen des Coronavirus umgehen können, findest du in diesem Artikel.

Coronaangst: Angst durch Coronavirus SARS-CoV-2

Corona und was die Pandemie für psychisch Erkrankte bedeutet

Es gibt nun einen eigenen Begriff für die Angst durch den CoronavirusCoronaangst. Er schwappt gerade aus den USA rüber und beschreibt, was wir aktuell auch in Deutschland erleben. Gemeint sind Angstzustände durch die bedrohte Wirtschaft, Rezession, als Folge Armut und Arbeitslosigkeit, Inflation, Angst wegen der Isolation und niemand weiß, wie lange, Angst wegen des vielen Alleinseins, der entstehenden Einsamkeit, Angst vor herrschender Gewalt innerhalb der Familie oder Partnerschaft, Angst um die Gesundheit von Freunden und Verwandten, Angst, selbst angesteckt zu werden oder ansteckend zu sein und damit auch Angst vor Menschen und uns selbst, vor Freunden und Nachbarn und besonders Kindern.

Was bei dem Einen nur leichte Unsicherheit auslöst, weil er sicher im Job ist oder genug gespart hat, eher introvertiert ist, einen starken Glauben oder Optimismus besitzt oder gute Stressmanagementtechniken, seine Familie bei sich hat, kann bei einem Anderen ganz anders aussehen. Zu den häufigsten Symptomen von Coronaangst zählen aktuell:

  • Konzentrationsschwäche
  • Schlaflosigkeit bzw. Schlafbeschwerden, Einschlaf- und Durchschlafstörungen
  • Appetitverlust und -losigkeit
  • Essstörungen
  • Verdauungsstörungen
  • erhöhte Zunahme von Suchtmitteln und anderer schädlicher Substanzen (Drogen, Alkohol, Tabak, Kaffee, Zucker)
  • Antriebslosigkeit/Lethargie, depressive Verstimmungen
  • Angst, raus zu gehen (agoraphobische Symptome)
  • Angst, drinnen zu sein, Gefühl der Enge und des Eingesperrtseins (klaustrophobische Symptome)
  • Angst vor Krankheit und Tod (Hypochondrie)
  • geringe Libido
  • starke Zukunftsängste
  • generelle Angst
  • soziale Angst
  • starke Gefühlsschwankungen
  • Zwangshandlungen
  • unerklärliche, latente Aggressivität oder Traurigkeit
  • Hilflosigkeit und Kontrollverlust – oft durch den Drang, mehrmals (+3 x) am Tag die Nachrichten zu sehen (in der Hoffnung, die Kontrolle zu behalten, Linderung zu verspüren oder aber Bedrohliches augenblicklich zu erfahren)

Diese Symptome sind in den unterschiedlichsten Tiefen möglich, einzeln sowie gepaart sichtbar. Wichtig ist, wenn du dich hier wiederfindest: 1) Hattest du diese Symptome auch schon vor dem Ausbruch des Coronavirus? Wenn ja, dann sind es höchstwahrscheinlich Angstzustände, die woanders herrühren als durch COVID-19. Wenn nicht, hast du jetzt zumindest das Wissen erlangt, dass die Pandemie dich und deinen Geist ernsthaft ängstigt. 2) Es ist wichtig zu wissen, dass das alles “nur” Symptome sind, aber nicht der Herd. Jedes einzelne Symptom kann unterschiedlich angegangen werden. Aber nicht jedes Einzelne löst auch Angst aus. Einige sind Anzeichen eines erhöhten Stressniveaus in deinem Körper. Andere hingegen können auch aus anderen Gründen herrühren, zum Beispiel durch eine andersartige oder für dich schlechte Ernährung, die bekanntermaßen darminduzierte Angst und nahrungsmittelbezogene Depressionen hervorrufen können, durch bei Hochempathen und Hochsensiblen ansteckende Angst der anderen, durch mangelnde Bewegung usw.

irrationale Angst und echte Angst

Wir müssen in dieser Hinsicht unterscheiden zwischen “echter” Angst und irrationaler Angst. Echte Angst wird ausgelöst durch etwas im Außen, Tod oder Infektion eines Menschen, den wir kennen, oder uns selbst, durch drohende Verluste, weil unser Arbeitgeber Kurzarbeitergeld oder Schließung des Betriebs angekündigt hat oder als Selbstständiger ausbleibende Kundschaft, leere Konten, Langeweile-Lagerkoller, fehlende (positive) soziale Kontakte, die nachweislich Stresshormone abbauen usw. Es gibt sozusagen Beweise, echte Auslöser, die Angst machen. Irrationale Angst hingegen beschreibt das sich Hineindenken in schlimme Umstände ohne bereits geschehenen Auslöser. Angst wegen Armut zu haben ist dann rational, wenn wir unser Geld schwinden sehen und Mühe haben, unsere Rechnungen zu bezahlen, gekündigt wurden usw. Irrational wird die Angst, wenn wir das lediglich befürchten, es als eine Möglichkeit dessen, was geschehen könnte, so oft denken und schließlich glauben, bis es uns real und wahr erscheint. Und das ist auch das, was gerade die meisten tun, weswegen uns allen Toilettenpapier und Pasta fehlt.

Grippe vs. COVID-19, die Zukunft des Virus und Schutzmaßnahmen

Meine Mutter ist Krankenschwester im Universitätskrankenhaus in Oslo und erzählt mir regelmäßig aus medizinischer Sicht, was es mit dem Virus auf sich hat. Ich möchte das gern an dieser Stelle mit Infos aus anderen Quellen zusammenfassen.

