Keine Beziehung wollen: Gründe, wieso dein Partner aus Angst Liebe vermeidet

von | Dez 5, 2021 | 0 Kommentare

Menschen, die keine Beziehung wollen, dich aber trotzdem nicht loslassen können, können sehr verunsichernd sein und gar eigene Ängste triggern. Du kennst das sicher: Er/Sie will keine Beziehung, aber Zeit mit dir verbringen. Er/Sie meldet sich immer wieder – auch nach langen Phasen ohne Kontakt (ihrer-/seinerseits) -, aber wenn du das Thema Partnerschaft ansprichst, weicht er/sie aus oder zieht sich zurück. Du hast Gefühle entwickelt, die er/sie nur unter eigenen Bedingungen erwidert. Vielleicht spürst du, dass er/sie durchaus genauso fühlt wie du, aber dieses Unwort BEZIEHUNG scheint einen Keil zwischen euch zu treiben, als würde er/sie nur das fürchten. Als wäre ihm/ihr etwas Schlimmes in der Vergangenheit widerfahren. Vielleicht weißt du auch davon: von den Ereignissen in seiner/ihrer letzten Beziehung bzw. Ehe, weißt um die Wunden und Schmerzen, die er/sie bis heute ungelöst in sich trägt.

Und was tust du jetzt, fragst du dich sicher? Was bedeutet das alles? Als Ex-Vermeiderin von Beziehungen, die jahrelang deshalb in Therapie war, erkläre ich dir, was den vermeidenden Bindungsstil ausmacht und wieso diese Bindungstypen keine Beziehung wollen – und was du als Partner:in zum Verständnis seiner Seele brauchst. Ich hoffe, dir damit weiterhelfen zu können.

 

Was bedeutet es, wenn Menschen keine Beziehung wollen? Gründe, wieso er/sie sich nicht binden will

Wenn man sich verliebt und gut versteht, ist eine Beziehung der nächst logische Schritt – jedenfalls für viele. Und doch gibt es Menschen, die trotz Verliebtheit keine Beziehung wollen. Sie wollen sich nicht binden und bevorzugen stattdessen One Nights Stands bzw. x-Night-Stands, Freundschaft+ oder lockere Affären. Seit Jahren herrscht das Vorurteil, der Grund wäre der, dass sie keine Verpflichtungen eingehen wollen, ihre Freiheit behalten wollen oder “noch nicht bereit sind”, vermeintlich wegen schlechter Beziehungserfahrungen. Der Bindungsstil wird fast NIE als Grund genannt.

Wenn du wegen deiner unerwiderten Gefühle leidest, ist dein Herzensmensch entweder ein “Arsch”, weil er sich nicht umentschieden hat, obwohl es so gut lief, ein “Idiot”, weil er deinen Wert nicht erkennt, oder ein Player, weil er es nie ernst mit dir gemeint hätte, oder? Das zumindest werden dir deine Freunde mehrfach gesagt haben. Lass mich als Ex-Bindungsvermeiderin einen weiteren Grund mit in den Topf der Interpretationen hineinwerfen: Sein Bindungsstil gebietet ihm, dass er Bindungen meidet – erst recht, wenn sie eng und emotional tief sind.

 

was kann ich tun, wenn er Angst vor einer Beziehung hat

Die wahren Gründe, wieso er/sie sich nicht binden will

Es gibt sehr viele bekannte Gründe, wieso sich jemand nicht binden will, und immer auch individuelle Ursachen. Ich beleuchte im Folgenden die Klassiker und wahrscheinlichsten individuellen Gründe, um dir einen besseren Einblick in die Bindungsangst deines (Herzens)Partners zu geben. (Ich verwende der Einfachheit halber für “der/dein Partner” das Pronomen “er”.)

 

Dein Partner leidet unter einem Bindungstrauma

Bindungsstile prägen sich bis zum 3. Lebensjahr und werden maßgeblich durch die Bindung zu den primären Bezugspersonen beeinflusst – bei den meisten die Mutter, der Vater und/oder die Großeltern. Gab es hier Störungen durch Verlust oder Abwesenheit, durch eine mangelnde Fürsorge oder wenn jemand die Bedürfnisse des Kindes nicht angemessen oder unterbrochen beantwortet hat, kann das den Bindungsstil ändern. Wir unterscheiden somit zwischen dem gesunden, ängstlich-ambivalenten (Fürsorge wechselte sich ab mit emotionaler Abwesenheit), gleichgültig-vermeidenden (allgemein: abwesende Fürsorge und emotionale Vernachlässigung) und der Mischform, dem desorganisierten Stil (Liebe und Leid erscheinen als Teil der Bindung).

