Eure Frage: Wie schaffe ich den Schritt in die Therapie? – besonders wenn du Ärzten misstraust oder Angst vor den Reaktionen anderer hast

Eure Frage: Wie schaffe ich den Schritt in die Therapie? – besonders wenn du Ärzten misstraust oder Angst vor den Reaktionen anderer hast

Zu wissen, dass etwas nicht stimmt und man Hilfe benötigt, kann Angst machen. Doch nicht nur das: Vielen jagt es eine noch größere Angst ein, sich einen Therapeuten zu suchen und einem fremden Menschen erklären zu müssen, wie es einem psychisch geht: Wie wird derjenige reagieren? Wird er mich belächeln? Mache ich etwas falsch? Worauf muss ich überhaupt achten, wenn ich einen Psychologen suche? Auch die empathielosen Reaktionen des sozialen Umfelds halten viele von einer Therapie ab. Nicht nur outet man sich als “psychisch krank”. Man schämt sich für seine Herausforderungen und Symptome, glaubt vielleicht sogar, man müsste es allein bewältigen. Tun man das nicht, kommt man sich unfähig und schwach vor. Es ist sowohl für Männer als auch Frauen schwer, endgültig den Schritt in die Therapie zu wagen. Möge dir dieser Beitrag helfen.

Muss ich in Therapie gehen?

muss ich in therapie?

Du musst gar nichts, doch es hat gehörige Nachteile, wenn du dich für eine Therapie entscheidest:

Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Symptome schlechter als besser werden, ist größer als umgekehrt. Die Wahrscheinlichkeit, dass du morgen ohne Hilfe noch weniger Kraft hast, ist hingegen groß. Vermeidungsverhalten merkt sich das Hirn leicht, positive Veränderungen werden schwerer. Je mehr Stresshormone du in deinem Körper hast, z. B. durch

  • Schuldgefühle, weil du es allein nicht schaffst oder Hilfe brauchst
  • Angst und Traurigkeit über die Situation
  • Wut, weil es dich getroffen hat bzw. du keine Lösung findest

desto weniger Ressourcen hat deine Psyche, es zu überwinden.

Einzige Ausnahme könnte sein: Du nutzt deine Wut als Katalysator oder suchst dir eine größere Angst, um Wege zu finden, z. B. die Angst, dass es ewig so bleiben könnte. >> Leseempfehlung zur Methode “Die größere Angst”

2) Angenommen, deine Psyche erkennt die Störung als einen guten Weg, damit du

  • dich mehr um dich kümmerst
  • mehr den Fokus auf dich legst (statt auf andere)
  • deine Herausforderungen angehst statt “über” sie hinweglebst
  • dich von “Störenden”/Störendem in deinem Leben trennst
  • dich selbstwirksam und erwachsen fühlst, unabhängig und frei:

Diese Ziele sind besser in einer Therapie umsetzbar. Man kann dort selbst eine Scheiß-egal-Einstellung lernen, wenn es das ist, was man braucht. Oft ist eine Störung eine gut gemeinte, wenn auch scheinbar sinnfreie Art und Weise deiner Psyche, dir zu sagen: So, jetzt lass uns mal Butter bei de Fische mach’n, ja? So geht das nicht weiter. Das ist nicht gesund für dich. Man kann in Therapien Methoden lernen für das, was man braucht – ohne störende Symptome. Und das ist der Sinn. Der Sinn ist nicht, ein Vermeidungsverhalten einzustudieren oder um psychische Symptome herumzuleben.

Exkurs – Krankheitswert einer psychischen “Störung”

Stress und Auswirkungen

(Ein Begriff der Psychologie und bittere Pille für alle Betroffene – auch für mich, als ich noch Agoraphobie mit Panikattacken hatte.)

Eine Störung erlaubt oft, etwas nicht zu müssen/können/dürfen, solange man sie hat. Dieser Nutzen hält dich in Angst, Depression, Ess-, Zwangsstörung usw. gefangen. Die psychische Belastung hat aber maßgebend Einschränkungen für DEIN Leben. Sie könnte dich von der Außenwelt abschneiden (Agoraphobie, Panikstörung), dir das Gefühl der Unfähigkeit/Unwirksamkeit/Wertlosigkeit (Depression) geben oder dass du nur da wärst, um für andere da zu sein (emotionale Erschöpfung), es aber nie um dich gehen dürfe, du schlank sein müsstest (Essstörung), um geliebt zu werden, du nichts im Griff und unter Kontrolle hättest, dir nichts zutrauen dürftest usw. Leider liegt hier oft die Krux: Statt etwas „einfach so“ zu machen und zu sein, was Kritik, Ablehnung, Angst, Wut, Scham, Schuld, Traurigkeit usw. auslösen könnte, umgehen wir das gesunde Verhalten zu oft – ein bisschen wie die Grippe, die uns flachlegt, wenn man zu viel gearbeitet hat.

Natürlich willst du diese Symptome nicht, die Störung nicht, die Einschränkungen. Das glaube ich dir, mir ging es genauso. So ging es uns allen. Das erlöste uns nicht davon, genauer hinzusehen: den Nutzen, sog. Krankheitswert, anzusehen. Es ist ein komplexes Thema. Hier das Wichtige: Deine Psyche könnte X als “wertvoll” erachten, weil du dann

– in einer Beziehung bleiben könntest, die schon länger unbefriedigend, emotional/physisch gewalttätig oder auslaugend ist

– du keine Konflikte/Auseinandersetzungen ertragen müsstest

– du dich nicht schlecht, schuldig oder beschämt fühlen würdest

– du deine Bedürfnisse nicht priorisieren müsstest (Kritik & Beschuldigungen blieben aus)

– du vieles unter Kontrolle behalten könntest, einschl. Harmonie

– sich wenig oder Schlechtes besser anfühlt als gar nichts

– du dir etwas bewahren kannst (Status, Anerkennung, Aufmerksamkeit

oder Ansehen/Reputation, Liebe, Zugehörigkeit)

– du so nichts falsch machen würdest in den Augen anderer

– dir niemand zu nahekommen würde bzw. sich distanzieren würde (du dich nicht mit deiner Angst vor Trennung auseinandersetzen müsstest, nicht allein sein müsstest – oder die Angst, es zu sein, nicht aushalten müsstest)

Jede/r hat seine eigenen Dynamiken. Sie beruhen entweder auf dem Ego (Ego hat jede/r, kein Grund zur Besorgnis!) oder etwas “Falschem”, was wir als “richtig” gelernt haben/uns so beigebracht wurde. In vieler Hinsicht basiert der Nutzen auf Erfahrungen während der Kindheit (Wenn du so und so bist, wirst du geliebt.) oder Beziehungserfahrungen im späterem Leben (So und so erhalte/bewahre ich mir Zugehörigkeit und Aufmerksamkeit, Anerkennung usw.).

Die Suche nach dem richtigen Therapeuten: So findest du ihn und das kannst du beachten

wenn die therapie scheitert und versagt und nicht funktioniert

Du hast Angst vor Therapeuten – oder Ärzten im Allgemeinen -, fürchtest, dass sie dich nicht verstehen oder ernst nehmen oder belächeln würden, dir das Gefühl geben könnten, mit dir würde etwas nicht stimmen? Du willst diese Art der Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht? Du weißt nicht, was du sagen sollst, wo du suchen sollst?

Eine wie auch immer geartete Störung bedeutet Verantwortung – sei es, dass du sie endlich übernehmen sollst (Selbstverantwortung) oder du Verantwortung endlich abgeben lernen sollst (Hilfe annehmen, dir die richtigen Personen für dein Leben suchen usw.) Das gilt besonders bei der Wahl deiner Ärzte/Therapeuten: Betrachte sie wie eine neue Wohnung oder ein neues Auto, das du dir ansiehst. Wenn es dir nicht gefällt, würdest du es nicht nehmen.

Schritt 1. Rufe dir im Internet eine Therapeuten-Datenbank auf oder gehe zu deinem Allgemeinmediziner und lass dir eine Überweisung geben. Besprich entweder mit deinem Hausarzt, was du glaubst zu haben/immer noch hast, oder frage bei einem Therapeuten nach verfügbaren Kapazitäten an (hier oft Anrufbeantworter -> Nachricht hinterlassen & um Rückruf bitten!).

Schritt 2. Kommuniziere so klar und kurz wie möglich, wenn du deine aktuelle Herausforderung beschreibst:

(Was?) Ich befürchte, dass ich … (eine Panik-, Ess-, Zwangsstörung, Depression usw.) entwickelt habe.

(Wieso?) Ich habe Panikattacken, erbreche absichtlich, kontrolliere alles dreifach, bevor ich das Haus verlasse, bin oft ausgelaugt und fühle mich zu schwach für einfache Erledigungen usw.

(Seit wann?) Ich habe das seit … (Zeitraum, Häufigkeit)

Schritt 3. Such dir einen Arzt/Therapeuten, der dich als Mensch wahrnimmt. Gib darin nicht auf, trotz schlimmer Erfahrungen. (Ich hatte Dutzende, aber habe doch Ärzte gefunden, die zu mir passen.)

Gute versus schlechte Therapeuten/Ärzte

gute und schlechte ärzte und therapeuten

Meine Mutter (Krankenschwester) hat früher zu mir als Jugendliche immer gesagt: Du darfst alles werden, Netti, aber du machst nichts im medizinischen Bereich, klar? Sie weiß um die negativen Seiten. Das trifft den Nerv vieler, die schlechte Erfahrungen mit Ärzten aller Art gemacht haben. Einige sind unfreundlich, kurz angebunden, übergriffig, respektlos, besserwisserisch bei deinem Körper, ignorant, weigern sich, zuzuhören oder deine individuellen Anliegen/Herausforderungen bei einer Therapie zu berücksichtigen. Das finden wir bei Architekten, Lehrern, Buchhaltern, Büroangestellten usw. auch. Ärzte/Therapeuten sind leider auch nur Menschen, die Probleme bzw. einen schlechten Tag haben oder “keinen Bock mehr” – so, wie wir alle dann und wann. Das soll weder Fehlverhalten gutheißen noch rechtfertigen.

Klare und kurze Kommunikation kann auch hier helfen:

– “Ich glaube, wir missverstehen uns. Ich suche nach einem Arzt, der …”

– “Ich möchte eine Therapie ohne …”

– “Ich glaube eine andere Therapie wäre optimaler für mich.”

– “Ich glaube, ich bin bei Ihnen nicht gut aufgehoben. Ich werde mich nach einem anderen Arzt umsehen.”

Nur zu oft halten wir den Mund, weil wir Ärzte als überhohe Respektpersonen sehen, nicht als Menschen. Ich habe mir das bei meiner Arztsuche abgewöhnt, weil mir nichts anderes mehr blieb.

