Wieso du zu viel Alkohol trinkst & wie es gelingen kann, weniger zu trinken

Wieso du zu viel Alkohol trinkst & wie es gelingen kann, weniger zu trinken

Alkohol zu trinken, sei es das Glas Wein, ein Bier zum Feierabend oder mehr, ist zumindest in der westlichen Gesellschaft ein probates Mittel, um sich zu belohnen oder von etwas abzulenken. Das muss nicht zwingend etwas besonders Trauriges oder Schlimmes sein. Auch als Füller in langweiligen Stunden, aus Gruppenzwang oder Spaß an der Freude mit Freunden am Wochenende, um es noch lustiger zu machen, ist Alkohol ein häufig gesehener Begleiter – aus den verschiedensten Gründen.

Doch wie jede Droge ist auch Alkohol eine, von der man süchtig werden kann. Je mehr sich der Körper und Geist an die leichten Gefühle und oberflächlich bessere Stimmung gewöhnt, desto abhängiger wird er. Ein Kreislauf, der häufig angeregt wird durch die immer größere werdende Menge an Alkohol, die der Körper braucht, um sich schummerig-leicht und zufrieden zu fühlen. Wenn du es in meinen Blog geschafft hast, trinkst du entweder in deinen Augen zu viel Alkohol oder willst gar keinen mehr trinken. Oder vielleicht möchtest du auch nur verstehen, wieso du oder jemand anderes Alkohol trinkt.

Alkohol und seine Bedeutung in meiner Familie

co-abhängig in familien

Meine Familie (und ich) wuchs im Osten des geteilten Deutschlands auf. Ohnehin fühlte man sich damals nicht nur im Außen, sondern auch im Inneren getrennt, suchte nach Verbindung und Verbundenheit, nach seinem eigenen Platz, an dem man sicher war, wo es einem an nichts fehlte. Viele suchten nach einer “Heimat”, die garantierte, dass man nicht benachteiligt wurde und dazugehörte. Besonders unter den Jugendlichen, um kurz aus dem Leben meines Onkels zu erzählen, war es oft gang und gäbe, sich an öffentlichen Orten zum Trinken zu treffen. Trinken war Gruppenkleber und Teil des Treffens. Aus Alkohol wurde schnell der Grund des Treffens selbst, so, wie wir es auch heute noch erleben: Viele treffen sich allein zum Trinken bzw. Saufen. Überall auf Partys (an Silvester, zu Betriebsfeiern, Geburtstagen usw.) wird getrunken und mit der wachsenden Spätikultur steht Alkohol noch stärker im Mittelpunkt von sozialen Gatherings. Es ist neben Nikotin ein frei verkäufliches und erhältliches Suchtmittel und je nach Kultur bzw. (Bundes)Land selbst morgens oder mittags (Frühschoppen, Siestas und mehr) angebracht. Es wird vielerorts sogar still erwartet, dass man mittrinkt. Ein freiwilliger Nichttrinker hingegen gilt glatt als Spaßbremse.

Als Kind, das aus einer Alkoholikerfamilie stammt (mein Großvater z. B. griff in schlechten, einsamen Zeiten zu Alkohol und mein Onkel war starker Trinker, der schon in jungen Jahren an einer Leberzirrhose starb), und einer Mutter, die strikt gegen Alkohol ist, mache ich mir schon mein ganzes Leben Gedanken über Alkohol und Alkoholismus. Einige meiner Familie predigten stets, Menschen, die Alkohol trinken, wären schlechte Menschen, schlechte Mütter/Väter und Frauen/Männer. Sie wären Säufer – zu nichts gut und zu nichts zu gebrauchen, schwach, weil sie sich nicht vom Alkohol lossagen konnten. Als Kind dachte ich oft: Wenn Alkohol schuld ist, dann wären sie doch nur Opfer. Sie als Menschen wären unschuldig, weil Alkohol das mit ihnen gemacht hat. Und stückweise – wie bei jeder Sucht – stimmt das natürlich. Aber diese Ansicht ließ das Prinzip Selbstverantwortung außer Acht.

Ich hatte immer diese Stimme in mir, die sagte: Irgendjemand muss sich mit den Alkoholabhängigen meiner Familie solidarisieren. Sie wegen des Alkohols auszuschließen oder auszustoßen (was beispielsweise mein Großvater bei meinem Onkel tat), funktionierte in meinem Kopf nicht. Ich wollte sie verstehen und wollte sie nicht verlassen. Ich wollte ihnen vor allem beistehen, auch, wenn das bedeutete, dass ich Alkohol nicht verteufeln würde.

Doch viele verstehen nicht, wie es so weit kommen konnte, dass sie so viel trinken, ob nur in Gesellschaft oder gar allein. Viele rutschen da einfach hinein, so, wie es meinem Onkel passierte. Leider denken sich viele vor allem: Ich bin nicht abhängig. Sie verkennen, dass sie bereits süchtig sind. Alkohol wird in unserer Gesellschaft nur abgewertet, wenn er in ungesundem Maße konsumiert wird, es in Alkoholismus umschlägt. Dass das ein schleichender Prozess ist, vergessen viele. Oft heißt es dann nur, derjenige hätte keine Willensstärke oder wäre einfach schwach. Und dann ist man fertig mit der Erklärungssuche. Verständnis fehlt fast immer. Deshalb möchte ich im Folgenden dazu beitragen:

Wann ist wie viel Alkohol zu trinken bereits Alkoholismus und wieso greifen Menschen zu Alkohol (vermeintlich legitime Gründe)

bin ich alkoholabhängig

Ist man schon ein Alkoholiker, wenn man abends ein Bier, ein Glas Wein oder anderes trinkt? Laut WHO, die Kriterien eines behandlungsbedürftigen Alkoholismus erstellt hat, gilt es als Alkoholsucht, wenn du in den letzten 12 Monaten mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt hast:

  1. einen übermäßig starken Drang hast, Alkohol zu trinken (Gelüste, Cravings)
  2. du nicht kontrollieren kannst, wie viel du trinkst und wann (Zeit) du trinkst
  3. du immer mehr trinken kannst (dein Körper eine Toleranz entwickelt)
  4. deine Tagesaktivitäten beeinflusst werden durch Alkoholkonsum (du andere, wichtige oder freizeitliche Interessen vernachlässigst bzw. nicht mehr ausführen möchtest)
  5. du weitertrinkst, obwohl du bereits Konsequenzen des Alkoholkonsums spürst (psychisch, körperlich, mental, z. B. starker Kater, Magen-Darm-Probleme, Zittern, Angstzustände, Depressionen usw.)
  6. du Entzugserscheinungen spürst, wenn du weniger oder gar nicht trinkst

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man weniger trinken kann, wenn man versteht, wieso man trinkt und wozu, also nicht nur den Grund/Anlass des Trinkens, sondern auch das Ziel des Alkoholkonsums. Aus meiner eigenen Familiengeschichte heraus habe ich verschiedene Gründe, wieso jemand trinkt, beobachtet/zusammengestellt, um das Thema für mich zu greifen. Wenn auch du zu viel trinkst oder jemand, den du kennst, könntest du hier einen ersten Ansatzpunkt finden:

  • Stressabbau und weg mit den negativen Gefühlen wie Traurigkeit, Scham, Schuld, Angst: Viele trinken, wenn es ihnen nicht gut geht oder sie einen Scheißtag hatten. Sie trinken für gute Gefühle, um sich besser zu fühlen, die Intensität jener Gefühle nicht spüren zu müssen, die in ihnen aufgetaucht sind, oder um mit den negativen Gefühlen besser umgehen zu können. Auch die Forschung hat mit Berichten über die stressabbauende Wirkung eines Glases Wein beispielsweise den Gedanken gefördert, es wäre ein probates Mittel. Auch bei Krankheiten wie Angststörungen, Panikstörung, Depressionen, Zwangsstörungen usw. greifen viele zu Alkohol, um die Begleitgefühle abzumildern.
  • Trinken aus Langeweile: Auch Trinken/Saufen ist eine Beschäftigung. Vielen machen bestimmte Beschäftigungen unter Alkoholeinfluss mehr Spaß.
  • Allgemeine Ablenkung von schweren Zeiten, um etwas Positives zu spüren oder um sich zu spüren.
  • Selbstwertprobleme: Man trinkt, um sich größer zu fühlen, wenn Selbstzweifel einen im Kopf kleinhalten. Vielleicht flüchtet man mit Alkohol auch in Traumwelten oder kann die Realität so besser ertragen, Erinnerungen an schmerzhafte Erfahrungen besser aushalten.
  • Einsamkeit: Trinken, um sich von seiner inneren oder äußeren Leere abzulenken, um die Traumwelten schöner zu machen, um sich wenigstens im Geiste verbunden zu fühlen und weniger allein gelassen.
  • Gruppenzwang: Alkohol ist Gruppenkleber und soziales Addon. Man trinkt in besonderen Kreisen zum Beispiel einen ganz besonderen Alkohol (wie teuren Wein) oder man trinkt zu besonderen Anlässen, um auf etwas Gutes, ein Glück, anzustoßen. Der Gruppenzwang und Druck hinter Alkohol ist dabei nicht zu unterschätzen. Das trifft besonders die Menschen, die eigentlich nur trinken, um anderen ein gutes Gefühl zu geben, während sie trinken: Trink mit mir! Andere wiederum trinken, um sich zugehörig zu einer Personengruppe zu fühlen, sich einzureihen und zu verbinden.
  • Belastbarkeit erhöhen: Weiterarbeiten zu können, obwohl der Körper und Geist erschöpft sind, gelingt vielen unter Alkohol leichter. Gleichzeitig kenne ich viele KünstlerInnen bzw. Kreative, die sich besonders kreativ fühlen, wenn sie getrunken haben. Den Hintergrund dafür verstehen leider nur wenige: Kreativität, das weiß die Forschung, kann nur entstehen, wenn wir keinen vordergründigen Stress erleben/empfinden. Nur unter mentaler Ruhe können Inspiration und Freiheit im Denken gelingen. Das bedarf jedoch keinen Alkohol.
  • Individuelle Konstitution und genetische Vorbelastung: Wenn jemand ein alkoholabhängiges Familienmitglied hat/te, wird die Wahrscheinlichkeit, selbst abhängig zu werden, erhöht. Denn das Risiko ist bereits genetisch vorhanden. Es beeinflusst, so eine Studie der Universität Göteborg, die Wirkung von Alkohol, auf den man positiver reagiert, auf den eigenen Körper, je näher uns das Familienmitglied stand.

Man unterscheidet innerhalb der Forschung zudem bei Alkoholismus zwei Typen:

  1. Typ I, wenn es Lebensereignisse gab (Verluste, Selbstwertschwierigkeiten, Krankheiten etc.) und/oder soziale Aspekte wie Gruppendruck, die einen abhängig werden ließen,
  2. Typ II, wenn es eine genetische Vorbelastung gibt und somit ein stark erhöhtes Risiko zu Alkoholismus besteht, gleich, wie sich das Umfeld gestaltet oder wie das Leben aussieht.

Besonders bei Typ I und den heutigen Strukturen, wie mit Alkohol in sozialen Kreisen umgegangen wird, liegt für mich die Krux: Ein entsprechendes Umfeld lässt viele Alkohol trinken, obwohl sie allein keine Lust auf alkoholische Getränke haben. Es ist eine Form der Solidarisierung und Zelebrierung von Verbundenheit. Und gibt es keine Gemeinschaft oder Verbindung, ist Alkohol für viele mitunter die einzige Gesellschaft, die man gerade hat.

Doch es sind Trugschlüsse und (von anderen oder von dir) ausgewählte Gedanken, die du beschlossen hast, zu glauben. Dazu mehr im nächsten Absatz.

Ganzheitlich Alkoholkonsum verstehen: Wohlfühlen durch Alkohol & Begleiter verborgener Sorgen, Ängste und Glaubensmuster

wohlfühlen ängste sorgen vermindern durch alkohol

Alkohol ist für viele ein erschwinglicher und einfacher/er Weg, um sich besser, größer oder überlegen/er zu fühlen. Dahinter steckt die missliche Annahme, man wäre klein und unwichtig. Im Alkoholkonsum hingegen hat man nicht nur physisch etwas, woran man sich festhalten kann. Man hat auch etwas Personifiziertes, das einen in Momenten der Einsamkeit und Selbstabwertung bzw. gefühlten Ausgeschlossenheit, sich Getrenntfühlens, begleitet und Gesellschaft leistet. Alkohol mag einem das Gefühl geben, größere Gedanken über sich selbst zu haben oder die Illusion besserer Lebensumstände, in die man sich hineindenkt, glückliche Zeiten, an die man sich erinnert, oder eine Wichtigkeit und Bedeutung, die man sich nur unter Alkohol zusprechen kann – weil man sich dann stärker fühlt.

Auch umgekehrt funktioniert das: Vielleicht kann man mit Alkohol endlich seine Emotionen rauslassen oder – wie das Sprichwort “Betrunkene sprechen die Wahrheit” besagt – traut sich nur alkoholisiert, auszusprechen, was einem auf der Seele brennt, das Herz beschwert. Oder man traut sich endlich zu tun, was man sonst fürchtet. Natürlich ist es nicht der Alkohol an sich, der das verursacht, sondern die Rauschwirkungen der Droge. Im nüchternen Zustand ist man konfrontiert mit dem Leben und seiner Nüchternheit, wie man es selbst sieht, nicht aber, wie es ist. Wie du über dein Leben denkst und somit über dich und deine Bedeutung, deinen Wert und deine Gefühle, entscheidest du. Punkt 1.

Punkt 2: Es gab irgendwann einen stillen Erwartungsdruck, Alkoholkonsum – in welchen Maßen und zu welchen Anlässen auch immer – gut zu finden und auch als Teil seines eigenen Lebens zu zelebrieren oder als Bewältigungsstrategie zu nutzen. Es ist ein soziales Klebeinstrument. Man selbst sucht – wie jeder andere Mensch auch! – nach Verbindung und Zugehörigkeit, fühlt mit jemandem oder hat Gefühle für jemanden, der Alkohol so benutzt (wie ich für die Männer meiner Familie). Selbst wenn sie keinen Alkohol getrunken hätten, hätte ich mit ihnen gefühlt, weil sie allesamt Mitgefühl verdienten, aber wegen ihrer dunklen Stunden, gefühlten Schwäche und Unfähigkeit, immer Stärke zu zeigen, abgewertet und ausgestoßen wurden. Wenn wir Alkohol also befürworten (in ganz normalen Situationen wie Silvester oder an Geburtstagen), tun wir das meistens, weil wir niemandem das Gefühl vermitteln möchten, seine Art und Weise (Alkohol gehört für ihn dazu) wäre falsch oder er selbst (aufgrund seines Alkoholkonsums) wäre falsch. Also fügt man sich eher, besonders, weil es ja “nicht weiter wild” wäre, wenn man “feiert” oder Alkohol “eben dazugehört” – “weil das schon immer so war”. Aber diese Denkmuster sind nur Annahmen, so, wie die, Alkohol würde dabei helfen, seine Sorgen zu vergessen – “nur für ganz kurz!” Aber: Man selbst entscheidet, ob man diesen Annahmen, Denkweisen, Trugschlüssen, Gewohnheiten und Bewältigungsstrategien folgt oder nicht.

Spaß und die Verbindung zu Alkohol ist Punkt 3, den man sich ansehen sollte: sei es im Freundeskreis, um dazuzugehören, mitzumachen (Gruppenzwang), im Elternhaus oder weil du zu wenig Freu(n)de, Geborgenheit oder Unterstützung in deinem Leben verspürst. Trinkt man im Freundeskreis immer, wenn man sich trifft, aber ist in einem dunklen Moment ohne seine Freunde, obwohl man sie bräuchte, oder fühlt sich abgeschnitten/getrennt/verlassen? Benutzt du wie viele stattdessen Alkohol, um zumindest ein Stück der ersehnten und vermissten Geborgenheit oder Freude zu verspüren?