Beginnen wir mit der Symptomatik von Corona und der des Influenza-Virus im Vergleich. Viele befürchten jetzt eine Infektion, Erkrankung und ihren Tod oder den ihrer Lieben. Sie nehmen jeden Nieser oder jedes Naseschnauben ihrer Mitmenschen als Anlass, um in Panik zu geraten. Die Angst ist legitim, aber mit Vorsicht zu verbreiten, denn: Corona hat als Hauptsymptome Husten gefolgt von Fieber (Angabe laut Robert-Koch-Institut – im Folgenden RKI genannt). Das sind die Symptome, die man bei allen Infizierten flächendeckend beobachtet hat. Allgemein im Internet werden zudem noch eine laufende Nase, Halsschmerzen und bei einem schweren Krankheitsverlauf Atembeschwerden genannt. Das RKI nannte sie in ihrer übertragenden Pressekonferenz am Montag, 23.03.2020 nicht. Entscheide selbst, wem du glaubst.

Unterschied zwischen Influenza (Grippe) und Corona
Fieber und Husten haben sowohl Influenza als auch Corona (COVID-19) gemeinsam als Symptome.

The Mighty berichtete am 23.03.2020, dass einige Ärzte ein mögliches, weiteres Symptom bemerkt hätten (ohne offizielle Bestätigung seitens der WHO oder des RKI – Stand: 25.03.2020): Sinnesverlust. Es würde derzeit beobachtet werden, ob sich der Eindruck der Ärzte, dass der Verlust der Sinne ein Anzeichen für eine COVID-19-Infektion wäre, bestätigt.

Niesen gilt nicht als Symptom. Aber ja: Man sollte in seine Armbeuge niesen, für den Fall, dass man infiziert ist, aber ohne merkliche Symptome lebt, was dennoch heißt, dass man andere anstecken könnte.

Weitere Fakten laut RKI (Stand: 23.03.2020): Es trifft nur gering (unter 10 Prozent) häufiger Männer als Frauen. Menschen um die 45 Jahre sind am ehesten gefährdet, zu erkranken, Menschen im Durchschnitt von um die 84 Jahre – sowie solche mit Vorerkrankungen – haben ein erhöhtes Risiko, am Virus zu versterben. Das heißt aber nicht, dass es nur die ältere Bevölkerung treffen kann. Das Virus ruft eine Lungenentzündung hervor, die – bei Vorbelastung oder allgemein schlechtem Immunsystem – in jedem Alter zum Tode führen kann. In Kalifornien/USA verstarb nun erstmals ein Kind an den Folgen des Virus. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und vierzehn Tagen. Wie lange sich das Virus auf Oberflächen hält, ist unklar, aber die Bedrohung wird vom RKI als gering eingestuft. Man glaubt dennoch, dass es sich – abhängig von Struktur, Temperatur und so weiter – bis zu einigen Tagen halten könnte. Zudem sei der Virus in Stuhlproben einiger Erkrankter nachgewiesen worden, was nahelegt, dass das Virus auch über Nahrung aufgenommen werden kann. (Auffallend war das nur, weil ein Erkrankter statt Fieber Durchfall hatte.) Auch hier allerdings wird die Gefahr als gering eingestuft.

Bei Grippe treten die Symptome bereits nach ein bis zwei Tagen auf, plötzlich, mit vorwiegend hohem Fieber (bis 41°C, oft begleitet mit Schüttelfrost – bis zu vier Tagen lang), Kopf- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen, trockener Husten (auch Heiserkeit), Appetitlosigkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die allgemeinen Krankheitsgefühle werden zudem oft begleitet von Schwindel sowie Muskelschmerzen, aber auch empfindliche Augen/Augenschmerzen.

Dennoch genesen 98 Prozent aller Corona-Erkrankten (laut Virologe ALEXANDER KEKULÉ), da 2 Prozent versterben (berechnet an den Fällen in Deutschland). Weltweit schwankt die Sterberate zwischen 0,2 und 7 Prozent, was aber an der Bevölkerung und Gesellschaft mit ihrem Gesundheitssystem sowie der Zählung/Erfassung der Fälle liegen kann.

Empfohlene Schutzmaßnahmen:

Abgesehen von den allgemeinen Erlässen/Anweisungen, Abstand von ein bis zwei Metern zu halten (Beschränkung auf 2 Personen oder Ausgangssperre) und den sozialen Kontakt so gering wie möglich zu halten, sich nicht in Gruppen aufzuhalten oder draußen zu bilden, gilt zudem:

Atemmasken/Mundschutz sind gut, aber es konnte noch immer nicht nachgewiesen werden, ob sich der Virus nicht auch bei Kontakt mit den Augen verbreitet. Nicht jeder Mundschutz hält zudem das Virus ab. Es gibt spezielle Schutzmasken, die einen anderen Filter haben, die auch bei Kontakt mit MRSA-Infizierten benutzt werden.

Seife verträgt der Virus genauso schlecht wie Desinfektionsmittel. Mindestens 20-30 Sekunden mit heißem Wasser, wobei alle Stellen benetzt werden müssen, ist Minimum. Auch bei der Wahl eines Desinfektionsmittels gilt es darauf zu achten, dass es Viruzid enthält. Viele der Handelsüblichen aus Drogeriemärkten enthalten das nicht, sondern dienen nur dem Ersatz, wenn Händewaschen nicht möglich ist. Meine Mutter sagte außerdem, dass man mit mindestens 60 Grad heißem Wasser (das Virus sterbe bei 60 Grad ab) zugange sein soll, wenn wir Oberflächen reinigen.

empfohlene Schutzmaßnahme zur vorbeugung Sars-CoV-2
Coronavirus: Schutzmaßnahmen gegen den SARS-CoV-2 (COVID-19)

Es gilt jetzt vor allem, das Immunsystem zu boosten und zu schützen, um die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung/Infektion so gering wie möglich zu halten. Dazu zählt vor allem eine gesunde Ernährung (wozu ich noch einen eigenen Artikel schreiben werde), aber auch Sport und Bewegung in der Natur. Es sind klassische, nachweislich wirksame Methoden, die unser Immunsystem stützen, genauso wie bewiesenermaßen Stressmanagement-Techniken helfen, Stresshormone wie Noradrenalin und Cortisol abzubauen. Zu den bekanntesten zählen hier Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation, aber auch Yoga Nidra (kein Yoga, sondern eine Tiefenentspannung).

