Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Jede Frau verbirgt eine dunkle Schwester in sich (so, wie jeder Mann einen dunklen Bruder hat), die all die ungewollten, verdrängten und verheimlichten Eigenschaften darstellt, die im offiziellen Leben nicht ausgelebt werden. Wenn du dich fragst, wieso du deine “schlechten” Angewohnheiten nicht loswirst, nicht abnimmst, keine Lust auf Sport hast, dich nicht verstellen kannst, es sich so auslaugt, dich anzupassen, du vermeintlich grundlos wütend oder traurig wirst (hier ist nicht Depression gemeint), manchmal wie ausgewechselt bist oder dich dein soziales Umfeld “nicht wiedererkennt”, weil du Stimmungsschwankungen hast oder keine Lust, zu tun, was du tun müsstest, aber nicht willst, dich nicht zu etwas aufraffen kannst usw., dann wisse: Es ist die dunkle Seite deiner Persönlichkeit. Es ist dein Schatten, das Gegenteil des Hellen, was du jedem zeigst, weil du weißt, “Das wird gemocht.” und “Das wird gern gesehen.”, “So bekommst du, was du brauchst.” (wenigstens in Teilen bzw. so verlierst du am wenigsten).

Wenn du besonders darunter leidest, etwas Lästiges nicht loszuwerden, dich nicht disziplinieren kannst oder eine scheinbar höhere Macht, dein innerer Schweinehund, stärker ist als du, dann lies diesen Blogpost.

Wie die dunkle Schwester in dir entstand und wieso sie machmal so viel Macht über dich hat

wenn anpassung nicht mehr gelingt

Ich werfe zu Beginn einige Begriffe in den Raum, die dir zeigen sollen, wie die dunklen Seiten, die dunkle Schwester, dein Schatten entstanden ist:

Erziehung – Schule – aufgezwungene Werte und Standards anderer – erwartete Anpassung – So-Sein-Müssen – Zugehörigkeit/Teilsein-Dürfen – emotionale und psychische Leistungen – Gefühle wie Wut, Trauer und Angst nicht zeigen dürfen/sollen – Erwartungen anderer – Druck, zu genügen – idealerweise keine Bedürfnisse oder Sehnsüchte haben – nicht schwierig, kompliziert oder anstrengend bzw. bedürftig sein – gesellschaftliche Erwartungen an dein Äußeres als Frau erfüllen müssen (oder glauben, es erfüllen zu müssen) – schwierige Männer in Liebesbeziehungen, passive Männer und Beziehungen, die auf deinen Schultern lasten bzw. solche, die du als übergriffig empfindest – schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen (du und deine Mutter) – überhohe Verantwortung und Pflichten – innere Hektik & Unruhe – überstarke Rationalität – Schwierigkeiten, sich zurückzulehnen, sich zu vertrauen, der Welt zu vertrauen, Entscheidungen gegen andere zu treffen, seine weibliche Seite auszuleben, Nein zu sagen, unvernünftig oder zickig zu sein, sich zu nehmen, was man will, das Leben in allen Zügen auszukosten, ein Leben zu leben, das andere nicht verstehen (nichts Solides, nichts Bodenständiges, sondern Eigenes), Schwierigkeiten, sich zu trennen oder Streit/Konflikte auszuhalten …

Das ist nur eine kleine Liste der Gründe, wie die dunkle Schwester in dir entstanden ist. Je mehr man als Frau davon in seinem Leben hat, desto stärker werden auch die Schattenseiten sich entwickeln. Sie drücken sich aus, indem sie dir aufs Gemüt drücken oder dich davon abhalten, “so zu sein, wie andere dich wollen würden”.

Die helle Schwester (der gute Zwilling) hat das gelernt und ist bestrebt, so zu sein. Die dunkle Schwester hingegen, der böse Zwilling, sucht nach Gleichgewicht und sieht genau, wenn etwas aus der Balance fällt. Sie schafft wieder Ordnung in dir drinnen – jedenfalls versucht sie das. Denn immer nur machen, tun, ertragen, schweigen, lächeln und dienen ist für keine Seele wohltuend. Im Gegenteil. Es verrät sie und jedes Herz. Es macht krank und belastet so die Psyche und den Körper.

Die dunkle Schwester ist häufig gierig: Sie hat einen drängenden Hunger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, endlosem, leidenschaftlichen Sex, Essen und Trinken, das die Sinne anregt, tiefen Gefühlen und Erfüllung, grenzenloser Freude und Spaß, nach überschwänglichen Erlebnissen und oft grenzenlosem Selbstausdruck (in welchen Bereichen auch immer). Sie will sich hingeben und empfangen oder geben und kontrollieren – je nachdem, was auf der ausgelebten Seite der angepassten Frau überwiegt. Sie will geliebt werden ohne jede Bedingung, will nichts dafür tun müssen, weder am Anfang noch mittendrin, will Verständnis für all ihre Ecken und Kanten.

Da man aber selten so lebt, sondern sich um Anpassung bemüht und darum, sich zu “benehmen”, nicht so anstrengend und fordernd, sondern eine Hilfe, lieb, sanft usw. zu sein, rutschen die wahren Bedürfnisse immer tiefer ins Dunkle ab.

Die dunkle Schwester verkörpert somit auch all die Wut, die man nie geäußert, sondern heruntergeschluckt hat. Sie trägt die Traurigkeit, Scham und Schuld, die zu schwer zu tragen war. Je mehr wir unser wahres Ich verdrängen, desto stärker wird sie – wenn wir versuchen, lieb, brav, angepasst, hübsch und „so zu sein“, wie man uns will oder wie wir denken, sein zu müssen, um gewollt, liebenswert, angesehen und akzeptiert zu werden.

macht der schattenseiten wie sie entstehen

Die dunkle Schwester ist gegen Motive (das, was dich bewegt, etwas zu tun oder zu unterlassen) wie Zugehörigkeit auf Teufel komm raus oder emotionale/psychische Leistung des Friedens oder der Liebe wegen. Sie verabscheut Co-Abhängigkeit und für andere bequeme Lebensweisen. Sie will im Mittelpunkt ihrer Abenteuer stehen und sich entdecken, auf einer Reise, die sie selbst bestimmt. Sie will ihr Ego leben und nur freiwillig korrigieren. Sie will wachsen und in Einklang bringen, zwischen Weiß und Schwarz alle Farben entdecken. Sie will Energieaustausch statt Langeweile, Blumensträuße und Kino statt Dreckwäsche und Feierabendbier. Sie will Anerkennung für ihre Eigenheiten – und sprechen wir das Kind ruhig beim Namen: Sie will Bewunderung für alles, was sie kann, Nachsicht für all das, was sie nicht kann, und Verständnis, für alles, was sie nicht können will. Die dunkle Schwester ist definitiv der narzisstische Teil einer jeden Frau, die Egomanin und Diva.

Sie ist die, die brüllt, meckert, die Augen rollt, lacht, weint, das Telefon einfach auflegt, lügt, betrügt, abhaut, um 23 Uhr Nudeln kocht, die Bude 2 Wochen lang nicht saugt, nicht sofort zurückschreibt, neidet, eifersüchtig ist, schwarz fährt, stiehlt oder Rache will, wenn ihr die „offizielle“ Version deines Selbst zu bunt/schädlich für dich geworden ist. Sie ist der innere Schweinehund, nicht der innere Kritiker, sie ist die miese Laune statt des ewigen Sonnenscheins, die unermüdliche Kämpferin und härteste Richterin über Ungerechtigkeit und Schmerz, die du freiwillig erträgst – aus Angst, anzuecken, bedürftig, kompliziert oder lästig zu erscheinen. Sie ist die heimliche Königin deines Reichs, wenn du andere regieren lässt – aus Angst, Fehler zu machen oder ausgeschlossen zu werden, Menschen oder Ansehen zu verlieren, die vermeintliche Sicherheit, die dich gefangen hält.