Punkt 4: Schau einmal, ob du den Zwang, Alkohol als gut und als Lösung anzusehen, in dir gelegt findest. Oft ist Alkohol auch “nur” ein Mittel, das andere verwenden und zu dem man selbst greift/greifen soll, um mit ihnen zu sein – sie in ihre Gefühle zu begleiten -, damit sie das Gefühl haben, du wärst wie sie, damit sie sich weniger allein/einsam fühlen, stattdessen verbunden und okay, angenommen und wertvoll. Vielleicht wirst du dann auch witziger oder unterhaltender oder sie fühlen sich nur unterhaltender, weniger gelangweilt oder traurig darüber, wie ihr Leben in Wahrheit aussieht. Es kann auch sein, dass du Alkohol als Strategie verwendest, nicht nur um andere aufzuheitern oder selbst spaßig und sorglos unproblematisch zu sein, sondern, weil es das ist, was du gelernt hast, was man macht, wenn es einem schlecht geht:

Ein stiller Schrei nach Liebe: Alkohol & Being needy! – Bedürftigkeit & Bedürfnisse

Alkohol gilt schon fast als Garant für gute Gefühle oder Begleiter – irgendwann auch Auslöser -, um dich aus deinem jetzigen Leben zumindest gedanklich herauszuziehen. Alles in seinem Extrem kann Probleme verursachen. Trinken wir oft zu viel, nähert man sich dem Alkoholismus. Hier sehe ich zwei Seiten: 1) Maßlosigkeit (das Unvermögen, etwas in Maßen zu tun) und 2) Bedürftigkeit (die man entweder ablehnt oder versucht, zu verbergen). Bedürftigkeit ist kein Wort, was man in heutigen Zeiten einfach so ausspricht. Zu oft haben wir das Wort needy gehört, was Bedürftigkeit mit Schwäche verband. Bedürftig zu sein bedeutet für viele, problematisch und störend zu sein. Je häufiger und stärker wir versuchen, unsere Bedürftigkeit (die ja völlig normal und menschlich ist!) vor anderen zu verbergen oder in uns nicht zu spüren, desto mehr steigert sie sich. Denn was wir ablehnen, zeigt sich auf anderem Wege. Alles, was im Schatten verborgen ist und dorthin verdrängt wurde, steigt wieder empor. Denn Bedürftigkeit zeigt nur, dass deine Seele nach etwas dürstet. Im Zusammenhang mit Alkohol auch, dass du nach etwas suchst. Tust du jetzt aber so, als wäre alles prima und wunderbar, verneinst du deine wahren Bedürfnisse. Und so wirst du irgendwann maßlos bedürftig – was verhindert, dass du bei etwas, was dir Sicherheit zu geben vermag (z. B. Alkohol), kein Maß mehr halten kannst. Es ist in diesem Moment der einzige Weg deines Geistes, um doch zu bekommen, was er braucht – wenn auch nur in Stücken oder misslich mit körperlichen Konsequenzen.

Wege und Ideen, wie du weniger trinken und/oder dem Alkohol ganz entsagen kannst

trinkst du zu viel?

1. Es ist wichtig zu erkennen, welche Auslöser dein Drang, Alkohol zu trinken, hat. Welche Motivatoren hast du erkannt (Langeweile, schwierige Gefühle, erlerntes Gefühls-Vermeidungsverhalten oder Kompensationsverhalten, Gruppenzwang, Einsamkeit – auch in Beziehungen, wenn man nicht allein ist, aber fehlende Verbundenheit, Ablenkung aus einer gefühlten Lebensöde usw.) Das ist der Grund. Nun schreibe dir daneben in Gedanken oder auf Papier den Zweck/Nutzen, was du mit Alkoholkonsum erreichen willst und welche Angst dahintersteht, wenn du es nicht erreichst. Was würde geschehen? Beispiel:

Mein Grund: Gruppenzwang
Mein Zweck/Nutzen:
Integration/Dazugehören/Ähnlichkeit suggerieren/Freude & Spaß verbreiten
Meine Angst dahinter:
nicht allein sein, nicht so gemocht werden, wie ich bin (nüchtern), nicht mitzumachen würde zu Ausschluss führen/dass ich weniger gemocht werden würde usw.

Finde heraus, ob deine Angst berechtigt ist, indem du deine Freunde fragst. Geht es nur um dich, weil du versuchst Gefühle zu handhaben oder dich ablenken oder entstressen willst, finde heraus, welche anderen Wege zum Besserfühlen es für dich gibt. Mach dir eine Liste mit allem, was dir einfällt, was du gegen Stress, Langeweile, schwierige Gefühle machen kannst (allein, mit Freunden und durch die Hilfe anderer, z. B. in Foren/Internet/Therapie/Coachings etc.) Schreibe dir deine Gedanken auf, die du über Alkohol und dich und die Momente, in denen du trinkst oder trinken willst, hast. Überprüfe sie, Zweifele zuerst an deinen Gedanken und dann an dir und deinen Fähigkeiten. Zweifele zuerst an anderen (wenn du wie ich Alkoholiker in deiner Familie oder Abhängige in deinem Freundeskreis hast, die dir Alkohol “empfehlen”), bevor du dich fügst. Betrachte das, was dich vermeintlich trinken lässt, ganz genau und zweifele solange daran, bis du ausreichend Gründe hast, um dich dagegenzustellen.

2. Suche dir eine größere Angst als die, die dich zum Trinken bringt/gebracht hat, zum Beispiel: Hast du Angst, ein Trinke zu werden wie ein bestimmtes Familienmitglied, weil du dich genauso einsam fühlst wie dieses)? Beschäftige dich mit dem Familienmitglied, bis du es verstehst. Verzeihe dem, der getrunken hat/trinkt: Sag ihm/ihr, dass du ihn/sie jetzt verstehen kannst, nachvollziehen konntest – endlich-, was ihn/sie bewegt, wie es ihm/ihr erging. Entschuldige dich vielleicht sogar für deine Vorwürfe, Bewertungen und Handlungen. Oder entschuldige dich dafür, dass du es ihm nachgemacht hast, es nicht mehr mitmachen kannst, dir und deiner Gesundheit zuliebe.

3. Nach einem stark alkoholisierten Abend, beobachte deinen Körper und Geist am Folgetag: Nimm ein Video auf und erzähle dir selbst in diesem Video, wie du dich fühlst. Benenne klar und deutlich, dass du noch immer schwankst oder fürchterliche Kopfschmerzen hast, dass du unausgeschlafen bist oder dich müde fühlst, weil dein Schlaf nicht erholsam war. Sage dir, dass du frierst oder du spürst, dass dir wichtige Mineralien fehlen, wie sehr dein Körper nach Fett, Zucker und Salzen giert, die du normalerweise nicht bräuchtest, usw. Was auch immer Alkohol mit dir macht: Zähle es dir auf. Beim nächsten Anlass, bei dem du Alkohol trinken würdest oder den Drang zu trinken spürst, sieh es dir vorher oder mittendrin an und lass dich von dir selbst überzeugen.

Haben dir einige der Ideen und Impulse, Gründe und Hintergründe mehr Klarheit gebracht? Was fällt dir noch ein, wie man weniger trinken kann? Ich freue mich auf einen regen Austausch in den Kommentaren.

Welche Grenzen du immer (wirklich immer!) durchsetzen solltest

Welche Grenzen du immer (wirklich immer!) durchsetzen solltest

Nichts ist schlimmer, als gekränkt, verletzt oder ignoriert zu werden. Das verletzt unser Ego und überschreitet unsere Grenzen, die so hart erkämpft und errichtet wurden. Grenzüberschreitungen sind nicht nur im Job normal geworden. Viele wollen sich hocharbeiten, müssen oder wollen sich beweisen und zeigen, wer wir sind und was sie können. Zu viel wurde investiert, geopfert oder erscheint als Mangel, der behoben werden muss. Hinzu kommen die großen Emotionen wie Neid, Eifersucht, Geiz, Habgier, Böswilligkeit und gar Schlimmeres. Dem sind wir ebenfalls ausgesetzt. Auch im Privatleben sind Grenzüberschreitungen, die Wunden in uns hinterlassen, normal: Hier ein unbedachtes Wort eines Freundes, da die schlechte Laune des Partners, ein wenig Bockigkeit der Kinder, die sich austesten wollen, Diskussionen mit den Eltern, weil sie eine andere Meinung oder Richtung haben… Das alles lässt sich im Rahmen ertragen und wegstecken, wenn es nicht zu heftig und zu oft geschieht.

Doch welche Handlungen und Reaktionen anderer Personen sollten wir keineswegs dulden? Wo sind die Grenzen erreicht und wie können wir uns täglich dazu ermuntern, sie zu wahren, und notfalls auch durchzusetzen?

Überschreitungen deiner Grenzen – Eingriffe in deine Kraft

9 Grenzen, die du dringend wahren und durchsetzen solltest

1) Negative Energien anderer Personen sollten wir abwehren. Häufig sind es ja die kleinen Verstimmungen, die einem richtig zu schaffen machen, eben wie schlechte Launen oder schnippische Worte anderer. Häufig sind die nicht einmal böse gemeint, sondern platzen einfach aus der Person heraus. Aber: Wir bekommen sie ab. Und viele verinnerlichen diese auch. So kann sogar Angst, Traurigkeit, Wut/Ärger u. v. m. von uns aufgenommen werden. Man erkennt das daran, dass wir uns plötzlich in den anderen hineinversetzen können, mit demjenigen fühlen, versuchen, ihn zu schützen oder zu beruhigen. Aber auch anders herum kann es funktionieren: Wenn beispielsweise jemand absichtlich, unbedacht etwas sagt, was uns verletzt, kann das in uns bleiben, zum Beispiel als Ablehnung oder Schuldgefühl. Deshalb sollten wir uns immer daran erinnern, dass es derjenige ist, der gerade eine Schwierigkeit mit sich herumschleppt. Wir nicht.

2) Getuschel und Gerüchteküchen sind voll negativer Energie. Auch hier mischen wir uns in die Leben anderer, in die negativen Gefühle der Tuschler und Gerüchteverteiler. Indem wir Interesse zeigen und Anteil nehmen, teilen wir ihren Neid, ihre Wut und tragen beides so mit. Wir erlauben auch, dass das Gefühl der Abwertung mitgetragen wird. Sphären, in die man hineingezogen wird, die man vermeiden kann.

Empathie und sich abgrenzen

3) Die Meinungen anderer Personen über unsere Ziele oder Meinungen sind nicht wichtig. Natürlich gibt es Menschen, die es gut mit uns meinen und lediglich auf Bedacht spielen, weil sie fürchten,  dass wir verletzt oder enttäuscht werden könnten. Es gibt jedoch auch diejenigen, die unsere Ziele nur aus eigener Angst heraus als Fehlentscheidung oder zweifelhafte Ideen hinstellen. Beim Erfolg anderer Menschen schwingt oft das Gefühl der Leistung, des Wertes mit, wodurch wir uns zu Vergleichen hinziehen lassen. Wer mit einem geringeren Selbstwert hadert, könnte leicht denken, er wäre nicht gut oder nicht genug. Es hinterlässt auch das Gefühl, dass wir im Wettbewerb stünden, uns noch mehr anstrengen müssten, um uns zu beweisen. So motivierend diese Richtung auch sein kann, so destruktiv kann sie werden, wenn wir uns in dem, was andere wollen und tun, verzetteln, statt uns auf Eigenes zu konzentrieren. Wie viel schöner wäre es, wenn wir uns offen und ehrlich für den Anderen freuen, vielleicht einige wissenswerte Vorgänge von ihm lernen würden, uns aber um uns und unseren Weg, unser Ziel kümmern? So nehmen wir teil und schüren kein weiteres Leid, nehmen uns an und erweitern unser Bewusstsein für das Gute und das Gelingen.

4) Wenn Personen uns sagen, was machbar ist und was nicht, so ist es ihre Idee, ihre Meinung oder ihre Einschränkung im Denken. Alle glaubten, die Erde sei eine Scheibe, bis einer einmal herumfuhr und eben nicht ins Weltall plumste. Und er bewies, dass alle falsch lagen. Es gibt etliche Beispiele dafür, die dasselbe zeigen: von der Erfindung der Glühbirne, des Automobils bis hin zu den großen Errungenschaften der Menschheit. Schauen wir nur auf die noch existenten Weltwunder, bei denen nach wie vor Forscher rätseln, wie die alten Kulturen sie erschaffen konnten – mit ihren minimalen Mitteln. Alles ist möglich, wenn man daran glaubt. Oft stehen uns nur eigene, fremde und anerzogene Ängste im Weg. Besonders die Ängste, die entstehen könnten, wenn wir auf dem besten Weg zu unseren Zielen sind. Mögliche Kritik, Neid, Getuschel, Ablehnung, Misserfolg, falsche Entscheidungen etc.: Das alles sind mögliche Barrieren, die mit Erfolg daherkommen können. Sei bereit. Für alles.

5) Sei keine Müllhalde für das Zeug anderer Personen. Auch wenn wir es nur gut meinen, so lässt sich die Sorgenmutter-Funktion ebenso gut ausnutzen. Alles hat und muss eine Grenzen haben, wenn es anfängt, uns einzuschränken oder zu große Opfer fordert. Hier ist auch zu bedenken, dass viele Personen absichtlich ihre Sorgen und Probleme bei anderen abladen: im wahrsten Sinne des Wortes. So stehen sie im Mittelpunkt, bekommen wertvolle Aufmerksamkeit und fühlen sich angenommen. In meinem Online Buch “Ein Gefühl namens Dieter” gehe ich vermehrt darauf ein.

Wenn das im Rahmen bleibt, zum Beispiel bei guten Freunden oder Familienmitgliedern, dieses Geschenk des Mitgefühls gegenseitig ist und man sich ebenfalls aussprechen kann, wunderbar. Aber Obacht ist bei Personen geboten, die einen bei eigenen Sorgen abwürgen oder hängenlassen. Da ist eine Grenze zu ziehen: Es tut mir leid, dass du Sorgen hast, aber ich bin gerade so sehr mit meinem eigenen Leben belastet und beschäftigt. Ich wünsche dir viel Glück. (Und das darf man auch ruhig ehrlich meinen.)

6) Übernimm’ selbst Verantwortung, statt es andere machen zu lassen. Sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen, ist grundsätzlich die beste Idee. So muss man sich im Nachhinein nichts anhören, schürt weder Schuld noch Scham, keine Konflikte, die genauso schwer wiegen können, wie fehlende Verantwortung sich selbst gegenüber. Auch wenn es immer mal nötig ist, sich etwas im Selbstmitleid zu baden, sich seinen traurigen und ängstlichen Gefühlen bewusst zu werden, so sollte und muss irgendwann dieses Gefühl dem Positiven weichen: einen Plan machen, mit jemandem besprechen, wenn es leichter fällt, kleine Ziele setzen, loslegen und sich an kleinen Erfolgen freuen. Diese wiederum aufschreiben, damit man sie schwarz auf weiß sieht, wenn auch mal kleine Rückschläge kommen, kann ein Weg sein. Jeder darf seinen Weg entscheiden.

7) Verwechsele deinen Charakter nicht mit der Denkweise anderer. Wir lernen von unseren Bezugspersonen, wie den Eltern, Lehrern in der Schule, Freunden, Partnern usw. Wir nehmen damit viele ihrer Erfahrungen an, vertrauen ihren Lebensweisen, wenn sie erfolgreich waren (oder besonders erfreulich oder wenig verletzend). So verbuddeln wir unser inneres Potenzial und müllen uns mit Fremd-Ansichten zu. Auch mit fremder Angst. So bildet sich unsere zweite Natur; unsere erste geht den Bach herunter. “Fass’ nicht auf die heiße Herdplatte, sonst verbrennst du dich!” ist eine kluge Angst, die schützen soll. Aber “Mach das lieber nicht! Sonst bekommst du Ärger!” ist konfliktängstlich und verhindert, wie viele andere Ängste, nötiges Wachstum. Wenn man Bock auf etwas hat, etwas ausprobieren möchte, herumexperimentieren will, dann los! So lernt man seine eigenen Handlungen vertrauensvoll zu sehen, Fehler zu erkennen und leichter zu vermeiden. Eigene Erfahrungen sind ohnehin 1000fach mehr wert, als die anderer Personen. Die haben eine andere Vergangenheit, andere Werte, andere Gefühle. Trau dich, anders zu sein!

8) Versuche es dir zuerst rechtzumachen, statt immer nur andere glücklich zu machen. Wer nicht genug Kraft hat, für sich, für sein Leben, wird auch keine für andere haben. Je mehr man für andere tut, desto besser mag es einem vielleicht gehen, wenn man ohnehin keine Lust verspürt, sich um sein eigenes Leben zu kümmern. Das kann hin und wieder richtig dufte sein, sich nicht im eigenen Teufelskreis zu drehen. Aber auf Dauer, hier ist wieder die richtige Mischung gefragt, sollte man sich aus fremden Leben herausziehen, lernen, zuzusehen und den anderen in der Bewältigung ihrer Angelegenheiten trauen. Sie sind erwachsen. Sie schaffen das auch ohne einen. Und wir schaffen es ohne sie.

9) Behalte all deine Kraft für dich; lass dich nicht herunterziehen.

Liebe Grüße,
Janett

Janett

Gegen Panik, Angst und Stress: Mit den Sinnen arbeiten

Gegen Panik, Angst und Stress: Mit den Sinnen arbeiten

 

Meiner Meinung nach sind die Ursachen für Stress, Panik- und Angststörungen unterdrückte, unausgesprochene Gefühle. Es ist die eigene Entfremdung von seinen Gefühlen wie unerwiderte Liebe, Ärger, Wut, Trauer, Angst und Freude in Verbindung mit den eigenen, aber verneinten Bedürfnissen, die zu Überhitzungen im Geiste führen. Das schließt Panik- und Angstzustände ein. Aus Angst vor Ablehnung, Schuld, Scham, Strafe, Liebesentzug oder wegen einer Selbstunsicherheit oder handfesten Selbstzweifeln halten viele ihre Gefühle und Bedürfnisse zurück oder verneinen und verdrängen sie. Man wird folgsam und passt sich an, was noch mehr Angst und Stress schürt.

Eine meiner liebsten Methoden dagegen ist die Stimmarbeit, die Arbeit mit unseren Sinnen.

 

Angst und Panik: Nutzen und Recht

rückzug ist der grund für angst und panikAngst, Panik und Stress macht sich breit, wenn man über eine gewisse Zeit Gefühle verdrängt. Da unsere Gefühle irgendwohin müssen, idealerweise “raus”, wir uns unseren Gefühlsausdruck und Selbstverwirklichung aber verbieten, bunkern wir sie in unseren Körpern und füllen ein Fass mit Angst, Traurigkeit über unerfüllte Bedürfnisse und Wünsche, angeblicher, eigener Bedeutungslosigkeit und Wut. In normalen Stresssituationen erscheinen diese Gefühle weniger prekär, jedoch finden wir auch dort einen Kampf zwischen dem, was wir wollen und dem, was wir sollen. Wenn unsere Gefühle sich immer mehr anhäufen, solange bis das Fass voll ist, entlädt sich unser Geist. Bei Angst- und Panikattacken signalisiert der Körper, dass gerade das “interne” Fass überläuft, ein Gefühl oder ein Bedürfnis ausgesprochen werden müsste, wir diesen Impuls aber aus Rücksicht oder Sicherheitsdenken verneinen, verdrängen und dann plötzlich: Explosion.

In meinen Augen ist Angst und Panik ein Signal dafür, dass wir bereits verletzt sind, wenn nicht sogar “klein fühlen”, mit unserer wahren Natur konfrontiert werden (die, die wir uns verschweigen: wir sind nicht ganz so unabhängig, unverletzbar oder erwachsen) oder aber uns zugunsten eines anderen klein machen sollen. Das weiß unser Kopf und unser Herz ebenfalls.

Kurzum: Angst, Panik und Stress hat in meinen Augen den Nutzen der Distanz, des eigenen Rückzugs aus Situationen, die schlecht für einen Menschen sind, aufgrund der Rechte, die man freiwillig nicht wahrnimmt und freiwillig verdrängt. Rückzug vor allem aber auch von Verhaltensweisen, die für einen schlecht sind, die wir aber trotzdem in unserem Alltag wiederfinden. Laut Literatur trifft das zumeist Frauen bzw. Menschen, die allgemeinhin eher gehorsam, brav und anpassungsfähig sind. Das klingt hart, ich weiß. Aber selbst ich habe mir eingestehen müssen, dass ich zu den Menschen respektive Frauen gehörte, die eher JA statt NEIN sagen (sollen und es deshalb auch machen), die ihre Gefühle eher zurückhalten (sollen und es deshalb tun), die aufgrund der entstehenden Wut auf sich selbst und andere, diese legitimen Gefühle irgendwo im eigenen Körper bunkern (müssen), um ja keinen Ärger zu machen oder zu unbequem zu werden oder gar “unerzogen” zu sein. Die Angst vor dem Ärger und dem Konflikt bekommt je nach Situation, sei es familiär, existentiell bzw. beruflich, partnerschaftlich seine eigene Dimension und – Tragweite. Lange Rede, kurzer Sinn:

 

Die Methode gegen Angst, Panikattacken und akuten Stress: Summen

summen mit der stimme gegen angst stress panikattacken stimmarbeit klangtherapie körperarbeitWenn die eigene Stimme (im übertragenen, als auch wörtlichen Sinne) verstummt bzw. zu leise ist, um gehört zu werden, man sich nicht traut, sie zu erheben, müssen andere Wege des aus-Drucks gefunden werden. Denn aus Druck der Gefühle, die verdrängt werden, entsteht Stress, Angst und Panik. Gedankenkarusselle, Grübeln, Selbstächtung/Schuld, Zweifel, Sich-Selbst-Kleinhalten. Hey, aber ich bin doch etwas wert! sagt diese leise Stimme der Panik, die die anderen (fremden) Stimmen übertönen möchte, aber uns und den Körper braucht, damit wir etwas gegen die Umstände, die Angst/Panik auslösten, tun. Deine Angst/Panik braucht Dich! DICH. Stress ist das erste Signal dafür.

In meinen eigenen Zeiten der Panik erfand ich eine Methode, die ich auch noch heute in belastenden oder nervigen Phasen anwende. Diese Methode ermöglicht es mir,

  • a) meine Stimme nutzen
  • b) mich auszudrücken und
  • c) mich aus dem Grübeln herauszuholen.

 

Und so geht’s

Anwendungsgebiete:

– immer, wenn Grübeleien über ärgerliche oder angsteinflößende Situationen/Menschen im Kopf beginnen bzw. nur noch schwer zu stoppen sind,

– bei Stress, Belastungen, Angst oder anrollender Panik,

– man draußen ist und zu viel Lärm, Menschen und sonstiges (Reizüberflutung) aushalten muss.

Vorgehen

Wähle Dir ein Kinderlied aus frühen Tagen oder aber Dein aktuelles Lieblingslied, was in Verbindung mit einer POSITIVEN Situation steht. Bei dem Gedanken an das gewählte Lied musst Du Dich automatisch wohl- und geborgen fühlen. Hast Du Dich für ein Lied entschieden, beginnst Du bei jedem einsetzenden Grübelkonzert Dein eigenes, in dem Du dieses Lied summst. Du kannst leise oder lauter summen, je nachdem, wo Du bist und wie viel “Lärm” Du Dich traust zu machen.

Abwandlungen

Es gibt Menschen, und solche kennst Du sicher auch, die pfeifend, singend, laut telefonierend durch die Straßen schlendern oder im Bus neben Dir sitzen. Das ist das eine Extrem. Das andere Extrem bist Du, nämlich Menschen, die still daneben stehen, sich genervt fühlen, mit ihren Gefühlen über diese “Belästigung” schwer zurechtkommen oder aber einfach nur, weil sie es nicht fassen können :-), diesen Menschen anstarren, in der Hoffnung, dass er es von allein merkt.

Und dazwischen ist das Summen. Es ist steuerbar. Du entscheidest, ob es jeder merkt oder niemand.

Man kann sowohl leise summen, als auch laut. Man kann mit seiner Stimme summen, als auch mit seinem Atem. Probiere alle diese Summmöglichkeiten mal aus:

  1. Summen und Deine Stimme ist hörbar
  2. mit dem Atem summen, du erweckst nur das Gefühl, Du würdest summen, aber in Wirklichkeit benutzt Du nur die Stimmbänder, die Du zum Klingen/Vibrieren bringst.
  3. leise summen.

Variante 1 ist also überall anwendbar, wo man laut sein kann, z. B. Zuhause, an der frischen Luft, unterwegs.

Variante 2 überall dort, wo man eher weniger auffallen möchte, z. B. im Supermarkt, im Meeting, in Warteschlangen.

Variante 3 an Orten, an dem es leichte Hintergrundgeräusche gibt, z. B. im Bus, Bahn, Tram, Zug.

 

Der Hintergrund: Wozu summen?

Summen, also die Aktivierung Deiner Stimme, aktiviert Dich. Es setzt Dich in den Mittelpunkt, statt anderer Menschen oder Fahrten in die Stadt oder Geräuschkulissen oder gefährlich erscheinende Körperreaktionen wie Herzstolpern und -rasen, schweißnasse Hände, Muskelverspannungen, weiche Knie, Enge in der Brust, Schluckbeschwerden usw. Es hält Deine Konzentration über die Länge des gesummten Liedes bei Dir, statt durch Grübelkarusselle wieder von Dir abgelenkt zu werden.

Es stärkt zudem Dein Selbstvertrauen, denn die Benutzung deiner eigenen Stimme ist ein wesentliches Element bei der Selbstheilung. Du hörst Dich, Du merkst: Es gibt mich. Ich bin. Es aktiviert außerdem Deine Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit: Ich kann mich ausdrücken. Ich entscheide, wann ich spreche und wie.

Es aktiviert zu guter Letzt eine korrekte Atmung. Bei der typischen Angst- und Panikatmung versucht der Betroffene so viel Luft wie möglich einzuatmen, während das Ausatmen des Kohlendioxids verkürzt wird. Folge: Wir behalten mehr Kohlendioxid in uns, ringen um Luft. Das erschwert die Symptome ungemein. Wenn wir aber summen oder singen oder sprechen, dann müssen wir ausatmen. Es geht gar nichts anders.

 

Bonusmethode “Ent-sinn-ung”

entsinnung als methode gegen angst und panikattackenAls Zusatz habe ich oft die Methode der Ent-sinn-ung genutzt (Das ist mein Name dafür.): Augen schließen, Ohren zuhalten, aber Hauptsache immer nur einen Hauptsinn öffnen.

Bei Panik hat man eine niedrige Reizschwelle bzw. die Anfälligkeit einer schnellen und heftigen Reizüberflutung ist hoch. Durch Entsinnung lässt sich das mindern. Wenn Du also summend zum Briefkasten oder der U-Bahn gehst, summend in der Schlange im Supermarkt stehst, schließ Deine Augen und sperre alle visuellen Reize, die sonst mit in Deinem Fass landen, aus. Die Konzentration liegt nur auf den akustischen Signalen. Wenn Du dann Deine Augen wieder öffnest, konzentriere Dich ausschließlich auf die Akkustik, auf deine Ohren und nimm sie vorwiegender wahr, als das Visuelle. Umgekehrt funktioniert Entsinnung auch. Halte Dir die Ohren zu (oder tu so, als hättest Du Ohrenschmerzen und verschließe Deine Ohrmuscheln mit Deinen Händen). Senke am besten den Kopf, wenn Du das tust und schotte Dich kurz visuell von deinem Umfeld ab, um Deinen Sehsinn zu fokussieren. Wenn Du den Kopf wieder hebst, sperre alle Geräusche, die noch teilweise da sein werden, aus der Konzentration aus. Nimm nur das Visuelle wahr. Wenn Du dann die Ohren “wieder aufmachst”, fokussiere nur das, was Du siehst.

Jeder kann selbst für sich probieren, was wirksamer ist. Grundsätzlich lässt sich mittels eines leichten Tests, der dem Lerncoaching entstammt, herausfinden, auf welche Sinne man stärker anspringt, also welcher Lernkanal für Dich am geeignetsten wäre.

 

Der Sinne-Test

Schließ Deine Augen und stell Dir vor, Du bist am Meer. Es ist ein wunderbarer Tag, Du fühlst Dich wohl. Was nimmst du zuerst wahr?

Den Sand unter Deinen Füßen? Den Wind auf Deiner Haut? Das Salz auf Deiner Zunge? Siehst Du zuerst das Meer und die Wellen? Oder hörst Du sie als Erstes?

  • Wenn Du fühlst, ist das ein Hinweis auf Haptik als dominanter Kanal.
  • Wenn Du hörst, ist es Dein akustischer Kanal, der ausgeprägter bei Dir ist.
  • Wenn Du siehst, zählst Du zu den visuellen Menschen.
  • Wenn Du riechst, steht das Olfaktorische im Vordergrund.
  • Wenn Du schmeckst, ist es das sogenannte Gustatorische, was bei Dir eher wirkt.

Man kann  sich also den ersten und zweiten Sinn, der am stärksten ausgeprägt ist, suchen und diese beiden entweder aussperren, wenn man in Paniksituationen gerät oder aber bewusst einen der beiden aktivieren, fokussieren, während der andere ausgesperrt wird. Du kannst auch einmal schauen, ob es nicht einer der beiden stärksten Sinne ist, der Dich in Stress-, Angst- und Paniksituationen “triggert”. Sollte dies so sein, dann empfehle ich erst recht die Methode der Ent-sinn-ung in Verbindung mit Summen. Notfalls auch Ohropax.

LG,
Janett

Janett

 

 

Noch mehr Strategien aus 5 Jahren Anti-Angst- und Panik-Suche findest du hier:

ideen, um angst und panik aufzulösen

Ausschlusserklärung: Alle Inhalte und Techniken sind gewissenhaft recherchiert bzw. erprobt. Dennoch ersetzt jede hier beschriebene Strategie gegen Stress, Angst und Panik keine professionelle Psychotherapie. Für jeglichen Personenschaden wird keine Haftung übernommen.

Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stressbewältigung: Stressfaktoren und wie wir sie erkennen und verringern

Stress, Stress, Stress: Wir wissen mittlerweile alle, dass er krank machen kann und deshalb bewältigt und abgebaut werden muss. Die Wissenschaft weist auch immer wieder darauf hin, dass ein erhöhter Stress über eine lange Zeit schnell in psychische Belastungsstörungen wie Angstzustände oder Depressionen übergehen kann. Doch selbst “nur” Schlafstörungen oder das Gefühl der ständigen inneren Hektik deuten bereits an, dass wir tätig werden sollten, um den Körper und die Psyche zu entlasten. Die Stresshormone müssen abgebaut werden. Nur, wie? Denn meist bleibt im Stress einfach keine Zeit.

Ich habe den befreundeten Autor des Buches “Stress, der moderne Säbelzahntiger!”, Ron B. Charles, zu einem Interview über Stressbewältigung eingeladen, um uns die Kniffe und Tricks zu verraten.

Stressbewältigung: Stressoren, Auswirkung auf Geist & Psyche und Angstzustände

Stress und Auswirkungen

Dass ein Buch über Stressabbau zur Nummer 1 bei beispielsweise Amazon & Co. werden kann, zeigt mir, dass wir nach wie vor mit diesem Thema hadern. Wir haben lange To Do-Listen mit Aufgaben, die wir abarbeiten müssen, und Pflichten, denen wir nachgehen müssen. Wir kommen uns viele Erledigungen nicht einfach herum, auch wenn wir sie nicht mögen oder keine Kraft dafür haben. Sei es im Job, in der Familie, im Liebesleben oder in der Freizeit: Alles kann das Potenzial entwickeln, uns kurzfristig oder langfristig zu stressen. Stress beschreibt dabei die automatisch einsetzende innere Anspannung durch etwas oder jemanden. Wir vergessen währenddessen jede Achtsamkeit und Ruhe, jedes Vertrauen und jeden noch so guten Vorsatz. Wir übersehen unser Bedürfnis nach Pausen, nach wohltuenden Ausgleich, nach nährenden Freizeitaktivitäten und Menschen, die uns guttun. Wir greifen in Stressphasen vermehrt zu fettigem und zuckerhaltigen Lebensmitteln, weil sie unseren Blutdruck heben und uns für eine kurze Zeit vermeintlich mehr Kraft verleihen. Wir belohnen uns damit, faul auf der Couch zu liegen statt Sport zu treiben – obwohl wir wissen, dass das Zweite besser wäre. Dabei würde dieser unsere Stresshormone leichter abbauen, die durch unseren Lebensstil oder -wandel ankurbelt worden sind.

Leider hat Stress den Nachteil, dass er müde und ausgelaugt macht. Uns fehlt die Kraft, noch etwas für uns zu tun. Im ständigen Für-andere-da-sein, im Leisten und Wirken, um entweder über die Runden zu kommen oder das gewünschte Leben aufrechtzuerhalten, vergessen wir oft zuerst unsere Gesundheit. Leider nicht nur physisch, sondern oftmals auch geistig. Die renommierte Therapeutin und Autorin Verena Kast beschrieb in ihrem Klassiker “Über den Sinn der Angst” einst, dass Stress nichts anderes sei als Angst:

  • Angst, Fehler zu machen oder zu versagen
  • Angst, nicht dazuzugehören oder ausgeschlossen zu werden
  • Angst, andere zu verletzen oder zu enttäuschen
  • Angst, nicht gut oder nicht genug zu sein
  • u. v. m.

Die Forschung hat gezeigt, dass Stress/Angst auf allen Ebenen horrende Auswirkungen haben kann, wenn wir nicht – besonders in Stressphasen – dafür Sorge tragen, dass unser Körper ihn wieder abbauen kann:

  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräneanfällen
  • Nacken-, Rücken- und/oder Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Nachtschweiß, Müdigkeit, viel Schlaf brauchen)
  • Magen-Darm-Befindlichkeiten wie z. B. Durchfall, Verstopfung, Reizdarm- oder Reizmagensyndrom, Sodbrennen
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindelgefühle, Herzrasen und -stolpern, Atembeschwerden, Enge in der Brust
  • Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit
  • Antriebslosigkeit, Lethargie
  • Ängste
  • usw.

Viele meiner LeserInnen und ich eingeschlossen, haben festgestellt, wie schnell Stress zu anhaltenden Angstzuständen mit/ohne Panikattacken führen kann (weswegen ich viel über Stressängste schreibe). Denn jeder Mensch hat seine ganz eigenen Stressfaktoren (Reize, die Stress auslösen), sogenannte Stressoren, auch wenn es allgemeinere gibt, die jeden erwischen können. Dabei sind Stressoren entweder innere oder im Außen auftretende Faktoren, die in deinem Körper/Geist individuell Stress bewirken:

  • Leistungsstressoren (z. B. viele Arbeitsaufgaben)
  • physikalische Stressoren (z. B. Lärm, Hitze, grelles Licht, Enge)
  • soziale Stressoren (z. B. für einen Menschen schwierige zwischenmenschliche Konflikte, Trennungen)
  • körperliche Stressoren (z. B. Allergien, Krankheiten, Verletzungen)

Jeder Stressor hat die Macht, dich zu einer Anpassung, zur Flexibilität oder gar Duldung zu zwingen. Doch die Zahl der Abhängigkeiten im Leben ist groß. Was bleibt also? In meinen Augen ist es eine veränderte Haltung zu allem, was Stress bewirkt. Wie gehst du mit Stress um? Welcher Stressor belastet dich am meisten? Und wie kannst du die Auswirkungen auf deinen Körper & Geist verringern? Fragen wir doch jemanden, der sich damit auskennt.

Interview mit Ron B. Charles über sein Buch “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden”

Interview mit Ron B. Charles
Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.

Wieso hast du dich dazu entschieden, ein Buch über Stress zu schreiben? Gab es persönliche Erfahrungen oder findest du, dass das Thema noch nicht ausführlich genug besprochen wurde?

Das Problem “Stress” ist für viele Menschen nicht wirklich gelöst, daher empfand ich es sinnvoll, ein Buch über dieses Thema zu schreiben, welches dabei unterstützt, für sich selbst einen Leitfaden, wie man mit Stress umgehen kann, zu entwickeln. Stress ist allgegenwärtig und wird viel zu häufig schon als „völlig normal“ und „das gehört einfach dazu“ betrachtet. Natürlich hatte ich selbst auch schon allerlei stressige Situationen in meinem Leben und gelegentlich komme ich auch wieder in solche Situationen. Man kann sich aber darin üben, besser mit stressigen Zeiten umzugehen und anders zu agieren, um Stress weitestgehend zu vermeiden.

Du beschreibst viele Auswirkungen von Stress auf körperlicher Ebene. Unter anderem besprichst du auch positiven und negativen Stress. Woran erkenne ich, ob Stress positiv oder negativ ist?

Stress kann bekanntermaßen verheerende Auswirkungen auf unseren gesamten Organismus haben und wirkt sich auch bei jedem unterschiedlich aus. Es gibt jedoch diese eine Grenze zwischen Eustress, der gut für uns ist, und Disstress, der uns schadet. Welcher Stress für dich positiv oder negativ ist, bedarf aber einer genaueren Analyse deiner Aktivitäten und Reaktionen auf die Ereignisse in deinem Leben. Mein Buch hilft dabei, diesen Unterschied für selbst zu verdeutlichen, indem es auf einzelne Lebensbereiche genauer eingeht. Stressempfinden ist sehr individuell und unterschiedlich. Dies für den Leser zu ermitteln, ist eines der Ziele des Buches.

Oft passiert es (ich kenne es zumindest von mir), dass nicht das Umfeld oder einzelne Lebensereignisse stressen, sondern man sich selbst Stress macht: durch eigene Gedanken oder Gefühls- und Verhaltensweisen. Wie siehst du das?

Ereignisse, sofern nicht vorhersehbar, können einen durchaus in Stresssituationen hineinkatapultieren. Richtig ist, dass unsere eigenen Gefühls- und Verhaltensweisen, wie du es beschreibst, maßgeblich darüber entscheiden, wie wir mit diesen Ereignissen umgehen bzw. wie sehr uns diese in Stress versetzen. Ich empfehle deshalb eine intensivere Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Gefühlswelten, um zu verstehen, weshalb man reagiert, wie man reagiert. Dafür gibt es hilfreiche Anleitungen und Tipps sowie Selbsttests in meinem Buch, um Stress, den modernen Säbelzahntiger, mit dem wir uns verbünden sollen, nachdem wir ihn verstanden, zu bezwingen.

Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden
Ron B. Charles über Stressabbau, Techniken und Umgang mit stressigen Zeiten

Bei Stress heißt es oft, man solle Sport machen oder Yoga oder eine Entspannungstechnik erlernen. Vielleicht geht es anderen auch so wie mir: Ich habe keine Lust, noch Sport zu machen oder mich zu bewegen, Neues zu lernen oder überhaupt irgendwie aktiv zu werden, wenn ich viel Stress hatte – auch wenn ich weiß, wie kontraproduktiv das ist. Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus? Ist es überhaupt schlimm, wenn man nach Stress einmal nichts macht?

Nein, das ist nicht schlimm. Tatsächlich kann es sogar das einzig Richtige sein, nach einer stressigen Phase erst einmal nichts zu machen. Und auch das Nichtstun, kann man perfektionieren. So kann die richtige Meditationstechnik eben dazu führen, dass man den Geist leert, eine wirklich erholsame Aktivität. Bewusstes Nichtstun ist also sehr wichtig. Keinen Sport oder keine Bewegung zu betreiben, halte ich nicht nur in Bezug auf Stress für einen grob fahrlässigen Umgang mit dem Zuhause, indem wir wohnen dürfen – unserem Körper. Bewegung und Sport in sein Leben zu integrieren sowie Entspannungsübungen zu erlernen, bedeutet letztendlich, viel stressresistenter zu werden, als man es jemals war. Man beugt damit vor, kommt weniger bis gar nicht mehr an seine stressempfindlichen Grenzen und wird dadurch insgesamt leistungsfähiger.

Ich bin mal ehrlich: Ich bezweifele ja, dass man Stress ganz aus seinem Leben streichen kann. Hast du einen goldenen Rat für meine LeserInnen, wenn sie einen stressigen Tag oder gar eine stressige Zeit erleben?

Und dieser Zweifel ist durchaus berechtigt. Denn Stress lässt sich nicht aus unserem Leben streichen. Lediglich, wie wir damit umgehen und was wir tun, um stressresistenter zu werden, kann Stress auf ein Maß bringen, bei dem wir uns sogar wohl mit diesem fühlen. Und das ist der goldene Rat: Lerne einen neuen Umgang damit, wandele deine Gedanken dazu.

Was machst du persönlich bei Stress?

Ich wende alle Tipps, die im Buch gegeben werden, selbst an, und komme daher nur sehr selten in gefühlt stressige Situationen. Und wenn doch, beruhige ich meinen Geist und mache mir klar, dass ich noch 10 x mehr davon ausgehalten habe, bevor ich mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt habe. 6 x die Woche für 45 Minuten Sport und eine gute Organisation meiner Termine, hilft mir den Stress zu bewältigen. Ich kann also guten Gewissens sagen, dass der Stress in meinem Leben weitestgehend reduziert ist. Genau dieses Gefühl wünsche ich all meinen Lesern. Mein Buch kann ihnen dabei helfen, wie ich an genau diesen Punkt zu gelangen.

Vielen Dank, Ron!

Mehr Informationen findest du in seinem Bestseller “Stress, der moderne Säbelzahntiger! Verstehen. Besiegen. Verbünden: Druck & Stress abbauen. Burn-out & Depressionen vermeiden. Resilienz & Gelassenheit lernen. Achtsamkeit & Entspannung leben.”

Angstzustände: Was ist der Auslöser und was die beste Strategie, um sie zu besiegen?

Angstzustände: Was ist der Auslöser und was die beste Strategie, um sie zu besiegen?

Taucht Angst auf, will sie jeder weghaben. Doch was ist die beste Strategie gegen Angst oder Panikattacken? In meinen Augen – nach all den Jahren meiner Recherche für meine betroffenen LeserInnen und früher für mich, komme ich zu dem Schluss: Es gibt sie nicht, die eine goldene Methode gegen Angstzustände, noch gibt es eine Therapie, die bei jedem helfen würde. Denn Angst ist aus einem (oft guten) Grund bzw. als Konsequenz da. Und den kannst du finden, wenn du dich genau beobachtest.

Erfahrungen mit Angst: Auslöser, Therapien und Strategien

Ich habe mich schon mit so vielen Menschen unterhalten, die entweder als austherapiert oder therapieresistent galten und plötzlich durch so was wie Kunsttherapie oder Bewegungstherapie ihre Ängste besiegten. Wie konnte das so leicht gelingen?

Aber ich habe auch solche kennengelernt, die durch einige Wochen Auszeit – weg von den belastenden Umständen, ihrem Megahaufen Verpflichtungen und ihrer schnell-schnell-schnell-Lebensweise ihre Angst milderten. Eine ganz andere Herangehensweise.

Ich glaube deshalb, dass ein Weg immer darüber führt, dass man sich genau betrachtet, guckt, wo es drückt:

Hat man Panikattacken, weil man sich fürchtet, ein bestimmtes, einengendes Umfeld zu verlassen (und reagiert der Körper darauf, indem er hilft, sich nicht weiter als 20 Meter zu entfernen)? (Klassiker bei Co-Abhängigkeit und zum Beispiel auch frischen Müttern sowie zu viel Verantwortung und Pflicht oder Trennungsangst.)

Oder ist es eine rein körperliche Sache, weil Angst nur zu bestimmten Zeiten auftritt, zum Beispiel vor/während/nach der Menstruation oder nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel/Substanzen (Zucker, Kaffee, Milchprodukte, Eier, Nüsse, Nikotin, Alkohol)? Eine ausführliche Liste mit den häufigsten nahrungsmittelbasierten Auslösern findest du in meinem Paket “Hör auf! Deine Angst”:

Tipps und Ratschläge gegen Angst und Panikattacken

Kommt die Angst als Schutz vor einer Konfrontation? Soll sie alte Glaubenssätze erhalten, damit man etwas nicht lernen oder ertragen muss/braucht? (Versagen, Fehler aka Scham und Schuld)

Oder ist sie vielmehr eine Chance, weil die Ängste erlernt sind, man beim Sprung ins kalte Wasser Familienwerte und -lektionen hinter sich lassen würde (was vielleicht zu Stress innerhalb der Familie oder der Partnerschaft führen könnte oder gar zu Verlust)?

Ich habe sogar Betroffene kennengelernt, die ganz offensichtlich ihre Ängste brauchten, um ihr Leben so weiterleben zu können wie bisher. Hätten sie ihre Ängste überwunden, wäre vieles zu Bruch gegangen.

Du willst den Grund nicht wissen, aber eine Liste mit möglichen Wegen?

An solchen individuellen Lebenslagen orientiert sich meiner Meinung nach auch die Strategiefindung. Bei Stress/Hektik/zu wenig Ich-Zeit könnten Pausen, in denen man nur mit sich beschäftigt ist bzw. etwas macht, was man selbst für sich allein will, helfen – ja. Diesen Burn-out-Bezug findet man immer häufiger als Auslöser. In anderen Fällen sind es tiefersitzende Herausforderungen und Verhaltensweisen, die man angehen müsste, um sich zu befreien, durch eine langfristige Psychotherapie zum Beispiel. Bei körperlicher Ursache ist schon so Mancher (wie ich auch) solange zu neuen Ärzten gegangen, bis er jemanden fand, der die Zusammenhänge verstand (bei mir war es einmal u. a. darmbasiert, aber diese Ursache herauszufinden, dauerte Jahre). Dazu findest du hier u. a. mehr:

Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst

Das sind nur einige Streifzüge der letzten Jahre mit vielen Gesprächen mit betroffenen Frauen und Männern.

Deshalb gilt:

Beobachtet euch und die Anlässe, Gedanken, Gefühle, Verhalten. Das zu durchschauen, kann vieles in Bewegung bringen. Getreu dem Motto: Problem erkannt, Problem gebannt. Denn nach meinem Empfinden ist Angst überwiegend eine Folgeerscheinung.

Mehr dazu in meinem neuesten Buch „Mein neues Leben ohne Angst: Mit ganzheitlichen Methoden Ängste und Panikattacken besiegen“ (TRIAS Verlag, 2020 – ISBN: 9783432110769), erhältlich bei mir, in allen Online Stores wie Amazon und im Buchhandel deiner Wahl.