Folglich entwickeln Kinder ein Reaktionsmuster bei Bindungen (aller Art). Sie verhalten sich bei Nähe und Distanz entsprechend ihres Bindungsstils: gesund (bei Nähe und Distanz), ängstlich (bei Distanz) und/oder vermeidend (bei Nähe sowie Distanz). Es ist der eine Grund, wieso einige Menschen eine Beziehung wollen oder keine Beziehung wollen.

 

Er ist Glück und Liebe nicht gewohnt

Verbunden damit sind ängstliche und/oder vermeidende Personen auch Glück, Freude, Vertrauen und Bindung trotz Streit, zeitweiser Abwesenheit oder liebevolle Nähe (auch in Form von eigenen/fremden Erwartungen und Grenzen) nicht gewohnt. Sie weisen es von sich, weil ihr Nervensystem es als Gefahr einstuft. Das Gehirn ist ein konditionierter Gegner in diesem Fall, was sich auf Bekanntes beruft: Was der Bauer nicht kennt, frisst er auch nicht. Das Ungewohnte muss vertraut werden, damit er sich auf Liebe und Partnerschaft einlassen kann, ohne stets von Angst, Panik und Verzweiflung überrollt zu werden. Leider wissen die wenigsten, dass traumatische Erfahrungen im Körper stattfinden, die Reaktionen auf Nähe bzw. Distanz körperlich sind – und das Trauma ergo in ihren Zellen verankert ist. Es kann nur unter Einbezug des Körpers gelöst werden.

 

tipps wenn partner bindungsangst hat

Er hat schwere Verletzungen in seiner letzten Partnerschaft gemacht

Die “normale” Beziehungsangst (Eifersucht, Schmerz bei Distanz, Klammern aus Verlustangst) – in erwachsenen romantischen Beziehungen – wird oft mit Bindungsangst verwechselt. Und diese ist oft ein weiterer Grund, wieso einige keine Beziehung wollen. Sie haben in ihren Partnerschaften Erfahrungen gemacht, die noch unbearbeitet sind und deshalb nachwirken. Insofern diese Erfahrungen nicht gelöst werden, weder sich selbst vergeben noch neues Selbstvertrauen aufgebaut wird, bleiben diese Ängste verankert.

 

Er glaubt nicht an Liebe und glückliche Beziehungen, weil er noch nie eine hatte

Ein anderer Grund ist mangelnder Glaube an Liebe und glückliche Beziehungen – der ebenso mit Prägungen in der Kindheit zu tun haben kann. Hatte man beispielsweise wie ich keine Vorbilder (männlich, weiblich, Beziehungen, Konfliktbewältigung, Gefühlsausdrücke, Umgang mit Gefühlen usw.), schießt man mit seinen Versuchen ab der Pubertät ins Leere – und wird öfter scheitern, als erfolgreich sein. Wir lernen als Kinder von Erwachsenen und ahmen ihre Reaktionen entsprechend nach. (Wir glauben der Stimmigkeit.) Gab es also in der Kindheit zwar Beziehungen, aber keine glücklichen oder nur welche ohne Liebe, so bildet sich das als Vorbild, als Blaupause für das erwachsene Leben. Hier formen sich entsprechende Gedankenmuster – Glaubensmuster über Liebe und Partnerschaft. Korrigieren wir diese nicht, holen nicht nach, was uns glücklich machen könnte, bleiben wir darin stecken. Und vermeiden entweder Beziehungen oder führen nur jene Beziehungsformen (ONS, Freundschaft+, Affären usw.), die wir “können”, weil wir sie kennen.

 

Ihm fehlen Beziehungsfähigkeiten und er schämt sich dafür

Hatte man keine funktionierenden Bindungen als Vorbild, fehlt einem auch das Verständnis darüber, wie man Beziehungen führt. Noch ein wesentlicher Grund, wieso viele keine Beziehung wollen. Dass es mal zu Streit kommt und die Bindung trotzdem nicht gefährdet ist, dass jeder Partner ein eigenes Individuum mit eigenen Werten, Bedürfnissen und Grenzen ist, die es zu akzeptieren gilt, oder dass Liebe und Beziehung auch mal schwer sein können, sind nur wenige Beispiele. Beziehungen bedeuten auf lange Sicht auch immer Arbeit – und effektive Kommunikation. Wie diese angegangen werden kann, was das für einen bedeutet, wie man sich selbst wahrnimmt, in seiner vollen Verwundbarkeit, und wie man die des anderen akzeptiert, wie man den Raum hält, eigene und fremde Zweifel navigiert und doch Vertrauen behält, sind wichtige Antworten, die Beziehungskompetenzen ausbilden.