Sie versteht das Versteckspiel nicht: wieso du dich verstellen, klein machen und halten lässt. Sie geht für Balance weit über „deine offiziellen“ Grenzen.

Wie du Freundschaft mit deiner dunklen Schwester schließt

sich mögen trotz schlechter angewohnheiten

Würden wir Frauen unsere dunkle Schwester nur mehr ausleben, bräuchte sie nicht so hart durchzugreifen. Sie will nur da sein dürfen. Wir würden so viel weniger leiden. Also frage dich: Darf sie endlich da sein? Zwei Tipps haben sich in der Praxis meiner Klientinnen bewährt, weshalb ich sie in Mentorings immer erwähne:

Übung 1

Es hilft, das Reich des braven Mädchens wenigstens mal gedanklich zu verlassen und eine Liste mit allem, es die dunkle Schwester will, zu erstellen:

  • nicht sexy/schlank sein oder immer gut aussehen
  • mit dem netten Kollegen ausgehen, obwohl er verheiratet ist
  • xyz nicht den Gefallen tun, um den er gebeten hat
  • nicht geben, ohne zu bekommen
  • mit Schoki und Chips vor dem Fernseher hocken
  • aufgebrezelt tanzen gehen usw.

Das nimmt schon eine Menge Luft raus. Ein kleiner Schritt in Richtung „du selbst“.

Übung 2

Viele Frauen erzielen gute Ergebnisse damit, die dunkle Seite in sich täglich da sein zu lassen (auch wenn es das brave Mädchen in sie zwingt, anders zu sein). Aber durch diese Erlaubnisse fällt es den Frauen leichter, sich im Gegenzug als Kompromiss zu maßregeln oder Sachen zu machen, die sie nicht wollen. Es reichen schon kleine Erlaubnisse aus. |

Mehr in meinem neuen Buch

Panikattacken sind meiner Meinung nach der Versuch des Gehirns,
den Schrei der dunklen Schwester zu unterdrücken.

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst
Janett Menzel: Mein neues Leben ohne Angst (TRIAS Verlag, 2020)

Angstzustände: Was ist der Auslöser und was die beste Strategie, um sie zu besiegen?

Angstzustände: Was ist der Auslöser und was die beste Strategie, um sie zu besiegen?

Taucht Angst auf, will sie jeder weghaben. Doch was ist die beste Strategie gegen Angst oder Panikattacken? In meinen Augen – nach all den Jahren meiner Recherche für meine betroffenen LeserInnen und früher für mich, komme ich zu dem Schluss: Es gibt sie nicht, die eine goldene Methode gegen Angstzustände, noch gibt es eine Therapie, die bei jedem helfen würde. Denn Angst ist aus einem (oft guten) Grund bzw. als Konsequenz da. Und den kannst du finden, wenn du dich genau beobachtest.

Erfahrungen mit Angst: Auslöser, Therapien und Strategien

Ich habe mich schon mit so vielen Menschen unterhalten, die entweder als austherapiert oder therapieresistent galten und plötzlich durch so was wie Kunsttherapie oder Bewegungstherapie ihre Ängste besiegten. Wie konnte das so leicht gelingen?

Aber ich habe auch solche kennengelernt, die durch einige Wochen Auszeit – weg von den belastenden Umständen, ihrem Megahaufen Verpflichtungen und ihrer schnell-schnell-schnell-Lebensweise ihre Angst milderten. Eine ganz andere Herangehensweise.

Ich glaube deshalb, dass ein Weg immer darüber führt, dass man sich genau betrachtet, guckt, wo es drückt:

Hat man Panikattacken, weil man sich fürchtet, ein bestimmtes, einengendes Umfeld zu verlassen (und reagiert der Körper darauf, indem er hilft, sich nicht weiter als 20 Meter zu entfernen)? (Klassiker bei Co-Abhängigkeit und zum Beispiel auch frischen Müttern sowie zu viel Verantwortung und Pflicht oder Trennungsangst.)

Oder ist es eine rein körperliche Sache, weil Angst nur zu bestimmten Zeiten auftritt, zum Beispiel vor/während/nach der Menstruation oder nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel/Substanzen (Zucker, Kaffee, Milchprodukte, Eier, Nüsse, Nikotin, Alkohol)? Eine ausführliche Liste mit den häufigsten nahrungsmittelbasierten Auslösern findest du in meinem Paket “Hör auf! Deine Angst”:

Tipps und Ratschläge gegen Angst und Panikattacken

Kommt die Angst als Schutz vor einer Konfrontation? Soll sie alte Glaubenssätze erhalten, damit man etwas nicht lernen oder ertragen muss/braucht? (Versagen, Fehler aka Scham und Schuld)

Oder ist sie vielmehr eine Chance, weil die Ängste erlernt sind, man beim Sprung ins kalte Wasser Familienwerte und -lektionen hinter sich lassen würde (was vielleicht zu Stress innerhalb der Familie oder der Partnerschaft führen könnte oder gar zu Verlust)?

Ich habe sogar Betroffene kennengelernt, die ganz offensichtlich ihre Ängste brauchten, um ihr Leben so weiterleben zu können wie bisher. Hätten sie ihre Ängste überwunden, wäre vieles zu Bruch gegangen.

Du willst den Grund nicht wissen, aber eine Liste mit möglichen Wegen?

An solchen individuellen Lebenslagen orientiert sich meiner Meinung nach auch die Strategiefindung. Bei Stress/Hektik/zu wenig Ich-Zeit könnten Pausen, in denen man nur mit sich beschäftigt ist bzw. etwas macht, was man selbst für sich allein will, helfen – ja. Diesen Burn-out-Bezug findet man immer häufiger als Auslöser. In anderen Fällen sind es tiefersitzende Herausforderungen und Verhaltensweisen, die man angehen müsste, um sich zu befreien, durch eine langfristige Psychotherapie zum Beispiel. Bei körperlicher Ursache ist schon so Mancher (wie ich auch) solange zu neuen Ärzten gegangen, bis er jemanden fand, der die Zusammenhänge verstand (bei mir war es einmal u. a. darmbasiert, aber diese Ursache herauszufinden, dauerte Jahre). Dazu findest du hier u. a. mehr:

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst

Das sind nur einige Streifzüge der letzten Jahre mit vielen Gesprächen mit betroffenen Frauen und Männern.

Deshalb gilt:

Beobachtet euch und die Anlässe, Gedanken, Gefühle, Verhalten. Das zu durchschauen, kann vieles in Bewegung bringen. Getreu dem Motto: Problem erkannt, Problem gebannt. Denn nach meinem Empfinden ist Angst überwiegend eine Folgeerscheinung.

Mehr dazu in meinem neuesten Buch „Mein neues Leben ohne Angst: Mit ganzheitlichen Methoden Ängste und Panikattacken besiegen“ (TRIAS Verlag, 2020 – ISBN: 9783432110769), erhältlich bei mir, in allen Online Stores wie Amazon und im Buchhandel deiner Wahl.

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Wer willst du sein? Und wieso es so heilsam ist, dir diese Frage zu stellen

Als ich meine damalige Beziehung beendet und kurze Zeit später meinen Job gekündigt hatte, voller Vertrauen in meine Selbstständigkeit gegangen und mich neu erfunden hatte, dachte ich: Jetzt bin ich endlich bei mir angekommen. Jetzt bin ich GANZ ICH, so wie ich immer sein wollte. Ich erschuf mich neu und wurde zu der Person, die ich seit meiner Kindheit sein wollte. Ich fühlte mich frei und angekommen in mir selbst.

