Ich habe in den letzten Jahren viele Übungen und Therapieformen ausprobiert, um Angst an sich greifbar zu machen und loszulassen. Als ich in einer Gruppe für Hochsensibilität nach Interviewpersonen fragte, die ihre Sensibilität in Verbindung mit ANGST beziehungsweise umgekehrt sehen, kam eine Frau namens Ursula auf mich zu, die sich mit Angstpatienten sowie Personen, die kleinere Ängste und Sorgen haben, in diesen 10 Schritten nach Dr. Peter Reiter beschäftigt.

Dr. Peter Reiter war Bewusstseinsforscher und Therapeut. Er wurde 1955 in Calw geboren und verstarb 2014. Seit seiner frühesten Jugend interessierte er sich für die Lehren der alten Philosophen und Religionen. Nach dem Abitur studierte er Philosophie, Publizistik und Indologie, um durch den Buddhismus und Hinduismus weitere Einsichten in die mystische Praxis zu gewinnen, die zu seinem großen Interessensgebiet wurde. Nach dem Magisterexamen und einer redaktionellen Tätigkeit beim ZDF, promovierte Dr. Reiter mit dem Thema „Meister Eckhard und seine Seelenlehre“. Er arbeitete überwiegend als Referent, Mystik-Experte und in den letzten Jahren seines Lebens auch als Autor, Seminarleiter und Business Coach. Er entwickelte in diesem Rahmen Verfahren wie „Dynamische-Heilmethoden“, „Tigertraining“ und das „Seelenhaus“, allesamt Techniken, die bei Blockaden, Sorgen und anhaltenden Ängsten, bis hin zu Angst- und Panikstörungen, hilfreich sein sollen/können.

Seine Methoden versprechen einen schnellen Erfolg; und auch in diversen Buchbesprechungen konnte ich von dieser Wirksamkeit lesen. Dennoch: Dr. Peter Reiter wird im Raum Deutschland zu den größten Mystikern gezählt. Und nicht einmal Wikipedia kennt ihn. Das machte mich etwas skeptisch; in puncto Psyche und Therapie bin ich eher für das wissenschaftlich Erprobte. Da ich mich allerdings oft mittels Meditation, Yoga und ja, auch Reiki, entspannen konnte, dachte ich: Was soll’s?

Ursula, die Frau, die mich auf seine Arbeit aufmerksam gemacht hatte, war sehr herzlich und vor allem interessiert daran, mir diese 10 Schritte-Technik zum Auflösen von Angst, wie sich später herausstellte eine Art der Visualisierung, zu zeigen und verzichtete liebenswerter Weise sogar auf eine Bezahlung. Ich fragte sie am Sonntagabend noch, wie viele Sitzungen man denn bräuchte, um einen Erfolg zu spüren und ihre Antwort, dass eine Sitzung genügen würde, klang etwas zu gut. Aber was man nicht alles versucht, dachte ich. Wir vereinbarten also einen Termin für diesen Montag, in meiner Mittagspause. Telefonisch.

 

