Probier’s mal mit Genügsamkeit: Einmal ein einfaches Leben, bitte!

Probier’s mal mit Genügsamkeit: Einmal ein einfaches Leben, bitte!

 

Neulich beschloss ich, dass ich nur noch ein einfacher Mensch sein will und sein werde. Gleich, was andere davon halten. Genügsamkeit klang aber lange Zeit in meinen Ohren, als würde ich mich gegen Großes und Mehr wehren. Aber es hängen Erwartungen und damit auch Enttäuschungen an dem Wort. Ich habe die “böse Bedeutung” deshalb einfach gestrichen. Seitdem genügt mir von Tag zu Tag mehr.

 

Wir sind alle nur Menschen. Müssen wir daran erinnert werden?

Genügsamkeit bedeutet, dass man sich und das, was man hat, genug ist. Immer nur Zielen hinterherzurennen und sie strikt zu verfolgen, kann zwar auch erfüllen, aber es bringt erheblichen Stress. Besonders, wenn wir uns dem Perfektionismus hingeben und dann an unseren Ansprüchen scheitern. Bei sich selbst zu “versagen”, kenne ich auch zu gut. Daher: Ich werde mir keine Gedanken mehr machen, ob jemandem das, was ich tue und bin, reicht oder nicht. (Im Netz und bei oberflächlichen Verbindungen ist das ja immer so eine Sache.) Ich werde mich nicht mehr fragen, wie ich besser in X werde und bedeutungsvoller in Y, nur damit andere meinen Wert erkennen und ihn mir zeigen. Ich kenne meinen Wert. Dieser Entschluss fühlt sich gut an. Der Rest tut mir weh. Er pflanzt Gedanken in meinen Kopf, die mich verletzen und mir eine vermeintliche Bedeutungslosigkeit einimpfen wollen, die völliger Blödsinn ist.

Ein Bekannter von mir meinte einst nach unserem dritten Glas Wein auf meiner Couch, dass wir doch am Ende des Tages alle nur Menschen sind, die irgendwie versuchen, zurechtzukommen. Ich verstehe jetzt, was er meinte.

Auch ich habe mein ganzes Leben lang versucht, besser und größer zu leben, existenziell abgesichert und von allen gemocht - damit ich ja nie auf die Idee kommen würde, dass ich oder jemand anderes nicht ausreichen würde, dass mein Leben nicht lebenswert sei oder ich nichts für mich erreicht hätte. Es war ein ständiges Gedrehe im Kreis darum, zu funktionieren und nach außen hin so zu tun, als hätte ich einen Wert, den andere nur erkennen müssten. Eine Bedeutung.

Wozu muss heute alles so bedeutend sein? Was wurde aus einem einfachen Leben, in dem wir nur morgens aufstanden, uns auf den Tag vorbereiteten und ihn verbrachten?

 

Über das Schöne an einem einfachen Leben

Unsere Ahnen waren weder unzufrieden, wenn nichts geschah noch waren sie unzufrieden, wenn etwas geschah. Sie freuten sich noch über die kleinen Dinge. Sie arbeiteten zwar hart und viel, aber sie stellten um einiges seltener ihren Lebenssinn infrage. Sie warfen nicht alles sofort hin, nur weil es einmal schwer wurde. Sie kannten ihre Aufgaben, kamen ihnen nach und verbrachten damit ihr Leben. Als Leben noch fern ab von Selbstverwirklichung und -optimierung einfach nur „lief“, schien nichts mehr oder weniger bedeutungsvoll zu sein. Ein einfaches Leben hatte dieselbe Bedeutung wie ein komplexes.

Doch heute will jeder bedeutend sein - auch, wenn er es nicht zugeben mag. Menschen werden täglich durch die Medien daran erinnert, dass sie „gefälligst“ etwas aus ihrem Leben machen sollten, etwas erreichen müssten, etwas Erinnerungswertes schaffen und sich einen Namen machen sollten - sonst…ja, sonst wäre man wohl normal, in den Augen anderer nicht genug, würde still belächelt, verspottet oder ausgeschlossen…ein einfacher Mensch, der ein einfaches, unbedeutendes Leben führt.

Wann wurde das eigentlich verwerflich?

 

Weshalb Selbstoptimierung und Selbstwert so gar nicht zusammenpassen

weshalb selbstoptimierung so schädlich istMir wurde die letzten Tage bewusst, wie wir alle unser Leben und beinahe jede Aktivität als Pflichtkür bedeutungsschwängern. Wenn der Job einem keine Aufstiegschancen bietet oder wir schon lange meinen, dass wir etwas Besseres verdient hätten, müssten wir kündigen. Was sollen auch zukünftige Arbeitgeber sonst von unserem einfachen Lebenslauf denken? Wir wären nicht gut genug, wenn wir Loyalität, Integrität, Fokussierung und Genügsamkeit zeigten. Nein, heute muss man den ganzen Tag nur an sich denken und daran, wie man noch besser werden kann…weil man erst dann den Wert zugesprochen bekäme, etwas oder jemand zu sein.

Wenn wir auf einfache und eingesessene Art und Weise lieben, es nicht mehr kribbelt und wir nicht mehr tägliche Blumensträuße oder Aufmerksamkeit bekommen, kriegen wir Angst, beginnen Affären oder grübeln darüber, ob wir noch geliebt werden. Andere wiederum trennen sich sogar. Nicht täglich zu spüren, dass wir geliebt werden, so, wie wir meinen, es verdient zu haben, schmälert schon beim Gedanken unseren Wert für den Partner und den Wert des Partners. Weil es „einfach“ nicht mehr reicht.

All diese fiesen und verzeih, dummen Interpretationsansätze fingen erst damit an, dass uns jemand einredete, wir müssten besser sein (gut reicht nicht) und anders (so ist es nicht gut) und gesehen, gehört und erfolgreich - tagtäglich müssten wir im Außen unseren Wert bestätigt bekommen und fühlen. Und wir glauben es auch noch!

 

Sind wir uns nur dann wertvoll, wenn wir von anderen als wertvoll gesehen werden?

