Dein Denken: Welche Gedanken zu Angstzuständen führen können

Dein Denken: Welche Gedanken zu Angstzuständen führen können

Ich habe mich jahrelang dabei beobachtet, wie ich denke, und welche Gedanken zu Angst führen, und welche nicht. Ich habe mittlerweile eine Art Gedankenkoffer für mich entwickelt, der mir hilft, erst gar keine Ängste auszulösen – und falls sie doch kommen, habe ich welche, die sie wieder überwinden. Denn ja, man kann sich sehr leicht in Angstzustände hineindenken und das auch ohne sich vorzustellen, dass man Angst bekommen würde, wenn erst einmal X passierte.

Wenn das auch für dich ein Thema ist, lade ich dich hier in diesem Artikel dazu ein, auch dich und deine Gedanken zu reflektieren, um deine Angst zu verringern.

Wie deine Gedanken zu Angst werden können: Übers Denken – Fühlen – Handeln

Gedanken machen Angst
Es sind unsere Gedanken, die uns Angst machen können, weshalb wir sie sorgfältig auswählen sollten.

Man sagt, Gedanken führten zu Gefühlen und diese wiederum zu Handlungen. Und das stimmt auch, nur dass zuallererst ein Grundgefühl, das wir selten bemerken, auftaucht, was dann entsprechende Gedanken nach sich zieht, die wiederum neue Gefühle auslösen und wir diese dann in Handlungen übersetzen. Welche Handlungen gut oder nur gut gemeint sind, spielt nur eine geringe Rolle, denn wäre das Denken nicht an erster Stelle, gäbe es erst gar keine Probleme. Und somit auch keine Angstzustände.

Wir alle haben unsere ganz eigenen Ängste, die wir gelernt haben, sei es von unseren Eltern oder Großeltern oder in der Schule, von unseren Freunden “gemerkt” oder in Beziehungen entwickelt. In den meisten Fällen – so jedenfalls meine Erfahrung – sind es unbewusste/unterbewusste Verlustängste, die oft in Verbindung mit einem überstarken Motiv der Zugehörigkeit stehen und daher mit Selbstwertängsten. Dann treffen die Angst vor dem Alleinsein (vor dem sozialen Ausschluss und der Einsamkeit) auf die Angst vor Liebesentzug oder mangelnder Anerkennung.

Aber auch die Angst vor dem Verlust deines Selbst könnte ein Thema sein, dass dein Denken leitet, weswegen du Angstgedanken generierst, ohne es zu merken. Dann trifft deine Idee nach Unabhängigkeit, nicht eingeengt sein, frei sein, ohne jegliche Vorschriften, deine Zeit frei zu planen auf die Angst vor Trennung. Basta, Schluss, Aus zu sagen fällt vielen nicht leicht.

Es kann aber auch sein, dass du unbewusst/unterbewusst Angst vor sozialem Wettbewerb hast, wiederum in Verbindung mit Selbstwertängsten. Dann sind Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Wissen um & Einstehen für deine Bedürfnisse, Kennen deines Wertes, Würde usw. eventuell große Themen für dich.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wichtig für dich ist es zu wissen, dass jede dieser Ängste in dir leben und so dein Denken kontrollieren/steuern, ob du es nun merkst oder nicht.

Gedankenarten und Gedankenmuster, die zu Angst führen können

sich in die zukunft denken führt oft zu zukunftsängsten

Es gibt dennoch verschiedene Wege, wie du für dich herausfinden kannst, was in dir los ist, wo es bei dir hakt, wo dein innerer Hund zu bellen beginnt. Diese stelle ich dir im Folgenden vor:

Gespräche im Kopf

Wir kennen das alle: Wir hatten einen Streit mit jemandem, den wir im Kopf weiterführen. Vielleicht weil uns einige Tage später einfällt, was wir hätten sagen wollen oder weil uns immer noch Dinge in den Sinn kommen, die die Perspektive erweitert hätten. Ebenso klassisch ist hier der ersehnte Kontakt zu jemandem: Wir stellen uns vor, dass wir Kontakt zu X haben, sprechen mit ihm im Geiste und sind ihm so nahe. Themen sind hier oft: unterdrückte/nicht ausgelebte Wut, Einsamkeit, Traurigkeit und Schuld(befreiung).

Traumleben im Kopf – Fantasien & Angst

Im Kopf ein Traumleben zu führen, sagen wir als Superstar, Schauspieler, Spitzensportler oder auch nur als wichtiger Mensch für XYZ produziert viel Mangeldenken. Wir kennen das aus unseren Teeniejahren, als wir heimlich in Sänger oder Schulkameraden verliebt waren. Aber auch heute noch gieren wir oft insgeheim, ob bewusst oder unbewusst, danach, jemand Besonderes oder Besseres zu sein, schöner, schlanker, reicher oder erfolgreicher, beneideter usw. Es verursacht nur sehr viel Stress und schüttet entsprechende Hormone aus, denn man denkt sich ja ständig aus der Realität weg hin zu einem Leben, das so nicht existiert. Wichtige Stichworte sind deshalb hier: Nichtakzeptanz des jetzigen Lebens(stils), mangelnde Achtsamkeit (kein Leben im Hier und Jetzt).

Ebenso spielen Zukunftsangst, Kontrollzwang und Versagensangst eine Rolle. Wenn wir selbst daran arbeiten, uns aus unserem Leben zu befreien, kann die Anhaftung an unser Ziel, (sagen wir, den Superstar doch noch kennenzulernen oder den Chef zu stürzen oder von der tollen Frau als der tolle Kerl erkannt zu werden), Leid verursachen. Denn es kann immer noch sein, dass es so nicht kommen wird. Es kann sein, dass du unbewusst denkst, du wärst nicht gut genug oder müsstest noch besser werden (hier wieder: schlanker, schöner, reicher, erfolgreicher usw.). Ist dem so oder läuft dir beispielsweise die Zeit davon, weil dein Ziel zeitsensibel ist, dann stresst es dich, weil dein Ziel in Gefahr gerät. Ergo ruft es Traurigkeit, Wut oder Schuld durch Zukunfts- und Versagensangst hervor, denn es gab keine andere Vision, keinen anderen Traum.

Keine Verbundenheit und das Gefühl des Getrenntseins: Drinnen im Draußen und draußen im Drinnen sein

Das hier trifft viele frische Mütter und vor allem Kreative, Hochbegabte, Hochsensible und Hochempathen: Wer gern/oft drinnen ist und/oder wenig Kontakt ins Außen hat, zu Menschen, denkt automatisch mehr. Output ist aber gleich null. Der Austausch fehlt, die Energie ist anders, das Körperempfinden, die muskulären und hormonellen Vorgänge etc.

Wer dann rausgeht, ertappt sich oft dabei, dass die Gedanken stören oder aber das Außen einen unterbricht in seinem Denken. Beides ist ein Pulverfass für Angst, denn man passt sich in diesem Moment nicht an seine (neue) Umgebung an, sondern erwartet noch immer, dass alles still ist zum Beispiel oder man allein, keine Rücksicht nehmen muss oder aber nicht im Mittelpunkt seines (Er)Lebens steht. Oder wie eine meiner Freundinnen in solchen Momenten gern zu sagen pflegt: Ich hasse Menschen. Das höre ich oft und kenne es von mir selbst, als ich noch Agoraphobie mit Panikattacken hatte. Dies löst ein Gefühl des Getrenntseins, vielleicht sogar Falschseins oder des Hasses auf die Welt aus. Es ist eine mangelnde Verbundenheit. Aber Verbundenheit kommt von Ver-Bindung und diese muss nun einmal selbst hergestellt werden.

Deshalb gehe ich grundsätzlich mindestens alle zwei Tage raus (Ich arbeite im Home Office.). Komme, was wolle, und sei es auch nur, um beim Späti meines Vertrauens mit dem Inhaber eine Runde zu plaudern und mir mein Lächeln abzuholen. Menschen sind soziale Wesen und (biologisch/geistig) nicht für Isolation gemacht. Solltest du jetzt noch denken Aber das sehe ich anders!, dann möchte ich dir gern etwas mit auf den Weg geben: Die Tatsache, dass du es anders siehst, liegt ebenso an deinen Gedanken. Ändere es und du wirst es anders sehen. Meinungen sind keine Fakten. Sie sind umstößlich.

Unterdrückte Gefühle (Wut, Traurigkeit, Schuld, Scham)

Ich kann es gar nicht oft genug sagen und sage es deshalb noch einmal: Wut (oft Mantel für Traurigkeit), Traurigkeit, Schuld (oft Katalysator für Wut) sowie Scham (oft Mantel für Verachtung oder Traurigkeit) ruft Angst auf den Plan, weil Angst nun einmal dafür da ist, dich vor unangenehmen Urgefühlen zu beschützen. Angst hingegen (nicht verwechseln mit dem Urgefühl Furcht!) ist nur die kleine Schwester von Furcht und nicht urig. Soll heißen: Wenn du ein unbewusstes Problem mit dem Erleben und Ausgleichen von Schuld, Scham, Traurigkeit oder Wut hast, kommt Angst automatisch, um dich davor zu bewahren, es zu fühlen.