In unserer heutigen Zeit nehmen viele Ärzte, um dem Ansturm an Patienten Herr zu werden, die erstbeste, am häufigsten auftretende Ursache einer Krankheit – und die eine Therapie, die im Schnitt den meisten hilft (nach ihrer Erfahrung). Viele sind (so meine Mutter) aber genervt wegen “Simulanten”, die nur eine Krankschreibung wollen, echten und unechten Hypochondern (Personen, die eine existente Hypochondrie haben versus solche, die primär Aufmerksamkeit wollen, aber keine Symptome haben.) Viele Ärzte würden sich nicht trauen, das anzusprechen). Empathie, das Vermögen, quer zu denken sowie das große Ganze zu sehen, sei eine Frage der Zeit und Mittel. Zudem gebe es Ärzte, die primär symptomorientiert arbeiten (Ah, Grippe! Hier, ein Medikament.) versus ganzheitlich.

Vom “Engel in weiß”-Mythos müssen wir uns verabschieden. Wir sind alle nur Menschen. Finde deshalb lieber den richtigen Menschen (auch wenn es nervt), statt einen Arzt, der … Es ist wie mit der Partnersuche: Nicht gleich der/die Erstbeste ist geeignet. Manchmal lohnt sich das Warten. Oft lohnt sich vor allem ein klares, direktes Gespräch, in dem du deine Grenzen kommunizierst, bzw. die Frage, ob ihr zwei gut zusammenpasst. Besonders bei Therapeuten kann man zumindest davon ausgehen, dass sie Psychologie studiert haben, weil sie Personen wie dir helfen woll(t)en. Solltest du dennoch auf jemanden treffen, der dich belächelt oder nicht ernst nimmt, kommuniziere es, berate dich mit deiner Krankenkasse und/oder suche dir ggf. auf Selbstzahlerbasis jemand anderes, bis du einen neuen gefunden hast. Finde dich aber nie mit dem Zweitbesten ab. Gib nicht auf. Such weiter nach Lösungen und Menschen für deine Heilung.

Was werden die anderen denken und sagen?

was werden meine freunde und familie sagen

Machst du dir Sorgen, was Freunde, Familienmitglieder und/oder Kollegen denken, wenn sie erfahren, dass du in Therapie bist? Viele nehmen es sehr viel positiver auf, als man geglaubt hätte. Die Gefahr, dass es anders kommt, bleibt jedoch bestehen und ist immer gegeben. Hier meine Tipps:

1.) Verschweige es gegenüber für dich kritischen Personen und vertraue dich nur solchen an, von denen du Verständnis bekämst.

2.) Kommuniziere klar und deutlich, dass XYZ dich einschränkt und du es als deine Aufgabe empfindest, es aus dem Weg zu räumen.

3.) Wenn jemand meint, du müsstest das allein bewältigen können oder dich bewertet, weil du es nicht allein schaffst bzw. Krankheit XYZ überhaupt hast: Jemandem, der das noch nicht erlebt hat, steht keine Meinung dazu zu. Das kann man auch so sagen. Wer nicht weiß, wovon er spricht, sollte gar nicht erst sprechen.

4.) Distanziere dich von verständnislosen Menschen aus genau diesem Grund: Solange du kein Verständnis zeigst, möchte keinen Kontakt.

Dieser Beitrag entstand aus der “Du fragst – ich antworte”-Rubrik. Du hast auch eine Frage und glaubst, ich könnte dir helfen? Dann sende mich deine Frage (per E-Mail, via Instagram oder Facebook – Links siehe Menü) und ich werde mich ihr alsbald annehmen. Die Antworten erscheinen auf allen sozialen Medien und hier im Blog. Trau dich!

Wieso du zu viel Alkohol trinkst & wie es gelingen kann, weniger zu trinken

Wieso du zu viel Alkohol trinkst & wie es gelingen kann, weniger zu trinken

Alkohol zu trinken, sei es das Glas Wein, ein Bier zum Feierabend oder mehr, ist zumindest in der westlichen Gesellschaft ein probates Mittel, um sich zu belohnen oder von etwas abzulenken. Das muss nicht zwingend etwas besonders Trauriges oder Schlimmes sein. Auch als Füller in langweiligen Stunden, aus Gruppenzwang oder Spaß an der Freude mit Freunden am Wochenende, um es noch lustiger zu machen, ist Alkohol ein häufig gesehener Begleiter – aus den verschiedensten Gründen.

Doch wie jede Droge ist auch Alkohol eine, von der man süchtig werden kann. Je mehr sich der Körper und Geist an die leichten Gefühle und oberflächlich bessere Stimmung gewöhnt, desto abhängiger wird er. Ein Kreislauf, der häufig angeregt wird durch die immer größere werdende Menge an Alkohol, die der Körper braucht, um sich schummerig-leicht und zufrieden zu fühlen. Wenn du es in meinen Blog geschafft hast, trinkst du entweder in deinen Augen zu viel Alkohol oder willst gar keinen mehr trinken. Oder vielleicht möchtest du auch nur verstehen, wieso du oder jemand anderes Alkohol trinkt.

Alkohol und seine Bedeutung in meiner Familie

co-abhängig in familien

Meine Familie (und ich) wuchs im Osten des geteilten Deutschlands auf. Ohnehin fühlte man sich damals nicht nur im Außen, sondern auch im Inneren getrennt, suchte nach Verbindung und Verbundenheit, nach seinem eigenen Platz, an dem man sicher war, wo es einem an nichts fehlte. Viele suchten nach einer “Heimat”, die garantierte, dass man nicht benachteiligt wurde und dazugehörte. Besonders unter den Jugendlichen, um kurz aus dem Leben meines Onkels zu erzählen, war es oft gang und gäbe, sich an öffentlichen Orten zum Trinken zu treffen. Trinken war Gruppenkleber und Teil des Treffens. Aus Alkohol wurde schnell der Grund des Treffens selbst, so, wie wir es auch heute noch erleben: Viele treffen sich allein zum Trinken bzw. Saufen. Überall auf Partys (an Silvester, zu Betriebsfeiern, Geburtstagen usw.) wird getrunken und mit der wachsenden Spätikultur steht Alkohol noch stärker im Mittelpunkt von sozialen Gatherings. Es ist neben Nikotin ein frei verkäufliches und erhältliches Suchtmittel und je nach Kultur bzw. (Bundes)Land selbst morgens oder mittags (Frühschoppen, Siestas und mehr) angebracht. Es wird vielerorts sogar still erwartet, dass man mittrinkt. Ein freiwilliger Nichttrinker hingegen gilt glatt als Spaßbremse.

Als Kind, das aus einer Alkoholikerfamilie stammt (mein Großvater z. B. griff in schlechten, einsamen Zeiten zu Alkohol und mein Onkel war starker Trinker, der schon in jungen Jahren an einer Leberzirrhose starb), und einer Mutter, die strikt gegen Alkohol ist, mache ich mir schon mein ganzes Leben Gedanken über Alkohol und Alkoholismus. Einige meiner Familie predigten stets, Menschen, die Alkohol trinken, wären schlechte Menschen, schlechte Mütter/Väter und Frauen/Männer. Sie wären Säufer – zu nichts gut und zu nichts zu gebrauchen, schwach, weil sie sich nicht vom Alkohol lossagen konnten. Als Kind dachte ich oft: Wenn Alkohol schuld ist, dann wären sie doch nur Opfer. Sie als Menschen wären unschuldig, weil Alkohol das mit ihnen gemacht hat. Und stückweise – wie bei jeder Sucht – stimmt das natürlich. Aber diese Ansicht ließ das Prinzip Selbstverantwortung außer Acht.

Ich hatte immer diese Stimme in mir, die sagte: Irgendjemand muss sich mit den Alkoholabhängigen meiner Familie solidarisieren. Sie wegen des Alkohols auszuschließen oder auszustoßen (was beispielsweise mein Großvater bei meinem Onkel tat), funktionierte in meinem Kopf nicht. Ich wollte sie verstehen und wollte sie nicht verlassen. Ich wollte ihnen vor allem beistehen, auch, wenn das bedeutete, dass ich Alkohol nicht verteufeln würde.

Doch viele verstehen nicht, wie es so weit kommen konnte, dass sie so viel trinken, ob nur in Gesellschaft oder gar allein. Viele rutschen da einfach hinein, so, wie es meinem Onkel passierte. Leider denken sich viele vor allem: Ich bin nicht abhängig. Sie verkennen, dass sie bereits süchtig sind. Alkohol wird in unserer Gesellschaft nur abgewertet, wenn er in ungesundem Maße konsumiert wird, es in Alkoholismus umschlägt. Dass das ein schleichender Prozess ist, vergessen viele. Oft heißt es dann nur, derjenige hätte keine Willensstärke oder wäre einfach schwach. Und dann ist man fertig mit der Erklärungssuche. Verständnis fehlt fast immer. Deshalb möchte ich im Folgenden dazu beitragen:

Wann ist wie viel Alkohol zu trinken bereits Alkoholismus und wieso greifen Menschen zu Alkohol (vermeintlich legitime Gründe)

bin ich alkoholabhängig

Ist man schon ein Alkoholiker, wenn man abends ein Bier, ein Glas Wein oder anderes trinkt? Laut WHO, die Kriterien eines behandlungsbedürftigen Alkoholismus erstellt hat, gilt es als Alkoholsucht, wenn du in den letzten 12 Monaten mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt hast:

  1. einen übermäßig starken Drang hast, Alkohol zu trinken (Gelüste, Cravings)
  2. du nicht kontrollieren kannst, wie viel du trinkst und wann (Zeit) du trinkst
  3. du immer mehr trinken kannst (dein Körper eine Toleranz entwickelt)
  4. deine Tagesaktivitäten beeinflusst werden durch Alkoholkonsum (du andere, wichtige oder freizeitliche Interessen vernachlässigst bzw. nicht mehr ausführen möchtest)
  5. du weitertrinkst, obwohl du bereits Konsequenzen des Alkoholkonsums spürst (psychisch, körperlich, mental, z. B. starker Kater, Magen-Darm-Probleme, Zittern, Angstzustände, Depressionen usw.)
  6. du Entzugserscheinungen spürst, wenn du weniger oder gar nicht trinkst

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man weniger trinken kann, wenn man versteht, wieso man trinkt und wozu, also nicht nur den Grund/Anlass des Trinkens, sondern auch das Ziel des Alkoholkonsums. Aus meiner eigenen Familiengeschichte heraus habe ich verschiedene Gründe, wieso jemand trinkt, beobachtet/zusammengestellt, um das Thema für mich zu greifen. Wenn auch du zu viel trinkst oder jemand, den du kennst, könntest du hier einen ersten Ansatzpunkt finden:

