Es ist jedem klar: Burnout entsteht durch zu viele Belastungen in zu kurzer Zeit mit zu wenig Ausgleich. Man brennt aus, weil man seine Energie für die energiesaugenden Aspekte seines Lebens verbrannt hat. Und bleibt zurück mit: nichts. Leere. Gibt es die eine Ursache für Stress, Angst und Panik? Laut Roger Bakers Buch „Wenn plötzlich die Angst kommt“ und Margaret Wehrenbergs Buch Die 10 besten Strategien gegen Angst und Panik, ja.

Wehrenberg nennt es das „Zu-viel-Aktivität-Syndrom“; Baker nennt es „Die Staudamm-Theorie“.

Was ist die Staudamm-Theorie?

Die Ursache für Stress, Angst und Panik

Man könnte auch fragen: Wann entsteht negativer Stress, also Stress, den wir nicht länger mit den üblichen Abwehrmechanismen abprallen lassen können, sondern der sich in unserem Körper, in unserem Kopf, festsetzt? Wann festigen sich Ängste? Wodurch entsteht eine Panikstörung bzw. welche Ursachen und Stressoren (Stressfaktoren) begünstigt das Erscheinen von Stress, Angst und sogar Panikattacken?

Die Antwort lautet: Der Staudamm ist gebrochen.

Als Staudamm bezeichnet Baker die menschliche Stressresistenz, unsere psychische Widerstandsfähigkeit gegen äußere Umstände, zum Beispiel eine belastende Situation auf Arbeit sowie innere Faktoren wie Belastung durch Krankheiten oder Medikamente oder schlichtweg emotionale Herausforderungen ohne körperliche Ursachen. Wenn sich mehrere Lebensereignisse (Symbol des Wassers) anstauen, ohne dass vorher bereits Wassermassen ablaufen konnten oder sich innerhalb eines kurzen Zeitfensters zu viel Wasser hinter dem Damm gestaut hat, bricht er. Es zeigen sich erste Erkrankungen und Symptome. Mit dem ansteigenden Wasser erhöht sich automatisch der Druck auf den Staudamm. Dieser kann aber nur einen gewissen Druck aushalten. Wenn der Damm unter der Last nachgibt, überflutet alles an Land und Stadt und Leben, was sich in der Nähe des Staudamms befindet. Menschen mit einem gebrochenen Staudamm erleben, dass aus dem ehemals Stress handfeste Angst und Panik oder eine innere Krankheit geworden ist. Eine Behandlung wird unverzichtbar.

Wenn einige, wenige widrige Umstände nicht verarbeitet werden, heißt das nicht, dass man es nicht unbewusst oder zu anderer Zeit nachholen kann. Jedem Menschen seine Zeit und sein Tempo. Je ausgeglichener man sein Leben gestaltet bzw. gestalten kann, desto wahrscheinlicher ist es, dass man nach und nach diese belastenden Erlebnisse verarbeitet bzw. einen Ausgleich für Stress und Stressoren findet. Je mehr von diesen negativen Erlebnissen und Umständen ohne Ausgleich oder mögliche Verarbeitung auf einen einprasseln, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Psyche dem ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr standhalten kann.

Zwischendrin hat man bereits viele Signale des Körpers und des Geistes ignoriert: kleinere Infekte, Schlappheit, Müdigkeit, Störungen im Essverhalten oder in der Verdauung, Unlust, vermehrter Rückzug oder schlechte Laune, eine verminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit im Beruf, Schlafprobleme, Aggressivität oder eine leichtere Stresserregung…

Es sind laut Baker zwei wichtige Zeiträume, die jeder in seinem Leben begutachten sollte, falls er sich im Unklaren über bestimmte psychische Belastungserscheinungen ist:

1.) Die letzten 6 bis 12 Monate vor Erscheinen des „offensichtlich gewordenen“ Ausmaßes:

Was genau geschah dir in dieser Zeit?

2.) Die letzten 7 Tage vor dem Erscheinen des „offensichtlich gewordenen“ Ausmaßes:

Welcher „kleine“ Auslöser ließ den Damm brechen, wie der winzige Regentropfen, der die Tonne zum Überlaufen brachte?

Baker betrachtet im Detail die wichtigsten Bereiche im Leben eines Menschen, auch die guten, die genauso stressig empfunden werden können, wie die offenbar negativen. Die Ursache für Stress, Angst und Panik liegen in diesen Bereichen:

  • Beziehungen
    • zum Beispiel Affären, Hochzeit, Trennung, körperliche oder emotionale Gewalt, Beziehungsängste: Verlust der Unabhängigkeit, sich gefangen fühlen, Enge, kaum eigene Abgrenzungen, Übergriffigkeit, stets „Abrufbarsein“ etc.
  • Kinder

  • Unglücksfälle und Unfälle

  • Finanzielle Sorgen und Verluste

  • Arbeit
    • zum Beispiel ein neuer Aufgabenbereich, unangenehmes Arbeitsklima, Ärger mit Kollegen/Chef, Unterforderung oder Überforderung, Arbeitslosigkeit, Rente
  • Wohnung/Haus
    • zum Beispiel Umzug, Bauarbeiten, Lärm
  • Freunde und Verwandte
    • Verlust, Pflegebedürftigkeit
  • Gesundheit
    • Krankheit, Operationen bzw. Klinikaufenthalte, Wechseljahre
  • Studium/Ausbildung
    • Beginn, Abschluss, Schwierigkeiten mit Lehrern, Dozenten, Prüfern, Lernstress und Ängste

Baker besteht darauf, dass der Staudamm durch Stress nicht völlig zerstört ist, unsere Psyche durchaus positiv gesehen und geheilt werden kann. Alles kann wieder aufgebaut werden, vielleicht sogar besser, als vor dem Stress. Aber sind allein diese Ereignisse in ihrer Wucht ausschlaggebend?