Kreativität

Um es mit den Worten von Antoine de Saint-Exupéry zu sagen: Man ist “von Dringlichkeit beseelt”, wenn man kreativ ist. Dringlichkeit ist Hektik ist Stress ist Angst. Je kreativer man an der Umsetzung seiner Ideen arbeitet, desto mehr verschwindet die eigene Umwelt, weil man im Kopf nur noch in seinen eigenen Welten lebt, sei es in Form von Bildern, Fotografien, Literatur usw. Das Außen, vor deiner Wohnung/deinem Atelier, ist zwar ständig da, aber erhält im Extrem kaum mehr Beachtung, weil es zum Beispiel zu wenig Anreiz bietet. Das, was du erschaffen willst/erschaffst, nimmt sozusagen den Fokus für das Hier & Jetzt, die Realität, dein Leben, mit allem, was genauso wichtig ist wie dein Selbstausdruck.

Oft haben Künstler/Kreative in dieser “normalen” Welt auch noch keinen (angemessenen) Ausdruck für sich selbst gefunden, wie zum Beispiel einen richtig guten Freundeskreis, weswegen ein Leben in Bildern und Worten beispielsweise leichter für sie ist, mit der richtigen Welt umzugehen.

Was Angst-Denken hervorrufen kann

Einige Lebensumstände und Gewohnheiten, so habe ich es jedenfalls beobachtet, unterstützen diese Ängste oder lösen sie gar aus:

  • Koffein
  • Zigaretten (enthält Nervengifte)
  • übermäßiger Alkohol
  • Zucker
  • schwer verdauliche Speisen (nimmt dem Hirn die Kapazität, weil sie vom Darmhirn gebraucht wird, beeinflusst die Hormone)
  • Fleisch (besonders bei Hochsensiblen und Hochempathen)
  • Sitzen
  • mangelnde Bewegung (kein Sport, keine ausgiebigen, ruhigen Spaziergänge in ruhiger Umgebung)
  • kein Leerlauf im Denken (wie Meditation, Yoga, Musik, beim Filme schauen, lesen usw.)
  • Einsamkeit (trotz sozialer Bindungen) (Ich empfehle dir mein Buch dazu: Über die Kunst, allein zu sein)
  • zu viel Input (fehlender Ausdruck deines Selbst, aktiviert Selbstverlustangst – Dann ringen deine sozial genormten Gedankenmuster mit deinem Selbst, das ebenso Aufmerksamkeit von dir möchte)
  • Festhalten an Gewohnheiten statt Leben im Hier & Jetzt und sich Zurücklehnen
  • Misstrauen ins Leben, in dich selbst und – falls du daran glaubst – Gott, die Natur, das Universum usw.
  • toxische Beziehungen (inkl. Co-Abhängigkeit)
  • übermäßige Fürsorge für etwas/jemanden (Thema Selbstverlust)

Diese Liste ist nicht vollständig, aber soll dir einen ersten Einblick geben. Falls du dich wunderst, wieso hier Lebensmittel bzw. Ernährungsthemen enthalten sind: Die Psychologie kennt die substanzinduzierte sowie darmbasierte Angst/Depression. Hier einige Artikel von mir zum Thema:

Zuletzt beschrieb diese die Autorin und Medizinerin Guilia Enders in ihrem Buch “Darm mit Charme”. Sie ist aber keineswegs die einzige Wissenschaftlerin, die darauf aufmerksam machte.

Was du tun kannst, um aus deinem Angstdenken herauszukommen

vergebungsarbeit

Hier sind meine Gebote, die weder scherzhaft gemeint sind noch blasphemisch:

  1. Du sollst es nicht anders wollen, als es gerade ist. (Akzeptiere die Dinge, wie sie sind. Das heißt nicht, dass du sie so belassen musst. Ändere, was du ändern kannst, insofern es realistisch und gesund ist.)
  2. Dein Drang, etwas Besonderes (für jemanden oder die Welt) zu sein ist gut und richtig. Doch er taugt nur dann etwas, wenn du entsprechend handelst. Es dir nur vorzustellen, nur zu träumen, bringt dich nicht ans Ziel. (Falls dem so ist: Bedenke mal alle deine Ängste, die auftauchen würden, wenn dein Traum in Erfüllung ginge. Fällt dir da etwas ein? Falls nicht, klicke unbedingt auf den Link in diesem Punkt. Ich hatte dazu einen eigenen Artikel verfasst.)
  3. Das heißt besonders: Du sollst nicht beneiden anderer Leute Leben. (Denn es löst Selbstwertängste aus und Mangeldenken. Du bist gut und genug.)
  4. Du sollst dir schöne Gedanken machen. (Absichtlich! Denke an alles, was gut ist. Sei dankbar.)
  5. Du sollst über dich lachen dürfen/können. (Schreibe dir wegen deiner Gedanken einfach einmal alles auf, was du da gerade denkst. Du wirst sehen, dass einiges davon ziemlich witzig ist.)
  6. Du darfst streiten, aber sollst nach Frieden trachten. (Wut ist eine ungeheure Quelle für alles Schlimme auf dieser Welt. Unter anderem deine Angst. Verzeihe anderen. Vergib dir. Lass los. Lass gut sein. Was du auch tust: Leg deine Wut ad acta. Oder probiere es mal hawaiianisch. Sie haben ein eigenes Ritual dafür.)
  7. Heule, wenn dir danach ist. Aber wisse, wann Schluss ist. (Oder schau in den Spiegel, wenn du weinst. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du dich nicht mehr leiden sehen kannst.)
  8. Perfektion ist eine Schlampe. Grundsätzlich ist Perfektion nur für Götter gedacht. Also lache über deine Fehler, wenn dir welche unterlaufen sind. Bitte notfalls um Entschuldigung. Aber vergib dir. Lerne dazu und daraus. Wir machen alle Fehler. Echt jetzt: WIR ALLE!!!
  9. Nimm dir Zeit für DICH, deine Person, deine Freunde, deine Anliegen, deinen Alltag. Verliere nicht den Fokus für alles, was genauso wichtig ist wie dein Job, den Mann, den du kennengelernt hast oder oder oder.
  10. Alles in dieser Welt braucht Balance: Laut und leise, hell und dunkel, viel und wenig usw. Sorge immer für Ausgleich, indem du ihn bewusst herstellst. Hast du dich viel um andere gekümmert? Dann sorge dich jetzt um dich, nimm dir eine Auszeit. War alles sehr laut in letzter Zeit? Dann geh in die Natur und genieße die Stille. Warst du viel allein? Dann unternimm etwas mit Freunden. Die Mitte liegt zwischen Plus und Minus.
  11. Suche dir etwas, was dich glücklich macht: Malen, Schreiben, Musik hören, Musizieren, Spazieren, Sport, Essen/Kochen, Einkaufen, Handwerken, Filme, Telefonieren, Nebenjobs, Basteln, Fotografieren, Nachbarschaftsgärtnern, Gassi gehen mit fremden Hunden, Müll aufsammeln in deinem Lieblingspark, dein eigenes Bier brauen oder lernen, was du schon immer lernen wolltest … Was auch immer dein Herz befreit und es springen lässt.
  12. Lache. Lache, was das Zeug hält. Es schüttet so viele gute Hormone aus. Ich könnte ein eigenes Buch dazu verfassen.

Achtsamkeit ist eine gute Variante, um deine Gedanken zu kontrollieren. Es gibt verschiedene Techniken, die du ausprobieren kannst. Denn allem voran und am wichtigsten bist du. Ja, du. Nichts und niemand sonst. Geht es dir schlecht, wird dir nichts Gutes gelingen. So ist die Regel. Und sie stimmt auf lange Sicht immer. (Pflegebedürftige Personen/Wesen, die nicht allein agieren können, sondern dem Tode geweiht wären ohne dich, zählen hier natürlich nicht rein.)

Konnte ich dir etwas weiterhelfen? Dann freue ich mich auf deine Gedanken zu diesem Thema in den Kommentaren oder auf deine Weiterempfehlung.

Du willst noch mehr dazu wissen, zu Angst und wie du sie überwindest, hast vielleicht sogar Panikattacken? Auch dazu habe ich etwas >>

Liebe Grüße
Janett

Angst vor Arbeit und Leistung, weil “der Job” krank macht

Angst vor Arbeit und Leistung, weil “der Job” krank macht

In vielen Unternehmen herrscht noch immer der Anspruch, ihre Mitarbeiter müssten täglich herausragende Ergebnisse liefern, besser sein statt nur “gut” und “genug”, Opfer im Privaten erbringen und konstant durch überdurchschnittliche Leistungen, Interesse und Engagement glänzen. Das zeichnet in ihren Augen eine “gute Arbeitseinstellung” aus. Mit dieser – so scheint es bei vielen Arbeitgebern – hätte ihr Personal Respekt und Zugehörigkeit verdient. Viele Arbeitnehmer klagen allein deshalb über Angst vor Leistung und dem Job, der Arbeit an sich, den Chef, den Kollegen – einhergehend mit Symptomen. Was wenig mit Arbeitsmoral zu tun hat, kann vielmehr ein Mix aus individuellen und firmenbezogenen Aspekten sein. Geschehen hier keine Korrekturen, greift der Körper/die Psyche zu natürlichen Abwehrmechanismen, um mögliche Gefahren für die Gesundheit zu vermeiden.