  • Stressabbau und weg mit den negativen Gefühlen wie Traurigkeit, Scham, Schuld, Angst: Viele trinken, wenn es ihnen nicht gut geht oder sie einen Scheißtag hatten. Sie trinken für gute Gefühle, um sich besser zu fühlen, die Intensität jener Gefühle nicht spüren zu müssen, die in ihnen aufgetaucht sind, oder um mit den negativen Gefühlen besser umgehen zu können. Auch die Forschung hat mit Berichten über die stressabbauende Wirkung eines Glases Wein beispielsweise den Gedanken gefördert, es wäre ein probates Mittel. Auch bei Krankheiten wie Angststörungen, Panikstörung, Depressionen, Zwangsstörungen usw. greifen viele zu Alkohol, um die Begleitgefühle abzumildern.
  • Trinken aus Langeweile: Auch Trinken/Saufen ist eine Beschäftigung. Vielen machen bestimmte Beschäftigungen unter Alkoholeinfluss mehr Spaß.
  • Allgemeine Ablenkung von schweren Zeiten, um etwas Positives zu spüren oder um sich zu spüren.
  • Selbstwertprobleme: Man trinkt, um sich größer zu fühlen, wenn Selbstzweifel einen im Kopf kleinhalten. Vielleicht flüchtet man mit Alkohol auch in Traumwelten oder kann die Realität so besser ertragen, Erinnerungen an schmerzhafte Erfahrungen besser aushalten.
  • Einsamkeit: Trinken, um sich von seiner inneren oder äußeren Leere abzulenken, um die Traumwelten schöner zu machen, um sich wenigstens im Geiste verbunden zu fühlen und weniger allein gelassen.
  • Gruppenzwang: Alkohol ist Gruppenkleber und soziales Addon. Man trinkt in besonderen Kreisen zum Beispiel einen ganz besonderen Alkohol (wie teuren Wein) oder man trinkt zu besonderen Anlässen, um auf etwas Gutes, ein Glück, anzustoßen. Der Gruppenzwang und Druck hinter Alkohol ist dabei nicht zu unterschätzen. Das trifft besonders die Menschen, die eigentlich nur trinken, um anderen ein gutes Gefühl zu geben, während sie trinken: Trink mit mir! Andere wiederum trinken, um sich zugehörig zu einer Personengruppe zu fühlen, sich einzureihen und zu verbinden.
  • Belastbarkeit erhöhen: Weiterarbeiten zu können, obwohl der Körper und Geist erschöpft sind, gelingt vielen unter Alkohol leichter. Gleichzeitig kenne ich viele KünstlerInnen bzw. Kreative, die sich besonders kreativ fühlen, wenn sie getrunken haben. Den Hintergrund dafür verstehen leider nur wenige: Kreativität, das weiß die Forschung, kann nur entstehen, wenn wir keinen vordergründigen Stress erleben/empfinden. Nur unter mentaler Ruhe können Inspiration und Freiheit im Denken gelingen. Das bedarf jedoch keinen Alkohol.
  • Individuelle Konstitution und genetische Vorbelastung: Wenn jemand ein alkoholabhängiges Familienmitglied hat/te, wird die Wahrscheinlichkeit, selbst abhängig zu werden, erhöht. Denn das Risiko ist bereits genetisch vorhanden. Es beeinflusst, so eine Studie der Universität Göteborg, die Wirkung von Alkohol, auf den man positiver reagiert, auf den eigenen Körper, je näher uns das Familienmitglied stand.

Man unterscheidet innerhalb der Forschung zudem bei Alkoholismus zwei Typen:

  1. Typ I, wenn es Lebensereignisse gab (Verluste, Selbstwertschwierigkeiten, Krankheiten etc.) und/oder soziale Aspekte wie Gruppendruck, die einen abhängig werden ließen,
  2. Typ II, wenn es eine genetische Vorbelastung gibt und somit ein stark erhöhtes Risiko zu Alkoholismus besteht, gleich, wie sich das Umfeld gestaltet oder wie das Leben aussieht.

Besonders bei Typ I und den heutigen Strukturen, wie mit Alkohol in sozialen Kreisen umgegangen wird, liegt für mich die Krux: Ein entsprechendes Umfeld lässt viele Alkohol trinken, obwohl sie allein keine Lust auf alkoholische Getränke haben. Es ist eine Form der Solidarisierung und Zelebrierung von Verbundenheit. Und gibt es keine Gemeinschaft oder Verbindung, ist Alkohol für viele mitunter die einzige Gesellschaft, die man gerade hat.

Doch es sind Trugschlüsse und (von anderen oder von dir) ausgewählte Gedanken, die du beschlossen hast, zu glauben. Dazu mehr im nächsten Absatz.

Ganzheitlich Alkoholkonsum verstehen: Wohlfühlen durch Alkohol & Begleiter verborgener Sorgen, Ängste und Glaubensmuster

wohlfühlen ängste sorgen vermindern durch alkohol

Alkohol ist für viele ein erschwinglicher und einfacher/er Weg, um sich besser, größer oder überlegen/er zu fühlen. Dahinter steckt die missliche Annahme, man wäre klein und unwichtig. Im Alkoholkonsum hingegen hat man nicht nur physisch etwas, woran man sich festhalten kann. Man hat auch etwas Personifiziertes, das einen in Momenten der Einsamkeit und Selbstabwertung bzw. gefühlten Ausgeschlossenheit, sich Getrenntfühlens, begleitet und Gesellschaft leistet. Alkohol mag einem das Gefühl geben, größere Gedanken über sich selbst zu haben oder die Illusion besserer Lebensumstände, in die man sich hineindenkt, glückliche Zeiten, an die man sich erinnert, oder eine Wichtigkeit und Bedeutung, die man sich nur unter Alkohol zusprechen kann – weil man sich dann stärker fühlt.

Auch umgekehrt funktioniert das: Vielleicht kann man mit Alkohol endlich seine Emotionen rauslassen oder – wie das Sprichwort “Betrunkene sprechen die Wahrheit” besagt – traut sich nur alkoholisiert, auszusprechen, was einem auf der Seele brennt, das Herz beschwert. Oder man traut sich endlich zu tun, was man sonst fürchtet. Natürlich ist es nicht der Alkohol an sich, der das verursacht, sondern die Rauschwirkungen der Droge. Im nüchternen Zustand ist man konfrontiert mit dem Leben und seiner Nüchternheit, wie man es selbst sieht, nicht aber, wie es ist. Wie du über dein Leben denkst und somit über dich und deine Bedeutung, deinen Wert und deine Gefühle, entscheidest du. Punkt 1.

Punkt 2: Es gab irgendwann einen stillen Erwartungsdruck, Alkoholkonsum – in welchen Maßen und zu welchen Anlässen auch immer – gut zu finden und auch als Teil seines eigenen Lebens zu zelebrieren oder als Bewältigungsstrategie zu nutzen. Es ist ein soziales Klebeinstrument. Man selbst sucht – wie jeder andere Mensch auch! – nach Verbindung und Zugehörigkeit, fühlt mit jemandem oder hat Gefühle für jemanden, der Alkohol so benutzt (wie ich für die Männer meiner Familie). Selbst wenn sie keinen Alkohol getrunken hätten, hätte ich mit ihnen gefühlt, weil sie allesamt Mitgefühl verdienten, aber wegen ihrer dunklen Stunden, gefühlten Schwäche und Unfähigkeit, immer Stärke zu zeigen, abgewertet und ausgestoßen wurden. Wenn wir Alkohol also befürworten (in ganz normalen Situationen wie Silvester oder an Geburtstagen), tun wir das meistens, weil wir niemandem das Gefühl vermitteln möchten, seine Art und Weise (Alkohol gehört für ihn dazu) wäre falsch oder er selbst (aufgrund seines Alkoholkonsums) wäre falsch. Also fügt man sich eher, besonders, weil es ja “nicht weiter wild” wäre, wenn man “feiert” oder Alkohol “eben dazugehört” – “weil das schon immer so war”. Aber diese Denkmuster sind nur Annahmen, so, wie die, Alkohol würde dabei helfen, seine Sorgen zu vergessen – “nur für ganz kurz!” Aber: Man selbst entscheidet, ob man diesen Annahmen, Denkweisen, Trugschlüssen, Gewohnheiten und Bewältigungsstrategien folgt oder nicht.

Spaß und die Verbindung zu Alkohol ist Punkt 3, den man sich ansehen sollte: sei es im Freundeskreis, um dazuzugehören, mitzumachen (Gruppenzwang), im Elternhaus oder weil du zu wenig Freu(n)de, Geborgenheit oder Unterstützung in deinem Leben verspürst. Trinkt man im Freundeskreis immer, wenn man sich trifft, aber ist in einem dunklen Moment ohne seine Freunde, obwohl man sie bräuchte, oder fühlt sich abgeschnitten/getrennt/verlassen? Benutzt du wie viele stattdessen Alkohol, um zumindest ein Stück der ersehnten und vermissten Geborgenheit oder Freude zu verspüren?

Punkt 4: Schau einmal, ob du den Zwang, Alkohol als gut und als Lösung anzusehen, in dir gelegt findest. Oft ist Alkohol auch “nur” ein Mittel, das andere verwenden und zu dem man selbst greift/greifen soll, um mit ihnen zu sein – sie in ihre Gefühle zu begleiten -, damit sie das Gefühl haben, du wärst wie sie, damit sie sich weniger allein/einsam fühlen, stattdessen verbunden und okay, angenommen und wertvoll. Vielleicht wirst du dann auch witziger oder unterhaltender oder sie fühlen sich nur unterhaltender, weniger gelangweilt oder traurig darüber, wie ihr Leben in Wahrheit aussieht. Es kann auch sein, dass du Alkohol als Strategie verwendest, nicht nur um andere aufzuheitern oder selbst spaßig und sorglos unproblematisch zu sein, sondern, weil es das ist, was du gelernt hast, was man macht, wenn es einem schlecht geht:

Ein stiller Schrei nach Liebe: Alkohol & Being needy! – Bedürftigkeit & Bedürfnisse

Alkohol gilt schon fast als Garant für gute Gefühle oder Begleiter – irgendwann auch Auslöser -, um dich aus deinem jetzigen Leben zumindest gedanklich herauszuziehen. Alles in seinem Extrem kann Probleme verursachen. Trinken wir oft zu viel, nähert man sich dem Alkoholismus. Hier sehe ich zwei Seiten: 1) Maßlosigkeit (das Unvermögen, etwas in Maßen zu tun) und 2) Bedürftigkeit (die man entweder ablehnt oder versucht, zu verbergen). Bedürftigkeit ist kein Wort, was man in heutigen Zeiten einfach so ausspricht. Zu oft haben wir das Wort needy gehört, was Bedürftigkeit mit Schwäche verband. Bedürftig zu sein bedeutet für viele, problematisch und störend zu sein. Je häufiger und stärker wir versuchen, unsere Bedürftigkeit (die ja völlig normal und menschlich ist!) vor anderen zu verbergen oder in uns nicht zu spüren, desto mehr steigert sie sich. Denn was wir ablehnen, zeigt sich auf anderem Wege. Alles, was im Schatten verborgen ist und dorthin verdrängt wurde, steigt wieder empor. Denn Bedürftigkeit zeigt nur, dass deine Seele nach etwas dürstet. Im Zusammenhang mit Alkohol auch, dass du nach etwas suchst. Tust du jetzt aber so, als wäre alles prima und wunderbar, verneinst du deine wahren Bedürfnisse. Und so wirst du irgendwann maßlos bedürftig – was verhindert, dass du bei etwas, was dir Sicherheit zu geben vermag (z. B. Alkohol), kein Maß mehr halten kannst. Es ist in diesem Moment der einzige Weg deines Geistes, um doch zu bekommen, was er braucht – wenn auch nur in Stücken oder misslich mit körperlichen Konsequenzen.

