Wie du dich trennst, obwohl du ihn/sie von Herzen liebst

Wie du dich trennst, obwohl du ihn/sie von Herzen liebst

Ich hatte zwei Beziehungen in meinem Leben, in denen ich meinen Partner über alles liebte – aber ich wusste, ich musste mich trennen. Ich musste eine Trennung schaffen, weil die Partnerschaft niemals so sein würde, wie ich sie gebraucht hätte. Sie wäre nie emotional und psychisch gesund und nährend geworden, hätte meine Bedürfnisse als Mensch, Frau und Partnerin nicht erfüllt. Die Gründe lagen entweder in der emotionalen Nichtverfügbarkeit des Anderen, seien es Bindungs- und Beziehungsangst, oder in verschiedenen Auffassungen von einer Partnerschaft. Aber wir als Paar funktionierten einfach nicht (mehr).

Es fiel mir unendlich schwer, schlusszumachen – und bei einer Beziehung brauchte ich Dutzende Anläufe. Kennst du diese Situation? Suchst du auch nach Wegen, wie du dich befreien kannst aus einer Beziehung, die dir nicht mehr gut tut? Dann hoffe ich, dass dir meine Erfahrungen in diesem Blog weiterhelfen.

Scheiden tut weh: Die eine bestimmte Angst, die verhindert, dass man sich trennt

den partner nicht verletzen wollen
Scheiden tut bekanntlich weh, nicht nur dem, der verlassen wird, sondern auch dem, der verlässt. Was wirklich dahintersteckt, ist eine bestimmte Angst: Trennungsangst.

Es ist eine bestimmte Angst, die mit weiteren Ängsten in Verbindung steht, die dich abhält, dich aus deiner Beziehung zu lösen und von jemandem trennen – obwohl du weißt, dass es besser ist und obwohl du ihn/sie liebst. Diese Angst heißt passenderweise Trennungsangst. Sie beschreibt die Befürchtung, dass eine Trennung schwere Gefühle auslöst oder belastende Ereignisse folgen (soziale Isolation, Ausstoß, Alleinsein/ Einsamkeit, Diffamierung usw.). Diese Gefühle sind:

  • Scham
  • Schuld
  • Traurigkeit
  • und Furcht (nicht Angst).

Diese Gefühle sind sowohl auf deiner Seite möglich als auch auf der Seite der Person, von der du dich trennen willst/würdest. Du würdest sie also nicht nur bei dir selbst spüren können, sondern müsstest auch ertragen, sie bei deinem Herzenspartner zu sehen. Denn üblicherweise ist man extrem traurig, wenn man verlassen wird, neigt vielleicht sogar zu Wut (nur ein Mantel der Traurigkeit, eine Art Sprachrohr und Ventil). Oder der Verlassene fragt sich: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Bin ich nicht mehr liebenswert? Ist jemand anderes besser, schöner, interessanter etc. als ich? Die letzten Fragen gehen in Richtung Schuld und Scham. Die kann man auch empfinden, wenn man sich selbst trennt. Dabei brauchen Trennungen keine Erlaubnis.

Auch was nach einer Trennung folgen könnte, besonders im sozialen Umfeld, lässt viele den Schritt der Trennung nicht wagen: Sie fürchten den Ausschluss aus der Familie oder dem Freundes- und Bekanntenkreis, die Schuld, mit der man betrachtet wird, sogar die Diffamierung seitens des verlassenen Partners. Hinzu kommen die eigenen Ängste vor dem Alleinsein (Werde ich je wieder jemanden kennenlernen? Wie lange werde ich allein sein? Ist der Spatz in der Hand nicht vielleicht doch besser als die Taube auf dem Dach?).

Gleich an dieser Stelle frage dich, wie du mit diesen vier Gefühlen gelernt hast umzugehen. Hast du es überhaupt so gelernt, dass du sie dir zutraust? Denn wenn nicht, dann liegt es nicht an der Trennung an sich, sondern am nicht gelernten Umgang. Viele Menschen haben es nicht gelernt – auch ich wusste es früher nicht – und müssen es in ihrem Erwachsenenleben nachholen. Das ist machbar, wenn man ehrlich zu sich ist und sich Einsicht und Lernen erlaubt.

  • Was machen diese vier Gefühle mit mir?
  • Wer waren meine Vorbilder für diese Gefühle (Eltern, Geschwister, LehrerInnen, erste PartnerInnen usw.)?
  • Wie haben sie mir den Umgang mit diesen Gefühlen beigebracht?
  • Wie reagierten sie auf diese Gefühle?
  • Was sind meine eigenen Impulse bei diesen Gefühlen? Wie würde ich eigentlich reagieren, wenn es die Anderen nicht gegeben hätte?

Ich liebe ihn/sie so sehr. Ich kann mich nicht trennen!

woran erkennst du, ob er/sie nur sex will

Trennungsangst hat viele Dimensionen: Sie beginnen beim bekannten Credo “Man trennt sich nicht” (vom Elternhaus übernommen) und reicht bis zu “Ich kann ihn/sie nicht verlassen – Es würde ihn/sie nur verletzen” (Angst vor den Gefühlen des Anderen, besonders deine eigene oder deren Uneigenständigkeit).

Ich sehe bei meinen Klientinnen immer wieder fehlende Kompetenzen, die hier den Ausschlag geben, wie fehlgesteuerte Verantwortung (Fremdverantwortung wiege mehr als Selbstverantwortung z. B.). Augenscheinlich sind es allerdings oft externe Gründe, die diese gelernten Denk- und Verhaltensmuster verbergen:

  • gemeinsame Kinder
  • gemeinsames Eigentum oder Geldanlagen
  • finanzielle Abhängigkeiten
  • Krankheiten und Pflegebedürfnisse
  • fehlende Kompetenzen des Partners/der Partnerin
  • andere Abhängigkeiten usw.

Doch der am häufigsten genannte Grund, wieso sich viele nicht trennen, ist noch immer: LIEBE. Sie wollen/können sich nicht trennen, obwohl sie unglücklich sind. Sie wollen/können es nicht, weil die Chemie so stark ist. Sie wollen/können es nicht, weil es ja manchmal auch gute Zeiten gibt oder er/sie auch nett und liebevoll sein kann. Sie nehmen wiederholt verletzte Gefühle und unerfüllte Bedürfnisse in Kauf und rechtfertigen es mit LIEBE. Ich verstehe das. Ich war dort auch. Mehrfach.

Frage dich: Kann man jemanden lieben, obwohl man nicht mehr mit ihm/ihr zusammen ist? Wenn ja, dann kann man sich auch von jemandem trennen, obwohl man ihn/sie liebt? Kann man sich sogar von jemandem trennen, weil man ihn/sie liebt? Deine Antworten zeigen dir nicht nur deine Glaubensmuster; sie vermitteln dir auch einen ersten Einblick in (d)eine neue oder fehlende Definition von Liebe.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt forschen und versuchen seit Jahrzehnten Liebe zu erklären. Aber niemand hat es bislang geschafft, eine allgemeingültige Definition zu geben. Denn Liebe ist für alle etwas anderes, bringt oder fordert Unterschiedliches. Auch deine Definitionen von Liebe und Partnerschaft könnten sich im Lauf der Jahre geändert haben oder fordern eine schon lang ausstehende Wandlung. Um zu erfahren, ob dem so ist, frage dich einfach: Was bedarf eine Partnerschaft für mich? Wann glaube ich, dass es Liebe ist? Wann liebe ich? Wann liebt mein Partner/meine Partnerin? Fühle ich mich in meiner jetzigen Beziehung entsprechend meiner Definitionen?

Hier ein Insight aus meinen Coachings: Für viele (Frauen) bedeutet Liebe, wenn jemand (hin und wieder) bei ihnen sein will oder erlaubt, dass man bei ihm sein darf. Wenn jemand manchmal etwas gibt, was an Liebe erinnert oder sich (ein wenig, kurz) gut anfühlt. Das allein fördert ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Gewolltseins, auch wenn viele Entbehrungen damit verbunden sind oder es immer auf Sparflamme bleibt. Mit dieser Form der Liebe/Partnerschaft sind also Schmerzen, Distanz (Alleinsein gefühlt als Verlassensein), Misstrauen, Verletzungen, Zwänge und Kontrollverhalten verbunden. Kennst du diese Formen aus deinem Leben, vielleicht sogar aus deinem Elternhaus? Wenn du die letzte Frage mit Ja beantwortest, lies unbedingt weiter. Denn dann herrschen unbewusste Muster in dir, die deine Aufmerksamkeit fordern.

“Deine Liebe tut zwar weh, aber …”: Wenn man lieber etwas vom Falschen nimmt, um überhaupt etwas zu haben/geliebt zu werden

trennungsangst überwinden
Ganz ohne Liebe zu sein oder jemanden, der einen (irgendwie auf seine Art, die nicht genügt) liebt, ist ein häufiger Grund, wieso sich viele nicht trennen. Er spiegelt ein kindliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit wider.

Lieber ein bisschen von etwas als gar nichts. Wenn man sich (vom Falschen) trennt, hätte man ja gar nichts mehr. Oder in diesem Fall: niemanden mehr. Dann wäre man allein. Das sind die ersten Ängste, die ich oft von meinen Klientinnen zu hören bekomme. Und sie sind verständlich. Ich kenne sie auch. Sie beruhen auf frühen Erfahrungen und Bedürfnissen nach Zugehörigkeit und Aufmerksamkeit, dem Gefühl, gewollt und geliebt zu sein, die – wie auch immer geartet – unbefriedigt blieben oder unzureichend erfüllt worden sind. Kleiner Lesetipp an dieser Stelle: Mein Buch “Über die Kunst, allein zu sein” (als Taschenbuch bei Amazon oder als E-Book bei mir)

Vielleicht war die Liebe, nach der du heute noch suchst, verbunden mit speziellen Leistungen, die du zu erbringen hattest, zum Beispiel Fürsorge oder jemand anderen wichtiger als dich zu nehmen, erwachsener zu sein, als du warst, weil der Andere es nicht war, Verantwortung zu zeigen, die für dich als Kind zu schwer wog oder Liebe zu geben, obwohl deine Eltern/Geschwister/frühe Partner sie nicht verdient hatten (meint: sie dich schlecht behandelt hatten). Vielleicht warst du gezwungen, deine Wut oder Trauer für dich zu behalten, durftest keine Kritik äußern (Darf ich das überhaupt sagen?) oder warst nie so richtig genug (was Scham auslöste). Vielleicht warst du oft gezwungen, dich zurückzunehmen oder jemand anderes musste/wollte immer im Vordergrund stehen. All diese frühen Erfahrungen sind ausschlaggebend, wenn es um deine heutigen Beziehungsmuster geht. Sie zeigen sich in deinen Partnerschaften, wenn auch unbewusst.

Aber: Man will (bzw. glaubt) sich trennen (zu müssen), weil die eigenen Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden oder im Allgemeinen unbefriedigt bleiben. Der andere ändert sich nicht; alles bliebe beim Alten und man selbst unglücklich. Das betrifft besonders Partnerschaften, die nicht die große Glückswelle erleben, weil einer von beiden Bindungsängste oder Beziehungsangst hat und emotional nicht verfügbar, nicht erreichbar ist. Vielleicht distanziert er/sie sich immer wieder oder kann keine Intimität zulassen oder nur Sex bieten, aber nicht mit emotionaler Verantwortung umgehen. Vielleicht klammert jemand aus Angst, verlassen zu werden, oder versucht, die Bindung zu kontrollieren, überwacht den Anderen oder misstraut im Stillen, ist eifersüchtig oder fordert die Co-Abhängigkeit aka Gehorsam gegen seine eigene Angst vor Verlust.

Auch Trennungen wollen gelernt sein

darf ich mich trennen

In solchen Fällen bleibt dein Bedürfnis nach Wohl und liebevoller Zugehörigkeit unerfüllt, denn sie bedingen psychisch und emotional verletzende Anpassung und erinnern an Eltern-Kind-Dynamiken. Wenn du Schwierigkeiten hast, dich aus solchen Beziehungen zu lösen, frage dich:

  • Wie eigenständig bist du ohne PartnerIn?
  • Was fehlt dir, was dir der Partner/die Partnerin (vermeintlich) bietet?
  • Gab es Aufgaben, die der Partner/die Partnerin erfüllte, die du nicht hättest erfüllen können oder wollen? Wenn ja, welche und wieso fühlst du dich hier nicht handlungsfähig?
  • Welche Kompetenzen sind es genau, die dir fehlen? Erstelle dir eine Liste und finde heraus, wie du sie nachträglich lernen kannst.
  • Traust du dir zu, dein Leben allein und ohne Beistand, ohne vorgegebene Regeln und Wege zu leben?
  • Bist du aufs Alleinsein und ggf. Einsamkeit vorbereitet? Was kannst du währenddessen tun?
  • Hast du Träume und Ziele, die dich nähren, die du bereit bist, umzusetzen – trotz des Risikos, zu versagen? (Meint: Was könnte nach der Trennung kommen, worauf du dich freust? Welche Motivationen hast du? Je motivierter du bist, desto gelingt der Schritt.)
  • Gibt es in dir jemanden (ein Elternteil z. B.), auf das du innerlich/unbewusst noch immer hörst oder sogar wartest? (Es ist dein Eltern-Ich und Kind-Ich, die miteinander rangeln.)
  • Verbindest du Liebe und Beziehung mit dem Willen anderer? Soll heißen: Wartest du darauf, dass dich andere lieben oder irgendwann einmal so lieben, wie du es brauchst, und bist/warst bislang bereit, alles dafür zu tun? Oder bist du daran gewöhnt, stillzuhalten, damit diese Liebe hin und wieder in Krümeln zu dir kommen kann?

Hier kommt die Crux: MAN DARF SICH IMMER TRENNEN, AUCH OHNE GRUND. Als Kind durfte man sich nicht gegen die Eltern stellen oder sie verlassen (weil man wusste, man würde nicht ohne sie überleben). Heute bist du aber erwachsen und überlebst in jedem Fall, so oder so. Du bist groß geworden und hast eine Menge in deinem Leben geschafft, für dich erreicht und das allein. Du brauchst per se niemanden, um zu überleben. Du musst nur mit deinen Gefühlen umgehen lernen und selbst hier bekämst du von jedem Therapeuten oder Coach wie mir Hilfe, wenn du nachfragen würdest.

Auflehnung, offene Wut oder gar ruhige und vernünftige Darstellungen, wieso du dich in einer Beziehung nicht länger siehst oder unzufrieden bist, war verboten als Kind. Aber als Erwachsene ist es sinnig. Denn heute sorgt man für sich selbst. Man hat das Recht zu sagen: Deine Art der Liebe ist nicht meine. Sie verletzt mich. Das passt (mir so) nicht. Es reicht mir nicht. Es macht mich unglücklich. Ich gehe, wenn es so bleibt. Ich werde dich verlassen, denn ansonsten werde ich noch unglücklicher.

Insofern man für sich selbst sagen kann, dass man versucht hat, was man konnte, kompromissbereit war, an sich gearbeitet hat (Prinzip geteilte Verantwortung innerhalb einer Partnerschaft), damit eine Beziehung funktioniert, kann und DARF man jederzeit ohne schlechtes Gewissen gehen. Aber selbst dies wäre nicht nötig, denn Liebe allein reicht oft nicht aus. In Partnerschaften geht es um Kompatibilitäten, darum, zusammenzupassen – ohne sich die Köpfe einzuschlagen oder aber ständig unzufrieden/unglücklich zu sein. Es hilft, sich zu ähneln in vielen Ansichten und dem Lebensstil, in Zukunftsvisionen und wie man mit dem Leben umgeht und ihm begegnet. Man braucht eine gesunde Form der Kommunikation und die Möglichkeit/Offenheit und Bereitschaft zum Austausch, gemeinsame Zeit. Das alles fördert Liebe. Ist aber nur Liebe im Sinne einer Chemie/sexuellen Anziehungskraft, Abhängigkeit oder Angst vor Trennung vorhanden, würde eine Partnerschaft sehr sicher scheitern. Diese Form der Liebe wäre wenigstens in meinen Augen optimierungsfähig und vielleicht eine Aufforderung an dich, WAHRE LIEBE kennenzulernen, deine jetzige Definition über den Haufen zu werfen und dich von dem Gelernten/deiner Vergangenheit zu trennen. WAHRE LIEBE bedeutet Bedingungslosigkeit, Partnerschaft aber meint Bedingungen, die beide gewillt sind, zu ermöglichen. Und ganz oft bedeutet das für Menschen wie dich: dich von deinen Eltern, Denkmustern und Wunden deiner Kindheit zu befreien, loszulassen, was du früher nicht bekommen hast und die Suche nach dem im Heute zu beenden.

Will er/sie nur Sex oder hat er/sie echte Beziehungsangst? Daran erkennst du es

Will er/sie nur Sex oder hat er/sie echte Beziehungsangst? Daran erkennst du es

Ein ausschließlich rein sexuelles Interesse, als lang andauernde Affäre oder Casual Sex, muss nicht zwingend ein Zeichen für Beziehungsangst und Bindungsangst sein, aber kann darauf hindeuten. Deshalb werde ich im Zuge meiner Arbeit von meinen Klientinnen und Klienten oft gefragt, woran man denn erkennt, wann jemand nur Sex möchte oder sich sogar mit einer vermeintlichen Bindungsangst herausredet (vorzüglich aufgrund negativer Beziehungserfahrungen, die so schwerschwiegend wären, dass man einfach nicht aus seiner Haut könne).

In diesem Beitrag fasse ich allen, die sich den Kopf darüber zerbrechen und unter einer solchen Situation leiden, die wichtigsten Signale für ein rein sexuelles Interesse, ohne dass er/sie den Wunsch nach einer Partnerschaft mit dir hat, zusammen. Im Anschluss gebe ich dir außerdem einen präzisen Einblick, ab wann nur Sex auf Beziehungsängste und komplizierte Bindungsstile hinweist sowie ein paar Wege, wie du diese Situation als Betroffene/r meistern kannst.

Nur Sex wollen oder Angst vor Liebe und ernster Beziehung?

wann er nur sex will und wann er angst hat vor einer ernsten beziehung
Will er/sie nur Sex oder steht da wirklich eine Angst vor Liebe und Beziehung im Weg zum Glück?

Vorweg möchte ich eins sagen: Im Kontrast zu dem, was viele denken, trifft ein rein sexuelles Interesse heute nicht mehr nur auf Männer zu, die dann die Bösen sind und Frauen nur ausnutzen wollen, wenn sie Lust haben und vögeln wollen. Es ist auch nicht der Fall, dass Beziehungsängste oder negativ wirkende Beziehungsstile (dazu unten mehr) Frauen nicht träfen. Im Gegenteil: Ich beobachte in meiner Arbeit immer öfter diese Fälle.

Folgendes möchte ich allen, die gerade auf der Suche nach mehr Einblicken und Impulsen sind, mitgeben, bevor wir uns den Signalen widmen:

  1. Männliche Beziehungsängstliche bewegen sich immer mehr zwischen 25-35 Jahren und ab 45+. (Es sind die ersten Beziehungserfahrungen oder aber die prägenden wie eine Ehe, die Ängste zu schüren scheinen.) Bei Frauen zieht es sich hingegen durch alle Altersstufen.
  2. Ob es nun an Tinder & Co. des Digitalen liegt und der damit fortschreitenden Einsamkeit oder an der Emanzipation/dem Feminismus und den sich ändernden Rollenbildern und Erwartungen an die Liebe/das Leben: Immer mehr Frauen wollen vorwiegend oder nur Aufmerksamkeit und suchen kurzzeitige Bedürfnisbefriedigung, weil sie sich keine tiefgreifende Partnerschaft vorstellen können, während immer mehr Männer aus Einsamkeit oder geringen Kontaktmöglichkeiten heraus eher zu einer Beziehung tendieren.
  3. Je mehr man abgewiesen wurde, desto mehr greift Wut um. Das zeigt sich vor allem durch aktuelle Bewegungen wie Pick up-Artists, Fucker und Player (nicht meine Begriffe!!! Ich zitiere nur.). Sie haben schon per se das Bedürfnis, aufgrund einer Verletzung oder einem hohen Ego, sich übervorteilt und ermächtigt genug zu fühlen, was tiefe, ehrliche und verletzliche Gefühle wie Liebe in einer Beziehung ausschließt. Denn da geht es automatisch wieder in Richtung Verlustangst.
  4. Dieselben Tendenzen gibt es auch bei Frauen, nur dass wir hier keine Begrifflichkeiten haben, weil wir noch mittendrin sind und Frauen und ihre Rechte gerade sehr in den Himmel gehoben werden (in einigen Aspekten zurecht, aber leider nicht immer, denn auch unter Frauen gibt es schwarze oder unsensible, egoistische Schafe).
  5. Aber: Bei Beziehungsangst geht es nicht nur darum, verletzt zu werden. Viele entscheiden sich wegen der Angst, selbst jemanden zu verletzen und schuldig zu sein oder sich zu schämen, gegen eine Beziehung. Zum Beispiel wissen sie, dass sie nur schwer treu sein können oder einige Wünsche des Anderen nicht erfüllen können/möchten. Das hat mit mangelndem Liebesgefühl dann wenig zu tun, sondern mit Persönlichkeitsstrukturen und eigenen Zielsetzungen. Niemand ist gern der Böse.
  6. Nicht selten, so traurig es auch ist, wird Beziehungsangst oder die Angst, sich zu binden, als Ausrede benutzt, um potenzielle Partner (hier vorwiegend Frauen) hinzuhalten. Es endet dann oft in On-Off-Beziehungen, in denen der vermeintliche ängstliche Teil die Vorsicht der Frau dann nutzt. Hier wird Verlustangst und Hoffnung ausgespielt. Falls dich das trifft. Lies dir bitte die unten stehenden Signale und Abgrenzungen zur Beziehungsangst besonders gut durch.
  7. Es gibt nicht nur Verlustangst als Ursache für Beziehungsangst, weshalb sich jemand für eine rein sexuelle Beziehung entscheidet. Es kann auch sein: Angst vor Liebe im Allgemeinen, keine guten Vorbilder für eine gelingende und gesunde Partnerschaft in der Vergangenheit, Angst vor Trennung (sich selbst zu trennen, den anderen nicht allein lassen zu dürfen, aber es wollen/mitunter müssen, Angst vor Nähe (emotional bei Männern, sexuell oft bei Frauen), Selbstwertängste (nicht genug oder gut sein, negative Glaubenssätze “Für mich gibt es keine Liebe.”, auf lange Sicht eine Partnerschaft nicht aufrechterhalten zu können), Angst vor Selbstverlust (und im Umkehrschluss sich hintenanstellen müssen oder etwas Schlimmes geschehe), Angst vor spezifischen Ereignissen wie Untreue, psychischer und emotionaler Missbrauch (besonders bei stark egoistischen/narzisstischen Beziehungserfahrungen).
  8. Damit ist auch klar: Es gibt Menschen, die weder etwas von Monogamie halten noch dafür gemacht sind, so, wie es Menschen gibt, die nichts von dem Konzept der Ehe halten oder keine Kinder möchten. Das kann man verteufeln oder akzeptieren. Das hat auch seine angstbasierten Ursachen, ja, aber deutet nicht zwingend auf Beziehungsangst hin. Jemand kann sich keine Kinder wünschen und dennoch eine Partnerin suchen oder nicht heiraten oder zusammenziehen wollen und trotzdem in einer Partnerschaft leben.