Der Selbstversuch

Es dauerte keine dreißig Minuten und wir waren durch. Zu Beginn sollte ich mir bewusst machen, dass es meine Angst war und dass ich sie erschaffen hatte. Wie bei anderen Entspannungstechniken auch, sollte ich mich bequem hinzusitzen oder hinzulegen, mich entspannen, und in den ersten Schritten meine Angst aufzuspüren und sie fühlen. Ich hatte mich mit Ursula darauf geeinigt, dass wir die Angst vor der Angst anpacken, also die Angst, eine Panikattacke zu bekommen. Wenn schon, denn schon und es gelang mir recht schnell, mich in das Panikgefühl hinein zu fühlen, und es in seinem Ausdruck, seiner Intensität, in meinem Körper zu lokalisieren. Ursula bat mich dann, mir diese Angst außerhalb meines Körpers vorzustellen, sie sozusagen nach außen vor mir stehend zu projizieren. Sie nannte auch einige Stichwörter, so wie Stein, Wolke, Rauch. Ich sah aber weder Steine, noch Wolken, sondern mich selbst, in meinem weißen Shirt und meiner blauen Fluffihose, die ich letztes Jahr auf Mallorca gekauft hatte. Ich schaute mich ziemlich böse und starr an und fühlte eine totale, messerscharfe Härte. Irgendwie musste ich grinsen und gleichzeitig tat es fast weh, mich so zu sehen. Mein linkes Auge begann zu tränen und ich weiß noch, dass ich dachte: OK, OK. Ist ja gut. Ursula wollte wissen, ob ich „hart“ im Sinne von Inflexibilität meinte, aber das war es nicht. Es war ein Gefühl von Mauern, ja, aber mehr wie Versteifung, Starre und all das blickte mich aus meinen visualisierten Augen an. Der Sinn hinter diesem Schritt ist die konkrete Form der Angst: Größe, Farbe, Substanz, etc.

Ich sollte mich entscheiden, ob ich bereit wäre, diese Angst nun loszulassen, und das tat ich. Der folgende Schritt kam mir etwas komisch vor, denn ich sollte den Himmel, Gott, das Universum, an wen oder was ich auch immer glaube (in meinem Fall also: an mich) um geeignete Waffen, mit denen ich diese Angst bekämpfen und vernichten wollte, bitten. Das konnte ein Schwert sein oder eine Lichtkugel, sagte Ursula. Ich musste fragen, ob es auch etwas Schönes sein könne, weil ich nichts Zerstörerisches vor meinen Augen sah, sondern eine Blume. Ich sollte in die Angst hineingehen, sie in mir nochmal spüren und als meine eigene Angst begreifen, sprich: die Verantwortung für die Existenz meiner Angst übernehmen.

Ich ließ mich auf diese Visualisierung ein und überschüttete mein böse guckendes Ich mit diesen Blumen und wie bei meinem Titelbild zur Facebookseite von www.schreib-dich-leicht.de, flogen Vögelchen davon. Ich sollte dafür sorgen, dass wirklich alles von meiner visualisierten Angst gegangen war, dass nichts mehr um mich herum am Boden lag oder vor mir herumschwirrte. Nach einigen Minuten konnte ich tatsächlich nichts mehr „finden“. Ein Blick in meinen imaginären Himmel zeigte schönes Blau mit ein paar Wolkenschlieren, sonst war nichts zu erkennen. Das sei gut, sagte Ursula, und fühlte sich auch gut an. Ich sollte mir erneut die Angst vorstellen, in sie hereingehen und sie von innen heraus auflösen, um mich dann umzudrehen und einen neuen Weg vor mir zu visualisieren. Ich konnte ihn auch wirklich sehen. Es war alles ziemlich sonnig und der Weg führte bis zum Horizont, ging dahinter weiter, und ich war schon am geistigen Losgehen, als Ursula meinte, ich möge nun um ein Geschenk bitten, das ich internalisieren solle. Wieder war es eine Blume, eine Sonnenblume, um genau zu sein.

Den letzten Schritt konnte ich nicht mehr richtig fühlen, die Integration der Sonnenblume kappelte sich mit meinem nun nicht mehr böse, sondern genervt schauenden Ich, dass sich eher kapitulierend, aber entspannt und gelassen in einen Stuhl gesetzt hatte, Beine übereinander geschlagen und nach hinten gelehnt, als würde es mir sagen wollen: Mach mal. Wie sich später herausstellte, und ab da erschien mir diese kleine Fantasiereise keineswegs mehr merkwürdig, stellt dieses Geschenk zum Schluss eine Abwandlung, ein Symbol, des eigentlichen Nutzwertes einer psychischen Krankheit dar. Damit war das in jeder Angst verborgene Geschenk gemeint, das man erkennen und nutzen sollte, um seine Angst dauerhaft aufzulösen.

Ursula stand mir heute noch zu einem Interview zur Verfügung. Mit ihrer Genehmigung erfolgt die Veröffentlichung auf www.ich-habe-auch-Angst.de. Wir sprachen intensiv über die in meinen Augen nötige Aufklärungsarbeit zum Thema ANGST in Deutschland und auch über meine Theorie, dass Angst so anerzogen, aufgefordert, provoziert und internalisiert wird, aber auch übertragen, dass wir sie entweder gar nicht mehr wahrnehmen oder aber sofort abwehren, weil uns allein das Angsthaben schon Angst macht. Wir bekämpfen jegliches, unangenehme Gefühl, erlauben uns nur noch selten, einfach mal eine Stunde am Stück wie ein Schlosshund zu heulen oder Innenschau zu betreiben und alles infrage zu stellen, was sich gerade in unserem Leben so tut. Fühlen, was in uns ist, danach leben, ist wohl out und uncool geworden. Stattdessen beschäftigen wir uns mit den resultierenden Symptomen wie folgende Depressionen, Suchterkrankungen oder mit den rein physischen Krankheiten, wie beispielsweise die des Verdauungstraktes, um nur einige Möglichkeiten zu nennen.


Interview mit Ursula

Janett: Danke für die Möglichkeit, eine Technik der Arbeit von Dr. Peter Reiter selbst ausprobieren zu können. Wie hast du selbst von Dr. Reiters Arbeit erfahren?

Ursula: Über einen Freund, der mit Peter befreundet gewesen ist. Dr. Peter Reiter ist leider letztes Jahr verstorben. Er war immer an Menschen interessiert, die ihre Verantwortung für sich selbst übernehmen wollen und es auch schon tun. Ich habe nach dem ersten Treffen einige Kurse bei ihm besucht.

Janett: Panikattacken genauso wie andere, schwere Angstzustände sind ja meist so leidvoll, dass man beinahe völlig den Glauben an sich selbst und seinen Körper verliert. Um solche Imaginationstechniken anzuwenden, sollte man sich doch sicher in einer ruhigeren Phase befinden oder meinst du, dass man diese Technik auch in akuten Zuständen anwenden könnte?

Ursula: Ich denke, dass man diese Technik besonders dann anwenden sollte, damit solche Situationen erst gar nicht auftreten.

Janett: In den (wenigen) Buchrezensionen, die ich bei Amazon gelesen habe, sprechen die Leser von der vollen und sofortigen Wirksamkeit dieser Technik. Ich bin noch etwas skeptisch, weil ich „nur“ meine Restangst benutzen konnte, um diese Technik eigens zu prüfen, abgesehen davon, dass es sicher Menschen gibt, die auf solche Verfahren schlechter bzw. gar nicht reagieren. Was war dein größtes Erfolgserlebnis mit jemandem, der durch diese 10 Schritte seine Angst gelöst hat?

Ursula: Ich habe einige Webinare dazu gegeben und die Menschen, die ich durch die 10 Schritte geführt habe, haben mir positive Mails geschrieben. Wie du ja weißt, ist es nicht notwendig, die Ängste der Menschen zu kennen, um sie durch die 10 Schritte zu führen. Daher kann ich dir gar nicht sagen was sie für Ängste hatten. In meinem Freundeskreis gibt es jemanden mit einer Schlangenphobie, die wir vollständig aufgelöst haben. Sie kann jetzt sogar Schlangen anfassen. Eine andere Freundin hatte Angst vorm Zahnarzt, sie geht zwar jetzt auch nicht gern hin, aber wer tut das schon. Ihre Hände schwitzen nicht mehr, sie zittert nicht mehr und die innere Unruhe ist auch weg. Ich persönlich habe bei mir auch schon einige Ängste erfolgreich gelöst.