Wege und Ideen, wie du weniger trinken und/oder dem Alkohol ganz entsagen kannst

trinkst du zu viel?

1. Es ist wichtig zu erkennen, welche Auslöser dein Drang, Alkohol zu trinken, hat. Welche Motivatoren hast du erkannt (Langeweile, schwierige Gefühle, erlerntes Gefühls-Vermeidungsverhalten oder Kompensationsverhalten, Gruppenzwang, Einsamkeit – auch in Beziehungen, wenn man nicht allein ist, aber fehlende Verbundenheit, Ablenkung aus einer gefühlten Lebensöde usw.) Das ist der Grund. Nun schreibe dir daneben in Gedanken oder auf Papier den Zweck/Nutzen, was du mit Alkoholkonsum erreichen willst und welche Angst dahintersteht, wenn du es nicht erreichst. Was würde geschehen? Beispiel:

Mein Grund: Gruppenzwang
Mein Zweck/Nutzen:
Integration/Dazugehören/Ähnlichkeit suggerieren/Freude & Spaß verbreiten
Meine Angst dahinter:
nicht allein sein, nicht so gemocht werden, wie ich bin (nüchtern), nicht mitzumachen würde zu Ausschluss führen/dass ich weniger gemocht werden würde usw.

Finde heraus, ob deine Angst berechtigt ist, indem du deine Freunde fragst. Geht es nur um dich, weil du versuchst Gefühle zu handhaben oder dich ablenken oder entstressen willst, finde heraus, welche anderen Wege zum Besserfühlen es für dich gibt. Mach dir eine Liste mit allem, was dir einfällt, was du gegen Stress, Langeweile, schwierige Gefühle machen kannst (allein, mit Freunden und durch die Hilfe anderer, z. B. in Foren/Internet/Therapie/Coachings etc.) Schreibe dir deine Gedanken auf, die du über Alkohol und dich und die Momente, in denen du trinkst oder trinken willst, hast. Überprüfe sie, Zweifele zuerst an deinen Gedanken und dann an dir und deinen Fähigkeiten. Zweifele zuerst an anderen (wenn du wie ich Alkoholiker in deiner Familie oder Abhängige in deinem Freundeskreis hast, die dir Alkohol “empfehlen”), bevor du dich fügst. Betrachte das, was dich vermeintlich trinken lässt, ganz genau und zweifele solange daran, bis du ausreichend Gründe hast, um dich dagegenzustellen.

2. Suche dir eine größere Angst als die, die dich zum Trinken bringt/gebracht hat, zum Beispiel: Hast du Angst, ein Trinke zu werden wie ein bestimmtes Familienmitglied, weil du dich genauso einsam fühlst wie dieses)? Beschäftige dich mit dem Familienmitglied, bis du es verstehst. Verzeihe dem, der getrunken hat/trinkt: Sag ihm/ihr, dass du ihn/sie jetzt verstehen kannst, nachvollziehen konntest – endlich-, was ihn/sie bewegt, wie es ihm/ihr erging. Entschuldige dich vielleicht sogar für deine Vorwürfe, Bewertungen und Handlungen. Oder entschuldige dich dafür, dass du es ihm nachgemacht hast, es nicht mehr mitmachen kannst, dir und deiner Gesundheit zuliebe.

3. Nach einem stark alkoholisierten Abend, beobachte deinen Körper und Geist am Folgetag: Nimm ein Video auf und erzähle dir selbst in diesem Video, wie du dich fühlst. Benenne klar und deutlich, dass du noch immer schwankst oder fürchterliche Kopfschmerzen hast, dass du unausgeschlafen bist oder dich müde fühlst, weil dein Schlaf nicht erholsam war. Sage dir, dass du frierst oder du spürst, dass dir wichtige Mineralien fehlen, wie sehr dein Körper nach Fett, Zucker und Salzen giert, die du normalerweise nicht bräuchtest, usw. Was auch immer Alkohol mit dir macht: Zähle es dir auf. Beim nächsten Anlass, bei dem du Alkohol trinken würdest oder den Drang zu trinken spürst, sieh es dir vorher oder mittendrin an und lass dich von dir selbst überzeugen.

Haben dir einige der Ideen und Impulse, Gründe und Hintergründe mehr Klarheit gebracht? Was fällt dir noch ein, wie man weniger trinken kann? Ich freue mich auf einen regen Austausch in den Kommentaren.

Gegen Panik, Angst und Stress: Mit den Sinnen arbeiten

Gegen Panik, Angst und Stress: Mit den Sinnen arbeiten

 

Meiner Meinung nach sind die Ursachen für Stress, Panik- und Angststörungen unterdrückte, unausgesprochene Gefühle. Es ist die eigene Entfremdung von seinen Gefühlen wie unerwiderte Liebe, Ärger, Wut, Trauer, Angst und Freude in Verbindung mit den eigenen, aber verneinten Bedürfnissen, die zu Überhitzungen im Geiste führen. Das schließt Panik- und Angstzustände ein. Aus Angst vor Ablehnung, Schuld, Scham, Strafe, Liebesentzug oder wegen einer Selbstunsicherheit oder handfesten Selbstzweifeln halten viele ihre Gefühle und Bedürfnisse zurück oder verneinen und verdrängen sie. Man wird folgsam und passt sich an, was noch mehr Angst und Stress schürt.

Eine meiner liebsten Methoden dagegen ist die Stimmarbeit, die Arbeit mit unseren Sinnen.

 

Angst und Panik: Nutzen und Recht

rückzug ist der grund für angst und panikAngst, Panik und Stress macht sich breit, wenn man über eine gewisse Zeit Gefühle verdrängt. Da unsere Gefühle irgendwohin müssen, idealerweise “raus”, wir uns unseren Gefühlsausdruck und Selbstverwirklichung aber verbieten, bunkern wir sie in unseren Körpern und füllen ein Fass mit Angst, Traurigkeit über unerfüllte Bedürfnisse und Wünsche, angeblicher, eigener Bedeutungslosigkeit und Wut. In normalen Stresssituationen erscheinen diese Gefühle weniger prekär, jedoch finden wir auch dort einen Kampf zwischen dem, was wir wollen und dem, was wir sollen. Wenn unsere Gefühle sich immer mehr anhäufen, solange bis das Fass voll ist, entlädt sich unser Geist. Bei Angst- und Panikattacken signalisiert der Körper, dass gerade das “interne” Fass überläuft, ein Gefühl oder ein Bedürfnis ausgesprochen werden müsste, wir diesen Impuls aber aus Rücksicht oder Sicherheitsdenken verneinen, verdrängen und dann plötzlich: Explosion.

In meinen Augen ist Angst und Panik ein Signal dafür, dass wir bereits verletzt sind, wenn nicht sogar “klein fühlen”, mit unserer wahren Natur konfrontiert werden (die, die wir uns verschweigen: wir sind nicht ganz so unabhängig, unverletzbar oder erwachsen) oder aber uns zugunsten eines anderen klein machen sollen. Das weiß unser Kopf und unser Herz ebenfalls.

Kurzum: Angst, Panik und Stress hat in meinen Augen den Nutzen der Distanz, des eigenen Rückzugs aus Situationen, die schlecht für einen Menschen sind, aufgrund der Rechte, die man freiwillig nicht wahrnimmt und freiwillig verdrängt. Rückzug vor allem aber auch von Verhaltensweisen, die für einen schlecht sind, die wir aber trotzdem in unserem Alltag wiederfinden. Laut Literatur trifft das zumeist Frauen bzw. Menschen, die allgemeinhin eher gehorsam, brav und anpassungsfähig sind. Das klingt hart, ich weiß. Aber selbst ich habe mir eingestehen müssen, dass ich zu den Menschen respektive Frauen gehörte, die eher JA statt NEIN sagen (sollen und es deshalb auch machen), die ihre Gefühle eher zurückhalten (sollen und es deshalb tun), die aufgrund der entstehenden Wut auf sich selbst und andere, diese legitimen Gefühle irgendwo im eigenen Körper bunkern (müssen), um ja keinen Ärger zu machen oder zu unbequem zu werden oder gar “unerzogen” zu sein. Die Angst vor dem Ärger und dem Konflikt bekommt je nach Situation, sei es familiär, existentiell bzw. beruflich, partnerschaftlich seine eigene Dimension und – Tragweite. Lange Rede, kurzer Sinn:

 

Die Methode gegen Angst, Panikattacken und akuten Stress: Summen

summen mit der stimme gegen angst stress panikattacken stimmarbeit klangtherapie körperarbeitWenn die eigene Stimme (im übertragenen, als auch wörtlichen Sinne) verstummt bzw. zu leise ist, um gehört zu werden, man sich nicht traut, sie zu erheben, müssen andere Wege des aus-Drucks gefunden werden. Denn aus Druck der Gefühle, die verdrängt werden, entsteht Stress, Angst und Panik. Gedankenkarusselle, Grübeln, Selbstächtung/Schuld, Zweifel, Sich-Selbst-Kleinhalten. Hey, aber ich bin doch etwas wert! sagt diese leise Stimme der Panik, die die anderen (fremden) Stimmen übertönen möchte, aber uns und den Körper braucht, damit wir etwas gegen die Umstände, die Angst/Panik auslösten, tun. Deine Angst/Panik braucht Dich! DICH. Stress ist das erste Signal dafür.

In meinen eigenen Zeiten der Panik erfand ich eine Methode, die ich auch noch heute in belastenden oder nervigen Phasen anwende. Diese Methode ermöglicht es mir,

  • a) meine Stimme nutzen
  • b) mich auszudrücken und
  • c) mich aus dem Grübeln herauszuholen.

 

Und so geht’s

Anwendungsgebiete:

– immer, wenn Grübeleien über ärgerliche oder angsteinflößende Situationen/Menschen im Kopf beginnen bzw. nur noch schwer zu stoppen sind,

– bei Stress, Belastungen, Angst oder anrollender Panik,

– man draußen ist und zu viel Lärm, Menschen und sonstiges (Reizüberflutung) aushalten muss.

Vorgehen

Wähle Dir ein Kinderlied aus frühen Tagen oder aber Dein aktuelles Lieblingslied, was in Verbindung mit einer POSITIVEN Situation steht. Bei dem Gedanken an das gewählte Lied musst Du Dich automatisch wohl- und geborgen fühlen. Hast Du Dich für ein Lied entschieden, beginnst Du bei jedem einsetzenden Grübelkonzert Dein eigenes, in dem Du dieses Lied summst. Du kannst leise oder lauter summen, je nachdem, wo Du bist und wie viel “Lärm” Du Dich traust zu machen.

Abwandlungen

Es gibt Menschen, und solche kennst Du sicher auch, die pfeifend, singend, laut telefonierend durch die Straßen schlendern oder im Bus neben Dir sitzen. Das ist das eine Extrem. Das andere Extrem bist Du, nämlich Menschen, die still daneben stehen, sich genervt fühlen, mit ihren Gefühlen über diese “Belästigung” schwer zurechtkommen oder aber einfach nur, weil sie es nicht fassen können :-), diesen Menschen anstarren, in der Hoffnung, dass er es von allein merkt.