Signale, dass er/sie nur Sex möchte

Daran erkennst du, dass er/sie nur Sex von dir möchte

An einem rein sexuellen Interesse muss erst einmal nichts falsch sein. Doch viele tendieren zu dem Rückschluss, dass sie nicht gut, genug oder xyz wären, weshalb jemand keine Beziehung mit ihnen möchte. Da bemerken wir “nur” die unterschiedlichen Vorstellungen beider Menschen.

Und: Wir alle kennen Situationen, in denen zwischen Menschen die Funken sprühen. Nicht selten ist es doch eben diese Chemie, die uns dazu veranlasst, dass wir länger durchhalten, als wir eigentlich wollen/sollten, oder uns magisch zu jemanden hingezogen fühlen, obwohl alle Umstände gegen eine exklusive Beziehung sprechen. Wer sich damit abfinden kann, wunderbar. Wer sich aber mehr wünscht als nur Sex, nämlich Perspektive auf eine Partnerschaft, der muss sich zwangsläufig entscheiden: entweder hop oder top.

Was aber vielen passiert, ist, dass sie in einen Wartemodus geraten oder sich beginnen, zu sehr zu bemühen, sich zu beweisen oder gar Vorwürfe zu verteilen. Nun ist es leider so, dass nicht jeder seine reinen sexuellen Motive offen auf den Tisch legt. Für solche Situationen gibt es daher eine Handvoll Signale/Hinweise, die in Mehrfachkombination zeigen, woran du bist:

Zweckkommunikation und Zeiten langer Stille: Er/Sie meldet sich nur wegen Sex und redet ansonsten kaum oder gar nicht mit dir? Oder läuft jedes Gespräch, dass er/sie initiiert, auf ein Treffen für Sex hinaus? Dann geht es auch nur um Sex.

Pimp my ego Oder: Er/Sie meldet sich nur, wenn er/sie allein, gelangweilt oder schlecht drauf ist: Nicht nur die Libido veranlasst viele, Kontakt aufzunehmen, auch Zeiten, in denen man sich einsam, gelangweilt, ohne Anerkennung und Aufmerksamkeit wiederfindet oder Abwechslung zum Leben braucht. Sex ist dafür ein Mittel, weil durch Hormone wie Oxytocin und Endorphine die Laune angehoben wird. Letzten Endes aber vermag Sex, deshalb ist er auch so gesund laut Wissenschaft, tatsächlich geistig und körperlich gesund zu halten, verbunden statt ausgeschlossen, angenommen statt abgelehnt. Es ist eine Form des sozialen Kontakts und dieser tut gut.

Du kennst ihn/sie sexuell, jeden Zentimeters seines/ihres Körpers, aber darüber hinaus nichts? Auch umgekehrt ist diese häufige Verhaltensweise ein Zeichen für ein rein sexuelles Interesse, nicht aber zwingend für Beziehungsangst.

Dich nicht kennenlernen wollen: Er/Sie hat kein Interesse an dir als Mensch und Mann/Frau, stellt dir keine Fragen zu deinem Leben, Beruf, deiner Familie, deinen Freunden, Interessen und deiner Vergangenheit? Er/Sie will nichts über deine Gefühle oder Eigenarten wissen oder wie du deinen Kaffee trinkst, welche Küche du am liebsten magst oder worauf du allergisch reagierst? Auch das ist ein eindeutiges Zeichen für “nur Sex”. Denn dabei geht es dem/derjenigen nur um sich und dass er/sie bekommt, was er/sie will. Interesse aber ist eine Form des Gebens. Es zeigt Wertschätzung an der Person.

Er/Sie lässt dich nicht an seinem/ihrem Leben teilhaben: Umgekehrt funktioniert es leider genauso. Wenn dir die Person keine Fragen zu sich beantwortet, jedem normalen Gespräch aus dem Weg geht oder durch sexuelle Handlungen vereitelt zum Beispiel. Auch wenn Treffen zu normalen Zeiten für sie/ihn so gar nicht gehen, darfst du Abstand nehmen, wenn du auf der Suche nach Liebe bist. Klassiker sind: nachts anrufen oder schreiben, weil er/sie vorbeikommen will, ausschließlich Mo-Do zeitlich verfügbar sein, weil das Wochenende für enge Menschen reserviert ist usw.

Er/Sie ignoriert deine Bedürfnisse und Bedürftigkeit: Du hast schon mehrfach angesprochen, dass dir bestimmte Sachen wehtun und du andere Vorstellungen hast? Er/Sie hat vielleicht kurz gesagt, dass das in Ordnung ist oder es ganz neutral und akzeptierend angenommen (Ich weiß ja, wie du bist/was du dir wünschst. Deshalb mag ich dich ja so sehr!), aber danach fühlt es sich so an, als hätte es das Gespräch nie gegeben? Er/Sie verfällt in die alte Spirale? Wer jemanden wirklich mag, der achtet auf seine/ihre Grenzen und vermeidet es, ihn/sie zu verletzen. Punkt.

Zeitlich begrenzte Zweisamkeit und keine anderweitigen Unternehmungen: Auch wenn Sex die einzige Unternehmung ist, die vom Anderen zugelassen wird, kann man sich sicher sein, dass es auch die einzige Unternehmung ist, die gewollt ist. Leider. Meistens auch noch zu Zeiten, die er/sie bestimmt. Hast du keine Zeit, Pech für dich, denn dann siehst du ihn/sie nicht? Eine Beziehung oder eine, die es werden soll, besteht aus mehr als Sex und Intimität und diese Zeiten gehören dem Vertrauensaufbau, Kennenlernen und gemeinsam und zusammen sein, präsent und voll auf den anderen eingelassen. Nicht nur körperlich. Vor allem, wenn der/diejenige nach dem Sex gleich aufsteht oder aber nach Hause, dich aus dem Bett scheucht oder wenig Sinn für Kuscheln etc. hat, weist es auf rein sexuelles Interesse hin. (Einwurf: Mitunter gibt es hier kleine, feine Unterschiede zu Beziehungsangst, die aber individueller Natur sind. Ich zum Beispiel kann morgens nicht ewig im Bett kuscheln, weil ich Tiere habe, die essen brauchen. Einige empfanden das als Abweisung, wobei es sich nur um mein Bedürfnis handelte, sie versorgt zu wissen. Solche Situationen, insofern lebensbedingt und nicht charakterabhängig, bitte ich zu unterscheiden.)

Warten im Bett auf bessere Zeiten: Viele bemerken die Ausreden entweder nicht oder aber haben Angst, zu früh aufzugeben. Dabei ist es eine Hinhaltetaktik.

Hinhalten und viele Ausreden: Wer immer wieder dasselbe sagt und nichts anders macht, der darf auch kein anderes Ergebnis erwarten. Und braucht dasselbe auch nicht vom Gegenüber fordern. Viele halten dich nur hin, weil sie instinktiv schon wissen, dass du den Schlussstrich ziehst. Sie sind quasi darauf vorbereitet, dass das Ende kommt (während Beziehungsängstliche es fürchten), und haben sich deshalb nicht auf dich eingelassen. Aber bis dahin versprechen sie dir alles Mögliche, bringen Kuchen und Kekse oder andere Geschenke mit, damit du weiterhin in deiner Rolle bleibst. Außerdem: Wut zeigt Traurigkeit und somit echtes Interesse an. Nur Gleichgültigkeit seiner/ihrer Entscheidung gegenüber würde ihn/sie treffen. Bist du aber emotional und wünschst dir mehr, zeigt es seinen/ihren Wert und ist eine willkommene Bestätigung. Ein Kompliment, was viele mögen und suchen (so traurig es auch ist).

Ghosting, Gaslighting & Benching: Wer einfach von heute auf morgen verschwindet (Ghosting), der – so die Psychologie – hat Angst, dich zu verletzen, wenn er/sie dir sagt, dass es gefühlsmäßig nicht ausreicht. Und wer zu wenige oder keine Gefühle hat, macht sich auch keine Gedanken um deinen Gemütszustand. Es verschwinden auch nur die, meint die Forschung, die kein tiefes Interesse haben. Beim Gaslighting hingegen bekommst du die Schuld für alles, was ihn/sie daran hindert/abhält, eine Beziehung mit dir zu wollen, was dir den Verstand und das Vertrauen in dich und die Liebe rauben kann. (Hier beginnt auch die Beziehungsangst. Die genaue Unterscheidung zwischen Absicht und Angst aber spürt man genau. Frage dich: Fühlst du dich manipuliert? Wenn ja, ist es nicht Angst.) Benching hingehen ist das Warteabteil, in das du gesetzt wirst, bis ein potenziell besserer Partner für ihn/sie um die Ecke kommt. Deshalb wird nicht viel investiert, weil der/diejenige oft nicht allein sein kann/will und sich deshalb zufriedengibt. So böse es klingt: Es sind viele heutzutage so und auf dem ersten Blick erscheint es leichter für sie. Getreu dem Motto: Lieber irgendwen als niemanden. Während viele Frauen sich aber einreden, der eine (Schwierige) wäre es, sind sie selbst oft versteckte Benchler. (Verzeih! Ich möchte, dass es dir gutgeht.) Denn würde jemand um die Ecke kommen, der sie tatsächlich besser behandelt (als der, weswegen du diesen Artikel liest), wärst du vielleicht ganz schnell weg (zum Glück). Doch ganz ohne Liebe und Verbindlichkeit zu leben, ist eben schwer – für die einen mehr als für die anderen. Als Leseempfehlung macht sich mein Buch “Über die Kunst, allein zu sein” gut >>

Er/Sie weicht Entscheidungen, Urlauben, Kennenlerntreffen mit Freunden und Familie usw. aus: Hier geht es in Richtung Perspektive und gemeinsame Zukunft. Wer dich nicht soweit in sein Leben integriert, dass die Verbindung zwischen euch offenkundig, exklusiv und ernst gemeint ist, der will so eine Beziehung auch nicht. Sie lässt zu viel Verantwortung über die eigene Person hinaus erkennen.

Er/Sie handelt nur (kurz), wenn du drohst, dich zu verabschieden: Du hast schon einmal angekündigt, dass du dich trennst, weil er/sie nur an dir vorbeilebt? Lass mich raten: Genau dann hat er/sie sich verändert und war plötzlich zuckersüß oder lieb, offen für Veränderungen und Unternehmungen und und und. Aber dann schlich sich wieder das Übliche ein und aus war die gute Zeit – und kurz.

Einer der größten Unterschiede zwischen (aktiven) Beziehungsängstlichen und Nur-Sex-Interessierten ist kontraintuitiv: (Aktive) Beziehungsängstliche tendieren dazu, dich ziehen zu lassen, wenn sie durch deine Ansprüche an ihre Grenzen geraten, während Sexinteressierte zu Jägern werden, wenn der Sex droht, ihnen verloren zu gehen. Sie sind nur dann aktiv, wenn sie es müssen. Das kommt auch einem Gewinn, einem Sieg gleich, für den es sich zu kämpfen lohnt. Bei (aktiven) Beziehungsängstlichen hingegen ist diese Aktivität mehr ein Zwang, ihre Liebenswürdigkeit/Person/ihren Wert für dich beweisen zu müssen. Er macht sie mürbe, weshalb sie Nein sagen und dich gehen lassen.

