Angst, Zweifel und Depression: Dieses leidige Ding mit dem Selbstwert

von | Apr 24, 2016 | 2 Kommentare

Am Anfang stehen das geringe Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Daraus entstehen oft schleichende depressive oder zumindest deprimierte Phasen, ängstliche Zyklen oder Grübelkreise. Plötzlich, eines Morgens, erwacht man mit dem Gefühl der Sinnlosigkeit und der Leere. Was vormals Sinn stiftete, ist nun sinnentleert und man beginnt, an sich selbst und seinen Fähigkeiten, seinem Ich und an seinem Wert zu zweifeln.

  • „Ich bin nicht okay.“ oder „Du bist okay, aber ich bin es nicht.“
  • „Du bist nicht okay.“ oder „Ich bin okay, aber du bist es nicht.“

Diese Glaubenssätze sind aus der Transaktionsanalyse bekannt und werden häufig in Coachings betrachtet, um wieder ein rechtes Licht auf die Situation zu werfen. Aber beginnen wir von vorn:

 

Selbstwert stärken statt Isolation und negative Gedanken

Das meist unerkannt bleibende Bröckeln und Brechen des Selbstwerts und Selbstvertrauens schlägt Tag für Tag die Tür zu dem Leben, das man sich wünscht, zu. Es führt allzu oft in die Zurückgezogenheit und Isolation der eigenen vier Wände. Dort wird man nicht angegriffen, muss sich nicht beweisen, man braucht keine Angst vor der Kritik oder Ablehnung anderer Menschen zu haben, begeht keine Fehler, wird zumindest nicht ausgeschlossen oder wenigstens weniger hart behandelt als im großen Draußen der Ungewissheit. Man vermeidet in Isolation alle fremden Situationen, die die Angst noch schüren könn(t)en.

Wären wir in der Schule im Mathematikunterricht, dann würde diese Abbildung einer Kurve anschaulich zeigen, wie es mit unserem Selbstwert bergauf und bergab gehen kann – und vor allem, welche ausschlaggebenden Ereignisse das veranlassen (können). Im Allgemeinen gleicht dieses ehrfürchtige Ding mit dem Selbstwert einer Sinuskurve:

Quelle: cs.hs-rm.de

Quelle: cs.hs-rm.de

Viele Menschen, die ihren Selbstwert – vor allem auch das Futter für ihn, um ihn aufrechtzuerhalten – angegriffen sehen, kennen die Kurve: Mal geht er rauf, man fühlt sich besser, gewinnt an Vertrauen zu sich und seinem Weg, dann bricht er wieder ein, sinkt bis in den negativen, ungesunden und depressiven/deprimierten Zustand ab, um dann langsam und schwerlich wieder anzusteigen. Die Zeit dazwischen fühlt sich leider an wie ein massives Unwetter, in dem man darauf hofft, irgendwo Unterschlupf zu finden und wieder heil aus der Katastrophe herauszukommen.

Auf der Abbildung siehst du rote Punkte und zudem zwei weitere Textmarkierungen. Ich habe diese Abbildung gewählt, weil sie ironischerweise klar und deutlich anzeigt, dass wir erkennen müssen, wann – an welchen Punkten:

nämlich am Punkt „Wert“ und „Abtastpunkt X“ was genau geschieht, sodass unser Selbstwert sinkt.

Die Achse, die waagerechte Linie, auf der du den Abtastpunkt X findest, stellt dein Leben dar, die einzelnen Tage und Wochen und Monate und Jahre. Die senkrechten, kleinen Striche sind die Stationen deines Lebens, deiner jetzigen Situation. Die Kurve an sich und damit auch die Linie, auf der du den „Wert“ siehst, ist wiederum dein Selbstwert, dein Selbstvertrauen, dein Glaube an dich. All das beginnt also in deinem Leben irgendwann bei 0 links in der Ecke und macht dann so einige Schlenker hoch und runter und formt dein Lebensgefühl.

