Je länger ich über Stress, Angst, Panik, Depressionen und all die negativen Gefühle, die wir als Mensch haben können, nachdenke, desto mehr fällt mir auf, dass es “nur” am Umgang mit ihnen hakt. Wir werden immer mal Angst haben oder traurig sein, Wut oder Frust verspüren, auf Menschen treffen, die uns bewusst oder unbewusst verletzen.

Ich weiß nicht, wie es dir damit geht. Aber ich kann sagen, dass mir nie beigebracht wurde, wie ich mit überwältigender Wut, tiefer Traurigkeit und lähmender Angst umgehe.

  • Was mache ich, wenn ich eine Sinnkrise habe?
  • Was kann ich tun, wenn ich so voll mit Kummer bin, dass ich kaum mehr atmen kann?
  • Welche Möglichkeiten habe ich, wenn mich Schuldgefühle oder Scham zu ersticken drohen?

Noch bis 2015 hätte ich darauf keine Antworten gewusst. Jedenfalls kann es keine sein, stets einen Therapeuten in Anspruch zu nehmen, wenn mal wieder ein Gefühl Überhand nimmt und seinen eigenen Weg geht. Wüssten wir vorher mit dem Gefühl umzugehen, wüssten wir, wie wir ticken, worauf wir mit welchen Gefühlen reagieren, wie unsere Stressmuster sind, bräuchte es vielleicht nicht zu eskalieren.
Ich kann von mir sagen, dass sich als Kind und Jugendliche Gefühle auf so einer unbewussten Ebene abspielten, dass mir nicht einmal klar war: Ach, das ist Angst. Ach, das ist Traurigkeit. Ach, das ist Wut.

Mir war nicht klar, dass ich lernen kann, mit ihnen umzugehen – dass es Wege gibt. Mir war nicht klar, dass ich nicht alles bekommen kann, dass es Menschen gibt, die nicht zu mir passen und zu denen ich nicht passe, dass der Tod und/oder Verlust eines Menschen wehtut und Zeit und Verarbeitung braucht, dass ich meine Gefühle annehmen darf, sie da sein lassen darf, sie aber auch einen gekonnten Umgang brauchen. Ich wusste nicht, dass ich Werte habe, die mir etwas bedeuten, ohne sie überhaupt zu kennen, dass ich mich in meinem Wesen an mein Umfeld angepasst hatte, dass nicht alle Menschen wie ich sind und dass ich anders sein darf, als andere.

Hätte ich nur gelernt, was Gefühle sind, woher sie kommen, was man damit machen kann, dass sie wieder gehen werden, dass es sich oft schlimmer anfühlt, als es ist, dass das, was ich befürchte, oftmals gar nicht eintreten würde usw., hätte ich einiges in meinem Leben anders gehandhabt. Ich hätte meine Panikstörungen vielleicht gar nicht gehabt. Ich hätte gewusst, dass das Verstecken meiner Gefühle, nur weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll, schon mal der falsche Schritt war – wenn auch gut gemeint, um Konflikte, Verletzungen und Verlust zu vermeiden.

Das alles ist in meinen Augen ein tief bedeutungsvolles und wertvolles Lebenswissen für jeden Menschen.

Irgendwo müssen Kinder das lernen – nicht erst, wenn sie mit 16 oder 18 Jahren ins Leben, in die Ausbildung oder Wirtschaft “geschmissen” werden. Die Pädagogik ist heute intellektuell weit genug und hat gute Ideen vorgebracht. Wenn sie es schafft, Kindern beizubringen, wie das mit Gefühlen läuft, könnte die Welt zu einem besserem Ort werden. Ist nur eine Idee, aber ein Schulfach namens “Umgang mit Gefühlen” wäre in meinen Augen ein guter Start für eine Zukunft mit psychisch gesunden Menschen.

Was meinst du?

Ich freue mich wie immer, deine Meinung in den Kommentaren zu lesen.

Deine Janett

Janett Menzel Angst Blog