Beziehungsfähigkeiten sind also mehrheitlich innere Ressourcen, die wir alle im erwachsenen Leben vervollständigen müssen, um bessere Partner zu werden. Dabei ergänzen wir immer auch die Kompetenzen unseres Partners, wovon die gemeinsame Beziehung auf kurze und lange Sicht maßgeblich profitiert.

 

sich aus schwierigen verletzenden Beziehungen befreien

Er hat Fehler in einer vergangenen Beziehung gemacht und glaubt nicht mehr an seinen Wert bzw. seine Beziehungsfähigkeit

Nichts aber geht so richtig, wenn wir eine schwierige oder schlechte Beziehung zu uns selbst haben. Als Teil meiner mehrmonatigen Beziehungsmentorings beschäftigen sich meine Klient:innen deshalb zuallererst mit sich selbst: ihre Bedürfnisse, ihre Grenzen (und Standards), ihre Werte (und die anderer sowie die, die sie von anderen erwarten) und Selbstwahrnehmung. Beim Thema Glaubenssätze fängt es nach meiner Meinung weder an noch hört es doch auf. Es geht um viel mehr: Es geht um Identität. Wenn man nicht weiß, wer man ist, dann neigt man dazu, sich in Beziehungen zu verlieren. Man rückt von eigenen Vorstellungen und Wünschen ab; man stellt die des Partners in den Vordergrund. Man verliert sich selbst aus dem Fokus. Plötzlich lebt man nur noch durch den anderen – und wird durch Lebensereignisse oder wenn der Partner dich einmal übersieht zu einer Fahne im Wind.

Integrität ist essentiell, wenn man auf der Suche nach emotionaler Geborgenheit ist: Sie beginnt in dir. Dazu gehören auch ein Empfinden von Würde und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – den eigenen Wert. Als Partner bieten wir unserem Partner auch einen Rahmen, einen Halt, der wiederum Verlass und Vertrauen erlaubt. Sind diese aber abwesend, ist die Beziehung auf unsicherem Boden gebaut. Bodenhaftung – Beständigkeit – hat man nur dann, wenn man weiß, wer man ist. Weiß man das nicht, fehlt einem der Ich-Kompass.

Entscheidungsunfähigkeit, Schweigen aus Angst vor der Reaktion des anderen, passive Aggression, toxische Verhaltensweisen aus Angst vor Kontrollverlust und übermäßige Verlustangst sind nur einige Konsequenzen – und somit Gründe, wieso jemand keine Beziehung will. Die Annahme, Beziehungsvermeider wären sich ihrer Schwächen nicht bewusst, ist zu 90 % falsch. Viele sind sich dessen so sehr bewusst, dass sie aus Angst, den anderen zu verletzen – und ergo wegen der Schuld selbst verletzt zu werden -, lieber Single und allein bleiben.

 

Er ist unsicher und fürchtet sowohl Selbstverlust als auch Trennungen zugleich

Ängstlich-vermeidende (desorganisierte) Menschen schwanken zwischen einer hohen Ängstlichkeit in Beziehungen und einer hohen Vermeidung. Er liebt es, zu lieben und geliebt zu werden, und doch weiß er, dass es ihm schaden könnte, weil er nichts kontrollieren kann. Er fürchtet Verlust – deinen und den seines Ichs, samt Freiheit, innerem Frieden und Selbsttreue. Er ist auf Betrug, Überforderung/überwältigende Gefühle, Erwartungen, Eifersucht, Enge und Druck eingestellt – fürchtet sie schon von Beginn der Partnerschaft an. Diese Zukunftssorgen lähmen so viele meiner Klient:innen, weil es eingebrannte Erfahrungen sind. Sie haben nie etwas anderes mit Liebe und Beziehung in Verbindung gebracht. Das macht unsicher, misstrauisch in sich und andere. Man könnte auch sagen: “Entweder du wirst verletzt oder ich werde verletzt” – als wäre es eine Entscheidung zwischen diesen beiden Extremen. Dazwischen gibt es für viele keine Grauzone: Man ist gefangen zwischen der Angst, sich selbst oder den anderen zu verlieren.

