Mit dieser Übung verarbeitest du Leid, Angst & Kummer am schnellsten

Mit dieser Übung verarbeitest du Leid, Angst & Kummer am schnellsten

Hast du dir etwas zu vergeben? Hängst du dich gern an Perfektionismus auf oder leidest unter innerer Hektik, Lähmung, Blockaden? Hast du jemandem zu verzeihen? Willst du dich von Zwängen befreien? Schiebst du Dinge vor dir her, wie zum Beispiel eine Angst zu überwinden oder überfällige Arzttermine, einem potenziellen Partner neu zu vertrauen, Veränderungen herbeizurufen oder endlich den einen Schritt in Richtung Lebenstraum zu wagen, von dem du schon so lange träumst? Die nachfolgende Selbstcoaching-Übung ist so simpel und gleichzeitig so brutal, dass sie wirklich schmerzen könnte. Sie ist eine Übung von vielen in “Ein Gefühl namens Dieter”, meinem neuesten Nicht-Onlinekurs, die an die Materie gehen. Und das sage ich nicht nur so daher.

Mach die Ei-Übung und lerne, dir

  • a) zu vergeben
  • b) die Ruhe zu bewahren und
  • c) endlich für dich zu handeln.

Wieso wir so ungern Altes loslassen, verarbeiten und es stattdessen lieber verdrängen

Nimm endlich dein Leben in die Hand tu es jetztEwig grübeln, uns wieder die Schuld geben, wieder dem anderen dasselbe wie immer vorhalten, wieder nichts tun und uns später ärgern, wieder nicht auf den Tisch zu hauen, sondern still bleiben, wieder lieber Angst als Grund nehmen, um etwas nicht zu tun, statt für uns und unser Wohlergehen einzustehen. Das tun wir deshalb, weil die Zukunft und der Ausgang einzelner Situationen so ungewiss sind, weil wir lieber ewig ertragen, statt einmal zu handeln – mit dem 1. Schritt. Wir verharren leider so in Situationen, die uns selten guttun. Wir werden selbst zur Stagnation, zur Blockade.

Wir tun uns damit bewusst oder unbewusst „Sachen“ an, die wir in Wirklichkeit – wenn die Ausmaße der Destruktion sichtbar würden – nie tun würden. Aber da wir „nur“ Gefühlsreaktionen wahrnehmen, keine Schränke kaputt geschlagen oder Fenster zerstört haben, keine Autos demoliert haben und uns nicht das Herz haben „zerreißen“ lassen (im wahrsten Sinne) oder uns kein Bein ausgerissen haben (in Wahrheit), nehmen wir nur sprachliche Metaphern und Symbole für unsere Gefühle wahr:

  • Wir sind kaputt.
  • Etwas hat uns kaputtgemacht.
  • Unser Herz wurde gebrochen.
  • Etwas hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen.
  • Wir sind gelähmt vor Schmerz und Kummer.
  • Wir vermissen jemanden so sehr, dass wir das Gefühl haben, nicht komplett zu sein.
  • Wir haben uns so sehr bemüht, uns geopfert, uns ein Bein ausgerissen.
  • Uns läuft die Galle über.
  • Etwas geht uns an die Nieren.
  • Wir tragen ein schweres Kreuz.
  • u. v. m.

Das alles sind Beispiele für unsere bildgewaltige Sprache Deutsch. Aber sie visualisieren nichts, sie beschreiben lediglich ein Gefühl. In Wahrheit fühlen wir uns nur so, als ob … uns etwas angetan wurde. Jemand handelte nicht zu unserem Wohl und wir leiden darunter, teilweise jahrelang. Doch SEHEN – mit eigenen Augen –, was in uns wie ist, können wir nicht. Und deshalb fällt es so viel leichter, etwas einfach nicht zu tun. Würden wir das Ausmaß unserer Nichttaten sehen und in seiner Wucht wahrnehmen, wäre das anders. Dann würden wir handeln. AUSFÜHREN – mit eigenen Händen –, um unserem Leid ein Ende zu setzen.

Ein Ei zeigt dir, was du dir antust, wenn du nicht für dich handelst

Bei der Ei-Übung – ein bekanntes Coaching-Tool, das so und ähnlich für viele Zwecke des Reifens und Erwachens verwendet wird – wird dir etwas Neues abgerungen: Du darfst dir dabei anschauen, was du mit dir machst. Es zeigt dir, was geschieht, wenn du etwas Lebendiges (dich und deine Gefühle, dein Leben) einfach so geschehen lässt. Die Ei-Übung ist auch dann wunderbar, wenn du endlich

  • den Termin machen willst, den du schon ewig vor dir herschiebst
  • jemanden anrufen willst, bei dem du dich zu lange nicht mehr gemeldet hast
  • dich entschuldigen möchtest
  • etwas in Angriff nehmen möchtest, z. B. Bewerbungen für eine neue Stelle schreiben, einem Verein beitreten oder dich auf einer Datingplattform anmelden
  • endlich mal wieder ins Fitnessstudio gehen möchtest
  • deine Ernährung umstellen willst
  • ein gutes Buch lesen willst
  • allein etwas unternehmen willst
  • deine Wohnung auf Vordermann bringen
  • oder ein Gehaltsgespräch mit deinem Vorgesetzten führen willst
  • usw.

Die Ei-Übung wird dir zeigen, wie schwer es dir in der Wirklichkeit fallen würde, Kaputtes, Unverarbeitetes und Unerledigtes hinzunehmen, vor dir herzuschieben und dich nicht weiter darum zu kümmern – nur weil Verdrängung leichter erscheint. Sie funktioniert wie ein Timer. Wie oft geschieht uns etwas, das wir nicht verarbeiten, was weiter in uns schwelt, aber trotzdem tragen wir keine Sorge für die Beseitigung des Schmerzes, der liebevollen Fürsorge für unser Inneres. Auch wer schon Fehler anderen gegenüber gemacht hat (also wir alle), wird wissen, wie schwer es fällt, ihn zuzugeben oder zu korrigieren. In uns selbst und uns selbst gegenüber: Da sind wir meistens ignorant und steinhart. Wir lassen die Gefühle einfach liegen, denken immer einmal wieder über Monate, Jahre und Jahrzehnte darüber nach und dann … tun wir lange nichts. Wir warten ab.

Und so funktioniert die Ei-Übung

Du benötigst für diese Übung – Überraschung! – mindestens ein Ei: klein, mittelgroß, groß, Bio oder nicht Bio ist egal. Begib dich an einen Ort, an dem du eine abwischbare Fläche hast, zum Beispiel der Küchenboden mit Laminat/Linoleum, die Arbeitsfläche deiner Küche, das Fensterbrett, ein Regalbrett.

Nimm das Ei und wirf es auf diese Fläche. Höre es klatschen und sieh, wie es zerbricht, wie die Schale aufplatzt und sich das Innere auf der Fläche ergießt. Nun verlasse diesen Raum, ohne irgendetwas zu tun. Lass das kaputte Ei dort, wo es ist. Erst einmal wird nichts mit dem Ei geschehen. So wie mit deinen verletzten oder aufkommenden Gefühlen nichts geschieht, wenn du keine Sorge dafür trägst. 

Warte einen Tag, oder wenn du es durchhältst (und das ist gar nicht so leicht), mehrere Tage. Sieh, was mit dem Ei geschieht. Es wird verfaulen, stinken und bald schon wirst du dich fragen, ob du Besuch in deine Wohnung einladen solltest oder ob du morgen früh ein paar neue Maden-Freunde in deiner Küche begrüßen kannst. Du wirst den Drang, dieses faulende Ei wegzuwischen, um dich über die klare, saubere Fläche zu freuen und Erleichterung zu verspüren, kaum unterdrücken können.

Doch die Kür bei dieser Strategie ist, mit dem verfaulenden Ei genauso umzugehen wie mit deinen verletzten Gefühlen, die du ignorierst oder verdrängst. Unweigerlich wird der Punkt kommen, an dem du nicht mehr anders kannst, als einen Lappen zu nehmen und alles wieder schön zu putzen. Wenn du an diesem Punkt bist: Denke daran, dass das faulende Ei deine Wunden darstellt, um die du dich genauso kümmern solltest wie um das Ei in deiner Küche. Übernimm die Verantwortung für deine Gefühle und für alles, was in dir vor sich hinrottet. Auch in dir darf alles klar und sauber sein.

Wenn du diese Übung durchhältst, wird sich ein Raum der Zeit öffnen. Wenn du dich dann entschließt, es wegzuwischen, verarbeitest du symbolisch das Gefühl, das du transformieren willst. Du beschließt in diesem Moment des Säuberns, dass nun SCHLUSS ist mit dem, was dich lähmt. Du überwindest und reinigst dich, während du dich selbst angehalten – ja gezwungen hast – endlich zu tun, was schon so lange überfällig war.

Ein Gefühl namens Dieter

Ein Gefühl namens Dieter Bewältigung von schwierigen Gefühlen und Lebenssituationen Janett MenzelLust auf mehr? Meine Nicht-Onlinekurse, die ich Kapitel des Lebens nenne, aktualisiere ich monatlich mit vielen neuen Impulsen zum einmaligen Preis. Somit ist es ein nicht endendes Buch, ein Almanach an Strategien und Techniken für die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens, untermalt mit Audios, Arbeitsblättern, Entspannungstechniken und Trick 17-Methoden zur Überwindung (selbst) auferlegter Hürden.

Hier geht’s zu Ein Gefühl namens Dieter >> (Weiterleitung)

Brief an mein inneres Kind oder Eine Erinnerung an dich, falls du vergessen hast, wer du bist

Brief an mein inneres Kind oder Eine Erinnerung an dich, falls du vergessen hast, wer du bist

Was uns im erwachsenen Leben an Schwierigkeiten und Herausforderungen begegnet – emotional und psychisch – findet seinen Ursprung zu oft in der Kindheit. Dort haben wir gelernt, wie Leben vermeintlich geht, wofür wir hier sind und wie unsere Rollen aussehen, was wir sollen und was nicht, wie die Welt tickt und wie wir Teil davon werden (oder bleiben). Nur selten aber decken sich diese Lernerfahrungen mit dem, was wir sein wollen und können. Denn unsere Kindheit ist auch gesät mit Verletzungen, vorrangig die unserer Eltern und Großeltern, die an uns weitergegeben wurden. Wir konnten sie als Kind nicht prüfen, aber im erwachsenen Leben können wir es sehr wohl – mithilfe unseres inneren Kindes. Ist unser inneres Kind verletzt, sorgt es für destruktive Beziehungen und Missstände, die wir vermeintlich nicht loslassen können, wenn wir älter sind. Hier helfen Erinnerungen an unser wahres Selbst, nachdem wir Missliches, was unser inneres Kind glaubt, aufdecken und ausgleichen. Briefe sind ein hervorragendes Instrument, um seinem inneren Kind zu begegnen: Es ist ein bewährtes Mittel der Schreibtherapie, seinem inneren Mädchen/Jungen einen Brief aus der Sicht des Erwachsenen zu schreiben – um ihm den Weg zu weisen, zu korrigieren, zu bestärken und schlussendlich zu heilen.

Hier ist – als Anregung oder Vorlage – mein Brief. Es ist der Zweite. (Den Link zum Ersten findest du am Ende dieses Briefes.)

Brief an dein/mein/unser inneres Kind

inneres kind
Briefe als Instrument, um seinem inneren Kind zu begegnen und es zu heilen: ein bewährtes Mittel der Schreibtherapie

Liebling,

ich habe einige Bitten an dich.

Du darfst immer traurig sein, wenn dir etwas Schlimmes widerfahren ist, aber erinnere dich daran, dass jedes Gefühl – Traurigkeit, Schuld, Scham, Angst, Ekel usw. – eine Entscheidung ist. Du entscheidest, ob du ihm Raum gibst oder nicht. Du entscheidest, ob du dich fürchtest oder nicht. Du weißt, dass du deine Gefühle steuern kannst. Dein Denken ist ein mächtiges Instrument und Gefühle sind deine Freunde. Sie kommen aus der Kindheit und zeigen dir, was du gelernt hast. Was du aber früher gelernt hast, kann heute schon hinfällig sein und morgen schädlich. Viel wichtiger: Was du gelernt hast, kannst du jederzeit wieder verlernen.

Bitte erinnere dich, wie alt du bist, was du bereits in deinem Leben gemeistert hast, worauf du stolz sein kannst und welche Fähigkeiten dich besonders machen. Solltest du auch nichts von dem, was dich ausmacht, nutzen – weder für dich noch für die Welt: Es ist nie zu spät, dein Leben zu verändern. Nimm dir ruhig die Zeit, die du brauchst.

Trennungen aller Art wiegen schwer für jeden Menschen. Du bist nicht allein damit. Wenn dich jemand verlässt, sei traurig, weil es schmerzt, aber erinnere dich daran, dass du ebenso dankbar sein könntest, einen Menschen weniger in deinem Leben zu haben, der nicht zu dir gehören will. Gib das Kämpfen auf. Es geht darum, jene zu finden, die bei dir sein wollen, weil sie zu dir passen und du zu ihnen.

Deshalb: Wenn dich jemand verletzt, prüfe sorgfältig, ob es dein Ego ist, das weint, oder dein Herz. Dein Kopf und Herz sind mit Grund voneinander entfernt. Beide haben ihre Aufgaben, aber nicht immer haben beide recht. Es kann so aussehen, als würdest du bitter leiden, während es nur eine Kränkung deines Egos ist. Es kann sein, dass du meinst, etwas würde dir nichts anhaben, dir nichts ausmachen, während dein Herz leise bricht. Kenne den Unterschied. Kenne dich.

Wenn du abgelehnt wirst – und das wird nicht selten geschehen – bleib dennoch positiv und dankbar. Vertraue den Menschen in ihren Ansichten über dich und sich und euer beider Wohl. Wenn sie dich nicht wollen, so ist es ihre Entscheidung. Respektiere sie. Sie ist richtig, weil sie sich richtig für denjenigen anfühlt. Selbst wenn sie sich für dich falsch anfühlt, so könnte sie doch richtig für dich sein. Manchmal wollen wir erst recht das, was wir nicht haben können. Und viel zu oft wünschen wir uns, was uns nicht guttäte. Es nützt dir wenig, dich täglich für einen Hauch gelogene Sympathie aufopfern und zermürben zu müssen. Es ist ein täglicher Kampf, der dich zeichnen wird. Du kannst ihn jetzt aufgeben und doch dankbar sein für die schönen Zeiten und nützlichen Lehren.

inneres kind brief

Lerne ebenso, Menschen zu verlassen oder dich aus destruktiven Situationen zu schälen, ganz egal, wie sehr es jemandem wehtun würde. Dein Leben ist dafür da, gelebt zu werden, in maximaler Freude und mit bestem Gewissen und Wissen. Es ist nicht Pflicht des Lebens, unnötig zu leiden, wenn du dieses Leid vermeiden könntest. Es ist eine Erlaubnis, zu gehen, wann immer du in einer Verbindung keinen gegenseitigen, erfüllten und liebevollen Nutzen erkennen kannst.

Der Tod wird früh genug kommen. Verlust ist unvermeidbar. Sei deshalb Zeit deines Lebens gut zu dir, deinem Körper, deiner Seele und anderen Menschen. Töte weder dich noch andere im Kleinen wie mit Worten, Rache oder Vermeidung, Schweigen, Distanz, Reaktivität oder Angst, Verachtung oder Aufopferung. Alleinsein will gelernt sein und Konflikte gemeistert. Du bist genauso wichtig wie andere. Andere sind genauso wichtig wie du. Wer dir hier widerspricht, gehört nicht in dein Leben.

Jeder Mensch, der dich verletzt, ist dennoch ein wertvoller Lehrer für dich. Hasse ihn nicht. Was dich verletzt, sagt etwas über deine Verletzungen, die, die du so sehr zu lindern versuchst – oder gekonnt verdrängst. Sei nicht tätig, Verletzungen zu vermeiden, die Kontrolle zu behalten oder das Leben gar zu manipulieren. Das alles sind bloße Gedanken, die aus alten Wunden entspringen. Doch alt ist, was alt ist. Jetzt ist jetzt. Je häufiger du mit dem Schlimmen in Kontakt kommst, desto eher wirst du lernen, ruhig zu bleiben, dir und deinem Leben zu vertrauen und so deine Ängste überwinden.

Ängste sind okay, weißt du? Wir alle haben welche. Sie sind da, um dir etwas zu zeigen:

1.) Was du glaubst, nicht zu dürfen oder nicht zu sollen?
2.) Wo es hakt, wo du eingreifen musst, wo es eine Korrektur geben muss?
3.) Was erlaubt dir deine Angst, nicht tun zu müssen?

Ängste sind nicht da, um dich zu quälen. Sie sind nicht da, um dich deines Glücks zu berauben oder zu benachteiligen. Sie sind da, um verstanden und akzeptiert zu werden. Je schneller du deine Ängste kennenlernst, desto näher rückst du an dich selbst heran.

Seien die Verletzungen von Menschen noch so eindeutig: Bleib ruhig und atme. Besinne dich auf ihre Lektionen. Was sie können, kannst auch du. Manchmal lernt es sich am besten von seinem vermeintlich größten Feind, zum Beispiel, wie du nicht bist oder nicht sein willst, wo du nicht hingehörst oder nicht hingehören willst. Es gibt Menschen, die ein Leben lang nach den Antworten auf diese Fragen suchen. Nimm die Gelegenheiten, wie sie kommen, und packe ihre Lektionen am Schopfe. Das erspart dir wertvolle Zeit.

Wer versucht, deine Schwachstellen zu finden, um sie gegen dich auszuspielen, hat ebenso Schwachstellen, die er zu verstecken versucht. Hinter jeder Schwäche steckt eine Stärke, so wie hinter jeder Stärke eine Schwäche steckt. Es ist die Balance, die zählt.

nicht wissen wohin mit meinem leben

Mitunter sind Angriffe anderer auf dich nicht mehr als der Spiegel ihrer Angst. Finde heraus, was sich dahinter verbirgt, dann übe dich in Verständnis und Vergebung. Doch du bist ein Mensch, keine Fußmatte. Erinnere dich daran und wenn nötig, auch die anderen, die diese Erinnerung brauchen. Mitunter werden/wurden sie selbst so behandelt und kennen keine anderen, gesunden Wege. Man könnte auch sagen: Sprich die Sprache deines Gegenübers. Sei sanft zu dir und denen, die Sanftheit verstehen. Sei bereit, sanft hart zu jenen zu sein, die nichts als Härte üben, indem du ihnen deinen Grenzen aufzeigst. Die größten Verletzungen, Missverständnisse und Kommunikationsfallen entstammen dem Schweigen, der Unkenntnis und Uneinsichtigkeit.

So bleibe offen Menschen gegenüber, die Charaktereigenschaften haben, die dir fremd sind. Sie wuchsen anders auf als du. Aber sie sind Menschen, so, wie du. Was kannst du von ihnen lernen? Was können sie, was du nicht kannst? Was kannst du ihnen beibringen? Was kannst du, was sie nicht können? Welches gemeinsame Ziel habt ihr? Welche Handlungen würden es euch erleichtern, euer Ziel zu erreichen?

Fehler zu machen, heißt nicht, ein Fehler zu sein. Selbst die härteste Kritik ist nichts weiter als Feedback. Bleib ruhig und frage stattdessen, was du neben dem Fehler gut gemacht hast. Das lenkt aller Aufmerksamkeit ab – besonders deine.

Du wirst dein Leben lang lernen und an dir arbeiten dürfen. Nenne es Persönlichkeitsentwicklung oder Potenzialentfaltung. Niemand kommt perfekt auf diese Welt. Du bist kein Fertigprodukt, sondern durchläufst deine eigene Evolution in deinem eigenen Tempo. Keinen einzigen Tag bist du auf dieser Welt, um zu sein, wie es andere von dir erwarten. Es ist das Miteinander, das zählt, das gegenseitige Füreinander. Und das beginnt mit der Fürsorge für dich selbst.

Es gibt Menschen, die das nicht akzeptieren. Übe dich in Konfrontation. Es hat noch niemandem geschadet, für sich einzustehen. Es stärkt dein Bewusstsein für das, was du brauchst: dich und wer du bist, wer du sein willst. Dein Potenzial ist seit Geburt her in dir angelegt.

Vielleicht werden Zeiten kommen, in denen du nicht weißt, wie es weitergehen soll, in denen dir alles sinnlos erscheint und leer. Fehlt dir ein Sinn, fehlt dir in Wahrheit ein Ziel. Es muss dein Ziel sein, erreicht mit deinen Mitteln, minus dem, was andere wollen. Nur so steht unter dem Strich ein Ergebnis, das dir gefallen wird. So überstehst du alle Hindernisse und Zweifel.

Du hast immer das Recht, jemanden nicht zu mögen, so wie jeder andere das Recht hat, dich nicht zu mögen. Dich zu mögen, ist das oberste Ziel – für dich. Du wirst es nicht erreichen, wenn du dir nur dann gefällst, wenn du anderen gefällst, du dich nur dann magst, wenn andere dich mögen.

Prüfe deshalb deine eigenen Gedanken und Ansichten über die Welt. Nicht jeder deiner Gedanken ist wahr, so, wie alle, die von außen kommen, sowohl richtig als auch falsch sein können. Erinnere dich daran, dass jeder seine Einstellungen braucht. Sie geben Halt und versprechen Ordnung. Je flexibler du bleibst und je weniger Glauben du dem schenkst, was du denkst, desto eher wirst du zu dem, was du sein kannst: dein größtmögliches Ich.

inneres kind

Denn du wirst niemals besser sein, als das, was du von dir glaubst. Glaube daran, dass alles möglich ist und alles kann möglich werden. Beschränke dich nicht selbst, nur weil dir deine Gedanken dazu raten.

Hinterlasse der Welt etwas, was dir am Herzen liegt. Teile. Gebe. Inspiriere. Sprich über deine Niederlagen. Zeige, wie du sie überwunden hast. Liebe. Verletzlichkeit ist Teil des menschlichen Seins. Niemand kommt um sie herum. Sie zu leugnen, ist eine der größten Lügen.

Deshalb bewerte Menschen nicht auf den ersten Blick. Du kannst niemals wissen, was jemand gerade durchmacht, welche Kämpfe er auszustehen hat, welche Ängste. So mancher lächelt und sagt, alles wäre wunderbar, während er in Wahrheit verzweifelt. Wir haben alle unsere Sorgen, aber nicht jeder zeigt sie.

Schlussendlich ist hier meine letzte Bitte: Bevor du fällst, falle lieber auf! Auch sein Leben nicht in die Hand zu nehmen, ist eine aktive Entscheidung. Sie lautet: „Ich nehme mein Leben nicht in die Hand, sondern lasse es liegen und mache nichts damit.“ Suche dir Hilfe dafür, wenn du welche brauchst. Gehe einen ersten Schritt und probiere etwas Neues, wenn dich das Alte nicht mehr nährt. Aber handele. Sei dir hier am nächsten und kümmere dich gut um dich. Wenn du das tust, wird sich das Leben dankbar zeigen. Das ist ein Versprechen!

In Liebe,
dein erwachsenes Ich

© Janett Menzel

Zum Weiterlesen

“Über die Kunst, allein zu sein” (Janett Menzel, 2016)
“101 Wege aus der Angst” (Janett Menzel, 2018)
“Mein neues Leben ohne Angst” (Janett Menzel, 2020)
“Hör auf! Deine Angst” (Janett Menzel, 2018)

Hier geht’s zum ersten Brief an mein inneres Kind

Corona/COVID-19: Wie uns Krisen wie diese zu Wachstum und Veränderung zwingen

Corona/COVID-19: Wie uns Krisen wie diese zu Wachstum und Veränderung zwingen

Krisen wirken zuerst überwältigend und beängstigend: Sie brechen über unser gewohntes Leben hinein, reißen einmal alles auseinander oder bewirken, dass wir uns dem Wesentlichen zuwenden. Während einige in der Coronakrise die pure Dankbarkeit sind, weil ihr Leben relativ sicher und geordnet war, sind andere nun herausgefordert, ja gezwungen, sich anzupassen, zu wachsen oder gar zu verändern – inmitten von Ängsten, existenziellen Sorgen und privaten Herausforderungen. Der Virus, der unsere Welt lahmlegt, macht Angst, verstärkt bestehende Angstzustände und lässt neue entstehen. Unternehmen/Selbstständige müssen umdenken, Kündigungen und finanzielle Verluste bei Arbeitnehmern werden gefürchtet oder sind schon da, Einsamkeit ist so nah an uns dran wie noch nie zuvor, Beziehungen werden auf den Prüfstand gestellt oder infrage. Unsere Motivationen, die im erfüllten Zustand garantierten, dass wir uns wohlfühlen, fallen plötzlich weg. Unsere Selbstbestimmung und Unabhängigkeit wird vom Staat und seinem Rechtssystem aufs Äußerste minimiert. Doch jede Krise birgt eine Kraft. Sie zu finden und mit Ruhe und Bedacht zu bewältigen, uns dem Negativen und Schatten in unserem Leben zu stellen, ist zu Zeiten von COVID-19 so dringend wie nie.

Wozu uns die Coronakrise bislang gezwungen hat – Ein Rückblick

Corona und Zwänge, Fremdbestimmung, Verlust und Entbehrungen
Das Coronavirus stürzt viele in eine Krise: Was für einige Schutz bedeutet, ist für andere ein gravierender Einschnitt ins Leben. Wieso, findest du in diesem Abschnitt.

In der Coronakrise drohen uns nicht nur Bußgelder auch Strafanzeigen bis hin zu Haftstrafen, wenn wir Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren verletzen. Auch ein Kollaps unseres Systems (was wir brauchen, um uns verbunden statt getrennt zu fühlen) droht vielen – oder ist bereits eingetreten. Kontakt nur noch zu einem Freund, keine Hausbesuche, die Familie nicht sehen dürfen, keine Besuche von Verwandten in Pflegeheimen, Einreise- und Ausreiseverbote, der Druck nach einer Maskenpflicht, finanzielle Einbußen durch Kurzarbeit oder mangelnde Auftragslage, Angst vor Kündigungen, Arbeit im Home Office, viel Alleinsein oder gar keine Zeit mehr allein – weil der Partner und die Kinder rund um die Uhr zu Hause sind, sind die wesentlichen Maßnahmen. Wir kommen durch Corona alle an unsere Grenzen – wenn wir es nicht schon sind. Nur wenige genießen gerade die Entschleunigung und Ruhe, sind dankbar für die Sicherheit ihres Lebens oder freuen sich für die Natur und Umwelt durch die reduzierten Abgase. Die, die große Schwierigkeiten mit den Verboten und Zwängen haben, kommen zwar genauso bei sich selbst an wie die, die zur Ruhe kommen, nur können sie es sehr viel schwerer ertragen. Denn womit sie in sich und ihrem Leben konfrontiert werden, sehen sie nur ungern – während viele von ihnen die Veränderungen, die nötig wären, nicht umsetzen können.

Der Rest der Welt geht bis weit über die deutschen Maßnahmen hinaus, schließt Schulen bis zum Ende des Sommers – verbietet, was verboten werden kann, um COVID-19 einzudämmen. Darunter Panama, wo Frauen nur noch getrennt von Männern (und vice versa) rausgehen dürfen, oder die Philippinen, wo Präsident Rodrigo Duterte sogar das Erschießen all jener erlaubt hat, die sich gewalttätig wegen der Auflagen verhalten.)

Wieso uns Verbote und Zwänge so schwer zusetzen? Dass den politisch beschlossenen Maßnahmen teils so drastisch begegnet werden, liegt an der menschlichen Reaktion auf Fremdbestimmung, das legitime und in uns verankerte Bedürfnis nach Freiheit und Integration. Mal kurz ausgeschweift: Jeder unterliegt intrinsischen Motivationen, Antriebe, die uns das Leben sinnvoll, erfreulich, kontrollierbar und somit lebenswert machen. Fast alle sind nun wegen der Pandemie aufgerufen, diese unbeachtet zu lassen, besonders diese:

  • Motiv Macht (statt Entmächtigung und Ohnmacht im Angesicht der Konsequenzen und Fremdbestimmung)
  • Motiv Zugehörigkeit/Anschluss (stattdessen Trennung)
    • Motiv Beziehungen
    • Motiv Familie (Fürsorge statt Ausschluss von Kindern, die als Überträger gelten)
    • Motiv Eros (Sexualität)
  • Motiv sozialer Vergleich/Wettbewerb
  • Motiv Anerkennung (Aufmerksamkeit durch Leistungen, die nun vorwiegend entweder Stress bedeutet oder allein im Home Office geschieht)
  • Motiv Status (Sehnsucht nach Ansehen, bei Kontaktverboten schwer realisierbar)
  • Motiv Unabhängigkeit
  • Motiv Ordnung (Halt, Sicherheit aufgrund der unsicheren Zukunft gehen verloren)
  • Motiv körperliche Bewegung
  • Motiv emotionale Ruhe (Abwesenheit von Angst statt ANGST)

(Mehr dazu in meinem Buch “Mein neues Leben ohne Angst” – Trias Verlag, 2020)

Du siehst schon: Rein psychologisch hat die Coronakrise das Potenzial, eine Menge Verdrängtes und Unterdrücktes zutage zu fördern: Was wir nie sehen wollten, ignorieren und durch unsere Lebensmöglichkeiten und -stile akzeptieren konnten, ist plötzlich allgegenwärtig. Was bewirkte, uns zu verwirklichen oder zu spüren, ist plötzlich verboten. In einer solchen Krise wie der jetzigen ist es für alle schwer, ihre Motive zur Zufriedenheit umzusetzen. Wir reden hier nicht nur von ein wenig Einsamkeit. Jeder rutscht jetzt so dicht an alles, was er vorher durch sein Leben ausbalancieren konnte. Jeder muss jetzt schauen, wie er mit diesen Schatten zurechtkommt. Aber in der Krise liegt auch eine Kraft, die wir nutzen können. Am Beispiel der sozialen, logistischen und (Versand)Handelsberufe, die sich nun – verständlicherweise – noch ausgebeuteter fühlen, da sie meist gering entlohnt werden, hieße diese Kraft: Erstens, es tut sich was und der Staat realisiert, wie sehr sie wirklich gebraucht werden, auch wenn 1500 Euro Prämie oder der Aufruf zu höheren Löhnen für die Leistung ein Witz ist. Doch es geschieht etwas, was vorher nie geschehen wäre. Das ist die Kraft der Krise. Sie rüttelt Menschen wach – im Positiven und Negativen.

Corona und seine Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft

corona verändert unser leben
Die Coronakrise hat die Macht, uns zu zerlegen , aber auch so wieder zusammenzusetzen, dass wir endlich werden, wer wir sein sollen – nachdem sie auf alles Schlechte/Missliche aufmerksam gemacht hat.

Menschen, egal ob introvertiert oder extravertiert, jung oder alt, m/w/divers, alle Nationen und Kulturen werden nun auf sich zurückgeworfen.

Menschen, die bereits vorher einsam waren, fühlen sich noch einsamer, alte Menschen spüren die (bereits vorherige) Vernachlässigung durch ihre Familie besonders und die, die nun bereuen, ihre Eltern nicht öfter besucht zu haben, sehen sie nun gar nicht/kaum mehr, weil Pflegeheime (teils) Besuche untersagen/stark beschränken. Personen, die freiwillig nur wenige soziale Kontakte pflegten (oder sich isolierten), dürfen nun gar keine Kontakte mehr haben (außer der erlaubten einen Person/Haushaltsangehörige).

Paare hängen aufeinander und müssen ihre ständige Gegenwart ertragen, Beziehungen, die kriselten, aber dennoch aufrechterhalten wurden, kommen nun unweigerlich an ihre Grenzen, (freiwillige) Singles oder solche, die »nur was Lockeres« wollten, dürfen nun nicht einmal mehr Kontakt zu Freunden/Familie haben, genauso wenig wie Casual Sex mit Club- oder Tinder-Bekanntschaften. Sie wünschten nun, sie hätten einen Partner.

Kinder/Jugendliche würden wahrscheinlich ihre XBoxen und Taschengelder hergeben, um wieder zur Schule zu dürfen. Eltern, die ihre Kinder bisher lieber vernachlässigt haben, kommen nun nicht umher, sich um sie zu kümmern bzw. Zeit mit ihnen zu verbringen.

Hochempathen, die Schwierigkeiten mit dem Spüren der Gefühle anderer hatten, spüren sie nun erst recht, hochsensible Menschen ebenso. Von Frauen mit gewalttätigen Partnern und Kindern/Jugendlichen, die häuslicher Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind, ganz zu schweigen. Ähnlich auch Menschen, die Süchten erlegen sind oder schon im Vorfeld anfällig für Suchtverhalten waren: Viele trinken nun noch mehr oder greifen zur Flasche, um sich von der Langeweile und Angstzuständen abzulenken.

Schlechte Nahrung wegen erhöhter Nahrungsmittelpreise wird für Geringverdiener zu einem notgedrungenen Übel werden, unter der der Körper/Geist leiden wird. Obst und Gemüse zu kaufen, die wegen der geringeren Ernteerträge ebenso im Preis steigen werden, wird zur Überlegung oder Verzicht. Einzelne Arbeitgeber, Marktführer und Großhandelsketten, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln/bezahlen, bekommen Contra von Staat und Gesellschaft, durch Streiks bis hin zu Ängsten wegen unausweichlichen wirtschaftlichen Schäden oder lediglich gehörigen Einbußen. Ihnen wird der Missbrauch ihrer Macht immer mehr entzogen, weil nun jeder Einzelne auf sie blickt und sie bewertet. (Beispiel Adidas) Zum ersten Mal spüren sie, wie abhängig sie vom Gutdünken der anderen sind – dass sie eben nicht alles dürfen, nur weil sie es können. Nur die Natur und somit die Umwelt darf sich ein wenig Luft holen.

Wir werden jetzt auf das gestoßen, was wir WIRKLICH brauchen (nicht das, was unser Ego vermeintlich braucht). Es hat den Charakter einer globalen Konfrontationstherapie – denn jeder bekommt in der Krise plötzlich, was er verdient (Balance und Korrektur), wird zu Wachstum und Änderung gezwungen.

Universelle Aufforderung zum Wachstum, zur Einsicht und Veränderung

Coronakrise zeigt, wer wir sind
Die Coronakrise zeigt, wer wir sind, was uns guttut, schwerfällt und was dringend geändert werden darf.

Alles, was bisher versteckt, nie gesehen oder »irgendwie geht das schon«/notgedrungen/»so schlimm ist es nicht« akzeptabel erschien und schöngeredet worden ist, wird nun ins Licht gerissen. Man könnte auch sagen: Wir werden ohne Umschweife mit der Nase in die Schei*** gedrückt, sind gezwungen, uns den Dreck, den wir vorher »irgendwie« ausgehalten haben, anzusehen und endgültig einen neuen Weg des Umgangs damit zu finden. Auch und besonders in uns selbst. Denn auch WIR spitzen uns nun zu. In uns sinken die Toleranzgrenzen und Möglichkeiten zur Flucht vor dem Unausweichlichen in uns und unserem Leben:

Das Leben, das wir bislang gelebt haben, dramatisiert sich und findet seinen Höhepunkt in der Wucht des Schlechten, Ignorierten und Verdrängten, ruft zu Neubewertungen und Entscheidungen auf, zum Umdenken, Einkehren, Verändern und Loslassen. Es ist, als würde uns die Natur (oder wahlweise auch Universum, Gott, usw.) dazu drängen, uns alles anzusehen, uns in ihm zu suhlen, um ihn entweder mögen zu lernen oder einen Weg des Umgangs oder Fortgangs zu finden.

Das heißt auch: Je dichter unsere Emotionen werden, desto mehr fordert uns unser Körper/Geist/Herz dazu auf, gegen das tätig zu werden, was nicht länger (er)tragbar ist. Unser Körper/Geist kann dafür immense Kräfte freisetzen, von heftigen Angstzuständen, Wutausbrüchen bis hin zu schwerem Burnout, Panikattacken, Weinkrämpfen und Nervenzusammenbrüchen. Schlaflosigkeit, Verdauungsstörungen, latente Aggressionen oder Nervosität/Unruhe etc. sind nur die Boten der eigentlichen Nachricht, wie der Regen am dunklen Himmel kurz vorm nötigen Donnerwetter oder reinigendem Gewitter vergleichbar. Denn die Bedrängnis, in der wir uns in der Coronakrise wiederfinden, könnte man genauso gut als Ermächtnis verstehen und annehmen.

Krisen kann man nicht ausweichen – aber man kann ruhig und konzentriert bleiben, die Lektionen verstehen und die Welle so gut wie möglich reiten

ob du positiv oder negativ bist, entscheidest du
Ob wir böse oder gute Gedanken wählen, entscheiden wir, nicht das Virus.

Und wir sind im wahrsten Sinne des Wortes verdonnert, uns dem zu fügen. Der Druck könnte die Macht zur endgültigen Befreiung haben. Was als Drohung und Zwang erscheint, erschüttert nicht nur, sondern schreckt uns auch auf. Es rüttelt uns aus dem Schlaf der Ignoranz gegenüber unserer bislang unterlassenen Selbstverantwortung, Selbstfürsorge, Würde und Selbstermächtigung. Es weckt uns auf. Gnadenlos. Das kann anfangs schmerzhaft sein, aber wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Niederschlag auch anregend sein kann. Wie wir es sehen, liegt an uns. Welche Gedanken wir wählen, entscheiden wir. Nicht das Virus. Ob wir in all dem eine Chance für eine bessere Zukunft sehen oder eine Katastrophe, liegt bei uns. Ob wir uns optimistisch und bedacht in eine bessere Zukunft bewegen oder in Angst, Abwehr und Kummer, entscheiden wir. Ob wir das Vergangene betrauern und krampfhaft festhalten oder aber freiwillig loslassen und das Neue willkommen heißen, entscheiden wir. Wie wir mit unserer Unsicherheit gegenüber dem Neuen, den Ängsten hinsichtlich Existenz und Identität umgehen, beschließen wir. Das wird uns nicht diktiert. Es stehen weder Strafen noch Bußgelder darauf.

Wege aus der Krise: Was nun helfen kann

Und doch, ich verstehe, wenn es vielen nur schwer oder gar nicht gelingt, weil es bewusste und überlegte, selbsterinnernde und -ermächtigte Entscheidungen braucht, eine Kraft, die viele glauben nicht zu haben bzw. die sie nicht aufbringen könnten. Aber es gibt Menschen, die helfen würden, Organisationen, Institutionen, Gruppen/Kreise, Communities, Berater/Therapeuten/Ärzte, Frauenhäuser, Polizei, der Staat. Und dann gibt es da noch etwas namens »dein Wille«. Es ist nicht Mut, der entscheidet über Angst oder die Abwesenheit von Angst. Jede Angst kann mit dem Entscheidungszentrum des Gehirns begegnet werden. Dort wird dann entweder der mutige, »Ich mache es trotzdem, weil ich es so will»-Weg oder der angstbesetzte – vermeidende –, »Das klappt sowieso nicht/Ich schaffe das nicht«-Weg gewählt. Es ist eine Entscheidung, die uns Corona abverlangt und aufdrängt, darüber zu bestimmen, wer wir sind und sein wollen. Besonders aber macht es offenbar, ob unser bisherig gewähltes Leben auch wirklich das ist, was wir für uns wollen. Denn weder ist das, was wir immer wollten, zwangsweise gut oder das Beste für uns. Zu oft erleben wir, dass unsere größten Träume für uns untragbare Umstände mit sich bringen. Aber aus jedem Albtraum können wir auch erwachen. Und nun ist die Zeit dafür gekommen, aufzuwachen und uns ungeschönt anzusehen, was wir leben. Das Gesehene dann auf Lebbarkeit und andere Werte zu prüfen, neu einzustufen und entweder anzupassen oder loszulassen, wäre ratsam.

Corona konfrontiert uns mit uns selbst

In der Coronakrise geht es also um weit mehr als um Prävention und Isolation, Klopapier, Pasta und Hefe. Die Zeit der Schönfärberei ist vorbei. COVID-19 kippt Machtverhältnisse oder spitzt sie zu, zettelt Streiks, Aufstände und Einstände für soziale Gerechtigkeit an, zeigt die wahren aber bisher missachteten Helden, rührt an solchen und anderen »Selbstverständlichkeiten«, unterstreicht den Wert echter sozialer Kontakte, zwingt uns, unsere Stärken wiederfinden, Schwächen ungeschönt anzuerkennen, erinnert an Abhängigkeiten und ruft zur Unabhängigkeit auf, zwingt uns zum Alleinsein (mit uns sein) oder dazu, nicht allein sein zu dürfen, bedrängt uns in unserem bisherigen Glauben über uns, unser Leben und die Welt, prüft radikal unsere bisherigen Grenzen und drückt solange auf unsere Wunde/n (erkannt oder unerkannt), bis der Schmerz nicht mehr aushaltbar ist – bis wir einen Weg aus diesem Schmerz heraus gefunden haben. Dieser muss aktiv gesucht werden. Beruhigend kann es nun sein, alles das zu tun, was uns guttut, unserem Körper und Geist das höchste Ausmaß an Entspannung und Bewegung zu liefern, das Beste des Besten für uns und die Kraft, die wir brauchen, bereitzustellen. Mit halber Kraft können Krisen nur schwer bewältigt werden. Es braucht die volle Annahme und Hingabe zu dem, was bewerkstelligt werden soll/muss. Und das wiederum bringt Änderungen in unseren Gewohnheiten mit sich. Das Gehirn braucht (je nach Studie und Land) 30 – 60 Tage, um diese Veränderungen automatisiert lebbar zu machen. Es sind kleine Beschlüsse jeden einzelnen Tag, dass wir diesen begegnen, auch wenn sie uns schwerfallen – sie doch mit Mut, Hoffnung und dem unwiderlegbaren Willen umzusetzen.