Du kannst dir hier ein paar kostenfreie Sessions herunterladen:

Autogenes Training – mit Rückführung (am Tage anwendbar, wenn du danach nicht einschlafen willst)
Autogenes Training – ohne Rückführung (am Abend anwendbar, wenn du danach einschlafen willst)
Yoga Nidra (eine Zielsetzungsmeditation) – Vorbereitung & Session
Die Löwenmeditation – Geführte Meditation zur Stärkung deiner inneren Kraft

In der Zukunft wird das Virus wie auch bei Influenza in Wellen wirken

Aktuell geht es nicht um die Unschädlichmachung, sondern um die Eindämmung und damit Verminderung der Ausbreitung des Virus. So, wie jeden die Grippe erwischen kann, kann uns in der Zukunft auch Corona erwischen. So, wie Menschen an einer verschleppten Grippe oder ihren Auswirkungen versterben, kann dasselbe bei Corona geschehen. Wir werden Covid-19 aber nie los. Angeblich soll es im Sommer weniger Ausbreitung finden, wohingegen es in den kälteren Monaten wieder vermehrt (wie auch bei Grippe) auftreten könne.

Ab Herbst 2020 hoffen Mediziner, wird es einen Impfstoff gegen COVID-19 geben können.

Mediziner haben angekündigt, dass es ab Herbst wahrscheinlich einen Impfstoff geben wird. Aber in meinen Augen bedeutet das, dass wir nicht nur bis dahin, sondern in der allgemeinen Zukunft, noch stärker gesund mit uns umgehen müssen. Und dieser Weg führt nur über die Stärkung des Immunsystems und der Minimierung von Gefahren für dieses. Dazu zählt vor allem und noch immer: Stress. Jeder Angstgedanke, den du dir machst, sorgt für Stress in deinem Körper. Du schwächst dich mit Angst also selbst, wenn du sie dir bewusst machst. Denn die Stresssymptome können schon mittelfristig dafür sorgen, dass dein Körper angreifbarer wird. Deshalb sollten wir uns jetzt alle darum bemühen, ruhig zu bleiben und uns so viel Gutes wie nur möglich zu tun.

Die aktuelle Situation stresst, macht Angst und einsam. Wie wir mit unseren Ängsten jetzt am besten umgehen sollten

Die Coronakrise zwingt viele, sich abzuschotten und die Aufmerksamkeit auf Angst, andere und sich selbst zu verstärken. Gewohnte Ablenkungen, Anerkennung und Aufmerksamkeit im Beruf oder von Kollegen, Treffen mit Freunden und der Familie, Spaß, Urlaube, Ausflüge, gemeinsame Unternehmungen mit Gleichgesinnten, Selbsthilfegruppen und -treffen, Gesprächskreise, Gottesdienste, Clubabende oder der ausgedehnte Plausch mit dem Dönermann deines Vertrauens, dein nachmittagiges Käffchen in deinem Lieblingscafé oder die Entspannung im Fitnessstudio: Alles liegt erst einmal lahm, um dem Coronavirus angemessen zu begegnen.

coronavirus macht einsam

Bereits jetzt empfinden aber nicht nur Betroffene mit psychischen Belastungen/Störungen eine erhöhte Dichte an Angst und anderen Symptomen. Die Coronakrise hat auch die Macht, bestehende Belastungen nicht nur zu verstärken, sondern auch auszulösen. Wir sprechen hier vorwiegend von:

  • Essstörungen
  • Zwangsstörungen (Händewaschen, Desinfizieren)
  • Süchte
  • Generalisierte Angst
  • Panikattacken
  • Klaustrophobie
  • Agoraphobie
  • Hypochondrie
  • Panikstörung
  • Soziale Angst
  • Depressionen

Auch die Heilungschancen sind in Zeiten von Corona überwiegend erschwert. Besonders Menschen, die sich als hochsensibel und/oder hochempathisch empfinden, leiden nun verstärkt, spüren die Ängste ihrer Mitmenschen mehr als zuvor und haben Mühe, sie in den Griff zu bekommen. Die Flut an Nachrichten und die Nähe im Wohnhaus zu allen, die jetzt zu Hause arbeiten/bleiben, die erhöhte Lautstärke und die Hektik, die verbreitet wird, belasten zusätzlich.

Die aktuelle Lage schreit also danach, uns selbst die Nächsten zu sein, anderen auszuweichen (wie empfohlen und legitim). Sie schreit nach Misstrauen und Aggressivität gegenüber unseren Mitmenschen. Doch: Wir haben immer die Wahl: Bleibst du im Vertrauen, im Glauben an dich und deine Kraft, dass – was auch immer kommt – du Wege und Lösungen finden wirst, allein und gemeinsam? Oder fokussierst du Zukunftsangst wegen der Unsicherheit und dem durch COVID-19 entstandenen Kontrollverlust, deine Isolation und all das, was dir das Virus vermeintlich wegnimmt?

Diese Wahl trifft nicht der Virus, sondern jeder Einzelne. Schritt-für-Schritt-Veränderungen in unserem Denken und als Konsequenz im Verhalten können helfen, Coronaangst und die umgehende Unsicherheit zu verringern: Es beginnt aber damit, dass wir nun alle auf uns zurückgeworfen werden. Darin liegen auch Chancen für unser Wachstum.