Was aussieht wie Zugehörigkeit, hat in Wahrheit nichts mit Wert zu tun. Es ist die Angst davor, normal und einfach zu sein. Im Vergleich stünden wir vor anderen „einfach“ (und) dumm da. Und weil uns deren Meinung wichtiger ist, als unsere, schneiden auch wir vor uns selbst schlecht ab.

gute böse menschen wieso in jedem ein arschloch steckt schatten karmaObwohl uns der Buddhismus schon seit Jahrzehnten verrät, dass es eben das Nicht-Anhaften ist, das uns Zufriedenheit schenkt, sind wir täglich auf der Suche nach eben dieser Sache oder dieser Person, die uns Bedeutung verleiht. Es schafft einen Sinn, der sich damals noch zu Oma- und Opazeiten einfach nur „Leben“ nannte. Das war der Sinn. Heute aber definieren wir unseren Selbstwert darüber, was wir sind, nicht sind, dürfen, nicht dürfen, können und nicht können. Jeder Gegenstand in unserem Leben verrät unseren vermeintlichen Wert. Haben wir aber vermeintlich zu wenig, z. B. kein Haus, sondern nur eine 2-Zimmer- Wohnung, keinen Partner, keinen mörderischen beruflichen Erfolg, keine B-Promi-Bedeutung, zu wenige Likes unter dem Facebook-Post oder Kommentare im Blog, sind wir angeblich nicht von Bedeutung. Wie viele ich kenne (und ich bis eben auch), die gleich darüber nachdachten, alles hinzuschmeißen, traurig oder wütend wurden, nur weil die erhoffte Anerkennung ausblieb und ihnen Bedeutungslosigkeit vorgaukelte.

 

Große Erwartungen

Ich frage mich ernsthaft, ob das ein Leben ist, das lebenswert ist. Ich verzettele mich ebenso ständig in allem, was ich soll und muss, dass ich in letzter Zeit immer mehr an meine Grenzen geriet. Sie zeigten mir deutlich, dass ich begrenzt bin - in dem, was ich will und in dem, was ich nicht will. Bedeutung baut Erwartungen auf und Erwartungen sind Ansprüche, die eine Verantwortung und Pflicht mit sich bringen. Wie viele an diesen brechen, sehen wir an der Zahl der psychischen Störungen wie Panik, Angststörungen, Depressionen und mehr. Sollte die einzige Verantwortung und Pflicht in einem Leben nicht die sein, dass man seine Lebenszeit gesund und dankbar erlebt?

Mir wäre es so viel lieber, wenn wir alle ganz entspannt dieselbe Bedeutung hätten und unsere Tage ebenso zufrieden in Gleichheit verbrächten, ohne uns Gedanken über unsere Bedeutungslosigkeit oder Bedeutung zu machen - ohne jede Handlung oder Nicht-Handlung, jedes Wort oder Schweigen und jede körperliche Regung gleich als Unwert zu interpretieren.

Was meinst du: Ist es heute noch möglich, zurück zu einem einfachen Leben zu kehren?

Mir liegt dieses Thema gerade sehr am Herzen und ich würde mich freuen, wenn du mich an deinen Gedanken dazu teilhaben lässt.

Liebe Grüße,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Das Gefängnis unseres Lebens: Wie uns Gefühle zu Insassen machen

Das Gefängnis unseres Lebens: Wie uns Gefühle zu Insassen machen

 

Jeder von uns hat sein eigenes, selbstgemachtes Gefängnis, zum Beispiel in einem Land namens Angst. Manchmal ist es unser Zuhause, in dem wir zu oft hocken, weil wir nicht wissen, wohin wir gehen sollen, draußen keinen Sinn haben oder uns der Familie verpflichtet fühlen. Oder es ist der Job, von dem wir uns vermeintlich nicht losreißen können, in dem wir gebraucht, und nur wir, gebraucht werden, weil ohnehin niemand sonst uns ersetzen könnte. Bei anderen ist es die ausgediente Beziehung, die schon lange nur noch lieblos ist und nicht mehr erfüllt, von der man sich aber nicht trennen kann, weil man zu viele Jahre, Energie, Geld oder Gene investiert hat. Oder es ist eine alte Liebe, die wir nicht loslassen wollen, weil sie so viel schöner war als die Realität, in der wir nicht nach jemand Vergleichbarem suchen möchten. Für viele von uns ist es Geld, weil man nur mit viel Geld angeblich alles erreichen könnte, wir uns in unserer Haut wohler, weil vermeintlich überlegen und gewollter fühlen. Eine trügerische Sicherheit erwarten wir in unseren Gefängnissen.

 

Aus Angst: Ein unfreies Leben in einem vermeintlich sicheren Gefängnis

Ausbruch aus dem Gefängnis angstTag für Tag hocken wir in unseren Zellen und sind froh, überhaupt etwas unser Eigen zu nennen, ein Platz, den wir selbst gebaut haben, den wir für uns beanspruchen können. Wie wirkliche Inhaftierte gewöhnen wir uns mit der Zeit an dieses unfreie Leben immer mehr. Was uns spüren lässt, nichts sei so schlimm, wie es aussieht, sind die Freigänge, Hafturlaube oder Fluchtpläne, die nie umgesetzt werden. Einige Gefängnisse sind Hochsicherheitsgefängnisse, Gebäude, aus denen man vermeintlich nie wieder fliehen könnte. Andere gleichen einem offenen Strafvollzug, in dem man langsam lernt, zu sich und einem selbstverantwortlichen Leben zurückzukommen.

Angst, Neid, Zorn, Perfektionismus, Trauer, Schuld und Scham sind solche Gefängnisse. Sie halten uns gefangen. Im Gegensatz zu wahrhaftigen Straftätern haben wir freiwillig Einsitzenden aber nichts Schlimmes getan. Wir müssen weder leiden noch unsere Schuld absitzen. Es gibt nur dann Strafen, wenn wir sie uns selbst auferlegen. Unsere vermeintlichen Untaten interpretierten wir allein als „boshaft“ oder wir ließen andere über uns richten. Ein unnötiges Urteil über uns selbst. Es ist Verrat an uns und unserem Wert.

Unsere gedanklichen Gefängnisse sind nicht so konstruiert, wie wir wirklich sind. Sie gleichen dem, was wir gelernt haben. Deshalb erscheinen uns ihre Mauern unüberwindbar, weil sie mit dreifachem Stacheldraht anderer versehen sind. Schwer bewaffnete Wärter sitzen in hohen Türmen und lassen ihre grellen Scheinwerfer minütlich in alle Himmelsrichtungen wandern, um jeden noch so gut geplanten Ausbruch schon im Keim zu ersticken. Und selbst, wenn es die Wachmänner nicht gäbe, so warten noch immer die blutrünstigen Hunde vor den Toren, hinter den Mauern - überall dort, wo man sie nicht erwartet, wenn man denkt: „Ich hab’s geschafft!“.

 

Kann ein Ausbruch aus unserem gedanklichen Gefängnis gelingen?

Liebe zur Natur Liebe zum Meer Doch wie die Geschichte der Welt uns zeigt, schafften es so manche Häftlinge aus den „sichersten“ Gefängnissen der Welt. Sie beobachteten die Vorgänge, Zeiten, Reaktionen, Insassen, Wärter, Konstruktionen der Zellen und des Gebäudes an sich, wogen ihre Möglichkeiten ab, entschieden sich für einen Fluchtweg und planten minutiös ihre Schritte. Andere wiederum warteten geduldig, zeigten sich reuig und wurden schlussendlich begnadigt. Wiederum andere hielten bis zum Tag ihrer Entlassung durch.