COVID-19 macht uns alle demütig und zwingt uns zur Einsicht und notfalls auch Umkehr. Sich dem zu ergeben, dem Notwendigen hinzugeben und alle Ängste, die uns festhalten ließen, loszulassen, erscheint mir gerade sehr schlau. Denn Krisen wie diese ziehen uns zur Verantwortung gegenüber uns und anderen. Sie drängen uns zur Wahrung unserer Pflichten und das bedeutet auch, die Augen zu öffnen, wenn sie lange Zeit aus Bequemlichkeit oder Not geschlossen gehalten wurden. Nun heißt es Umdenken und mit Kreativität und Geschick neue Lösungen zu finden oder in Gesprächen nach solchen zu suchen. Mit wem die Gespräche stattfinden (ob mit Banken, Eltern, Partnern, Kindern, Helfern aller Art oder mit sich) ist dem individuellen Umstand zu entnehmen. Aber Hilfe in Zeiten von Krisen ist das eine Werkzeug, was jedem gegeben ist. Ein Zweites ist dein Geist: Er ist zu so vielen herausragenden und unglaublichen Dingen imstande, die du dir in deinem gewohnten Leben (mit gewohnten Handlungen, Gedanken und Gefühlen) gar nicht vorstellen kannst. Nur müssen wir ihn in Krisenzeiten gut füttern – mit positiven, hilfreichen und unterstützenden Maßnahmen statt mit schlechten. Es mag für viele banal klingen, aber

  • positive Beziehungen und das Empfinden von Verbundenheit
  • gute Ernährung, körperliche Bewegung, Licht und Frischluft
  • ausreichend Schlaf
  • so wenig externer Stress wie möglich (oder der Ausgleich eines solchen durch Entspannungstechniken, Meditation, Yoga, kraftentladene Handlungen, Weinen, Schreien, aus Wut ins Kissen boxen usw.)

sind dabei unabdingbar und helfen nachweislich deinem System, in Balance zu bleiben. Es sind leider genau die Maßnahmen, die als Erstes vergessen werden. Es ist nun egal, was wir tun, um uns Gutes zu tun: Aber es muss helfen und nicht noch verschlimmern, positive Gefühle erwirken statt negative, unserem Körper-Geist wohltun statt körperlichen-emotionalen-psychischen Stress zu verstärken. Die Entscheidung gegen Angst ist jetzt so wichtig wie nie, denn Angst lähmt und entzieht dir wertvolle Energie, die man braucht, um Krisen zu begegnen. In jeder Nacht findet sich ein Licht, wenn man die Augen offenhält. Halte deine Augen offen und bleibe aktiv dabei, diese Krise für dein Leben zu meistern – mit deinem unbedingten Willen.

Viel Kraft und Zuversicht
Janett

Zum Weiterlesen:

“Über die Kunst, allein zu sein” (Janett Menzel, 2016)
“101 Wege aus der Angst” (Janett Menzel, 2018)
“Mein neues Leben ohne Angst” (Janett Menzel, 2020)
“Hör auf! Deine Angst” (Janett Menzel, 2018)

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Die dunkle Schwester: der Schatten einer jeden Frau & was er mit dir macht, wenn du ihn unterdrückst

Jede Frau verbirgt eine dunkle Schwester in sich (so, wie jeder Mann einen dunklen Bruder hat), die all die ungewollten, verdrängten und verheimlichten Eigenschaften darstellt, die im offiziellen Leben nicht ausgelebt werden. Wenn du dich fragst, wieso du deine “schlechten” Angewohnheiten nicht loswirst, nicht abnimmst, keine Lust auf Sport hast, dich nicht verstellen kannst, es sich so auslaugt, dich anzupassen, du vermeintlich grundlos wütend oder traurig wirst (hier ist nicht Depression gemeint), manchmal wie ausgewechselt bist oder dich dein soziales Umfeld “nicht wiedererkennt”, weil du Stimmungsschwankungen hast oder keine Lust, zu tun, was du tun müsstest, aber nicht willst, dich nicht zu etwas aufraffen kannst usw., dann wisse: Es ist die dunkle Seite deiner Persönlichkeit. Es ist dein Schatten, das Gegenteil des Hellen, was du jedem zeigst, weil du weißt, “Das wird gemocht.” und “Das wird gern gesehen.”, “So bekommst du, was du brauchst.” (wenigstens in Teilen bzw. so verlierst du am wenigsten).

Wenn du besonders darunter leidest, etwas Lästiges nicht loszuwerden, dich nicht disziplinieren kannst oder eine scheinbar höhere Macht, dein innerer Schweinehund, stärker ist als du, dann lies diesen Blogpost.

Wie die dunkle Schwester in dir entstand und wieso sie machmal so viel Macht über dich hat

wenn anpassung nicht mehr gelingt

Ich werfe zu Beginn einige Begriffe in den Raum, die dir zeigen sollen, wie die dunklen Seiten, die dunkle Schwester, dein Schatten entstanden ist:

Erziehung – Schule – aufgezwungene Werte und Standards anderer – erwartete Anpassung – So-Sein-Müssen – Zugehörigkeit/Teilsein-Dürfen – emotionale und psychische Leistungen – Gefühle wie Wut, Trauer und Angst nicht zeigen dürfen/sollen – Erwartungen anderer – Druck, zu genügen – idealerweise keine Bedürfnisse oder Sehnsüchte haben – nicht schwierig, kompliziert oder anstrengend bzw. bedürftig sein – gesellschaftliche Erwartungen an dein Äußeres als Frau erfüllen müssen (oder glauben, es erfüllen zu müssen) – schwierige Männer in Liebesbeziehungen, passive Männer und Beziehungen, die auf deinen Schultern lasten bzw. solche, die du als übergriffig empfindest – schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen (du und deine Mutter) – überhohe Verantwortung und Pflichten – innere Hektik & Unruhe – überstarke Rationalität – Schwierigkeiten, sich zurückzulehnen, sich zu vertrauen, der Welt zu vertrauen, Entscheidungen gegen andere zu treffen, seine weibliche Seite auszuleben, Nein zu sagen, unvernünftig oder zickig zu sein, sich zu nehmen, was man will, das Leben in allen Zügen auszukosten, ein Leben zu leben, das andere nicht verstehen (nichts Solides, nichts Bodenständiges, sondern Eigenes), Schwierigkeiten, sich zu trennen oder Streit/Konflikte auszuhalten …

Das ist nur eine kleine Liste der Gründe, wie die dunkle Schwester in dir entstanden ist. Je mehr man als Frau davon in seinem Leben hat, desto stärker werden auch die Schattenseiten sich entwickeln. Sie drücken sich aus, indem sie dir aufs Gemüt drücken oder dich davon abhalten, “so zu sein, wie andere dich wollen würden”.

Die helle Schwester (der gute Zwilling) hat das gelernt und ist bestrebt, so zu sein. Die dunkle Schwester hingegen, der böse Zwilling, sucht nach Gleichgewicht und sieht genau, wenn etwas aus der Balance fällt. Sie schafft wieder Ordnung in dir drinnen – jedenfalls versucht sie das. Denn immer nur machen, tun, ertragen, schweigen, lächeln und dienen ist für keine Seele wohltuend. Im Gegenteil. Es verrät sie und jedes Herz. Es macht krank und belastet so die Psyche und den Körper.

Die dunkle Schwester ist häufig gierig: Sie hat einen drängenden Hunger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, endlosem, leidenschaftlichen Sex, Essen und Trinken, das die Sinne anregt, tiefen Gefühlen und Erfüllung, grenzenloser Freude und Spaß, nach überschwänglichen Erlebnissen und oft grenzenlosem Selbstausdruck (in welchen Bereichen auch immer). Sie will sich hingeben und empfangen oder geben und kontrollieren – je nachdem, was auf der ausgelebten Seite der angepassten Frau überwiegt. Sie will geliebt werden ohne jede Bedingung, will nichts dafür tun müssen, weder am Anfang noch mittendrin, will Verständnis für all ihre Ecken und Kanten.

Da man aber selten so lebt, sondern sich um Anpassung bemüht und darum, sich zu “benehmen”, nicht so anstrengend und fordernd, sondern eine Hilfe, lieb, sanft usw. zu sein, rutschen die wahren Bedürfnisse immer tiefer ins Dunkle ab.

Die dunkle Schwester verkörpert somit auch all die Wut, die man nie geäußert, sondern heruntergeschluckt hat. Sie trägt die Traurigkeit, Scham und Schuld, die zu schwer zu tragen war. Je mehr wir unser wahres Ich verdrängen, desto stärker wird sie – wenn wir versuchen, lieb, brav, angepasst, hübsch und „so zu sein“, wie man uns will oder wie wir denken, sein zu müssen, um gewollt, liebenswert, angesehen und akzeptiert zu werden.

macht der schattenseiten wie sie entstehen

Die dunkle Schwester ist gegen Motive (das, was dich bewegt, etwas zu tun oder zu unterlassen) wie Zugehörigkeit auf Teufel komm raus oder emotionale/psychische Leistung des Friedens oder der Liebe wegen. Sie verabscheut Co-Abhängigkeit und für andere bequeme Lebensweisen. Sie will im Mittelpunkt ihrer Abenteuer stehen und sich entdecken, auf einer Reise, die sie selbst bestimmt. Sie will ihr Ego leben und nur freiwillig korrigieren. Sie will wachsen und in Einklang bringen, zwischen Weiß und Schwarz alle Farben entdecken. Sie will Energieaustausch statt Langeweile, Blumensträuße und Kino statt Dreckwäsche und Feierabendbier. Sie will Anerkennung für ihre Eigenheiten – und sprechen wir das Kind ruhig beim Namen: Sie will Bewunderung für alles, was sie kann, Nachsicht für all das, was sie nicht kann, und Verständnis, für alles, was sie nicht können will. Die dunkle Schwester ist definitiv der narzisstische Teil einer jeden Frau, die Egomanin und Diva.

Sie ist die, die brüllt, meckert, die Augen rollt, lacht, weint, das Telefon einfach auflegt, lügt, betrügt, abhaut, um 23 Uhr Nudeln kocht, die Bude 2 Wochen lang nicht saugt, nicht sofort zurückschreibt, neidet, eifersüchtig ist, schwarz fährt, stiehlt oder Rache will, wenn ihr die „offizielle“ Version deines Selbst zu bunt/schädlich für dich geworden ist. Sie ist der innere Schweinehund, nicht der innere Kritiker, sie ist die miese Laune statt des ewigen Sonnenscheins, die unermüdliche Kämpferin und härteste Richterin über Ungerechtigkeit und Schmerz, die du freiwillig erträgst – aus Angst, anzuecken, bedürftig, kompliziert oder lästig zu erscheinen. Sie ist die heimliche Königin deines Reichs, wenn du andere regieren lässt – aus Angst, Fehler zu machen oder ausgeschlossen zu werden, Menschen oder Ansehen zu verlieren, die vermeintliche Sicherheit, die dich gefangen hält.

Sie versteht das Versteckspiel nicht: wieso du dich verstellen, klein machen und halten lässt. Sie geht für Balance weit über „deine offiziellen“ Grenzen.

Wie du Freundschaft mit deiner dunklen Schwester schließt

sich mögen trotz schlechter angewohnheiten

Würden wir Frauen unsere dunkle Schwester nur mehr ausleben, bräuchte sie nicht so hart durchzugreifen. Sie will nur da sein dürfen. Wir würden so viel weniger leiden. Also frage dich: Darf sie endlich da sein? Zwei Tipps haben sich in der Praxis meiner Klientinnen bewährt, weshalb ich sie in Mentorings immer erwähne:

Übung 1

Es hilft, das Reich des braven Mädchens wenigstens mal gedanklich zu verlassen und eine Liste mit allem, es die dunkle Schwester will, zu erstellen:

  • nicht sexy/schlank sein oder immer gut aussehen
  • mit dem netten Kollegen ausgehen, obwohl er verheiratet ist
  • xyz nicht den Gefallen tun, um den er gebeten hat
  • nicht geben, ohne zu bekommen
  • mit Schoki und Chips vor dem Fernseher hocken
  • aufgebrezelt tanzen gehen usw.

Das nimmt schon eine Menge Luft raus. Ein kleiner Schritt in Richtung „du selbst“.

Übung 2

Viele Frauen erzielen gute Ergebnisse damit, die dunkle Seite in sich täglich da sein zu lassen (auch wenn es das brave Mädchen in sie zwingt, anders zu sein). Aber durch diese Erlaubnisse fällt es den Frauen leichter, sich im Gegenzug als Kompromiss zu maßregeln oder Sachen zu machen, die sie nicht wollen. Es reichen schon kleine Erlaubnisse aus. |

Mehr in meinem neuen Buch

Panikattacken sind meiner Meinung nach der Versuch des Gehirns,
den Schrei der dunklen Schwester zu unterdrücken.

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst
Janett Menzel: Mein neues Leben ohne Angst (TRIAS Verlag, 2020)

Solltest du Panikattacken zulassen oder verhindern? Holistisch erklärt

Solltest du Panikattacken zulassen oder verhindern? Holistisch erklärt

Es ist ein qualvolles Paradoxon: Die Panik will raus, macht sich durch Herzrasen, Schluck- und Atembeschwerden, Enge in der Brust und weichen Knien bis hin zu starkem Schwindel oder gar Ohnmachtsgefühlen in deinem Körper breit. Aber alles, was du spürst, ist der Drang, die Panikattacke abzuwehren und zu vermeiden. Kaum etwas fühlt sich schlimmer an, als die Angst, wirklich eine Panikattacke zu bekommen. Was ist nun aber richtig? Die Panikattacke zu vermeiden und sich der Angst vor der Angst zu fügen oder die Angst zuzulassen? In diesem Blogartikel berichte ich von meinen Erfahrungen und gebe dir ein paar wertvolle Tipps an die Hand.

Was Panik so intensiv macht, was sie als Energie ist und ich ewig nicht verstand

wenn wir uns stressen, machen wir uns Angst

Panikattacken sind nicht mehr als angestaute Energie: Ein wilder Mix aus allerlei Hormonen. Es sind Stresshormone, oder wenn du eine Frau bist, könnte deine Angst auch vom Östrogen herrühren. Unentdeckte Schilddrüsenerkrankungen und ihre hormonelle Schieflage als Ergebnis können ebenso die Ursache sein. Was es auch ist: In deinem Körper herrscht Stress. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch in deinem äußeren Leben oder in deinem Kopf und Herzen zumindest emotionaler Stress herrscht. Sei es, dass du dir diesen Stress selbst gemacht hast oder machst oder dass es Lebensumstände gibt, die Stress zu dir schieben.

Je mehr Stress in deinem Leben vorhanden ist, desto höher dein Stressniveau. Logisch, oder? Genauso logisch wie die Tatsache, dass sich die Stresshormone in deinem Körper nur wieder absenken, wenn der Stress verringert wird. Je weniger Stress du hast/empfindest, desto weniger Angst wirst du haben. Das ist eine einfache Rechnung. Nun gibt es viele Betroffene von Angst/Panik, die sagen: Ich habe aber gar keinen Stress! Dein Leben ist super und du bist ausgeglichen, aber trotzdem hast du Panikattacken? Wenn dem WIRKLICH so ist, dann bleibt nur eine körperliche Ursache als Erklärung für deine Angstzustände übrig (wie z. B. zu viele Toxine wie Koffein, industrieller Zucker, Alkohol oder Tabak). Aber bei den meisten sind es dann doch eher verdrängte oder ignorierte Herausforderungen im Leben und belastende emotionale Belange. Viele von denen werden vor allem selbst gemacht: Trennungen, die man sich nicht zutraut, Co-Abhängigkeit, die man nicht auflöst, die Angst vor dem Alleinsein, emotionale oder psychische Überforderungen im Job oder in engen Beziehungen (vor allem auch der Familie), Perfektionismus und die Angst vor Verlust oder Versagen, der Drang zum Nachdenken und Lösen aller Probleme (vor allem bei Hochbegabten zu finden), auch die Probleme anderer Personen, Empathie-Overkill (wenn die Gefühle anderer das eigene Selbst zu verdrängen drohen) oder Hochsensitivitäts- und Hochsensibilitäts-Overkill (wenn zu viele Eindrücke/Einflüsse deine persönlichen Toleranzgrenzen sprengen) usw.

Was die Ursache deiner Panikattacken mit der Frage, ob du sie zulassen oder abwehren solltest, zu tun hat

Was wollen dir Angst und Panikattacken sagen?

Es ist unfassbar wichtig, die Ursache für deine Angst zu kennen. Warum? Wenn du weißt, was dich triggert, dann weißt du auch, woran du arbeiten kannst/solltest. Das musst du auch nicht allein machen. Du kannst dir Hilfe suchen. Wenn du aber in einer Situation bist, die bei dir Panik auslöst, dann ist die Panikenergie umso intensiver und schwerer abzuwehren, je weniger du dich um den Entstehungsherd kümmerst. Stattdessen addiert sich alles Neue mit dem Alten in dir und wird so von Mal zu Mal nur explosiver. Gehst du deine Ursache und Herausforderung aber an, kannst du nur angstfreier werden. Eine Panikattacke wegzudrücken steht somit nur Synonym für die Macht der Attacke, die du zu verhindern versuchst. Die Frage, ob du Angst zulassen solltest, stellt sich aber nicht mehr, wenn du den Krisenherd erst einmal gefunden hast.

Zwei kurze Erklärungen dazu: Angst taucht in deinem Körper auf, wenn andere Emotionen, die schwerer wiegen, nicht gefühlt werden sollen. Dein Ich hat gelernt, dass es mit ihnen nicht umzugehen weiß – respektive mit dem, was sie auslösen würden. Diese Emotionen sind sehr oft Traurigkeit, Scham und Schuld, aber auch Ekel und Überraschung sowie Furcht (nicht Angst!). Du fürchtest nicht die Panikattacke, sondern das, was sie in dir auslöst.

Als Beispiel: Meine Panikattacken und Ängste wurden getriggert, wenn ich a) nichts zu tun hatte (in Leerlauf-Situationen), denn es förderte das Gefühl zutage, ich wäre allein und niemand da, der bei mir sein wollte. Das wiederum erinnerte mich an meine einsamen Zeiten meiner Kindheit, in denen ich glaubte, es läge an mir, dass ich so viel allein war. Als Kompensation nutzte ich eine Überbeschäftigung meines Geistes/Körpers, um das alte Gefühl zu vermeiden (Arbeit, Freizeitstress, schwierige Beziehungen aus Angst vor gar keinen). Das schwächte mich, laugte mich aus und raubte mir Energie, die mein System zur Erholung/Regeneration brauchte. Auch stets mit Menschen „beschäftigt“ zu sein, fällt in diese Kategorie, ähnlich wie das Gefühl, zu nichts zu gebrauchen zu sein, nicht gebraucht zu werden, nicht gut oder genug zu sein, und somit wenig/nicht geliebt.

Meine Panik wurde b) immer dann getriggert, wenn ich etwas tun musste (Handlungen, die mir aufgezwungen wurden). Hätte ich das nicht getan, wäre ich schuld oder beschämt. Auch, wenn ich in Situationen und/oder mit Menschen zusammen sein musste, die mein System nicht akzeptierte, hatte ich Panikattacken. Die Frage nach dem Warum ist dabei irrelevant. Man kann Schwierigkeiten mit lauten oder leisen, interessanten oder eher weniger interessanten, zurückhaltenden oder übergriffigen Personen haben. Entscheidend ist nur, was als „gefährlich“ vom Gehirn/System eingestuft wird. Am schlimmsten waren für mich Menschen, die die ganze Zeit nur von sich redeten und bei denen ich merkte, dass sie mich nur zu ihrem Zweck benutzten. Das hatte nichts mit Sympathie zu tun oder gar mit Liebe. Verbundenheit, Teilhabe, Aufmerksamkeit/Anerkennung (gesehen werden, wie man ist) waren für mich damit unmöglich.

fehler, die ich machte, als ich meine phobien überwinden wollte

Weil ich selbst unehrlich mir gegenüber und den anderen gegenüber war, bekam ich Angst. Es war für mein Selbst unerklärlich, dass ich lieber mit Situationen/Menschen umgeben sein möchte, die weder mich mochten noch die ich mochte, nur, weil ich das Alleinsein, die Isolation, den Ausschluss, das Gefühl, nicht gebraucht zu werden oder schuld zu sein, so fürchtete. Das löste meine Panikattacken aus.

So bleiben wir mit Menschen zusammen oder treffen uns weiterhin mit ihnen, obwohl wir sie nicht mögen, weil wir zum Beispiel Konflikte nicht gelernt haben, einzugehen und durchzustehen (zu uns zu stehen). Wir fürchten, allein zu sein/auf uns gestellt, weil wir wegen Fehler ausgeschlossen würden. Folgegefühle wie Traurigkeit, Scham oder Schuld wollen wir meiden (weil wir mit ihnen noch viel weniger zurechtkommen als mit Angst). Außerdem wollen wir niemanden verletzen (denn sonst müssten wir an unserem guten Image oder unserer lang entwickelten Identität feilen. Wir sind eben nicht NUR gut und unsere verheimlichten Schwächen oder Gedanken haben hier und da Konsequenzen. Oder wir bleiben im unzufriedenen Job, aus Angst, beim nächsten ebenso nicht durchzuhalten (weil es nach der eigenen Schwäche riecht und das Gefühl, man wäre nicht gut oder genug, nur bestätigt), sich eine Zukunftsangst und ein Pessimismus einstellt, dass nichts besser würde, weil es an einem selbst läge usw.

Frage dich einmal:

  • Woher kommt deine Angst genau? Meint: Was versucht sie zu verhindern, was dich vermeintlich in Gefahr bringen oder verletzen würde?
  • Wann (Situationen) schweigst du dir und anderen gegenüber?
  • Was verschweigst du ihnen und dir?
  • Was müsstest du, um ehrlich zu sein, eigentlich aussprechen und tun? Bzw.: Wie müsste dein Leben aussehen/gestaltet sein, damit du dich frei von Angst, Schuld und Scham fühlst?

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wenn du dein Leben so erschaffst, du keine Angstzustände mehr erlebst. Es gäbe keinerlei Anlass mehr.

Aber du fürchtest lebensverändernde Einschnitte, oder? Wenn die Panikattacke kommt, ruft deshalb das gefürchtete Gefühl

Flucht, Kampf oder Starre setzt ein, um der Gefahr nicht ausgesetzt zu sein und somit sicher zu bleiben.

Was du gegen deine Angstzustände und Panikattacken tun kannst
Möchtest du mehr über meine holistische Herangehensweise bei Angstzuständen und Panikattacken wissen? Dann schau mal hier >>

Ändern wir die Auslöser/Trigger nicht, sondern doktorn nur am Symptom herum, muss es so geschehen, dass wir den Umgang mit dem Trigger verändern, damit er keine Angst mehr auslöst. Wir lassen zu, was sein will und ist und ändern unsere Reaktion darauf, unseren Umgang damit. Panikattacken sind in vielen Fällen nur ein Symptom, das entsteht, weil es durch eine missliche Situation getriggert wurde oder aber weil der Umgang mit einer Situation misslich ist, noch nicht so gelernt von dir, dass du Bescheid weißt, wie sie am besten für dich läuft. Hast du es zum Beispiel einmal geschafft, deine Bedürfnisse anzusprechen, wird es leichter beim nächsten Mal. Die Energie deiner vorherigen Angst vor Konflikten nimmt ab – mit jedem Mal, bei dem du zu dir stehst und offen ansprichst, was du brauchst, statt so zu tun, als wäre alles bestens.

Sich nicht in den Konflikt zu begeben, nicht zu sagen, dass dir etwas nicht passt, nicht zu sagen, was du brauchst, nicht zu sagen, was du nicht kannst, nicht zugeben, dass etwas in dir anders ist, als alle denken, sind die häufigsten Trigger für Panikattacken.

Ein Weg, nicht gleich alle Brücken abzubrechen, ist das Erweitern seines bisherigen Wissens: Persönlichkeitsentwicklung im Sinne einer Aktualisierung.

Zu einem gesunden Umgang mit schwierigen Situationen/Menschen gehören Kompetenzen, die man vielleicht lernen muss, weil sie bisher nicht gebraucht wurden. Viele sind auf Harmonie programmiert und vermeiden Disharmonie (aka Konflikte) und kennen/können oft Durchsetzungsvermögen oder Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung nicht. Oder sie wissen gar nicht, dass sie es haben dürfen, dass sie zählen.
Lernt man die fehlenden Kompetenzen für den Trigger nicht, bleibt die Herausforderung ungelöst und unbetrachtet, die körperliche Reaktion gleich und vermeintlich gefährlich.

Kompetenzen neu dazuzulernen ist besser als vor der Herausforderung wegzulaufen

nicht die angst ist das Problem, sondern was sie auslöst

Aber kann ich nicht einfach kündigen oder mich trennen oder mir eine Auszeit nehmen oder zur Kur fahren oder oder …? Dachte ich bei meiner ersten, zweiten und dritten Angststörung auch. Und ja, oft bleibt nur Gehen. In diesem Sinne ist dann Gehen, Loslassen, Verlassen, sich trennen und neu orientieren aber nur eine andere Form der Angstvermeidung. Das kann funktionieren, sehr gut sogar, wenn die Situation ohnehin schädlich für dich ist (z. B. eine destruktive Beziehung oder ein überfordernder Job ohne Perspektive der Besserung). Aber es ist nicht gesagt, dass deine Angst somit auch besänftigt und nicht weiter ausgelöst würde. Sie verschwindet ja nicht, nur weil ein Beispiel deines Angsttriggers weg wäre. Nimm nur einmal Schuld: Dieses Gefühl verschwindet nicht, noch verschwinden Situationen, in denen du dich schuldig fühlen könntest. Oder nimm Scham oder Traurigkeit: Nur, weil man sich zum Beispiel nicht auf Liebe oder eine enge Beziehung einlässt, verschwindet das Gefühl nicht. Im Gegenteil: Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit bleibt und somit auch der Drang, sie zu schaffen. Es liegt dann nicht daran, dass wir wieder den Falschen getroffen hätten. Dasselbe kannst du auf alle anderen Situationen beziehen: Die Angst, schuldig zu sein, weil du keine perfekte Mutter bist, oder die Angst vor deiner Ungenügenheit oder Abweisung, weil du als Mensch oder Frau oder Mann nicht perfekt bist. Der Umgang mit dem Trigger muss verbessert werden, nicht der Mensch, mit dem zusammen bist oder dein Arbeitgeber oder dein Körpergewicht usw.

Bei der nächsten Angst vor der Angst oder Panikattacke, erinnere dich: Die Panikattacke ist NICHT das Problem. Die Schwierigkeit liegt in deiner inneren Abwehr, mit dem Angstauslöser gesund umzugehen. (Lies diesen Satz noch einmal.)

Möchtest du mehr über meine Art, mit Angst und Panikattacken umzugehen, wissen? Dann könnte dich das interessieren: