Wieso haben wir Angst vor der Konfrontation – Angst davor, “nein” zu sagen? Was hält uns ab, unsere Meinungen und unsere Bedürfnisse auszudrücken?

Die Angst vor dem NEIN

Häufig steht dieses Verhalten in Zusammenhang damit, dass wir den Anderen ablehnen (würden), seine Bedürfnisse nicht erfüllen möchten, was wiederum seine Ablehnung uns gegenüber hervorbringen könnte, uns unbe- und ungeliebt macht. Wir geben viel zu oft nach, um Konflikten bzw. Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Und das obwohl wir etwas anderes in uns fühlen. Wir dulden das Andere, anstatt zu uns und unseren Bedürfnissen zu stehen. Kennst du das Gefühl auch?

Charlie Chaplin sagte einmal:


“Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das,
was mir Spaß und Freude bereitet, was ich liebe und mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo. Heute weiß ich, das nennt man “Ehrlichkeit”.”


Ja, okay! Wenn es denn sein muss

In vielen Situationen der letzten Jahre musste ich bei anderen Menschen sowie auch bei mir erleben, dass man eher “Ja, okay” sagte, als “Nein, tut mir leid”. Oft ging das damit einher, dass ich mich (und die anderen sich) nicht traute, zu mir zu stehen. Gleichzeitig aber hatte ich immer das starke Gefühl, dass meine Meinung genauso wichtig und erst zu nehmen war, wie die des anderen. Ich habe mich aber dennoch vor dem Konflikt, vor dem kurzen oder manchmal auch langen Moment, gescheut, in dem Gespräch gerade zu stehen, mit beiden Beiden auf dem Boden meines Lebens, und “Nein, tut mir leid!” zu sagen. Ich zog dabei – natürlich – immer den Kürzeren. Ich musste deshalb – natürlich – als Konsequenz immer in Situationen sein, in denen ich nicht sein wollte, Dinge erledigen (FÜR jemanden und damit GEGEN mich), die ich nicht machen wollte. Das Wort “eigentlich” stand mir dabei immer im Weg. Denn “eigentlich” wollte ich etwas anderes. “Eigentlich” hätte ich lieber…wäre ich lieber…würde ich eher…nur eben nicht DAS, wozu ich “Ja, okay” gesagt hatte. Ich war infolgedessen angespannt, hektisch, wütend, aggressiv, unruhig, unkonzentriert, verspannt – kurzum: Ich hatte meinen Verstand und Körper gezwungen, einfach nur, weil ich mich nicht traute, ICH zu sein.

Mea maxima culpa

Erkennen wir unseren Fehler? Ich brauchte lange, wirklich lange, um zu erkennen, dass es tatsächlich und ausschließlich MEIN FEHLER war. Zuerst war ich nämlich mit meiner Wut beschäftigt. Wut über das respektlose und rücksichtslose Verhalten meines Gegenübers. Die Wut, die ich hätte auf mich selbst haben müssen, merkte ich erst später. Ich habe sie platt auf den anderen projeziert, damit ich meine Schuld mir gegenüber nicht fühlen musste, nicht bemerken musste, dass ich – schon wieder – und vor allem – immer noch – gegen meine eigenen Bedürfnisse handelte. Mich selbst verletzte. Das sollte man auch lernen und sich dann verzeihen. Denn erst, als ich merkte, dass ich nicht in dieser und jenen Situation wäre, wenn ich in der Vergangenheit zu mir gestanden hätte, gesagt hätte, was ich brauche und mir wünsche, erst da realisierte ich für mich, dass ich für mich einstehen muss (erstens!), bevor ich Kraft für Andere haben kann (zweitens!).

Was Ablehnung und die Angst vor Zurückweisung bedeutet

Angst vor der Ablehnung = Angst, nicht geliebt zu werden = ausgeschlossen zu werden

Die Psychologie spricht in diesem Zusammenhang immer wieder von der Angst vor der Ich-Werdung, der die Angst vor dem Tod (damit ist nicht der wortwörtliche Tod gemeint, sondern der Schritt zum Loslassen, Sichlassen, Selbst-Vertrauen, Selbst-Wert, Entwicklung hin zu sich und weg von dem anderen gemeint) zugrunde liegt. Zu viele unserer Eigenschaften, unsere Loyalität zum Beispiel oder unsere allseits geschätzte Hilfsbereitschaft, sind Werte, die wir von anderen übernommen haben. Wir haben im Laufe unseres Lebens gelernt, dass wir gemocht werden, wenn wir so und so sind. Wir haben dabei aber auch ver-lernt, dass wir ebenfalls gemocht/geliebt werden würden, wenn wir eben nicht leisten, was sich andere Menschen von uns (und auch anderen) wünschen würden. Stattdessen gibt und gab es sicher im Leben eines jeden Situationen, in denen wir Ablehnung oder Ärger oder vielleicht sogar Trennung erleben mussten, eben weil wir zu uns standen und die Bedürfnisse der anderen Menschen nicht erfüllten – zu unseren Gunsten. Diese Situationen blieben hängen. Unser Gehirn hat sich gemerkt, dass so etwas passieren kann. Wir wurden sozialisiert, so und so zu sein, damit…dies und das sein kann…wir sein können.

Und trotzdem erleben wir alle soziale Ängste bis hin zu einer sozialen Phobie (die einen mehr, die anderen weniger). Dabei müssen wir gar keine Opfer spielen. Nettsein ist manchmal out.

Hast du die Opferrolle schon verlassen? Oder spielst du auch noch den Schauspieler?

LG
Janett

Janett