Bei Angst und Panikattacken wollen wir verheimlichen, was in uns vor sich geht, statt es rauszulassen. Auch bei “wichtigen” Personen mimen wir lieber einen anderen Gemütszustand, als unsere wahren Gefühle zu zeigen. Wir wollen weder schwach erscheinen, noch bedürftig, wollen nicht auffallen und kein Pflegefall sein, jedenfalls bei einem begrenzten Kreis von Personen. Was würden die Menschen denken? “Was ist denn mit der los?” “Guck dir den mal an! Der ist doch verrückt!” Wir würden Aufmerksamkeit erregen, und ein großer Teil der Gesellschaft versucht genau das zu vermeiden, oder glaubt es zu müssen. Ob Angst oder Panik. Vielen wurde Stillsein und Funktionieren beigebracht. Besonders bei Angst und Panik geht es darum, sein „offizielles“ Gesicht zu wahren. Stattdessen wäre ein Richtungswechsel nach außen, aus- und raus-, bei Stress, Angst und sogar Panik die effektivste Methode, um Ausbrüche aller Art, innere Explosionen wie Panikattacken oder Hau-Ruck-Impuls-Aktionen zu vermeiden. Irgendwann bricht der Staudamm.

 

Output ist bei Belastungen hilfreicher als Input.

Die Angst rauszulassen ist besser, als sie in sich zu behalten.

Angst- und Panikattacken wären nur halb so schlimm für die Betroffenen, wenn sie wild und laut vor sich hin schreien könnten. girl-863337_1920Stellt euch mal vor, wie befreiend es wäre, wenn mitten im Bus oder dem Meeting eine Panikattacke angerollt kommt und ihr einfach sitzen bliebet und wie verrückt den Schmerz und die Angst herausbrüllen könntet? Niemanden würde es scheren, alle würden einfach weitermachen und es gäbe keine Bewertung.

Natürlich gibt es die wertenden und verurteilenden Menschen, die noch alte Schule sind oder nach einem inneren Verhaltenskodex funktionieren. Den auch gern anderen diktieren. Der Trick ist wohl, diese Menschen zu ignorieren und sie denken zu lassen, was sie wollen. Wie ich schon in meinem Artikel “Bei Stress, Angst und Panik: 10 Erinnerungen an dich selbst” schrieb: Was andere von dir denken, geht dich nichts an.

Ausatmen bei Angst und Panik ist besser als Einatmen

Wenn man eine Panikattacke hat, hat man Angst, zu ersticken oder keine Luft mehr zu bekommen. Deshalb japst man nach Luft und der Reflex des Körpers ist: Einatmen. Nicht ausatmen. Wir atmen nur flach aus und behalten leider das Kohlenmonoxyd in unserem Körper. Deshalb gibt es auch die Zähl-bis-x-Atemtechniken, zum Beispiel:

  • bis 4 Einatmen und bis 4 Autsatmen,
  • bis 5 Einatmen, 5 Sekunden lang Luft anhalten, bis 5 Ausatmen,
  • bis 8 Einatmen, 3 Sekunden lang Luft anhalten, bis 8 Ausatmen.

Diese Atemtechniken wirken dem Reflex, nur einzuatmen, entgegen.

 

Aussprechen ist besser als Einstecken

Nicht immer kann man das sagen, was man im Kopf hat, tun, was man gern tun würde und nicht immer trauen wir uns, unseren Impulsen nachzugeben und unserem Ärger, unserer Wut Luft zu machen. Je mehr man in sich behält, desto mehr steigt der Cortisolwert, die Stresshormone, allein nur durch unsere Beherbergung von Ärger, die leicht zu Angst und Panikattacken führen kann.cat-691175_1280

Wenn jemand deine Grenzen überschreitet, muss du für dich entscheiden, ob die Situation es hergibt, deinen Impulsen freien Lauf zu lassen oder sie lieber kontrollierst. Besonders im Beruf kann eher die Impulskontrolle angebrachter sein, obgleich man auch freundlich seinen Unmut ausdrücken kann. Dann vielleicht mit einem entschärften Tonfall. Jedoch konstant seinen Aggressionen in sich zu behalten, füllt den Ballon mit heißer Luft. Bis er explodiert. Wer schon einmal eine Panikattacke hatte, wird wissen, wovon ich spreche.

