Hast du dich auch schon einmal gefragt, wieso es dir immer noch so schlecht geht und es andere besser haben, obwohl sie sich so viel schlechter benehmen, als du? Wieso hinterhältige Kollegen geschätzter sind, während du die meiste Arbeit leistest? Wieso Menschen, die nur an sich denken, vermeintlich mehr vom Leben bekommen, als die, die an das Wohl der Gruppe denken und niemanden verletzen wollen? Oder wieso die eine Frau, nur weil sie besser aussieht, deinen Herzenspartner bekommt? Oder der eine Mann, der mehr Geld hat, die Frau deines Herzens gewinnt … während du übersehen wirst?

Gutmenschen fühlen sich nicht selten vom Leben benachteiligt. Sie werden schlecht behandelt und werden nicht selten ausgenutzt. Warum ist das eigentlich so und was man dagegen tun kann, jetzt im Blogpost.

 

Über “gute” und “schlechte” Menschen

wieso geht es mir so schlecht, wo ich doch ein guter mensch binMenschen, die sich bemühen, gut zu sein, wollen keine Fehler zu machen. Unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren und alle Menschen so, wie sie sind, zu respektieren, ist ihnen wichtig. Sie vermeiden Disharmonie und Verletzungen, sind dafür rücksichtsvoll und freundlich, fleißig und stellen selten ihre Ziele in den Vordergrund. Weder andere noch sich selbst zu verletzen, ist ein höheres Ziel. Sie haben vielleicht gelernt, dass sie anderen am meisten gefallen, wenn sie SO sind. Und oft gefallen sie sich nur dann, wenn sie anderen gefallen. Sie mögen Harmonie, erheben nur selten ihre Stimme oder hauen auf den Tisch. Menschen in ihrem Umfeld gewöhnen sich an ihr leichtes Gemüt, an ihr Verständnis, ihre Güte und Gnade. Vor allem gewöhnen sie sich daran, dass man sie überzeugen kann. Viele fühlen sich deshalb ausgenutzt oder wie ein Spielball für andere – und das, OBWOHL sie so gut sind. Sie beobachten auch, dass es “schlechten” oder “weniger guten” Menschen weniger schlecht geht als ihnen. Sie kommen vermeintlich weiter und besser voran, als sie. Kommt dir das bekannt vor?

Grundsätzlich gibt es weder “gute” noch “schlechte” Menschen. Was du oder ich als “gut” bzw. “schlecht” ansehen, hängt von deinen und meinen Lernerfahrungen ab, davon, wie wir die Welt kennengelernt haben und heute sehen. Was sich “gehört” und was nicht, kommt nicht einmal von uns, sondern hängt vom Bild des Menschen, der Frau, des Mannes, Partners, Partnerin usw. ab, das wir entwickelt haben. Wie man sich als Mensch definiert, wie die Rolle einer Frau oder eines Mannes aussieht, besteht aus Eigenschaften, die wir als dienlich empfanden, die für uns förderlich waren. “Aha! So läuft das also!”, hat man sich irgendwann gesagt. Hinter jeder Handlung steckt eine solche Kausalkette: Mache ich X, geschieht Y. Manche ich Y, geschieht Z. Jeder reiht sich da irgendwo ein oder tut wenigstens so. Dabei müssen diese Rollen nicht einmal zu dir passen. Es könnte sein, dass dir eine andere, dir unbekannte Weltanschauung eher stehen würde. Es kann sein, dass zu dir ein anderes Verständnis, wie ein Mensch/Mann/Partner/Vater/Kollege/Chef oder eine Frau/Partnerin/Mutter/Kollegin/Chefin zu sein hat, eher passen würde.

Diese früher gelernten Verhaltensmuster haben vor allem eine Ziel- und Schutzfunktion und ermöglichen es Menschen, dass sie sich auf eine bestimmte Art in die Welt einpassen können, um Teil zu sein, geschützt und sicher, in Harmonie usw. Es ist ein Weg von vielen, die du hättest gehen können. Aber es wird der hervorstechendste und von deinen Eltern/Geschwistern/Freunden/Lehrern “als richtig” verkaufte Weg sein, den du zuerst beschreitest. Vielleicht erkennst du ihn morgen schon als falsch und bist schon unter großem Erstaunen anderer in deiner Jugend ausgebrochen. “Ich erkenne dich nicht wieder!” hört man dann oft vom Umfeld.