Nein, sagt Baker. Es sind die angestauten Gefühle deswegen, die nicht aufgearbeitet bzw. empfunden werden wollten.

Als Psychologe hat er lange Jahre mit Stress, Sorgen, Belastungen aller Art sowie Angst und Panik gearbeitet. Er stellte fest, dass alle angsterfüllten Klienten sowie Panikbetroffenen beispielsweise keine Gefühle wie Traurigkeit und Kummer zulassen wollten. Sie verdrängten ihren Schmerz, sie weinten nicht, weil ihre Gefühle sie sonst überrannten. Die meisten empfanden ihre Gefühle über die Ereignisse als derart beschämend, befremdlich oder „zu tief“, zu hemmend, zu groß, dass sie sie lieber abwürgten oder sich ablenkten. Wenn sie zu weinen begannen, unterdrückten sie ihre Traurigkeit. Wie ich im Artikel Warum uns unerwiderte Gefühle so zu schaffen machen und 10 Wege, mit ihnen zurechtzukommen schrieb, ist mir das auch passiert. Es waren Kleinigkeiten, verletzende Situationen, die ich ignorierte, die ich stattdessen mit Wut abwehrte. Meine Angst, die ausgelöst wurde, wertete ich ab oder überspielte sie, Warnsignale, missachtete ich. Stattdessen kämpfte ich mehr und mehr gegen die Situationen an, die mir Angst machten, anstatt die Angst zuzulassen und nach ihr zu handeln oder anstatt Umstände aufzulösen, in dem ich die Bühne von Drama und Ärger verließ. Ich sprang ins Wasser und das zusätzliche Gewicht meiner Wut und meiner Angstabwehr erhöhte den Druck auf meinen Staudamm. Ich habe gedacht; gefühlt habe ich nicht.

Die Quintessenz

Alles in meinen sechs bis 12 Monaten vor dem Staudammbruch war ausreichend, um mich umzuhauen: schlechte Beziehung, Studiumsabschluss, neuer Job, neue Aufgaben, schlechte Ernährung, WINTER, Überstunden, wenig Freizeit, Ärger mit wichtigen und nötigen Bezugspersonen. Mein kleiner Auslöser in den letzten sieben Tagen, bevor der Stress und die Angst Überhand nahm, war ein lauter Typ in der U-Bahn, am ersten Tag meines ersten Urlaubs nach einer stressigen Phase.

Was waren deine Auslöser? Welche Rückschlüsse kannst du aus der obigen Liste für deine sechs bis 12 Monate ziehen? Wann brach dein Staudamm und was war der letzte Tropfen in der randvollen Regentonne?

Beste Grüße,
Janett

Janett

Ausschlusserklärung: Alle Inhalte und Techniken sind gewissenhaft recherchiert bzw. erprobt. Dennoch ersetzt jede hier beschriebene Strategie gegen Stress, Angst und Panik keine professionelle Psychotherapie. Für jeglichen Personenschaden wird keine Haftung übernommen.

Bloggerin psychische Gesundheit

Verfasst von Janett Menzel

Autorin und Mentorin für Personen mit herausfordernden Ängsten in ihrer psychischen Gesundheit, in Liebe & Beziehung, Job & Karriere. Potenzial- und Strategieentwicklung im Bereich: Hochbegabung bei Frauen, Angstzustände/Panikattacken, Beziehungsängste - erfolgreiche Beziehungen - erfolgreiche Kommunikation, Gehirnforschung, weibliche & männliche Energien, Entspannungstechniken aus aller Welt, Identitätsbildung & spätes Self-Parenting (Selbsterziehung), Auswirkungen der Emanzipation auf das Verständnis zwischen Mann-Frau

Kommentare

3 Kommentare

  1. Die Liste der Auslöser, die du gegeben hast, finde ich sehr nützlich. Sie erhält die Ereignisse, die uns echt stressig machen.
    Die Staudammmtheorie finde ich sehr interessant.

    Viele Grüße
    Thomas

    Antworten
  2. Vielen Dank für die Artikel.

    Könntest du die Aussage „Wenn sie zu weinen begannen, unterdrückten sie ihre Traurigkeit. “ bitte näher erklären?

    Zu weinen ist doch eigentlich gut und bedeutet Schmerz u. Traurigkeit zu zulassen.

    Vielen Dank für die Antwort.

    Antworten
    • Hallo Cico,

      Baker meint damit, dass sie über die Scham wegen der Ereignisse, die sich schwächten, weinten, nicht aber über ihre Traurigkeit, die sie deshalb empfanden. Sie behielten ihre Trauer selbst beim Weinen zurück, weinten nur um die Umstände, die sie in diese Situation gebracht hatte. Was aber wirklich dahinter steckte, wollten sie sich nicht eingestehen und auch nicht fühlen. Weil eben diese Trauer ausblieb, mutmaßte Baker, dass sie keinen wirklichen Kontakt zu ihren Gefühlen hatten, aus Angst, dass sie schmerzvoll sein würden.

      Liebe Grüße,
      Janett

      Antworten

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