Am meisten haben Menschen Angst, wenn es um Nahestehende geht. Seinen Eltern, Partner, Freunden gegenüber Kritik zu üben, fällt je nach Individualität schwerer oder leichter. Mir zum Beispiel fällt es schwerer, je lieber ich den Menschen habe oder je mehr Respekt ich vor jemandem habe. Aber ich musste lernen, dass meine Werte gegenüber diesen Menschen nichts mit meinen Grenzen zu tun haben. Sie verschoben sich nicht, nur weil ich jemanden mochte. Die Belastungen wurden nicht weniger, nur weil ich im Beruf unterstellt war. Irgendwann entschied ich mich für Aussprechen statt Einstecken, um meine Angst und Panikattacken in den Griff zu bekommen. Meine Panik verschwand durch diese alleinige Methode zu mindestens 75 Prozent.

 

Gefühle rauslassen statt sie in sich zu behalten

Ähnlich verhält es sich mit Gefühlen. Wir kennen alle die Situationen, in denen wir uns verstellen, Gefühle schauspielern und unsere wahren Emotionen verschleiern, statt sie zeigen. Sei es, dass wir dem Kunden gegenüber extrem freundlich und arschkriechend gegenüber stehen müssen oder aber heimlich in jemanden verknallt sind, uns aber nicht trauen, uns zu offenbaren, aus Angst vor Ablehnung.woman-918896_1920

Deshalb zeigen wir auch nur in bestimmten Situationen unsere Wut. Dabei ist Wut genauso ein Gefühl wie Angst oder Freude. In allen Fällen müssen die Gefühle die Möglichkeit haben, sich zeigen zu dürfen, sonst dramatisieren sie sich selbst, zeigen sich eher. Am Anfang steht natürlich der erlebte Stress. Wut zum Beispiel als Bodyguard von Traurigkeit soll schützen, wenn es für uns angebrachter oder angenehmer ist, Wut zu empfinden, als Traurigkeit. Haben wir mal eine negative Erfahrung mit Trauerzeigen gemacht, die tief genug in uns stecken geblieben ist, würden wir im späteren Leben eher zu Wut als Kanal tendieren.

Solange wir bemerken, dass wir eigentlich traurig sind, aber Wut sich stattdessen zeigt, als Ausdruck unseres Egos, als Ergebnis der Verletzung oder Kränkung, ist es positiv. Sie raus zu lassen, in dem wir uns erlauben, zu weinen oder einfach mal wie ein Häufchen Elend das Wochenende auf dem Sofa zu verbringen, deeskaliert unsere Gefühlsbomben. Auch bei positiven Gefühlen, die gespürt werden wollen, muss das Schweigen so gut wie möglich gebannt werden. Wer viel Neider und Eifersucht in seinem Umfeld hat, sich wenig über seine Erfolge oder kleineren Wunder freuen darf, der erstickt seine positiven Gefühle. Kein Mensch auf der Welt ist das wert. Glück, Freude und Zufriedenheit sind heutzutage viel zu selten, um sie zugunsten von Menschen, denen es schlechter geht oder die im Mittelpunkt stehen wollen, verstummen zu lassen.

