Selbstabgrenzung: Eine wirksame Übung aus meinem Methodenkoffer

Selbstabgrenzung: Eine wirksame Übung aus meinem Methodenkoffer

 

Selbstabgrenzung ist für viele Menschen eines der größten Bedürfnisse und Herausforderungen. Wir meinen es gut mit Menschen und viele Menschen meinen es gut mit uns. Dennoch: Es wird Menschen geben, die es weniger gut meinen, die Güte und Demut ausnutzen oder uns manipulieren. Es sind unbewusste Menschen, die stark im Mangel leben und aufgrund von früheren Ereignissen nur mit sich selbst, statt mit den Konsequenzen für ihr Gegenüber, beschäftigt sind.

 

Selbstabgrenzung üben lernen

Es kann schwerfallen, mit unbewussten oder verletzenden Menschen umzugehen, ohne es als Angriff zu empfinden. Dementsprechend steigt die Bedeutung von Selbstabgrenzung in Zeiten von Stress und Angst, weil man die extremen Gefühle anderer Menschen sensibler wahrnimmt und ihnen – wie ein kleines Boot auf dem großen Ozean dem Wetter – ausgesetzt ist.

Eine meiner liebsten Methoden, die ich auch noch heute nutze, besonders allen mit Stress-Ängsten als Weg der Erleichterung empfehlen kann, sind imaginäre Wände. Wann immer man sich

  • eingeengt
  • belastet
  • mit Fremdansprüchen konfrontiert
  • ohnmächtig
  • wehrlos
  • hilflos
  • gestresst
  • verängstigt
  • ausgeschlossen
  • übergangen
  • überrumpelt
  • manipuliert
  • und vieles mehr

fühlt, stellt man sich eine Szene im Kopf vor, die es binnen weniger Sekunden erlaubt, sich innerlich abzugrenzen, zu sich zurückzufinden, sich zu schützen, Luft zu holen, in sich zu ruhen und auf sich zu besinnen. Auch bei Gedanken, die unwillkommen im Geiste auftauchten, hilft die Methode, ein STOPP zu setzen.

Die Methode ist überall anwendbar. Je mehr man sich trainiert, diese Methode als Fokussierung und Achtsamkeit zu nutzen, desto schneller funktioniert sie praktisch und einfach in allen Situationen. Sei es im Meeting, in der Bahn oder beim Mittagessen mit den Schwiegereltern: Alles, was man benötigt, ist ein Gedanke, der autogen eine Fantasie auslöst, die wiederum für inneren Frieden, Erholung und Abgrenzung sorgt.

 

Selbstabgrenzung durch Die Methode der Imaginären Wände

Schritt 1: Schließe die Augen. Atme ein paar Mal tief ein, sodass sich der Bauch hebt und senkt. Mit jedem Atemzug atmest du reine und unverbrauchte, saubere und gute Luft ein. Stell dir vor, dass diese kühle, unverbrauchte und positiv aufgeladene Luft in deinen Körper strömt. Wo immer du im Körper Verspannungen oder Blockaden spürst, atmest du hin. Beim Ausatmen stößt du alle negative Gedanken, Ärger, Angst und Traurigkeit mit einem Prusten wieder aus deinem Körper aus. Beim Prusten ist Druck enthalten; das Negative wird bewusst und gezielt aus dem Körper hinaus befördert.

Schritt 2: Stell dir nun vor, du stehst in der Mitte eines Raumes. Er ist groß, hell, freundlich und hat hohe Decken. Sieh dich nicht als Beobachter, sondern fühle dich als Besitzer dieses Raumes. Dieser Raum ist ein Symbol für deinen Körper. Sieh, wie du aufrecht stehst, um dich herum ist der Raum. Neben dir – links und rechts – stehen all die Menschen, die Erwartungen, Ansprüche, Belastungen, Verletzungen, Einseitigkeiten, Ärger und Wut mit sich bringen. Es steht in ihren Gesichtern geschrieben, dass sie es auf dich abladen wollen, dich überrennen wollen, dich brauchen, keine Rücksicht nehmen können/wollen, Bedürfnisse haben, diese wichtiger einstufen als deine, dich beladen wollen. In deinem Geiste stehen sie ruhig da und keiner bewegt sich, nur dein Kopf sieht nach links und nach rechts und bemerkt die Menschen mit ihren Erwartungen.

Schritt 3: Du lächelst sie an, vielleicht missmutig, vielleicht schadenfroh, vielleicht mitfühlend, vielleicht entschuldigend. Entscheide selbst darüber, welche Gefühle du ihnen zeigen möchtest. Aber zeige sie ihnen. Erlaube dir in diesem einen Moment, ihnen deine wahren Gefühle zu zeigen. Falls schon eine oder mehrere der Personen in deinem Kopf reagieren oder auf dich losstürmen wollen, sag ihnen:

HALT! Ich möchte das nicht. 

Sprich laut und bestimmt. Bringe sie in deinem Kopf zum Innehalten und Schweigen.

Schritt 4: Lass nun erst links, dann rechts, dann vor dir, und zum Schluss hinter dir, jeweils eine senkrechte Wand von oben herunterfallen. Wie diese aussieht, ob sie aus Ziegelsteinen besteht, Putz oder Tapeten hat, spielt keine Rolle. Sie sollte lediglich dick und trennend sein. Diese Wand trennt die Menschen von dir, grenzt dich von ihnen ab. Sie schließt dich gleichzeitig von allen Seiten ein und schottet dich von fremden Bedürfnissen und Erwartungen ab. Du entscheidest, wie nahe die Wände an dir sind oder wie weit du die Wände von deinem Körper wegschiebst, wie viel Platz dir das Innere der vier Wände bietet.

Meine Wände sind zum Beispiel immer zu 1/4 aus warmen Steinen (die Wand in meinem Rücken) und zu 3/4 aus Glas: einbruchsicher und unkaputtbar, absolutes, megahartes Panzerglas. So kann ich den Menschen, die vor meinen Wänden stehen und mich ansehen, noch in die Augen schauen, habe sie noch bei mir und “trenne” mich nicht gänzlich. Ich unterbinde nur, dass sie mich erreichen. Ich untersage meine Verfügbarkeit für ihre Belange. In diesem Moment erlaube ich mir Rückzug. Ich setze mich dann meist auf den Boden, lehne mich an meine warme Steinwand, sehe die Menschen vor dem Glas, beobachte sie hin und wieder oder ignoriere sie gänzlich: Was auch immer ich brauche, mache ich. Ich strecke meine Beine aus, schlage meine Füße übereinander, falte meine Hände in meinem Schoß, atme, singe, summe oder lese ein Buch. Manchmal hole ich mir die Natur in meine Wände, Tiere oder das Meer.

Schritt 5: Ganz egal, was du dann in deinen vier Wänden tust: Es gibt nur dich. Und das, was mit dir sein soll. Hier eine Blume oder oben am Himmel die Sonne. Gute Musik in der Luft, Schokolade oder gutes Essen deiner Lieblingsküche, vielleicht ein High-End Riesenfernseher mit deiner Lieblingsserie in Dauerschleife oder es ergießt sich vor deinen Augen der wunderbarste Regen in tropischen Wäldern. Vielleicht bringen deine Wände die Natur mit sich und du siehst nur noch einen Wald in der Nähe eines Sees. Vielleicht ist es die Sommerwiese oder der Grand Canyon, der vor deinen Füßen liegt. Oder es ist das Meer, mit deinem Hund neben dir? Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Lass sie leben in deinen vier Wänden. Sieh hin, was dein Geist hervorbringt, was er dir Gutes in deinen Raum legt und wohin auf der Welt er dich reisen lässt.

Bleib dort, solange  du möchtest. Genieße das Gefühl. Spüre es in deinem gesamten Körper. Nimm deine Sinne und spiele mit den “Dingen”, die dir dein Geist schenkt: der warme Sand unter deinen Füßen, die duftende, nach Blumen riechende Luft, der warme Wind auf den Armen, Gegenstände am Boden, die du in deine Hände nimmst … Er-Lebe das Gefühl.

 

Selbstabgrenzung denken und probehandeln

Mir passierte es früher häufig, dass Menschen, die wenig Rücksicht auf mich nahmen, während dieser Übung in meinem Kopf auftauchten. Sie versuchten, meine Wände einzurennen, herüber zu klettern oder schauten mich fordernd an. Es war meine Güte, mein Gewissen, das sich während der Übung meldete. Ich konnte die Wut in ihren Augen sehen, ihre Trauer darüber, dass ich mich abschottete, ihre unbändige Verletzung: Alles, was sie im wahren Leben auch gezeigt hätten, konnte ich während dieser Imaginationstechnik sehen und spüren.

Das ist okay. Zu fühlen, dass du dich dennoch abgrenzen möchtest, es für wichtiger erachtest, als fremden Ballast oder Schmerzen, während du in deinem sicheren, panzerfesten Raum bist, ist gut. Du wirst spüren, trotz Mitgefühl oder gar Mitleid, wie wichtig es ist und wie heilend es sich anfühlt, dass du diese Abgrenzung lebst und durchsetzt. ERLAUBE DIR ABSOLUT ALLES.

Nichts ist bedeutungsvoller, als sich daran zu erinnern, welch schöne Gefühle und wohlige Wärme in einem verborgen sind, wenn man nur umgeben ist von eigenen Grenzen – oder in diesem Falle: eigenen Wänden. Senke dich in dich und deine Seele ab. Komm dort zur Ruhe und kehre wieder ein.

Lust auf mehr Strategien zur Bewältigung der kleinen und großen Herausforderungen des Lebens?

Janett Menzel intuitives Coaching Berlin2Hallo! Falls du mich noch nicht kennst, möchte ich mich dir gern vorstellen: Ich bin Janett Menzel, Inhaberin dieses Blogs. Ich litt jahrelang an verschiedenen Ängsten (wie wir alle) und beizeiten sogar unter Panikattacken und Burnout-Symptomen. Mir blieb nichts weiter übrig, als mir selbst zu helfen. Also folgten verschiedene Ausbildungen (Coaching, Schreibtherapie, Autogenes Training, Betriebliches Gesundheitsmanagement usw.), die ich später meinen Klientinnen und Klienten und heute meinen LeserInnen vermittele. In meinem aktuellen Projekt "Ein Gefühl namens Dieter" vereine ich alle diese Strategien. Es ist kein Onlinekurs, sondern viel mehr als das: ein niemals endendes Buch, online und interaktiv, ausgestattet mit verschiedenen Audios, Anleitungen zu Strategien, Arbeitsblättern, Meditationen, Entspannungstechniken und vieles mehr. Das Highlight daran: Es kommen monatlich neue Strategien hinzu. Und du darfst es mitgestalten. Denn als Autorin mehrerer Ratgeber leide ich unter dem Aspekt, nachträglich nichts weiter in meine Bücher einfügen zu können. Also entwickelte ich dieses neue Format, das ich heute "Kapitel des Lebens" nenne.

Es soll die größte Bibliothek an Selbsthilfestrategien werden, ein Almanach an Wissen für die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens. Fällt dir das Leben manchmal auch schwer? Wünschtest du, einfach irgendwo nachschlagen und lesen zu können, was du ausprobieren könntest?

Dann ist "Ein Gefühl namens Dieter" vielleicht genau das Richtige für dich. Noch ist der Einstieg mit einem Festpreis geregelt. Doch bald, mit zunehmender Anzahl der Strategien, werde ich auf monatliche Beiträge setzen müssen, um meine Arbeit zu würdigen und der Idee dienen zu können - dass Menschen wie du Zugang zu möglicher Selbsthilfe haben, wann immer sie welche brauchen.

Hast du Lust, dabei zu sein? 

Hier kannst du mehr darüber erfahren >> (Weiterleitung)

Ein Gefühl namens Dieter Bewältigung von schwierigen Gefühlen und Lebenssituationen Janett Menzel

 

Welcher Lebensbereich löst Angst in dir aus? Finde deine wahre Belastung

Welcher Lebensbereich löst Angst in dir aus? Finde deine wahre Belastung

Dieser Beitrag ist Teil 2 des Artikels Was, wenn starke Angst ein Aufruf zu Veränderung und Rückzug ist?

Womit fotografierst du? Nimm dir dein Mobiltelefon oder deine Kamera bzw. die Menschen vor, die in bestimmten Situationen Fotos von dir gemacht haben, und sie sie dir an. Siehst du mit deinen Freunden, deinem Partner, deiner Familie oder deinen Kollegen glücklich aus? Schau dir auch die Fotos an, die du von anderen gemacht hast: Welche Gefühle steigen in dir auf, wenn du sie anschaust? Oder siehst du deren befreiende/entlastende Gefühle, weil du dich um ihr Glück kümmerst? Spürst du, dass du dich mit deren Glück nicht wohlfühlst? Oder entlastet es dich, DASS du sie glücklich machen kannst und bist deshalb ebenfalls glücklich? Oder merkst du positive, beglückende Gefühle nur auf Selfies?

Ich habe in meinen damaligen Zeiten stets entgegengesetzte Gefühle gespürt, ambivalente Gefühle. Waren andere glücklich, aber sah ich nicht so aus bzw. fühlte ich mich abgestoßen von deren Zufriedenheit oder kam Verachtung, Missgunst oder der Impuls des Nicht-Teil-sein-Wollens in mir hoch, wusste ich: Ich will da nicht hingehören. Ich fühle mich nicht nur nicht zugehörig. Ich hatte, auch den Drang, mich nicht mehr um deren Zufriedenheit (einseitig) auf meine Kosten zu kümmern.

Der Fairness halber möchte ich anmerken: Wir können uns auch ungut oder nicht zugehörig fühlen, obwohl wir jeden Grund dazu hätten. Aber dann gilt es zu hinterfragen,

  • wozu (nicht warum!) wir nicht dazugehören wollen
  • Welche Gründe gibt es, dass dieser soziale Raum dir nicht gibt, was du dir wünschst?
  • Gewinnen nur die anderen an Wohl dazu, aber du nicht oder zu wenig?
  • Was hindert dich am eigenen Wohl?
  • Kannst du das, was dir geschenkt wird (falls du etwas erhältst, was dir Wert stiftet), nur nicht anerkennen, die Liebe annehmen, dich lieben lassen oder gibt es triftige Gründe deines Unwohlseins?

Es ist nicht weit hergeholt, dass viele kämpfen müssen, sich stets ungenügend und nicht gut genug fühlen müssen, um sich beweisen zu können. Sie spielen dann etwas, was sie in der Kindheit/Jugend/ersten autonomen Lebensjahren erfuhren, nach. Sie wiederholen es, um den Moment der Genugtuung zu erfahren, wenn sie es geschafft haben, sich zu beweisen. Ihr Kampf ist der Beweis, dass sie es wert sind, geliebt, gesehen und gehört zu werden, Teil sein zu dürfen. Kommt es ihnen einfach so zuteil, erscheint es in ihren Augen zu leicht, zu unglaubhaft, um wahr zu sein. So war es ja noch nie vorher. Wieso sollten ausgerechnet sie jetzt vom Gott, Universum, Zufall reich beschenkt werden, wenn es nicht einmal ihre Eltern, ersten Partner, Freunde oder X konnten? Das kann nicht sein. Hier kann etwas nicht stimmen. (Angst kommt auch dann, wenn solche Verhaltens- und Denkmuster existieren, die wegmüssen.)

 

Der menschliche Drang, dazuzugehören und akzeptiert, anerkannt und wertgeschätzt zu werden

Zugehörigkeit und soziale Kontakte sind wichtig, aber nur dann gesund, wenn sie unsere Gesundheit durch Ausgeglichenheit fördernAber warum versuchen wir so sehr, uns anzupassen? Weil Zugehörigkeit und sozialer Kontakt uns oft wichtiger ist, als der Kontakt zu unserem wahren Ich. (Wissenschaftlich wurde auch bewiesen, dass soziale Kontakt die Gesundheit fördern und Krankheiten in ihrer Entstehung lindern.) Doch sozialer Kontakt und Teilsein sind nur dann gesund, wenn sie unsere Ausgeglichenheit fördern statt mindern. Das ist vielen nicht bewusst, weil sie Alleinsein (und damit verbunden) Einsamkeit fürchten.

Wir alle zielen darauf ab, Teil von etwas zu sein, das Sicherheit und Harmonie in allen Gefilden des Lebens aufrechterhält. Wir tendieren dazu, so und so zu sein oder unreflektiert zu tun, was andere von uns erwarten. Nur die, die dagegen steuern und Nein sagen, nehmen sich raus aus der Rechnung (und bekommen sehr oft noch die Schuld dafür).

Wenn ich meine Panik-Episoden hatte, habe ich mich (die ersten drei Male) distanziert – von allem und jedem. Ergebnis: Die Episoden waren sofort weg oder nach wenigen Wochen vorbei. Nicht einmal die „Schuld“, die mir gegeben wurde, weil ich nicht mehr so sein wollte, wie andere es brauchten, interessierte mich damals. Die Panik wich und das Leben wurde wieder leicht. Einzelne Disziplinen der Psychologie hätten versucht, mein Verhalten in Bezug zur Angst zu verändern und ich wäre danach wieder in dieselben Situationen zurückgekehrt, die erst diese Angst in mir ausgelöst hatten. Meine Reaktion auf den empfundenen Stress (mein inneres Warnsystem) wäre kuriert worden, nicht aber das Problem an sich. Es lag also nur an meinen Reaktionsmustern bei Stress. Nur das eine Mal, als ich mich nicht zurückzog, als ich mich für gestört, abnorm, kindisch und problematisch hielt, an meinem Ich herumdoktorn lassen wollte, blieb die Panik über sieben Monate. Wieso sie dann trotzdem wich?