Und dazwischen ist das Summen. Es ist steuerbar. Du entscheidest, ob es jeder merkt oder niemand.

Man kann sowohl leise summen, als auch laut. Man kann mit seiner Stimme summen, als auch mit seinem Atem. Probiere alle diese Summmöglichkeiten mal aus:

  1. Summen und Deine Stimme ist hörbar
  2. mit dem Atem summen, du erweckst nur das Gefühl, Du würdest summen, aber in Wirklichkeit benutzt Du nur die Stimmbänder, die Du zum Klingen/Vibrieren bringst.
  3. leise summen.

Variante 1 ist also überall anwendbar, wo man laut sein kann, z. B. Zuhause, an der frischen Luft, unterwegs.

Variante 2 überall dort, wo man eher weniger auffallen möchte, z. B. im Supermarkt, im Meeting, in Warteschlangen.

Variante 3 an Orten, an dem es leichte Hintergrundgeräusche gibt, z. B. im Bus, Bahn, Tram, Zug.

 

Der Hintergrund: Wozu summen?

Summen, also die Aktivierung Deiner Stimme, aktiviert Dich. Es setzt Dich in den Mittelpunkt, statt anderer Menschen oder Fahrten in die Stadt oder Geräuschkulissen oder gefährlich erscheinende Körperreaktionen wie Herzstolpern und -rasen, schweißnasse Hände, Muskelverspannungen, weiche Knie, Enge in der Brust, Schluckbeschwerden usw. Es hält Deine Konzentration über die Länge des gesummten Liedes bei Dir, statt durch Grübelkarusselle wieder von Dir abgelenkt zu werden.

Es stärkt zudem Dein Selbstvertrauen, denn die Benutzung deiner eigenen Stimme ist ein wesentliches Element bei der Selbstheilung. Du hörst Dich, Du merkst: Es gibt mich. Ich bin. Es aktiviert außerdem Deine Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit: Ich kann mich ausdrücken. Ich entscheide, wann ich spreche und wie.

Es aktiviert zu guter Letzt eine korrekte Atmung. Bei der typischen Angst- und Panikatmung versucht der Betroffene so viel Luft wie möglich einzuatmen, während das Ausatmen des Kohlendioxids verkürzt wird. Folge: Wir behalten mehr Kohlendioxid in uns, ringen um Luft. Das erschwert die Symptome ungemein. Wenn wir aber summen oder singen oder sprechen, dann müssen wir ausatmen. Es geht gar nichts anders.

 

Bonusmethode “Ent-sinn-ung”

entsinnung als methode gegen angst und panikattackenAls Zusatz habe ich oft die Methode der Ent-sinn-ung genutzt (Das ist mein Name dafür.): Augen schließen, Ohren zuhalten, aber Hauptsache immer nur einen Hauptsinn öffnen.

Bei Panik hat man eine niedrige Reizschwelle bzw. die Anfälligkeit einer schnellen und heftigen Reizüberflutung ist hoch. Durch Entsinnung lässt sich das mindern. Wenn Du also summend zum Briefkasten oder der U-Bahn gehst, summend in der Schlange im Supermarkt stehst, schließ Deine Augen und sperre alle visuellen Reize, die sonst mit in Deinem Fass landen, aus. Die Konzentration liegt nur auf den akustischen Signalen. Wenn Du dann Deine Augen wieder öffnest, konzentriere Dich ausschließlich auf die Akkustik, auf deine Ohren und nimm sie vorwiegender wahr, als das Visuelle. Umgekehrt funktioniert Entsinnung auch. Halte Dir die Ohren zu (oder tu so, als hättest Du Ohrenschmerzen und verschließe Deine Ohrmuscheln mit Deinen Händen). Senke am besten den Kopf, wenn Du das tust und schotte Dich kurz visuell von deinem Umfeld ab, um Deinen Sehsinn zu fokussieren. Wenn Du den Kopf wieder hebst, sperre alle Geräusche, die noch teilweise da sein werden, aus der Konzentration aus. Nimm nur das Visuelle wahr. Wenn Du dann die Ohren “wieder aufmachst”, fokussiere nur das, was Du siehst.

Jeder kann selbst für sich probieren, was wirksamer ist. Grundsätzlich lässt sich mittels eines leichten Tests, der dem Lerncoaching entstammt, herausfinden, auf welche Sinne man stärker anspringt, also welcher Lernkanal für Dich am geeignetsten wäre.

 

Der Sinne-Test

Schließ Deine Augen und stell Dir vor, Du bist am Meer. Es ist ein wunderbarer Tag, Du fühlst Dich wohl. Was nimmst du zuerst wahr?

Den Sand unter Deinen Füßen? Den Wind auf Deiner Haut? Das Salz auf Deiner Zunge? Siehst Du zuerst das Meer und die Wellen? Oder hörst Du sie als Erstes?

  • Wenn Du fühlst, ist das ein Hinweis auf Haptik als dominanter Kanal.
  • Wenn Du hörst, ist es Dein akustischer Kanal, der ausgeprägter bei Dir ist.
  • Wenn Du siehst, zählst Du zu den visuellen Menschen.
  • Wenn Du riechst, steht das Olfaktorische im Vordergrund.
  • Wenn Du schmeckst, ist es das sogenannte Gustatorische, was bei Dir eher wirkt.

Man kann  sich also den ersten und zweiten Sinn, der am stärksten ausgeprägt ist, suchen und diese beiden entweder aussperren, wenn man in Paniksituationen gerät oder aber bewusst einen der beiden aktivieren, fokussieren, während der andere ausgesperrt wird. Du kannst auch einmal schauen, ob es nicht einer der beiden stärksten Sinne ist, der Dich in Stress-, Angst- und Paniksituationen “triggert”. Sollte dies so sein, dann empfehle ich erst recht die Methode der Ent-sinn-ung in Verbindung mit Summen. Notfalls auch Ohropax.

LG,
Janett

Janett

 

 

Noch mehr Strategien aus 5 Jahren Anti-Angst- und Panik-Suche findest du hier:

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Ausschlusserklärung: Alle Inhalte und Techniken sind gewissenhaft recherchiert bzw. erprobt. Dennoch ersetzt jede hier beschriebene Strategie gegen Stress, Angst und Panik keine professionelle Psychotherapie. Für jeglichen Personenschaden wird keine Haftung übernommen.

Schreibblockaden, Kreativblockaden & Schaffenskrisen: Was du als Künstler & Schriftsteller tun kannst, wenn dir Ideen oder Worte fehlen

Schreibblockaden, Kreativblockaden & Schaffenskrisen: Was du als Künstler & Schriftsteller tun kannst, wenn dir Ideen oder Worte fehlen

Als Autorin, Künstlerin und Kreative kenne ich lästige, aufwühlende Schreibblockaden und Schaffenskrisen zu gut: wenn man vor dem leeren, weißen Computerbildschirm sitzt oder man zwar Ideen für sein Werk hat, aber keine (richtigen) Worte, Töne oder Striche findet, um sie auszudrücken. Künstler erleben das im Allgemeinen hin und wieder. Niemand ist gänzlich als kreative Seele vor solchen künstlerischen Krisen gefeit. Kreative Blockaden drücken auf die Seele, wenn das Künstlerische eine Passion ist – man ihn als Weg zum Ausdruck seines Selbst (ge)braucht. Dann tut es weh, nicht zu schreiben, komponieren, malen oder anderweitig künstlerisch tätig sein zu können – denn es fehlt ein Stück des Selbst zum Wohlgefühl und zur Balance, das nach und nach verkümmert.

Wie du als Autor/Schriftsteller, Maler, Komponist, Designer – Künstler – wieder in den Flow kommen und Angst, Frust und Resignation überwinden kannst, zeigen dir eventuell meine Methoden, die ich im Laufe der letzten Jahre für mich als Notfallkoffer zusammengestellt habe.

Blockade beim Schreiben & Schaffenskrisen: Ideen fehlen oder Versagensängste schlagen zu und nichts geht mehr?

Bei jedem Künstler und kreativen Menschen machen sich Angst, Frust und Sorgen breit, wenn man beim Schreiben, Komponieren, Zeichnen oder Erschaffen an sich nicht vorankommt.

Heinrich Böll wurde einst bezüglich einer Neuerscheinung gefragt, ob er als Autor in einer Krise wäre. Daraufhin sagte er, Autor sein und in einer Krise sein sei ein- und derselbe Zustand. Ich sehe das ähnlich, ist doch das Erschaffen, ob nun mit Worten, Pinselstrichen oder auf anderen Wegen, ein Ausdruck einer in sich schlummernden Wahrheit, ein Stück des Selbst, das befreit werden will – oder muss. Es ist verbunden mit einer extrinsischen oder intrinsischen Belohnung, die gleichzeitig auch eine Motivation für das Schaffen darstellt.

Ist man blockiert, fürchtet man entweder, dass diese Belohnung ausbleiben könnte oder man ist aus anderen Gründen demotiviert (das ist meine heutige Meinung nach vielen Jahren des Schreibens und Schaffens). Man sitzt vor dem leeren Blatt oder Textdokument, Striche funktionieren nicht oder Worte fehlen, Ideen kommen nur spärlich oder gar nicht – oder die, die vorhanden sind, wollen sich einfach nicht formieren. Am schlimmsten empfinde ich es, wenn ich eine Idee habe und eine genaue Vorstellung davon, wie sie auszusehen hat, aber ich diese einfach nicht umgesetzt bekomme. Es sieht schrecklich aus oder klingt schrecklich, mein Stil ist zwischendrin verlorengegangen oder ich finde meine Stimme nicht (wieder). Was mir aufgefallen ist: Perfektion, der Anspruch der anderen, wiederholtes Versagen bei jedem neuen Versuch, das Gefühl, es brächte sowieso nichts oder würde eh nicht funktionieren, lässt unser künstlerisches Schaffen dann oft sinnlos und nutzlos erscheinen. Bei vielen ist es eine fehlende Anerkennung oder aber zu viel Anerkennung durch die vorherigen Arbeiten, die Blockaden auslösen – die Angst, dem vorherigen Erfolg zukünftig nicht gerecht zu werden. Andere wiederum benötigen diesen Druck und die öffentliche Aufmerksamkeit als Motivation für ihren Schaffensprozess. Bleibt diese aus, fehlt auch die innere Motivation. Inspiration, Selbstvertrauen beim Schaffen, unaufhörliches Trial-and-Error durch die bewusste Befreiung von Ängsten funktionieren nur leider nicht auf Knopfdruck, wenn man blockiert ist.

Inspiration finden & Motivation schaffen: Meine Wege gegen kreative Blockaden beim Schreiben und Zeichnen

Es ist ein eigenständiges Thema, ob Inspiration von außen kommt oder in uns liegt. Ob wir die Inspiration „verlieren“ oder wie aus anderen Gründen blockiert sind im Schreiben/Schaffen: Ich habe ein paar meiner Wege zusammengefasst, die du ausprobieren kannst, wenn du dich gerade in einer Schreibblockade/Kreativblockade oder gar Schaffenskrise befindest.

Alles rund um das Endergebnis

Mir fiel in den letzten Jahren auf, dass wenn ich das Endergebnis nicht als Klares vor meinem geistigen Auge sehe, dann fällt mir das Arbeiten am Ergebnis schwerer. Wann immer ich uninspiriert oder unmotiviert bin, werkele ich sodann am Buchcover, an Marketingmaterialien wie Social Media Posts oder Begleittexten zum Werk. Das hält meine Motivation oben und gibt mir das Gefühl, dass das Ergebnis zum Greifen nahe ist.

Musik

Ich höre sehr oft (die ganze Zeit) Musik, während ich schreibe und zeichne. Es ist grundsätzlich Musik, die zum jeweiligen Thema passt oder mich in die richtige Stimmung bringt. Wenn ich mich konzentrieren muss, ist es Klassik (fördert die Konzentration). Ich wähle andere Musik, wenn ich in einem speziellen Gefühl sein will oder kommen will, Titel, die dieses Gefühl für mich transportieren. Und es gibt einzelne Songs, die ich speziell für Themen/Bücher/Charaktere auswähle, weil sie für mich einen Zugang zu ihnen herstellen. Sitze ich also an einer Geschichte, erhält fast jeder Charakter zumindest einen solchen Song, wenn nicht sogar eine ganze Playlists. So kann ich meine Ideen und das, was die Figur ausmacht, besser steuern.

Filme und Bücher

Je nach Thema und Genre wähle ich außerdem andere Medien, die mich anregen können, weil sie sich mit etwas auseinandersetzen, worüber ich schreibe. Was ich hingegen nicht mache, ist Konkurrenz zu konsumieren, weil mich das meist zu sehr in die Gedanken- und Schaffenswelt des Anderen versetzt. (Aber das ist jedem selbst überlassen.) Stattdessen konzentriere ich mich auf Fotografien, Studien, Artikel, Dokumentationen, Spielfilme usw. Ich liebe zudem Zitatbilder und Lyrics, die ich mir anhand von meinen  Stichwörtern bei Google, Pinterest & Co. anzeigen lasse. So habe ich einzelne Bildordner und Pinnwände zu einzelnen Büchern/Werken.

Position ändern – Bewegung

Die besten Ideen kommen mir immer noch, wenn ich vom Schreibtisch oder Sofa aufstehe, mich auf den Balkon stelle oder anderweitig bewege. Sport hilft mir auch, aber zieht mich oft körperlich zu sehr in eine Tiefenentspannung/Ausgelaugtheit, in der ich nicht mehr kreativ sein kann – sondern nur noch ausgepowert bin. Kurze Spaziergänge hingegen helfen mir sehr. Die Farbe Grün der Natur beruhigt zusätzlich.

Sonne

Licht und frische Luft entspannt, hebt die Stimmung und regt an. Draußen zu schreiben/zu schaffen, könnte helfen, genauso wie ein kurzer Gang in den Garten oder auf den Balkon, um von Bildschirm oder dem Arbeitsmedium wegzukommen.

Sich mit etwas beschäftigen, was Thema/Figuren angeht

Wer an einem Roman oder Bild arbeitet, der kann sich in seine zentrale Idee (z. B. anhand von Figuren) hineinvertiefen, indem er lebt oder handelt wie sie. Das verringert die Distanz und lässt neue Sichtweisen entstehen – und somit Ideen. 

Das Medium ändern

Manchmal, wenn ich zeichne oder schreibe, stelle ich fest, dass mich die Konstante des Mediums auf einmal blockiert. Dann wähle ich statt des Macbook mein iPhone/Pad und die dortige Schreibsoftware oder verwende für eine Weile eine Diktiersoftware statt zu schreiben.

Wenn ich zeichne, erlebe ich es oft, dass mir das Blatt zu klein oder zu groß wird usw. Also nehme ich eine andere Größe zur Probe oder andere Stifte (Pastell statt Bleistift, schwarzes Papier statt weißes etc.), um mich zu entblocken.

Vergangene Werke zu dir sprechen lassen

Wenn ich es “nicht mehr fühle” oder mir Ideen fehlen, ich das Gefühl habe, etwas stimmt nicht oder sollte anders sein, ich Angst vor dem Scheitern/Versagen/Schlechtsein bekomme, nehme ich mir oft vergangene Werke/Bücher von mir und lasse mich neu inspirieren und vom guten Gefühl mitreißen. Meine Angst, dass ich etwas Schlechtes erschaffen könnte, kritisiert werden würde oder es niemand mögen würde, schwindet recht schnell auf diesem Wege.

Notizen und Schreibmethoden zur Ideenfindung

Am Ende des Tages bin ich immer noch ein Handschriftmensch. Ohnehin hat die Forschung/Wissenschaft hinreichend belegen können, dass sich blockierte Gedanken (auch Gedankenkarusselle) besser durch das Niederschreiben mit der Hand lösen. Hinzu kommt, dass das Aufschreiben seiner angstbesetzten Gedanken die Angst löst (Schreibtherapie-Erkenntnis der 80er Jahre an Angst- und Depressionserkrankten in Großbritannien). Ich erwähne das, weil auch vor Prüfungen (und ich persönlich finde, jeder Schaffensprozess hat etwas Prüfendes an sich) das Niederschreiben seiner Gedanken die Prüflinge besser abschneiden ließ und die Angst nahm. Ich mache alle meine Notizen rund um das, was geschaffen werden soll, Inhalte meiner Kapitel oder was ein Bild transportieren soll, in einem kleinen Notizbuch, was ich eigens dafür besitze. Für grobe Ideen nutze ich immer noch die Notiz-App meines Handys. Aber wenn es um Blockadenlösung und Schaffenskrisen geht, arbeite ich nur noch handschriftlich. Ich verwende vor allem häufig Mindmaps. So vergesse ich nichts und kann gleichzeitig mehrere Lösungswege verdeutlichen, um dann am Ende die beste zu wählen. Es zieht mich bei Büchern auch aus der Angst/der Starre heraus, wenn ich meine, ein Ablauf der Geschichte müsste es sein. Ich kann per Mindmaps stattdessen viele verschiedene Variationen finden. Bei Zeichnungen hingegen doodle ich: Ich skizziere verschiedene Stile, bis ich den gefunden habe, der mir am ehesten zusagt.

Zerstreuung

Zerstreuung muss sein. Nicht nur, weil bewiesen wurde, dass Kreativität/Flow dann am ehesten auftaucht, je entspannter man ist. Es zieht einen auch weg aus dem Lösungs-Zirkel. Wenn ich keine Ideen habe, macht es mich mürbe und ich fühle mich unsagbar schlecht. Lenke ich mich ab, sodass meine Gedanken woanders hingleiten und weg aus dem Bisherigen meines Buches/Werkes, dann gelingt mir das Denken/Entscheiden später oder am kommenden Tag besser.

Empfandest du einen meiner Wege, um Schreibblockaden und Schaffenskrisen besser zu bewältigen, als hilfreich? Dann freue ich mich über einen Kommentar.

Viele Grüße
Janett

Coronavirus-Angst: Wie wir mit Covid-19 induzierten Ängsten, Sorgen und Zwängen umgehen können

Coronavirus-Angst: Wie wir mit Covid-19 induzierten Ängsten, Sorgen und Zwängen umgehen können

Hamsterkäufe, leere Regale, reglementierte Einlässe in Supermärkten, beschränkte Stückzahlen bei Hygieneartikeln, 24/7 Nachrichten über die Verbreitung des Virus, Zahl der Infizierten und Toten, Fake News, Isolation, Ereignislosigkeit, Home Office, fehlende soziale Kontakte, Ausgangsbeschränkungen und Reiseverbote, Angst um seine Lieben und sich selbst, Armut, Arbeitslosigkeit und mehr. Die Pandemie des Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19) legt unser ganzes Leben lahm, rüttelt an unseren Grundfestungen und macht Angst. Wie wir mit dieser Unsicherheit und den Ängsten wegen des Coronavirus umgehen können, findest du in diesem Artikel.

Coronaangst: Angst durch Coronavirus SARS-CoV-2

Corona und was die Pandemie für psychisch Erkrankte bedeutet

Es gibt nun einen eigenen Begriff für die Angst durch den CoronavirusCoronaangst. Er schwappt gerade aus den USA rüber und beschreibt, was wir aktuell auch in Deutschland erleben. Gemeint sind Angstzustände durch die bedrohte Wirtschaft, Rezession, als Folge Armut und Arbeitslosigkeit, Inflation, Angst wegen der Isolation und niemand weiß, wie lange, Angst wegen des vielen Alleinseins, der entstehenden Einsamkeit, Angst vor herrschender Gewalt innerhalb der Familie oder Partnerschaft, Angst um die Gesundheit von Freunden und Verwandten, Angst, selbst angesteckt zu werden oder ansteckend zu sein und damit auch Angst vor Menschen und uns selbst, vor Freunden und Nachbarn und besonders Kindern.

Was bei dem Einen nur leichte Unsicherheit auslöst, weil er sicher im Job ist oder genug gespart hat, eher introvertiert ist, einen starken Glauben oder Optimismus besitzt oder gute Stressmanagementtechniken, seine Familie bei sich hat, kann bei einem Anderen ganz anders aussehen. Zu den häufigsten Symptomen von Coronaangst zählen aktuell:

  • Konzentrationsschwäche
  • Schlaflosigkeit bzw. Schlafbeschwerden, Einschlaf- und Durchschlafstörungen
  • Appetitverlust und -losigkeit
  • Essstörungen
  • Verdauungsstörungen
  • erhöhte Zunahme von Suchtmitteln und anderer schädlicher Substanzen (Drogen, Alkohol, Tabak, Kaffee, Zucker)
  • Antriebslosigkeit/Lethargie, depressive Verstimmungen
  • Angst, raus zu gehen (agoraphobische Symptome)
  • Angst, drinnen zu sein, Gefühl der Enge und des Eingesperrtseins (klaustrophobische Symptome)
  • Angst vor Krankheit und Tod (Hypochondrie)
  • geringe Libido
  • starke Zukunftsängste
  • generelle Angst
  • soziale Angst
  • starke Gefühlsschwankungen
  • Zwangshandlungen
  • unerklärliche, latente Aggressivität oder Traurigkeit
  • Hilflosigkeit und Kontrollverlust – oft durch den Drang, mehrmals (+3 x) am Tag die Nachrichten zu sehen (in der Hoffnung, die Kontrolle zu behalten, Linderung zu verspüren oder aber Bedrohliches augenblicklich zu erfahren)

Diese Symptome sind in den unterschiedlichsten Tiefen möglich, einzeln sowie gepaart sichtbar. Wichtig ist, wenn du dich hier wiederfindest: 1) Hattest du diese Symptome auch schon vor dem Ausbruch des Coronavirus? Wenn ja, dann sind es höchstwahrscheinlich Angstzustände, die woanders herrühren als durch COVID-19. Wenn nicht, hast du jetzt zumindest das Wissen erlangt, dass die Pandemie dich und deinen Geist ernsthaft ängstigt. 2) Es ist wichtig zu wissen, dass das alles “nur” Symptome sind, aber nicht der Herd. Jedes einzelne Symptom kann unterschiedlich angegangen werden. Aber nicht jedes Einzelne löst auch Angst aus. Einige sind Anzeichen eines erhöhten Stressniveaus in deinem Körper. Andere hingegen können auch aus anderen Gründen herrühren, zum Beispiel durch eine andersartige oder für dich schlechte Ernährung, die bekanntermaßen darminduzierte Angst und nahrungsmittelbezogene Depressionen hervorrufen können, durch bei Hochempathen und Hochsensiblen ansteckende Angst der anderen, durch mangelnde Bewegung usw.

