Schreiben ist heilsam. Für mich ist Schreiben die Speerspitze einer jeden Selbsthilfe. Niemand braucht und muss es lesen oder aber man übt und lernt das Handwerk solange, bis man sein eigenes eBook bei Amazon listen kann. Wie du es auch anpeilst: Deine Gedanken, Ideen, Sorgen, Unsicherheiten, Blockaden und Ängste oder deine eigene Geschichte aufzuschreiben ist das Beste, was du für dich tun kannst. Wieso?

 

1.) Wenn du deine Sorgen nicht aufschreibst oder anders verarbeitest, dann bleiben sie in deinem Gehirn gebündelt.

Schreibst du sie aber heraus, dann ist dein Gehirn gezwungen, wieder Platz zu schaffen (das ist nachgewiesen worden):

Das Thematisieren von Angst, Nervosität und Unsicherheit gäbe wertvolle Hirnkapazität frei, die sonst „in Form von Sorgen gebunden bleibt”. „Das Schreiben […] ebnete das Feld, so dass jene…, die…am ängstlichsten waren, ihre Ängste überwinden und ihr volles Potential erreichen konnten“, sagt[Siac] Beilock, University Chicago. (Link)

 

2.) Schreiben ist nachweislich therapeutisch.

Es gibt sogar Schreibtherapie, die in normale Psychotherapien einfließen kann. Du schreibst deine Sachen auf und der Therapeut interpretiert. Du kannst erst einmal alles herauslassen oder aber während des Schreibens die Hintergründe von bestimmten Umständen erkennen lernen oder gar komplette Zukunftsszenarien in Worten kreiieren. Ich habe Schreiben als Methoden gegen meine Ängste verwendet und gebe mittlerweile Seminare und entwerfe Schreibmethoden, um Menschen zu ermöglichen, ihre Angst kennenzulernen und ihr ein Gesicht zu geben. Ich nenne das ANGST-Schreiben. Sieh selbst in der folgenden Infografik, was Schreiben alles kann:

Wirkungen-SchreibenEs ist zum Beispiel nachgewiesen worden, dass Prüfungsangst gemindert wird, wenn man kurz vor der Prüfung seine Ängste aufschreibt, und die Schüler bzw. Studenten bis zu einer Note besser waren, als wenn sie ihre Befürchtungen nicht aufgeschrieben hätten. Also auf dem Weg zur Uni oder XYZ einfach seine Ängste auf ein Blatt Papier wandern lassen. Nicht irgendetwas schreiben, das hilft nicht. Es müssen deine individuellen Ängste in Verbindung mit deiner Situation sein. Du wirst merken, dass du automatisch positiver wirst, während du schreibst. Es lässt die “Abgase” ab.

Dasselbe funktioniert auch für Panikbetroffene. Wie ich in meinem Artikel 3 Dinge, die du bei Angst und Panik tun kannst – mit Übungen und Anleitungen schrieb, ist das sofortige Schreiben, wenn Panik aufkommt, absolut hilfreich. Es war zu meinen Zeiten (und so wäre es auch heute noch) das A und O, wenn ich irgendwohin unterwegs war. Ich schrieb einfach meine Panik auf – und damit weg. Ich war nicht nur, als eine kleine Nebenerscheinung, abgelenkt. Ich habe die Gefühle, die in mir hochkamen, auch beachtet und ihnn Raum gegeben, aber eben nicht in meinem Körper, sondern sie direkt auf das Blatt Papier wandern lassen.

Andere Studien haben nachgewiesen, dass Schreiben bei vielen psychischen Krankheitsbildern wie Depressionen, posttraumatische Belastungsstörung, Essstörungen und Suchterkrankungen heilsam wirken. Prof. Dr. med. Silke Heimes, Gründerin und Leiterin des Instituts für Kreatives und Therapeutisches Schreiben in Darmstadt, beschreibt das in ihrem Buch: Schreib dich gesund: Übungen für verschiedene Krankheitsbilder (Liturgia Condenda).

Auch in Bezug mit Angst zeigte eine Studie aus Großbritannien, dass das Verfassen von Gedichten einen heilsamen Effekt auf die Psyche von Patienten hat. Dr. Robin Philipp untersuchte 200 Studienteilnehmer am Bristol Royal Infirmatory, um eine Verbesserung ihrer mentalen Verfassung durch Schreibtherapie zu testen. Von den 200 Patienten gaben allein 56 Prozent an, dass es ihre Angst verminderte und ihren emotionalen Zustand verbesserte. Einige konnten sogar ihre Antidepressiva absetzen.

“Gedichte zu schreiben ist förderlich, weil es emotional reinigend ist, seine Gedanken und Gefühle zu Papier zu bringen”, sagte Philipp, der in seinen Behandlungsmethoden regelmäßig mit Gedichten arbeitet. “Die Paralelle zum alltäglichen Leben ist, dass wenn man viele zu erledigende Aufgaben, die einem im Kopf herumschwirren, aufschreibt, es ebenfalls zur Verringerung des Angstniveaus beiträgt.”

 

3.) Schreiben gibt dir den Raum, den du brauchst, zurück.

Wenn man eher Freiraum benötigt, also bislang eher Enge und Gefangensein verspürte, sollte man weite, freie Schreibmethoden nutzen, als sich auf Biegen und Brechen an die strikte Form von Gedichten zu halten. Umgekehrt funktioniert es genauso. Wenn du Ordnung brauchst, kaum noch Ziele in deinem Leben hast, dann kann die Form von Poesie sehr hilfreich sein, um wieder Struktur einzuführen. Das bedeutet im Detail: Es müssen nicht Gedichte sein. Gedichte eignen sich wunderbar, wenn man zu viel Ungreifbares im Kopf hat, weil man durch die Struktur von Gedichten in Strophen und Versen Form schafft. Man bringt seine Gedanken und Gefühle in eine Form, die vorher nicht da gewesen ist. Umgekehrt aber wären Gedichte bei zu viel Form im Leben (starke Anpassung im Job oder Regeln, unter denen man mehr oder minder stark leidet) eher negativ. Da eignet sich eine freie Form des Schreibens, wie assoziierende Schreibmethoden eher, um seine Gedanken und Gefühle ausbrechen zu lassen. Über die Grenzen hinweg. Zum Beispiel Tagebuchschreiben oder Methoden wie die Morgenseiten von Julia Cameron. Allein sämtliche Grübeleien aufzuschreiben, gibt deinen Gedanken genau den Raum, den sie benötigen.

Probiere Gedichte, Blogs, Gedichtblogs (hier ist meiner), Tagebuch, Reisetagebuch, Kurzgeschichten, Romane, Haikus aus. Fang irgendwo an und hör irgendwo auf. Ich liebe zum Beispiel Geschichten, aber mir dauert das zu lange, was eher daran liegt, dass meine Gefühle meist erst einmal raus wollen, bevor ich eine handfeste Geschichte mit realitätsnahen Charakteren entwerfen könnte. Schreib deine Angst raus!

Tipp! Besorg dir ein schönes, ansprechenden Heftchen oder Skizzenbuch oder Ringbuch oder Lederbuch und nimm es immer mit, wohin du auch gehst.

Liebe Grüße, Janett

Janett