Zwangsstörung Angst vor Keimen und Infektion
  1. Verstehe, dass die empfohlenen Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, Vorsichtsmaßnahmen sind, auf denen nicht lebenslänglich steht. Wir reden von einem begrenzten Zeitraum, nicht für den Rest des Lebens. Außerdem: Sich gründlich die Hände zu waschen, wenn man draußen gewesen ist oder etwas von draußen in Empfang genommen oder berührt hat, reicht. Oberflächen einmal mit heißem Wasser abzuseifen oder zu desinfizieren, ebenso. Sie 10 x zu waschen, ist eine übersteigerte Angst, die sich festsetzen kann, oder aber die (bereits vor Corona) bestehende Angst noch verstärken kann. Wir müssen jetzt mit dem Verstand arbeiten und ihn immer wieder zu uns rufen, um bei der Wahrheit zu bleiben und die Einschränkungen durchzustehen.
  2. Halte Kontakt zu Menschen, die positiv sind. Versuche, alle, die Hektik und Angst verbreiten, zu meiden. Sollte es innerhalb deiner Familie Personen geben, die ein hohes Niveau an Angst haben und die Angst anderer so schüren, vermeide diese Gespräche, indem du dich aus ihnen zurückziehst, wenn das Thema aufkommt oder um ein anderes Gesprächsthema bittest.
  3. Kümmere dich um deinen Körper. Obst und Gemüse gibt es noch immer in Massen zu kaufen. Jetzt eine besonders gesunde Ernährung zu pflegen oder zu etablieren, ist besser, als Pasta zu kochen. Sport und Entspannung lässt sich auch von zu Hause aus gut machen. Nutze YouTube und andere Online Angebote, Video und Audio Streaming Services, um für dich das Richtige zu finden. Täglich kleinere Sporteinheiten sind nun nützlich und anzuraten.
  4. Erinnere dich daran, dass Generationen vor uns ähnliche (und weitaus schlimmere!) Krisen durchgestanden haben: Es gibt Alternativen zu Toilettenpapier (in 2-3 Teile durchgeschnittene Küchenrollen, feuchtes Toilettenpapier, Abschminktücher, Taschentücher, Servietten und zur Not noch immer das Wasser aus der Wand. (Anmerkung: Ersatzprodukte können Abflüsse verstopfen und sollten daher gesondert entsorgt werden.) Pasta und Brot kann man, wenn man Mehl und Eier hat, selbst herstellen. Diese Liste ließe sich endlos fortführen. Halte Ausschau nach den Alternativen und löse eine Mangelware mit Kreativität. Nutze Onlineshops, Bio Bauern, Lieferservices oder bitte im Wohnhaus/in deiner Wohnumgebung um Hilfe.
  5. Strukturiere deinen Alltag und erschaffe eine Routine, statt dich ins Chaos oder in die Langeweile ziehen zu lassen. Bleibe bei dieser Struktur. Wenn du jetzt von zu Hause arbeitest oder aber vermehrt in deinen Wohnräumen sein musst, ist eine geordnete Struktur, besonders wichtig, um dir Halt und Sicherheit zu geben.
  6. Konsumiere Nachrichten in geringen Mengen (1-2 x täglich) und nur aus seriösen Quellen (Fake News sind allgegenwärtig). Diesen kannst du Vertrauen schenken, nicht aber anderen. Verlass dich darauf und überzeuge dich regelmäßig davon, dass die Welt im Kampf gegen das Virus nun enger zusammenrückt. Wissenschaftler weltweit arbeiten an einer Lösung. Die Bundesregierung springt mit allen möglichen Varianten der Sozialhilfe und Unterstützung auf allen Ebenen ein. Wir waren gemeinsam noch nie so tätig für eine Sache wie aktuell. Dabei kann nur Gutes herauskommen.
  7. Gedanken sind Gedanken und Fakten sind Fakten. 98 Prozent erholen sich nach einer Erkrankung wieder. Es gab auch schon eine Grippe-Epidemie, an der viele starben. Es sterben noch immer Menschen an Influenza. Die Bedrohung aktuell ist rational und nicht zu verkennen, aber alle Gedanken sollten nun auf Fakten basieren. Wenn du dich bei einem irrationalen Gedanken erwischt, erinnere dich an die Fakten und wähle den Weg der Hoffnung und Wahrheit. Die Wahrheit kannst du in seriösen Quellen nachlesen: aktuelle Fallzahlen, Rückgang der Infektionen, Hilfeleistungen, Möglichkeiten, Wege, Lösungen u. v. m.
  8. Wenn du nun besonders Menschen vermisst, der Lagerkoller schon über dir schwebt oder du dich vermehrt einsam fühlst: Nimm Kontakt über alle möglichen Kanäle auf zu allen möglichen Menschen. Videotelefonie, das normale Telefon, Chats, Sprachnachrichten, Facebook-Gruppen, Foren, virtuelle Treffpunkte, online übertragene Gottesdienste, Clubmusik und mehr.
  9. Von Körperkontakt wird nun zwar unter allen Menschen, die nicht zu unserem engsten Kreis gehören, abgeraten, aber das sollte uns nicht daran hindern, freundlich zu bleiben. Lächele Menschen zumindest an, wenn du ihnen aus dem Weg gehst oder halte die zwei Meter Abstand ein, wenn du mit einem Nachbarn sprichst. Grüße Menschen, auch wenn du sie nicht kennst. Sei freundlich und herzlich und schenke beides anderen. Gerade das ist es, was wir nun brauchen: Verbundenheit in Zeiten der Isolation. Die lässt sich auch üben und zeigen, ohne sich in den Arm zu nehmen, mit einem Wie geht es dir? als weiteres Beispiel.
  10. Geh in die Natur. Nicht nur, weil es aktuell noch zu den wenigen Erlaubnissen gehört, die wir noch haben. (Jedenfalls in Berlin.) Auch weil die Natur heilt.
  11. Vom Prinzip Selbstverantwortung zur Fürsorge und Rücksicht für andere: Es gibt tatsächlich Leute, die sich in ihrer Freiheit beraubt fühlen, weil sie nicht mehr feiern, im Café sitzen oder gemeinsam mit ihren Kumpels einen zwitschern können. Dabei geht es aktuell darum, dass die Isolation nicht zwingend Einzelne schützen soll, sondern den Bevölkerungsanteil, der besonders gefährdet wäre und zudem natürlich die Verbreitung des Virus (auch ohne erkennbare Symptomatik). Es geht darum, dass wir uns nun im Gutmenschsein üben können, Verantwortung für andere übernehmen sollen. Es geht darum, dass wir gemeinsam füreinander da sind, um diese Krise zu bewältigen. Es geht nicht mehr nur um den Einzelnen mit seinen Bedürfnissen nach Party oder Fun. Denn jeder Einzelne ist Teil des Ganzen. Dem Ganzen etwas Gutes zu tun, kann sich gut anfühlen, wenn wir den Fokus darauf legen statt auf Zwang oder Freiheitsberaubungs-Gefühle. Wir haben jetzt die Wahl, uns wie kleine, bockige Kinder zu benehmen, die nicht bekommen, was sie wollen, aber glauben, verdient zu haben. Oder wir denken von unserer Nase weg und hin zum Rest der Gesellschaft, zu der wir – und alle anderen – gehören.