Wann deutet sexuelles Interesse auf Beziehungsangst hin? Schmale Linien

1. Viele mit Angst vor Beziehungen nehmen sich Sex als Mittel der Kompensation: lieber ein bisschen Nähe als gar keine. Sex ist dann ein Weg, seine Gefühle auszudrücken und welche gezeigt zu bekommen, oft sehr innig und hingebungsvoll, liebevoll und zärtlich. Gleichzeitig fühlen sie sich geliebt durch Sex. Nichtsdestotrotz hapert es am Ende des Tages doch am Umgang mit den Gefühlen anderer (wenn sie sie zeigen/ausdrücken) und den eigenen. Hier ist Emotionsregulierung gefragt: Entweder du erlernst als Partner*in zum Beispiel eine Kommunikationstechnik wie die der Gewaltfreien Kommunikation, die dir erlaubt, es anders – für ihn/sie angstfreier – auszudrücken. Oder du lernst, deine Gefühle weniger zu zeigen und mehr auszusprechen, um ihn/sie nicht zu überrennen. Es ist der Ausdruck deiner Gefühle, der dann im anderen Angst auslösen kann. Bespricht man aber seine Gefühle und die, die auftreten durch sein/ihr Verhalten, wird es für den anderen leichter. Ist dein Gegenüber nicht willens, sich mit dir zu unterhalten/dich anzuhören, dann ist es nur sexuelles Interesse. Beziehungsängstliche haben zumeist NULL (meint: 0!!!) Probleme damit, ihre Ängste zu kommunizieren und sei es auch noch so fragmentarisch. Sie wissen, was los ist.

2. Angst ist bei Beziehungen nur ein Folgegefühl, getriggert durch ein anderes: Traurigkeit, Schuld, Scham, Ekel, Wut, Überraschung. Angst ist hier nicht dabei, wie du siehst. Zu sagen, man hätte Angst, sich auf jemanden einzulassen, ist dann das Eine (und daher auch oft gelogen oder aber nicht der wahre Grund für den inneren Rückzug oder die Abwehr). Woran man Beziehungsangst wirklich erkennt, ist, dass oft eine Art Schnitt im Moment, ein plötzlicher Abbruch des Gesprächs, der Intimität oder des Treffens/Anrufs stattfindet. Angst passiert zwar im Hirn, aber wird ausgeübt. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Sie wird selten nur ausgesprochen, sondern vom Körper ausagiert. Du siehst die Angst also, sei es durch Körperempfindungen des Anderen (Zittern, nervöse Hände und Beine, Weggucken und -drehen), Fluchtimpulsen oder Kampfimpulse (wie Wut). Es gilt bei Angst: Totstellen, Flucht oder Kampf. Nichts mit entspanntem Hinsetzen und plaudern über die Angst. Das markiert den Unterschied zwischen angeblich Ängstlichen und wirklich Ängstlichen.

Wann ist Angst vor Liebe und Beziehungen krankhaft

3. Bedrängnis durch Kleinigkeiten statt große Forderungen: Nur-Sex-Interessierte ignorieren so ungefähr alles, was sie ignorieren können. Das funktioniert bei Beziehungsängstlichen (ab sofort mit BÄ abgekürzt) nicht. Uns nerven schon störende Kleinigkeiten. Wir nehmen jede als Zeichen, dass wir recht hatten mit unserer Vermutung und Angst. Wir fühlen uns bedrängt dadurch, uns ändern zu müssen, oder wieder dieselbe Niederlage zu erleiden. Von der Farbe deiner Gardinen, deiner Haushaltsführung, Denkweise bis hin zur Art, wie du mit deinen Kollegen umgehst nehmen wir alles als Indiz, dass du für uns nicht passend bist. Das machen Nur-Sex-Interessierte nicht, weil es sie nicht interessiert.

4. Abwerten der Verbindung (vor dir, sich selbst und Bekannten/Freunden/Familie) ist ebenso ein Klassiker. Bagatellisieren ist ein häufiger Mechanismus zur Abwehr von Angst (siehe auch Verena Kast: Vom Sinn der Angst). Dann sind wir “nur Freunde mit benefits” oder es geht auch gar nicht so tief emotional, so wirklich ist da nichts zwischen uns, das bildest du dir alles nur ein. Eine richtige Beziehung? Geht doch gar nicht mit uns/dir. Überhaupt zu verlauten (weil vorher entschieden), dass du und er/sie in einer offiziellen, exklusiven und ernsten Beziehung seid, ist fast unmöglich bei BÄ. Denn es wird immer Keile geben, die BÄ dazwischen treiben, um die Verbindung zu entwerten, damit der Druck nicht zu groß für sie wird: Plötzlicher Verlust der Lust auf Sexualität ist zum Beispiel ein Klassiker. Der Druck, den BÄ bei Beziehungen (im Allgemeinen übrigens) empfinden, ist immer Auslöser. Ventil ist zum Beispiel Rückzug, Alkohol/Tabak/Drogen, Aggressionen usw.

5. Ein beliebtes Vor-Ventil bei BÄ ist übrigens, sich mit jemandem zu treffen/daten/(sexuell) zusammenzutun, an dem sie von vornherein nur mäßig interessiert sind. Sie können sich so in den/diejenige/n nicht verlieben. Das geschieht unbewusst/unterbewusst, damit sie später sagen können, sie seien nicht verliebt (was auch stimmt). Damit sind sie nicht gezwungen, mit dieser Liebe in eine für sie bedrohliche Beziehung zu gehen. Ich persönlich glaube, man kann sich in jeden Menschen verlieben, wenn man sich nur genug Zeit gibt und aufeinander einlässt. Aber oft suchen sich BÄ unbewusst gezielt Personen, die etwas Abstoßendes oder ein No Go haben. Das können bei Männern die Kinder der Frau sein oder bei Frauen die Freunde des Mannes. Es ist die emotionale/rationale Reißleine für den Notfall. (Mit Sex hat dieser Punkt nichts zu tun.)

6. Narzisstische Persönlichkeitsstrukturen: Heutzutage, ich muss darauf hinweisen, ist nicht jeder Mensch, nur weil er sich im Blick behält oder unter Ängsten leidet, ein Narzisst, Psychopath, Soziopath oder bindungsunfähig, weil er Beziehungen aus Angst scheut.

Ich zum Beispiel hatte Angst vor Beziehungen, weil ich immer zu viel gegeben habe, betrogen wurde oder sich Verhaltensmuster bei meinen Partnern und mir ins Destruktive verselbstständigten. Nicht aber, weil ich narzisstisch veranlagt war. Einen Narzissten (waschecht und klinisch) erkennt man an seiner absoluten Empathielosigkeit. Es vergnügt ihn, wenn du leidest. Er ist beeindruckt, wenn du ihn anhimmelst, aber nicht von dir beeindruckt, sondern von sich selbst. Für einen Narzissten bist du ein gefügiger Spiegel seiner/ihrer Großartigkeit. Im Inneren ist der Narzisst zutiefst verletzlich, weswegen er auch zutiefst verletzen kann. Er weiß eben, wie das Spiel gespielt wird, und straft, tadelt und lässt dich am kleinen Finger verhungern.

Aber: Wer an eine Person geraten ist, die sich eher wie eine Prinzessin, Königin oder ein König verhält, die es auf ihre Weise oder auf keine wollen, der darf nur behaupten, jemanden mit stark egoistischen oder leicht narzisstischen Zügen getroffen zu haben. Auf der BIG 5-Skala stünden diese im Aspekt des Neurotizismus hoch oben. Sie sind in Wahrheit “nur” emotional labil, gehemmt oder schüchtern, aber fürchten diese Gefühlszustände so sehr, dass sie sie von vornherein wegdrücken. Deshalb ein Klassiker bei BÄ: Verachtung und Wut. Wer von seinem BÄ verachtet oder verspottet wird, sollte auf Herz und Nieren prüfen, ob es aus Unsicherheit geschieht (was oft der Fall ist). Auch aggressives Verhalten, zum Beispiel im Angesicht von Kritik, ist ein Hinweis auf Verletzlichkeit und Verletzung. Aber die richtige, klinische narzisstische Persönlichkeitsstörung ist etwas völlig anderes. Narzissten würden dich auslachen oder mit der Ruhe selbst in der Luft zerreißen, bis du weinst. Sie empfinden gefühlt nämlich keine Angst und zeigen auch keine Gefühle wie Angst. In ihrem Sinne sind sie ja die Größten. Angst und Schuld oder Scham sind Gefühle, die man spüren müsste. Narzissten haben dieses Empfinden (zu ihrem Wohl) abgeschaltet und dafür Methoden entwickelt, sie zu umgehen.

Dennoch: Wer starke narzisstische Strukturen in seinem Gegenüber erkennt oder vermutet, der darf sich sicher sein, dass hier eine Angst in der tiefsten Tiefe herrscht, weswegen ein sofortiger Rückzug zwingend nötig ist. Mehr zu Narzissten und ihrer Angst in diesem Artikel >>

eifersucht und angst vor dem verlust des partners

7. Suchtgefährdete oder süchtige Persönlichkeitsstrukturen: Nicht nur Alkohol oder Drogen können süchtig machen, auch Sex ist ein Sucht- und Betäubungsmittel, besonders wenn Pornografie als Vorlage für das (angstfreie) Spüren von Gefühlen herangezogen wird. Dann kommt “Liebe” und “Annahme”, sich gut fühlen und verbunden, woanders her. Das jeweilige Suchtmittel dient dann wiederum als Kompensation. Es soll einem geben, was man vermisst und nicht von (einem bestimmten) Menschen erhält.

Als Kind, das Alkoholismus (wenn auch nur aus der Distanz) in seiner Familie erleben musste, kann ich sagen: Es gibt sehr viele Kinder, die später wegen der Sucht eines Familienangehörigen zu Beziehungsängsten und unsicheren, vermeidenden oder ängstlichen Beziehungsstilen neigen. Süchtige haben keine Hand für gesunde Strukturen und können auch keine gesunde Beziehung führen oder gesund und offen lieben. Stattdessen wird etwas anderes vorgelebt.

Wer aber häufig z. B. zum Alkohol greift, kann auch Sex als Sucht empfinden/entwickeln oder ihn “zu sehr mögen”. Alkohol wäre dann u. a. ein Enthemmer und erleichtert den Umgang mit Druck, Verantwortung und Gefühlen. Auch für den Akt. Diese Verbindung findet sich oft. Wer sich als hoffnungsloser Fall in einer Partnerschaft empfindet/empfinden gelernt hat, würde wenigstens Sex nutzen, um sich irgendwie liebenswert und wertvoll zu fühlen/fühlen zu dürfen – und damit Sex auch anpeilen (wenn er sich im Bett als “wertvoll” empfunden gelernt hat). Denn bei allen anderen Unternehmungen würde die Angst, zu versagen oder nicht auszureichen, wieder hochfahren. Doch oft geht es bei BÄ so weit, dass sie wegen des Alkohols/der Drogen meinen, keine Liebe oder Beziehung zu brauchen. Sie haben ja ihr Suchtmittel, das sie in ihren Augen sicher hält.

8. Das nächste Mal wird schlimmer, aber NICHT anders. Negative Beziehungserfahrungen, Angst vor Liebe, Nähe, Verlust, Kontrollverlust, Angst, sich zu trennen: All das zeigt sich mit spezifischen Anzeichen im Verhalten, nicht aber durch nur Sex. Im Gegenteil: Das Wenigste, was man sehen wird, ist nur Sex. Man wird Stille und nur sachte Annäherungen, kurze (sehr kurze), aber schöne Stunden und Gespräche finden (oft auch ohne Sex), dann wieder Rückzüge, Zweifel des Anderen, pampige Antworten, aggressives Verhalten bei zu viel Bedrängnis (empfunden auf seiner/ihrer Seite) usw. Da gibt es kein Nettgespiele, um Sex zu haben.