In diesem Blogpost findest du mehr Hintergründe zu dieser Angst und einer einfachen Methode, mit dem du wieder neuen Sinn für dein Berufsleben schaffen kannst – oder feststellst, dass es Zeit für einen neuen Arbeitgeber ist.

Ursachen: Wie Angst vor Arbeit und Leistung im Job entstehen

Angst vor Arbeit zeigt sich gern in einer “miesen Arbeitseinstellung”, ist aber oft eine verschleppte Überforderung, Unterforderung oder Sinnentleerung. Hat der Arbeitnehmer keine Motivation mehr, zu arbeiten, leistet er weniger. Muss er dennoch übermäßig leisten, reagiert der Körper häufig mit Angstzuständen.

Angst vor Arbeit und Leistung entstehen nicht aus dem Nichts. Vieles muss im Vorfeld geschehen sein, damit ein Mensch plötzlich den Sinn in seinem Beruf oder Arbeiten an sich verliert. Oft geht es einher mit vielen Jahren des Beweisstellens, in denen der Arbeitnehmer mit einem starken sog. Leistungsmotiv etwas zu bewirken versucht: für sich, das Unternehmen, die Welt usw. Es kann auch sein, dass seit jeher das Underachiever-Syndrom vorliegt, in denen Menschen dazu erzogen wurden, nichts erreichen zu müssen (weil es ihnen a) ohnehin nichts brächte oder b) es von ihnen nicht abverlangt wurde). Ich gehe hier vom ersteren aus: Es bestand ein starker Drang danach, etwas zu leisten, weil man

  • etwas für sein Leben erreichen wollte (finanzielle Sicherheit/Stabilität bzw. Wohlstand, Lernen, Status, Persönlichkeitsentwicklung, Karriere) und bereit war, dafür vieles zu tun
  • etwas für die Welt tun wollte (Gutes tun, Menschen helfen, Lücken füllen, Ungerechtigkeit ausbalancieren usw.)
  • seinen Platz finden wollte (zu einer Gruppe Gleichgesinnter gehören wollte), das sog. Zugehörigkeitsmotiv
  • durch seine Leistungen an Bedeutung für andere/die Welt gewinnen wollte (Machtmotiv)

Und so ergaben sich die Motivationen: Man ging davon aus, indem man leistet, würde man erreichen/bekommen, was man sich gewünscht hatte. Doch damit Motivationen in uns entstehen können, die uns ins Handeln bringen, müssen wir uns sicher sein, dass das Gewünschte erreichbar ist. Sehen wir uns in unserem Handeln immer wieder scheitern oder kurz davor, erleben immer wieder die Angst, wir könnten versagen, erfahren Kritik oder gar kein Lob, ebbt unsere Motivation von Mal zu Mal ab. Man mag nicht mehr, kann nicht mehr, will nicht mehr. Es bildet sich eine Art innere Front gegen Leistungen jeder Art, gegen Arbeit an sich oder Aufgaben bestimmter Art.

Symptome, die mit Angst vor Arbeit und Leistung einhergehen können

wenn im Beruf zu arbeiten und zu leisten angst macht

Der Körper/die Psyche kündigt Überforderung, die schließlich in Angstzustände fließen kann, und durch konstanten Leistungsdruck (körperlicher, emotionaler und geistiger Art) begleitet wird, in erster Instanz durch “normale” Signale an:

  • Stress
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten
  • unruhiges Wochenende mit einer tiefen Unlust am Sonntag beim Gedanken an den kommenden Montag/Arbeitstag
  • im Urlaub nicht abschalten können bzw. krank werden
  • trockene, unreine, fahl-aussehende Haut mit Juckreiz
  • Verdauungsprobleme
  • verringerte Immunabwehr
  • leichte bis mittlere Unlust am Morgen
  • innere Unruhe unter Menschen
  • latente Aggression, Impulsivität, Wutausbrüche (besonders wenn etwas nicht funktioniert bzw. nicht auf Anhieb klappt)
  • Muskelverspannungen (werden später gern zu Panikattacken)
  • unruhige Beine, Kribbeln in den Gliedmaßen
  • innere Unruhe auch während der Freizeit
  • innere Hektik (“Schnell-Schnell-Syndrom”, besonders bei Frauen)
  • Gefühle entweder extrem sensibel oder immer schwächer wahrnehmen (leicht in Tränen ausbrechen oder kaum mehr etwas spüren)
  • auf zwischenmenschliche Situationen nicht mehr eingehen wollen/können bzw. keine Ruhe für “Probleme” haben (Abwehr des emotionalen Leistungsdrucks)

um nur einige zu nennen. Das sind die häufigsten Begleiterscheinungen, die mir genannt werden.

Auch das Gefühl, man dürfe die Arbeit jetzt noch nicht beenden, obwohl es schon spät am Abend ist, oder man müsse noch in der Freizeit dieses und jenes für den Arbeitgeber tun, fällt darunter. Ständige Erreichbarkeit, E-Mail-Check am Wochenende oder in Gedanken stets im Büro oder in Gesprächen mit Kollegen zu sein gehören auch dazu. Das Gefühl, gebraucht zu werden und nicht ersetzbar zu sein, trifft auf den Drang, alles liegen zu lassen.

Deshalb sieht man das auch im Job/Beruf an der eigenen Leistung:

  • fehlendes Interesse
  • keine Verlässlichkeit mehr gewähren können/wollen
  • kein Pflichtbewusstsein mehr gewähren können/wollen
  • keine Teamfähigkeit mehr gewähren können/wollen (Ungeduld vor allem)
  • keinen Respekt mehr vor Autoritäten
  • keine Folgsamkeit mehr gewähren können/wollen
  • andere Werte als das Unternehmen entwickeln oder bereits haben
  • teilweise eine hohe Fehlerquote bei den Aufgaben
  • Aufgaben scheuen, die lange dauern, eine hohe Qualität oder Konzentration fordern
  • Konzentrationsschwierigkeiten, nur schwer sitzen bleiben können
  • häufiges Fehlen am Arbeitsplatz durch Krankheit

Alle diese Punkte können ambivalent gedeutet werden, entweder als Hinweis auf eine psychische Gefährdung oder als miese Arbeitsmoral.

Was hier passiert: Der innere Richter ermahnt zur Perfektion und Übermenschlichkeit, währen das Selbst um Gnade und Erlass bittet. Werden diese und ähnliche Symptome ignoriert, reagieren viele in nächster Instanz mit einer ausgeprägten Angst vor bzw. wegen Arbeit und Leistung im Job, gern begleitet durch diffuse Angst vor Kontakt mit Menschen (besonders die, die Ansprüche und Erwartungen an einen stellen aka Kunden, Kollegen und Vorgesetzte). So entstanden bei mir Agoraphobie mit Panikattacken. Andere wiederum entwickeln Depressionen bzw. Burnout oder erleben Angstzustände ohne Panikattacken. Wie der einzelne Körper reagiert, ist im Menschen selbst angelegt.

Der Selbsttest bzw. Eine einfache Methode, um sich zu durchschauen

Depressionen und Burnout können sich auch durch Angstzustände und Panikattacken zeigen

Hinter der anfangs nur leichten Angst verbirgt sich oft die Angst zu versagen – eine naheliegende Befürchtung, wenn unermüdliche Versuche, dem Arbeitgeber seinen Wert zu beweisen, im Vorfeld unternommen wurden. Diese Angst kann auch auftreten, wenn man es als Mitarbeiter mit (für einen selbst) sinnentleerten Aufgaben zu tun hat. Der Drive in Richtung Boreout ist ebenso häufig wie der in Richtung Burnout.

Doch liegt es wirklich NUR am Job? Ist es der einzelne Arbeitgeber und würde es dir besser bei einem anderen Unternehmen gehen? Liegt es an vielleicht ganz anderen Ursachen, z. B. daran, dass du unbewusst innerlich gekündigt hast? Bräuchtest du nur andere, interessantere Aufgaben? Oder fehlt es dir im Job an Anerkennung?

