Die 4 besten Achtsamkeitstechniken und wie sie funktionieren

Die 4 besten Achtsamkeitstechniken und wie sie funktionieren

In unserer hektischen Zeit ist immer wieder von Achtsamkeit die Rede. Aber was ist Achtsamkeit eigentlich? Und vor allem: Wie setzt man Achtsamkeit um? Immer, wenn Achtsamkeit besonders hilfreich wäre, weil der Alltag stresst, hat man am wenigsten Zeit dafür. Gerade deshalb ist es wichtig, sich Techniken anzueignen, mit deren Hilfe man zu jeder Zeit Achtsamkeit praktizieren kann, um sich so eine kleine Oase der Ruhe zu schaffen. Nicht zuletzt reduzieren Achtsamkeitstechniken das Stressniveau und können so schon kurzfristig für inneren Ausgleich und langfristig für Resilienz sorgen.

Wie wirkt Achtsamkeit?

Achtsamkeit bei Angst, Panik und Depressionen, Borderline, Essstörungen, Süchte

Die Wirkung von Achtsamkeit – insofern die entsprechende Technik richtig ausgeführt und wiederholt trainiert wird – ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen. So kann sie zum Beispiel bei folgenden seelischen Ungleichgewichten und Störungen hilfreich sein:

  • Depressionen
  • Angsterkrankungen
  • verschiedene Formen von Essstörungen
  • Burnout-Syndrom
  • Suchterkrankungen
  • Borderline

Eines der wichtigsten Prinzipien der Achtsamkeit ist, im Hier und Jetzt präsent zu sein, ohne dabei die Situation an sich zu bewerten. Bei Achtsamkeit geht es sehr oft um die Akzeptanz dessen, was ist. Dabei kann es sich durchaus um eine negative, scheinbar ausweglose Situation handeln wie beispielsweise chronische Schmerzen, mit denen du leben musst oder eine sehr schmerzhafte Trennung. Dennoch kann das Gehirn sich Akzeptanz als erste Reaktion auf alle Umstände antrainieren, wenn man sie zulässt. Denn Achtsamkeit ist eine bewusste Entscheidung. Sie muss von dir erlernt und geübt werden.

Ich stelle dir im Folgenden die vier besten Achtsamkeitstechniken vor, mit deren Hilfe du im Alltag wieder zu dir finden kannst, egal, welche Umstände dich in die Knie zwingen.

1. Achtsamkeit durch Atmung

Atemübungen sind eine der schnellsten und einfachsten Techniken, um deine Achtsamkeit zu schulen. Du konzentrierst dich bei dieser Achtsamkeitspraxis voll und ganz auf deine Atmung.

  • Nimm die Atembewegungen bewusst wahr und spüre, wo in deinem Körper sich der Atem gerade befindet.
  • Spiele mit den Zeiträumen, die du zum Einatmen und Ausatmen benötigst: Wann beginnen und enden deine Atemzüge?
  • Atme durch die Nase oder den Mund. Verschließe auch einmal die Nasenlöcher im Wechsel mit einem Finger.
  • Dabei lässt du deine Gedanken kommen und gehen, wie die Wolken am Himmel tauchen sie auf und verschwinden wieder. Eine schöne Affirmation, die du dir währenddessen im Geiste vorsagen kannst, dazu: Meine Gedanken kommen und gehen wie die Wolken am Himmel.
  • Wichtig ist eine aufrechte Haltung in der idealen Balance aus Anspannung und Entspannung.

Du kannst die Konzentration auf deine Atmung an jedem Ort ganz unauffällig als Achtsamkeitsübung einsetzen.

2. Achtsamkeit mit Dankbarkeitsritualen durchführen

Dankbarkeitstagebuch schreiben

Sei dankbar für das, was du hast: Richte deine Aufmerksamkeit einmal nicht auf den Mangel, sondern auf die Fülle. Was in deinem Leben hast du, was anderen fehlt? Was flog dir einfach zu? Wann musstest/musst du dich nicht anstrengen? Was ist einfach? Bei wem kannst du einfach sein? Oder beende diesen Satz, falls dir die Antworten schwerfallen: Zum Glück habe ich … / Zum Glück bin ich …

Schnell wandeln sich deine Gedanken in eine positive Richtung. Der Hypothalamus beginnt damit, den Neurotransmitter Dopamin auszuschütten, der für einen Belohnungseffekt sorgt. Vergiss dabei nicht, auch dir selbst zu danken und stolz auf das zu sein, was du erreicht hast.

Eine Dankbarkeitsmeditation ist ein unkompliziertes Verfahren, das du überall durchführen kannst: Lasse  positive Dinge in deinem Leben Revue passieren und konzentriere dich selbst auf die kleinen Details.

Wenn du deine Gedanken lieber verschriftlichst, ist ein Dankbarkeitstagebuch der ideale Weg für dich. Schreibe abends alles nieder, wofür du an diesem Tag dankbar warst. Auch morgens lässt sich diese Übung gut durchführen, besonders, wenn du weißt, dass der Tag voll mit unliebsamen Aufgaben sein wird.

In schwierigen Zeiten kannst du immer wieder die geschriebenen Seiten hervorholen und lesen.

IDEE: Richtet sich deine Dankbarkeit an eine bestimmte Person? Schreibe ihr einen Brief – und zwar mit der Hand! Du zeigst damit deine Wertschätzung und steigerst die Qualität der Beziehung.

3. Steuere dein Unterbewusstsein mit Affirmationen

durch positive sätze negative glaubensmuster überschreiben

Wie denkst du? Wie redest du mit dir selbst? Welche Botschaften haben dir deine Eltern und Lehrer von Kindesbeinen an mitgegeben? Von den Glaubenssätzen, die du verinnerlicht hast, wird zu einem großen Teil dein Handeln und schließlich dein Leben bestimmt. Deshalb ist es besonders wichtig, in diesem Punkt sehr achtsam zu sein. Da sie in erster Linie in deinem Unterbewusstsein wirken, ist es sinnvoll, diese negativen Gedankenmuster ans Licht zu holen, anzunehmen und durch bessere zu ersetzen. Denn zum Glück funktioniert dieser Effekt auch umgekehrt. Mit positiven Affirmationen kannst du dein Unterbewusstsein beeinflussen – und durch Achtsamkeit verhindern, dass sich wieder negative Muster etablieren.

Affirmationen sind einfache und klare Sätze mit einer positiven Formulierung. Du kannst sie laut oder leise sprechen und dadurch deine Empfindungen oder dein Verhalten beeinflussen. Je direkter die Formulierung, desto besser, aber vermeide Konjunktive und Passivsätze. Wähle lieber Formulierungen mit „Ich bin …“, „Ich darf …“ oder „Ich kann …“.

Es gibt verschiedene Arten von Affirmationen, bei denen es um Selbstbewusstsein, Gesundheit oder selbst Geld gehen kann. Hier einige Beispiele für Affirmationen:

  • Ich bestimme mein Leben zu jedem Zeitpunkt selbst.
  • Ich bin so in Ordnung, wie ich bin.
  • Ich bin gut genug.
  • Ich bin wertvoll.
  • Ich reiche.
  • Ich bin bereit, mir und anderen zu vergeben.
  • Ich bin für Veränderungen bereit.
  • Das Universum sorgt für mich.
  • Das Leben trägt mich.
  • Die Welt ist freundlich zu mir.
  • Ich bin genauso wichtig wie alle anderen.
  • Ich habe Liebe verdient.
  • Ich schaffe das.

Dir fallen bestimmt noch mehr Affirmationen ein, die zu deiner persönlichen Situation passen. Du merkst schon: Hier ist wieder eine bewusste Auseinandersetzung mit deiner Situation und dessen, was ist, erforderlich. Gib dir ruhig einige Tage oder Wochen Zeit, um die Affirmationen wirken zu lassen. Wiederhole sie regelmäßig im Geiste oder laut, wenn du in einer Situation bist, in der negative Gedanken hochkommen. Übe dich darin, dein Gehirn mit dem positiven Satz reagieren zu lassen.

4. Reduziere deinen Stress mit MBSR

mindful-based stress reduction krankenkasse

Wie wäre es mit einem ausgklügelten und erprobten Framework? Der frühere Arzt und Universitätsprofessor Jon Kanbat-Zinn hat die Achtsamkeit aus dem ihm vertrauten Zen herausgelöst und zu einem Verhaltenstraining umgeformt. Die Methode, die als MBSR bekannt ist, ist im Laufe der Jahrzehnte sogar wissenschaftlich erforscht worden und weithin anerkannt.

MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) ist eine Methode, die sogar von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland bezuschusst wird. Eine Voraussetzung für einen Zuschuss bei der Teilnahme an MBSR-Kursen ist, dass der MBSR-Lehrer zertifiziert ist. Es gibt zahlreiche Verbände, Institute und Trainer, die MBSR anbieten, sodass du bestimmt auch in der Nähe deines Wohnortes einen Kurs findest, falls dich diese Methode interessiert.

MBSR kommt mittlerweile zum Beispiel in

  • Unternehmen
  • Schulen
  • Universitäten
  • Gefängnissen
  • Gesundheitszentren
  • der US-Armee und
  • psychotherapeutischen Behandlungen

zum Einsatz.

Aber was ist MBSR und wie funktioniert diese Form von Achtsamkeitstraining? Die Elemente entstammen zum Teil dem Hatha Yoga, Vipassana und Zen. Die Grundlage entsteht durch ein achtwöchiges Gruppentraining, bei der sich die Teilnehmer im Wochenrhythmus treffen und auch einen „Tag der Achtsamkeit“ durchführen. Verschiedene Arten der Meditation werden in den Sitzungen eingeübt, darunter

  • Body Scan
  • Sitzmeditation
  • Gehmeditation
  • Essmeditation und
  • Yoga.

Darüber hinaus tauschen die Teilnehmer sich darüber aus, wie sie die neu erlernte Achtsamkeitspraxis erleben. An den übrigen Tagen führen sie die Meditationen bereits zu Hause in Eigenregie durch – ein wichtiges Element, damit die Meditationspraxis auch im Alltag gefestigt wird.

Das Hauptziel von MBSR ist, mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Die Wahrnehmung des Körpers wird ebenso gestärkt wie die der Gedanken. Selbstfürsorge und nicht nur das Erkennen von, sondern auch der Umgang mit Stress werden so erlernt.

Welche Erfahrungen hast du mit Achtsamkeit bislang gemacht? Gibt es noch Techniken, die du jemandem raten würdest, die ich hier nicht gelistet habe? Ich freue mich auf einen regen Erfahrungsaustausch!

Liebe Grüße
Janett

Hilft Kamille bei Angstzuständen und Panikattacken?

Hilft Kamille bei Angstzuständen und Panikattacken?

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: die Kamille. Da ich oft gefragt werde, welche natürlichen Heilmittel bei Ängsten wirken können und insbesondere, ob Kamille (Chamomilla recutitain) – sei es als Tee, Sud oder Tinktur – gegen Angstzustände und Panikattacken helfen kann, habe ich einen ausführlichen Bericht dazu verfasst. Nach mehreren eigenen Phobien und fünf Jahren Beschäftigung mit Angststörungen und Betroffenen lautet meine Antwort nämlich: Ja, bei vielen (wie auch bei mir) wirkt die Heilpflanze sehr unterstützend, denn sie gilt als angstlösend. Auch Ratgeber und Studien berichten, sie sei bestens geeignet zur Anwendung bei Stress, Unruhe, Reizmagen und -darm sowie menstruationsbedingt/hormonell verursachte Gefühlsherausforderungen wie Ängste. Wieso und wie du Kamille in verschiedenen Formen für dich verwenden kannst, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Die Wirkung von Kamille bei Angstzuständen, Stress und andere Beschwerden

wirkt kamille gegen stress und angstzustände?
Das Nervensystem liebt Kamille: Ihr wird nicht nur beruhigende und angstlösende Wirkung nachgesagt. Auch bei anhaltender Nervosität und Schlafstörungen wird sie empfohlen.

Ich erinnere mich ungern an meine Angst, aber ich weiß noch sehr genau, dass ich hochdosierten Kamillentee trank – in Massen, um die Intensität meiner Ängste zu lindern. Ohne zu ahnen, welche Wirkung den gelben Blüten bei den verschiedensten Beschwerden nachgesagt wird, trank ich ihn vor, während und nach heftigen Angstzuständen, teilweise auch abends vor dem Schlafengehen.

Kamille enthält eben den Neurotransmitter GABA, der maßgebend bei der Reduktion von Stress und Ängsten ist. Das ahnte mein Körper wohl unbewusst. Das beliebte Naturheilmittel gegen Bauchschmerzen, Erkältungen und Entzündungen aller Art ist aufgrund seines ätherischen Öls so wirksam. Es gilt daher als

  • antibakteriell
  • beruhigend
  • entzündungshemmend
  • krampflösend
  • geruchsmindernd
  • schmerzlindernd und
  • reinigend.

So soll die Kamille gut wirken bei

  • niedrigem Blutdruck
  • Diabetes
  • Angstzuständen
  • depressiven Verstimmungen
  • Überforderung
  • nervöser Unruhe
  • psychischen und emotionalen Stress
  • stressbedingten, nervösen Verdauungsstörungen sowie Reizmagen, Reizdarm, Blähungen, Durchfall, Verstopfung
  • Magen- und Darmschleimhautentzündungen und Magenkrämpfen
  • Candida-Entzündungen (im Mund- und Genitalraum)
  • bakterielle Hautentzündungen und -erkrankungen (äußere Anwendung) wie Akne und Wunden im Allgemeinen
  • Körpergeruch (äußere Anwendung)
  • Entzündungen der Mundhöhle, des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut
  • Erkrankungen der Atemwege (Inhalationen), besonders Rachenentzündungen, Schnupfen, Heiserkeit, Sinusitis
  • Entzündungen im Genital- und Analbereich
  • Schlafstörungen
  • menstruationsbedingter Unruhe und Angst (Sitzbäder).

Und selbst Pflanzen, so glaubte man früher, könne die Kamille heilen: Man pflanzte sie deshalb in die unmittelbare Nähe zu kranken und schwachen Pflanzen, so sehr war man von der Wirkung der Heilkraft der Kamille überzeugt.

Studienergebnisse und nachgewiesene Wirkungen der Kamille

wirkt kamille gegen stress und angstzustände?

Besonders glücklich kann die Wirkung der Kamille bei darmbasiertem Stress, nervösen Verdauungsbeschwerden und dadurch entstehende Ängste sein. In der Psychologie ist die Existenz von darmbasierten Depressionen und substanzinduzierter Angst hinlänglich bekannt. Auch Giulia Enders verwies in ihrem Klassiker “Darm mit Charme” darauf, dass Personen mit Reizdarm oder Darmschleimhautentzündungen übermäßig hoch von Angstzuständen und Depressionen betroffen seien. Intoleranzen und Unverträglichkeiten können ihr Übriges tun. Kamille aber verhindert Entzündungen im Körper, vermindert das Wachstum von Bakterien und wirkt auf die Muskeln im Magen-Darm-Trakt krampflösend.

Krampflösend ist Kamille auch bei Menstruationsbeschwerden. Eine Studie im Iranian Journal of Obstetrics, Gynecology and Infertility berichtete im Jahre 2010, dass die Studienteilnehmerinnen durch Kamillentee weniger Ängste und Stress empfanden (und weniger Krämpfe). (1)

Studien aus dem Jahr 2010 und 2017 zeigten die besondere Wirkung von Kamille gegen Schlafstörungen. In der 2010er Studie berichteten 10 von 12 Teilnehmer, schneller nach der Einnahme von Kamille eingeschlafen zu sein. Forscher fanden heraus, dass sich der Wirkstoff Apigenin an denselben Rezeptor im Gehirn heftet wie Benzodiazepin (und entsprechender Rezeptor). (3) 2017 hatten ältere Menschen Kamillenextrakt (2 x täglich, 400 mg) eingenommen. Nach nur einem Monat zeigten sie einen erheblich besseren Schlaf als Personen der Kontrollgruppe. (3) Kamille vermag zwar in der Intensität nicht vergleichbar sein mit Schlafmitteln oder Beruhigungsmedikamenten, aber wer Kamille mag, könnte sie u. a. bei Ein- und Durchschlafproblemen sowie Ängsten testhalber ausprobieren. (Bei ernsthaften und anhaltenden gesundheitlichen Herausforderungen sollte man dennoch vorher seinen Arzt des Vertrauens konsultieren.)

Mit Mutti Natur gegen unruhige und angstvolle Zeiten: So kannst du Kamille verwenden

kamille gegen angst, stress und unruhe

Viele Menschen denken, es wäre schwer oder aufwendig, seine eigenen Naturheilmittel oder Hausmittelchen herzustellen. Dabei braucht man, je nach Form, nur die Pflanze selbst und ggf. ein, zwei kleinere Beigaben, wenn es Cremes oder Tinkturen werden sollen. Wichtig zu wissen ist nur, dass die Wirkstoffe abhängig von der Form der Zubereitung beeinflusst werden. Die beste Wirkung erzielt man mit Kamille in wässeriger bzw. mit alkoholischer Zugabe als Form.

Kamille eignet sich zur äußeren und inneren Anwendung als

  • Tee (in Beuteln, fertig zubereitet)
  • Aufguss (frischer Blüten) und kräftiger, hochdosierter Sud
  • Tinktur (mit Alkohol)
  • Salben
  • Badezusätze (mit Badekamille)
  • Inhalationszusätze (am besten mit Kamillan oder Produkten mit standardisierter Herstellung für eine hohe Reinheit)
  • u. v. m.

Meine eigenen Helferrezepte (Nachmachen auf eigene Faust!)

Tees, Sitzbäder und mehr: Lose Blütenblätter sind oft alles, was du brauchst.

Tee aus Kamillenblüten (zur Beruhigung bei Stress oder zum Einschlafen): 3-5 x täglich 10-15 Gramm (1 TL = rund 1 Gramm) lose Kamillenblüten (am besten in Bio-Qualität) in ein Teesieb oder Teefilter geben und mit kochendem Wasser übergießen. 10-15 Minuten ziehen lassen und schluckweise trinken, am besten mit so viel Ruhe wie möglich.

Sitzbäder gegen Scheidenentzündungen, Krämpfe, verspäteter Menstruation und Unterleibsbeschwerden (z. B. Weißfluss): Pro 10 Liter Wasser verwende ich 50 Gramm lose Badekamille bei einer Wassertemperatur von 37 Grad Celsius für 10-15 Minuten.

Bei nervösen Magenverstimmungen und -beschwerden: 3-5 x täglich zwischen den Mahlzeiten Kamillentee aus 10 Gramm Blüten schluckweise trinken. Bei Blähungen verwende ich bis zu 20 Gramm.

Bei Nieren- und Blasenbeschwerden und zur Anregung des Stoffwechsels: 3 x täglich eine Tasse mit 2-3 Gramm losen Blüten mit kochendem Wasser übergießen, 10-15 Minuten ziehen lassen und trinken.

Fertiges Kamillan (Kamillenextrakt) gibt es natürlich auch in der Apotheke und online zu kaufen. Kamillan ist dabei wohl das bekannteste, wobei es das Produkt sowohl als Spray zur Anwendung im Rachen und der Mundhöhlen gibt, als auch als Flüssigkeit, teils auch mit weiteren Zusätzen wie Schafgarbe.

Zum Schluss: Darf jeder Kamille zu sich nehmen?

Nein. Für Präparate werden die Blüten, das Kraut und die Samen der Kamille verwendet. Kamille sollte also nicht von Personen, die allergisch auf Pollen und/oder Korbblütler im Speziellen reagieren, verwendet werden. Die Blüten können immer verunreinigt sein. Außerdem wird strengstens davon abgeraten, Kamillenpräparate im Augenbereich anzuwenden. Die sehr feinen Haare der Kamille reizen die Bindehaut zu stark, selbst dann, wenn sie höchst penibel abgeseiht wurden.

Leseempfehlungen zum Thema

Johannes Pechatschek.Kamille: Ein grosses Geschenk der Natur. Ennsthaler: 2009, 4. Auflage.

Mannfried Pahlow. Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur. Nikol: 2013.

Quellen:
(1) Chamomile Tea For Relief of Primary Dsymenorrhea. Iranian Journal of Obstetrics, Gynecology and Infertility. März 2010. https://www.researchgate.net/publication/286965003_Chamomile_tea_for_relief_of_primary_dysmenorrhea (Zugriff am 7.5.2019)

(2) Chamomile: A herbal medicine of the past with bright future. Mol Med Report. Nov 2010. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2995283/ (Zugriff am 7.5.2019)

(3) PhytoDoc-Redaktion. Kamille. https://www.phytodoc.de/heilpflanzen/kamille (Zugriff am 8.5.2019)

Der Haustier-Effekt: Durch Tiere heilen

Der Haustier-Effekt: Durch Tiere heilen


Hund, Katze oder Pferd als Therapeut: Können Tiere wirklich heilen bzw. die Heilung von psychischen Erkrankungen maßgeblich unterstützen? Zumindest gibt es zahlreiche Erfahrungsberichte und mittlerweile auch Studien, die das nahelegen. Im Englischen spricht man bereits vom „pet effect“. Vor allem bei Depressionen sollen Haustiere hilfreiche und liebevolle Begleiter sein, die den Betroffenen aus der Isolation befreien, ins Tun bringen und mit seinem Herzen verbinden.

Auch ich habe in meiner damaligen Angst- und Panikstörung den “pet effect” (Haustier-Effekt) erfahren, mit einer Katze. Die neuesten Überlegungen und Studien kommen also nicht von ungefähr.

Heilung durch Tiere: Was neueste Studien dazu sagen

Tiere sind gut für die Psyche
Tiere sind gut für die Psyche, nicht nur in Zeiten von Angstzuständen und anderen psychischen Herausforderungen.

Tiere: Ihnen werden nicht nur Qualitäten wie “ein guter Zuhörer” zu sein zugeordnet. Für viele Haustierbesitzer sind sie die besten Freunde und echte Familienmitglieder, die nicht weniger Bedeutung haben als Menschen. Die Wirkung von Tieren auf Menschen mit psychischen Herausforderungen wie Angst und Depressionen rückte unlängst immer stärker in den Fokus der Forschung und Wissenschaft.

Jüngst bestätigen Studien vor allem die heilsame Wirkung von Tieren auf die menschliche Psyche. Sobottka und sein Team im Zentrum für Seelische Gesundheit in Marienheide untersuchten bei depressiven Patienten die Wirkung von hundegestützten Therapien im Vergleich zu herkömmlichen Therapiestunden. Seine Forschungsergebnisse zeigten, dass Therapiehunde die Suizidgefahr deutlich minimierten.

Auch die University of British Columbia nahm sich, wie einige weitere US-Unis, diesem Thema an. Bereits nach der ersten Therapiesitzung mit Hunden berichteten die Studierenden von verringertem Stress, mehr Energie und einem erhöhten Glücksgefühl. Selbst nach mehreren Therapiestunden hielten diese Effekte an.

Ich holte mir eine kleine Katze, gerade einmal vier Wochen alt und – wie sich herausstellte – krank, als ich mitten in meiner Angststörung mit Panikattacken war. Die Kleine half mir nicht nur, mich aus meinen sabotierenden Gedanken rund um die nächste Angst zu holen. Sie brauchte mich und gab mir zugleich unendlich viel Liebe. Vor allem zwang sie mich, rauszugehen, als ich mit ihr zum Tierarzt musste. Aber Tiere halten noch weitere positive Auswirkungen auf die menschliche Psyche bereit:

Tiere und ihre Wirkung auf Angst und die Psyche

die positiven Auswirkungen von Tieren auf die menschliche Psyche
Was Tiere alles Positives für die menschliche Psyche bewirken können, hat die Forschung bislang nur in Bruchstücken zeigen können.

Nach wie vor konnten noch nicht alle direkten Auswirkungen von Tieren auf unsere psychische Gesundheit eingehend von der Forschung geklärt werden. Doch für viele brauchen wir gar keine Studien:

Wer Angst hat und sich Menschen gegenüber nur schwer öffnen kann, dem gelingt das möglicherweise gegenüber einem Tier. Schon leichte Berührungen können eine lange nicht mehr gespürte Erfahrung sein, die Spannungen im Körper abbaut, Stresshormone reduziert und die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin verstärkt. Die Beziehung zwischen dem Tier und dir ist vor allem gut für dein geschwächtes Vertrauen in deinen Körper und Geist, in die Liebe und die Welt, in Menschen und in dich. Denn: Die Fürsorge, die dir ein Tier abverlangt, kann deine Selbstwirksamkeit maßgeblich stärken.

Außerdem: Ein Tier urteilt nicht. Es kennt keine Gerüchte, keine menschlichen Wertmaßstäbe, denen wir uns allzu oft unterwerfen. Es erwartet weder Perfektion noch einen lupenreinen Lebenslauf, kein tolles Aussehen oder lange Gespräche, keine Glanzleistungen usw. Nachdem das erste Vertrauen aufgebaut ist, ermöglichen Tiere einen unbefangenen Körperkontakt. Vor allem Patienten mit Angststörungen können von dieser Vorurteilsfreiheit profitieren.

Hinzu kommt: Ein Tier lebt im Hier und Jetzt und zwingt uns auf sanfte Weise, dasselbe zu tun. Dadurch üben wir uns in Achtsamkeit, die uns von Ängsten vor der Zukunft und den Schatten der Vergangenheit ablenken kann.

Doch nicht nur bei Angst kann ein Tier eine heilsame Wirkung haben: Menschen, die an Depressionen leiden, ziehen sich häufig stark aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Der unkomplizierte, vorurteilsfreie Kontakt zu den Tieren, die bedingungslose Zuneigung zeigen, kann ein erster Schritt sein, um sich auch den Menschen wieder anzunähern. Nicht zuletzt vertreibt ein Haustier die Einsamkeit, denn es ist immer da. Aber auch Gassigänge, Besorgungen oder Tierarztbesuche bieten außerdem Anlass, die eigenen vier Wände zu verlassen und mit Menschen in Kontakt zu treten.

Das eigene Haustier: So heilsam kann es sein

ob Therapietier oder Haustier: Tiere helfen uns von innen heraus zu heilen
Mit dem Haustier gegen den stressigen Alltag und Sorgen im Privatleben, dem geschwächten Selbstwert oder ständigen Zweifeln: Geht das? Ja.

Den eigenen Hund oder die Katze zu versorgen, kann also eine heilsame Erfahrung sein. Auf der einen Seite steht das Gefühl des Gebrauchtwerdens und der Übernahme von Verantwortung. Schnell werden das Füttern der Katze oder der Hundespaziergang zur Routine. Das bringt wertvolle Struktur und Impulse in den Alltag, die Halt geben und für neue Sicherheit sorgen können.

Das Geliebtwerden spielt ebenfalls eine große Rolle. Stark menschenbezogene Tiere wie Hunde fordern den Kontakt aktiv ein. Sie begrüßen „ihren“ Menschen mit einem freudig-aufgeregten Schwanzwedeln. Aber auch schmusebedürftige Katzen brauchen ihre Streicheleinheiten. Wer vorher einsam in der Wohnung saß, bekommt mit dem Haustier einen loyalen Gefährten.

Für Hundeliebhaber: Spaziergänge mit dem eigenen Hund bieten gleich in mehrfacher Hinsicht positive Auswirkungen. Wer sich im Alltag nur zu wenigen Tätigkeiten aufraffen kann, muss spätestens jetzt ins Handeln kommen. Auch gegen den sozialen Rückzug im Rahmen einer Depression oder Angststörung sind Hundespaziergänge ein probates Mittel. Je nach Wohnlage und Uhrzeit begegnet man weiteren Hundebesitzern und nach mehreren Begegnungen entstehen Gespräche und vielleicht sogar neue Bekannte oder gar Freunde. Spaziergänge wirken sich außerdem zu jeder Jahreszeit positiv auf die allgemeine Gesundheit aus. Dazu braucht es zwar streng genommen keinen Hund, aber das Tier sorgt für Regelmäßigkeit in der Bewegung, die dem Körper und Geist guttun. Durch das Tageslicht wird zudem die Vitamin-D-Produktion angekurbelt: Denn ein Mangel an Vitamin D kann nicht nur das Immunsystem schwächen, sondern auch an der Entstehung von Stimmungstiefs, Angstzuständen und Depressionen beteiligt sein.

Ist ein eigenes Haustier nützlich für deine Genesung?

sich ein Haustier zulegen gegen Angst, Einsamkeit und Depressionen?
Tiere heilen uns, aber sie brauchen auch ein stabiles Umfeld und ein Zuhause. Deshalb sollte man sich gut überlegen, ob man das dem Tier bieten kann.

Vor der Anschaffung eines eigenen Tieres sind ein paar Punkte zu bedenken. Denn vor allem bei stärkeren Depressionen oder anderen schweren Krankheiten muss die Versorgung des Haustiers sichergestellt sein.

Je besser das Tier ausgebildet ist, desto höher der Anschaffungspreis. Der liegt für einen fertigen Therapiehund normalerweise im fünfstelligen Bereich. Diese Therapiehunde sind aber vor allem für die tiergestützte Therapie in Institutionen ausgebildet. Ein privates Haustier hingegen ist für deutlich weniger Geld zu haben, sollte aber nachweislich gesund und wesensstark sein und bereits eine gute Grundausbildung genossen haben oder sie gewährleistet bekommen.

Diese Checkliste hilft bei dir der Frage, ob für dich ein eigenes Haustier für die Therapie in Frage kommt oder du gezielt nach tiergestützter Therapie suchen solltest:

  • Ist bereits Erfahrung mit Haustieren und dem Wunschtier (Katze, Hund, usw.) vorhanden?
  • Ist ausreichend Platz für eine Tierhaltung vorhanden?
  • Ist die Tierhaltung in der Wohnung oder im Haus erlaubt?
  • Reichen die finanziellen Mittel aus? Neben der Anschaffung sind auch Kosten für Futter und Tierarzt mit einzurechnen.
  • Kann das Tier langfristig bleiben und hier seinen Lebensplatz finden?
  • Liegt beim Patienten oder den Haushaltsmitgliedern eine Tierhaarallergie vor?
  • Handelt es sich um ein besonders verträgliches und menschenbezogenes Tier? Vorzugsweise mit guter Ausbildung?
  • Ist der Patient psychisch und/oder körperlich stabil genug, um die Versorgung des Tiers zu übernehmen?
  • Welches Tier passt zur Persönlichkeit des Patienten?
  • Gibt es jemanden, der sich im Notfall um die Tierversorgung kümmern kann? Zu bedenken sind auch Urlaube und andere Abwesenheiten.

Auch ohne eigenes Tier möglich: Tiergestützte Therapie

tiergestützte therapie gegen angst, panikattacken und depressionen?
Tiergestützte Therapien: eine sinnvolle Therapieform der Zukunft.

Wenn die Lebensumstände oder die finanzielle Lage keine Tierhaltung erlauben, kommt trotzdem eine tiergestützte Therapie in Frage. Viele Institutionen haben die tiergestützte Therapie schon als festen Bestandteil in ihr Angebot integriert. Ausgebildete Therapiehunde sind beispielsweise in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, aber auch in Seniorenheimen im Einsatz.

Zur Therapiearbeit zählt neben dem körperlichen Kontakt durch Schmuseeinheiten beispielsweise auch die Kommunikation mit dem Tier ausschließlich über Körpersprache ohne weitere Kommandos. Hierdurch erfahren die Patienten viel über ihre Körperwirkung. Denn schon kleine Änderungen verändern den Einfluss auf das Therapietier stark. So hilft es den Tieren vor allem, ihre eigenen Ängste zu überwinden, wenn die Betroffenen sich ihren gestellt haben und so mehr Selbstvertrauen dem Tier gegenüber zeigen. (1)

Je nach Krankheitsbild eignen sich bestimmte Tierarten besonders gut:

Katzen kommen vorzugsweise in Altersheimen und Patienten mit Demenz zum Einsatz. Sie sind vergleichsweise ruhig und haben ihren eigenen Rhythmus, was der oft verringerten Beweglichkeit der Heimbewohner entgegenkommt. Auch senken sie mit ihrem Schnurren den Blutdruck.

Lebhaftere Tiere wie Hunde oder Pferde fordern den Patienten von sich aus und locken ihn aus der Reserve. Daher sind sie die idealen Begleiter bei einer Depression.

Pferde flößen durch ihre Größe zunächst einen gewissen Respekt ein. Ist diese Barriere erst einmal gebrochen, steigt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie sind gutmütige und gelehrige Riesen, manchmal gepaart mit etwas Eigensinn. Der Umgang mit ihnen erfordert einen bewussten Umgang mit Stimme und Körpersprache. Sie besitzen ein feines Gespür für Unsicherheiten und sind in der Lage, ihr Gegenüber zu spiegeln und dadurch unmittelbares Feedback zu geben.

Hunde schaffen die Balance aus hoher Aktivität und viel Feingefühl gegenüber ängstlichen Patienten. Zu den bevorzugten Hunderassen als Therapiehund gehört der Australian Working Kelpie. Diese sensible Rasse gilt als äußerst verträglich und ist sehr menschenbezogen – die ideale Kombination für einen Therapiehund.

Quellen:
Tiergestützte Therapie psychisch Kranker. Doktor Hund heilt Depressionen.
14.08.2012. https://www.focus.de/wissen/natur/hunde/forschung/tid-26526/tiergestuetzte-therapie-bei-depressionen-gesund-mit-hund_aid_781646.html (Zugriff am 23.04.2019)

Feldman, Steven. For Better Mental Health, Experience The Pet Effect. 21.08.2017. https://www.mentalhealthamerica.net/blog/better-mental-health-experience-pet-effect (Zugriff am 23.04.2019)

Die Angst, sich zu bewerben: Wie du den Druck bei Bewerbungen minderst

Die Angst, sich zu bewerben: Wie du den Druck bei Bewerbungen minderst

Nicht nur die Angst vor einem Vorstellungsgespräch belastet viele Menschen. Überhaupt die Angst, sich zu bewerben, löst schon bei vielen Nervosität aus. Und deshalb schreiben viele erst gar keine Bewerbung. Schon im Vorfeld belastet sie die Angst, ihre Stärken, Arbeitserfahrung und Eignung darstellen und beweisen zu müssen. Und nicht wenige fühlen sich im Angesicht ihrer beruflichen Erfahrungen wertlos, ungeeignet und voller Scham über sich selbst.

Was bei der Angst, sich zu bewerben, helfen kann

was unternehmen wirklich denken
Viele geben schon vor der Bewerbung auf, aus Angst, abgelehnt zu werden oder sich beim Schreiben der Bewerbung bereits unzulänglich zu fühlen.

Ich habe lange Jahre in der Erwachsenenbildung gearbeitet, viele Bewerbungen gelesen und Menschen mit der Angst, sich zu bewerben, kennengelernt. Dabei fielen mir immer wieder zwei Aspekte auf:

Viele wissen nicht, dass Unternehmen nicht primär nach 100prozentig passenden Qualifikationen suchen, sondern nach flexibel einsetzbaren, verlässlichen, motivierten und vertrauenswürdigen Mitarbeitern. Dazu gehört Selbstvertrauen in sich und seine Fähigkeiten – selbst dann, wenn man auf dem Prüfstand steht.

Der Druck im Bewerbungsgespräch ist oft nur ein kleiner Vorabtest, der das Verhalten unter Druck zeigen soll. Wer den Druck oder den Prüfstand in Vorstellungsgesprächen nur schwer aushält, der – so der Rückschluss – wäre auch weniger gut im Umgang mit Zeitdruck, Deadlines und Stress. Soft Skills wie Belastbarkeit, Selbstvertrauen und -wirksamkeit sind also mindestens gefragt.

Außerdem: Nur in speziellen Branchen (z. B. IT, Technik, Medizin, Recht) benötigen Bewerber die branchenüblichen Spezialkenntnisse. In allen anderen Branchen, besonders bei Akademikern, lassen sich Arbeitnehmer eher auf sympathische, souveräne und motivierte Mitarbeiter ein als auf höchst qualifizierte, aber charakterlich gesetzte, stolze oder gänzlich unbekümmerte, die nur des Geldes wegen arbeiten gehen. D. h., jemand, der strikt sein Ding macht, sich nicht einsetzt und nicht teamfähig ist, aber ein top Know-how hat, ist oft weniger gern gesehen als jemand, der sich in die bestehenden Unternehmensstrukturen einfügen kann und Unternehmenswerte teilt. Erneut: Die Soft Skills der Mitarbeiter zählen mehr als ihre Hard Skills.

Arbeitnehmer suchen zudem nach verlässlichen und loyalen Mitarbeitern und nein, sie können es sich schon lange nicht mehr leisten, jeden wegzuschicken. (Die meisten Firmen verstehen das nur nicht, weil sie noch immer denken, sie hätten das Zepter in der Hand und könnten wählen. Aber tatsächlich sind es mehr und mehr die Bewerber, die wählen können, wenn sie einen qualifizierten Lebenslauf haben.) In der Tat herrschen fast bei allen Unternehmen Engpässe in der Belegschaft, weil sie keine passenden Mitarbeiter mehr finden.

“Passend” bedeutet aber ein ausgewogenes Verhältnis aus Hard und Soft Skills. Und ja, Unternehmen sind bereit, ihre Anforderungen herunterzuschrauben, wenn die Lücken des Bewerbers leicht und schnell aufholbar sind (z. B. ein bestimmtes Programm lernen oder nicht sattelfest genug sein usw.). Auch wenn eine Berufserfahrung von fünf Jahren in der Stellenausschreibung steht, heißt das nicht, dass ein Bewerber mit zwei Jahren nicht infrage käme. Im Gegenteil: Die meisten Unternehmen sind heute immer weniger bereit, angemessen für die hohe Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu zahlen. Denn oft gilt: Je qualifizierter (und sozial kompetenter), desto weniger braucht der Mitarbeiter das Unternehmen, desto schneller wäre er bei schlechter Behandlung einfach weg.

Wenn also keine essentiellen Kenntnisse für die Stelle fehlen, sollte man sich dennoch bewerben – egal, ob hier oder da ein I-Tüpfelchen fehlt. Dazu kann man selbst durch seine Persönlichkeit, die man in der Bewerbung ideal in Szene setzt, werden und so punkten.

Einige Tipps, um die Angst vor der Bewerbung zu überwinden

tipps um keine angst bei der bewerbung und jobsuche zu haben

Mit der Wahl eines passenden Arbeitgebers ist es genauso wie bei der Partnerwahl: Gibt man sich zu bedürftig und zu klein, hält man wenig auf sich und besitzt keine bis kaum Würde und Respekt gegenüber sich selbst, seinem Wert und seinen Fähigkeiten, läuft man schnell Gefahr, ausgenutzt oder wie ein Fußabtreter behandelt zu werden. Wer seine Angst vor Bewerbungen überwinden möchte, sollte deshalb erst einmal seine Blockaden entfernen: indem man sich dieser bewusst wird. Denn das Ziel ist es, von sich und seiner Eignung authentisch und selbstsicher zu überzeugen. Und dafür muss man von sich und seiner Eignung überzeugt sein. In sich zu ruhen, weil man dem Lauf der Geschehnisse, dem Leben und seiner selbst vertraut, ist unausweichlich.

Stell dir einmal folgende Fragen, um mehr Einblick in deine Angst vor Bewerbungen zu bekommen:

  • Wissen ist Macht. Wie ohnmächtig fühlst du dich, wenn du etwas nicht weißt?
  • Profilierst du dich vielleicht sogar mit dem Wissen, das du hast? Identifizierst du dich damit? Macht es dich in deinen Augen zu einem wertvolleren Menschen? Im Umkehrschluss: Fühlst du dich weniger wertvoll als Mensch und MitarbeiterIn, wenn du in einem Bereich weniger Wissen besitzt als andere oder einzelne Angaben in der Stellenausschreibung nicht auf dein Profil passen?
  • Wenn du dich von deiner besten Seite zeigen sollst, ist es dir dann unangenehm? Hast du das Gefühl, du würdest den Anderen belügen? Denkst du dann, dass all deine Schwächen deine Stärken abwerten würden?
  • Siehst du deine Schwächen als charakterliche Schwäche? Mindern sie in deinen Augen deinen Wert? Bringst du Schwächen mit Ablehnung, Kritik, Streit oder gar Trennung in Verbindung? Ruft das Wort Schwächen Gefühle wie Schuld, Scham oder gar Traurigkeit auf den Plan?
  • Wann würdest du dich gut und wann gut genug fühlen? War Perfektionismus schon Teil deiner Kindheit? Hattest du jemals das Gefühl, dass “immer besser zu werden” dir etwas sichern würde, z. B. Liebe durch deine Eltern oder Anerkennung?
  • Gab es dir eine Aufgabe und ein Ziel, wenn du mit Eigenschaften und Wissen brillieren konntest (getreu dem Motto: Wenn ich x bin bzw. kann, bin ich jemand.)?
  • Im Allgemeinen verleiht der Job eine Aufgabe, der man sich entweder freiwillig und bereitwillig widmet oder die sich aufgezwungen anfühlt. Wie gehst du mit zugeschriebenen Aufgaben um? Stellst du dich den Herausforderungen? Oder tust du am liebsten nur das, was dir wenig Mühe bereitet – weil du hier bereits alles an Wissen und Kompetenzen erworben hast, was du dafür brauchst?
  • Wer bzw. wie wer (, den du kennst) bist du, wenn du Schwächen hast?
  • Ist es ein schlimmes Gefühl, wenn du etwas nicht weißt? Wenn ja, wer fand es schlimm (in deinem bisherigen Leben), wenn du etwas nicht wusstest oder konntest?
  • Wie gehst du mit Ablehnung im Allgemeinen um? Nimmst du sie persönlich, betrachtest du sie als Bestätigung deiner gefühlten Unvollkommenheit, als erneute Aufforderung, noch besser werden zu müssen oder gar als Signal, dass du nie genug sein würdest?
  • Löst der Gedanke “Du reichst (noch) nicht!” eine Blockade in dir aus, die dich sogar gänzlich vom Handeln abhält? Verbirgt sich dahinter der Glaube, du würdest ohnehin abgelehnt werden – ohnehin nicht auserwählt werden, weil es ohnehin immer irgendeinen Menschen geben würde, der besser wäre als du?
  • Wie gehst du mit Makeln um? Strafst du dich (und andere) dafür, versuchst du sie zu verstecken oder zu verdrängen?
  • Wie gehst du mit Fehlern um? Ist es leichter für dich, zu sagen, dass du keine Schuld hast? Liegt dahinter ein angeschlagener Selbstwert, der dich auffordert, dich zu mögen und zu akzeptieren, so, wie du bist?
  • Falls ja: Magst du dich nur dann, wenn dich andere mögen?
  • Jobs geben auch Struktur. Wie gehst du damit um, wenn dir jemand eine Struktur vorgibt? Fühlst du dich eingeengt und fremdgesteuert oder bist du gelassen, weil du hinter der Aufgabe stehst und in ihr einen Sinn siehst, der deinem Leben Fülle verleiht?
  • Apropos Sinn: Wann bzw. wodurch verleiht dir ein Job Sinn? Und wann wäre ein Job sinnentleert?

Nimm dir den Glaubenssatz, der am meisten in dir ausgelöst hat, z. B. Ich reiche sowieso nicht aus. oder Niemand will mich so, wie ich bin. und kehre ihn angemessen und gesund um:

  • Ich reiche aus.
  • So, wie ich bin, bin ich wertvoll.
  • Ich bin genauso wertvoll wie andere.
  • Niemand ist gut oder schlecht, höchstens geeignet oder weniger geeignet für diesen Job.
  • Ein Job sagt nichts über meinen Wert aus.
  • Ich bestimme meinen Wert allein.
  • Was ich von mir denke, ist mir wichtiger.
  • Absagen diktieren nicht meine Zukunft. Mein Selbstvertrauen und das Wissen darum, was ich wert bin, weisen mir meinen Weg.
  • Ich lerne aus jeder Absage wertvolle Impulse für die nächste Bewerbung.
  • Wem ich nicht passe, der passt nicht zu mir.
  • Zusagen sind keine Liebesbeweise. Absagen sind keine Trennungen.
  • Ablehnungen haben mehr mit dem Anderen zu tun als mit mir.
  • Ich bin ein wertvoller, talentierter Mensch.
  • Ich nutze meine Angst und lasse mich von ihr motivieren.
  • Ich mache mir meine Angst zunutze und gebe nicht auf, bis ich einen mir dienlichen Job gefunden habe.

Mut, Vertrauen, Macht über seine Gedanken und Gefühle sind wichtige Hilfsmittel, wie du siehst. Nutze sie bestmöglich für dich. Erinnere dich daran, dass niemand über deinen Wert entscheidet. Übe dich täglich in der Bestätigung deiner selbst, so, wie du bist – besonders im Umgang mit Absagen, die oft in Bewerbungsprozessen unvermeidbar sind. Denke vor allem daran, dass jede Ablehnung mitunter eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann. Sei stolz auf alles, was du kannst und bist. Denn nicht jeder Job, der gut klingt, muss auch gut sein. Auch Personaler verstecken in Ausschreibungen die Schwächen und fehlenden Skills des Unternehmens (bzw. der Menschen, die dort arbeiten).

Kleiner Tipp für Bewerbungen: Hard Skills und Soft Skills

was personaler wirklich interessiert
Entscheidend ist, wie man sich darstellt: am besten ohne Standardsätze, sondern authentisch – auch wenn man selbst weniger von seiner Eignung überzeugt ist. Das Unternehmen kann das anders sehen.

Personalchefs erwarten zwar sogenannte Hard Skills – Muss-Qualifikationen – im Sinne erworbener Fähigkeiten, z. B. Schul- oder Studienabschluss, Zertifikate, Fortbildungen und Sprachfähigkeiten, durch Zeugnisse und Beurteilungen nachweisbar. Am Ende entscheiden aber oft die erwähnten Soft Skills, sogenannte weiche Faktoren. Eben nach diesen werden Bewerbungsunterlagen häufig durchsucht und sortiert.

Unter Soft Skills versteht man Faktoren wie soziale Kompetenzen, eigene Persönlichkeit, Verhaltensweisen und im beruflichen Umfeld eingesetzte Eigenschaften eines Bewerbers. Einige Soft Skills geben Auskunft über die persönliche Reife/Entwicklung eines Bewerbers. Es geht hierbei also nicht um fachliche Qualifikationen. Die Beschäftigungsfähigkeit eines Bewerbers geht oft mit dem Begriff der Schlüsselqualifikation einher – bedeutet, dass ein Jobanwärter Merkmale besitzt, um ihn vielseitig einzusetzen und die Chance auf einen Job zu erhöhen.

Bereitschaft zum Lernen, Kritikfähigkeit, gutes Zeit- und Selbstmanagement sowie Teamfähigkeit sind typische Soft Skills. Ebenso zählen Empathie, Kollegialität, Eigeninitiative, Kreativität, Belastbarkeit, Ziel- und Lösungsorientierung und Verantwortungsbewusstsein dazu. Demzufolge sind diese Talente und sozialen Stärken der jeweiligen Persönlichkeit zuzuschreiben. Der Grundstein dazu wird oftmals während der Kindheit und Jugendzeit gelegt. Fähigkeiten wie Rhetorik und Überzeugungskraft werden dagegen erst während des Berufslebens geschult und entwickelt.

Diese persönlichen Soft Skills sind bei jedem Menschen anders. Sie können in der Bewerbung aber zu einer Vorentscheidung führen, ob du ins Team oder zur Unternehmenskultur passt. Wichtig jedoch ist – während wir alle glauben, alle Soft Skills zu besitzen -, dass du nur diejenigen aufzählst, die du wirklich besitzt UND diejenigen, die wichtig sind für das Jobprofil. So kann Empathie in Führungspositionen zwar hilfreich für ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern sein, aber hinderlich, wenn man Kritik üben oder unternehmerische Interessen durchsetzen muss. Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein kann bei arbeitsreichen Jobs mit hohem Stresspotenzial Gold wert sein, aber in Teamsituationen, wo Zusammenarbeit gefordert ist, mehr als störend wirken.

So mancher Soft Skill kann damit eine schlechte Note, nur bedingt gutes Arbeitszeugnis oder einen fehlenden Abschluss wettmachen. Derjenige wird die Stelle bekommen, der durch seine Persönlichkeit hervorsticht. Gerade in Firmen mit einer hohen Mitarbeiterzahl kommt es darauf an. Denn mit Kollegen/Kunden verbringen wir viel Zeit zusammen, oft mehr als mit der eigenen Familie und nicht selten kennen wir die Belegschaft bzw. Kunden besser als unsere Nachbarn. Doch Kollegen kann man sich nicht aussuchen. Ob Phlegmatiker, Bürokraten, Blender oder Karrieristen – im Büro treffen alle aufeinander. Die große Kunst ist es, damit umgehen zu können und trotzdem man selbst zu bleiben, während man seine bestmöglichste Arbeit leistet.

Studien belegten zudem folgerichtig, dass sich der Erfolg im Beruf aus zehn Prozent Leistung und 90 Prozent Soft Skills im Bereich der Diplomatie (offen für Gespräche, Fairness, Verhandlungsgeschick), Soziologie (sich in ein Umfeld einfügen und sozial verhalten), Psychologie (Selbstvertrauen, sich und andere einschätzen können, Grenzen setzen und wahren, gesunde Verbindungen aufbauen), Publicity (Leistung, Aufmerksamkeit, Lob und Kritik ertragen können) und etwas Travestie (sich zeigen/darstellen, spielerisch agieren) zusammensetzt. Wer allgemeine Soft Skills in seine Bewerbung schreiben möchte, sollte sich also auf diese konzentrieren.

  • Bei welchem dieser Punkte siehst du eine Schwäche?
  • Wo kannst du dich unterstützen und wie?
  • Wer könnte dir dabei helfen?

Stärken und Schwächen vorteilhaft hervorheben – so geht’s

sich in einer bewerbung nicht verstecken sondern gekonnt zeigen

Im Endeffekt sind vorhandene Soft Skills Stärken und nicht erworbene bzw. noch ausbaufähige Skills Schwächen. „Was sind Ihre Schwächen?“ ist eine Frage, die jeder Bewerber kennt und oft auch fürchtet. Denn kaum ein Satz bietet mehr Potential zu massiven Fettnäpfchen, die letzten Endes sogar die Chance, den Job zu bekommen, vernichten können. Viele Bewerber sind daher von vornherein auf diese Frage vorbereitet – mit Standardantworten.

Der Personalchef versucht mit dieser Frage zu klären, ob du kreativ und spontan reagieren kannst und/oder dich auf das Gespräch vorbereitet hast, es ernst nimmst, eigenständig denkst statt Standardantworten abzuspulen. Deine Antwort auf diese Frage sagt viel über deine Ambition aus, deinen Willen und deine Motivation, in dem Unternehmen zu arbeiten. Deshalb werden einige Personalchefs die Frage nach deinen Schwächen tarnen. Zum Beispiel fragen sie stattdessen nach Eigenschaften, die dir von einem ehemaligen Chef oder Kollegen nachgesagt wurden (Was schätzten Ihre Kollegen an Ihnen?) oder die in der Beurteilung standen. Daraus kann man vieles ableiten. Oder die Frage wird selbstkritischer gestellt:

Was würden Sie gern an sich ändern?

Einige Personaler stellen aber auch Skalenfragen wie “Wie schätzen Sie sich (in einer bestimmten Eigenschaft/Kompetenz) auf einer Skala von 1 bis 10 ein?” Dadurch sollen Schwächen identifiziert werden, wobei Werte kleiner als sieben bereits als solche gedeutet werden. Ein Wert von zehn klingt überheblich und deutet auf Egoismus – in kaum einer Branchen eine gern gesehene Eigenschaft. Am besten sind Werte von sieben bis neun. Personaler wissen natürlich, dass jeder Mensch Schwächen hat. Einzuräumen, man wäre perfekt, würde aber überheblich und arrogant klingen. Das wirft kein gutes Licht auf dich.

Folgendes sollte man auf gar keinen Fall sagen:

  • Rudimentäre Eigenschaften/Kompetenzen, die für die Stelle wichtig sind, nicht zu besitzen: Eine Krankenschwester muss belastbar und menschenfreundlich sein, ein Dozent muss Spaß am Lehren und Interesse an Pädagogik haben, Menschen, die in Büros arbeiten, müssen PCs mögen und Sitzen ertragen usw.
  • Niemals sagen: “Ich arbeite im jetzigen Job zu viel!” oder “Alle anderen im aktuellen Job können nichts. Alles muss ich allein machen!”. Im ersten Moment klingen diese Aussage sehr verständlich, doch auf den zweiten Blick offenbaren sie, dass der Bewerber zumindest mit seinem Zeitmanagement schwer klarkommt – und offensichtlich auch wenig umgänglich ist.
  • Standardaussagen wie “Ich kann alles!” verstehen Personaler als Vertuschung von Makeln, deuten es als Zeichen für Arroganz und daraus ableitend für nicht vorhandene Teamfähigkeit.
  • Es sollten auch nicht alle Schwächen wie bei einem Gedicht auswendig gelernt aufgesagt werden. Ein bis zwei Schwächen, nebenbei erwähnt, reichen vollkommen aus. Eine wirkliche Schwäche kann durch Wörter wie “gelegentlich”, “stellenweise”, “hin und wieder” oder “manchmal” geschmälert werden. Es ist übrigens ein gutes Zeichen zu sagen, dass man von seiner Schwäche weiß und an dieser arbeitet. (Aber Achtung: Viele Personaler fragen hier gern, wie man an ihr arbeitet. Hier sollte man eine pfiffige Antwort parat haben wie z. B. mit einem Coach, einer Freundin, Standardwerken zu diesem Thema, die man jedoch mit Titel benennen können sollte!)
  • Die beste Strategie ist es, die Schwächen bewusst zu dosieren und nicht zu übertreiben.

Wurden beim Vorstellungsgespräch die Schwächen abgefragt, kann es mit den Stärken weitergehen. Vielen Bewerbern fällt es leichter, über Stärken als über Schwächen zu sprechen. Doch wer Angst hat, sich zu bewerben, tut sich besonders mit seinen Stärken schwer – oft auch, weil er meint, keine nennenswerten zu haben. Doch Stärken sollten im Anschreiben und Bewerbungsgespräch hervorgehoben werden.

Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift.

  • Hebe dich nicht selbst in den Himmel. Man sollte authentisch bleiben. Hebe einige markante Stärken hervor, die für den neuen Job wichtig sind.
  • Stärken können mit Beispielen belegt werden. Es klingt einfach, Schlagworte aufzuzählen wie: innovativ, belastbar, lernfähig oder teamfähig. Doch so einfach ist es nicht. Die Stärken sollten an konkreten Beispielen festgemacht werden z. B. aus einem vorherigen Job bzw. Projekten, an denen du gearbeitet hast, wo du eben diese Stärke einsetzen konntest.
  • Nicht an Situationen gebundene Aussagen wiederum zeichnen deine Persönlichkeit “im Allgemeinen” aus. Das kann auch so benannt werden: “grundsätzlich”, “im Allgemeinen”, “von Natur aus” bin ich …. XYZ.

Andere Wege, seine Stärken auszudrücken, sind:

  1. “Ich komme mit Stress und Zeitdruck gut zurecht. Wenn Deadlines für Aufträge näherrücken, kann ich dennoch Ruhe bewahren und konzentriert arbeiten.”
  2. “Ich stehe neuen Themengebieten und Aufgabenbereichen positiv gegenüber und kann mich gedanklich schnell in ein neues Thema hineinversetzen. Deshalb liegt mir die Arbeit im Bereich X auch so sehr am Herzen. Es stillt meine Freude am Lernen.”
  3. “Meine Kreativität kam mir oft zugute. Ich konnte sie in der Vergangenheit besonders nutzen, um Herausforderungen in Projekten angemessen und ruhig zu begegnen.”
  4. “Wenn ich mir ein Ziel setze, verpflichte ich mich diesem. Meine Zielstrebigkeit hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen.”
sei stolz auf das, was du kannst
Zeige lieber, wer du bist, und atme dich durch die Angst vor einer Ablehnung, statt dich zu verstellen oder hinter Standardsätzen zu verstecken. Diese funktionieren ohnehin nur selten.

Alles sollte schlussendlich natürlich – authentisch klingen statt aufgesetzt und abgeschrieben. Nur Bewerbungen, die die Persönlichkeit des Bewerbers durchblicken lassen, werden in Erinnerung bleiben und zu Vorstellungsgesprächen führen. Wer wie ein Bewerbungsratgeber ausschließlich Standardsätze aneinanderreiht, wird eher mit Absagen rechnen können. Denn hier kommt nur mangelnde Motivation aka Desinteresse und Fließband-Bewerbungs-Mentalität rüber. Vor allem zeigen sie deutlich, dass der Bewerber nur diesen Job will, weil er EINEN Job will. Möge das auch stimmen – wenigstens aus finanzieller Sicht -, so sollte man dennoch klar ausdrücken, dass man die Stelle will, weil man sich für diese eine Stelle eignet – und wieso.

Bei anhaltender Angst: Erinnere dich an deine WÜRDE

Wie schon erwähnt: Jobwahl und Partnerwahl haben einiges gemeinsam. Stell dir vor, jemand würde sich bei dir als PartnerIn bewerben – nicht wegen dir, sondern einfach nur, weil er IRGENDWEN will, der ihn/sie will, der sich kaum Mühe gibt, dich kennenzulernen oder sich zu zeigen. Sehr wahrscheinlich würdest du dir sehr verschaukelt vorkommen oder dich zumindest wundern. Vielleicht hilft es, dir den Bewerbungsprozess wie ein Date vorzustellen?

Ein Ereignis und doch Prozess, der Spaß machen darf statt Frust verursacht. Immerhin bist du auf der Suche nach einer Aufgabe in einem Unternehmen, der du dich viele Stunden deines Lebens widmen wirst. Aber so wie auch Partner unsere Schwächen akzeptieren und oftmals sogar auffangen bzw. ausgleichen, so sind auch Unternehmen aka Personaler nur Menschen, die nach jemandem suchen, mit dem die Erledigung der Aufgabe langfristig funktionieren wird/kann. Nur selten verhalten sich nicht wie Monster, Könige oder Königinnen und behandeln dich wie einen Untertan. Und die Personaler – jene, die ich schon oben beschrieb -, die dir das Gefühl der Unterlegenheit durch Arroganz und Uneinsichtigkeit vermitteln, sind Menschen, die dir zeigen, was das Unternehmen an Werten abverlangen wird. Ordentliche Personaler verhalten sich anders: nämlich “ordentlich” im moralischen Sinne, klar, strukturiert, offen, menschlich, fair und ehrlich. Ein Bewerbungsprozess kann deshalb immer würdevoll sein und bleiben – trotz Angst-, selbst dann, wenn man letzten Endes eine Absage erhält oder aber freiwillig erteilt.

Vorzeitige Berufsunfähigkeit: Absicherung bei psychischen Erkrankungen

Vorzeitige Berufsunfähigkeit: Absicherung bei psychischen Erkrankungen

Viele Berufstätige erkranken im Laufe ihres Lebens an einer psychischen Krankheit. Bei manchen Arbeitnehmern ist das seelisch bedingte Leiden so ausgeprägt, dass die Ausübung des erlernten Berufs nicht mehr möglich ist. Vorzeitige Berufsunfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung wird damit ein immer wichtigeres Thema, denn aktuell trifft es bereits ganze 31 Prozent aller Berufsunfähigen – der höchste Wert. Doch noch immer benachteiligen Versicherungen Betroffene aufgrund einer Vorerkrankung bereits beim Anschluss einer BU.

Vorzeitige Berufsunfähigkeit: Mobbing und Ausgrenzung im Job häufige Ursache

Zu schweren psychischen Störungen kommt es nach traumatischen Erlebnissen, bei Unfällen oder persönlichen Krisen, die im Extremfall zu einer vorzeitigen Berufsunfähigkeit führen können. Denn Dauerstress, Überlastungen durch Job und Privatleben gipfeln häufig in Depressionen und/oder Angst- und Panikerkrankungen. Nicht selten werden Menschen, die unter psychischen Belastungen leiden, zu Opfern von Vorurteilen und riskieren, am Arbeitsplatz ausgegrenzt zu werden.

Seelische Krankheiten beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern mindern die Fähigkeit der sozialen Interaktion mit anderen Menschen. Zu den psychischen Krankheiten, die am häufigsten zur Berufsunfähigkeit führen, gehören Depressionen, Angststörungen, Bipolare Störungen, Schizophrenie und Suchtstörungen. Dabei jedem dritten Leistungsfall ist eine schwere psychische Störung ursächlich für die vorzeitige Berufsunfähigkeit. Hoher Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit und Einsatzbereitschaft, Überforderung und Stress begünstigen seelische Krankheiten.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen von Arbeitgebern an die psychische Belastbarkeit ihrer Mitarbeiter. Und Krankheit wird zunehmend als Schwäche betrachtet. Da bei häufigen Krankmeldungen Kündigungen drohen, verzichten zahlreiche Arbeitnehmer auf die vom Arzt verordnete Ruhepause. Ständige Überarbeitung begünstigt wiederum psychische Störungen wie Burnout und Depressionen. Ausgrenzung und Mobbing sind weitere Gründe, die viele Angestellte verzweifeln lassen und das Risiko für psychische Krankheiten erhöhen. Die meisten Betroffenen erhalten keine oder zu wenig professionelle Hilfe, sodass es zu ernsthaften psychischen Erkrankungen einschließlich Berufsunfähigkeit kommt.

Wenn es zur vorzeitigen Berufsunfähigkeit kommt: Absicherung durch eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung

wenn im Beruf zu arbeiten und zu leisten angst macht

Seelische Erkrankungen können jeden Arbeitnehmer unabhängig vom Alter, Beruf und Lebenssituation treffen und zu Krankschreibungen und Frühberentung führen. Berufstätige, die infolgedessen ihren Beruf für mindestens sechs Monate nicht oder nur eingeschränkt ausüben können, sind gemäß §172 Versicherungsvertragsgesetz berufsunfähig.

Nachdem die Berufsunfähigkeit durch medizinische Untersuchungen festgestellt und vom Arzt bestätigt wurde, können Versicherte eine Berufsunfähigkeitsrente beantragen. Die staatlich zugesicherte BU-Rente reicht in der Regel jedoch nicht oder nur für die Deckung der Lebenshaltungskosten aus.

Eine zusätzliche private Vorsorge mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist deshalb sehr empfehlenswert. Vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitspolice sollte man jedoch verschiedene Tarife vergleichen, am besten auf einem unabhängigen Vergleichsportal für BU Versicherungen. Da Menschen mit einer psychischen Vorerkrankung oft benachteiligt werden, sollten bei einem Versicherungsvergleich unterschiedliche Versicherungsmodelle hinsichtlich Bestimmungen, Leistungsanspruch und Versicherungsleistungen verglichen werden.

Berufsunfähig durch Depressionen, Angst- und Panikzustände: Worauf man achten sollte

Psychische Krankheiten wie Depressionen stellen ernste Erkrankungen dar, können als Vorerkrankungen aber ein Hindernis für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sein. Für die meisten Versicherer zählen Menschen mit psychischen Krankheiten zu den Risikogruppen.

Deshalb sollte bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung besonders auf die Ausschlusskriterien geachtet werden, da einige Versicherer Berufstätige mit psychischen Vorerkrankungen von der Aufnahme in die Versicherung ausschließen. Diese Versicherungsgesellschaften begründen den Ausschluss mit dem hohen Risiko für den Versicherer, da seelische Krankheiten den größten Anteil der Berufsunfähigkeiterenten ausmachen. Wer bereits an einer psychischen Erkrankung leidet, sollte sich deshalb genau über die Aufnahmebedingungen, Voraussetzungen und Grundlagen einer Berufsunfähigkeitsversicherung informieren.

Bei manchen Versicherungsgesellschaften ist der Abschluss einer BU-Versicherung unter diesen Umständen mit einem Risikozuschlag verbunden. Falls ein Leistungsausschluss für psychische Erkrankungen besteht, kann sich der Antragsteller zwar versichern. Sollte es jedoch zur Berufsunfähigkeit aufgrund einer seelischen Krankheit kommen, ist die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente durch den Versicherer ausgeschlossen. Experten empfehlen, in diesem Fall nach einer Versicherung zu suchen, die den Berufstätigen mit einem angemessenen Risikozuschlag aufnimmt.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Steffi Schmidt.