Weil ich erkannte, dass es nicht mein Verhalten (nicht meine Gedanken, die zu Verhalten wurden) war, was umprogrammiert werden musste, sondern meine Ziele. Sie mussten/durften individuell werden. Ich hatte nämlich keine eigenen. So etwas wie: „Ich will nicht allein sein!“ oder „Ich bleibe Teil einer Unternehmsstruktur, die schändlich mit ihren Mitarbeitern umgeht, weil ich sonst arbeitssuchend würde.“ oder „Ich will die weltbeste Mutter, ambitionierteste Karrierefrau und geliebte Partnerin sein!“ sind keine eigenen Ziele, sondern Abwehr der Angst, etwas falsch zu machen oder „falsch“ zu sein (Schuld und Scham sind dann die Herausforderungen). Wer aber lernt, sich weder schuldig noch beschämt zu fühlen, wenn er seine eigenen Ziele definiert und verfolgt, der wird beide Gefühle nicht mehr wahrnehmen. Wer Ziele hat und sie verfolgt, ist niemals allein, sondern dichter an sich selbst, als so manch anderer. Wer sich herauszieht aus unbewussten Unternehmen, die einen Pfiff auf das Mitarbeiterwohl geben, lernt, einen Pfiff auf solche Unternehmen zu geben und handelt nach den Maßstäben solcher, die sich sehr wohl um ihre Mitarbeiter kümmern – weil sie wissen, dass diese der Kern des unternehmerischen Erfolgs sind. Wer alles sein und können will, mit den besten Erfolgen, ist für alle alles und kann für alle alles, aber lebt sehr wahrscheinlich in mindestens einem Lebensbereich an sich selbst vorbei.

 

Es ist okay.

sei mutig und unbequemEs ist völlig okay, nicht alles zu sein, was andere erwarten, und nicht alles zu können. Das macht uns Menschen aus: nicht alles wuppen zu können, sondern kleine Experten in einem oder wenigen Bereichen zu sein. Oder wie es in der Wissenschaft um Selbstständigkeit so schön heißt: Die Welt braucht keine Generalisten, sondern Spezialisten. Bei großen Institutionen, in der Wissenschaft oder der Politik arbeiten ja auch keine Generalisten an weltverbessernden und menschheitsfördernden Schritten, sondern hochrangige Gelehrte, die besten Experten der Welt. Sie liefern ihre individuelle Expertise und tragen so bestmöglich zu einem Ziel bei.

Wenn du nun mit deiner Lebensexpertise nicht in eine soziale Gruppe, ein bestimmtes Unternehmen, deine Familie, deine Partnerschaft passt, und Angst oder Panik erlebst, wann immer du trotzdem versuchst, dich ein- und anzupassen, dann lebst du dort für andere, weil du glaubst, eine tieferliegende Angst auf diese Weise abwehren zu können: nicht Teil zu sein, sozial ausgegrenzt zu werden, Einsamkeit, Schuld, Scham und tiefe Bestürzung (Traurigkeit) über gesellschaftliche und kulturelle Standards, die viel über die Werte der beängstigenden Gruppe aussagen, aber nichts über dich. Da dir bislang kein anderer Weg angeboten wurde oder du ihn noch nicht gesucht hast, bleibst du.

Besser wäre es, den Mut zu entwickeln, dich abzugrenzen, wenn deine Angst dich dazu aufruft. Je stärker sie wird, desto dringlicher ist ihre Absicht, ihre Nachricht an dich. Lass dich von einem Therapeuten dabei unterstützen, diese/n Weg/e zu gehen, damit du währenddessen emotionale Sicherheit und Halt spüren lernst. Veränderungen machen vielen Menschen Angst, weil Unberechenbarkeit und Unwissenheit gegenüber der Zukunft mitunter schwer auszuhalten sind. Aber in Gesprächstherapien, Psychoanalysen oder – wenn deine Angst noch nicht klinisch ist – auch in Coachings kannst du Bestätigung und professionelle Anleitung zum Umgang mit Veränderungen finden.

Mit den besten Grüßen,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

Was, wenn starke Angst ein Aufruf zu Veränderung und Rückzug ist?

Was, wenn starke Angst ein Aufruf zu Veränderung und Rückzug ist?

 

Vor Kurzem sagte mir jemand: „Janett, du sprichst noch immer eine Handvoll an Wahrheit nicht aus – absichtlich, aus Angst davor, dass deine LeserInnen es nicht hören möchten.“ Ich fand das anfangs befremdlich, aber musste mir bald eingestehen, dass die Person völlig Recht hatte.

Eine dieser Wahrheiten ist mein Glaube, teils gegen die Psychologie und ihre Wert- und Glaubensvorstellungen, dass Angst ein Weckruf ist, um sich zu trennen: von etwas, von jemandem, von alten, ausgedienten Denk- und Verhaltensmustern. In solchen Fällen brächte eine Verhaltenstherapie nur eine kurzzeitige, graduelle Besserung, denn nur die Symptome würden zu kurieren versucht. Nicht aber der Auslöser der Angst- und Panik-Symptome. In diesem Gedanken, entsteht Angst im mentalen Gefecht. Angst wird zum einen Schutz, zur einen Nachricht des Geistes in Bezug auf das, was gerade in deinem Leben am dringlichsten ist. In welcher Scheiße du auch stecken magst, Angst sagt: Zieh dich da raus. Angst kann also eine Aufforderung sein, ein Hilfeschrei deines Geistes, nötige Veränderungen in Angriff zu nehmen. Und zwar schleunigst. Falls dir das allein schwerfällt, nutze die therapeutischen Hilfsangebote deiner Stadt. Aber gehe den Weg deiner – in diesem Falle – wohlwollenden und deshalb alarmierten Gefühle.

 

Die Angst (kommt) vor der Gefahr als Hinweis und Signal

Was wollen dir Angst und Panikattacken sagen?Wenn Angst auftritt, reagieren wir. Wie die Reaktion auch aussehen mag. Wir nehmen unsere körperlichen Empfindungen wahr. Und reagieren. Dummerweise eher mit Abwehr, indem wir uns tot stellen. Aber viele schafften es, einen Schritt zurückzugehen und sich die angstauslösende Situation näher anzuschauen. In den meisten Fällen erkannten sie, dass das, was sie ängstigte, eine viel legitimere und reale Gefahr (und somit Angst) mit sich bringen könnte.

Ein Bespiel: Mein Onkel (er verstarb 1990 im Alter von 29) half sich mit Alkohol über seine Ängste, nichts wert zu sein, hinweg. Er fühlte sich weder zugehörig noch geliebt. Mein mittlerweile verstorbener Großvater war damals häuslich gewalttätig und weit entfernt davon, ein guter Vater zu sein. Mein Onkel wurde als Reaktion auf diesen familiären, emotionalen Stress alkoholabhängig, schloss sich einer Gruppe “Gleichgesinnter” an, geriet oft in Prügeleien, aber steuerte mithilfe von Alkohol seine Selbstwertprobleme und Ängste (wenn auch fehlgerichtet). Wie es damals in der DDR so war, kam man schnell ins Gefängnis, wenn man sich abnorm verhielt. So auch mein Onkel. Interessant war, dass er jedes Mal, wenn er einsaß, keinen Impuls zum Trinken hatte. Er holte sogar im Gefängnis mehrere Teilfacharbeiter nach. Kurioserweise fühlte er sich im Gefängnis geschützt; dort brauchte er keine Angst zu haben. Seine Angst funkte weder “Vorsicht!” noch hatte sie Grund, sich über das Reaktionsmuster Alkoholismus auszudrücken. Kaum war er jedoch wieder draußen, in der Realität, kam seine Angst erneut hoch, weil er sich nicht sicher fühlte. (Verständlich für die, die sich mit der Stasi und ihren Auflagen bei antisozialem Verhalten auskennen. So wurden meiner Großmutter und Mutter verboten, Kontakt zu ihm zu haben. Er sollte noch weiter ausgegrenzt werden, sich noch weniger liebenswürdig fühlen, als Bestrafung für seine Reaktion auf die Tyrannei seines Vaters.)

Ein Beispiel aus dem Panikalltag: Wann immer ich in einen bestimmten Supermarkt ging, bekam ich Panikattacken. Ging ich aber in einen anderen, hatte ich keine. Ich merkte erst Jahre später, dass nicht meine Panik problematisch war, sondern DIESER Discounter. Nur dort wollten alle zuerst rankommen, nahmen sich wichtiger, drängelten vor, hatten keine Ruhe, keine Zeit und waren gestresst – von den Kunden bis zu den Einzelhandelsverkäufer*innen. Im anderen Supermarkt aber war es ruhig: Die Kunden schlendern entspannt durch die Gänge und die Menschen an der Kasse warten geduldig, bis die, die kassieren, fertig sind. Keiner muckt. Völlige Akzeptanz. Hätte ich nicht gewusst, dass ich mich am Verhalten der gestressten, sich benachteiligt fühlenden und hektischen Menschen innerlich anzupassen versuche – mit demselben Stress reagiere – hätte mir eine Verhaltenstherapie nur bedingt etwas gebracht. Denn was geändert werden musste, war die Wahl meines Supermarktes, die Menschen, denen ich begegne. Denn meine Panikattacken dort waren eine Schutzfunktion meiner Angst und sie funkte „Weg hier!“. Die Angst vieler Hochempathen reagiert so.

Ähnliche Beispiele kenne ich aus der Partnersuche (wenn ich keine Nähe von und zu jemandem ertragen konnte) oder von Begegnungen mit Menschen, bei denen ich sofort ein schlechtes Gefühl hatte. Mein Bauchgefühl ist zwar stark, aber manchmal, wenn ich etwas unbedingt will oder bequem werde, ignoriere ich meine Intuition unbewusst und unbemerkt. Höre ich nicht auf sie, kommt in 90 Prozent aller Fälle Angst in mir hoch, als würde sie meine Intuition unterstützen wollen und sagen: „Lass. Ich erledige das!“

 

Zusammengefasst:

Angst und Panikattacken sind Hilfeschreie deines Unterbewusstseins, mit etwas aufzuhörenIn meinen Augen ist das Gefühl Angst, das jedes Lebewesen kennt, um Einiges schützender im positiven Sinne, als wir uns bislang erlauben, anzuerkennen. Angst ist ein Zeichen, mit etwas aufzuhören, sei es Grübeln, Kontakt zu einem bestimmten Menschen oder der Kampf um Liebe. Ich nehme an, dass es stark mit der Gesellschaft und ihrer Prägung, vor nichts Angst haben zu dürfen, was nicht wahrhaftig physisch bedrohlich ist, zusammenhängt. Wir sind, und sollen darauf trainiert sein, vor nichts und niemanden Angst haben zu müssen, was nicht unseren körperlichen Tod herbeiführen könnte. Aber eine Gesellschaft mit leistungsorientierten Maßstäben gab der westlichen Psychologie diese Standards, nicht etwa das Individuum. Betrachtet man den Tod an sich, so existiert er auch mental, herzlich und seelisch, nicht nur auf medizinischer Ebene, sondern auf spiritueller – oder für die, die allein vom Wort Spiritualität abgeschreckt sind (weil unsere Kultur ihre volle Arbeit geleistet hat), holistisch.

Ganzheitlich betrachtet ist es auch ein Tod, sich mit falschen Menschen in einem sozialen Umfeld auseinandersetzen zu müssen (oder zu wollen) oder in lieblosen Partnerschaften zu bleiben oder dem Chef den Arsch zu küssen. Jeder noch so kleine Verrat an uns selbst (meint: Körper – Geist – Herz -Seele) lässt etwas in uns sterben, im Mindesten aber unsere Authentizität, unsere Wahrheit. Sind wir aufgrund von Umständen nun aber dazu gezwungen, den Chef geil finden zu müssen oder Unternehmensziele zu befürworten oder dem Partner/der Partnerin das Gefühl zu geben, man wäre fein mit den Bedingungen, Idealen, Werten und Grenzverletzungen, löst das völlig berechtigt Angst aus. Dennoch definiert die Psychologie es als „gestört“, wenn der Körper/Geist mit Angst- oder Panikattacken reagiert. Aber viele sind so konditioniert (ich bin eines der besten Beispiele), dass sie keine feinen Sensoren mehr für Stresszustände oder Fremdsteuerung besitzen. In meinem Kopf ist es logisch, dass der Körper mit einer ausgefeilten, treffsicheren Variante daherkommt. Wer die kleinen Signale schon überhört hat (oder musste/wollte), der braucht vielleicht einen lauteren Knall.

Doch dieser unüberhörbare Knall deute im Denken der Menschen dennoch ein krankheits- und behandlungswürdiges Muster an, etwas, das uns vom definierten Normalen der Kultur unterscheidet und ausgrenzt. Aber dass eben Angst ein Weckruf der Aus- bzw. Abgrenzung ist und sagen will: „Weg da!“, verkennen wir selbst in den kleinsten Momenten. Angst ermahnt zur Vorsicht, weil wir es mit Schmerz, Belastung, vielleicht sogar Tod in Verbindung bringen. Das verbindende Element ist Angst. Das auslösende Momentum aber ein ganz anderes. Das muss kuriert werden. Und weil wir nicht trainiert sind im Umgang mit schweren, belastenden und schmerzhaften Gefühlen – sie seitens der Gesellschaft immer so schnell “therapiert” werden sollen, damit wir wieder funktionieren, glauben viele, dass etwas mit ihnen nicht stimme, wenn sie Panikattacken haben. Das liegt nur daran, dass wir mit unseren Gefühlen nach den eingeflößten, blind geglaubten Standards anderer versuchen zu leben und unser Versagen dabei „falsch“, „abnormal“, „klein“ oder „kindisch“ betitelt wird. Es gibt viele kulturell und gesellschaftlich definierte SOLL-Werte, die wir bewusst nicht mehr wahrnehmen, aber unserem Körper-Geist-Herz-Seele-System durchaus ein Dorn im Auge sind.

Wenn wir uns nur mit Menschen zusammentun, denen wir nicht ausreichen, die uns stets zu ihren Zielen drängen wollen, während sie unsere ignorieren (und wir dieses einseitige Verhalten nicht mit Rückzug bekämpfen, sondern befürworten und nachahmen), ist es doch logisch, dass der Geist irgendwann mindestens mit Angst reagiert. Es wäre ja an seiner Funktion vorbei, wenn er es nicht täte. Dennoch seien nach gesellschaftlichen Standards die Reagierenden das Problem und ihr Verhalten müsse nur umstrukturiert, umprogrammiert oder wieder auf Trab gebracht werden.

Mit jedem Menschen, der nicht mehr Teil meines Lebens sein wollte, wenn ich gerade wieder eine Panikepisode hatte, wurde mein Leben leichter. Klar waren der Verlust und die anfängliche Irritation schwer für mich. Aber ihre Abwesenheit bereinigte viel Unauthentisches in meinem Leben.

 

Angst-Riecher: Man muss den Mist riechen wollen, um ihn erkennen und beseitigen zu können

was macht dir wirklich Angst?Menschen sind meisterhaft darin, sich die noch so übelsten Situationen und Umstände schönzureden. Augenwischerei von früh bis spät ist die Agenda vieler. Es lebt sich sicher leichter, getreu dem Bibelvers: “Denn bei viel Weisheit ist viel Unmut, und häuft einer Erkenntnis, so häuft er Schmerz.”, das Äquivalent für “Ignoranz ist ein Segen.” Hauptsache ist und bleibt, dass X in unserem Kopf doch so wunderbar funktionieren könnte. Wenn wir nur daran glauben, wenn wir uns nur noch mehr bemühen. Deshalb gibt es Angst nicht nur als Signal, sondern auch als Hinweis auf: “Hier liegt das Problem.” Um nichts in deinem Leben zu bedrohen, keinen Verlust zu erleiden, steht Angst für dich auf und ein. Deshalb reagieren Menschen zum Beispiel mit Panik, wenn

  • ihnen jemand droht (Achtung: Gefahr!) und frieren im Totstell-Modus ein (Konditionierung: Jetzt tu nichts. Bloß nicht auffallen. Verhalte dich still.)
  • beginnen durch stille Wut (unausgefochtener Kampf) und Panik (Energie für den Kampf, die sich entladen will, denn wenigstens im Kopf muss gekämpft werden) auf z. B. Ungerechtigkeit oder eingeschränkte persönliche Freiheiten (Auslöser, für den sie keinen Umgang gelernt haben)
  • nehmen den Kampf auf (auch reine Angstenergie), um Verluste wichtiger Werte zu vermeiden oder
  • wollen fliehen, wieder zurück (durch Panikattacken), wenn sie z. B. jemanden vermeintlich zurücklassen, im Stich lassen (womit sie Schmerz desjenigen verbinden: häufig zu sehen bei ambitionierten Müttern) und opfern sich oder
  • wollen nur noch “raus” aus einer Situation oder sozialen Gruppe, wenn deren Reize Überhand nehmen, weil sie sie nicht verarbeiten können (öffentliche Verkehrsmittel, enge Räume, laute Umgebungen, die keine Rückzugsorte darstellen)

Es sind Reaktionsmuster (Totstellen, Flucht, Kampf) auf etwas, das wir fürchten oder aber im Umgang noch nicht gelernt haben. Wie dir vielleicht auffällt, dominieren Flucht und Totstellen. Kampf ist eher selten bei Angst/Panik-Symptomatiken, da es Teil des Problems ist, dass sie für sich behalten wird, statt ausgesprochen, wahrgenommen, ausagiert (also das, was du wirklich willst) und akzeptiert.

Doch bei manchen ist die Situation so verworren, dass sie nicht wissen, woher die Angst/Panik rührt. Falls du dazugehörst und keinen Anhaltspunkt besitzt, welcher Lebensbereich dich belastet – Liebe/Partnerschaft, Familie, Beruf, Freundeskreis – möchte ich dir einen kleinen Trick aus meiner damaligen Zeit verraten.

Welcher Lebensbereich belastet dich wirklich? Finde es heraus >>

 

Introversion: Sind introvertierte Menschen unsozial? Nein. Nur introvertiert.

Introversion: Sind introvertierte Menschen unsozial? Nein. Nur introvertiert.

 

Ich liebe Zeiten des Alleinseins. Am Wochenende mal nicht unterwegs zu sein, sondern mit einem guten Buch oder Film die Zeit zu verbringen. Ausspannen, entspannen, Frieden und Verbindung zu mir selbst spüren. Ist das unsozial? Nein. Nur introvertiert. Mich kümmert die Umwelt und ich liebe es, allein in der Natur zu sein, allein am Meer zu sitzen, allein spazieren zu gehen, am liebsten dort, wo niemand sonst ist. Um mit mir zusammen zu sein. Ich will dort keine Gesprächspartner. Bin ich deshalb ein Menschenhasser? Nein. Nur introvertiert. So ist das eben mit Introversion.

Ich habe mit Menschen nur ein Problem, wenn sie unnötig laut sind und mir im wahrsten Sinne des Wortes auf die Nerven gehen. Am liebsten sind mir leise Menschen. Deshalb lege ich mich auch nicht in überfüllte Berliner Parks, wo niemand so recht seinen Platz hat, wo man kaum mehr sein eigenes Wort versteht oder sich nicht ausruhen kann. Deshalb kann ich Flüge nicht leiden, weil meistens kreischende Personen mitfliegen. Ich brauche manchmal einfach Stille. Menschen, die unnötig laut sind, unnötig Aufmerksamkeit wollen oder sich um die Bedürfnisse anderer nicht so kümmern, sind in meinen Augen rücksichtslos. Unnormal? Nein. Nur introvertiert.

Ein Plädoyer für die Introversion, bestückt mit meinen Erfahrungen und Erkenntnissen. Vielleicht helfen sie auch dir!?

 

Introvertierte Menschen sind zwar anders, aber keineswegs schlechter als extravertierte

Introvertierte Menschen sind zwar anders, aber keineswegs schlechter als extravertierteViele extravertierte Menschen rollen über introvertierte Menschen die Augen. Nicht nur im Beruf, auch bei der Partnersuche, scheiden sich hier zumeist die Geister. Mittlerweile hat sich zwar der Begriff „ambivertiert“, also die Mischung aus beiden, etabliert. Aber das hat leider wenig an den Vorurteilen und Bewertungen geändert. Witzigerweise kommen die immer nur von den extravertierten Menschen.

  • „Sei nicht so sensibel.“
  • „Geh doch mal mehr unter Menschen.“
  • „Geh mehr raus.“
  • „Sei nicht so unsozial.“
  • Sei nicht dies, sei nicht jenes.

Ich habe mir in den letzten Monaten schon fast angewöhnt, zu ihnen zu sagen: „Sei nicht ständig unter Menschen.“ „Lerne doch mal, allein zu sein.“ „Schenke dir doch mal selbst die Aufmerksamkeit, die du dir wünschst.“ Aber ich werde komisch beäugt. Sie glauben noch immer, dass ich das gesellschaftliche Problem sei.

„Ich finde, dass meine Art richtig ist und du bist falsch, wenn du nicht so bist. Also ändere dich“, schreien sie innerlich.

Was sie aber nicht verstehen, ist, dass sich introvertierte Menschen nicht nur nicht ändern können. Ihre Gehirne sind anders strukturiert. Sie wollen sich auch in den meisten Fällen gar nicht anpassen. Sie sehen keinen Sinn darin.

Ich aus meiner Warte kann sagen, dass es schon einige Dinge gibt, die ich gern wollen würde, wenn ich sie nur könnte. Ich habe es einige Male ausprobiert, aber bin stets gescheitert. Ich würde gern mal auf ein Konzert in der Waldbühne, wo Tausende Menschen hineinpassen und mich null um die Energie anderer scheren, einfach weil ich sie gar nicht bemerke. Ich würde gern in der Oper ohne Ohropax sitzen, weil es mir nicht zu laut wäre, sondern je lauter, desto besser. Ich wäre gern völlig entspannt damit, wenn mein Nachbar hustet, 200 Flugzeuge am Tag über meinen Kopf hinwegrauschen, draußen die Anwohner grölen und in den Öffis eine Art Privattreffen stattfindet – immerhin weiß ich über einige Fahrgäste nach der Fahrt mehr als über meinen Nachbarn. Ich hätte am liebsten keine Probleme damit. Habe ich aber. Manchmal kann ich mich zwar ablenken und nicht hinhören, aber nur wenn ich gerade im Flow mit mir bin.

 

Introvertierte Sensitivität und Sensibilität

Leben mit extrovertierten und introvertierten Partnern

Die Angst vor Lautstärke (die übrigens, Achtung!, bei ALLEN Menschen angeboren ist), scheint bei introvertierten Menschen stärker ausgeprägt zu sein. Nicht zuletzt weisen sie eine erhöhte Sensitivität auf, was wir spätestens seit Elaine Arons Entdeckungen im Bereich der Hochsensibilität wissen und wissenschaftlich bewiesen anerkennen durften. Unsere Sinne sind schärfer. Das ist eine Wahnsinnssache, wenn man beruflich sinnlich (visuell, auditiv, haptisch, gustatorisch, olfaktorisch) unterwegs ist. Höhen und Frequenzen in der Musik nehmen wir ganz anders wahr. Wir können Tiefgänge in so manchem auch viel tiefer und intensiver wahrnehmen, wo sich andere nur wundern. Deshalb sind Großraumbüros oder ständig klingelnde oder piepsende Handys, Pings der E-Mailprogramme, grelles Licht, abartige Gerüche, die bestimmte Konsistenz eines Nahrungsmittels oder kratzende, zwickende und enge Kleidungsstücke nichts unseres.

Auch in der Sparte der psychischen und emotionalen Sensibilität haben wir andere Vorstellungen als extravierte. Als King Kong im gleichnamigen Film auf dem Empire State Building minutenlang von Flugzeugen beschossen wurde, habe ich zwei Taschentuchpackungen verheult. Wenn ich wütend bin, ist man lieber woanders. Wenn ich brülle, steht die Uhr nicht auf 5 vor 12, sondern auf halb 1. Wenn ich einmal Nein sage, heißt das klar Nein, nicht Vielleicht, nicht „Versuche mich noch weiter zu überzeugen. Ja, bitte! Geh mir auf den Keks!“ Essen, Parfums und Temperaturen können bei mir Wunder bewirken oder eines nötig machen. Freunde sind Familie. Stundenlange, gute Gespräche können Wochen voller Stress wegzaubern. Eine Umarmung oder ein „Wie geht es dir?“ hat eine Bedeutung. Und Sex ist weit mehr als „nur Sex“.

Nicht selten dachte ich, dass Introvertierte per se „komplex“ seien, auch wenn sie wenig oder weniger von sich preisgeben. Sie brauchen einfach ihre Zeit, um Vertrauen zu schöpfen und sich bei jemandem zurücklehnen zu können.

 

Introversion: Sinne und Emotionen in Verbundenheit

Wir haben zudem eine außergewöhnliche Neigung dazu, unsere Sinne mit den Emotionen in Einklang zu einer wahren Pracht zu bringen: Wir fühlen Farben, riechen Angst (oft modrig, schlammig), sehen anderen ihre geheimen Gedanken an der Nasenspitze an und wissen, wie die Jahreszeiten schmecken. In Gesprächen mit Konfliktnatur nehmen wir alles wahr und saugen es auf, speichern es ab und können es später mit unseren Gefühlen und Emotionen erneut in uns aufrufen, wie ein Buch, das wir wieder an einer bestimmten Seite aufschlagen.