Heute – drei Jahre später (und es loderte seit Monaten in mir) – stelle ich fest: Eine solche Ich-Inventur muss regelmäßig geschehen. Es reicht nicht aus, mich nur nach heftigen Lebenseinschnitten wie meiner letzten Agoraphobie mit Panikattacken 2013 zu fragen: Wer will ich sein? Selbstaktualisierung zur Selbstfindung geschieht nicht einmalig. Also stellte ich neulich die Frage erneut und lasse dich hier daran teilhaben. Nur dieses Mal – ein paar Jahre später, älter und schlauer – fügte ich ein paar Schichten hinzu. Weil ich gelernt habe, dass die Antwort alles entscheidend sein kann für die Zukunft, die man sich wünscht.

Wer will ich sein? Und wieso reicht die Antwort von damals mir heute nicht mehr?

Selbstfindung findet nicht einmal statt noch ist sie endgültig: Sie braucht kleine, stetige Anpassungen, um langfristig dein Wohl, Zufriedenheit und Erfüllung zu garantieren.

Kann Selbstfindung überhaupt endgültig sein? Man sagt ja, alle sieben Jahre würde sich das Leben (und die Haarstruktur?!) ändern: Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber ich habe gelernt, dass einzelne Erlebnisse sowie die Summe der Erfahrungen und Jahre uns ändern. Etwas, was letzte Woche noch zufrieden machte oder innere Stärke und Sicherheit verlieh, kann schon morgen nicht mehr ausreichen – nicht mehr glücklich machen. Seien es Beziehungen, Arbeitsaufgaben oder der Arbeitgeber an sich, Freunde oder Hobbys, Gewohnheiten oder man selbst, so, wie man sich sieht: Mit jedem Tag, der verstreicht, können wir eine innere Wandlung vollziehen, ohne sie überhaupt zu merken. Und deshalb sind kleine Anpassungen, damit wir werden, sein und bleiben, wer wir sein wollen, nötig – regelmäßig und niemals endgültig abgeschlossen.

Wenn wir unsere inneren Wandlungen merken, dann lodert es oft seit einiger Zeit. Auch Körper und Geist brauchen ihre Zeit, zu merken, dass etwas nicht mehr stimmt – unstimmig geworden ist. Erst dann schicken sie Signale, die uns aufhorchen lassen wollen, um Veränderungen für unser Wohl einzuleiten. Vielleicht sind es kleine Änderungen in unserem Verhalten (uns selbst oder unserem Umfeld gegenüber) oder in unserem Denken (Wie stehen wir zu den Menschen in unserem Leben und im Allgemeinen? Wie bewerte ich die Beziehungen/Partnerschaft in meinem Leben? Wofür bin ich dankbar? Was nagt an mir?). Denn die Antworten entscheiden über unsere Gefühle. Und selbst die unterliegen – schön fest- und eingefahren – individuellen Mustern.

Ich für meinen Teil stellte in diesem Jahr fest: Meine Muster waren für die damalige Befreiung und folgende Erleichterung dienlich. Heute sind sie es nicht mehr, denn heute machen sie mich weniger zufrieden. Damals brauchte ich andere Elemente in meinem Leben als heute (Alleinsein, Selbstbestimmung, grenzenlose Möglichkeiten und permanenter Selbstausdruck). Heute würden diese für Unruhe, innere Unsicherheit und Einsamkeit sorgen – weil sich meine Ziele, ohne dass ich es bemerkte, in den letzten drei Jahren geändert haben. Und damit auch das, was ich sein will – heute.

Meine Werte haben sich vor allem verändert und ich wollte meine Sanftheit zurück. Jetzt, da ich erreicht habe, was ich damals wollte, darf ich weiter auf dieses Fundament aufbauen. Und deshalb durfte sich mein Leben, wie es die letzten Jahre aussah, auch ändern. Nein, es musste sich ändern. Nur auf weniger dramatische, willens(über)starke und selbst-herr-liche Weise, wie ich es früher angegangen bin.

Für radikale Veränderungen, so, wie es meine zwischen 2013 und 2016 war, braucht es eine gewisse Radikalität im Verhalten und Denken. Es braucht Ignoranz aller abweichenden Denk- und Verhaltensweisen, tiefes Selbstvertrauen und ein Stück Aggression, wenn du mich fragst, um weiterzumachen – selbst dann, wenn dein Umfeld es missbilligt oder missmutig beäugt. Es braucht Strenge, damit du durchhältst und feste Werte, mit denen du deine Ziele erreichen willst. Und trotzdem musst du sanft zu dir sein, um dich selbst nicht fertigzumachen oder auszubrennen. Es braucht vor allem ein klares Wissen um deine Bedürfnisse, die im Moment unerfüllt sind.

Sich selbst zu finden heißt, zu jemandem zu werden, den DU magst – nicht, damit dich andere (gut) finden und mögen

sein wie andere mich wollen

Mit dieser Überschrift gehen wichtige Aspekte einher, die ich dir mit auf den Weg geben möchte, bevor wir mit meinen Fragen loslegen:

Oftmals wollen wir uns ändern, damit sich im Außen etwas ändert. Man will schlanker oder muskulöser werden, damit man mehr vom bevorzugten Geschlecht wahrgenommen und gemocht wird, um eine Partnerschaft zu finden oder die Form der Beziehung, die du dir wünscht. Man will beruflich erfolgreicher werden oder sich gebraucht fühlen, im Kontakt zu sein, in einer Machtposition oder mehr Geld verdienen. Was auch immer du dir wünschst: Du verbindest damit etwas, z. B. Status, Teilsein oder Wichtigkeit deiner Person.

Unser Wohl und unser Selbst, unser wahres Ich, steht nie in Abhängigkeit zu anderen oder dem Leben anderer. Es gibt keine Bedingungen anderer, die du selbst zu erfüllen hättest, um du zu sein/zu werden. Prüfe deshalb genau, für wen du etwas tust oder tun willst, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst! Für wen willst Änderungen in deinem Leben erwirken? Für dich und allein nur für dich oder weil du dir davon im Außen etwas erhoffst? Als Beispiel: Wenn du abnehmen oder Muskeln aufbauen willst, machst du das, weil du das für dich möchtest, oder weil du dir davon mehr Beachtung durch andere erhoffst oder sogar Liebe und in-Beziehung-sein? Glaubst du, das äußere Erscheinen müsste erfüllt werden, damit du beachtet/geliebt wirst – vielleicht sogar von einer bestimmten “Sorte” Frau/Mann/Mensch?

Als soziale Wesen trotz unterschiedlichster Charaktere brauchen wir (soziale) Anerkennung im Sinne des Gefühls, nicht isoliert zu sein oder ausgestoßen zu werden. Und natürlich lernen wir von früh auf, XYZ zu tun, um anerkannt zu werden, und zu vermeiden, was uns Ablehnung bringt. Doch wer sich selbst finden und ändern wird/will, der muss bei den Punkten Anerkennung/Ablehnung Abstriche machen. Nur so kann man die finden, zu denen man gehören kann (falls man möchte), oder gefunden werden. Nur so erfährt man natürlicherweise – nicht erarbeitet oder sonstwie geleistet – Beachtung und Akzeptanz. Und nur aus dieser kann etwa echte Liebe entstehen, die deinem wahren Ich gilt und nicht einer Maske oder Rolle.

ICH-Inventur: Wer willst du sein – auf allen Ebenen?

Having said that: Also holte ich den Spickzettel von früher heraus. Eigentlich gehörte der bisher nur meinen Klientinnen in Coachings und Mentorings, aber da sich viele 1-zu-1-Beratungen nicht leisten können oder möchten, stelle ich ihn hier im Blog heute kostenfrei zur Verfügung.