 

“How To Be Good”

was soll ich machen, um gemocht zu werdenBei diesen ganzen Standards und Verhaltenskodizes vergessen wir oft eins: Es gibt kein Buch des Lebens mit Regeln, wie “man” sich zu verhalten hat, was GUT ist und was SCHLECHT. Es gilt zwar ein allgemeiner Verhaltenskodex in Lebensbereichen. Aber es ist ein wildes Gemisch aus Gedanken vergangener Epochen, wie ein Mensch zu sein hat. Überlegungen dazu waren schon vor der Antike im Gange. Sie änderten sich von Epoche zu Epoche.

So ist es den meisten Menschen wichtig, dass ihre Kinder eine gute Bildung erhalten oder dass ihr Partner treu ist. Haben die Kinder keine gute Bildung, wirft es ggf. einen Schatten auf die Eltern. Ist der Partner untreu, wird dies als unethisches, schlechtes Verhalten gedeutet. Auch wie wir gelernt haben, mit Angst umzugehen, entscheidet später darüber, ob wir das Gefühl abwehren oder zulassen, aussprechen oder verheimlichen. Sogar, ob wir anderen Angst erlauben oder verbieten – weil es so besser zu dem passt, was wir gelernt haben, entscheiden unsere Lernerfahrungen. Aber es bleiben eben unsere Maßstäbe und unsere Gedanken über das, was wir als “gut” bzw. “schlecht” empfinden.

Es sind Wertungen. Wertungen zeigen stets unsere Werte. Werte zu haben, bietet Menschen Halt und Ordnung. Wer klare, abgegrenzte Werte hat, wird diese verteidigen, indem er sich durchzusetzen weiß, von anderen trennt, wenn sie gefährdet sind oder bewusst nur Menschen mit gleichen/ähnlichen Werten in seinem Leben haben will. Werte spiegeln Grenzen wider und ebenso Begrenztheit. Was du glaubst zu können und was nicht, zu dürfen und was nicht, regeln deine Werte. Lernst du jemanden kennen, der sich in deinen Augen wie ein Vollidiot benimmt, dann geht sein Verhalten gegen deine Werte. Soll heißen: Er hat andere Werte, weil er anders aufwuchs und andere Wege lernte, zu bekommen, was er zu brauchen glaubt.

Jeder hat die Fähigkeit, seine Bewertungsmaßstäbe aufgrund seiner Werte infrage zu stellen. Solange wie wir sie nicht hinterfragen, sie allgemeingültig über jeden erheben und nicht als unsere Wahrnehmung/Lernerfahrung begreifen, werden wir zum Beispiel unter anderen Maßstäben leiden. Sind wir an diesem Punkt angelangt, folgt die Wertung: X ist ein schlechter Mensch. Ich bin anders (nicht schlecht). Ich bin gut. Als Gutmensch hat das oft eine Menge Frust und unausgesprochene Wut zur Folge. Aber auch Angstzustände und Panikattacken sind gängiger bei Menschen, die versuchen, “gut” zu sein und alles richtig zu machen.

 

Wie man zu einem “guten” bzw. “schlechten” Menschen wird

was wir für gut und für schlecht halten, wird in unserer kindheit und in der schule geprägtWir haben alle brav gelernt, dass wer “gut” ist und sich entsprechend gesellschaftlicher Standards verhält, für diese mentale, psychische oder körperliche Leistung etwas erhält, zum Beispiel Zuwendung/Liebe, Aufmerksamkeit, Geld, Erfolg/Karriere, Anerkennung, Akzeptanz usw. Ich benutze absichtlich das Wort “Leistung”. In unserem Kopf tarnen wir – um diesen Standards gerecht zu werden – unser wahres Selbst und verbergen, was wir wirklich denken, fühlen und tun wollen. Das erlernen wir schon in der Kinderstube. Für ein Kind wird es logisch, dass, wenn es macht, was Mama oder Papa sagen, es sich ihre Liebe garantiert. So bleibt es sicher und bekommt den Halt, den es braucht, um zu überleben. Aber jedes Kind versucht hin und wieder, aus diesem Regelwerk auszubrechen.

Alle Kinder beginnen irgendwann, ihre Eltern zu manipulieren, um doch noch zu bekommen, was sie haben wollen. Entweder sie gucken lieb mit Augenaufschlag, weil sie Papas Liebling sind. Oder sie helfen besonders viel im Haushalt, unterstützen und leisten, um so belohnt zu werden – und Mamas kleines Mädchen bleiben. Als Kind lernen wir auch, was wir tun müssen, um unsere Eltern dazu zu bekommen, dass sie uns lieben, z. B. nicht stören, still sein, immer glücklich tun, sehr gute Leistungen erbringen, “groß” sein, stets helfen oder Geschwister/Eltern wichtiger nehmen. Es sind so simple Lernerfahrungen wie diese: Papa ist stolz, wenn sein Spross in einer Sportart brilliert. Mama geht es besser (und hat mehr Zeit), wenn die Tochter hilft. Mama und Papa streiten sich weniger, wenn Papa weniger arbeitet. Wenn genug Geld da ist, unternehmen die Eltern etwas mit ihren Kindern (und sie können die Welt erfahren, weil sie ihnen vorgestellt wird). Man ist in der Schule beliebt, wenn man “cool” ist oder gut aussieht. Man hat keine Schwierigkeiten mit den Lehrern (ergo nicht mit den Eltern), wenn man unauffällig ist und gute Leistungen bringt. Oder anders herum: Man bekommt Aufmerksamkeit von seinen Eltern und Lehrern, wenn man auffällt, zum Beispiel durch Störungen des Unterrichts, Anti-Verhalten oder schlechten Noten.

Aus diesen und weiteren Situationen lernen Kinder, wie die Welt am besten funktioniert und wie sie am ehesten bemerkt und geliebt werden. Irgendwann kommen immer mehr Bedingungen ins Spiel und haften sich an das Ziel: Zuwendung, Wertschätzung, Akzeptanz. Gefühle wie Neid, Eifersucht, Angst, Traurigkeit, Wut, Scham und Schuld heften sich an die Lernerfahrungen und prägen uns bis ins Erwachsenenalter. Einige schlussfolgern dann, dass “gut zu sein” kaum Vorteile hat, außer man tut so. Andere halten an ihrem braven Kind-Ich fest, in der Hoffnung, dass es doch noch fruchtet.

 

Wie du weniger unter den “schlechten” Menschen leidest – oder unter deinem Gutmenschentum

sei mutig und unbequemJeder kann und darf heute selbst entscheiden, was er glaubt. Dass sich diese Maßstäbe von Mensch zu Mensch unterscheiden, ist natürlich. Wer aber unter seinem “Gutmenschentum” leidet, darf sich ansehen, was genau ihn leiden lässt. Mitunter lohnt sich eine Korrektur. Das heißt nicht, dass du “schlecht” werden sollst, wie auch immer du “schlecht” definierst.

Immer nur GUT zu sein, bedeutet jedoch, seine Schattenseiten bewusst zu verdrängen bzw. zu verstecken. Schatten – zur Erinnerung – sind jene Eigenschaften, die wir anderen absichtlich nicht zeigen, weil sie zu Be- bzw. Abwertungen einladen und Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Also verbergen wir unsere Aggressionen gegen dem Chef oder mobbenden Kollegen oder wir gehen fremd, statt uns zu trennen. Wir tun immer glücklich, um kein Problem zu sein oder hören eher zu, als dass wir uns aussprechen. Wir beschuldigen andere, statt bei uns selbst zu schauen oder beschuldigen uns, statt andere zu kritisieren (und ggf. zu verletzen, was Angst, Schuld und Scham in uns auslösen würde). Ruediger Dahlke sagte einst sinngemäß: Je stärker wir diese Seiten in unseren Schatten verbannen, desto stärker zeigen sie sich in uns – in Form von Gedanken und Gefühlen. Bei mir wurde aus meinen verdrängten Eigenschaften eine unbändige Wut und daraus Panik. Sie führte zu Hilf- und Wehrlosigkeit, weil ich meinte, nicht sagen und tun zu dürfen, was ich wollte und für wichtig erachtete. Natürlich völliger Quatsch.