Doch sie hassen es, andere zu verletzen und sie mit Trennung zu konfrontieren, besonders wenn sie glauben/wissen, dass der andere sie liebt oder zumindest braucht. Allein dieser innere Konflikt (“Wer mich liebt, den verletze ich nicht”) macht vielen Liebe zur Hölle. Denn zu oft können sie ihr inneres Versprechen nicht halten, wenn es wieder heißt: entweder du oder ich. Hier müssen beide Partner zu einer Balance finden und durch offene, ehrliche Gespräche an der Freiheit in der Partnerschaft arbeiten. Sonst würde sich ein Mensch mit vermeidenden Anteilen irgendwann für sich entscheiden.

 

Kommt er wieder zu mir zurück? Wie man seinen Ex zurückgewinnt

Seine ungelösten Beziehungsmuster ziehen Partner:innen an, die entweder zu viel oder zu wenig wollen und geben

Und damit kommen wir zum letzten Grund, wieso Menschen mitunter keine Partnerschaft eingehen wollen: Was sie anziehen, spiegelt ihnen wider, wonach sie sich eigentlich sehnen. Und das missfällt vielen sehr 😉 Man muss sich bei vermeidenden Menschen einem Aspekt bewusst sein: Sie verstellen sich so gut, wie kein anderer es kann. Bei gleichgültig-vermeidenden Menschen (die Bindungen aller Art meiden) finden wir nach außen hin ein sehr starkes, eindrucksvolles Selbstbewusstsein, sprühenden Charme und ein Selbstvertrauen, das sogar sie blendet – nicht nur andere. Für so manchen sehen sie wie narzisstische Partner aus. Bei ängstlich-vermeidenden Menschen hingegen finden wir auch ein kraftvolles Selbstbewusstsein, aber sie können ihren geringen Selbstwert nicht ewig verstecken. Er zeigt sich schneller. Doch der eigene Schatten folgt einem immer, ob man ihn nun wahrnimmt oder nicht.

Öfter bemerken wir ihn, wenn uns Menschen oder Situationen triggern. Durch Ärger, Angst, Traurigkeit, Wut, Irritation und Schuld spüren wir, was wir so lange Jahre in uns vergraben haben, weil wir es nicht sehen wollten. Stattdessen rannten wir vor uns davon – nur um wieder bei uns anzukommen, je mehr wir uns dem nähern, was wir so fürchten: Nähe und Bindung. Am Ende des Tages sind die meisten Konflikte ein Kampf mit den eigenen Dämonen. Nur wenn wir sie kennen und zu bewältigen wissen, können wir vermeiden, dass sie unsere Partner besetzen und unser Liebesglück sabotieren. Stattdessen müssen wir sie annehmen und uns zugehörig fühlen.

 

keine beziehung wollen wenn er bindungsangst hat

Willst du deinem Partner helfen, mit seinen Bindungsängsten besser umzugehen – damit es dir ebenso besser geht?

Ich habe speziell für Partnerinnen bindungsängstlicher Männer ein Selbstlernprogramm mit optionalen Beratungen und WhatsApp Betreuung erstellt. Darin gebe ich dir Schritt für Schritt Anleitungen, Beispiele für wirksame Kommunikation, Hintergründe zu seinem (und deinem) Verhalten und dutzende Impulse, wie du in bestimmten, angsterregenden Situationen handeln kannst. Neben Selbstwert- und Selbstliebethemen für dich findest du außerdem viele Wege, wie du in seiner Angst ruhig bleiben kannst. Themen wie Trauma und Wiedergutmachung sowie Bedürfnisse/Grenzen und wie du diese ideal kommunizieren kannst, werden außerdem besprochen. Allem voran gehen die “normalen” Themen wie “Was soll ich ihm schreiben?” und “Wie ich ihn zu mir zurückziehe, wenn er sich von mir distanziert hat” genauso wie “Was denkt er und wieso” und “Wie kann ich mehr Vertrauen auf seiner Seite schaffen”. Schau doch mal rein, ob mein Bestseller auch in deinen Augen deiner Partnerschaft mit deinem beziehungsängstlichen Partner dienen kann >>

Viele Grüße
Janett Menzel

 

Bloggerin psychische Gesundheit

Verfasst von Janett Menzel

Autorin und Mentorin für Personen mit herausfordernden Ängsten in ihrer psychischen Gesundheit, in Liebe & Beziehung, Job & Karriere. Potenzial- und Strategieentwicklung im Bereich: Hochbegabung bei Frauen, Angstzustände/Panikattacken, Beziehungsängste - erfolgreiche Beziehungen - erfolgreiche Kommunikation, Gehirnforschung, weibliche & männliche Energien, Entspannungstechniken aus aller Welt, Identitätsbildung & spätes Self-Parenting (Selbsterziehung), Auswirkungen der Emanzipation auf das Verständnis zwischen Mann-Frau

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