Wir fallen oft erst zwei bis drei Tage später aus allen Wolken, weil unser Gehirn erst dann alles verarbeitet hat, bis hin zu kleinsten Notlügen und versteckten Gemeinheiten. Wir brauchen aber nicht aus Unfähigkeit länger; wir haben mehr Informationen aufgenommen und hatten deshalb mehr zu verarbeiten. Ausgeblendet wird bei uns gar nichts. Eine wunderbare Sache, wenn man sich in Gefilden befindet, die von Informationsverarbeitung, -aufarbeitung, Mustererkennung und -verbindung befindet. Wir sind eben die für das große Ganze, während extravertierte meist nur einen Teil bearbeiten. Wir sind – in den meisten Fällen – auch empathisch, wenn nicht sogar hochempathisch, was extravertierte Menschen selten sind. Wir stehen für Gegenseitigkeit, Ehrlichkeit, Freiraum, Individualität.

 

Das nicht so Schöne an der Introversion

Introvertierte Menschen sind oft hochsensibel und empathischAber natürlich gibt es auch Seiten, die wir deshalb weniger draufhaben: Unsere Ideen sind weniger schnell aufrufbar. In Brainstormings brillieren wir entweder nicht schnell genug, gar nicht oder aber sind total genervt, weil wir schon wissen, was zu tun wäre. Weil wir in manchen Dingen unser eigenes Tempo haben, können wir uns in Liebesdingen schnell überrannt fühlen. Extravertierte lassen sich schneller auf jemand Neues ein, wo wir noch darüber nachdenken, wie derjenige wohl diesen einen Satz gemeint haben könnte.

Wir stehen ungern im Mittelpunkt, was bei einigen bis hin zu Prüfungsangst, Redeangst oder Auftrittsangst geht. Wir sind kritischer in Hinblick auf unsere Leistungen, was uns zwar zu wandelnden SWOT-Analytikern (Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analysen) macht. Aber wir vertrauen uns oftmals nicht genug. Wir brauchen deshalb auch etwas länger, bis wir zu einer Entscheidung kommen. Besonders im emotionalen Bereich kann oftmals wie Misstrauen oder gar Misanthropie aussehen. In Wahrheit aber grooven unsere Gehirne noch, sind noch nicht fertig mit der Bearbeitung der Situation oder Herausforderung. An überfüllten oder lauten Plätzen findet man uns eher selten. Wir können mitunter Oberflächlichkeit ertragen – kurz. Aber am liebsten sind uns tiefsinnige, weil interessante Gespräche. Gute Small talker sind wir deshalb auch nicht von Beginn an.

Einige dieser Herausforderungen lassen sich antrainieren. Ich habe es ausprobiert. Andere wiederum – schon erwähnt – lassen sich nur ertragen lernen. Das funktioniert am besten, je weniger gestresst man ist. Außenumstände können besonders lästig werden, wenn Introvertierte in ihre Gedanken versunken sind, zum Beispiel arbeiten, schreiben, kreativ sind, sich bewusst entspannen wollen, ihren Gedanken freien Lauf lassen wollen. Jede Unterbrechung kann schnell an die Grenze zum Genervtsein schlagen. Mit Melancholie hat nichts zu tun. Wir empfinden eben alle Gefühle und Emotionen tief und schwimmen da auch gern einmal drin.

Mir fiel in meiner bisherigen Arbeit mit Menschen auf, dass gestresste Introvertierte noch sensitiver und sensibler reagieren auf ihnen leidige Umstände, wenn sie allgemein gerade gestresst waren oder bislang noch keine Möglichkeit hatten, sich wieder herunterzufahren.

Auf Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Treffen zum Beispiel brauchen sie bewusste Zwischendrin-Pausen, bevor sie sich wieder ins Getümmel werfen. Auch mit der neurologisch sinnvollen Frequenz von 90min je Arbeitseinheit, gefolgt von einer Minipause, kommen sie oft nur schwer zurecht. Je nach individueller Konstitution brauchen sie alle 30 oder 45, spätestens aber 60 Minuten eine Pause von mindestens 10-20 Minuten.

Eine noch leidigere Sache bei der Introversion ist, dass introvertierte Menschen es nicht so sehr mögen, zu warten. Sie sind es aufgrund ihres Lebensstils gewohnt, dass sie sich so wenig wie möglich externen Umständen und Menschen anpassen müssen. Bekommen sie also nicht wie üblich schnell Zugriff auf etwas, können sie leichter nervös und gestresst werden. Wenn es zum Beispiel alles, was ich zum Leben brauche, auch in den Berliner Spätis zum selben Preis gäbe, würde man mich nie wieder in einem Riesensupermarkt sehen. Aber zwischen Introvertierten gibt es auch „Niveaustufen“, also Ebenen der Intensität, wie ich erfahren durfte. Einige sehen Umstände, die ich so gar nicht abkam, entspannter als ich, während andere noch viel kritischer sind. In eine einzige Schublade passen wir also nicht.

 

Was Introvertierte noch wissen dürfen

Ich mag etwas extrem sein, wenn es um Anpassung geht. Dennoch habe ich für mich seit langer Zeit einen beiderseits guten Weg gefunden. Wenn zwei sich in ihrer -iertheit unterscheiden und partout keine Kompromisse finden, schadet es der Seele desjenigen, der sich „deshalb“ freiwillig ändert oder anpasst. Lieber Alles Gute wünschen und sich so sein lassen, wie man ist. Auch wenn es bedeutet, dass derjenige dann nicht Teil des Lebens ist oder du Teil seines Lebens, so ist es auf lange Sicht gesünder und wohltuender, weil vorprogrammierte Konflikte gar nicht erst entstehen konnten.

Auf der anderen Seite können Introvertierte einiges von Extravertierten lernen (umgekehrt auch). Begib dich deshalb lieber nicht so schnell in dieselbe Vorurteils- und Bewertungsschublade wie andere. Sondern beobachte, was dir am extravertierten Lebensstil zugute käme. Studiere die Menschen, die mit Bravur und Leichtigkeit etwas können, was du beneidest oder bräuchtest. Schau, ob dein Körper, Geist und deine Seele das willkommen heißt oder ob es sich, wie bei mir und der Lautstärke, um eine Duldungssache handelt. Frage bewusst deine extravertierten Freunde oder Familienmitgliedern, wie sie es machen. Gehe ihn auf den Nerv, bis sie es ausspucken. Oft machen sie es so intuitiv und unbewusst, dass sie nur schwer sagen können, wie sie es tun. Aber wenn man ihnen erklärt, wieso man das wissen möchte oder gar muss, dann öffnen sich viele schnell und gehen in sich.

Beide Seiten bewusst anzugleichen, macht einen zwar noch lange nicht ambivertiert. Denn das hieße in meinen Augen, dass beide inneren Tendenzen eigens als Impulse in dir auftauchen. Aber es ermöglicht auf jeden Fall eine Entwicklung deiner Persönlichkeit und deiner Kompetenzen im beruflichen und/oder sozialen Kontakt. Es bewusst auszubalancieren, bedeutet ja nicht zwingend, dass wir etwas vom Überwiegenden wegnehmen, sondern nur, dass man es ergänzt.

 

Wie man sich selbst als Introvertierter sieht, ist entscheidend

Gott weiß: Ich habe lange Jahre mit meiner Natur gekämpft und meine Introversion nicht selten zum Teufel jagen wollen. Ich wollte alles können, was andere konnten – der Anpassung wegen und um nicht aufzufallen, um alles das zu bekommen, was andere hatten, um immer Teil sein zu können statt allein. Aber ich merkte schnell, dass meine Introversion ihre Vorteile hatte, dass Exklusion und Alleinsein Gutes innehatte. Allein im Erleben und Erfahren des Lebens, innerer Weisheit, Achtsamkeit (wir können das eher) und menschlicher Gefühle, bergen einzelne, wenige Anker so viel Kraft, dass sie dich nähren und über einiges hinwegtragen können.

Nur wenn es sich um Angst, Scham und Schuld handelte, habe ich Schwierigkeiten, mich dort hineinfallen zu lassen. Aber zum Glück durfte ich lernen, dass auch Extravertierte ihre Probleme damit haben. Manchmal sogar mehr als die, die die Weiten ihres Bewusstseins nicht scheuen, sondern lieben. Wenn man sie denn lieben gelernt hat: Eine unbedingte Empfehlung für alle Introvertierten.

