Trennung von der Dualseele: Warum Loslassen wichtig ist

Trennung von der Dualseele: Warum Loslassen wichtig ist

Der perfekte Partner, der wie ein Puzzleteil zu einem passt: Wer wünscht sich das nicht? Doch hat man seine Dualseele gefunden, bedeutet das nicht, dass man für immer zusammenbleiben wird. So ideal zwei Dualseelen sich ergänzen können, so sehr können sie einander auch verletzen. Dualseelenliebe kann unheimlich schwer sein, denn nicht immer sind beide Partner bereit für das gemeinsame Glück. Der Weg dorthin ist von Hindernissen gepflastert und nicht selten muss man vorerst wieder auseinandergehen. Das ist sogar wichtig, um später noch einmal zusammenfinden zu können – dann unter besseren Vorzeichen. Was bedeutet es, sich von seinem Seelenpartner zu trennen?

Dualseelenliebe: Was ist das eigentlich?

aber bleiben sie auch für den rest des lebens zusammen?
Dualseelen: vorherbestimmte Partner.

Dualseelen entstammen ein und derselben Ur-Seele. Sie wurde vor langer Zeit in zwei Teile gespalten, die jeder für sich auf die Welt kamen. Ihr ganzes Leben lang und über alle Inkarnationen hinweg zieht es die getrennten Dualseelen wieder zueinander hin. Sie sehnen sich danach, mit ihrem Partner vereint zu werden. Viele Menschen spüren eine solche Sehnsucht in sich, noch bevor sie überhaupt wissen, dass es diesen anderen Part gibt, der untrennbar zu ihnen gehört. Wenn sie ihm jedoch begegnen, empfinden sie eine innige Verbindung, die stärker ist als alles, was sie zuvor erlebt haben. Sie haben das Gefühl, erst diese andere Person könne sie und ihr Leben vollständig machen. Aus einer solchen Begegnung entstehen leidenschaftliche Beziehungen.

Im Idealfall sind beide Partner im perfekten Einklang und erleben eine intensive, authentische und liebevolle Beziehung – aber ein solches Traumpaar sind sie nicht von Anfang an. Das große Glück wird erst ganz zum Schluss erreicht: nämlich dann, wenn beide ihre Lernaufgaben gemeistert haben. Zwar können die Seelen auch vorher schon zusammenfinden, dann jedoch gibt es häufig Probleme. Viele Dualseelenpartnerschaften zeichnen sich durch starke Gefühle und Leidenschaft, aber auch durch Streit und Krisen aus. Die Liebe wird zu einem harten Kampf, der mit viel Leid verbunden ist.

Warum ist Dualseelenliebe so schwer?

dualseelenliebe ist schwierig - aber warum?
Die Liebe zwischen Dualseelenpartner ist oft mit großem Schmerz, Angst und vielen Krisen verbunden.

Ein Grund, warum Dualseelenliebe so kompliziert ist, besteht darin, dass sie die Schattenseiten eines jeden Partners zum Vorschein bringt. Noch dazu unterscheiden sich die Seelen sehr voneinander: Ein Part ist meist ein Gefühls-, der andere ein Verstandesmensch. Ersterer möchte in Emotionen schwelgen und sucht Nähe, während Letzterer sich überfordert fühlt und abblockt. Der emotionale Partner investiert stark in die Beziehung und ist bereit, sich dafür aufzuopfern, wohingegen der andere eher auf sich selbst achtet und sich vor zu viel Innigkeit schützen möchte. Die enorme Kraft der Dualseelen-Verbindung macht ihm Angst.

Diese Dynamik lässt ein Ungleichgewicht entstehen, das zu Leid, Angst und Verletzungen führt. In einem solchen Fall ist es besser, sich zu trennen. Erst wenn jeder Partner auch die ihm fehlenden Eigenschaften erlangt hat und in sich selbst ein Ganzes bildet, können die Seelen erneut zusammenfinden und die große Liebe leben, die für sie vorgesehen ist. 

Wann und warum ist eine Trennung wichtig?

Wenn zwischen euch ständig Streit herrscht, ihr von einer Krise in die nächste rutscht oder gemeinsam mehr schlimme als schöne Momente erlebt, ist eine Trennung notwendig – auch wenn ihr euch lieben. Zieht ein Partner sich vom anderen zurück und bricht den Kontakt ab, dann ist Klammern ebenfalls die falsche Lösung. Jetzt ist es wichtig, die Dualseele loszulassen

Jeder Einzelne muss nun erst einmal seine Lernaufgabe erfüllen und zu sich selbst finden. Das Verhalten, welches in der Beziehung störend war, muss überwunden werden – das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Es kann viele Jahre dauern. Während beide Seelen getrennt sind, arbeiten sie an sich, lernen und wachsen an ihren Aufgaben. In dieser Zeit stehen andere Dinge im Vordergrund und auch andere Partnerschaften können jetzt gut und richtig sein. 

Die Trennung bedeutet nicht das Ende der Dualseelenliebe 

Einander loszulassen, bringt die beiden Seelen ihrem gemeinsamen Glück einen großen Schritt näher. Nur so ist es möglich, dass sie sich zu einem späteren Zeitpunkt wiederbegegnen und ihre Liebe endlich in Harmonie leben können. Dass diese erneute Begegnung stattfinden wird, ist sicher – denn nichts kann Dualseelen endgültig entzweien. Sie bleiben verbunden und gehören zusammen, egal, was geschieht.

Da der entscheidende Entwicklungsprozess jedoch nicht innerhalb der Beziehung stattfinden kann, ist es notwendig, getrennte Wege zu gehen. Nur indem man loslässt, gibt man der Liebe die Chance, irgendwann zu einer erfüllenden, glücklichen Partnerschaft zu werden. Finden beide Dualseelen später wieder zusammen, sind sie noch immer zwei verschiedene Persönlichkeiten – doch nun sind sie weiser, haben mehr Verständnis füreinander und ergänzen sich perfekt.

Loslassen erfordert Mut und Kraft 

loslassen der dualseele
Liebeskummer hoch 10: Wieso die Trennung von der Dualseele so unendlich viel schmerzhafter ist

Sind andere Trennungen schmerzhaft, dann sind Dualseelentrennungen fast unerträglich. Sie bringen extreme Trauer und Verlustgefühle mit sich. Man fühlt sich einander so nah, dass man glaubt, ein Teil von einem würde fehlen. Um den Schmerz zu überwinden, gilt es, positiv nach vorn zu schauen. Tue Dinge, die dir Freude bereiten, sprich mit Menschen, die dich unterstützen, und verliere nicht die Hoffnung: Die Zeit heilt alle Wunden – auch diese. Es wird leichter.

Viele tappen jetzt in eine Falle: Sie hoffen insgeheim, den Seelenpartner bald zurückzugewinnen. Der Versuch, sich weiterzuentwickeln, geschieht mit dem Hintergedanken, sich irgendwann wieder mit der Dualseele zu vereinen. Doch diese Motivation hindert dich daran, wirklich loszulassen. Bedenke: Es kann viel Zeit vergehen, bevor ihr beide einander wiederfindet. Möglicherweise geschieht das auch erst im nächsten Leben. Darauf zu warten, ist also nicht sinnvoll.

Die Dualseele loszulassen, heißt, sich selbst zu finden 

extreme Trauer nach Trennung von Dualseele ist normal

In erster Linie geht es nun darum, zu wachsen. Kümmere dich um dich, dann wird sich vieles von selbst ergeben. Wenn du Kraft und Lebenslust in dir findest, erkennst, was dir guttut, was dir Freude schenkt, woran du arbeiten möchtest und welche Aufgaben du im Leben erfüllst und zu erfüllen hast, kommst du mit dir ins Reine. Nimm dir dafür Zeit und sei offen für alle Erfahrungen, die du auf deiner Reise machst. So tankst du Selbstvertrauen und wirst immer mehr du selbst. Das ist die Voraussetzung für ein glückliches Leben – und schließlich auch für eine erfüllende Dualseelenliebe.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Lisanne Heine.