Ich war so konditioniert auf einzelne Arten, wie MAN zu sein hat, dass ich schlussendlich nicht einmal mehr wusste, wer ich war. Ich wusste, wer ich sein wollte, weil ich geglaubt hatte, wer ich sein sollte. Die subtilen Zwänge der Gesellschaft funktionierten erstklassig und versprachen eine Menge Sicherheit. Keine Frage. Aber aus heutiger Sicht hätte ich mich lieber trauen sollen, selbst festzulegen, welche Art Frau, Partnerin, Freundin, Kollegin, Vorgesetzte – welche Art Mensch – ich bin und sein möchte.

 

Fragen, die dir helfen können

Für alle mit sozialem Stress und psychischen Herausforderungen ist es wichtig, bei sich selbst anzufangen. Frage dich,

  • schattenseiten nicht verdrängenwer du bist
  • Wozu bist du GUT?
  • Wann wärst du lieber WENIGER GUT oder sogar “schlecht”?
  • Wozu willst du so GUT oder NETT oder GEFÜGIG oder ZUDIENLICH sein?
  • Was kommt an Meinungen von anderen und was aus dir?
  • Wie willst du wirklich sein?
  • Was soll dir dein Leben ermöglicht haben, wenn du einmal alt und grau bist und auf dein Leben zurückblickst?

Wenn du irgendwo anfangen willst, dich näher kennenzulernen, dann starte mit der Frage: “Was bereust du, nicht getan zu haben?” Mache dir klar, dass du niemanden verletzen musst, aber dir trotzdem nicht alles gefallen lassen brauchst. Respekt beginnt bei dir selbst.

Mich kränkte es zutiefst, wenn mir jemand seine Meinungen aufzwingen wollte. Es zeigte mir, wie sehr ich ICH sein wollte, ohne irgendwen um Erlaubnis bitten zu müssen oder mir die Werte von X diktieren zu lassen. Hier war die Erinnerung daran, dass “Nein.” ein vollständiger Satz ist, wertvoll. Je dreister Menschen werden, wenn wir nicht (mehr) tun, was sie wollen, desto kürzer dürfen deine Antworten werden. Je hartnäckiger sie werden, desto mehr Angst machst du ihnen mit einem einfachen “Nein.”. (Auch sie sind nur menschlich.) Es ist nicht zuletzt einer der größten Erkenntnisgewinne meiner Angst & Panik, dass die, von denen wir glauben, abhängig zu sein, meist die sind, die abhängig von uns sind. Die Intensität der Abhängigkeit mag schwanken, aber die, die am meisten diskutieren, sind oft die, die am meisten Gehör haben wollen. Unterbindet man das mit Konsequenz, respektiert man sich selbst zu 100 Prozent und nimmt sich ernst. Dann ist nicht selten ENDLICH ein offenes, ehrliches und gegenseitiges Gespräch möglich, wo vorher nur dienliche Erwartungen und Forderungen waren.

Wenn du auch nicht länger leiden möchtest, weil sich andere in deinen Augen unmöglich verhalten, komme ihnen ein wenig entgegen, indem du dein Leid minimierst. Wo kannst du stärker (ohne lange Diskussionen und Rechtfertigungen) für dich einstehen? Wo können deine Antworten klarer und kürzer sein? Wo kannst du Rückleistungen für einseitige Forderungen stellen? (Getreu dem Motto: Ich mache das gern für dich, aber dafür …) Sich mitunter an den Vorteilen des “Schlechtseins” zu orientieren, kann dir guttun. Wie gesagt: Balance, nicht Extrem. Schaffe ein Gleichgewicht zwischen deinem Gutmenschentum und deinen Schattenseiten. Probiere einmal aus, wie es ist, authentisch und ehrlich zu sein – nicht nur im Stillen. Sprich aus, wenn dich jemand verletzt und wann dich jemand in deiner Würde kränkt. Zeige es mit deiner Körpersprache. Lass deine Augen sprechen. Drücke dich und was in dir vor sich geht aus.

Das ist ein guter Schritt in Richtung AUSBALANCIERTES DU. Es ist nur meine Lernerfahrung, aber wer eigene Ziele hat, der muss sie auch verfolgen. Wenn man sich stets nur nach anderen dreht oder sein Leben an anderen ausrichtet, der lebt eben ein anderes Leben. Es ist natürlich, dass man dann andere Ziele als seine eigenen verfolgt, außer man profitiert im höchsten Maße davon. Auch das darf man sich eingestehen.

Liebe Grüße und viel Erfolg auf deinem Weg,
Janett

Janett Menzel Angst Blog