Leise Grüße,
Janett Menzel

 

12 Signale: Diesen Typ Mann nimmt Frau besser nicht

12 Signale: Diesen Typ Mann nimmt Frau besser nicht

 

Ich erlebe seit Beginn meiner Singlezeit Männer, und mit ihnen verbunden Geschichten, die mir die Haare zu Berge stehen lassen. Ich meine nicht nur Kleinigkeiten, über die man hinwegsehen darf, die natürlich sind und menschlich, die man bald schon lieben oder ignorieren lernt. Ich meine Männer, die es ganz offensichtlich sehr gut mit sich meinen und sehr schlecht mit Frauen. Unehrliche, verletzte, manipulative und sogar kindische Männer, von denen dir selbst dein bester männlicher Freund dringend abraten würde. Männer, die sich für undurchschaubar halten.

Da ich den weltbesten Meister hatte: Hier meine gesammelten 12 Red Flags bei MännernWarnzeichen und Signale, bei denen du lieber das Weite suchen solltest – von ungesund narzisstischen bis hin zu höchst beziehungsunfähigen Männern – einmal schön aus teils küchenpsychologischer und teils ernstzunehmender Sicht betrachtet. Denn solche Erfahrungen nimmt man am besten mit einer Menge Humor.

(Und ja. Ähnliche Red Flags gibt es auch bei Frauen.)

 

10 Signale, das Weite zu suchen: Von diesem Typ Mann lässt du lieber die Finger

Erste rote Flagge: Er sagt dir, was du tun sollst

männer von denen du die finger lässt wenn du nicht verletzt werden möchtest vorschriften machenTrink diesen Wein und mach das so, lass das lieber bleiben, denn das ist wirklich nicht schön oder klug. Mit einem falschen Lächeln zum passenden Augenaufschlag und einer besonders ernstzunehmenden, erwachsenen Stimme lässt dieser Typ Mann den Vater heraushängen, während er dir erste Übergriffe zeigt. Ein bitterer Vorgeschmack auf das, was kommen wird: Im besten Fall wird es eine kurze, aber stürmische Liaison, im schlimmsten Fall eine emotional unterdrückende Beziehung, in der die Dinge so zu laufen haben, wie es ihm sein Weltbild diktiert. Sagst du Nein, gehst du lieber gleich mit deinen Freundinnen was trinken. Denn er wird schmollen und dich mit Schweigen strafen, bis du seiner Meinung bist. Oder er wird so sehr diskutieren, dass sogar wir Frauen vor Neid erblassen würden. (Daran sieht man aber sehr schön, wie schwer es Männer mitunter haben, wenn wir Frauen sie um Kopf und Kragen diskutieren.)

 

Zweite rote Flagge: Schöne Worte sind nicht wahr, wahre Worte sind nicht schön

Lügner sind ohnehin schwer zu ertragen. Aber notorische Lügner, die sich das Leben oder ihren Eigensinn freihalten wollen und das durch Lügen versuchen, hat niemand verdient. Einmal so richtig eingegroovt, sind Lügner kaum mehr aufzuhalten, weil sie diese Verhaltensweise mit der Zeit ausbauen und perfektionieren. Sie verheimlichen eine ihrer Seiten mit dem bewussten Ziel, den Anderen im Dunkeln zu lassen und ihn auszuschließen, statt offen und ehrlich zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen – und ggf. die Konsequenzen zu tragen. Aber dieser Typ hat wirkliche Angst vor Trennung und dem Gefühl der Wertlosigkeit. Isolation, Ablehnung, Verlassenwerden und Einsamkeit als Strafe zeigen ihm deutlich, wieso er einst beschloss, zu lügen. Seine Lebensweise und er selbst können in seinen Augen nicht liebenswert sein. Das hat ihm auch die Vergangenheit gezeigt. Meistens stimmt das sogar, besonders wenn es sich um häufige Untreue oder mehrere Beziehungen gleichzeitig handelt. Ein Teufelskreis, den man als Frau, auch wenn man schwer verliebt ist, ohne seine Hilfe und sein Wollen nicht gebrochen bekommt. Lieber weitergehen.

 

Dritte rote Flagge: Er beschließt, dass und wann du mit ihm schläfst

narzisstische männer selbstverliebt und verletzend emotional brutalMeine besten Geschichten, mit denen ich ein ganzes Buch füllen könnte, fallen in diesen Sektor: Besonders beliebt bei diesem Typ Mann sind Clubs, Tanzbars und Singlebörsen, wo die Auswahl an Frauen besonders hoch ist. So kann er leicht weitergehen, wenn es ihm nicht passt oder er dir nicht. Wahrscheinlich hast du ihn dort auch kennengelernt. Motto: Ist es abends und redet sie länger als 60 Minuten mit mir, stehen die Chancen gut, dass ich nach spätestens einer weiteren Stunde in ihrem Bett liege. Wenn es richtig dumm läuft, für fünf Minuten. Sie beschließen gern, dass sie mit zu dir gehen. Wann und dass du mit ihnen zu schlafen hast, obliegt ihnen, besonders morgens, wenn sie aufgewacht sind und dich mit einer Matratze verwechseln, ganz ohne “Guten Morgen!” und einen Kuss in den Nacken. Mein absoluter Favorit unter all meinen Erfahrungen: “Janett, du zerstörst den ganzen Moment. Das kannst du doch jetzt nicht machen.” Ich konnte, drehte mich um und ging. Zwei Tage später meldete er sich bei mir und sagte, ich hätte lange genug Zeit gehabt, um darüber nachzudenken.

Und weiter geht’s…

 

Vierte rote Flagge: Er darf Spaß haben, du nicht

Männer, die sich das Recht herausnehmen, ein erfülltes Leben mit Freunden und schönen Abenden, viel Spaß und Lachen, Reisen und Abenteuern oder extrem viel Sport zu haben, erlauben es mitunter ihrer Partnerin nicht. Sie mögen nur ihre eigenen Freiräume. Ihnen gefällt der Gedanke, dass du Zuhause gelangweilt auf dem Sofa sitzt, dich vor Sehnsucht zermürbst und auf eine Nachricht wartest. Sie mögen ihre Frauen am liebsten hörig und versuchen das durch viel Distanz zu erreichen – in der Hoffnung, dass sie dich aufgrund ihres Rarmachens so richtig traurig und willig gemacht haben. Kommt er dann wieder an, wird Frau so froh darüber sein, dass sie ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen wird und alles verzeiht. Ansprüche zu stellen gefällt diesem Mann nur gut, wenn sie von ihm selbst kommen. “Gezicke” gibt ihm aber das Gefühl, dass du ihn einschränken möchtest. Es ist für ihn ein Zeichen, dass etwas mit dir nicht stimmt, nicht etwa mit ihm und seinem einseitigen, unverbindlichen Verhalten.

 

Fünfte rote Flagge: Er will alles von dir wissen

Geschichte die du dir erzählst geschichte ändern schicksal abwenden“Den Namen deiner ersten Freundin, mit der du in den Urlaub fährst, kenne ich ja, aber wie heißt die 2. Freundin?” fragte mich einst jemand, mit dem ich mich zweimal getroffen hatte. Hätte ich gewusst, dass ich ihn kennenlernen würde, hätte ich trotzdem meinen Jahresurlaub gebucht. Aber ihm schmeckte es nicht, dass er in Spanien keine Kontrolle über mich haben würde und so stellte er mir auf Facebook nach. Entweder Vertrauen ist da oder nicht. Jemand, der dir von vornherein misstraut, weil er in etwas völlig Menschliches böse Absichten und gezielten Hinterhalt unterstellt und Beweise einfordert, um dir vertrauen zu können, ist offensichtlich verletzt. Da stimmt etwas gewaltig nicht: vielleicht aus einer unverarbeiteten Beziehung, vielleicht etwas Charakterliches. Doch dieser Typ Mann wird sich immer rückversichern wollen und dir kaum Luft zum Atmen lassen. So einen Tick Urvertrauen muss schon vorhanden sein, wenn man sich verlieben möchte und zurückgeliebt werden will. Immerhin soll die Beziehung ja angenehm für beide Seiten werden.

 

Sechste rote Flagge: Du bist für sein Glück verantwortlich

Ist er unglücklich, musst du es beheben. Höchstwahrscheinlich gibt er dir sogar die Schuld daran oder du bist im Mindesten dafür verantwortlich, dass du seine Laune besserst. Ist das nicht erreicht, dreht die Welt sich nicht weiter. Dann sind auch Termine oder Verabredungen, die du hast, unwichtig. Er schafft es, sich wie ein kleines Kind aufzuführen, der ganz dringend von einer Ersatzmutter getüdelt werden möchte. Dass jeder einmal schwach ist oder einen miesen Tag hat, sich nur eine warme Umarmung oder ein wenig Zärtlichkeit, Zeit, ein offenes Ohr und eine Schulter zum Anlehnen wünscht, ist normal. Aber dieser Typ Mann holt seine schlechte Laune oder schwierige Themen just dann heraus, wenn du dich von ihm entfernst: weil du verabredest bist, arbeiten musst oder einfach nur mal deine Ruhe haben willst. In seinen Tiefen ist er meist einsam und wünscht sich jemanden, dringend, der für ihn da ist, wenn es sonst niemand ist. Er fühlt sich oft wenig liebenswürdig, weswegen er heftige Probleme in sein Leben zieht. Diese wiederum ermöglichen ihm, dass er sich um die Leere im Inneren weniger kümmern muss, aber dafür Mitleid und Aufmerksamkeit von dir bekommt. Dieser Mann ist ein wahres Sorgenkind und wird dich nach kurzer Zeit völlig einnehmen, dein Leben übernehmen, während du – Überraschung! – nicht schwach sein darfst. Versuch einmal dasselbe bei ihm, halte ihn vom Leben ab, gib ihm die Verantwortung für dein Glück und dreh den Spieß um: Du wirst sehen, was ich meine.