BÄ probieren auch nichts aus. Sie meinen schon alles im Vorfeld zu wissen, was passieren könnte, nämlich etwas Negatives. Nur-Sex-Interessierte hingegen lassen sich auf Situationen ein, für Sex. Bekommen sie ihn nicht, werden sie pampig oder abweisend. Aber sie sind erst einmal präsent. BÄ sind das vielleicht online oder in Messengerdiensten, wo das geschriebene Wort als Schutzmauer dient, aber kein persönliches Treffen fokussiert wird.

9. Spezifische Bindungsstile

Man unterscheidet den sicheren, unsicheren, ängstlichen und (ängstlich-)vermeidenden Beziehungsstil. Der letztere kam er kürzlich hinzu und macht noch einen Schritt weiter ins Extrem. Unsichere Stile z. B. würden mitunter dazu tendieren, keinen Sex oder nur sehr geringe Intimität zuzulassen. Entweder sie nehmen an, sie würden nur sexuell ausgenutzt oder aber sie vermeiden Intimität aus Unsicherheit. Sie sind offen für Beziehungen und Liebe, aber warten ab, bis sie sich sicher genug fühlen. Ängstliche und vermeidende hingegen würden Sex nutzen, um überhaupt eine Form der Bindung einzugehen, während sie echte Beziehungen aber scheuen. Vermeidende können Sex zudem meiden, wenn ihnen das schon zu weit geht. Ängstlich bedeutet, etwas an Beziehungen oder Liebe ist angstbesetzt, wie z. B. Verantwortung oder immer auch auf den anderen Rücksicht nehmen zu müssen. Vermeidend ist so ungefähr die schlimmste Form, die man sich vorstellen kann, weil dort alles negativ behaftet ist. Diese Form lässt sich sehr schwer umpolen und trifft oft Menschen, die entweder missbraucht oder schwer verletzt worden sind. Sie würden Sex auch als Strafe gegenüber dem anderen/präferierten Geschlecht nutzen oder als einzige Form der Bindung. Mehr dazu in meinem Buch “Du liebst mich oder doch nicht?”>>

10. Noch ein Hinweis

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Sex und Angst, der oft übersehen wird: Nämlich der Glaube, dass er/sie dir nichts anderes bieten kann außer Sex. Er/Sie empfindet sich selbst als nicht gut oder genug für eine Partnerschaft, hat sich selbst bereits oft genug in Beziehungen scheitern sehen und kein Vertrauen mehr in die eigenen Beziehungsfähigkeiten. Das ist nicht selten, sondern sehr, sehr, sehr häufig. Und wie die selbsterfüllende Prophezeiung läuft es dann meist auch: Es geht schief.

Was kannst du nun tun, um diese Situation zu meistern, wenn du mehr willst?

Zum einen ist Gehen ein Weg, oft der Beste, um ganz ehrlich zu sein. Wer sich Leid ersparen möchte, und das sollte so sein, muss sich für sich entscheiden. Sonst entscheidet man sich für das Leid. Neue, andere Menschen kennenlernen und so verstehen, dass es mehr gibt als diesen einen, der nur Sex konnte/wollte, ist die bessere Wahl.

Zweite Option: Bleiben und sehen, was passiert, während man die Augen offenhält und sich nicht zu sehr emotional an den/diejenige/n bindet. Je mehr man der Hoffnung verfällt, daraus könne doch noch eine Beziehung werden, desto frustrierter wird man mit der Zeit. Ist man aber in dem Zustand, dass es einen nicht weiter schert, falls nichts daraus wird, dann tut es auch nicht weh. Man kann den sexuellen Kontakt genießen und Punkt, während man aber weiterhin zu anderen Menschen Kontakt sucht/hat und dort nach Glück Ausschau hält.

Drittens: Bei sich schauen, wieso man sich zu jemanden hingezogen fühlt, der nur an Sex interessiert ist oder aber gar Beziehungsangst hat. Ich möchte hier auf eins hinweisen: Nur weil man so jemanden trifft, heißt das nicht, dass man anfangen muss, wild zu spekulieren und tiefe Bedeutungen zu suchen. Man kann sich nicht aussuchen, wen man kennenlernt, aber bei wem man Gefühle zulässt und bleibt schon. Dennoch, falls du merkst, dass das durchaus was mit dir zu tun hat oder du oft an emotional nicht verfügbare Menschen gerätst, dann kannst du eine Innenschau vornehmen. Dafür würde sich meine Masterclass zum Thema Beziehungsängste eignen. Sie thematisiert deine Ängste und die deines potenziellen/gewollten Partners und zeigt Wege auf, um behutsam damit umzugehen (Kommunikationsstrategien, No Go’s, Gesprächsvorschläge usw.), ohne ihn/sie zu verscheuchen. Es handelt sich hierbei um Vertrauensarbeit-Methoden, aber benennt auch klar und deutlich die Grenzen, die dir durch seine/ihre Angst vorgegeben werden. Mehr Informationen dazu hier >>

Was kann ich tun, wenn mein Partner keine Beziehung will
Meine Masterclass zum Thema Beziehungsängste enthält ein bewährtes 7-Schritte-System und als Geschenk freie Coachingminuten. Ich freue mich, dir weiterhelfen zu können!

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen! Hinterlasse gern einen Kommentar oder teile diesen Beitrag!

Liebe Grüße
Janett

Eifersucht verstehen und überwinden (für Partner & Betroffene)

Eifersucht verstehen und überwinden (für Partner & Betroffene)

Bist du selbst eifersüchtig? Oder leidest du unter der Eifersucht deines Partners oder deiner Partnerin? In beiden Fällen kennen die meisten von uns den Leidensdruck, der durch dieses Gefühl entsteht. Vor allem gehen mit diesem Gefühl auch Angst und Schuld einher. Ob Eifersucht nun krankhaft, unbegründet oder legitim ist: Alles zusammen hat nicht selten die Macht, eine Beziehung zu zerstören oder sie nachhaltig zu schädigen. Denn Vertrauen ist einer der wichtigsten Aspekte für eine gesunde und funktionierende Partnerschaft.

Was du gegen deine eigene Eifersucht oder die deines Partners bzw. deiner Partnerin tun kannst, verrate ich dir in diesem Blogpost.

Was ist Eifersucht überhaupt?

Ei·fer·sucht (Substantiv, feminin [die])

starke, übersteigerte Furcht, jemandes Liebe, Zuneigung mit einem oder mehreren anderen teilen zu müssen, an andere zu verlieren

– Google Wörterbuch

eifersucht und angst vor dem verlust des  partners
Angst vor dem Verlust des Partners an jemand anderen, Angst vor Ausschluss und Alleinsein, Ablehnung und Liebesentzug, Schuld und Scham: All das steht mit Eifersucht in Verbindung. Ein explosives Gemisch für jede Beziehung.

Diese Definition der Eifersucht hat sicher keinen hochwissenschaftlichen Anspruch, trifft aber den Kern der Sache. Eifersucht ist kein per se grundloser Kontrollwahn, sondern entsteht beim Betroffenen aus eben dieser Angst vor Liebesentzug, Verlust und Ablehnung. Auch die Angst vor dem Alleinsein steht oft mit Eifersucht in Verbindung. Hier geht es also um das Gefühl, nicht gut oder genug zu sein, nicht wertvoll für eine Partnerschaft, weil man seinem Wert nicht vertraut – und es auf den anderen projiziert. Im Kleinen ist Projektion eine normale, menschliche Strategie der Angstabwehr. Aber Eifersucht hat nur deshalb so hohes Bedrohungspotenzial, weil wir nach einer legitimen Grundlage für unsere Gefühle suchen und hier leider beim Partner: Denkt man selbst, jemand anderes wäre wertvoller für den eigenen Partner, heißt das nicht, dass der Partner das auch so sieht. Doch Angst als Feuer verbrennt nicht nur einen selbst, sondern auch andere. Um (sich selbst) zu verstehen, was und wieso du eifersüchtig bist, muss der Partner schuldig gesprochen wären – daran, dass er/sie dich nicht (genug) lieben würde. Das geschieht unbewusst und ist oft nicht einmal böse gemeint. Dennoch schürt kaum etwas anderes größeres Misstrauen in einer Partnerschaft als dieser bewusste/unbewusste Vorwurf.

Da Angst ein so mächtiges Gefühl ist, besonders, wenn man keinen gesunden Umgang mit dem Gefühl gelernt hat, kann Eifersucht in einer Beziehung wie Sprengstoff wirken und nicht selten wird sie zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Sie kommt aber auch außerhalb von Liebesbeziehungen vor: unter Geschwistern, Freunden, in der Sportmannschaft und sogar bei Tieren, hier zum Beispiel als Futterneid. Aber an keiner anderen Stelle hat sie ein so großes Zerstörungspotenzial wie dort, wo zwei Menschen ursprünglich freiwillig und aus Liebe zueinander gefunden haben. Hier erhält die Liebe schnell den Charakter des Besitzdenkens.

Bitte nicht falsch verstehen: Ein gewisses Maß an Eifersucht ist ganz natürlich und sogar gesund für eine Beziehung – immer vorausgesetzt, dass das Grundvertrauen da ist. Schließlich zeigt sie auch, dass der Partner immer noch als begehrenswert angesehen wird. Kleinere Konflikte können sogar dazu dienen, immer wieder über das Verhalten in der Beziehung zu reflektieren – und so das Miteinander zu verbessern, anstatt sich in der Sicherheit der Routine gehen zu lassen. Wird jedoch das gesunde Maß überschritten und die Eifersucht krankhaft, leidet das Vertrauensverhältnis in beiden Richtungen. Das ungute Gefühl, sich als überwacht, nicht vertrauenswürdig und unter Druck gesetzt zu empfinden, nicht mehr frei agieren zu können, kann dazu führen, dass tatsächlich die Suche nach einer anderen Person als Partner beginnt. Damit kann Eifersucht der Anfang vom Ende der Beziehung sein.

Wie äußert sich krankhafte Eifersucht?

ab wann ist eifersucht krankhaft
Wann ist Eifersucht begründet und ab wann wird sie krankhaft?

Das Spionieren im Handy des Anderen ist wohl der Klassiker unter den Taten eifersüchtiger Menschen genauso wie bohrende Fragen, mit wem man sich trifft oder auch wieso man später kommt oder keine Zeit hat, ohne den Anderen ausgeht oder weniger Zuwendung schenkt als vorher. Dahintersteht immer die Frage: Gibt es Nachrichten oder Anrufe, die darauf hinweisen, dass es eine andere Person gibt – um eine Grundlage für seine Gefühle zu finden?

Krankhafte Eifersucht ist in erster Linie durch solche Kontrollzwänge geprägt. Heimliches Nachlaufen, Social Media Stalking, Handykontrolle, das Ansetzen der besten Freundin als Spionin, das Googeln der vermeintlichen Konkurrenz – all dies sind Verhaltensweisen, die über das Normalmaß der Eifersucht hinausgehen. Oft tritt die Eifersucht auch in vermeintlich harmlosen Situationen zutage: Bei Gesprächen auf einer Party, beim Geschäftsessen, bei unbekannten Nummern auf dem Smartphone, die einen ganz harmlosen Hintergrund haben.

Statt sachlich und konstruktiv zu fragen und die harmlose Antwort zu akzeptieren, wird weiter gebohrt und gestichelt. Das Gefühl, es könnte doch mehr dahinter stecken, lässt den Betroffenen nicht mehr los. Beim Partner sollen Schuldgefühle ausgelöst werden und man selbst will seine unbändige Angst loswerden – gleichzeitig äußert sich immer wieder der Wunsch, kontrollieren zu können, was nicht kontrollierbar ist.