Beantworte aus dem Bauch heraus und ehrlich dir gegenüber (radikale Selbstprüfung!) folgende Fragen:

  • Welche Bedeutung hat Arbeit, Leistung für dich?
  • Welche Bedeutung hat “dieser Job” für dich? Gibt es in dem Unternehmen eine Abteilung, bei der du lieber arbeiten würdest?
  • Was müsste das Unternehmen tun, um dich zu motivieren?
  • Wie hast du dich früher selbst motiviert? (Strategien)
  • Und was genau hat dich motiviert, dort zu arbeiten? (Aufgabenbereich, Ziel/Motiv)
  • Wann hat dir die Arbeit das letzte Mal so richtig Freude bereitet? (Zeitpunkt und Arbeitsbereich bzw. Kollegium o. Ä. bestimmen)
  • Wann brach diese Freude weg? (Zeitpunkt bestimmen)
  • Wann und womit traten Unlust bzw. Gereiztheit, emotionale und geistige Überforderung/Unterforderung das erste Mal auf?
    War z. B. ein Kollege oder ein Arbeitsbereich Auslöser bzw. gibt es sich überschneidende Muster, wann immer du in Angst, Panik oder innere Abwehr, Unlust gerätst?
  • Wie reagiert dein Körper/Geist auf das, was im Job geschieht? (z. B. Anerkennung, die dir geschenkt wird oder neue Herausforderungen, Mitspracherecht oder Entscheidungsfreiräume)
  • Welche Bedürfnisse musst du hintenanstellen, um deinen Job gut zu machen?
  • Für die sehr Reflektierten: Wie reagiert dein Körper auf einzelne Aufgaben, nach dem Kontakt mit bestimmen Kollegen/Personen, morgens/mittags/nachmittags/andere Arbeitszeiten, bei Kontakt oder ohne Kontakt zu Kollegen/Vorgesetzte? Wie reagiert er, wenn Kollegen/Vorgesetzte im Urlaub sind? 
  • Wie reagiert er vor Personalgesprächen?
  • Wie reagiert er auf das, was NICHT geschieht? (z. B. Anerkennung, die dir nicht geschenkt wird, oder neue Herausforderungen, Mitspracherecht oder Entscheidungsfreiräume, Gehaltserhöhungen usw.)
  • Hast du noch Hoffnung, dass du in dem Unternehmen zufrieden werden kannst? Wenn ja, was kannst DU tun, um das zu fördern?
  • WILLST du noch hoffen oder ist deine Hoffnung langsam über die Zeit baden gegangen?
  • Halten dich deine Erfahrungen mit diesem Arbeitgeber davon ab, dir einen neuen zu suchen? Wenn ja, welche genau sind das?
  • Wie siehst du dich durch deine Erfahrungen mit diesem Arbeitgeber heute anders, und wie hast du dich früher gesehen? Sind deine geänderten Ansichten zu dir und deinen Fähigkeiten, Befähigungen, Talenten und Charaktereigenschaften geprägt durch diese Erfahrungen?
  • Was ist der Hauptgrund dafür, dir keinen anderen Arbeitgeber zu suchen?
  • Findet sich dieser Hauptgrund als Attribut auch in der Art und Weise, wie du dich als Arbeitnehmer behandelt fühlst? (z. B. nicht qualifiziert genug für andere in deiner Branche & nicht respektiert werden im Job)

Motive und Motivationen

Wenn es noch Motive gibt, aber keine Motivationen mehr, nach ihnen zu handeln, dann haben wir resigniert. Denn innerlich meinen oder wissen wir, dass es nichts brächte, uns zu engagieren oder tätig zu werden. Zu viele Hindernisse stehen zwischen der Arbeit/unserer Leistung und der Erreichbarkeit unseres Ziels. Können wir unser Ziel nicht mehr erreichen, z. B. nichts damit bewirken oder nicht das, was wir damit bewirken wollen, dann besteht auch keine Motivation mehr, diese eine Arbeit zu leisten.

Solltest du dich also fragen, wieso du keine Lust mehr auf deine Arbeit hast oder wieso du dich schlecht konzentrieren oder motivieren kannst, das könnte die Antwort sein: Die Tätigkeit ist für dich sinnentleert. In dir entstehen deshalb keine Impulse mehr, keine Motivationen, aktiv zu werden, denn dein Motiv oder Ziel ist in deinen Augen nicht (mehr) erreichbar. Es kann sein, dass du damit richtig liegst. Es kann aber auch sein, dass einige querschlagende Gedanken zu dieser Hürde führen oder du noch andere Motive hast, die du verdrängst oder die sich immer stärker melden.

Versagensangst zu haben und diese sich selbst gegenüber zu widerlegen ist eine Motivation. Dann würdest du arbeiten, um einer Firma aka dir zu zeigen: Ich schaffe das! Ich kann das! Ich bin gut. Glaubst du aber innerlich nicht wirklich daran, sondern denkst, du würdest es sowieso nicht schaffen oder es wäre an Arbeitspensum zu viel oder zu schwer, dann suchst du in der Firma nach genau dieser Bestätigung: Du kannst es nicht. Du reichst nicht.

Sich zu beweisen in seinem Wert (“Ich bin es wert! Ich habe diese Position/diesen Job verdient!”) verbinden wir mit einer Rückleistung: Was wir dafür bekommen (oder hoffen, zu bekommen), z. B. Ansehen, Status, Geld, Attraktivität, die in eine Partnerschaft führen würde usw. Dieses Ziel rührt oft aus Mangeldenken her (Ich bin es noch nicht wert. Noch habe ich es mir nicht verdient. Ich muss es mir noch verdienen!). Je mehr wir vor etwas fliehen wollen, desto mehr ziehen wir an, was wir schon haben oder – in diesem Fall – glauben, noch nicht zu haben. Wir müssten unser Denken ändern und in uns etablieren, dass wir wertvoll sind, statt andere als unseren Spiegel zu wollen, die uns zeigen: Das bin ich … (also wert)!

Geld und Existenzangst ist ein weiterer Grund, wieso wir unsere Arbeit nicht schätzen. Wenn uns nichts anderes übrigbleibt, als zu Ja und Amen zu sagen, ein für uns unbedeutenden Job zu machen, dann bleibt nur die Motivation: UM GELD ZU VERDIENEN. Vielen reicht dieser Grund. Anderen hingegen wäre es möglich, sich einen ähnlichen Job zu suchen, aber bei einem anderen Arbeitgeber mit besseren Konditionen. Wir nehmen diese Ursache Geld und Existenz leider viel zu oft als Ausrede, um nicht handeln zu müssen – auch weil wir zu faul sind, nach BEDEUTUNG für unser Leben in der Welt Ausschau zu halten.

Wieso wir uns trauen müssen, zu kündigen, wenn es nicht passt oder: Ein Job, den du liebst

Am Ende des Tages entscheidet, was Viktor Frankl einst als Buchtitel wählte: Wer ein “Wozu” hat, erträgt fast jedes “Wie”. Wer seinen Job nicht wechseln kann, dem bleibt nur übrig, sich jede noch so kleine, dankbare Sache in der momentan Situation zu suchen, an der man sich festhalten kann. Wenn etwas im Job Freude bringt, z. B. einige Kollegen oder der kurze Arbeitsweg, dann kann bereits das die Motivation, dort weiterzuarbeiten, nähren. Nach diesen kleinen Freuden muss man dringend suchen; man muss sie dringend finden – was mitunter heißt: zuzulassen, sie zu erkennen.

Wer hingegen Alternativen hätte, um die er sich lediglich nicht kümmern mag, weil sie anstrengend sind, mit Ablehnung verbunden oder mit erneuten Leistungsbeweisen, bei denen man versagen könnte, darf sich das ruhig vor Augen halten. Es ist für kaum jemanden der liebste Zeitvertreib, sich einen neuen Job zu suchen, die vielen Bewerbungsprozesse durchzuhalten, wenn man denn eingeladen wird. Man muss die Ablehnungen und Aufregungen vor Bewerbungsgesprächen ertragen lernen, denn sonst wird sich nichts ändern. Wenn sich nichts ändert, stagniert das Leben. Das kann krank machen, für Unruhe, Lustlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Fehler und schlaflose Nächte sorgen – weil man Herausforderungen scheut. Wer weiß, was der Impuls für die Jobsuche an Gutem bringt?

Wenn man es nicht versucht, wird man es nie erfahren – weil man zu beschäftigt damit ist, das Ungute ertragen zu lernen.

Vergebung: Dir selbst verzeihen als Schlüssel inneren Friedens

Vergebung: Dir selbst verzeihen als Schlüssel inneren Friedens

Wir alle machen Fehler, sagen oder tun Unbedachtes, was sich oft nicht mehr zurücknehmen und ungeschehen machen lässt. Seien es Beziehungen, die wir bereuen, eigene Handlungen oder Chancen, die wir nicht wahrnahmen: Auf so manche Zeiten und Ereignisse blicken wir mit Reue, Scham, Schuld oder gar Angst zurück, weil wir es nicht schafften, uns zu vergeben – was wir taten und was nicht, was andere uns taten und was sie uns verwehrten. Ich hadere mit dem Thema seit vielen Jahren. Wenn du so bist wie ich, hast du Mühe, dir und anderen zu verzeihen, und spürst in dir sicher den Drang nach Wiedergutmachung und/oder Gerechtigkeit.

Einige Gedanken zu diesem Thema und ein einfacher Weg, wie du dir gegenüber Vergebung üben kannst, beschreibe ich in diesem Blogpost.

Vergebungsarbeit: Was es heißt, zu verzeihen

Zu verzeihen bedeutet, Ereignisse und Nicht-Ereignisse (etwas, was wir uns gewünscht, aber nicht bekommen haben) mit all ihren Aspekten gut sein zu lassen. Dazu gehören auch deine Gefühle, Gedanken, Empfindungen und (verzerrte) Erinnerungen. Das bedeutet, alle Interpretationen unseres ungern vergebenden Egos zurückzunehmen und sich einzugestehen, dass wir am Ende des Tage alle nur eines sein: Menschen – mit einer eigenen Biografie, Erfahrungen und Gefühlen, die wir versuchen, so gut wie möglich in den Griff zu bekommen. Das meint Ängste, die uns schützen soll(t)en, Traurigkeit, die verborgen blieb in Schuld, und natürlich auch Schamgefühle.