irrationale Angst und echte Angst

Wir müssen in dieser Hinsicht unterscheiden zwischen “echter” Angst und irrationaler Angst. Echte Angst wird ausgelöst durch etwas im Außen, Tod oder Infektion eines Menschen, den wir kennen, oder uns selbst, durch drohende Verluste, weil unser Arbeitgeber Kurzarbeitergeld oder Schließung des Betriebs angekündigt hat oder als Selbstständiger ausbleibende Kundschaft, leere Konten, Langeweile-Lagerkoller, fehlende (positive) soziale Kontakte, die nachweislich Stresshormone abbauen usw. Es gibt sozusagen Beweise, echte Auslöser, die Angst machen. Irrationale Angst hingegen beschreibt das sich Hineindenken in schlimme Umstände ohne bereits geschehenen Auslöser. Angst wegen Armut zu haben ist dann rational, wenn wir unser Geld schwinden sehen und Mühe haben, unsere Rechnungen zu bezahlen, gekündigt wurden usw. Irrational wird die Angst, wenn wir das lediglich befürchten, es als eine Möglichkeit dessen, was geschehen könnte, so oft denken und schließlich glauben, bis es uns real und wahr erscheint. Und das ist auch das, was gerade die meisten tun, weswegen uns allen Toilettenpapier und Pasta fehlt.

Grippe vs. COVID-19, die Zukunft des Virus und Schutzmaßnahmen

Meine Mutter ist Krankenschwester im Universitätskrankenhaus in Oslo und erzählt mir regelmäßig aus medizinischer Sicht, was es mit dem Virus auf sich hat. Ich möchte das gern an dieser Stelle mit Infos aus anderen Quellen zusammenfassen.

Beginnen wir mit der Symptomatik von Corona und der des Influenza-Virus im Vergleich. Viele befürchten jetzt eine Infektion, Erkrankung und ihren Tod oder den ihrer Lieben. Sie nehmen jeden Nieser oder jedes Naseschnauben ihrer Mitmenschen als Anlass, um in Panik zu geraten. Die Angst ist legitim, aber mit Vorsicht zu verbreiten, denn: Corona hat als Hauptsymptome Husten gefolgt von Fieber (Angabe laut Robert-Koch-Institut – im Folgenden RKI genannt). Das sind die Symptome, die man bei allen Infizierten flächendeckend beobachtet hat. Allgemein im Internet werden zudem noch eine laufende Nase, Halsschmerzen und bei einem schweren Krankheitsverlauf Atembeschwerden genannt. Das RKI nannte sie in ihrer übertragenden Pressekonferenz am Montag, 23.03.2020 nicht. Entscheide selbst, wem du glaubst.

Unterschied zwischen Influenza (Grippe) und Corona
Fieber und Husten haben sowohl Influenza als auch Corona (COVID-19) gemeinsam als Symptome.

The Mighty berichtete am 23.03.2020, dass einige Ärzte ein mögliches, weiteres Symptom bemerkt hätten (ohne offizielle Bestätigung seitens der WHO oder des RKI – Stand: 25.03.2020): Sinnesverlust. Es würde derzeit beobachtet werden, ob sich der Eindruck der Ärzte, dass der Verlust der Sinne ein Anzeichen für eine COVID-19-Infektion wäre, bestätigt.

Niesen gilt nicht als Symptom. Aber ja: Man sollte in seine Armbeuge niesen, für den Fall, dass man infiziert ist, aber ohne merkliche Symptome lebt, was dennoch heißt, dass man andere anstecken könnte.

Weitere Fakten laut RKI (Stand: 23.03.2020): Es trifft nur gering (unter 10 Prozent) häufiger Männer als Frauen. Menschen um die 45 Jahre sind am ehesten gefährdet, zu erkranken, Menschen im Durchschnitt von um die 84 Jahre – sowie solche mit Vorerkrankungen – haben ein erhöhtes Risiko, am Virus zu versterben. Das heißt aber nicht, dass es nur die ältere Bevölkerung treffen kann. Das Virus ruft eine Lungenentzündung hervor, die – bei Vorbelastung oder allgemein schlechtem Immunsystem – in jedem Alter zum Tode führen kann. In Kalifornien/USA verstarb nun erstmals ein Kind an den Folgen des Virus. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und vierzehn Tagen. Wie lange sich das Virus auf Oberflächen hält, ist unklar, aber die Bedrohung wird vom RKI als gering eingestuft. Man glaubt dennoch, dass es sich – abhängig von Struktur, Temperatur und so weiter – bis zu einigen Tagen halten könnte. Zudem sei der Virus in Stuhlproben einiger Erkrankter nachgewiesen worden, was nahelegt, dass das Virus auch über Nahrung aufgenommen werden kann. (Auffallend war das nur, weil ein Erkrankter statt Fieber Durchfall hatte.) Auch hier allerdings wird die Gefahr als gering eingestuft.

Bei Grippe treten die Symptome bereits nach ein bis zwei Tagen auf, plötzlich, mit vorwiegend hohem Fieber (bis 41°C, oft begleitet mit Schüttelfrost – bis zu vier Tagen lang), Kopf- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen, trockener Husten (auch Heiserkeit), Appetitlosigkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die allgemeinen Krankheitsgefühle werden zudem oft begleitet von Schwindel sowie Muskelschmerzen, aber auch empfindliche Augen/Augenschmerzen.

Dennoch genesen 98 Prozent aller Corona-Erkrankten (laut Virologe ALEXANDER KEKULÉ), da 2 Prozent versterben (berechnet an den Fällen in Deutschland). Weltweit schwankt die Sterberate zwischen 0,2 und 7 Prozent, was aber an der Bevölkerung und Gesellschaft mit ihrem Gesundheitssystem sowie der Zählung/Erfassung der Fälle liegen kann.

Empfohlene Schutzmaßnahmen:

Abgesehen von den allgemeinen Erlässen/Anweisungen, Abstand von ein bis zwei Metern zu halten (Beschränkung auf 2 Personen oder Ausgangssperre) und den sozialen Kontakt so gering wie möglich zu halten, sich nicht in Gruppen aufzuhalten oder draußen zu bilden, gilt zudem:

Atemmasken/Mundschutz sind gut, aber es konnte noch immer nicht nachgewiesen werden, ob sich der Virus nicht auch bei Kontakt mit den Augen verbreitet. Nicht jeder Mundschutz hält zudem das Virus ab. Es gibt spezielle Schutzmasken, die einen anderen Filter haben, die auch bei Kontakt mit MRSA-Infizierten benutzt werden.

Seife verträgt der Virus genauso schlecht wie Desinfektionsmittel. Mindestens 20-30 Sekunden mit heißem Wasser, wobei alle Stellen benetzt werden müssen, ist Minimum. Auch bei der Wahl eines Desinfektionsmittels gilt es darauf zu achten, dass es Viruzid enthält. Viele der Handelsüblichen aus Drogeriemärkten enthalten das nicht, sondern dienen nur dem Ersatz, wenn Händewaschen nicht möglich ist. Meine Mutter sagte außerdem, dass man mit mindestens 60 Grad heißem Wasser (das Virus sterbe bei 60 Grad ab) zugange sein soll, wenn wir Oberflächen reinigen.

empfohlene Schutzmaßnahme zur vorbeugung Sars-CoV-2
Coronavirus: Schutzmaßnahmen gegen den SARS-CoV-2 (COVID-19)

Es gilt jetzt vor allem, das Immunsystem zu boosten und zu schützen, um die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung/Infektion so gering wie möglich zu halten. Dazu zählt vor allem eine gesunde Ernährung (wozu ich noch einen eigenen Artikel schreiben werde), aber auch Sport und Bewegung in der Natur. Es sind klassische, nachweislich wirksame Methoden, die unser Immunsystem stützen, genauso wie bewiesenermaßen Stressmanagement-Techniken helfen, Stresshormone wie Noradrenalin und Cortisol abzubauen. Zu den bekanntesten zählen hier Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation, aber auch Yoga Nidra (kein Yoga, sondern eine Tiefenentspannung).

Du kannst dir hier ein paar kostenfreie Sessions herunterladen:

Autogenes Training – mit Rückführung (am Tage anwendbar, wenn du danach nicht einschlafen willst)
Autogenes Training – ohne Rückführung (am Abend anwendbar, wenn du danach einschlafen willst)
Yoga Nidra (eine Zielsetzungsmeditation) – Vorbereitung & Session
Die Löwenmeditation – Geführte Meditation zur Stärkung deiner inneren Kraft

In der Zukunft wird das Virus wie auch bei Influenza in Wellen wirken

Aktuell geht es nicht um die Unschädlichmachung, sondern um die Eindämmung und damit Verminderung der Ausbreitung des Virus. So, wie jeden die Grippe erwischen kann, kann uns in der Zukunft auch Corona erwischen. So, wie Menschen an einer verschleppten Grippe oder ihren Auswirkungen versterben, kann dasselbe bei Corona geschehen. Wir werden Covid-19 aber nie los. Angeblich soll es im Sommer weniger Ausbreitung finden, wohingegen es in den kälteren Monaten wieder vermehrt (wie auch bei Grippe) auftreten könne.

Ab Herbst 2020 hoffen Mediziner, wird es einen Impfstoff gegen COVID-19 geben können.

Mediziner haben angekündigt, dass es ab Herbst wahrscheinlich einen Impfstoff geben wird. Aber in meinen Augen bedeutet das, dass wir nicht nur bis dahin, sondern in der allgemeinen Zukunft, noch stärker gesund mit uns umgehen müssen. Und dieser Weg führt nur über die Stärkung des Immunsystems und der Minimierung von Gefahren für dieses. Dazu zählt vor allem und noch immer: Stress. Jeder Angstgedanke, den du dir machst, sorgt für Stress in deinem Körper. Du schwächst dich mit Angst also selbst, wenn du sie dir bewusst machst. Denn die Stresssymptome können schon mittelfristig dafür sorgen, dass dein Körper angreifbarer wird. Deshalb sollten wir uns jetzt alle darum bemühen, ruhig zu bleiben und uns so viel Gutes wie nur möglich zu tun.