Janett: Heutzutage gibt es viele Angsterkrankte, die monate- oder gar jahrelang aufgrund ihrer intensiven Angst nicht mehr die Wohnung/das Haus verlassen können und vom Gesundheitssystem aufgrund dieser „Störung“ völlig allein gelassen werden. Würdest du diesen Menschen diese Technik empfehlen?

Ursula: Ja, auf jeden Fall! Was hat man zu verlieren? Es sei denn man möchte die Angst gar nicht loswerden und weiterhin in seinem Angstsein leben.

Janett: Wie stehst du zu den „normalen“, therapeutischen Verfahren?

Ursula: Jeder Mensch ist anders und für jeden gibt es eine Lösung, die ihm aus seinem „Zustand“ heraushelfen kann. Ich bin auch verschiedene Wege gegangen, um für mich das Beste zu finden.

Janett: Gibt es etwas, das du den vielen Menschen, die in Deutschland Angst verspüren, mit auf ihren Weg geben willst?

Ursula: Ja, das gibt es. Nehm deine eigene Verantwortung in deine Hände und gib sie nicht an andere ab. Nur du kannst dir daraus helfen, niemand anderes sonst. Sei ehrlich mit dir selbst und stehe zu dem, was du vielleicht getan oder nicht getan hast. Angst entsteht in unserem Kopf. Es sind einige der Gedanken, die du denkst. Schau dir deine Gefühle an, die diese Ängste auslösen, schau, was dahinter steht. FÜHLE und nimm wahr, gehe in deine Verletzungen und Blockaden. Wenn du traurig bist, dann weine, wenn du wütend bist, dann nimm dir ein Kissen und hau drauf. Schäm dich nicht deiner Gefühle, sondern sei ihnen dankbar, denn sie helfen dir, dich zu heilen.


Resümee

Ich kann abschließend sagen, dass mir diese 30 Minuten sehr geholfen haben. Es tat gut und fühlte sich befreiender an. Man selbst ist ja meist sein größter Feind, den man in Form des inneren Kritikers, der strengen Mutter oder des fordernden Vaters in sich trägt. Wie auch immer einem das Über-Ich nach Freud erscheint, in meinem Fall war ich mein Richter, meine Mutter, mein Vater und ich sah so aus, als sollte ich lieber den Mund halten. Strafend, urteilend, konsequent, angstabwehrend, mich aufhaltend. Ein schöner Spiegel. Ich bin gespannt, wie es mir die kommenden Tage gehen wird. Ich hatte aber seitdem keinerlei Ängste mehr, die ich typischerweise mit Panik in Verbindung bringen würde bei: langen Wegen, Situationen, in denen ich „mich gefangenfühle“ oder Enge in der Brust spüre usw. Ich bin aber auch überwiegend symptomfrei und habe die letzten Jahre gelernt, dass ich mich für ein angstfreies Leben entscheiden wollte. In jedem Fall ist es eine schöne Form der Entspannung im Sinne einer Fantasiereise und Selbstreflexion.

Für die ernsthaft unter ihrer Angst Leidenden da draußen kann ich nur sagen: Wer sich das Buch kaufen möchte oder nach den Schritten wie oben beschrieben ausprobieren möchte, den kann ich nur ermutigen, solange man vorsichtig bleibt und aufhört, falls es unangenehm wird. Für alle Angst- und Panikbetroffenen ist diese Technik sicher nichts. Auf Fantasiereisen muss man sich einlassen können und sie als einen Ort der Entspannung verstehen und fühlen.

Quelle: Jede Angst auflösen: Schnell, sicher und für immer Falls Ihr auch Erfahrungen mit der Arbeit nach diesem 10 Schritte-Programm gemacht habt, bin ich gespannt, davon zu hören. Aber auch jede weitere Therapietechnik interessiert mich sehr, wenn sie dazu beitragen kann, die Angst der vielen Menschen da draußen zu lindern.

Liebe Grüße,
Janett

Janett

 

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