Trotz Einzelner rückt die Welt seit langer Zeit zum ersten Mal wieder zusammen (Trumps Anwandlungen ausgenommen), Länder helfen Ländern, Nachbarn Nachbarn, junge Menschen alten. Und jeder hilft sich – in einem Maße, das echte Selbstliebe spiegeln kann – nicht Egoismus. Wir können auf uns (alle) aufpassen, ohne durchzudrehen, indem wir im Moment leben. Denn wie es bei Ängsten so ist: Sie flüstern dir Blödsinn über das, was Schlimmes kommen würde, ein. Dabei weiß gerade niemand, was kommt. Aber Angst macht das. Das als bloßen Gedanken zu erkennen, ist das eine. Etwas anderes ist es, deine pessimistischen oder negativen, opferbehafteten oder anschuldigenden Gedanken zu glauben. Wir müssen jetzt alle das größtmögliche Vertrauen in uns finden, ausgraben, ja wiederentdecken, nahe bei uns halten und täglich leben – wie auch immer das individuell für dich aussieht. Für mich heißt es: Ruhe bewahren, Medien bewusst konsumieren (1 x täglich), mein Immunsystem stärken, mich in Geduld üben und entschleunigen.

Was heißt es für dich? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stress, Stress, Stress: Wir wissen mittlerweile alle, dass er krank machen kann und deshalb bewältigt und abgebaut werden muss. Die Wissenschaft weist auch immer wieder darauf hin, dass ein erhöhter Stress über eine lange Zeit schnell in psychische Belastungsstörungen wie Angstzustände oder Depressionen übergehen kann. Doch selbst “nur” Schlafstörungen oder das Gefühl der ständigen inneren Hektik deuten bereits an, dass wir tätig werden sollten, um den Körper und die Psyche zu entlasten. Die Stresshormone müssen abgebaut werden. Nur, wie? Denn meist bleibt im Stress einfach keine Zeit.

Ich habe den befreundeten Autor des Buches “Stress, der moderne Säbelzahntiger!”, Ron B. Charles, zu einem Interview über Stressbewältigung eingeladen, um uns die Kniffe und Tricks zu verraten.

Stressbewältigung: Stressoren, Auswirkung auf Geist & Psyche und Angstzustände

Stress und Auswirkungen

Dass ein Buch über Stressabbau zur Nummer 1 bei beispielsweise Amazon & Co. werden kann, zeigt mir, dass wir nach wie vor mit diesem Thema hadern. Wir haben lange To Do-Listen mit Aufgaben, die wir abarbeiten müssen, und Pflichten, denen wir nachgehen müssen. Wir kommen uns viele Erledigungen nicht einfach herum, auch wenn wir sie nicht mögen oder keine Kraft dafür haben. Sei es im Job, in der Familie, im Liebesleben oder in der Freizeit: Alles kann das Potenzial entwickeln, uns kurzfristig oder langfristig zu stressen. Stress beschreibt dabei die automatisch einsetzende innere Anspannung durch etwas oder jemanden. Wir vergessen währenddessen jede Achtsamkeit und Ruhe, jedes Vertrauen und jeden noch so guten Vorsatz. Wir übersehen unser Bedürfnis nach Pausen, nach wohltuenden Ausgleich, nach nährenden Freizeitaktivitäten und Menschen, die uns guttun. Wir greifen in Stressphasen vermehrt zu fettigem und zuckerhaltigen Lebensmitteln, weil sie unseren Blutdruck heben und uns für eine kurze Zeit vermeintlich mehr Kraft verleihen. Wir belohnen uns damit, faul auf der Couch zu liegen statt Sport zu treiben – obwohl wir wissen, dass das Zweite besser wäre. Dabei würde dieser unsere Stresshormone leichter abbauen, die durch unseren Lebensstil oder -wandel ankurbelt worden sind.

Leider hat Stress den Nachteil, dass er müde und ausgelaugt macht. Uns fehlt die Kraft, noch etwas für uns zu tun. Im ständigen Für-andere-da-sein, im Leisten und Wirken, um entweder über die Runden zu kommen oder das gewünschte Leben aufrechtzuerhalten, vergessen wir oft zuerst unsere Gesundheit. Leider nicht nur physisch, sondern oftmals auch geistig. Die renommierte Therapeutin und Autorin Verena Kast beschrieb in ihrem Klassiker “Über den Sinn der Angst” einst, dass Stress nichts anderes sei als Angst:

  • Angst, Fehler zu machen oder zu versagen
  • Angst, nicht dazuzugehören oder ausgeschlossen zu werden
  • Angst, andere zu verletzen oder zu enttäuschen
  • Angst, nicht gut oder nicht genug zu sein
  • u. v. m.

Die Forschung hat gezeigt, dass Stress/Angst auf allen Ebenen horrende Auswirkungen haben kann, wenn wir nicht – besonders in Stressphasen – dafür Sorge tragen, dass unser Körper ihn wieder abbauen kann:

  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräneanfällen
  • Nacken-, Rücken- und/oder Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Nachtschweiß, Müdigkeit, viel Schlaf brauchen)
  • Magen-Darm-Befindlichkeiten wie z. B. Durchfall, Verstopfung, Reizdarm- oder Reizmagensyndrom, Sodbrennen
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindelgefühle, Herzrasen und -stolpern, Atembeschwerden, Enge in der Brust
  • Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit
  • Antriebslosigkeit, Lethargie
  • Ängste
  • usw.