 

Aus sich herauszugehen und rauszugehen ist besser als sich einzuschließen

Alles in allem ist „sich zeigen“ immer die bessere Wahl. Wenn man schüchtern ist oder unter sehr starker Angst leidet, beispielsweise sozialer Angst oder generalisierter Angst, kann schon ein kleines Lächeln helfen, um seinen Gefühlen näherzukommen. Einfach beim nächsten Einkauf die Kassiererin anlächeln oder einem Kind auf dem Weg zum Supermarkt in die Augen sehen und anlächeln. Das sogenannte Cocooning bei Angst und young-692335_1280Panik, diese vermeintliche Sicherheit, die man nur Zuhause erfahren würde, kann für ein paar Momente gut funktionieren. Doch was ein jeder Mensch, ob nun mit Angst, Panik oder nicht, braucht, ist positiver Input. Positive Energie. Zustimmung. Befürwortung. Zuspruch. Annahme.

Zum Thema Selbstliebe fällt mir dabei ein: Lächeltherapien sind mit Grund so stark im Kommen. Es gibt Lachyoga und therapeutische Interventionen, nach denen man vor dem Spiegel stehen und sich anlächeln soll. Wenigstens eine Minute lang. Es aktiviert die Gesichtsmuskeln, fördert die Durchblutung und der Körper schüttet Serotonin aus, ein Glückshormon.

Hier findest du weitere Möglichkeiten, um deinen Cortisolwert zu senken und stattdessen Serotonin zu steigern: So senkt man den Cortisolwert im Körper

 

Auslassen ist besser als Reinsteigern

Seit Montag stehe ich unter Strom, weil ich mal wieder zu viele Dinge auf einmal will und lieber gestern fertig haben wollte, als morgen. Das stresst mich und der Leistungsdrang kam heute an seine Grenze, an dem eine leise Stimme zu mir sagte: „Schluss jetzt!“ Natürlich kenne ich diese freundliche, innere Stimme mittlerweile sehr gut, weshalb ich auch auf sie höre. Doch was macht man als Ent-stress-ung, wenn sie nachhaltig und girl-925635_1920hiebfest sein sollte?

Wie entspannst Du bei Stress, Angst und Panik?

Ich gehe spazieren, koche, geh’ auf die Couch und schaue einen Film. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass Fernsehen tatsächlich, wie zahlreiche Studien belegen, stresst. Dagegen ist Lesen sehr viel entspannender (sagen auch die Studien). Oder nehmen wir Facebook, Facebookspiele oder Smartphone Games: Sie stressen. Statt Ruhe und Besinnung zu fördern, fordern wir von unserem Körper Konzentration und Ablenkung. Und die zahlreichen Nachrichtenartikel und Blogposts: stressig. Es ist zwar Lesen, aber es geht erst einmal um zusätzliche, stressende, sorgenvollere und aufmerksamkeitsfördernde Informationen. Wenn man diese nicht gezielt gesucht hat, sollte man sie meiden. Stattdessen lassen wir uns zuschütten mit Millionen von Inputmöglichkeiten und jedes Medium suggeriert uns:

DAS ist wichtig.

DAS musst du wissen.

DAS musst du lesen.

 

Fazit

Wir müssen gar nix. Wenn unser Körper sagt: RAUS damit. RAUS mit dir. RAUS mit deiner Wut, deiner Verletzung, deiner Traurigkeit, deiner Freude, deinem Mut, deiner Strebsamkeit, deinem Können, deinen Talenten, deiner Stimme, deinem Freiheitsdrang, deiner Liebe zu …, dann sollten wir auf ihn hören.

Eine neue, viel schönere To Do-Liste wäre:

  • sich aussprechen (oder von der Seele schreiben)
  • aus sich herausgehen
  • auch mal ausflippen
  • raus gehen (auch wenn es regnet und stürmt)
  • Gefühle raus lassen
  • Angst rauslassen
  • (eigene und fremde) Ansprüche weglassen
  • Aufgaben auslassen.

Fällt dir noch mehr ein? Dann rein damit in die Kommentare! Ich freue mich sehr über jede Ergänzung!

LG
Janett

Janett

 

 

Das könnte dich auch interessieren: