Helfen Affirmationen wirklich und wenn ja, wie?

von | Dez 29, 2020 | 0 Kommentare

 

Affirmationen sind in aller Munde und werden oft als leichter Weg beschrieben, um sich gegen störende und blockierende Glaubensmuster zur Wehr zu setzen und so Wunden unserer Vergangenheit zu heilen. Mittels Affirmationen, so heißt es, könnten wir diese Blockaden lösen, destruktive Glaubenssätze ins Positive kehren und so Liebe, Selbstvertrauen, Geld und mehr erlangen. Sie beruhen auf der Suggestion, der Wiederholung und Verankerung, und lehren dem Gehirn, dass die Sätze, die wir uns vorsprechen, geglaubt werden. Aber helfen Affirmationen wirklich? Und wenn ja, wie?

 

Was sind Affirmationen?

Der Begriff »Affirmation« beschreibt einen selbstbejahenden Satz, den wir wiederholend anwenden können, um unsere Gedanken umzuprogrammieren. Diese Sätze bedienen sich somit der sogenannten Autosuggestion – aus dem Griechisch-Lateinischen für »Selbstbeeinflussung«). Affirmationen wurden erstmals vom Franzosen Franzosen Emil Coué geprägt und bedienen sich der sogenannten »Selbstbestätigungstheorie«.

Ich glaube an mich selbst.
Ich vertraue meiner Intuition.
Ich bin fähig in dem, was ich tue.

Unser Empfinden, Denken und Handeln bedingen einander. Jedes in uns aufkeimende Gefühl zieht Gedanken nach sich, die wiederum zu entsprechend gerichteten Handlungen führen. Denken wir uns „Ich bin abhängig von anderen“, werden wir entsprechend »abhängig« handeln und reagieren. Das liegt daran, dass unsere neuronalen Bahnen im Hirn eine solche Handlungsweise bedingen. Jemand, der sich als ganz und gar unabhängig empfindet, würde anders denken und handeln. Sein Hirn ist auf »unabhängig«, »freigeistig« oder gar »bewusst unangepasst« programmiert. Er hat er sowohl andersartige Gedanken als auch Gefühle als Menschen, die sich als abhängig oder unfrei empfinden. Seine Gefühle unterstützen dabei seine andersartigen Gedanken und umgekehrt.

Eine unterbewusste Veränderung unserer Gedanken mithilfe von Affirmationen beeinflusst somit unser Tun, wie wir uns in Situationen fühlen und somit, wie wir anderen begegnen.

 

Beispiele für Affirmationen

Ausgehend von dieser Definition möchte ich dir weitere Beispiele für positive Affirmationen geben:

Affirmationen zur Selbststärkung

„Ich bin mutig und stark.“
„Ich bin selbstsicher.“
„Ich bin wertvoll.“

Affirmationen zum Thema Geld, Beruf und Erfolg

„Ich habe meinen Traumjob verdient.“
„Meine Vorgesetzten respektieren mich.“
„Immer mehr Menschen erkennen den Wert meiner Arbeit.“

Affirmationen zum Thema Gesundheit

„Ich setze meine Vorhaben in die Tat um.“
„Ich arbeitete jeden Tag an der Verwirklichung meiner Träume.“
„Sport tut meinem Körper gut.“
„Ich habe einen schönen Körper.“

Affirmationen zum Thema Selbstbewusstsein und Selbstliebe

„Ich entscheide über meine Zukunft.“
„Meine Meinung zählt.“
„Ich erlaube mir, Gefühle zuzulassen.“
„Ich bin dankbar für mein Leben.“
„Ich vertraue meiner Intuition.“
„Ich habe eine positive Ausstrahlung.“

Affirmationen zum Thema Liebe, Partnerschaft, Familie und Freundschaften

„Ich bin umgeben von guten Menschen.“
„Ich lebe meine Sexualität aus.“
„Ich habe eine positive Beziehung verdient.“
„Ich habe gegenseitig erfüllende Freundschaften.“

Doch wie genau »funktionieren« Affirmationen und wie gelangen sie ins Unterbewusstsein?

 

Was Affirmationen vermögen – Wissenschaft & Forschung

Affirmation SelbstbestimmungPositive Affirmationen, belegt durch eine Vielzahl an Studien, unterstützen eine nachhaltige Wirkung auf unsere Denk- und Verhaltensweisen. Programmieren wir unsere Denkmuster um, schaffen wir neue Strukturen in unserem Alltag, die Einfluss auf unser Selbstbild und damit auf unsere Wirkung auf andere haben. Eine Bestätigung durch uns selbst hilft nachweislich gesundheitsschädigenden Stress zu verringern, führt zur Verstärkung von Nervenbahnen und wurde zudem mit besseren akademischen Leistungen in Verbindung gebracht. Wieso ist das so?

Hinter der Wirksamkeit positiver Affirmationen versteckt sich die sogenannte Selbstbestätigungstheorie[1]. Empirische Studien zeigten, dass wir das Gefühl einer Selbstintegrität aufrechterhalten können, wenn wir uns mit positiven Worten sagen (und somit bejahen), was wir von uns denken und glauben. »Selbstintegrität« bezieht sich dabei auf deine Selbstwirksamkeit – deine dir bewusste Fähigkeit, dass du nach deinen moralischen Maßstäben die Ergebnisse deines Handelns kontrollieren kannst und flexibel reagieren kannst, falls dein Selbstkonzept bedroht wäre.[2] Denn als Menschen sind wir alle mehr oder minder motiviert, uns so zu verhalten, dass es mit unseren Gedanken über uns und die Welt übereinstimmt. Geht uns etwas »gegen den Strich«, dann geht es gegen unsere Moral, Ziele, Bedürfnisse und Werte. Wir handeln entsprechend, um uns vor dieser Bedrohung zu schützen, damit unsere Selbstintegrität aufrechterhalten bleibt. Ist jemand sehr dominant und dein Sinn für Unabhängigkeit stark ausgeprägt, könntest du dies als Übergriffigkeit empfinden und würdest dich dagegen auflehnen. Ist jemand stark narzisstisch und würde versuchen, dich zu manipulieren, würdest du dich distanzieren. Selbstinteger zu leben bedeutet »selbstverantwortliche Authentizität« entgegen aufgedrängter Prinzipien aufgrund der Kenntnis und Wahrung deiner Grenzen, Ziele und Werte.

Es gibt keine universelle Definition von »selbstinteger«. Jeder hat seine eigene. »Ich bin eine bestmögliche Mutter, stelle meine Bedürfnisse hinter die meiner Familie und überlasse meinem Ehemann die Führung« kann genauso authentisch sein wie »Ich bin Mutter und versuche, eine möglichst gute zu sein, aber ich achte zuerst auf meine Bedürfnisse, um so gesund wie möglich zu bleiben. Wenn das bedeutet, dass ich die Unterstützung meines Mannes brauche und Auszeiten für mich, dann ist das so«. Selbstintegrität ist somit das, was heutzutage langläufig als »das wahre Selbst«, »deine wahre Natur« bezeichnet wird – so, wie du dich »aktuell oder bisher begreifst«. Ob das gesund und »gut« für dich ist, steht auf einem anderen Blatt. Jeder Mensch hat seine Grenzen.

Da du diesen Text liest, wirst du deine aktuelle Natur mit deinen bisherigen Standards, Werten, Moralvorstellungen und Maßstäben ändern wollen. Du bist eventuell nicht länger einverstanden mit deinem (bisherigen/vergangenen) Ich oder willst eines etablieren beziehungsweise im gesunden Maße festigen. Du wirst ebenso wissen, wie du gern sein möchtest, was du gern können wollen würdest und was du zukünftig weniger möchtest. Du möchtest dein Ich korrigieren und an deine Ansprüche anpassen. Positive Affirmationen im Sinne der Selbstbestätigungstheorie können dir dabei immens helfen.

Du hast eine Geschichte über dich selbst in deinem Kopf, die du durch bisheriges Denken und Handeln aufrechterhalten hast. Sie hat dir ermöglicht, dich flexibel und entsprechend fähig zu halten, dich an verschiedene Umstände anzupassen, wenn nötig. Das definierte deine bisherige sogenannte »Selbstidentität«.[3] Selbstidentität ist jedoch kein stringentes Selbstkonzept. Die Geschichte kann umgeschrieben oder fortgesetzt werden. Du kannst dich auf eine Art als »Frau/Mann« begreifen und auf eine andere Art als »Tochter/Sohn«, weil deine Selbstidentität grundsätzlich flexibel ist. Du bist nicht nur eins, weder nur dein Körper, Geist oder Geschlecht. Deine Definition von »Frau/Mann« muss nicht zwingend übereinstimmen mit deinem Verständnis über »Weiblichkeit/Männlichkeit«. Jeder vermag es, eine ganze Reihe unterschiedlicher Identitäten und Rollen im Leben anzunehmen. Wir können alles auf unterschiedliche Weise definieren, da es nicht nur eine Art gibt. Das ist gut, weil wir verschiedene Aspekte von uns als positiv begreifen können und uns so gut an Situationen anpassen können.[4] Diese Anpassungsfähigkeit hast du bereits inne und sie bestätigt dein Selbstbild. Mithilfe von Affirmationen hast du nun zum Beispiel die Möglichkeit, noch flexibler und selbstinteger, meint authentisch zu leben – auf allen Lebensebenen. In deinem Privatleben könntest du dich anders verhalten und wahrnehmen als im Beruf und umgekehrt. Mithilfe von Affirmationen kannst du kleine und große Korrekturen vornehmen, ebnen oder ganz abschaffen. All das addiert sich zu deinem flexiblen und positiven Selbstbild. Negativ besetzt ist ein Selbstbild oft dann, wenn es scharfe Trennungen gibt zwischen deinem Selbstbild in Lebensbereich 1 und 2, 3, 4 … (Liebe, Beruf, Familie) oder wenn du eine gerade Verhaltenslinie gefahren bist, die dir mehr und mehr die Luft abdrückt. Es muss und darf sich gut anfühlen, dein Selbst. So bleibst du gesund und fähig. Tut es das nicht, sind Affirmationen eine wertvolle Hilfe.

Die neurowissenschaftliche Forschung nahm sich also der Prüfung der Selbstbestätigungstheorie (Affirmationen) an und untersuchte, ob Veränderungen im Gehirn ersichtlich werden, nachdem man sich auf positive Weise selbst bestätigt hatte:

MRT-Befunde deuteten darauf hin, dass Nervenbahnen verstärkt wurden, als Personen Selbstbestätigungsaufgaben ausübten.[5] Der sogenannte ventromediale präfrontale Kortex, der an der positiven Bewertung und der selbstbezogenen Informationsverarbeitung beteiligt ist, ist bei der Betrachtung persönlicher Werte aktiver.[6] Deshalb musst du Affirmationen auch nicht eins zu eins glauben. Dein Hirn funkt mit, ohne es zu merken. Das belegte auch eine Studie aus dem Jahr 2009.[7]

Positive Selbstbestätigung ist besonders vorteilhaft, weil sie gesundheitsschädigenden Stress verringert.[8] Selbstbestärkende Affirmationen können dein körperliches Verhalten steigern (zum Beispiel mehr Aktivität mit Freunden oder häufiger Sport).[9] Sie können helfen, vormals »bedrohliche« Botschaften mit einem geringeren Widerstand wahrzunehmen.[10] Die Selbstbestätigungstheorie – und Affirmationen als Werkzeug – versucht dabei nicht, dein Selbstbild perfekt zu machen.[11] Vielmehr kannst du in verschiedenen Lebensbereichen daran arbeiten, dich persönlich zu schätzen, als patent und kompetent sowie zufriedenstellend wahrzunehmen, um in deinem eigenen – durch Affirmationen neu definierten – Rahmen moralisch, flexibel und »gut« zu sein.[12] Durch selbstintegeres (Fühlen, Denken und) Handeln erfährst du am Ende des Tages eine automatische, selbstzufriedene und authentische Anerkennung – durch dich und andere. Du hast dein Handeln auf dir persönlich wichtige Werte und Standards ausgerichtet – und dir so Anerkennung, Aufmerksamkeit und Lob, Erfolg, Status und Zugehörigkeit zu »gesichert«.

Denn Affirmationen verringern Grübeln und lassen vormals negativ empfundene Konsequenzen abgeschwächt erscheinen.[13] Sie tragen außerdem dazu bei, dass Menschen schädliche Gesundheitsbotschaften (»Rauchen tötet«) eher als wahr annehmen und sogar mit der Absicht reagieren, sich zu bessern[14] oder mehr Obst und Gemüse zu essen[15]. Ähnlich verhält es sich mit deinem Wissen um den positiven Effekt deiner Verhaltensänderung.

 

Affirmationen Durchsetzungsvermögen Selbstfürsorge

 

Weitere gesundheitliche Vorteile von Affirmationen

Diese Studien zeigten auch, dass Affirmationen helfen können, weniger widerstandsfähig zu reagieren, wenn du mit »Bedrohungen« konfrontiert bist. Eine Bedrohung beschreibt dabei zum Beispiel eine einfache Veränderung in deinem Leben, die du mit negativen Konsequenzen bedenkst, zum Beispiel

  • Wenn ich mich trenne, dann …
  • Wenn ich kündige, dann …
  • Wenn ich mich ändere, dann …

Das hat maßgeblich mit deinen bisherigen Gedanken, abgeleitet aus Erfahrungen, zu tun. Und mit deinen Motiven. Es gibt verschiedene Motive, wobei diese drei Hauptmotive unterschieden werden:

  • Macht
  • Zugehörigkeit (sozialer Anschluss)
  • Leistung

Jede deiner bisherigen Handlungen versuchte entweder, diese zu erreichen oder sie zu vermeiden, weil du damit etwas Negatives in Verbindung brachtest. Vielleicht ergibt es nun mehr Sinn für dich, wieso du manchmal so und nicht anders reagiert hast. Entweder du wolltest bewusst/unbewusst eines der Motive ablehnen oder bewahren. Danach richtete sich auch deine Motivation, etwas zu tun oder zu lassen. Doch jede deiner Handlungen war auf die Erfüllung oder Nichterfüllung der Motive ausgerichtet.

Das ist auch der Grund, wieso zum Beispiel Raucher zustimmender auf grafische Warnhinweise auf Zigarettenschachteln reagieren und sogar ihr Rauchverhalten ändern wollen, wenn sie Affirmationen nutzen.[16] Innerhalb der Grundmotive deuteten sie ihre bisherige Wahrnehmung um. Vielleicht empfanden sie es als Einschränkung ihrer Selbstermächtigung (Motiv Macht), nicht zu rauchen, oder aber als Möglichkeit der Integration (Motiv sozialer Anschluss), wenn sie das Rauchverhalten anderer übernahmen. Vielleicht aber war es auch ihr Weg, leisten zu können (Motiv Leistung) und durch Tabak einen Belohnungseffekt zu erzielen (Motiv Anerkennung). Affirmationen halfen ihnen, sich neu zu programmieren – innerhalb ihrer Motive. Die Motivation, ihr Handeln zu korrigieren, folgte von allein.

Allgemein lässt sich also sagen: Je breiter dein Selbstkonzept ist – zum Beispiel durch Affirmationen -, desto widerstandfähiger, unabhängiger und authentischer wirst du.

 

Häufige Fragen zu Affirmationen

Muss man Affirmationen täglich anwenden?

Affirmation SelbstliebeEs gibt weder feste Regeln zu Zeitpunkt oder Häufigkeit noch allgemeine Gültigkeiten für Affirmationen. Du kannst sie so oft am Tag wiederholen, wie du magst. Besonders in der Anfangsphase bietet sich dreimal als Minimum an. Sowohl das Aufschreiben der Affirmationen in einem Tagebuch als auch das Üben der Affirmationen vor deinem Spiegel eignen sich als Methode, um sie effektiver zu machen.[17]

Können Affirmationen helfen, im Allgemeinen optimistischer und positiver zu leben?

Affirmationen fördern im Allgemeinen eine optimistische Denkweise. Optimismus kann mächtig sein, wenn wir legitime negative Aspekte damit nicht ausblenden, verneinen oder ignorieren. Affirmationen haben somit die Macht zur Verringerung negativer Gedanken. Sie vermindern Grübeln über negative Erlebnisse.[18]

Außerdem befähigen sie uns dazu, negative Botschaften anders zu betrachten, nämlich selbstwirksam und selbstermächtigend. Wir können mit ihnen umgehen und sie jederzeit durch positive Aussagen ersetzen. Sie machen uns anpassungsfähig und erfüllen uns mit Hoffnung, denn die einstige Geschichte, die wir uns erzählten, ist nun eine andere: Mit einem »weiteren« Ich können wir Größeres erreichen.

Muss man die Affirmationen glauben, damit sie wirken?

Nein. Dein Unterbewusstsein nimmt sie auch auf, wenn du sie nicht glaubst. Bearbeite besonders die mit, die du nicht glaubst. Sollte die Affirmation einen erheblichen Widerstand auslösen, kann sie dennoch positiv wirken. In diesem Fall aber empfehle ich eine andere Strategie, die ich an späterer Stelle genauer beschreibe. Alle hier genannten Affirmationen beziehen diese Alternative mit ein, sodass du nach ihr greifen kannst, wenn du möchtest.

Muss die Affirmation einen direkten Bezug zu meinem momentanen Leben haben?

Nein, sie werden vielmehr als Teil benutzt, um deine Ziele zu manifestieren, noch bevor sich Blockaden im Leben gebildet oder gezeigt haben. Auch etwas, was du ohne Bezug einübst, kann mächtig in deinem Unterbewusstsein wirken. Das macht Affirmationen so schön: Sie werden wahr und können nachhaltig präventiv wirken.

Was mache ich, wenn bei einer Affirmation Widerstände auftauchen?

Das kann vorkommen und ist nicht so tragisch, wie es sich anfühlen mag. Wir alle haben eine eigene Komfortzone. Das Gehirn kann es nicht leiden, sich zu verändern. Es bringt Veränderungen mit Bedrohungen und potenziellen Gefahren in Verbindung. Und doch kann eine Affirmation positiv sein, auch wenn wir es in dem Moment nicht begreifen. Besonders wenn die Verbindung zwischen Geist und Körper eine Heilung erfährt, kann es negative Emotionen auslösen. Die Affirmationen bleiben stets sicher. Widerstände sind in diesem Fall nur ein Teil des persönlichen und spirituellen Wachstums.

Wie lange dauert es, bis ich positive Veränderungen wahrnehme?

Die Erfahrung zeigt, dass das Gehirn zwischen 30 und 60 Tagen benötigt, um neurologische Signale so zu verstärken, dass sie Teil unseres Gedächtnisses werden und somit als »natürlich« und »wahr« empfunden werden. Man kann bereits am selben Tag positive Veränderungen in der Stimmung bemerken. Etwas Geduld solltest du dennoch haben, da alles davon abhängt, wie lange du in deinem »alten Bewusstseinszustand« gelebt hast und wie oft du diesen durch Gedanken und Handlungen bestätigt hast. Dein Selbst und dein bisheriges Bild, das zu deiner Identität führte, braucht seine Zeit, um sich zu aktualisieren. Zum Glück sind es nur wenige Minuten, um eine oder mehrere Affirmationen über 30 oder 60 Tage zu üben. Man kann es bequem überall machen, im Stillen, oder sie laut aufsagen, wenn man allein ist.

Wichtig ist lediglich, dass du handelst, wenn es nötig wird. Einige Affirmationen werden dein bisheriges Handeln ändern beziehungsweise korrigieren. Viele vergessen diesen Teil: Die jeweilige Veränderung, die du erwirken möchtest, muss auch umgesetzt werden. Es wird dir zum Glück leichter fallen, je länger du die Affirmationen übst.

Können sie bei Ängsten und Depressionen helfen?

Du solltest bei akuten Krankheitsbildern im Vorfeld mit deinem Arzt oder Therapeuten sprechen. Grundsätzlich spricht jedoch nichts dagegen, positive Affirmationen zu nutzen. Ich als ehemalige vierfach Angst- und Panik»gestörte« habe meine damaligen Angstzustände oder Burnoutsignale nicht verstärkt, sondern gelindert wahrgenommen. Mit all meinem bisherigen Wissen zum Thema habe ich dieses Programm erstellt. Aber Affirmationen allein sind kein Ersatz für eine Therapie oder klinische Behandlung.

In jeder Therapie findet – oder das sollte das Ziel sein – eine Neustrukturierung deiner kognitiven Prozesse statt. Affirmationen sollen dich gesünder und anpassungsfähiger machen. Zumindest aber zeigte eine Studie an Krebspatienten, dass positive Affirmationen einen erheblich positiven Zusammenhang zu Gefühlen der Hoffnung hatten.[19] Ähnlich verhält es sich mit Religion. Auch Menschen, die einen starken Glauben an Gott haben, sprechen von positiveren Gefühlen in Zeiten von Krankheit.

Glaube – an Affirmationen, dich, einen Gott, das Universum – kann tatsächlich Berge versetzen.

 

Die Kehrseite von Affirmationen und erste Hinweise

negative auswirkungen affirmationen vorsichtAlles im Leben hat einen Haken, auch Affirmationen. Laut der Selbstbestätigungstheorie müssen die Affirmationen deine persönlichen Grundwerte widerspiegeln.[20] Es macht keinen Sinn, etwas zu wiederholen, das dir gänzlich fremd im Sinne von abstrus oder gar »falsch« erscheint. Wenn die Affirmation nicht mit deinem eigenen Gefühl oder einem deiner Handlungsmotive übereinstimmt, würde die Affirmation eine Ablehnung deines aktuellen Ichs darstellen. Nur innerhalb deines Selbstbildes würde dein Selbst dich/sich als »gut«, »wertvoll« oder »zufrieden« empfinden. So begreift auch das Gehirn die Affirmationen.

Ein Beispiel: Eine Frau fühlt sich hässlich wegen ihres Übergewichts. Sie macht dieses maßgeblich zur Ursache, dass sie Single ist und kaum Freunde hat. Ihr Körperbild ist sehr negativ, aber sie schafft es nur schwer, sich in ihrer Nahrung zu regulieren. Gedanken daran, dass sie »trotzdem schön« wäre und »einen liebevollen Partner und Freunde« verdient hat, prallen an ihr ab. Gibt man dieser Frau die Affirmationen »Ich bin es wert, geliebt zu werden«, »Ich habe Liebe verdient« oder »Ich bin schön, so, wie ich bin«, »Ich bin gut und genug, so, wie ich bin« würden die Aussagen nicht mit ihrer Auffassung über sich selbst übereinstimmen. Im Gegenteil: Eine meiner LeserInnen erzählte mir einst, dass sie sich früher nur noch schlechter gefühlt hätte, weil sie »wusste, dass sie versagen würde« und »es ohnehin nicht stimmte«.

Hier zählt der bisherige Punkt »Muss ich an die Wirksamkeit der Affirmation glauben?« nicht, denn es existieren so starke unterbewusste Muster, die nur darauf abzielen, die Erfüllung des Gegenteils – das, was sie sich am meisten wünschte – zu verhindern. Etwas in ihr schien vermeiden zu wollen, dass sie sich selbst akzeptiert und liebt. Denn damit ging ein Nutzen für sie einher, zum Beispiel die Vermeidung sozialen Ausschlusses (innerhalb ihrer Familie). Viele machen sich »kleiner«, als sie sind, um andere nicht mit sich zu konfrontieren oder traurig zu machen.

Selbstakzeptanz hätte zu Authentizität und Selbstintegrität geführt. So hätte sie unweigerlich eine geänderte Ausstrahlung auf Menschen gehabt. Ihre bisherige Wirkung, die eher abweisend und verhalten, ängstlich und vorurteilsbehaftet war, wäre verpufft. Sie hätte neue (oder bereits bekannte) Menschen angezogen. Ihre alten Gedanken zu ihrem Selbstwert wären bedeutungslos geworden. Sie hätte sich nicht länger gesorgt darüber, was andere von ihr denken, weil sie mit sich selbst zufrieden gewesen wäre. Doch wahrscheinlich lernte sie in ihrer Vergangenheit, dass sie das nicht dürfe oder sich dann negative Konsequenzen einstellen würden: Neid, Eifersucht, Missgunst, Abwendung liebevoll empfundener Menschen, sexuelle Übergriffe, Traurigkeit anderer, Konfrontation anderer mit ihren eigenen Wunden usw.

Eine Krux am gesamten Konzept der Selbstliebe ist, dass es die unterschwellig wirkenden Lebensskripte außer Acht lässt (gebildet in der Kindheit und in den ersten Erfahrungen mit romantischer Liebe) – die vorher erwähnte Geschichte, die wir uns erzählen. Diese Geschichte ist mächtig. Deshalb ist es wichtig, dass die Affirmationen linguistisch (sprachlich) so strukturiert sind, dass sie dennoch in dein Selbstkonzept und deine aktuelle Identität passen.

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Endnoten & Quellen

[1] Steele, 1988
[2] Cohen & Sherman, 2014
[3] Cohen & Sherman, 2014
[4] Aronson, 1969
[5] Cascio et al., 2016
[6] Falk et al., 2015; Cascio et al., 2016
[7] Sherman et al., 2009
[8] Sherman et al., 2009; Critcher & Dunning, 2015
[9] Cooke et al., 2014
[10] Logel & Cohen, 2012
[11] Cohen & Sherman, 2014
[12] Steele, 1988
[13] Koole et al., 1999; Wiesenfeld et al., 2001
[14] Harris et al., 2007
[15] Epton & Harris, 2008
[16] Harris et al., 2007
[17] Ronald Alexander, 2011, Open Mind Institute
[18] Wiesenfeld et al., 2001
[19] Taber et al., 2016
[20] Cohen & Sherman, 2014

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Bloggerin psychische Gesundheit

Verfasst von Janett Menzel

Autorin und Mentorin für Personen mit herausfordernden Ängsten in ihrer psychischen Gesundheit, in Liebe & Beziehung, Job & Karriere. Expertise & Forschungsfelder: Angstzustände/Panikattacken, Beziehungsängste - erfolgreiche Beziehungen, erfolgreiche Kommunikation, Gehirnforschung, Managemententwicklung, Ernährung & Hormone, Körper-Geist-Gleichgewicht, weibliche & männliche Energien, Entspannungstechniken aus aller Welt, Identitätsbildung bei jungen Menschen, Auswirkungen der Emanzipation auf das Verständnis zwischen Mann-Frau

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