Viele meiner LeserInnen und ich eingeschlossen, haben festgestellt, wie schnell Stress zu anhaltenden Angstzuständen mit/ohne Panikattacken führen kann (weswegen ich viel über Stressängste schreibe). Denn jeder Mensch hat seine ganz eigenen Stressfaktoren (Reize, die Stress auslösen), sogenannte Stressoren, auch wenn es allgemeinere gibt, die jeden erwischen können. Dabei sind Stressoren entweder innere oder im Außen auftretende Faktoren, die in deinem Körper/Geist individuell Stress bewirken:

  • Leistungsstressoren (z. B. viele Arbeitsaufgaben)
  • physikalische Stressoren (z. B. Lärm, Hitze, grelles Licht, Enge)
  • soziale Stressoren (z. B. für einen Menschen schwierige zwischenmenschliche Konflikte, Trennungen)
  • körperliche Stressoren (z. B. Allergien, Krankheiten, Verletzungen)

Jeder Stressor hat die Macht, dich zu einer Anpassung, zur Flexibilität oder gar Duldung zu zwingen. Doch die Zahl der Abhängigkeiten im Leben ist groß. Was bleibt also? In meinen Augen ist es eine veränderte Haltung zu allem, was Stress bewirkt. Wie gehst du mit Stress um? Welcher Stressor belastet dich am meisten? Und wie kannst du die Auswirkungen auf deinen Körper & Geist verringern? Fragen wir doch jemanden, der sich damit auskennt.

Interview mit Ron B. Charles über sein Buch “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden”

Interview mit Ron B. Charles
Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.

Wieso hast du dich dazu entschieden, ein Buch über Stress zu schreiben? Gab es persönliche Erfahrungen oder findest du, dass das Thema noch nicht ausführlich genug besprochen wurde?

Das Problem “Stress” ist für viele Menschen nicht wirklich gelöst, daher empfand ich es sinnvoll, ein Buch über dieses Thema zu schreiben, welches dabei unterstützt, für sich selbst einen Leitfaden, wie man mit Stress umgehen kann, zu entwickeln. Stress ist allgegenwärtig und wird viel zu häufig schon als „völlig normal“ und „das gehört einfach dazu“ betrachtet. Natürlich hatte ich selbst auch schon allerlei stressige Situationen in meinem Leben und gelegentlich komme ich auch wieder in solche Situationen. Man kann sich aber darin üben, besser mit stressigen Zeiten umzugehen und anders zu agieren, um Stress weitestgehend zu vermeiden.

Du beschreibst viele Auswirkungen von Stress auf körperlicher Ebene. Unter anderem besprichst du auch positiven und negativen Stress. Woran erkenne ich, ob Stress positiv oder negativ ist?

Stress kann bekanntermaßen verheerende Auswirkungen auf unseren gesamten Organismus haben und wirkt sich auch bei jedem unterschiedlich aus. Es gibt jedoch diese eine Grenze zwischen Eustress, der gut für uns ist, und Disstress, der uns schadet. Welcher Stress für dich positiv oder negativ ist, bedarf aber einer genaueren Analyse deiner Aktivitäten und Reaktionen auf die Ereignisse in deinem Leben. Mein Buch hilft dabei, diesen Unterschied für selbst zu verdeutlichen, indem es auf einzelne Lebensbereiche genauer eingeht. Stressempfinden ist sehr individuell und unterschiedlich. Dies für den Leser zu ermitteln, ist eines der Ziele des Buches.

Oft passiert es (ich kenne es zumindest von mir), dass nicht das Umfeld oder einzelne Lebensereignisse stressen, sondern man sich selbst Stress macht: durch eigene Gedanken oder Gefühls- und Verhaltensweisen. Wie siehst du das?

Ereignisse, sofern nicht vorhersehbar, können einen durchaus in Stresssituationen hineinkatapultieren. Richtig ist, dass unsere eigenen Gefühls- und Verhaltensweisen, wie du es beschreibst, maßgeblich darüber entscheiden, wie wir mit diesen Ereignissen umgehen bzw. wie sehr uns diese in Stress versetzen. Ich empfehle deshalb eine intensivere Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Gefühlswelten, um zu verstehen, weshalb man reagiert, wie man reagiert. Dafür gibt es hilfreiche Anleitungen und Tipps sowie Selbsttests in meinem Buch, um Stress, den modernen Säbelzahntiger, mit dem wir uns verbünden sollen, nachdem wir ihn verstanden, zu bezwingen.

Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden
Ron B. Charles über Stressabbau, Techniken und Umgang mit stressigen Zeiten

Bei Stress heißt es oft, man solle Sport machen oder Yoga oder eine Entspannungstechnik erlernen. Vielleicht geht es anderen auch so wie mir: Ich habe keine Lust, noch Sport zu machen oder mich zu bewegen, Neues zu lernen oder überhaupt irgendwie aktiv zu werden, wenn ich viel Stress hatte – auch wenn ich weiß, wie kontraproduktiv das ist. Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus? Ist es überhaupt schlimm, wenn man nach Stress einmal nichts macht?

Nein, das ist nicht schlimm. Tatsächlich kann es sogar das einzig Richtige sein, nach einer stressigen Phase erst einmal nichts zu machen. Und auch das Nichtstun, kann man perfektionieren. So kann die richtige Meditationstechnik eben dazu führen, dass man den Geist leert, eine wirklich erholsame Aktivität. Bewusstes Nichtstun ist also sehr wichtig. Keinen Sport oder keine Bewegung zu betreiben, halte ich nicht nur in Bezug auf Stress für einen grob fahrlässigen Umgang mit dem Zuhause, indem wir wohnen dürfen – unserem Körper. Bewegung und Sport in sein Leben zu integrieren sowie Entspannungsübungen zu erlernen, bedeutet letztendlich, viel stressresistenter zu werden, als man es jemals war. Man beugt damit vor, kommt weniger bis gar nicht mehr an seine stressempfindlichen Grenzen und wird dadurch insgesamt leistungsfähiger.