Zettel und Stift sind sinnvoll, wenn du dir die Fragen beantwortest:

  • Wovor bist du bisher geflohen? Was wolltest du dir und anderen beweisen? Wolltest du etwas wiedergutmachen (im Leben anderer oder eine eigene Wunde von früher)?
  • Welche positiven Aspekte bringt dir eine neue Wandlung? Wie kannst du mit etwaigen negativen Aspekten umgehen? (meint Risiken und wie du sie managen würdest)
  • Welche neuen Signale haben sich gezeigt, dass dein Leben Anpassungen benötigt? Auf welcher Ebene zeigten sie sich zuerst (Körper, Geist, Herz, Seele)? Wirst du dich an sie erinnern/sie erkennen, falls sie erneut auftreten sollten?
  • Was hast du dir bislang verheimlicht? Was wolltest du dir nicht eingestehen? Wo hast du was verdrängt oder dir schön geredet?
  • Welche Menschen in deinem Leben stehen deiner Selbstfindung und Ich-Werdung im Weg bzw. geben dir das Gefühl, dass sie dagegen wären? Wie bist du bislang damit umgegangen und wie kannst du neu, besser und anders damit umgehen?
  • Was war positiv an deinem bisherigen Leben/sabschnitt? Was nimmst du dankbar mit?
  • Wer/Was willst du sein? (meint: Wie willst du sein? – Qualitäten deines neuen Ichs sowie Eigenschaften, innerlich und äußerlich)
    • als Mensch
    • als Frau/Mann
    • als Freundin/Freund
    • als Partnerin/Partner
    • als Mutter/Vater bzw. Großmutter/Großvater
    • als Tochter/Sohn
    • als Bruder/Schwester
    • im Beruf

Die letzten Fragen sind besonders wichtig. Wer willst du sein? bedeutet: Wie willst du als Frau/Mutter/Partnerin/Schwester/Freundin/Tochter sein und nicht, wie du wahrgenommen werden möchtest, um zu …

Ich zum Beispiel möchte ein sanfter, aber bestimmter, reflektierter und liebevoller Mensch sein, der seine Aufgabe kennt und sie gern erfüllt, eine Frau, die sich nimmt, was sie will und nicht aufhalten lässt von gesellschaftlichen Konventionen oder Strömungen, Medien oder Meinungen anderer, eine Partnerin, deren Herz sichtbar sein darf, ob stark oder schwach. Beruflich würde ich nie Artikel darüber schreiben, wie schön XYZs Designschuhe sind, wie durchtrainiert XYZ heute ist oder dass XYZ jetzt mit Hollywood-Schönling ABC zusammen ist. Ich muss mich mit tieferen Schichten der Menschen beschäftigen können, sonst geht es mir nicht gut.

Probiere deine eigenen Antworten auch gern von hinten herum und beginne mit dem, was du nicht sein möchtest, um zu dem, was/wie du sein möchtest, zu gelangen.

Weitere Fragen, die du dir stellen kannst, sind:

  • Wozu willst du das sein?/Was versprichst du dir davon? Und warum?
  • Willst du das für dich sein oder damit im Außen etwas geschieht? (Prüfe genau, für wen du das tust, damit du nicht in die “Ich mag mich nur, wenn andere mich mögen-Falle” tappst!)
  • Mit welchen Mitteln willst du erreichen? Was bist du bereit, dafür zu tun? Welche Zeit gibst du dir? Ist diese realistisch?
  • Was muss schwinden oder sich verringern, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Wovon braucht es mehr in deinem Leben, damit es in Erfüllung gehen kann?
  • Welche Anpassungen deines jetzigen Ichs braucht das? Welche Kompetenzen müssen dafür gestärkt oder aufgebaut werden? Wer kann dich darin unterstützen?

In eigener Sache

Nachdem ich die letzten Monate abgetaucht war, starte ich nun wieder langsam durch – auf meine Weise. Blogtexte in meiner Frequenz und zu meinen (auch neuen) Themen, Coachings wie das FRAU ICH-Programm und Selbstcoaching-Programme wie “Die Wunde der Ungeliebten” (bald hier) sind wichtig für mich.

Auch wenn mein ursprüngliches Ziel, über Ängste (und nur über Ängste) zu bloggen, mindestens zu 90 Prozent erreicht ist, werde ich auch und/oder eher subtilere Themenverbindungen, die Angst aufrufen/triggern können, ansprechen. Vor allem trägt mich seit Mai diesen Jahres ein ganz anderes Projekt, was mehr ein lang gehegter Herzenswunsch als eine berufliche Absicht ist. (Vielleicht schreibe ich demnächst mehr darüber. Momentan wäre es noch zu früh.)

Das als kleiner Ausblick auf das, was im Blog und bei mir zukünftig geschehen wird und darf – auf ganz sanfte, eigene Weise.

Ich hoffe, dass du in deinem Beitrag ein paar Impulse für dich und dein wahres Ich finden konntest. Das würde mich von Herzen freuen! Getreu dem Motto: Lieber entdecken statt verstecken.

Dein Denken: Welche Gedanken zu Angstzuständen führen können

Dein Denken: Welche Gedanken zu Angstzuständen führen können

Ich habe mich jahrelang dabei beobachtet, wie ich denke, und welche Gedanken zu Angst führen, und welche nicht. Ich habe mittlerweile eine Art Gedankenkoffer für mich entwickelt, der mir hilft, erst gar keine Ängste auszulösen – und falls sie doch kommen, habe ich welche, die sie wieder überwinden. Denn ja, man kann sich sehr leicht in Angstzustände hineindenken und das auch ohne sich vorzustellen, dass man Angst bekommen würde, wenn erst einmal X passierte.

Wenn das auch für dich ein Thema ist, lade ich dich hier in diesem Artikel dazu ein, auch dich und deine Gedanken zu reflektieren, um deine Angst zu verringern.

Wie deine Gedanken zu Angst werden können: Übers Denken – Fühlen – Handeln

Gedanken machen Angst
Es sind unsere Gedanken, die uns Angst machen können, weshalb wir sie sorgfältig auswählen sollten.

Man sagt, Gedanken führten zu Gefühlen und diese wiederum zu Handlungen. Und das stimmt auch, nur dass zuallererst ein Grundgefühl, das wir selten bemerken, auftaucht, was dann entsprechende Gedanken nach sich zieht, die wiederum neue Gefühle auslösen und wir diese dann in Handlungen übersetzen. Welche Handlungen gut oder nur gut gemeint sind, spielt nur eine geringe Rolle, denn wäre das Denken nicht an erster Stelle, gäbe es erst gar keine Probleme. Und somit auch keine Angstzustände.

Wir alle haben unsere ganz eigenen Ängste, die wir gelernt haben, sei es von unseren Eltern oder Großeltern oder in der Schule, von unseren Freunden “gemerkt” oder in Beziehungen entwickelt. In den meisten Fällen – so jedenfalls meine Erfahrung – sind es unbewusste/unterbewusste Verlustängste, die oft in Verbindung mit einem überstarken Motiv der Zugehörigkeit stehen und daher mit Selbstwertängsten. Dann treffen die Angst vor dem Alleinsein (vor dem sozialen Ausschluss und der Einsamkeit) auf die Angst vor Liebesentzug oder mangelnder Anerkennung.

Aber auch die Angst vor dem Verlust deines Selbst könnte ein Thema sein, dass dein Denken leitet, weswegen du Angstgedanken generierst, ohne es zu merken. Dann trifft deine Idee nach Unabhängigkeit, nicht eingeengt sein, frei sein, ohne jegliche Vorschriften, deine Zeit frei zu planen auf die Angst vor Trennung. Basta, Schluss, Aus zu sagen fällt vielen nicht leicht.

Es kann aber auch sein, dass du unbewusst/unterbewusst Angst vor sozialem Wettbewerb hast, wiederum in Verbindung mit Selbstwertängsten. Dann sind Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Wissen um & Einstehen für deine Bedürfnisse, Kennen deines Wertes, Würde usw. eventuell große Themen für dich.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wichtig für dich ist es zu wissen, dass jede dieser Ängste in dir leben und so dein Denken kontrollieren/steuern, ob du es nun merkst oder nicht.

Gedankenarten und Gedankenmuster, die zu Angst führen können

sich in die zukunft denken führt oft zu zukunftsängsten

Es gibt dennoch verschiedene Wege, wie du für dich herausfinden kannst, was in dir los ist, wo es bei dir hakt, wo dein innerer Hund zu bellen beginnt. Diese stelle ich dir im Folgenden vor:

Gespräche im Kopf

Wir kennen das alle: Wir hatten einen Streit mit jemandem, den wir im Kopf weiterführen. Vielleicht weil uns einige Tage später einfällt, was wir hätten sagen wollen oder weil uns immer noch Dinge in den Sinn kommen, die die Perspektive erweitert hätten. Ebenso klassisch ist hier der ersehnte Kontakt zu jemandem: Wir stellen uns vor, dass wir Kontakt zu X haben, sprechen mit ihm im Geiste und sind ihm so nahe. Themen sind hier oft: unterdrückte/nicht ausgelebte Wut, Einsamkeit, Traurigkeit und Schuld(befreiung).

Traumleben im Kopf – Fantasien & Angst

Im Kopf ein Traumleben zu führen, sagen wir als Superstar, Schauspieler, Spitzensportler oder auch nur als wichtiger Mensch für XYZ produziert viel Mangeldenken. Wir kennen das aus unseren Teeniejahren, als wir heimlich in Sänger oder Schulkameraden verliebt waren. Aber auch heute noch gieren wir oft insgeheim, ob bewusst oder unbewusst, danach, jemand Besonderes oder Besseres zu sein, schöner, schlanker, reicher oder erfolgreicher, beneideter usw. Es verursacht nur sehr viel Stress und schüttet entsprechende Hormone aus, denn man denkt sich ja ständig aus der Realität weg hin zu einem Leben, das so nicht existiert. Wichtige Stichworte sind deshalb hier: Nichtakzeptanz des jetzigen Lebens(stils), mangelnde Achtsamkeit (kein Leben im Hier und Jetzt).

Ebenso spielen Zukunftsangst, Kontrollzwang und Versagensangst eine Rolle. Wenn wir selbst daran arbeiten, uns aus unserem Leben zu befreien, kann die Anhaftung an unser Ziel, (sagen wir, den Superstar doch noch kennenzulernen oder den Chef zu stürzen oder von der tollen Frau als der tolle Kerl erkannt zu werden), Leid verursachen. Denn es kann immer noch sein, dass es so nicht kommen wird. Es kann sein, dass du unbewusst denkst, du wärst nicht gut genug oder müsstest noch besser werden (hier wieder: schlanker, schöner, reicher, erfolgreicher usw.). Ist dem so oder läuft dir beispielsweise die Zeit davon, weil dein Ziel zeitsensibel ist, dann stresst es dich, weil dein Ziel in Gefahr gerät. Ergo ruft es Traurigkeit, Wut oder Schuld durch Zukunfts- und Versagensangst hervor, denn es gab keine andere Vision, keinen anderen Traum.

Keine Verbundenheit und das Gefühl des Getrenntseins: Drinnen im Draußen und draußen im Drinnen sein

Das hier trifft viele frische Mütter und vor allem Kreative, Hochbegabte, Hochsensible und Hochempathen: Wer gern/oft drinnen ist und/oder wenig Kontakt ins Außen hat, zu Menschen, denkt automatisch mehr. Output ist aber gleich null. Der Austausch fehlt, die Energie ist anders, das Körperempfinden, die muskulären und hormonellen Vorgänge etc.

Wer dann rausgeht, ertappt sich oft dabei, dass die Gedanken stören oder aber das Außen einen unterbricht in seinem Denken. Beides ist ein Pulverfass für Angst, denn man passt sich in diesem Moment nicht an seine (neue) Umgebung an, sondern erwartet noch immer, dass alles still ist zum Beispiel oder man allein, keine Rücksicht nehmen muss oder aber nicht im Mittelpunkt seines (Er)Lebens steht. Oder wie eine meiner Freundinnen in solchen Momenten gern zu sagen pflegt: Ich hasse Menschen. Das höre ich oft und kenne es von mir selbst, als ich noch Agoraphobie mit Panikattacken hatte. Dies löst ein Gefühl des Getrenntseins, vielleicht sogar Falschseins oder des Hasses auf die Welt aus. Es ist eine mangelnde Verbundenheit. Aber Verbundenheit kommt von Ver-Bindung und diese muss nun einmal selbst hergestellt werden.

Deshalb gehe ich grundsätzlich mindestens alle zwei Tage raus (Ich arbeite im Home Office.). Komme, was wolle, und sei es auch nur, um beim Späti meines Vertrauens mit dem Inhaber eine Runde zu plaudern und mir mein Lächeln abzuholen. Menschen sind soziale Wesen und (biologisch/geistig) nicht für Isolation gemacht. Solltest du jetzt noch denken Aber das sehe ich anders!, dann möchte ich dir gern etwas mit auf den Weg geben: Die Tatsache, dass du es anders siehst, liegt ebenso an deinen Gedanken. Ändere es und du wirst es anders sehen. Meinungen sind keine Fakten. Sie sind umstößlich.

Unterdrückte Gefühle (Wut, Traurigkeit, Schuld, Scham)

Ich kann es gar nicht oft genug sagen und sage es deshalb noch einmal: Wut (oft Mantel für Traurigkeit), Traurigkeit, Schuld (oft Katalysator für Wut) sowie Scham (oft Mantel für Verachtung oder Traurigkeit) ruft Angst auf den Plan, weil Angst nun einmal dafür da ist, dich vor unangenehmen Urgefühlen zu beschützen. Angst hingegen (nicht verwechseln mit dem Urgefühl Furcht!) ist nur die kleine Schwester von Furcht und nicht urig. Soll heißen: Wenn du ein unbewusstes Problem mit dem Erleben und Ausgleichen von Schuld, Scham, Traurigkeit oder Wut hast, kommt Angst automatisch, um dich davor zu bewahren, es zu fühlen.

Kreativität

Um es mit den Worten von Antoine de Saint-Exupéry zu sagen: Man ist “von Dringlichkeit beseelt”, wenn man kreativ ist. Dringlichkeit ist Hektik ist Stress ist Angst. Je kreativer man an der Umsetzung seiner Ideen arbeitet, desto mehr verschwindet die eigene Umwelt, weil man im Kopf nur noch in seinen eigenen Welten lebt, sei es in Form von Bildern, Fotografien, Literatur usw. Das Außen, vor deiner Wohnung/deinem Atelier, ist zwar ständig da, aber erhält im Extrem kaum mehr Beachtung, weil es zum Beispiel zu wenig Anreiz bietet. Das, was du erschaffen willst/erschaffst, nimmt sozusagen den Fokus für das Hier & Jetzt, die Realität, dein Leben, mit allem, was genauso wichtig ist wie dein Selbstausdruck.

Oft haben Künstler/Kreative in dieser “normalen” Welt auch noch keinen (angemessenen) Ausdruck für sich selbst gefunden, wie zum Beispiel einen richtig guten Freundeskreis, weswegen ein Leben in Bildern und Worten beispielsweise leichter für sie ist, mit der richtigen Welt umzugehen.

Was Angst-Denken hervorrufen kann

Einige Lebensumstände und Gewohnheiten, so habe ich es jedenfalls beobachtet, unterstützen diese Ängste oder lösen sie gar aus:

  • Koffein
  • Zigaretten (enthält Nervengifte)
  • übermäßiger Alkohol
  • Zucker
  • schwer verdauliche Speisen (nimmt dem Hirn die Kapazität, weil sie vom Darmhirn gebraucht wird, beeinflusst die Hormone)
  • Fleisch (besonders bei Hochsensiblen und Hochempathen)
  • Sitzen
  • mangelnde Bewegung (kein Sport, keine ausgiebigen, ruhigen Spaziergänge in ruhiger Umgebung)
  • kein Leerlauf im Denken (wie Meditation, Yoga, Musik, beim Filme schauen, lesen usw.)
  • Einsamkeit (trotz sozialer Bindungen) (Ich empfehle dir mein Buch dazu: Über die Kunst, allein zu sein)
  • zu viel Input (fehlender Ausdruck deines Selbst, aktiviert Selbstverlustangst – Dann ringen deine sozial genormten Gedankenmuster mit deinem Selbst, das ebenso Aufmerksamkeit von dir möchte)
  • Festhalten an Gewohnheiten statt Leben im Hier & Jetzt und sich Zurücklehnen
  • Misstrauen ins Leben, in dich selbst und – falls du daran glaubst – Gott, die Natur, das Universum usw.
  • toxische Beziehungen (inkl. Co-Abhängigkeit)
  • übermäßige Fürsorge für etwas/jemanden (Thema Selbstverlust)

Diese Liste ist nicht vollständig, aber soll dir einen ersten Einblick geben. Falls du dich wunderst, wieso hier Lebensmittel bzw. Ernährungsthemen enthalten sind: Die Psychologie kennt die substanzinduzierte sowie darmbasierte Angst/Depression. Hier einige Artikel von mir zum Thema:

Zuletzt beschrieb diese die Autorin und Medizinerin Guilia Enders in ihrem Buch “Darm mit Charme”. Sie ist aber keineswegs die einzige Wissenschaftlerin, die darauf aufmerksam machte.

Was du tun kannst, um aus deinem Angstdenken herauszukommen

vergebungsarbeit

Hier sind meine Gebote, die weder scherzhaft gemeint sind noch blasphemisch:

  1. Du sollst es nicht anders wollen, als es gerade ist. (Akzeptiere die Dinge, wie sie sind. Das heißt nicht, dass du sie so belassen musst. Ändere, was du ändern kannst, insofern es realistisch und gesund ist.)
  2. Dein Drang, etwas Besonderes (für jemanden oder die Welt) zu sein ist gut und richtig. Doch er taugt nur dann etwas, wenn du entsprechend handelst. Es dir nur vorzustellen, nur zu träumen, bringt dich nicht ans Ziel. (Falls dem so ist: Bedenke mal alle deine Ängste, die auftauchen würden, wenn dein Traum in Erfüllung ginge. Fällt dir da etwas ein? Falls nicht, klicke unbedingt auf den Link in diesem Punkt. Ich hatte dazu einen eigenen Artikel verfasst.)
  3. Das heißt besonders: Du sollst nicht beneiden anderer Leute Leben. (Denn es löst Selbstwertängste aus und Mangeldenken. Du bist gut und genug.)
  4. Du sollst dir schöne Gedanken machen. (Absichtlich! Denke an alles, was gut ist. Sei dankbar.)
  5. Du sollst über dich lachen dürfen/können. (Schreibe dir wegen deiner Gedanken einfach einmal alles auf, was du da gerade denkst. Du wirst sehen, dass einiges davon ziemlich witzig ist.)
  6. Du darfst streiten, aber sollst nach Frieden trachten. (Wut ist eine ungeheure Quelle für alles Schlimme auf dieser Welt. Unter anderem deine Angst. Verzeihe anderen. Vergib dir. Lass los. Lass gut sein. Was du auch tust: Leg deine Wut ad acta. Oder probiere es mal hawaiianisch. Sie haben ein eigenes Ritual dafür.)
  7. Heule, wenn dir danach ist. Aber wisse, wann Schluss ist. (Oder schau in den Spiegel, wenn du weinst. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du dich nicht mehr leiden sehen kannst.)
  8. Perfektion ist eine Schlampe. Grundsätzlich ist Perfektion nur für Götter gedacht. Also lache über deine Fehler, wenn dir welche unterlaufen sind. Bitte notfalls um Entschuldigung. Aber vergib dir. Lerne dazu und daraus. Wir machen alle Fehler. Echt jetzt: WIR ALLE!!!
  9. Nimm dir Zeit für DICH, deine Person, deine Freunde, deine Anliegen, deinen Alltag. Verliere nicht den Fokus für alles, was genauso wichtig ist wie dein Job, den Mann, den du kennengelernt hast oder oder oder.
  10. Alles in dieser Welt braucht Balance: Laut und leise, hell und dunkel, viel und wenig usw. Sorge immer für Ausgleich, indem du ihn bewusst herstellst. Hast du dich viel um andere gekümmert? Dann sorge dich jetzt um dich, nimm dir eine Auszeit. War alles sehr laut in letzter Zeit? Dann geh in die Natur und genieße die Stille. Warst du viel allein? Dann unternimm etwas mit Freunden. Die Mitte liegt zwischen Plus und Minus.
  11. Suche dir etwas, was dich glücklich macht: Malen, Schreiben, Musik hören, Musizieren, Spazieren, Sport, Essen/Kochen, Einkaufen, Handwerken, Filme, Telefonieren, Nebenjobs, Basteln, Fotografieren, Nachbarschaftsgärtnern, Gassi gehen mit fremden Hunden, Müll aufsammeln in deinem Lieblingspark, dein eigenes Bier brauen oder lernen, was du schon immer lernen wolltest … Was auch immer dein Herz befreit und es springen lässt.
  12. Lache. Lache, was das Zeug hält. Es schüttet so viele gute Hormone aus. Ich könnte ein eigenes Buch dazu verfassen.

Achtsamkeit ist eine gute Variante, um deine Gedanken zu kontrollieren. Es gibt verschiedene Techniken, die du ausprobieren kannst. Denn allem voran und am wichtigsten bist du. Ja, du. Nichts und niemand sonst. Geht es dir schlecht, wird dir nichts Gutes gelingen. So ist die Regel. Und sie stimmt auf lange Sicht immer. (Pflegebedürftige Personen/Wesen, die nicht allein agieren können, sondern dem Tode geweiht wären ohne dich, zählen hier natürlich nicht rein.)

Konnte ich dir etwas weiterhelfen? Dann freue ich mich auf deine Gedanken zu diesem Thema in den Kommentaren oder auf deine Weiterempfehlung.

Du willst noch mehr dazu wissen, zu Angst und wie du sie überwindest, hast vielleicht sogar Panikattacken? Auch dazu habe ich etwas >>

Liebe Grüße
Janett

Angst vor Arbeit und Leistung, weil “der Job” krank macht

Angst vor Arbeit und Leistung, weil “der Job” krank macht

In vielen Unternehmen herrscht noch immer der Anspruch, ihre Mitarbeiter müssten täglich herausragende Ergebnisse liefern, besser sein statt nur “gut” und “genug”, Opfer im Privaten erbringen und konstant durch überdurchschnittliche Leistungen, Interesse und Engagement glänzen. Das zeichnet in ihren Augen eine “gute Arbeitseinstellung” aus. Mit dieser – so scheint es bei vielen Arbeitgebern – hätte ihr Personal Respekt und Zugehörigkeit verdient. Viele Arbeitnehmer klagen allein deshalb über Angst vor Leistung und dem Job, der Arbeit an sich, den Chef, den Kollegen – einhergehend mit Symptomen. Was wenig mit Arbeitsmoral zu tun hat, kann vielmehr ein Mix aus individuellen und firmenbezogenen Aspekten sein. Geschehen hier keine Korrekturen, greift der Körper/die Psyche zu natürlichen Abwehrmechanismen, um mögliche Gefahren für die Gesundheit zu vermeiden.

In diesem Blogpost findest du mehr Hintergründe zu dieser Angst und einer einfachen Methode, mit dem du wieder neuen Sinn für dein Berufsleben schaffen kannst – oder feststellst, dass es Zeit für einen neuen Arbeitgeber ist.

Ursachen: Wie Angst vor Arbeit und Leistung im Job entstehen

Angst vor Arbeit zeigt sich gern in einer “miesen Arbeitseinstellung”, ist aber oft eine verschleppte Überforderung, Unterforderung oder Sinnentleerung. Hat der Arbeitnehmer keine Motivation mehr, zu arbeiten, leistet er weniger. Muss er dennoch übermäßig leisten, reagiert der Körper häufig mit Angstzuständen.

Angst vor Arbeit und Leistung entstehen nicht aus dem Nichts. Vieles muss im Vorfeld geschehen sein, damit ein Mensch plötzlich den Sinn in seinem Beruf oder Arbeiten an sich verliert. Oft geht es einher mit vielen Jahren des Beweisstellens, in denen der Arbeitnehmer mit einem starken sog. Leistungsmotiv etwas zu bewirken versucht: für sich, das Unternehmen, die Welt usw. Es kann auch sein, dass seit jeher das Underachiever-Syndrom vorliegt, in denen Menschen dazu erzogen wurden, nichts erreichen zu müssen (weil es ihnen a) ohnehin nichts brächte oder b) es von ihnen nicht abverlangt wurde). Ich gehe hier vom ersteren aus: Es bestand ein starker Drang danach, etwas zu leisten, weil man

  • etwas für sein Leben erreichen wollte (finanzielle Sicherheit/Stabilität bzw. Wohlstand, Lernen, Status, Persönlichkeitsentwicklung, Karriere) und bereit war, dafür vieles zu tun
  • etwas für die Welt tun wollte (Gutes tun, Menschen helfen, Lücken füllen, Ungerechtigkeit ausbalancieren usw.)
  • seinen Platz finden wollte (zu einer Gruppe Gleichgesinnter gehören wollte), das sog. Zugehörigkeitsmotiv
  • durch seine Leistungen an Bedeutung für andere/die Welt gewinnen wollte (Machtmotiv)

Und so ergaben sich die Motivationen: Man ging davon aus, indem man leistet, würde man erreichen/bekommen, was man sich gewünscht hatte. Doch damit Motivationen in uns entstehen können, die uns ins Handeln bringen, müssen wir uns sicher sein, dass das Gewünschte erreichbar ist. Sehen wir uns in unserem Handeln immer wieder scheitern oder kurz davor, erleben immer wieder die Angst, wir könnten versagen, erfahren Kritik oder gar kein Lob, ebbt unsere Motivation von Mal zu Mal ab. Man mag nicht mehr, kann nicht mehr, will nicht mehr. Es bildet sich eine Art innere Front gegen Leistungen jeder Art, gegen Arbeit an sich oder Aufgaben bestimmter Art.

Symptome, die mit Angst vor Arbeit und Leistung einhergehen können

wenn im Beruf zu arbeiten und zu leisten angst macht

Der Körper/die Psyche kündigt Überforderung, die schließlich in Angstzustände fließen kann, und durch konstanten Leistungsdruck (körperlicher, emotionaler und geistiger Art) begleitet wird, in erster Instanz durch “normale” Signale an:

  • Stress
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten
  • unruhiges Wochenende mit einer tiefen Unlust am Sonntag beim Gedanken an den kommenden Montag/Arbeitstag
  • im Urlaub nicht abschalten können bzw. krank werden
  • trockene, unreine, fahl-aussehende Haut mit Juckreiz
  • Verdauungsprobleme
  • verringerte Immunabwehr
  • leichte bis mittlere Unlust am Morgen
  • innere Unruhe unter Menschen
  • latente Aggression, Impulsivität, Wutausbrüche (besonders wenn etwas nicht funktioniert bzw. nicht auf Anhieb klappt)
  • Muskelverspannungen (werden später gern zu Panikattacken)
  • unruhige Beine, Kribbeln in den Gliedmaßen
  • innere Unruhe auch während der Freizeit
  • innere Hektik (“Schnell-Schnell-Syndrom”, besonders bei Frauen)
  • Gefühle entweder extrem sensibel oder immer schwächer wahrnehmen (leicht in Tränen ausbrechen oder kaum mehr etwas spüren)
  • auf zwischenmenschliche Situationen nicht mehr eingehen wollen/können bzw. keine Ruhe für “Probleme” haben (Abwehr des emotionalen Leistungsdrucks)

um nur einige zu nennen. Das sind die häufigsten Begleiterscheinungen, die mir genannt werden.

Auch das Gefühl, man dürfe die Arbeit jetzt noch nicht beenden, obwohl es schon spät am Abend ist, oder man müsse noch in der Freizeit dieses und jenes für den Arbeitgeber tun, fällt darunter. Ständige Erreichbarkeit, E-Mail-Check am Wochenende oder in Gedanken stets im Büro oder in Gesprächen mit Kollegen zu sein gehören auch dazu. Das Gefühl, gebraucht zu werden und nicht ersetzbar zu sein, trifft auf den Drang, alles liegen zu lassen.

Deshalb sieht man das auch im Job/Beruf an der eigenen Leistung:

  • fehlendes Interesse
  • keine Verlässlichkeit mehr gewähren können/wollen
  • kein Pflichtbewusstsein mehr gewähren können/wollen
  • keine Teamfähigkeit mehr gewähren können/wollen (Ungeduld vor allem)
  • keinen Respekt mehr vor Autoritäten
  • keine Folgsamkeit mehr gewähren können/wollen
  • andere Werte als das Unternehmen entwickeln oder bereits haben
  • teilweise eine hohe Fehlerquote bei den Aufgaben
  • Aufgaben scheuen, die lange dauern, eine hohe Qualität oder Konzentration fordern
  • Konzentrationsschwierigkeiten, nur schwer sitzen bleiben können
  • häufiges Fehlen am Arbeitsplatz durch Krankheit

Alle diese Punkte können ambivalent gedeutet werden, entweder als Hinweis auf eine psychische Gefährdung oder als miese Arbeitsmoral.

Was hier passiert: Der innere Richter ermahnt zur Perfektion und Übermenschlichkeit, währen das Selbst um Gnade und Erlass bittet. Werden diese und ähnliche Symptome ignoriert, reagieren viele in nächster Instanz mit einer ausgeprägten Angst vor bzw. wegen Arbeit und Leistung im Job, gern begleitet durch diffuse Angst vor Kontakt mit Menschen (besonders die, die Ansprüche und Erwartungen an einen stellen aka Kunden, Kollegen und Vorgesetzte). So entstanden bei mir Agoraphobie mit Panikattacken. Andere wiederum entwickeln Depressionen bzw. Burnout oder erleben Angstzustände ohne Panikattacken. Wie der einzelne Körper reagiert, ist im Menschen selbst angelegt.

Der Selbsttest bzw. Eine einfache Methode, um sich zu durchschauen

Depressionen und Burnout können sich auch durch Angstzustände und Panikattacken zeigen

Hinter der anfangs nur leichten Angst verbirgt sich oft die Angst zu versagen – eine naheliegende Befürchtung, wenn unermüdliche Versuche, dem Arbeitgeber seinen Wert zu beweisen, im Vorfeld unternommen wurden. Diese Angst kann auch auftreten, wenn man es als Mitarbeiter mit (für einen selbst) sinnentleerten Aufgaben zu tun hat. Der Drive in Richtung Boreout ist ebenso häufig wie der in Richtung Burnout.

Doch liegt es wirklich NUR am Job? Ist es der einzelne Arbeitgeber und würde es dir besser bei einem anderen Unternehmen gehen? Liegt es an vielleicht ganz anderen Ursachen, z. B. daran, dass du unbewusst innerlich gekündigt hast? Bräuchtest du nur andere, interessantere Aufgaben? Oder fehlt es dir im Job an Anerkennung?