Was wir nicht erkennen, ist, dass wir nicht nur unser Gefängnis selbst erbaut haben. Wir sind auch der Chef aller Wärter, Wachmänner und Ingenieure, bezahlen die Putzkräfte, die die Flure reinigen und füttern die Hunde vor den Toren unserer Freiheit.

Und trotzdem glauben wir, wir wären gefangen und hätten kein Mitspracherecht. Dabei sitzen wir ganz freiwillig ein. Stell dir das vor: Du hast extra Menschen beauftragt, dich festzuhalten und vom Leben abzuhalten. Du bezahlst sie mit deiner Seele und deinen Gedanken, briefst sie monatlich, wie sie im Falle von X und Y reagieren sollen. Sie behandeln dich so, weil du es ihnen so als Anweisung aufgetragen hast. Wir arbeiten mit unseren Angestellten Angst, Zorn, Neid, Eifersucht, Perfektionismus, Gier, Trauer, Schuld und Scham schon so viele Jahre. Sie mögen ihren Job. Sie machen ihn saugut und vor allem fühlen sie sich unwohl mit der Aussicht auf Arbeitslosigkeit. Aber: Wir brauchen die Angestellten unseres Lebens nicht fragen, ob sie uns bitte begnadigen, befreien oder freiwillig fliehen lassen. Sie würden es ohnehin verneinen.

 

Verbinde dich mit deiner ureigenen, freien, selbstbestimmten Energie

Ausbruch aus Gefängnis namens Angst Eifersucht Gier Geld Macht Trauer Schuld SchamViele wissen nicht (und mir ging es genauso), wo sie anfangen sollen. Der Ausbruch scheint zu überwältigend. Wie viel man zurücklassen muss, wen man alles verletzen würde und wie sehr man selbst verletzt würde…all die Jahre, die vielleicht auch Gutes brachten, das Geld, was investiert wurde, die viele Mühe, die man sich gab, damit es funktioniert. Zweifel sind - wie bei wahrhaft Inhaftierten auch - normal. Natürlich lohnt es sich, alle Ecke gedanklich abzutasten. Der Trick besteht darin, sich klarzukommen, dass es Gefühle sind, die uns einsitzen lassen. Es ist kein Mensch, kein Kind, kein Familienangehöriger, kein Geld oder sonstiges. Es gibt für alles eine Lösung - und für vieles auch Ersatz. Ein Job kann durch einen anderen ersetzt werden, wie auch eine Wohnung oder ein Haus, einen Monat Öffentliche statt dem Auto usw. Wir brauchen keine Angst vor anfänglichen Zweifeln haben, weil schon ein Schritt uns genügen wird. Selbst wenn Angst diesen Schritt begleitet, so können wir jederzeit bewusst und konsequent Lösungen suchen. Die Lösung ist aber nie, alles zu belassen, wie es ist oder in einer Situation zu bleiben, aus der wir dringend herauswollen.

Die Lösung ist vielmehr: Frage niemanden um Erlaubnis. Fälle deine Entscheidung und teile sie mit. Sozusagen: Entlasse alle Angestellten (deine Gefühle). Löse alle Verträge auf (alte Versprechen oder Seelenverträge). Sichere die Daten (Merke dir, was du gelernt hast und vor allem, wann Gefühle wie Angst usw. zuschlagen). Gib den Abriss des Gebäudes in Auftrag (Gehe trotzdem in deine gewünschte Richtung.). Öffne deine Zelle, geh den Gang hinaus auf den Rasen, auf das Tor zu, öffne sie und streichele die Hunde (Mache eine Schritt nach dem nächsten.). Du weißt genau, wie. Immerhin hast du sie dressiert. Erinnere dich daran. Wähle deine Stärken für deine Entscheidung und ihre Umsetzung, statt Zweifel, Ängste usw.

 

Wie ich ausbrach

Ich handelte in Gegensätzen: Ich tat das Gegenteil von dem, was mich in mein Gefängnis der Angst geführt hatte (viel drinnen, schweigen, denken, “müssen”, wenig zurückerhalten). Wollte ich dringend geliebt werden, ließ ich das Gefühl des Nichtgeliebtwerdens zu. Ich setzte mich damit auseinander. Fühlte ich den Drang nach finanzieller Sicherheit, konfrontierte ich mich mit meiner Angst, unsicher und von einem Tag auf den nächsten zu leben - ohne zu wissen, was kommen würde. Ich hörte auf, Pläne zu schmieden. Als ich Haltlosigkeit spürte, suchte ich bewusst jene Energie, die die Spiri-Szene das Sein nennt: nichts wollen, weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft leben. Ich lernte das Sein im Hier und Jetzt. Wollte ich dringend meine Angst unterdrücken, ließ ich sie zu. Hatte ich Bange vor dem Außen, ging ich nach außen und teilte dort mein Inneres - wie auch Pema Chödrön es in ihrem Buch sagt: “Geh an die Orte, die du fürchtest“.

Und so ging ich einfach. Es ist unser Gefängnis. Wir entscheiden, dass wir dort einsitzen, was uns dort erwartet, wie lange wir dort verbleiben und ob wir uns selbst aus der Haft entlassen.

Alles Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Außergewöhnliche Beziehungen: auf ewig Liebe & Verbundenheit

Außergewöhnliche Beziehungen: auf ewig Liebe & Verbundenheit

 

Mein neues Lieblingswort ist Verbundenheit. Ich entdeckte sie in den Augen von sich fremden Menschen, die sich dennoch liebevoll helfen, beim Großlieferanten, der dem Kindergarten nebenan die tägliche Milchladung bringt und sogar zwischen Tieren, die sich auf der Straße begegnen. Was aussieht wie Hilfsbereitschaft, Zufall oder Berufung ist für mich in Wahrheit Liebe, die sich so sieht, wie man ist. Dabei tendieren Menschen dazu, Liebe ganz unterschiedlich zu definieren: Manchmal verbinden sie sie mit Kindern, der Familie, dem Beruf. Aber am häufigsten meinen wir, unseren Partner/unsere Partnerin am meisten zu lieben. Dass wir einen Partner “bräuchten”, um uns geliebt zu fühlen. Hat man keinen, fühlen sich viele irrtümlicherweise nicht liebenswert. Je weniger wir uns verbunden fühlen, desto stärker wird das Gefühl des Getrenntseins - von der Welt, den Menschen und sich selbst. Verbundenheit ist der Kleber, um Liebe spüren zu können. Fühlen wir uns mit etwas/jemandem verbunden, fühlen wir uns geliebt und geborgen, gehalten und angekommen. Deshalb wohl suchen so viele nach einem Partner.