Ich bin mal ehrlich: Ich bezweifele ja, dass man Stress ganz aus seinem Leben streichen kann. Hast du einen goldenen Rat für meine LeserInnen, wenn sie einen stressigen Tag oder gar eine stressige Zeit erleben?

Und dieser Zweifel ist durchaus berechtigt. Denn Stress lässt sich nicht aus unserem Leben streichen. Lediglich, wie wir damit umgehen und was wir tun, um stressresistenter zu werden, kann Stress auf ein Maß bringen, bei dem wir uns sogar wohl mit diesem fühlen. Und das ist der goldene Rat: Lerne einen neuen Umgang damit, wandele deine Gedanken dazu.

Was machst du persönlich bei Stress?

Ich wende alle Tipps, die im Buch gegeben werden, selbst an, und komme daher nur sehr selten in gefühlt stressige Situationen. Und wenn doch, beruhige ich meinen Geist und mache mir klar, dass ich noch 10 x mehr davon ausgehalten habe, bevor ich mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt habe. 6 x die Woche für 45 Minuten Sport und eine gute Organisation meiner Termine, hilft mir den Stress zu bewältigen. Ich kann also guten Gewissens sagen, dass der Stress in meinem Leben weitestgehend reduziert ist. Genau dieses Gefühl wünsche ich all meinen Lesern. Mein Buch kann ihnen dabei helfen, wie ich an genau diesen Punkt zu gelangen.

Vielen Dank, Ron!

Mehr Informationen findest du in seinem Bestseller “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden: Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.”

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Jede Frau verbirgt eine dunkle Schwester in sich (so, wie jeder Mann einen dunklen Bruder hat), die all die ungewollten, verdrängten und verheimlichten Eigenschaften darstellt, die im offiziellen Leben nicht ausgelebt werden. Wenn du dich fragst, wieso du deine “schlechten” Angewohnheiten nicht loswirst, nicht abnimmst, keine Lust auf Sport hast, dich nicht verstellen kannst, es sich so auslaugt, dich anzupassen, du vermeintlich grundlos wütend oder traurig wirst (hier ist nicht Depression gemeint), manchmal wie ausgewechselt bist oder dich dein soziales Umfeld “nicht wiedererkennt”, weil du Stimmungsschwankungen hast oder keine Lust, zu tun, was du tun müsstest, aber nicht willst, dich nicht zu etwas aufraffen kannst usw., dann wisse: Es ist die dunkle Seite deiner Persönlichkeit. Es ist dein Schatten, das Gegenteil des Hellen, was du jedem zeigst, weil du weißt, “Das wird gemocht.” und “Das wird gern gesehen.”, “So bekommst du, was du brauchst.” (wenigstens in Teilen bzw. so verlierst du am wenigsten).

Wenn du besonders darunter leidest, etwas Lästiges nicht loszuwerden, dich nicht disziplinieren kannst oder eine scheinbar höhere Macht, dein innerer Schweinehund, stärker ist als du, dann lies diesen Blogpost.

Wie die dunkle Schwester in dir entstand und wieso sie machmal so viel Macht über dich hat

wenn anpassung nicht mehr gelingt

Ich werfe zu Beginn einige Begriffe in den Raum, die dir zeigen sollen, wie die dunklen Seiten, die dunkle Schwester, dein Schatten entstanden ist:

Erziehung – Schule – aufgezwungene Werte und Standards anderer – erwartete Anpassung – So-Sein-Müssen – Zugehörigkeit/Teilsein-Dürfen – emotionale und psychische Leistungen – Gefühle wie Wut, Trauer und Angst nicht zeigen dürfen/sollen – Erwartungen anderer – Druck, zu genügen – idealerweise keine Bedürfnisse oder Sehnsüchte haben – nicht schwierig, kompliziert oder anstrengend bzw. bedürftig sein – gesellschaftliche Erwartungen an dein Äußeres als Frau erfüllen müssen (oder glauben, es erfüllen zu müssen) – schwierige Männer in Liebesbeziehungen, passive Männer und Beziehungen, die auf deinen Schultern lasten bzw. solche, die du als übergriffig empfindest – schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen (du und deine Mutter) – überhohe Verantwortung und Pflichten – innere Hektik & Unruhe – überstarke Rationalität – Schwierigkeiten, sich zurückzulehnen, sich zu vertrauen, der Welt zu vertrauen, Entscheidungen gegen andere zu treffen, seine weibliche Seite auszuleben, Nein zu sagen, unvernünftig oder zickig zu sein, sich zu nehmen, was man will, das Leben in allen Zügen auszukosten, ein Leben zu leben, das andere nicht verstehen (nichts Solides, nichts Bodenständiges, sondern Eigenes), Schwierigkeiten, sich zu trennen oder Streit/Konflikte auszuhalten …

Das ist nur eine kleine Liste der Gründe, wie die dunkle Schwester in dir entstanden ist. Je mehr man als Frau davon in seinem Leben hat, desto stärker werden auch die Schattenseiten sich entwickeln. Sie drücken sich aus, indem sie dir aufs Gemüt drücken oder dich davon abhalten, “so zu sein, wie andere dich wollen würden”.

Die helle Schwester (der gute Zwilling) hat das gelernt und ist bestrebt, so zu sein. Die dunkle Schwester hingegen, der böse Zwilling, sucht nach Gleichgewicht und sieht genau, wenn etwas aus der Balance fällt. Sie schafft wieder Ordnung in dir drinnen – jedenfalls versucht sie das. Denn immer nur machen, tun, ertragen, schweigen, lächeln und dienen ist für keine Seele wohltuend. Im Gegenteil. Es verrät sie und jedes Herz. Es macht krank und belastet so die Psyche und den Körper.