 

Es wird immer Menschen geben, die Spaß daran haben, dich „herauszufordern“

Wenn wir mit unserem Selbstwert ohnehin auf Kriegsfuß stehen und uns mit aller Kraft für seine Steigerung einsetzen, passiert es oft und gern, dass irgendwer daherkommt und unsere mühselige Arbeit der letzten Tage und Wochen mit ein paar Sätzen oder einer (un)überlegten Handlung zunichtemacht. Es gibt Leute da draußen, die unheimlichen Spaß daran haben, es Menschen schwer zu machen oder auf ihnen herum zu trampeln, weil sie es gewöhnt sind, dass es Menschen gibt, die auf ihnen herumtrampeln. Also spielen sie dieses perfide Spielchen einfach bei dir nach und glauben sich in Wahrheit und Sicherheit, dass so das Leben zu sein hätte oder sie eben verdienen, zu bekommen, was auch immer es sei: Irgendjemand muss herhalten, damit ihre einseitigen Bedürfnisse erfüllt werden können.

Dem ist natürlich nicht so. Das Leben besteht weder nur aus Kampf, noch nur aus Wettbewerb, noch erlaubt es Menschen, ihre Spielchen mit jemandem zu spielen. Solltest du so jemandem begegnen, was höchstwahrscheinlich mindestens im Beruf oder in der Familie immer mal wieder passiert, dann lenke sofort ein und glaube demjenigen NICHT. Stattdessen glaube, dass dein Leben anders sein darf als die Art, die dir vordiktiert wird.

 

Wir sind oft unser eigener Feind: An deinen Selbstwert glauben musst du selbst!

Ganz oft regen wir uns dann so sehr auf – im Stillen, in uns, in unserem Kopf – und sind derart in unserem Mark erschüttert über das, was geschah, dass wir diese stille Wut in uns weiter keimen lassen und am Ende einen fiktiven Kampf gegen uns selbst ernten, von dem der Verursacher überhaupt nichts mitbekommt.

Wir begeben uns also oft selbst in die Position des Verursachers, spielen die Situation selbst so lange durch, beweisen uns innerlich immer wieder gegen ihn, auch wenn diese Person gar nicht anwesend ist.

Natürlich ist Wut ein Instrument, was uns erlaubt, uns zu beweisen. Es erlaubt uns, uns an unseren Wert bzw. an unsere Werte zu erinnern. Wut, Zorn und Ärger können kurzzeitig helfen, uns klar zu machen, dass uns Unrecht geschieht oder dass wir uns in dem Szenario anders gewichtet sehen (wollen), mehr Gegenseitigkeit wünschen oder Verständnis oder Wohlwollen.

Solche Denkprozesse und Erkenntnisse sind prima, wenn wir bereit sind, zu handeln. In der Psychologie nennt man das Lageorientierung. Diese sogenannte Orientierung an der Lage jedoch lässt oft Grübeleien entstehen und uns noch öfter in unserem Selbstmitleid und Zorn dahinsiechen. Es zieht uns Energie, die wir für das Leben bräuchten, Optimismus und Glaube an uns selbst, da wir uns wie Opfer der Situation fühlen. Wir suchen zeitgleich nach Bestätigung und Anerkennung, Taten und Worte.

Bleibt diese Lage aber nur in uns betrachtet und zieht keine Handlung nach sich – sei es auch drum, dass wir mal auf den Tisch hauen und unbequeme Sachen aussprechen – dann setzen gern mal leichtere depressive oder deprimierte Schübe, generelle Sorgen und Ängste, soziale Ängste sowie Panik ein:

Das Sinken des Selbstwerts zieht symptomatisch durch Traurigkeit, Furcht und Angst unser Wohl hinunter.

Es ist also nicht die Depression, nicht die Angst, sondern der trauernde (und oft leichtgläubige) Selbstwert, der da auf seine eigenen Reisen durch unseren Kopf und Körper geht.

 

Ein angegriffener Selbstwert muss wieder geheilt werden: durch DICH

Im Englischen gibt es ein Sprichwort:

Only the one who inflicts pain, can take it away. (Nur derjenige, der den Schmerz verursacht hat, kann ihn auch wieder nehmen.) Das ist unstimmig und ähnelt einem leidvollen Ausgeliefertsein, falscher oder lang erhoffter Erwartungshaltungen, Warteschleifen…

Du kannst und musst in solchen Situationen selbst handeln. Man kann nicht davon ausgehen, dass Menschen sich reflektieren oder ihre Fehler erkennen und wiedergutmachen möchten. Auch Umstände und Situationen, die sich einfach so ergaben, können sich oft nicht ändern. Aber du kannst auf dich vertrauen und für andere einspringen. Und das geschieht eben nicht durch Angriffe auf dich – durch dich selbst. Wut, Zorn und Ärger können lediglich als Katalysatoren für deine zu ziehenden Konsequenzen verwendet werden, sind nur der Weg raus aus der Situation. Sie sind nicht der Zweck, nicht das Ende. Sie sind nur das Mittel, mit dem du deinen wahren Wert erkennst, dich an deine Werte und Bedürfnisse erinnerst. Sie sind damit nur ein Wegbereiter, wie die Null links in der Ecke der Abbildung oben, von denen aus du starten kannst – in die Handlungen, raus aus der Lage.