Die aktuelle Situation stresst, macht Angst und einsam. Wie wir mit unseren Ängsten jetzt am besten umgehen sollten

Die Coronakrise zwingt viele, sich abzuschotten und die Aufmerksamkeit auf Angst, andere und sich selbst zu verstärken. Gewohnte Ablenkungen, Anerkennung und Aufmerksamkeit im Beruf oder von Kollegen, Treffen mit Freunden und der Familie, Spaß, Urlaube, Ausflüge, gemeinsame Unternehmungen mit Gleichgesinnten, Selbsthilfegruppen und -treffen, Gesprächskreise, Gottesdienste, Clubabende oder der ausgedehnte Plausch mit dem Dönermann deines Vertrauens, dein nachmittagiges Käffchen in deinem Lieblingscafé oder die Entspannung im Fitnessstudio: Alles liegt erst einmal lahm, um dem Coronavirus angemessen zu begegnen.

coronavirus macht einsam

Bereits jetzt empfinden aber nicht nur Betroffene mit psychischen Belastungen/Störungen eine erhöhte Dichte an Angst und anderen Symptomen. Die Coronakrise hat auch die Macht, bestehende Belastungen nicht nur zu verstärken, sondern auch auszulösen. Wir sprechen hier vorwiegend von:

  • Essstörungen
  • Zwangsstörungen (Händewaschen, Desinfizieren)
  • Süchte
  • Generalisierte Angst
  • Panikattacken
  • Klaustrophobie
  • Agoraphobie
  • Hypochondrie
  • Panikstörung
  • Soziale Angst
  • Depressionen

Auch die Heilungschancen sind in Zeiten von Corona überwiegend erschwert. Besonders Menschen, die sich als hochsensibel und/oder hochempathisch empfinden, leiden nun verstärkt, spüren die Ängste ihrer Mitmenschen mehr als zuvor und haben Mühe, sie in den Griff zu bekommen. Die Flut an Nachrichten und die Nähe im Wohnhaus zu allen, die jetzt zu Hause arbeiten/bleiben, die erhöhte Lautstärke und die Hektik, die verbreitet wird, belasten zusätzlich.

Die aktuelle Lage schreit also danach, uns selbst die Nächsten zu sein, anderen auszuweichen (wie empfohlen und legitim). Sie schreit nach Misstrauen und Aggressivität gegenüber unseren Mitmenschen. Doch: Wir haben immer die Wahl: Bleibst du im Vertrauen, im Glauben an dich und deine Kraft, dass – was auch immer kommt – du Wege und Lösungen finden wirst, allein und gemeinsam? Oder fokussierst du Zukunftsangst wegen der Unsicherheit und dem durch COVID-19 entstandenen Kontrollverlust, deine Isolation und all das, was dir das Virus vermeintlich wegnimmt?

Diese Wahl trifft nicht der Virus, sondern jeder Einzelne. Schritt-für-Schritt-Veränderungen in unserem Denken und als Konsequenz im Verhalten können helfen, Coronaangst und die umgehende Unsicherheit zu verringern: Es beginnt aber damit, dass wir nun alle auf uns zurückgeworfen werden. Darin liegen auch Chancen für unser Wachstum.

Zwangsstörung Angst vor Keimen und Infektion
  1. Verstehe, dass die empfohlenen Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, Vorsichtsmaßnahmen sind, auf denen nicht lebenslänglich steht. Wir reden von einem begrenzten Zeitraum, nicht für den Rest des Lebens. Außerdem: Sich gründlich die Hände zu waschen, wenn man draußen gewesen ist oder etwas von draußen in Empfang genommen oder berührt hat, reicht. Oberflächen einmal mit heißem Wasser abzuseifen oder zu desinfizieren, ebenso. Sie 10 x zu waschen, ist eine übersteigerte Angst, die sich festsetzen kann, oder aber die (bereits vor Corona) bestehende Angst noch verstärken kann. Wir müssen jetzt mit dem Verstand arbeiten und ihn immer wieder zu uns rufen, um bei der Wahrheit zu bleiben und die Einschränkungen durchzustehen.
  2. Halte Kontakt zu Menschen, die positiv sind. Versuche, alle, die Hektik und Angst verbreiten, zu meiden. Sollte es innerhalb deiner Familie Personen geben, die ein hohes Niveau an Angst haben und die Angst anderer so schüren, vermeide diese Gespräche, indem du dich aus ihnen zurückziehst, wenn das Thema aufkommt oder um ein anderes Gesprächsthema bittest.
  3. Kümmere dich um deinen Körper. Obst und Gemüse gibt es noch immer in Massen zu kaufen. Jetzt eine besonders gesunde Ernährung zu pflegen oder zu etablieren, ist besser, als Pasta zu kochen. Sport und Entspannung lässt sich auch von zu Hause aus gut machen. Nutze YouTube und andere Online Angebote, Video und Audio Streaming Services, um für dich das Richtige zu finden. Täglich kleinere Sporteinheiten sind nun nützlich und anzuraten.
  4. Erinnere dich daran, dass Generationen vor uns ähnliche (und weitaus schlimmere!) Krisen durchgestanden haben: Es gibt Alternativen zu Toilettenpapier (in 2-3 Teile durchgeschnittene Küchenrollen, feuchtes Toilettenpapier, Abschminktücher, Taschentücher, Servietten und zur Not noch immer das Wasser aus der Wand. (Anmerkung: Ersatzprodukte können Abflüsse verstopfen und sollten daher gesondert entsorgt werden.) Pasta und Brot kann man, wenn man Mehl und Eier hat, selbst herstellen. Diese Liste ließe sich endlos fortführen. Halte Ausschau nach den Alternativen und löse eine Mangelware mit Kreativität. Nutze Onlineshops, Bio Bauern, Lieferservices oder bitte im Wohnhaus/in deiner Wohnumgebung um Hilfe.
  5. Strukturiere deinen Alltag und erschaffe eine Routine, statt dich ins Chaos oder in die Langeweile ziehen zu lassen. Bleibe bei dieser Struktur. Wenn du jetzt von zu Hause arbeitest oder aber vermehrt in deinen Wohnräumen sein musst, ist eine geordnete Struktur, besonders wichtig, um dir Halt und Sicherheit zu geben.
  6. Konsumiere Nachrichten in geringen Mengen (1-2 x täglich) und nur aus seriösen Quellen (Fake News sind allgegenwärtig). Diesen kannst du Vertrauen schenken, nicht aber anderen. Verlass dich darauf und überzeuge dich regelmäßig davon, dass die Welt im Kampf gegen das Virus nun enger zusammenrückt. Wissenschaftler weltweit arbeiten an einer Lösung. Die Bundesregierung springt mit allen möglichen Varianten der Sozialhilfe und Unterstützung auf allen Ebenen ein. Wir waren gemeinsam noch nie so tätig für eine Sache wie aktuell. Dabei kann nur Gutes herauskommen.
  7. Gedanken sind Gedanken und Fakten sind Fakten. 98 Prozent erholen sich nach einer Erkrankung wieder. Es gab auch schon eine Grippe-Epidemie, an der viele starben. Es sterben noch immer Menschen an Influenza. Die Bedrohung aktuell ist rational und nicht zu verkennen, aber alle Gedanken sollten nun auf Fakten basieren. Wenn du dich bei einem irrationalen Gedanken erwischt, erinnere dich an die Fakten und wähle den Weg der Hoffnung und Wahrheit. Die Wahrheit kannst du in seriösen Quellen nachlesen: aktuelle Fallzahlen, Rückgang der Infektionen, Hilfeleistungen, Möglichkeiten, Wege, Lösungen u. v. m.
  8. Wenn du nun besonders Menschen vermisst, der Lagerkoller schon über dir schwebt oder du dich vermehrt einsam fühlst: Nimm Kontakt über alle möglichen Kanäle auf zu allen möglichen Menschen. Videotelefonie, das normale Telefon, Chats, Sprachnachrichten, Facebook-Gruppen, Foren, virtuelle Treffpunkte, online übertragene Gottesdienste, Clubmusik und mehr.
  9. Von Körperkontakt wird nun zwar unter allen Menschen, die nicht zu unserem engsten Kreis gehören, abgeraten, aber das sollte uns nicht daran hindern, freundlich zu bleiben. Lächele Menschen zumindest an, wenn du ihnen aus dem Weg gehst oder halte die zwei Meter Abstand ein, wenn du mit einem Nachbarn sprichst. Grüße Menschen, auch wenn du sie nicht kennst. Sei freundlich und herzlich und schenke beides anderen. Gerade das ist es, was wir nun brauchen: Verbundenheit in Zeiten der Isolation. Die lässt sich auch üben und zeigen, ohne sich in den Arm zu nehmen, mit einem Wie geht es dir? als weiteres Beispiel.
  10. Geh in die Natur. Nicht nur, weil es aktuell noch zu den wenigen Erlaubnissen gehört, die wir noch haben. (Jedenfalls in Berlin.) Auch weil die Natur heilt.
  11. Vom Prinzip Selbstverantwortung zur Fürsorge und Rücksicht für andere: Es gibt tatsächlich Leute, die sich in ihrer Freiheit beraubt fühlen, weil sie nicht mehr feiern, im Café sitzen oder gemeinsam mit ihren Kumpels einen zwitschern können. Dabei geht es aktuell darum, dass die Isolation nicht zwingend Einzelne schützen soll, sondern den Bevölkerungsanteil, der besonders gefährdet wäre und zudem natürlich die Verbreitung des Virus (auch ohne erkennbare Symptomatik). Es geht darum, dass wir uns nun im Gutmenschsein üben können, Verantwortung für andere übernehmen sollen. Es geht darum, dass wir gemeinsam füreinander da sind, um diese Krise zu bewältigen. Es geht nicht mehr nur um den Einzelnen mit seinen Bedürfnissen nach Party oder Fun. Denn jeder Einzelne ist Teil des Ganzen. Dem Ganzen etwas Gutes zu tun, kann sich gut anfühlen, wenn wir den Fokus darauf legen statt auf Zwang oder Freiheitsberaubungs-Gefühle. Wir haben jetzt die Wahl, uns wie kleine, bockige Kinder zu benehmen, die nicht bekommen, was sie wollen, aber glauben, verdient zu haben. Oder wir denken von unserer Nase weg und hin zum Rest der Gesellschaft, zu der wir – und alle anderen – gehören.

Trotz Einzelner rückt die Welt seit langer Zeit zum ersten Mal wieder zusammen (Trumps Anwandlungen ausgenommen), Länder helfen Ländern, Nachbarn Nachbarn, junge Menschen alten. Und jeder hilft sich – in einem Maße, das echte Selbstliebe spiegeln kann – nicht Egoismus. Wir können auf uns (alle) aufpassen, ohne durchzudrehen, indem wir im Moment leben. Denn wie es bei Ängsten so ist: Sie flüstern dir Blödsinn über das, was Schlimmes kommen würde, ein. Dabei weiß gerade niemand, was kommt. Aber Angst macht das. Das als bloßen Gedanken zu erkennen, ist das eine. Etwas anderes ist es, deine pessimistischen oder negativen, opferbehafteten oder anschuldigenden Gedanken zu glauben. Wir müssen jetzt alle das größtmögliche Vertrauen in uns finden, ausgraben, ja wiederentdecken, nahe bei uns halten und täglich leben – wie auch immer das individuell für dich aussieht. Für mich heißt es: Ruhe bewahren, Medien bewusst konsumieren (1 x täglich), mein Immunsystem stärken, mich in Geduld üben und entschleunigen.

Was heißt es für dich? Ich freue mich auf eure Kommentare!