Die dunkle Schwester ist häufig gierig: Sie hat einen drängenden Hunger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, endlosem, leidenschaftlichen Sex, Essen und Trinken, das die Sinne anregt, tiefen Gefühlen und Erfüllung, grenzenloser Freude und Spaß, nach überschwänglichen Erlebnissen und oft grenzenlosem Selbstausdruck (in welchen Bereichen auch immer). Sie will sich hingeben und empfangen oder geben und kontrollieren – je nachdem, was auf der ausgelebten Seite der angepassten Frau überwiegt. Sie will geliebt werden ohne jede Bedingung, will nichts dafür tun müssen, weder am Anfang noch mittendrin, will Verständnis für all ihre Ecken und Kanten.

Da man aber selten so lebt, sondern sich um Anpassung bemüht und darum, sich zu “benehmen”, nicht so anstrengend und fordernd, sondern eine Hilfe, lieb, sanft usw. zu sein, rutschen die wahren Bedürfnisse immer tiefer ins Dunkle ab.

Die dunkle Schwester verkörpert somit auch all die Wut, die man nie geäußert, sondern heruntergeschluckt hat. Sie trägt die Traurigkeit, Scham und Schuld, die zu schwer zu tragen war. Je mehr wir unser wahres Ich verdrängen, desto stärker wird sie – wenn wir versuchen, lieb, brav, angepasst, hübsch und „so zu sein“, wie man uns will oder wie wir denken, sein zu müssen, um gewollt, liebenswert, angesehen und akzeptiert zu werden.

macht der schattenseiten wie sie entstehen

Die dunkle Schwester ist gegen Motive (das, was dich bewegt, etwas zu tun oder zu unterlassen) wie Zugehörigkeit auf Teufel komm raus oder emotionale/psychische Leistung des Friedens oder der Liebe wegen. Sie verabscheut Co-Abhängigkeit und für andere bequeme Lebensweisen. Sie will im Mittelpunkt ihrer Abenteuer stehen und sich entdecken, auf einer Reise, die sie selbst bestimmt. Sie will ihr Ego leben und nur freiwillig korrigieren. Sie will wachsen und in Einklang bringen, zwischen Weiß und Schwarz alle Farben entdecken. Sie will Energieaustausch statt Langeweile, Blumensträuße und Kino statt Dreckwäsche und Feierabendbier. Sie will Anerkennung für ihre Eigenheiten – und sprechen wir das Kind ruhig beim Namen: Sie will Bewunderung für alles, was sie kann, Nachsicht für all das, was sie nicht kann, und Verständnis, für alles, was sie nicht können will. Die dunkle Schwester ist definitiv der narzisstische Teil einer jeden Frau, die Egomanin und Diva.

Sie ist die, die brüllt, meckert, die Augen rollt, lacht, weint, das Telefon einfach auflegt, lügt, betrügt, abhaut, um 23 Uhr Nudeln kocht, die Bude 2 Wochen lang nicht saugt, nicht sofort zurückschreibt, neidet, eifersüchtig ist, schwarz fährt, stiehlt oder Rache will, wenn ihr die „offizielle“ Version deines Selbst zu bunt/schädlich für dich geworden ist. Sie ist der innere Schweinehund, nicht der innere Kritiker, sie ist die miese Laune statt des ewigen Sonnenscheins, die unermüdliche Kämpferin und härteste Richterin über Ungerechtigkeit und Schmerz, die du freiwillig erträgst – aus Angst, anzuecken, bedürftig, kompliziert oder lästig zu erscheinen. Sie ist die heimliche Königin deines Reichs, wenn du andere regieren lässt – aus Angst, Fehler zu machen oder ausgeschlossen zu werden, Menschen oder Ansehen zu verlieren, die vermeintliche Sicherheit, die dich gefangen hält.

Sie versteht das Versteckspiel nicht: wieso du dich verstellen, klein machen und halten lässt. Sie geht für Balance weit über „deine offiziellen“ Grenzen.

Wie du Freundschaft mit deiner dunklen Schwester schließt

sich mögen trotz schlechter angewohnheiten

Würden wir Frauen unsere dunkle Schwester nur mehr ausleben, bräuchte sie nicht so hart durchzugreifen. Sie will nur da sein dürfen. Wir würden so viel weniger leiden. Also frage dich: Darf sie endlich da sein? Zwei Tipps haben sich in der Praxis meiner Klientinnen bewährt, weshalb ich sie in Mentorings immer erwähne:

Übung 1

Es hilft, das Reich des braven Mädchens wenigstens mal gedanklich zu verlassen und eine Liste mit allem, es die dunkle Schwester will, zu erstellen:

  • nicht sexy/schlank sein oder immer gut aussehen
  • mit dem netten Kollegen ausgehen, obwohl er verheiratet ist
  • xyz nicht den Gefallen tun, um den er gebeten hat
  • nicht geben, ohne zu bekommen
  • mit Schoki und Chips vor dem Fernseher hocken
  • aufgebrezelt tanzen gehen usw.

Das nimmt schon eine Menge Luft raus. Ein kleiner Schritt in Richtung „du selbst“.

Übung 2

Viele Frauen erzielen gute Ergebnisse damit, die dunkle Seite in sich täglich da sein zu lassen (auch wenn es das brave Mädchen in sie zwingt, anders zu sein). Aber durch diese Erlaubnisse fällt es den Frauen leichter, sich im Gegenzug als Kompromiss zu maßregeln oder Sachen zu machen, die sie nicht wollen. Es reichen schon kleine Erlaubnisse aus. |

Mehr in meinem neuen Buch

Panikattacken sind meiner Meinung nach der Versuch des Gehirns,
den Schrei der dunklen Schwester zu unterdrücken.

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst
Janett Menzel: Mein neues Leben ohne Angst (TRIAS Verlag, 2020)