Wir machen Fehler, lernen dazu oder aus ihnen. Wir können die Ereignisse immer nur so gut tun, wie es gerade als Ressource in uns angelegt ist. Denn: Was wir vermögen, spricht Bände über unser geistiges und emotionales Vermögen. Was wir in unserem Leben erfahren haben, ist ein Teil von uns, aber er muss uns nicht am Weitergehen hindern. Er muss nicht zur Blockade werden, die uns an einer unbeschwerten Zukunft hindert.

vergebungsarbeit
Jede Schuld und seelische Verletzung hinterlässt Spuren am Strand unseres Lebens.

Schuld und Scham sind viel häufiger Teil von verletzenden Erlebnissen, z. B. wenn wir wissen, dass wir einen Menschen verletzt haben – oder er uns durch Wut, Rückzug, Ablehnung oder offene Enttäuschung zumindest in dem Glauben ließ. Ich verzeihe mir, dass ich dich verletzt habe. Es ist wichtig, dass wir uns nicht in einem eigenen Gefängnis halten, uns nicht selbst bestrafen, weil wir einst einen Fehler gemacht haben. Sich zu vergeben bedeutet damit auch: Ich befreie mich von meinen Fehlern und hebe die Schuld, die ich mir bis heute zu zugewiesen habe, auf.

Hat dich jemand im Herzen verletzt? Dann wirst du sicher viele Anklagen in deinem Inneren haben, als hätte dir dieses Ereignis einen Stempel in deine Seele gedrückt. Besonders Angst vor erneuter Traurigkeit wird dann ein Thema für dich sein. Diese Vorwürfe der damaligen Person gegenüber bleiben bei dir und leiten, ja steuern unbemerkt deine Zukunft. Viele haben Schwierigkeiten, einem Menschen zu vergeben, je nach Schwere der Tat und Verletzung. Aber in meinen Augen ist es weniger wichtig, diesem einen Menschen gänzlich verzeihen zu können. Es ist viel unerlässlicher, dass man sich das verzeiht, was wir dem anderen vorwerfen:

  • Du hast mich nie geliebt.
  • Du hast nur mit mir gespielt.
  • Du hast mich hintergegangen, mein Vertrauen ausgenutzt.
  • Ich habe immer alles für dich getan und das war also der Dank!
  • Du hast immer nur an dich gedacht!
  • usw.

um nur einmal den Bereich Beziehung/Partnerschaft zu betrachten. Damit sind auch Interpretationen verbunden, die wir wiederum als Schuld auf uns zurückwerfen:

  • Ich habe nicht gereicht/war nicht gut genug.
  • Ich muss etwas falsch gemacht haben.
  • Andere sind besser/hübscher/fähiger als ich.
  • Ich habe wohl keine Nähe, Liebe, Zuwendung, Anerkennung und Erfolg verdient.

Unsere Erfahrungen spiegeln auch immer unsere Glaubensmuster wieder, die zu einem eigenständigen Lebensskript werden können, wenn wir nicht aufpassen. DASS wir solche anklagenden Gefühle haben, müssen wir uns genauso vergeben wie jede Wut und Traurigkeit über uns selbst, falls wir uns haben verletzen lassen:

  • Ich Idiot!
  • Wie konnte ich nur so dumm sein!
  • Ich hätte es besser wissen müssen!
  • Alle Signale deuteten darauf hin, aber ich wollte sie nicht ansehen.
  • Hätte ich nur auf X gehört, dann wäre das nie passiert.
  • usw.

Eigentlich sagt man sich die ganze Zeit mit diesen Anklagen, dass man nicht gut, nicht genug, nicht liebenswert, nicht würdevoll, nicht würdig, nicht klug, intelligent oder nicht schön, nicht attraktiv, unfähig usw. ist. Das nährt das kleine Selbst, das sich völlig hilflos in seinem Zelt verkrochen hat, um sich dort selbst zu bemitleiden. Es braucht Fürsorge und Aufmerksamkeit, Zuwendung wie ein kleines Kind. Was es nicht braucht, sind weitere Schläge wie “Ja, du blöde Kuh/du Arsch! Wieso zum Teufel hast du das gemacht? Jetzt heul’ nicht herum, genauso wolltest du das doch!” und was wir uns nicht alles an den Kopf werfen.

Zwei Wege/Rituale, wie du dir und anderen vergeben kannst

mit Ho'oponopono verzeihen lernen
Verzeihen auf Hawaiianisch: Ho’oponopono

Ein gutes Ritual, um sich eigene Fehler (denen dir selbst sowie anderen gegenüber) zu verzeihen, ist das hawaiianische Vergebensritual mit vier prägnanten Sätzen, die uns die Übermacht unserer Gefühle in den Griff bekommen lassen.

Ein zweiter Weg geht über das Schreiben. Nimm dir einen Stift und ausreichend Papier und schreibe alles auf, was dir einfällt, was du dir vergeben möchtest. Jeden Selbsthass, jede Form von Selbstzweifeln, alle Zweifel, die du anderen gegenüber hattest, weil einst jemand an dir zweifelte, jeden Fehler und jede Verletzung. Dabei kannst du – kein Muss! – eine Unterscheidung treffen zwischen ECHTER Verletzung und UNECHTER Verletzung, meint Kränkungen, Stolz und Ego, Übergangenwerden usw.

Vielen fällt es leichter, sich erst einmal alles von der Seele zu schreiben und so nach und nach loszulassen. Spüre vor allem dabei in dich hinein, was es mit dir macht, wenn du diese Entscheidungen triffst. Um dir zu verdeutlichen, was ich meine, habe ich im Folgenden einige Beispiele aufgelistet. Während du sie liest, spüre nach, wie dein Körper reagiert, wo er schwer oder leicht wird, ob dein Herz stolpert oder dein Magen grummelt, deine Muskeln angespannt sind usw. Das sind oft Anzeichen, die Sprache deines Körpers, die markiert, wo der geistige/emotionale Schmerz sitzt bzw. wo er im Körper eingeschlossen wurde. All die Redewendungen der deutschen Sprache wie “etwas nicht verdaut haben”, “den Kopf voll haben”, “rasend vor Wut”, “ein schweres Herz” usw. verdeutlichen dasselbe.

Ich verabschiede mich schon an dieser Stelle schon und wünsche dir viele kraftvolle Vergebungsmomente mit den nachfolgenden Sätzen.

Alles Liebe,
Janett Menzel

————————————————–

Hier die Beispiele:

Ich vergebe mir, dass ich mich aus Angst, noch mehr zu verlieren, neuen Erfahrungen verschlossen habe.

Ich vergebe mir, dass ich mich wegen negativer Erfahrungen in der Liebe mit ….. (Name) von der Liebe und der Möglichkeit, sie zu leben, abgewandt habe.

Ich vergebe mir, dass ich mir unterstellt habe, nicht liebenswert und gut genug zu sein.

Ich vergebe mir, dass ich anderen oft den Vortritt ließ und zu viel Rücksicht übte, nicht zeigte, was ich wirklich kann.

Ich vergebe mir, dass ich dachte, es wäre besser, mich von anderen von meinen wahren Gefühlen abhalten zu halten.

Ich vergebe mir, dass ich zu lange bei anderen (oder einem bestimmten Menschen) verharrte, aus Angst, ihn zu verletzen, schuldig zu sein und allein zu sein.

Ich vergebe mir, dass ich stattdessen mich verletzte.

Ich vergebe mir, dass ich schüchtern, unsicher, ängstlich, zornig, unbeholfen, fehlbar und menschlich bin.

Ich vergebe mir, dass ich andere als wichtiger einstufte und mich nicht durchsetzte.

Ich vergebe mir, dass ich anderen erlaubte, meine Bedürfnisse zu ignorieren.

Ich vergebe mir, dass ich Beziehungen einging, in der Hoffnung, die Liebe und Aufmerksamkeit, Zuwendung und Bestätigung zu bekommen, die ich schon so lange suche und brauche.

Ich vergebe mir, dass ich Angst hatte, Fehler zu machen und nicht zu genügen, und deshalb nichts unternahm – und leer ausging.

Ich vergebe mir, dass ich dachte, ich wäre noch nicht soweit, nicht erfahren genug, nicht herausragend genug, nicht fähig genug.

Ich vergebe mir, dass ich stets versuche, die/den Starke/n zu spielen, damit niemand merkt, dass ich unsicher bin.

Ich vergebe mir, dass ich mich von Meinungen anderer aufhalten ließ.

Ich vergebe mir, dass ich anderen die Schuld daran gab, dass ich mich von ihren Meinungen abhalten ließ.

Ich vergebe mir, dass ich ihnen die Schuld dafür gab, mich nicht zu mögen.