Ich möchte dich einladen, weitere neun außergewöhnliche Beziehungen, in denen du Liebe und Verbundenheit spüren kannst, kennenzulernen. Einige davon sind dir sicher vertraut. Wenn du dich allein fühlst, grabe in dir nach all den liebevollen und außergewöhnlichen Beziehungen, die du in deinem Leben hast/hattest. Öffne dein Herz für all die Liebe, die es in deinem Leben gibt. Manchmal wiegen Ereignisse und Umstände so stark, dass wir vergessen, wie viel Liebe tatsächlich in unserem Leben ist.

 

Was ist Liebe eigentlich?

Liebe bekommen wir nicht. Liebe verdienen wir uns nicht. Liebe fühlen wir.

intuition intuitive menschenWir glauben misslicherweise, dass Liebe und außergewöhnlichen Beziehungen aus dem Prinzip des Gebens & Nehmens bestünden. Aber wie oft erleben wir Beziehungen, in denen die Liebe einseitig ist oder wir nicht zurückerhalten, was wir investieren. Doch selbst die unerwiderte Liebe bezeichnen wir als Liebe. Dieses Gefühl, das dennoch bleibt, auch wenn uns der Andere nicht so zurück liebt, wie wir es uns wünschen: grundlose Verbundenheit.

In Liebe verbunden zu sein, bedeutet für mich, sich gehört, gesehen und angenommen zu fühlen, so wie man wirklich ist, gepaart mit Dankbarkeit und dem Bedürfnis, aus dieser Liebe heraus mit dem Anderen auf eine emotionale Ebene zu gehen - um sich zu erfahren und das gemeinsame Gefühl zu bewahren. Sich getrennt zu fühlen hingegen ist schmerzhaft. Doch das bedeutet bedingungslos: auch ohne, dass man eine Partnerschaft eingeht. Auch im Tode oder wenn man nicht mehr befreundet, angestellt oder an einem Ort zusammen ist.

Einige verwechseln Liebe aus Gründen der Erziehung oder Erfahrung deshalb mit Nicht-Alleinsein, einem Zuhause, Geborgenheit oder Sicherheit. Doch in Wahrheit ist Liebe die Akzeptanz des Anderen: in allen Umständen.

 

Angst & die Formen von Liebe

Selbst in Zeiten der Ablehnung. Liebe ist damit nicht zwangsweise nur schön. Sie kann bittere und schmerzhafte Lektionen bereithalten. In meinem Post über die Lebenslektionen meiner letzten Jahre hatte ich erwähnt, dass uns jeder Mensch ein Geschenk macht. Ob wir es annehmen oder aus Trotz ablehnen, entscheiden wir. Damit gewinnt selbst eine Liebe, die grausam ist, statt schön, ihren Sinn.

Ich erinnere mich an meine Panikzeit 2013: Es gab es Menschen, die mir mehr Leid zufügten, als ich vertragen konnte. Ich konnte mich nicht zur Wehr setzen. Aber im Endeffekt ergab alles einen Sinn. Es dauerte einige Zeit, bis ich verstand, dass auch wir verbunden waren: nicht im Schönen, aber in dem, was wir uns wünschten - in unserem Mangel. Nicht im Guten, aber in dem, was wir glaubten, nicht zu haben und im Trotz und Frust darüber. Wir waren verbunden in Angst, Trauer, Kampf und dem Gefühl, keine Liebe zu bekommen, sie uns verdienen zu müssen. Gleichfalls kam das Bedürfnis hinzu, gegen die vermeintlich “Bevorteilten” angehen zu müssen, um mehr vom Kuchen abzukriegen. Es war Neid, Eifersucht, Antipathie und vieles mehr. Aber vor allem war es Verbundenheit.

Und es gab exakt zwei Freunde und meinen damaligen Chef, die mir die Tage retteten. Ich verdanke diesen drei Menschen so viel, dass es auf kein Blatt Papier passt. Auch wenn es natürlich Aufs und Abs gab, währenddessen und danach, habe ich nie vergessen, welchen Dienst sie mir leisteten und ich werde es auch nicht bis zum Ende meines Lebens. So ist jede Form der Liebe sinnvoll und natürlich, selbst, wenn wir sie im Moment des Geschehens als Nicht-Liebe interpretieren würden. Der wahre Kern in einer Beziehung muss manchmal bewusst gesucht werden.

Nicht nur in romantischen Partnerschaften.

 

Die Liebe zur Natur

Liebe zur Natur Liebe zum MeerBei mir ist es das Meer…das Meer…und Wälder. Urlaub ohne das Meer ist nur unvorstellbar und ein reiner Städtetrip fühlt sich an wie Verrat an meiner Seele. Wenn ich nicht mindestens dreimal die Woche in der Natur spazieren gehe, platzen meine Gedanken aus allen Nähten.

Ich habe die Natur als einen Ort kennengelernt, an den ich nicht nur meine Sorgen lassen kann, sondern auch meine Ideen entwickeln darf. Nicht nur hilft Bewegung in der Natur dem Gehirn; die Natur ist auch entspannend für den Körper und die Seele. Sie reinigt dich und ist damit ein Ort, an dem du deine Energie wiederaufladen kannst. Ein Ort, an dem Angst und Stress keinen Platz finden.

 

Tierliebe

Tierliebe die Liebe zwischen Mensch und TierVor einigen Jahren meinte ich zu einer Freundin, dass ich Tiere manchmal mehr mögen würde als Menschen. Sie war entsetzt. Als ich mich im Sommer 2017 wieder traute, das auszusprechen, wurde ich überrascht. Die Person setzte nämlich noch eines drauf: “Nicht nur manchmal!” sagte er.

Einige Menschen können das nachvollziehen, andere nicht. Wie stark die Gefühle für ein Tier sein können, diese so unterschiedliche und doch bedingungslose Liebe, wissen nur Menschen, die sie erfahren durften. Sie nehmen Menschen nicht wichtiger als Tiere.

Konditionierung und Abhängigkeit hin oder her: Wer mit Tieren aufwuchs und sie auch später noch in seinem Leben begleiten darf, der ist wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge körperlich und psychisch gesünder. Tier und Mensch tun sich einfach gut - gegenseitig. Allein die Wirkung auf das Immun- und Herz-Kreislauf-System sowie auf die Stresshormone lassen uns sanfter zu sein. Als würden uns Tiere mit ihrer Liebe nicht nur Liebe schenken, sondern auch Erdung und Achtsamkeit fördern.

 

Seelenverwandtschaft

Seelenverwandschaft liebeSeelenverwandtschaft verwechseln wir oft mit Partnern. Aber auch Menschen, die man im Beruf kennenlernt, Freunde oder Tiere können sich wie verwandte Seelen anfühlen. Man versteht sich ohne Worte, zwischen den Zeilen, kein Wort braucht es, um zu wissen, wie sich der Gegenüber fühlt oder was er denkt. Man sieht es an seinen Augen, hört die kleinsten Unterschiede im Tonfall und allein ein anderer Satzbau als gewöhnlich, würde einem zeigen, dass es demjenigen nicht gut ginge.

Herzen können selbst dann füreinander schlagen, wenn sie kilometerweit entfernt sind. Keine Distanz oder Hürde, noch so groß, kann “seelenverwandte” Liebe unterbrechen, minimieren oder zerstören. Gleich, wie man es nennen mag: Seelenverwandte, Zwillingsflammen oder Seelenpartner. Und natürlich, weil man sich begleitet, stoßen sie einen an die eigenen Grenzen, helfen einem zu wachsen und fördern unser Wohl - selbst, wenn wir es in dem Moment nicht verstehen. Für unseren Charakter sind sie die, die jene Türen öffnen, die geöffnet werden müssen, damit wir zu dem werden, was wir sein sollen und in diesem Leben verdienen.

 

Liebe zu Objekten

liebe zu büchern liebe zu objektenBei mir sind es Bücher. Es geht nicht ohne. Völlig unvorstellbar. Ich liebe auch die englische Sprache, Wärme, Wasser, das Summen meiner Schreibtischlampe, koffeinfreien Kaffee, Frischluft, Backfisch und fünf Millionen weiterer “Dinge”. Sie geben mir das Gefühl, frei zu sein und mich erfüllt und wertvoll zu fühlen. Dabei “geben” sie mir eigentlich gar nichts. Sie leben ja nicht einmal. Aber bei der Liebe suchen wir eigentlich nur nach einem bestimmten Gefühl: Befreiung.

Auch “Dinge” befreien uns; sie sind nicht tot. Besonders Empathen werden wissen, was ich meine. Wir haben alle etwas in unserem Leben, ohne das es nicht geht.

 

Die Liebe zu einem Partner/einer Partnerin

liebe zu partner partnerinAuch wenn heute viele Beziehungen nicht mehr bis ans Lebensende halten, so begleiten sie uns doch mit all ihren Lehren über die Jahre hinweg. Jede Beziehung bringt etwas Wunderschönes und Unvergleichbares mit sich.

Letztes Wochenende musste ich mich dabei ertappen, wie ich genau das in einer Diskussion vergaß: wie wichtig eine Partnerschaft und die Liebe eines Menschen sind - egal, wie frisch, und egal, mit welchen Hürden sie daherkommt. Jemanden sein Zuhause zu nennen und zu wissen, wie dankbar es ist, dass es diesen Menschen gibt - gleich, wie schwer das Leben gerade sein mag. Diese dankbare und erfüllende Liebe hat die Kraft, jede noch so große Herausforderung im Leben zu meistern, weil man weiß, dass man sich stets an seinem Partner anlehnen kann. Und verliert man mal kurz sein Vertrauen, gibt es diesen einen Menschen, der einen daran erinnert.

 

Die Liebe zu einem Familienmitglied

Es gibt niemanden, den ich mehr vermisse, als meine Großmutter. Sie starb, als ich fünf Jahre alt war. Meine Mutter war damals 25, viel zu früh, um ihre Mutter zu verlieren. Unsere gesamte Familie, einschließlich all ihrer Freunde, vermisst sie bis heute so schmerzhaft, dass es jedem die Tränen in die Augen treibt. Sie war das Beste an allem, was geschah. Ein Geschenk, auch wenn sie Fehler machte, bei denen sie sich hauptsächlich selbst wehtat. Doch Familienmitglieder, die für dich ein so wichtiges Bindeglied zwischen dir und dem Rest der Welt sind, können falsch machen, was sie wollen: Nichts ändert ihre Bedeutung. Sie sind einzigartig und unersetzbar. Wenn sie fort sind, fehlen sie so sehr, als hätte einem jemand ein Stück deines Herzens wegoperiert. Es ist ein Schmerz, der nie versiegt.

Umso glücklicher für all die, die ihr Leben noch mit diesen Familienmitgliedern verbringen dürfen. Vergib ihnen ihre Fehler und genieße die Zeit. Manchmal ist sie schneller weg, als man gucken kann.

 

Die Liebe zwischen Mutter und Kind

mutter liebe kind vater kindNicht zu vergessen ist die Verbindung zwischen einer Mutter und ihrem Kind (oder Vater - Kind). Wenn ich mir vorstelle, wie oft ich über meine Mutter gemeckert habe, wegen ihres Starrsinns und ihrer “Art”. Ich habe zu oft verdrängt, was sie alles für mich aufgab: Sie stellte sich gegen den Willen eines Jeden in unserer Familie, isolierte mich von allen destruktiven Männern der Familie und knüppelte sich halb zu Tode, nur um uns zu finanzieren.

Auch wenn all das seine Schattenseiten hatte: Es war nie umsonst. Ich habe damals in meiner Therapie lernen müssen, wie sehr ich aus meiner vermeintlich schweren Kindheit profitiert habe. Bis heute. Selbstmanagement, Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl und Rücksicht…und das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung. Auch wenn ich sie lange nicht zu nutzen wusste. Selbst, wenn wir unseren Eltern oft das Falsche, was sie taten, vorwerfen: Darin liegen Geschenke, die man auspacken darf. Sogar vermeintlich negative können sich mit einer neuen Wahrnehmung zu einem Lebensgeschenk entwickeln.

 

Die Liebe zu einer Stadt oder einem besonderen Ort

liebe zu einem ort einer stadtSommer 2006: Melbourne, Sydney. Ich habe mich nirgends wohler gefühlt als dort. Paradox, denn es waren die schlimmsten vier Monate meines bisherigen Lebens. Ich war unendlich einsam dort am Ende der Welt, auch wenn einige der Menschen, die ich kennenlernte, ganz wunderbar waren. Dennoch gab mir Australien einen Halt, den ich so noch nirgends - weder in meiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern noch meinem Wahlwohnort Berlin, gefühlt habe.

Ich traue mich nicht einmal, weil es sich nicht stimmig anfühlt, nach Hamburg zu ziehen. Aber nach Australien würde ich jederzeit ziehen. Manche Orte erwischen einen einfach mitten im Herzen: Egal, ob es dein See oder ein Café ist, eine Stadt oder ein Museum: Das Gefühl, das der Ort dir schenkt, ist wie eine warme Badewanne, wenn draußen Minusgrade herrschen. Einfach immer genau das Richtige.

 

Die Liebe zu einer Tätigkeit

liebe zu tätigkeit aktivität hobby leidenschaftSo, wie es mir mit dem Schreiben geht, geht es vielen mit Gärtnern, Musik, Instrumenten, Malen, Singen, Töpfern, Lesen, Sport oder anderen Leidenschaften. Eine Sache in seinem Leben zu haben, die einen über alles hinweg trägt, besonders über die Leere, ist nicht nur psychisch förderlich, sondern unterstützt dich auch in deiner seelischen Widerstandskraft. Es ist Selbstausdruck und Selbstfindung, Würdigung deiner Interessen und damit deines Herzens (oder deiner Seele). Es hat die Macht, dich aus dem schlimmsten Schlamassel herauszuholen, mit der Gabe, dich in neue Welten zu entführen - dort, wo alles in Ordnung ist, wo du deinen Platz hast, wo du du selbst sein kannst.

Wer so eine Sache noch nicht hat, sollte beginnen, sie zu suchen. Das sei dir wert!

 

Die Liebe zu uns selbst

liebe zu uns selbst selbstliebe liebe bekommen wir nicht liebe fühlen wirUnd schlussendlich vergessen wir nicht uns selbst: Die Liebe, die wir zu uns haben, ist nicht nur die größte und wichtigste. Sie ist das Eine, was dich durch das Leben trägt, in die richtige Richtung schiebt und notfalls auch mit Ach und Krach lahmlegt, wenn deine Entscheidungen nicht deinem Herzensweg entsprechen.

Jeder Stress und jede Angst, Krankheit, Panik und Depression zeigt uns das: dass wir von unserem Herzensweg abgekommen sind. Es gibt diesen unkaputtbaren Kern in uns, der uns stets vor allem rettet. Er wird nie zulassen, dass wir uns verraten. Und tun wir es doch entgegen seinem Willen, dann rächt sich das oft bitter. Umso wichtiger ist es, diesen Kern, diese Liebe zu dir selbst, zu ehren und täglich zu vertiefen. So verbindest du dich nicht nur mit deiner Intuition, die dir deinen Herzensweg zeigt, sondern auch mit deiner Lebensaufgabe - vor der du ohnehin nicht weglaufen kannst.

Liebe dich: mit allen Dellen, Fettpolstern, Falten, Geheimratsecken und Pickeln. Mit allen Entwicklungspotenzialen (aka Schwächen), Blockaden, eingeredeten Fehlern und Unfähigkeiten. Was wirklich zählt, ist das, was du über dich denkst. Das steuert dich auf deinem Weg. Also denke positiv über dich und erlaube dir, an einen glücklichen Ausgang in all deinen Anliegen zu glauben. Auch, wenn dich jemand vermeintlich verletzen will.

 

Wie wir Liebe lernen können - auch bei Menschen, die schlecht zu uns sind

Ich kann deshalb nur jedem raten, der sich ungeliebt oder falsch behandelt fühlt, diesen EINEN Kern und zusätzlich den gemeinsamen Kern zu suchen. Damit wieder Verbundenheit entstehen kann. Schon DEIN Kern lässt dich Halt spüren. Solltest du dennoch wegen anderen hadern und verletzt sein, findest du den gemeinsamen Kern z. B. mit diesen Fragen heraus:

  • Was möchte dir derjenige zeigen?
  • Was will er dir als Geschenk machen?
  • Was darfst du von ihm lernen?
  • Wo geht es demjenigen genauso wie dir?
  • In welchem gemeinsamen Gefühl spürt du eine Verbundenheit?

Wenn man das Gefühl und die Quelle der Verbundenheit bewusst sucht, findet man sie auch. Dann ist Liebe, die nicht direkt von einem anderen zu dir gegeben wird, ebenso Liebe und nährend. Denn sie ermöglicht dir das Gefühl tiefer Selbsterfahrung, die man nicht nur bei Partnern findet. Sondern überall dort, wo du nach ihr suchst.

Ganz viel Liebe und noch mehr Grüße,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

6 Lektionen des Lebens, die ich durch schlechte Zeiten & Schmerz lernte

6 Lektionen des Lebens, die ich durch schlechte Zeiten & Schmerz lernte

 

Menschen kommen nicht in unser Leben, um uns zufrieden zu machen. Sie bringen uns eine Weisheit.

lektionen des lebensEinige kommen, um uns beizubringen, wie man sich trennt. Oder sie kommen, um uns etwas über unseren Wert beizubringen (den, den wir haben und nicht den, den wir uns absprechen). Sie sind Freunde, Bekannte, Kollegen, Chefs, Lieben oder Förderer, die uns dabei unterstützen, verschüttete Schätze zu finden und zu bergen. Wiederum andere sind da, um uns in unserer Lebensaufgabe sicher ans Ziel zu bringen. Jeder Moment, ob wohltuend oder schmerzhaft, birgt eine Lektion. Man kann vor ihr weglaufen, die Schuld und die Verantwortung auf andere schieben, projizieren oder alles bagatellisieren.

Schlussendlich ist niemand auf der Welt, um wiedergutzumachen, was eine Person unserer Vergangenheit versaubeutelt oder unabsichtlich getan hat. Wir sind nicht für die Taten anderer verantwortlich, aber wir tragen die Pflicht, uns um unsere Gefühle und Interpretationen der Vergangenheit zu kümmern. Nicht, um weniger schuldig oder ängstlich zu sein, sondern um uns von ihnen zu befreien. Dankbarkeit für die Anwesenheit von Menschen und ihre Lehre kann ein Weg sein. Aber auch bedingungslose Selbstliebe trotz größter Verletzungen ist ein Pflichtprogramm. Es ist nicht das Ziel, andere für unsere Lebenssituationen in die Verantwortung zu ziehen. Erlaube dir deshalb den Gedanken, dass auch du Menschen Lehren brachtest und noch immer bringst.

 

Liebe bedeutet nicht die Abwesenheit von Schmerz.

Erfolg ist nicht die Freiheit von Misserfolg, Anerkennung nicht die Abwesenheit von Kritik, Zuwendung nicht die Abwesenheit von Alleinsein oder Distanz, eine funktionierende Beziehung nicht immer das, was man “verdient”. Man bekommt zu jeder Zeit das, was man braucht. Vor allem Lernaufgaben. Die helfen uns, in unsere Mitte zu kommen und unsere Handlungen in Übereinstimmung mit unseren wahren Überzeugungen zu bringen. Doch was wir für unsere Mitte halten, muss nichts mit der Erfüllung unserer Träume oder einem ständigen Hoch zu tun haben.

 

Was wirklich zählt, weiß das Ego nicht.

Menschen mit Beziehungsangst, Angst vor Nähe und Selbstverlust verstehenEin fettes Auto zu fahren oder Millionen Follower auf Instagram macht den Umgang mit den großen und kleinen Gefühlen nicht weniger wett. Eine wunderschöne Eigentumswohnung mit Dachterrasse und Blick über die Skyline macht dich nicht weniger einsam. Was zählt, sind die Erfahrungen und das, was wir aus ihnen machen. Wenn uns etwas Schlimmes geschieht, wie eine Trennung, Insolvenz, Scheidungs- und Sorgerechtsstreitigkeiten, Jobverlust oder Krankheit, fällt auf, was wir wirklich brauchen.

Wir müssen nicht warten, bis uns etwas Schlimmes widerfährt, um dann die Schönheit der kleinen Dinge des Lebens zu lernen. Leider ist unser Ego ein Scharlatan und redet uns so manchen Blödsinn ein. Man sollte nicht darauf hören, sondern auf die Stimme, die am leisesten flüstert, die, die am stärksten von Angst in Schach gehalten wird: Wir sind nicht unsere Gedanken, nicht unsere Wohnung, unser Bankkonto, die Meinung oder Ziele anderer Personen. Wir sind wir: individuell, Mensch, Mann, Frau. Wir brauchen keinen Schmerz oder Stress, um uns daran zu erinnern, was wirklich zählt.

 

Jeder hat eine Aufgabe, vor der er nicht fliehen kann.

Es gibt so viele, die sich von ihrer Lebensaufgabe abhalten lassen oder ihr freiwillig aus dem Weg gehen. Sie beschäftigen sich lieber mit Nichtigkeiten (z. B. Jobs, die ihnen nichts bedeuten) oder mit fremden Angelegenheiten. Sie haben aufgehört, sich zu fragen, wie sie durch ihre Fähigkeiten dienen können. Sie wiederholen tagtäglich, was ihnen jemand Angsterfülltes gelehrt hat: “So musst du sein, damit..” und “Das musst du machen, um zu…” Was sie wirklich wollten und wollten, können und sind, liegt irgendwo versteckt oder vergraben. Aber man ist nicht, was die Mutter sagte, werden zu müssen. Man ist nicht, was der Vater von einem erwartet. Man ist nicht die Probleme anderer. Stattdessen darf man sich von allem befreien, was nicht Teil der eigenen Lebensaufgabe ist.

 

Das Leben rächt sich von ganz allein.

Als ich frisch aus der Schule mit dem Abi in der Tasche in ein Praktikum ging, sagte mir meine damalige Chefin diese Worte: “Janett, wenn du hier nichts lernen solltest, merke dir eins: Verschwende deine Zeit nicht mit Rache. Das Leben rächt sich von ganz allein.”

 

Angst, Stress, Schmerzen und Krankheiten sind keine friedliche Lösung.

Manchmal ziehen wir auch aus schlechten Situationen Vorteile, sogar aus Angst und Panikattacken: zum Beispiel, weil man dann nicht mehr zu diesem blöden Arbeitgeber gehen und so tun muss, als würde man seine Werte teilen. Oder weil wir dann nicht die Schwiegermutter ertragen brauchen, weil wir uns wegen Angst nicht trennen müssen, obwohl wir schon lange die Nase voll haben oder oder oder… Angst, Stress und Krankheiten sind da, um uns vor dem Schritt, der uns befreien würde, zu bewahren. Dieser Schritt würde uns aus der belastenden Situation herauszuhelfen. Psychische und körperliche Beschwerden ebenso. Aber wir entscheiden oft für Angst und ihre Wirkungen. Eine sehr radikale Lösung des Körpers, die es nicht einfacher, sondern schwerer macht.

Deshalb: Finde eine andere und friedliche Lösung. Oder finde jemanden, der sie kennen könnte. Sag nicht: “Das klappt nicht!” Das geht nicht!” “Das wird immer so bleiben!” Glaube nicht alles zu wissen, wenn die Wahrheit die ist, dass niemand auf dieser Welt alles weiß.

Trau dich, dazu zu stehen, dass du dir etwas anderes als diesen Job wünschst, einen anderen Partner, keine Kraft mehr für Opfer hast oder keine Lust mehr auf “Leistung” für Zuwendung und Anerkennung (müssen, müssen, müssen, sonst sei man nicht zu gebrauchen und dieser ganze Schmu, den wir freiwillig glauben). Du brauchst keine Angst oder Schmerzen, die dich und andere vor deinen Bedürfnissen schützen. Der Schutz bist DU. Deine Bedürfnisse sind ja da, weil du da bist und weil es dich gibt. Weil es dich gibt, zählen deinen Bedürfnisse. Du darfst dir nehmen, was du verdienst. Schauspielerei und sein, wer du bist, passen einfach nicht zusammen.

Ermögliche dir, die Lösung deines Problems zu sein. Oder finde jemanden, der sie kennt. Denn eine friedliche und gesunde Lösung existiert immer.

Alles Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Was tun, wenn du dich nicht mehr fühlst? Ein Coaching-Tipp

Was tun, wenn du dich nicht mehr fühlst? Ein Coaching-Tipp

 

Ich habe in meinem Podcast bereits über die Macht eines fehlenden Sinns im Leben gesprochen. Dabei habe ich zu erklären versucht, dass wir alle auf der Suche nach unserem Sinn sind, den wir mit einem bestimmten Lebensgefühl in Verbindung bringen. Wenn man glaubt, sich verloren zu haben, an den Partner, die Kindererziehung, den Job (oder Chef), einer Leidenschaft, Drogen, Geld oder sonstiges, meint man in Wahrheit, dass man ein bestimmtes Gefühl nicht mehr spüren kann, ohne das wir uns verloren fühlen, abgeschnitten von uns selbst oder einem wichtigen Umfeld. Ohne dieses Gefühl verspüren wir dann zum Beispiel Enge, Trauer, Schuld, Scham oder Angst.

Wer auf der Suche nach sich selbst ist, darf sich nach diesem einen Gefühl umschauen - in seinem momentanen Leben: Wann war es zuletzt da? Was unternahmen wir, um es zu fühlen? Wann ging es abhanden? Wodurch distanzierte man sich von dem Gefühl? Welche Menschen und Situationen haben die Distanz unterstützt oder gar gefordert?

 

Was mir fehlte und welche Gefühle ich so dringend zurückhaben wollte

Mir fehlten Sinn und Interesse, Anerkennung und Wertschätzung und vor allem Zugehörigkeit und Teilhabe. Schnell wurde mir klar, dass ich mich am falschen Platz befand, nicht nur im Beruf, sondern auch in meiner damaligen Beziehung, selbst in Bezug zu einigen missratenen Freundschaften. Und das machte mir eine Heidenangst. Wann immer ich in Situationen kam, in denen ich das Gegenteil, also das Gefühl der Angstfreiheit und Freude, nicht spürte, bekam ich Panikattacken. Ging ich aber aus der Situation heraus, grenzte mich ab, wagte es, Nein zu sagen oder mich zu trennen, ging es mir schnell wieder gut.

was tun wenn man sich nicht mehr fühltIch hatte zu lernen, Grenzen zu haben und sie zu setzen. Ich hatte zu verstehen, dass ich ein Individuum bin, das selbst auf der Suche nach seinem Sinn ist. Ich durfte vor allem lernen, dass jeder stets versucht, in seinem Leben Sinn zu gewinnen. Und das niemand - NIEMAND - dich stören kann, wenn du es nicht zulässt. Angst aber entstand in mir immer dann, wenn ich anderen erlaubte, mich zu stören. Dann ergab auch nur wenig Sinn. Erledigte ich zum Beispiel Arbeit, die ich für sinnlos hielt, bekam ich Angst. Tat ich etwas, was mir widerstrebte, bekam ich Angst. Waren Gespräche einseitig oder gar destruktiv, bekam ich Angst. Ruderte ich in eine Richtung, die von anderen diktiert worden war, bekam ich Angst.

Es war damals an der Zeit, dass ich mich wieder erkenne - meine Werte und eben dieses eine Gefühl, das meinem Leben Sinn gab: Freiheit zu denken, fühlen und zu tun, was ich wollte. Nicht länger unter den Entscheidungen anderer leiden. Nicht länger die Liebe und Brave, Harmonische und Gefügige mimen. Das hieß Freiheit von Angst und Fremdbestimmung.

Ich musste also mein Kleinsein loswerden, musste mit meinem inneren Kind in ein Gespräch gehen, das schon lange überfällig gewesen war. Ich musste erkennen, wieso ich früher so gern das Opfer gemimt hatte, und dass es jetzt an der Zeit war, diese Haltung zu überdenken und schlussendlich zu korrigieren.

Keine leichte Nummer, aber Schritt für Schritt lernte ich alles das. Doch es dauerte, bis mir klar war, was ich für sinnvoll erachtete, welche Gefühle mich bedrängten, was sie auslösten und was ich eigentlich spüren wollte.

Falls es dir ähnlich geht, hier ist ein Coaching-Tipp:

 

Sinn-volle Gefühle: Selbst-Coaching-Tipp

Welches Gefühl verbindest du mit deiner jetzigen Situation, die dich schlecht fühlen lässt? Vervollständige diesen Satz:
Das Gefühl, dass ich am meisten ablehne, ist  ___________________________.

Dann bilde das Gegenteil dieses Gefühls. Vervollständige den Satz:
Stattdessen möchte ich das Gefühl __________________ spüren.

Gratuliere zum ersten Schritt! Der nächste ist, dass du überlegst, wie du dieses Gefühl wieder etablierst und das gegenteilige Gefühl minimierst. Ganz oft, das sehe ich immer wieder an meinen Klienten und Klientinnen, hat es mit Durchsetzungsvermögen und Authentizität zu tun, der Fähigkeit, zu sich selbst zu stehen, weil man sich kennt. Wenn du weißt, dass dir eine Situation oder ein Mensch, ein Umstand im Job oder in der Partnerschaft schlecht tut, dann solltest du dich weder zwingen noch Ausreden finden, wieso du es dennoch erlaubst. Wir sollten auch niemandem erlauben, für uns zu entscheiden. Denn nur wir wissen, wie wir uns fühlen und was wir brauchen, um uns zu fühlen. Egal, was dir andere sagen: Niemand entscheidet, wie du dich fühlst bzw. zu fühlen hast.

 

Der Sinn deiner Gefühle: Entdecke deine Gefühlswelten

sich wieder fühlenOft sind die ersehnten Gefühle Freude, Angstfreiheit, Vergnügen, Abwesenheit von Traurigkeit und Schmerz, Überraschung (Abwechslung), Schuld- und Schamfreiheit (Du bist richtig! Du machst es richtig!), Abwesenheit von Gegenwehr (alles, was dir gegen “deinen Strich” geht, soll weg, du willst nicht mehr kämpfen, willst nicht mehr simulieren, willst endlich so sein, wie du bist) oder auch Interesse, Verliebtheit und Stolz, Erfüllung und Verwirklichung.

Hier sind einige Beispiele für Werte, die deine ersehnte Gefühle auslösen könnten und deshalb fundamental tragen:

  • Sicherheit (emotionale, finanzielle und/oder existenzielle)
  • Geborgenheit
  • Zugehörigkeit, Teilhabe, Mitbestimmung
  • Sinnhaftigkeit (z. B. Identitätsstiftung, Zweck, Berufung)
  • Anerkennung und Wertschätzung
  • Zuwendung und Liebe
  • persönliche Freiheit (u. a. Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Erfüllung)
  • Selbstentwicklung und -verwirklichung (Lernen, Spaß am Probieren)

Diese Bedürfnisse entstammen der Maslowschen Bedürfnispyramide und zeigen, dass wir alle diese Bedürfnisse haben - mal mehr, mal weniger, je nach aktueller Lebenslage. Sind diese Bedürfnisse unerfüllt oder haben wir gar Lebensumstände, die uns noch weiter von der Erfüllung entfernen, fehlt dir auch dieses eine Gefühl, was du so dringend möchtest, immer mehr.

Schau deshalb in deinem Leben, was davon du nicht in dem Maße hast, wie du es dir zu fühlen wünschst. Überlege dir, wie du das Gefühl wieder etablieren kannst, wie du die gegenteiligen Gefühle verringern oder gar auf ein Minimum bringen kannst: Was kannst du selbst dafür tun? Wo musst du andere bitten, dich zu unterstützen? Bei wem musst du lernen, dich durchzusetzen? Wem hast du zu selten oder nicht nachhaltig genug deine Grenzen gelehrt? Welche Gefühle hielten dich davon ab? Wovon kannst du dich trennen? Wo musst du einen anderen Weg finden?

Nimm dir nur deine Gefühle, nicht deine Angst, wenn du nach Lösungen suchst. Lass dich von ihnen leiten. Mit ihnen wirst du immer einen Weg finden, näher an das, was für dich Sinn macht, zu kommen. Gib dich aber nicht mit dem ab, was du hast, nur aus Angst. Erlaube dir wieder, dass du dich fühlen und spüren kannst. Jeder hat Liebe, Freude, Erfüllung und Sinn verdient. Natürlich auch du!

Alles Liebe,
Janett

 

 

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