Beantworte aus dem Bauch heraus und ehrlich dir gegenüber (radikale Selbstprüfung!) folgende Fragen:

  • Welche Bedeutung hat Arbeit, Leistung für dich?
  • Welche Bedeutung hat “dieser Job” für dich? Gibt es in dem Unternehmen eine Abteilung, bei der du lieber arbeiten würdest?
  • Was müsste das Unternehmen tun, um dich zu motivieren?
  • Wie hast du dich früher selbst motiviert? (Strategien)
  • Und was genau hat dich motiviert, dort zu arbeiten? (Aufgabenbereich, Ziel/Motiv)
  • Wann hat dir die Arbeit das letzte Mal so richtig Freude bereitet? (Zeitpunkt und Arbeitsbereich bzw. Kollegium o. Ä. bestimmen)
  • Wann brach diese Freude weg? (Zeitpunkt bestimmen)
  • Wann und womit traten Unlust bzw. Gereiztheit, emotionale und geistige Überforderung/Unterforderung das erste Mal auf?
    War z. B. ein Kollege oder ein Arbeitsbereich Auslöser bzw. gibt es sich überschneidende Muster, wann immer du in Angst, Panik oder innere Abwehr, Unlust gerätst?
  • Wie reagiert dein Körper/Geist auf das, was im Job geschieht? (z. B. Anerkennung, die dir geschenkt wird oder neue Herausforderungen, Mitspracherecht oder Entscheidungsfreiräume)
  • Welche Bedürfnisse musst du hintenanstellen, um deinen Job gut zu machen?
  • Für die sehr Reflektierten: Wie reagiert dein Körper auf einzelne Aufgaben, nach dem Kontakt mit bestimmen Kollegen/Personen, morgens/mittags/nachmittags/andere Arbeitszeiten, bei Kontakt oder ohne Kontakt zu Kollegen/Vorgesetzte? Wie reagiert er, wenn Kollegen/Vorgesetzte im Urlaub sind? 
  • Wie reagiert er vor Personalgesprächen?
  • Wie reagiert er auf das, was NICHT geschieht? (z. B. Anerkennung, die dir nicht geschenkt wird, oder neue Herausforderungen, Mitspracherecht oder Entscheidungsfreiräume, Gehaltserhöhungen usw.)
  • Hast du noch Hoffnung, dass du in dem Unternehmen zufrieden werden kannst? Wenn ja, was kannst DU tun, um das zu fördern?
  • WILLST du noch hoffen oder ist deine Hoffnung langsam über die Zeit baden gegangen?
  • Halten dich deine Erfahrungen mit diesem Arbeitgeber davon ab, dir einen neuen zu suchen? Wenn ja, welche genau sind das?
  • Wie siehst du dich durch deine Erfahrungen mit diesem Arbeitgeber heute anders, und wie hast du dich früher gesehen? Sind deine geänderten Ansichten zu dir und deinen Fähigkeiten, Befähigungen, Talenten und Charaktereigenschaften geprägt durch diese Erfahrungen?
  • Was ist der Hauptgrund dafür, dir keinen anderen Arbeitgeber zu suchen?
  • Findet sich dieser Hauptgrund als Attribut auch in der Art und Weise, wie du dich als Arbeitnehmer behandelt fühlst? (z. B. nicht qualifiziert genug für andere in deiner Branche & nicht respektiert werden im Job)

Motive und Motivationen

Wenn es noch Motive gibt, aber keine Motivationen mehr, nach ihnen zu handeln, dann haben wir resigniert. Denn innerlich meinen oder wissen wir, dass es nichts brächte, uns zu engagieren oder tätig zu werden. Zu viele Hindernisse stehen zwischen der Arbeit/unserer Leistung und der Erreichbarkeit unseres Ziels. Können wir unser Ziel nicht mehr erreichen, z. B. nichts damit bewirken oder nicht das, was wir damit bewirken wollen, dann besteht auch keine Motivation mehr, diese eine Arbeit zu leisten.

Solltest du dich also fragen, wieso du keine Lust mehr auf deine Arbeit hast oder wieso du dich schlecht konzentrieren oder motivieren kannst, das könnte die Antwort sein: Die Tätigkeit ist für dich sinnentleert. In dir entstehen deshalb keine Impulse mehr, keine Motivationen, aktiv zu werden, denn dein Motiv oder Ziel ist in deinen Augen nicht (mehr) erreichbar. Es kann sein, dass du damit richtig liegst. Es kann aber auch sein, dass einige querschlagende Gedanken zu dieser Hürde führen oder du noch andere Motive hast, die du verdrängst oder die sich immer stärker melden.

Versagensangst zu haben und diese sich selbst gegenüber zu widerlegen ist eine Motivation. Dann würdest du arbeiten, um einer Firma aka dir zu zeigen: Ich schaffe das! Ich kann das! Ich bin gut. Glaubst du aber innerlich nicht wirklich daran, sondern denkst, du würdest es sowieso nicht schaffen oder es wäre an Arbeitspensum zu viel oder zu schwer, dann suchst du in der Firma nach genau dieser Bestätigung: Du kannst es nicht. Du reichst nicht.

Sich zu beweisen in seinem Wert (“Ich bin es wert! Ich habe diese Position/diesen Job verdient!”) verbinden wir mit einer Rückleistung: Was wir dafür bekommen (oder hoffen, zu bekommen), z. B. Ansehen, Status, Geld, Attraktivität, die in eine Partnerschaft führen würde usw. Dieses Ziel rührt oft aus Mangeldenken her (Ich bin es noch nicht wert. Noch habe ich es mir nicht verdient. Ich muss es mir noch verdienen!). Je mehr wir vor etwas fliehen wollen, desto mehr ziehen wir an, was wir schon haben oder – in diesem Fall – glauben, noch nicht zu haben. Wir müssten unser Denken ändern und in uns etablieren, dass wir wertvoll sind, statt andere als unseren Spiegel zu wollen, die uns zeigen: Das bin ich … (also wert)!

Geld und Existenzangst ist ein weiterer Grund, wieso wir unsere Arbeit nicht schätzen. Wenn uns nichts anderes übrigbleibt, als zu Ja und Amen zu sagen, ein für uns unbedeutenden Job zu machen, dann bleibt nur die Motivation: UM GELD ZU VERDIENEN. Vielen reicht dieser Grund. Anderen hingegen wäre es möglich, sich einen ähnlichen Job zu suchen, aber bei einem anderen Arbeitgeber mit besseren Konditionen. Wir nehmen diese Ursache Geld und Existenz leider viel zu oft als Ausrede, um nicht handeln zu müssen – auch weil wir zu faul sind, nach BEDEUTUNG für unser Leben in der Welt Ausschau zu halten.

Wieso wir uns trauen müssen, zu kündigen, wenn es nicht passt oder: Ein Job, den du liebst

Am Ende des Tages entscheidet, was Viktor Frankl einst als Buchtitel wählte: Wer ein “Wozu” hat, erträgt fast jedes “Wie”. Wer seinen Job nicht wechseln kann, dem bleibt nur übrig, sich jede noch so kleine, dankbare Sache in der momentan Situation zu suchen, an der man sich festhalten kann. Wenn etwas im Job Freude bringt, z. B. einige Kollegen oder der kurze Arbeitsweg, dann kann bereits das die Motivation, dort weiterzuarbeiten, nähren. Nach diesen kleinen Freuden muss man dringend suchen; man muss sie dringend finden – was mitunter heißt: zuzulassen, sie zu erkennen.

Wer hingegen Alternativen hätte, um die er sich lediglich nicht kümmern mag, weil sie anstrengend sind, mit Ablehnung verbunden oder mit erneuten Leistungsbeweisen, bei denen man versagen könnte, darf sich das ruhig vor Augen halten. Es ist für kaum jemanden der liebste Zeitvertreib, sich einen neuen Job zu suchen, die vielen Bewerbungsprozesse durchzuhalten, wenn man denn eingeladen wird. Man muss die Ablehnungen und Aufregungen vor Bewerbungsgesprächen ertragen lernen, denn sonst wird sich nichts ändern. Wenn sich nichts ändert, stagniert das Leben. Das kann krank machen, für Unruhe, Lustlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Fehler und schlaflose Nächte sorgen – weil man Herausforderungen scheut. Wer weiß, was der Impuls für die Jobsuche an Gutem bringt?

Wenn man es nicht versucht, wird man es nie erfahren – weil man zu beschäftigt damit ist, das Ungute ertragen zu lernen.