Ich vergebe mir, dass ich ihnen die Schuld dafür gab, dass ich sie nicht mochte – aus Angst, eine eigene, unliebsame Meinung zu haben.

Ich vergebe mir, dass ich versuchte, perfekt zu sein oder zu werden – jeden Tag ein Stück besser als am Tag zuvor, um meinen Selbstwert stabil zu halten.

Ich vergebe mir, was ich mir alles antat, um nicht zu erkennen, dass mein Selbstwert brüchig war.

Ich vergebe mir, dass ich mich so überforderte, mit Leistungen und gespieltem Interesse, nur um gemocht oder anerkannt zu werden.

Ich vergebe mir, dass ich viel zu selten gezeigt habe, wie ich WIRKLICH bin.

Ich vergebe mir, dass ich so lange in meinem vermeintlichen Schicksal herumgesessen habe, gewartet habe, auf die eine Chance, die alles zum Guten ändern würde.

Ich vergebe mir, dass ich nicht verstanden habe, dass ich Chance bin.

Ich vergebe mir, was ich alles aus Angst vor Ablehnung nicht tat.

Ich vergebe mir, dass ich mich vernachlässigte, weil mich andere vernachlässigten.

Ich vergebe mir, dass ich mich nur mochte, wenn mich andere mochten.

Ich vergebe mir, dass ich mich ausschloss, wenn mich andere ausschlossen.

Ich vergebe mir, dass ich vor meinen Gefühlen flüchtete, aus Angst, sie nicht unter Kontrolle zu haben und über mich die Kontrolle zu verlieren.

Ich vergebe mir, dass ich dachte, andere würden mir Gefühle nicht zugestehen.

Ich vergebe mir, dass ich den Lebensweg anderer versuchte zu kopieren, anstatt mir meinen eigenen Weg zu zeichnen und ihn zu gehen.

Ich vergebe mir, dass ich glaubte, andere würden mir durch ihre Worte und Taten bewusst zeigen, was ich wert bin und wer ich bin.

Ich vergebe mir, dass ich Angst davor hatte, Menschen wegen ihres Verhaltens offen und ehrlich abzulehnen.

Ich vergebe mir, dass ich aufgab, wenn mir etwas zu schwer und unbequem erschien.

Ich vergebe mir, dass ich mir so wenig zutraute, aus Angst zu versagen.

Ich vergebe mir, dass ich andere für ihre Ängste und Schwächen verurteilt habe.

Ich vergebe mir, dass ich glaubte, niemanden zu brauchen.

Ich vergebe mir, dass ich glaubte, ‘da draußen’ gehöre ich nicht hin, dass ich kein Teil wäre – wo ich doch einer bin.

Ich vergebe mir, dass ich meinen Träumen nicht folge, aus Angst mich von meinem jetzigen Leben zu trennen oder zu scheitern.

Ich vergebe mir, dass ich mich meiner Weiblichkeit/Männlichkeit beraubte, aus Angst, nicht gewollt zu sein, zu viel zu sein oder nur für Sex zu “taugen”.

Ich vergebe mir, dass ich wichtige Teile meines Selbst abschnitt, weil diese jemand anderem nicht passen könnten.

Ich vergebe mir, dass ich versuchte, jemand anderes zu sein, als ich bin, um Teil sein zu dürfen – nicht allein sein zu müssen.

Ich vergebe mir, dass ich solange brauchte, um all das zu verstehen.

Wieso ein Vision Board nicht ausreicht, um deine Ziele umzusetzen: Was du noch brauchst

Wieso ein Vision Board nicht ausreicht, um deine Ziele umzusetzen: Was du noch brauchst

 

Vision Boards sind beliebt, um sich seine Ziele und Träume vor Augen zu halten. Diese Zielcollage wird dann sichtbar aufgehängt, um seine Wünsche und Träume nicht mehr aus den Augen zu verlieren. Sie sind also Zielcollagen, die deine Motivation schüren sollen, damit du deine Ziele umsetzt. Man erstellt sie mit Papier, Schere, Klebstoff, Ausschnitten aus Zeitungen und Magazinen oder Ausdrucken digitaler Bilder. Oder man wählt eine der unzähligen Apps und Software im Internet, u. a. Pinterest zur Erstellung seines Vision Boards, auch Dream Board genannt.

Doch wie erreicht man seine Ziele auf diesem Vision Board und was genau blockiert dann trotzdem, wo das Vision Board doch so schön geworden ist? Es sind, wie sollte es anders sein, Ängste – getreu dem Sprichwort: Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst. Es könnte wahr werden (und macht dir deshalb schon im Vorfeld eine Heidenangst).

 

Das Vision Board: Deine große Vision für deine Zukunft

kläre die Ängste hinter deinen Träumen und Wünschen

Beispiel für ein Vision Board | Foto: www.dabble.co

Oberflächlich betrachtet ermöglicht ein Vision Board nicht nur die Rückerinnerung an vergangene oder verdrängte Ziele, sondern auch an Träume, die im Alltag in Vergessenheit gerieten. Neurowissenschaftlich gesehen ist so ein Board ein erstaunlich kraftvolles Instrument, denn es beinhaltet deine Werte und Ideale. Es fungiert als visualisierte Bucket List: Dinge bzw. Erlebnisse, die man in seinem Leben noch erreichen möchte, bevor man stirbt. Gleichzeitig ist sie weit mehr als nur eine Collage, denn sie reduziert dein Leben auf eine sogenannte Big Vision, eine große Vision: deine.

Es bleibt nicht erspart, sich mit seinen Zielen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen: Was man sich sehnlichst wünschte, früher, als man noch jung war, unverheiratet oder kinderlos. Oder das Board beinhaltet Pläne und Ziele für das aktuelle Jahr. Ein Vision Board ist ganz allein deins und du entscheidest, wie du es gestaltest. Es hilft dir dabei, deine gesetzten Ziele zu erreichen.

Definiere deine Ziele.

Manchmal fällt es schwer, sich an seine vergessenen Ziele, Träume und Bedürfnisse zu erinnern. Was hilft, ist sich inspirieren zu lassen. Nimm ein paar alte Zeitschriften, Magazine oder „blättere“ im Internet in kostenfreien Fotobörsen wie z. B. unsplash.com oder pixabay.com. Nutze dir Bildersuche, falls du ein Ziel benennen, aber nicht so recht visualisieren kannst.

Definiere einen oder mehrere Leitsätze.

Mit diesen Bildern formulierst du nun Leitsätze.

Wenn du dir eine geborgene und liebevolle Beziehung wünschst, aber häufig an den „falschen“ Partner gerätst, könnte dir mein folgender Leitsatz nutzen: Ich halte Ausschau nach emotional erfüllenden, sanften, zärtlichen, geborgenen, ehrlichen und nahen Momenten mit einem neuen Partner, in denen ich liebe und von dem ich mich lieben lasse.

Falls du einen beruflichen Wunsch hast, zum Beispiel eine Neuorientierung, aber nicht so recht weißt, wo du anfangen sollst, könnte dir dieser Leitsatz helfen: Ich lebe meine Bestimmung und vertraue darauf, dass sich mir die nächsten Schritte von allein zeigen.

Falls du auf Wohlstand oder mehr finanzielle Fülle aus bist, könnte dieser helfen: Ich bin umgeben von Reichtum. Geld fließt aus allen Richtungen zu mir. Ich bin bereit, das mir bestmögliche Leben zu leben. 

Die Leitsätze sind nie mit Modalverben gefüllt: kein müssen, sollen, wollen, möchten, hätte, könnte usw. Du formulierst sie in der Gegenwartsform, nicht in der Zukunftsform mit „werde“, sondern mit „bin, habe, tue/mache, kreiere, liebe, erschaffe, handle usw.“.

Solche Leitsätze kannst du entweder im Kopf formulieren oder aufschreiben, hinten auf das Vision Board kleben oder mit Erinnerungswörtern wie „Liebe“, „Erfolg“, „finanzielle Fülle“ etc. als Teil der Collage versehen, zum Beispiel durch Überschriften aus Zeitschriften.

Spätestens, wenn die Collage fertiggestellt wurde, fragen sich die meisten Menschen, wie sie nun die dortigen Ziele und Träume verwirklichen können. Wo also ist die feine Grenze zwischen Traum und Realität, Wunsch und Handeln, Hirngespinst und Wirklichkeit?

 

Das Fear Board: Ängste als Schwellenwächter deiner Träume

Lloyd Burnett, US-amerikanischer Coach, und sein Fear Board zur Klärung der Ängste, die mit deinen Zielen und Wünschen einherkommen

Das sogenannte Fear Board stammt (meines Erachtens) vom US-amerikanischen Coach Lloyd Burnett. Er rät jedem, der Blockaden bei der Umsetzung seiner Träume und Wünsche verspürt, sich nebst dem Vision Board eine eigene Collage über die mit den Träumen und Wünschen verbundenen Ängste anzufertigen.

Zwar haben die meisten seiner Klienten und Klientinnen exakte Vorstellungen von dem, was sie in ihrer Zukunft manifestieren möchten. Doch scheinbar stehen ihn immer wieder unsichtbare Hürden im Weg, die sie von der endgültigen Verwirklichung abhalten.

„Sei vorsichtig, was du dir wünscht. Es könnte wahr werden.“ So sagt ein chinesisches Sprichwort.

  • Es könnte sein, dass du dir der Kehrseite nicht bewusst bist.
  • Es könnte sein, dass du mit den Konsequenzen nicht umgehen könntest.
  • Es könnte sein, dass du nur einen kleinen Teil des Bildes siehst, statt des großen Ganzen.
  • Es könnte sein, dass dein Ziel mit Opfern verbunden ist.
  • Es könnte sein, dass für deine Zufriedenheit nach der Erfüllung deiner Träume noch einiges zu erledigen ist,

zum Beispiel Ängste zu überwinden.

 

Beispiele sind diese:

Sagen wir, du träumst von einem Haus am Meer. Dafür müsstest du deine jetzige Stadt verlassen und damit auch deinen Freundes- und Bekanntenkreis, deine Arbeitsstelle. Vielleicht würde dein Partner/deine Partnerin nicht mitkommen (wollen/können). Dort am Meer bräuchtest du so oder so bald neue soziale Kontakte, sonst wärst du ziemlich einsam. Auch wenn das Meer zutiefst befriedigt, so ersetzt es keinen warmen Kakao mit einer Freundin, wenn alles brennt. Außerdem ist ein Haus immer mit Kosten verbunden, für die du finanziell gewappnet sein musst. Du bräuchtest auch einen neuen Job und müsstest obendrein eventuell noch saisonale Urlauberstürme ertragen. Möchtest du, dass dein Haus am Meer dann auch noch in einer warmen Region liegt, müsstest du sehr sicher in den tiefen Süden von Europa, wo du eine neue Sprache bräuchtest, um dich zu verständigen. Falls du ein Kind hast, müsstest du es aus seiner Umgebung reißen und bei getrennt lebenden Eltern würde das andere Elternteil sein Kind sehr viel weniger sehen, was mindestens zwei Beteiligte (ihn und das Kind) wehtun könnte. Sie könnten wütend auf dich sein oder dir Ärger machen, den du fürchtest. Du könntest zu glauben beginnen, dass du einzelne Neubeginne nicht bewältigen könntest.

Oder sagen wir, du wärst gern selbstständig, aber weißt nicht, „ob es wirklich etwas für dich wäre“. Du träumst davon, einen eigenen kleinen Laden in der Innenstadt zu haben oder als digitaler Nomade die Welt bereisen zu können, wann und wie lange du möchtest. Erneut zieht es Konsequenzen nach sich, für die du gewappnet sein solltest, z. B. Existenzängste, weil irgendwoher der Lebensunterhalt kommen muss oder bislang fehlende Akquise- und Marketing-Kenntnisse.

Jeder Traum birgt Herausforderungen. Einige meistert man währenddessen, Schritt für Schritt. Für andere wiederum braucht man einen Plan B, falls der Plan A nicht aufgehen sollte. Als ich mich selbstständig als freie Autorin machte, hatte ich einige Monate ohne Schlaf bewältigen müssen, weil ich fürchterliche Angst hatte, finanziell nicht überleben zu können. Dabei hatte ich bereits einen sehr guten Grundstock. Dennoch bringt auch das Veröffentlichen über einen Verlag seine Hürden mit sich, zum Beispiel Medienarbeit, für die man bereit sein muss. Sich zeigen, eventuelle Kritik einstecken und wegstecken können, unterwegs zu Lesungen sein, währenddessen man Betreuung für die Kinder oder Tiere braucht, sich einer breiten Öffentlichkeit stellen, Rede- und Auftrittsangst überwinden usw.

Welche Hürden auf dem Weg zur Erfüllung deiner Träume fallen dir ein? Was bringt dein Traum an Opfer mit sich? Welche kannst du bewältigen? Bei welchen wird dir übel? Welche Menschen kennst du, die dir helfen könnten, bestimmte Ängste zu überwinden, die mittendrin auftauchen?

Unser Unterbewusstsein ist ein schillerndes Feld aus Erfahrungen und verborgenem Wissen. Es weiß genau, was du glaubst, zu können, wo es hapert oder was dir mehr als nur schwerfällt und was dich verletzen würde. Die inneren Blockaden kommen nicht nur vom inneren Kind, wie es die Psychologie oft meint. Wir kennen uns tatsächlich besser, als wir meinen. Haben wir erst einmal unsere Ängste, die mit dem Ziel, der großen Vision, in Verbindung stehen, extrahiert, können wir uns an die Lösungen und Bewältigung machen.

Für den Moment bitte ich dich, dich deinen Ängsten zu widmen. Schreibe sie alle auf. Gehe bewusst mental einmal in die „erfüllte Welt deines Traumes“.

  • Welche Aufgaben bringt er mit sich?
  • Wie steht es dann um dein soziales Umfeld?
  • Was würdest du ggf. verlieren?
  • Welche Bereiche deines Lebens müssten sich ändern, damit dein Traum sich entfalten kann?
  • Wozu bist du (noch) nicht imstande?
  • Wobei bräuchtest du dringend Unterstützung?
  • Was müsstest du noch lernen, bevor es richtig losgehen kann?

 

Das Solution-Board: Lösungen für Ängste

Das zu den vorherigen Boards passende Solution Board, eine Lösungscollage, ist eine Erweiterung von mir. Ich entwickelte diese Idee, als ich mich auf die Suche nach Möglichkeiten begab, wie ich meine Herausforderungen und Ängste in Bezug auf meine Träume überwinden könnte. Bei dieser Lösungscollage stellt man

seine Visionen – seine Ängste in Verbindung mit den Visionen – passende Lösungen

gegenüber. Das kann man sowohl tabellarisch machen oder als Mindmap oder formlos und in Stichpunkten. Der Fokus bei diesem Board liegt auf gezielten Maßnahmen und Möglichkeiten der Unterstützung in Bezug zu jeder einzelnen Vision, nicht der gesamten, und der damit verbundenen Angst.

Wenn du beispielsweise alte Muster bei deiner Partnerwahl auflösen möchtest, könnte die Gegenüberstellung so aussehen:

 Traum  Ängste  Lösungen
gegenseitige, erwiderte Gefühle Ich könnte mich wieder verrennen und täuschen. Ich achte von Beginn an auf alle Signale.
  Ich achte auf Offenheit, Klarheit und Taten statt Worte.
  Ich achte auf Gegenseitigkeit.
Wenn ich bemerke, dass der Mensch zögert, könnte ich erneut zu viel geben/ klammern, aus Angst. Ich bleibe ruhig, wenn mir das auffällt.
Ich setze eine Zeitspanne, in der derjenige sich öffnen kann.
Ich suche keine Schuld – nicht bei ihm und nicht bei mir.
Ich akzeptiere, falls derjenige wenig Interesse hat, und löse mich.

 

Wenn du dich zum Beispiel selbstständig machen möchtest, könnte die Gegenüberstellung so aussehen:

 Traum  Ängste  Lösungen
erfolgreiche Selbstständigkeit als … finanzielle Engpässe Ich baue die Selbstständigkeit nebenberuflich auf, bis sie eine stabile Grundlage hat/ich sparen konnte.
Ich konzentriere mich auf passives Einkommen.
Ich erwirtschafte noch durch andere Tätigkeiten Geld.
sich zeigen müssen Ich habe Talente, auf die ich stolz bin.
Ich frage meinen Bekannten- und Freundeskreis, wie ich einzelne Hürden meistern könnte.
Ich beauftrage einen Coach, der mir bei der Überwindung meiner Angst hilft.
Ich gehe Schritt für Schritt und lerne, meine Angst auszuhalten.
Ich überlege mir Reaktionsschemata, falls ich Kritik ernten sollte.
Versagensangst Ich tue, was in meiner Macht steht.
Ich gebe meinem Leben und meiner Gesundheit Vorrang.
Ich suche mir Unterstützung, zum Beispiel einen Marketing Coach oder eine Agentur.
Ich plane von Vornherein mögliche Interventionen, falls es eng wird, zum Beispiel ein monatliches Budget für Marketing, lese Bücher zum Thema oder erstelle einen Aktionsplan. So bleibe ich in entscheidenden Momenten ruhig.
Ich vernetze mich mit Gleichgesinnten und bitte sie um ihre Erfahrungen und was ihnen hilft.
Ich akzeptiere Loslassen, falls ich alles getan habe, was in meiner Macht stand.

So eine Übersicht lässt sich für alle Träume erstellen, auch für alltägliche Aspekte, wie beispielsweise die Integration von Sporteinheiten in die Woche. Vom Hausanbau über berufliche Ambitionen, dem Haus am Meer, Ferrari oder Partner fürs Leben, dem erfüllten Kinderwunsch oder der besseren Kommunikation mit Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden: Die drei vorgestellten Boards/Collagen können monatlich, jährlich oder lebensbezogen das Tool zur Wahrung und Erfüllung deiner echten Ziele sein.

Die folgende Übersicht soll es dir erleichtern, dir dieser drei Bereiche bewusstzuwerden. Du kannst sie dir hier als druckbare Version herunterladen.

 

Und nun zur Umsetzung

Entweder du erstellst drei Boards, je nach Zeit und Lust, ein Vision Board, ein Board für deine Ängste und ein Lösungsboard. Diese Vorgehensweise wird etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Allein das Finden und Zusammenstellen der einzelnen Elemente kann aufwendig werden. Doch falls du in kreativen Aufgaben aufgehst oder dir bezüglich deiner Träume noch etwas unsicher bist, kann diese Herangehensweise sehr produktiv sein. Entscheide selbst.

Wähle ein passendes Format für dein/e Board/s. Die Boards brauchen einen gut sichtbaren Platz in deiner Lebens- bzw. Arbeitsumgebung. Nur, wenn du sie stets vor Augen hast, vergisst du deinen Weg nicht. Wo kannst du es hinhängen, wo du es stets siehst? Wähle ein Format, was auch seinen Platz in deiner Umgebung finden kann.

Möchtest du es rahmen oder nur mit Klebestreifen oder Fixiergummi an die Wand hängen? Entscheide über diese Schritte.

Entscheide auch, wie „bunt“ oder wie „minimalistisch“ es aussehen soll. Soll die Collage aus vielen Bildern bestehen oder aus wenigen? Möchtest du viele Schriftzüge oder einzelne Wörter selbst auf die Collage schreiben?

Eine andere Möglichkeit, wie alle drei Boards in eins integriert werden können, ist eine Collage zu erstellen. Es hat sich bewährt, zuerst den Traum visuell darzustellen, daneben die Lösung und darunter die damit verbundene Angst. Wie du es anordnest, ist natürlich dir überlassen. Es muss mit deinem Herzen räsonieren und für dich stimmig sein.

Ich wünsche dir viel Spaß bei der Erstellung!

 

Woher die Angst vor dem Alleinsein kommt & was sich dahinter verbirgt

Woher die Angst vor dem Alleinsein kommt & was sich dahinter verbirgt

 

Was verbirgt sich hinter der Angst vor dem Alleinsein? Viele fühlen Angst und Trauer nicht, weil sie allein sind, sondern weil sie interpretieren: Ich werde/wurde allein gelassen. (z. B. in einer Beziehung). Das bedeutet: Man erlebt das Verlustgefühl, als opferbewusstes, schuldbewusstes, passives Ereignis von außen kommend und durch Fremdeinwirken verursacht. Grund sei man selbst und etwas „Falsches“, das man getan hat.

Doch woher kommt die Angst wirklich und was versucht sie, zu vermeiden? Was verbirgt sich hinter der Angst vor Einsamkeit?

 

Was sich hinter der Angst vor dem Alleinsein und Einsamkeit verbirgt

was steckt hinter der angst vor einsamkeit?Es gibt viele Ursachen für Einsamkeit und die Angst vor dem Alleinsein. Alle gehen mit Kontrollverlust einher und dem Verlust dessen, was Sicherheit gibt. Das löst verständlicherweise Angst aus, weil Lösungen fehlen. Oft werden diese Lösungen aber mit anderen Menschen gleichgesetzt, sodass andere – statt man selbst – zur Lösung werden, z. B. indem sie Halt und Geborgenheit versprechen, Unterhaltung (Reize, Erfahrungen, Austausch) und somit dem eigenen Leben eine Struktur geben. Vielen fehlt in Zeiten allein auch Anerkennung, die wir alle brauchen, um uns gut und gewollt zu fühlen.

Es gibt darüber hinaus typische Angstmuster sind, die mit der Angst vor dem Alleinsein einhergehen:

Die Angst, unbeschäftigt zu sein: Man weiß Langeweile nicht zu füllen, fühlt sich nicht von anderen beschäftigt (und/oder giert nach Aufmerksamkeit) oder man hat Angst, sich mit sich beschäftigen zu müssen, statt mit anderen.

Angst, den Halt zu verlieren, wenn keine Menschen in der Nähe sind: Man spürt auch im Allgemeinen keinen Halt in und durch sich.

Angst davor, zurückgelassen zu werden: Man fürchtet um sich, wenn man allein ist, vertraut anderen Menschen nur schwer, fühlt sich in der Welt nicht aufgehoben und nicht sicher, hat das Gefühl, unwichtig zu sein oder spürt gar Todesangst.

Angst durch die Kindheit und Trennung von Eltern und/oder Bezugspersonen: Erinnerungen an die kindliche Existenzangst lösen dieselben, früheren Gefühle aus. Man hat ein fehlendes Urvertrauen und meint, keine Kraft zu haben. Die eigene Wichtigkeit und den Wert, den man (auch für andere Menschen) hat, erkennt man nur schwer: Hier dreht es sich viel um fehlende Selbstständigkeit, unterbrochene Ich-Werdung in der Kindheit, häufige Rücksichtnahme auf andere Personen, Zwang, Kind-bleiben-Müssen, Kontrolle durch andere Personen.

Angst, in seiner Bedürftigkeit und Schwäche erkannt zu werden: Damit verbunden sind besonders Gedanken um die Gedanken anderer Personen, mögliche Abwertungen und Kritik, Fremdscham und/oder bemitleidet zu werden, was die eigenen Gefühle verstärkt. Diese Gedankengänge veranlassen Menschen dazu, sich bei Aktivitäten (im Kino, Café, Restaurant usw.) weniger allein zu zeigen, aus Angst, dass andere über sie urteilen. Anerkennung von außen nährt den Selbstwert; man nimmt sich nur an, wenn andere einen annehmen, liebt sich nur, wenn eine tadellose, heile Welt da zu sein scheint und gezeigt werden kann, die (illusionistische) heile Welt der Kindheit, die Sicherheit, die aufrechterhalten wird, wenn man bei und mit anderen Menschen zusammen sein darf.

 

Freiwillige Isolation als Waffe gegen die Angst, wieder allein gelassen zu werden

aus angst verlassen zu werden lieber allein bleibenEs erscheint paradox: Bei Menschen, die durch diese Angst vor dem Alleinsein freiwillig eine Isolation eingehen, weil sie sich verraten oder verlassen, durch ihre Eigenverantwortung bedroht oder eingeengt fühlen, sieht man oft das Gegenteil. Sie sind lieber allein als erneut die Gefahr, sich einsam zu fühlen, zu erleben. Sie verlassen andere und fühlen sich nur noch in ihren vier Wänden gut aufgehoben, dort, wo die Illusion, drinnen sei man sicherer, aufrechterhalten werden kann. Sie haben in ihrer Kindheit vielleicht Verlustgefühle draußen erlebt (plötzlich war die Mama weg, nicht mehr zu sehen), oder aber sie waren allgemein oft allein und haben Zuhause gewartet, dass die Eltern von der Arbeit kamen. Sie suchen insgeheim wieder die heile Welt von damals.

Da wir nun aber erwachsen sind und keinerlei Abhängigkeit mehr zu unseren Eltern besteht, wir nicht mehr mit unseren Eltern zusammenwohnen, brauchen viele Menschen einen Ersatz, um diesen Konflikt von damals zu lösen. Zum Beispiel Partner oder die Arbeit. Diese agieren dann lediglich ersatzweise, anstelle der Bezugspersonen, von denen wir uns damals verlassen fühlten oder die uns (emotional, lokal oder physisch) verließen. Einsamkeit wird daher als gefährliche, diffuse Unabhängigkeit, plötzliches und ungewolltes Erwachsenwerden, Auf-sich-gestellt-sein gedeutet, als würde die Mama zu ihrem Kind sagen: So, ich bin dann mal weg! Sieh zu, wie du zurechtkommst.

Die ganz menschliche Verlustangst, auch in vielen Fällen in Verbindung mit der Angst, nicht gebraucht zu werden, keinen Wert für einen bestimmten Menschen zu haben, macht sein Weiteres. Kein Wunder, dass viele Menschen, die unter der Angst vor dem Alleinsein leiden, häufig einen Übersprung der Angst erleben: hin zu Panikattacken, hin zu sozialer Phobie, hin zu generalisierter Angst, Agoraphobie oder Depressionen. Die Angst ist dann der Schutz, den Übergang vom Abhängigen zum Unabhängigen hinauszuschieben, weil innerlich das Kind oder der Jugendliche sitzt und wartet oder Beschäftigung und Aufmerksamkeit wünscht. Man wartet auf die Liebe und Zuneigung. Gleichzeitig aber zeigt die Angst erneut, dass dieses Verhaltensschema, das spielerische Ausprobieren und Erfahrungen sammeln, wie Kinder es tun, jetzt in Gang gesetzt werden darf. Es ist hier wie der Geburtsschmerz, die Enge und die Angst beim Übergang von der einen heilen Welt in die äußere, ungewisse Welt, um dort Vertrauen und Sicherheit neu zu lernen.

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In meinem Buch “Über die Kunst, allein zu sein” habe ich weitere interessante Hintergründe und viele (um genau zu sein 55) Strategien zusammengestellt, wie man sich in Zeiten der Einsamkeit und des Alleinseins wappnen kann. Es ist als E-Book und als Taschenbuch erhältlich.