Das RAUS hat hier nochmal eine besondere Bedeutung: Und du weißt sicherlich schon, was ich meine. Deine Gedanken und deine Wut müssen raus. Dein Selbst und dein Wert müssen raus. Würdest du dir das erlauben, in Sinne von zugestehen, dann hättest du im Draußen weniger Schwierigkeiten, dich durchzusetzen. Du würdest ganz selbstverständlich dein Selbst und dein Wert, deine Werte, für die einstehst und nach denen du leben möchtest, ruhig und gelassen zu vertreten.

Solange du das alles aber in dir behältst, nicht zu dir stehst, solange wird sich nichts ändern – und andere werden nie erfahren, was du wirklich fühlst und wie schwer sie dich mit ihrem Verhalten eventuell sogar verletzen.

Der „Abtastpunkt X“ steht hier also für das Ereignis, was dich glauben ließ, dass du wenig oder weniger oder gar nichts wert wärst. Der „Wert“ steht dafür, dass du durch dieses Ereignis begannst, an dir selbst zu zweifeln. Es kam von außen, das Ereignis, aber du allein entscheidest darüber, ob du im Inneren diesem Ereignis, diesem Menschen, erlaubst, darüber zu bestimmen, dass du dich weniger wert fühlst.

 

Triff deine Entscheidung – für dich und gegen die Gedanken und Taten anderer Personen

Das ist die eine, wesentliche und nützliche Entscheidung, die du fällen kannst. Völlig schnurzpiepe, was sonst jemand da draußen – ob erfahrener, wissender, reicher, mächtiger, schöner oder sonst etwas – über dich denkt oder über sich selbst im Vergleich zu dir:

  1. Sei offen für neue Ideen und neue Wege in deinem Leben.
  2. Triff selbst die Entscheidungen, die du in ihrer Konsequenz in deinem Leben sehen willst.
  3. Bestimme selbst die Werte, nach denen du leben möchtest.
  4. Bestimme selbst, was du dir wert bist.
  5. Wenn du dich ausgenutzt oder festhängend fühlst, frage dich und alle anderen: Was ist da für mich drin?
  6. Sei dir etwas wert und bestehe darauf.
  7. Ignoriere den Rest aller noch so ängstlichen und mutlosen Kommentare anderer und zieh‘ dein Ding durch.
  8. Überlege dir, was du sein willst und handele danach. D. h. bestimme deine Lage, denke ruhig und besonnen, über die Situationen nach und dann verlasse die Lageorientierung und handele
    • lösungsorientiert,
    • werteorientiert,
    • zielorientiert.

 

Ich denke mir die Welt, wie sie mir gefällt: deinen Selbstwert stärken durch positive Gedanken

Handeln kann im Übrigen auch bedeuten, dass man sich andere Gedanken macht, zum Beispiel erkennt, dass man – auch wenn unverständlich für dich – anscheinend „genug“ ist, um angegriffen zu werden oder sich andere wohl ungenügend finden, wenn sie sich dir gegenüber so glauben beweisen zu müssen.

Es kann auch heißen, dass sich andere aus ihrer eigenen Angst heraus, minderwertig zu sein oder zu bleiben, in solche Wettkampfsituationen um Wert und Selbstbestimmung oder Mitspracherecht begeben.

Es kann sogar bedeuten, dass du am Ende des Tages bei den Gedanken an die Situation nur noch über den Versuch der anderen, dich herunterzuziehen, lächelst.

Es kann schlichtweg heißen, dass du an einer Situation und deine Reaktion darauf erkennen kannst, wie leicht es eigentlich für andere ist, dich anzugreifen bzw. klare Ergebnisse ihrer Versuche zu sehen. Es kann als Hinweis darauf gesehen werden, dass es Abtastpunkte wie X gibt, die dich in die Knie zwingen, aus denen du lernen kannst, genau dort geschmeidiger und selbstsicherer zu werden.