Woher kommt Eifersucht?

was eifersucht mit der angst vor ablehnung zu tun hat
Eifersucht findet sich oft bei Menschen mit entsprechenden Erfahrungswerten oder einem angeschlagenen Selbstwert.

Oft gibt es einen konkreten „Auslöser“ für einen Eifersuchtsanfall, gepaart mit Erfahrungswerten aus der eigenen Vergangenheit und/oder der Vergangenheit des Partners: Eine unbekannte Nummer auf dem Handydisplay, Blicke, zu lange Gespräche, die Geschäftsreise oder vermeintlich grundlose Überstunden, früher bereits betrogen worden zu sein oder das Wissen, dass der Partner früher in anderen Beziehungen untreu war.

Die Ursache ist jedoch an ganz anderer Stelle zu suchen: in der Vergangenheit der eifersüchtigen Person.

Häufig sind die Gründe für die Eifersucht sogar in der Kindheit zu suchen. Mangelnde Aufmerksamkeit durch die Eltern kann eine Ursache für Eifersucht sein, aber auch Geschwisterrivalitäten und das Gefühl, stets nachrangig behandelt worden zu sein. Durch Zeitmangel oder Desinteresse ist hier bereits ein Defizit an Zuwendung entstanden. Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist und immer um die Gunst der eigenen Eltern buhlen musste, ist anfälliger für Eifersucht als Einzelkinder, die in stabilen und liebevollen Verhältnissen aufgewachsen sind. Auch wer in der Kindheit mitansehen musste, wie ein Elternteil den anderen betrogen hat, entwickelt oft ein gestörtes Vertrauen in seine eigenen Beziehungen.

Die Erfahrungen in den eigenen Liebesbeziehungen können ebenfalls eine große Rolle bei der Entwicklung von Eifersucht spielen. Tatsächliche Vertrauensbrüche durch Fremdgehen sowie eigene Untreue, aber auch die Abwertung der eigenen Person können zu weniger Vertrauen in sich selbst und in den Partner führen.

So kannst du deine eigene Eifersucht eindämmen

bist du eifersüchtig? so überwindest du deine eifersucht

Du hast erkannt, dass du immer wieder eifersüchtig bist – und dass diese Tatsache deine Beziehung belastet? Das ist bereits ein wichtiger Schritt. Mach dir klar: In Wirklichkeit zweifelst du mehr an dir selbst und deinem Wert als an deinem Partner und seinem Verhalten. Diesen Sachverhalt musst du erst einmal für dich akzeptieren lernen. Doch mit Übung kannst du deine Gefühle annehmen und mit Empathie, Mitgefühl für dich selbst, umwandeln. Das stärkt das Vertrauen in deinen Partner und vor allem in dich. Hilfreich ist es auch, den Partner mit ins Boot zu holen und um Hilfe dabei zu bitten, seine eigene Eifersucht in den Griff zu bekommen.

Im nächsten Schritt kannst du auf Ursachensuche gehen. Stelle dir folgende Fragen:

  • Hat dein Partner dich tatsächlich schon betrogen?
  • Gibt es Menschen im Leben deines Partners, die dir attraktiver erscheinen als du selbst?
  • Bist du in früheren Liebesbeziehungen schon einmal betrogen worden? Was glaubst bzw. weißt du, war der Grund?
  • Bist du bisher in all deinen Beziehungen eifersüchtig gewesen?
  • Hast du Geschwister oder bist du Einzelkind?
  • Bist du bei deinen Eltern Zeuge von Untreue geworden?
  • Haben deine Eltern dir (in deinen Augen) unzureichende Aufmerksamkeit geschenkt? Dafür aber den Geschwistern, anderen Kindern, Personen oder Aktivitäten?
  • Wurde dir in deiner Vergangenheit vermittelt, dass du nicht liebenswert oder gut genug wärst?
  • Haben sich Glaubenssätze in dir gebildet wie “Für mich gibt es keine echte Liebe.” oder “Niemand bleibt bei mir. Alle verlassen mich.”?

Möglicherweise trifft mehr als ein Punkt auf diese Liste zu. Wenn du das Thema identifiziert hast, das zu deiner Eifersucht führt, solltest du versuchen, es zu bearbeiten, um damit abzuschließen. Je nach Schweregrad helfen dir schon einige offene Gespräche ein Stück weiter– es kann aber auch eine Therapie sinnvoll sein.

Was du als Erstes lernen solltest: deine eigene Liebenswürdigkeit zu erkennen. Der Schlüssel zum Sieg über die Eifersucht ist die Selbstannahme, die vollkommen unabhängig von deinem Partner oder anderen Personen ist. Diese Unabhängigkeit ist generell wichtig: Was wäre, wenn dein geliebter Partner oder eine andere wichtige Person morgen nicht mehr da wäre? Du kannst einen Menschen schließlich auch auf andere Weise verlieren als nur an jemand anders.

Deine Eifersucht ist zudem kein „Beweis“ für Liebe. Mach dir klar, dass du jederzeit auf deinen eigenen Füßen stehen können solltest. Diese Eigenständigkeit hat nichts damit zu tun, dass du deinen Partner weniger schätzt oder keine Liebe bzw. keine Partnerschaft bräuchtest. Sie ist vielmehr die Basis für eine gesunde Liebesbeziehung.

Die Verhaltensmuster, die deinen Partner einengen oder seine Privatsphäre mit Füßen treten, gilt es abzulegen. Schließlich erwartest du auch den Respekt vor deiner eigenen Privatsphäre, selbst dann, wenn es nichts zu verbergen gibt. Es ist wichtig, dass du (wieder) lernst zu vertrauen. Werde dir bewusst, dass du nicht alles kontrollieren kannst und sich dahinter oft “nur” Zukunftsängste durch geprägte Ängste aus deiner Vergangenheit verstecken.

So verstehst du deinen eifersüchtigen Partner

ist dein partner eifersüchtig? wie du ihm helfen kannst
Gemeinsam ist es leichter: Aber keineswegs sollte die Angst des Anderen über das eigene Leben herrschen, nur der Harmonie willen.

Wenn dein Partner oder deine Partnerin immer wieder grundlos und/oder krankhaft eifersüchtig ist, leidet eurer Miteinander. Aber solange du keinen objektiv nachvollziehbaren Anlass zur Eifersucht gegeben hast, gibt es nichts, was du selbst tun oder ändern könntest – oder doch?

Um eine Verbesserung der Situation zu erzielen, kannst du aktiv das Gespräch suchen. Ergreife ruhig die Initiative und bringe das Thema „Eifersucht“ auf den Tisch. Ganz wichtig: Vermeide jegliche Vorwürfe, Anklagen und alles, wodurch dein Partner das Gefühl bekommen könnte, dass du ihm die Schuld zuweisen möchtest. Denn dadurch würden sich die ohnehin vorhandenen Selbstzweifel und Verlustängste noch verstärken.

Besser ist es, Fragen zu stellen:

  • Welche Situationen lösen die Eifersucht aus?
  • Bezieht sich die Eifersucht nur auf bestimmte Personen?
  • Was geht im Kopfkino des Eifersüchtigen vor?
  • Welche Erfahrungen in früheren Beziehungen „rechtfertigen“ die Eifersucht?
  • Gab es im Kindesalter Momente der Zurückweisung oder des Verlassenwerdens?
  • Haben die Eltern ein von Unsicherheit geprägtes Beziehungsmuster vorgelebt?

Du kannst durch das Stellen dieser Fragen zeigen, dass du ernsthaft an einer Klärung der Situation interessiert bist – und gleichzeitig ehrliches Interesse am Partner beweisen. Es kann bereits eine große Hilfe sein, dass dein Partner sich von dir ernst genommen fühlt. Darüber hinaus eröffnen ihm diese gedanklichen Anstöße die Möglichkeit zur Selbstreflexion über die Ursachen seiner Eifersucht. Wenn er dafür offen ist, kann er in Zukunft Situationen, die Eifersucht in ihm auslösen, anders bewerten.

Wenn du die Ursachen herausgefunden hast, entwickele mit ihm/ihr einen Plan, wie ihr es gemeinsam schafft, die Eifersucht zu reduzieren. Dieser Plan muss natürlich gesunde Strukturen haben. Ungesund wäre es beispielsweise, wenn du alles offenlegst oder dich nicht mehr frei in deinem Leben bewegen kannst. Ungesund ist es, wenn dich die Angst des Anderen beherrscht und du eine eigene Angst vor der Angst deines Partners (und dem, was er/sie wegen seiner/ihrer Angst macht) entwickeln würdest. Das ist der sichere Weg in eine Co-Abhängigkeit. Harmonie um jeden Preis aufrechtzuerhalten, aus der eigenen Angst vor Streit, Traurigkeit und Wut des Partners, Schweigen als Strafe oder andere Maßnahmen des Partners, um sich emotional auszudrücken, ist nicht hilfreich. Wir sind alle erwachsen und müssen besonders dann dringend lernen, mit schweren Gefühlen umzugehen, wenn wir diese bisher eher verdrängt haben. Das ist nicht nur machbar, sondern auch dienlich für den Rest des Lebens.

Eine wichtige Erkenntnis für dich selbst kann sein, dass die Eifersuchtsanfälle nicht aus bösem Willen erfolgen, sondern aus Verlustangst – selbst dann, wenn vermeintlich ein Machtspiel im Vordergrund steht. Denn auch die Ausübung von Macht resultiert allzu häufig aus einer zugrundeliegenden Unsicherheit.

Mache deinem Partner im Gespräch aber deutlich, dass du dich hin und wieder – wie jeder Mensch in einer gesunden, funktionierenden Beziehung – abgrenzen musst und Freiräume brauchst.

Der Umgang mit Grenzfällen

eifersucht und verlustangst

Der kleine Plausch mit der Kollegin oder eine kecke, aber freundschaftliche WhatsApp-Nachricht sind im Normalfall kein Grund zur Besorgnis, dass die Beziehung den Bach runter gehen könnte – auch wenn der Eifersüchtige es anders empfindet. Aber manchmal ist es gar nicht so einfach, berechtigte von unberechtigter Eifersucht abzugrenzen: Was ist, wenn da doch mehr ist …?

Ein typisches Beispiel:

Abends beim Ausgehen trifft die Partnerin auf einen alten Schulfreund, den sie seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat – und beginnt ein stundenlanges Gespräch mit ihm. Alles um sie herum scheint vergessen, selbst der Partner, der einsam mit seinem Bierglas herumsteht und dem Treiben hilflos zuschaut. Bis er vor allen Anwesenden eine Szene macht – oder seiner Partnerin beim Heimgehen Vorwürfe. Während die Partnerin und der Schulfreund sich nach so langer Zeit verständlicherweise viel zu erzählen haben, startet beim eifersüchtigen Partner das Gedankenkarussell. Nicht ganz zu Unrecht, denn ihm fehlt wichtiges Hintergrundwissen, um die Situation einschätzen zu können: Waren die beiden vielleicht mal ein Paar? Und könnte wieder etwas daraus werden? Die Situation verschärft sich, wenn die Partnerin auf ihren Ex trifft und dem jetzigen Partner diese Tatsache bekannt ist.

In solchen Momenten ist von beiden Seiten viel Fingerspitzengefühl gefragt. Die Partnerin könnte zum Beispiel ihren Partner mit ins Gespräch holen, um ihm nicht das Gefühl zu geben, dass er auf einmal unwichtig ist. Wenn sie ihn vorstellt und sagt: „Das ist mein Partner Michael, mit dem ich seit fünf Jahren durch dick und dünn gehe und ohne den ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen kann.“ – hat allerhöchstens der Ex-Freund noch einen Grund zur Eifersucht.

Was ich damit zeigen möchte: Kommunikation und gesunder Rückhalt sind allen Situationen ein wichtiges und nützliches Werkzeug, um mit schweren Gefühlen umzugehen und diese zu transformieren. Solange sie gewaltfrei bleibt, kann sie heilen und die Partnerschaft nähren. Sollte man selbst aber beim Partner nicht mehr weiterkommen, ist der Besuch bei einem fachkundigen Spezialisten wie zum Beispiel Paartherapeuten oder Psychologen sicher eine Überlegung wert – wenn man die Beziehung nicht aufgeben möchte.

Leseempfehlungen*:

Eifersucht: Vertrauen lernen – die Angst nicht geliebt zu werden, überwinden von Dr. Rolf Merkle

Ändere nicht deinen Partner, ändere dich selbst: Negative Beziehungsmuster erkennen und auflösen von Gabriela Friedrich

Das kleine Übungsheft: Eifersucht verstehen und überwinden von Yves-Alexandre Thalmann

Trennung von der Dualseele: Warum Loslassen wichtig ist

Trennung von der Dualseele: Warum Loslassen wichtig ist

Der perfekte Partner, der wie ein Puzzleteil zu einem passt: Wer wünscht sich das nicht? Doch hat man seine Dualseele gefunden, bedeutet das nicht, dass man für immer zusammenbleiben wird. So ideal zwei Dualseelen sich ergänzen können, so sehr können sie einander auch verletzen. Dualseelenliebe kann unheimlich schwer sein, denn nicht immer sind beide Partner bereit für das gemeinsame Glück. Der Weg dorthin ist von Hindernissen gepflastert und nicht selten muss man vorerst wieder auseinandergehen. Das ist sogar wichtig, um später noch einmal zusammenfinden zu können – dann unter besseren Vorzeichen. Was bedeutet es, sich von seinem Seelenpartner zu trennen?

Dualseelenliebe: Was ist das eigentlich?

aber bleiben sie auch für den rest des lebens zusammen?
Dualseelen: vorherbestimmte Partner.

Dualseelen entstammen ein und derselben Ur-Seele. Sie wurde vor langer Zeit in zwei Teile gespalten, die jeder für sich auf die Welt kamen. Ihr ganzes Leben lang und über alle Inkarnationen hinweg zieht es die getrennten Dualseelen wieder zueinander hin. Sie sehnen sich danach, mit ihrem Partner vereint zu werden. Viele Menschen spüren eine solche Sehnsucht in sich, noch bevor sie überhaupt wissen, dass es diesen anderen Part gibt, der untrennbar zu ihnen gehört. Wenn sie ihm jedoch begegnen, empfinden sie eine innige Verbindung, die stärker ist als alles, was sie zuvor erlebt haben. Sie haben das Gefühl, erst diese andere Person könne sie und ihr Leben vollständig machen. Aus einer solchen Begegnung entstehen leidenschaftliche Beziehungen.

Im Idealfall sind beide Partner im perfekten Einklang und erleben eine intensive, authentische und liebevolle Beziehung – aber ein solches Traumpaar sind sie nicht von Anfang an. Das große Glück wird erst ganz zum Schluss erreicht: nämlich dann, wenn beide ihre Lernaufgaben gemeistert haben. Zwar können die Seelen auch vorher schon zusammenfinden, dann jedoch gibt es häufig Probleme. Viele Dualseelenpartnerschaften zeichnen sich durch starke Gefühle und Leidenschaft, aber auch durch Streit und Krisen aus. Die Liebe wird zu einem harten Kampf, der mit viel Leid verbunden ist.

Warum ist Dualseelenliebe so schwer?

dualseelenliebe ist schwierig - aber warum?
Die Liebe zwischen Dualseelenpartner ist oft mit großem Schmerz, Angst und vielen Krisen verbunden.

Ein Grund, warum Dualseelenliebe so kompliziert ist, besteht darin, dass sie die Schattenseiten eines jeden Partners zum Vorschein bringt. Noch dazu unterscheiden sich die Seelen sehr voneinander: Ein Part ist meist ein Gefühls-, der andere ein Verstandesmensch. Ersterer möchte in Emotionen schwelgen und sucht Nähe, während Letzterer sich überfordert fühlt und abblockt. Der emotionale Partner investiert stark in die Beziehung und ist bereit, sich dafür aufzuopfern, wohingegen der andere eher auf sich selbst achtet und sich vor zu viel Innigkeit schützen möchte. Die enorme Kraft der Dualseelen-Verbindung macht ihm Angst.

Diese Dynamik lässt ein Ungleichgewicht entstehen, das zu Leid, Angst und Verletzungen führt. In einem solchen Fall ist es besser, sich zu trennen. Erst wenn jeder Partner auch die ihm fehlenden Eigenschaften erlangt hat und in sich selbst ein Ganzes bildet, können die Seelen erneut zusammenfinden und die große Liebe leben, die für sie vorgesehen ist. 

Wann und warum ist eine Trennung wichtig?

Wenn zwischen euch ständig Streit herrscht, ihr von einer Krise in die nächste rutscht oder gemeinsam mehr schlimme als schöne Momente erlebt, ist eine Trennung notwendig – auch wenn ihr euch lieben. Zieht ein Partner sich vom anderen zurück und bricht den Kontakt ab, dann ist Klammern ebenfalls die falsche Lösung. Jetzt ist es wichtig, die Dualseele loszulassen

Jeder Einzelne muss nun erst einmal seine Lernaufgabe erfüllen und zu sich selbst finden. Das Verhalten, welches in der Beziehung störend war, muss überwunden werden – das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Es kann viele Jahre dauern. Während beide Seelen getrennt sind, arbeiten sie an sich, lernen und wachsen an ihren Aufgaben. In dieser Zeit stehen andere Dinge im Vordergrund und auch andere Partnerschaften können jetzt gut und richtig sein. 

Die Trennung bedeutet nicht das Ende der Dualseelenliebe 

Einander loszulassen, bringt die beiden Seelen ihrem gemeinsamen Glück einen großen Schritt näher. Nur so ist es möglich, dass sie sich zu einem späteren Zeitpunkt wiederbegegnen und ihre Liebe endlich in Harmonie leben können. Dass diese erneute Begegnung stattfinden wird, ist sicher – denn nichts kann Dualseelen endgültig entzweien. Sie bleiben verbunden und gehören zusammen, egal, was geschieht.

Da der entscheidende Entwicklungsprozess jedoch nicht innerhalb der Beziehung stattfinden kann, ist es notwendig, getrennte Wege zu gehen. Nur indem man loslässt, gibt man der Liebe die Chance, irgendwann zu einer erfüllenden, glücklichen Partnerschaft zu werden. Finden beide Dualseelen später wieder zusammen, sind sie noch immer zwei verschiedene Persönlichkeiten – doch nun sind sie weiser, haben mehr Verständnis füreinander und ergänzen sich perfekt.

Loslassen erfordert Mut und Kraft 

loslassen der dualseele
Liebeskummer hoch 10: Wieso die Trennung von der Dualseele so unendlich viel schmerzhafter ist

Sind andere Trennungen schmerzhaft, dann sind Dualseelentrennungen fast unerträglich. Sie bringen extreme Trauer und Verlustgefühle mit sich. Man fühlt sich einander so nah, dass man glaubt, ein Teil von einem würde fehlen. Um den Schmerz zu überwinden, gilt es, positiv nach vorn zu schauen. Tue Dinge, die dir Freude bereiten, sprich mit Menschen, die dich unterstützen, und verliere nicht die Hoffnung: Die Zeit heilt alle Wunden – auch diese. Es wird leichter.

Viele tappen jetzt in eine Falle: Sie hoffen insgeheim, den Seelenpartner bald zurückzugewinnen. Der Versuch, sich weiterzuentwickeln, geschieht mit dem Hintergedanken, sich irgendwann wieder mit der Dualseele zu vereinen. Doch diese Motivation hindert dich daran, wirklich loszulassen. Bedenke: Es kann viel Zeit vergehen, bevor ihr beide einander wiederfindet. Möglicherweise geschieht das auch erst im nächsten Leben. Darauf zu warten, ist also nicht sinnvoll.

Die Dualseele loszulassen, heißt, sich selbst zu finden 

extreme Trauer nach Trennung von Dualseele ist normal

In erster Linie geht es nun darum, zu wachsen. Kümmere dich um dich, dann wird sich vieles von selbst ergeben. Wenn du Kraft und Lebenslust in dir findest, erkennst, was dir guttut, was dir Freude schenkt, woran du arbeiten möchtest und welche Aufgaben du im Leben erfüllst und zu erfüllen hast, kommst du mit dir ins Reine. Nimm dir dafür Zeit und sei offen für alle Erfahrungen, die du auf deiner Reise machst. So tankst du Selbstvertrauen und wirst immer mehr du selbst. Das ist die Voraussetzung für ein glückliches Leben – und schließlich auch für eine erfüllende Dualseelenliebe.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Lisanne Heine.

On-Off-Beziehungen als Signal aktiver & passiver Beziehungsangst

On-Off-Beziehungen als Signal aktiver & passiver Beziehungsangst

 

Ein beinahe Gegenteil zur Verlustangst ist die Angst vor der Nähe, die sich oft in einer On-Off-Beziehung spiegelt. Dennoch können beide gleichzeitig auftreten, was sich in der Nähe-Distanz-Problematik (oft aktiver und passiver Beziehungsangst) in On-Off-Beziehungen deutlich zeigt. In diesem Fall fürchtet man bei zu viel Nähe einen Verlust kommen, weshalb man diese vermeidet. Deshalb hat man Schwierigkeiten, sich auf den Partner einzulassen. Einher damit geht also auch die Sorge um das, was man wert ist oder nicht wert ist, geben kann oder nicht, auch wenn es so aussieht, als wäre der Partner/die Partnerin der Grund zur Sorge.

 

On-Off-Beziehungen und die Angst vor der Nähe

nähe und distanz in einer on-off-beziehung zeigen bindungsangstIn einer On-Off-Beziehung führen Paare eine wellenförmige, mal existente, dann wieder aufgelöste Partnerschaft. Bei kleinsten Streitigkeiten oder zu viel Nähe zieht sich einer der beiden zurück und vollzieht eine Trennung, meist ohne erkennbaren Grund oder frühzeitige Signale. Solche Partner mögen das Drama, sie lieben die Partnersuche, den Nervenkitzel und vor allem: das Gefühl, nicht gebunden zu sein, sondern frei, den Kampf ums Geliebtwerden und Gewinnen. Doch während sie diese Sehnsucht nach Abenteuer ausleben, verspüren sie genauso oft das Bedürfnis, in einer sicheren und harmonischen Beziehung zu sein. Dadurch ergeben sich wie in einem Graphen im Mathematikunterricht Wellen, die für mindestens einen Partner (meist Frauen) nur schwer ertragbar sind. Wer sich als Spielball fühlt und versucht, den Partner von sich, der Qualität der Liebe und Beziehung oder der Liebe an sich zu überzeugen, ist oft im passiven Angstschema verhaftet, während der Flüchtende, der Ungläubige und Misstrauende der aktive Angsttyp ist. Denn: Zieht sich der Partner/die Partnerin zurück, beginnt zwar derjenige sich sicherer zu fühlen, da die Angst abnimmt. Doch die Fantasien beginnen erneut und ein Teufelskreis setzt ein: Aus dem Off, in dem der Ängstliche sich sicherer fühlt, erwacht erneut der Anteil, der Nähe und Liebe wünscht. Das Lust auf das On wird aktiviert. So wiederholt sich ein- und dieselbe Erfahrung. Im On erschafft man immer und immer wieder, bei möglicher Nähe, eine Bedrohung, eine lauernde Gefahr, die erneut ins Off führt.

