Eure Frage: Wie schaffe ich den Schritt in die Therapie? – besonders wenn du Ärzten misstraust oder Angst vor den Reaktionen anderer hast

Eure Frage: Wie schaffe ich den Schritt in die Therapie? – besonders wenn du Ärzten misstraust oder Angst vor den Reaktionen anderer hast

Zu wissen, dass etwas nicht stimmt und man Hilfe benötigt, kann Angst machen. Doch nicht nur das: Vielen jagt es eine noch größere Angst ein, sich einen Therapeuten zu suchen und einem fremden Menschen erklären zu müssen, wie es einem psychisch geht: Wie wird derjenige reagieren? Wird er mich belächeln? Mache ich etwas falsch? Worauf muss ich überhaupt achten, wenn ich einen Psychologen suche? Auch die empathielosen Reaktionen des sozialen Umfelds halten viele von einer Therapie ab. Nicht nur outet man sich als “psychisch krank”. Man schämt sich für seine Herausforderungen und Symptome, glaubt vielleicht sogar, man müsste es allein bewältigen. Tun man das nicht, kommt man sich unfähig und schwach vor. Es ist sowohl für Männer als auch Frauen schwer, endgültig den Schritt in die Therapie zu wagen. Möge dir dieser Beitrag helfen.

Muss ich in Therapie gehen?

muss ich in therapie?

Du musst gar nichts, doch es hat gehörige Nachteile, wenn du dich für eine Therapie entscheidest:

Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Symptome schlechter als besser werden, ist größer als umgekehrt. Die Wahrscheinlichkeit, dass du morgen ohne Hilfe noch weniger Kraft hast, ist hingegen groß. Vermeidungsverhalten merkt sich das Hirn leicht, positive Veränderungen werden schwerer. Je mehr Stresshormone du in deinem Körper hast, z. B. durch

  • Schuldgefühle, weil du es allein nicht schaffst oder Hilfe brauchst
  • Angst und Traurigkeit über die Situation
  • Wut, weil es dich getroffen hat bzw. du keine Lösung findest

desto weniger Ressourcen hat deine Psyche, es zu überwinden.

Einzige Ausnahme könnte sein: Du nutzt deine Wut als Katalysator oder suchst dir eine größere Angst, um Wege zu finden, z. B. die Angst, dass es ewig so bleiben könnte. >> Leseempfehlung zur Methode “Die größere Angst”

2) Angenommen, deine Psyche erkennt die Störung als einen guten Weg, damit du

  • dich mehr um dich kümmerst
  • mehr den Fokus auf dich legst (statt auf andere)
  • deine Herausforderungen angehst statt “über” sie hinweglebst
  • dich von “Störenden”/Störendem in deinem Leben trennst
  • dich selbstwirksam und erwachsen fühlst, unabhängig und frei:

Diese Ziele sind besser in einer Therapie umsetzbar. Man kann dort selbst eine Scheiß-egal-Einstellung lernen, wenn es das ist, was man braucht. Oft ist eine Störung eine gut gemeinte, wenn auch scheinbar sinnfreie Art und Weise deiner Psyche, dir zu sagen: So, jetzt lass uns mal Butter bei de Fische mach’n, ja? So geht das nicht weiter. Das ist nicht gesund für dich. Man kann in Therapien Methoden lernen für das, was man braucht – ohne störende Symptome. Und das ist der Sinn. Der Sinn ist nicht, ein Vermeidungsverhalten einzustudieren oder um psychische Symptome herumzuleben.

Exkurs – Krankheitswert einer psychischen “Störung”

Stress und Auswirkungen

(Ein Begriff der Psychologie und bittere Pille für alle Betroffene – auch für mich, als ich noch Agoraphobie mit Panikattacken hatte.)

Eine Störung erlaubt oft, etwas nicht zu müssen/können/dürfen, solange man sie hat. Dieser Nutzen hält dich in Angst, Depression, Ess-, Zwangsstörung usw. gefangen. Die psychische Belastung hat aber maßgebend Einschränkungen für DEIN Leben. Sie könnte dich von der Außenwelt abschneiden (Agoraphobie, Panikstörung), dir das Gefühl der Unfähigkeit/Unwirksamkeit/Wertlosigkeit (Depression) geben oder dass du nur da wärst, um für andere da zu sein (emotionale Erschöpfung), es aber nie um dich gehen dürfe, du schlank sein müsstest (Essstörung), um geliebt zu werden, du nichts im Griff und unter Kontrolle hättest, dir nichts zutrauen dürftest usw. Leider liegt hier oft die Krux: Statt etwas „einfach so“ zu machen und zu sein, was Kritik, Ablehnung, Angst, Wut, Scham, Schuld, Traurigkeit usw. auslösen könnte, umgehen wir das gesunde Verhalten zu oft – ein bisschen wie die Grippe, die uns flachlegt, wenn man zu viel gearbeitet hat.

Natürlich willst du diese Symptome nicht, die Störung nicht, die Einschränkungen. Das glaube ich dir, mir ging es genauso. So ging es uns allen. Das erlöste uns nicht davon, genauer hinzusehen: den Nutzen, sog. Krankheitswert, anzusehen. Es ist ein komplexes Thema. Hier das Wichtige: Deine Psyche könnte X als “wertvoll” erachten, weil du dann

– in einer Beziehung bleiben könntest, die schon länger unbefriedigend, emotional/physisch gewalttätig oder auslaugend ist

– du keine Konflikte/Auseinandersetzungen ertragen müsstest

– du dich nicht schlecht, schuldig oder beschämt fühlen würdest

– du deine Bedürfnisse nicht priorisieren müsstest (Kritik & Beschuldigungen blieben aus)

– du vieles unter Kontrolle behalten könntest, einschl. Harmonie

– sich wenig oder Schlechtes besser anfühlt als gar nichts

– du dir etwas bewahren kannst (Status, Anerkennung, Aufmerksamkeit

oder Ansehen/Reputation, Liebe, Zugehörigkeit)

– du so nichts falsch machen würdest in den Augen anderer

– dir niemand zu nahekommen würde bzw. sich distanzieren würde (du dich nicht mit deiner Angst vor Trennung auseinandersetzen müsstest, nicht allein sein müsstest – oder die Angst, es zu sein, nicht aushalten müsstest)

Jede/r hat seine eigenen Dynamiken. Sie beruhen entweder auf dem Ego (Ego hat jede/r, kein Grund zur Besorgnis!) oder etwas “Falschem”, was wir als “richtig” gelernt haben/uns so beigebracht wurde. In vieler Hinsicht basiert der Nutzen auf Erfahrungen während der Kindheit (Wenn du so und so bist, wirst du geliebt.) oder Beziehungserfahrungen im späterem Leben (So und so erhalte/bewahre ich mir Zugehörigkeit und Aufmerksamkeit, Anerkennung usw.).

Die Suche nach dem richtigen Therapeuten: So findest du ihn und das kannst du beachten

wenn die therapie scheitert und versagt und nicht funktioniert

Du hast Angst vor Therapeuten – oder Ärzten im Allgemeinen -, fürchtest, dass sie dich nicht verstehen oder ernst nehmen oder belächeln würden, dir das Gefühl geben könnten, mit dir würde etwas nicht stimmen? Du willst diese Art der Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht? Du weißt nicht, was du sagen sollst, wo du suchen sollst?

Eine wie auch immer geartete Störung bedeutet Verantwortung – sei es, dass du sie endlich übernehmen sollst (Selbstverantwortung) oder du Verantwortung endlich abgeben lernen sollst (Hilfe annehmen, dir die richtigen Personen für dein Leben suchen usw.) Das gilt besonders bei der Wahl deiner Ärzte/Therapeuten: Betrachte sie wie eine neue Wohnung oder ein neues Auto, das du dir ansiehst. Wenn es dir nicht gefällt, würdest du es nicht nehmen.

Schritt 1. Rufe dir im Internet eine Therapeuten-Datenbank auf oder gehe zu deinem Allgemeinmediziner und lass dir eine Überweisung geben. Besprich entweder mit deinem Hausarzt, was du glaubst zu haben/immer noch hast, oder frage bei einem Therapeuten nach verfügbaren Kapazitäten an (hier oft Anrufbeantworter -> Nachricht hinterlassen & um Rückruf bitten!).

Schritt 2. Kommuniziere so klar und kurz wie möglich, wenn du deine aktuelle Herausforderung beschreibst:

(Was?) Ich befürchte, dass ich … (eine Panik-, Ess-, Zwangsstörung, Depression usw.) entwickelt habe.

(Wieso?) Ich habe Panikattacken, erbreche absichtlich, kontrolliere alles dreifach, bevor ich das Haus verlasse, bin oft ausgelaugt und fühle mich zu schwach für einfache Erledigungen usw.

(Seit wann?) Ich habe das seit … (Zeitraum, Häufigkeit)

Schritt 3. Such dir einen Arzt/Therapeuten, der dich als Mensch wahrnimmt. Gib darin nicht auf, trotz schlimmer Erfahrungen. (Ich hatte Dutzende, aber habe doch Ärzte gefunden, die zu mir passen.)

Gute versus schlechte Therapeuten/Ärzte

gute und schlechte ärzte und therapeuten

Meine Mutter (Krankenschwester) hat früher zu mir als Jugendliche immer gesagt: Du darfst alles werden, Netti, aber du machst nichts im medizinischen Bereich, klar? Sie weiß um die negativen Seiten. Das trifft den Nerv vieler, die schlechte Erfahrungen mit Ärzten aller Art gemacht haben. Einige sind unfreundlich, kurz angebunden, übergriffig, respektlos, besserwisserisch bei deinem Körper, ignorant, weigern sich, zuzuhören oder deine individuellen Anliegen/Herausforderungen bei einer Therapie zu berücksichtigen. Das finden wir bei Architekten, Lehrern, Buchhaltern, Büroangestellten usw. auch. Ärzte/Therapeuten sind leider auch nur Menschen, die Probleme bzw. einen schlechten Tag haben oder “keinen Bock mehr” – so, wie wir alle dann und wann. Das soll weder Fehlverhalten gutheißen noch rechtfertigen.

Klare und kurze Kommunikation kann auch hier helfen:

– “Ich glaube, wir missverstehen uns. Ich suche nach einem Arzt, der …”

– “Ich möchte eine Therapie ohne …”

– “Ich glaube eine andere Therapie wäre optimaler für mich.”

– “Ich glaube, ich bin bei Ihnen nicht gut aufgehoben. Ich werde mich nach einem anderen Arzt umsehen.”

Nur zu oft halten wir den Mund, weil wir Ärzte als überhohe Respektpersonen sehen, nicht als Menschen. Ich habe mir das bei meiner Arztsuche abgewöhnt, weil mir nichts anderes mehr blieb.

In unserer heutigen Zeit nehmen viele Ärzte, um dem Ansturm an Patienten Herr zu werden, die erstbeste, am häufigsten auftretende Ursache einer Krankheit – und die eine Therapie, die im Schnitt den meisten hilft (nach ihrer Erfahrung). Viele sind (so meine Mutter) aber genervt wegen “Simulanten”, die nur eine Krankschreibung wollen, echten und unechten Hypochondern (Personen, die eine existente Hypochondrie haben versus solche, die primär Aufmerksamkeit wollen, aber keine Symptome haben.) Viele Ärzte würden sich nicht trauen, das anzusprechen). Empathie, das Vermögen, quer zu denken sowie das große Ganze zu sehen, sei eine Frage der Zeit und Mittel. Zudem gebe es Ärzte, die primär symptomorientiert arbeiten (Ah, Grippe! Hier, ein Medikament.) versus ganzheitlich.

Vom “Engel in weiß”-Mythos müssen wir uns verabschieden. Wir sind alle nur Menschen. Finde deshalb lieber den richtigen Menschen (auch wenn es nervt), statt einen Arzt, der … Es ist wie mit der Partnersuche: Nicht gleich der/die Erstbeste ist geeignet. Manchmal lohnt sich das Warten. Oft lohnt sich vor allem ein klares, direktes Gespräch, in dem du deine Grenzen kommunizierst, bzw. die Frage, ob ihr zwei gut zusammenpasst. Besonders bei Therapeuten kann man zumindest davon ausgehen, dass sie Psychologie studiert haben, weil sie Personen wie dir helfen woll(t)en. Solltest du dennoch auf jemanden treffen, der dich belächelt oder nicht ernst nimmt, kommuniziere es, berate dich mit deiner Krankenkasse und/oder suche dir ggf. auf Selbstzahlerbasis jemand anderes, bis du einen neuen gefunden hast. Finde dich aber nie mit dem Zweitbesten ab. Gib nicht auf. Such weiter nach Lösungen und Menschen für deine Heilung.

Was werden die anderen denken und sagen?

was werden meine freunde und familie sagen

Machst du dir Sorgen, was Freunde, Familienmitglieder und/oder Kollegen denken, wenn sie erfahren, dass du in Therapie bist? Viele nehmen es sehr viel positiver auf, als man geglaubt hätte. Die Gefahr, dass es anders kommt, bleibt jedoch bestehen und ist immer gegeben. Hier meine Tipps:

1.) Verschweige es gegenüber für dich kritischen Personen und vertraue dich nur solchen an, von denen du Verständnis bekämst.

2.) Kommuniziere klar und deutlich, dass XYZ dich einschränkt und du es als deine Aufgabe empfindest, es aus dem Weg zu räumen.

3.) Wenn jemand meint, du müsstest das allein bewältigen können oder dich bewertet, weil du es nicht allein schaffst bzw. Krankheit XYZ überhaupt hast: Jemandem, der das noch nicht erlebt hat, steht keine Meinung dazu zu. Das kann man auch so sagen. Wer nicht weiß, wovon er spricht, sollte gar nicht erst sprechen.

4.) Distanziere dich von verständnislosen Menschen aus genau diesem Grund: Solange du kein Verständnis zeigst, möchte keinen Kontakt.

Dieser Beitrag entstand aus der “Du fragst – ich antworte”-Rubrik. Du hast auch eine Frage und glaubst, ich könnte dir helfen? Dann sende mich deine Frage (per E-Mail, via Instagram oder Facebook – Links siehe Menü) und ich werde mich ihr alsbald annehmen. Die Antworten erscheinen auf allen sozialen Medien und hier im Blog. Trau dich!

Welche Beziehungsstile gibt es und wie formen sie Bindungs- und Beziehungsangst?

Welche Beziehungsstile gibt es und wie formen sie Bindungs- und Beziehungsangst?

„Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen“, sagte einst Anatole France.

Sigmund Freud war es, der feststellte, dass ein Jeder in seinen Bindungen Erlebnisse seiner Vergangenheit wiederholt. So entwickelte sich die Bindungstheorie, die auf Beobachtungen von Kleinkindern beruhen: wie sich ein Kind entwickelt und was geschehen muss, damit es keine Sicherheit in sich und andere Menschen oder Prozesse, um diese Sicherheit herzustellen, ausbildet. Man geht davon aus, dass Beziehungsangst auf der Basis des Bindungsstils in einem sehr frühen Alter geprägt wird. Er kann sich durchaus im Erwachsenenalter ändern, aber das bedarf einer gewissen Reflexion, Arbeit und Wille. Der Bindungsstil zeigt vor allem, wie ein Mensch bei Nähe und Distanz agiert, ob er gut mit anderen auskommt, wie er sie behandelt, ob er eifersüchtig und neidisch oder aber ein Teamplayer ist.

Die vier Bindungsstile und was sie über dich oder deinen Partner und seine Angst verraten (und wie seine Angst entstand)

Viele Menschen, die entweder selbst bindungsängstlich sind oder aber einen Partner/eine Partnerin mit Beziehungsängsten haben, fragen sich, wie diese Ängste entstanden und was genau dahintersteckt. Sie verhalten sich entweder emotional nicht verfügbar, bevorzugen freie, offene oder nicht verbindliche Beziehungen oder sind gefangen in On-Off-Beziehungen. Viele aber wagen es auch gar nicht, eine tiefere Beziehung einzugehen – von Partnerschaft ist nicht zu reden. Allein der Gedanke an Verbindlichkeiten auf emotionaler Ebene lässt sie erschaudern.

Im Folgenden erfährst du die vier Bindungsstile und was sie genau bedeuten.

Diese vier Bindungsstile gibt es – und drei davon bilden Angst gegenüber Beziehungen und Liebe:

  • den sicheren Stil
  • den ängstlich-ambivalenten Stil
  • den gleichgültig-vermeidenden Stil
  • den ängstlich-vermeidenden Stil

Sokol und Carter machen in ihrem empfehlenswerten Buch “die 50 Prozent aller Menschen, die bindungsangstfrei sind und auf bindungsängstliche treffen”, an diesen Bindungsstilen fest:

Der sichere Bindungsstil

50 Prozent aller Menschen wird ein sicherer Bindungsstil nachgesagt. Es verbleiben somit 50 Prozent, die keinen sicheren Umgang mit Bindungen erlernt haben und potenziell auf bindungssichere Menschen treffen könnten. Menschen mit einem sicheren Stil haben weder große Ängste, dass sie verlassen werden könnten, noch haben sie Befürchtungen bei und wegen Liebesgefühlen. Sie besitzen grundsätzlich ein gutes Gefühl sich selbst gegenüber und haben Selbstbewusstsein. Sie wissen sich abzugrenzen, weil sie feste Grenzen gesetzt haben und sich trauen, diese notfalls zu verteidigen. Sie können lieben und sich lieben lassen.

Der ängstlich-ambivalente Stil

Zehn Prozent der Weltbevölkerung hätten einen ängstlich-ambivalenten Bindungsstil entwickelt. [i] Sie fürchten am meisten die Ablehnung. Obwohl sie sich eine enge Liebesbeziehung wünschen, haben sie von ihren Bezugspersonen gelernt, dass nur deren Bedürfnisse zählen. Auch emotionale Abhängigkeiten, die diese Personen aufrechterhalten wollten, stießen oft auf den Wunsch, ein eigenes Ich auszuprägen, was aber wegen der Wichtigkeit fremder Bedürfnisse untersagt worden war. Es herrschte sicher eine starke emotionale Unbeständigkeit gepaart mit Abwesenheiten oder Nichtverfügbarkeiten. Vielleicht waren die Personen zu sehr mit sich und dem eigenen Leben beschäftigt, häufig nicht von Zuhause oder abwechselnd gefühlvoll und gefühllos. Menschen mit diesem Bindungsstil lernten Bindungen als unsicher kennen. Sie hatten Mühe, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu bekommen, was sich auch im Erwachsenenleben wiederspiegelt. Sie versuchen vielleicht durch Besonderheiten/ Auffälligkeiten im Aussehen oder ihren Eigenschaften Zuwendung von einer Person zu ergattern. Sie beweisen sich durch Leistung im Beruf oder durch Geld. Doch da sie Berg- und Talfahrten hinsichtlich Aufmerksamkeit gewöhnt sind, glauben sie nicht an anhaltende Liebe. Sie haben ihren eigenen Wert in ganzer Größe und Liebenswürdigkeit (noch) nicht entdeckt und wissen sich nur selten zu schätzen. Sie verrennen sich leicht in Beziehungen, in denen sie sich und ihren Wert beweisen und stets untermauern müssen. Es kommt ihnen unglaubwürdig vor, wenn sie einmal nichts leisten müssen, sondern wegen sich selbst geliebt werden – einfach so.

Der gleichgültig-vermeidende Bindungsstil

Der gleichgültig-vermeidende Bindungsstil soll auf 25 Prozent der Bevölkerung zutreffen. Sie haben Angst vor Nähe und viele Ausreden, wieso sie keine bräuchten und wieso auch emotionale Unterstützung und Halt für sie unwichtig sei. Ihnen ist es lieber, sich einzureden, dass sie niemanden bräuchten, sondern viel zu sehr mit ihrem Leben beschäftigt seien. Sie können besonders Menschen, die durchaus Bedürfnisse haben, schwer ertragen. Denn Bedürfnisse zu haben, wirkt in ihren Augen schwach und hinderlich. So sehen sie auch die Menschen. Nur wenn man einen Nutzen für gleichgültig-vermeidende Menschen hat, sind Bedürfnisse in Ordnung, insofern es die des Gleichgültig-vermeidenden sind. Ihnen wurden wahrscheinlich Gefühle und körperliche Nähe in ihrer Kindheit verweigert und – weil man sie nicht „braucht“ – abgesprochen. Häufig sollen Jungen betroffen sein, die nicht weinen dürfen, sondern hart sein müssen, sich durchbeißen und große Leistungen erbringen müssen, um das Idealbild eines „echten Mannes“ zu erfüllen. Hier wären auch ungesund narzisstische Menschen und Recycler anzusiedeln. [ii] Einige von ihnen zeigen deshalb keinerlei Reaktionen auf Gefühle und Empathie, sozialen und emotionalen Stress; andere wiederum erleben heftige psychosomatische Beschwerden. Als würde ihr  Herz/Geist die Verantwortung auf die körperliche Ebene weiterreichen, zeigen sie Symptome [iii] wie Hautreizungen, Nahrungsunverträglichkeiten oder Panikattacken. So verteidigt sich ein Teil von ihnen gegen jedes Gefühl und Bedürfnis, das früher unbeantwortet blieb – was sie nicht haben „sollten“ und heute deshalb besser nicht haben wollen. Sie wehren auch deine Gefühle nur aus Schutz ab.

Der ängstlich-vermeidende Bindungsstil

Der letzte Bindungsstil wird ängstlich-vermeidend genannt und beträfe 15 Prozent [iv] der Bevölkerung. Diese sind angepasst, distanziert, fühlen sich verloren, wirken perfekt und brav, haben große Angst vor Nähe und dem Verlassenwerden, sind sehr misstrauisch gegenüber anderen Menschen und vor allem gegenüber ihren eigenen Liebesgefühlen. Sie haben Schwierigkeiten, positive Gefühle zu entwickeln aufrechtzuerhalten. Sie geben sich zuerst die Schuld daran. Sie fühlen sich im Prinzip als schlecht, aber erhoffen doch, dass sie jemandem genug gefallen werden, auch wenn sie den Rückzug derer fürchten. Sie sind manchmal zorniger Natur, wenn sie enttäuscht werden (und wenn es um Personen geht, die sie enttäuscht haben). Im Grunde sind sie sehr loyal, weil sie wissen, wie schmerzhaft es ist, im Stich gelassen zu werden. Sie suchen Halt und ein Ventil gegen ihre Einsamkeit und Angst, ihr geringes Selbstwertgefühl und die innere Leere. Ihnen ist Lob eher unheimlich, weil sie aus Schutz die Verantwortung für fremde Fehler übernehmen. Das ist ihre Form der Kontrolle, um niemanden zu verlieren, von dem sie sich abhängig fühlen. Sie können gleichzeitig sehr gefühlskalt sein und Mühe haben, eine echte emotionale Verbindung zu ihrem Partner aufzubauen. Sie gehören außerdem zu den „wartenden“, gefügigen und „bewusst flexiblen“ Menschen, die selten jemanden unterbrechen oder stören würden, aus Angst, anzuecken und verlassen zu werden. Sie erfüllen lieber Bedürfnisse aus dieser Angst heraus, als es nicht zu tun und sich ihrer Angst zu stellen. Auch wäre es wieder ein Nähebedürfnis, wenn sie es doch täten. In Wahrheit suchen und brauchen sie jedoch eine stabile Nähe und beständige Zuwendung. Doch sie würden es sich (und anderen) nur selten eingestehen. Sie leben in ihren eigenen Welten und wirken daher häufig abwesend. Deshalb geht man in der Psychologie davon aus, dass sie Bezugspersonen hatten, von denen sie stark vernachlässigt wurden. Auch Depressionen, andere Störungen sowie emotionaler und körperlicher Missbrauch können die Ursachen für diesen Bindungsstil sein. In jedem Fall haben sie dem Betroffenen als Kind große Angst vor Nähe und Verlust gemacht. Einige Menschen dieses Beziehungstypens sind deshalb nicht selten feindselig eingestellt oder passiv-aggressiv.

[i] (Aron, 2015)
[ii] (Aron, 2015)
[iii] (Aron, 2015)
[iv] (Aron, 2015)

Das war ein Auszug aus meinem Buch Du liebst mich, oder doch nicht? Wie Frauen mit beziehungsängstlichen Partnern wirklich umgehen sollten. Erhältlich als E-Book und als Taschenbuch.

Wenn du wissen möchtest, wie du deinen bindungsängstlichen Partner helfen kannst, seine Angst zu mildern (auch damit du selbst zufriedener wirst), könnte mein Onlinekurs zu Beziehungsangst interessant für dich sein >>

was kann ich tun, wenn mein partner beziehungsangst hat
Zum Fühlen gezwungen: Was es heißt, Angst und Panikattacken zu haben

Zum Fühlen gezwungen: Was es heißt, Angst und Panikattacken zu haben

 

Im Anschluss an meinen Beitrag über das immer häufigere Versagen von Therapien, folgt nun ein Beitrag darüber, was Therapeuten, Angehörige und das Umfeld nicht einschätzen können: Wie sich Angststörungen und Panikattacken wirklich anfühlen und welche Wegweiser sie bieten. Interessanterweise meinen die meisten Altklugen und sogar Ärzte ja zu wissen, was es bedeutet und dass es nicht der Rede wert sei, wie “kindisch” Angst doch wäre, dass sie einfach weg müsse, man doch einfach aufhören solle, Angst zu haben. Doch Menschen mit Angststörungen und Panikattacken werden zum Fühlen gezwungen.

 

Blanke Angst und Panik: Zum Fühlen gezwungen

Blanke Angst und Panik: Zum Fühlen gezwungenNiemand, der unter Angst und Panik leidet, hat gern Angst und Panikattacken. Keiner von ihnen steht darauf, sich ständig Sorgen zu machen, übermäßig “schüchtern” zu sein, sich zu isolieren, zu verstellen oder kaum noch bei der Sache zu sein. Niemand von ihnen mag es, wenn der Himmel auf sie herunterfällt (Agoraphobie), sich die Wände wie in schlechten Horrorfilmen auf einen zubewegen und zu zerquetschen drohen (Klaustrophobie), aus seinem eigenen Körper verdrängt zu werden, währen eine leise Stimme “Du darfst nicht hier sein!” murmelt (Panikattacken), sich in blanker Angst dem Tode stets nahe zu fühlen (Hypochondrie), sich stets ungenügend, fehl am Platz und klein zu fühlen (soziale Phobie) oder ständige Angst vor allem, besonders der Unberechenbarkeit des Lebens, zu haben (generelle Angst).

Was Menschen mit Angst- und Panikstörungen eigentlich aushalten und aushalten müssen, können nur Menschen einschätzen, die es kennen. Die, die wissen, wie es sich anfühlt, wenn sich der eigene Körper gegen einen richtet – als würde er unsere Seele ausspucken wollen. In einem Interview mit dem Frauenmagazin MYSELF nutzte ich das Bild von Exorzistenfilmen, in denen sich das schwarze Böse im Körper eines hilflosen und unschuldigen Menschen breitmacht und in Besitz nimmt. Man selbst wird zu einem völlig anderen Menschen. Nichts ist mehr so, wie es war. Nichts. Das beschreibt in meinen Augen Angst und Panik sehr gut.

 

Ursachen und Auslöser von Angst und Panik oder Was die Welt nur schwer verstehen möchte

Natürlich geht allem voran Stress. Das war/ist der Start, was auch immer den Stress auf zellulärer Ebene und die Stressreaktion Angst/Panik auslöste, zum Beispiel ein unverarbeitetes Ereignis wie Krankheit oder Tod/Verlust eines geliebten Menschen, Dauerkonflikte in der Liebe und im Beruf, Einsamkeit, unbefriedigte Bedürfnisse, sozialer Stress, Hektik im Job, Masken und Rollen als Preis für Zugehörigkeit und Anerkennung.

Auch wenn es schön(er) klingt, zu sagen, dass Betroffene einfach nur kindlich oder schwach seien, weil es die misslichen gesellschaftlichen Herausforderungen unschuldig zeichnet: Es ist nicht die Schwäche der Menschen, es sind nicht die völlig kaputten oder vorgespulten Gene, es liegt nicht an uns und unserer Unfähigkeit, mit dem Leben umzugehen. Nur an unseren Stressreaktionen und wie wir Herausforderungen begegnen (und glauben, am besten begegnen zu können, um etwas zu erhalten, was uns wichtig ist). Könnte heute jeder rechtschaffend, aber individualistisch handeln und sagen, lassen und verneinen, wie er möchte, ohne Ausschluss oder emotionale und existentielle Zusammenbrüche zu fürchten, gäbe es sehr viel weniger Angst und Panik. Würden wir uns im Heute nichts ständig beweisen und kämpfen müssen, es anderen recht machen oder ihnen gefallen müssen, mit Ellenbogen und Plan B bis Z gewappnet, sähe die Statistik anders aus. Da bin ich mir sehr sicher.

Je mehr ich über die Ursachen der verschiedenen Ängste, im Kleinen und Großen, sinniere, desto mehr festigt sich der Gedanke, Angst wäre der Weg des Körpers, sich ENDLICH dem Fühlen hinzugeben: weg vom Funktionieren und Vorspielen einzelner Rollen, die gut einstudierten, die wir seit jeher aus Kindheit und Jugend kennen. Weg von dem allseits beliebten und geschätzten Wesen, auf das stets Verlass ist, obwohl es innerlich an den Belastungen zu brechen droht. Weg von Duldungen und Leistungsbeweisen, die nur bewirken sollen, dass wir nicht ausgeschlossen werden. Weg von allem, was uns schlecht tut oder schon seit langem nicht mehr zu uns gehört.

Weg von: Alles ist wunderbar. Nichts tut mir weh.

 

Dem alten Leben unbemerkt entwachsen? Die Botschaften von Angst und Panik

gib deiner angst panik und depression was sie will sei wie du bistWir entwicklen uns oft unbemerkt weiter: Hier und da ein kleiner, aber neuer Impuls, der uns umdenken lässt; eine Idee für unsere Zukunft, die unvereinbar mit ihrer Gegenwart scheint; ein Gedanke abends vor dem Einschlafen, der uns zum Lächeln bringt, aber nichts mit unserem Leben zu tun hat. Wir wachsen aus Situationen und Lebensumständen heraus, ohne den Startknopf gedrückt zu haben. Viele meiner LeserInnen – und ich kenne es von mir selbst – standen eines Morgens überrascht auf, weil sie eine Veränderung spürten. Ohne ersichtlichen Grund war es ihnen plötzlich egal, was andere von ihnen dachten oder ob sie sich einen neuen Job suchen würden. Sie wussten plötzlich, dass sie ihren Partner verlassen würden und die Konsequenzen einer nötigen Handlung schon tragen könnten.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was uns Angst und Panik WIRKLICH vermitteln möchte. Ich will einfach nicht glauben, dass etwas, was unser Körper produziert, nicht auf von uns wieder geheilt werden könnte, solange es auf geistiger Ebene stattfindet. Die landläufige Meinung ergibt für mich deshalb schlichtweg keinen Sinn. Sie geht gegen die Gesetze der Biologie und Physik und damit unnütz. Wir wissen zumindest: Angst und Panik ist – insofern nicht körperlich und/oder substanzbedingt – die Folge von Stress und somit ein Symptom mindestens eines misslichen Lebensumstandes. Sie ist Signal für das, was nicht stimmt und gleichzeitig für das, was vermeintlich schützenswert wäre oder beibehalten werden müsste. Was wir glauben schützen zu müssen, tun zu müssen, muss nach der Theorie unseres Körpers weg. Denn es löst Stress aus. Idealerweise ändern wir unsere Stressreaktionen, aber das hieße nicht zwingend, dass die leidige Situation, ob wir sie nun bemerken oder nicht, besser würde.

Wenn wir so einer Situation entwachsen, ohne es zu merken, ruft unser Körper also: Sag mal, merkst du es denn nicht? Was muss ich denn noch tun, damit du endlich aufhörst?

 

Hör auf! (sagen) Deine Gefühle – Hör auf! (sagt) Deine Angst

was dir dein Körper mit Angst und Panik sagen willAngst und Panik weisen uns darauf hin, was wir alles nicht können. Ist sie einmal manifestiert, wiederholt sie diese Erinnerungen in einer Endlosschleife – bis wir es verstanden haben, bis wir agiert haben, bis wir endlich getan haben, was für uns besser ist. Doch womit sollen wir aufhören? Was ist in deinem Leben eine Bürde und Hürde, an der du dennoch festhältst? Bestimmte Lebensumstände bedeuten und so viel, weil wir etwas damit verbinden, zum Beispiel für uns wichtige Werte. Wir haben alle gelernt, was sich bewährt hat, um unser Leben so leben zu können, wie wir es “für am besten” halten. Oft sind es genau diese Lektionen, die aufgebrochen werden sollen.

Hier einige Ideen. Vielleicht räsonieren sie mit dir und deinem Leben:

  • glauben, dich nicht trennen zu dürfen
  • glauben, nicht genug zu sein, um seine Träume und Wünsche zu leben
  • glauben, Einsamkeit wäre eine Strafe oder ein Preis für etwas
  • glauben, etwas nicht allein zu können
  • glauben, zu versagen
  • glauben, eine Rolle spielen zu müssen, um teilhaben zu dürfen
  • glauben, von Anderen immer eine Erlaubnis haben zu müssen, bevor man etwas (für sich) tut
  • glauben, anders sein zu müssen, um geliebt zu werden
  • glauben, alle glücklich machen zu müssen, bevor man selbst glücklich sein zu dürfte
  • glauben, immer Gründe für alles, was einem am Herzen liegt, haben zu müssen
  • glauben, keine Fehler machen zu dürfen
  • glauben, es würden sich keine Lösungen für Herausforderungen finden
  • glauben, man wäre abhängig von jemanden, aus Angst, sich selbst zu vertrauen
  • glauben, man wäre nichts wert, wenn man anderen nur wenig wert ist

Diese Glaubensmuster holen einen ein, wenn man Angst- und Panikattacken hat. Sie sind wie schwingende Energie in den panischen Zellen unseres Körpers. Als hätten sie alle eine Fernbedienung in den Händen, sehen sie eine alarmierende Situation und drücken auf Start. Die Angst- oder Panikattacke wird ausgelöst und bahnt sich ihren Weg durch den Körper. Völlig fremdgesteuert, will die angestaute Energie entweichen – durch die Panikattacke. Es ist jene Energie, die ungenutzt blieb, weil du in einer Lebenssituation bleibst oder aber etwas Bestimmtes, was du für dein Wohl tun müsstest, nicht getan hast.

 

Angst- und Panikattacken: Energie für einen Lebenswechsel?

Doch dein Körper hat dir diese Energie bereitgestellt. Wenn sie zwecklos und ziellos bleibt, ist sie immer noch in deinem Körper. Sie muss irgendwohin, auch wenn die Zeit für einen Kaltstart oder eine nötige Änderung noch nicht gekommen ist. Stelle dir einmal vor, die ganze ungenutzte Energie bliebe in deinem Körper gebunkert. Du würdest entweder zu einem Marathonläufer werden müssen, um sie freizulassen oder andere Wege finden, um sie zu kanalisieren. Nichtsdestotrotz würde sie sich ihren Weg bahnen – in die richtige Richtung, dorthin ins Dunkle, wo du das vermeintlich Böse lauern siehst. Die Angst vor dem Ungewissen und Unbekannten, alte Erfahrungen und was früher schon einmal geschehen war, was dich daran erinnert, hält dich davon ab, diese Energie für dich zu nutzen. Dass du auch andere Menschen in deinem Leben befreien würdest, dein Schritt etwas Gutes für sie bringen könnte, übersiehst du sicher genauso, wie ich es damals übersah.

* Mit der Ausnahme körperlicher Ursachen.

Lust auf mehr? Willst du es endlich angehen? Dann könnte mein Wissens-Bundle “Hör auf! Deine Angst” interessant für dich sein (klick aufs Bild):

Gegen Panik, Angst und Stress: Mit den Sinnen arbeiten

Gegen Panik, Angst und Stress: Mit den Sinnen arbeiten

 

Meiner Meinung nach sind die Ursachen für Stress, Panik- und Angststörungen unterdrückte, unausgesprochene Gefühle. Es ist die eigene Entfremdung von seinen Gefühlen wie unerwiderte Liebe, Ärger, Wut, Trauer, Angst und Freude in Verbindung mit den eigenen, aber verneinten Bedürfnissen, die zu Überhitzungen im Geiste führen. Das schließt Panik- und Angstzustände ein. Aus Angst vor Ablehnung, Schuld, Scham, Strafe, Liebesentzug oder wegen einer Selbstunsicherheit oder handfesten Selbstzweifeln halten viele ihre Gefühle und Bedürfnisse zurück oder verneinen und verdrängen sie. Man wird folgsam und passt sich an, was noch mehr Angst und Stress schürt.

Eine meiner liebsten Methoden dagegen ist die Stimmarbeit, die Arbeit mit unseren Sinnen.

 

Angst und Panik: Nutzen und Recht

rückzug ist der grund für angst und panikAngst, Panik und Stress macht sich breit, wenn man über eine gewisse Zeit Gefühle verdrängt. Da unsere Gefühle irgendwohin müssen, idealerweise “raus”, wir uns unseren Gefühlsausdruck und Selbstverwirklichung aber verbieten, bunkern wir sie in unseren Körpern und füllen ein Fass mit Angst, Traurigkeit über unerfüllte Bedürfnisse und Wünsche, angeblicher, eigener Bedeutungslosigkeit und Wut. In normalen Stresssituationen erscheinen diese Gefühle weniger prekär, jedoch finden wir auch dort einen Kampf zwischen dem, was wir wollen und dem, was wir sollen. Wenn unsere Gefühle sich immer mehr anhäufen, solange bis das Fass voll ist, entlädt sich unser Geist. Bei Angst- und Panikattacken signalisiert der Körper, dass gerade das “interne” Fass überläuft, ein Gefühl oder ein Bedürfnis ausgesprochen werden müsste, wir diesen Impuls aber aus Rücksicht oder Sicherheitsdenken verneinen, verdrängen und dann plötzlich: Explosion.

In meinen Augen ist Angst und Panik ein Signal dafür, dass wir bereits verletzt sind, wenn nicht sogar “klein fühlen”, mit unserer wahren Natur konfrontiert werden (die, die wir uns verschweigen: wir sind nicht ganz so unabhängig, unverletzbar oder erwachsen) oder aber uns zugunsten eines anderen klein machen sollen. Das weiß unser Kopf und unser Herz ebenfalls.

Kurzum: Angst, Panik und Stress hat in meinen Augen den Nutzen der Distanz, des eigenen Rückzugs aus Situationen, die schlecht für einen Menschen sind, aufgrund der Rechte, die man freiwillig nicht wahrnimmt und freiwillig verdrängt. Rückzug vor allem aber auch von Verhaltensweisen, die für einen schlecht sind, die wir aber trotzdem in unserem Alltag wiederfinden. Laut Literatur trifft das zumeist Frauen bzw. Menschen, die allgemeinhin eher gehorsam, brav und anpassungsfähig sind. Das klingt hart, ich weiß. Aber selbst ich habe mir eingestehen müssen, dass ich zu den Menschen respektive Frauen gehörte, die eher JA statt NEIN sagen (sollen und es deshalb auch machen), die ihre Gefühle eher zurückhalten (sollen und es deshalb tun), die aufgrund der entstehenden Wut auf sich selbst und andere, diese legitimen Gefühle irgendwo im eigenen Körper bunkern (müssen), um ja keinen Ärger zu machen oder zu unbequem zu werden oder gar “unerzogen” zu sein. Die Angst vor dem Ärger und dem Konflikt bekommt je nach Situation, sei es familiär, existentiell bzw. beruflich, partnerschaftlich seine eigene Dimension und – Tragweite. Lange Rede, kurzer Sinn:

 

Die Methode gegen Angst, Panikattacken und akuten Stress: Summen

summen mit der stimme gegen angst stress panikattacken stimmarbeit klangtherapie körperarbeitWenn die eigene Stimme (im übertragenen, als auch wörtlichen Sinne) verstummt bzw. zu leise ist, um gehört zu werden, man sich nicht traut, sie zu erheben, müssen andere Wege des aus-Drucks gefunden werden. Denn aus Druck der Gefühle, die verdrängt werden, entsteht Stress, Angst und Panik. Gedankenkarusselle, Grübeln, Selbstächtung/Schuld, Zweifel, Sich-Selbst-Kleinhalten. Hey, aber ich bin doch etwas wert! sagt diese leise Stimme der Panik, die die anderen (fremden) Stimmen übertönen möchte, aber uns und den Körper braucht, damit wir etwas gegen die Umstände, die Angst/Panik auslösten, tun. Deine Angst/Panik braucht Dich! DICH. Stress ist das erste Signal dafür.

In meinen eigenen Zeiten der Panik erfand ich eine Methode, die ich auch noch heute in belastenden oder nervigen Phasen anwende. Diese Methode ermöglicht es mir,

  • a) meine Stimme nutzen
  • b) mich auszudrücken und
  • c) mich aus dem Grübeln herauszuholen.

 

Und so geht’s

Anwendungsgebiete:

– immer, wenn Grübeleien über ärgerliche oder angsteinflößende Situationen/Menschen im Kopf beginnen bzw. nur noch schwer zu stoppen sind,

– bei Stress, Belastungen, Angst oder anrollender Panik,

– man draußen ist und zu viel Lärm, Menschen und sonstiges (Reizüberflutung) aushalten muss.

Vorgehen

Wähle Dir ein Kinderlied aus frühen Tagen oder aber Dein aktuelles Lieblingslied, was in Verbindung mit einer POSITIVEN Situation steht. Bei dem Gedanken an das gewählte Lied musst Du Dich automatisch wohl- und geborgen fühlen. Hast Du Dich für ein Lied entschieden, beginnst Du bei jedem einsetzenden Grübelkonzert Dein eigenes, in dem Du dieses Lied summst. Du kannst leise oder lauter summen, je nachdem, wo Du bist und wie viel “Lärm” Du Dich traust zu machen.

Abwandlungen

Es gibt Menschen, und solche kennst Du sicher auch, die pfeifend, singend, laut telefonierend durch die Straßen schlendern oder im Bus neben Dir sitzen. Das ist das eine Extrem. Das andere Extrem bist Du, nämlich Menschen, die still daneben stehen, sich genervt fühlen, mit ihren Gefühlen über diese “Belästigung” schwer zurechtkommen oder aber einfach nur, weil sie es nicht fassen können :-), diesen Menschen anstarren, in der Hoffnung, dass er es von allein merkt.

Und dazwischen ist das Summen. Es ist steuerbar. Du entscheidest, ob es jeder merkt oder niemand.

Man kann sowohl leise summen, als auch laut. Man kann mit seiner Stimme summen, als auch mit seinem Atem. Probiere alle diese Summmöglichkeiten mal aus:

  1. Summen und Deine Stimme ist hörbar
  2. mit dem Atem summen, du erweckst nur das Gefühl, Du würdest summen, aber in Wirklichkeit benutzt Du nur die Stimmbänder, die Du zum Klingen/Vibrieren bringst.
  3. leise summen.

Variante 1 ist also überall anwendbar, wo man laut sein kann, z. B. Zuhause, an der frischen Luft, unterwegs.

Variante 2 überall dort, wo man eher weniger auffallen möchte, z. B. im Supermarkt, im Meeting, in Warteschlangen.

Variante 3 an Orten, an dem es leichte Hintergrundgeräusche gibt, z. B. im Bus, Bahn, Tram, Zug.

 

Der Hintergrund: Wozu summen?

Summen, also die Aktivierung Deiner Stimme, aktiviert Dich. Es setzt Dich in den Mittelpunkt, statt anderer Menschen oder Fahrten in die Stadt oder Geräuschkulissen oder gefährlich erscheinende Körperreaktionen wie Herzstolpern und -rasen, schweißnasse Hände, Muskelverspannungen, weiche Knie, Enge in der Brust, Schluckbeschwerden usw. Es hält Deine Konzentration über die Länge des gesummten Liedes bei Dir, statt durch Grübelkarusselle wieder von Dir abgelenkt zu werden.

Es stärkt zudem Dein Selbstvertrauen, denn die Benutzung deiner eigenen Stimme ist ein wesentliches Element bei der Selbstheilung. Du hörst Dich, Du merkst: Es gibt mich. Ich bin. Es aktiviert außerdem Deine Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit: Ich kann mich ausdrücken. Ich entscheide, wann ich spreche und wie.

Es aktiviert zu guter Letzt eine korrekte Atmung. Bei der typischen Angst- und Panikatmung versucht der Betroffene so viel Luft wie möglich einzuatmen, während das Ausatmen des Kohlendioxids verkürzt wird. Folge: Wir behalten mehr Kohlendioxid in uns, ringen um Luft. Das erschwert die Symptome ungemein. Wenn wir aber summen oder singen oder sprechen, dann müssen wir ausatmen. Es geht gar nichts anders.

 

Bonusmethode “Ent-sinn-ung”

entsinnung als methode gegen angst und panikattackenAls Zusatz habe ich oft die Methode der Ent-sinn-ung genutzt (Das ist mein Name dafür.): Augen schließen, Ohren zuhalten, aber Hauptsache immer nur einen Hauptsinn öffnen.

Bei Panik hat man eine niedrige Reizschwelle bzw. die Anfälligkeit einer schnellen und heftigen Reizüberflutung ist hoch. Durch Entsinnung lässt sich das mindern. Wenn Du also summend zum Briefkasten oder der U-Bahn gehst, summend in der Schlange im Supermarkt stehst, schließ Deine Augen und sperre alle visuellen Reize, die sonst mit in Deinem Fass landen, aus. Die Konzentration liegt nur auf den akustischen Signalen. Wenn Du dann Deine Augen wieder öffnest, konzentriere Dich ausschließlich auf die Akkustik, auf deine Ohren und nimm sie vorwiegender wahr, als das Visuelle. Umgekehrt funktioniert Entsinnung auch. Halte Dir die Ohren zu (oder tu so, als hättest Du Ohrenschmerzen und verschließe Deine Ohrmuscheln mit Deinen Händen). Senke am besten den Kopf, wenn Du das tust und schotte Dich kurz visuell von deinem Umfeld ab, um Deinen Sehsinn zu fokussieren. Wenn Du den Kopf wieder hebst, sperre alle Geräusche, die noch teilweise da sein werden, aus der Konzentration aus. Nimm nur das Visuelle wahr. Wenn Du dann die Ohren “wieder aufmachst”, fokussiere nur das, was Du siehst.

Jeder kann selbst für sich probieren, was wirksamer ist. Grundsätzlich lässt sich mittels eines leichten Tests, der dem Lerncoaching entstammt, herausfinden, auf welche Sinne man stärker anspringt, also welcher Lernkanal für Dich am geeignetsten wäre.

 

Der Sinne-Test

Schließ Deine Augen und stell Dir vor, Du bist am Meer. Es ist ein wunderbarer Tag, Du fühlst Dich wohl. Was nimmst du zuerst wahr?

Den Sand unter Deinen Füßen? Den Wind auf Deiner Haut? Das Salz auf Deiner Zunge? Siehst Du zuerst das Meer und die Wellen? Oder hörst Du sie als Erstes?

  • Wenn Du fühlst, ist das ein Hinweis auf Haptik als dominanter Kanal.
  • Wenn Du hörst, ist es Dein akustischer Kanal, der ausgeprägter bei Dir ist.
  • Wenn Du siehst, zählst Du zu den visuellen Menschen.
  • Wenn Du riechst, steht das Olfaktorische im Vordergrund.
  • Wenn Du schmeckst, ist es das sogenannte Gustatorische, was bei Dir eher wirkt.

Man kann  sich also den ersten und zweiten Sinn, der am stärksten ausgeprägt ist, suchen und diese beiden entweder aussperren, wenn man in Paniksituationen gerät oder aber bewusst einen der beiden aktivieren, fokussieren, während der andere ausgesperrt wird. Du kannst auch einmal schauen, ob es nicht einer der beiden stärksten Sinne ist, der Dich in Stress-, Angst- und Paniksituationen “triggert”. Sollte dies so sein, dann empfehle ich erst recht die Methode der Ent-sinn-ung in Verbindung mit Summen. Notfalls auch Ohropax.

LG,
Janett

Janett

 

 

Noch mehr Strategien aus 5 Jahren Anti-Angst- und Panik-Suche findest du hier:

ideen, um angst und panik aufzulösen

Ausschlusserklärung: Alle Inhalte und Techniken sind gewissenhaft recherchiert bzw. erprobt. Dennoch ersetzt jede hier beschriebene Strategie gegen Stress, Angst und Panik keine professionelle Psychotherapie. Für jeglichen Personenschaden wird keine Haftung übernommen.

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Jede Frau verbirgt eine dunkle Schwester in sich (so, wie jeder Mann einen dunklen Bruder hat), die all die ungewollten, verdrängten und verheimlichten Eigenschaften darstellt, die im offiziellen Leben nicht ausgelebt werden. Wenn du dich fragst, wieso du deine “schlechten” Angewohnheiten nicht loswirst, nicht abnimmst, keine Lust auf Sport hast, dich nicht verstellen kannst, es sich so auslaugt, dich anzupassen, du vermeintlich grundlos wütend oder traurig wirst (hier ist nicht Depression gemeint), manchmal wie ausgewechselt bist oder dich dein soziales Umfeld “nicht wiedererkennt”, weil du Stimmungsschwankungen hast oder keine Lust, zu tun, was du tun müsstest, aber nicht willst, dich nicht zu etwas aufraffen kannst usw., dann wisse: Es ist die dunkle Seite deiner Persönlichkeit. Es ist dein Schatten, das Gegenteil des Hellen, was du jedem zeigst, weil du weißt, “Das wird gemocht.” und “Das wird gern gesehen.”, “So bekommst du, was du brauchst.” (wenigstens in Teilen bzw. so verlierst du am wenigsten).

Wenn du besonders darunter leidest, etwas Lästiges nicht loszuwerden, dich nicht disziplinieren kannst oder eine scheinbar höhere Macht, dein innerer Schweinehund, stärker ist als du, dann lies diesen Blogpost.

Wie die dunkle Schwester in dir entstand und wieso sie machmal so viel Macht über dich hat

wenn anpassung nicht mehr gelingt

Ich werfe zu Beginn einige Begriffe in den Raum, die dir zeigen sollen, wie die dunklen Seiten, die dunkle Schwester, dein Schatten entstanden ist:

Erziehung – Schule – aufgezwungene Werte und Standards anderer – erwartete Anpassung – So-Sein-Müssen – Zugehörigkeit/Teilsein-Dürfen – emotionale und psychische Leistungen – Gefühle wie Wut, Trauer und Angst nicht zeigen dürfen/sollen – Erwartungen anderer – Druck, zu genügen – idealerweise keine Bedürfnisse oder Sehnsüchte haben – nicht schwierig, kompliziert oder anstrengend bzw. bedürftig sein – gesellschaftliche Erwartungen an dein Äußeres als Frau erfüllen müssen (oder glauben, es erfüllen zu müssen) – schwierige Männer in Liebesbeziehungen, passive Männer und Beziehungen, die auf deinen Schultern lasten bzw. solche, die du als übergriffig empfindest – schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen (du und deine Mutter) – überhohe Verantwortung und Pflichten – innere Hektik & Unruhe – überstarke Rationalität – Schwierigkeiten, sich zurückzulehnen, sich zu vertrauen, der Welt zu vertrauen, Entscheidungen gegen andere zu treffen, seine weibliche Seite auszuleben, Nein zu sagen, unvernünftig oder zickig zu sein, sich zu nehmen, was man will, das Leben in allen Zügen auszukosten, ein Leben zu leben, das andere nicht verstehen (nichts Solides, nichts Bodenständiges, sondern Eigenes), Schwierigkeiten, sich zu trennen oder Streit/Konflikte auszuhalten …

Das ist nur eine kleine Liste der Gründe, wie die dunkle Schwester in dir entstanden ist. Je mehr man als Frau davon in seinem Leben hat, desto stärker werden auch die Schattenseiten sich entwickeln. Sie drücken sich aus, indem sie dir aufs Gemüt drücken oder dich davon abhalten, “so zu sein, wie andere dich wollen würden”.

Die helle Schwester (der gute Zwilling) hat das gelernt und ist bestrebt, so zu sein. Die dunkle Schwester hingegen, der böse Zwilling, sucht nach Gleichgewicht und sieht genau, wenn etwas aus der Balance fällt. Sie schafft wieder Ordnung in dir drinnen – jedenfalls versucht sie das. Denn immer nur machen, tun, ertragen, schweigen, lächeln und dienen ist für keine Seele wohltuend. Im Gegenteil. Es verrät sie und jedes Herz. Es macht krank und belastet so die Psyche und den Körper.

Die dunkle Schwester ist häufig gierig: Sie hat einen drängenden Hunger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, endlosem, leidenschaftlichen Sex, Essen und Trinken, das die Sinne anregt, tiefen Gefühlen und Erfüllung, grenzenloser Freude und Spaß, nach überschwänglichen Erlebnissen und oft grenzenlosem Selbstausdruck (in welchen Bereichen auch immer). Sie will sich hingeben und empfangen oder geben und kontrollieren – je nachdem, was auf der ausgelebten Seite der angepassten Frau überwiegt. Sie will geliebt werden ohne jede Bedingung, will nichts dafür tun müssen, weder am Anfang noch mittendrin, will Verständnis für all ihre Ecken und Kanten.

Da man aber selten so lebt, sondern sich um Anpassung bemüht und darum, sich zu “benehmen”, nicht so anstrengend und fordernd, sondern eine Hilfe, lieb, sanft usw. zu sein, rutschen die wahren Bedürfnisse immer tiefer ins Dunkle ab.

Die dunkle Schwester verkörpert somit auch all die Wut, die man nie geäußert, sondern heruntergeschluckt hat. Sie trägt die Traurigkeit, Scham und Schuld, die zu schwer zu tragen war. Je mehr wir unser wahres Ich verdrängen, desto stärker wird sie – wenn wir versuchen, lieb, brav, angepasst, hübsch und „so zu sein“, wie man uns will oder wie wir denken, sein zu müssen, um gewollt, liebenswert, angesehen und akzeptiert zu werden.

macht der schattenseiten wie sie entstehen

Die dunkle Schwester ist gegen Motive (das, was dich bewegt, etwas zu tun oder zu unterlassen) wie Zugehörigkeit auf Teufel komm raus oder emotionale/psychische Leistung des Friedens oder der Liebe wegen. Sie verabscheut Co-Abhängigkeit und für andere bequeme Lebensweisen. Sie will im Mittelpunkt ihrer Abenteuer stehen und sich entdecken, auf einer Reise, die sie selbst bestimmt. Sie will ihr Ego leben und nur freiwillig korrigieren. Sie will wachsen und in Einklang bringen, zwischen Weiß und Schwarz alle Farben entdecken. Sie will Energieaustausch statt Langeweile, Blumensträuße und Kino statt Dreckwäsche und Feierabendbier. Sie will Anerkennung für ihre Eigenheiten – und sprechen wir das Kind ruhig beim Namen: Sie will Bewunderung für alles, was sie kann, Nachsicht für all das, was sie nicht kann, und Verständnis, für alles, was sie nicht können will. Die dunkle Schwester ist definitiv der narzisstische Teil einer jeden Frau, die Egomanin und Diva.

Sie ist die, die brüllt, meckert, die Augen rollt, lacht, weint, das Telefon einfach auflegt, lügt, betrügt, abhaut, um 23 Uhr Nudeln kocht, die Bude 2 Wochen lang nicht saugt, nicht sofort zurückschreibt, neidet, eifersüchtig ist, schwarz fährt, stiehlt oder Rache will, wenn ihr die „offizielle“ Version deines Selbst zu bunt/schädlich für dich geworden ist. Sie ist der innere Schweinehund, nicht der innere Kritiker, sie ist die miese Laune statt des ewigen Sonnenscheins, die unermüdliche Kämpferin und härteste Richterin über Ungerechtigkeit und Schmerz, die du freiwillig erträgst – aus Angst, anzuecken, bedürftig, kompliziert oder lästig zu erscheinen. Sie ist die heimliche Königin deines Reichs, wenn du andere regieren lässt – aus Angst, Fehler zu machen oder ausgeschlossen zu werden, Menschen oder Ansehen zu verlieren, die vermeintliche Sicherheit, die dich gefangen hält.

Sie versteht das Versteckspiel nicht: wieso du dich verstellen, klein machen und halten lässt. Sie geht für Balance weit über „deine offiziellen“ Grenzen.

Wie du Freundschaft mit deiner dunklen Schwester schließt

sich mögen trotz schlechter angewohnheiten

Würden wir Frauen unsere dunkle Schwester nur mehr ausleben, bräuchte sie nicht so hart durchzugreifen. Sie will nur da sein dürfen. Wir würden so viel weniger leiden. Also frage dich: Darf sie endlich da sein? Zwei Tipps haben sich in der Praxis meiner Klientinnen bewährt, weshalb ich sie in Mentorings immer erwähne:

Übung 1

Es hilft, das Reich des braven Mädchens wenigstens mal gedanklich zu verlassen und eine Liste mit allem, es die dunkle Schwester will, zu erstellen:

  • nicht sexy/schlank sein oder immer gut aussehen
  • mit dem netten Kollegen ausgehen, obwohl er verheiratet ist
  • xyz nicht den Gefallen tun, um den er gebeten hat
  • nicht geben, ohne zu bekommen
  • mit Schoki und Chips vor dem Fernseher hocken
  • aufgebrezelt tanzen gehen usw.

Das nimmt schon eine Menge Luft raus. Ein kleiner Schritt in Richtung „du selbst“.

Übung 2

Viele Frauen erzielen gute Ergebnisse damit, die dunkle Seite in sich täglich da sein zu lassen (auch wenn es das brave Mädchen in sie zwingt, anders zu sein). Aber durch diese Erlaubnisse fällt es den Frauen leichter, sich im Gegenzug als Kompromiss zu maßregeln oder Sachen zu machen, die sie nicht wollen. Es reichen schon kleine Erlaubnisse aus. |

Mehr in meinem neuen Buch

Panikattacken sind meiner Meinung nach der Versuch des Gehirns,
den Schrei der dunklen Schwester zu unterdrücken.

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst
Janett Menzel: Mein neues Leben ohne Angst (TRIAS Verlag, 2020)