 

Siebte rote Flagge: Du bist sein Vorzeige-Spielzeug

Beziehungen was bei hochsensible empathen Bindungsangst auslöstBei ihm wirst du immer den richtigen Nagellack tragen und stets mit Negligee an der Tür stehen müssen. Es gibt diese Männer, denen Charakter und Individualität nicht in ihr Konzept einer Frau passt. Auch sie mögen ihre Frauen so, wie sie sie gern hätten – eben bitte ohne Ecken und Kanten. Idealerweise lässt du ihnen alles durchgehen, was sie versaubeuteln. Es zählt allein, dass du an ihrer Seite glänzt und sie durch deinen Glanz schöner und beneidenswerter machst. Sie bügeln ihr Image und ihren Selbstwert mit dir auf. Oft sind sie sehr eitel und gebildet oder bilden sich viel auf ihre offensichtlichen oder weniger offensichtlichen Erfolge ein. In jedem Fall brauchen sie etwas, was sie aufwertet: dich. Und das war es auch schon mit der Motivation. Sonntagnachmittage in Schlabberpulli und mit fettigen Haaren sieht er eher ungern.

 

Achte rote Flagge: Er entscheidet, wie die Beziehung aussieht und ob ihr eine führt

“Ich habe dir von Anfang an gesagt, dass ich so bin und X nicht will!” ist ein sehr beliebter Spruch von ihnen. Sie kommen und gehen, wie sie wollen und halten das für natürlich und legitim. Sie geben dir weder einen Grund dafür noch erlauben sie dir die Nähe, ihn zu erfragen, damit du ihr Verhalten verstehen könntest. Sie antworten ewig nicht auf Nachrichten. Sie müssen vor allem stets lange nachdenken, bevor sie sich einlassen. Diesem Typ Mann, das muss man wissen, ist Liebe und Beziehung ohnehin ein Graus und Mysterium, kaum und schwer zu fassen und noch weniger kontrollierbar. In diesen Typ fallen die meisten Beziehungsängstlichen. Sie wollen zwar eine liebevolle Beziehung. Aber eine zu haben, lässt ihnen das Gefühl da, sie wären gefangen und eingezwängt. Tief in ihrem Inneren leiden sie wie Hund, außer sie schützen sich mit Verachtung und Missachtung. Beide sind jedoch nur da, um sich von den eigenen Ursachen ablenken zu können. Sie haben auch nichts mit dir zu tun. Sei dir dessen gewiss.

 

Neunte rote Flagge: Er will Teil deines Lebens sein, aber lässt dich nicht in seines

Eheberatung Paartherapie Therapeut Chancen Beziehung retten1Er will alle deine Freunde und am Wochenende am besten noch deine Eltern kennenlernen, wohnt nach drei Tagen schon fast bei dir und bestimmt deinen gesamten Tagesablauf. Anfangs freust du dich, endlich einen Mann kennengelernt zu haben, der keine Probleme mit Nähe hat. Bis du feststellst, dass sein Problem Distanz ist: Jede Entfernung macht ihn kirre. Ohne dich kann und will er nicht mehr sein. Hintergrund: Er glaubt, ohne eine Partnerin nichts zu sein. Bist du einmal nicht mit ihm zusammen und hast dich durchgesetzt, wird er dich das spüren lassen. Er wird dir auch weniger seine Freunde und Familie vorstellen. Es geht ihm eher darum, dass er jemanden findet, der ihn lässt. Derjenigen zu vertrauen und sie an sich und sein Leben heranzulassen, steht auf einem anderen Blatt Papier. Kein sehr guter Start in eine erfüllte Beziehung.

 

Zehnte rote Flagge: Er spricht zu schnell und zu oft von großer Liebe und lebenslangem Bund

“Du bist die Frau meines Lebens!” Er will und wird dich nie wieder gehen lassen. “Auf dich habe ich mein ganzes Leben gewartet!” Bis du so bist, wie du wirklich bist und nicht so, wie er dachte, dass du es wärst. Bis du Kritik übst, weil er doch versprochen hatte, einkaufen zu gehen, damit du es nach dem langen Meeting nicht mehr machen muss. Dann sieht die Welt plötzlich ganz anders aus. Dieser Typ Mann war einfach nur froh, jemanden gefunden zu haben, der passen könnte, der oberflächlich seine Bedingungen erfüllt. Er wird nicht viele kennenlernen, die ihm passend erscheinen. Deshalb trifft es ihn auch stark, wenn seine Illusionen zerbrechen und er feststellt, dass er sich getäuscht hat. Er wird dir seine Enttäuschung (über dich) auch offen zeigen. Er dachte doch immerhin, dass sich das Unpassende schon noch geben würde. Er würde das schon machen, dich so zum Drehen und Biegen bringen, dass es für ihn passt. Was dieser Typ Mann will, ist irgendwen, den er steuern kann, keinen Menschen aus Fleisch und Blut.

 

Elfte rote Flagge: Es ist nicht so schlimm, wenn du nicht in ihn verliebt bist

ständig müde erschöpfungssyndrom fatigue syndromHauptsache ist doch, dass du mit ihm zusammen bist. Das allein reicht ihm aus, um sich wohlzufühlen. Ein Mann, der eine Beziehung möchte, weil er sich ohne schlecht fühlt. Und wieder ein Typ, der nur irgendwen, der oberflächlich passt, sucht. Ein Mann, bei dem du Funktionen und Rollen übernehmen wirst/musst, statt du selbst sein zu dürfen: eine gute Mutter, eine, die nicht so emotional ist, eine, die keine Karriere machen will, die intelligent ist, aber genügsam, wenig fordert und viel gibt usw. Aber hörst du einmal auf, zu funktionieren, und hast deinen eigenen Kopf, wird auch diese Blase platzen und er ziemlich enttäuscht sein. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wenn du dann nicht mit erhobenem Haupt dastehst und zu dir und deinen Einstellungen, geht das Gespräch definitiv nach hinten los. Was ich an dem Typ Mann aber mochte, war, dass man mit ihm sprechen konnte, wenn es hart auf hart kam. In meinen Fällen nützte das zwar wenig, weil sie keine andere Meinung zuließen und wenig von Kompromissen hielten. Aber immerhin könnten ihn eine Vielzahl solcher Erfahrungen dazu bringen, in einer einsamen Minute länger darüber nachzudenken, wieso er immer dieselben Frauen als Partnerinnen in sein Leben zieht (und ziehen möchte).

 

Zwölfte rote Flagge: Seine sexuelle Befriedigung steht weit über deiner

Kurz und emotional schmerzhaft. Ich meine hier übrigens absichtliches Desinteresse an der sexuellen Befriedigung der Frau. Es gibt Männer, die wenig mit Frauen anfangen können, die Sex lieben und ihn gern haben, die verschmelzen, sich ausprobieren und sich und ihrem Partner spüren und erforschen wollen. Sie empfinden den Sex eher als kurzfristige Bedürfnisbefriedigung statt als Form der Verbundenheit oder tiefe Intimität, die Partnerschaften erfüllen und über viel Schweres hinwegtragen kann. Doch dieser Typ ist eher so: Wenn du den Sex genießen möchtest, auch etwas davon haben möchtest, Fantasien oder Vorlieben hast, wird ihm unheimlich, weil er dann für dich da sein muss. Das scheint unvereinbar für ihn zu sein, weil er eher das Objektive an Frauen sieht, statt euch als zwei Menschen, die sich mögen und sich deshalb körperlich und intim nahe sein wollen.

Wie gesagt, es gibt auch Frauentypen, die ich kennenlernen durfte, bei denen sich mir alle Haare sträubten. Jeder meiner männlichen Freunde hatte mal so eine Dame in seinem Leben, bei der wirklich alle rot sahen. Aber dazu im nächsten Blogpost.

Für diesen Moment wünsche ich dir viel aufrichtige Liebe,
Janett

Janett Menzel Angst Blog