 

Woher kommt die Angst vor Nähe und Distanz in einer On-Off-Beziehung?

was ist eine on-off-beziehung?Betroffene, die unter der Angst eines Partners leiden, können sich die Beweggründe und Gedanken des distanzierten Partners anschauen:

Die Identität (Lebensgestaltung, Werte, Bedürfnisse, Zukunftsträume usw.) eines Menschen im On einer On-Off-Beziehung wird bedroht. Der aktive, ängstliche Partner projiziert auf den anderen Partner ein Monster, eine verschlingende Gestalt, um die eigene Autonomie zu schützen, sein Selbst zu schützen und nicht der Angst ausgesetzt zu sein, eventuell doch nicht zu genügen. Diese Bedrohung zeigt, dass die Menschen an einem wichtigen und charakterstärkenden Scheidepunkt sind, an dem sie einen weiteren Schritt gehen müssten: zu sich hin. Die Autorin und Psychoanalytikerin Verena Kast sagt, die Angst vor Nähe hätte viel „mit dem Drang zur Selbstständigkeit und der [Anmerkung von mir: gleichzeitigen] Angst davor“ zu tun, „die in jedem Menschen angelegt ist“.

Kast führt diese Angst vor Nähe darauf zurück, dass die Ich-Werdung im Laufe des Lebens zu wenig ausgeprägt worden ist oder unterbrochen wurde. Deshalb erscheint Nähe gefährlich, weil „das Wenige an eigenem Selbst, das man errungen hat“, wieder verloren gehen könnte. Verbunden damit trauen sich viele dennoch nicht, ihre Individuation fortzusetzen, denn das hieße, man müsse Trennungs- bzw. Loslösungsschritte wagen. Man sieht nur noch die Bedrohung, nicht aber das wahre Gesicht des Partners oder der Partnerin. Lieber bleibt man Single.

Menschen, die Angst vor Nähe haben, sind häufig auch Menschen, die in ihren Ansprüchen an ihren Partner übertreiben. Das kann sogar in Beziehungsgier, statt bloßer Beziehungssehnsucht, ausarten, weil „es doch endlich einmal klappen müsse“.

Was bei dem anderen als gefährlich erscheint, könnte man also auch an sich selbst erkennen. Das ist weniger dramatisch, als es klingt, weil es sich hier nur um einen Teil der Person handelt, der sich selbst außer Gefecht setzt. „Und so betrachtet, hätte die Angst vor Nähe einen tiefen Sinn, denn die Angst vor Nähe würde bewirken, dass er selber nicht diesen [Anmerkung von mir: den eigenen] gierigen, vampirhaften, aussaugenden Seiten verfällt.“ Das ist einer der Tipps, die Verena Kast in ihrem Buch “Vom Sinn der Angst” gibt.

Wir sprechen damit von der Angst vor Vereinigung bzw. Verschmelzung, der Ich-Aufgabe und der eigenen Identität. In Macht-Ohnmachts-Beziehungen, die wir als „Es ist kompliziert.“ bezeichnen, als „emotional übergriffig“ bzw. „einseitig“, in denen bewusst mit Angst, Nähe und Distanz gespielt wird, um die Kontrolle zu behalten, würden wir meist Partner finden, die beide sehr große Angst vor Nähe haben. Unsere eigene Angst vor Bestimmen- und Übergreifenwollen, den anderen zu manipulieren, findet sich auch in dem anderen Partner wieder. Es drückt beiderseitig die Angst aus, sich hinzugeben und eventuell zu verlieren.

Ganz besonders abwesende Personen würden Trennungsaggressionen fördern, so Kast. Sie strapazieren unsere Nerven und unseren Selbstwert. Wenn bereits zuvor solche zeitweiligen Trennungen vorgekommen sind, ist es wenig überraschend, dass eine erneute Abwesenheit, auch eines neues Partners, recht schnell dieselben negativen Verlustgedanken auslösen, die wiederum zu Angst wird: Die Nähe steht erneut in Verbindung mit einer drohender Trennung.

 

Anzeichen für Angst vor Nähe

Typisch für Angst vor Nähe sind folgende Anzeichen/Signale:

1) Plötzliches Unbehagen in der Gegenwart des Partners oder der Partnerin (körperliche Anwesenheit kaum mehr ertragen können, weil sie fürchten, nicht genug Raum zu bekommen oder gar atmen zu können)

2) Kritisieren, Herummäkeln und Abwerten, Bagatellisieren, Projizieren

3) Ekel-Gefühle und sich körperlich abgestoßen fühlen, keine Liebesgefühle mehr empfinden (Sie sind einfach “weg”.)

4) fluchtartiger Rückzug

Diese treten meist erst zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Beziehung auf, wenn es “zu nah, zu ge-bund-en” wird.

 

Aktive und passive Beziehungsangst

wieso gerate ich immer an den falschenSteven Carter und Julia Sokol unterscheiden in ihrem Buch „Nah und doch so fern“ zwischen aktiver und passiver Bindungsangst. Aktiv ist derjenige, der sich immer wieder trennt und wieder ankommt. Passiv ist derjenige, der sich darauf einlässt und sich eventuell nicht traut, es dem aktiven Part nachzumachen. Die Autoren sagen vor allem, dass passive Beziehungsangst entweder bereits am Anfang der negativen Beziehung vorhanden gewesen sei oder aber durch eine On-Off-Beziehung ausgelöst werde. Es gibt nicht nur den Partner, der Angst hat, sondern auch den anderen Partner, der entweder dieselbe Angst hat oder aber durch die schwierige On-Off-Beziehung entwickelt.

Aus meiner Erfahrung können besonders empathische und hochsensible Personen sowie Menschen mit suchtkranken Eltern/Angehörigen eine solche Dynamik (passiv/aktiv) entwickeln, die sich in ihrem Bindungsstil widerspiegelt. Sie sind besonders gefährdet, wenn es um Co-Abhängigkeiten geht. Diese Thematik und besonders ihre Entstehung bis hin zum Bindungsstil (der sich ändern kann!) ist sehr umfangreich. Deshalb verweise ich an dieser Stelle auf mein Buch “Du liebst mich oder doch nicht?” und auf meine Masterclass zum Thema Bindungsangst.

 

Aktive Bindungsangst finden wir zumeist bei Menschen, die

  • sich unendlich viel Mühe geben, uns zu “kriegen”, nur um uns dann wieder abzuweisen
  • zweischneidige Gefühle gegenüber Beziehungen haben bzw. offen aussprechen würden, dass diese ihnen Angst machen
  • an den einen “idealen” Partner glauben, der ihnen ihre Angst nimmt bzw. mildert
  • oft Distanz suchen, darauf bestehen
  • eine negative Einstellung zu Beziehungen haben und dadurch einem ehemaligen oder jetzigen Partner wehtun
  • Fehler und Gründe suchen, weswegen sie keine Beziehung wollen
  • ausweichen, je intensiver, näher und fester die Beziehung wird
  • häufig über bestimmte Aspekte entscheiden (Häufigkeit der Treffen, Dauer, Zeitpunkt, etc.)
  • sich sofort eingeengt fühlen, wenn jemand Ansprüche an sie hegen könnte oder hegt
  • die Erwartungshaltung des Partners mit allen Mitteln versuchen, so gering wie möglich zu halten (in dem sie im Vorfeld schon alles besprechen und den Takt bzw. die Richtung, das Ziel der Bekanntschaft/Beziehung, vorgeben)
  • schnell einen neuen Partner haben, wenn eine andere Beziehung zu Ende gegangen ist
  • meist sehr viel Raum und Zeit für sich brauchen und sich durch andere in ihrem Raum bedroht fühlen.

 

Passive Bindungsangst hingegen äußert sich bei Menschen, die

  • sich trotz der offensichtlichen Angst des anderen auf den- oder diejenige einlassen (wollen)
  • viel träumen bzw. an Ex-Partner denken oder Personen, die unerreichbar sind
  • sich häufig für Partner interessieren, die vergeben sind oder aber unpassend für sie selbst
  • sich eher für die Beziehung und um eine zu haben interessieren, als um den Menschen an sich
  • die Verbindung zu jemandem als intensiver empfinden, wenn der- oder diejenige nicht zu haben ist bzw. weit weg wohnt, als wenn die Person in der direkten Nähe wäre
  • “Durchschnittsbeziehungen” langweilig finden und sich eher für abenteuerliche und spannende Menschen interessieren, als für sicheren Halt in einer festen Bindung
  • gern das Verhalten des Partners ändern möchten
  • übermäßig lang an Zeit benötigen, um über das Ende einer Beziehung hinwegzukommen
  • an das Wunder, die eine große Liebe glauben
  • nichts unternehmen möchten, um Partner kennenzulernen, die auch geeignet und erreichbar wären
  • nicht an die natürliche Entwicklung von Gefühlen in einer Beziehung glauben wollen, sondern sofort alles sehen und fühlen möchten
  • meinen, schon am Anfang zu wissen, dass eine beginnende Beziehung “schiefgehen” wird.

 

Gleich und gleich gesellt sich gern: Aktive und Passive Beziehungsängstliche ziehen sich magisch an. Aber wieso?

Interessant ist, dass sich aktive und passive Menschen mit diesen Ängsten suchen – und finden. Gegenseitig zeigen sie sich ihre Ängste. Der passive Part beispielsweise braucht so keine Angst zu haben, eine Beziehung führen zu müssen und kann darauf vertrauen, dass der aktive Partner die Nähe und Beziehung meiden wird. So müssen sie selbst nichts unternehmen, um die Bindung abzubrechen oder zu kontrollieren. Leider sehen passive Beziehungsängstliche ihre Bindungsphobie oft nicht: Sie beharren stattdessen darauf, dass sie alles richtig täten und der andere Partner an allem Schuld sei und nicht lieben würde oder wollte. So wehren sie ihre eigene Angst ab, um sie nicht erkennen zu müssen. Aktive Beziehungsphobiker hingegen leiden oft unter ihrer Angst und sind sich ihr auch meist bewusst, wollen aber an ihrer eigentlichen Angst, zum Beispiel der Angst vor Nähe, vor Selbstverlust oder vor Trennung selten arbeiten bzw. verneinen diese oder machen ihre Angst von bestimmten Personen abhängig.

Laut Experten würden circa 50 Prozent der Menschen aktive Beziehungsvermeider kennen- und vielleicht lieben lernen, ohne selbst bindungsphobisch zu sein.

Doch verleugnen viele ihre Bindungsängste bzw. sind sich dieser nicht bewusst. Für Psychologen ist die Verleugnung ein unbewusster Abwehrmechanismus, der Ängste minimieren soll, in dem Schwierigkeiten und unerwüschte Impulse verneint werden. Menschen wehren Konflikte in ihrem Leben ab, sie nehmen sie erst gar nicht zur Kenntnis oder sagen schlicht, dass die Anwesenheit einer Angst oder eines Problem nicht stimmen würde. Das würde dem Schutz vor Schmerz dienen, so Carter und Sokol, besonders wenn er so groß wird, dass sie ihr alltägliches Leben nur noch beschränkt leben können. Auf der anderen Seite sei Verleugnung die sicherste Methode, um nichts ändern zu müssen und mit nichts konfrontiert zu sein. (Carter, Sokol in: Nah und doch so fern).

Diese Beziehungsdynamik lässt sich auflösen. Wie erfährst du in meiner Masterclass “Beziehungsängste” und in meinem Buch (konzipiert für Frauen mit ängstlichen Herzenspartnern, aber auch für Männer mit ängstlichen Partnerinnen geeignet). Mehr dazu findest du hier:

Beziehungsangst wie du deinem betroffenen partner helfen kannst