Aber klar: Es kann auch heißen, dass es Zeit ist, dass sich die Dinge wandeln – für dich, weil du es dir wert bist.

Am schönsten wäre eine Mischung aus beidem. So würdest du erkennen, wie wichtig dein eigenes Zutun ist, um solche Wiederholungen in Zukunft zu vermeiden. Gleichzeitig könntest du dann in die Wahrhaftigkeit und Authentizität versprechende Neuorientierung gehen.

Welchen Weg du auch einschlagen wirst: Glaube niemals den Stimmen anderer Menschen – weder im realen Leben, noch in deinem Kopf. Sei dir immer – ausnahmslos immer – psychische Ausgeglichenheit und Gesundheit wert! Sprich dich aus und sorge für gute und nährende Beziehungen in deinem Leben. Nimm an Freude und Unbesorgtheit teil, weil du daran glaubst. Lass dich nicht auf fremde Kämpfe ein, in denen die anderen Wert für sich herausschlagen wollen. Gib dir selbst gegenüber ein Versprechen ab, dass du gut zu dir und deinen Werten, Bedürfnissen und Zielen bist. Bewahre dir deinen Eigensinn. Nur der Glaube an dich, gepaart mit einen Funken Selbstgefälligkeit – werden dich dahin bringen, wo du dich sehen willst.

Liebe sinn- und wertstiftende Grüße,
Deine Janett

Janett

 

 

In meinen Angst Coachings in Berlin oder online erfährst du noch mehr darüber, was du tun kannst, um deinen Selbstwert zu stärken.

 

Bloggerin psychische Gesundheit

Verfasst von Janett Menzel

Autorin und Mentorin für Personen mit herausfordernden Ängsten in ihrer psychischen Gesundheit, in Liebe & Beziehung, Job & Karriere. Expertise & Forschungsfelder: Angstzustände/Panikattacken, Beziehungsängste - erfolgreiche Beziehungen, erfolgreiche Kommunikation, Gehirnforschung, Managemententwicklung, Ernährung & Hormone, Körper-Geist-Gleichgewicht, weibliche & männliche Energien, Entspannungstechniken aus aller Welt, Identitätsbildung bei jungen Menschen, Auswirkungen der Emanzipation auf das Verständnis zwischen Mann-Frau

Kommentare

 

2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Hallo Janett, in deinen Gedanken finde ich sehr viel Wahres! Ich war 40 Jahre die Frau in der zweiten Reihe. Mit dem Mann, den ich sehr liebte und eine wunderbare Tochter habe, habe ich den Nährboden für meine heutige Depression geschaffen, leider. Ich vertraute ihm bedingungslos und habe meine Ehe beendet, nur er leider seine nicht, ich war Pädagogin und mein Selbstwertgefühl, an dem 3. Todestag des Vaters meiner Tochter, ist nur noch in einem geringen Maße vorhanden! Ich kämpfe um ein Zurück ins Rentnerleben, wenn auch in Einsamkeit, aber ich kämpfe meiner Kinder Willen und meines Fellenkels Willen, es ist kompliziert, da sich meine Depression als Sinuskurve gestaltet hat! Ein sehr guter Psychologe hilft und hat mir schon sehr geholfen, ich vertraue ihm! Alles Liebe Barbara

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    • Hallo.
      Dieser Artikel ist bestimmt bestärkend und positiv gemeint und kann viele Menschen motivieren. Für mich selbst (36, schwere chronische Depression, Angststörung) ist er leider sehr triggernd.
      Bitte vermerken Sie zumindest in einem kleinen Absatz, dass Selbstwert in manchen Lebenssituationen einfach niemals aufgebaut wurde und daher nicht durch die von Ihnen genannten Hinweise einfach erzeugt werden kann. Für manche Menschen (auch für mich) wirken solche Hinweise wie „Sei dir selbst etwas wert.“, „Finde, was du willst, und handle danach.“ wie unerfüllbare Befehle, an denen man(/ich) seit Jahrzehnten immer und immer wieder scheitert, trotz größter Anstrengungen. In dieser Situation funktionieren schnelle Wege einfach nicht, sondern verschlimmern Selbsthass nur noch mehr.
      Wie gesagt, ich weiß, dass es nicht so gemeint ist. Aber es wirkt eben leider doch so.

      Antworten

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