On-Off-Beziehungen als Signal aktiver & passiver Beziehungsangst

On-Off-Beziehungen als Signal aktiver & passiver Beziehungsangst

 

Ein beinahe Gegenteil zur Verlustangst ist die Angst vor der Nähe, die sich oft in einer On-Off-Beziehung spiegelt. Dennoch können beide gleichzeitig auftreten, was sich in der Nähe-Distanz-Problematik (oft aktiver und passiver Beziehungsangst) in On-Off-Beziehungen deutlich zeigt. In diesem Fall fürchtet man bei zu viel Nähe einen Verlust kommen, weshalb man diese vermeidet. Deshalb hat man Schwierigkeiten, sich auf den Partner einzulassen. Einher damit geht also auch die Sorge um das, was man wert ist oder nicht wert ist, geben kann oder nicht, auch wenn es so aussieht, als wäre der Partner/die Partnerin der Grund zur Sorge.

 

On-Off-Beziehungen und die Angst vor der Nähe

nähe und distanz in einer on-off-beziehung zeigen bindungsangstIn einer On-Off-Beziehung führen Paare eine wellenförmige, mal existente, dann wieder aufgelöste Partnerschaft. Bei kleinsten Streitigkeiten oder zu viel Nähe zieht sich einer der beiden zurück und vollzieht eine Trennung, meist ohne erkennbaren Grund oder frühzeitige Signale. Solche Partner mögen das Drama, sie lieben die Partnersuche, den Nervenkitzel und vor allem: das Gefühl, nicht gebunden zu sein, sondern frei, den Kampf ums Geliebtwerden und Gewinnen. Doch während sie diese Sehnsucht nach Abenteuer ausleben, verspüren sie genauso oft das Bedürfnis, in einer sicheren und harmonischen Beziehung zu sein. Dadurch ergeben sich wie in einem Graphen im Mathematikunterricht Wellen, die für mindestens einen Partner (meist Frauen) nur schwer ertragbar sind. Wer sich als Spielball fühlt und versucht, den Partner von sich, der Qualität der Liebe und Beziehung oder der Liebe an sich zu überzeugen, ist oft im passiven Angstschema verhaftet, während der Flüchtende, der Ungläubige und Misstrauende der aktive Angsttyp ist. Denn: Zieht sich der Partner/die Partnerin zurück, beginnt zwar derjenige sich sicherer zu fühlen, da die Angst abnimmt. Doch die Fantasien beginnen erneut und ein Teufelskreis setzt ein: Aus dem Off, in dem der Ängstliche sich sicherer fühlt, erwacht erneut der Anteil, der Nähe und Liebe wünscht. Das Lust auf das On wird aktiviert. So wiederholt sich ein- und dieselbe Erfahrung. Im On erschafft man immer und immer wieder, bei möglicher Nähe, eine Bedrohung, eine lauernde Gefahr, die erneut ins Off führt.

 

Woher kommt die Angst vor Nähe und Distanz in einer On-Off-Beziehung?

was ist eine on-off-beziehung?Betroffene, die unter der Angst eines Partners leiden, können sich die Beweggründe und Gedanken des distanzierten Partners anschauen:

Die Identität (Lebensgestaltung, Werte, Bedürfnisse, Zukunftsträume usw.) eines Menschen im On einer On-Off-Beziehung wird bedroht. Der aktive, ängstliche Partner projiziert auf den anderen Partner ein Monster, eine verschlingende Gestalt, um die eigene Autonomie zu schützen, sein Selbst zu schützen und nicht der Angst ausgesetzt zu sein, eventuell doch nicht zu genügen. Diese Bedrohung zeigt, dass die Menschen an einem wichtigen und charakterstärkenden Scheidepunkt sind, an dem sie einen weiteren Schritt gehen müssten: zu sich hin. Die Autorin und Psychoanalytikerin Verena Kast sagt, die Angst vor Nähe hätte viel „mit dem Drang zur Selbstständigkeit und der [Anmerkung von mir: gleichzeitigen] Angst davor“ zu tun, „die in jedem Menschen angelegt ist“.

Kast führt diese Angst vor Nähe darauf zurück, dass die Ich-Werdung im Laufe des Lebens zu wenig ausgeprägt worden ist oder unterbrochen wurde. Deshalb erscheint Nähe gefährlich, weil „das Wenige an eigenem Selbst, das man errungen hat“, wieder verloren gehen könnte. Verbunden damit trauen sich viele dennoch nicht, ihre Individuation fortzusetzen, denn das hieße, man müsse Trennungs- bzw. Loslösungsschritte wagen. Man sieht nur noch die Bedrohung, nicht aber das wahre Gesicht des Partners oder der Partnerin. Lieber bleibt man Single.

Menschen, die Angst vor Nähe haben, sind häufig auch Menschen, die in ihren Ansprüchen an ihren Partner übertreiben. Das kann sogar in Beziehungsgier, statt bloßer Beziehungssehnsucht, ausarten, weil „es doch endlich einmal klappen müsse“.

Was bei dem anderen als gefährlich erscheint, könnte man also auch an sich selbst erkennen. Das ist weniger dramatisch, als es klingt, weil es sich hier nur um einen Teil der Person handelt, der sich selbst außer Gefecht setzt. „Und so betrachtet, hätte die Angst vor Nähe einen tiefen Sinn, denn die Angst vor Nähe würde bewirken, dass er selber nicht diesen [Anmerkung von mir: den eigenen] gierigen, vampirhaften, aussaugenden Seiten verfällt.“ Das ist einer der Tipps, die Verena Kast in ihrem Buch “Vom Sinn der Angst” gibt.

Wir sprechen damit von der Angst vor Vereinigung bzw. Verschmelzung, der Ich-Aufgabe und der eigenen Identität. In Macht-Ohnmachts-Beziehungen, die wir als „Es ist kompliziert.“ bezeichnen, als „emotional übergriffig“ bzw. „einseitig“, in denen bewusst mit Angst, Nähe und Distanz gespielt wird, um die Kontrolle zu behalten, würden wir meist Partner finden, die beide sehr große Angst vor Nähe haben. Unsere eigene Angst vor Bestimmen- und Übergreifenwollen, den anderen zu manipulieren, findet sich auch in dem anderen Partner wieder. Es drückt beiderseitig die Angst aus, sich hinzugeben und eventuell zu verlieren.

Ganz besonders abwesende Personen würden Trennungsaggressionen fördern, so Kast. Sie strapazieren unsere Nerven und unseren Selbstwert. Wenn bereits zuvor solche zeitweiligen Trennungen vorgekommen sind, ist es wenig überraschend, dass eine erneute Abwesenheit, auch eines neues Partners, recht schnell dieselben negativen Verlustgedanken auslösen, die wiederum zu Angst wird: Die Nähe steht erneut in Verbindung mit einer drohender Trennung.

 

Anzeichen für Angst vor Nähe

Typisch für Angst vor Nähe sind folgende Anzeichen/Signale:

1) Plötzliches Unbehagen in der Gegenwart des Partners oder der Partnerin (körperliche Anwesenheit kaum mehr ertragen können, weil sie fürchten, nicht genug Raum zu bekommen oder gar atmen zu können)

2) Kritisieren, Herummäkeln und Abwerten, Bagatellisieren, Projizieren

3) Ekel-Gefühle und sich körperlich abgestoßen fühlen, keine Liebesgefühle mehr empfinden (Sie sind einfach “weg”.)

4) fluchtartiger Rückzug

Diese treten meist erst zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Beziehung auf, wenn es “zu nah, zu ge-bund-en” wird.

 

Aktive und passive Beziehungsangst

wieso gerate ich immer an den falschenSteven Carter und Julia Sokol unterscheiden in ihrem Buch „Nah und doch so fern“ zwischen aktiver und passiver Bindungsangst. Aktiv ist derjenige, der sich immer wieder trennt und wieder ankommt. Passiv ist derjenige, der sich darauf einlässt und sich eventuell nicht traut, es dem aktiven Part nachzumachen. Die Autoren sagen vor allem, dass passive Beziehungsangst entweder bereits am Anfang der negativen Beziehung vorhanden gewesen sei oder aber durch eine On-Off-Beziehung ausgelöst werde. Es gibt nicht nur den Partner, der Angst hat, sondern auch den anderen Partner, der entweder dieselbe Angst hat oder aber durch die schwierige On-Off-Beziehung entwickelt.

Aus meiner Erfahrung können besonders empathische und hochsensible Personen sowie Menschen mit suchtkranken Eltern/Angehörigen eine solche Dynamik (passiv/aktiv) entwickeln, die sich in ihrem Bindungsstil widerspiegelt. Sie sind besonders gefährdet, wenn es um Co-Abhängigkeiten geht. Diese Thematik und besonders ihre Entstehung bis hin zum Bindungsstil (der sich ändern kann!) ist sehr umfangreich. Deshalb verweise ich an dieser Stelle auf mein Buch “Du liebst mich oder doch nicht?” und auf meine Masterclass zum Thema Bindungsangst.

 

Aktive Bindungsangst finden wir zumeist bei Menschen, die

  • sich unendlich viel Mühe geben, uns zu “kriegen”, nur um uns dann wieder abzuweisen
  • zweischneidige Gefühle gegenüber Beziehungen haben bzw. offen aussprechen würden, dass diese ihnen Angst machen
  • an den einen “idealen” Partner glauben, der ihnen ihre Angst nimmt bzw. mildert
  • oft Distanz suchen, darauf bestehen
  • eine negative Einstellung zu Beziehungen haben und dadurch einem ehemaligen oder jetzigen Partner wehtun
  • Fehler und Gründe suchen, weswegen sie keine Beziehung wollen
  • ausweichen, je intensiver, näher und fester die Beziehung wird
  • häufig über bestimmte Aspekte entscheiden (Häufigkeit der Treffen, Dauer, Zeitpunkt, etc.)
  • sich sofort eingeengt fühlen, wenn jemand Ansprüche an sie hegen könnte oder hegt
  • die Erwartungshaltung des Partners mit allen Mitteln versuchen, so gering wie möglich zu halten (in dem sie im Vorfeld schon alles besprechen und den Takt bzw. die Richtung, das Ziel der Bekanntschaft/Beziehung, vorgeben)
  • schnell einen neuen Partner haben, wenn eine andere Beziehung zu Ende gegangen ist
  • meist sehr viel Raum und Zeit für sich brauchen und sich durch andere in ihrem Raum bedroht fühlen.

 

Passive Bindungsangst hingegen äußert sich bei Menschen, die

  • sich trotz der offensichtlichen Angst des anderen auf den- oder diejenige einlassen (wollen)
  • viel träumen bzw. an Ex-Partner denken oder Personen, die unerreichbar sind
  • sich häufig für Partner interessieren, die vergeben sind oder aber unpassend für sie selbst
  • sich eher für die Beziehung und um eine zu haben interessieren, als um den Menschen an sich
  • die Verbindung zu jemandem als intensiver empfinden, wenn der- oder diejenige nicht zu haben ist bzw. weit weg wohnt, als wenn die Person in der direkten Nähe wäre
  • “Durchschnittsbeziehungen” langweilig finden und sich eher für abenteuerliche und spannende Menschen interessieren, als für sicheren Halt in einer festen Bindung
  • gern das Verhalten des Partners ändern möchten
  • übermäßig lang an Zeit benötigen, um über das Ende einer Beziehung hinwegzukommen
  • an das Wunder, die eine große Liebe glauben
  • nichts unternehmen möchten, um Partner kennenzulernen, die auch geeignet und erreichbar wären
  • nicht an die natürliche Entwicklung von Gefühlen in einer Beziehung glauben wollen, sondern sofort alles sehen und fühlen möchten
  • meinen, schon am Anfang zu wissen, dass eine beginnende Beziehung “schiefgehen” wird.

 

Gleich und gleich gesellt sich gern: Aktive und Passive Beziehungsängstliche ziehen sich magisch an. Aber wieso?

Interessant ist, dass sich aktive und passive Menschen mit diesen Ängsten suchen – und finden. Gegenseitig zeigen sie sich ihre Ängste. Der passive Part beispielsweise braucht so keine Angst zu haben, eine Beziehung führen zu müssen und kann darauf vertrauen, dass der aktive Partner die Nähe und Beziehung meiden wird. So müssen sie selbst nichts unternehmen, um die Bindung abzubrechen oder zu kontrollieren. Leider sehen passive Beziehungsängstliche ihre Bindungsphobie oft nicht: Sie beharren stattdessen darauf, dass sie alles richtig täten und der andere Partner an allem Schuld sei und nicht lieben würde oder wollte. So wehren sie ihre eigene Angst ab, um sie nicht erkennen zu müssen. Aktive Beziehungsphobiker hingegen leiden oft unter ihrer Angst und sind sich ihr auch meist bewusst, wollen aber an ihrer eigentlichen Angst, zum Beispiel der Angst vor Nähe, vor Selbstverlust oder vor Trennung selten arbeiten bzw. verneinen diese oder machen ihre Angst von bestimmten Personen abhängig.

Laut Experten würden circa 50 Prozent der Menschen aktive Beziehungsvermeider kennen- und vielleicht lieben lernen, ohne selbst bindungsphobisch zu sein.

Doch verleugnen viele ihre Bindungsängste bzw. sind sich dieser nicht bewusst. Für Psychologen ist die Verleugnung ein unbewusster Abwehrmechanismus, der Ängste minimieren soll, in dem Schwierigkeiten und unerwüschte Impulse verneint werden. Menschen wehren Konflikte in ihrem Leben ab, sie nehmen sie erst gar nicht zur Kenntnis oder sagen schlicht, dass die Anwesenheit einer Angst oder eines Problem nicht stimmen würde. Das würde dem Schutz vor Schmerz dienen, so Carter und Sokol, besonders wenn er so groß wird, dass sie ihr alltägliches Leben nur noch beschränkt leben können. Auf der anderen Seite sei Verleugnung die sicherste Methode, um nichts ändern zu müssen und mit nichts konfrontiert zu sein. (Carter, Sokol in: Nah und doch so fern).

Diese Beziehungsdynamik lässt sich auflösen. Wie erfährst du in meiner Masterclass “Beziehungsängste” und in meinem Buch (konzipiert für Frauen mit ängstlichen Herzenspartnern, aber auch für Männer mit ängstlichen Partnerinnen geeignet). Mehr dazu findest du hier:

Beziehungsangst wie du deinem betroffenen partner helfen kannst

 

Beziehungsstile und wie sie Bindungs- und Beziehungsangst formen

Beziehungsstile und wie sie Bindungs- und Beziehungsangst formen

 

„Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen“, sagte einst Anatole France.

Sigmund Freud war es, der feststellte, dass ein Jeder in seinen Bindungen Erlebnisse seiner Vergangenheit wiederholt. So entwickelte sich die Bindungstheorie, die auf Beobachtungen von Kleinkindern beruhen: wie sich ein Kind entwickelt und was geschehen muss, damit es keine Sicherheit in sich und andere Menschen oder Prozesse, um diese Sicherheit herzustellen, ausbildet. Man geht davon aus, dass Beziehungsangst auf der Basis des Bindungsstils in einem sehr frühen Alter geprägt wird. Er kann sich durchaus im Erwachsenenalter ändern, aber das bedarf einer gewissen Reflexion, Arbeit und Wille. Der Bindungsstil zeigt vor allem, wie ein Mensch bei Nähe und Distanz agiert, ob er gut mit anderen auskommt, wie er sie behandelt, ob er eifersüchtig und neidisch oder aber ein Teamplayer ist.

 

Man unterscheidet diese vier Bindungsstile:

  • den sicheren Stil
  • den ängstlich-ambivalenten Stil
  • den gleichgültig-vermeidenden Stil
  • den ängstlich-vermeidenden Stil

Sokol und Carter machen in ihrem empfehlenswerten Buch “die 50 Prozent aller Menschen, die bindungsangstfrei sind und auf bindungsängstliche treffen”, an diesen Bindungsstilen fest:

 

Der sichere Bindungsstil

50 Prozent aller Menschen wird ein sicherer Bindungsstil nachgesagt. Es verbleiben somit 50 Prozent, die keinen sicheren Umgang mit Bindungen erlernt haben und potenziell auf bindungssichere Menschen treffen könnten. Menschen mit einem sicheren Stil haben weder große Ängste, dass sie verlassen werden könnten, noch haben sie Befürchtungen bei und wegen Liebesgefühlen. Sie besitzen grundsätzlich ein gutes Gefühl sich selbst gegenüber und haben Selbstbewusstsein. Sie wissen sich abzugrenzen, weil sie feste Grenzen gesetzt haben und sich trauen, diese notfalls zu verteidigen. Sie können lieben und sich lieben lassen.

 

Der ängstlich-ambivalente Stil

Zehn Prozent der Weltbevölkerung hätten einen ängstlich-ambivalenten Bindungsstil entwickelt. [i] Sie fürchten am meisten die Ablehnung. Obwohl sie sich eine enge Liebesbeziehung wünschen, haben sie von ihren Bezugspersonen gelernt, dass nur deren Bedürfnisse zählen. Auch emotionale Abhängigkeiten, die diese Personen aufrechterhalten wollten, stießen oft auf den Wunsch, ein eigenes Ich auszuprägen, was aber wegen der Wichtigkeit fremder Bedürfnisse untersagt worden war. Es herrschte sicher eine starke emotionale Unbeständigkeit gepaart mit Abwesenheiten oder Nichtverfügbarkeiten. Vielleicht waren die Personen zu sehr mit sich und dem eigenen Leben beschäftigt, häufig nicht von Zuhause oder abwechselnd gefühlvoll und gefühllos. Menschen mit diesem Bindungsstil lernten Bindungen als unsicher kennen. Sie hatten Mühe, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu bekommen, was sich auch im Erwachsenenleben wiederspiegelt. Sie versuchen vielleicht durch Besonderheiten/ Auffälligkeiten im Aussehen oder ihren Eigenschaften Zuwendung von einer Person zu ergattern. Sie beweisen sich durch Leistung im Beruf oder durch Geld. Doch da sie Berg- und Talfahrten hinsichtlich Aufmerksamkeit gewöhnt sind, glauben sie nicht an anhaltende Liebe. Sie haben ihren eigenen Wert in ganzer Größe und Liebenswürdigkeit (noch) nicht entdeckt und wissen sich nur selten zu schätzen. Sie verrennen sich leicht in Beziehungen, in denen sie sich und ihren Wert beweisen und stets untermauern müssen. Es kommt ihnen unglaubwürdig vor, wenn sie einmal nichts leisten müssen, sondern wegen sich selbst geliebt werden – einfach so.

 

Der gleichgültig-vermeidende Bindungsstil

Der gleichgültig-vermeidende Bindungsstil soll auf 25 Prozent der Bevölkerung zutreffen. Sie haben Angst vor Nähe und viele Ausreden, wieso sie keine bräuchten und wieso auch emotionale Unterstützung und Halt für sie unwichtig sei. Ihnen ist es lieber, sich einzureden, dass sie niemanden bräuchten, sondern viel zu sehr mit ihrem Leben beschäftigt seien. Sie können besonders Menschen, die durchaus Bedürfnisse haben, schwer ertragen. Denn Bedürfnisse zu haben, wirkt in ihren Augen schwach und hinderlich. So sehen sie auch die Menschen. Nur wenn man einen Nutzen für gleichgültig-vermeidende Menschen hat, sind Bedürfnisse in Ordnung, insofern es die des Gleichgültig-vermeidenden sind. Ihnen wurden wahrscheinlich Gefühle und körperliche Nähe in ihrer Kindheit verweigert und – weil man sie nicht „braucht“ – abgesprochen. Häufig sollen Jungen betroffen sein, die nicht weinen dürfen, sondern hart sein müssen, sich durchbeißen und große Leistungen erbringen müssen, um das Idealbild eines „echten Mannes“ zu erfüllen. Hier wären auch ungesund narzisstische Menschen und Recycler anzusiedeln. [ii] Einige von ihnen zeigen deshalb keinerlei Reaktionen auf Gefühle und Empathie, sozialen und emotionalen Stress; andere wiederum erleben heftige psychosomatische Beschwerden. Als würde ihr  Herz/Geist die Verantwortung auf die körperliche Ebene weiterreichen, zeigen sie Symptome [iii] wie Hautreizungen, Nahrungsunverträglichkeiten oder Panikattacken. So verteidigt sich ein Teil von ihnen gegen jedes Gefühl und Bedürfnis, das früher unbeantwortet blieb – was sie nicht haben „sollten“ und heute deshalb besser nicht haben wollen. Sie wehren auch deine Gefühle nur aus Schutz ab.

 

Der ängstlich-vermeidende Bindungsstil

Der letzte Bindungsstil wird ängstlich-vermeidend genannt und beträfe 15 Prozent [iv] der Bevölkerung. Diese sind angepasst, distanziert, fühlen sich verloren, wirken perfekt und brav, haben große Angst vor Nähe und dem Verlassenwerden, sind sehr misstrauisch gegenüber anderen Menschen und vor allem gegenüber ihren eigenen Liebesgefühlen. Sie haben Schwierigkeiten, positive Gefühle zu entwickeln aufrechtzuerhalten. Sie geben sich zuerst die Schuld daran. Sie fühlen sich im Prinzip als schlecht, aber erhoffen doch, dass sie jemandem genug gefallen werden, auch wenn sie den Rückzug derer fürchten. Sie sind manchmal zorniger Natur, wenn sie enttäuscht werden (und wenn es um Personen geht, die sie enttäuscht haben). Im Grunde sind sie sehr loyal, weil sie wissen, wie schmerzhaft es ist, im Stich gelassen zu werden. Sie suchen Halt und ein Ventil gegen ihre Einsamkeit und Angst, ihr geringes Selbstwertgefühl und die innere Leere. Ihnen ist Lob eher unheimlich, weil sie aus Schutz die Verantwortung für fremde Fehler übernehmen. Das ist ihre Form der Kontrolle, um niemanden zu verlieren, von dem sie sich abhängig fühlen. Sie können gleichzeitig sehr gefühlskalt sein und Mühe haben, eine echte emotionale Verbindung zu ihrem Partner aufzubauen. Sie gehören außerdem zu den „wartenden“, gefügigen und „bewusst flexiblen“ Menschen, die selten jemanden unterbrechen oder stören würden, aus Angst, anzuecken und verlassen zu werden. Sie erfüllen lieber Bedürfnisse aus dieser Angst heraus, als es nicht zu tun und sich ihrer Angst zu stellen. Auch wäre es wieder ein Nähebedürfnis, wenn sie es doch täten. In Wahrheit suchen und brauchen sie jedoch eine stabile Nähe und beständige Zuwendung. Doch sie würden es sich (und anderen) nur selten eingestehen. Sie leben in ihren eigenen Welten und wirken daher häufig abwesend. Deshalb geht man in der Psychologie davon aus, dass sie Bezugspersonen hatten, von denen sie stark vernachlässigt wurden. Auch Depressionen, andere Störungen sowie emotionaler und körperlicher Missbrauch können die Ursachen für diesen Bindungsstil sein. In jedem Fall haben sie dem Betroffenen als Kind große Angst vor Nähe und Verlust gemacht. Einige Menschen dieses Beziehungstypens sind deshalb nicht selten feindselig eingestellt oder passiv-aggressiv.

[i] (Aron, 2015)
[ii] (Aron, 2015)
[iii] (Aron, 2015)
[iv] (Aron, 2015)

Das war ein Auszug aus meinem Buch Du liebst mich, oder doch nicht? Wie Frauen mit beziehungsängstlichen Partnern wirklich umgehen sollten. Erhältlich als E-Book und als Taschenbuch.

 

10 Wege, wie du dir und anderen Menschen wieder vertrauen kannst

10 Wege, wie du dir und anderen Menschen wieder vertrauen kannst

 

Menschen Vertrauen zu schenken, nicht gleich das Schlimmste anzunehmen, sondern das Gute zu erwarten, fällt vielen schwer, die herbe Enttäuschungen erlebt haben. Um zu verhindern, dass sich die verletzenden Erlebnisse wiederholen, glauben wir, uns schützen zu müssen: durch Rückzug, Isolation, Masken tragen, selbst verletzen, Verachtung, Groll, Frust. Traurigkeit, die wir in uns hineinfressen. Angst, die uns schon lähmt, noch bevor etwas Vergleichbares geschehen ist. Ein schweres Kreuz, das wir freiwillig tragen, aus Angst, wieder verletzt oder allein gelassen zu werden, ungewollt zu sein.

Wie du wieder neu vertrauen lernen und in deine Zukunft vertrauen kannst:

 

Wie du dir und anderen Menschen wieder vertrauen lernen kannst

neu vertrauen schöpfenWer schon einmal stark verletzt wurde, trägt Wunden davon. Diese Wunden, insofern man sie nicht geheilt hat, sorgen dafür, dass wir Menschen grundsätzlich oder von vornherein misstrauen, nur langsam Vertrauen aufbauen oder uns selbst wenig zutrauen. Wir sind nun einmal Menschen und Menschen – wie alle Wesen – sind verletzlich.

Es ist egal, ob die Enttäuschungen in einer Partnerschaft geschahen und sich deshalb Beziehungsangst manifestiert hat. Vielleicht empfindest du dich auch als sehr sensibel (oder hochsensibel) und kommst nur schwer mit Kritik oder Ablehnung zurecht (wer nicht?). Oder es ist der Job, in dem du mit Kollegen und Vorgesetzten zu tun hast, die nur an sich denken, statt an das Gemeinschaftswohl. Aber vielleicht waren es auch deine eigenen Handlungen oder Nicht-Handlungen, die auf dir lasten, die du dir nicht verzeihen kannst. Vielleicht hättest du etwas anders machen wollen oder für dich einstehen müssen.

Was dazu führte, dass du verletzt wurdest, ist das eine. Etwas anderes ist es, wie du mit der Konsequenz und deinen Gefühlen, Gedanken und Bewertungen jetzt umgehst. Sie entscheiden darüber, ob du dich für ein neues Glück öffnen kannst oder weiterhin aus Angst verschlossen bleibst. Du kannst hier und jetzt entscheiden, dass die Vergangenheit vergangen ist. Das bedeutet nicht, dass du den damit verbundenen Schmerz einfach ignorieren oder verdrängen sollst. Aber wir können alle beschließen – einfach so -, dass wir das Kreuz lange genug getragen haben und eine Zukunft vor uns liegt, die wir aktiv gestalten können. Wie deine  aussehen wird, ist teilweise von dir allein abhängig. Nur ein kleiner Teil – nenne ihn Zufall, nenne ihn Bestimmung – wird außerhalb deines Handlungsfeldes liegen. So unberechenbar dieser auch erscheinen mag, man kann lernen, sich in sich selbst zu festigen, um gegen diese Stürme gewappnet zu sein … falls sie überhaupt kommen.

 

10 Wege, um dir und anderen wieder vertrauen zu können

Vertrauen kann man lernen. Die folgenden neun Impulse speisen sich aus jahrelangen Versuchen, mit meinen eigenen Verletzungen zurechtzukommen und nicht das Vertrauen in Menschen, dem Leben, der Welt und mich zu verlieren. Vieles davon klingt leicht. Aber dahinter steckt eine “Arbeit”, die wir alle für UNS leisten müssen, wenn wir wieder schmerzfrei und angstfrei leben möchten. Nur man selbst kann das für sich tun, auch wenn es guttut, Menschen an seiner Seite zu haben, die einen währenddessen unterstützen. Die gute Nachricht ist: Wir entscheiden, ob und welchen Weg wir wählen.

 

1. Lass die Handlungen anderer nicht zu deinem Schicksal werden

vertrauen in sich, die welt und das Leben schöpfenEgal, was jemand tut bzw. nicht tut: Er hat seine eigenen Motive, so wie wir alle unsere Motive haben. Während der eine sich Gedanken über die Konsequenzen seiner Taten für andere macht, handeln andere einfach aus dem Bauch heraus oder meinen keine negativen Auswirkungen zu erkennen. Nicht alles, was geschieht, geschieht bewusst verletzend. Doch oftmals sieht es so aus oder wir können uns keinen anderen Reim auf ein Verhalten machen.

Sollten wir uns deshalb durch andere am Leben hindern lassen? Wir sind stets fähig, uns zurückzuziehen und abzugrenzen, statt uns zu identifizieren mit einem Gedanken, der schnell zu einem Glaubensmuster werden kann, wie z. B. wir seien nicht gut genug oder wären nicht liebenswürdig. Was andere tun, sagt viel über sie aus, aber nicht darüber, wie wir im Angesicht dessen unser Leben fortsetzen. Sich blockieren zu lassen, durch vergangene Ereignisse, bleibt eine bewusste Entscheidung: nämlich unsere. Wir haben stets die Wahl.

 

2. Wunden dürfen heilen

Wir entscheiden auch darüber, wem wir verzeihen, damit wir positiv in unsere Zukunft blicken können. Das heißt nicht, dass wir vergessen oder die Ereignisse bagatellisieren, sondern vielmehr, dass wir den Fokus auf neue, positive, heilende Erfahrungen legen – auch, wenn das bedeutet, dass diese ohne den verletzenden Menschen stattfinden. Wir dürfen heilen und wir dürfen Freude und Liebe erfahren: Das hat nichts mit der offenkundigen Erlaubnis eines anderen zu tun, noch sollten wir uns gegen neue, bessere Erfahrungen sperren. Tun wir das, dann leistet uns Angst vor einer weiteren, verletzenden Erfahrung Gesellschaft. Doch diese hat wenig mit der Realität zu tun. Sie basiert vielmehr auf der Erinnerung an eine Enttäuschung.

 

3. Erkenne den Sinn hinter deiner Angst und anderen Gefühlen

lektionen des lebensEine jede Enttäuschung schenkt uns wertvolle Lehren, so schmerzhaft sie auch sein mögen. Gleichsam erlaubt sie uns, unser Denken, Fühlen und Handeln neu auszurichten, an der Realität und unseren Werten, wie wir unser Leben leben möchten, was wir verklärt oder verkehrt sehen.

Der Sinn hinter einer jeden Angst ist noch immer, uns wachzurütteln und aufmerksam zu machen, auf 1) was wir im Außen ändern sollten, weil es uns blockiert und schmerzt und 2) was in uns selbst blockiert. In der Psychologie spricht man von einem sekundären Krankheitsgewinn. Damit ist gemeint, dass jede Angst und psychische Krankheit uns auch einen Nutzen schenkt, zum Beispiel nicht in ständiger Angst vor einem Verlust, einer Ablehnung zu leben. Sie schenkt uns damit die Abwesenheit eines Schmerzes. Aber sie bringt auch einen neuen. Denn alles, was wir tun oder nicht tun, hat auch für uns (und unser Umfeld) eine Konsequenz. Welche schwerer wiegt und welche wir besser tragen können, entscheidet darüber, was wir tun und was wir lassen. So sabotieren wir uns.

 

4. Ein Mensch ist ein Mensch und definiert keine anderen

Selbst, wenn es mehrere Menschen waren, die uns verletzten, sagen wir z. B. Partner, die wir hatten: Jemandem eine so große Macht über unser Leben und unsere Zukunft zu geben, ist unvernünftig. Damit nehmen wir uns unsere Selbstwirksamkeit, unsere Würde, unsere Lebensfreude und versagen uns selbst das Recht auf Glück und Erfüllung. Wir liefern uns stattdessen einer kindlichen Wehrlosigkeit aus und hoffen darauf, dass irgendwann ein Mensch vorbeikommen wird, der es wieder richtet, es wieder gut macht. So entstehen Beziehungsdramen und neue Enttäuschungen. Wir können uns durchaus auf unser Erwachsensein besinnen und uns klarmachen, dass es an uns liegt, unser Leben in die Hand zu nehmen und es zu gestalten. Was wer auch immer getan hat bzw. unterließ: Dieser Jemand ist kein Richter und kein Henker. Doch unsere Gedanken und Gefühle haben die Macht, ihn dazu zu erheben, statt uns selbst.

 

5. Loslassen lernen (besonders die eigenen Glaubensmuster)

Alle Verletzungen bleiben am Ende des Tages eine Erfahrung. Wie viele Menschen kennst du, die bislang keine Enttäuschungen erlebt haben? Wie viele Menschen kennst du, die niemals verlassen wurden, niemals jemandem wehgetan haben und niemals Angst oder Traurigkeit gefühlt haben? Jedes Leben ist bepackt mit Höhen und Tiefen. Wir müssen verzeihen lernen, denn nur so können wir uns von den Fesseln der Vergangenheit lösen. Einige der verletzenden Menschen hatten bittere Lektionen im Gepäck, welche, die wir nicht verdient hatten. Was machst du mit deinen Erfahrungen? Nimmst du sie als deine Erweiterung auf? Identifizierst du dich mit ihnen und korrigierst dein Selbstbild ins Negative? Wir können Erfahrungen bloße Erfahrungen sein lassen, unsere Gedanken und Gefühle sein lassen, was sie sind, ohne sie zu glauben. Die Wissenschaft hat das mehrfach bewiesen.

Ein wunderbares Buch, um dich von deinen festsitzenden Blockaden und Glaubensmustern zu befreien, ist zum Beispiel Dr. Joe Dispenzas “Ein Neues Ich”. Eine unbedingte Buchempfehlung für alle, die glauben, schwerwiegende Gedanken und Gefühle nie wieder loswerden zu können. Bewahren wir schlimme Ereignisse in unserem Kopf auf, ist es, als würden wir sie in eine Schachtel – wie wertvollen Schmuck – legen. Wir hüten sie und sorgen so dafür, dass unsere Erfahrungen lebendig bleiben. Was Joe Dispenza in seiner leicht verständlichen Art aufzeigt, ist, dass wir so in der Vergangenheit haften bleiben (mit unserem Körper) und für ihn (unseren Körper) jedes Mal aufs Neue diese alte Erfahrung durchspielen und erleben, als geschehe sie in diesem Augenblick. Loslassen hingegen beginnt mit neuen Gedanken.

 

6. Positive, sensible Menschen “sammeln”

In einem Umfeld, in dem man krank oder stark verwundet wurde, kann man nicht heilen. Sollte die Verletzung daher stammen, helfen – wenigstens kurzzeitige – gänzliche Abnabelungen.

Gesund ist es immer, wenn du dir Freunde, Familienmitglieder, Gleichgesinnte, Therapeuten, Coaches oder andere suchst, die deine Verletzungen verstehen. Sie geben dir das Gefühl, dass deine Gefühle okay sind. So musst du dich weder schämen noch deine Empfindungen bagatellisieren. Wenn deine Verletzungen schmerzen, kannst du es zeigen, statt sie zu verdrängen. Allein diese positiven Menschen vermögen es, dir wieder neues Vertrauen in Menschen und dich zu schenken. Menschen hingegen, die deinen Schmerz oder deine Erfahrung nicht kennen oder nicht verstehen (wollen), eignen sich wenig – besonders, wenn sie dir deine Gefühle und Gedanken absprechen wollen, du dich “zusammenreißen” sollst oder “darüber hinwegkommen” kommst. Sie werden ihre Vorzüge haben, die du in stabileren Zeiten genießen kannst. Doch diese Menschen “arbeiten gegen” dein aktuelles Ziel und machen die Grundlage nur brüchig.

 

7. Bedürfnisse erkennen und Grenzen setzen

  • Was bedeutet dir etwas?
  • Was willst du unbedingt in bestimmten Situationen für dich erfüllen?
    • Wut rauslassen, dich zugehörig fühlen, Schmerz vermeiden?
    • Bist du für andere Menschen da, in der Hoffnung, dass sie für dich da sein werden?
    • Liebst du, auch wenn es unsinnig erscheint, Menschen, die dir wehtun, trotzdem aus vollem Herzen?
    • Drängst du dich in der Gruppe selbst in den Hintergrund, um andere entscheiden zu lassen, dich rauszunehmen und keine Verantwortung tragen zu müssen?
    • Oder bist du eher darauf aus, im Vordergrund zu agieren, aus Angst, dass du sonst überrannt oder übersehen wirst?
  • Was könntest du dir nie verzeihen?
  • Woran denkst du täglich?

Wir alle haben unbewusste und bewusste Motive, die uns leiten und anziehen, von denen wir uns etwas versprechen, weswegen wir handeln. Zu ihnen allen gehören Grenzen, die es zu wahren gilt, aber die nicht jeder sofort erkennt. Wenn du deine Grenzen jedoch nicht einmal selbst kennst, kann es schnell zu Enttäuschungen kommen. Stattdessen lohnt sich ein ehrlicher Blick auf dich selbst, am besten bewaffnet mit einem Blatt Papier, auf dem du niederschreibst, was ein absolutes No-Go ist. Wann immer jemand vor deiner Wand steht und kurz davor ist, diese einzurennen, weise ihn auf deine Grenzen hin. Wann immer du selbst deine Bedürfnisse, Werte und Grenzen ignorierst, tue dasselbe. Mitunter brauchen wir mehr Erinnerung an unsere Grenzen als so manch anderer.

 

8. Deine Selbstwirksamkeit in Besitz nehmen

dir selbst vertrauenWir sind alle erwachsen. Da gibt es kein Wenn und kein Aber, keine Ausreden und keine Schuldzuweisungen an andere. Wir sind diejenigen, die entscheiden, was wir tun und was nicht. Selbstwirksamkeit ist damit jedem eigen und jeder kann sie zu jeder Zeit in Besitz nehmen. Wir können mit Menschen sprechen, Kompromisse suchen oder uns abwenden, wenn eine andere Lösung weniger verspricht. Kein “Es geht nicht!” und kein “Wenn das nur so einfach wäre!” würde entschuldigen, wenn du dein Leben in die Hände anderer gibst oder keine Grenzen setzt bzw. sie selbst überschreitest oder es anderen erlaubst.

Seien die Umstände noch so dramatisch: Es gibt Menschen, die helfen können und werden, Wege, die du noch nicht durchdacht hast, Unterstützung in Form von Therapeuten und anderen, falls es eine besonders schwere Situation ist. Vor allem gibt es Schritt für Schritt und Stück für Stück. Keine Veränderung muss von Jetzt auf Gleich geschehen. Auch die Menschen im Umfeld können durch schrittweise Veränderungen in eine Gewöhnung geführt werden. Verbiete dir alle Ausflüchte, die dir vermeintlich helfen können, wenn sie dich doch nur blockieren. Vertraue auf dich und das, was du kannst. Oder erinnere dich neu daran, was du alles kannst und schon in deinem Leben geschafft hast. Und sollte es so sein, dass hier wenig unter dem Strich steht: Erlaube dir die Erfahrung, dass du neu anfangen kannst und alles, was bislang nicht erreicht wurde, nachgeholt werden kann.

 

9. Das Leben rächt sich ganz allein

Die meisten verlieren ihr Vertrauen, weil sie bitter von jemandem enttäuscht wurden. Sie lernten daraus, wozu sie selbst oder andere (nicht) imstande sind. Sie halten das Ereignis in Erinnerung, um sich vor neuen, schmerzhaften Erfahrungen zu schützen. Sie sind so tief getroffen, dass sie am liebsten vergelten möchten, am liebsten diesen Schmerz teilen wollen. Sie ertragen weder die Hilf- und Wehrlosigkeit noch die Folgegefühle der Angst, Traurigkeit, Scham, Schuld, Wut, Entsetzen, Misstrauen und mehr. Einen Rat, den ich mit 20 bekam, gebe ich immer wieder gern weiter: Verschwende deine Zeit nicht mit Rache. Das Leben rächt sich von ganz allein.

 

10. Halt und Geborgenheit, Sicherheit und Wert

Was in deinem Leben gibt dir Halt und lässt dich sicher, geborgen und wertvoll fühlen? Es müssen keine Menschen sein. Auch Tiere, Kontakt zur Natur, Musik, Literatur, Kunst oder sonstiges wie Hobbys oder Leidenschaften – vom Kochen bis hin zu Sport – kann dir neues Vertrauen schenken. Solche “Reichtümer” im Leben vermögen es auch, dir neue Kraft zu spenden und dir zu zeigen, was du kannst, wozu du fähig bist, was du liebst – sodass du dich fühlst. Sorge für positive Gefühle und erinnere dich an jene Wohlgefühle – nicht nur, wenn es gerade bergab geht. Halte diese Hobbys/Leidenschaften/etc. in Ehren und pflege sie. Kontere mit ihnen, falls negative Gefühle hochkommen. Das lenkt deine Aufmerksamkeit auf das Gute in deinem Leben. Je mehr du davon hast, umso leichter wirst du wieder Vertrauen schöpfen können.

Vertrauensvolle Grüße,
Janett

 

Mensch sein – Du selbst sein: Brief an mein jüngeres Ich

Mensch sein – Du selbst sein: Brief an mein jüngeres Ich

 

Dies ist ein Brief an mein jüngeres Ich, in dem es um das Mensch sein – Du selbst sein geht.

Sei nicht so, wie andere dich wollen, nur weil es dir Mühe bereitet, herauszufinden, wer du wirklich bist oder weil es dir schwerfällt, so zu sein, wie du bist. Sich hinter sich selbst zu verstecken, kostet mehr Mühe als mit geradem Rücken seinen Menschen zu stehen. Wenn du Ja sagen willst, sag Ja. Wenn du aus Rücksicht dir gegenüber Nein sagen möchtest, sag Nein. Hauptsache ist, dass du dir gegenüber rücksichtsvoll bleibst.

Wenn du Lust auf etwas Neues hast, auch wenn andere derweil lieber stagnieren, dann mach das Neue allein und lass den Anderen ihren sicheren Stillstand. Wenn du Lust auf Rückzug hast, zu Hause sein willst oder Zeit mit dir verbringen möchtest, dann kuschele dich ein, sei bei dir und schenke dir diese wertvolle Ich-Zeit.

Such dir Bücher, die dich inspirieren, dir das Gefühl schenken, dass du lebst, weil es andere vor dir gab, denen es genauso ging. Lass sie dir ihre Wege vorstellen und entscheide selbst, ob so oder ähnlich deine aussehen könnten.

Lass die Anderen weiterrennen, im Kampf um Wert, Leistung, Liebe. Wenn du keine Kraft mehr hast oder es einfach leid bist, so würdige dieses Gefühl und sei dir etwas wert, ohne etwas zu leisten, toll auszusehen oder reich sein zu müssen, weil die Gesellschaft das diktiert.

Wenn du einmal nicht an deine Sorgen denken willst, deinen Kopf ausstellen willst, dann mach es. Denke nicht erst darüber nach, wann du nicht nachdenken wirst, wann du die Zeit haben wirst, einmal nicht über dein Leben nachzudenken, sondern stelle es einfach ab. Konzentriere dich auf deinen Atem, deinen Herzschlag, deine Fußsohlen, irgendeinen Körperteil und du wirst sehen, dass dir dein Geist folgt. Er folgt dir. Nicht du ihm. Er weiß das. Du darfst es lernen. Erlaube dir diese neue Erfahrung und Erkenntnis und praktiziere sie täglich, bis sie ein Automatismus geworden ist.

Atme den Kummer weg und lass ihn dort, wo er ist, mit sich allein: in deinem Kopf – wegen Menschen, die dich verletzt haben oder die du verletzt hast. Es ist Vergangenheit. Sei ein Mensch, erlaube dir Fehler und anderen dasselbe.

Je mehr du nach Perfektion strebst, fehlerfrei im Handeln und Schein, desto mehr wird dich das Außen zurück auf den Boden der Tatsachen holen. Und dort herrscht ein Chaos namens Leben, gemacht aus Tiefen und Höhen, die beiderseits geschätzt werden wollen. Woher willst du wissen, ob nicht dein größtes Versagen, deine ureigenen Ängste und Sorgen dich genau dorthin führen werden, wo du sein sollst? Du kannst es nicht wissen. Kein Channeling, kein Medium, keine Tarotkarten und kein Horoskop der Welt wird dir die Zukunft vorhersagen. Genauso wenig wird dir Geld, eine Beziehung oder ein aussichtsreicher Job das zurückbringen, was du früher vermisst hast: dass du ohne ersichtlichen Grund wertvoll genug warst, einfach so, wie du bist.

Spüre in deinen Körper, das Gewicht deiner Bedenken und Ängste gegenüber deiner Zukunft, wenn es sein soll. Doch erlaube ihm eine Auszeit, um zur Ruhe zu kommen. Täglich. Sei die Entspannung, die du brauchst und dir so sehr wünschst. Doch wenn du lachen willst, weil es einen Grund oder weil es keinen Grund zur Freude gibt, lache und freue dich, selbst wenn andere ihre Probleme und Bedürfnisse ernster nehmen möchten. Lass ihnen ihre Sorgen und distanziere dich davon. Du bist nicht sie, nicht ihre Lösung. Du bist nicht ihr Geist. Du machst in ihren Leben rein gar nichts gut. Entweder sie handeln oder sie handeln nicht.

Wenn du Lust auf Liebe hast, dich nach Leben und Leichtigkeit sehnst, dich fallenlassen möchtest, ohne darüber nachzudenken, was wohl geschehen könnte, dann genieße den freien Fall und entdecke, welche Macht deine Gedanken haben, wenn sie die Spur wie ein Hund aufgenommen haben. Vertraue deinem Geist und Herzen, dass sie die richtigen Lösungen zur richtigen Zeit finden werden. Wenn du ihnen die Möglichkeit lässt, sich zu Wort zu melden, weil du im Geiste still geworden bist, wirst du sie hören können. Doch wenn du wie jeder andere mit Kompensationen und Ablenkungen die An-Schalter in deinem Körper nicht kurz auf Aus stellst, bleibt er mit den Ablenkungen beschäftigt. Er hat gar keine andere Wahl, als sich mit dem zu beschäftigen, womit du dich gerade beschäftigst. Er ist dir treu. Unterbrich den Strom aus ständigen Informationen, trenne jede Verbindung und gib dir die Möglichkeit, deine eigene Körperweisheit und die deines Herzens hören zu lernen.

Wenn du Bock auf richtig geiles, leckeres, aber leider viel zu kohlenhydrathaltiges oder fettiges Essen hast, dann greif zu. Scheiß auf die paar Kilos mehr. Niemanden interessiert das, nur dich – damit du dir wieder einreden kannst, dass du nur gut genug wärst, weil … In Wahrheit weißt du, welche Gedanken nützlich sind und welche nicht. Du spulst nur lieber die Anderen ab, die, die du schon Dutzende Male gedacht hast, um herauszufinden, was wohl der Grund sein könnte, dafür, dass du X nicht hast. Daran bist du gewöhnt, doch es ist nicht die Wahrheit, sondern nur eine Geschichte, die du dir erzählst.

Vergiss, was du solltest und gelernt hast, zu wollen. Wenn du lieber nur noch natürlich und clean essen willst, der ganzen Konservierungshölle entkommen möchtest, mach es einfach anders und lass die anderen mit den Augen rollen. Wenn du heulen willst, dich bemitleiden willst, mach es. Lass die Gefühle zu, die aus deinem Körper heraus wollen. Wenn sie sich schon einmal „anmelden“, dann mit Grund.

Tue nicht so, als wäre alles wunderbar und als täte nichts weh, wenn dir Menschen und Ereignisse den Boden unter den Füßen weggerissen haben. Weine und weine und lass den Schmerz der Erfahrungen aus deinem Körper entweichen. Aber sieh täglich in den Spiegel und frage dich, ob es das ist, wer du sein möchtest, wie du dich sehen willst und ob deine Tränen deine Zukunft sein sollen. Wenn du dich so nicht mehr erträgst, lass das Selbstmitleid sein, was es will. Dein wahres Ich ist etwas Anderes – wertvoller und entscheidender für deine eigene Zukunft.

Wenn du nicht an ihr arbeitest, dann arbeitet das Außen an dir – es werden Menschen sein, die dir den wenigen Respekt, den du deinem Leben gegenüber zeigst, mitten ins Gesicht drücken, ähnlich respektlos oder gar schlimmer. Auch wenn es netter dir gegenüber ist, anderen die Schuld an dem, was du verpasst hast oder was schief lief, geben zu können, weißt du genau, dass das nur die bequemere Lebensart ist: dass du hast andere entscheiden und handeln lassen, um es selbst nicht zu tun.

Wenn dir Gedanken wie „Ich bin nicht gut genug!“, „Mich will sowieso niemand.“, „Für mich gibt es keinen Platz in dieser Welt.“ oder „Niemand darf merken, wie ich wirklich bin.“ in den Kopf schießen, dann feuert nur deine Vergangenheit und das, was du gelernt hast, zu glauben. Das damalige Ziel, weswegen du dich anpassen wolltest, um doch noch X zu bekommen, liegt in der Vergangenheit. Heute, heute!, ist ein völlig neuer und anderer Tag. Sei ein Mensch. Und wenn du dafür noch einen Beweis brauchst, dann schau dir deine Hände und Füße an. Siehst du keine Strippen, dann heißt das, dass du keine Puppe bist, sondern ein Mensch. Und ganz sicher ein viel wunderbarer und wertvollerer, als es dir deine Sorgen und Ängste je sagen würden.

Wieso sollten sie auch? Sie erfüllen ihre Funktion: Und hier gilt Vorsicht. Was ist mit deiner Freude, deiner Hoffnung, deinem Optimismus? Erlaubst du ihnen auch ihre Funktionen oder willst du weiterhin auf sie einschlagen und sie ihrer Aufgaben entziehen? Gibst du den Dämonen mehr Raum, richtest du ihnen in liebevoller Hingabe ein eigenes Zimmer ein, malst die Wände schön in Schwarz und bestellst noch Geister der Vergangenheit hinzu, die dich täglich heimsuchen. Du bekommst du, was du bestellst hast. Stell dir nur einmal vor, was geschehen würde, wenn du Freude, Hoffnung, Überraschung, Glauben, Optimismus ein viel größeres Zimmer einrichten würdest – als wären sie ein Neugeborenes, herzlich empfangen und so sehnlichst gewünscht. Mensch zu sein bedeutet nicht, zu seinen Ängsten zu stehen oder sie auszuhalten. Es bedeutet vielmehr, dass du erkennst, was es neben diesem Gefühl noch alles gibt: eine Fülle an anderen Gefühlen. Gefühle, die du selbst wegen und für andere stiefmütterlich behandelt hast.

Anderen Menschen sind nicht dein Geist. Sie sagen dir nicht: „Denk jetzt das!“ Sie vermitteln dir vielleicht, was sie über dich denken. Sie kennen diese Gedanken eben, genauso wie du, weil jemand in ihrem Leben genauso über sie dachte oder sie selbst diese Gedanken über sich haben. Aber ob du das denkst oder lieber bei deinen eigenen Gedanken über dich und dein Leben bleibst, entscheidest du. Das ist die ganze Wahrheit. Und sie ist so viel einfacher als alle anderen, die dir durch die Blume vermittelt wurden.

Wenn du einmal ganz ehrlich zu dir bist, wird dir wieder einfallen, wie wenig du solche Menschen leiden kannst und wie so gar nicht du solche Menschen in deinem Leben haben willst. Der Versuch, sie doch noch zu überzeugen (vom Gegenteil), dich zu beweisen, sie dazu zu bekommen, dich wertzuschätzen und zu lieben, ist nur ein wiedergekehrter Versuch von früher, dich selbst von dir und deinem Wert zu überzeugen. In Wahrheit diskutierst du nur mit dir selbst und mit den Geistern deiner Vergangenheit.

Sei der Mann, der du sein willst. Sei die Frau, die du sein willst. Bitte niemanden um Erlaubnis, der nicht in deinen Schuhen steckt und frage denjenigen auch nicht um Rat, wenn er doch gar nicht wissen kann, was es heißt, du zu sein. Erinnere dich an dich. Komm wieder in deine Kraft.

Mach Platz für dich.

Sei der Mensch, der du wirklich bist.